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Full text of "Tilos von Kulm Gedicht von siben ingesigeln; aus der Künigsberger handschrift"

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Tilos  von  Kulm  Gedicht  von 
siben  ingesigeln 

Tilo  (von  Kulm) 


TAYLOR 

INSTITUTION 

LIBRARY 


ST  G1LES- OXFORD 


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Deutsche  Texte  des  Mittelalters 


herausgegeben 


von  der 


Königlich  Preußischen  Akademie  der  Wissenschaften. 


Band  IX. 


Tilos  von  Kulm  Gedicht  von  siben  Ingesigeln. 


BERLIN 

Weidmannsche  Buchhandlung 
1907. 


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Dichtungen  des  Deutschen  Ordens  11. 


Tilos  von  Kulm 
Gedicht 

Von  siben  Ingesigeln 

aus  der  Königsberger  Handschrift 

herausgegeben 

von 

Karl  Kochendörffer. 

Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck. 


BERLIN 

Weidmannsche  Buchhandlung 

1907. 

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UNfVFR«UTY  \ 

1 - DEC.  1934 

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Einleitung. 


Als  Verfasser  des  Gedichtes  ‘Von  siben  ingesigeln’,  wie  es  Vers  93  genannt 
wird,  bezeichnet  sich  in  der  lateinischen  Schlufsschrift  magister  Tylo  de  Culmine. 
Beendet  ist  es  in  vigilia  ascensionis,  also  am  8.  Mai,  1331.  Gedichtet  hat  Tilo  von 
Kulm  zu  Ehren  des  deutschen  Ordens,  insbesondere  des  Hochmeisters  Luder  von 
Braunschteeig , dem  am  17.  Februar  1331  als  Nachfolger  des  um  19.  November  1330 
ermordeten  Werner  von  Orseln  die  Hochmeistenciirde  übertragen  war.  Da  die 
Widmung  an  den  Fürsten  nicht  nur  in  der  Schlufsschrift  steht,  sondern  auch  in  dem 
Geilichte  selbst  Vers  77  ff.  ausgesprochen  ist,  so  ist  die  uns  vorliegende  Niederschrift 
zwischen  dem  17.  Februar  utul  dem  8.  Mai  1331  angefertigt  worden.  Ob  auch  das 
ganze  Gedicht  in  diesem  Zeitraum  entstanden,  oder  ob  es  schoti  vor  der  Wahl  Luders 
zum  gröfseren  Teil  fertig  gewesen  oder  wenigstens  begonnen  ist,  wissen  wir  nicht. 
Die  Vermutung,  die  man  aus  dem  Inhalt  und  aus  den  lateinischen  Überschriften  und 
Beischriften  schöpft,  und  in  der  man  bestärkt  wird  durch  des  Dichters  Worte  V.  45 

durch  daz  muz  ich  her  vnd  dar 

nemen  vremder  Spruche  war, 

dafs  nämlich  das  Gedicht  kein  Originalwerk  sei,  wird  bestätigt  durch  den  Umstand, 
dafs  das  Original  noch  existiert.  Die  lateinische  Vorlage  ist  der  Libellus  septem 
sigilloruui,  eines  unbekannten  Verfassers.  Er  ist  uns  erhalten  in  einer  Königsberger 
Papierhandschrift  und  steht  in  31s.  1767  hinter  dem  Tractatus  de  tribus  sanctissimis 
regibus  Bl.  48 — 165.  Diese  Handschrift  gehörte  früher  dem  Kloster  Pelplin,  wie 
aus  dem  zum  Teil  zerstörten  Besitzrermerk  auf  dem  vorderen  Vorsatz  und  dem  auf 
dem  hinteren  Vorsatz  geschriebenen  Verzeichnis  der  Klosterinsassen  hervorgeht,  an 
deren  Spitze  der  Abt  Petrus  de  Honigfeld  (1402 — 1436)  genannt  ist,  und  ist  um  die 
Wende  des  14.  Jahrhunderts  geschrieben.  Während  der  Dichter  in  der  Auswahl 
seiner  Vorlage  völlig  frei  gegenüber  sieht,  lehnt  er  sieh  in  der  Wiedergabe  zum  Teil 
wörtlich  an  sie  an. 

Literarisch  ist  Tilo  von  Kulm  nicht  weiter  bekannt.  Urkundlich  erscheint  er 
als  Tylo  von  dem  Colmen,  Domherr  des  Bistums  Samland,  am  1.  Dezember  1352, 


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VI 


als  frater  Tylo  de  Culmiue,  canonicus  ecclesie  Sambiensis,  am  21.  Dezember  1352 
und  am  17.  Mai  1353  (vgl.  Neues  Preufs.  Urkundenbuch.  Ostpr.  Teil.  II.  Abt.  Bd.  2. 
Urkunden  des  Bistums  Sa  ml  and,  hrsg.  von  C.  P.  Wodka  und  K.  Mendtlud  Nr.  404. 
407.  415). 

Ob  dieser  Kanonikus  der  samlä'ndischen  Kirche  mit  dem  Kanonikus  Tylo 
von  Ermland  identisch  ist,  der  1324  und  1328  urkundlich  auftritt,  und  den  Franz 
Hipler,  Literaturgeschichte  des  Bistums  Ermland  1873  S.  18  f.,  für  den  Dichter  hält, 
ist  nicht  gewifs,  doch  schon  wegen  der  Beziehungen  dieses  Tilo  zu  dem  Kloster 
Pelplin,  dem  er  nach  Aussage  des  Nekrologiums  eine  Bibel  geschenkt  hat  (Hipler 
a.  a.  0.  S.  27.  Anm.  29),  immerhin  nicht  unwahrscheinlich,  wenn  wir  bedenken,  dafs  ja 
der  Dichter  Tilo  von  Kulm  nach  einer  lateinischen  Vorlage  dichtete,  die  in  einer 
Pelpliner  Abschrift  auf  uns  gekommen  ist.  Vielleicht  ist  auch  der  in  der  Urkunde 
des  Samlä'ndischen  Domkapitels  vom  Jahre  1351  (Nr.  396)  genannte  Domherr  Tilo 
von  Papov  (Papau,  zwischen  Kulm  und  Kulmsee  gelegen)  die  gleiche  Persönlichkeit, 
da  er  mit  einer  Beihe  derselben  Domherren  als  Zeuge  fungiert,  wie  Tilo  von  Kulm 
in  den  andern  Urkunden. 

Das  Gedicht  Von  siben  ingesigeln  ist  uns  überliefert  in  der  Pergametühand- 
schrift  Ms.  906  (8°)  der  Königlichen  und  Universitäts-Bibliothek  zu  Königsberg  i.  Pr. 
(ältere  Signatur  LII.  23).  Beschrieben  ist  sie  von  Emil  Steffenhagen  in  den  Neuen 
Preufsischen  Provinzial  - Blättern  3.  Folge,  Bd.  8.  S.  214 — 219  und  in  dem  Verzeichnis 
der  Königsberger  altdeutschen  Handschriften,  Zeitschrift  für  deutsches  Altertum 
13  (1867)  S.  516  — 518.  Bis  zu  ihrer  Überführung  in  die  Schlofsbibliothek  am 
8.  Oktober  1541  gehörte  sie  zu  der  Bibliothek  des  deutschen  Ordens  in  Tapiau. 
Polyphemus,  der  erste  Bibliothekar  des  Herzogs  Albreckt  I.  von  Prcufsen,  hat  sie  in 
seinem  Verzeichnis  dieser  Bibliothek  unter  II,  246  eingetragen  als  „libellus  septem 
sigillorum  deutsche  reimen  auff  pergamen  gesebribenn“.  Die  Handschrift  umfafst 
einschliefslich  des  Vorsatzes  156  Blätter  moderner  Bleistiftzählung  und  besteht  aus 
20  Lagen,  bezeichnet  I — V,  vi — xx,  von  denen  19  Quaternionen  sind,  während  die 
letzte  lAige  aus  4 Blättern  besteht,  deren  erstes  weygeschnitten  ist.  Höhe  des  Blattes 
ist  17cm,  Breite  ll’ji  an;  Höhe  des  beschriebenen  Baumes  10‘h — ll’l»  cm,  Breite 
ungefähr  7 cm.  Das  Gedicht  ist  einspaltig  in  abgesetzten  Zeilen  geschrieben. 

Der  Einband  ist  alt,  Holzdeckel  mit  rotem  Schaf  leder  überzogen,  mit  2 Leder- 
schliefsen,  die  auf  dem  ll'ückendeckel  durch  2 messingene  Knöpfe  befestigt  waren. 
Schliefsen  und  Stifte  fehlen  heute.  Die  Vorder-  mul  Bückseite  des  Vorsatzblattes 
enthält  je  ein  lateinisches  OediclU  auf  den  Herzog  Luder  von  Braunschweig,  die 
offenbar  auch  von  Tilo  von  Kulm  verfafst  sind.  Das  Gedicht  auf  der  Vorderseite 
besteht  aus  6 Zeilen  zu  je  6 Worten,  die  von  links  nach  rechts  und  von  oben  nach 
unten  gelesen  die  gleichen  Hexameter  bilden.  Geschrieben  ist  das  Gedicht  ursprünglich 
3 mal.  Die  erste  Niederschrift  ist  ausradiert.  In  der  zweiten  stehen  die  den  Vers 
bildenden  Worte  nicht  genau  untereinander,  ihre  Zusammengehörigkeit  ist  erst  durch 
nachträglich  angebrachte  Linien  bezeichnet,  ln  der  dritten  Niederschrift  sind  die 
einzelnen  Worte  durch  senkrechte  Striche  genau  abgeteilt. 


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VII 


Das  Gedicht  lautet: 


Elyzabeth  , 

! carus 

Dux 

vivat 

germine 

clarus 

Carus 

de  Brunswig 

redolens 

Dux 

frontis 

honore 

Dux 

redolens 

fratrum 

lustrator 

sub  cruce 

patrum 

Vivat 

Dux 

lustrator 

amans 

fontis 

pietatem 

Germine 

frontis 

sub  cruce 

fontis 

celica 

prendat 

Clarus 

honore 

patrum 

pietatem 

prendat 

opimam 

Das  zweite  Gedicht  auf  der  Rückseite  besteht  aus  drei  Strophen: 

Stirpe  soporatur  nux.  sic  clarus  de  Brunswig 
dux.  cuins  amenosa  lux.  ex  prosapia  illustri 
Ut  madens  profluxit  ros  omnium  hoc  clamat  os. 
quod  idem  decorus  flos  preter  maculam  ligustri 
Partem  habet,  que  non  tabet  in  afflnitate. 

Cum  egregioribtis.  mundi  melioribus.  regum 
ducum  floribus  refertus  in  ubertate. 

ij  Sanguis  stirpis  veteris.  nobilis  plus  ceteris 
quod  est  donum  etheris.  intellectuale  lumen 
Ducem  extulernnt  hunc.  qui  cum  clarus  esset  tune 
clarior  est  factus  nunc,  dignitatis  per  cacumen 
C’onstitutus  ut  sit  tutus  ordinis  magister 
De  domo  teuthonica.  militum  dos  unica  mo 
rum  ipse  tunica.  dux  luderus  iuro  bis  ter 

iij  In  eo  non  ulla  fraus.  hinc  in  rama  sua  laus 
resonat  et  in  emaus.  laudum  pregnans  probitate 
Ipse  nichilominus.  dux  magister  dominus 
in  radice  cominus.  est  elyzabeth  beate 
Non  abs  causa,  sine  pausa.  ipsum  digne  promo 
Quia  castus  stabilis.  eloquens  affabilis.  princeps 
dux  laudabilis.  per  virtutes  omnis  homo. 

Diese  Gedichte,  die  in  Kursire  geschrieben  sind,  werden  wohl  von  der  Hund 
des  Dichters  selbst  als  Widmung  eingeschrieben  sein. 

Rot  sind  die  Überschriften,  Beischriften  und  die  Schlufsschrift,  ebenso  die 
gröfseren  Initialen  der  Abschnitte.  Wo  dafür  einmal  der  Raum  vergessen  wurde, 
z.  B.  beim  Beginn  des  ersten  Ingesigels,  ist  an  der  Seite  ein  rotes  H gemacht,  welches 
Zeichen  auch  sonst  noch  einigemale  zur  Andeutung  eittes  Absatzes  dient,  zuweilen 
atwh,  schwarz,  den  Leser  auf  irgend  etwas  im  Satze  aufmerksam  machen  soll. 

Die  Anfangsbuchstaben  der  Zeilen  sind  bis  auf  a v w überwiegend  grofs, 
vereinzelt  kommen  auch  bedehimnsz  vor. 

Für  die  Herstellung  der  Handschrift  ist  offenbar  das  Bestreben  des  Dichters 
von  Einflufs  gewesen,  sein  M 'erk  dem  Hochmeister  möglichst  bald  abliefern  zu  können. 


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VIII 


Insbesondere  zeigt  sich  das  natürlich  in  der  Schrift.  Diese,  im  allgemeinen  Idar  and 
leserlich,  (Schwierigkeiten  macht  nur  manchmal  die  Unterscheidung  zwischen  c und  t, 
c und  I,  T und  1,  t und  d)  wird  nach  häufigen  guten  Ansätzen  im  Laufe  der  Arbeit 
leicht  wieder  flüchtig  und  plumper,  so  dafs  man  öfters  an  verschiedene  Hände  denken 
könnte,  wenn  nicht  dieselben  Schwächen,  ebenso  wie  die  Buchstabenverschiedenheiten  in 
allen  Teilen  gleichmäfsig  wiederkehrten. 

Die  Absicht  war  es,  die  Seite  mit  20  Linien  zu  versehen,  sowie  vorn  mit 
zwei  senkrechten,  zwischen  denen  die  Anfangsbuchstaben  jeder  Zeile,  ausgerückt  und 
rot  durchstrichen,  Aufnahme  finden  sollten.  Das  Einzige,  was  davon  durchgeführt 
ist,  sind  die  Stichpunkte  für  die  Horizontallinien,  alles  übrige  tritt  sporadisch  auf. 
Die  beabsichtigte  Einrichtung  zeigt  blofs  die  zweite  Lage,  während  die  erste  nur 
Ansätze  enthält  und  die  dritte  Lage  zwar  noch  die  Horizontallinien  hat,  aber  die 
Anfangsbuchstaben  nicht  ausrückt.  Auch  im  ferneren  Verlauf  geschieht  das  Aus- 
rücken ohne  feste  Hegel , und  die  rote  Strichelung  der  einzelnen  Anfangsbuchstaben, 
statt  deren  auf  vielen  Seiten  ein  von  oben  nach  unten  durchgehender  roter  Strich 
gemacht  wird,  hört  nach  Bl.  83a  ganz  auf. 

Bis  114a  sind  20  Linien  beibehalten,  dann  mufs  wohl  ein  Überschlag  über 
das  zur  Verfügung  stehende  Pergament  eine  stärkere  Baumausnutzung  wünschenswert 
gemacht  haben;  denn  die  Seiten  114b  bis  137a  mit  Ausnahme  von  121b  bis  122a, 
und  129b  bis  130a  und  ebenso  149b  bis  151a,  enthalten  je  22  bis  2t  Zeilen. 

Die  Handschrift  enthält  zahlreiche  Korrekturen  teils  orthographischer,  teils 
etnendierender  Natur.  Emil  Steffenhagen  (N.  Pr.  Provbl.  3.  F.  8,  S.  219)  schrieb  sie 
derselben  Hand,  die  den  Text  geschrieben  hat,  zu  und  schlofs  daraus,  dafs  die  Hand- 
schrift das  Autograph  des  Verfassers  sei.  Auch  Zacher  in  seinen  Vorbemerkungen 
zu  Sleffcnhagens  Verzeichnis  (ZfdA.  13,  507)  neigt  dieser  Ansicht  zu,  die  auch  Franz 
Hipler  ( a . a.  0.  S.  20)  zu  der  seinen  machte.  Dieser  Annahme  widerspricht  aber  der 
Umstand,  dafs  in  den  Korrekturen  selbst  sieh  verschiedene  Hände  unterscheiden  lassen. 
Die  eine,  die  sich  hauptsächlich,  aber  nield  ausschliefslich,  auf  Verbesserung  von 
Schreibfehlern  mul  Flüchtigkeiten  beschränkt,  ist  die  des  Schreibers,  von  der  sich  eine 
aiulere  Hand,  die  stärkere  Änderungen  im  Texte  des  Gedichtes  vornimmt,  wesentlich 
unterscheidet. 

Wenn  auch  in  vielen  Fällen  eine  Korrektur  sich  nicht  mit  Sicherheit  der 
einen  oder  der  anderen  Hand  wird  zuweisen  lassen,  zumal  ja  noch  andere  Hände 
dabei  nicht  ausgeschlossen  sind,  so  ist  doch  in  den  wichtigeren  die  Entscheidung 
nicht  zweifelhaft.  Während  die  versehentlich  ausgelasseiwn  Verse  113 — 17  und 
1505 — 08  von  der  Hund  des  Schreibers  am  unteren  Rande  nachgetragen  sind,  ist  an 
anderen  Stellen  (890,  3906,  5904)  je  eine  Zeile  gestrichen  und  dafür  eine  Umdichtung 
ebenfalls  am  unteren,  bezw.  oberen  Bande,  geschrieben.  Die  Verschiedenheit  der 
Schrift  tritt  hier  deutlich  zutage.  Die  Nachträge  des  Schreibers  zeigen  dieselbe  Buch- 
schrift  wie  der  sotistige  Text,  die  Neuverse  dagegen  nähern  sich  mehr  der  Kursive 
(vgl.  die  Tafel).  In  ihnen  darf  man  die  Hand  des  Dichters  erblicken.  Es  kommt 
dafür  noch  ein  anderes  Kriterium  in  Betracht,  allerdings  nur  für  den  ersten  Teil 


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IX 


der  Handschrift,  da  es  mit  der  nur  bis  Vers  3260  (Bi.  33a)  rorhandenen  roten 
Strichelung  der  Anfangsbuchstaben  jeder  Zeile  zusammenhängt.  Die  Änderungen 
iles  Schreibers  müssen  aller  Erwartung  nach  vor  dieser  Arbeit  des  Rubrikators 
geschehen  sein.  Deshalb  hat  der  Rubrikator  die  nachgetragenen  Zeilen  ebenso  be- 
handelt wie  den  anderen  Text,  also  die  Anfangsbuchstaben  rot  gestrichelt,  ebenso 
auch  zur  Erhöhung  der  Deutlichkeit  oder  des  schöneren  Aussehens  wegen  die  Aus- 
lassungszeichen. Deshalb  ist  auch  da,  wo  der  Schreiber  ein  erstes  Zeiheort  ändern 
mufs,  in  den  neuen  vor  die  Zeile  gesetzten  Worten  der  Anfangsbuchstabe  rot  durch- 
strichen: 1663  An  für  Mit,  1750  Beide  für  Eine.  Der  Dichter  selbst  dagegen  feilt 
noch  an  seinem  Werke,  nachdem  es  fertig  geschrieben  und  rubriziert  ist.  Infolge 
desseti  findet  sich  Vers  890  keine  rote  Farbe  und  auch  in  den  von  ihm  nachträglich 
geänderten  Anfangsworten  oder  Buchstaben  der  Zeilen  79,  278,  650,  797,  881,  1043, 
1837  nicht.  Wenn  nun  aber  in  den  Versen  1184,  1469,  1834  die  Korrekturen,  die 
das  erste  Zeitwort  betreffen,  zweifellos  der  Schreiberhand  gehören  und  dabei  doch  der 
roten  Strichelung  entbehren,  so  kann  man  nur  annehmen,  dafs  der  Dichter  den 
Schreiber  veranlafst  hat,  diese  Änderungen  zu  bewerkstelligen,  nachdem  dieser  schon 
rubriziert  hatte.  Denn  der  Rubrikator  wird  mit  dem  Schreiber  eine  Person  gewesen 
sein:  die  roten  Überschriften  sind  der  Textschrift  sehr  ähnlich,  und  einmal,  Vers  686, 
ist  auch  mit  der  roten  Farbe  des  Rubrikators  der  Text  erheblich  geändert  worden: 
stete  gancz  mit  sichirlieit  für  Entete  gancz  mit  zirheit,  was  gewifs  nicht  ohne 
direkte  Anweisung  des  Dichters  selbst  geschehen  ist. 

Die  Annahme  eines  solchen  engeren  Zusammenarbeitens  von  Autor  und 
Schreiber,  wie  es  die  Korrekturen  vor  und  nach  dem  Rubrizieren  zur  Voraussetzung 
haben,  bietet  nichts  auffälliges,  wenn  das  Gedicht  nicht  Abschrift,  sondern  nach 
Diktat  niedergeschrieben  ist.  Dafs  dies  wirklich  der  Fall  ist,  dafür  sehe  ich  den 
Beweis  in  der  Tatsache,  dafs  unter  den  zahlreichen  Korrekturen  solche  von  Verlesungen 
gänzlich  fehlen,  während  andererseits  eine  gröfscrc  Anzahl  von  Irrtümcrn  Vorkommen, 
die  offenbar  auf  einem  Verhören  seitens  des  Schreibers  beruhen.  In  der  folgetiden 
Zusammenstellung  steht  links,  tcas  der  Schreiber  gehört  und  verstanden  hat,  rechts 
die  Korrektur,  die  bei  Vers  2234,  4432,  5080,  jedoch  nur  von  mir  vermutet  ist. 

1137  daz  Got  wurde  mensch  vnd  sayt  . . . vns  sayt 
1209  den  gelonben  vwer  e . . . den  gelouben  nver  e 
1304  sprach  bina  daz  sacli  ich  dir  . . . sag  ich  dir 
1485  durch  sache  daz  wirt  tovgen  . . . wir  tovgen 
1639  dor  inne  vnd  v'drozen  . . . vnv’drozen 
1995  si  ist  daz  in  ir  ouge  . . . inner  ouge 
2211  als  si  vor  Elyseus  . . . als  hi  . . . 

2230  mit  dem  uz  des  herczen  grünt  . . . mitten  . . . 

2234  du  salt  vor  di  svnde  lan  ...  vort  di  . . . 

3331  der  worheit  al  si  wer  ein  rouch  . . . als  si  . . . 

3380  vm  mir  arbeit  wol  schone  ...  vm  ir  arbeit  . . . 

3452  vngeliorsam  sunder  bau  . . . vnd  gehorsam  . . . 


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X 


3460  bi  wilen  in  tode  slv  ...  todes  Iv 
3534  liden  io  des  todes  tral  . . . todes  stral 
4066  vnd  swlich  sint  benvmet  . . . vns  werlich 
4384  secz  czv  machen  richtern  svs  . . . sed  czv 
4432  do  schon  vor  gotes  sweben  . . . vor  gote  sweben 
4507  als  sin  lyp  vnd  ouch  sin  houbt  . . . al  sin 
4534  des  muz  d'  ewicliche  . . . must  er 
5080  do  nimt  alcznhant  daz  sin  . . . daz  in 
5126  ob  alliz  schaczes  Orden  . . . schaczes  horden 
5375  alles  sprach  in  vvres  vlani  . . . alle  sprach 
5383  daz  di  worheit  valsche  sam  . . . valsches  an 
5386  daz  der  heilge  geistes  got  . . . geist  ist  got 
5418  geistes  got  an  allen  schrancz  . . . geist  ist  got 
5790  ein  vnd  dry  in  ein'  bot  . . . ein'  wot 

Zu  (len  Verhörungen  wird  man  auch  die  Fälle  rechnen  dürfen,  in  denen  e 
statt  ei  geschrieben  ist.  Der  Dichter  sprach  den  Diphthong  als  e mit  nachkl  tagendem  i, 
und  das  für  östliche  Laute  ungeschulte  Ohr  des  Schreibers  hörte  nur  das  e,  das  er 
schrieb,  dann  aber  meistens  in  ei  verbesserte.  Vgl.  bewenten  (beweinten)  295,  emer 
(eimer)  1634,  beden  (beiden)  1957,  steg  (steig)  2863,  geneget  (geneiget)  3276,  ken 
(kein)  4838,  geseln  4996,  czeegt  (czeigt)  5107,  warhet  (warheit)  5216,  mestern  5391. 

Eine  weitere  Stütze  für  die  Annahme  des  Diktats  bieten  die  Fälle,  in  denen 
der  Schreiber  den  Anfang  des  nächsten  Verses  schon  am  Ende  des  vorhergehenden 
schreibt: 

1657  wen  er  die  genade  ist  vor  aller 
vor  aller  vns'  svnde  mist. 

2512  durch  Esechielis  mnt  di  vnvlat 
dl  vnvlat  vnmenschlich  ist 

2541  dorvine  di  vil  reine  vor 
vorczoch  die  demut  eine. 

3637  ds  tot  antwvrte  gliche  du  vichst 
du  vichst  in  myme  riche. 

3971  ettelichen  svnd'lich  io  er  gab 
io  er  gab  gemeinlich  sich. 

5049  sin'  wid'uerte  schin  p 
piz  hin  uf  di  hoe  sin. 

5377  sine  czunge  svnd'lich  d'  werl 
d'  w'  ld  was  daz  wvnd'lich. 

6159  daz  fver  ouch  so  mud'  dort 
dort  iclich  werk  besund'. 

Bei  dieser  Herübernahme  des  folgenden  Versanfangs  an  den  Schlufs  der 
vorhergehenden  Zeile  hat  das  fortlaufende  Diktat  dieselbe,  die  Aufmerksamkeit  des 


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XI 


Schreibers  von  Rhythmus  und  Reim  ablcnkcnde,  Wirkung  wie  hei  Abschrift  eine 
Vorlage,  in  der  die  Versteifen  nicht  abgesetzt,  sondern  fortlaufend  geschrieben  sind. 

Das  bei  den  Korrekturen  beobachtete  Verfahren  ist  verschieden.  Die  falschen 
Wörter  werden  entweder  ausradiert  oder  wagerecht  durchstrichen,  wobei  der  Schreiber 
oft  noch  unterpunktiert,  während  der  Korrektor  sich  die  Punkte  spart.  Die  Tilgung 
einzelner  Buchstaben  geschieht  meistens  durch  durunter  gesetzte  Punkte.  Eingeschoben 
werden  Buchstaben,  indem  sie  über  der  Linie  nachgetragen  werden:  die  orthographische 
Änderung  geschieht  bald  durch  Uberschreiben  oder  Danebensetzen,  bald  durch  Hinein- 
schreiben  in  den  zu  korrigierenden  Buchstaben. 

Durch  die  sorgfältige  Niederschrift  unter  den  Augen  des  Verfassers,  wie  durch 
die  fleifsige  Korrektur,  zum  Teil  von  der  Hand  des  Verfassers,  ist  ein  fast  fehlerloser 
Text  entstanden,  der  auch  hochgespannten  Ansprüchen  der  damaligen  Zeit  gerecht 
werden  konnte  und  den  man  als  typisches  Beispiel  dafür  anselten  darf,  was  tum  den 
gesellschaftlich  und  literarisch  hochstehenden  Kreisen  des  Mittelalters  verlangt  wurde. 
Daraus  würde  sich  auch  für  eine  kritische  Ausgabe  die  Forderung  eines  möglichst 
konservativen  Verfahrens  ergeben.  Ich  gebe  die  Schreibung  der  Handschrift  genau 
wieder,  und  nur  die  wenigen  offenbaren  Fehler  sind  gebessert,  diese  selbst  in  den 
Apparat  vertriesen.  Die  orthographischen  Verschiedenheiten,  der  Wechsel  zwischen  cz, 
z und  c,  k und  c,  z und  s,  i und  y u.  a.  m.,  sind  beibehalten  worden.  Geregelt  ist 
nur  durchgängig  nach  dem  Lautwerte  die  Schreibung  von  i und  j und  u und  v,  und 
die  Abkürzungen  sind  aufgelöst. 

Für  i und  j steht  in  der  Handschrift  stets  i mit  oder  ohne  Strich  darüber; 
der  Strich  ist  ziemlich  regelnuifsig  in  den  Verbindungen  des  i mit  u,  n oder  m.  Über 
dem  mit  dem  i häufig  wechselnden  y steht  Punkt,  Strich  oder  keins  von  beiden. 
Zwischen  v und  u wird  weder  im  Anlaut  noch  im  Inlaut  ein  Unterschied  gemacht, 
nur  scheint  der  Dichter  eine  gewisse  Vorliebe  für  V gehabt  zu  haben,  das  öfters  aus 
einem  vom  Schreiber  gesetzten  u korrigiert  ist. 

Häufig  vorkommendes  ft,  v und  ue  ist  nicht  blofs  Zeichen  des  Umlauts;  es 
vertritt  ü (trftt  : bruet  3015,  tüben  3042,  hues  4127),  iu  (kvscliheit  1582,  lute  6104, 
bedvt  2178),  uo  (sich  652,  rft  653,  run : getün  1585),  ü (vftr  106,  mftr : vftr  1681), 
üe  (sfize  1256).  Der  Wechsel  in  der  Schreibung  ft  und  ue  ist  willkürlich,  es  kommt 
daneben  auch  ü vor,  in  welchem  das  e durch  ein  Auslassungszeichen  als  nachträglich 
eingeschoben  kenntlich  gemacht  wird.  Ich  bin  in  der  Wiedergabe  auch  uicht  konsequent 
gewesen  und  habe  manchmal  ue  für  handschriftliches  ft  gesetzt. 

Der  Umlaut  von  o und  ö wird  durch  das  nordische  o wiedergegeben.  Dieser 
Buchstabe  findet  sich  auf  deutschem  Gebiet  nur  noch  in  einer  gleichzeitigen  Hand- 
schrift des  Wismarschcn  Stadtschreibers  Hinrik  i’.  Embccke  1317 — 1338  (vgl.  F.  Grull, 
Die  Buchstaben  e utul  in  in  Wismarschcn  Stadtbüchern  usw.  des  14.  Jahrhunderts, 
im  Jahrbuch  d.  Ver.  f.  mUi.  Sprachforsch.  III,  1877,  S.  1 — 7). 

Die  Vermutung  spricht  dafür,  dafs  das  gleichzeitige  Auftauchen  des  sonst 
in  deutschen  Handschriften  unbekannten  Buchstaben  trotz  der  räumlichen  Entfernung 
einen  näheren  Zusammenhang  haben  müsse;  vielleicht  waren  Tilos  Schreiber  und 


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XII 


Ilinrik  r.  Embecke  Landsleute.  Jener,  der  das  von  einem  Deutschordenspriester  zu 
Ehren  des  Herzogs  von  Braunsehtveig  verfaßte  Gedieht  niederschrieb  und  in  der 
Umgebung  dieses  Hochmeisters  zu  suchen  ist,  mag  ettenfulls  ein  Einbecker  gewesen 
sein,  wie  der  Wismarsehe  Stadtschreiber. 

An  Stelle  des  0 findet  sieh  einmal  6 (brödekeit  601)  und  mehrmals  0 oder 
oe(noete:  toete  53.9,  2303,  irloset  2723). 

Von  Abkürzungszeichen  ist  das  häufigste  der  wagerechte  Strich  über  der  Linie 
für  n : mä  3,  küne  68;  weniger  oft  für  tn  : vreder  46,  qua  1311;  kvt  2872.  Einmal 
dient  der  Strich  auch  als  allgemeines  Zeichen  in  vfl  für  vnd  23. 

Sehr  gewöhnlich  ist  auch  das  Zeichen  s für  er  (für  re  nur  in  caturen  4943) 
und  für  ir  (d'  519,  ws  1385,  wt  704,  h'ne  4496)  und  or  (v'  577,  882,  2155,  4185). 

Gatiz  vereinzelt  findet  sich  das  Zeichen  7 für  et  : gevirrj  1922,  sj  2186 
irkvrn;  3030  und  p,  p,  p in  Lehnworten:  psone  2582,  padys  526,  platen  3823, 
ppket  1360. 

Die  übliche  Kürzung  durch  Kontraktion  zeigen  die  Kamen  Jh's,  Xps,  Jok's. 

Hochgestellt  kommen  die  Vokale  a,  0 und  u vor  für  ra  (aber  auch  &),  ro 
und  ru:  beht  419,  saement  3805,  gben  3277,  ewngelio  2398,  gden  4759;  gz  692, 1816, 
2174,  ebnen  988;  cce  4565. 

Interpunktion  fehlt  im  allgemeinen  in  der  Handschrift;  doch  Ansätze  finden 
sieh,  es  werden  Punkt  utul  Strich  verwendet.  Die  Striche  dienen  häufig  zur  Trennung 
zweier  aneinander  geschriebener  Wörter,  z.  IS.  al  / der  224,  genczlich  / noch  350,  wi  / er 
422.  do/  vor  503,  menschen / der  510.  Im  Abdruck  habe  ich  an  solchen  Stellen  die 
Worttrennung  durchgeführt,  im  Apparat  aber  den  Trennungsstrich  ebenso  wenig 
angegeben  wie  die  zur  Verbindung  zweier  getrennt  geschriebener  Wortteile  nachträglich 
angebrachten  Haarstriche. 

Daß  einsilbige  nur  aus  einem  Vokal  bestehende  Worte  gewöhnlich  zwischen 
zwei  Punkte  oder  Striche  gesetzt  werden  (z.  IS.  .e.  63,  2191,  2657,  /e/  1646,  3261,  .y. 
2081,  2082,  statt  dessen  auch  einigemal  .ie.  4799,  5390),  ist  als  Interpunktion  nicht 
anzusehen,  sondern  fällt  noch  in  die  Kategorie  der  Trennungszeichen.  Den  Übergang 
zur  Interpunktion  bilden  die  Fälle,  in  denen  dieselben  Worte  wiederholt  und  durch 
Punkte  getrennt  werden:  keilic.  heilic.  heilic.  got  1115,  hely.  hely.  vater  myn  4618. 
Ganz  unserer  modernen  Verwendung  des  Kommas  gleich  kommen  Punkt  oder  Strich 
zwischen  mehreren  gleichartigen  Wörtern:  luden,  morden.  Stelen,  brunst  4095,  phaffen/ 
richter  / ritter.  di  4489,  sin  uzvart.  sin  louf.  sin  gang  5047,  cristen.  ivden.  noch 
beiden  6180.  Auch  zur  Satztrennung  werden  Punkt  uiul  Strich,  meist  richtig, 
gebraucht,  vgl  197,  1679,  2208,  2852,  2916,  2958,  4994,  5116,  5948. 

Bei  der  Korrektur,  die  zugleich  Kritik  und  Exegese  umfaßte,  hat  mich 
lloethes  guter  llat  und  sein  scharfer,  nie  ermüdender  Blick  auf  das  wertvollste  unterstützt. 
Ihm  und  meiner  Frau,  der  treuen  Helferin,  sei  an  dieser  Stelle  herzlich  gedankt. 

Marburg,  im  Februar  1907. 

Karl  Kochendörffer. 


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Von  siben  Ingesigeln. 


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[■®°]  Prologus  libelli  feptem  figil- 

1 o r u m. 

Erft  uf  ein  gut  gelinge 
Den  fcheppher  allir  dinge 
Sal  man  denclich  rufen  an! 

An  fin  hülfe  niman  kan 
5 Redelich  czu  keiner  ftunt 
Legen  einen  vullemunt. 

Durch  daz  fi  nicht  enbrochen, 

Di  clugen,  di  fo  fprochen: 

‘Wer  ichtes  wil  beginnen, 

10  Der  hab  in  finen  finnen 
Daz  er  von  erft  Got  mane!’ 

Zo  loufet  wol  fin  kane 
Hie  nf  dirre  werlde  fe; 

Let  her  climmen  fine  vle 
15  Ken  berge  nf  mit  rate 
Zu  Gote  vru  und  fpate, 

Zo  wirt  gut  fin  anevanc 
Und  des  mitteles  anehanc, 

Lobelich  daz  ende  wirt, 

20  Gut  wirt  alliz  daz  er  birt 
\2b\  Waud  von  Gote  vluzet  ebu 
Beide  wefen  und  daz  lehn 
Allen  dingen  fuft  und  fo. 

Wen  fin  geift  der  geiftet  jo 


25  Wo  er  wil  und  wen  her  wil, 
Waz  er  wil;  der  gab  ift  vil: 
Difem  tut  her  den  getunt, 

Jeme  gibt  er  fuzen  munt, 

Andern  gibt  her  kunften  kort- 
30  Heilig  geift  und  lebendez  wort, 
Mir  ein  luczel  mite  teil 
Diner  kunfte,  berndez  heil! 
Darzu  bit  ich  mir  helfen 
Difo  gar  vil  dir  gelfen 
35  Glanczer  blume  varwe  treit: 

Eia,  fuzez  liimel  cleit, 

Mait  Maria,  fte  mir  by, 

Und  zu  fture  mir  verly 
Beide  materje  und  fin! 

40  Der  gip  mir  ein  anbegin, 

[3a]  Ein  mittel  und  ein  ende; 

Wand  ich  vil  tummer  vende 
Habe  nicht  der  alden  rat 
Weder  lieber  kunften  phat: 

45  Durch  daz  muz  ich  her  und  dar 
Nemen  vremder  fpruche  war. 
Dar  zu  wil  ich  beforgen 
Mir  etteliche  morgen 
Ackers  uz  der  alden  e, 

50  Fiol,  roten,  bernden  cle 


5.  kein’  auf  Rasur. 

34. 

dir  = der. 

6.  wllemnnt. 

38. 

r'ly  auf  Rasur. 

15.  Ken  «tue  Kein. 

39. 

TU. 

20.  birt  aus  pirt. 

42. 

vil  aus  wil.  v5dc  aus  wede. 

23.  vfi. 

45. 

vB. 

20.  ande'n. 

49. 

,e.  (so  meistens). 

33.  Daren  aus  Dazu. 

Deutsch«  Text«  d*  MltuUlur».  IX. 

1 

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2 


Wil  ich  Tuchen  indem  hac 
Mit  vernunften,  ab  ich  mac, 

Di  ich  von  Gote  habe. 

Ich  dauke  firne  ftabe 
55  Und  der  gerten  Tiner  zuckt. 

Mait  Maria,  edele  vrucht, 
Gotlieher  Gotes  Tchenke, 

Mir  mine  Tinne  lenke 
Uf  di  rechte  ftraze  dan, 

60  Daz  ich  kume  uf  den  plan 
[36]  Da  ich  di  blumen  vinde 
Vol  craft  der  Tuzen  winde, 

Di  fick  czu  der  nwen  e 
Schrenken  uz  dem  alden  le, 

65  Dir  zu  lobe,  reine  brtit, 

Und  oucli  dime  kinde  tritt, 

Daz  du  zeitlich  befpunne 
Gar  ane  menfchlich  kunne! 

Wen  ich  wil  iz,  vrowe  gut, 

70  Scheuken  dinem  orden  vrut, 

Ich  mein  den  rittern,  dinen  kint, 
Di  von  dem  duTchen  hufe  Tint 
Genennet  und  gemezzen, 
InPrufenlant  gelezzen, 

75  Oder  wo  Ti  indert  wonen 
Und  in  der  werlde  donen; 

Zu  vorderft  doch  dem  vurTten 
Von  Brunfwic,  der  Ticli  durften 
Let  nach  ern,  daz  im  ie  zam 
80  Von  dem  alden  edlem  ftam: 

D«]  Wen  her  ift  wol  gefchide 
Indem  virden  gelide 
Sente  Elzebet  verwar, 


Und  treit  daz  vrone  cruce  bar 
85  Üzen  an  dem  mantel  wiz, 
Inninclich  mit  grozem  vliz, 

Und  treit  iz  in  dem  herczen 
Binnen  an  allez  merczen, 

Den  der  orden  hat  gekorn 
90  Zn  homeifter  ane  zorn. 

Diz  puchel  Tal  oucli  weTen, 

Ab  Got  mich  let  genefen, 

Von  fiben  ingefigeln, 

Zo  wi  fich  di  entrigeln. 

95  Daz  erfte  ingefigel  ift 

Von  der  menfehheit  di  Got  Crift 
In  der  maget  an  fich  fneit 
Durch  der  werlde  felekeit; 

Daz  ander  von  Griftes  toufe 
100  Nach  criftenlichem  loufe; 

[46]  Daz  dritte  von  der  marter  pin 
Di  Crift  leit,  der  funnen  fchin; 
Daz  virde  gar  behende 
Von  Criftez  uf  erftende  j 
105  Daz  fumfte  von  der  himelvart; 
Daz  fechfte,  daz  erwider  wart 
Der  vrone  heilge  geilt  gefant, 
Der  di  junger  gar  entprant; 

Daz  fibende  und  daz  lefte, 

HO  Gar  creftic  und  gar  vefte, 

Ift  von  dem  jungeften  tage; 

Dor  über  nimant  vrage! 

Crift,  durch  din  uferftende 
Hilf  mir  daz  ich  volende 
115  Dir  zu  lobe,  ftarker  Goth, 

Ely,  heilig  Sabaoth, 


54.  a in  ftabe  auf  Rasur. 

55.  zwischen  gerten  und  Tiner  Rasur. 

71.  ritte'n. 

77.  doch  Korrektur  am  Rande.  dein 
aus  deine.  wrften. 

78.  fich  Korrektur  am  Hände. 

79.  let  Korrektur  am  Hände.  ern  aus 
eren.  wol  zwischen  ie  und  z&  ausradiert. 


80.  alden  aus  aden. 

81.  hinter  gefchide  Punkt. 

84.  bar  aus  baz. 

85.  hinter  mantel  Hasur. 

100.  criftenliche  aus  criftemliche. 

114.  ich  aus  ichz. 

116.  heilig  Korrektur  am  Hände  für  hilf. 


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3 


Vnd  zu  lob  den  balzem  fchrin, 

Der  zarten,  reinen  muter  din, 
Durch  dez  homeifters  ere  — 

120  Got  fine  felde  mere!  — , 

[5a]  Durch  find  Elizabet  vurgolt, 

Dy  er  hat  von  herczen  holt! 

13o  Got  von  erft  gerichte, 

Gar  endelich  von  nichte 
125  Schuf  himel  und  di  erde, 

Dar  nach  fneit  her  di  werde 
Engelifche  wunne  breit, 

An  materjen  waz  ir  cleit. 

Doch  dez  edelen  lichtez  mer 
150  Lucifer,  der  engil  her, 

Nam  ob  allir  engil  fchar. 

Dez  erhub  er  fich  aldar 
Alz  ummezlich  daz  er  wart 
Zo  czu  hant  in  wider  hart 
135  Turrin  dar  mit  kundekeit 
In  daz  vrone  licht  gemeit; 

Wen  er  was  fo  wunder  dar 
Daz  er  glenczen  offenbar 
In  dem  claren  fpigel  fach 
uo  Dry  perfonen  gar  gevach 
[5fr]  Sunderlichen  immer  wem; 

Licht  von  lichte  facli,  er  bern: 

Von  dem  vater  den  fun  trut; 

Er  fach  fprizen  ein  gut  crut 
145  Von  in  czweieu  unde  bren, 

Alz  von  eim  gefpringe  dren; 

Ouch  fach  er  di  dry  verfpart 
Einlich  und  in  einer  art 

117.  den  = deiu;  u im  Auslaut  öfter 
statt  tu. 

121.  Und  aus  Tente.  Vor  vur  ist  di  getilgt. 

122.  er  au*  her. 

neben  123  um  Hände  De  cafu  Lnciferi. 
127.  utlne,  vor  dem  noch  ein  Grundstrich 
ausradiert  ist. 

134.  stoischen  wid'  und  hart  .Rasur. 

137.  was  aus  waz. 

142.  Aus  bern  hat  der  Schreiber  fälschlich 
bren  gemacht. 


Inder  gotheit  eben  gliech 
150  Under  fchriben  ewiclich 
Mit  drin  perfonen  fchone 
Czu  oberft  indem  throne, 

Vater,  fun  und  heilgen  geift. 

Do  neit  er  den  dritten  meift 
155  Und  wold  an  allem  orte 
Allein  dem  lebndew  worte 
Des  vater  von  himelrich 
Wefen  ebenmezic  glich. 

Do  bleip  er  ein  kurczer  gaft 
160  Aldort  in  der  himel  glaft: 

[6  a]  Wen  kein  lefterliches  dinc 
Boben  in  des  himels  rinc 
Enmochte  nicht  erliden; 

Hochvart  begonde  riden 
165  En  da  felbe  in  fin  fper: 

Wen  zuhant  do  Lucifer 
Waz  entfproffen  unde  wart, 

Aida  viel  her,  und  gekart 
Wart  im  fin  vruer  morgen 
170  In  den  abent  vol  forgen. 

Gute  quam  im  zu  arge, 

Di  hoe  in  di  zarge. 

Im  di  heilekeit  ouch  quam 
Inden  tuvelifcAen  vlam. 

175  Suft  in  kurczer  ftunde  halt 
Was  er  zweir  var  geftalt: 

Clar  und  vinfter,  gut  und  arc, 
Hoch  und  uider  her  fich  bare, 
Engil  und  ein  tuvel  ouch, 

180  Swarcz  und  furer  wen  ein  rouch. 

145  f.  hrea  = brehen ; dren  = dru'jen. 
153.  vii. 

155.  orte  aus  Worte. 

156.  lebnde. 

164.  Hoffart  liefe  ihn  sich  gegen  seinen 
eignen  Speer  wenden. 

165.  Gu  aus  In. 

171.  im  aus  in. 

174.  tvnelifchfchen 
176.  was  aus  waz. 

180.  und  aus  vn.  fvrer  aus  fwrer. 

1* 


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4 


re&]  Seht,  do  fo  der  laftergief 
Viel  in  daz  abgrande  tief, 

Uz  ichlichem  köre  hoeli 
Hin  zu  gründe  er  ie  czoch 
185  Mit  im  den  zenden  engel. 

Dar  nach  der  falden  fprengel 
An  dem  fecliften  tage  fchuf 
Adam  und  czu  firn  gehuf, 

Im  gliche  czu  gefippe, 

190  Got  touge  eine  rippe 
Adam  uz  der  fiten  brach 
Sünder  allen  wider  fchach, 

Do  er  in  des  twalmes  fmac 
Under  eime  boume  lac: 

195  Do  gab  im  zu  rechter  e 
Got  vür  alles  fendes  we 
Evam,  di  Gotes  minne 
Benante  ein  menninne. 

Di  czwei  in  daz  paradys 
200  Saczte  Got  in  fulcher  wis 
[foj  Daz  fi  iz  folden  bewarn, 

Ob  fi  wol  jo  wolden  varn. 

Er  fprach:  ‘nizet  aller  vrucht 
Der  ir  vur  uch  fet  di  trucht, 

205  Bi  gehorfam  doch  entfam!’ 

Got  gebot  und  fprach  bi  nam 
Uber  lut  und  offenbar: 

‘Daz  liolcz  der  bekentnis  czwar 
Dez  guten  und  dez  bozen, 

210  Daz  fuld  ir  nicht  ver  ofen, 

Dez  fult  ir  nicht  vergeffen; 

Ir  fult  fin  ouch  nicht  effen!’ 
Und  fait  en  di  fache  gancz: 
‘Wiffet  daz  gar  funder  fchrancz: 


215  Ob  ir  den  boum  jo  kerbet, 

Ir  fundet  unde  fterbet!’ 

I>o  diz  Lucifer  vernam 
Daz  di  beide  gliech  alfam 
Gotes  gunft  in  fulcher  wis 
220  Hatte  in  daz  paradis 
t7*]  Gefchicket  unde  gefchaffen, 

Daz  fi  da  wider  raffen 
Uf  der  hoen  liimel  wal 
Sölden  al  der  engil  zal 
225  Di  dannen  was  gevallen, 

Und  folden  immer  fchallen 
Dort  mit  Gote  ewiclich 
In  den  vrouden  wunniclicb, 

Di  fi  hatten  gar  vorlorn 
230  Und  ir  bittirlich  enporn 
Immer  in  der  helle  glut 
Durch  hoch  vart,  durch  obermut, 
Der  tuvel  alfo  fwache 
Durch  di  benante  fache 
235  Gar  ande  wart  gedenken 

Wi  er  den  menfchen  verrenken 
Mochte  und  verriete 
Der  vrouden  und  verfchriete 
Im  dez  paradifes  ftul 
240  Und  en  drunge  in  den  pfui 
[•S «]  In  den  er  waz  gefturczet 
Und  ewiclich  gefchurczet; 

Wen  der  tuvelifche  kol 
Waz  des  nides  alfo  vol 
245  Das  im  waz  von  herczen  leit 
Um  des  menfchen  wirdekeit 
Und  um  di  groze  wunne 
Dar  zu  di  wäre  funne 


197.  hinter  Enam  Punkt. 

213.  £n  aus  im. 

215.  kerbet  am  Pande  für  brechet. 

219.  Neben  das  z in  wiz  ist  s geschrieben. 

220.  Neben  das  z »>i  paradiz  ist  b ge- 
schrieben. 


225.  Über  das  z in  waz  ist  f geschrieben. 
233.  zwischen  tuvel  und  alfo  Kasur. 

237.  hinter  mochte  Punkt. 

210.  en  au«  in. 

243.  vor  kol  Punkt. 


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5 


Tn  hatte  fchon  gebildet. 

250  Der  tuvel,  arc  verwildet, 

Snel  mit  finen  litten  fcharf 
Sich  in  eine  flange  warf, 
Gerichte  uf  gerichtet 
Er  hatte  lieh  verpflichtet 
255  Daz  er  nicht  Adam  fpreche, 
Wen  her  vil  liechter  breche 
Daz  wiep,  wen  fi  krenker  was. 
Mit  gerune,  mit  geblas 
Senfte  er  verEven  zu 
260  Sprach  und  faite:  ‘hora  du, 
[8t>]  Durch  waz  ist  verboten  dir 
Dirre  boum,  daz  faga  mir!’ 

Yer  Eve  fach:  ‘wir  funden, 

Ift  fache  daz  wir  ftunden 
265  An  difem  boum,  und  fterben, 
Ob  wir  fin  obz  ouch  kerben.’ 
‘Nicht  alfo!’  der  leide  jach, 
‘Einen  veften  raut  nur  vach 
Und  iz  difen  appel  zart! 

270  Sich,  fo  wirftu  mit  der  vart 
Aller  dinge  kunften  riech 
Und  den  grozen  goten  glich 
Ob  alle  fchepfennnge.’ 

Di  ietel  hoffenunge 
275  Des  gelubdes  alfo  groz, 

Daz  den  tuvel  nicht  verdroz, 
Twanc  ir  gedanc  ingirde, 

Dar  nach  des  appels  czirde 


VerEven,  di  vil  geile, 

280  Schir  brachte  zu  unheile: 
[9o]  Der  gehorfam  fi  vorgaz 
Und  den  roten  appel  az 
Den  ir  reichte  Lucifer. 

Durch  ir  liebe,  durch  ir  ger 
285  Adam  az  mit  ir  alfam, 

Daz  fi  im  icht  wurde  gram, 
Alleine  her  vorneme 
Daz  iz  nicht  wol  bequeme, 
Wen  er  tet  do  wider  Got 
290  Und  verkos  ouch  fin  gebot: 
Daz  waz  di  erfte  werre. 

Di  ander  fchult  waz  verre 
Bofer  wen  di  erfte  fchnlt: 
Daz  fi  zuhant  mit  gedult 
295  Beweinten  nicht  ir  funde, 
Noch  zu  der  himel  unde 
Gotes  wanten  ir  gebet, 
Sünder  Adam  nicht  me  tet, 
Do  Got  zornlich  6n  betrat, 
300  Daz  er  fchob  di  miffetat 
[95]  Hinuf  dez  wiebes  gäbe. 

Vort  fchob  di  geile  babe 
Di  fchult  und  di  miffetat 
Uf  den  valfchen  lofen  rat, 
305  So  gar  vol  gift,  der  Bangen, 
Da  mite  fi  gevangen 
Hatte  daz  gelobde  los. 

Als  fi  dar  nach  felber  kos, 


249.  batte  aus  hat.  fchen  aus  fchone. 

250.  arc  aus  art. 

258.  gervne  am  Rand  für  gerwe. 

259.  Senfte  ata  Senfter. 

260.  vü. 

261.  Vor  verboten  ist  dir  ausradiert. 

265.  bovin  aus  bovine.  vn. 

270.  wirftu  ata  wiftu. 

272.  Vnd  aus  Ynde. 

276.  den  ata  de. 

278.  Dar  am  Rande. 


281.  vorgaz  aus  vorgas. 

282.  az  aus  as. 

285.  az  aus  as. 

286.  icht  aus  ich. 

290.  v'kos  aus  v'koz. 

295.  beweinten  aus  bewenten. 

299.  in  aus  in. 

305.  So  aus  Jo. 

307.  doppeltes  daz,  einmal  gestrichen. 
los  aus  loz. 

308.  kos  aus  koz. 


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6 


Der  benanten  fchult  befchirm 
310  Leczte  brachte  ungehirm 
Grozern  wan  der  erfte  vil. 

Suz  fi  der  gehörtem  zil 
Beide  brachen  alzu  balt, 
Durch  daz  wurden  fi  verzalt 
315  Und  ouch  vilen  hin  zu  tal 
Uz  des  paradyfes  fal 
In  trupnis  und  in  knmmer. 

Daz  fchuf  an  in  ein  tummer 
Und  ein  itelicher  wan. 

320  Secht,  ein  engelifcher  man 
[10  a]  Des  paradifes  phorte 

Verhielt  von  Gotes  worte 
Und  beide  fi  gewerte 
Mit  einem  burnden  fwerte, 

325  Daz  fi  vort  icht  ewiclich 
Sundten  fo  gar  vrevelich. 

Sus  fi  beide  verturben 
Und  waz  fi  fint  erwürben 
Der  vruehte  und  der  kinder, 
330  Di  giengen  alz  ein  finder 
Von  der  erbe  funden  flam 
Mit  einander  allentfam 
Leider  nach  difem  leben 
An  alles  wider  ftreben 
335  In  di  helle  als  ein  fnur; 

Ach,  der  jhemerliclien  vur! 
Seht,  da  wider,  daz  ist  flecht, 
Mochte  keinerhande  recht, 
Noch  keinerhande  tugent 
340  Half  in  nach  irre  mugent, 


310.  Keezte. 

313.  bait  aus  hant. 

324.  burnde. 

328.  Vn. 

336.  wr. 

343.  flunt  aut  clnnt. 

344.  waf  aus  waz. 

neben  345  am  Hände  Miserieordia 
interpellat  pro  homine. 


[JO  b]  Niwen  rechte  als  ein  her 
Alle  feien  funder  wer 
Vuren  in  des  fwalges  flunt, 

Daz  was  ein  vil  herter  bunt. 

345  ISu  feht,  da  vil  tufent  jar 
Sich  verliefen  in  der  var 
Und  in  dem  abe  fchache 
Des  czornes  und  der  rache, 

Und  daz  «ungewiter  doch 
350  Sych  gelegte  genczlich  noch. 

Nach  des  erften  menfchen  val, 

Von  der  funden  uberfwal 
Wart  al  di  werlt  beclemmet 
Und  in  den  tot  gefchremmet 
355  Von  der  erbe  funden  flac. 

Do  di  fache  alfo  lac 
Daz  fich  niman  underwant 
Noch  uf  wette,  nach  nf  pfant 
Um  des  armen  menfchen  brunft, 
360  Der  hin  in  des  fandes  runft 
[JJ «]  Was  gedrungen  jemerlich, 

In  dem  her  fmerzen  bitterlich 
Leit  von  des  raottes  clamme 
Vil  verre  von  dem  tamme, 

365  Seht,  do  wart  in  himelrich 
Nuczlich  unde  hulfenrich 
Irclingen  eine  ftimme 
Gar  fenfte,  nicht  in  grimme, 

Di  waz  fuzer  mildekeit 
370  Vol,  di  durch  barmherczekeit 

Sprach  des  armen  menschen  wort. 
Als  ir  muget  hören  vort: 


350.  fych  uut  fy.  gelegt. 

353.  vielleicht  beflemmet? 

357.  ander  aus  ivnder. 

361.  was  aus  waz. 

363.  vielleicht  flamme? 

368.  fenfte  aus  femfte. 
neften  373  am  Hände  Item  muericordie 
oratio. 


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7 


‘O  fchepper  aller  beite, 

In  ymmerwernder  gleite 
375  Vlüzet,  guzet  invlute 
Setige  craft  der  gute. 

Sich,  ahnechtic,  echtic  Got, 

Wi  tif  liet  in  lunden  mot 
Der  menlch,  dir  glich  gebildet, 
380  Gar  jemerlich  gewildet, 

[lib]  Vernichtet  und  vertorben 
Und  bitterlich  irltorben, 

Leider  von  verretnis  groz, 

Des  gelubdes  trwen  bloz! 

385  Ware  gute,  mutes  vrut, 

An  di  nicht  mac  welen  gut, 
Von  der  alle  gäbe  dneft 
Und  doch  nimmerme  verhielt, 
Du  urlprinc  aller  gäbe 
390  Der  üzerwelten  habe, 

Von  diner  gäbe  eben 
Entlpruzet  berndes  leben 
Allen  dingen  nach  ir  art: 

Got,  von  himelriche  wart 
395  Der  menlch,  den  du  getirmet 
Dir  hattes  und  gefirmet, 

Herre  Got,  in  lulcher  wis 
Daz  er  indem  paradis 
Solde  welen  hoveman; 

400  Sich,  nu  hat  gedrungen  dan, 

1 12  a)  Schepper  gut,  din  hantgetat 
Arger,  Inoder,  vallcher  rat, 
Daz  er  liet  in  vinlternis 
Leider  mit  der  tulternis 
405  Bekümmert  und  beworren, 


Mit  unvlat  gar  belchorren. 

Do  du  hattes  Ichon  bereit 
Zu  des  menl'chen  vreude  breit 
Di  czirde  und  di  wunne 
410  Des  liimels  und  der  lunne, 

Got,  mit  ewiclicher  hant, 

Welch  ein  wunder:  Io  zuhant 
Uber  hant  untrwe  nam, 

Do  heimelich  zu  lamne  quam 
415  Di  Hange  mit  den  wiebe. 

Wol  eben  lief  ir  Ichiebe 
Der  gar  vervluchten  Hangen, 

Di  luz  hat  über  gangen 
Den  menlch  und  zu  valle  bracht, 
420  Als  er  hatte  e gedacht, 

[wi]  Der  leide  vient  gar  ande, 

Wi  er  jo  zug  in  Ichande 
Den  menlch  und  in  vernichte. 
Wen  du  kumlt  zu  gerichte, 

425  Zo  vertume  den  menlch  nicht, 
Got,  durch  die  benante  Ichicht!’ 
Do  Iprach  die  Gerechtekeit 
Ken  der  luzen  Mildekeit: 

‘Wi  nu,  vil  luze  Milde, 

430  Wi  biltu  allo  wilde? 

Kanltu  der  almechtekeit 
Nicht  irbiten  wirdekeit? 

Nu  la  dir  doch  gewenken, 

Du  falt  dich  baz  bedenken! 

435  Mit  wigetanen  fchieben 
Wiltu  zurucke  trieben 
Beide  urteil  und  daz  recht 
Des  vortumten  menlchen?  lecht, 


373.  Über  Schepper  ist  von  dem  Rubrikator 
über  geschrieben  0 fchepp'.  Vor  hefte  ist  dinge 
getilgt. 

375.  gvzet  aus  gufet. 

385.  gute  aus  gutes. 

387.  88.  z über  dueft  und  v'lueft  wieder 
ausradiert. 

390.  vzerwelten  aus  fzirwelten. 


395.  Der  aus  Den. 

410.  der  aus  de. 

413.  vntrwe  aus  di  trwe. 

419.  hinter  menlch  Punkt. 

424.  kvml't  am  Rande  für  käme. 
neben  427  am  Rande  Justicia. 

427.  rotes  C. 

428.  Ken  aus  Kein. 


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8 


Wen  fi  nu  fint  verrigelt 
440  Mit  briven  und  verfigelt, 

[*3<j]  Di  recht  an  miffe  wende 
Sint  kuraen  uf  ein  ende. 

Milde,  la  di  teidinc  sin 
Ken  dem  hoen  fchepper  din! 

445  Von  dem  trone  vlizen  recht 
Gar  an  alle  crumme  flecht, 

Di  lieh  jo  glieche  handeln 
Und  nimmer  lieh  vorwandeln, 

Di  keine  wis  gevegen 
450  Kan  nyman  noch  irwegen 
Uf  umbequeme  ecken; 

Si  kan  nimant  bedecken, 

Weder  gäbe,  nach  di  dreu, 

Noch  kein  ander  underftreu. 

455  Durch  daz,  fuze  Milde,  lieh 
Daz  gar  wol  bedunket  mich 
Daz  dir  gar  unkundec  fy 
Daz  recht  und  fin  louf  da  by, 
Sint  du  wider  trieben  wilt 
460  Daz  recht  und  des  rechtes  fchilt, 
[W6]  Den  der  himelifche  hof 
Hat  beweret  funder  Hof. 

Suze  Milde,  din  gedult 
Habe  um  des  menfehen  fehult! 
465  Din  rede  la  nu  ligen, 

Der  fi  vort  me  gefwigen!’ 

Set,  di  fnze  Mi  Me  nicht 
Gab  kein  antwert  uf  di  fcbicht 
Der  fteten  Gerechtekeit, 

470  Alliz  durch  befcheidenheit, 

Noch  wolde  difputiren, 

Noch  fich  ken  ir  hantiren, 


Sünder  in  warer  minne 
Uz  der  vernunften  rinne 
475  Durch  ir  ougen  fi  da  liz 
Gizen  gar  einheifez  vliz 
Alles  dar  an  underlaz 
Uf  zu  Gote  baz  und  baz, 

Und  den  zorn  ir  geben  bat, 

480  Daz  des  menfehen  wurde  rat. 
[Ua]  Als  fi  inninclich  bevom 

Um  den  armen  menfeh  verlorn 
Gebeten  hatte  fere 
An  alle  widerkere, 

485  Sus  fi  noch  zu  Gote  tet 
Luterlichen  ir  gebet 
Tief  uz  des  herczen  gründe 
Mit  clageberem  munde. 

Daz  durch  barmeherczekeit 
490  Tet  di  fuze  Mildekeit 
Uz  alfo  hoer  wirde 
Mit  fenfter  bernder  girde 
Alliz  mit  befcheidenheit 
Durch  des  menfehen  felekeit. 
495  Si  fprach:  ‘O  gut  richter  cluc, 
Uber  fich  den  ungevue, 

Durch  daz  icht  der  fchuldfege 
Und  der  ungeduldege 
Menfeh  fuft  vertumet  bliebe! 
500  Dry,  gancz  in  eine  fchiebe 
I Hb]  Gevelczet  gar  an  ende, 

Got,  difen  kummer  wende 
Den  menfehen  do  vor  benant, 
Lofe,  herre,  fine  bant! 

505  Syne  krancheit  alzubalt 
Nicht  gefachet  noch  gezalt 


444. 

Ken  aus  Kein. 

467.' 

rotes  G.  minne. 

ncien  445  am  Rande  Item  justicia. 

469. 

ge  in  gerechtekeit  auf  andern  Buch- 

445. 

rotes  C. 

staben. 

449. 

wif  aus  wiz. 

472. 

ten  aus  kein. 

451. 

vmbeqneme  au«  vmbequemen. 

476. 

heifez  au«  helfe«. 

461. 

Ämter  bof  ist  b ausradiert. 

492. 

bernde. 

465. 

rede  am  Rande  nachgetragen. 

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9 


Werde  zu  der  alden  fchult! 
Starker  richter,  mit  gedult 
Temper  dynen  langen  czorn, 

510  Und  den  menfchen,  der  vorlorn 
Was,  den  nim  czu  genaden, 

Las  in  nicht  lenger  baden 
In  der  vulen  funden  mift ! 
Wilman  merken,  als  is  ift, 

515  Der  Hangen  arkliltekeit, 

Syn  einvalt,  fin  alberkeit, 

Des  menfchen:  von  den  fchulden 
La  kumen  en  zu  hulden 
Und  laz  in  vort  dir  dinen 
520  Gar  genczlich  funder  pinen 
[15a]  Und  ouch  funder  lofen  wan! 
Wen  er  ift  din  under  tan, 

Din  hantgetat,  din  bilde, 

Dem  du  daz  fchon  gevilde 
525  Und  ouch  al  di  grünen  rys 
In  dem  fuzen  paradys 
Bevolen  hatteft  eine. 

0 richter  Got,  in  leyne 
LTnd  rieh  in  uz  der  afche, 

530  Daz  6n  der  fwarcze  laiche 
Und  der  grimmecliche  ber 
Noch  finer  gyczlichen  ger 
En  immer  me  icht  noete 
Und  en  zu  jungeft  toete!  ’ 

535  ‘Ubervluz  der  fuzekeit’, 

Aber  dar  di  Mildekeit 
Rief  mit  betelicher  vle 
Uf  zu  Gote  aber  als  e: 

‘La,  fchepper,  dich  irbarmen 


540  Des  menfchen  dyn,  vil  armen! 

[15b]  Wen  durch  finen  willen  czwar 
Alliz  myn  gederme  gar 
Ift  betrübet  inninclich. 

Herre  Got,  irbarme  dich, 

545  Wen  dir,  fchepper,  ift  wol  kunt 
Syn  krancheit,  fyn  ungefunt, 
Des  menfchen,  fo  gevangen 
Und  leider  über  gangen 
Mit  verretnis  und  mit  trugn, 

550  Der  gefchanten  Hangen  lugn. 
Sint  ouch  durch  di  felbe  fchult 
Andacht  zu  dir  mit  gedult 
Treit  di  feie,  ftarker  Got, 

Ely,  heylic  Sabaoth, 

555  Brich  enezwei  der  feien  ftrik, 
Got  almechtic  und  ewik, 

Als  dir  wiflich  ift  bekant 
Daz  di  fache  vor  benant 
Um  fo  luczcels  dinges  fchicht 
560  Allir  ding  ift  fchuld  ic  nicht! 

[16  a]  Den  unwizegen  czwar 

Mochte  man  wol  ane  var 
Dy  funde  han  verlazen, 

Wen  leider  di  verwazen 
565  Slange  erft  betroc  daz  wiep, 
Und  den  mau  troc  wiebes  liep: 
Alfuft  fi  wurden  beide 
In  grozem  herczeleide 
Und  in  kumerlichen  bau 
570  Bracht  mit  valfchem  lofen  wan. 
Durch  waz  uf  todes  velden 
Sal  man  pinlich  vergelden 


511.  Was  aus  Waz. 

556. 

vnde  wik. 

515.  (langen  aus  (langten. 

557. 

d'. 

519.  d\ 

561. 

rotes  ü.  vnwiczcegen. 

520.  pinen]  ursprünglich  finen.  Am  f ist 

564. 

wazen  aus  wafen. 

oben  ein  Haken  angebracht,  der  vermutlich  ein 

568. 

groze? 

p daraus  machen  soll. 

569. 

kvmerlichen  aus  kumerlichen. 

535.  Vvb’yluz. 

570. 

brach.  lofen  aus  lozen. 

537.  betelich'  am  Sande  für  bitt'licher. 


l r 

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10 


Mit  dem  bitterm  tode  daz 
Daz  Eva  den  appl  az, 

575  Und  den  biz  den  fi  do  tet 
Ruchelos  mit  ungeret 
Durch  geile  vorwiczcekeit 
Czwar  und  nicht  durch  gyrekeit? 

Aller  falden  hoch  gewin, 

580  Ein  gefprinc  an  anbegin 
[i65]  Und  ouch  gar  funder  ende, 
Almechtic  Got  genende, 

Schepper  riech,  du  bift  der  rinc 
Der  do  libet  alle  dinc 
585  In  vehterlicher  libe: 

Darzu  du  nicht  6nhibe 
Uz  diner  almechtekeit 
Ymmer  wernder  ewekeit 
Den  menfch  nach  dinem  bilde, 

590  Daz  er  von  dem  gevilde 
Der  vreuden  und  der  wutine 
Mit  alle  finem  kunne 
Scheiden  fulde  jemerlich 
Und  verterben  ewiclich 
595  Von  der  alden  lunde  wegn. 

Herre,  gip  im  dinen  legn 
Und  la  6n  mit  gnaden 
Nu  kamen  von  dem  fchaden 
Vnd  nim  6n  von  den  fchulden, 

600  Herre,  zu  dinen  hulden! 

[77n]  Sich,  des  flammes  brfldekeit 
Und  des  ubels  fnödekeit 
Lyt  dem  menfchen  alfo  na 
In  dem  vleifche  leider  da 
605  Daz  di  funde  funder  wanc 


573.  bitte'm. 

574.  appl'.  az  aus  as. 

576.  Rucheluf  aus  Kuchcloz. 

577.  v'wiczcekeit. 

579.  roten  C. 

586.  en  m enhibe  am  Bande  für  v'. 

593.  Sbeiden. 

595.  fende  aus  frnden.  wegn  aus  wegen. 


An  des  armen  menfchen  danc 

Slinget  in  di  feie  fin 

Und  fi  fulget  als  ein  fwin. 

Ouch  die  funde  alfo  vicht 
610  Mit  dem  menfchen  daz  er  nicht 
Vulet  noch  entfebet  fleg, 

Doch  der  kranke  und  der  treg 
Wirt  verwundet  in  den  tot. 
Herre  Got,  durch  dife  not 
615  Dinen  langen  czom  verbrich, 
Und  fo  eiflich  dich  nicht  rieh 
An  dem  armen  menfchen  kranc, 
Des  dii  bift  ein  anevanc! 

Durch  daz  laz  in  nicht  fterben 
620  Nach  ewiclich  verterben 
[775]  Durch  alder  fuude  tadel, 

Wen  du  halt  fchon  fin  adel 
Gemolt  nach  dinem  bilde, 

Irner  in  mit  dem  fcliilde 
625  Diner  hoen  majeftat, 

W'en  er  ift  din  hantgetat! 

Sich,  ftarker  Got,  wi  fwinde 
Mit  fo  vil  manchem  vinde 
Der  menfch  ummevallen  lyt 
630  Gar  an  allen  wider  ftriet! 

Im  daz  ungewiter  groz 
Hat  verbunden  fine  fchoz, 

Daz  er  von  der  fweren  laft 
Wefen  mus  der  helle  maft; 

635  Di  vinde  fi  do  eften 
Mit  vure  unde  meften 
Leider  gar  nach  difem  leben 
An  alles  wider  ftreben, 


596.  fegn  aus  fegen. 

597.  en  am  Rande.  Hinter  1»  2 Buch- 
staben ausradiert. 

601.  rotes  C. 

612.  t m treg  auf  Rasur. 

621.  alder  aus  alden.  frnde  aus  fvnden. 
627.  rotes  C. 

636.  rn. 


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11 


Den  dn  halt  gefchaffen  fyn. 

640  Herre,  fich,  di  afche  dyn 
[/Sa]  Cza  ftrowet  liet  gar  wyte 
Hin  alles  nach  der  liete 
Di  fich  zu  der  helle  vur 
Czuech  gliech  nider  als  eyn  fnur: 
645  Durch  daz  nu,  herre,  yle, 

Als  du  wol  kanft,  uf  viele 
Beiden  kethen  und  di  bant 
Aller  funder  mit  der  hant 
Diner  ewiclichen  macht; 

650  Iz  is  ziet,  vertrieb  di  nacht, 

Des  endes  ouch  gedenke 
Und  fuech  ein  gut  gelenke, 

Daz  der  arme  menfcb  zu  rü 
Kume  uz  der  funden  dru!’ 

655  Set,  do  di  Milde  gute 
Uz  der  barmunge  viute 
Ire  rede,  ire  wort 
Nuen  volendet  hatte  vort, 

Got  almechtic  fich  beriet 
660  Und  uz  finer  gotheit  l'chriet 
Heimelich  eynen  tyfen  rat 
Wi  er  den  gevangen  drat 
Yry  machte  alder  funde, 

Und  wi  er  ouch  verwunde 
665  Den  vil  argen  ronber  toup 
Und  im  beneme  finen  roup, 

Den  er  vil  manch  tufent  jar 
Zu  getriben  hatte  dar 
In  daz  vinfterniffe  breit, 


670  Do  nicht  ift  wen  herzeleit. 

Daz  gebet  an  wider  ftoz 
Der  genadin  brun  uz  goz 
Alliz  durch  des  menfchen  heil, 
Den  verleibet  hat  der  meil. 

675  J >o  jach  Got  almechtic, 

In  dry  perfonen  echtic, 

Gütlich  und  gar  redelich: 
‘Sicherlich  du  manes  mich 
Vil  genemer,  tochter  myn, 

680  Vur  di  ander  tochter  fyn. 
ft.9n]  Darzu  hat  dich  erwecket 

Dez  menfchen  bild  bedecket., 

Gar  vorfchaffen  und  vorftalt 
Von  der  funden  ane  walt. 

685  Allein  di  Gerechtekeit 
Stete  gancz  mit  fichirheit 
Gar  unver  wandelt  heldet 
Und  ouch  mit  nichte  fpeldet 
Ir  wage,  ir  gewichte, 

690  Mit  den  fi  gliech  gerichte 
Gewegen  hat  der  pine  cloz 
Durch  des  menfchen  funde  groz. 
Nicht  anders  ift  zu  tune 
Vort,  wen  daz  man  uf  fune 
695  Offenbare  mit  der  tat 

Den  vil  gar  heimlichen  rat 
Mit  dem  di  Gerechtekeit 
Temper  mit  befcheidenheit 
Eben  gliech  ir  ftrenges  recht; 

700  Wen  ouch  daz,  fet,  daz  ift  flecht. 


639.  rotes  C. 

644.  Czvech  aus  (’zvch. 

646.  viele  aus  vielen. 

650.  Iz  am  Bande  für  Ift. 

652.  fvech  aus  fvch.  gut  am  Bande, 
neben  655  am  Bande  Conrilium  trini- 

654.  fvnd®  aus  fvnd'. 

658.  Nucn  aus  Kume.  batte  aus  bäte. 
672.  vz  am  Bande  für  vnd. 

674.  v’  in  v'felbet  au*  vz. 


681.  bat  aus  kan.  erwecket  aus  er- 
wecken. 

686.  ftete  — fichirbeit  rum  Bubrikator 
aus  Entcte  — zirheit. 

687.  beldet  aus  bette. 

691.  der  pine  cloz  (hier  l)at.)  ist  das 
Gewicht  der  Strafe  in  der  einen  Wagschale.  Mit 
diesem  ins  Gleichgewicht  gebracht  hat  die  Ge- 
rechtigkeit die  andere  Scfnile,  worin  die  Sunde  ist. 

693.  rotes  C. 


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12 


[J9fc]  Inder  tyfen  trinitat, 

Dy  begyn  noch  ende  hat, 

Der  rat  alfuft  vorbedacht 
Wirt  wol  genzlich  vollenbracht. 
705  Den  ane  miffe  wende 
Enpfet  eyu  vrolich  ende 
Des  menfchen  gevencniffe 
Dort  in  der  vinfter  niffe, 

Und  wirt  ouch  los  der  funde 
710  Von  über  vluz  der  unde 
Grozer  bannherczekeit, 

Di  do  ift  zo  michil  breit, 

Breiter  wen  daz  ertriech  vil ; 

Ire  tiife  hat  kein  czil. 

715  So  ift  daz  der  tyfe  rat 
Der  begriffen  alfo  gat, 

Und  von  fachen  muz  daz  fyn 
Daz  di  clare  gotheit  fyn 
Sich  in  di  menfchheit  vlech te 
720  Und  vor  den  menfchen  vechte. 

1^0«)  Wen,  weld  ich  von  miner  tugent 
Und  von  mines  felbes  mugent 
Krigen  ken  dem  vinde  myn, 
Secht,  mit  einem  wortelyn 
725  Mocht  ich  en  uberkumen 
Wol  zu  der  werlde  vrumen: 

Suft  gefche  dem  vind  gewalt, 
Daz  recht  wurde  ouch  verfchalt. 
Und  durch  daz  an  allen  zorn 
730  Minen  fon  trut  eingeborn 
Wil  ich  zu  falden  fenden, 

Der  fal  di  Bange  phenden. 


Alfuft  der  bekorer  wirt, 

Der  dem  menfche  fchande  birt, 
735  Getreten  uf  den  nacken; 

Suft  fal  er  al  der  backen 
Gezoumen  und  betwingen 
Di  zu  im  nicht  enfwingen; 

Suft  wirt  ouch  der  ronber  toub 
740  Sines  roubes  gar  beroubt. 

[aob]  Vride  und  Gerechtekeit 
Minninclich  an  allez  leit 
Sich  üblich  denne  meynen 
Und  vruntlich  fich  voreynen 
745  Mit  helfin  und  mit  kuffin, 

Und  dor  mac  niman  czwfchen.’ 
GJotes  fun  mit  im  do  jach: 
‘Sint  daz  Lucifer  gevach 
Ken  mir  fich  wolde  feczczen, 
750  Durch  über  mut  mich  leczczen, 
Suft  bin  ich  von  verrens  her 
Eyn  urhab  des  valles  fwer. 

Von  den  fchulden  wil  ich  wefn 
Eyn  na  urfprinc  uzirlefn 
755  Des  heiles  und  der  falden. 
Dorczu  wil  ich  mich  valden 
Daz  ich  di  werld  irloze, 

Dy  wurden  ift  fo  boze 
Von  der  funden  uberfwal, 

760  Di  ich  ein  vortilgen  fal.’ 

[2ia]  Wen  der  genaden  fprengil 
Nicht  folde  fin  eyn  engil, 

Sint  er  nicht  enfchatte 
Noch  an  im  menfcheit  hatte. 


702. 

begv  aus  bege. 

737. 

gezoumen  aus  gefcoumen. 

704. 

wt 

betwingen 

auf  Basur. 

700. 

miffe  aus  niffe. 

739. 

w*t. 

709. 

los  aus  loz. 

740. 

Gar. 

710. 

vnde  aus  fwnde. 

742. 

allez  aus  alles. 

721. 

C. 

745. 

krffin  aus  kuffin. 

722. 

Ynd  aus  Wnd. 

746. 

czwfchen  aus  czwifchen. 

724. 

Secht  aus  Recht? 

752. 

def  aus  dez. 

728. 

v'fchalt  aus  v'fcalt. 

753. 

wefu  aus  wefen. 

731. 

fenden  am  Bande  für  brengen. 

754. 

lefn  aus  lefen. 

734. 

de.  birt  aus  pirt. 

762. 

nicht  aus  nicb. 

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13 


"65  Der  menfch  dar  zu  nicht  tochte 
Vor  krancheit,  noch  enmochte 
Mit  nichte  daz  volbringen. 

Seht,  durch  daz  mufte  Hingen 
Got  und  menfch  czu  houfe. 

770  Alfuft  zoch  an  eyn  Houfe 

VleyfcÄez  und  en  knechlich  cleit 
Worer  Gotes  fun  gemeit 
Noch  gütlicher  lüfte 
In  eyner  meide  brufte. 

775  Zu  der  hochcziet  wunnenclicli 
Quamen  von  dem  himelrich 
Engel  der  jerarcliien 
Gar  funder  fymonien; 

Ouch  kung  David  oberluet 
780  Gruzte  fclion  di  reyne  bruet 
\2ib]  Mit  fuzer  feiten  dingen, 

Ir  lobes  lob  vro  fingen; 

Ouch  des  vridels  ere  fayt 
Ifayas  unverdayt; 

785  Iclich  wiffag  befunder 
Ouch  fayte  michil  wunder 
Von  dem  brutegum  fo  zart 
Und  von  finer  hoen  art. 

Do  di  reine  mait  vernam 
790  Daz  der  degn  von  fulchem  ftam 
Und  fo  hoes  adels  was, 

Ouch  vil  luter  wen  eyn  glas 
Beid  fin  riechtum  und  fin  riech, 
Und  daz  niman  im  wer  gliech 
795  An  tugend  und  an  eien, 

Ir  mut  der  wart  fi  leren 


Daz  fi  volgte  alzu  hant 
Den  boten  di  ir  gefant 
Woren  von  dem  kunge  hoch, 

800  Dor  zu  fi  ir  demut  zoch. 

[22a]  Si  gelobte  truwe  gancz 

Mit  der  libe  funder  ftranez. 

Do  fach  man  fwandeliren, 

Uz  cellin  dar  riviren 
805  Schoner  juncvrowen  manche  fchar 
Mit  antliczcen  rofenvar, 

Di  mit  den  kuniginnen 
Den  wieten  falfiz  innen 
Mit  mancherleye  czirde 
810  Nach  wunfche  und  nach  gyrde 
Schone  priften  über  al. 

Do  clanc  engelicher  fclial 
Von  mancher  fuzen  zunge. 

Di  ftete  Hoffenunge 
815  Mit  iren  freeftern  beide 
Do  woren  ane  leide, 

Gancz  Gelowbc  und  Demut, 

Alles  wandeis  wol  behüt; 

Ir  muter  vor  Karitas 
820  Do  inburnder  libe  was, 

[22  b\  Dy  mit  ganczem  willen  fchnf 
Czu  der  hochczit  den  behuf. 

IIo  gar  ob  allem  rande 
Dem  kung  uz  Oberlande 
825  Wart  eyn  betthe  wunder  dar 
Riechlich  und  uz  riecher  war 
Gemacht  von  blunden  czwigen, 

Di  keyn  fyn  uberftigen 


771.  vleycsez. 

780.  Gruzte  aus  Grüfte. 

783.  ere  auf  Basur. 

787.  egrm  in  brvteg-vm  auf  Basur. 

789-  rotes  C. 

790.  lulche  auf  Basur. 

791.  adelt  auf  Basur.  was  aus  waz. 

792.  glaf  aus  glaz. 

797.  Daz  aus  Saz. 

798.  ir  auf  Basur. 

800.  t in  demut  auf  Basur. 


801.  trvwe  aus  trwe. 

801.  dar  aus  claz. 

808.  fal  G zinnen. 

815.  fvefte'n. 

817.  gelowbe  aus  gelowb. 

818.  Allef  aus  Allez. 

820.  waf  aus  waz. 

824.  über  DB  ist  ein  m geschrieben. 
827  und  828  umgestellt. 

827.  blvnden  aus  blunden. 


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14 


Noch  durch  Tinnen  nicht  enmak. 
830  Lichter  wen  eyn  Turner  tac 
Was  des  purpers  ummehanc. 
Manche  Tuze  Itymme  clanc 
Ho  von  mancher  kande  Tpil. 
Kunge,  vrowen,  juncvrowen  vil 
835  Sich  czertlich  do  bewiTten 
Und  wol  daz  bette  priTten. 

Des  bettes  Salomonis, 

So  riech  ho  Twebendes  lonis, 

Di  vir  unczwentik  alden 
840  Schon  pflegen  unde  walden. 

[ 23  a]  Riehlich  gecronet  alle 
Mit  cronen  Tunder  valle 
Alle  ordenunge  gar 
Mit  der  engeliTchen  Tchar 
845  Cherubin  und  Seraphin 
Algemeine  iren  Tin 
Mit  lobe  Tich  dar  wanten 
Und  vor  dem  bette  branten 
Mit  dinTte  algemeine. 

850  Zu  der  hoch  cziet  vil  reine 
Vloz  der  himeliTclie  tou, 

Do  er  vant  in  TuTer  Icliou 
Von  Jericho  di  roTe, 

Di  Tich  liz  uz  ir  cloTe 
855  Als  ein  vrolich  morgenrot, 

Daz  was  al  der  werlde  not. 

Als  ein  Tuzer  regen  naz 
Quam  Got  in  daz  reine  vaz, 


Mit  ave,  Tuzem  worte, 

860  In  di  guldine  pforte, 

[33  5]  Di  beTlozzen  was  und  i£t 
Und  iTt  aller  Tunder  vriTt. 

Des  tTowten  Tich  mit  Tchalle 
Inhimelriche  alle 
865  Burger  und  erczengil  fyn 
Und  di  hoben  den  liimeln  Tyn. 
Den  dritten  uz  der  drye 
Gebar  di  mait  Marie 
Sünder  alliz  ach  und  we 
870  Und  an  alliz  cunterfe. 

Des  in  himel  uy  gebraTt, 

In  der  werlde  wart  eyn  galt 
Und  was  doch  gancz  verligelt, 
Ouch  velte  gar  verrigelt 
875  Mit  czween  vuerieTen, 
f In  immer  wernden  welen, 

In  einer  gotheit  ewic  gliech, 
Creftic,  mechtic  unde  riech, 

Der  ie  was  und  immer  iTt 
880  Got  Tun  gar  an  arge  liTt. 

[24  aj  Waren  Got  und  menlclien  dar 
Bar  di  reine  bruet  vorwar, 
Allein  dowider  Ttreben 
Di  ho  inkunlten  Iwebeu 
885  Mit  mancherhande  Ipruche, 

Vol  ydoch  mancher  bruche, 

Dy  nicht  zu  der  worheit  horn 
Uud  mit  kyfe  wolden  Ttorn 


831.  Waf  aus  War..  pupera,  i las  p in 
der  Milte  auf  Hasur.  Ebenso  das  e in  vtneLlc. 
834.  diwg  am  Ramie  fiir  von. 

839.  »unczwentik. 

840.  Schon  aus  Schone.  vfi. 

842.  funder  valle  uol  = ‘ohne  Täuschung, 
echt'.  R.  dachte  an  funder  v&le  ‘ohne  Fehl'. 
845.  Echerubin. 

847.  lieh  parallel  zu  iren  fin. 

854.  Di  aus  Si. 

855.  Alf  aus  Alz. 

859.  fvzem  aus  fvzen. 


861.  beflozzen  waf  aus  bell  offen  waz. 
863.  wrewten. 

873.  waf  aus  waz. 

875.  czween  aus  ezwen.  vue'  iefen  auf 
Rasur.  Der  Reim  ist  nicht  in  Ordnung. 

878.  vfi. 

879.  hinter  ie  Punkt.  waf  aus  waz. 

880.  gar  eingeflickt. 

881.  waren  aus  Wurde. 

882.  v'war. 

883.  Allein  aus  Alleine. 


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15 


Di  wirtfchaft  und  di  hochczyt 
890  An  der  unter  falde  lyet. 

"Weder  di  gebürt  began 
Difputiren  Arrian, 

Der  in  der  kecczerye 
Eyn  meifter  was  von  crye: 

895  Er  jach:  ‘czwor  ir  muget  tobn 
Daz  ir  alfo  turret  lobn 
Sulche  hochziet  zo  zu  houf 
Wider  der  naturen  louf, 

Daz  eine  mait  ein  kint  geber, 
900  Di  doch  reine  maget  wer, 

[~’J  5]  Und  unbewollen  blibe. 

Ir  fcheppet  mit  dem  fibe 
Wazzer,  zwar  daz  dunket  mich, 
Wen  iz  ilt  nicht  fitelich 
905  Daz  ir  ouch  gar  ane  fpot 
Turt  in  dryen  einen  Got 
An  rufen  und  an  beten: 

Des  £yt  ir  uz  gejeteu 
Als  uncruet  uz  crude  fyn. 

910  Wi  mak  einer  dry  gefyn, 

Und  wi  mugn  dry  einer  wefu? 
Zwar  daz  haftu  ny  gelefn.' 

Syuez  zu  ein  ander  gab, 

Er  fpraeh:  ‘ fwiget,  lazet  ab! 

915  An  im  fulche  dink  nicht  birt 
Der  ny  wart  noch  nymmer  wirt, 


889.  aft  vnd  di  auf  Rasur. 

890.  r om  Dichter  unten  am  Hantle  für 
tr  wort  doch  nicht  fin  eben  ly  t. 

894.  waf  aus  wax.  crye  auf  Rasur. 
896.  tvrret  auf  Iiasur.  lobn  aus  loben. 

899.  geber  auf  Rasur. 

900.  maget  aus  mait.  wer  aus  were. 

901.  d in  Vnd  auf  Rasur.  blibe  aus 
bljeben. 

902.  de.  fibe  aus  lieben,  dahinter 

Rasur. 

906.  Tvrt  aus  Tnrret. 

908.  Vor  fyt  ist  ift  ausgestrichen. 

909.  rncrnet  aus  vncrut. 

911.  mugn  au«  mugeu.  wefn  aus  weTen. 


Daz  er  an  czug  di  burde 
Do  von  er  totlich  wurde. 

Wen  er  ift  almechtic,  riech 
920  Und  unvorwandelt  eben  gliech: 

[25  a]  Nindert  ift  fin  wernder  rinc: 
Welch  ein  wunderliches  dinc 
Daz  idoch  fin  center  ift 
Allenthalben  mit  der  wift? 

925  Daz  der  fich  alfo  vrifche 
Und  zu  der  werld  fich  mifclie, 

In  der  nicht  ift  wenue  not, 

Der  geloube  nicht  6n  lot 
Wigit  gar  nach  glicher  fnur 
930  Und  ift  gar  ein  koukel  vur.’ 
Alfuft  di  wider  fachen, 

Di  fuoden  und  di  fwachen, 

Unfen  gelouben  krenken, 

Uz  rechter  ftat  verrenken 
935  Mit  mancher  rede  wolden 
Und  in  gar  honlich  fcholden 
Mit  mancher  leyge  ftucke 
Der  valfchen  keczczer  tucke, 

Di  glich  den  greten  fniden. 

940  Des  mochte  nicht  geliden 
[25  6]  Der  Geloube  vorbaz  me, 

Wen  daz  unrecht  tet  im  we. 
Dorumnie  der  Geloube  fcharf 
Dor  zu  fin  antworte  warf: 

912.  geleln  aus  gelefen. 

913.  Synez  aus  Synes. 

915.  birt  aus  pirt. 

917.  czpvg. 

921.  iln  aus  ßue. 

927.  w5ne  aus  wen. 

929.  t in  Wigit  auf  Rasur. 

930.  gar  war  durchstrichen  und  dafür  am 
Rande  nicht  gesetzt;  dann  wieder  das  Ursprüng- 
liche hergestellt. 

932.  fwachchen. 

937.  leyge  aus  levte.  ftvcke  aus  ftvcken. 

938.  tvcke  auf  Rasur. 

941.  vorbaz  au«  vorbas. 


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16 


945  ‘Keczczerye,  du  bift  linc, 

Und  di  himelifche  dinc 
Dyn  Vernunft  nicht  kan  verftan, 
Durch  daz  kund  ich  dir  den  ban, 
Wen  du  bift  ein  nerröfch  gouch. 
950  Durch  daz  Tal  t u wefen  ouch 
Gevirret  dan  uf  mynen  eyt 
Gar  von  unter  heimelicheyt. 

Gote,  des  befcheid  ich  dich, 

Ift  kein  wort  unmogelich 
955  Daz  fich  zuet  zu  dingen  icht, 

An  di  funde,  di  man  nicht 
In  fchrift,  in  geloten  nennet: 

Di  worheit  des  bekennet. 

< jrot.es  Got  tun  ein  geborn, 

960  Er  ny  wemde  hat  enporn 
[56  a]  Der  gotheit,  mit  Got  in  eyn 
Ift  ein  got  an  valfche  meyn, 

Der  vernunften  fchepper  meift, 
Vater,  tun  und  heilic  geift, 

965  Nuer  ein  got,  fin  und  ein  wefn, 
Under  fchriben,  under  lefn 
In  dry  perfonen  ymmer 
Ho  hoben  der  hirnel  czimmer; 

Eyn  got,  riech,  gliech,  creftic,  ebn 
970  Swebt  in  ymmer  werndem  lehn 
In  einer  gotheit  munder; 

Got  ift  ob  alle  wunder 
Inder  gotheit  ein  got  vry 
Und  in  den  perfonen  dry, 

975  Sul't  Got  vater,  Got  fun  czwar, 


Got  ouch  heilic  geift  vor  war, 
Nicht  dry  gote,  nur  eyn  got, 

Den  durch  unfer  funden  mot 
Wir  an  rufen  hi  mit  lehre 
980  Und  uf  lazen  unfer  vle 
[26  6]  Czu  im  ken  berge  climmen 
Und  ab  uz  ougen  fwimmen 
Trene  heiz,  di  fich  enzunt 
Haben  in  des  herzen  grünt. 

9S5  So  zuliant  irbarmet  fich 
Got  über  di  f under  endelich. 

Eyn  Got  in  dry  perfonen 
Vil  mancher  hande  chronen 
Gibt  aldort  zu  lone  riech 
990  In  dem  vronen  himel  gliech 
Iclichem  nach  den  werken  fyn: 
Suft  ftet  der  geloube  myn. 

Wizzet  daz  der  felbe  Got, 

Der  fich  ny  verwandelot 
995  (Weder  kein  miflich  handeln 
Noch  keinerhand  verwandeln 
In  di  clare  gotheit  nicht 
Vellet,  nach  hat  mit  ym  pflicht). 
Seht,  der  felbe  Got  gemeit 
1000  Im  des  funs  perfone  fneit 
[27  n]  Und  an  fich  fchone  prifte, 

Daz  er  dar  nach  bewirte, 

Ein  menfchlich  cleit  geformet 
glancz, 

Gar  an  aller  funden  fprancz, 

1005  Daz  vorfehroteu  wart  an  im. 


949.  ein  ein  gonch;  das  zweite  ein  ge- 
strichen und  dafür  am  Hande  nerresch. 

950.  orch  aus  och. 

953.  C. 

955.  zvet  aus  zvt. 

957.  geloten  aus  gelozen. 

960.  ny  wernde  Part,  oder,  wie  R.  will, 
— nie  werlde  ‘nie  auf  der  Welt ' ? 

965.  Nuer  aus  Nur. 

969.  n in  ebn  auf  Rasur. 


973.  vry  aus  vro. 

976.  v'war. 

979.  Wir  aus  W. 

981.  ken  aus  kein. 

983.  heiz  aus  heis 
993.  Wizzet  aus  WiXfet. 

995  und  996  um  gestellt. 

1000.  Indes.  pfone  aus  pfouen. 

1001.  prifte  auf  Rasur. 

1006.  waf  aus  war.  fehl. 


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17 


Czwar  fin  licham  was  kein  fchim, 
Sam  doch  manche  kecczer  jen, 

Di  man  ofte  hat  gefehn 
Baden  in  der  fchanden  fweiz : 

1010  Wen  di  valfckheit  goteweiz 
Czu  jungeft  wirt  jo  offenbar. 

Daz  ift  fickerlichen  war 
Daz  di  gotheit  nicht  enleit, 

Do  der  bitter  tot  verfneit 
1015  Den  vil  claren  licham  zart, 

Der  durch  unfe  fände  wart 
Genegelt  an  daz  cruce  vron : 

Do  fang  er  fo  fuzen  don, 

Glicher  wis  recht  als  der  fwan 
1020  Singen  an  dem  ende  kan, 

[27  b]  Alleine  er  doch  lide  not 
Und  der  bitterliche  tot 
Vorfnyte  fin  gevider. 

Idoch  der  felbe  fider 
1025  Als  ein  lew,  der  eren  haft, 

Uf  von  fines  felbes  craft 
Erftunt  an  dem  dritten  tag 
Ane  we  und  ane  clag, 

Und  fin  menfch  heit,  di  e was 
1030  Totlick,  luter  wen  ein  glas 
' Wart  und  oucli  vntotlich  gar: 

Daz  ift  genczelichen  war. 

Ir  keczer,  daz  vornemet 
Und  immer  me  uch  fckemet 
1035  Des  kranken  ungelouben 
Dem  ir  nach  geht,  ir  touben, 

Ir  mugt  merken  und  hören 
Daz  ir  mögt  nicht  vorftoren 


Den  unfern  gelouben  fin! 

1040  Wold  ir  Gotes  kinder  fin, 

[28  a]  So  rat  ich,  lazet  abe, 

Oder  ein  fwarczer  rabe 
Uwer  engil  wirt  zu  left, 

Wen  der  lichnam  wirt  engeft 
1045  Hi  der  armen  feie  fin. 

Volge  nach  der  lere  min! 

Wiltu  weiden  nicht  betört, 

La  die  hochczit  unvorftort! 

Diz  gar  funder  arge  lift 
1050  Der  criftenlick  geloube  ift, 

Mit  dem  du  wirft  behalden, 

Ab  er  blibet  unzufpalden. 

Ouch  ift  czwar  kein  ander  wec, 
Nach  kein  ander  richte  ftec 
1055  Der  dich  werlich  tu  gerecht. 

Da  mite  wyzze,  daz  ift  flecht, 
Und  ab  tu  vil  lichte  ouch, 

Als  vil  mancher  tummer  gouch, 
An  den  gelouben  ftirbes, 

1060  Du  ewichlicli  vortirbes.’ 

[ssi]  Czu  der  kunclichen  hochczyt, 
An  der  unter  falde  lyt, 

Mit  riecher  gäbe  quomen 
Drykunge,  di  vernomen 
1065  Dy  hochczyt  gar  funder  ftrancz 
Bi  dem  nwen  fterne  glancz. 

Dy  dry  kunge  brachten  dry 
Oppher:  golt  von  Araby, 
Wirouch,  da  mite  mirre. 

1070  Ouch  quomen  von  der  virre 
Boten  uz  Egipteulant, 


1007.  yen. 

1009.  Iweiz  aus  [weis. 

1010.  goteweiz  aus  goteweis. 

1011.  wt. 

1016.  vnse  aus  vns. 

1019.  wir  aus  wiz.  all'  aus  alz. 
1030.  lvter  aus  luter. 

1032.  genczelichen  aus  genczlichen. 

Deutsch«  Text«  de«  Mittelalter«.  IX. 


1033.  keczer  aus  keyzer. 

1037.  mvgt  aus  mögt. 

1043.  Vw’  aus  w1.  Vor  zv  ist  vil  ge- 
stricltcn.  vor  left  Rasur. 

1044.  wirt  aus  wir. 

1045.  Tele  aus  feien. 

1056.  wyzze  aus  wyze. 

1061.  C. 

3 


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18 


Der  aptgote  gar  gefchant 
Wurden  und  czu  flagen  gar, 

So  zu  hant  do  Got  gebar. 

1075  Seht,  daz  was  der  reine  Rein, 
Dem  kein  golt  ny  glich  irfchein, 
An  alle  miffewende 
Gefnyden  ane  liende 
Uz  dem  berge:  gar  czu  Tluc 
1080  Der  daz  bilde  mit  gevuc, 

[29  a]  Daz  Nabuchodonofor 

In  dem  troume  facli  hi  vor. 

TJbervlnz,  der  eren  haft, 

Der  hocliczyt  und  der  wirtfchaft 
1085  Dinte  mit  der  engil  fchar 
Zu  dem  tifche  wunder  dar 
Nach  hevelicher  wife 
Mit  heil  trolt  bernder  fpife, 

Der  was  v£l  und  ane  czal, 

1090  Als  wol  czam  eins  kunges  fal; 
Idoch  daz  aller  lierfte 
Gerichte  und  daz  erftc 
Was  manna  funder  fchimel, 

Daz  lebende  brot  von  himel 
1095  Aller  dinge  an  unkuft. 

Riehes  fmackes  gerade  luft 
Hatte  vor  des  hungers  not 
Daz  benante  lebnde  brot. 

Do  hub  fich  ein  michel  fclial 
1100  In  dem  palas  über  al 
[295]  In  aller  himel  koren, 

Dy  nymant  mak  czuftoren: 


Di  fungen  alle  glieche 
In  der  wirtfchaft  fo  rieche : 

1105  ‘Heilic,  heilic,  heilic  Got, 

Hely,  heilic  Sabaoth, 

Heilic  fun  und  heilic  geift, 

Ein  got  aller  gote  meift, 

Du  fift  gebenediet! 

1110  Vleifch  under  brot  gewiet 
Der  werlde  czu  genaden, 

Du  haft  den  grozen  fchaden 
Und  ouch  den  ftrik  czu  brocken. 
Wol  haftu  dich  gerochen 
1115  Au  dem  ftarken  vinde  dyen: 

Du  haft  en  geflozen  yn 
Und  haft  en  alfo  verfchalt 
Daz  er  nimme  tut  gewalt 
Dir  an  diner  hantgetat. 

1120  Lob  fi  diner  trinitat!' 

Incipit  primum  figillum 
de  incarnacione  domini. 

Kunften  fchacz  und  kunften 
hört, 

Hilf,  almechtik  fcheppher,  vort 
[30a]  Diz  buchel  mir  Volbringen! 

Zo  muz  din  lob  irclingen 
1125  Und  der  üben  muter  din 
Immer  iu  dem  munde  min. 

Daz  ymand  je,  ich  rafe 
Und  umme  fuft  verblafe 


1073.  Wden. 

1075.  waf  atu  waz. 

1083.  rotes  C. 

1081.  wirtfchaft  aus  wirdetchaft. 

1087.  Über  das  verwischte  o in  bauelicU' 
ist  o geschrieben. 

1089.  D'  aus  Daz.  wai  aus  waz. 

1090.  eint  aus  ein. 

1093.  waf  aus  waz. 

1105.  hinter  jedem  heilic  ein  Punkt. 

1111.  genaden  aus  gnaden. 


1113.  1111  rom  Schreiber  ausgelassen  und 
unten  am  Rande  nachgetragen. 

1113.  ftrik  aus  ftriet 

1115-  vfnde  aus  vfnden. 

Überschrift  am  Rande  nachgetragen,  da 
der  Schreiber  den  AbsaU  gar  nicht  beachtet  und 
deshalb  auch  ohne  Initiale  fortgeschrieben  hatte, 
wofür  nun  der  Rubrikator  ein  C setste. 

1123.  Volbringen  aut  volbrengen. 

1127.  ie  am  Rande  für  er. 


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19 


Beid  den  ödem  und  di  luft, 

1130  Durch  daz  uz  der  grofen  guft 
Wil  ich  nu  daz  beczeigen 
Daz  Got  fich  wolde  neigen 
Von  himel,  daz  er  vluge 
Und  an  fich  touge  czuge 
1135  In  des  funs  perfon  gemeit 

Wol  geftalt  ein  menfchlich  cleit. 
Daz  Got  wurde  menfeh,  uns  fayt 
Der  geloube  unverdayt 
Sicherlich  der  nwen  e. 

1140  Ab  ich  rechte  wege  ge, 

Vel  1yd  der  geloube  hat, 

Di  wil  ich  bewifen  drat: 

[30b]  Wil  man,  als  uns  fayt  di  fchrift, 
An  felin  dido  hau  geftift 
1145  Den  gelouben,  fo  iz  der  lied 
Di  man  fal  lialden  bi  der  wied, 
Nwer  czwelve  gar  über  al 
Nach  der  czwelf  apoftel  czal. 

Und  wil  man  aber  merken 
1150  Di  uns  czu  vorderft  fterken 
Den  gelouben,  und  der  mau 
Sal  gelouben  funder  wan, 

So  ift  virczen  der  gelid: 

Der  gelieren  gar  gefchid 
1155  Sibne  czu  der  gotheit  ein, 

Und  der  Kriftes  menfehheit  rein 
Ouch  gehören  fibne  czu. 

Di  fiu  bedutet,  wyzze  du, 

Bi  fiben  fterneu  fchone 
1160  Und  ouch  gar  funder  hone 
Bi  fibn  luchtem  von  golde, 

Do  czwifchen  der  vil  holde 


1129.  ödem  aus  ode. 

1130.  grofen  aus  grozen.  gruft. 

1137.  nu  aus  ynd. 

1141.  lyd  am  Kunde  aus  ly t. 

1158.  wyzze  aus  wyze. 

1164.  n V ändert  aus  md  v'  ändert. 

1165.  ich  um  Kunde  nuchgetragen. 

1170.  gelonbn  aus  gelouben.  in  aut  an. 


[3/a]  Got  fun,  der  menfehe,  wandert 
Von  Gote  un  ver  ändert. 

1165  Nu  wil  ich  uch  vort  czelen 
Di  fibn  gelyd  uz  welen 
Alleine  di  uf  minen  eyt 
Gehören  czu  der  gotheit: 

Daz  erfte  ift  an  allen  fpot 
1170  Gancz  geloubn  in  einen  Got; 

Daz  ander  daz  der  vater  ift 
Got;  daz  dritte  funder  phnift 
Daz  der  fun  ift  Got  alfarn; 

So  ift  daz  virde  daz  der  vlam 
1175  Und  der  lieilge  geift  ift  Got; 

Daz  fumfte:  gar  czu  hercze  »rot 
Der  funden  ablaz  funder  wint 
Den  di  in  der  kirchen  fint; 

Daz  fechfte  ift  behende 
1180  Der  toten  uferftende; 

Daz  fibnde  ift  der  guten  lohn 
Mit  der  ewiclichen  cron ; 

[3Jb]  Bi  dem  felben  funder  fchim 
Ouch  der  bofen  pin  vornim! 

1185  Di  ander  fibn  fal  nimant  ftorn, 
Di  czu  Griftes  menfehheit  horn: 
Daz  erfte  is  das  man  jo  fal 
Gancz  gelouben  funder  val 
Daz  Gotes  fun  enpfangen  wart 
1190  Von  des  heilegen  geiftes  art; 

Daz  ander  ift  daz  er  gebar 
Von  mait  Marien,  der  vil  dar, 
Unfer  heil;  daz  dritte  warb 
Daz  er  an  dem  cruce  ftarb; 

1195  Daz  virde  daz  er  als  ein  fnur 
Nyder  czu  der  helle  vur 


1176.  vot. 

1181.  lohn  aus  Ion. 

1183.  ben  funder  fchim  auf  Kasur. 

1184.  ouch  am  Kande  nachgetragen.  in 
Toruim  auf  Kasur. 

1185.  C. 

1195.  er  nachgetragen. 

2* 


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20 


Inder  feien  forme  halt; 

Zo  ift  daz  fumfte  fo  geczalt 
Daz  er  von  des  todes  bant 
1200  Erftnnt  von  fins  felbes  hant; 
Daz  fechfte  ift  di  himel  vart, 

Do  er  glich  des  vater  art 
[32  a]  siezet  czu  der  cefmen  fyn 
Sander  aller  leige  pin; 

1205  Daz  fibnde  ift  daz  über  al 
Gotes  trat  fon  richten  fal 
Beid  di  guten  und  di  bofn. 
Nimant  mak  nach  tar  verofn 
Den  gelouben  nuer  e, 

1210  Den  von  grandelofem  fe 
Di  apoftel  han  befacht 
Und  gar  eigentlich  gemacht. 

Ab  ich  uu  rechte  wander, 
Daz  erfte  und  daz  ander 
1215  Di  czu  horn  der  gotheit  war, 
Saczte  fente  Peter  dar; 

Sint  Andreas  daz  dritte; 

Daz  virde  dar  zu  fmitte 
Sinte  Bartholomeus; 

1220  Symon  gab  daz  fumfte  fus; 

Daz  fechfte  Tadeus  treib; 
Mathias  daz  fibnde  fchreib. 

[325]  Abir  das  erft  faezte  dar 
Und  daz  ander  offenbar 
1225  Von  der  menfchlieit  Criftes  reyn 
Sinte  Jacob,  nicht  der  dein; 

Daz  dritte  Johannes  las; 

Daz  virde  gab  find  Thomas; 
Matheus  das  fumfte  fprach, 

1230  Und  daz  fechfte  gar  gevach 
Jacobus  der  minfte  fneit; 

Sind  Philip  daz  fibnde  feit. 


Dibenanten  virczen  lid, 

Wil  man  merken  gar  gefchid, 

1235  Cziit  man  uz  dem  gelouben: 

Wer  der  wil  einz  berauben, 

Der  wirt  ewiclich  verlorn. 

Ouch  di  rofe  funder  dorn 
Den  gelouben  machte  ftark, 

1240  Wen  fi  was  der  rieche  fark 
Und  daz  guldin  balfem  vaz 
Do  Got  felbe  ynne  faz 
[33 «]  Mit  der  gnaden  ubervluz 
Von  des  heilgen  geiftes  gnz. 

1245  r>ie  reine  maget  vrie 
Den  dritten  uz  der  drie 
Ane  we  menfchlich  gebar. 

Des  hatten  wol  tufent  jar 
Di  propheten  vor  begert 
1250  Ouch  kung  Salomon  vermert 
Hatte  mit  gefange  luet 
Di  vil  fuze  reine  bruet. 

Er  jach:  ‘du  czu  mole  bift 
Schone,  reiner  tilgende  kift, 

1255  Aller  libftes  vrundel  myn. 

Wen  die  fitze  ftimme  dyn 
In  minen  oren  dinget, 

Gar  touge  in  mich  dinget 
Dine  fchone,  din  geftalt, 

1260  Erentrich  gar  manicvalt, 

Aller  tugende  bernder  fchryn, 
Glenczer  wen  der  funnen  fchyn.’ 
[336]  Do  jach  di  vridelinne, 

Di  czarte  kuniginne: 

1265  ‘Min  trat  vridel,  kuffe  mich 
Mit  dem  kuffe,  des  ger  ich, 

Dines  fuzen  mundes  rein! 
Inganczen  trwen  ich  daz  mein.’ 


1209. 

nver  Korrektur  am  Bande  au*  vwer. 

1240. 

waf  au«  waz. 

1220. 

luf  aut  für. 

1253. 

Cant.  2,  14. 

1222. 

daz  aus  faz. 

1263. 

vridelinne  aus  vrilinne. 

1236. 

einz  aus  eins. 

1265. 

Cant.  1,  2. 

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21 


Der  kafeher  Got  vater  meift, 
1270  Der  kufch  ift  der  heilge  geilt, 
Gotes  trfit  fun  ift  der  munt, 
Aller  fuze  uberwunt. 

Er  jach:  ‘lyp,  di  bruftel  din 
Sin  vil  tuzer  wen  der  win.’ 
1275  Dor  in,  wen  er  waf  fo  clug, 
Sich  verbark  er  mit  gevug. 
Durch  daz  lange  vor  e fait 
Jfayas  unverdait: 

‘Sich,  ein  juncvrou  fal  enphan 
1280  Und  gebirt  gar  funder  wan 
Einen  fun  der  heizen  fal 
Von  dem  hoen  himel  gral 
[34  a]  Got  mit  uns,  Emanuel!’ 

Suft  yn  nante  Gabriel. 

1285  Befloffen  bliebt  di  pforte 
Und  wirt  an  keinem  orte 
Geoffent  und  entzloffen, 

Idach  gar  unverdroffen 
Eyn  man  nach  dem  willen  fyn 
1290  Kumet  durch  di  pforte  fyn, 
Daz  di  pforte  bliebet  gancz 
Und  der  meide  rofencrancz 
Blibet  unverreret  gar, 

Nach  und  vor  wol  gliche  dar. 
1295  Got  alleine  daz  vermac 
Gar  an  allen  wider  flac, 

Wen  er  ift  daz  groze  mer, 
Grundelos  an  alle  ver. 

Do  by  ouch  vernim  al  hy, 


1800  Wi  man  fchriebt  in  Genefi, 

Daz  di  vippernater  halt 
Ire  craft  und  ir  gewalt 
[34  6]  Gar  verlos  do  Got  zu  ir 

Sprach:  ‘bi  nam  daz  fag  ich  dir, 
1305  Du  falt  mit  aller  unluft 
Slingen  vort  uf  diner  bruft 
Und  ouch,  du  vd  nnwerde, 

Salt  niten  dich  der  erde 
Alle  dine  tage  vort!’ 

1310  Suft  daz  lebnde  mynnen  wort 
Mit  der  reinen  quam  czu  houf 
Wider  der  naturen  louf, 

Der  daz  felbe  wort  benam 
Gar  an  allen  wider  dram 
1315  Gar  ir  gewalt  czu  vuze. 

Mit  ave,  fuzem  gruze, 

Glicher  wis  natur  entgalt, 

Als  di  nater  ir  gewalt 
Verlos  von  Gotes  worte; 

1320  Suft  di  guldine  phorte 
Gar  vefte  bleip  verrigelt, 

Mit  tugenden  fchon  verfigelt. 
[3.5a]  Maria,  reiner  magetum, 

Dyn  lob  aller  engil  gum 
1325  In  himelrieche  finget, 

Ir  ftimme  hei  irclinget 
Inallir  himel  crone, 

Got  felbe  daz  gedone 
Irclinget  in  den  oren. 

1330  Des  haftu  eyn  den  thoren 


1209.  70.  kufcher  und  kn  Ich  = knffer 
und  kos. 

1271.  Tan  ift  am  Rande  für  fm. 

1273.  Cant.  4,  10. 

1275.  waf  aus  waz. 

127A  Jet.  7,  14. 

1285.  bliebt  aus  bliebet 
1280.  keine"1  aus  keinE. 

1293.  tot*  reret  am  vfib'  reret. 

1298  Grundelof  aus  ßrnndeloz. 

1300.  fchriebt  aus  fchriebet. 


1302.  Ire  aus  Ir.  vnd  aus  vnde. 

1300.  vlof  aus  v'loz. 

1304.  I.  Mos.  3, 14.  daz  i<6er  der  Zeile. 
Tag  aus  fach. 

1307.  vnw'de  aus  vnw'd®.  das  v aus 
andern  Buchstaben. 

1308.  erde  aus  erden. 

1315.  vuze  an»  vufe. 

1316.  gruze  aus  gmfe. 

1317.  wif  a us  wiz. 

1319.  v'lof  ans  v'loz. 


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22 


Nabal  von  großen  Tchulden 
Wol  wider  bracht  zu  hulden 
Ken  dem  kunge  David  her, 
Der  in  grimme  hatte  fer 
1335  Nabals  Iwindin  tot  gefworn. 
Hin  gelegt  haitu  den  zorn, 
Abygayl  vil  fuze: 

Des  niget  uf  di  vuze 
Ken  dir  waz  uf  erden  lebt 
1340  Und  waz  in  den  himeln  Iwebt, 
Du  cluge  funerinne, 

Vil  reine  mitlerinne 
1355]  Czwilchen  menfche  nnde  Got, 
Der  dich  uz  erwelet  hot, 

1345  Daz  du  filt  di  muter  fin 

Und  filt  doch  ein  maget  fyn. 
Von  fines  lelbes  genaden 
Got  von  dir  wolde  laden 
Di  menfchkeit:  wol  dich  eine, 
1350  Du  wunder  bernde  reine! 

Daz  dir  daz  wol  bequeme 
Und  Gotes  Tun  wol  czeme, 

Daz  er  an  funden  burde 
Von  dir  ein  menfche  wurde, 
1355  Wir  daz  vinden  ungezalt 
In  figuren  manicvalt 
Und  inprophecien  clug, 

Der  uns  hat  bedaket  gnug 
ln  alder  e gar  unverdait 
1360  Der  propheten  munt  gefait. 
Sagen  wil  ich  der  ein  teil. 
Got  mir  dorczu  gebe  heil! 


1335.  Nabals  aus  Nabas. 

1339.  dir  am  Ramie  für  de. 

1347.  genaden  aus  gnaden. 

1348.  dir  aus  d‘. 

1358.  bedaket  aus  bedakt. 

1368.  waf  aus  waz. 

1372.  der  aus  den.  In  pilgrym  ist  r 
in  e korrigiert  und  e übergeschrieben. 

1373.  fo  über  der  Zeile  nachgetragen. 
din  aus  min. 


[36  a]  Verrein  Egipten  lant 

Czoch  und  waz  gar  unbekant 
1365  Abraham,  der  vater  gris, 

Daz  er  pilgerimes  wis 
Da  fin  eilende  trüge. 

Doch  was  er  fo  gevuge 
Und  alfo  gar  bederbe 
1370  Daz  er  ircreik  fin  erbe. 

Wen  heimlich  czu  verSaram 
Sprach  der  pilgerym  Abram: 

‘Gich  fo  uf  di  trwe  din 
Daz  du  fift  di  fwefter  min, 

1375  Daz  mir  wol  durch  dich  gefche!’ 

Si  was  fo  fchone  und  fo  whe, 

Do  der  kung  £i  an  gefach, 

Daz  fin  mut  fich  nach  ir  brach. 
Idoch  di  wol  gemute 
1380  Gar  tugentlich  fich  hüte 
Wol  vor  aller  miffetat 
Nach  des  alden  clugen  rat. 

[366]  By  Saram  beczeichent  ift 
Di  uns  brachte  Jefum  Crift, 

1385  Ouch  di  wir  fwefter  nennen, 
Alleine  wir  erkennen 
Und  wizzen  das  fi  eine  fy 
Muter  alles  wandeis  vry. 

Aller  wolluft  uz  der  [tat 
1390  Der  luft  nimmer  me  vorgat, 
Lufteclich  fich  nider  liz: 

Ein  unmozen  vrifches  vliz, 

Des  vluz  funder  allez  ies 
Machte  naz  daz  paradiz. 

1374.  min  aus  pin. 

1376.  waf  aus  waz.  fo  hinter  was  am 
Sande  zugesetzt. 

1377.  Do  aus  D. 

1384.  ihffi. 

1385.  w'. 

1386.  W. 

1389.  rotes  CI. 

1393.  vlnz  am  Sande  für  tIos.  z in 
allez  auf  Rasur. 


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23 


1395  Daz  paradiz,  di  owe 

Was  al  der  werlde  vrowe; 
Daz  vliz  daz  von  himel  vloz 
In  der  kufchen  meide  fchoz, 
Was  der  vrone  geilt  b£nam, 
1400  Mit  des  hülfe,  als  iz  czam, 
Durch  der  meide  oren  braft 
Ein  gar  minniclicher  galt, 

[37  a]  Daz  goteliche  lebnde  wort, 
Alles  hordes  über  hört. 

1405  In  dem  rolen  garten  czart 
Got  almechtic  menfche  wart. 
Suft  in  daz  eilende  quam, 

Als  ich  faite,  Abraham 
Und  geduldeklichen  trug 
1410  Daz  eilende  mit  gevug 
Durch  fines  vater  willen 
Und  daz  er  mochte  ftillen 
Sinen  alden  langen  czorn. 
Vreu  dich,  rofe  fnnder  dorn 
1415  In  dornheit  uf  gedrungen, 
Clar  lilge  fchen  enlpningen, 
Von  dem  himeltowe  naz, 
Suzer  wen  ein  honecvaz! 

Daz  hues  biftu  daz  leibe 
1420  Gebuwet  funder  velbe 
Hot  di  wyfbeit  grundelos, 

Do  fi  daz  fuft  uz  erkos 
[37b]  Info  lioer  wirdekeit, 

Siben  fuele  dor  uz  fneit 
1425  Uf  gefchozen  filbervar, 
Gimmen  golt  di  fimze  clar, 
Pnrper  was  ir  ummehanc, 
Der  fich  binnen  ummefwanc 


In  dem  pallas,  in  dem  tron, 

1480  Den  im  liz  bereiten  fchon 
Kung  Salomon  der  wife 
Gar  lobelich  czu  prife, 

Wiet  und  groz  von  helfenbein, 
Daz  fo  lichtes  ny  irfchein 
1485  Als  der  uz  irwelte  fal 

Indem  tougentlich  der  gral 
Der  gebenedyten  vrucht 
Brachte  alder  werlde  czucht. 
Der  dort  di  engel  fpifte, 

1440  Alhi  fich  ouch  bewifte, 

Daz  alle  fcheppenunge 
Nach  finerhande  czunge 
[•JSa]  Jach:  ‘er  hat  gemachet  uns 
In  der  wyfheit  fines  funs, 

1445  Und  wir  uns  han  felbe  nicht 
Suft  von  keinerhande  fchicht 
Geformet  und  gefchiket.' 

Wo  hin  fin  gotheit  blicket 
Mit  gotlichen  ougen, 

14,50  Do  wirket  er  fo  tougen 
Werk  di  unbegrichlich  fint: 
Alfuft  bar  er  fich  ein  kint 
In  der  reinen  meide  tron, 

Des  ift  fi  der  juncvrowen  cron 
1455  Genant  von  aller  czunge, 

Der  werlde  hoffenunge, 

Ein  urfprinc  aller  falden 
Uf  dife  cziet  behalden. 

Durch  di  mait  an  allen  wanc 
1460  Got  durch  alle  chore  fwanc, 

Der  naturen  wider  fach, 

Als  der  Heilant  felbe  jach: 


1399. 

waf  aus  w&z. 

1427. 

waf  aus  waz. 

1403. 

getelicbe  aus  geteilte. 

1429. 

pallal  aus  pallaz. 

1416. 

lilge  aus  tilgen. 

1432. 

czv  aus  cz. 

1419. 

az  in  Daz  auf  Rasur. 

1435. 

TZ  dU9  TS. 

1421. 

gnwdelof  aus  grnndeloz. 

1443. 

l’s.  lOO,  3. 

1422. 

erkoa  aus  erkoz. 

1445. 

w'. 

1424. 

fwele. 

1454. 

cron  aus  krön. 

1426. 

fimze  aus  fimfe. 

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24 


[384]  ‘Durch  libe  der  vil  czarten 
Steig  ich  in  den  nuz  garten, 

1465  Daz  ich  befchowte  in  dem  tal 
Wol  di  epphel  über  al, 

Und  ouch  befeh  mit  guten 
Ab  di  wingarten  bluten, 

Und  ab  di  paris  epphelin 
1470  Vol  fmachafter  kornelin 
Czitik  weren  in  ir  blut. 

Mit  gefchre  ich  czu  mir  lut 
Di  Tele  gar  begangen, 

Bevallen  und  gevangen: 

1475  Kere,  kere,  feie,  halt, 

Kere  wider,  kere  halt! 

Erft,  kere  von  der  blintheit 
Di  din  hercze  innen  treit! 
Wend  ker  dich  czu  mir  her 
1480  Und  laz  alle  bofe  ger! 

Ker  an  alle  kunterpheit 
Und  halt  dich  czu  der  worheit! 

[39  a]  Ker  dich  czu  Gotes  blute 
Und  vlieze  dich  an  gute!’ 

1485  Durch  fache  daz  wir  tougen 
Dich  an  fehn  mit  den  ongen 
Grozer  barmeherczekeit, 
VerSele,  daz  fy  uch  gefeit 
Daz  Got,  aller  falden  fchryn, 
1490  Und  ouch  der  vorloufer  fyn 
Virftunt  fcliryen:  ‘wider  ker!’ 
Durch  virleie  funden  fer. 

Erft  ker  an  allez  wanken 
Von  funden  befer  gedanken! 


1463  f. 

Cant.  6,  10—12. 

1464. 

nuz  «M5  nn*. 

1469. 

vnd  am  Rande  narhgetragen. 

1475. 

hinter  jedem  kere  ein  Punkt. 

1479. 

wend  kann,  wie  R.  i oiü,  Imper.  von 

wenden  sein , 

; auffällig  freilich , da  hier  überall 

nur  keren  gebraucht  ist.  Möglich  ist  aber  auch 
wend  als  Adv.  = wan  'nur'  aufzufassen. 

1484. 

vlieze  aus  vliez. 

1485. 

wir  aus  wirt. 

1495. 

bnfer  aus  bofe. 

1495  Ker  von  funden  befer  red, 

Di  ietel  ift  und  nngetwed! 

Kere,  du  vil  dein  getwerk, 
Auch  von  funden  befer  werk! 
Nn  ker,  laz  dich  irbiten, 

1500  Von  funden  befer  fiten! 

Ouch  wider  ker  mit  truwe 
Von  ganczes  herczen  rawe! 

[394]  Ker  wider  gar  gediechte 

Ouch  mit  des  mundes  biechte! 
1505  Kere  wider,  buze  drat 

Mit  den  werken,  mit  der  tat! 
Wider  ker  an  wider  ftrebn 
Ouch  mit  ftetem  guten  lebn, 

Daz  wir  alfo  dich  an  fehn 
1510  Und  ouch  egentlichen  fpehn 
In  der  hoe  von  himelriech 
Gotes  czertlich  bilde  gliech! 

Suft  in  den  nus  garten  quam 
Gotes  trat  fun,  als  is  czam, 

1515  Durch  aller  funder  wille 
Gar  touge  und  gar  ftille, 

Alfo  daz  di  felbe  ftunt 
Manchen  engein  was  unkunt 
Durch  di  fache  engil  gnuc 
1520  Sit  her  vrogten  mit  gevuc, 
l)o  er  czu  lande  wider  zoch 
In  daz  himelrieche  hoch, 

Glich  fi  fprochen:  ‘wer  ift  der 
Kung  und  ouch  der  werlde  ger, 
1525  Der  gewaldiclichen  czogt 
Als  gar  ein  erwegen  vogt 


1497.  dein  aus  klein. 

1503—1504  und  1509—1526  stehn  auf 
Rasur.  Ihr  Schreiber  halle  versehentlich  die  Zeilen 
1463 — 1482  Blatt  384  noch  einmal  geschrieben. 

1505  — 1508  ausgelassen  und  vom  Schreiber 
unten  nachgetragen. 

1505.  drat  au«  dat. 

1518.  waf  aus  waz. 

1520.  Das  h in  her  ist  nachgetragen. 
1523.  des.  03,  1—3. 


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25 


[40  a]  Uz  der  Egipten  lande 
Mit  fo  rotem  gewande, 

Betreutet  gar  mit  blute?’ 

1530  ‘Ja’  fprach  der  wol  gemute 
Und  der  werde  degen  rein 
‘Di  winpreffe  liab  ich  ein 
Getreten  indem  garten 
Durch  willen  der  vil  czarten: 
1535  Von  der  erbeit  fulcher  not 
Myn  gewant  mit  blute  rot 
Ift  befprenget  über  al 
Von  der  fcheiteln  hin  czu  tal.’ 
Ouch  den  ni  vleifchlich  ouge 
1540  Gefach  in  finer  touge 
Und  in  finer  heimlichkeit, 

Czug  an  mit  befcheidenheit 
Di  menfckheit  an  arge  lift. 

Wir  bevinden  daz  iz  ift 
1545  Wol  befiguriret  jo. 

Do  man  fchribt  in  Exodo: 

\4o  b]  “Moyfi,  dem  manne  reyn, 

Got  invlammes  vnr  erfchein 
In  eines  pufehes  mittel, 

1550  Dem  ni  gebrach  ein  tittel. 

Er  fach,  als  er  bekante, 

Daz  der  pufch  lichte  brante 
Und  der  pufch  doch  ni  verbräm’ 
Bi  dem  pufche  man  verftan 
1555  Sal  Mariam  di  vrie! 

Den  dritten  uz  der  drie 
Bi  dem  vlamme  du  vemim, 

Gar  an  aller  funden  fchim 
Gotes  fun,  der  mitten  faz 
1.560  Indem  uz  er  weiten  vaz. 

Der  prophete  unverdait 


Uns  daz  fchrybet,  do  er  fait: 
‘Got  hat  gemacht  nach  werden 
Ein  nuwe  dinc  uf  erden: 

1565  Wibes  nam  gar  valfches  an 
Ummegriefet  einen  man.’ 
o]  Mitten  in  irs  herczen  fchrien, 
In  ir  magetum  fo  fien, 

In  ir  fchos  al  umme  greif 
1570  Den  aldort  der  himel  reif 
Ny  befloz  noch  umme  ginc. 

Den  alum  und  ummevinc 
Der  pufch  an  allez  valben, 

Des  center  allenthalben 
1575  Ift  und  doch  fin  umme  fweif 
Nindert  ift,  den  umme  greif 
Der  vil  kufchen  meide  fclioz. 
Den  des  leben  ny  verdroz 
Dort  in  himelrieche  hoch, 

1580  Hi  di  menfchheit  an  fich  czoch. 
Wen  der  pufch,  w'underfune, 

In  küfchheit  alfo  grüne, 

Gab  dem  fcheppher  fulche  luft 
Daz  er  in  der  kufchen  bruft 
1585  Wolde  raften  unde  rün, 

Got  wol  mochte  daz  getiin. 

[47  5]  1 )az  Maria  juncbetait, 

Di  gebenedyte  mait, 

Got  und  menfchen  bere 
1590  Und  doch  eyn  maget  were 
Nach  der  gebürt  recht  als  e, 
Ane  fmerczen,  ane  we, 

Daz  ift  befiguriret, 

Wol  lufteclich  geziret 
1595  Mit  eime  glichnis  fchone 
In  Salomonis  crone 


1535. 

vfi  aus  vnd. 

1562. 

Jerem.  31,  22. 

vns  aus  md. 

1544. 

w1. 

1567. 

in  aus  im. 

1545. 

Vor  io  ist  wol  gestrichen. 

1569. 

C. 

1546. 

2.  Mos.  3,  2. 

1573. 

Der  ans  I>em. 

allez  aus  aller. 

1550. 

gebrach  aus  gebrac. 

1576. 

Nindert  aus  Hinder. 

1550. 

faz  aus  fas. 

1578. 

De  oiui  Des. 

1560. 

vaz  ans  ras. 

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26 


Czu  vorderft  in  dem  tempil 
Wol  funder  al  exempil: 

Set,  bi  Aronis  gerte, 

1600  Allein  fi  were  herte, 

Idacli  fy  den  prys  ervacht, 

Wen  fi  bracht  in  einer  nacht 
Louber,  blnt  und  mandilkern. 

Bi  der  gerten  wil  ich  wem 
1605  Uch  di  raaget  reyne; 

Bi  den  loubern  gemeyne 
[42  a]  Ir  nmmaze  groze  tugnt, 

Der  vil  reinen  blunde  jiignt; 
Vernemet  bi  der  blute 
1610  Be  uzen  ire  gute 

Und  ir  reine  fchones  lebn 
Ho  ob  aller  engil  webn; 

Bi  dem  fuzen  mandelkern 
Wol  vernemt  den  nuwen  ftern, 

1615  Gotea  trat  fuu  eingeborn, 

Der  von  der  maget  uz  erkorn 
In  der  inenfch  heit  hi  gebar. 

Czwar  fi  ift  di  fchale  dar 
Di  der  wife  Salomon 
1620  Und  der  wore  Gedeon 
Hat  vollen  vol  geladen 
Des  towes  der  genaden, 

Den  er  uz  der  wolle  drang. 
Gedeon,  der  ander,  twang 
1625  Bi  dem  czeichen  figeber 
Sine  vinde  dar  und  her. 
h]  Ouch  Griftes  inenfchheit  munder 
Nach  wunfche  ift  befunder 
Befiguriret  ftarke 
1630  Bi  der  gelubdis  arke 


Clar  guldin  uz  nnd  inne 
Von  gotelicher  minne, 

Binnen  der  mit  gutem  rat 
Der  guldine  eimer  ftat, 

1635  I»  dem  gar  unzu  fpalden 
Liet  tougentlich  behalden 
Manna,  lebndes  himel  brot, 

Mit  der  e di  Got  gebot. 

Dor  inne  unverdrozen 
1640  Ouch  lyt  v61  wol  befloffen 
Di  blunde  gert  Aronis 
Vol  nuczes  unde  lonis. 

Bobn  der  archen  funder  val 
Swebet  der  gnaden  gral. 

1645  Bi  der  archen,  als  ich  las, 

Di  gemacht  von  holcze  was, 
[4.?a]  Gotes  muter  ift  benumt, 

Uz  und  inne  gar  durch  blumt, 
Liecht  in  bumder  libe  groz. 
1650  Wol  der  reinen!  gar  durch goz 
Ir  lippen  di  genade. 

Und  do  by  gar  gerade 
Bi  dem  fwebnden  gral  vornym 
Got  in  vleifche  funder  fchym, 
1655  In  der  menfchheit  ane  dorn 
Und  ouch  gar  an  allen  zom. 
Wen  er  di  genade  ift 
Vor  aller  unfer  funden  mift 
Und  ift  der  genaden  jar, 

1660  Der  fich  uz  der  arken  clar 
Der  werlde  bar  czu  trofte, 

Di  er  dar  nach  irlofte 
An  der  czarten  menfchheit  fyn 
Mit  v61  grozer  marter  pyn. 


1001.  Idaeh  aut t Idac. 

1607.  vmraaze  aus  vmraafe. 

1614.  vernemt  au«  vernemet.  Hinter 
den  ist  d£  gestrichen. 

1623.  drang  atu  trang. 

1634.  eim'  atu  em'. 

1635.  Imdem. 

1636.  tougentlich  aus  tougentlic. 


1639.  vnVdroaen  atu  vnd  V dreien. 

1642.  vH. 

1649.  Liecht  atu  Liech. 

1657.  Hinter  ift  ist  Vor  aller  der  nächsten 
Zeile  geschrieben  und  ausradiert. 

1662.  nach  atu  nac. 

1663.  an  für  mit 


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27 


1665  Und  von  der  m&rter  orden 
Ift  ficherlichen  worden 
6]  Di  arche  al  zu  nuczce 
Dor  zu  daz  fi  befchuczce 
Daz  volc  vor  den  vinden  ftark; 
1670  Und  zu  allen  wunden  ark 
Ift  fy  eyn  erczetie, 

Di  reine  maget  vrie. 

Heil  und  troft  ift  umbetrogn 
Den  di  uz  der  werlde  czogn, 
1675  Und  ouch  aller  funder  vrift 
Ja  di  blunde  gerte  ift, 

Di  hy  treit  di  bernde  vrncht, 
Czu  der  alle  funder  vlucht 
Neraen,  di  vorvluclitic  fin 
1680  Durch  der  leiden  funden  pin. 
Wen  ir  wille  ift  fo  mür 
Daz  fi  fchaches  buzet  vür, 

Wen  betrübt  der  funder  ftat 
Und  im  nahin  lyt  der  mat. 

1685  Wer  ift  dem  daz  nicht  behait 
Von  der  fuzen  milden  mait? 

[Wo]  Merket  von  der  reinen  baz: 
Si  ift  unfer  zuverlaz, 

Do  von  daz  fi  went  fich  fo 
1690  Daz  fi  fich  erbarmet  jo 
Uber  di  funder  fo  zuhant. 

Set,  do  von  ift  fi  genant 
Eine  muter  wol  gemeit 
Aller  barmeherczekeit 
1695  Von  den  fchulden  di  hi  ftrebn 
Und  hi  in  den  funden  lebn 


Und  doch  fich  do  by  nyten 
Daz  fi  ein  dinft  irbyten 
In  andacht  der  vil  milden: 
1700  Als  fumeliche  wilden 
Mit  einer  deinen  vafte, 

Oder  laden  heim  czu  gälte 
Imand  in  irme  namen; 

Onch  etteliche  ramen 
1705  Der  reinen  mait  befunder 
Mit  eim  gebete  munder; 

(A4  5]  Etteliche  fuft  und  fo 
Ir  irbyten  andacht  jo. 

Sed,  in  den  verholen  gar, 

1710  Daz  doch  ungewiz  ift  czwar, 
Gancze  hoffenunge  liet 
Daz  fi  uf  di  leite  eiet 
Von  der  fuzen  hülfe  fchyn 
Selic  werden  unde  fyn. 

1715  Des  fich  di  maget  rumet 
Und  al  der  werlde  numet 
Daz  fi  fy  an  ungemach 
Di  leiter  di  Jacob  fach, 

An  di  nimant  kumen  kan 
1720  Czu  dem  tugentriche»  man 
Den  Jacob  dort  leinen  fach 
Bobn  der  leiter  gar  gevach: 
‘Ouch  nicht  ich  uch  verfwige 
Daz  ich  hab  myne  czwige 
1725  Zu  lazen  und  czu  breitet 
Und  hab  fi  wiet  geleitet 
[A5aJ  Als  eine  grüne  linde, 

Daz  man  dor  under  vinde 


1673. 

vmbetrogn  aus  vmbe trogen. 

1707. 

etteliche  atM  ettelich.  vnd 

1678. 

der  aus  des. 

aus  rnde. 

1679. 

hinter  nemen  Punkt. 

1709. 

den  aus  dem. 

1681. 

r in  mtr  aus  e. 

1719. 

kil  aus  fach. 

1683. 

betrvbt  aus  betrvbet. 

1720. 

tugentriche. 

1685. 

dem  aus  de. 

1723. 

Freie  Auslegung)  von  Jes.  Sirach  21, 

1690. 

erbarmet  «im  nbarmet. 

17—30  mit  Kinfkchlung  eitler  Stellen  lies  Hohen 

1695. 

der? 

Liedes  u.  a. 

1696. 

bi  aus  hin. 

1727. 

Alf  «im  Ali. 

1701. 

Tafte  ai«  vaften. 

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28 


Knie  vor  der  hiczczen  glut: 
1730  Ja,  ich  bins  ein  fchaten  hut, 
Der  ficherlich  irquicket 
Di  funder  nnde  fchicket 
Daz  fi  werden  wol  gefunt 
Von  der  funden  uberflunt. 
1735  Des  kamt  alle  di  min  gern! 
Mine  vrucht,  der  mandilkem, 
Wil  uch  in  hoer  wife 
Mit  ymmer  wernder  Ipife 
Spifen  ewiclichen  wol 
1740  Vor  der  heizen  helle  kol. 

Dor  zu  uz  dem  keller  fyn 
Wil  her  fchenken  kulen  wyn, 
Der  gar  famfte  tut  der  burft 
Und  verlefchet  allen  dürft; 
1745  Wen  gepreffet  ift  der  win 
Uz  der  lebnden  trubein  myn, 
Suzer  wen  ein  balfemfmak. 
Got  und  menfche  in  mir  lak, 
Do  von  bin  ich  ein  betait 
1750  Beide  muter  unde  mait. 

Wen  do  er  fach  min  clofen 
Mit  lilgen  und  mit  rofen, 

Mit  blnmen  glancz  beftrowet, 
Der  degen  wart  irvrowet, 

1755  Do  er  min  blunde  bette  fach, 
Daz  im  wart  czu  mir  fo  gacli 
Und  alfo  nach  mir  brante 
Das  er  mich  fwefter  nante 
Und  ouch  fin  libea  vrundel, 
1760  Des  bot  er  mir  fin  mundel 
Lyplich  in  ganczen  truwen. 
Der  fenix  fich  vernuwen 
In  mir  wolde,  als  er  tet, 


Ich  tet  gerne  fine  bet. 

1765  Sed,  do  von  der  funnen  fpil 
Mir,  der  finen  muter,  wil 
t Mn]  ('zwar  eins  noch  keins  verfagen. 
Kein  funder  fal  verczagen, 

Wen  ich  kan  6n  di  hulde 
1770  Von  funden  aller  fchulde 
Ken  minem  fun  Erwerben, 

Ich  la  nimand  verterben. 

Wen  ich  milde  wol  getan 
Alle  funder  uz  dem  ban 
1775  Enpfa  und  fi  behulle. 

Vrag  nymand  ab  ich  fülle: 

Ich  fal!  er  mich  gewerte 
Mit  Simeonis  fwerte 
Dort  durch  al  der  werlde  Ion 
1780  Under  deme  cruce  vron, 

Do  er  mich  nante  muter, 

Min  reiner  fun  vil  guter, 

Dem  ich  eine  ftunt  benebn. 

Set,  al  da  wart  mir  gegebn 
1785  Daz  ich  heiz  der  funder  troft. 

Ei,  waz  hab  ich  der  irloft! 

[4Gb]  Di  iczunt  worn  verteilet, 

Dem  tuvel  czu  gefeilet, 

Di  ich  habe  mit  gewalt 
1790  Irnert  und  hab  fi  geftalt 
Zu  rechter  teidinc  wider, 

Daz  fi  czu  hulden  fider 
Quamen  mit  der  hülfe  myn 
Und  ab  mit  der  buze  pyn 
1795  Worten  der  funden  finder 
Und  bliben  Gotes  kinder.’ 

Ouch  di  touge  heimlichkeit 
Der  reinen  Criftes  menfchheit 


1740. 

heizen  aus  heilen. 

1771. 

Ken  aus  Kem. 

1743. 

burft  am  Rande  für  brnft. 

1776. 

falle  aus  enfalle. 

1745. 

ift  aus  ie. 

1777. 

er  aus  der. 

1750. 

Beide  aus  Eine. 

1784. 

gegebn  aus  gegebne. 

1767. 

Czwar  aus  Czwaz. 

1785. 

heiz  aus  heis. 

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29 


Glich  al  der  werld  zu  Ituer 
1800  Dy  wölken  ful  und  vuer 
Uns  bezeichen  eigentlich. 

Merke  wol  und  ane  fich 
Daz  man  fchribt  inExodo 
Von  der  wölken  ful  alfo: 

1805  Der  engil  der  do  czoch  mit  nit 
Vor  der  Ifrahelen  dit, 

Der  felbe  vrone  engil, 

Wol  der  genaden  fprengil, 

[47  a]  Czoch  dem  volke  gar  gevach 
1810  Allis  uf  der  verlen  nach, 

Mit  im  ouch  czoch  daz  wölken, 
Ab  ich  kan  rechte  tolken. 

Und  daz  wölken,  als  ich  las, 
An  dem  tage  vinfter  was 
1815  Und  irluchte  fckon  di  nacht. 
Daz  was  groze  Gotes  macht, 
Daz  bedutet  daz  Got  Crift 
Sinem  vater  minner  ift 
An  der  menfchheit  alleine. 

1820  Ich  bi  dem  felben  meine 
Di  blindekeit  der  Juden, 

Di  fich  mit  wucher  fuden. 

Ouch  mein  ich  bercheiden 
UrluchtnilTe  der  beiden, 

1825  Wen  Got  Crift  czu  in  karte, 
Do  er  di  Juden  larte 
Und  fi  nicht  volgen  wolden 
Und  fine  1er  befcholden. 

[476]  Der  benante  engil  dar, 

1830  Des  vil  tifen  rates  czwar 


1799.  ftuer  aus  ftuzer. 

1800.  Dy  aus  Dt.  vnd  vuer  aus  tu  TTrer. 
1805.  ä.  Mos.  63,  21— 22. 

1810.  nach  aus  fach. 

1813.  La*  aus  las. 

1818.  Symb.  Athan.:  minor  patre  se- 
cundnm  hnmanitatem. 

1831.  trwt 

1834.  wol  am  Rande  nachgetragen. 

1835.  4n  au«  in. 


Ein  trat  fun  und  ein  bote, 
Heimlich  gefant  von  Gote, 

Dem  vater  gar  almechtic, 

Wol  mit  dem  fun  eintrechtic, 

1835  Mit  6n  der  geift  ein  immer, 

Durch  funnen  ny,  noch  nimmer 
Nymant  fi  durch  linnen  kau : 

Wol  des  felben  fun  getan, 

Der  in  gotelichem  ftam 
1840  Ewiclichen  czwar  alfam 
Allem  himelifchem  her 
Und  ouch  dem  erdifchen  mer 
Vorginc  an  allez  tufternis, 

Alf  daz  liecht  der  vinfternis, 

1845  Sam  der  fchepplier  vor  der  fchaft 
Ginc  von  fines  felbes  craft, 

Und  als  di  almechtekeit 
Ginc  ouch  vor  allir  krankheit, 

[4«a]  Als  ein  vurfte  der  fin  lant 
1850  Wol  mit  fines  felbes  hant 
Gliech  ordent  unde  fchichtet 
Und  ouch  fin  volk  vervichtet, 

Der  reib,  in  im  der  erfte 
Und  ouch  der  aller  lierfte 
1855  Czwar  und  der  aller  befte, 

Ift  in  uns  doch  der  lefte. 

Nach  den  Ifrahelen,  fecht, 

Ginc  er  recht  als  al  er  knecht, 
Das  er  fi  lofte  alle 
1860  Von  ewiclichem  valle 
Und  von  Pharaone  ouch, 

Von  dem  tuvelifchen  gouch, 


1837.  Nymat  aus  ymilt.  kan  aus  m&k. 

1843.  an  am  Rande  nachgetragen.  z 
in  allez  auf  Rasur. 

1844.  hinter  alf  Rasur.  liecht  aus  liech. 
1849.  vurfte  aus  uvrfte. 

1851.  fchichtet  aus  fchicket. 

1858.  alf  aus  alz.  er  aus  ir.  al  als?  R. 
1860.  ewiclichem  aus  ewiclicher. 

1862.  tvuelifchen  aus  tnuelifchen. 


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30 


Und  ouch  von  firne  here, 

Von  dem  gefpenfte  fwere. 

1865  Suft  mit  dinftes  nngemach 
Dem  Volke  hatte  gangen  nach 
Daz  wölken  daz  mit  im  ging 
Was  daz  vleifch  daz  er  enpliing 
[4äb]  Von  der  reinen  meide  dar. 

1870  Gar  au  alle  funde  czwar 

Czoch  er  an  der  menfchheit  rok, 
Der  im  vor  des  cruces  ftok 
Grimmeklich  wart  ab  geczogn 
Von  dem  volke  gar  vertrogn. 
1875  Da  von  in  Yfaya, 

Daz  ich  kurczlich  über  fla, 

Git  er  gar  ungelenget: 

‘Ir  blut  daz  ift  gefprenget 
Uber  al  uf  min  gewant.’ 

1880  Alfo  tu  ich  daz  bekant: 

Ir  blut  fi  felbe  guzzen 
Und  jemerlich  vervluffen. 

Do  von  fprach  di  reine  mait 
In  dem  geifte  unverdait: 

1885  ‘ Er  hat  entfaczzet  von  dem  ftul 
Und  gedrungen  in  den  pfui.’ 

Ich  mein  di  lioen  Juden, 

Mit  unvlot  di  fich  cruden. 

[*9 a]  Di  mit  Gotes  dinlte  vor 
1890  Gingen  als  der  tag  enpor, 

Di  fin  hin  verdrungen  gar; 

Und  fin  uf  erhaben  czwar, 

Ho  geezucket  uf  da  widr 
Di  einveldgeu,  di  gar  nider 


1895  Sozen  und  deine  trachten 
Der  hochvart  nach  ir  achten: 

Ich  mein  di  beiden,  ken  den  jach 
Der  apoftel  unde  fprach: 

‘Ir  woret  ettefwenne, 

1900  Daz  ich  vil  wol  irkenne, 

Rechte  vinfter  als  di  nacht: 
Wurden  fit  ir  nu  mit  macht 
Ein  volles  licht  in  Gote.’ 

Der  engil  und  der  bote, 

1905  Den  uz  Got  vater  fante, 

Sich  von  den  Juden  wante, 

Durch  daz  vil  von  dem  trone 
Ir  fceptir  und  ir  crone: 

[J95)  Wen  durch  keiner  hande  fchicht 
1910  Wolden  fi  gelouben  nicht 
Das  Got  von  der  reinen  mait 
Were  in  di  werld  betait. 

Wen  di  verblinten  wenen 
Und  fich  nach  alles  fenen 
1915  Nach  Meffiam,  daz  der  kume 
En  czu  trofte  und  czn  vrome, 

Do  von  daz  fi  ling  vorftan 
Di  fchrift  nnd  nicht  tife  gan 
Hinnen  in  der  glofen  fin, 

1920  In  des  geiftes  hoch  gewin. 

Alfuft  hat  fi  vererret 
Talmoth  und  hin  gevirret 
Von  der  rechten  ftraze  dan, 

Wen  er  vurt  der  keczer  van. 

1925  Mit  fiuer  valfchen  glofe 
Von  Jericho  di  rofe 


1804.  Unter  von  ist  von  nusradiert,  veil 
die  Zeile  zu  tief  angefangen  war. 

1867.  das  erste  Daz  aus  Daz. 

1808.  war  aui  waz. 

1871.  rok  aus  roc. 

1873.  geczogn  au«  geczogen. 

1878.  Jet.  63,  3. 

1874.  vertrogn  aus  vertrügen. 

1881.  gazzen  auz  griffen. 


1885.  Luc.  1,  62. 

1893.  vtt. 

1899.  Kphes.  5,  8. 

1906.  de. 

1915.  knmn. 

1916.  vromn. 

1922.  gevirrj. 

1925.  glofe  au«  glofen. 

1920.  Jericho  au»  Jerichon.  rofe  aus  rofen. 


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31 


Si  ouch  vertumen  wolden: 

Mit  Jofeph  den  vil  holden 
[Ma]  Si  wart  beczign,  wen  er  pflag 
1930  Der  vil  reinen  nacht  und  tag. 
Dnrch  daz  quomen  fi  in  not, 

Daz  fi  daz  brende  morgen  rot 
Nicht  irkennen  mochten  recht; 
Wen  fi  woren,  daz  is  flecht, 

1 93-r>  Mit  gefehnden  ougen  blint, 

Do  von  fi  des  nienfchen  kint 
Ouch  irkennen  mochten  nicht; 

Des  fint  fy  von  Gote  gefchicht. 
Wen  Got,  aller  wiefheit  vunt, 

1940  Sprach  durch  der  propheten  rannt: 
‘Set  und  merket  funder  fpot 
Das  ich  bin  alleine  Got, 

Des  bin  ich  gebryfet  ho" 

Von  dem  Volke  funder  dro"; 

1945  Ouch  ich  irhoet  werde 
Von  minen  uf  der  erde.’ 

Daz  wort  fi  nicht  vernomen. 

Do  von  fi  wurden  romen 
[Mb]  Syn  und  goben  im  des  fchult 
1950  Daz  er  durch  fyn  ungedult 
Gar  czu  ftoren  weld  ir  e, 

Di  en  wart  von  Moyfe, 

Di  im  Got  jo  felbe  fchreib, 

Do  er  uf  dem  berge  bleib 
1955  Mit  im  wol  virczik  tage, 

Czwu  tafeln,  als  ich  fage, 

Steinen,  czu  beiden  fyten  vol 
Mit  guldinen  buchftabn  wol 
Gefchribn  mit  Gotes  vinger. 
i960  Durch  daz  fy  ouch  geringer 


Wugen  di  fyne  lere, 

Daz  al  der  werlde  herre 
Zo  gar  ermlich  fich  erczoch 
Und  ouch  alle  hoch  vart  vlocb. 

1965  Do  von  hilt  er  fich  von  in. 

Daz  was  der  heiden  hoch  gewin, 
Di  durch  in  fich  bekarten 
Und  den  gelouben  larten 
[si  o]  Den  er  mit  den  jungem  (in 
1970  Wol  tet  al  der  werlde  fchin. 

Alfuft  durch  der  wiffagn  munt 
Wol  ift  uns  nn  worden  kunt 
Wi  gar  touge  fich  irginc, 

Zo  daz  Got  den  mut  enpfinc 
1975  Daz  er  an  di  menfchheit  czocli: 
Durch  v6r  Demut,  di  fo  hoch 
Stiget  in  daz  himel  riech, 

Wen  der  tugent  ift  nicht  glich. 
Durch  daz  di  fuze  reine 
1980  Di  demut  vor  czoch  eine, 

Do  fi  ken  dem  engil  fprach: 

(In  ir  celle  daz  gefchach): 

‘Got  hat  uz  fim  geftirne 
Di  demut  finer  dirne 
1985  An  gefehn  mit  ougen  brehn, 

Di  daz  lierce  binnen  fpelm 
Mit  der  fuzen  milde  breit 
Siner  barmeherczekeit  ’ 

[516]  Wen  ver  Demut  an  ir  hot 
1990  Daz  fi  eine  twinget  Got, 

Wen  in  irera  fchrynelyn 
Alle  tugnt  beflozzen  fyu: 

Demut  ift  der  kufchheit  bunt 
Und  der  hoen  wifheit  vunt, 


1929. 

beczign  aus  becigen. 

1969. 

iügem  aus  iügen. 

1938. 

gote  aus  got. 

1971. 

wilT&gn  aus  wiff&g. 

1947. 

nicht  aus  nich. 

1976. 

v6r  aus  vir. 

1951. 

weld  aus  wel  . 

1983. 

Luc.  J,  48. 

1957. 

beiden  aus  beden. 

1985. 

brehn  aus  bren. 

1966. 

wef  aus  waz. 

1989. 

hot  aus  hat. 

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32 


1995  Si  ift  daz  inner  ouge 

Des  herezen,  mit  dem  touge 
Di  vil  fuze,  reyne  brut 
An  fit  ereil  vridel  trat, 

Und  in  herczelicher  gehr 
2000  Der  vridil  czart  an  alle  fwer 
Mit  wandel  unvorladeu 
Sich  vuget  mit  genaden 
Czu  der  czarten  bruet  gemeit 
Mit  geiftlicher  fuzekeit. 

2005  Demut  das  alles  bringet 
Daz  Got  her  nider  flinget, 

Wen  in  grozem  wider  hart 
Got  wider  ftet  der  hoehvart 
[52a]  Und  ftet  gancz  der  deinut  by. 
2010  Merket  nu  waz  demut  fy: 

Demut  ift  eyn  kunigin, 

Aller  tagende  an  begin, 

Ein  morderin  der  funden, 

Als  ans  di  wifen  künden, 

2015  Ein  houbt  der  gerechtekeit, 

Daz  der  eren  crone  treit; 

Von  himelifchem  vlamme 
Ift  fi  ein  werde  amme 
Aller  hubfchheit  und  der  czucht; 
2020  Si  ift  aller  fchanden  vlucht. 

Ein  wurcil  fchon  entfprofren, 

Mit  heilekeit  durch  goffen, 

Aller  orden  macht  und  craft 
Ift  ver  Demut  figehaft; 

2025  Ouch  ift  fi  funder  fmerczen 
Ein  czeichen  cluges  herezen, 

Si  ift  ein  geczugnis  dar 
Des  vil  heilgen  geiftes  bar, 

[526]  Der  fieten  wechterinne 
2030  Beid  uz  erhalb  und  inne, 


Eigens  wefens  ho  vernupht, 
Richer  eren  werde  kumpht, 

Ein  hus  gotlicher  übe 
Gar  funder  alle  diebe, 

2035  Yryet  in  ungelucke 

Uni  vorchte  ingelucke; 

Demut  ift  genemer  fyn, 

Moze  aller  wortelin, 

Wi  fi  wol  recht  bekamen, 

2040  Ein  meifterin  des  vramen, 

Eine  ftille  lererin 
Mit  bibilden  di  gut  fin 
(Groze  dinc  fin  ir  ummer), 
Gutes  lebens  luter  ger. 

2045  Do  bi  fal  man  vorchten  jo 
Got  gebenedyet  ho! 

Er  ift  gebenedyet 
Dorumme  daz  er  lyet 
rsaa]  Sin  gut  unde  felbe  fich 
20.50  Allen  dingen  mildeclich, 

Gute  und  genaden  vil: 

Sine  gaben  han  kein  czil. 

Wi  er  fi  fo  über  riech 
Und  fich  allen  dingen  güech 
2055  Oppher  und  irbyte  bar, 

Doch  ein  iclich  dink  en  gar 
Erreichen  nach  begriefen  kan. 
Er  ift  den  ny  fin  durch  fau, 
Wen  er  ift  ob  alle  ding 
2060  Ho  und  bobn  des  himels  ring 
Uf  alfo  ho  irhaben 
Das  en  nach  fine  gaben 
Nyinand  aller  dinge  mak 
Brengen  gancz  in  fynen  fak; 
2065  Nach  in  fynes  herezen  creiz 
Mac  er  brengen  gote  weiz 


1995. 

inner  aus  in  ir. 

2041. 

Eine  aus  Ein. 

2002. 

vvget  aut  vvgeget. 

2049. 

vfl. 

2011. 

rotes  C. 

2050. 

mildeclich  auf  Rasur. 

2015. 

Eine  aut  Ein. 

2051. 

Orte  aus  Uute. 

2033. 

hol  aus  hnz. 

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33 


Daz  goteliche  wefen 

Und  gancz  fin  lebn  vol  leien. 

[53  b]  Set,  alle  fchepphenunge 

2070  Nach  rechter  ordenunge 

Got,  der  rechten  wifheit  phat, 
Inlulcher  wis  geordent  hat 
Und  alle  ding  getachet, 

Geichaffen  und  gemachet 
2075  Iclichz  nach  finer  werdekeif, 
Minner  und  ouch  mer  gecleit 
Mit  tugnden  und  mit  eren, 

Als  nns  di  meilter  leren, 

Nach  nehe  und  nach  virre: 

2080  Dor  an  lieh  nimand  irre! 

Im  y neher  ein  ding  ilt, 

Y mer  iz  in  fine  kilt 
Enphet  der  linen  gute, 

Richer  wirt  lin  gemute 
2085  Von  kunlten,  von  genaden. 

Abir  di  von  linen  graden 
Gevirret  fin  dan  virre, 

Mit  ires  herczen  Ichirre 
[5<o]  Gar  ein  luczil  di  enphan 
2090  Siner  gäbe  wol  getan. 

Daz  luld  ir  vornemen  Io, 

Als  ich  lag  von  Gote  jo: 

Verre  von  des  himels  ring, 

Merke,  etteliche  ding 
2095  Han  nicht  mer  wen  daz  fi  fin  — 
Daz  nim  in  di  linne  din!  — 

Als  erde,  holcz  und  Iteyne 


Und  lulches  algemeine. 

Ouch  lint  etteliche  ding 
2100  Bedact  von  des  himelz  ring, 

Di  ouch  fin  und  leben  hyr, 

Als  uuvernunfticliche  tyr. 

So  lint  aber  ander  ding 
Oben  und  under  des  himels  ring, 
2105  Di  fin,  leben  und  vernemn, 

Der  lieh  nymand  czwar  darf 

Ichemn, 

Als  menfebe  und  di  engil. 

Von  der  genaden  Itengil, 

[5ib]  Von  dem  erlten  urlpninge, 

2110  Von  Gotes  ordenunge 
Ettelich  minnir  und  me 
Vernemen,  als  ich  layte  e, 

Und  als  fi  ouch  von  Gote 
Verdinen  vtu  und  Ipote 
2115  Alles  dar  an  under  laz. 

Set,  di  leiben  in  ir  vaz 
Me  vazzen  unde  laden 
Von  Gote  finer  genaden 
Vor  di  andern  gar  virre; 

2120  Daz  mae.hit  vil  manch  wirre. 
Allult  hat  erarnet  me, 

Als  man  Ichribt  in  niwer  e, 
Maria,  der  bernde  grünt, 

Czweir  blumen  vullemunt: 

2125  Demut  und  der  magetum. 

Durch  daz  fi  der  engil  gum 
Prylet  lobelichen  ho 


2069. 

fchppbenüge. 

2105. 

fin  auf  Rasur.  hinter 

2072. 

wir  aus  wii. 

leben  Punkt. 

2075- 

wenlekeiet. 

2107. 

menlcbe  aus  men  Ich. 

2081. 

Im  .y.  neher  aus 

Ein  .y.  mer. 

2114. 

fpote  aus  fpate. 

2082. 

2116. 

S in  Set  ans  D. 

2086. 

abir  aus  abr. 

2117. 

vazzen  aus  vaiTen. 

2087. 

Vre. 

2118. 

genaden  aus  gnaden. 

2088. 

fch're. 

2119. 

Vre. 

2097. 

erde  aus  erd. 

2120. 

w‘re. 

2101. 

oveh  atu  och. 

vnd  aus  rm. 

2121. 

eranet. 

2102. 

vnVnvftlicliche. 

2126. 

Durch  aus  Dar. 

auch«  Tiro  de«  MitUlaller«. 

IX. 

3 

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34 


Und  ouch  al  di  werld  alfo: 

[55  a]  Wen  Ti  hat  di  werld  bedacht 
2130  lind  hat  uns  den  lofer  bracht, 
Woren  Got  und  menfchen  fam: 
Wol  di  menfchheit  Gote  czam. 

Ir  fuld  ouch  daz  bewachen 
Daz  gar  vil  fint  der  fachen, 

2135  Als  di  fchrift  uns  hat  gelart, 

Daz  Got  quam  und  menfche  wart. 
Nu  hört,  der  fachen  eine 
Ift  daz  Got  der  vil  reine 
Den  armen  menfch  bedechte 
21-40  Und  in  im  wider  brechte 
Gotes  bilde,  daz  verftalt 
Was  von  funden  manicvalt; 

Wen  der  menfch  was  fich  und 

cranc 

Von  der  bofheit  anehanc: 

2145  Er  waz  krank  an  aller  macht, 
Unwife  und  ungeflaclit 
Von  dem  willen  der  gereit 
Was  zu  aller  fnodekeit. 

[55  b]  Mit  den  drien  lac  verwunt 
2150  Der  dan  ging  czu  einer  ftunt 
Von  Jherufalem  alfo, 

Ich  wen  hin  ken  Jericho, 

Und  quam  niordern  in  di  hant, 

Di  en  flugen  uf  daz  laut, 

2155  Daz  er  vor  en  lac  vor  tot 
Uber  al  von  blute  rot. 

Set,  do  quam,  dem  wras  nicht  glich, 
Ein  arczt,  der  was  kunften  rieh 
Und  legte  czu  gerade 
2160  Der  fuchen  di  genade; 


Der  unwifheit  ginc  er  nu 
Mit  lere  der  warheit  czu; 

Er  den  willen  czoch  czu  im 
Mit  gnttete,  daz  vernim, 

2165  Czu  vorderft  mit  der  gute  fin, 
Siner  grozen  marterpin. 

Di  vorbenanten  flege, 

Bitter  und  ungehege, 

[56  a]  Mac  man  wol  bi  den  verften 
2170  Von  den,  als  ich  hab  gefen, 
Spricht  Yfayas  heiter: 

‘Di  wunde  und  daz  eiter 
Und  der  flac,  geloufen  uf 
Von  vil  manchen  grozen  puf, 
2175  Ift  biz  czu  difen  ftunden 
Gewiket  noch  gebunden.’ 

Set,  als  ich  ouch  fayte  e, 

Daz  bedüt  di  wunde  me, 

Tif  gefunken  in  daz  mark, 

2180  Wen  bofheit  des  willen  ark; 
Daz  eiter  alfo  fnode 
Bedut  den  menfchen  ode 
Allir  guten  dinge  gar; 

So  ift  di  unwifheit  czwar 
2185  Bedut  bi  dem  fw'elnden  flage. 
Set,  di  wunden,  als  ich  fage, 
Keinerhande  erüde  kraft 
Nach  der  erezte  meifterfchaft 
[56  5]  Mochte  nicht  geheilen  flecht, 
2190  Weder  keinerhande  recht 
Der  gebot  inirer  e. 

Czu  den  flegen,  czu  dem  we 
Nicht  mochten  ouch  geraten, 
Waz  fy  gelubdis  taten, 


2142. 

War  aus  Waz. 

2158. 

wal'  «us  waz. 

2143. 

waf  aus  waz. 

2160. 

di  aus  G. 

2148. 

WaT  aus  Waz. 

2169. 

v’rten  bi  den. 

2152. 

wen  aus  wene. 

hin  am  Sande. 

2172. 

Jes.  1,  G. 

2153. 

Hinter  quam  ist 

den  gestrichen. 

217a 

Die  H unde  bedeutet  (nicht  mehr  als) 

2155. 

£n  am  Sande. 

vor]  V. 

Boslteit. 

2157. 

wal'  aus  waz. 

2186. 

Set]  Sy. 

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35 


2195  Di  lofen  glizenere, 

Gar  aller  tugnde  lere. 

Di  mochten  fy  geheilen  nicht 
Ouch  mit  keinerhande  fchicht, 
Wen  fy  woren  felbe  liech 
2200  Beid  an  feien  und  an  diech. 

Ouch  mit  Elyfei  ftab 
Si  mochten  en  gehelfen  ab, 

Daz  ift  mit  der  hertekeit 
Und  mit  der  befcheidenheit 
2205  Der  gebot  in  alder  e. 

Waz  fal  ich  do  von  lagen  me? 
Von  eu  wart  dem  toten  wider 
Weder  wort  «och  finne;  fider 
[57  a]  Quam  von  himl  daz  lebnde  wort, 
2210  Daz  half  allen  dingen  vort. 

Als  hi  vor  Elyfeus 
Uf  den  toten  ftracte,  fus 
Sich  an  dem  cruce  dente, 

Do  nach  in  fere  fente, 

2215  Uf  den  toten  der  munder 
Uf  iclich  lid  befunder. 

Alfuft  mit  finen  wunden 
Heil  czu  den  felben  ftunden 
Worden  alle  unfe  fleg 
2220  Von  der  funden  ungeheg. 

Durch  das  von  des  todes  dru 
Der  irquicte  niefe  nu 
Siben  ftunt!  daz  is  fo  vil, 

Als  ich  dich  befcheiden  wil, 

2225  Daz  er  mit  vlieze  danke 
Gote  und  nicht  enwanke 
Und  ouch  mit  nichte  breche 


Er  alle  tage  fpreche 
[57  6]  Gotes  lob  jo  fyben  ftunt 
2230  Mitten  uz  des  herczen  grünt! 
Erhöre  und  gedage 
Waz  im  der  artzt  ouch  Tage: 
‘Sich,  du  bift  gefund  getan, 

Du  falt  vor t di  funde  lau, 

2235  Daz  dir  vort  waz  bofers  icht 
Gef  che  von  der  funden  fchicht!’ 
Ouch  der  gefunt  ift  worden 
Von  dem  benanten  orden, 

Der  halde  Gotes  hulde! 

2240  Er  lyde  und  ouch  dulde, 

Daz  er  aber  icht  als  e 
Valle  in  der  funden  fe 
Und  icht  werde  fiech  und  crank! 
Ken  der  bofheit  anehank 
2245  Er  trachte  und  gedenke 
Und  fine  finne  lenke 
Beide  tag  und  nacht  vort  me 
Inninclich  uf  Gotes  e! 

[48  o]  Er  bedenke  di  gebot 
2250  Di  Got  felbe  fuuder  fpot 
Hat  gehalden  und  gegebn! 

Üben  fal  er  di  vil  ebn, 

Daz  er  wyfe  fy  und  clug 
Czu  aller  gute  mit  gevug! 

2255  Ouch  eben  er  bedenke 

Waz  im  der  milde  fchenke 
Gotes  Tun  gefchanket  hat 
Beid  mit  werken  und  mit  rat, 
Und  dank  im  alles  gutes 
2260  Von  willen  fines  rnutes, 


2201.  11.  Reg.  4,  31. 

2227. 

breche  aus  brachte. 

2208.  moch.  hinter  finne  Funkt. 

2230. 

Mitten  aus  Mit  dem. 

2211.  hi  aus  fi. 

2233. 

Joh.  5,  14. 

2212.  hinter  ftracte  (==  sich  streckte) 

2234. 

vor. 

Punkt;  rgl.  II.  Reg.  4,  35. 

2235. 

vort  aus  wort. 

2223.  ucischen  Siben  und  ftüt  ein  Buch- 

2246. 

finne  fiffie. 

stabe  uueradiert.  vil  uus  rill. 

2247. 

Beide  aus  Bor. 

2226.  e'nwanke. 


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36 


Daz  er  in  der  werlde  liab 
Beide  vride  und  di  gab 
Mit  luten  gutes  willen, 

Di  fich  wol  felbe  füllen! 

22C5  Wen  der  ift  genant  eyn  man 
Der  im  felb  gefiget  an. 

Wen  manche  bürge  veilen 
Und  michel  wunder  ftellen, 

[58  6]  Abr  der  ift  gar  luczil  jo 
2270  Di  in  dirre  werlde  ro 
Sich  felbe  überwinden, 

Als  wir  gefchriben  viuden.  . 

Set,  ouch  durch  di  fache  quam 
Gotes  fun  und  an  fich  nam 
2275  Di  menfeheit  uf  gelinge 
Daz  er  gar  aller  dinge 
Und  ouch  an  alle  fwere 
Gohorfam  dem  vater  were, 

Daz  mit  finer  gehorfam 
2280  Er  bewyfte  da  by  nam 
Wi  alle  fchepphenunge 
Nach  rechter  ordenunge 
Gehorfam  finem  fcheppher  fai 
Wefen  gar  nach  rechter  czal: 

2285  Wen  in  finen  handen  wiet 
Und  an  finem  willen  liet 
Daz  leben  und  daz  wefen, 

Als  ich  do  hab  gelefen. 

[59  a]  Aber  der  vil  bitter  tot 
2290  Und  ouch  alles  jamers  uot 
An  dem  eigen  willen  ftat, 

Ab  er  ungebunden  gat 
Daz  beczuget  uns  vorwar 
Lucifer  mit  finer  fchar, 


2295  Der  hin  dan  geftozen  wart 
Uz  der  himel  vroude  czart, 

Ab  di  fchrift  nicht  fenfuget. 

Daz  felbe  ouch  beczuget 
Der  menfeh  der  durch  finen  gyl 
2300  Uz  dem  paradife  vil. 

Waz  ift  eigen  willen  me 
Wen  ein  flange  voller  we? 

Me  eigen  wille  noete 
Yer  Even,  wen  er  toete 
2305  Si  binnen  in  dem  herczen 
Mit  bitterlichen  fmerczen, 

Me  wen  der  tnvel,  der  fy  trog 
Und  um  fi  beuzen  vlog. 

[59  6]  Sed  di  natern,  waz  ir  ift 
2310  In  dem  menfehen,  tote  Crift 
Sam  di  erine  flange 
Hi  vor  über  eine  ftange 
Ho  uf  gerichtet  fchone 
Ift  an  dem  cruce  vrone 
2315  (Von  mancher  bitterlichen  not 
Gehorfam  waz  er  in  den  tot). 
Suft  werlich  an  underlaz 
Di  nater  Moyfi  ouch  vraz 
Di  natern  der  Egyptier; 

2320  Kung  Pharaonis  czouberer 
Nicht  mochten  ouch  do  wider. 
Des  vur  der  kung  ouch  fider 
Und  fin  volk  gar  umbewart 
Ein  ummafe  bofe  vart. 

2325  Wen  ouch  mit  fteter  tugent 
Di  feie  und  ir  mugent 
Den  Hangen  gar  verterbet 
Und  in  ir  felbe  fterbet, 


2276.  Daz  aus  Das.  er  über  der  Zeile 
nachgetragen. 

2290.  allef  aus  aller. 

2297.  gnbrget. 

2304.  hinter  eng  Punkt. 

2305.  hinter  Si  Punkt. 


2308.  bevzen  aus  bevfen. 

2309.  waz  aus  was. 

2310.  Crift  gehört  ani  xoivoC  tu  täte  und 
tu  ift  uf  gerichtet. 

2322.  wr. 

2325.  oveh  aus  och. 


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37 


[60  a]  So  mugn  ir  di  helle  phorten 
2330  Mit  werken  noch  mit  Worten 
Gefchaden  noch  verwinden. 

Ja  fi  wirt  allen  vinden 
Gar  czu  Itark  und  figehaft, 

Ab  ir  Got  verliet  craft. 

2335  Doch  di  [lange  ich  nicht  dag 
Eigens  willen,  als  ich  Tag: 

Wi  vil  fi  wirt  geflachtet, 

Nicht  man  gar  liechtlich  achtet 
Und  irkennet  in  der  not 
2340  Ab  fi  werlich  liege  tot, 

Niben  fi  der  flachter  czwar 
Werfe  beide  er  und  dar 
Und  fi  fich  nicht  6n wege 
Nach  um  ein  har  icht  rege, 

2345  Daz  fich  czu  dem  leben  czy. 

Nu  ouch  rechte  merke  wy 
Di  flange  man  verterbe 
Und  eigen  willen  fterbe! 

[60b]  Wen  Got,  allir  wifheit  phat, 
2350  Oder  wer  6n  hy  vorftat, 

Im  den  menfch  gehorfam  nu 
Her  und  dar  wirft  ane  ru 
Und  im  nu  ane  muze 
Nu  feczet  fwere  buze 
2355  Und  tut  im  nu  geringer 
Buze,  in  Gotes  vinger 
Alreft  den  gehorfam  fich, 

Tot  den  fanden  endelick 
Irkenne  und  doch  leben 
2360  Und  ficherlichen  fweben 
Werlich  in  Gotes  hulden, 


Los  gar  von  allen  fchulden, 

Wen  er  an  wider  claffen 
Tut  allez  waz  di  pfaffen 
2365  Im  mit  rechtem  urteile 
Uf  legen  czu  firne  heile 
Nach  des  bilde  der  daz  fprach: 
‘Ich  fteig  von  des  himels  dach, 

[64  a]  Nicht  daz  ich  den  willen  myn 
2370  Tu,  funder  den  willen  fyn, 

Des  vaters,  der  mich  gefant 
Hat  in  der  Egypten  lant.  ’ 

Griftes  gehorfam,  daz  wol  vach, 
Der  wir  lullen  volgen  nach, 

2375  Willik  was  und  ouch  gereit, 

Si  was  vrolich  ane  leit, 

Ouch  was  fi  halt  und  entfproz 
Uz  lybe  der  in  ni  vordroz. 

Von  dem  erften  unvordait 
2380  David  fprichet  unde  fait: 

* In  des  buches  an  begin 
Is  gefchribn  in  hockgewin 
Von  mir  daz  ich  jo  tete 
Den  willen  din  wol  drete,  , 
2385  Got,  myn  ich  wolde  und  me, 

Ich  bewarte  ouch  din  e.’ 

Von  dem  andern  Yfayas 
In  Griftes  perfone  las : 

[676]  ‘Herre,  fich,  bereit  bin  ich, 

2390  Wor  du  wilt,  nu  fende  mich!’ 

In  vrolicher  ftimme  galm 
Von  dem  dritten  fpriclit  der  pfalm: 
‘Er  vrout  fich  ane  maze 
Czu  loufen  hin  di  ftraze 


2340. 

liege  aus  lige.  tot  aus  tote. 

2359. 

hinter  Irkenne  Punkt. 

2342. 

werfe  aus  werfen. 

2366. 

heile  aus  teile. 

2344. 

Nach  aus  Nac. 

2368. 

Joh.  5,  30. 

2353. 

moze  aus  muse. 

2374. 

wir  aus  wil. 

2356. 

gehorlam  in  Gotes  vinger  = gc- 

2381. 

Ps.  40,  8—9. 

n gegen  Gottes  Willen. 

2389. 

Jes.  6,  8. 

2357. 

hinter  gehorfam  Punkt. 

2393. 

Ps.  19,  6—7. 

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38 


2395  Rechte  als  ein  r6fe  groz, 

En  des  loufes  nicht  verdroz.' 
Von  dem  virden  fpricht  er  fo 
Indem  ewangelio: 

‘Ich  hab  zunphan  di  toufe 
2400  Noch  nues  Ordens  loufe.’ 

Von  dem  vunften  fprach  er  nu, 
Do  im  ginc  di  martir  czu: 

‘Daz  di  werld  irkenne  fyn, 
Wen  ich  lib  den  vater  myn 
2405  Und  irvulle  fyn  gebot, 

Als  er  mir  geboten  hot’ 

Stet  uf ! go  wir  von  hinnen! 
Nach  minen  beften  f innen 
[62  a]  Czu  der  marter  funder  wan 
2410  Und  czu  dem  tode  ful  wir  gan, 
Nicht  czu  werltlichen  eren. 

Wir  füllen  ouch  nicht  keren 
Czu  wolluft  und  czu  vrouden, 
Als  manche  di  nur  geuden, 

2415  Den  gar  über  vol  ir  bruft 
Ift  werltlicher  cren  luft. 

Ouch  Griftes  gehorfam  halt 
Und  der  getrwen  anewalt 
Uns  beczeiget  ein  ritter  vrut 
2420  Kung  Davidis  wol  gemut, 

Der  mit  fines  felbes  haut 
Cwene  lewen  über  want 
Und  czu  tode  fi  irfluc, 

Als  uns  fait  di  glofe  cluc. 

2425  Bi  den  czweien  lewen  man 
Wol  mac  nemen  und  vorftan 
Di  beger  vleifchlicher  luft, 


Ja  di  in  unkufcher  bruft 
[626]  sich  jo  hecket  und  gereit 
5430  Al  der  werlde  fuzekeit, 

Di  fam  der  Siremen  don 
Locket  und  gibt  valfchen  Ion. 
Ouch  der  benante  ritter, 

Von  rechter  manheit  bitter, 

2435  Beid  in  vrofte  und  in  fne 
Sünder  alle  wider  fchre 
Czu  dem  dritten  lewen  veig 
In  eine  cifterne  fteig 
Und  flug  in  mit  der  verte 
2440  Ouch  mit  des  cruces  gerte. 

Bi  dem  dritten  lewen  balt 
Eigen  wille  ift  gezalt; 

So  ift  di  cifterne  tief 
Wol  des  herczen  mittel  brief: 

2445  Vernim  bi  dem  kalden  fne 
Ungelucke  unde  we: 

Wen  daz  walt  nicht  grozer  tugnt 
Und  endarf  nicht  grozer  mugnt 
[63  a]  Den  gehorfam  behalden 
2450  Und  in  mit  nichte  fpaldeu 
An  fo  getanen  dingen 
Di  luft  dem  menfchen  bringen. 
Czwar  aber  der  gehorfam  fich 
Wol  bewifet  endelich 
2455  In  herten  fcharfen  dingen 
Di  ungelucke  bringen 
Und  ungemach  jo  machen 
Mit  widerczemen  fachen. 

Set,  daz  ift  mit  der  verte 
2460  Hin  mit  des  cruces  gerte 


2395. 

vgl.  4704. 

2411. 

nicht  aus  nich. 

2396. 

En  aus  In. 

2418. 

vnd  aus  vn. 

2399. 

Luc.  12,  50. 

2419. 

II.  Sam.  23,  20. 

2401. 

vunften  an*  vnmften. 

2425. 

hinter  lewen  Punkt. 

2403. 

Joh.  14,  31. 

2426. 

hinter  nemS  Punkt. 

2404. 

wen  aus  Den.  den  aus  dem. 

2431. 

— Sirenen. 

2405. 

ir  wlle. 

2437. 

dem  aus  den. 

2410. 

vnciv. 

2447. 

nicht  aus  nich. 

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39 


Stiegen  czu  dem  lewen  halt 
In  tagen  von  fnehe  kalt. 

Der  felbe  Bananyas  vrut, 

Kung  Davidis  ritter  gut, 

2465  Wart  durch  di  benante  tat 
Des  leiben  kunges  inner  rat. 
Daz  ift  werlich  anders  nicht 
Wen  daz  Got  in  Bücher  fchicht 
[636]  Den  di  genczlich  gehorfam 
2470  Halden,  daz  er  den  by  nam 
Als  finen  lyben  vrunden 
Ho  von  der  himelunden 
Alle  fine  heimlichkeit 
Offenbaret  funder  leit. 

2475  Ouch  ein  andir  fache  was 
Gotes  menfchheit,  als  ich  las, 
Daz  Got  in  der  menfchheit  vrut. 
So  einveldik  und  fo  gut, 

Den  menfchen  brachte  wider 
2480  Daz  er  fwunge  fin  gevider 
An  dem  weg  der  demutkeit, 

Mit  der  man  vertriebet  leit, 

Und  kert  von  dem  tuvel  dan 
Endelich  uf  Gotes  plan. 

2485  Wen  Criftes  demutekeit, 

Alfo  ho  und  alfo  breit, 
Troftelich  und  hulferiech 
Ift  al  der  werlde  volleclich. 

[64  n]  Do  von  Taget  in  der  fchrift 
2490  Pabift  Leo  der  nwen  Trift: 

‘Als  der  toter  Got  benam 
Der  funden  und  des  totes  fam 
Nymand  ane  funden  vaut, 

Alfuft  wart  er  uz  gefant 


2495  Daz  er  gliche  machte  wie 
Ton  der  fweren  funden  blie 
Gar  aldi  werld  gemeine.’ 

Ouch  Criftes  demut  reine 
Ift  den  uz  erwelten  czwar 
2500  Ein  by  büde  offenbar, 

Do  von  in  ewangelio 
Got  fprach  di  uz  irwelten  fo: 
‘Wendet  czu  mir  uwern  fyn 
Und  lert  von  mir,  wen  ich  bin 
2505  Gar  femfte  ane  fmerczen 
Und  demutges  herczen.’ 

Den  verwürfen  als  der  mift 
Ouch  Got  Criftes  demut  ift 
[64  6]  Ein  engiftlich  gerichte 
2510  Mit  firne  angefichte. 

Do  von  fpricht  der  wifheit  vunt 
Durch  Efechielis  munt: 

‘Din  unvlat  unmenfchlich  ift: 

Ich  wolt  dich  reinen,  und  du  bift 
2515  Nach  ungereinet  bliben; 

Din  unvlat  nicht  vertriben 
Wirt  von  dir  biz  an  di  czyt 
Daz  myn  czorn  uf  dir  gelyt.’ 
Ouch  fulche  eifet  fere 
2520  Vor  rechter  demut  lere, 

Und  di  felben  wollen  nicht 
Mit  der  demut  haben  pflicht, 

Daz  fi  wonten  ewiclieh 
Mit  Crifto  in  himelrich. 

2525  Von  den  durch  Ofee  munt 
Tut  uns  unfe  herre  kuut: 

‘Di  Taten  hi  in  vollen 
Myn  nicht  gedenken  wollen. 


2461. 

Stiegen  au«  Stigens. 

2512. 

Durch  aus  Dur.  hinter  mut  ist 

2471. 

vrvnden  aus  vrunden. 

der  Anfang 

der  folgenden  Zeile  dl  vnvlat  aus- 

2474. 

fund'  am  Rande  für  ausgestrichencs 

radiert. 

fine. 

2513. 

Hesek.  24, 13. 

2475. 

waf  aus  waz. 

2527. 

Hot.  13,  e. 

2476. 

lat  au«  Inz. 

2503. 

Matth.  11,  28—29.  vwern  au* 

vwer. 


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40 


[85  a]  'Wen  Ti  han  ir  hercze  fo 
2530  Ho  irhabn  und  weTen  vro.’ 

Vil  felic  ift  ver  Demut  czwar, 
Der  vor  alle  tuende  gar 
Was  gar  vol  daz  reine  vaz, 
Gotes  muter  ane  haz, 

2535  Di  Gutes  angefichte 
Hin  wante  gar  gerichte 
Mit  finer  barmherczeheit, 

Di  dem  viende  abe  ftreit 
Menfehlich  kuune,  daz  do  was 
2540  Vorlorn,  und  half  daz  is  genas. 
Dorumme  di  vil  reine 
Vorczoch  di  deniut  eine, 

Do  fi  von  ir  felbe  jach: 

‘Ton  der  hoen  liiniel  dach, 

2545  Des  iuuz  ich  von  fchulden  jen, 
Got  almechtic  hot  gefen 
Siner  maget  demut  an, 

Des  mich  felik  funder  wan 
[coi]  Alle  geflechte  numen 
2550  Und  mich  mit  lobe  blumen.’ 
Ouch  alle  di  genade 
Czu  allir  falden  grade 
Ken  Gote  wir  ir  werben 
Mit  demut,  e wir  fterbeu. 

2555  Wen  lazet  uch  beduten: 

Den  hochvertigen  luten 
Wider  ftet  in  wider  hart 
Got  und  nidert  ire  vart; 

Aber  di  genade  f in 
2560  Gibt  er  guten  luten  fin, 


2536.  hin  auf  Rasur. 

2537.  das  zweite  h in  barmh'cieheit  auf 
Rasur. 

2541.  Hinter  reine  ist  der  Anfang  der 
folgenden  Zeile  vor  getilgt. 

2544.  Luc.  J,  48. 

2546.  almechtic  auf  Rasur. 

2554.  W. 

2558.  nid't  aus  nid'. 


Di  demut  inherczen  tragn 
Und  di  hochvart  von  en  jagn, 

Ouch  mit  der  demut  eine 
Der  menfch  von  herczen  reine 
2565  Entwirt  gar  allen  ftricken 
Di  im  di  vinde  fchicken. 

Do  von  lifet  man  alfo 
Von  Tente  Antonio, 

[66«]  Daz  der  in  fym  gebete  lac, 

2570  Als  der  felege  dicke  pflac, 

Und  fach  in  tougem  blicke 
Gar  al  di  werld  vol  ftricke. 

Do  fchrey  er  czu  Gote  ho 
Wer  entwerden  mocht  der  dro. 

2575  Do  horte  der  vil  reine: 

‘Vir  Demut  czwar  alleine.’ 

H>urch  daz  Gotes  Tun  ouch 
quam 

Und  di  menfchhet  an  fich  nam, 
Daz  Got  al  der  werlde  lieh 
2580  Offenbarte  fchynberlich 
Und  bewifte  menfehen  wys 
Sich  in  Tuns  perfone  rys. 

Allein,  als  di  fchrift  uns  feit, 

Di  werk  der  drivaldekeit 
2585  Ungefcheiden  fint  alfo  — 

Wen  waz  ficherlichen  jo 
Der  perfonen  eine  tut, 

Daz  tut  ouch  di  andir  vrut  — , 
[665]  Doch  der  Tun  alleine  nam 
2590  Di  menTchheit,  als  im  geczam, 

Und  nicht  der  vater,  nach  der  geift. 


2560.  e'. 

2562.  hochu&rt  ans  hochuar. 

2565.  Entwirt  am  Intwirt. 

2569.  in  aus  im. 

2582.  pfone  aus  pfonen.  rys  neben 

Rasur. 

2588.  onch  cinge flickt. 

2591.  nicht  aus  nich. 


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41 


Ich  mein  inperfonen  meift. 

Des  bab  wir  ein  gliechniz  czwar 
By  drin  reinen  meiden  dar, 

2595  Di  nach  irem  beften  Tin 
Der  drier  eine  under  en 
Gewant  anlegn,  von  dem  wol 
Man  mac  Tagen  daz  in  vol: 

Waz  der  meide  eine  tut, 

2600  Daz  tut  ouch  di  ander  gut; 

Idoch  der  drier  eine 
ITt  di  man  cleit  alleine. 

Suft  daz  werk  der  menfchheit  nu 
Man  fchribt  underwileu  czu 
2605  Den  vater:  ‘als  da  funder  nit 
Nu  quam  czu  der  vulle  cziet, 

Do  Tante  her  uf  erden 
Got  Tinen  Tun,  den  werden.’ 

[6<a]  Ouch  bi  wilen  man  uf  Teilt 
2610  Und  daz  werk  dem  Tone  teilt, 

Als  alda  geTchriben  Ttat 
Yornemlich  noch  rechter  phat: 

'Von  dem  vater  ich  uz  gy 
Und  mich  czu  der  werlde  ly.’ 

2615  Ouch  man  daz  by  wylen  nu 
Schribet  dem  heilgen  geiTte  czu, 
Daz  in  dem  gelouben  tait, 

Do  man  offenbare  Tait: 

‘Der  troTtlich  entphangen  ift 
2620  Von  des  heilgen  geiTtes  riTt, 

Der  Tun  in  der  gotheit  was 
Und  des  di  reine  mait  genas.’ 

Daz  dort  und  hi  jo  blibe 


Der  name  und  Tich  Tchribe 
2625  Sun  Gotes  und  der  mejide 
Der  werlde  czu  behegde, 

Do  von  muTte  an  di  vart 
Di  perTon  des  Tones  czart, 

[S76|  Und  daz  umbeworren  blibn 
2630  Di  perTonen  under  Tchriben. 
Ouch  iXt  nach  der  Tacken  vil, 
Der  ich  nu  geTwigen  wil, 

Durch  di  des  Tuns  perTone 
An  czoch  di  menTchheit  Tchone, 
2635  Daz  dem  vater  nicht  anczam 
Nach  dem  vronen  geilte  Tarn. 

AJTuTt  iTt  nu  entTlozzen 
Bedutlich  unverdrozzen 
Und  ab  geczogn  der  rigel 
2640  Von  den  erTten  ingeTigel 

Mit  der  menfcheit  wunderber, 
Di  durch  Tines  vaters  ger 
Gotes  Tun  Tclion  an  Tich  Tneit, 
Des  wart  al  di  werld  gemeit, 
2645  Ouch  von  dem  uf  entflizen 
Wyt  Tich  irTcheynen  liTen 
Etteliche  vunken  heiz 
Burnder  libe,  gote  weiz, 

[6Sd]  Di  alda  gar  Tunder  won 
2650  An  dem  kind  Jelu  geTchon: 

Set,  als  daz  ummeTnyden, 

Daz  Got  CriTt  wolde  liden; 

Und  ouch  daz  man  legte  in 
Dem  trut  czarten  kindelin 
2655  JeTus,  den  vil  Tuzen  nam ; 


2593.  w’.  hinter  czwar  Punkt.  czwar 
aus  cwar. 

2596.  einer? 

2597.  wol  aus  bol. 

2605.  Gal.  4,  4. 

2606.  d'  vulle  aus  di  volle. 

2616.  heilgen  aus  heigen. 

2613.  Joh.  16,  28. 

2620.  ritt?  Vielleicht  kift? 

2621.  wai'  aus  waz. 


2622. 

de!  am  Rande  für  d'.  gcnaf 

aus  genaz. 

2623. 

dort  aus  dor. 

2625. 

Uber  eg  in  megde  ist  y geschrieben. 

2644. 

Def  aus  Daz. 

2646. 

irfcheyne  aus  irfcbynS. 

2647. 

wnken. 

2649. 

won  aus  von. 

2652. 

liden  aus  lidem. 

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42 


Und  daz  di  mait  meitlicher  Ich  am 
Daz  kindlin  nach  alder  e 
Gar  an  aller  funden  we 
Offenbar  in  dem  tempil 
2660  Oppherte  czu  eim  exempil; 

Und  ouch  daz  dem  kindil  vry 
Brachten  riecher  kunge  dry 
Ir  gäbe  von  der  virre, 

Golt,  wirouch  unde  mirre. 

2665  'Von  erft  ummelnetin  wart 
Noch  der  e daz  kindlin  czart, 

Daz  is  griffe  an  di  werk 
Durch  der  iz  von  himel  berk 
[686]  Her  nider  was  bekuraen 
2670  Czu  fchaffen  Tinen  vromen 
Als  ein  cluger  koufman  wert, 

Der  den  kouf  des  er  begert 
Erft  begrift  mit  deiner  hab, 

Daz  in  nimant  trieb  dorab, 

2675  So  den  er  den  beczale  gar, 

Daz  er  den  kouffchacz  ane  var 
Behalde  und  beficzce: 

Daz  sint  der  clugen  wiczce. 

Suft  Jefus,  daz  kindil  bloz, 

26«0  Gar  ein  luczil  blutes  goz 
Von  erft  in  dem  befnyden, 

Daz  Crift  nicht  wold  vormyden 
Durch  daz,  wen  er  gar  und  gancz 
An  dem  cruce  funder  Tchrancz 
2685  Sin  turez  blut  verguzze, 

Daz  des  der  menfch  genuzze 
Und  6n  vor  den  viendeu  gar 
Vort  befeze  offenbar. 

[63 «]  Ouch  Jefus,  der  falden  ftani, 

2690  An  fich  daz  befnyden  nam, 

Daz  er  von  der  fmerczen  pin 


Lefte  alle  knechte  fyn  — 

Wen  is  tet  gar  pinlich  we 
Daz  befnyden  noch  der  e — , 

2695  Di  mit  andern  bürden  fwer 
Noch  der  e der  Juden  her 
Trug  glich  durch  ein  urkunde 
Vor  aide  erbefunde. 

Do  von  uns  wolde  vrien 
2700  Und  femfter  hülfe  lien 
Vur  der  erbefunden  flac 
Crift,  der  eren  prizbejac. 

Do  von  czu  den  felben  fprach 
Di  da  trugn  daz  ungemach 
2705  Und  al  di  pin  in  herczen 

Der  uns  quam  lofn  von  fmerczen: 
‘Ift  daz  fache  daz  uch  tut 
Los  und  vry  der  fun  vil  gut, 

[63  6]  So  wert  ir  benamen  vry 
2710  Von  der  not  di  als  ein  bly 
Di  feie  gar  befweret 
Und  ouch  den  liep  verczeret.’ 
Alfuft  di  leiden  thoren 
Di  nach  mit  durkeln  oren 
2715  Den  felben  dineft  lyben, 

Durch  di  di  werter  ftyben 
Allir  dinge  ane  vrucht, 

Di  und  alle  ire  trucht 
Mit  alle  irra  geflechte 
2720  Blibn  ewiclichen  knechte. 

Aber  czwar  daz  fag  ich  dir: 

Von  des  geiftes  vriget  wir 
Irlofet  von  den  funden, 

Von  himel  bernden  unden 
2725  Vry  wir  idoch  czu  rechte 
Getan  fin  Gotes  knechte, 

Und  unfe  vrucht  wir  haben 


2668.  vgl.  5 738. 

2675.  das  erste  den  aus  wen. 
2701.  vngemaeh  aus  vngmach. 


2707.  Joh.  8,  36. 

2708.  vil  an»  bil. 
2725.  27.  w1. 


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43 


In  helikeit  begraben, 

[70a]  Und  ouch  an  miffewende 
2730  Czu  jungeft  unfer  ende 
Ift  ein  ewicliches  lebn 
Und  ein  engelifches  webn. 

Ouch  Crift  liz  fich  befinden 
Und  wold  daz  nicht  vermiden 
2735  Daz  er  enphinge  di  gebot 
Nach  der  e an  allen  fpot. 

Sine  menfchbeit,  daz  wol  wig, 

An  dem  crucz  behilt  den  fig 
Und  mit  der  marter  note 
2740  Di  aide  fchrift  da  tote. 

Durch  daz  Got  gemeinlich  jach 
Czu  allem  volke  gar  gevacli : 
‘Welch  menfch  mit  ganczen  finnen 
Sich  nicht  befnidet  innen, 

2745  Das  wirt  czu  angefichte 
In  dem  leiten  gerichte 
Uz  gefundert  und  verczalt 
Von  dem  Volke  wol  geftalt.’ 

[70  5]  Der  wife  nicht  verlazzet 
2750  Di  unfe  herre  hazzet. 

Sechfe  fint  der  laftermol 
Di  verfniden  fal  der  ftol: 

Ougen  di  hoe  vligen, 

Und  czungen  di  jo  ligen, 

2755  Und  hende  di  verterben 

Unfchuldic  blut  und  fterben, 

Und  di  vuze  di  gar  fnel 
Sint  czu  bofen  dingen  hei, 

Und  hercze  di  da  planken 
2760  Vil  bofheit  mit  gedanken, 

Und  di  geczuc  mit  lugen 
Vol  valfchheit  und  mit  trugen, 

Und  der  under  bruder  feht 


Czweitracht,  crik  und  ungeret. 
2765  Wer  mit  burnder  übe  ftol 
Di  benanten  laftermol 
Verfnidet  und  verhowet, 

Sich  innerhalb  ervrowet 
[7/a]  Und  vrelich  wirt  befchowen 
2770  Got  in  der  himel  owen. 

Do  nach  der  Juden  fiten 
Daz  kint  wart  ummefniten, 

Do  wart  im  geleget  yn 
Der  nam  Jefus  luter  fyn, 

2775  Ein  nam  der  barmherczekeit, 
Des  di  engil  fin  gemeit, 

Ein  nam  vol  bernder  blute, 
Heil  troftes  unde  gute, 

Unfers  heiles  an  begin 
2780  Und  der  faldin  hoch  gewin. 
Jefum,  dem  namen  fuze, 

Nygen  biz  uf  di  vuze 
Alle  himelifche  ding; 

Allez  waz  der  werlde  ring 
2785  Hot  gancz  alumme  flozzen, 

Daz  hot  der  nam  durch  vlozzen 
Gar  mit  der  genaden  vliz, 

Den  der  hoe  vater  hiz 
[7/fc]  Springen  von  dem  himel  wJt 
2790  In  voller  genaden  cziet. 

Ouch  Jefus,  der  fuze  nam, 

Mit  des  vronen  geiftes  vlain 
Ift  ein  vil  nuczer  bote 
Uf  czu  dem  hoen  Gote 
2795  In  daz  clare  himelricb. 

Do  von  alle  prifter  glich 
Jefus  des  namen  nizen 
Und  ir  gebet  beflizen 
Mit  dem  fuzen  namen  tyf, 


2734. 

nicht  aus  nicb. 

2757. 

wie  aus  wie. 

2743. 

Köm.  2,  20. 

2760. 

vil  aus  vol. 

2745. 

Wt. 

2772. 

wart  aus  w&z. 

2748. 

mol. 

2782. 

nygeu  aus  nygesn. 

2756. 

vnd  fterben  au»  enfterben. 

2797. 

nizen  aus  lizen. 

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44 


2800  Als  man  hinden  an  den  brif 
Hengit  daz  ingefigel 
Czn  einem  velten  rigel. 

Suft  bindnach  jo  fprechen 
Di  brifter  di  nicht  brechen, 

2805  Gar  an  alle  arge  lift 

Bi  unfern  herren  Jefum  Grift, 
Wen  fi  enden  ir  gebet 
Inninclichen  mit  geret, 
l?i>n]  Ouch  des  namen  fuzekeit 
2810  Ift  ein  hört  vor  alles  leit 
Und  ein  erczedie  ftark, 

Di  hin  dringet  durch  daz  mark 
Und  alle  Tuche  tut  gefunt, 

Er  ift  des  todes  uberwunt 
2815  Jefus,  der  nam,  durch  fuzet, 
Irquicket  unde  buzet 
Den  feien  aller  fwere, 

Daz  fint  vil  liebe  mere. 

Durch  daz  di  apoftel  glich 
2820  Irwelt  von  dem  vater  riech, 
Und  ouch  alle  heilgen  gut 
Wecken  uf  von  to  des  lut 
Di  irfturben  woren  gar, 

In  dem  namen  Jefu  dar; 

2825  Di  liehen  fi  ouch  heilen, 

Waz  man  der  uf  gefeilen 
En  mac,  ei  welch  ein  wunder! 
Jefus,  der  name  munder, 

[72  6j  Von  im  felbe  werlich  git: 

2830  ‘Wes  ir  mynen  vater  bit 
In  minem  namen  inninelick. 


Daz  gibt  er  uch  gar  velliclich.’ 
Ouch  von  finer  fuzen  art 
Spricht  ein  lerer  wol  gekart: 

2835  ‘Du  lefes  oder  fchribes, 

Oder  waz  du  anders  trieb  es, 

Daz  ift  czwar  nicht  fmachaft  mir 
Werlich  gancz,  daz  fag  ich  dir, 
Niwn  fchon  al  dar  irclinge 
2840  Vro  al  der  werlt  gelinge, 

Jefus,  der  vil  fuze  nam.’ 

Ouch  des  felben  Jefu  vlam 
Ift  ein  fuzer  honec  feim 
In  dem  munde  funder  leim, 

2845  In  den  orn  en  fuzer  clanc 
Und  ein  immer  wernder  fanc, 

Und  binnen  in  dem  herczen 
Vreud  über  vreud  an  fmerczen: 
[73 «]  Aller  fuze  fuzes  kift 
2850  Befluft  der  nam  Jefu  Grift. 

IIo  ift  der  name  Jefus: 

Der  in  wil  irkennen  fus, 

Sait  di  fchrift  an  alle  dro: 

‘Wer  nu  wil  befchowen  jo 
2855  Jefum  Got,  daz  lebnde  brot, 

Daz  der  ftige,  daz  ift  not’ 

Suft  Jefum,  der  funnen  bren, 
Zackens  begerte  fen, 

Wer  er  were  offenbar, 

2860  Und  enmochte  vor  der  fchar; 

Wen  er  was  ein  deiner  man. 
Durch  daz  lief  er  fnelle  dan 
Und  fteig  uf  einen  boum  mit  ger 


2818.  Da*  aus  Des. 

2823  und  2824  umgestellt ; die  richtige  Folge 
am  Rande  durch  b a bezeichnet. 

2830.  Joh.  16,23. 

2834.  Spricht  ata  Sprich. 

2835.  Col.  3,  17. 

2837  f.  m':  d'. 

2839.  Niwn  aus  Jiiwa.  irclinge  aus  ir- 
clingen. 


2840.  w in  w'lt  auf  Rasur. 

2849.  alle-. 

2851.  Zwischen  o und  die  rote  Initiale  S 
ist  H eingeschoben. 

2852.  Der  an»  Den.  hinter  irkennC 
Punkt. 

2861.  wal’  aua  war. 

2863.  fteig  aus  fteg. 


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45 


Daz  er  fe  wer  Jefus  wehr. 

2865  Sich  czwei  hindernis:  di  fchar 
Und  des  menfchen  kurcze  czwar 
Hindirn  manche  daz  Ti  nicht, 

Als  di  rechte  glofe  fpricht, 

[73  6]  Wol  befehn  wer  Jefus  fy. 

2870  Redelich  vornim  do  by 

Der  fich  czu  der  werlde  tut 
Und  kiimt  felden  uz  der  lut, 
Ouch  di  under  wegen  lan 
Gute  werk,  gar  wol  getan, 

2875  Und  fich  mengen  alzu  vil 
Czu  der  werlde  koukil  fpil. 

Di  czwey  vil  manche  hindern 
Und  fi  fo  verre  fchindern 
Daz  fi  nicht  befchowen  mugn 
2880  Got  Jefnm  infinen  vlugn; 

Aber  wer  an  alle  crye 
Wil  befen  wer  Jefus  fye 
Wider  di  czwei  hindernis, 

Gar  an  alle  cluternis 
2885  Mit  dem  wiffagen  er  ficze 
Einfam  in  guter  wicze 
Und  czy  fich  von  den  luten 
Und  von  der  werlde  traten! 

[74  a]  Suft  er  felbe  ficherlich 
2890  Sich  irhebet  über  fich 
Und  wechfet  in  der  owe 
Gar  hoch  in  fuzer  fchowe, 

Und  alfo  ftende  funder  troum 
Uf  der  blanden  libe  boum 


2895  Sit  er  Jefum  under  im 
Inder  demut,  daz  vernim, 

Und  en  hoben  im  fit  dar 
Ir  haben  ob  der  engil  fchar. 
Snel  er  fwinge  fin  gevidr 
2900  Und  ftige  von  dem  boume  nidr 
Und  neme  in  fin  hus  gereit 
Di  wäre  demutekeit 
Und  enplia  ane  fmerce 
Da  mitten  in  fien  hercze 
2905  Den  hochgelobten  werden  gaft: 
So  hilft  im  der  funnen  glaft 
Daz  er  ftiget  lobelich 
Czu  dem  vater  vrouden  riech. 

[74  6]  Aida  werlich  funder  fchim 
2910  Den  nam  vindet  er  in  im 
Ob  allir  luft  gerade, 

Den  namen  der  genade. 

T>o  irvullet  was  di  cziet 
Daz  man  in  fechs  wochen  liet, 
2915  Der  reinunge  czyt  ich  mein, 
Daz  fi  wurd  gereinget  — nein! 
(Wen  di  kufche  maget  was 
Reine  luter  als  en  glas), 

Sünder  daz  ir  magetum 
2920  Hoch  ob  aller  meide  blum 
Gelobt  wurde  von  irer  vrucht, 
Und  ir  erentriche  czucht 
Der  werlde  gebe  lere: 

Durch  daz  di  fuze  here 
2925  Lieplich  noch  der  alden  e, 


2865. 

hinter  hind'nis  Komma. 

2911. 

gerade  aus  geradn. 

2877. 

czwey  aut  czwe. 

2913. 

Die  Initiale  D ist  aus  0 

ab- 

2879. 

nicht  aut  nich. 

geändert. 

irwllet 

2886. 

[am  tu  6101?  auf  Rasur. 

2915. 

mein  aus  meine. 

2887. 

d in  vud  auf  Rasur. 

2916. 

wurd  gereinget  auf  Rasur, 

da - 

2891. 

vnd  aus  vnde. 

hinter  Punkt. 

2894. 

bl  vnde. 

2917. 

was  aus  w&z. 

2897. 

TD. 

2921. 

irre'. 

2901. 

neme  aus  nem.  huf  aus  buz. 

2922. 

cxuch. 

2907. 

Daz  aus  Da. 

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4G 


Di  uz  ginc  von  Moyfe, 

Daz  kint  czu  dem  tempil  trug. 
Di  getrwe  was  Io  clug 
[r5a]  Daz  fich  di  aller  befte 
2930  Des  kindes  muter  weite 

Und  doch  weite  lieh  kein  wyp. 
Als  der  andern  muter  lyp 
Beworren  und  bewollen. 

Des  iit  ir  lob  irichollen 
2935  Und  wirt  von  menichen  czungen 
Gancz  nimmerme  vol  iungen. 
Wen  di  vil  kuiche  itarke 
Iit  Gotes  nwe  arke, 

Uz  der  Jeius  Got  gebar, 

2940  Der  genaden  mildes  jar. 

Di  reine  czu  dem  tempil 
Brachte  czu  ein  exempil 
Got  Jeium,  daz  lebnde  brot: 
Wen  iclichem  iz  daz  not, 

2945  Der  von  Got,  dem  iunnen  fpil, 
Jo  geezwiget  werden  wil, 

Daz  er  dar  über  eine 
Kum  czu  dem  tempil  reine, 

[75  b]  Doch  ein  iclich  meniche  lat 
2950  Beten  mac  an  aller  itat 
Und  bewiien  Gote  lieh 
Und  irheben  luterlich 
Sine  hende  iunder  laz, 

Ane  czorn  und  ane  haz. 

2955  Czu  dem  der  nicht  verretet 
Und  inninclichen  betet, 

Sprichet  Got,  der  iunder  vriit, 
In  dem  buch  der  übe,  C'riit: 


‘Din  antlicz  mir  bewiie 
2960  Mit  luter  bichte  lile, 

Und  inninclich  di  Itimme  din 
Schelle  in  den  oren  myn! 

So  wirt  iuze  din  getane 
Und  ouch  diner  itimmen  clanc, 
2965  Din  antlicz  wirt  ouch  Iclione, 
Daz  ich  alleine  crone.’ 

Wiffet,  vor  Got  inhimelrich 
Keins  gebet  was  volleclich 
[reo]  Anneme  alio  lange, 

2970  Biz  daz  mit  dem  kirchgange 
In  den  tempil  towes  nas 
Daz  dar  guldine  rouchvas, 

Got  Jeium  gar  unverdait. 
Brachte  di  vil  reine  mait. 

2975  Als  ich  in  der  gloien  laz: 

Gott  Jeius  daz  rouchvas  waz. 
Daz  telbe  kint  gar  liefe 
Her  Simeon,  der  griefe, 

Mit  den  armen  ummeving 
2980  Und  daz  recht  mit  im  beging 
In  dem  tempil  nach  der  e. 
Aber  wiffet  vorbaz  me 
Daz  von  der  tugnde  brunne 
Und  von  der  waren  funne, 

2985  Di  der  aide  mit  gevug 

Genczlich  in  den  armen  trug, 
Er  Symeon,  der  griefe, 

Wart  alzuhant  io  wiefe, 

[70b]  Set,  daz  er  czu  der  Bunde 
2990  Denclich  wiffagn  begunde. 

Er  fpraek  czu  der  reinen  mait 


2929.  Daz  aus  Da*,  fich  übergeschrieben. 

2958. 

hinter  übe  Punkt.  Erift. 

2933.  Beworren  aus  Boworren. 

2959. 

Cant,  Ü,  14.  3,11? 

2939.  Jh’f  aus  ihT. 

2960. 

hinter  bichte  Punkt. 

2942.  vgl.  3113. 

2971. 

den  aus  dem.  nas  aus  naz. 

2946.  1 gezwtdet?  oder  bedeutet  zvrigen 

2980. 

daz  aus  das. 

hier  ‘pfropfen’?  vgl.  Rom.  11, 11. 

2987. 

griefo. 

2949.  Die  Zeilen  auf  7öb  stehen  gröfsten- 

2988. 

t in  wart  auf  Rasur. 

teils  auf  Rasur. 

2989. 

ftunde  aus  ftnnden. 

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47 


Offenbar  und  unverdait: 

‘Dines  felbes  feie  wert 
Wirt  verfniden  ein  fcharf  fwert.’ 
2995  Daz  di  erfte  pine  was 
Unfer  vrowen,  als  ich  las, 

Wen  der  rede  fi  irfchrak, 

Und  di  vorcht  ir  ane  lak. 

Di  felbe  prophecie  wart 
3000  Yolbracht  under  dem  cruce  czart 
Des  fi  di  muter  reine 
Gebenediet  eine, 

Di  daz  guldine  rouchvaz 
Hat  geopphert  ane  haz. 

3005  Do  mit  befiguriret  ift 

Daz  lebnde  brot  an  arge  lift 
Gar  alder  werld  czn  trofte, 

Do  von  mit  vrouden  kofte 
[77  a]  Der  alte  griefe.  daz  geschach 
3010  Daz  er  czu  den  ftunden  fprach: 
‘Nu  leftu,  her,  gefchide 
Den  dinen  knecht  mit  vride.’ 
Wen  die  feie  nicht  hat  ru’ 

Hy  in  dirre  werlde  dru”, 

3015  Nywn  uf  iren  vridel  tröt 

Di  fei  fich  leine,  di  ein  bruet 
Nennet  Got,  der  czarte  Crift, 

Als  is  do  gefchriben  ift, 

So  hot  fi  vrid  noch  rafte. 

3020  Daz  wol  der  wife  tafte, 

Do  er  von  dem  vride  fait 
Ken  dem  kinde  unverczait. 

Ouch  fprach  der  felbe  wife, 


Er  Symeon  der  grife: 

3025  ‘ Alreft  han  ich  mit  ougen  myn 
Gefehn  din  heil,  o fcheppher  fyn, 
Daz  du  noch  dinem  worte 
Haft  vor  des  elters  orte 
[~7 b\  Durch  alder  werlde  felekeit 
3030  Uz  irkurnet  und  bereit' 

Hic  incipit  fecundum  figillum 
fcilicet  de  baptifmo  Crifti. 

Daz  ander  ingefigel  ift 
Von  der  toufe  di  Got  Crift 
Enphinc  fchon  in  dem  vlize, 

Ab  ich  daz  wol  entflize, 

3035  In  dem  Jordan  daz  gefchach. 

Sich  entliz  der  hirael  dach, 

So  daz  in  der  toufe  rein 
Di  drivaldekeit  irfchein: 

Der  vater  in  der  ftfmme  hei, 

3040  Der  fun  in  dem  vlize  fnel; 

Ouch  fchein  an  alliz  ftrüben 
Ingefteltnis  einer  tfiben 
Der  geift,  ir  czweir  czunder. 

Do  czwifchen  und  dor  under 
3045  Mac  nymant  icht  gedenken, 

Nach  mac  di  dry  vorrenken, 

[~8a]  Nibn  iz  fi  ein  immer  lebn, 

Do  fi  einlich  inne  fwebn, 

Di  dry  perfonen  ho  gelart, 

3050  Ewiclich  in  einer  art, 

Di  ny  menfchen  fin  durch  fan 


2993.  Luc.  2,  35. 

2995.  waf  aus  waz. 

2996.  laf  aus  lax. 

3000.  Tolbracht  aus  volkrach. 

3004.  haz  aus  has. 

3009.  Hinter  aide  ist  al  gestrichen. 
3011.  Luc.  2,29. 

3014.  H an*  J. 

3015.  Nywn  aus  Nebn. 


3016.  fei  aus  feie. 

3020.  d'  über  der  Zeile. 

3022.  hinter  kinde  verwischtes  y. 

3025.  Luc.  2,31— 32. 

8028.  def  aus  d'.  hinter  elterf  Rasur. 
3030.  irkvrnet  aus  irkvrnj. 

3036.  entliz  aus  entlif  auf  Rasur. 

3039.  ftnrae. 


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48 


Mit  vornupht,  wi  vil  fi  kan; 
Ouck  kein  engelifche  fnur 
Ny  gemaz  noch  gancz  durch  vur 
3055  Der  drier  grundelofen  grünt. 

So  behende  ift  ir  bunt 
Und  ir  ewiclicher  ftrik 
Daz  da  nimand  einen  ftik 
Kan  irvinden  nach  irfehn 
3060  In  der  drier  funnen  bren, 

Wi  er  den  ftrik  uf  binde 
Und  wi  er  dor  inne  vinde 
Ein  an  begin,  ein  ende 
Gancz  innerhalb  der  wende. 

3065  Iz  ift  nur  ein  flechte  want 
Und  ein  luter  under  ftant, 

[7 si]  Ein  vil  clares  formen  cleit 
Sünder  der  materjen  weit, 

Aller  dinge  anevanc 
3070  Gar  an  allen  anehanc. 

Was  daz  nicht  ein  wunder  groz 
Daz  di  dry  perfonen  bloz 
Czu  der  toufe  wirdekeit 
Sunderlick  an  allez  leit 
3075  Irfcheinen  alfo  fchone? 

In  uberfuzem  done 
Gehört  des  vaters  ftimme  wart: 
‘Al  hi  ift  myn  lyp  fon  czart, 
Der  mir  immer  wol  behaitl’ 

3080  (Ir  fult  hören  waz  er  fait) 
‘Wen  über  ein  gar  loufen 
An  alle  crurame  floufen 


Genczlich  unfer  czweir  dink. 
Unfer  ewiclicher  l ink 
3085  Hat  weder  ende  nach  begin, 

Von  unz  vluzet  hoch  gewin, 

[7.0  o]  Des  vil  heilgen  geftes  blas, 

Wir  dry  nur  ein  einec  glas 
In  einer  gotheit  munder.' 

3090  Ey  welch  ein  michil  wunder 
Und  ein  troftlich  czu  verficht! 
Aida  in  der  felben  fchicht 
Der  lun  unfer  dink  fo  fchuf 
Daz  des  vater  fuzer  ruf 
3095  Durch  veterliche  gute 
Liz  allis  ungemute. 

E der  fintvlut  daz  gefehach 
Daz  Got  vater  czornlich  fprach: 
‘Mich  rwet  daz  ich  gefchuf 
3100  Menfchlich  kunne.’  fet,  der  wuf 
In  der  toufe  wart  vertan, 

Di  wir  nemen  und  enphan 
In  Crifto  von  genaden, 

Mit  der  wir  ab  uns  baden 
3105  Gar  der  erbe  funden  flam, 

Di  von  erft  uns  abe  nam 
[796]  Daz  befniden  noch  der  e, 

Als  ich  han  gefaget  me. 

Ouch  di  toufe  mancher  wis, 
3110  Di  uns  han  propheten  gris 
Befiguriret  fchone, 

Erft  Grift  der  degen  vrone 
Nam  von  finer  junger  ein. 


3054.  wvr  aus  wr. 

3056.  Vieser  V'ers  wurde  ausgelassen  und 
als  leiste  Heile  der  Seite  mit  Verweisungskremen 
nachgetragen. 

3071.  waf  aus  waz. 

3075.  Irfcbeifl ; ist  der  Sing,  irfchein 

gemeint? 

3077.  def  aus  der. 

3078.  Matth.  3,  17.  17,  5. 

3087.  Mal'  aus  blaz. 

3088.  über  dry  ist  nochmals  r geschrieben. 


3094.  fuzer  aus  fuze. 

3099.  1.  Mos.  6,  6. 

3100.  am  Hände  vuf  für  wvf  aus  wlf. 

3101.  hinter  toufe  Punkt. 

3102.  wir  aus  w. 

3103.  xpö,  so  öfter. 

3109.  wif  aus  wi«. 

3110.  grif  aus  griz. 

3113.  ein  Ekthlipse  für  einen  (==  einem). 
Die  beiden  Johannes  sind  anscheinend  verwechselt. 


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49 


Da  di  trinitat  irlchein 
3115  Befunder  offenbare, 

In  dem  drifigften  jare 
An  Got  CriTto  daz  gefchach, 

Durch  di  lache,  daz  wol  vach, 

Wen  menlich  muz  er  wefen  wol 
3120  Und  ein  man  der  vechten  fol 
Wider  den  tuvel  und  fin  her 
Und  wider  fin  gefpenfte  fwer. 

Wer  iz  wol  czu  herczen  nimt, 

Ouch  daz  felbe  alder  czimt 
3125  Der  tugnt,  der  kunft,  der  lere 
Nach  criftenlicher  ere, 

[soa]  Wen  in  des  alders  ftunde 
Got  Crift  alreft  begunde 
In  andacht  tun  und  leren, 

3130  Troft,  heil  und  falde  meren. 

Wen  iz  ift  kein  kinde  fpil 
Vechten  wider  des  tuvels  fil, 

Ouch  fich  czu  Gote  hengen 
An  underfcheit,  nicht  lengen, 

3135  Und  ouch  ander  an  den  weg 
Wifen  und  den  richtefteg 
Si  berndes  heiles  leren, 

Alfo  daz  fi  nicht  keren 
Von  dem  rechten  wege  dan 
3140  Mit  den  werken  ungetan. 

Wen  von  dem  der  kintlich  vicht 
Wider  den  tuvel,  her  Saul  fpricht 
Czu  David  gar  uberluet: 

‘Min  fon  und  min  kindel  truet, 
3145  Heb  dich  ken  Golyam  ichtl 

Du  macht  widr  in  ftriden  nicht; 
[80b]  Laz  dir  wefen  nicht  czu  goch, 


Wen  du  bift  ein  kindil  noch; 

Aber  der  Golyas  ift 
3150  Vol  ein  tuvel  arger  lift 
Und  ein  kemphe  als  ein  ber 
Von  kintlichen  tagen  her.’ 

Czu  den  di  ouch  iren  fchrit 
Seczen  in  den  rechten  trit, 

3155  In  der  biworter  wife 

Spricht  Salomon  der  grife: 

‘Myn  fon,  kereftu  czu  Got 
Dich  mit  dinfte  funder  fpot, 

Ste  in  der  gerechtekeit 
8160  Und  in  vorchte  fte  gereit! 

Ouch  gereite  als  ein  heit 
Ken  den  vienden  ungeczelt 
Dine  feie,  dinen  mut, 

So  wirt  jo  din  ende  gut!’ 

3165  Ouch  er  Jofeph,  als  ich  las, 

Wol  von  drifec  jaren  was 
[sia]  Do  gewaldik  wart  fin  hant 
Uber  al  Egypten  lant 
Efechieli  czware 
3170  In  dem  drifigften  jare 
Wol  wurden  unvordroffen 
Vil  heimlichkeit  6ntfloffen. 

Alfuft  hub  ouch  Jefus  an  , 

Alreft  do  er  wart  ein  man, 

3175  In  dem  alder  vor  gezalt 
Wol  von  drifec  joren  alt 
Pf  ach  ficherlichem  loufe 
Ift  drier  ley  di  toufe: 

Des  heilgen  geiftes  vlammes  bren, 
3180  Und  des  eigens  blutes  fpren, 

Und  des  reinen  waffers  guz 


3114.  t'nit&t 
3125.  tugnt  aus  tagt. 

3130.  falde  aus  falden. 

3136.  Ämter  wifen  Punkt.  den  am 
Rande  nachgetragen. 

3143.  C in  Czv  auf  Rasur. 

3144.  I.  Sam.  17,  33.  Miin  fon. 

D«uUch«  Text«  de«  MituU1t«rs.  IX. 


3150.  v in  vol  auf  Rasur. 

3157.  frei  nach  Proterb.  1 — 3. 

3160.  hinter  fte  Rasur. 

3172.  4 in  4ntfloffen  aus  i. 

3178  — 3187.  Von  jeder  Zeile  steht  ein 
grüfsere»  Stück  auf  Rasur. 

4 


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50 


Von  der  gnaden  ubervluz. 

Set,  di  dry  an  wider  ftrebn 
Geczugnis  uf  der  erden  gebn, 

3185  Und  di  felben  Dry  fint  ein, 

Set,  do  czwifehen  mae  kein  czein. 
[sit]  In  dem  heilgen  geilte,  fecht, 
Wurden  vil  der  felgen  fleckt 
Getouft  von  funden  rofte. 

3190  Di  wile  er  noch  kofte, 

Sinte  Peter,  inninclich 
Mit  der  diet,  czu  falden,  Geh, 

Do  vil  uf  das  volk  da  meift 
Der  vil  vrone  heilge  geift. 

3195  Allein  fi  nicht  weren  noch 

Getwain  mit  dem  wazzer,  doch, 

Als  di  rechte  glofe  lief, 

Ab  den  felben  bin  der  cziet 
Benumen  het  di  toufe, 

3200  Des  reinen  brunnes  troufe, 

Lichte  ein  vil  fneller  tot 
Oder  ouch  kein  ander  not, 

Si  wem  der  himel  kinder 
An  aller  funden  finder. 

3205  Der  morder  an  dem  cruce,  jen 
Di  wifen,  und  alle  den 
[&?«]  Di  uf  des  gelouben  plan 

Durch  Got  ir  blut  vorgoffen  kan, 
Di  des  waffers  element, 

8210  Daz  vil  heilge  facrament 
Der  toufe,  czu  den  ftunden 
Gereichen  nicht  enkunden, 

Doch  fint  fi  getoufet  fat 
In  irs  felbes  blutes  bat, 

3215  Vfl  mer  in  Gotes  blute, 

Daz  Got  Crift  der  vil  gute 


Durch  di  werld  gemeinlich  goz 
An  dem  vronen  cruce  bloz. 

Sed,  aber  di  andern  alle 
3220  Horen  an  under  valle 

Daz  urteil  mit  Nichodemo 
Griftes,  do  er  fpricht  alfo: 

‘Ir  fiet  alle  gar  vorlorn, 

Im  wert  anderweit  gebom 
8225  In  wazzir  uf  daz  meifte 
Und  in  dem  heilgen  geifte, 

[S26]  So  mugt  ir  nicht  kumen  gliech 
In  des  hoen  Gotes  riech!’ 

Set,  des  waffers  element 
3230  Daz  vil  heilge  facrament 
Binnen  befluzet  touge, 

Daz  kein  natürlich  ouge 
Mag  begrifen  nach  gefehn: 

Daz  tut  des  heilgen  geiftes  bren. 
3235  Daz  waffer  uzen  wefchet 
Den  lichnam  und  verlefchet 
Binnen  gar  der  funden  glut, 

Di  vil  heiz  der  feie  tut. 

Allein  ouch  in  den  linden, 

3240  In  ungetouften  kinden, 

Di  dein  bekentnis  haben, 

Lig  di  vernunpht  begraben, 

Durch  daz  der  kinder  unvernumpht 
Sal  der  paten  underkumpht 
3245  Vorftan  mit  dem  gelouben. 

So  we  in  wart  den  touben 
[&3a]  Di  nicht  den  gelouben  han 

Und  fich  ouch  nicht  toufen  lan. 
Wen  fi  di  toufe  mugen 
3250  Iriangen  mit  den  vlugen! 

Ouch  der  toufer  crucewis 


3185. 

DryJ  so! 

3221. 

vor  nichodemo  llasur. 

3192. 

hinter  falden  Komma. 

3223. 

Joh.  3,  5. 

3193. 

rulk  am  Bande  nachgetragen. 

3231. 

BimnS. 

3205. 

hinter  ervee  A'omma. 

3235. 

nzen  aus  ulen. 

3206. 

den  anakolnthisch;  Tilo  wollte  i col 

3244. 

paten  aus  pate. 

schreiben:  * denen  wird  die  Taufe  angerechnet'. 

3245. 

v'ftan. 

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51 


Daz  kint  in  di  toufe  drys 
Und  in  den  brnn  jo  lenket 
Und  im  den  er e fern  fchenket 
3255  Durch  criftenlichen  Tarnen. 

Jo  in  der  drye  namen, 

Di  du  Telbe  vil  wol  weilt, 

Vater,  Tun  und  heilic  geift 
(Nimant  di  dry  verrenket), 

3260  Daz  kint  man  dries  lenket, 

Als  ich  Tprach  e gevache, 

Durch  drierhande  fache, 

Daz  iz  fterbe  drier  wis 
Glich  dem  tode  Criftes  ris, 

3265  Do  von  uns  gar  unverdait 
Ein  vil  fuz  czwelfbote  fait: 

[&36J  ‘Allez  daz  in  der  werlde  ift, 

Is  drier  leie  funden  mift: 

Di  beger  des  vleifches  czwar, 
3270  Und  di  beger  der  ougen  dar, 
Und  des  lebens  kundekeit 
Ift  ouch  ein  vil  funtlich  cleit.’ 
Daz  Tuld  ir  ouch  bedenken: 
ln  di  heilge  toufe  lenken 
3275  Ein  glichnis  uns  erczeiget: 

Dar  czu  fich  hat  gene/get 
Criftes  tot  und  ouch  fin  graben, 
Uz  dem  weg  fal  nymand  fnabn! 
Aber  fet,  mit  dem  irhebn 
3280  Uz  der  toufe  wir  entfebn 
Ein  glichnis,  ein  urkunde, 

Das  wir  enften  von  funde 
Und  daz  wir  von  todes  lut 
Wider  czu  dem  leben  vrut 


3285  Irftan  czu  den  genaden 
Czu  den  wir  fin  geladen. 

[84a]  Hic  incipit  tercium  figillum 
videlicet 

De  paffione  domini  noftri 
Jefu  Crifti. 

Daz  dritte  ingefigel, 

Ab  ich  czy  ab  den  rigel, 

Von  der  bittern  martern  ift 
3290  Di  der  czarte  fuze  Crift 

An  der  claren  menfehheit  leit 
Durch  der  werlde  felekeit. 

Der  marter  in  eilende 
Beid  anbegin  und  ende 
8295  Wom  di  heften  manicvalt, 

Di  ho  fozen  in  gewalt, 

Und  di  creter  wol  gelart, 

Rathern  fuft  und  fo  gekart, 

Di  di  recht  künden  fchaffen, 

3300  Und  ouch  der  vurften  pfaffen, 

Di  alle  weg  virhilden 
Und  valfche  rete  vilden 
Wider  di  vil  reine  werk 
Di  er  fchuf  von  himelberk. 

[046]  Si  ftraften  fine  fpruche, 

3306  Di  doch  nicht  hatten  bruche, 
Valfch  geczug  fi  vurten 
Und  in  gar  velfchlich  rurten 
Mit  lügenhaften  czungen, 

3310  Daz  recht  fi  gar  verdrungen; 

Uz  fime  tode  fpot  und  fchimph 


3255.  crifteulichen  um  criftenlichen]. 
fame  aus  tarnen. 


3260. 

drier  aus  drier. 

3263. 

wif  aus  wis. 

3264. 

rif  aus  riz. 

3267. 

1.  Joh.  Jl,  IG. 

allez  au*  alle*. 

3276. 

geneget. 

3279. 

aber  au«  abir. 

irhebu  aus  heben. 

3283.  3286.  w'. 

3286.  den  au*  dem. 

3290.  Di  au*  tri. 

3300.  wrften. 

3301.  alle  weg  am*  al  weg.  virhilden 
aus  wirhilden. 

3307.  wrten. 

3309.  ivgeuhaften  aus  logenhaften. 

4* 


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52 


Triben  fi  mit  ungelimpk. 

Set,  alfuft  Got  menfeli  und  Crift, 
Der  al  der  werlde  heilant  ift, 

3315  Von  Cayn  ift  genotet, 

Irflagen  und  getötet, 

Von  Yfmahel  vordrungen, 

Vor  Efau  dan  gefwungen 
Und  verre  verelendit, 

3320  Von  brudern  fin  gephendet 
Und  verkoufet  mit  der  hant, 

Jofep  in  Egypten  lant, 

Nu  fet  di  ungerueten, 

Di  fo  noten  di  guten, 

[85  a]  Oder  der  demut  vorten 
3326  Und  heilicheit  verkorten; 

Oder  der  gehorfam  breit, 

Di  ein  fon  fonlichen  treit, 

Oder  dem  femften  mute 
3330  Si  vorten  mit  der  hüte; 

Der  workeit,  als  fi  wer  ein  rouch, 
Vorten  ouch  di  bofen  goucli. 

Aber  jene  toten  Crift, 

Der  urfprinc  und  ende  ift, 

3335  Aller  dinge  rechte  foz. 

Alfus  erer  vater  moz 
Si  irvulten  volleclich 
Und  irflugen  jemerlich 
Di  benanten  al  in  im 
3340  Und  en  in  allen,  daz  vornim 
Wi  fere  hochvart  blendet 
Und  wi  ummeflich  phendet 
Gute  lute  unvorfehult 
Di  gewalt  mit  ungedult! 


[85  5]  Wi  lyp  Crifto  halt  da  by 
3346  Daz  menfchliche  kunne  fy, 
Werldlicher  eren  girde, 

Vol  itelicher  czirde, 

Und  czu  vluz  rieches  gutes 
3350  Ammen  kundeges  mutes, 

Di  vorften  groz  der  pfaffen 
Machten  fo  gar  czu  affen 
Und  verblenten  fi  fo  gar 
Daz  fi  ny  erkanten  dar 
3355  Daz  Got  in  Crifto  were 
(Des  worn  fie  im  gevere), 

Daz  di  albern  alda  widr 
Erkanten  di  ir  gevidr 
Nicht  czu  dem  fchacze  fwungen, 
3360  Noch  fich  mit  nymant  drangen 
Um  werldlicher  eren  phat, 

Dar  nach  di  meifte  menge  ftat. 
Alfuft  Criftum  fi  vertribn 
Durch  di  fache  daz  fi  blibn 
[86  a]  Siezen  uf  der  eren  ftul 
3366  Und  icht  gedrungen  in  den  phul 
Wurden  liecht  von  vremder  diet, 
Do  von  ir  untnve  riet 
Wi  fi  brechten  von  den  horn 
3370  Jefum,  des  fi  fich  befworn. 

Jhefus  mit  den  jungem  fyn 
Ginc  uz  über  daz  wefferlyn, 

Wo  ein  luftik  garte  was 
Beid  von  cedem  unde  gras. 

3375  Hi  mit  der  marter  lieden 
Recht  als  mit  einer  criden 
Wol  entwürfen  is  der  wec 


3317. 

yor  am  Bande,  vor  drungen  Rasur. 

3366. 

iebt  aus  uicli. 

3324. 

das  zweite  di  aus  in. 

3370. 

det  am  Rande. 

3331. 

al. 

3371. 

iügern  aus  iOgenrn. 

3337. 

irwlten. 

3372. 

tz  am  Rande. 

3348. 

czirde  aus  czide. 

3373. 

was  aus  waz. 

3356. 

fie  Korrektur  am  Rande  für  ter- 

3374. 

gras  aus  graz. 

wischtes  fi. 

3375. 

der  aus  den.  lieden 

3363. 

v'tribn  aus  vlriben. 

3376. 

Kecht  aus  Bech. 

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53 


Der  heilgen  und  der  richte  ftek 
Czu  dem  vil  felgen  lone 
3380  Um  ir  arbeit  wol  fchone. 

Wen  daz  vliz,  daz  fich  irguzt 
Und  gar  endelich  vervluzt, 

Duet  daz  jemerliche  ftrebn 
Daz  wir  han  in  difem  lebn. 

[866]  Wer  ouch  uberftrebet  daz, 

3386  Der  wirt  fat  an  under  laz 
Des  gefichtes  unfers  hern. 

Suft  di  finen  wolde  lern 
Criftes  kunften  rieche  bruft 
3390  Sich  czien.  von  der  werlde  luft, 
Do  in  ewangelio 
Got  Crift  felbe  fpricht  alfo: 

‘ Wer  nach  mir  wolle  kamen 
Durch  fines  felbes  vrumen, 

3395  Der  verlouken  felbe  fich 

Mit  ganczim  herczen  inninclich, 
Und  nem  uf  finen  racke 
Vor  allez  ungelucke 
Sin  crace  und  volge  mir 
3400  Alle  cziet!’  daz  fag  ich  dir 
Daz  fi  ficherlichen  czin 
Di  der  werlde  vroude  vlyn 
Und  kamen  in  den  garten 
Czu  Jefum  den  vil  czarten. 

[87  n]  ln  dem  felben  garten  Crift 
3406  Ob  allen  heilgen  ftende  ift 
Als  ein  uz  erwelet  maft. 

Der  in  den  walde  lichten  glaft 
Verre  gibt  ob  alliz  holcz 
3410  Und  treit  grüne  bleter  fmolcz, 


Ho  fchon  und  wyt  geleitet, 
Czulazen  und  czu  breitet 
Inheifer  libe  glute 
Von  himelbernder  blute, 

3415  Gar  vol  fuzer  reiner  vrucht 
Und  mit  erentricher  czuclit. 

Er  rufet  czu  den  erbeitern: 

‘Kumt  her  czu  mir,  di  myn  gern! 
Ich  wil  uch  wol  irquicken 
3420  Und  wil  uch  vroude  fchicken 
Nach  der  erbeit  und  der  laft 
Di  ir  in  der  werlde  vaft 
Hat  geubet  und  getragn, 

Nymand  fol  dor  an  verczagn!’ 

[87  6]  Ouch  Crift  begonde  liden 
3426  Und  in  dem  garten  fniden 
Erft  und  fich  fere  üben 
Mit  erbeit,  mit  betrüben 
Ken  der  marter  alfo  groz. 

3430  Set,  di  fache  ift  gar  bloz, 

Daz  jener  der  den  menfcken  vant 
Und  in  dem  garten  uberwant, 

Daz  ouch  der  felbe  wurde 
Suft  in  des  garten  burde 
3435  Gevellet  und  verwunden 
Und  ewiclich  gebunden. 

Ken  der  engiftlichen  pin 
Crift  Jefus,  der  funnen  fchin, 

Sich  wart  trizen  und  irquam 
3440  Trüben  truren,  als  is  czam: 

Dis  der  feien  quelnis  fint 
Di  erft  leit  des  menfchen  kint 
Durch  libe,  nicht  durch  notekeit: 


3380.  ir  aus  mir. 

3381.  irgrzt  aus  irgvft. 

3382.  vVlyzt  aus  y'vlvft. 

3383.  Dvet  aus  Dvt.  ftrebn  aus  ftcbn. 
3385.  ftrebet  aus  ftebet. 

3389—3399.  das  Ende  der  Verse  auf 

Rasur. 


3393.  Matth.  16,  Ul. 


3395.  y'louken  aus  v'leugen. 

3398.  allez  aus  alles. 

3401.  czin  aus  czien. 

3409  - 3424  rum  Teil  auf  Rasur. 
3409.  alliz  aus  allia. 

3418.  Matth.  11,  28. 

3441.  quelnis  aus  quelniz. 


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54 


Wen  di  vrou  uf  minen  eit 
[88  «J  Di  mait  libte  ane  creifch  — 

3446  Ich  mein  di  feie,  di  daz  vleifch 
Hatte  liep  gar  inninclich, 

Durch  di  fache  daz  iz  fich 
Ny  ken  der  feie  faczte 
3450  Nach  fi  ouch  ny  befchaczte, 

Sünder  was  ir  undertan 
Und  gehorfam  funder  ban. 

Wen  er  getet  ny  funde, 

Ny  wart  er  ouch,  der  wunde, 

3455  Czu  keinen  ftunden  um  ein  har 
Trugn  in  finem  munde  dar, 

Nicht  als  Agar,  unfe  mait, 

Di  ir  vrowe  dicke  jait 
Beid  in  jamer  und  in  dru, 

3460  Bi  wilen  in  todes  lu; 

Do  von  het  er  wol  vermidn 
Und  di  marter  nicht  gelidn, 

Nur  durch  des  vater  wille, 

Dorczu  in  baut  gar  ftille 
[88  5]  Der  heilge  geift,  ir  beider  glut. 
3466  Ey  wer  ift,  alfo  gemut 

Daz  er  wolle  fterben  gern? 
Nymand!  czwar  daz  wil  ich  wern. 
Wen  ungerne  fulchen  kouf 
3470  Libet  der  naturen  louf; 

Di  nature  ift  fo  wert 
Daz  fi  jo  des  beften  gert. 

Do  von  ftirbt  nymand  gerne. 
Czwar  Diterich  von  Berne 
3475  Wer  durch  keiner  hande  not 

3444.  Anspielung  auf  Sara  und  Ungar, 
die  3457  ff.  enciihnt  werden. 

3448.  Durch  aut  Daurch. 

3451.  waf  aus  war. 

3452.  vnd  gchorfam  aus  vngehorfam. 
3457.  nicht  aus  nich. 

3460.  todes  Iv  aus  tode  11t. 

3461.  v'midn  aus  y'miden. 

3462.  gelidn  aus  geliden. 

3470.  naturen  aus  natura. 


Vor  Tiner  vrunde  keinen  tot, 

Wi  menlich  und  wi  kun  er  was. 
Wer  er  fy,  ich  ny  gelas, 

Der  williclich  verturbe 
3480  Vor  fine  vrunt  und  fturbe, 

An  czwar  Got  Grift  alleine; 

Di  fache  ift  gemeine. 

Wen  erft  des  menfchen  wunde 
Sich  fanden  halb  begunde 
[89  a]  in  Adamn  feie  um  bedacht, 

3486  Mit  den  vleifcbe  vollenbracht; 

Von  den  felben  fchulden  doch 
Als  der  gute  Job  fpricht  noch: 
‘Von  innen,  uz  der  feie  fchoz, 

3490  Kumt  daz  ungewiter  groz’. 

Suft  Crift  vor  den  menfchen  erft 
Sinem  vater  aller  herft 
Gute  bezzerunge,  fet, 

Mit  der  feien  tiuelnis  tet, 

3495  Daz  er  dar  nach  irwurbe, 

So  wen  fin  vleifch  irfturbe, 

Dem  armen  menfchen  hulde 
Und  in  von  alder  fchulde 
Machte  alczumal  gefunt: 

3500  Daz  was  ein  vil  troftlich  vunt. 
Ouch  mit  den  felben  pinen 
Crift  wolde  lan  irfchinen 
Des  menfchen  ummechtekeit 
Werlich  von  des  vleifches  leit, 

[89  5]  Do  mit  er  ift  begangen, 

3506  Daz  Crift  ouch  hat  enphangen, 
Wen  6n  durfte  unde  vros, 


3476. 

Tor  aus  von. 

3477. 

was  aus  war. 

3478. 

gelas  aus  gelaz. 

3485. 

In  adamn  Korrektur  aus  Ina  di. 

feie  aus  fei. 

3488. 

Job]  so! 

3494. 

d‘  am  Rande. 

3495. 

er  am  Rande. 

3496. 

fi. 

3500. 

waf  aus  war. 

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55 


Idoch  was  er  fanden  los. 

Von  der  felben  crancheit  fit 
3510  David  in  dem  pfalme  git: 

‘Cranc  ift  in  ermmute 
Der  mynen  crefte  blute’. 

Diz  ift  der  wore  David, 

Dem  di  crancheit  ouch  was  mit, 
3515  Der  fam  mit  einem  mandel 
Gar  czwar  an  alles  wandel 
Mit  bedactem  honbte  gink 
Der  gotkeit,  di  in  umme  vink, 

Und  finen  fan  beweinte: 

3520  Den  armen  menfch  er  meinte, 

Der  von  dem  tuvel  was  enterbt 
Und  der  feie  fin  vorfterbt. 

Er  jach  und  fprach  mit  ougen  naz: 
‘Trat  fun  myn,  wer  gibt  mir  daz 
[.Wn]  Daz  ich  vur  dich  lege  tot?’ 

3526  Daz  felbe  ken  der  marter  not 
Ouch  fprach  der  vil  czarte  Crift: 

‘ Mine  feie  truric  ift 
Und  betrübet  in  den  tot’; 

3530  (Als  er  fpreche  ken  der  not) 

‘Sint  daz  kamen  ift  di  cziet, 

Und  di  fache  alfo  liet 
Daz  ich  vor  den  menfchen  fal 
Liden  jo  des  todes  ftral 
3535  Mit  munis,  mit  trurekeit, 

Ich  des  beite,  and  gereit 
Ift  di  feie  und  der  geift, 

Aber  daz  vleifch  doch  kranket 

meift.’ 


Do  czu  camphe  gar  irwegn 
3540  Williclichen  quam  der  degn, 
Lengir  vil  der  prysbejac 
Do  an  fim  gebet«  lac. 

Wen  wider  allez  widernis 
Und  der  feien  hindernis 
poft]  Ift  ein  inninclich  gebet 
3546  Starke  erczetie  ftet. 

Do  von  der  czwelf  boten  ein 
Git  und  fpricht:  ‘ift  uwer  kein 
Betrübet  von  ungerete, 

3550  Gar  inninclich  er  bete 

Mit  glichem  mute  nnd  fi  vro 
In  andacht  mit  Gote  jo!’ 

Suft  Got  Crift,  der  vil  czarte, 
Den  menfchen  beten  larte 
3555  Und  ftilte  ouch  den  vater  vrut 
Und  di  engil  czu  im  lut. 

Er  verwant  ouch  fine  not 
Und  den  bitterlichen  tot. 

Er  lart  uns,  wen  wir  beten, 

3560  Daz  wir  uz  herczen  jeten 
Alle  uzerliche  dink. 

Uns  ouch  füllen  wefen  link 
Der  werlde  lob,  ir  pryfen, 

So  mug  wir  uns  bewifen 
[oi  a]  Wol  des  vater  funne  dar 
3566  Glicherwis  recht  als  der  ar, 

Der  di  finen  kuchel  tut 
Sen  in  der  brenden  funnen  glut. 
Wen  daz  gebet  reine  pirt 
3570  Nur  himelvrunden  unde  wirt 


3508. 

waf  aus  waz 

3534. 

Ttral  aus  trat. 

3511. 

Ps.  30, 11. 

3535. 

das  streite  mit  aus  nit. 

3512. 

crefte  aus  trifte. 

3541. 

der  aus  den. 

3514. 

was  aus  waz. 

3548. 

Jae.  5,  13. 

35  ta 

Der  gotheit  abhängig  ron  mandel 

3552. 

andacht  aus  amlach. 

3555. 

ftilte  aus  l'tilt. 

3521. 

w&f  aus  waz. 

3561. 

vzerliche  aus  vferliche. 

3523. 

U.  Sam.  IS,  33. 

3564. 

w\  vus  aus  vnd. 

3525. 

vor  aus  wr. 

3566. 

wif  aus  wiz. 

3528. 

Matth.  26, 38. 11.  miue  aus  minre. 

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56 


Dem  tuvel  ungehner 
Ein  pinlich  grozes  vuer 
Und  ift  dem  menfchen  hülfen  rieh 
Und  ein  oppher  lobelich 
3575  Czu  Got  vater  funder  wan. 

Ir  fult  werlich  daz  verftan 
Daz  dem  vater  nicht  fo  wol 
Entfemftet  czwar  fam  riwen  vol 
Daz  gebet  uz  herczen  grünt, 

3580  Wo  iz  vluft  durch  fuzen  munt. 
Idoch  Got  den  vater  baz 
Nymand  entfemften  (wifz  daz 
Und  do  czwivel  nymand  an!) 

Als  der  groze  prifter  kan, 

[9ü]  Der,  als  ein  czwelfbote  git, 

3586  Vor  lieh  und  die  fine  lit 
Got  vor  finem  tode  bat, 

Do  er  vacht  in  creizes  phat. 

So  we  abr  der  werlde,  we! 

3590  Daz  iz  den  (alfo  verfte!) 

Di  Itete  lip  di  werld  habn 
Und  alles  noch  ir  fuze  drabn! 

Di  befloz  Grift  uzerhalb 
Recht  als  ein  verwürfen  kalb, 

3595  Do  er  vor  di  finen  bat. 

Er  fprach  czu  des  vater  rat: 

‘ Ich  bit  vor  li  mit  ganczer  phlicht, 
Vor  di  werld  ich  bite  nicht.’ 

Set,  ouch  bin  des  camphes  cziet 
3600  Einen  wunderlichen  ftriet 
Der  tot  und  daz  lebn  irhubn, 

Nicht  um  einen  fak  vol  rubn, 
Sünder  um  di  gancze  huet, 


Wen  der  tot  jach  uberluet: 
lft2  a] 1 Du  bift  kumen  in  myn  riech, 

3606  Gilt  mir  als  di  andern  glich 
Myn  gefchoz  und  mynen  czins! 

Is  muz  fin,  wers  du  ein  vlins. 

Wen  mir  ift  ummazen  not 
3610  Daz  ich  geb  din  vleifch  vor  brot 
Mynem  gefind,  den  wurmen, 

Daz  fi  da  mite  fturmen. 

Ouch  wiffe  daz  di  helle, 

Myn  kumpan,  myn  gefelle, 

3615  An  des  gefuch  ich  werbe 
Und  ftolcze  houbt  czukerbe, 

Giret  noch  der  feie  din 
Inder  heilen  glunden  pin.’ 

Gar  lionlich  daz  leben  jach 
3620  Ken  dem  tode  unde  fprach: 

‘O  du  tot,  ich  werd  din  tot, 

Uf  dich  acht  ich  nicht  ein  lot. 
Ouch  du,  helle,  wiffe  diz, 

Daz  ich  werde  ouch  din  biz. 

[»ab]  Wen  daz  ir  uch  vorfuechet 
3626  Und  fchaden  den  geruechet 

Czu  den  ir  habet  doch  kein  recht, 
Do  mit  ir  fuechet,  daz  ift  flecht, 
L'res  Telbes  wernde  not 
3630  Und  den  ewiclichen  tot 
Di  czu  rechte  nicht  entften 
Und  mit  funden  über  gen 
Reine  werk  und  di  gebot, 

Di  fint  uwer  funder  fpot. 

3635  Aber  ich  tu  den  willen  fyn, 

Als  mir  gebot  der  vater  myn.’ 


3571.  vngchvrer  aus  vngehvre. 

3572.  wrer  aus  wre. 

3532.  wif*  aus  wiff. 

3587.  finem  aus  finE. 

3538.  rächt  aus  rach,  creizes  aus  ereile*. 

3590.  i*  = ist 

3591.  lip  am  Ratule  für  zweites  di  hinter 

ftete. 


3593.  vzer  aus  vfer. 

3595.  v'  aus  von. 

3597.*  Job.  17,  9. 

3601.  lebn  aus  leben,  irhubn  aus  hüben. 

3606.  m\ 

3616.  houbt  au»  honb. 

3626.  gervechet  aus  gerechet 
3634.  Di  aus  Si. 


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57 


Der  tot  antworte  gliche: 

‘Du  vichft  in  myme  riche, 

Und  do  von  czu  dirre  vrift 
3640  Gib  mir  daz  du  fchuldic  bift!’ 

Do  daz  das  leben,  Crift,  vornam, 
Ser  erfchrac  er  und  er  quam, 

Und  gar  inniclich  lieb  czoch 
Czuhant  czu  dem  richter  hoch, 

(93  aj  Got  dem  vater,  unde  fprach: 

3646  1 Herre  myn  du  himel  dach, 

Du  bift  her  der  manichvald 
Lebns  und  todes  halt  gewalt, 

Vater  niyn,  ich  bit  mit  vle 
3650  Daz  dirre  kelch  hin  vor  mich  ge! 
Idoch’,  jach  er  gar  Hille, 

‘An  mir  gef  che  din  wille!’ 
Merket,  in  des  kamphes  creiz 
Von  not  wart  des  kemphen  fweiz 
3655  Recht  als  tropphen  blutes  var, 

Di  uf  di  erde  loufen  bar; 

Virftunt  in  der  marter  pin 
Crifto  uz  dem  lichnam  fin 
Vloz  und  trof  daz  reine  blut 
3660  Czu  eime  glichniffe  gut 

Der  vir  wazzer  di  da  vl  uzzen 
Und  fich  von  erft  erguffen 
Schon  uz  dem  paradyfe 
In  heiltroft  bernder  wyfe 
[93  6]  Durch  ablaz  unfer  funde 
3666  Von  der  genaden  unde. 


Mite  helen  bofe  werk, 

Gewonheit  und  czwivel  berk 
Di  löte  gar  bedecken 
3670  Und  in  di  helle  lecken. 

Durch  di  von  mite  helen  fint 
Binnen  in  der  feie  blint, 

Grift  vergoz  blutigen  fweiz, 

Daz  di  feie  gote  weiz 
3675  Innirhalb  fchon  wurde  rein 
Und  gerichte  als  ein  cein, 

Und  ouch  mit  den  ougen  naz 
Uzerhalb  bewifte  daz. 

Crefticlicher  Crift  vorgoz 
3680  Sin  blut  an  der  fule  bloz, 

Do  fin  czarter  liep  gerurt 
Wart  mit  gerten  und  czuvnrt, 

Als  der  acker  mit  dem  phlug, 

Von  der  marter  ungevng, 

[94  n]  Von  dem  wirbel  uf  den  vuz 
3686  (Der  verfin  was  im  nindert  buz): 
Daz  leit  der  von  himelberk 
Durch  unfe  funtliche  werk. 

Aber  goz  creftlicher  vil 
3090  Sin  blut  Crift,  daz  veder  fpil, 

Von  der  fcharfen  nagel  wegn 
Mit  den  verwundet  wart  der  degn 
Anhanden  und  an  vufen, 

Daz  er  uns  mochte  bufen 
3695  Di  funde  der  gewonheit, 

Di  6n  fchicket  manchez  leit 


3637. 

Hinter  gliche  ist  der  Anfang  der 

3673. 

Grift. 

folgenden  Zeile  du  vichft  gestrichen. 

3674. 

weiz  aus  weis. 

3641. 

nur  ein  daz. 

3675. 

vv'de  auf  Rasur. 

3643. 

innicliclich. 

3678. 

i in  vzer  auf  Rasur. 

3644. 

rieht'  aus  rieh  tu. 

3679. 

C.  Crefticliche'. 

3648. 

Lehna  aus  Lebens. 

3680. 

hinter  Sin  Rasur. 

3649. 

Matth.  26,  42. 

3683. 

alf  aus  al.  phlug  aus  phluge. 

3650. 

mich  aus  mch. 

3686. 

hinter  v'fin  Punkt.  was  aus  waz. 

3653. 

def  am  Rande  für  daz. 

3689. 

Aber  aus  Er.  greftlicher. 

3655. 

Tar  aus  fwarcz. 

3692. 

dem. 

3860. 

eime  aus  eme. 

3696. 

manchez  aus  manches. 

3665. 

fvnde  aus  fvnden. 

3667. 

mite  aus  mitte.  hinter  helen 

Komma. 


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58 


An  den  fi  verbacken  ift 
Recht  als  ein  verharfchet  mift. 

Von  den  der  prophete  fpricht: 

8700  ‘ Si  han  verharfchet  und  verpicht 
Ire  antlicz  bobn  di  ftein, 

Wider  keren  wold  ir  kein.’ 

Nicht  allein  mit  Lazaro 
Stinkin  di  virtegek  jof 
[94/>]  Di  ouch  virczikjeric  fint, 

3706  Und  von  fechczic  jaren  kint, 

Gar  fere  itzunt  ftinken 
Von  funden  di  fi  trinken; 

Den  idoch  abfi  loufen 
3710  Czu  der  barmunge  troufen 
Mit  ruwe  und  mit  buze 
Und  vallen  Crirt  czu  vufe. 

Er  nimt  fi  czu  genaden 
Und  hilft  en  abe  laden 
8715  Der  verharfchten  funden  mift, 

Als  er  kan  der  czarte  Crift, 

Uber  crefteclicher  groz 
Sin  blut  aber  Crift  vorgoz 
An  dem  crnce,  do  nu  was 
3720  Tot  daz  clare  fpigel  glas, 

Do  durch  fine  fite  rein 
Der  herren  und  der  ritter  ein 
Stach  mit  einem  fcharfen  fper. 
Durch  di  toten  czwiveler 
|flju]  Mildiclich  goz  er  di  bach, 

3726  An  den  tot  is,  leider  ach, 

Trott  aller  hoffenunge! 


3699.  den  aus  dem. 

3700.  Jer.  5,  3.  v'lmrfcheit. 

3706.  fechczic  aus  fechcic. 

3707.  itznnt  aus  itfunt. 

3717.  C.  v in  vb'  auf  Rasur,  crefteclich' 
aus  crefticlich'. 

3722.  De  h'ren. 

3728.  czunge  aus  cunge. 

3729.  Arnos  8,  9. 

3731.  genczilich  waf  aus  gencfilich  waz. 
tac  aus  tag. 


Den  fait  des  wyffagn  czunge: 

‘Di  funne  di  gink  under.’ 

3730  Daz  was  ein  micliil  wunder, 

Do  iz  genczilich  was  noch  tac. 
Nymatid  ouch  verczwiveln  mac, 
Wil  er  fich  czu  Gote  lan. 

Suft  fpricht  Job  der  gute  man: 
3735  ‘Ab  er  mich  czu  tode  flet, 

Dennoch  myn  hoffen  czu  ym  ftet’ 
Das  ful  wir  wol  bewachen 
Und  lazen  von  den  fvachen 
Sunden,  di  uns  czin  in  glut, 

3740  Daz  Criftes  fweiz  und  ouch  fin 

blut 

Vorlorn  icht  an  uns  werde; 

Ja,  daz  er  uf  di  erde, 

Beffer  wer  iz,  ni  geborn, 

An  dem  di  marter  wirt  vorlorn. 
[956]  I >er  valfchen  lift  ein  fcherge, 
3746  Judas,  vol  gyft  und  erge, 

Gar  vil  duet  der  kirchen  kint, 

Di  vertumet  leider  fint, 

Do  von  das  er  was  ein  dieb 
3750  Und  hatte  vil  winkel  lieb 
Und  trug  und  anewante 
Di  dink  di  man  in  fante. 

Hi  mit  er  duet  di  allentfament 
Di  fich  der  gemeinen  ament 
3755  Vur  di  ander  czucken  an  . 


Und  6n  czu  eigen  wollen  han. 
Der  ift  leider  ane  czil 

3732. 

Nymad.  mac  aus  mag. 

3735. 

Job  19,  25.  flet  aus  flit. 

3736. 

cz  ym  aus  cxv  in. 

3738. 

faachen. 

3740. 

fweiz  aus  fweis. 

3741. 

icht  aus  ich. 

3742. 

man  ergäme  werde  aus  3741. 

3745. 

Der  aus  De. 

3747. 

kirclien  aus  kinchen. 

3749. 

waf  aus  waz. 

3757. 

1 in  leid'  aus  b. 

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59 


Under  den  begebnen  vil. 

Daz  er  onch  in  niede  gram 
3760  Was  dem  guten  wibefnam, 

Di  durch  ein  urkunde  goz 
Ture  falbe,  daz  fi  doz 
Crifto  uf  fin  czartes  houbt, 

Set,  do  mite  gar  vertoubt 
[96  a]  Judas  bedutet  alle  dy 
3766  Di  durch  gyrekeit  nach  hy 
Unwirklichen  hazzen 
Und  ir  ouch  niet  gevazzen 
Di  in  nicht  waz  gäbe  gebn. 

3770  Wi  ouch  fte  der  felbe  lehn, 

Is  fy  heilic  unde  gut 
Und  vor  wandel  wol  behüt. 

Nicht  fi  beficzen  guten  tac, 

Yuln  fi  nicht  der  gyrer  fac. 

3775  Set,  den  felben  unverdait 
Gar  ein  clug  prophete  fait: 

*We  uch  di  der  crumme  phlegn 
Und  daz  recht  lat  under  wegn 
Beid  durch  gäbe  und  durch  gunft, 
3780  Oder  durch  des  hazzes  dunft! 
fr  tötet  di  da  fulden  lebu, 

Durch  luczil  habe  di  fi  gebn. 

Und  di  da  fuldin  fterbin, 

Di  lat  ir  huld  irwerben.’ 

[se  6J  Iz  ift  alliz  um  di  gab 
3786  Und  um  di  verwozen  hab; 

Und  fint  di  felben  vor  der  cziet 
Durch  liebe  richten  und  durch  niet, 

3760.  war  au«  waz. 

3761.  goz  au*  groz. 

3763.  f in  fin  auf  Rasur. 

3764.  v'tovbt  aus  v'tovbet. 

3774.  vuln  aus  vulln.  gyrer  aus  gyren. 
3775  und  3776  vertauscht  und  durch  b a 
richtig  gestellt. 

3777.  Je s.  5, 23  und  Uesek.  13, 19.  pblegn 
«tu«  phlen. 

3778.  wegn  aus  wein. 

3780.  bazzes  aus  haffes. 

37%.  alliz  aus  alliz.  gab  aus  hab. 


Dorumme  fie  mit  nichte 
3790  Enphlien  Gots  gerichte. 

Durch  di  fache  Jefus  fo 
Spricht  in  ewangelio: 

1 We  uch  gewaldegeren 
Und  ouch  uch  glizeneren! 

3795  Wen  ir  vurezzet  goteweiz 
Der  vil  armen  witwen  fweiz.’ 

Do  mit  ging  Judas  drate 
Hin  czu  der  Juden  rate 
Und  jach:  ‘waz  wold  ir  mir  gebn? 
3800  Ich  wil  verrate«  uch  fin  lebn.’ 

Daz  bedut  fimonier. 

In  der  kirchen  vel  ift  der 
Di  fo  oft  verraten  Crift 
So  dik  und  czu  welcher  vrift 
[97a]  Si  facrament  und  Gotes  gab 
3806  Durch  bet,  durch  Ion,  oder  durch 

hab, 

Durch  vorcht,  durch  gunft  den 
luten  gebn, 

Gar  unrecht  fi  dor  an  webn. 

Daz  er  ouch  fo  gar  rifche 
3810  Was  hin  czu  Gotes  tifche 
Mit  unreinem  herczen  gar, 

Do  mit  dutet  er  di  fchar 
Di  unwerdiclichen  gehn 
Und  czu  Gotes  lichnam  ften, 

3815  Almeiftik  doch  di  phaffen, 

Di  fnoder  fint  wen  allen. 

Set,  als  Judam  den  gefehlt, 

3787.  V in  Vnd  auf  Rasur. 

3789.  fie  am  Ramie  nachgetragen. 

3793.  Matth.  23,  13. 

3794.  glixcenercn. 

3795.  wrezzet. 

3799.  Matth.  26,  13. 

3800.  1 in  wil  auf  Rasur.  v'rotem. 
3802.  ift  am  Rande  für  if  aus  iz. 

3809.  gar  am  Rande  nachgetragen. 

3810.  was  aus  waz. 

3817.  Set  aus  Sent. 


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60 


Der  den  czarten  Critt  vorriet: 

Als  ich  in  der  glofen  las 
3820  Daz  Judas  ein  leiter  was 

Der  di  da  vingen  Jefum  Crift, 

In  dem  man  ny  vant  arge  lift: 

Daz  dnt  bifchof  und  prelaten, 

Di  vor  di  Criften  raten. 

[97 i]  Von  den  fpricht  des  menfchen  kint: 
3826  ‘Blinde  blinder  leiter  fint, 

Di  witwin  fi  wol  neilen 
Und  richten  nicht  den  weifen.’ 
Hute  volgt  den  michil  fchar 
3830  Mit  fcheften,  mit  fwerten  bar. 

Daz  hen  ouch  ein  czeichen  gab 
Judas,  der  czwivelere  hab, 

Er  jach:  ‘wen  ich  kuffe  balt, 

Der  ift  iz,  in  vefte  halt 
3835  Und  vurt  in  gewarfam  lieh ! 

Daz  bedutet  endelich, 

Als  ich  vinde  in  der  glof, 

Dife  werld  gar  trwen  lof. 

Wen  di  fi  von  erft  begrifen, 

3840  Di  felben  fi  beriefen 

Und  gelobn  in  langes  lebn 
Und  ouch  ringer  buze  ftrebn, 

Si  gelobn  in  ouch  bereit 
Gotes  barmeherczekeit. 

[98a]  Alfuft  mit  tufent  liften 
3846  Betrigen  fi  di  Criften. 

Daz  er  czu  der  felbeu  ftunt 
Kufte  Jefum  an  den  rnunt, 

Dut  er  valfche  heimlicher, 

3850  Di  man  heizet  czublefer, 

Und  di  fwachen  prifter  ark, 


Di  gar  pinek  fint  und  kark. 

Sed,  der  erfte,  als  uns  fait 
Der  prophete  unverdait, 

3855  Mit  finem  vrunde  kofet 
Und  im  gar  lyplich  lofet 
Und  im  heimlich  leget  lag 
Mit  der  valfchen  rete  vlag; 

Aber  der  andir  verretet  Crift 
3860  Und  der  werld  verleiter  ift 
Und  loukent  des  gelouben 
Glich  den  vervluchten  touben, 
Ouch  verterbet  er  di  fchrift 
Mit  trwelofes  kuffes  gift. 

[985]  Der  prifter  kuffet  vire 
3866  Schon  ob  dem  alter  czire: 

Den  altar,  daz  fet  den  alterftein, 
Und  daz  ewangelie  rein, 

Den  diner,  di  patene, 

3870  Gar  eben  czu  verftene 
Di  e benantem  vire, 

Ab  ich  daz  recht  glofire. 

Dar  nach  ginc  er  czu  unheil 
Und  irliing  fich  an  ein  feil: 

3875  Allen  finen  volgern  fit 
Enpoten  hat  er  al  da  mit 
Immer  werndes  dammes  ftrik. 

O we!  welch  ein  aneblik! 

I >i  Juden  ungenende 
3880  In  Jefum  ire  hende 

Dar  würfen  und  in  bunden. 

Set,  dor  an  ift  irwunden 
Griftes  mildecliche  ruch 
Und  der  criftenheit  gefuch, 

[99  a]  Den  durch  Jeremia  munt 


3819. 

las  aus  lax. 

3850. 

v in  ezvblefer  auf  Rasur. 

3823. 

Daz  aus  Da. 

3854. 

Jerem.  9,  8. 

3825. 

de!  aus  daz. 

3857. 

lag  aus  läge. 

3826. 

Matth.  15,  14  und  Jei.  1,  23. 

3867. 

daz  fet  den?  aus  daz  d'. 

3831. 

hen  = he  in. 

3869. 

hinter  diner  1‘unkt. 

3839. 

3847. 

di  um  Bande  nachgetragen. 

Daz  aus  Da. 

3885. 

dnreh  aus  dnrh.  Jerem: 

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61 


3886  Lutpert  Crift,  der  wifheit  vunt: 
‘Ich  han  myn  hus  gelazen’, 

Di  Juden  gar  verwazen. 

Sed,  von  dem  hus  verlemdet, 

3890  Des  er  lieh  gar  enphremdet 
Hatte  nu,  fet,  daz  gefchach 
Daz  er  czu  den  felben  fprach: 
‘Uwer  hus  wirt  uch  gelan 
Allir  dinge  wulte  Itan; 

3895  Ich  liz  ouch  daz  erbe  myn.’ 

Daz  find  di  cz  weif  boten  fyn, 

Di  alda  vlohen  alle 
Und  lizn  in  yn  der  valle. 

Sicher  was  er  der  felben  doch 
3900  Daz  fi  wider  kerten  noch: 

Durch  daz  in  dem  ungemach 
Crift  czu  finem  vater  fprach: 
‘Herre,  du  bift  der  bederbe, 

Der  mir  wider  gibt  myn  erbe. 

[996]  Ich  hab  di  libe  feie  myn, 

3906  Sich,  menfeh,  durch  di  falde  din, 
Durch  dine  miffe  wende 
In  myner  vinde  hende 
Gar  williclich  gegeben. 

3910  Daz  merke  mir  vil  eben! 

Daz  is  grozer  libe  tat: 

Nymand  fo  groze  libe  hat 
Daz  er  vor  di  vrunde  fin 
Seczte  finer  feien  fchryn.’ 

3915  Der  wife  heizt  gedenken 
Der  libe  fuuder  wenken 


3886.  Lutpert  aus  Lnpert. 

3887.  Jerem.  12,  7.  hvf  aus  hvz. 

3889.  Sed  aus  Sen.  hat  aus  huz. 

3891.  hinter  nu  Punkt. 

3893.  Matth.  23,  38.  huf  aus  huz. 

3895.  Jerem.  12,  7. 

3893.  6n  aus  ln. 

3903.  bift  aus  hift. 

3905.  Paraphrase  über  Joh.  15,  13 

(—  3012—14). 

3911  und  3912  vertauscht  und  durch  b a 
richtig  gestellt. 


Den  menfeh,  do  er  git  alfo 
In  Ecclefiaftico: 

‘Der  gunft  nu  dines  bürgen, 

3920  Di  man  fiet  dicke  würgen, 

Der  faltu  nicht  vorgeffin, 

Du  falt  fin  lob  jo  melfin! 

Wen  er  hat  vor  dine  fchult 
Gefaczt  fin  feie  mit  gedult.’ 

[100  a]  Difer  pine  herbekeit 
3926  Got  Crilt  in  im  felbe  leit, 

Aber  in  den  jungem  fyn 
Leit  er  ander  leye  pyn: 

Als  trubnis  und  flafernis, 

3930  Di  6n  lagen  agewis. 

Wen  ir  ougen  worn  beiwert 
Slafes  wegn,  ir  fein  irvert 
Von  betrubnis,  daz  was  groz, 

Des  von  trokheit  fi  vordroz. 

3935  Daz  wol  genczelich  nach  hut 
Der  verfumer  menge  dut: 

Wen  den  di  fich  jo  vlizen 
An  ding  di  werldlich  glizen, 

Daz  6n  trege  wirt  der  vuz, 

3940  Ir  beger  ouch  kalden  muz 
Ken  dem  ewiclichen  lebn; 

Wen  ouch  kumt  ein  wider  ftrebn 
Den  felben  nf  den  rucke, 

Oder  fcliad  und  ungelucke, 

[loob]  Daz  mugn  fi  nicht  getragen 
3946  Und  fo  czu  hant  verczagen 
Und  vlin  von  unfern  herren 

3915.  r in  Der  auf  Rasur,  beizt  aus  helft. 
3919.  Sirach  29,  19—23. 

3924.  Oefalczt. 

3927.  iugern. 

3930.  en  aus  in.  agewif  aus  agewiz. 
3933.  waf  aus  waz. 

3938.  dlg  aus  dlk. 

3939.  ia  aus  vnd? 

3941.  ewiclichen  aus  ewiclicbem. 

3947.  vlin  aus  vlien. 


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62 


Gar  fchentlich  mit  uneren. 

Allez  kunit  von  trocheit  daz 
3950  Und  von  flafen,  daz  fo  laz 

Wirt  der  menfcli  und  alfo  toub 
Daz  er  valwet  als  ein  loub. 
Alfuft  in  flafes  twalme 
Samfon  verfchoz  di  palme 
3955  Und  hertlich  wart  gebunden, 

Bi  aller  craft  verwunden; 

Ouch  bin  des  flafes  pborten 
Morde»-  mortlich  irmorten 
Ybofeth,  den  tregen  man. 

3960  Di  vrou  Judit  wol  getan 
Bin  des  flafes  ungevuc 
Holofernem  ouch  irfluc. 

Di  und  ir  nach  volger  ouch 
Von  der  grozen  trokheit  rouch 
[ioia]  Slaferte  alle  unde  flifn, 

3966  Suft  fie  jemerlich  verlifn. 

Durch  di,  fet,  und  ouch  in  den 
Crift  leit  pin  und,  als  wir  fpen, 
Er  was  nicht  alleine  kumn 
3970  Beid  czu  hülfe  und  czu  vromn 
Ettelichen  funderlich, 

« Jo  er  gab  gemeinlich  fich 

Durch  al  di  werld  gemeine. 

Di  grozen  und  di  deine 
3975  Hat  gefehaffen  Got,  der  riech, 
Und  hat  aller  ruche  glich. 

Und  dorumme  anevar 


Wider  alle  krankheit  czwar, 
Durch  kraft  und  durch  fterke 
hart 

3980  Ken  der  bekorunge  vart, 

Uns  als  jenen  unverdait 
Jefus  ficherlichen  fait: 

‘ Siczit  hi  in  difem  lebn 
Und  in  Gote  rut  vil  ebn, 

[J016]  Biz  ich  mich  dort  hin  irge 
3986  Und  Got,  mynen  vater,  viel’ 

Wen  er  in  daz  himelriech 
Ginc  czu  finem  vater  glich 
Und  vlet  und  bit  mit  wiczen 
3990  Durch  di  alfo  hi  ficzen; 

Und  wen  fulchen  ane  czil 
Enften  bekorunge  vil 
(Wen  vil  fint  der  gerechten 
quäl), 

Durch  daz  git  der  edele  gral: 

3995  ‘Enthalt  uch  hi,  fet,  wo  gedult 
Wefen  muz,  von  rechter  fchult! 
Set,  daz  ir  tut  den  willen  fin, 

Des  herren  und  des  vater  myn, 
Daz  ir  wert  von  im  gewert 
4000  Sins  gelubdis,  des  ir  gert! 

Und  ouch  wen  ir  wiffet  nicht 
Den  tac  noch  der  ftunden  fchicht 
M en  er  uch  vor  fuchen  wTil, 

Und  wanne  daz  vederfpil 
[103a]  viig  und  wor  iz  hin  bekumn. 


3958.  Morden. 

3960.  g in  getan  aus  anderm  Buchstaben. 

3962.  Vor  Oloferncm  ist  h geschrieben. 

3963.  ir  aus  ichr. 

3965  und  3966  ursprünglich.' 

Als  wir  rinden  in  den  brifn 
Slaferte  alle  vnde  flifn. 

Die  erste  Zeile  hat  der  Korrektor  durchgestrichen 
urul  über  als  va  und  über  brifn  cat  (—  vacat) 
geschrieben;  die  am  oberen  Bande  geschriebene 
Ersatzteile  Snft  fie  iem'lich  v'lifu  ist  durch 
Zeichen  hinter  3965  verwiesen. 


3969.  waf  aus  war. 

3971.  hinter  fund'lieb  ausradiert  der  An- 
fang der  folgenden  Zeile  io  er  gab. 

3976.  aller  aus  alle. 

3978.  krankbeit  aus  kankheit. 

3980.  hinter  vart  Punkt. 

3983.  Matth.  36,  36. 

3990.  Durch  aus  Dur. 

3995 — 4012.  Paraphrase  über  Matth.  36,41. 
4001.  Matth.  35, 13. 

4005.  ia  aus  is.  bekumn  aus  beqnom. 


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63 


4006  Wacht  mit  mir  czu  uren  vrumn! 
Ouch  wen  ir  von  uch  felbe 
Der  bekorunge  velbe 
Nicht  moget  über  winden, 

4010  Lat  uch  nicht  muzic  vinden, 
Betit  und  uch  felbe  vrumt, 

Daz  ir  inbekor  icht  kumt!’ 

Daz  nymant  getrowen  fol 
Sines  felbes  crefte  wol, 

4015  An  den  jungem  daz  irfchein: 
Allein  li  fprechen  algemein 
Dort  czu  der  felben  ftunde 
Uz  herczen  und  uz  munde: 

‘Wir  wollen  alle  glich  beiten 
4020  Und  fin  gereit  mit  dir  czu  gen 
Inden  kerker,  in  den  tot', 

Doch  do  an  her  trat  di  not, 

Di  vlucht  fi  fnelle  goben 
Und  lizn  en  in  dem  cloben. 

[io?  b]  \Vi  fal  nu  uf  der  herte 
4026  Beften  des  wiltnif  gerte, 

Do  di  ftarken  cedirboum 
Nider  vilen  als  ein  troum? 

Wir  gemanet  fin  mit  den 
4030  Daz  nymant  im  felbe  jen 
Siges  fal  von  finer  craft, 

Sünder,  wil  er  figehaft 
Werden  nnd  wil  fich  herren 
Und  fine  falde  meren, 

4035  Der  herre  fich  in  Gote 
Jo  beide  vru  und  fpote! 


4006.  wacht  aus  wach. 

4007.  felbe  aus  felben. 

4009.  moget  aus  mget. 

4010.  mvzic  aus  mvlic. 

4012.  Daz  aus  Dez. 

4017.  ftunde  aus  ftanden. 

4019.  Luc.  22,38. 

4023.  1 tu  vlucht  und  fi  auf  Rasur. 
goben  aus  gaben. 

4024.  lizn  auf  Rasur.  in  am  Rande 

ßr  in. 

4026.  wiltnif  aus  wiltnix. 


Sich,  czwei  fwert  di  fint  alhy, 
Als  der  text  uns  faget  wy: 

Ab  Crift  den  vater  hette 
4040  Gebeten,  ane  wette 

Im  het  der  hülfen  hengil 
Gefant  czwelf  vinfter  engil 
Sicherlich  czu  fim  befchirm 
Vor  aller  var  und  ungehirm. 

[jftj  a]  Sed,  do  von  der  degen  wert 
4046  Nicht  bedorfte  czweir  fwert. 

Wen  der  guldine  borte 
Mit  einem  femphten  worte, 

Do  er  jach  ‘ich  bin  iz  jo’, 

4050  Nider  warf  er  als  ein  ftro 
Di  en  do  wolden  vahen. 

Jdoch  liz  er  czu  gahen 
Wol  di  czwei  fwert  durch  foze 
Czu  ettelicher  moze 
4055  Des  vrides  und  der  finen, 

Di  man  fach  fider  pinen. 

Einz  der  fwert  und  nicht  durch 
quant 

Tet  er  Petro  in  di  hant, 

Daz  andir  fwert  daz  tet  er  fo 
4060  Czu  der  hant  dem  keifer  jo. 

Wer  ouch  von  den  czween  nicht 
Enpliet  daz  fwert,  fwerlich 

gericht; 

Der  von  Gotes  f werte  wirt 
Irflagen  und  fin  enpirt. 

[103b]  Di  czwei  fwert  wol  geblumet 


4037,  fw't  am  Rande  nachgetragen. 

4042.  czwelf  aus  czwei?  vinfter? 
Matth.  26,  63:  legioues. 

4049.  Joh.18,6. 

4053.  fw't  am  Rande  nachgetragen. 
foze  aus  fozen. 

4057.  Einz  aus  Eins.  fwert  aus  fwer. 

4058.  Tet  aus  Det. 

4059.  Im  zweiten  daz  ist  ursprüngliches 
z aus  f wieder  hergesteüt. 

4065.  e in  czwei  übergeschrieben. 


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64 


4066  Uns  werlich  fint  benumet 
Bi  czwein  [werten  in  der  e: 

Er  Saulus  und  er  Jonate. 

Glich  di  czwei  [wert  folden  ften 
4070  Und  wol  über  eine  gen. 

Wen  welch  bruder  hilft  dem 
bruder 

An  allez  yalfchez  luder, 

Di  beften  inerem  phat 
Recht  als  eine  vefte  ftat. 

4075  Nu  ift  kumn  di  hochvart  geil, 

Di  wil  habn  daz  befte  teil 
Leider  mit  der  gyrekeit, 

Di  gar  michil  ift  und  breit, 
Durch  iteliche  ere  czwar, 

4080  Di  dem  vrede  vind  ift  gar, 

Und  hat  die  fwert  irreizet 
Daz  iclich  fich  irbeizet 
Ken  dem  andern  grimmiclich. 
Von  den  fchulden,  merke  mich, 
[jWa]  siut  fi  beide  wurden  crumph, 
4086  Di  fwert,  und  ouch  alfo  ftumph 
Daz  fi  nicht  mugn  verhowen 
Nu  in  der  werlde  owen 
Di  difteln  und  di  bremen, 

4090  Di  alfo  fere  fernen 

Daz  fi  beide  körn  und  weiz 
Verdempkin  in  der  erden  creiz. 
Ouch  ab  ich  daz  fprechen  fol, 
Mau  fiet  di  lant  der  rouber  vol; 
4095  Luden,  morden,  ftelen,  brunft 
Daz  ift  nu  der  beften  kunft. 

Von  den  fchulden  ift  ouch  wol 
Fet  der  fimonien  kol. 


Di  pfaffen,  munche,  nunnen 
4100  Ouch  itelicher  wunnen 
Seldin  mugen  werdin  fat; 

Ire  kappen,  ire  wat 
Di  lian  wol  hundert  valden; 

Der  tuvel  muze  walden 
[km 6]  Der  hochvart  di  fi  trieben! 

4106  Wer  kan  fi  gancz  befchrieben? 
Alfuft  von  dem  heften  nider 
Und  uf  von  dem  minften  w'ider 
Alle  fi  fich  gyrekeit 
4110  Vlizen,  di  daz  wncher  treit 
Ettelicher  bifchof  louf, 

Nicht  glich  finte  Petir,  ouch 
Nu  nemn  daz  fwert  czu  handen, 
Verherthen  not  fi  anden, 

4115  Daz  fi  wol  billich  lizen; 
Unfchuldic  blut  fi  gizen, 

Czu  roube  fi  fich  ledgen 
Und  vil  feldin  predgen; 

Si  verterben  Gotes  hus 
4120  Wo  fi  varn  in  fulcher  grus. 

Czu  buwen  kirchen  fint  fi  laz 
Und  czu  meffen;  wo  von  daz? 

Si  fwelgen  unde  trinken, 

Daz  fi  des  morgens  ftinken; 

[los  a]  Si  flan  vefpern  an  daz  gras 
4126  Und  lefn  metten  durch  ein  glas; 
Di  prime  fi  vorflafen: 

0 we  den  armen  fchafen, 

Wo  ein  wolf  ir  herte  ift, 

4130  Di  vol  fint  der  vuchfe  lift! 

Set,  daz  were  allez  nicht, 

Hetten  czu  en  ander  phlicht 


4066.  vus  werlich  «im  vud  fw'lich. 

4067.  czwei  aus  czwe.  I.  Sam.  13,  XX. 
4069.  i in  czwei  übergeschrieben. 

4071.  welch  aus  wech. 

4072.  v&lfchez  aus  valfches. 

4073.  = treu. 

40S0.  vrede  aus  vede. 


4081.  die  am  Rande  für  ich. 

4095.  hinter  Luden  morden  ftelen  je  ein 

Punkt. 

4113.  nemn  am  Rande  für  nt. 

4119.  huf  aus  huz. 

4120.  gruf  aiM  gruz. 

4121.  Über  i in  bi  wen  ist  u gesetzt 


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65 


Di  czwei  fwert  getruwelich; 

Set,  To  bluten  vridelich 
4135  Beide  kirchen  und  di  fchof, 

Alfo  ftunde  wol  ir  hof! 

II  en  fi  vurten  Crift  mit  prus 
In  des  vurften  pliaffen  hus, 

Do  lieh  gefamnet  batten 
4140  Di  alle  Jefum  fchatten, 

Di  creter  und  di  alden 
Mit  allen  anewalden. 

Diz  ift  daf  hues  in  dem  man 
fucht 

Gelt,  und  der  feie  nicht  enruckt 
[100  b]  Suft  di  cretber  fint  gekart, 

4146  Gelt  czercrigen  wol  gelart, 

Als  ich  in  dem  buche  las. 

Von  den  git  Yfayas: 

‘We  en  di  recht  vertrieben 
4150  Und  daz  unrecht  befchrieben!’ 

In  dem  hufe  Kayphas 
Inder  e ein  bifchof  was. 

Do  ful  wir  vernemen  by 
Wer  ouch  fulches  amtes  fy 
4155  Und  finer  bofheit  nachvolger. 

Der  gar  vil  ift  hin  und  her, 

Di  mit  gewalt  verdringen 
Und  fi  in  kummer  bringen, 

Di  albern  und  di  guten, 

4160  Di  femften  wol  gemuten. 

Wen  fet,  der  tuvel  ficzet 
Und  mit  den  riehen  fpiczet 
In  den  vinftern  fine  fchohz 
Durch  finen  gyl,  durch  finen 
vrohz, 

[iu6  a]  Wi  er  di  unfchuldegen 


4166  Erfla  und  di  geduldegen. 

So  we  6n  di  bedonen 
Und  im  hufe  wonen! 

Wer  dor  inne,  daz  iz  flecht, 

4170  Ift  gar  alber  und  gerecht, 

Dem  flet  man  mit  ungelimph 
Vlecke  und  triebt  uz  im  fchimpk; 
Sin  antlicz  man  bedecket 
Mit  after  red  bedecket, 

4175  Und  wirt  als  Crift  czuriffen, 

Von  lefterern  czu  biffen 
Mit  valfcher  munde  czene. 

Sag  an,  wer  fint  di  jene 
Di  in  der  vurften  hufer  breit 
4180  Bliben  in  gerechtekeit? 

Do  fich  Petrus  als  ein  dyp 
Smog,  der  doch  von  herczen  lyp 
Crift  hatte  unde  kante 
Und  in  der  worheit  brante, 

[106  b]  Und  doch  fin  vor  mitter  nacht 
4186  Lokente  mit  aller  craft 
(Und  het  in  nicht  angefehn 
Mit  bermlicher  ougen  bren 
Crift  herre,  er  were  blibn 
4190  Und  in  der  toten  buch  be- 

fchribn), 

Set,  Petro  gefchach  daz  leit 
Von  czweir  meide  uppefcheit, 

Di  da  ftunden  bi  der  glut: 

Daz  ift  befer  kumpan  lut. 

4195  Di  erfte  mait  ift  vleifches  ger, 
Wol  ift  mit  gelufte  der: 

Wen  di  beger  enphehet, 

So  pirt  fie  unde  fehet 
Sunde  uz  der  herczen  grünt, 


4137. 

prüf  aus  pruz. 

41G0. 

femften  aus  fempten. 

4138. 

wrften.  huf  aus  huz. 

4163. 

vinftern  aus  vinften. 

4143. 

Diz  aus  Di. 

4166. 

gedulgegen. 

4146. 

Gelt  aus  Get. 

4185. 

v'mitt'nacht. 

4147. 

las  aus  l&z. 

4197. 

enphehet  aus  inphehet. 

4149. 

Jes.  5, 23.  aus  io. 

4198. 

Ile  am  Hände  nachgetragen. 

Deutsch«  Text«  da«  Mittelalters.  IX.  5 


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66 


4200  Do  von  di  feie  wirt  vorwunt. 

Der  torwertelinne  hant 
Oft  den  menfchen  nnbekant 
Sluzet  nf  der  helle  tnr. 

Wen  di  funde  kumt  nu  vur 
[jo7  a]  Und  ouch  mit  den  werken  wirt 
4206  Volbracht,  wernden  tot  fi  pirt. 
Gote  vind,  di  ander  mait, 
Genczlicli  als  diglofe  fait, 

Is  der  werelde  wifheit  gnar. 

4210  Wen  di  Petrum,  daz  ift  czwar 
Einen  iclicken,  an  gefit, 

Als  mir  ouch  di  glofe  rit, 

Aldort  czu  dem  lichte  ften, 

Daz  ift:  in  fulchem  finnen  gen 
4215  Wi  er  mit  erbeit  ungerut 
Ircrige  groz  irdifch  gut. 

Den  fpricht  an  di  mait  unrein: 
‘Und  du  bift  ouch  jener  ein 
Dem  fere  queln  di  finne 
4220  Wi  er  daz  gut  gewinne, 

Und  in  des  mark  ouch  Hinget 
Di  vorchte,  di  in  twinget, 

Wi  er  daz  gut  beficze 
Vor  ungeluckes  glicze.’ 

[107  b]  Petir,  vluch  di  meide  glancz! 

4226  Daz  ift  ein  iclich  funder  fchrancz, 
Der  di  worheit  irkennet 
Und  herczelib  fi  nennet, 

Der  vrie  fich  der  helle 
4280  Und  ouch  uz  ungevelle 
Gar  touge  fich  irlofe! 

Wen  wip  und  ir  gekofe 
Und  ir  gerun  untuer 
Ift  in  dem  bufin  ein  vuer 


4235  Und  ein  mnes  in  der  tafchen, 

Di  her  und  dar  lauft  nafchen, 
Und  ist  in  der  blozen  fchoz 
Eine  Hange,  daz  ift  bloz: 

Got  almechtic  daz  verhing 
4240  Daz  an  Petro  daz  irging 
Daz  er  alfo  lichtlich  vil 
Von  der  czweir  meide  gyl, 

Der  doch  fider  hoch  gelart 
Und  der  kirchen  vurftewart. 
[708  a]  Wen  er  fich  uf  gerichte 
4246  Und  onch  den  val  vernichte, 
Daz  er  vefter  ftunde  czwer 
Wen  von  erft,  daz  fag  ich  dir. 
f*4i  gingen  alle  drate 
4250  Des  morgens  vru  czu  rate 
Ken  Jefum  in  wider  ftrebn, 

Wi  fi  im  benenm  fin  lebn. 
Alreft  Crift  von  nuens  vacht, 
Daz  fi  mit  im  aldi  nacht 
4255  TrGbeu  ungelimphes  vil 
Grimmeclichen  ane  czil, 

Daz  bedutet  alle  di 
Glicherwis  di  als  ein  vi 
Von  der  erbefunden  her 
4260  Han  mit  fcharfer  funden  fper 
Got  gepint  biz  an  di  ftunt 
Daz  fich  daz  wore  licht  enczunt 
In  di  werld  gemeinlick  gar. 

Von  den  fait  di  wifheit  dar: 
[iosfc]  En  was  uf  geleit  mit  macht 
4266  Ein  nmmozen  fwere  nacht, 

So  daz  di  nacht  gar  tunkel 
Di  fterne,  licht  karvunkel, 

Der  fchyn  luter  wol  nach  prys, 


4210. 

hinter  petrQ  Punkt. 

4236. 

h'  aus  e. 

4214. 

n in  gen  auf  Rasur. 

4240. 

hinter  petro  Punkt. 

421& 

Lue.  22,  58.  du  aus  di. 

4247. 

czwer  aus  cxwir. 

4221. 

des  aus  dez. 

4251. 

ken  aus  wen. 

4233. 

rntver  aus  vntyr. 

4258. 

wif  aus  wiz. 

4234. 

dem  aus  de.  rv. 

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07 


4270  (Daz  fint  Patriarchen  grys 
Beid  eiempil  unde  wort, 

Der  propheten  alfo  vort) 

Di  vinfter  nacht  durch  luchten 
Nicht  mochten  nach  durch  vuchten. 
4275  Suft  von  anegeng  der  werld 
Ift  irflagn  daz  lam  geberld. 

Abr  daz  fi  uf  Criftes  tot 
Sich  befamten  vru  von  not, 

Als  ich  wol  rechte  wene, 

4280  Bedutet  al  di  jene 

Di  jo  vallen  anderweid 
In  der  fanden  herczeleid. 

Dörnach  daz  di  funne  dar 
Wart  der  werlde  fchinen  bar, 

[loo  a]  Sed,  di  felben  alfo  blint 
4286  Cruczgen  aber  Gotes  kint. 

Des  fpricht  in  dem  pfalme 
Jefus  mit  luetem  ga/ine: 

‘Uf  wunden  miner  fmerczen 
4290  Vil  me  gelegt  czu  herczen 
Di  mich  cruczgen  anderweit 
Und  vornwen  mir  myn  leit 
Mit  tätlicher  fanden  ftral, 

Di  fi  durch  mins  herczen  gral 
4295  So  bitterlichen  fcliizen 

Und  lan  fichs  nicht  verdrizen.’ 
Selbe  ouch  an  im  verhing 
Jefus  Grift  daz  man  in  ving 
Und  liz  fich  vru  gebunden 
4300  Hin  vuren  von  den  hunden 
Di  im  totlick  worn  gehaz, 

Vur  den  richter,  fet,  durch  daz, 


Als  ich  in  den  glofen  kos, 

Daz  wir  alle  wurden  los 
[ioob]  Der  funde  di  uns  hat  verwunt 
4306  Biz  hin  durch  der  feie  grünt. 
Uns  ouch  funderlich  czu  vrumn 
Wold  er  vur  den  richter  kumn 
Trurec  und  betrübet  fer; 

4310  Daz  dorumme  tet  der  her 

Daz  wir  Grift,  den  richter,  glich 
Vrolich  felin  in  himelrich. 

lAvlatus,  der  lafterber, 

So  vil  als  ein  kemerer 
4315  Dutet  von  dem  namen  fyn, 

Vor  den  di  judifchen  fwin 
Jefum  brachten  gebunden, 

Der  ni  was  fchuldic  ctmden, 
l'nd  wurden  uf  en  hemeren 
4320  Grulicli  unde  temeren. 

Daz  meint  richter  di  jo  fmidn 
Valfche  rete  und  czulidn 
Velfchlich  gerechte  lute, 

Der  ane  czal  nach  hüte 
[llOa]  Her  und  dar  inkirchen  fint 
4326  Mit  gefenden  ougen  blint. 

Daz  ift  von  oben  en  gegebn 
Daz  fi  bobn  dem  volke  fwebn 
Und  mancher  wis  fi  quelen. 

4330  Suft  kan  di  fienen  welen 
Got  denklich  uz  den  andern, 

Ab  ich  nu  recht  kan  wandern. 
Do  Pylatus  horte  daz 
Daz  di  Jüdin  im  durch  haz 
4335  Brachten  Jefum  gevangen, 


4270.  pat'archen. 

4274.  weht?. 

4278.  vö  au*  nO. 

4288.  lnetem  am  Rande  für  lütme. 

gume. 

4289.  wurden?  H. 

4300.  wreu. 

4302.  Set 


4308.  4r  aus  ir.  wr. 

4311.  den  au*  dem. 

4318.  wilden. 

4321.  di  auf  Rasur. 

4327.  oben  au*  obn. 

4329.  wiT  aus  wii. 

4332.  recht  aus  rechte,  kan  am  Rande. 
4334.  ivdin  aus  rodin. 


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G8 


Do  was  er  fer  begangen 
Und  was  in  fulchem  willen, 
Moclit  her  di  Juden  ftillen, 

Daz  er  Jefum  wolde  lan; 

4340  Barrabam  do  wold  er  han. 

Sed,  do  wider  bitterlich 
Schrign  die  Juden  alle  glich: 
‘Leftu  Crift,  den  valfchen  man, 
Tu  tuft  wöder  den  keifer  dran.’ 
[liob]  Do  Pylatus  horte  daz, 

4346  Er  wart  fich  bedenken  baz 
Und  fant  in  czu  Herode, 

Wen  er  was  von  Galylee. 

Do  mit  ift  di  werlt  gemeint, 

4350  Di  fo  gar  nu  ift  entreint 
Daz  er  gar  ein  hemerer  ift 
Der  albern  czu  aller  vrift. 
Herodes,  der  trwen  1er, 

So  vil  als  ein  trugener 
4355  Bedut  von  dem  nameu  fin. 

Der  von  Crift,  dem  funnen  fchin, 
Eines  czeichens  was  begern, 

Des  Crift  in  nicht  wolde  wern, 
Noch  kund  mit  allen  finnen 
4360  Ein  wort  im  an  gewinnen. 

Er  czoch  im  an  ein  wiz  gewant 
Und  fant  in  wider  alczuhant. 
Des  wurden  fi  vil  gute  vrunt, 

Di  gar  vintlich  warn  encznnt 
l ui“ ] Uf  enander.  waz  ift  daz? 

4366  Dicke  czwene  tragen  haz 
Und  ved,  di  fich  berichten 


Und  vruntlich  fich  verflichten 
Um  daz  fi  dem  dritten  vient 
4370  Werden  rechte  um  den  wint, 

Als  der  tuvel  und  di  werld, 

Di  mit  mancher  luft  durch  berlt 
Und  oucli  mit  argen  liften 
Uf  Crift  und  fine  criften 
4375  Blifen  manchen  bofen  rat. 

Ton  der  felben  bofen  tat 
Vrunt  fi  en  ander  worden, 

Di  feien  vil  irmorden 
Der  tuvel  und  di  werld  alfam: 
4380  Alfuft  oucli  czufamne  quam 
Di  vruntfchaft  under  beiden 
(Ich  wen  fi  weren  heiden) 
Herodes  und  Pylatus. 

Sed,  czu  manchen  richtern  fus 
[uib]  Genczlich  der  geduldege 
4386  Jhefus,  der  unfchuldege, 

Sich  liz  vuren  und  verhing 
Durch  di  fache  daz  er  ging, 

So  daz  der  funder  fchuldik 
4390  Der  fundin  fy  geduldik, 

Daz  er  nicht  do  wider  ftreb, 
Sünder  er  fich  dor  czu  geb 
Daz  man  in  gar  fere  rur 
Und  vor  manchen  richter  vur, 
4395  Daz  er  werd  der  funden  los. 

An  dem  clugen  ich  daz  kos, 

Der  do  fpracb  an  allen  wan 
Czu  finem  heren  Naaman: 

‘Vater  myn,’  gar  unverdait, 


4336. 

waf  fi  ns  waz. 

4381. 

vruti'chaft. 

4337. 

waf  aus  waz. 

4384. 

Sed  aus  Sez. 

4338. 

irden  aut  ivden. 

4385. 

geduldege  aus  geduldegen. 

4340. 

do  aus  d*. 

4387. 

wren. 

4342. 

die  am  Rande  nachgetragen. 

4390. 

Ämter  fvndin  Punkt. 

4343. 

Job.  19, 12. 

4394. 

wr. 

4344. 

Tn  = Du. 

4395. 

los  aus  loz. 

4369. 

dem  aus  den. 

4396. 

kos  aus  koz. 

4371- 

73  auf  Rasur. 

4399. 

II.  Reg.  5,  13. 

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69 


4400  ‘Het  ein  groz  dink  dir  gefait 
Der  prophete,  funder  wan 
Du  foldft  is  werlich  han  getan 
Billicher  me,  daz  er  dich  hiz 
Stigen  in  des  Jordans  vliz, 

[Uäa]  Und  dich  irwufcheft,  als  er  fait, 
4406  Siben  Itunt  gar  unverczait, 

Daz  du  wurdeft  reine  fo 
Und  gefundes  libes  vro,’ 

Als  er  fprech  czu  Xaaman: 

4410  Beffer  were  daz  getan 
Daz  man  lide  deine  ftunt 
Luczil  fmerczin,  daz  getunt 
Der  felbe  dar  nach  wurde 
Und  legte  ab  di  burde 
4415  Grozer  fuche,  di  er  trayn 
Lange  mutte  und  verdayn. 
Genczlich  ift  daz  himelricli 
So  dar  und  fo  wunnenclich 
Als  wir  wol  geloubende  fin, 

4420  Und  der  helle  bitter  pin 
So  grulich  und  fo  eiflich 
Als  wir  vurehten  alle  glich. 

Suld  wir  liden  alle  tag 
Den  tot  und  des  todes  vlag, 
[112b]  Biz  daz  di  werld  eiu  ende  nem, 
4426  Ein  wint  daz  were,  ab  is  quem 
Daz  wir  den  ewiclichen  tot 
Vermiden  und  fin  bitter  not 
Und  in  dem  himel  vunden 
4430  Von  der  genaden  undeu 
Ein  immer  ewic  leben, 

Do  fchon  vor  Gote  fwebn 


Seiger  feien  manche  fchar, 

Di  Got  mit  de»  engein  dar 
4435  Vro  mit  gelange  loben, 

Daz  fi  der  helle  cloben 
Sint  feliclich  entwurden 
Und  in  den  koren  horden 
Aldort  immer  ewiclich 
4440  Mit  Gote  in  himelrich. 

Daz  Pylatus  fer  fich  vleiz 
Daz  er  Jefum  gote  weiz 
Aller  dinge  wolde  lan 
(Wen  Crift  hatte  nicht  getan) 
[113  a\  Doch  durch  vorchte  er  entfaz 
4446  De»  keifer  und  des  Volkes  haz 
Und  rieht  über  der  funuen  fchin 
Wider  di  gewizzen  fin, 

Daz  bedutet  alle  di, 

4450  Der  vil  hüte  fint  alhi, 

Di  durch  vorchte  irer  hern 
Und  dem  volke  ouch  czu  ern 
Underwegn  da  worheit  lan 
Und  wol  wiffen  und  verftan 
4455  Daz  fi  gar  crummes  richten 
Und  di  warheit  vernichten. 

Von  den  fpricht  Johannes  fo 
In  dem  ewangelio: 

‘ Vil  der  vurften  alda  was 
4460  Di  in  Jefum,  das  funnenglas, 
Gelobten  und  doch  nicht  czwar 
An  in  joen  offeubar, 

Sünder  heimlich;  daz  gefchach 
Daz  fi  icht  quemn  in  ungemach; 
[113  b]  Wen  fi  über  hatten  vil 


4400.  Het  au»  Eet. 

4420.  bitt'  am  Rande  für  aus  pin 
korrigiertes  pitt'. 

4422.  w'  wrehten. 

4423.  tag  aus  tage. 

4425.  ein  übergeschrieben. 

4429.  wilden. 

4432.  gote». 


4434.  den]  d'. 

4433.  loben  au»  lobn. 

4446.  De'  (D  aus  E).  Volkes  au»  volkez. 
4448.  gewizzen  aus  gewilTen. 

4451.  irer  aus  drer. 

4453.  vnd'wegn  aus  vud'wein.  di? 
4459.  Job.  12,  42—43.  wrften. 


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70 


4466  Hi  der  Inte  koukil  fpil 
Und  onch  werldliche  ere 
Wen  Jefu  Gotes  lere.’ 

Von  den  spricht  Helyas 
4470  In  der  kunge  puch  ich  las: 

‘Biz  wor  ir,  Unrechtes  geil, 
Hinket  hin  in  beide  teil? 

Ift  Got  ein  herre  eine, 

Dem  dinet  wol  und  reine!’ 

4475  We  dem  czweir  hercze  ift! 

We  dem  lunder  alle  vrift 
Der  do  veret  in  di  lant 
Czweir  wege  fo  gefchant 
Und  der  mit  dem  mute  fyn 
4480  Sult  czwivertic  uz  und  yn 
Und  hat  czweirleige  mut! 

Set,  gar  leiden  der  gerut 
Und  ift  jo  unftete  czwar 
In  alle  finen  wegn  gar. 

[774  n]  Di  ritter  Crift  enphingen 
4486  Und  mit  im  czu  rate  gingen 
Und  rifen  di  gemeine  dar. 

Wen  ken  Crifto  worn  dry  fchar: 
Phaffen,  richter,  ritter  di 
4490  Czu  der  czweir  bofheit  wi 
Dinten  und  en  worn  gereit 
Helfen  czu  der  marter  breit 
Grimmiclich  in  grozem  czorn. 

Eine  cron  von  Icharfem  dorn 
4495  Im  fi  drungen  in  daz  liwubt 


4469.  dem. 

4470.  laf  «ms  laz. 

4471.  I.  Keg.  IS,  21. 

4480.  K.  möchte  Stift  als  Adv.  auffassen 
und  aus  zwivertic  das  Verbum  vert  auch  für 
diesen  Sats  erschliefsen. 

4486.  im  aus  4m. 

4489.  hinter  Pbaffen  und  rieht'  Komma, 
hinter  ritt'  Punkt. 

4491.  4n  aus  im. 

4495.  (i  aus  di. 

4496.  h'ne.  def  aus  daz. 


Bis  in  das  hirne,  des  geleubt! 

Si  czugn  im  an  ein  rot  gewant, 
Und  in  fine  rechte  hant 
Vor  ein  feepter  ein  fcharf  ror 
4500  Sy  gobn,  als  er  wer  ein  tor, 
Und  als  einen  gumpelman 
En  fi  alle  huezten  an. 

Er  trug  uf  finem  rucke 
Sin  cruce;  von  gelncke 
[7746]  Simon  quam  und  half  im  train, 
4506  Wen  im  was  fo  gar  durch  flain 
Al  fin  lyp  und  ouch  fin  houbt 
Daz  er  was  der  craft  beroubt. 
Czwifchen  czwene  merder  hart 
4510  An  daz  crucz  geneglt  er  wart 
Im  czn  eime  laftermohl, 

Als  di  flange  nf  dem  phol 
Mitten  uf  gerichtet  ho 
In  der  wuftenunge  wo 
4515  Undr  der  Ifrahelen  diet, 

Von  er  di  Bange,  di  fie  fchiet 
Von  leid  und  nngemache. 

Gar  wol  vernym  di  fache: 

Der  gecruczten  woren  dry, 

4520  Dryerhande  volk  hi  by 

In  der  werld  ful  wir  verftan, 
Nvrnand  czwiveln  fal  dar  an. 
(Trift  nns  bedut  di  reinen 
Di  fich  un  fchuldic  meinen ; 


4525  Der 

morder  czu  der  rechter  hant 

4499. 

schaf  au«  Schaft. 

4500. 

Sy  aus  So. 

4502. 

En  aus  In. 

4504. 

hinter  crTce  Komma. 

4507. 

&1  aus  als. 

4510. 

an  aus  als. 

4516. 
He  aus  lieh. 

er]  Strich  Uber  e ist  durchgestrichen. 

4517. 

leid  aus  led. 

4521. 

w\ 

4523. 

Eri ft.  tos  aus  vnd 

4524. 

rn  fchnldik  aus  vnd  fcholdik. 

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71 


Uns  di  buzer  tut  bekant; 

[iv>a]  Der  morder  czu  der  linken 
ßedutet  di  dan  hinken 
Allez  uz  dem  rechten  weg 
4530  Beid  czu  kirchen  und  czu  fteg: 
Wen  der  leibe  Inode  gouch 
Jelum  an  dem  cruce  ouch 
Strafte  lefterliche, 

Des  mutt  er  gar  ewicliche 
4585  Darben  der  genadin  fin 
Und  vur  in  der  helle  pin. 

Der  morder  vir  dink  beging 
Der  Crilt  czu  der  cefmen  hing, 
Den  czwar  gar  unverbolgen 
4540  Sol  iclich  buzer  volgen: 

Er  ftrafte  linen  ebencrilt 
Vlizeclich  in  guter  lilt, 

Do  er  czu  dem  cumpan  fprach, 
Der  Crilt  Itrafte,  da  er  jach: 
4545  ‘ Du  6n  vurchtes  Gote  nicht 

Und  bilt  der  vertumten  Ichicht.’ 
Ouch  er  bichte  line  Ichult, 

Do  er  jach  lo  mit  gedult: 

[ll jb]  ‘Abir  billich  lyde  wir 
4550  Dilen  tot,  daz  lag  ich  dir.' 

Allo  di  unlchult  reine 
Crilto  gab  er  alleine, 

Do  er  Iprach  an  allen  wan: 
‘Dirre  hat  nichs  nicht  getan.’ 
4555  Mit  dem  glouben  er  luchte 
Und  inniclich  geruchte 
Manen  Got  der  gnade  lyn, 

Do  er  jach:  ‘gedenke  myn, 


4526.  bvzer  aus  bvfer.  tat  aus  tan. 
4584.  mal't  er  gar  aus  muz  d’  maz  d‘. 

4536.  wr. 

4537.  O. 

4540.  Sol  aus  Yol.  iclich  aus  ichch. 
bzzer  aus  befer. 

4542.  Ylizeclich  aus  vlizelich. 

4543.  fpracb  aus  fpach. 

4545.  Luc.  23,  4U—43.  wrehtes. 


Wen  du  kumelt,  herre,  glich 
4560  In  din  vrolich  himelrich!’ 

Set,  wo  tcas  der  geloube  groz 
Und  di  truwe  lin  genoz, 

Di  der  morder  da  enphinc, 

Daz  er  an  dem  der  da  hinc 
4565  An  dem  cruce,  bevlozzen 
Mit  blute  gar  begozzen, 

Geloubte  allo  licherlich 
Daz  er  wer  in  himelrich 
Kung  vol  genaden  unden 
4570  Durch  ablaz  allir  lunden. 

Des  er  lieh  czu  im  verlach 
Und  nach  dilem  ungemach 
[116  a]  Der  ewiclichen  ere. 

Durch  daz  Got  Crilt  der  here 
4575  Jach  czu  dem  morder  lyle: 

‘Ja,  in  dem  paradyle 
Saltu  hüte  mit  mir  wein 
Und  lalt  ewiclich  genein!’ 

J3az  ich  kurczlich  uberJla 
4580  Crilt  es  marter  ummega 

Von  Hunden  czu  Itunden  haz, 
Sicherlich  lo  willet  daz: 

Des  vater  wäre  wilheit, 

Ja,  des  menlchen  kint  gemeit, 

4585  Got  trut  lun  lib  unde  czart, 

Crilt  und  menlch  gevangen  wart 
Czu  metten  czyt,  der  degen  fin, 
Begeben  von  den  jungem  lin, 
Verkouft  den  Juden  ilt  der  her, 
4590  Verraten  und  gellagen  1er. 

Czu  prime  ilt  der  wol  getan 


4561.  was  fehlt. 

4562.  truwe  au«  trive. 

4567.  Geloubte  au»  Goloubte. 

4569.  vol  au«  vor.  genaden  au«  gnaden. 

4570.  Durch  aus  Dur. 

4573.  D’  ewiclichen  aus  De  wiclichen. 
4585.  trut  aus  drut.  fvu  au«  fon. 
4591.  rotes  C. 


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72 


Gevurt  vor  Pylatum  dan, 
Velfchlich  uberczuget  gar, 

Uf  den  hals  geflagen  bar, 

4595  Gebunden  und  befchriet, 

Sin  dar  antlicz  verfpiet 
[j/6  6]  Von  der  argen  Juden  milt, 

Als  iz  geprophetiret  ift. 

Czu  terde  mit  fchalle 
4600  Rifen  di  Juden  alle: 

‘Slach  en  an  ein  cruce!’  dan, 
Recht  als  er  wer  ein  gumpelman, 
lm  fi  legten  an  ein  cleit 
Und  dructen  mit  bitterkeit 
4605  Im  ein  dornine  crone 

In  fin  czart  houbet  vrone; 

Uf  dem  ruck  daz  holcz  er  truc 
Czu  der  marter  ungevuk. 

Jefu  Crilt  czu  Texte  wart 
4610  An  daz  crucz  genegelt  hart, 

Von  bitterlichen  fmerczen 
In  durfte  do  von  herczen; 

Schir  wart  er  der  gallin  Tat, 
Gehangen  an  der  morder  ftat 
4615  Mit  den  fchechern  uz  geczalt; 

Der  linke  morder  des  entgalt. 

Czu  none  fclirei  der  herre  fvn : 
‘Hely,  hely,  vater  myn, 

[in  o]  Mynen  geilt  ich  dir  bevel!’ 

4620  Uf  gab  er  di  Tele  fnel; 

Mit  eime  Iper  ein  ritter 
Stach  eine  wunde  bitter 


Crifto  in  di  fiete  rein; 

Beid  daz  ertrich  unde  ftein 
4625  Irbibte  von  der  marter  ftark. 

Iren  fchin  di  funne  bark. 

Czu  vefper  den  lichnam  fchon 
Nam  man  von  dem  cruce  vron; 

Di  craft  bleib  mit  fichirheit 
4630  In  der  gotheit  wol  gemeit 
Duft  di  erczety  des  lebn 
Inden  tot  fich  wolde  gebn. 

Czu  conplet  begraben  ift 
Troft  czu  kumfteges  lebns  Crift, 
4635  Der  edle  lieh  nam  turer  trift. 
Gancz  irvullet  ift  di  fchrift. 
Menfch!  difen  tot  gevache 
Beforge  und  bewache, 

Oder  du  wirft  in  dem  ban 
4640  Uz  der  lebn  puch  getan! 

[U7  b\  Von  dem  ufirftende  fyn 

Wel  ich  her  nach  brengn  yn, 
Wen  ich  ab  czi  den  rigel 
Von  dem  virden  ingefigeL 

Hic  incipit  quartum  figillum 
fcilicet 

De  refurrectione  domini  noftri 
Jefu  ChriftL 

4645  Des  virden  entflizen  lert 
lngefigels  fo  gehert 
Crift  uf  von  todes  banden 


4592.  Gewrt. 

4598.  ii  über  der  Zeile. 

4599.  4609.  17.  27.  33.  rotes  C. 

4608.  vngewk. 

4613.  Schir  aus  Sehr. 

4618.  Luc.  23,  46.  hinter  jedem  hely 

Punkt. 

4619.  dir  aus  di. 

4622.  Sftach. 

4623.  Crifto  aus  Crifti. 


4624.  vn. 

4630.  in  der  gotheit  ist  änö  xonoC  -u 
bleib  und  duft.  ln  der  Gottheit  quillt  die  Arsenei 
dessen,  der  sein  Leben  in  deti  Tod  gab  (für  uns). 

4631.  Duft  aus  Säst. 

4635.  lieh  aus  lib. 

4636.  irwllet. 

4640.  puch  aui  buch. 

4645.  Def  aus  De«. 


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73 


Und  uns  in  im  enftanden. 

Der  apoftel  daz  beczuget, 

4650  Do  er  git  und  nicht  enlugt: 
‘Und  ift  nf  erfunden  Grift, 
Wir  entften  an  arge  lift,’ 

Daz  gedechnis  alfo  liet 
Dirre  efterlichen  cziet 
4655  Do  von  daz  mit  pblagen  gnuc 
Got  di  in  Egypten  fluc 
Und  tet  doch  kein  ungemach 
Ifraheien ; daz  gefchach, 

Do  er  vant  ir  ubertur, 

4660  Als  ich  in  der  glofen  fpur, 
Nach  der  e mit  lammes  blut 
Wol  beczeichent  und  behüt. 
[it«n]  Daz  pafclia  wir  benennen 
Und  unfe  fchnlt  bekennen 
4665  Dem  prifter  an  Gotes  ftat. 

So  fte  wir  uf  von  todes  grat 
Czu  dem  leben  ane  ftrit. 

Daz  pirt  efterliche  czit, 

Wen  uns  efterlemmel  Crift 
4670  Dem  vater  nu  geopphert  ift. 
Pafcha  ift  ein  criches  wort, 

In  latine  phafe,  vort 
So  vil  dutet  als  ein  gank, 

Do  von  daz  an  allen  wank 
4675  Crift  uf  von  des  todes  lu 
Ift  gegangen  recht  als  nu 
Und  erfunden  czu  dem  lebn 
Recht  an  alles  wider  ftrebn. 
Wen  er  quam  uns  Briefen 
4680  Und  enfeczen  di  befen. 


Do  von  was  der  funnen  fchin 
Sach,  der  finen  feien  fchryn 
Gerötet  uns  czu  gute 
Mit  fines  felbes  blute. 

4685  Daz  beczugt  er  fclbe  czwar, 

Do  er  git  gar  offenbar: 

(iiS6]  ‘Der  vurfte  dirre  werld  ift  kumn. 
Mien  er  nimt  doch  keinen  vrumn, 
Wen  wi  fuer  ift  fin  quant, 

4690  An  mir  des  finen  er  nicht  vant.’ 
Ouch  hat  er  des  finen  nicht, 

Wi  vel  er  ouch  fi  ane  vicht, 

Di  uz  difem  leben  vam 
Und  fich  fichirlichen  warn 
4695  Beide  uzerhalb  und  inne 
Liep,  feie  und  di  finne 
Mit  des  ofterlammes  blut 
Und  mit  des  gelouben  hut 
Und  mit  ganczer  libe  fam. 

4700  Suft  wirt  wol  daz  öfter  lam 
Genuczet  ane  funde; 

Des  Got  ift  ein  urkunde, 

Der  durch  alle  himel  hoch 
Als  ein  refe  lif  und  czocli 
4705  Und  di  marter  nicht  vermeit 
Nach  des  todes  bitterkeit. 

Recht  als  ouch  hi  vor  mit  nit 
Di  ifrahelifche  dit 
Mit  wol  einem  ftarken  her 
4710  Czoch  hin  durch  daz  rote  mer 
[Ji9a]  Und  quam  in  grofe  minne 
Von  craft  der  woren  finne, 

Alfuft,  do  mit  mancher  not 


4648.  vos  am  Rande  für  Matur. 

4649.  da*  am  Rande  nachgeiragen. 
4651.  I.  Cor.  15,  20. 

4658.  dar  aus  das. 

4663  — 66.  Die  Hs.  hat  die  Reihenfolge 
4666,  4663 — 65.  Die  richtige  Folge  ist  links  durch 
d a b c,  rechts  durch  iiij  i’  ii’  iii'  bezeichnet. 
4681.  waf  aus  war. 


4683. 

4684. 

4687. 

4688. 
nachgetragen. 

4695. 

4704. 

4707. 


gvte  aus  gute, 
hlvte  aus  blute. 

Joh.  14,  30.  wrfte. 

mien  aus  min.  doch  am  Rande 

vzerhalb  aus  vferhalb. 

rgl.  2395.  vnd  am  Rande  ßr  vf. 

mit  am  Rande  nachgetragen. 


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74 


Den  vil  bitterlichen  tot 
4715  Got  Crift  6n  creftlich  uberftreit, 
Dar  nacli  ein  untetlich  cleit 
Czoch  er  an  und  vur  fo  vort 
Und  brach  uf  der  helle  phort 
Und  irlofte  di  finen 
4720  Uz  den  grozen  pinen, 

So  daz  di  erloften  doch 
Von  unfern  herren  hiuden  noch 
Mit  lieb  und  feie  kumen 
Czu  falde  und  czu  vromen 
4725  Gar  an  ungewiters  phlag 

Hin  nach  czu  dem  grozem  tag 
Czu  kumphtiger  hochcziet  gancz 
Und  ouch  kumn  in  Syon  glancz, 
Ewiclich  in  vrouden  vro 
4730  I»  dem  der  da  f webet  ho 
Hoben  en  in  himelrich. 

Waz  mak  wefn  den  vrouden  glich 
Und  do  von  daz  felgen  nu 
Varn  in  der  genaden  ru? 

[U9b]  Von  Gotes  czorn  mit  finnen 
4736  Di  czin  und  varn  von  hinnen 
Genczlich  durch  der  toufe  mer 
Mit  des  roten  blutes  wer 
Daz  im  uz  der  fiten  ran 
4740  Chrifto  alles  wandeis  an. 

Di  funder  recht  ich  wene, 

Set,  durch  daz  mer  der  trene 
Mit  der  hülfe  C’hriftes  blut 
Varen  uz  der  funden  ftut 
4745  Czu  Gotes  barmherczekeit, 

Di  iclichem  ift  gereit 
Der  czu  dem  brunne  loufet 


Und  fich  do  mit  betronfet. 

Alfo  fet,  aller  dinge 
4750  Uns  allen  czu  gelinge 
Nu  daz  ofterlemmel  Crift 
Gar  troftlicli  geopphert  ift. 

Durch  daz  Crift,  der  eren  haft, 
Gotes  wifheit  und  fin  craft, 

4755  Uf  dem  über  ho  gemeit 
Stet,  geherret  und  gecleit 
In  ein  cleit  czwar  daz  nicht  me 
Stirbet  nach  enlidet  we, 

[/20  a]  Und  ledt  czu  finem  gaden 
4760  Und  rufet  von  genaden: 

‘Kumt  alle  czu  mir  di  myn  gern. 
Wen  ich  bins  der  ofterkern, 

Des  lange  was  vergeffen, 

Her  wider  nu  gemezzen, 

4765  Von  nwens  aber  uz  gefant 
Her  und  dar  in  allelant’, 

Das  fi  kumen  gar  gefchid 
Beid  durch  fune  und  durch  vrid 
Czu  der  helgen  kirchen  fnel. 

4770  Wiffet,  diz  ift  nicht  ein  fpel: 

Wer  daz  gebot  verficzet, 

Ein  groz  pfant  er  verfwiczet. 
Blibt  er  in  funden  flamme 
Nach  flafen  uf  dem  tamme 
4775  Und  verfleft  durch  haz,  durch  nit 
Dife  ofterliche  cziet 
Und  czu  dem  ofterlamme 
Mit  innincliche  vlamme 
Nicht  get,  o menfch,  wizze  der 
4780  Wirt  als  di  Egyptier 
Geleczet  von  dem  engel 


4715. 

en  aus  in. 

4736. 

czin  aut  czien. 

4719. 

Tinen  aus  (innen. 

4742. 

daz  aus  das. 

4723. 

(eie  aus  fe. 

4747. 

brflne  aus  böne. 

4730. 

Im. 

4756. 

Stet  aus  Seet. 

4731. 

Loben. 

4764. 

Her  aus  Eer. 

4732. 

Was  kann  dieser  Freude  gleichen 

4767. 

gar  am  Hände  nachgetragen. 

r Freude  darüber,  daß  die  Seligen  w.  s.  w. 

4775. 

haz  aus  bas. 

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75 


Und  als  ein  fneder  (lengel 
[uo  6]  Gerodet  uz  dem  volke, 

Ab  ich  wol  rechte  tolke. 

4785  Wen  verftu  nicht  wol  bereit 
Durch  daz  mer  der  bitterkeit, 
Du  ertrinkeft  in  dem  mer 
Mit  den  vinden  ane  wer; 
Nach  in  der  wuftenunge 
4790  Gefmecket  dine  czunge 
Keine  wis  daz  lebnde  brot. 
Alfuft  blibeftu  in  not 
Und  berures  nimer  vort 
Beid  daz  über  noch  den  hört 
4795  Ewiclicher  felekeit: 

Menfch,  daz  la  dir  fin  gefeit! 

Grift,  wiffet,  ift  der  erfte 
Und  ouch  der  aller  herfte 
Der  ie  von  dem  tod  irftnnt, 
4800  Bar  di  wifen  uns  daz  tunt. 

Ja  in  drierhande  wies 
Kt  Got  Crift,  das  blunde  ris, 
Der  erfte  under  allen 
(Kan  ich  wol  rechte  wallen) 
[121a]  Ordens,  kraft  und  werdekeit, 
4806  Di  der  hochgelobte  treit 

Ordens:  wen  nymand  vor  im, 
Er  der  erfte,  nicht  ein  fchim, 
Ja  der  wäre  lichnam  czart, 
4810  Der  durch  uns  gecrucet  wart, 
l'f  erftunt  an  alle  qwel. 

Dor  nach  di  fune  Ifrahel 
Würfen  ab  der  erde  tur 


Und  nf  ftunden,  als  ich  fpur, 
4815  lTz  den  grebern,  in  der  fchrift, 
Alfuft  ftet  di  nwe  ftift. 

Nymand  wol  daz  begrifen 
Kan  mit  vernunphten  phifen, 

An  mit  dem  gelouben  ftark, 

4820  Der  da  flinget  in  daz  mark 
Gar  heimlich  unde  touge, 

Iz  mak  kein  vleifchlich  ouge 
Nicht  begrifen  nach  gefehn. 
Laze  wir  des  walden  den 
4825  Der  di  winkelmaze  hat 
Aller  ding  uf  rechte  phat, 

[mb]  Und  lialden  uns  czu  Gote, 

Der  ift  der  hefte  knote. 

Ouch  was  Crift  der  eren  haft, 
4830  Der  von  fines  felbes  craft 
Von  dem  tode  erft  irftunt: 

Waz  nach  im  di  andern  tunt, 
Daz  tun  fi  in  finer  mugnt 
Und  in  finer  krefte  tugut, 

4835  Ouch  von  grozer  wirdekeit 
Erft  erftunt  er  wol  gecleit. 

Wen  Crift,  der  falden  hengil, 
Daz  nymand  noch  kein  engil 
Sprechen  mochte,  er  daz  fpracli, 
4840  Nach  dem  uf  6rftend  er  jach: 
‘Mir  ift  gegeben  reine 
Alle  gewalt  alleine 
Inhimel  und  in  erden. 

Nymand  czwar  mac  entwerden 
4845  Myner  macht  nach  myner  hant. 


4785. 

nicht  aus  nich. 

4824. 

waldS  aus  walden. 

4786. 

mer  aus  mir. 

4825. 

winkelmaze  aus  winkelm&Te.  bat 

4791. 

wir  aus  wir.  daz  aus  des. 

aus  gat 

4792. 

blibeftu  aus  blibilta. 

4836. 

erftnnt  aus  irftnnt. 

4796. 

d*. 

4838. 

kein  aus  ken. 

4801. 

wies  aus  wis. 

4839. 

Sprechen  aus  Spechen. 

4805. 

4807.  hinter  Ordens  Funkt. 

4840. 

erftend  aus  irftend. 

4814. 

fpvr  aus  fpyT. 

4841. 

Matth.  28,  13  und  Joh.  10,  28. 

4822. 

Iz  aus  1s. 

ift  auf  Rasur. 

4823. 

begrifen  aus  begifen. 

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76 


Daz  hab  ich  mit  fchildes  rant 
[122a]  Erworben  an  dem  crucze. 
Nymand  ouch  ift  fo  hucze 
Der  den  icht  gefcbaden  mug 
4850  Di  fich  czin  under  mine  vlug.’ 
Ouch  nach  dem  ufirftende 
Wart  Grift  alfo  behende, 

So  gar  heiter  und  fo  fyn 
Daz  er  czu  den  jungem  fin 
4855  By  beflozzen  turn  yn  qwam, 
Als  ich  in  der  fchrift  vernam. 
Durch  den  criftellinen  himel 
Swant  er  funder  allen  fimel 
Und  an  alles  hindernis. 

4860  Daz  er  wer  kein  tufternis, 

Er  bewifte  daz  er  faz 
Und  mit  finen  jungem  az 
An  alle  miffewende 
Nach  finem  uf  erftende 
4865  Aber  nach  des  todes  flac. 

Set,  der  ofterliche  tac 
[122  b]  Czoch  an  alfo  vremde  wat, 

Di  czwar  nimmerme  vergat 
Und  nach  dem  erften  fiten 
4870  Wirt  nimmerme  verfniten. 

Do  von  ken  dem  vater  rein 
Spricht  er  vur  uns  algemein: 
‘Du  haft,  vil  über  oftertac, 
Umme  fniten  minen  fac 
4875  Und  halt  mich  fchon  geprifet 
Mit  vreud  di  nicht  verrifet.’ 
Set  do  wider  aber  doch, 

Di  mit  Mardoclieo  noch 
Tragen  an  den  alden  fac, 


4880  Hi  in  dirre  werlde  hac 

Wir  nicht  kumen  von  dem  val 
In  des  hoen  kunges  faL 
Iz  kumt  aber  noch  di  cziet, 
Wen  wir  ken  den  vinden  ftriet 
4885  Halten  und  fi  über  flau 
Und  dn  gancz  gefigen  an, 

Daz  der  ofterliche  tac, 

Crift,  verwandelt  unfen  fac 
[123  a]  In  ere  und  in  czirde; 

4890  So  wirt  erft  unfer  girde 
Irluchtet  gar  mit  wunne 
Von  Crift,  der  claren  funne. 

Und  ift  Got  Crift  irftanden 
Uf  von  des  todes  banden, 

4895  Und  wir  czwar  ouch  uf  erften, 
Daz  mak  anders  nicht  ergen. 
Der  czwu  nacht  und  einen  tag 
Tot  in  deme  grabe  lag, 

Mit  einem  uf  erftende 
4900  Der  felbe  fo  behende 

Hat  uns  gehn  czwei  uferften, 
Das  ift  ein  vil  grozes  len. 

Ouch  mit  eime  tode  fin, 

Des  nacht  was  ein  mittac  fchin, 
4905  Uns  er  hat  czu  grozen  vrumn 
Czwene  tode  ab  genumn 
Und  hat  fi  in  luter  tag 
Verwandelt  gar  an  alle  vlag. 
Daz  erfte  uf  erftende 
4910  Ift  von  der  miffewende 
[123  b]  Di  uns  an  lit  von  funden 

Und  von  des  tuvels  fchunden, 
Durch  daz  czu  der  feien  tot 


4855. 

By  aus  Bn. 

4884. 

Ctriet  aus  ftrit. 

4860. 

kel  aus  ken. 

4885. 

hinter  Halten  Punkt. 

4864. 

erftende  aus  irftende. 

4886. 

£n  aus  in. 

4871. 

ken  au«  kein.  iT. 

4887. 

Duz  aus  Du. 

4872. 

wr. 

4896. 

ergen  au«  irgen. 

4873. 

Ps.  30,  12. 

4901. 

r or  uferften  Rasur. 

4878. 

Esther  Kap.  1 und  G. 

4912. 

fclinnden  aus  tchindcn. 

4883. 

Iz  au«  I«. 

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77 


Di  in  Tunden  flafe  Tot, 

4915  Der  wiffag  jach:  ‘irwache 
Und  us  dem  flaf  dich  mache! 
Sthe  uf  von  dem  tode!  fich, 
Crift  czu  hant  irluchtit  dich!’ 
Alfuft  wizzet,  To  czuhant 
4920  In  dem  erften  uferltant 

Wir  widr  des  menfchen  Ichibe 
An  feie  nnd  an  libe 
Ettelicher  moze  lebn. 

Ab  er  fi  erftanden  ebn, 

4925  Er  hat  czeichen,  di  er  treit, 
Czu  kumphtiger  felekeit: 

Er  fal  haben  kufchen  mut, 

Ein  rein  leben  wol  behüt, 

Er  fal  genczlich  geruchen 
4930  Der  worheit  unde  fuchen 
Snel  an  guten  werken  fyn, 
Stetes  mutes  fal  er  fyn. 
ll~4 «]  Wer  guter  werk  beginnet 
Und  das  ouch  wol  befinnet, 
4935  Daz  er  jo  ftete  tribe 
Di  reine  werk  nnd  blibe 
Dor  an  biz  uf  fin  ende, 

An  alle  miffewende 
Wirt  er  felik  endelich 
4940  Aldort  in  dem  himelrich. 

J">az  ander  uf  erftende 
Bewert  di  fchrift  behende 
Und  di  creaturen  czwar, 

Di  fich  vernwen  alle  jar 
4945  Und  uns  das  felbe  künden 
Mit  des  gelouben  bunden; 

Di  funne  das  bewifet, 

Di  nwens  fich  jo  prifet 
Alle  tag  und  under  get, 


4950  Und  der  menfch,  der  uf  ouch  ftet 
Uz  dem  flafe  tegelich. 

Doch  vil  manche  dünken  fich 
So  clug  und  fo  behende 
Daz  fi  das  uf  irftende 
[124  b]  Des  vleifches  wider  triben 
4956  Und  in  dem  czwivel  bliben, 

Wen  di  felben  doch  irften 
Und  vor  das  gerichte  gen 
Mit  leide  und  mit  fchanden; 

4960  Wen  Crift  beginnet  anden 
An  6n  di  fine  wunden. 

Wen  fi  dort  ften  gebunden 
Und  fich  der  funden  fchemen, 

Do  gutez  Ion  wol  nemen 
4965  Di  gerechten,  di  dort  fin 

Licht  dar  als  der  funnen  fchin. 
Von  dannen  abr  gelenget 
Sten  jene  gar  befenget, 

Under  den  ougen  gar  verbrant, 
4970  So  alreft  wirt  en  bekant 
Wen  fi  hi  gecrucet  han! 

Als  man  knmt  dort  uf  den  plan 
Do  nymand  fich  verbergen  mac, 
Sünder,  denke  an  den  tac 
4975  Und  fte  uf  von  den  funden! 

Wen  nymant  mac  durch  gründen 
[I2öa]  Der  grulichen  helle  glut, 

In  der  immer  ungerut 
Di  fei  fudet  unde  quilt. 

4980  Abir  in  den  lüften  fpilt 
Der  gerechten  feie  dar, 

Wen  fi  aller  funde  bar 
Endelicher  den  ein  wint 
Got  Crifto,  des  menfchen  kint, 
4985  Begeint,  wen  er  dort  her  vert 


4915. 

F.ph.  5, 14.  irwache  au*  irwachen. 

4931. 

fyn  aus  fym. 

4916. 

Vor  dich  ist  irw  durchstachen. 

4932. 

zweites  mute*  gestrichen. 

4919. 

wizzet  au*  wirren. 

4961. 

4n  aus  on. 

4921. 

im  Gegensatz  zu  dem  frühem 

4964. 

gutez  au*  gute*. 

Lebensgang  des  Menschen. 

4976. 

hinter  durch  ein  Grundstrich  getilgt. 

4928. 

£ in  Ein  au*  N? 

4979. 

quilt  aus  quelt 

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78 


Czu  gerichte  un  irwert. 

Dor  umme  nymant  fchende 
Daz  erfte  uferftende 
Uud  daz  ander  ouch  alfam. 

4990  Wen  Crift  in  di  werld  fo  quam 
Daz  er  den  menfclien  trofte 
Und  en  ouch  wol  irlefte 
Von  dem  tuvel,  dem  er  mat 
Gab  (ein  wifer  daz  verftat), 

4995  Und  fich  durch  unfen  willen 
Ouch  gefeln.unde  villen 
Liz  der  herre  unde  ftarb 
Und  fin  erbe  fo  irwarb. 

[125  b]  Von  im  felbe  ftunt  er  uf 
5000  Und  gab  einen  grozen  puf 
Der  helle  und  einen  flak 
Vor  dem  der  helle  vogt  irfchrak, 
Luzifer,  der  helle  flunt, 

Do  im  di  mere  wurden  kirnt. 

5005  Alfuft  an  miffewende 
Der  eren  kung  behende 
Uz  der  helle  hat  irloft 
Di  finen  und  wol  getroft 
Mit  dem  ufirftende  fin. 

5010  Dem  der  üb  apoftel  min 
Thomas  in  di  wunden  tief 
Greif,  fuft  fait  der  glofen  brief, 
Durch  di  fache,  daz  vernim, 

Daz  imant  wente  daz  ein  fchim 
5015  Und  ein  glichnis  Criftes  wer 
Erftauden  uz  der  toten  her. 


Durch  daz  er  fich  taften  hiz 
Und  en  mit  dem  vinger  liz 
In  fine  wunden  ruren, 

5020  Daz  er  werlich  vol  vuren 
[126  a]  Mochte  daz  er  wer  als  e 

Ein  wor  menfche,  daz  verfte! 

Hic  incipit  quintum  f i - 
gillum 

videlicet  de  afcenfione  do- 
mini  noftrL 

Daz  furafte  ingefigel  czart 
Ift  von  Criftes  himel  vart, 

5025  Mit  der  Got  Crift  hat  gecleit 
Ho  des  menfchen  werdekeit 
Und  gefaczt  ob  alle  ding 
Boben  uf  der  himel  ring 
Und  ob  aller  himel  dach. 

5030  Wen  er  was  menfch  der  fo  jach: 
‘Mir  ift  gehn  alle  gewalt 
Inhiml,  in  erde  manicvalt.’ 

Er  ift  menfch  an  allen  fchach, 
Den  der  pfalm  gecronet  fach 
5035  Mit  eren  und  mit  czirde, 

Und  finer  hoen  wirde 
Er  geczuget  undertan 
Alle  ding  di  wefen  han; 

Er  ift  menfch  in  dem  ouch  fehn 
5040  Engil  alür  vrouden  bren; 

[126  b]  Di  heilgen  vinden  ere 


4987. 

Dor  aus  Do. 

5011. 

tief  au*  tif. 

4988. 

Daz  aus  Das. 

5012. 

brief  aus  brif. 

4990. 

werld  aus  w'lde. 

fo  am  Rande 

5014. 

imant  aus  im&n. 

nachgetragen. 

5018. 

en  aus  in. 

4994. 

hinter  Gab  Punkt. 

daz  aus  da*. 

5020. 

wren. 

4997. 

vnd'. 

5024. 

jft 

5001. 

helle  au«  hell. 

voit  mit  über- 

5027. 

ding  aus  dink. 

geschriebenem 

e- 

5031. 

Matth.  28, 18. 

5004. 

werden  au«  worden. 

5037. 

Er  auf  Rasur. 

5005. 

miffewende  au*  mizfewende. 

5039. 

dem  aus  de. 

5008. 

wol  aus  wolt. 

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79 


In  im  an  wider  kere, 

Di  gerechtin  hulde, 

Di  liinder  vor  ir  fchulde 
5045  In  im  genade  vinden. 

Do  von  au  wider  winden 
Sin  uzvart,  fin  louf,  fin  gang 
Ift  von  hoen  hirneln  blanc 
Siner  widerverte  fchin 
5050  Piz  hin  uf  di  hoe  lin. 

Er  fwang  von  dem  vater  nidr 
Czu  der  werlde  lin  gevidr, 

Als  ein  loufer  und  ein  bote, 

Der  gar  vil  czu  werben  hot; 
5055  Ouch  der  felbe  als  ein  fnur 
Czu  dem  vater  wider  vur 
Und  warb  des  menfchen  lache 
Czu  falden,  czu  gemache, 

Wen  er  ift  ein  mittilman 
5060  Czwifchen  Got  und  menfchen 

[tan. 

Sint  wir  nicht  mugn  beduten 
Gar  volliclieh  den  luten 
Allez  daz  Crift  menfch  beging 
In  menfchheit  di  er  enphing, 
[127a]  Inder  mit  uns  der  eren  haft 
5066  Hatte  waz  gemeinefchaft: 

Wi  mug  wir  den  vol  vlizen 
Und  genczelich  entflizen 
Sine  himelifche  werk 
5070  Boben  aller  himelberk? 

Do  von  muz  wir  hüben  ften, 
Sint  er  loufen  noch  irgen 


Daz  mugen  unfe  finne 
Beid  uferhalb  und  inne, 

5075  Di  vernumphten  venfter  fint, 
Durch  di  jo  von  erft  ein  wint 
Mancher  hande  bildel  wet 
Und  fi  durch  ir  venfter  fpret 
Hin  in  der  vernumften  fchrin: 
5080  Do  nimt  alzuhant  daz  in 

Di  vernumpht  und  fchribet  daz 
In  ir  flechtez  tafelvaz. 

Do  von,  als  ich  hab  gefait, 

Got  Crift,  der  in  himel  tait, 
5085  Uns  aller  ding  un  kundik  ift, 
Nach  unfer  vernumften  kift 
Mac  fich  nicht  dar  gerecken, 
Nach  keiner  hande  ecken 
[127  6]  Kan  fi  fo  fcharf  geflifen 
5090  Daz  fi  da  icht  begrifen 
Waz  mugen  ader  inphaen, 

Sint  fich  di  finne  nahen 
Czu  im  nicht  mugn  gemachen, 
Di  doch  mit  vlieze  wachen 
5095  Der  vernumften,  als  is  czimt. 
Wol  ein  wifer  daz  vernimt: 
Durch  daz  ful  wir  loben  czart 
Got  und  Criftes  himelvart 
Uz  den  glofen,  uz  der  fchrift, 
5100  Di  fchon  ften  in  nwer  ftift. 

Dor  uz  ful  wir  nemen  waz 
Der  himelvart  czu  lobe  baz. 
Wen  di  edle  himelvart 
Adelt  ho  menfchiiefie  art 


5042. 

auf  Rasur. 

5060. 

waz  aus  was. 

5045. 

Sein  Auszug  von  den  straldenden 

5067. 

w*. 

Himmeln  ist  das  Bild  seiner  Rückkehr:  beidemal 

5071. 

muz  aus  muz. 

hatte  er  das  Amt  des  Werbers. 

5072. 

er  aus  ir. 

5047. 

Punkt  hinter  vzuart  uml  louf. 

5080. 

in]  fin. 

5049. 

Hinter  fchin  ist  P (der  Anfang 

5092. 

naben  aus  naen. 

der  nächsten  Zeile)  getilgt. 

5093. 

nicht  aus  nich. 

5059. 

man  aus  mam. 

5098. 

vnd  aus  ns. 

5060. 

Czwifchen  aw$  Czwifchin. 

5104. 

adelt  aus  adlt. 

5061. 

wir  aus  w. 

menfehllichche. 


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80 


5105  Und  tilgt  der  funden  fchimel 
Und  fluzet  uf  den  liimel 
Und  czeigt  ouch  den  menlchen 
glich 

Den  weg  czu  dem  himelrich. 

Daz  in  puch  dez  leben 
5110  Wol  ftet  gefchriben  eben. 

‘Ich  var  czu  dem  vater  myn,’ 
Sprach  Crift  czu  den  jungem  fin, 
[128a]  ‘Und  czu  uwern  vater  Tarn.’ 

Ey  der  grozen  libe  vlam 
5115  Und  der  wirde  di  al  hi 

Crift  den  menfchen  gibt!  ja  wi? 
Er  finen  vater  nennet 
Und  offenbar  bekennet 
In  ouch  unfen  vater  wefn. 

5120  So  wer  mag  di  gunft  durch  lefn 
Und  im  der  lib  gedanken 
Di  Got  Crift  an  uns  kranken 
Geleget  hat  an  luder, 

Daz  der  nu  unfer  bruder 
5125  Is  feliclichen  worden, 

Ob  alliz  fchaczes  horden 
Edelt  ho  menfchliche»  fam 
Mit  dem  ho  geadelten  ftam, 

Ob  alle  creature 
5130  Menfchlich  natur  geliure. 

Dirre  vater,  daz  gefchach, 

Liblich  czu  dem  fune  jach: 

‘Liber  fon,  daz  fag  ich  dir, 

Alle  cziet  biftu  mit  mir, 

5135  Und  daz  mine  daz  ift  din 
Und  daz  dine  daz  ift  min.’ 


[128  6]  Der  vater  mit  dem  fune  lib 
Hat  den  fueren  tougen  dib 
Gebunden  und  gevangen 
5140  Und  hat  vruntlich  inphangen 
In  fchon  czu  finer  wunne; 

Gar  alles  menfchlich  kunne, 
Daz  mit  funden  was  verftalt, 
Als  ein  echter  ouch  verczalt, 
5145  Daz  czu  dingen  der  fon  hat 
Bracht  mit  fines  vater  rat. 

Set,  do  von  in  dem  pfalme 
Der  fun,  di  edle  palme, 

Sünder  allez  nngemach 
5150  Lieblich  czu  dem  vater  fprach: 
‘Du  halt  mine  rechte  hant 
Wol  gehalden  umbewant 
Und  haft  nach  dem  willen  din 
Mich  bracht  in  der  werlde  rin 
5155  Und  haft  nu  mit  eren  mich 
Wol  enphangen  lebelich.’ 

Wider  czu  dem  fone  truet 
Sprach  der  vater  uberluet: 

‘ In  dir  gefeinet  werden 
5160  Alle  gebürt  der  erden.’ 

[129  a]  Da  was  ein  vruntlich  lofen 
Und  gar  ein  liblich  kofen. 

Set,  der  fon  der  rumte  fich 
Daz  im  was  geluckelich 
5165  Irgangen  in  eilende 
An  alle  miffewende 
Sin  erbeit  und  fin  ringen, 

Daz  nimant  6n  verdringen 
Mochte  von  dem  erbe  fin 


5107. 

czeigt  aut  czcegt. 

5137. 

fvne  au«  fon. 

5109. 

dez]  der?  rgl.  r.  4640. 

5138. 

fuerS  aus  Iure. 

5111. 

Luc.  15,  32. 

5143. 

was  aus  w&z. 

5126. 

borden  aus  orden. 

5151. 

Fs.  73,  23. 

5127. 

meufchlichem. 

5159. 

I.  Mus.  12,  3. 

6132. 

fvne  au«  Tone. 

5160. 

alle  au«  all. 

5133. 

ff. 

5164. 

im  auf  Basur. 

5134.  Der  Vier»  tom  Schreiber  am 

Bande  nachgetragen. 

5165. 

in. 

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81 


5170  Wedr  mit  drowe  noch  mit  pin. 
Durch  den  menfchen,  daz  ge- 
fchach, 

Ken  dem  vater  der  fun  jach: 

‘Ich  hab  mit  minem  Itabe 
In  erbeit  ane  habe 
5175  Den  Jordan  ubervaren: 

Nu  lieh,  mit  czweien  feharen 
Ich  widr  czu  hufe  kere 
In  tugent  richer  ere.' 

Set,  bi  den  feharen  beiden 
5180  Di  Juden  und  di  heiden 

Vernimt  man  nicht  unczimelick, 
Oder  bi  den  feharen,  fich, 

Czwei  ander  volk  wir  meinen: 

Di  unfchuldigen,  reinen 
[Vi9  b)  Und  di  buzer,  di  wol  han 
5186  Ire  bichte  recht  getan. 

Di  felbeu  bi  czen  mannen 
Beczeiget  fint,  der  fpaunen 
Taften  an  Got  Griftes  foum, 

5190  Do  er  heim  vur  funder  troum. 
Wen  wer  fich  mit  innekeit 
Heit  an  finer  menfehheit  cleit, 
Set,  den  czut  er  mit  im  ho 
In  daz  himelriche  vro. 

5195  Von  des  menfehen  adl  in  Crift 
Git  eins  wifen  mannes  lift: 

4 Criften  menfeh,  irkenne 
Din  hoes  adil,  wenne 
Daz  ift  nu  gefellet  czart 
5200  Gotlicher  naturen  art.’ 

Nu  fich  daz  du  fo  walles 
Daz  du  icht  wider  valles 
Inder  fnoden  funde  flam, 


5173.  T.  Mot.  32, 10. 
5177.  wid'r. 

5187.  Sach.  8,  23. 

5190.  wr. 

5198.  adil  aut  adll. 

5210.  den  auf  Matur. 
5212.  fo  uns  czt. 

Deutsche  Texte  dee  MltteUltui.  IX. 


Der  di  feie  machet  lam! 

[130  o]  Merke  wes  du  dich  verczift 
5206  Und  welches  hebtes  lit  du  fieft! 
Ouch  bedenke  wer  irloft 
Dich  hat  von  der  helle  roft 
Und  hat  ho  irbaben  dich 
5210  In  den  hirnel  ficherlich, 

Und  gib  lob  der  himelvart 
Di  dich  hat  fo  recht  gekart!’ 
Clrot  vur  uf  funder  geuden 
Mit  iuninclichen  vreuden 
5215  Der  engele  und  der  lute, 

Und  wer  die  warheit  trwte, 

Der  hald  fich  an  den  hengil 
Dez  fich  ho  vroun  di  engil 
Und  tun  daz  in  mancher  wis. 
5220  Erft  des  uwen  kunges  ris 
Si  fich  vrowten,  daz  fi  den 
Immerme  fuln  ane  felin, 

Do  von  Jesus  felbe  fo 
[130b]  Spricht  in  ewangelio: 

5225  ‘Ein  richman  wol  gefezzen 
Hat  ein  groz  abent  ezzen 
Schon  gemachet  und  bereit 
Gar  in  hoer  wirdekeit.’ 

Des  nyniand  fol  verdrizen, 

5230  Set,  wen  der  gotlieit  nizen, 

Daz  der  fcheppher  Sabaoth, 
Aller  fchepphenunge  Goth, 

Den  hat  ewiclich  bereit 
Di  an  train  vernunften  cleit. 
5235  Des  lebnden  brotes  nizen 
Kan  Got  menfeh  fo  beflizen 
Daz  er  def  honges  fuzekeit, 

Ja  der  gotheit  wol  gemeit, 


5215.  eugele  aut  engel. 

5216.  warheit  aus  warhet. 

5219.  mäfcli. 

5223.  nvez  aus  nwez.  hinter  fo  Rasur . 

5225.  Luc.  14,  16. 

5226.  Haut. 

5230  — 46  zum  Teil  auf  Matur. 

6 


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82 


Hat  czu  gar  unverdrozzen 
5240  Der  menfchheit  milch  gegozzen. 
Alfus  der  menfch  fo  werde 
Wol  hat  der  lebnden  erde 
Gemachet  halt  durch  nizen 
Milch  unde  honek  vlizen. 

5245  Got  daz  felbe  fuze  lant 
Hot  gelobet  mit  der  hant 
[131a]  Al  den  jenen  di  irloft 

Nu  fint  von  der  helle  roft 
Und  ouch  di  willen  haben 
5250  Czu  himelriche  draben. 

Ouch  fich  vroun  der  himelvart 
Alle  lute  wol  gekart, 

AVen  er  hat  ein  nuez  fpor 
Czu  den  himelphorten  vor 
5255  Getreten,  daz  e mit  gras 
Uber  al  verwachten  was. 

Do  von  was  der  weg  unkunt 
Der  werld  piz  an  dife  ftunt 
Daz  der  reine  ummehanc 
5260  Wart  des  weges  anevanc 
Der  czu  der  himel  phorte 
Ging  von  dis  fees  borte. 

Criftes  vleifch  an  allen  wanc 
AA'as  der  luter  ummehanc, 

5265  Der  an  fime  tode  reiz, 

Do  in  durch  des  herczen  creiz 
Stach  ein  ritter  mit  dem  fper, 

Ich  enweiz  in  welcher  ger. 

[1311]  Der  felbe  weg,  mir  merket  daz, 
5270  Daz  man  6n  irkente  baz 


Und  daz  man  in  dem  weg  ge 
Semfticlichen  als  uf  cle 
Und  fich  ouch  nicht  verirre, 
Nach  von  dem  weg  fich  virre: 
5275  Do  von  gar  unverdrozzen 
Der  felbe  weg  begozzen 
Ift  gar  in  hoera  mute 
Mit  Criftes  rotem  blute. 

Den  weg  irkennen  wolde 
5280  Der  wol  jach,  als  er  folde: 
‘Herre,  czeig  mir  dine  weg, 

In  den  ich  kranc  man  und  treg 
Alle  cziet  gar  ficherlich 
Dir  nach  volge  in  din  rieh!’ 
5285  In  dem  weg  er  ringlich  get, 

Do  er  fprichet  unde  vlet: 

‘In  dinem  weg,  almechtic  Got, 
Herre  myn,  der  dinen  gebot 
Bin  ich  fo  luftig  worden 
5290  Als  in  aller  fchecze  horden.’ 

[132  a]  Ouch  daz  rote  Criftes  blut 
Geftrout  in  dem  wege  vrnt 
Betet  an  alles  virren 
Daz  fi  fich  icht  verirren 
5295  Di  in  dem  wege  wandern 
A’or  einem  und  den  andern. 

Der  fich  verirret  fere 
Dan  von  dem  weges  lere, 

Als  Salomon  der  wife 
5800  Git  offenbar,  nicht  life, 

Der  muz  under  hunen  won, 

Daz  ift  under  tuveln  don; 


5242.  d’r. 

5244.  houek  aus  honk. 

5245.  G «n  Got  aus  anderm  Buchstaben. 
5250.  draben  — droben. 

5253.  nrex  aus  nwei. 

5262.  r gl.  r.  13  hie  nf  dirre  werlde  fe. 

5266.  in  aus  en. 

5267.  fper  aus  fpere. 

5274.  weg  fich  auf  Basur. 

5276.  begeozxen. 


5281.  Ps.  86, 11.  88. 

5285.  rlglich  ans  rlclich. 

5287.  Ps.  119,  *5. 

5288.  gebot  aus  gobob 
5293.  B6tet  aus  Bitet. 

5298.  es  1 tn  wege*  lere  auf  Basur. 

5301 — 2.  w5n  : dSu.  Das  übergeschrie- 
bene e hat  wohl  keinen  Lautwert,  sondern  soll 
blofs  die  Kürzung  erklären.  Vgl.  bot*  5053. 


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83 


Daz  fint  di,  als  Amos  fait, 

Der  hochvart  gar  unverczait 
5305  Aller  demut  gar  beroubt, 

Di  der  armen  lute  houbt 
Als  einen  ftoub  czuriben 
Und  kundiclich  vertriben. 

Der  benante  weg  czu  dank 
5310  Ift  von  purpur,  ein  ufgank 
Clar  von  golde  czu  dem  fimz 
Salomonis,  wol  vernimz, 

[132  b\  Do  Crift  gar  unverriczet 
Czu  Gotes  czefme  ficzet, 

5315  Der  mit  finer  bimelvart 
Nwe  himel  vroude  czart 
Engil  und  di  lute  Tarn 
Larte,  als  im  wol  anczam. 

Hic  incipit  fextum  figillum 
fcilicet 

de  fancti  fpiritus  raiffione. 

Als  ich  di  fchrift  bevrage, 

5320  Set,  an  dem  fechften  tage 
Schuf  der  hochgelobte  Got 
Den  menfch  uz  der  erden  mot 
Und  blis  im  yn  czu  fture 
Mit  fines  geiftes  vure 
5325  Eine  feie,  di  daz  lebn 

Gibt  dem  lichnam  und  daz  webn 
Und  gibt  funderliche  ampt 
Den  geliden  allentfampt: 


Den  oren  liorn,  den  ougen  fen, 
5330  Kan  ich  eigentlichen  fpen, 

Der  nafen  ruch,  der  czungen 
fmak, 

Sprechen  ouch  di  czunge  m&k, 
[133  a]  Den  henden  grif,  de»  vuzen  gang, 
Czwar  des  herczen  fint  gedank. 
5335  Nu  fich,  wo  czu  valle  qwam, 

Und  wir  in  im,  der  erfte  ftam, 
Mit  fechs  werken,  fich,  den  val 
Widertet  der  eren  gral: 

Mit  der  menfchheit,  di  er  bar 
5340  Enphiug  von  der  meide  clar, 

Mit  der  reinen  toufe  fin 
Und  mit  finer  marter  pin, 

Mit  fim  ufirftende  czart 
Und  mit  finer  himelvart 
5345  Und  mit  fines  geiftes  kumpht. 

Mit  den  fechfen,  fait  vernumpht, 
Recht  als  mit  fechs  tagen  clar, 

Di  al  di  werld  irvrowen  gar, 

Hat  Got  den  menfch  irluchtet 
5350  Und  fine  fei  durch  vuchtet 
Mit  des  heilgen  geiftes  regn, 

Der  di  finen  under  wegn 
Nicht  lezet,  ern  durch  vlize 
Und  luterlich  durch  gize 
[133b]  Beide  feie  und  den  lieb. 

5356  Wen  er  heizet  leit  vertrieb 
Und  ein  trofter  in  der  not, 

Wer  fin  darbet,  der  ift  tot. 


5303.  di  aus  fi  auf  Rasur.  Amos  2,  7. 
5304  auf  Rasur. 

5306.  vd  krndiclich. 

5310.  v in  vfgank  aus  ändert n Buch- 
staben. k aus  c. 

5311.  fimz  aus  Ums. 

5312.  rtümz  aus  v'nims. 

5318.  alf  aus  alfo.  im  über  der  Zeile 
nachgetragen. 

5320.  fechften  aus  rechten. 

5325.  daz  au«  da. 


5331.  cznmgeu. 

5333.  de.  wzen  aus  wfen. 

5335.  vor  w in  wo  (aus  wol)  ein  Grund- 
strich ausradiert.  Als  der  erste  Stamm  tu 
Ralle  kam  und  wir  in  ihm,  da  machte  der  eren 
gril  den  Fall  wieder  gut. 

5336.  W. 

5350.  wehtet. 

5351.  regn  aus  regen. 

5356.  heizet  aus  heizeit 

6* 


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84 


Der  nam  ift  im  gegeben: 

5360  Ein  leben  allir  leben. 

Do  von  wold  ich  luczil  fain, 
Wolde  mir  genade  tain, 

Indem  fechften  ingefigel, 

Daz  fo  vefte  heit  den  rigel 
5365  Daz  6n  nicht  reget  myn  ver- 

numplit, 

Von  des  heilgen  geiftes  kumpht 
Czu  den  jungem  bobn  ir  lioubt: 
Wen  fi  woren  gar  beroubt 
Genczlich  al  ir  uzer  luft, 

5370  Durch  daz  fo  czuhant  irbruft, 

Ir  feien,  ire  geifter 
Der  meifter  aller  meifter 
Enczunte  und  enprante 
Und  6u  von  himel  fante 
5375  Alle  fprach  in  vures  vlam: 

Iclich  menfch  alda  vernam 
[134a]  Sine  czunge  funderlich; 

Der  werld  was  daz  wunderlich. 
Gotes  geift  irvullet  fat 
5380  Des  ertriches  fchibe  hat. 

Wizzet  daz  der  heilge  geift 
Hat  der  fuzen  namen  meift, 

Daz  di  worheit  valfches  an 
Werlich  wol  beczugen  kan. 

5385  In  ewangelio  man  hot 

Daz  der  heilge  geift  ift  Got 
Und,  als  find  Johannes  giclit, 


Lebn  der  werlde  unde  licht. 
Er  ift  der  allir  befte 
5390  Den  imant  ie  gewefte; 

Under  meftem  kunften  rieh 
Nymawd  im  mak  wefen  glich; 
Vingir  Gotes  cefmen  hant, 
Trofter  und  der  falden  phant, 
5395  Der  genaden  erczetie 
Sünder  alle  fimonie. 

Wo  er  in  der  werlde  czoit, 

Do  ilt  er  der  armen  voit; 

[«4  6J  Ja  der  funnen  wider  glaft, 

5400  Ift  der  feien  fuzer  gaft, 

Aller  gäbe  milder  mut, 

Der  wol  al  der  werlde  tut, 

Der  femphtlich  uberfuzet 
Und  allen  kummer  buzet, 

5405  Ein  troftheilbernder  trefera 
Und  ein  trat  himel  befem, 

Der  ab  ftricliet  allen  ftoub 
Und  tut  grünen  als  ein  loub 
Von  des  fuzen  meien  tou 
5410  Di  feien  fclion  in  fuzer  fchou; 
Waz  gute  und  waz  felekeit 
Himel  und  di  erde  treit, 

Daz  ift  er  aller  dinge. 

Man  lefe  oder  finge, 

5415  Man  tichte  oder  fchribe, 

So  kan  nimand  fin  fchibe 
Triben  uf  ein  ende  gancz. 


5365.  en  aus  in.  reget  aus  rege. 

v'nnpht. 

5369.  vier  aus  vier. 

5374.  fn  aus  in. 

5375.  alle  aus  alles.  wre«. 

5377.  Hinter  Ivnd'lich  ist  der  werld 
(Anfang  der  nächsten  Zeile)  getilgt. 

5378.  waf  aus  w&z. 

5379.  irwllet. 

5383.  vallchel  an  aus  valfche  Tarn. 

5386.  Joh.  4,  24.  geilt  aus  geilte«, 
ilt  am  Rande  nachgetragen. 


5388.  Joh.  1,4. 

5392.  Nymad  au»  Hymad. 

5395.  erczetie  au«  erezdie. 

5397.  über  czoit  g getilgt! 

5403.  lemphtlich  aus  lemphtliche.  v 
in  vb'  auf  Rasur.  Ivzet  aus  Ivzen. 

5405.  oder  crelem? 

5411.  e stoischen  v und  t in  gvt  über- 
geschrieben. 


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85 


Geift  ift  Got  an  allen  fchrancz! 
Set,  wen  do  daz  ertricli  was, 
5420  Als  ich  in  der  glofen  las, 

[135  o]  Beid  itel  unde  lere 

Und  aller  ding  uramere 
(Den  menfch  ich  meine,  der  do 
was 

Dürre  worden  als  ein  gras 
5425  Und  ouch  itel  und  ummer, 

Allir  guten  vruchte  1er 
Durch  fine  groze  funde 
Von  der  genaden  unde), 

Set,  di  vulte  er  fo  vol 
5430  Mit  nicht  anders,  ab  ich  fol 
Sprechen,  den  mit  im  felbe. 

Der  fuze  galt  nicht  velbe 
Hat  an  alle  Tiner  vrucht; 

Nicht  der  feien  brengit  czucht 
5435  Und  fi  vullet  wenne  Got, 

Daz  er  wol  bewiTet  hot. 

Beide  itel  unde  1er 
Ift  di  feie  und  ummer, 

Di  jo  ift  Gotes  mangel; 

.5440  Ouch  ein  vil  gretik  angel 
Si  verfnidet  in  den  tot, 

Ir  en  helfe  den  uz  not 
1/35  5]  Mit  genaden  allir  meift 

Der  vil  vrone  heilge  geift. 

5445  Wer  nu  des  wil  geruchen, 

Der  darf  nicht  verre  fuchen 
Des  heilgen  geiftes  vuer; 

Wen  werlich  wol  czu  ftner 


5418.  Geift  aus  Geilte*.  ift  am  Rande 
nachgetragen. 

5419.  was  aus  waz. 

5423.  meine  aus  mein. 

5429.  wlte. 

5435.  wllet. 

5439.  i in  Di  nachträglich  eingesetzt ; Der? 

5447.  vuer  ans  wer. 

5448.  ftrvrer. 


Hat  genczlich  fin  genade 
5450  Irvullet  gar  gerade 

Daz  ertrich  und  ir  fchibe; 
Ouch  nimant  ift  der  blibe 
Und  behalde  fich  bi  nam 
Vor  der  grozen  hicze  vlam. 
5455  Do  irvullet  fumczic  tag 
Worn  von  oftern,  als  ich  fag, 
Di  junger  funder  galle 
Blibn  bi  en  ander  alle. 

Merket  daz  di  aide  e 
5460  Gar  verw’urfen  ift  nu  me 
Und  verfmeet  als  ein  gift. 

Abr  di  andir  nwe  ftift 
In  des  gelubdis  arche 
Recht  als  in  einem  farke 
[136  a]  Sten  ewiclichen  hübet, 

5466  Daz  si  nimand  vertriebet. 

Ja  mein  ich  der  kirchen  kift, 
Di  gebuwet  felbe  Crift 
Hat  mit  finem  blute  rot, 

5470  Inder  man  daz  lebnde  brot 
Und  das  ofterliche  lam 
Gibt  czu  nizen  in  dem  nam 
Jefu  Crift  der  werld  czu  troft, 
Daz  fi  uf  der  helle  roft 
5475  In  jamer  icht  enkumen; 

Daz  lebnde  brot  kan  vrumen 
Czu  dem  ewiclichen  lebn. 
Merket,  do  irvullet  ebn 
Nu  worn  di  fumfczic  tage, 

5480  Di  junger,  als  ich  Tage, 


5450.  Irwüet. 

5455.  irwllet. 

5457.  tunder. 

5469.  in  in  fine  auf  Rasur. 

5473.  d'  über  der  Zeile  nachgetragen. 

5477.  en  lebn  auf  Rasur. 

5478.  ir  wllet. 

5479.  Nu  am  Rande. 


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86 


Bi  en  ander  woren,  wan 
Nimand  miffen  fal  doran. 

Do  fi  vlon  und  Grift  begolm 
Und  en  lizen  in  dem  clobn, 

5485  Der  junger  algemeine 
Geloube  was  do  deine. 

[J36  6]  Abir  do  en  Crift  erfchein 
Nach  dem  uf  erftende  rein, 

Gar  vefte  fi  da  worden 
5490  Indes  gelouben  orden. 

Mit  handen  fi  fich  nomen 
Und  czu  Jerufalem  q women; 
Vrolich  von  der  himelvart, 

Als  fi  hatte  Crift  gelart, 

5495  Si  des  gelubdes  beiten 
Und  fich  dor  czu  gereiten 
Mit  vle  und  mit  gebete, 

Dor  an  fi  bliben  ftete 
Durch  des  heilgen  geiftes  kumpht, 
5500  Daz  der  ervulte  ir  vernumpht 
Mit  libe,  mit  genaden 
Dort  von  der  hiuiel  graden. 

Beide  niutes  und  der  ftat 
Vereint  fi  worn  an  valfchen  grat 
5505  Bi  en  ander  funder  phnift, 

Recht  als  jenen  den  da  ift 
Ein  hercze  vru  und  fpote 
Und  eine  fei  in  Gote. 

[137 a\  Wen  noch  den  gedunken  myn 
5510  Daz  lute  bi  en  ander  fyn 
An  einer  ftat  und  wanken 
Czweitragnde  mit  gedanken, 

Daz  ift  andirs  nicht  wen  wo 


5481.  hinter  woren  Strich  und  l'unkt. 
vor  dem  w in  wan  ein  Grundstrich  ausradiert. 
wan  — man. 

5483.  Über  das  o in  vlon  ist  v ge- 
schrieben. doppelt  gesetztes  Crift  gestrichen. 
5500.  erwlta. 

5507.  hercze  aus  hecze. 

5509.  den  aus  dem. 

5513.  ift  am  Rande  nachyetragen. 


An  einer  ftat  fich  famnen  jo 
5515  Hund  und  wolve  um  ein  os 
Oder  um  ein  todes  ros, 

Di  an  der  ftat  fich  laben, 

Ouch  giere  mit  den  raben, 

Di  fich  dorumme  biezen, 

5520  Czu  czerren  und  czu  riezen, 
Welcher  daz  grozer  ftucke 
Behalde  czu  gelucke. 

Alfuft  tun  ouch  di  affen, 

Di  munche  und  di  phaffen, 

5525  Hazzes  und  ouch  nides  vol, 

Di  fich  durch  den  fetten  kol 
Ouch  um  di  ampmet  denen; 

Vil  deine  fi  fich  fenen 
Nach  des  heilgen  geiftes  vlam. 
5530  Di  junger  nich  in  fulchen  dram 
[137  b]  Qwomen  von  der  himelvart, 
Vrolich  fi  der  vrouden  czart 
Wol  warten  mit  gerete; 

Mit  vle  und  mit  gebete 
5535  Nicht  fi  fuchten  me  wen  Got, 
Der  allein  czu  fendin  hot 
Den  heilgen  geift  czu  fture 
Den  di  da  fint  gehure. 

.Als  alle  wazzer  duzzen 
5540  Und  fnelle  fich  irguzzen, 

Suft  von  dem  himel  fnelle 
Der  heilge  geift  gar  helle 
Quam  mit  eim  geludme  dar 
Und  daz  hus  ervulte  gar 
5545  Do  fine  junger  fozen 

In  andacht  wol  czu  mozen 


5515.  Hand  aus  Hunt. 

5518.  giere  aus  gire.  den  aus  dem. 

5519.  biezen  am  Rande  für  biizen. 

5528.  hinter  vil  Punkt . 

5530.  fulcher  aus  faleh. 

5537.  heilgen. 

5539—50  zum  gröfseren  Teile  auf  Rasur. 

5543.  d in  der  aus  anderm  Buchstaben. 

5544.  hnf  aus  hnz.  wlte. 


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87 


Von  des  heilgen  geiftes  kumpht, 
Als  nns  fait  der  lerer;  numpht 
So  vil  hab  wir  daz  er  quam 
5550  Snelle  und  von  himel  lam, 

[WS«]  Und  mit  eim  geludme  groz 
Quam  er  in  des  liufes  fchoz. 
Snelle  quam  er  ficherlich 
Durch  di  fache,  merke  mich, 

5555  Daz  funder  und  di  touben 
Gancz  betten  den  gelouben, 

Wi  verre  fi  verirret 
Sich  hetten  und  gevirret 
Von  himel  bernden  unden 
5560  Mit  iren  grozen  f unden, 

Daz  fin  vinger,  fine  hant 
Wer  alumme  bi  der  want 
Und  clophte  alfo  ftille, 

Ab  im  ein  guter  wille 
5565  Wolde  ein  fpeldel  offen. 

Der  funder  fal  des  hoffen 
Daz  er  czu  hant  guzze  drin 
Der  genadin  wider  fchin, 

Der  gar  alle  vinfternis 
5570  Und  aller  fände  cluternis 
[138  b]  Dan  uz  der  feie  triebet 

Und  fi  mit  tugnt  durch  fchribet. 
Ouch  er  von  dem  himel  fwanc 
Uz  der  ftat  fyn  luter  blank, 

5575  Der  meifter  kunften  riche, 

Daz  er  di  weld  wol  gliche 
Lerte  ein  rein  leben  train 
Und  den  funden  wider  fain. 

Ouch  mit  eim  geludme  qwam 


5580  Der  heilge  geilt  und  fin  vlam, 
Daz  er  in  den  jungem  fin 
Czu  der  predigote  fyn 
Irhube  ein  gefckelle 
Ken  allem  ungevelle. 

5585  Wen  fet,  alfuft  fait  der  pfalm: 
‘Ir  geludme  und  ir  galm 
Wart  al  umme  wiet  bekant 
Und  ging  uz  in  alle  lant.’ 

Ouch  dem  galme  volgte  nach 
5590  Luter  bichte,  daz  gefchach, 

[i39a]  Wen  ir  rede  iczunt  was 

Von  des  heilgen  geiftes  blas 
Werlich  ein  yn  euer  ftark, 

Daz  iz  hiezte  durch  daz  mark 
5595  Mit  grozer  libe  ruer, 

Daz  en  Got  Grift  czu  ftuer 
Sante  an  alle  wette, 

Als  er  gelobet  hette. 

Wen  der  heilge  geilt  ift  der 
5600  Von  dem  Crift  fait  fnlche  mer: 
‘Wen  der  geift  der  worheit  kumt, 
Alle  worheit  uch  der  vrumt’ 

Und  lert  uch  an  allen  ftriet 
Alle  worheit  di  czwar  liet 
5605  An  eime  guten  leben, 

An  guter  lere  eben 
Und  an  worem  gerichte 
An  aller  crumme  fchichte. 

Set,  mit  burnder  libe  goz 
5610  Got  Crift  in  der  junger  fchoz 
[139  b]  Mit  der  worheit,  als  du  weift, 
Williclich  den  heilgen  geift, 


5548. 

Lucas  in  Act.  Apost.  X,  1. 

5582. 

e in  pdigote  aus  o. 

5549. 

wt 

5586. 

Ps.  19,  4. 

5550. 

hinter  Snelle  Punkt 

5593. 

wver  aus  wer. 

5560. 

i m iren  auf  Rasur. 

5594. 

iz  am  Rande  nachgetragen. 

5563. 

ftille  auf  Rasur. 

5595. 

wver. 

5565. 

ein  fpeldel  aus  eine  fpalde. 

5596. 

in  aus  in. 

5566. 

def  am  Rande  für  daz. 

5601. 

Joh.  16,  13.  kvflit. 

5667. 

5571. 

das  erste  % in  gvzzt  aus  f. 
f in  feie  au»  anderm  Buchstaben. 

5605. 

eime  aus  eine. 

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88 


Von  dem  fi  fo  enpranten 
Daz  fi  alleine  wanten 
5615  Hin  czu  Gote  al  ir  ge r, 

Und  in  Got,  dem  wunderer, 
Lieb  fi  hatten  alle  ding; 

Aber  Got  ob  allen  ring 
Si  hatten  üep  von  herczen 
5620  An  allerleie  merczen 
Mit  gar  getrwen  liften, 

Liep  ouch  ir  eben  criften 
Si  hatten  als  fich  felbe 
An  alles  meiles  velbe. 

5625  X>er  meifter  heizet  meifter 
Der  finer  junger  geifter 
In  eim  ougen  blicke  glich 
Machte  alfo  kunften  rieh 
Daz  fi  aller  kunften  hört 
5630  Hatten  und  doch  in  kein  wort 
[140  a]  Benzen  horten  fprechen. 

Alfus  kan  heimlich  brechen 
Und  in  di  hercze  flingen 
Des  heilgen  geiftes  ringen. 

5635  Was  daz  nicht  ein  groze  gunft 
Daz  fi  künden  alle  kunft, 

Di  vifcher  und  di  leien, 

Do  von  fi  wurden  meien 
Und  uz  lazen  kunften  hört? 
5640  Soft  fi  euren  allez  vort 
Und  taten  waz  Got  wolde, 

Und  fchulden  waz  der  holde 
Got  von  himelrich  befchalt, 
Von  der  gäbe  manicvalt 
5645  Wen  von  allir  uzer  luft 
Was  beroubet  ire  bruft, 

Und  do  von  als  ein  czunder 


Si  woren  alle  munder, 

Wol  gefchicket  ebne  glich 
5650  Czu  enphane  redelich 
[740  6]  Des  heilgen  geiftes  vunken, 

Di  alfo  gar  durch  funken 
Ir  feien  und  ir  finne 
Beid  uzen  und  ouch  inne 
5655  Mit  der  fuzen  fuzekeit, 

Daz  fi  wedr  lieb  noch  leit 
Nu  und  czu  keiner  ftunde 
Von  Got  gefcheiden  künde. 

Got  fi  jo  üblich  meinten 
5660  Und  vruntlich  fich  vereinten 
Mit  im  und  in  finem  nam 
Mit  irn  ebencriften  fam. 

Merket,  vor  der  marter  grat 
Di  einunge  Crift  erbat, 

5665  Do  Crift  jach:  ‘myn  vater,  fich, 
Vor  fi  ich  nu  oppher  mich, 

Daz  fi  alle  hüben  ein 
Und  an  alle  funde  rein, 

Als  du  vater  ein  in  mer 
5670  Und  ich  fun  ouch  ein  in  der, 
[441  a]  Daz  fi  in  uns  beiden  ein 
Alfo  hüben  algemein 
Vereinet  in  der  laden 
Alleine  der  genaden 
5675  Und  nicht  in  naturen  ein, 

Als  ye  werlde  ein  erfchein 
Vater,  fon  und  heiüc  geift, 

Ein  in  der  naturen  meift.’ 

Wer  daz  einen  wil  verften, 

5680  Der  muz  wol  ftudiren  gen: 

Ich  wil  mich  des  nicht  fchemen, 
Er  muz  di  fchrift  vernemen. 


5616. 

dem  aus  den. 

5661. 

im  auf  Rasur. 

5621. 

gar  aus  gan. 

5665. 

Joh.  17, 1.  21.  23. 

5622. 

Liep  oech  auf  Rasur. 

5676. 

ye  am  Rande  für 

5640. 

waren.  allez  aus  alles. 

aus  irfchein. 

5646. 

waf  aus  waz. 

5679. 

daz  aus  di. 

5654. 

vxen  aus  vfen. 

5682. 

muz  aus  mus. 

irfchein 


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89 


Ilort,  fibenleie  gäbe 
Ob  alles  goldes  habe 
5685  Gotes  vinger  und  fin  hant 
Al  der  werlde  tet  bekant. 

Di  gaben  vernumphten  hac 
Suzen  baz  wen  ballern  fmac; 

Mit  der  falbe  di  fi  train 
5690  Und  glich  al  der  werlde  tain, 
[liib]  Si  den  menfchen  tun  gefunt. 

Von  des  heilgen  geftes  munt 
Der  falbe  wiet  irgozzen 
Vil  mancher  hat  genozzen. 

5695  Wer  fi  numet,  der  wirt  heil. 
Wol  der  werlde_  ift  fi  veil, 

Daz  gelobt  di  kirche  meift; 

Si  git  daz  der  heilge  geift 
Ift  ablaz  allir  funde. 

5*00  Dem  funder  ich  daz  künde 
Daz  er  an  dem  arczte  nicht 
Czwivel  durch  di  keine  fchicht. 
Wen  ein  lerer  wol  gefit 
Von  dem  arczte  alfo  git: 

5705  ' Wen  ich  von  fuche  quele, 

Ich  ficherlich  bevele 
Dem  der  mich  an  allen  flac 
Heilen  wil,  kan  unde  mac.’ 

Er  wil  iczunt,  ab  du  wilt; 

5710  Ab  er  din  es  willen  fchilt 
[U2a\  Verharfcht  ken  im  nicht  vindet, 
Sin  kuuft  fich  underwindet 
Diner  wunden,  als  er  kan. 

Und  fi  heilet  funder  wan. 

5715  Ouch  find  Auguftinus  fpricht, 


Von  des  meirters  macht  bericht: 
‘Dem  arczte,  alfo  echtic 
Und  alfo  gar  almechtic, 

Keine  fuche  wider  vert 
5720  Nibn  ern  heil  fi  uninvert. 

Nu  merket  von  den  fchulden 
Wi  gar  ingrozen  hulden 
Hatte  er  di  werlt  gemein, 

Der  ir  einen  arczt  fo  rein 
5725  Ho  ubr  ein  vremdez  alben 
Mit  fibenleie  falben 
Sante  alfo  hulfenrich, 

Der  alfo  gar  volliclich 
Heilte  beide  fei  und  liep 
5730  Gar  an  aller  liande  kiep. 
f«4  6]  Der  fiben  falben  gäbe 

Sint  czwar,  ab  ich  nicht  fnabe, 
Geift  der  vorchte  Gotes,  fich! 
Nicht  vintlich  noch  grimmeelich, 
5735  Sam  vinde  vor  den  vinden 
Vor  vorchte  wollen  fwinden, 
Sünder  als  wo  behibe 
Durch  rechter  czucht  in  libe 
Ein  vater  fin  fonil  czart, 

5740  Suft  fal  wefen  wol  bewart 
Ken  Gote  unfer  vorchte. 

Di  ander  gäbe  worchte 
Salbe  den  geift  der  gute 
In  mildiclicher  blute; 

5745  Di  dritte  geift  der  kunften 

Durch  vlozzen  gar  mit  gunften; 
Di  virde  geift  der  fterke, 

Ab  ich  wol  rechte  merke; 


5686. 

bekant  aus  behkant. 

5711. 

ken  ira  aus  kein  in. 

5687. 

hac  aus  hat. 

5720. 

vnirwcrt  aus  vnd  irwert. 

5692. 

heilgen  aus  hilgen. 

5725. 

vremdez  aus  vremdiz. 

5693. 

wiet  aus  wit. 

5728. 

gar  aus  ga. 

5696. 

ift  aus  iz. 

5731. 

Jes.  11,  2. 

5699. 

Tande  aus  fanden. 

5741. 

Ken  aus  Kein. 

5705. 

über  u in  fuche  ein  v? 

5707. 

mich  vor  dem  ist  ausgestrichen, 

nach  d' 

am  Rande  nachgetragen. 

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90 


Di  fumfte  geift  des  rat  es, 

5750  Der  nicht  in  im  hat  grates; 
[usa]  Di  fechfte  geilt  der  numphte, 
Vil  kan  der  felben  kumphte; 
Di  fibnde  geift  der  wifheit, 
Smackes  vol  in  fuzekeit. 

5755  Nu  wiffet  wi  di  falben 
Wol  heilen  allenthalben: 

Di  vorchte  Gotes  leczet 
Di  hochvart  und  entfeczet; 
Gute,  di  in  milde  tait, 

5760  Beide  nit  und  haz  verjait; 

Abr  daz  wizzen,  daz  ift  kunft, 
Gar  vervlouget  czornes  dunft; 
Abr  der  geift  der  fterke 
Trogheit  vertriebt,  daz  merke! 
5765  Rat  verjait  mit  ficherheit 
Allen  dürft  der  girekeit; 

Di  vernumpht  czu  rechter  foz 
Twinget  beide  gicz  und  vroz; 
Di  wifhet,  daz  ift  fo  vil, 

5770  Wer  daz  rechte  pruven  wil, 
[143  b]  Inner  fmak  an  allez  leit 
Ewiclicher  fuzekeit, 

Di  gar  alle  uzer  ding 
Triebet  uz  des  herczen  ring. 
5775  Des  bnanten  arcztes  haut, 
Vaters  und  des  Tonis  bant, 
Heilig  geift,  ir  beider  glut, 

Alle  cziet  gibt  wollen  gut. 
Gotes  fun  gar  figehaft, 

5780  Beide  wifheit  und  craft, 

Tut  wiffen  waz  fie  gute 
In  bernder  rurchte  blute. 


5743.  def  au  d‘. 

5760.  haz  aus  haz. 

5771.  allez  aus  allis. 

5773.  rzer  aus  vfer. 

5775.  arcztes  aus  ancztes. 

5778.  wellen  aus  willen. 

5779.  fvn  aus  fon. 


Der  vater  almechtic  czwar 
Gibt  macht  czu  vol  brengen  gar 
5785  Daz  er  wil  und  ouch  weiz  gut: 
Stift  den  menfch  er  felig  tut. 
Snzer  vrunt,  der  werde  gaft, 

Der  rather,  der  wifheit  glaft, 
Starker  helfer,  hely  Got, 

5790  Ein  und  dry  in  einer  wot, 

[144  a]  Immer  me  gelobet  fi 
Alle  finer  gaben  vri! 

Hic  incipit  feptimnm  fi- 
gillum  fcilicet 

De  die  iudicii. 

Daz  fibnde  ingefigel  bloz 
Sait  uns  von  dem  tage  groz 
5795  In  dem  fich  hebt  ein  ofen 
Den  guten  und  den  bofen. 

Daz  gelobet  alle  fchrift, 

Di  nu  ftet  uf  nwer  ftift, 

Geiftlich  an  alliz  rofen 
5800  Von  Gote  in  geblofen, 

Daz  di  czu  fchanden  werden 
Di  hi  uf  dirre  erden 
Czu  wege  brengen  ane  czil 
Irrens  unde  wirrens  vil, 

5805  Als  jene  di  jo  wonten 
Und  fo  doran  bedonten 
Daz  fi  ouch  daz  befchriben 
Und  dor  an  ftete  bliben, 

[144  b]  So  daz  di  werld  ewic  fie; 

5810  Ouch  fi  claften  al  da  bie 
Daz  di  feien  liden  nicht 


5782.  wurcbte  aus  wrchte. 

5790.  wot  für  bot 

5803.  wege  aus  weg. 

5804.  w’rens. 

5810.  al  aus  alle.  da  am  Rande  nach- 
getragen. 

5811.  Daz  aus  De*,  liden  aus  Uten. 


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91 


Durch  di  keinerhande  fchicht; 
Ouch  fi  hatten  den  gedank 
Daz  ir  bofheit  groz  und  lank 
5815  Hin  ginge  mit  dem  ryne 
An  allerleie  pyne. 

Set,  do  ken  ein  wifer  fpricht: 
‘Keine  bofheit  blibet  nicht 
Ungepinet  endelich.’ 

.5820  Do  bi  wiffet  ficherlich: 

Di  guttete  ouch  ir  Ion 
Enphet  und  irwirbet  fchon. 
Nicht  me  ich  gefagen  mag. 
Grimmeclich  kumt  Gotes  tag 
5825  Yol  czornes  und  unwerde. 

Czwar  nymand  lebt  uf  erde 
Er  muze  funder  gecken 
Des  tages  fer  irfchrecken. 

[i«n]  Wer  ift  ouch  fo  vervlizzen 
5830  Der  den  tac  kunne  wizzen? 
Czwar  nymand  wen  Got,  der 
jach: 

‘Waz  ho  bobn  der  himel  dach 
Der  vater  mit  tifem  rat 
Hat  in  finer  majeftat 
5835  Geordent  und  gefchicket, 

Mit  ewekeit  verczwicket 
Von  cziet  und  von  den  ftnnden, 
Daz  bat  nach  nimand  vunden 
Und  ouch  nimand  vinden  mak.’ 
5840  Suft  fag  ich,  der  leite  tak, 

Wen  gemeinlieh  der  fal  wefn, 
Lnczil  hab  ich  des  gelefn; 

Idoch  dife  werld  czurgat, 

Als  unfer  geloube  ftat. 


5814.  Daz  aus  D&T. 

5815.  ginge  aus  gingen,  ryne  aus  rime. 
5817.  hinter  ken  ein  durchstrichener 

Punkt. 

5830. 

5832. 

5834 
5840. 


5845  Wizzet,  als  di  lerer  jen. 

Vor  dem  jungften  tag  gefchen 
Etteliche  czeichen  groz 
Gar  an  allen  wider  ftoz. 

[1Mb]  Der  ich  wil  gefwigen  nu, 

5850  Idoch  fo  vil  wizze  du 
Daz  der  lefte  Gotes  tac 
Einem  dieb  fich  glichen  mac 
Durch  ungewiffe  ftun  den. 

Daz  ift  in  glofen  vunden 
5855  Und  ouch  in  dem  texte,  fit 
Do  von  der  apoftil  git: 

* Gotes  tac  in  fulcher  acht 
Als  ein  dieb  kumt  bi  der  nacht.’ 
Des  fal  man  ken  im  wachen 
5860  Und  regen  hi  di  bachen 
Mit  erbeit  an  underlaz 
Und  mit  beten,  wizze  daz: 

Unfe  herre  fprichet  fo 
In  dem  ewangelio. 

5865  Der  dieb,  ab  ich  nicht  vele, 

Nicht  kumt  wen  daz  er  ftele, 
Ouch  morden  und  verlifen 
Wir  an  dem  dibe  kifen; 

[U6a]  Den  ungewarnten  ftilt  der  dieb 
5870  Allez  daz  man  nu  hat  lieb. 

Do  von  git  Jefus  alfo 
Abr  in  ewangelio: 

‘Set,  als  bi  Noe  jaren 
E vor  der  fintvlut  waren 
5875  Beid  ezzer  unde  trenker, 

Biflefer  und  ouch  czenker 
Recht  bis  zu  dem  tag  bi  nam 
Daz  Noe  in  di  arke  quam, 


5853.  vngewiffe  aus  vngewitze. 

5856.  I.  Thessal.  5,  2. 

5859.  Des  aus  Daz.  ken  aus  kem. 
5868.  wir  aus  w\ 

5873.  Matth.  24,  37—39. 

5877.  Recht  am  Hände.  tag  aus  tage, 
nam  aus  bi  namen. 


kufie  aus  kvne. 

Matth.  24,  36. 

— 48  eum  Teil  auf  Rasur.  bi 

ich  am  Rande  nachgetrajen. 


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92 


Dennoch  czwar  di  toren  nicht 
5880  Irkanten  di  keine  fchicht, 

Biz  daz  nu  di  fintvlut  quam 
Und  fi  alle  hinnen  nam. 

Suft  kumt  ouch  des  menfchen 
kint 

Uf  di  noch  fint  alfo  blint 
5885  Und  ouch  hloz  der  felekeit 
Daz  fi  lian  kein  ander  cleit 
An  allein  der  funden  liadr, 

Hart  verwimmert  als  ein  vladr.’ 
[146  b]  Ouch  di  blozen  man  irflet, 

5890  Wen  der  ftriet  al  imune  get, 

Als  von  den  bofen  unverdait 
Got  czu  Jeremiam  fait : 

‘Samne  fi  als  eine  hert 
Czu  erflahne  in  unwert!’ 

5895  ‘Di  irflagn  verlnft  der  tag’ 

In  Job  ich  daz  nemen  mag, 

‘Wo  i£t  der  bloze  menfch  verhert 
Und  fo  endelich  verczert?’ 

‘En  ich  fuchte,’  git  der  pfalm, 
5900  ‘Und  um  einen  deinen  halm 
Vand  ich  uindert  fine  ftat.’ 

Suft  verftubet,  als  ein  blat 
Von  fcharfem  norden  winde, 
Hochvart  und  ir  gefinde. 

5905  Ouch  in  der  fchrift  gar  dicke 
Der  tag  fich  eime  ftricke 
Glichet,  fich  do  von  alfo 
Abr  in  ewangelio: 

[147a]  ‘Merket  und  di  feie  nert, 


5910  Uwer  hercze  nicht  befwert 
Mit  trunkenheit,  mit  vraze 
Czu  vel  in  ubermaze, 

Ab  ir  nicht  wolt  irworgen! 

Ouch  mit  der  werlde  forgen 
5915  Uch  bekümmert  nicht  czu  vil, 

Daz  uch  icht  ein  bofe  fpil 
Snelle  kume  uf  den  nak, 

Daz  uch  vugt  der  lefte  tag! 

Wol  in  dime  kerczen  wig 
5920  Daz  der  tag  kumt  als  ein  ftrik!’ 
Uf  alle  di  an  wiczen 
Hi  in  ertriche  ficzen, 

Sich  dirre  ftrik  verczwicket 
Und  al  di  werld  beftricket. 

5925  Nymand  im  mak  enphlien 
Noch  mac  6n  nicht  czuczien; 

Den  ftric  fi  mufen  dulden 
Di  funder  groz  von  fchulden 
[147  5]  An  ende  in  der  helle 
5930  In  jamers  nngevelle. 

Gotes  kinder  abir  alfo 
Sprechen  und  mit  yreuden  jo: 
‘Der  ftricli  ift  gar  czuriben; 

Des  fi  wir  über  bliben 
5935  Und  fin  ficherlich  irloft 
Von  der  bittern  helle  roft.’ 

Ouch  fuld  ir  daz  beforgen 
Daz  ding  di  nu  verborgen 
Sint  hi  uf  difer  erden, 

5940  Aldort  gar  offen  werden. 

Durch  daz  fich  der  lefte  tag 


5888. 

Hart  aus  Har. 

5889. 

blozen  aus  bloz. 

5893. 

Jerem.  12,  3. 

5897. 

ift  über  Rasur.  bloze  atu  bloz. 

5899. 

l’s.  37,  36.  E m En  aus  anderm 

Buchstaben. 

5907. 

hinter  Glichet  Komma. 

5909. 

Luc.  21,  34 — 35. 

5911. 

trunkenbeit  aus  trunkeit 

5912.  Tel  ata  vil. 

5913.  wolt  am  Hände  nachgetragen. 
5916.  o in  befe  auf  Rasur. 

5918.  wgt. 

5931.  abir  am  Rande  für  ausgestrichenes 

nicht. 

5932.  Vor  fprechen  ist  Di  gestrichen. 
vnd  am  Rande. 

5933.  l’s.  124,  7. 


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93 


Einem  lichte  glichen  mag, 

Als  ich  di  fchrift  bekiccze. 
Ouch  einem  mittags  bliccze 
5945  Glichet  lieh  der  leibe  tac. 

Daz  di  ferift  beweren  mac, 
Wen  aldort  in  Genefi 
Ift  befchriben  daz.  ja  wi? 

[ a]  Ern  Josephs  brnder  dachten 
5950  Czu  höre  nnde  brachten 
Mit  im  mancherleie  gab 
Von  der  allerbeften  hab 
Di  fi  mochten  gewinnen. 

Bi  dem  fal  man  befinnen 
5955  Di  uz  erwelten  alle, 

Di  reine  werk  an  galle 
Oppheren  den  vil  waren 
Jofeph  und  Got,  dem  claren. 
Do  der  eren  prizbejac 
5960  Ging  hin  yn  um  mitten  tac 
Mit  finen  brudem  vrifche 
Czu  ewiclichem  tifche, 

Sich,  in  dem  mittags  blicczen 
Gar  funder  allez  nicczen 
5965  Werden  feil  fin  ougen  dar 
Alle  ding  gar  offenbar; 

An  dem  tage  wirt  fulch  licht, 
Als  der  wizfag  uns  vergicht, 
[J48 6]  Sich,  daz  ken  des  lichtes  acht 
5970  Kt  diz  leben  als  ein  nacht. 


Hi  des  andern  fambitzkeit 
Nymand  weiz  uf  rainen  eit, 
Ouch  czwar  nymand  is  fo  gries 
Der  do  muge  keine  wies 
5975  Des  andern  hercze  wizzen. 

Der  wieffag  git  vervlizzen: 
‘Menfchen  hercze  ift  fo  tief 
Daz  is  weder  fpriz  noch  brif 
Ervorfchet  noch  durch  gründet. 
5980  Wer  ift  der  iz  irkundet 
An  Got  eine,  der  weiz  wol 
Alle  hercze?’  ab  ich  fol 
Daz  sprechen  als  ich  vinde 
Und  in  der  fchrift  enpliinde, 

5985  So  fal  nymant  vernichten 
Den  andern  weder  richten. 

In  dem  benanten  lichte  dar 
Di  gerechten  anevar 
[149  a]  Got  in  der  himel  owen 
5990  Irkeunen  und  befchowen, 

Abr  di  ungerechten  fich 
Werden  betrüben  bitterlich, 
Wen  fi  Got  dort  ane  fehn, 

So  beginnen  fi  ouch  jen 
5995  Von  vorchte  und  vor  grimme 
Mit  clegelicher  ftimme: 

‘We  uns,  wir  han  gefundetl’ 

So  werden  fi  verfpundet, 

Und  verbunden  wirt  ir  fchoz 


5942.  mag  aus  mac. 

5969. 

ken  aus  kein.  des]  daz. 

5943.  bekicke  : blicke?  Ebenso  59(13 

5974. 

hinter  keine  Hasur. 

blicken  : nicken  (li.).  Oder  sind  bekickzen, 

5975. 

h’cze  auf  Hasur. 

njekzen  Intensirbildungen  zu  kicken,  nicken? 
5946.  ferift  am  Hände  nachgetragen. 

für  iz. 

5977. 

Jerem.  17,  9 — 10.  ift  am  Hände 

5947.  Genefij  so! 

5978. 

fpriz? 

5949.  I Mos.  43,  15. 

5955.  erwelten  aus  irwelten. 

staben. 

5979. 

E in  Eruorfcbet  ausaiuierm  Buch- 

5957.  oppberen  aus  opphern. 

5980. 

iz  aus  is. 

5963.  blicczen  aus  bliccze. 

5985. 

Luc.  6,  37. 

5964.  In  heiler  brend’  hiccze  ausgestrichen 

5989. 

owe  aus  owen. 

und  dafür  am  untern  Hände  vom  Korrektor  der 

5992. 

w'den  aus  w’dn. 

neue  Vers  geschrieben. 

5967.  Apocal.  22,  55. 

5997. 

Van.  9,  5. 

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94 


6000  Dort  mit  ungewiter  groz. 

"Von  verrens  kumt  Gotes  wort 
Mit  czwein  f werten,  fich,  der  ort 
Von  grozern  zorne  brinnet. 

Ir  funder,  daz  belinnet! 

6005  Wen  iz  fint  vil  berte  mer 
Und  czu  tragen  alczu  fwer, 

Nach  fwerer  vil  czu  liden: 

Wen  vreiflich  die  fwert  fniden 
[H9  6]  Gar  fcharf  czu  beiden  ecken. 

6010  Nimand  fich  mac  bedecken 
Vur  im  czu  keiner  ftunde, 

Wen  fi  gen  uz  des  munde 
Der  ho  liczet  uf  dem  tron 
Mit  gewaldiclicher  cron. 

6015  Vur  dem  ungewitere 
Ich  vil  fere  eitere. 

Wil  manz  nennen  einen  regen, 
Als  uns  fait  der  pfalm  irwegn: 
‘Regn  beginnet  dicke 
6020  Hi  uf  den  funder  ftricke.’ 

In  Job  fo  gefchriben  liet: 

*Uf  fi  regnen  wirt  ftark  ft  riet.’ 
Efechiel  der  fchriebet 
Daz  er  mit  regne  triebet 
6025  Uf  di  funder  gemeine 
Unmozen  groze  fteine. 

Der  erfte  regn  verczwicket 
Di  funder  und  beftricket, 

Daz  fi  nindert  mugn  geczin, 

6030  Si  och  dem  weter  nicht  enphlin; 
[150  a]  Der  ander  regn  fich  vlizet 
Daz  er  fchentlich  verwizet 


Den  fundern  al  ir  funde; 

Der  dritte  ift  urkunde 
6035  Daz  fi  funtlich  irfterben 
Und  immerme  vorterben 
Und  verwifchen  als  ein  wint, 
Wen  fi  genaden  einic  fint. 
Oucli  daz  ungewiter  me 
6040  Oft  man  nennet  einen  fne. 

Job:  ‘wer  hi  vorcht  den  riefen, 
Ein  fne  wirt  6n  begrifen.’ 

Al  di  ungewiter  czwar 
Befluft  Yfaias  gar: 

6045  ‘Uf  vertumte  corpir  jait 
Ein  groz  donir  unverdait 
Wen  mit  den  bofunen  fchrect 
Und  di  toten  uf  irwect 
Uz  der  tifen  erden  gruft 
6050  Mit  den  donirflegen  luft, 

Di  erde  mit  dem  flotem, 

Mit  biben  und  mit  fchottern, 
[150  6]  Winde  mit  den  fturmen  ftark 
Und  daz  mer  mit  vlagen  ark, 
6055  Daz  vner  mit  der  fpicze 
Un  lidelicher  hicze.’ 

Alle  di  ich  han  genant 
Rechte  mit  gemeiner  hant 
Vreiflich  di  funder  raren 
6060  Und  jemerlich  czu  vuren. 

Idoch  e der  vlagen  roft 
Han  di  funder  einen  traft 
Daz  er  kumt  von  verrens  her. 
Wol,  daz  wir  nach  unfer  ger 
6065  Bin  des  um  vride  denken 


6005.  Til  aus  wil. 

6000.  Gar  am  Rande. 

6010.  N in  Nim&d  auf  Rasur. 

6011.  in? 

6013.  tron  aus  trone. 

6014.  cron  an«  crone. 

6020.  der  aus  den.  Ps.  10,  7:  plnet 


6022.  Hiob  SO,  23. 

6024.  lltstk.  38,  22. 

6037 — 88.  wint : fint  auf  Rasur. 

6041.  Hiob  38,  22. 

6045.  frei  nach  Jes.  24 — 30. 

6055.  TTrer. 

6056.  vn  lidelicher  aus  vud  lidelicher. 


super  peccatores  laqueos. 


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95 


Und  uns  czu  Gote  lenken! 

Wen  gToze  not  uns  anet, 

Do  von  Amos  uns  manet. 

Er  git:  ‘lampet  uch  in  ein 
6070  ln  einen  gelouben  rein 

Und  czu  houfe  kumt  czu  kant 
In  heizer  fuzer  libe  braut, 

E daz  gebot  czu  bringe 
Den  tac  der  uch  verdringe 
[ui  a]  Und  czu  riebe  als  ein  loub, 

6076  Daz  irltibet  als  ein  ftoub 
Vor  der  Türen  winde  vlag, 

Der  do  bleft  uz  Tiner  lag.’ 
"Wen  Got  czut  czu  gerichte, 
6080  Vor  Tinem  angeTichte, 

Al  um  ein  vwer  burnet, 

Daz  Tine  vind  irczurnet. 

Der  erden  eTtrick  glichet 
Daz  fuer  und  beTtrichet; 

6085  Gar  ouch  daz  fuer  munder 
Icliches  werk  beTuuder 
VorTuchet  uf  daz  leite; 

Des  Telben  fures  gleite 
Irluchtit  alle  winkel, 

6090  Wo  weile  oder  tinkel 
Liet  under  Tpru  behalden 
In  hundert  tuTent  valden, 

Daz  wirt  allis  offenbar, 

Daz  ilt  Tichirlichen  war. 

6095  Di  guten  und  di  boTen 

Sich  Tcheiden  und  czu  loten 
[J5J  6]  Und  muzen  gemeinlich  kumn 


Czu  Tchine,  als  ir  hat  vernumn. 
Set,  als  ich  han  gelprochen, 
6100  Daz  fuer  unverrochen 

Berg  und  tal  macht  gliche, 

SuTt  git  der  lerer  riche. 

Nicht  alleine  Tilber,  golt, 

Dem  di  luete  weTeu  holt, 

6105  Dor  an  ouch  in  wider  Ttrit 
Al  ir  hoffenunge  lit; 

Nicht  allein  die  hufer  ho, 

Der  Ti  Tint  von  herczen  vro, 
Hit  allen  dingen  di  do  Tint 
6110  Gar  lieb  al  der  werlde  kint; 
Sünder  ouch  de»  vullemunt, 

Di  gebirge,  uf  den  grünt 
Daz  fuer  gar  verbrinnet. 

Ein  wifer  man  befinnet 
6115  Daz  der  riehen  eren  haft, 

Gotes  wifheit  und  Tin  craft, 
[H2a]  An  alle  wandelrue 

Daz  ertrich  gar  vernue 
Und  noch  dem  gerichte  halt 
6120  Im  gibt  ein  vil  Tchon  geTtalt. 
Uns  durch  Ylayas  munt 
Daz  tut  unTe  herre  kunt: 

‘Sich,  ich  Tchepphe  nue  liiml 
Und  nue  ertrich  ane  Tchiml, 
6125  Di  ich  heize  vor  mir  Iten, 

Und  Tuln  nimmerme  czu  gen.’ 
Der  erTten  wirt  vergezzen. 

Di  nue  Ttat  gemezzen 
ln  ApocalipTi  hat 


6070.  einen  aus  einnen. 

6071 — 6072  umgestellt  und  durch  b 
richtig  gestellt. 

6071.  kamt  aus  kam. 


608t. 

6096. 

6098. 


beftrichet  aus  beftichet. 
Sich  aus  Si. 
ich  im;  aus  fchin. 


Vnomen. 


vnuma  aus 


6073. 

nachgetragen. 

gebot  auf  Rasur. 

ein  am  Rande 

6108. 

6111. 

hinter  y6  Rasur. 
(1  wllemflt. 

6074. 

Den  aus  D’. 

6123. 

Jes.  66,  22. 

6079. 

Uven. 

6125. 

vor  aus  von. 

6081. 

slaben. 

b in  bsrnet  aus 

andern i Buch- 

6129- 

-6132  stehen  auf  Rasur. 

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96 


6130  Johannes  mit  wifem  rat, 

Mit  reinekeit,  mit  «irde. 

Er  git  nach  wunFches  girde: 

‘Di  ftat  ubermezic  riech 
Wirt  dem  reinen  glafe  glich 
6135  Und  glich  dem  claren  golde, 

Als  er  Ti  haben  wolde 
[152  b]  Der  fi  uz  geczirkelt  hat 
Inder  hoen  trinitat.’ 

Ey  wi  wirt  iz  denne  gen, 

6U0  Und  wi  wirt  der  funder  Iten, 
Wen  er  den  rieht  er  bobn  im  fit, 
Czornic  werlich  daz  gefchit, 

Und  fit  under  im  den  flunt 
Offen  in  der  helle  grünt, 

6145  Und  fit  czu  der  rechten  hant 
Sine  Funde  wol  bekant, 

Dien  lefterlich  beclagu 
Und  von  Fchuldiu  en  beFagn; 

Czu  der  linken  hant  mit  quäl 
6150  Tuvel  fit  er  ane  czal, 

Di  en  in  di  helle  czin, 

Und  den  mac  er  nicht  enphlin; 
Er  fit  oucli  fin  Famwic.zekeit, 

Di  geczugnis  ken  em  treit, 

6155  Daz  er  recht  und  redelich 
Si  vortumet  endelich; 

053  a]  Ouch  fit  er  ken  im  czuroen, 

Di  werld  czu  male  burnen 
Daz  fuer  ouch  Fo  munder 
6160  Dort  iclich  werk  beFunder 
Verfocht,  als  man  in  der  glut 
Ouch  verrucht  welch  golt  Fi  gut. 
Und  wer  uf  den  vullemunt, 


6131.  crirde. 

6135.  Apocal.  21,  18 — 21. 

6139.  wi  am  Rande  nachgetragen. 

6154.  ken  aus  kem. 

6157.  ken  aus  kein. 

6159.  Hinter  mild'  ist  dort,  der  Anfang 
der  nächsten  Zeile,  getilgt.  Duz  fuer  gehört  dni 
xotroC  als  Accus,  su  er  fit,  als  Nom.  ru  verfnclit. 


Daz  iFt  des  gelouben  grünt, 
6165  Bwet  holcz,  heu,  Ftnppel,  Ftro 
(Daz  Fint  ringe  Funde  jo), 

Di  muzen  kummer  dolen 
(Daz  is  gar  unverholen,) 

Idoch  von  des  fures  joch, 

6170  Abr  Fi  werden  Felic  doch. 

Abr  wer  uf  den  grünt  fo  holt 
Buwet  Filber  unde  golt 
(Daz  fint  werk  der  libe  groz 
Rechter  1er  au  wider  Ftoz) 

6175  Und  edel  tur  gerteine 

(Daz  Fint  di  tugnt  gemeine), 
[153  6]  Dem  wirt  dort  geneme  Ion. 
Werlich  vor  ir  dineft  fchon 
Man  darf  do  nymand  eiden, 
6180  Criften,  Juden,  noch  beiden, 
Iclicher  wirt  da  vunden 
Und  ouch  wol  uberwunden 
Allein  mit  den  werken  fin. 
Wen  daz  fuer  wirt  fo  fyn 
6185  Und  alfo  gar  durch  fichtec, 

So  vreiflich  und  fo  gichtec 
Von  Gotes  licht  karvunkel 
Daz  vinfter  noch  fo  tunkel 
Ni  kein  ding  uf  erden  wart, 
6190  Nibn  des  Felben  fures  art 
Iz  gemeiulich  offenbar 
Al  der  werlde,  daz  ift  war. 

Abr  di  allir  dinge  Fint 
Selic  und  gar  felge  kint 
6195  Und  gar  heilic  ficherlicb, 

Den  di  libe  volliclich 
Dort  alle  Funde  decket 


6161.  v'fucht  all"  aus  v'fach  al. 

6163.  I.  Cor.  3, 12 — 15.  wlleuiüt. 

6169.  70  umgestellt. 

6180.  hinter  Criften  und  irden  PunH. 
6191.  Iz  au*  Ift. 

6193.  C. 


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97 


Und  feliclich  beftecket 
Da  binnen  in  dem  herczen 
G200  Oancz  mit  der  bichte  fmerczen 
Und  uzen  mit  der  buze 
Si  bezzert  ane  muze, 

So  daz  Got  li  vort  nicht  me 
Sit  czu  keiner  räche  we, 

6205  Nach  li  fit  czu  beclagen 
Me  von  des  tyvels  lagen. 

Dor  umme  ift  daz  fache 
Daz  innen  fich  bewache 
Der  funder  und  fich  richte, 

6210  So  wirt  er  czwar  mit  nichte 
Immerme  gerichtet  vort 
Dort  vor  des  gerichtes  ort; 
Und  beclait  er  felbe  fich 
Mit  der  bichte  inninclich, 

6215  So  wirt  er  nicht  beclaget 
Wen  iz  czu  jungeft  taget. 

[mb]  Bezzert  er  ouch,  als  er  fol, 
Gote  und  der  kirchen  wol 
Und  fpricht  Gotes  lob  mit  vle, 
6220  Er  wirt  felic  immerme. 

Di  leider  daz  verrumen 
Und  nicht  uz  herczen  rumen 
Sunde,  bofheit,  miffetat 
Nach  der  clugen  lerer  rat, 

6225  Di  werden  gar  czu  fchanden; 
Wen  daz  beginnet  anden 
Got  aln  czu  angefichte 
In  dem  leften  gerächte, 

Wen  er  fprechen  wirt  alfo 
6230  Von  erft  czu  den  felgen  jo: 
‘Kumet  in  mins  vater  rieh, 


Ir  gebenedieten  glich, 

Wen  ir  hat  mich  ni  betrübt 
Und  hat  volliclich  geübt 
6235  Werk  der  barmeherczekeit; 

Ir  hat  mich  vor  vroft  gecleit, 

[155  a]  Gefpifet  und  getrenket, 

Ouch  hat  ir  mir  gefehenket 
Und  hat  mich  czu  hus  geladn; 
6240  Nu  kumt  vrolich  czu  genaden 
Mines  vater  und  enphat 
Vroude  di  nicht  me  czurgat!’ 

Aber  czu  der  linken  fchar 
Wirt  der  richter  fprechen  czwar: 
6245  ‘Get,  vervluchten,  ungehuer 
In  daz  ewicliche  vuer! 

Ir  wolt  mich  ni  begruzen, 

Noch  keines  kummers  buzen, 

Des  get  durch  di  gefchichte 
6250  Von  minem  angefichte 
Dort  hin  indes  tnvels  haft 
Von  der  heilgen  gefellefchaft, 

Get  ouch  von  der  heimlichkeit 
Allir  engil  wol  gemeit, 

6255  Get  in  immer  wernder  not 
Von  dem  leben  in  den  tot!’ 

[155  6]  ni  hat  diz  puchel  ende. 
Almechtig  Got  genende, 

In  einekeit  gedriet, 

0260  Gelobt,  gebenediet 
Si  in  hoer  trinitat 
Glich  in  einer  majeftat! 

Gelobt  fi  des  vater  macht! 

Gelobt  fi  der  uns  irvacht 
6265  Au  dem  crucz  mit  turem  Ion! 


6198. 

beftecket  am  vTtecket. 

6245.  Matth.  25,  41—43.  46. 

G220. 

wirt  am  wir. 

6249.  gefchichte  aus  gefchichten. 

6221. 

C. 

6253.  Get  aus  Got. 

6227. 

tot  und  hinter  aln  Punkt. 

6256.  w'nde'. 

6230. 

den  atu  dem. 

6258.  almechtig  au*  almechtic. 

6231. 

Matth.  25,  34—36. 

6259  — 6260  eersteUt  und  durch 

6239. 

hnf  aus  hnz. 

richtig  gestellt. 

DcuUcbe  Text*  de«  Mittelalter«.  IX.  7 


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98 


Gelobt  li  des  geiftes  don, 
Der  fnellen  wazzer  duzet 
Glich,  wor  er  lieh  irguzet! 
Gelobt  fi  di  unverczait 
6270  Gotes  muter  ift  betait 
Inbernder  fuzer  fchowe! 
Mait,  allir  himel  vrowe, 

Hilf  daz  der  von  himelberk 
Alle  finer  Wunderwerk 
6275  Der  fechs  tage  alfo  vort 


Czu  dem  fibnde»  tage  dort 
[löGa]  Helfe  von  der  vinde  dru 
Uns  in  ewicliche  ru! 

Sechs  tag  fint  fechs  ingefigl 
6280  Dort  hin  czu  dem  fibnden  rigl 
Geordent  und  gemezzen. 

Got,  czu  dem  obent  ezzen 
Uns  hilf  uz  difm  eilende! 

Hi  hat  diz  buchel  ende. 


Explicit  libellus  feptem  figillo 
rum  finitus  anno  domini  IkfÖÖÖ 
xxx]  in  vigilia  afeenfionis  ad 
laudem  dei  et  matris  eius  gloriofe 
virginis  Marie  et  ad  honorem 
fratrum  de  domo  Theutunica  et  precipue 
magiftri  generalis  eiufdem  ordinis 
videlicet  domini  principis  de  Brunf 
wig  per  magiftrum  Tylonem  de  Culmine 
conpilatus. 


6266.  don  aus  ton.  aus  der  Teufel  Gewalt  zum  ewigen  Frieden 

6272.  urowc  aus  wrowe.  verhelfe ! 

6273.  Hilf,  dafs  Gott  die  Wunderwerke  6270.  fibnde. 

der  G Tage  zum  siebenden  fort  führe  und  uns 


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Namenverzeichnis. 


Abigail  1337. 

Abraham,  Abrain  1365.  1372. 
1406. 

Adam  188.  191.  255.  285.  298. 
3485. 

Agar  3457. 

Ainos  5303.  6068. 

Andreas,  Apostel  1217. 
AntoniuB,  sente  2568. 
Apocalipsis  6129. 

Araby  1068. 

Aron  1599.  1641. 

Aman,  der  Presbyter  Arius  892. 
Augustinus  5715. 


Bananias,  inner  rat,  geheimer 
Hai  des  Königs  David  2463. 
Harra baa  4340. 

Bartholomeus,  Apostel  1219. 
Berne,  Dieterich  von  3474. 
Brimswlc,  der  vurst«  von  78. 


David  779.  1333.  2380.  2420. 
2404.  3143.  3510.  3513. 

Dieterich  von  Berne  3474. 


Ecclesiasticus  3918. 

Egipten  4656;  Kgipten  laut 
1071.  1363.  1527.  2372.  3168. 
3322. 

Egiptier  2319.  4780. 

Eliseus  ‘2201.  2211. 


Elizabet,  Elzebet,  die  heilige  I 
83.  121. 

Emanuel  1283. 

Esaa  3318. 

Eva  197.  259.  263.  279.  574. 
2304. 

Exodus  1546.  1803. 

Ezechiel  2512.  3169.  6023. 


Gabriel  1284. 
Galilea  4348. 
Gedeon  1620.  1624. 
Genesis  1300.  5947. 
Golias  3145.  3149. 


Heilant  1462. 

Helias  4469. 

Herodes  4347.  4353.  4383. 
Holofernes  3962. 


Jacob,  Erzrater  1718.  1721. 
Jacob,  Jacobus,  Apostel : niht 
der  kleine  (=  Zebeilaei)  1226 : 
der  minste  (=  Alphaei)  1231 . 
Jeremias  3885.  5892. 

Jericho  853.  1926.  2152. 
Jerusalem  2151.  5492. 

Jesus,  Jliesus  2650.  2655.  2679. 
2689.  2774.  2781.  2791.  2797. 
2815.  2824.  2828.  2841.  2842. 
2851.  2857.  2864.  2869.  2882. 
2895.  3173.  3370.  3371.  3404. 
3791.  3848.  3880.  3982  4140. 


4251.  4288.  4317.  4335.  4339. 
4386.  4442.  4460.  4532.  5223. 
5871. 

Jesus  Crist  1384.  2806.  2850. 
3438.  (Crist  Jesus)  3821.  4298. 
4609.  5473. 

Jesus  Got  2855.  2880.  2939. 

2943.  2973.  2976.  4468. 

Job  3488.  3734.  5896.  6021. 
6041. 

Johannes,  Apostel  1227.  4457. 

5387.  6130. 

Jonatan  4068. 

Jordan  3035.  4404.  5175. 

Joseph,  der  heilige  1928. 

Joseph,  Sohn  Jacobs  3165.  3322. 
5949.  5958. 

Isaias  784.  1278.  1875.  2171. 

2387.  4148.  6044.  6121. 
Isboseth  (Yboseth)  3959. 
Ismahel  3317. 

Israhel:  die  sune  Israhel  4812; 
di  Israhelen  1857.  4658;  Isra- 
hele  diet  1806.  4515. 

Judas,  Judas  Ischariot  3746. 

3765.  3797.  8817.  3820.  38112. 
Juden  1821.  1826.  1887.  1906. 
2696.  2771.  3798.  3879.  3888. 
4334.  4338.  4342.  4589.  4597. 
4600.  5180.  6180. 

Judit  3960. 


C'aiu  3315. 
Kaiphas  4151. 


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100 


N ameuverzeichnis. 


Cherubin  845. 

Crist,  Kriat,  Cristns  99.  102. 
104.  113.  1156.  1186.  1225. 
1627.  1798.  2310.  2373.  2388. 
2417.  2485.  2498.  2524.  2682. 
2702.  2733.  2958.  3017.  3103. 
3112.  3222.  3264.  3277.  3290. 
3313.  3333.  3345.  3355.  3363. 
3389.  3405.  3425.  3491.  3502. 
3506.  3527.  3593.  3641.  3658. 
3673.  3679.  3690.  3712.  3716. 
3718.  3740.  3763.  3803.  38ia 
3859.  3883.  3886.  3902.  3968. 
4039.  4137.  4175.  4183.  4189. 
4253.  4277.  4311.  4343.  4356. 
4358.  4374.  4444.  4485.  4488. 
4523.  4538.  4544.  4552.  4580. 
4586.  4623.  4634.  4647.  4651. 
4669.  4675.  4740.  4743.  4751. 
4753.  4797.  4829.  4837.  4852. 
4888.  4892.  4918.  4960.  4990. 
5015.  5024.  5063.  5098.  5112. 
5116.  5195.  5263.  5278.  5291. 
5313.  5468.  5483.  5487.  5494. 
5600.  5664.  5665;  — Got  Crist 
96.  1817.  1825.  2508.  2652. 
3032.  3117.  3128.  321G.  3392. 
3481.  3553.  3926.  4574.  4715. 
4802.  4893.  4984.  5025.  5084. 
5122.  5189.  5596.  5610. 


Lazarus  3703. 

Leo,  Paptt  2490. 

Lncifer  130.  166.  217.  283.  748. 
2294.  5003. 


M&rdocheus  4878. 

Maria,  Jungfrau  37.  56.  868. 

1192.  1323.  1555.  1587.  2123. 
Matheus,  Apostel  1229. 

Mathias,  Apostel  1222. 

Messias  1915. 

Mojses  1547.  1952.  2318.  2926. 


Naaman  4398.  4409. 
Nabal  1331.  1335. 
Nabnchodonossor  1081. 
Nichodemus  3221. 

Jioe  5873.  5878. 


Osea  2525. 


Peter,  Petrus,  Apostel  1216. 
3191.  4058.  4112.  4181.  4191. 
4210.  4225.  4240. 

Pharao  1861.  2320. 


Philip,  Apostel  1232 
Pilatus  4313.  4333.  4345.  4383. 

4441.  4592. 

Prustenlaut  74. 


| Sabaotli  116.  554.  1106.  5231. 
Salomon  837.  1250.  1431*  1596. 

1619.  8156.  5299.  5312. 
Samson  3954. 

Sara  1371.  1383. 

Saul  3142.  4068. 

Seraphin  845. 

Simeon,  der  grise  177a  2978. 

2987.  3024. 

Simon,  Apostel  1220. 

Simon,  ron  Cgrene  4505. 
Siremen  = Sirenen  2431. 

Syon  4728. 


Tadeus,  Apostel  1221. 
Talrooth,  Talmud  1922. 
Thomas,  Apostel  1228.  5011. 


Zachen*,  der  Zöllner  2858. 


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W ortverzeichnis.*) 


alie I,i7.  stm.  3665. 
äbentezzen  »In.  5226.  6282. 
’abeaehache  »Im.  Abgrund  347. 
afterrede  swf.  4174. 
agewis  s.  egewls. 
aht  stf.  Art  und  Weise  5969. 
ahtec  adj.  hochangesehen , hehr 
3XL  676.  5717. 

»hier  »Im.  der  Geächtete  5144. 
alben  stn.  5725  = Gebirge?  ( oder 
= albe  weißet  Chorhemd ? 
rein  hö  Aber  ein  vremilez 
alben  = rein,  weit  über  die 
weißeste  Albe  hinaus  ? H.) 
aleine  cunj.  obgleich  ‘2K7 . 1021. 

1386.  1600.  3239;  aber  685. 
allen Uament  adv.  5328. 
allez,  alles  adv.  immerfort 
3592.  5640. 
almeistec  adj.  3815. 
alwsere  (alber)  adj.  3357.  4159. 

4170.  4352. 
alzebant  adv.  293. 
ament  »In.  (=  ambaht)  3754. 
amme  swf.  2018. 
ammen  »Im.  (=amman)  Beamter 
3350. 

ampmet  »In.  (—  ambaht)  5527. 
ande  adj.  235.  421. 
anderweit  adr.  tum  zweiten 
male  4281.  4291. 


anehanc  stm.  18.  2144.  2244.  I 
3070. 

anen  um.  ahnen  6067  ( oder 
anen  tron  Präp.  ane  = an- 
kommen,  nahe  kommen?). 
anewalt  slm.  2418.  4142;  der 
snnden  a.  = der  Teufel  684. 
anewenden  swv.  zu  seinem 
Nutzen  verwenden?  3751. 
anezemen  swv.  geziemen  2635. 
5318. 

anczilckcn  swv. : sichanez.  e gen. 
Anspruch  auf  etwas  machen 
3755. 

anna-me  adj.  2969. 
arke,  arebe  stswf.  1660.  2938; 
gelubdis  a.  (=  arca  foederis 
L Mos.  10,  XI)  1660.  5463. 


b4be  stf.  altes  Weib  302. 
backe,  bache  swm.  Backe:  die 
bachen  regen  mit  erbeit  und 
beten  5860;  die  backen  ge- 
zonmen  und  betwingen  die 
Backen,  Kinnladen  der  Pferde 
zäumet i und  zwingen  736. 
balsamsmac  stm.  1747.  5088. 
balsamvaz  stn.  1241. 
halt  adj.  furchtlos,  kühn  1197. 
ban  slm.  Bann  569.  948.  1774. 


4639;  snnder  ban  ohne  Zwang 
4352. 

bar  adr.  offenbar  2055.  4284. 
4800.  5339. 

♦bedintlich  adr.  (=  bediuteclich) 
2638. 

bedonen  sujv.  leben  4167.  5806 
(Hiob). 

befigurieren  swv.  1545.  1593. 

1629.  3005.  3111. 
begangen  pari.  adj.  betroffen, 
in  Verlegenheit  1473.  4336. 
begeben  stv.  in  Stich  lassen 
5483;  die  begebenen  Kloster- 
leute 3758. 

behende  adj.  4942.  4953. 
behouwen  sie.  5737. 
hchullen  swv.  1775. 

*bekicczen  swv.  ( Intens . zu 
bekicken  oder  Fehler  des 
Schreibers  dafür?)  5943. 
♦bekicken  swv.  5943? 
beklecken  swv.  682.  3669.  4174. 
beklemmen  mm.  3.53. 
bekor  stf.  Versuchung  4012. 
bekormre  (bekorcr)  stm.  733. 
bekornnge  stf.  3980.  3992.  4008. 
benam  adr.,  r gl.  binam. 
beuant  pari.  adj.  234.  309  426. 
503.  558.  1088.  1233.  2238. 
2433.  2766.  5775.  5987. 


*)  Ein  * vor  dem  Wort  zeigt  an,  daß  es  bei  Lewer  fehlt.  „(Hiob)u  bezieht  sich  auf  das 
Wortrerzeiehnis  in  W.  Müllers  Vits,  über  die  md.  poet.  Paraphrase  des  Buches  Hiob  1882. 


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102 


Wortverzeichnis. 


bemiomen  sirr.  nennen  1647. 
4066. 

berifen  gwv.  mit  Keif  überziehen, 
bildl.  betören,  betrügen  8840. 
berihten,  sich,  »irr.  sich  ver- 
tragen 4367. 

bcrlcn  »irr.  schmücken,  zieren 
4276. 

bern  »fr.  mir.  entstehen,  kom- 
men 142. 

besagen  stev.  anklagen  6148. 
besameneu  »irr.  4278. 
beschatzcn  »irr.  berauben  3450. 
bearbeiten  sie.  verwerfen,  für 
schlecht  erklären  5643. 
bescherreu  ste.  vollscharren  406. 
beschirm  stm.  Bemäntelung  300. 
Schutz  4043. 

beschrlben  slr.  aufzeichnen  4150. 
4190. 

beschützen  sirr.  1668. 
besengen  sirr.  4968. 
besinnen  st r.  erkennen  5954. 
6004.  6114. 

besnideu  slr.  2733.  2744. 
besnlden  «in.  2681.  2690.  2604. 
3107. 

besorgen  sirr.  bedenken  4638. 
5937. 

bespinnen  ste.  umfassen,  ein- 
schliefsen  61  (Hiob). 
bestecken  »irr.  6198. 
bestrichen  stc.  gleichmachen 
6084. 

bestricken  »irr.  umstricken, 
fesseln  6028. 
beswieren  »irr.  5910. 
beswern,  Bich,  ste.  sich  ver- 
schwüren 3370. 

Iietagen  «irr.  gebären,  werden 
lassen  1749.  1912.  6270. 
be taget,  betait  pari,  adj.:  junc 
b.  1587. 

betreten  stc.  ( auf  der  Tat)  be- 
treten ‘200. 

betnon  sie.  beicirkm  5293. 
beüzen,  bfizen  ade.  1610.  2308. 

5631  (Hiob). 
bevallen  sie.  inir.  1474. 
bevom  adv.  zuvor  481. 


bewachen  s irr.  vernehmen,  wissen 
2133.  3737.  4638;  sich  b.  6208. 
beweeren  stev.  462.  4942.  5946. 
bewellen  sie.  beflecken  2933. 
bewerren  sir.  verwirren  405. 
2933. 

bezlhen  ste.  zeihen,  beschuldigen 
1929. 

bezzern  »irr.:  einem  b.  spenden 
6217. 

bezzerunge  stf.  Bufse,  J. Ösegeld ; 

b.  tnon  Lösegeld  geben  3493. 
♦bibilde  »in.  2042.  2500. 
bildet  »in.  5077. 
binaro,  benam,  beuamen  adv. 
206.  1304.  1399.  2280.  2470. 
2491.  2709.  5453.  5877. 
biwort  sin.  Spruch  3155. 
blanc  adj.  5048. 
blaue  «In.  Glanz-,  sin  lflter  blnnc 
5574. 

blas  sin.  Fachei  (oder  bl  äs  stm.  ?) 
3087.  5592. 

»blüete  stf.  Blüte  1609.  2777. 
3414  (in  diesen  d Fällen  kann 
auch  bluot  stf.  gemeint  sein); 
der  krefte  blote  3512. 
hoben  adv.  968.  1643.  1722. 

3701.  5028.  5070.  5367.  5832. 
bort  stm.  Hand,  Ufer  5262. 
horte  »irm.  Gürtel  4047. 
brechen  sir.  inir.  irren  L 2227; 
abfaUen : priester  die  niht 
brechen  gläubige  l’riester2SM; 
Irans,  verführen  200.  5632; 
sich  br.  sich  worauf  richten 
1378. 

brehen  (brin)  sir.  145,  1932. 

311».  3234.  .3568. 
brehen  »In.  2857.  3179.  3234. 
4188.  5040. 

*breme  Sief.  Hornstrauch  4089 
(Fischer-Benzon  altd.  Garten- 
llora  199:  brema  =-  rntras 
Brombeergesträuch;  Schiller- 
Liibben  1,  420 ; H.  Sachs  22. 
488, 28  (Müller,  Hiob,  setzt 
br&me  an). 

brennen  stev.  4184;  mit  dienstc 
br.  848. 


brirdekeit  stf.  601. 
bruch  stm.  3306;  Untreue  886. 
brfls  stm.  4137. 
brttstel  stn.  1273. 
büezen  »irr.  3694;  m.  Hat.  d. 
Vers.  u.  Gen.  d.  Sache  den 
Btlen  aller  swrere  b.  2816; 
schiebe»  b.  1682. 
bnoz  stm.  3686. 

burde  stf.:  des  garten  b.  die 
Arbeit  im  Garten  3434. 
buruen  sirr.  6158. 


dam  stm.  Verdammnis?:  dnmmcs 
stric  3877. 
danc  stm.  5309. 
degen  stm.  4587. 
deucliche  adv.  3.  2990.  4331. 
denen,  sich,  sirr.  sich  bceifem, 
streben  5527. 
diecb  stn.  2200. 

diezen  slr.  rauschen  5539 ; seinen 
Ursprung  nehmen  387.  4631. 
diemrre  (diner)  stm.  Ministrant 
3869. 

dingen  stn.  Hoffnung  5145. 
dinsternisse  rgl.  tüsternisse. 
Mwrnheit  stf.  Horngestrüpp  1415. 
draben  »irr.  traben  3592. 
draben  rgl.  droben, 
dram  stm.  Drangsal  5530  (Hiob). 
dreu  s.  dronwe. 

drie  stf.  Dreiheit  287.  1246.  1556. 
dries  (drys)  odr.  3252.  3260. 
dringen  slr.  Ir.  drängen  1623. 
droben  adv.  (=  dar  oben)  5250. 
dronwe  stf.  Drohung  (dro)  2547. 

2853;  (dren)  453. 
drfl  stf.  Fessel  654.  2221.  3459. 
6277  (Hiob). 

durch  c.  gen.  durch  der  (werk) 
2668;  durch  rehter  znht  5738. 
dnrchberlen  »irr.  ausschmucken. 

erfüllen  4372. 
durchgiezen  slr.  5354. 
durchgrilnden  »irr.  4976.  5979. 
durchlescn  sir.  5120. 
durchschriben  sir.  5572. 
dnrehsinken  slr.  5652. 


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I 


dnrchsinnen  »fr.  1836.  1837. 

2058.  3061. 
durchsiahen  sic.  4506. 
durchrliezen  slr.  5353. 
dhrkel  adj-:  d.  6reu  2714. 
düsteruisse  r gl.  tftsternisse. 


ebenkristen,  ebenkrist  stm.  4541. 
5622.  5662. 

•ecken  sirr.  schärfen  5088. 
edelen  »irr.  5127. 
ege  »vis  ad  r.  schrecklich,  furchtbar: 
einem  egewls  ligen  schreck- 
lich auf  ihm  lasten  3930. 
ehtic  adj.  s.  ahtec. 
eigen  wille,  eigen  willen  sirm. 
(stets  als  zwei  Worte  ge- 
schrieben) 2291.  2301.  2303. 
2348. 2442.  eigens  willen  2336. 
einic  adj.  frei  ton:  gen&den 
einic  6038. 

einunge  stf.  Einheit  5664. 
eisen  sirr.  2519. 
eiten  (eiden)  »irr.  brennen  6179. 
elter  stn.  Alter  3028. 
enbern  stv.  230.  960. 
endelich  adj.  eilig,  vergänglich 
4983. 

endelich  ade.  schliefslich  986. 
2358.  3382.  3836.  4939.  5819; 
durchaus  5898. 
engelllch  (engelich)  adj.  812. 
engesten  »irr.  entkleiden  1044. 
rnphinden  stv.  5984. 
ensam  adv.  zusammen  205. 
entbrennen  »irr.  108.  5613. 
entläzen  stv.  3036. 
entreinen  swv.  4350. 
entseben  stv.  611.  3280. 
•entsenften  »irr.  besänftigen  ( mit 
verstärkendem  ent-,  vgl.  ent- 
laden) 3578.  3582. 
entsliezen  stn.  4695. 
entstfn  stv.  auferstehen  3282. 
4648.  4652;  feststehen,  stehen 
bleiben  3631. 

•entswingen  sfr.  738. 
entwerten  str.  entkommen  2565. 
2574.  4437.  4844. 


Wortverzeichnis. 


103 


er  adr.  (=  her)  2342. 

er  stm.  (—  herre)  2987.  3165. 

4068.  5949. 
fr  stn.  Erz  4516. 
erheizen  «irr.  4082. 
erge  stf.  3746. 

ergtn  stv.  gehend  erreichen  5072. 
frin  adj.  2311. 

erkomen  sfr.  erschrecken  3439. 
3642. 

erkrigen  stv.  1370.  4146.  4216. 
erkürnen  »irr.  3030. 
erllden  »fr.  mfr.  163. 
crlonfen  stv.  taufend  erreichen 
5072. 

errcizen  »irr.  aufreizen,  zücken 
4081. 

erstin  stv.  3285. 
erstieben  sfr.  6076. 
ervteren  swv.  überfallen,  er- 
greifen 3932. 

erwegen  part.  adj.  3539.  6018. 
erwinden  stv.  intr.:  e.  an  ge- 
langen zu  3882. 
erworgen  swv.  intr.  5913. 
erzetie  stf.  1671.2811.3546.5395. 
esten  stcr.  (=  asten  eolere, 
atzen  Lerer  L 102)  635. 


f r gl.  v 

gebern  »fr.  intr.  = geboren 
werden  1074.  1141.  1617.2939 
(lliob). 

•geblft»  sfn.  258. 

•gecken  sfn.  Torheit  5827. 
gedehtnisse  stn.  4653. 
gedanken  «irr.  danken  5121. 
gedihte  adv.  dicht,  rasch  1503. 
gednnc  stm.  Bedünken  5509. 
gehbrsam  stf.  2279.  2373.  3327; 

»fm.  2449.  2453. 

•gehuof  stm.  Nutzen,  Vorteil  188. 

geisein  »irr.  4996. 

geisten  swv.  24= 

gelenke  stn.  Lenkung,  Leitung 

652. 

gelf  adj.  34= 

gelinge  stn.  1=  2275.  4750. 


gelonbe  swm.  das  Credo  2617. 
geludme  stn.  5543.  5551.  5579. 
5886. 

genende  adj.  6258. 
gerade  adv.  2911. 
geriete  (gerete)  sfn.  Überlegung 
2808.  5533. 

gerecken  »irr.  ausdehnen  5087. 
gereiten  »irr.  2429.  3161.  5496. 
gerillte  adj.  gerade  3676;  adv. 
253 

gerihte  stf.  Riehtigmachung,  ge- 
rade Richtung  690. 
gerinne  »fn.  Gellüster,  Ge- 
schwätz ‘258.  4233. 
geriuwen  »irr.  intr.  Reue  emp- 
finden 4482. 
geschelle  stn.  5583. 
geschide,  gesell  bl  part.  (von 
schiden  »irr.)  getrennt,  einzeln 
1154.  1234.  3011.  4767;  ab- 
gezweigt  HL 

gcschöz  sfn.  Abgabe  3607. 
gesezzen  part.  adj ■ 5225. 
gesit  part.  adj.  (—■  gesitet)  5703. 
geslifen  sfr.  5089. 

. gespaust  stf.  3122. 
gesprinc  stmn.  146. 
gesteltuisse  stfn.  Gestatt  3042. 
gesunt  »tm.  22. 

I gcsuoch  stm.  Gewinn  3884. 

| getwahen  (getwain)  »fr.  3196. 

gcvach,  gevache  adr.  oft  140. 
I 1230.  1722.  1809.  2742.  3261. 
4637  (Hiob). 

geväcb  adj.  (—  gevfeh)  feind- 
lich 748. 

gevsre  adj.  feindselig  3356. 
gevazzen  stri\:  nit  g.  3768. 
gevegen  »irr.  449. 

♦gewaltigere  stm.  3793. 
gewarsamlich  adv.  3835. 

1 gewenken  »irr.  c.  dnt.  433. 
gewillte  stuf.  689. 
gezinc  sfm.  Zeugnis  2761.  3307. 
geringen  swv.  5037. 
geziugnis  stfn.  6154. 

•gezonmen  »irr.  737  (Hiob). 
giel  stm.  Schlund,  Gefräfsigkeit 
4164. 


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104 


Wortverzeichnis. 


gihtic  adj.  6186. 

gil  slm.  Übermut?  4242. 

♦giramengolt  sfn.  1426. 

*girer  stm.  3774. 
ginden  swv.  prahlen,  großtun 
2414. 

gimlen  stn.  5213  (Hiob). 
giz  stm.  (—  git)  5768. 

•gizlic  adj.  532. 

glanz  adj.  35.  1753.  4225. 

gleste  stf.  6088. 

glitze  stf.  Speer  4224  (Hiob). 

glösieren  «irr.  3872. 

•gnar  = nar?  stf.  4209  ( oder 
stm.  = Nahrungsgenosse, 
commensulis , wie  gemazze  ? 
auch  an  lat.  gnarus  könnte 
m«n  denken.  11.) 

•gotsun  stm.  959. 
gouch  stm.  949. 1058. 1862. 3332. 
gonkelspil  (konkilspil)  stn.  2876. 
4466. 

goukelvnore  (konkelvnr)  stf.  930. 
gräl  stm.  1644.  1653.  3994.  4294. 
5338. 

grät  stm.  Stufe  2086.  5502. 
grät  stm.  Spitze,  Schärfe  4666. 

5504.  5663.  5750. 

•grietec  adj.  5440. 
gris  adj.  grau,  weise  1365.  4270. 
5973. 

griia  stf.  4120. 

gnft  stf.  Freude,  Herrlichkeit 
1130. 

gumpelm&n  stm.  4501.  4602. 
guome  swstm.  Kehle  1324.  2126. 
guottsetc  stf.  5821. 


habe  stf.  Anhalt,  Stutze:  der 
zwivelsere  h.  3832;  Besitz, 
Eigentum  3782.  3786.  3806. 
5174.  5684.  5952. 
hac  stmn.  51;  veruumphten  hac 
(=  vernumpht)  5687. 
bader  stsicm.  Lumpen  5887. 
haft  stm.  Band,  Halter:  der 
fren  haft  1025.  1083.  4753. 
4829.  5065. 
bähen  stv.  4340. 


halt  ade.  1301. 1476.  3345.5243. 
hantgetät  stf.  401. 
hantieren  sice.  478. 
hecken  sic»,  fortpflanzen  2429. 
•heiltröst  stm.  1088.  2778.  3664. 
heiniiiciiEere  stm.  adulator  3849. 
hei  adj.  schtcaeh  2758. 
hellepliorte  swf.  2329. 
bemeren  surv.  4319. 

•hemerer  stm.  4314.  4351. 
•hengel  stm.  Henkel,  Angel 
4041.  -4837.  5217. 
hengen  sirr. : ze  Gote  hengen 
zu  Gott  eilen  (eigentlich:  dem 
Ilosse  die  Zugel  hängen  lassen) 
3133. 

hfrrcn  sic».  4033.  4075. 
herte  stf  Kampf  4025. 
hertelieh  adv.  3955. 
herzeliep  stn.  4228. 

♦hiinelberc  stm.  2668.  3304.3667. 

5070.  6273  (Hiob). 
•himelberndc  part.  adj.  2723. 
3414.  5559. 

♦bimelbeseni  stm.  5406. 
himeldach  stn.  3696. 

•himelgräl  stm.  1282  (Hiob). 
himelkleit  stn.  3iL 
himelphorte  swf  5254.  5261. 
•bimelunde  stswf.  himmlische 
(Gnaden-)  Flut  296.  2472 
(vgl.  von  himel  bernden  linden 
2724). 

•himelvrinnt  stm.  3570. 
•hindnäch  adv.  2803. 
hinne  sicm.  Biese  5301. 
hiuze  (hncze)  adj.  arg  4848. 
hiuzen  (hnczen)  swv.  schlagen, 
schelten  (Frischbier  Pr.  Wb. 
L 308)  4502. 

•höchgewin  stm.  579. 1920. 1966. 

2382.  2708  (Hiob). 
honecvaz  stn.  1418. 
hönliche  ade.  936.  3619. 
horden  sic»,  sich  sammeln,  ge- 
deihen 4438. 

horn  stn.  Sgmbolder  Stärke:  von 
den  h.  bringen  einen  seiner 
Macht  berauben,  ihn  in  seine 
Gewalt  bringen  3369  (Hiob). 


hört  stm.:  schätze«  hört  5126; 
kunaten  h.  5629.  5639;  plur. 
5290. 

honwen  st»,  sculpere  586. 

iemerleben  stn.  ewiges  Leben 
8047. 

tu  legen  sie». : den  namen  in- 
legen, beilegen  2653.  2773. 
in  ligen  stv.  einliegen  (imWochen- 
bett)  2914. 

inner  adj.  vertraut  2466.  5771. 
invinr  stn.  starkes  Feuer  5593. 
itellich  adj.  4079.  4100. 


jfir  stn. : der  genaden  j.  (Jcs.61,2, 
Luc.  4j  lffj.  1659.  2940. 
jerarchie  swf.  777. 
jeten  stv.  908.  3560. 

kaue  sinn.  12. 
kerben  swv.  215. 
kip,  kif  stm.  Eifer,  Trotz,  Wider- 
setzlichkeit 888.  5730. 
kist  stf.  Gefäß  2082;  Inbegriff, 
dient  zur  Umschreibung  des 
einfachen  Begriffs:  Maria, 

reiner  tngende  k.  1244;  aller 
süeze  siiezes  k.  2849;  ver- 
liunften  k.  5086;  der  kirchen 
k.  5467;  des  heiligen  geistes 
k.?  2620. 

kinchel  stn.  Junges  des  Adlers 
3567. 

klaffen  swv.  schwätzen  5810. 
klimmen  st  c.  li  981. 
klobe  sicm.  4436.  5484. 
klöse  stswf.  854.  1751. 
klöz  stm.  Gewichtstück:  der  plne 
klöz  das  Gewicht  der  Strafe 
691. 

•kluternis,  dasselbe  wie  klute- 
rie  ? stf.  Gaukelei,  Täuschung 
2884  5570.  (oder  hängt  es  mit 
klftter  Schmutz  zusammen ? 
vgl.  laaters  klftter  Heinr.  u. 
Kun.  1428). 
knehtlich  adj.  771. 


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Wortverzeichnis. 


105 


knote  «cm.  4828. 
kol  sicm . Kohle  1740;  m über- 
tragener Bedeutung  943. 
kol  Um.  4098.  5526. 
kosen  «er.  3190.  3855. 
kosen  sin.  5162. 
kreftlich  adv.  4715. 
kreisch  stm.  Angitruf  3444 
(Hiob). 

kreiz  stm.  Kampfplatz3ö&t.  3653. 
kresem  stm.  3254.  5405? 
kreter  stm.  procurator,  jurista. 

Ratsherr  3297.  4141.  4145. 
krie  stf.  34.  894.  2881. 
kriech  adj.  griechisch  4671. 
kristellin  adj.  4857. 
kristenmensche  sich.  5197. 
krnden,  sich,  stcr.  (=  krüten) 
sich  abgeben  mit  1888. 
krumjih  adj.  (—  krnrnp)  4085. 
knmp&n  stm.  3614.  4194.  4543. 
kfindec  adj.  listig  3350. 
kilndeebeit  stf.  3271. 
k&ndeclich  adj.  5308. 
knnst : gen.  dat.  plur.  knnsten  2SL 
4L  2IL  1121.  562a  5629. 5639. 
knnterff  stn.  Verunreinigung, 
Trug  870. 

kunterpheit  stf.  1481. 
kusch  stm.  (=  kus)  1270. 
'koscher  stm.  (=  küsser)  1269. 


lade  stef.  5673. 
läge  stf  Hinterhalt  6078.  6206. 
lasche  sw  in.  530. 
lasterbaere  adj.  4313. 

’lastergief  stm.  der  lasterhafte 
Tor  181. 

lastennäl  stn.  2751.  2766.  4511. 
laz  stm.  Trägheit  2953. 

14  stm.  (Ü. 

leinen  sht.  528.  1721.  3016. 
leiten  sirr. : als  eine  linde  L 1726. 
leitvertrlp  stm.  5356. 
lengen  sicv.  zögern  3134;  ent- 
fernen 4967. 

*14r  stn.  (r gl.  DWB  0 , 552) 
ModeU,  Hichtmafs  5298. 
letzen  «er.  cerletzen  750.  5757. 


letzte  ade.  zuletzt  310. 

lit  (lid,  lied,  1yd,  gelid)  stn.  1141. 

1145.  1153.  1233.  5206. 
•liehtkarvunkel  stm.  6187. 
linc  (ling)  adj.  falsch  945. 1917. 
3562. 

lekenen  rgl.  lougenen. 
losen  stn.  5161. 

louf  stm.  Lauf  des  Schicksals, 
Bestimmung  100,  898.  2400. 
3177.  3470.  4111. 
longeneu  (loukenen , lokenen) 
stcr.  3861.  4186. 
löden  sirr.  rauben  4095. 

*lno  stf.  Kot  3460.  4675  (Hiob). 
luoder  stn.:  än  Inoder  ohne 
Hinterhalt  4072.  5123. 
luot  stf.  Last,  Menge  2822. 

2872.  3283.  4194. 
lfitbieren  sirr.  3886. 

man  stm.,  von  Gott  gesagt  1720. 
mat  stm.  Matt  im  Schachspiel 
1684.  4993. 
m&z  stn.  3336. 

meien  sirr.  fröhlich  sein  5638. 
•meuscheiiBtan  stm.  5060. 
menschenwise  stf.  2581. 

*merzeu  stn.  handeln,  schachern 
88.  5620. 

'minuenwort  stn.  1310. 
•mitehclen  str.  in  Gemeinschaft 
mit  aiulerii  hehlen  3667.  3671. 
‘mittacschin  stm.  4904. 
mittel  stn.  18,  9L 
I ’mittelhrief  stm.  2444. 
'mittelman  stm.  5059. 
mot  stn.  363.  378.  978.  5327 
(Hiob). 

•mllenis  stf.  3535. 

mugent  stf.  2326.  2448.  4833. 

milndel  stn.  1760. 

munder  ade.  971.  1627.  1706. 

2215.  2828.  3089.  5648.  6159. 
miir  adj.  (=  miirwe)  1681. 
müs  stf.  4235. 

nebu  rgl.  niuwan. 
neizen  «rr.  bedrängen  3827. 


nibn  rgl.  niuwan. 
nicken  «rr.  connirere  5964? 
nickzen  swv.  (Intensiv  zu  nicken? 
oder  fehlerhaft  statt  nicken  ?) 
5964. 

niener  (nindert)  adr.  3686. 
niesen  stc.  stemutare  (vgl. 

2.  Kön.  i 35)  2222. 
niezen  str.  2792. 
niezen  stn.  Genufs  5230.  5235. 
5243. 

niuwan  adr.  u.  conj. : niwn  2839; 
niwen  341;  nibn  3047.  5720. 
6190;  niben  2341;  nebn  3015. 
nordenwint  stm.  5903. 
nötecheit  stf.  3443. 
nnmft  stf.  554a  5751. 
nnomen  sicr.  nominare  1716. 

2549.  5695  (Hiob). 
nilr  adr.  (=  newrere)  2414. 
3065.  3088.  3463.  3570;  nwer 
1147. 

nüwens  adv. : 4765.  von  nuwens 
4253.  4948. 


orden  stm.  2231.  2400;  Reihen- 
folge 4805.  4807 ; umschreibend 
der  marter  o.  1G65.  5490. 
oesen  stn.  Befreiung,  Lösung 
5795. 

*6sterkern  stm.  4761. 
österlam  stn.  4697.  4700.  4777. 
österlemmel  stn.  4669.  4751. 
östertac  stm.  (— - Christus ) 4873 
(auch  österliche  tac  4866. 
4887). 

ougenbrehen  stn.  1985. 


palme  stf.  3954.  5148. 
parisephelin  stn.  1469. 
pascha  stn.  4663.  4671. 
pfnist  stm.  (=  pftrast)  1172. 
5505. 

phaht  (phat)  stf.  Recht,  Gesetz 
4L  2071.  2349.  2612.  3361. 
3588.  4073.  4826  (Hiob). 
pbase  stn.  (=  paseba)  4672. 
phife  stf.  48ia 


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100 


W ortTerzeichnis. 


plilage  vgl.  vlage. 
piuec  adj.  3852. 
planken  stcv.  (=  plangen,  »kW. 
plengcn)  2759. 

prisbejac  stm.  2702.  3541.  5959. 
prisen  swe.  (=  brtsen)  schnüren 
1001.  4875.  4948. 
prisen  (brisen)  sw.  loben  1943. 
2127. 

prisen  sin.  3563. 
prophecie  sicf.  1357.  2999. 
prophetieren  stm.  4598. 
puf  stm.  2174.  5000. 


•quant  stm.  tcas  nur  rum 
Scheine  etwas  ist,  Betrug  (rgl. 
Nieder d.  Korrespbl.  5j  23) 
4057.  4689  {lI,ob). 
quel  stf.  4811. 

queln  str.  sich  quälen  4979. 
5705. 

*qnclnis  stn.  3441.  3494. 


rämen  sie v.  1704.  1948. 
rasen  swe.  1127.  5799. 
rätlierre  swm.  3298.  5788. 
rccben  stv.  raffen,  scharren,  cu- 
sammenkraUen  529. 
reine  stf.  3569. 
riehman  stm.  5225. 
riden  stv.  164. 

rihteftec  stm.  1054.  3136.  3378. 
*rin  stm.  ( mhd . *rim)  Reif  5154. 
5815. 

rincliche  adv.  auf  leichte  Weise 
5285. 

rise  (rese)  swm.  Riese,  Held  im 
Streit  (Gott)  2396.  4704. 

rist*  2620. 

•rivieren  sw.  804. 
riz  (ris,  rys)  stm.  Rifs,  Bild 
(dient  zur  Umschreibung)  2582. 
3264.  5220. 
rösenkranz  stm.  1292. 
röst  stm.  Glut:  der  sunden  röst 
3189  (rgl.  der  snnden  glut 
3237);  der  vligen  röst  (=  der 
belle  röst)  6061. 


rouchvaz  stn.  2972.  2976.  3003. 
mnst  stfm.  360. 
rnoch  stm.  Sorge,  Sorgfalt 
3883. 

raoche  stf.  3976. 


sac  stm.  2064.  3602.  3774.  4874. 
4879.  4888. 

sacbe  stef.  264.  717.  1485.  1519. 
2134.  2137.  2631.  2707.  3118. 
3262.  3791.  6207. 
sacbe  swm.  4682. 

Sachen  swe.  schaffen  2073. 
SEPmcu  stcv.  sämen,  Samen 
streuen  4090. 

samewizzecheit  (sambitzkeit)  stf. 

eonscientia  5972.  6153. 
säze  (soz,  soze)  stf.  Rast,  Ruhe 
4053;  Verhältnis,  31a fs  3335. 
schach  stn.  der  vernichtende 
Schacheug  1682. 
schach  stm.  Raub  5033. 
schatenhnot  stm.  1730. 
schcpfenunge  stf.  1141. 
schilie  stf.  416.  435.  500.  4921. 
5416.  5451. 

schiht  stf.  426.  468.  3092.  4546. 
5608.  5702. 

schihten  stcv.  abteilen,  trennen 
1938. 

schim  stm.  Schatten,  Täuschung 
1006.  1183.  1558.  1654.  2909. 
4808.  5014  ; Hiob). 
schimel  stm.  1094.  5105.  6124. 
achln  stm.:  ze  schinc  kamen 
offenbar  werden  6098. 
Schindern  sm\  2878. 
schirre  stn.  Geschirr,  Gefäfs 
2088. 

schottern  swe.  6052. 
schranz  stm.:  sunder  schranz 
ohne  Kin sch rtiiikuitg'llA.  2684. 

| 4226.  5418. 

•schremmen  swe.  drucken,  stofsen 
3äi 

schrenken  sw.  verschränken, 
flechten  64. 

schunden  stn.Anreieung,Lockung 
4912. 


schürzen  sicr.  eichen,  schlingen 
242. 

seckcn  sw.  3670. 

•sölenschriu  stm.  4682. 
setec  adj.  (==  sitec)  376. 
sicherlich  adj.  3177. 
sigebsere  adj.  1625. 
sil  stm.  Geschirr  1 32.  3132. 
simonier  stm.  3801. 
simz  stm.  1426.  5311. 
sinder  stm.  330.  1795-  3204. 
site  swm. : näch  dem  frsten  siten 
wie  das  erste  Mal  4869. 
*sl&fernis  stn.  somnolentia  3929. 
slahtmre  stm.  Schlächter  2341. 
slange  swm.  2327.  stf.  2335. 
2345. 

sliugen  stv.  intr.  607.  768.  1258. 

1306.  5633. 
slotern  stn.  6051. 
slonfe  stf.  770.  3082. 

♦smolz  adj.  lieblich,  angenehm? 
3410  (Hiob). 

snaben  swv.  3278.  5732  (Hiob). 

smedekeit  stf  602- 

snuor  stf.  335.  644.  929.  1195. 

3053.  5055. 
spanne  swf.  5188. 
spei  stn.  4770. 
speldel  stn.  5565. 
spitzen  sw.  bereit  halten  4162. 
sprsejen  (spren)  sw.  sjmt.-en 
5078. 

spripjen  stn.  3180. 
spranz  stm.  Rifs  1004. 

Sprengel  8tm.(Weihicasser-)\Vedd 
186.  761.  1808  (Hiob). 
spriz  ? 5978. 

stec  stm.  der  schmale  Pfad  ( des 
Gereehten)  4530  (rgl.  ribtestec 
berndes  heiles  3136). 
stengel  stm.  2108. 
stic  stm.  Stich  (ndd.  stek), 
Befestigungsart  eines  Tau- 
endes, Art  der  Verknotung. 
Knoten  3058. 

stift  stf.:  diu  ninwe  Stift  das 
neue  Testament  5100.  5462. 

. 5798. 

’stranz  stm.  lbraMerei,  Hochmut 


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Wortverzeichnis. 


107 


802.  1065  ( rgl.  «tranzen,  ge- 
strenze). 

streben  stn. : ringer  Inioze  strebn 
umschreibend  für  ringe  bnoze 
3842. 

studieren  skt.  5680. 
stuot  stf.  Gestüt:  der  snnden 
stuot  4744. 

•stuppel  stf  6165. 

•suden  swv.  (=  sndelen)  be- 
schmutzen 1822. 
sulgen  skt.  beschmutzen  608. 
silnel  stm.  5739. 
snnnenglas  st».  4460. 
snnncnglast  stm.  2906. 
snnnenschin  stm.  4681.  4966. 
'snnnenspil  stn.  2945  (rgl.  der 
sannen  epil  1765). 
sfir  adj.  m 4689.  5138. 
sftsen  skt.  4480. 
swalc  stm.  343  (Hiob). 

* swandelieren  skt.  ( tcohl 
Mischung  aus  swenzelieren 
und  wandeliereu?)  803  (Hiob). 

tagen  skt.  5362.  5690.  5759. 
tarn  stm.  364  4774. 

•tavelvaz  stn.  Schrcibtafd  5082 
temeren  swv.  4320. 
termen  swv.  395. 
tinkcl  stm.  (=  dinkel)  6090. 
tolken  skt.  dolmetschen,  erklären 
1812.  4784  (Hiob). 
•torwertelinne  stf.  4201. 
tonge  adj.  (=  tongen)  19a  1134. 
1258.  1516.  1797.  1973.  1996. 
3231.  4231.  5138. 
tonge  stf.  1590  (Hiob). 
tricbeit  stf.  3934.  3949.  5764. 
tresom  sfr».  Schatz  5405  (oder 
cresem  irie  3254?). 
tritt  stf.  Art  4635. 
*trö«theilbemde  pari.  adj.  5405. 
’trizen  sicr.  tritzen,  eig.  auf- 
winden,  quälen  (Frischbier 
Pr.  »71.  2,  412.)  3439. 
triiebenis  stn.  317.  3929. 
truht  stf.  Frucht,  Nachkommen- 
schaft 2718. 


*t  Kitzart  adj.  2654. 
tiife  stf.  (—  tiefe)  714. 
tflsternis  stf.  Finsternis  408. 
4860. 

tiltel  (tittel)  sin.  1550. 
twalm  stm.  193.  3953. 


Ubergdn  stv.  überfliefsen,  be- 
decken 3632. 

überhört  stm.  köstlichster  Schatz 
1404. 

überkrefteclich  adv.  3717. 
ttberlüt  (oberluet)  adj.  ver- 
nehmlich, öffentlich  207.  1779. 
3143.  3604.  5158. 
überslahen  stv.  überwältigen 
4885;  in  Kürze  sagen  1876. 
4579. 

♦iiberslunt  stm.  1734. 
tiberstigen  stv.  828. 

Uberstreben  skt.  3385. 
überstriten  stv.  4715. 
ilbersüezen  skt.  5403. 

Uberswal  stm.  352. 
tibertiir  stn.  4659. 
ttbcrvluz  stm. : ü.  der  nnde  grözer 
barmherzekeit  710. 
überwnnt  stm.  1272.  2814. 
ilberzingen  swv.  mit  Zeugen 
überführen  4593. 

•ftfentaliczen  stn.  2645. 
nferstant  stm.  4920. 
tiferstiii  st».  4901. 
nferstende  stn.  113.  1180.  4641. 
4840.  4851.  4899.  4909.  4941. 
5009.  5343.  5988  (Hiob). 
ftfgeseilen  skt.  2826. 
nfaeilen  swv.  aufbürden  2600 
(Hiob). 

nfwinden  st».  4289. 
umbegän  stv.  4580. 
umbehanc  stm.  831.  1427.  5259. 
5263. 

nmbesniden  stv.  2665.  2772. 4874. 
nmbesniden  stn.  2651. 
umbeswingen  stv.  refl.  1428. 
umhewant  pari.  adj.  (—  nn- 
bewant)  unverwaiult  5152. 
nnbedäht  part.  adj.  3485. 


‘nnbegrichlich  adj.  (aus  tinbe- 
griftiieh)  1451. 
unbeqntrme  adj.  451. 
unbeworren  part. adj.  unrerwirrt, 
unvenccchsclt  2629. 
unde  stswf. : der  genaden  u.  366. 
4430.  4569.  5428;  himeibernde 
nnden  5559.  (rgl.  himelnnde). 
nnderknnft  stf.  Vermittelung 
3244  (Hiob). 

underscheit  stm.;  än  anderscheit 
ununterbrochen  3134. 
nnderschriben  stv.  1 50.  2630. 
understant  stm.  3066. 
nnderstrbn  stf.  454. 
uudervalie  stn.  (=  intervallum) 
Unterschied  3220. 
unerwert  part.  adj.  unrerwelirt 
4986.  5720. 

nugebnnden  part.  adj.  2292. 
ungehege  adj.  unangenehm  2168. 
ungehege  stf.  Widrigkeit  2220. 
ungehirm  stm.  310.  4044  (Hiob). 
ungelenget  pari.  adj.  1877. 
ungeuende  adj.  unfügsam  3879. 
ungerade  stn.  3549. 
ungeriuwet  (nngcrut)  pari.  adj. 

ohne  Heue  3323.  4215.  4978. 
♦ungetwede  adj.  störrisch,  un- 
verständig? 1496.  (Hiob). 
ungevellc  stn.  Unglück  4230. 
5584.  5930. 

nnkllndec  adj.  unbekannt  5085. 
unmehtekeit  stf  3503. 
nntiure  adj.  geringwertig,  über- 
flüssig 4233. 

untirtlieh  adj.  unsterblich  4716. 
nnverbolgen  part.  ailj.  ohne 
Hafs  4539  (Hiob). 
uuverdait  part.  adj.  öffentlich 
784.  1108.  1278.  1359.  1561. 
1884.  2379.  2973.  2992.  3265. 
3775.  3854.  3981.  4399.  5891. 
6046  (Hiob). 

unverladen  pari.  adj.  unbehelligt 

2001. 

♦nnverrfret  part.  atlj.  1293. 
*unverritzet  part.  adj.  unverletzt 
5313. 

’unverrochen  part.  aflj.  6100. 


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108 


Wortverzeichnis. 


unwerde  stf.  Schmach  5825. 
5894. 

unwitzic  adj.  501. 
unzimelich  adv.  5181. 
uover  (über)  sfn.  4755.  4794. 
’urlt'ihtnisse  sin.  1824. 


vAhen  sfr.  begreifen,  verstehen 
2373.  3118. 

väl,  viele  stf.  Fehl  1188.  1643, 
vnlben  sfn.  1573. 
valden  sfr. : sich  v.  sich  beugen 
756;  rate  v.  3302. 
vielen  strr.  irren  5865. 
valle  stf.  Täuschung  842;  Falle 
3898. 

vär  stf.  Nachstellung,  Falschheit, 
Gefahr  3977.  4044.  5988. 
vAren  sicr.  nachstellen  3325. 

3330.  3332.  4120. 
vaste  stf.  1701. 
vederspil  sfn.  3690.  4004. 
velbe  stf.  fahles  Aussehen, 
Krankheit,  Fehler  1420.  5432. 
5624  (Hiob). 

velbe  stf.  Geflecht,  Netz?  4008. 
venster  sfn.;  der  vemumften  v. 
5075.  5078. 

vor  (vere)  stf.  Fähre  1298. 
ver  = vronwe  1989  u.  ö. 
verbacken  sfr.  mfr.  kleben  3697. 
verbichen  sinn  3700. 
verbinden  sfr.  bezaubern  (durch 
Nestelknüpfen ; vgl.  Ndd. 
Korrespbl.  26,  78)  632.  5999. 
verbläsen  sfr.  1128. 
verbrechen  sfr.  fr.  aufgeben  615. 
verdempfen  sier.  4092. 
verdringen  sfr.  3317.  4157.  6074. 
verellenden  sicr.  3319. 
verhalten  sfr.  3302. 
verharschen  sicr.  3698.  3700. 
3715.  5711. 

verhern  sicr.  besiegen,  berauben 
5897;  vertierten  not  die  Not 
der  Armen  ( oder - - verherteten 
n5t?)  4114. 

verholen  part.  adj.  1709. 
verkören  stet1.  (—  vertieren)  ver- 


kehren , abteendig  machen 
3326. 

verlazzen  sfr.  (=  verläsen)  zu- 
lasscn  2749. 
verleiter  sfm.  3860. 

♦verlcmden  strr.  3889  (Hiob). 
Verliesen  sfr.  töten  5867;  mir. 

sich  verlieren,  aufhören  388. 
verloufen  sfr.  3966. 
venmeren  strr.  1250. 
venmnft  stef.  52.  947.  2031. 

! 5075.  5079.  5081.  5086.  5095. 

5234.  5346.  5365.  5500.  5687. 
5767. 

verlesen  sicr.  210.  1208  (Hiob). 
verrenken  strr.  236.  934.  3046. 
3259. 

verrens  adv.  751.  6001.  6063. 
verrisen  sfr.  vergehen  4876. 
verschaffen  sfr.  683. 
verschellen  sicr.  728. 
verselwen  strr.  674. 
verspunden  sirr.  5998. 
verstellen  sicr.  entstellen  2141. 
5143. 

versterben  sirr.  durch  den  Tod 
berauben  f 3522  (Hiob). 
verstieben  sfr.  mfr.  zerstieben 
5902. 

versütner  sfm.  der  Gleichgültige 
3936. 

verswitzen  sirr.  4772. 
vertonben  sicr.  3763. 
vertriegen  sfr.  1874. 
vertüemen  sirr.  499. 
vervehten  sfr.  1852. 
vervliczcn  sfc.  fr.  dahinströmen 
lassen  1882. 

vervlizzen  part.  adj.  5809.  5976. 
•vervlougen  sirr.  verscheuchen 
5762. 

vervlühtic  adj.  1679. 
verwär  adv.  (=  vlir  wär)  83. 
verwäzen  sfr.  3786.  3888. 
verwimmern  sirr.  rcncadvsen 
5888. 

verwinden  sfr.  überwinden  2331. 

3435.  3557.  3956. 
verwischen  sirr.  intr.  vergehen 
6037. 


verwlzen  sfr.  6032. 
verseilen  sirr.  verdammen  2747. 
6144. 

verzerren  strr.  5898. 
verzihen  sfr.  5205. 
verzwicken  strr.  befestigen, 
fesseln  5836.  5923.  6027. 
vet  adj.  4098. 

figtire  stswf.  Gleichnis  1356. 
villen  strr.  4996. 
vimel  stm.  Schwanken ? 4858 
(cgi.  vimmeln  suchend  herum- 
tasten Lübben,  Mudd,  li’b.) 
vippernAter  stf.  1301. 
vir  = vronwe  2576. 

•viurgolt  sfn.  121. 
viurisen  sin.  875. 
vlader  sfn.  Eibe  5888. 
vlAge,  vlAg  (=  vlAge  imif  plage) 
stf.  3858.  4424.  4655.  4725. 
4908.  6054.  6061;  vlAg  sfm.? 
4424.  6077. 

vlatn  sfm.  124. 1174.  1548.  2017. 
2792.  2842.  3179.  477a  5114. 
5454.  5529.  5580. 
vlins  sfm.  3608. 

vlizen  sfr.  sich  beflei feigen  5067. 
vlnc  sfm.  Fittich  2880.  3250. 
4850;  mit  den  vlugen  = flugs? 
3250. 

volvtleren  strr.  beweisen  5020. 
vor  = vronwe  819. 
forme  stf.  1197. 

•formenkleit  sfn.  3067. 
vornemellche  adv.  2612. 
vorziehen  sfr.  1980.  2542. 
vräz  (vroz,  vrohz)  sfm.  4167. 
5768.  5911. 

vriAt  (vryet,  vriget)  stf.  2035. 
2722. 

vriedel  sfm.  783.  1265.  199a 
2000. 

vriedelinne  stf.  1263. 
vrischen  sicr.  erneum  925. 
vrist  stf.  Fettung  862.  1675. 
2957. 

•vrinntlel  sfn.  (=  vriedel)  1255. 
1759. 

vilegen  sie r.  intr.  sich  fügen  5918. 
vulle  stf.  Erfüllung  2606. 


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Wortverzeichnis. 


109 


vnnt  »tm.  8500;  der  wisheit  vunt 
1939.  1994.  2511. 


wallen  »irr.  wandern:  rehte  w. 
auf  dem  rechten  Wege  sein, 
nicht  irren  4804. 
walten  stv.  tan  1700. 
wan  adv.  conj.  bi»  (—  wante) 
4957. 

wan,  wen  conj.  denn  (=  wände) 
721.  4900  m.  ö. 
wan  (=  man)  5481. 
win  «tm.  319.  521.  570;  sundcr 
w.  gewislich  1152.  2409.  3575. 
4397.  4401.  4553. 
wanc  stm.  1459. 

•wandelrinwe  (wandelrne)  stf. 

wankelmütiges  Mitleid  0117. 
wandern  strr.:  rebte  w.  auf  dem 
richtige):  Wege  sein  1213. 

4332  (r gl.  ab  ich  rehte  wege 
gt  1140). 
warp  sin.  1193. 

war  (=  etewaz)  3769.  5066. 
5091. 

•weben  »<«.  2732-  5326. 
wegen  stv.  schützen,  beachten 
2737.  5919. 

weise  stm.  (=  weiae)  6090. 
wer  stf.  Waffe,  Schutz  4738. 


wem  »irr.  verbürgen  3468. 
wesen  stn.  876.  965.  2287.  5038. 
wt  (=  etewi  oder  stf.  = wf  /) 
4490. 

wtbesnam  »irm.  Weih  3760. 
wicken  »irr.  mit  Charpie  aus- 
stopfen 2176. 

wide  (wied)  stf.:  bl  der  wide 
( beteuernd)  wahrhaftig  1146. 
•widerdram  stm.  Gegenwehr  13H. 
widerglast  stm.  5399. 

•widerhart  stm.  Widerstand  134. 

2007.  2557  (Hiob). 
widerktre  stf.  484.  5042. 
Widerklagen  stn.  2363. 
widemis  stn.  3543  (Hiob). 
•widerschäch  stm.  192  (Hiob). 
•widerschrf  stm.  2436. 
widerslac  stm.  1296. 
widerstöz  stm.  Trotz  671.  5848. 
6174. 

widertuon  onr.  5338. 
widervart  stf.  5049. 
widerwinden  »tu.  5046. 
widerzs'me  adj.  2458- 
wiltnis  stn.  4026. 
wirre  stf.  Verwirrung  2120. 
wist  stf.  Leben,  Wdt,  Mensch- 
heit 924. 

•wolkensül  stf.  1800.  1804. 
wollust  stm.:  w.  üz  der  stat  der 
Inst  1389  (vgl.  locus  rolup- 
tatis  I.  Mos.  ä,  10). 


wonen  »irr.  gewohnt  sein  5805. 
wunderbernde  part.  adj.  1350. 
•wunderkl&r  adj.  137.  825. 
1086. 

•wnndersinne  stf.  1581. 


zarge  stf.  niedrige  Umwallung 
(wm  den  Turm),  bildlich  für 
etwas  Niedriges  im  Gegensatz 
zu  hirhe  172. 

•zenker  stm.  5876. 
zentcr  stn.  923.  1574. 
zerbreiten  »irr.  1725. 
zerkerben  »irr.  3616. 
zerlizen  «Ir.  1725.  3412. 
zerliden  »irr.  zerlegen  4322. 
zerriben  stc.  5307.  5933.  6075. 
zerziehen  stv.  5926. 
zilcken  »irr.  wegnehmen,  forl- 
reifsen  3755 ; emporheben  1893. 
znnder  stm.  3043.  5647. 
zuobleeser  stm.  3850. 
zuohieren  «irr.  angehören  1186. 
1215. 

•znoseilen  »irr.  1788. 
znorerläz  stm.  1688. 
•zweitragende  part.  adj.  5512. 
zwigen  swr.  pfropfen,  (oder 
= zwiden  erhören  ?j  2946. 
•zwirelbere  stm.  3668. 
•zwivertic  adj.  4480. 


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Berichtigungen. 

V.  142  l.  bem  statt  bern. 

„ 368  1.  grimme,  im  App.  grimne. 

„ 2075  I.  iclichz,  im  App.  Iiclichz. 

„ 2166  I.  marter  pin  statt  rnarter  pin. 

„ 358G  l.  di  statt  die. 

„ 4384  App.  I.  Sccz  statt  Sez. 

8.80  im  App.  I.  5116.  hinter  gibt  Komma. 
„ 93  im  App.  I.  5948.  hinter  daz  Komma. 


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Druck  von  Ehrhardt  Karras,  Halle  a S. 


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Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  IX.  Bd. 





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Bl.  24 » (V.  881— 900) 


Weidmann»che  Buchhandlung,  Berlin. 


Handschrift  der  Universität 

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>Vol  Ijflftu  "Otrij  gtrotljcn 


Bl.  29»>  (V.  1101— 1122) 
iek  zu  Königsberg  Nr.  906. 


Lichtdruck  von  Albert  Fritch.  Berlin  W.  35. 

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Deutsche  Texte  des  Mittelalters 


herausgegeben 


von  der 


Königlich  Preußischen  Akademie  der  Wissenschaften. 


Band  X. 

Der  sog.  St.  Georgener  Prediger. 


BERLIN 

Weidmannsche  Buchhandlung 

1905. 


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Inhalt. 


Stite 

Einleitung XI — XXIV 

1.  Fon  den  zehen  gebotten  ünsers  Herren 1 

Der  almahtig  Oot  nimt  ein  michel  znl  alle  tag  von  dirr  weit. 

2.  Von  vierhand  stukin  eristans  glöben 4 

Orediderunt  quotqvot  erant  praeordinati  ad  vitam  aetemam. 

3.  Von  der  hailikait  und  bezaiehnung  der  messe 8 

In  omnibus  honorificetur  Deus. 

4.  Von  m Anger  hande  regel 10 

Stephanus  plenus  spiritu  saneto  intendens  in  celum  vidit  gloriam  dei  etc. 

5.  Fon  mSnger  hand  vrode  die  in  dem  hymelrieh  ist 16 

Oaudium  et  laetitia  invenietur  in  Sion. 

t 

6.  Von  manger  hande  tagend  gaischliches  lebens IS 

Providentes  bona  non  tantum  coram  deo  etc. 

7.  Von  des  gebettes  nutz  ze  Oot 22 

Petite  et  accipietis  etc. 

8.  Von  der  sei  verzukunge 25 

Induxit  eos  in  montem  sanctificationis  suae. 

9.  Von  der  armitt  ünsers  Herren  Jhesu  Christi .26 

Renovamini  spiritu  mentis  vestrae  et  induite  novum  hominem  etc. 

10.  Von  dem  frönlichamen  ünsers  Herren 28 

Ego  sum  panis  vitrus,  qui  de  coelo  descendi. 

11.  Von  der  sei  Haftung  in  Got 31 

Adhaesit  anitna  mea  post  te,  me  suscepit  dextera  tua. 

12.  Von  der  armut  ünsers  Herren  Jhesu  Christi 34 

Propier  vos  Christus  egenus  f actus  est,  cum  esset  dives. 

13.  Von  der  sele  minne  ze  Oot 36 

Anima  mea  liquefacta  est,  ut  loeutus  est. 

14.  Von  der  gütlichen  minne  zu  der  sele 41 

Fortis  est  ut  mors  dilectio. 

15.  Von  masse  und  von  andren  tagenden d4 

Modestia  vestra  nota  eit  omnibus  hnminibus. 


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VI 


SW/# 

^16.  Von  unser  vrowen  saut  Maria 46 

Hort us  conclusus,  fons  signatus. 

17.  Von  simlichen  aller  höhnten  lugenden  . 50 

*S uf fici t tibi  gratia  mea,  nam  virtus  in  infirmitate  perficitur. 

18.  Von  des  lebens  ordenung 

Dominus  dives  in  omnes,  gui  invocant  eum. 

19.  Von  rainkait  und  von  girde 55 

din  gut  mentsch  bedarf  wol  ztcaiger  ding. 

^20.  Von  Unser  vrowen 5g 

Qui  creavit  me,  requienl  i»  tabemaculo  meo. 

21.  Von  dem  hailgen  gaist ....  58 

Der  hailig  gaist  ist  in  der  sele  in  (tri  1 cis. 

22.  Von  des  lebens  Ordnung 5.9 

Non  corruptibilibus  auro  vel  arg  ent 0 redempti  estis,  »cd  pretioso  sanguinc. 

23.  Von  der  früntschafl  zu  Got 60 

Vulnerasti  cor  me um  in  uno  oculorum  tuorum. 

24.  Von  den  hymelschen  (roden 67 

F.siü  fidelis  usque  ad  mortem  et  dabo  tibi  corcmam  vitae. 

25.  Von  vier  hande  gebürt 62 

.lntfn,  amen  dico  tibi,  nisi  quis  renatus  fuerit  denuo  etc. 

26.  Von  zwain  hymelrichen 64 

Got  unser  herre  der  hat  ain  hymelrich  da  er  inne  rüwen  ml. 

27.  Von  ünsers  herren  gnaden 66 

Sicut  aecepit  gratiam,  in  altervtrum  i Ham  administrantes. 

28.  Von  Gottes  gaben  67 

Cantabo  Domino,  gui  bona  tribuit  mihi. 

29.  Von  der  volgung  nach  Got 69 

Qui  sequitur  me,  habebit  turnen  vitae. 

30.  Von  » tanger  Zukunft  ünsers  herren 71 

Uns  ist  gegeben  von  Syon  ain  bilde  der  gezierde  etc. 

31.  Von  der  beraitung  der  sei 72 

Vos  simile»  hnminibu » exspedantibus  dominum  suum  etc. 

32.  Von  unser  vrowen  saut  Mariun 75 

Rorate  celi  desuper  et  nubes  pluant  iustum  etc. 

33.  Aber  von  unser  vrowen  77 

Mutier  amida  Sole  etc. 

34.  Von  Gottes  lychamen  und  von  der  fruht  Gottes 83 

Pinguescent  specinsa  deserti  et  valles  habundabunt  frumento  etc. 

35.  Von  Gottes  fride  . 89 

Der  udssag  sprichst  alsuss:  hüt  ist  der  frid  her  nider  kamen  etc. 

36.  Von  der  sterki  in  Gottes  dienst 92 

Confortamini  in  Domino  et  in  potentia  virtutis  eins. 


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VII 


Seite 

37.  Von  der  sele  beraitung 96 

Et  vos  simile*  hominibus  exsfieclantibu*  dominum  euum  etc 

38.  Von  unser  vrowen  und  ünserm  hem 103 

Erunt  signa  in  tote  et  luna  et  steUis. 

* 

39.  Von  manger  hand  regele 109 

Stephanie*  autem  plenu s gratia  et  fortitudine  facxebat  signn  magna  etc 

40.  Von  der  erwellung  du  mentschen 119 

Elegit  eam  den*  et  preelegit  eam  et  in  tabemnculo  min  habitnre  eam  facit. 

41.  Von  der  gaischlirhen  verzukung  des  mentschen 128 

Scio  hnminem  in  Christo  ante  anno*  etc. 

42.  Dis  sprichit  s.  Anshein 135 

Sant  Anshelm  spriht  etc. 

43.  Wie  und  war  umb  der  mentsch  bihten  sol 135 

Rehtü  biht  sol  hon  fünfzehen  ding  etc. 

44  Vo»  der  sele  beraitunge 138 

Dicitc  filie  Syon,  ecce  rex  tuu*  erniet  tibi. 

45.  Von  der  waren  minne 140 

Dü  minne  ist,  sprichet  Prosper  etc. 

46.  Von  des  mentschen  glichung 143 

l'nser  lierre  geschuf  den  mentschen  dar  eil  etc. 

47.  Von  unser  vrowen  und  von  hailgem  leben 146 

Et  in  habitatione  soncta  coram  ipso  ministrari. 

48.  Von  unser  vrowen 153 

Transite  ad  me  omnes  qui  concupiscitis  me  etc. 

49.  Von  unser  vrowen 156 

Plantaverat  autem  den*  paradgsnm  voluptatis  a principio. 

50.  Von  der  gütlichen  minne 163 

Hoc  est  prcceptvm  me um  etc. 

51.  Von  der  hymelschen  Wirtschaft 177 

VuK  angelum  s/antem  in  sole  ct  clamacit  voce  magna  etc. 

52.  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg 186 

Justum  deduxit  dominus  per  vias  recta*  et  ostendit  illi  regnum  dei. 

53.  Von  des  mentschen  hailikait 200 

Her  est  volunta»  Dei,  mnctiftcatin  vestra. 

54.  Von  gaischlichem  leben 207 

lila  autem  que  sursum  est  Jherusalem  etc. 

55.  Von  unser  vrowen 221 

Missus  est  angclus  Gabriel  ad  Maritim  virginem  desponsatam  Joseph. 

56.  Von  ünsers  herren  iiffart 229 

Videntibwi  illi»  elevatus  est  et  nubes  susrepit  eum  ab  oculi*  rorum. 

57.  Von  dem  wort  Gottes 240 

Verbum  Christi  habitet  in  vobis  habundanler  etc. 


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VIII 


Stitl 

58.  Von  manger  hande  Schrift  der  mentschait 248 

Dominus  narrabit  in  scripturis  populorum. 

59.  Von  der  erkennung  ü nsers  Herren 254 

Petre,  anuis  mef 

60.  Von  des  balmbomes  bezaichnung 260 

Dixi:  ascendam  in  palmam. 

61.  Von  sanl  Paulus  bekerde 276 

Bcniamin:  amantissimus  domini  habilabit  confiienler  in  eo  etc. 

62.  Von  drier  hand  closterlüt 282 

Man  vint  in  allen  landen  under  vrowen  dehain  sch&ni  etc. 

63.  Von  drier  hande  uffari  287 

Viel  Oalylei. 

64.  Fon  tfnser  vrowen 293 

Ego  quasi  vitis  fructifiacvi. 

65.  Fon  der  bezaichnung  Oottez  namen  296 

Unser  herre  hat  »langen  namen  die  beeaichenlich  eint. 

66.  Von  drier  hande  ficken  der  sele 298 

Domine  quis  haliitabit  in  tabemaculo  tuo  etc. 

67.  Fon  den  schaden  täglicher  Sünde 299 

Nun  sunderlirh  schaden  emphahet  du  sele  etc. 

68.  Wie  Oot  in  den  mentschen  sige 299 

Manetc  in  me  et  ego  in  vobis. 

69.  Von  linser  vrowen  302 

Ego  quasi  vitis  fructificavi. 

70.  Von  der  gothait  und  der  mentschait  Unser s herren 304 

Hcfloruit  caro  nt  ca. 

71.  Von  vier  hand  vroden 306 

Letare  Jhcrusalem  et  conventum  facite  etc. 

72.  ITie  man  ünsem  herren  suchen  sol 310 

Querite  Dominum  et  vivet  anima  vestra. 

73.  Von  zwaiger  hand  lute  in  den  clostern 314 

Quam  pulchra  tabcmacula  tua  Jacob! 

74.  Fon  gaischlichen  löten . 31 5 

Die  gaischlichen  lüt  sont  glich  sin  ainem  blümen  etc. 

75.  Fon  drier  hand  minne 317 

Nos  ergo  diligamtis  deum,  quia  prior  dilexit  nos. 

76.  Von  dem  ewangelio 319 

Pharisei  Consilium  inierunt  etc. 

77.  Von  sant  Stephan 322 

Testis  fidelis  non  mentitur. 

78.  Von  der  sele  haftunge  an  Gotte 324 

Innocentes  et  recti  adheserunt  miAi. 


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IX 


Stile 

79.  Von  unser  vrowen 338 

Judaeis  nova  lux  oriri  risa  est,  gaudiuni,  honor  et  tripudium. 

80.  Fo«  des  mentschen  wolgevallung 330 

Drv  ding  maehent  den  mentscJien  Oot  wol  gevatlende  etc. 

81.  Von  dem  weg  zu  der  waren  minne 331 

Dü  wäre  minne  und  du  liebe  etc. 

82.  Fob  dez  gaischlichen  mentschei)  ordnunge 333 

Der  gaischlich  mm  Ische  der  sol  etc. 

83.  Von  der  volkomenhait  dez  lebens 336 

Estote  perfeeti  sicut  et  pater  vester  coelestis  perfectus  est. 

84.  Von  dem  nutze  unsers  herren  behügde 338 

Do  sant  Bernhart  an  sim  «i de  lag  etc. 

85.  Von  der  sele  closter  339 

In  der  sele  closter  sol  Oot  unser  herre  prior  sin  etc. 

86.  War  umb  Oot  mentsch  wart ' 340 

Ir  sont  daz  wissen  daz  nah  der  hailgen  lere  etc. 

Lesarten  der  Hs.  S. . . 343 

Namenverzeichnis 344 

Wortverzeichnis 347 

Ergänzungen  und  Berichtigungen 383 


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Einleitung. 


Der  St.  Georgener  Prediger , seither  so  genannt  weil  die  älteste  uns 
bekannte  Handschrift  aus  dem  früheren  Benediktinerkloster  St.  Georgen  im 
Schwarzicald  stammt,  läßt  sich  seiner  handschriftlichen  Überlieferung  nach  in 
zwei  Gruppen  scheiden.  Nach  den  Hauptrepräsentanten  nennen  wir  dieselben  die 
A-  und  G- Gruppe. 

I.  Zur  A- Gruppe  gehören: 

1.  A:  Universitätsbibliothek  Freiburg  i.  Br.  Hs.  Nr.  464,  ein  Quartband 
aus  dem  Jahre  1387,  die  Originalholzdecke  mit  rotem  Leder  überzogen,  mit  je  5 
Messingbuckeln  und  2 Schließen  versehen,  welche  abgerissen  sind.  Das  auf  der 
Innenseite  des  Vorderdeckels  aufgeklebte  Pergamentblatt  ist  mit  Brevierlektionen 
der  feria  III  und  IV  beschrieben.  Auf  dem  freien  Raum  finden  sich  die 
untengenannten  Notizen  über  die  verschiedenen  Besitzverhältnisse  der  Handschrift 
Darauf  folgt  ein  leeres  Vorsatzblatt  a und  darauf  ohne  Titel  sofort  die  Predigten 
auf  Bl.  1 — 154  (keine  Lücke)  156 — 209.  Die  einzelnen  Blätter  sind  samt  den 
Quatemionen,  deren  die  Hs.  26  umfaßt,  vom  Schreiber  selbst  gezählt.  Die 
Blätter,  15'lix22lji  cm,  sind  zweispaltig  beschrieben,  die  Linien  deutlich  erkennbar. 
Auf  Bl.  20&  und  209  steht  unten  am  Rande:  Last  uns  alle  miteinander  das 
ende  der  rede  hören:  furcht  Gott  und  halt  seyne  gebott,  den  das  ist  das  ain 
Jeglicher  mensch  thun  sol.  Dein  Gott  wird  alle  werk  für  gericht  pringen  und 
alles,  darin  man  sich  vergriffen  hat,  es  seye  gut  oder  böse,  allzeits  (?)  pleibt. 
Anno  1576  die  12  octobris.  Oth.  Widnamer  [Widmaner?)  Dieselbe  Hand  schrieb 
auch  auf  Bl.  1 oben  die  Bemerkung:  Bibi.  Embt  ( oder  Ems?).  Auf  Bl.  209 
steht  unten  mit  Blei:  istum  librum  perlegi  21.  März  1828.  Denis  (?).  Auf 
diese  wichtige  Hs.  hat  zuerst  Wackemagel  (Die  Verdienste  der  Schweizer  um  die 
deutsche  Literatur,  Basel  1833,  S.  16  und  39,  und  Die  altdeutschen  Hand- 
schriften der  Basler  Universitätsbibliothek , Programm  Basel  1835 , S.  59)  auf- 
merksam gemacht.  Sie  befand  sich  im  Besitze  des  Schulvorstehers  Wilhelm 
Alexander  Blenz  in  Berlin,  von  dem  sie  Franz  Pfeiffer  im  Jahre  1844 
ersteigerte.  Im  Jahre  1852  schenkte  sie  Pfeiffer  als  Neujahrsgeschenk  seinem 
Freunde  Grieshaber  in  Rastatt , der  sie  testamentarisch  der  Freiburger 
Universitätsbibliothek  vermachte.  Über  diese  Besitzverhältnisse  gibt  folgender 


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XII 


Einleitung. 


Eintrag  auf  der  Innenseite  des  Vorderdeckels  näheren  Aufschluß:  Aus  der 
Bibliothek  des  verst.  Schulvorstehers  Willi.  Alex.  Blenz  in  Berlin  versteigert  am 
7.  october  1844,  angekauft;  erhalten  am  3.  december  desselben  jahres.  Stuttgart 
am  8.  dec.  1844.  Franz  Pfeiffer  aus  Solothurn;  darunter:  Rastatt  am  4.  Jänner  1852 
Fr.  Karl  Grieshaber,  Geist],  Rat  und  Prof.  Die  ersten  frohen  aus  der  Hand- 
schrift teilte  Wackemagel  in  seinen  Altdeutschen  Predigten  und  Gebete  (Basel  1876) 
mit , teils  in  vollständigem  Abdruck  (S.  77 — 110),  teils  in  den  Lesarten  (S.  69, 
119 — 164;  vgl.  auch  S.  262  und  384).  Er  nennt  die  Handschrift  anziehend 
„durch  den  Reichtum  ihres  Inhaltes,  die  Eigentümlichkeit  der  Sprache  und  besonders 
auch  durch  die  liebende  Sorgfalt,  welche  sichtlich  auf  die  Anfertigung  verwendet 
worden“  (ebenda  S.  262).  Die  Hs.  ist  in  der  Tat  ein  Prachtstück  kalligraphischer 
Kunst  des  Mittelalters,  was  um  so  mehr  sagen  will,  da  sie  nicht  von  einem 
berufsmäßigen  Schreiber,  sondern  von  einem  einfachen  Kirchherm,  Albrecht  dem 
Kolben,  Kirchherm  zu  Gävis  geschrieben  ist,  der  bereits  in  seinem  66.  Lebensjahre 
stand  und  sich  beim  Schreiben  einer  Brille  bedienen  mußte.  Im  Aufträge  einer 
Laiensperson,  der  Frau  des  Stadtammans  Johann  Stöcklin  zu  Feldkirch  (Vorarl- 
berg) wurde  sie  geschrieben  (vgl.  unten  S.  341,  Z.  6 ff'.).  An  St.  Jakobsabend  dh. 
am  24.  Juli  1387  war  sie  vollendet;  sie  setzt  jedoch  eine  Vorlage  voraus,  die  im 
Jahre  1303  (vgl.  unten  S.  239,  Z.  5)  angefertigt  wurde  und  heute  verloren  oder 
verschollen  ist.  Auf  dieselbe  Vrvorlage  geht  zurück: 

2.  8:  Stadtbibliothek  zu  Straasburg  Hs.  810  b,  auf  welche  Martin  in  der 
Zeitschrift  für  deutsches  Altertum  Bd.  40  (1896),  S.  220 — 223  hinwies,  ohne 
daß  es  jedoch  mir  möglich  gewesen  wäre  aus  dem  daselbst  angegebenen  Inhalts- 
verzeichnis die  Identität  mit  den  in  A enthaltenen  Predigten  festzustellen.  Erst 
beim  Abschluß  des  Druckes  hat  mich  Dr.  Spanier  in  Gießen,  von  dem  wir  eine 
Untersuchung  über  Eckharts  deutsche  Schriften  zu  erwarten  haben,  auf  die  Über- 
einstimmung beider  Hss.  aufmerksam  gemacht.  (Die  Hs.  wurde  auch  benützt  von 
Simon,  Überlieferung  und  Handschriftenverhältnis  des  Traktates  rSchwester 
Katrei “ [Dissertation  Halle  1906]  S.  48  anm.  2 und  Pahnke,  Untersuchungen 
zu  den  deutschen  Predigten  Meister  Eckharts,  ebenfalls  eine  Hallenser  Dissertation, 
der  sich  ein  näheres  Eingehen  auf  die  in  diese r Hs.  enthaltenen  Eckharts  Stücke 
Vorbehalten  hat).  Die  Handschrift  stammt  aus  dem  18.  Jahrh.,  umfaßt  94  Bl.  8° 
und  ist  eine  Abschrift  aus  einer  zu  Beginn  des  14.  Jahrh.  angefertigten  Sammel- 
handschrift aus  der  früheren  Johanniterbibliothek  tum  Grünenwörth  in  Straßburg, 
wo  sie  die  Bezeichnung  A 100  trug  (vgl.  J.  Witter,  Catalogus  codicum  manu- 
scriptorum  in  bibl.  S.  Ord.  Hierosol.  Argentorati  asservatorum  S.  4).  Die  für  uns 
in  Betracht  kommenden  Predigten  standen  im  6.  Teil  dieser  Sammelhandschrift 
unter  dem  Titel:  Sermones  sacri  oder:  Von  den  gebotten  vnd  von  götlicher  lere, 
und  zwar  auf  fol.  159 — 188  und  208  ff.  Daraus  sind  in  die  Straßburger 

Hs.  810  b folgende  Predigten  über  gegangen:  A Nr.  75,  1 — 10;  statt  der  11. 
Predigt  ist  ein  dem  hl.  Anshelm  zugeschriebener  Traktat  über  das  Leiden  unseres 
Herrn  eingefügt,  dann  folgt  Predigt  12  und  der  Anfang  von  13,  mitten  unter 


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Einleitung. 


XIII 


den  Eckhartsstücken  Nr.  17  und  als  Schluß  ein  Stück  aus  Nr.  81.  Die  Hs. 
A 100  der  Johanniterbibliothek  enthielt  außerdem  im  4.  Teil  das  Stück  Von  den 
schaden  tegelicher  sünde  (=-  A Nr.  67),  das  in  die  moderne  Hs.  835  Bl.  53 ' der 
Straßburger  Stadtbibliothek  übergegangen  ist.  In  der  alten  Sammelhandschrift 
A 100  der  Straßburger  Johanniterbibliothek  standen  demnach  folgende  Stücke 
aus  A:  Nr.  1 — 10.  12.  13.  17.  67.  75.  81,  daraus  dürfen  wir  wohl  schließen, 
daß  dem  Schreiber  des  Johanniterkonvents  unsere  Predigthandsehrift  mit  demselben 
Predigtumfang  Vorgelegen  hat,  aus  der  er  jedoch  nur  16  Stück  auswählte.  Die 
Übereinstimmung  dieser  Vorlage  mit  A ergibt  sich  auch  aus  der  Textvergleichung. 
Die  hauptsächlichen  Lesarten  von  S sind  im  Anhang  (S.  342)  wiedergegeben ; aus 
ihnen  dürfte  zur  Genüge  hen'orgehen,  daß  S mit  A auf  dieselbe  Urvorlage 
zurückgehen  muß. 

II.  Die  G-  Gruppe  der  Handschriften  setzt  mit  Nr.  35  der  hier  veröffent- 
lichten Predigtsammlung  ein  und  folgt  A fast  bis  zum  Schlüsse.  Die  älteste 
Handschrift  ist 

1.  G:  Hof-  und  Landesbibliothek  zu  Karlsruhe,  St.  Georg  36  ( eingehende 
Beschreibung  bei  Th.  Längin,  Deutsche  Handschriften  der  Großh.  Badischen  Hof- 
und  Landesbibliothek  Karlsruhe  1894  S.  3 — 6;  vgl.  auch  Wackemagel,  Predigten 
und  Gebete  S.  384  ff.,  517  ff.).  Die  Hs.  stammt  aus  dem  ehemaligen  Benediktiner- 
kloster St.  Georgen  auf  dem  Schwarzwald,  ist  jedoch  schwerlich  dort  geschrieben 
worden,  da  der  ganze  Inhalt  für  ein  Frauenkloster  berechnet  ist,  sondern  wohl 
mit  Sicherheit  erst  unter  Abt  Georg  (II  oder  III?)  im  17.  Jahrh.  für  das  Kloster 
erworben  worden.  Darauf  weist  der  Eintrag  auf  dem  1.  Blatt  der  Handschrift 
hin:  Coenobii  S.  Georgii.  Georgius  abbas.  .4ms  dieser  Handschrift  teilte  zuerst 
Mone,  Anzeiger  für  Kunde  des  deutschen  Mittelalters  III 183  das  altfränkische 
Bruchstück  mit,  das  die  Vorlage  zur  59.  Predigt  (unten  S.  254)  bildet  (vgl.  auch 
die  Denksprüche  und  Sittenregeln  Anzeiger  IV,  364  ff.  und  das  Glossar  zu  den 
Homilien  Anzeiger  VIII,  503  ff.).  Drei  vollständige  Predigten  aus  G (hier 
Nr.  39,  40,  67)  sind  gedruckt  bei  Wackernagel  S.  522 — 541.  Der  Schrift  nach 
(vgl.  die  beigegebene  Schriftprobe)  ist  die  Hs.  um  das  Jahr  1300  entstanden. 
Sie  enthält  die  Predigten  Nr.  35 — 71  und  zwar  in  derselben  Reihenfolge  wie 
A.  Mitten  in  der  71.  Predigt  (S.  306,  Z.  11)  bricht  die  Handschrift  am  Ende  einer 
Lage  plötzlich  ab.  Es  fehlt  wenigstens  1 Lage,  auf  der  wohl  dieselben  Predigten 
standen  wie  in  der  mit  G durchweg  parallel  laufenden,  gleich  zu  nennenden  Hs.  Z. 

2.  Z:  Stadtbibliothek  zu  Zürich  Hs.  C 76[290.  Ein  Quartband,  dessen 
Holzdeckel  mit  weißem  Leder  überzogen  sind  und  noch  Spuren  zweier  Metall- 
schließen aufweisen.  Sie  ist  um  die  Mitte  des  14.  Jahrh.  geschrieben  und  stammt 
aus  dem  Dominikanerinnenkloster  Adelhausen  bei  Freiburg,  wohin  sie  wohl  aus 
dem  Predigerkloster  zu  Basel  gekommen  ist.  Sie  enthält  2 Vorsatzblätter  und  194 
Pergamentblätter,  18x25  cm,  zweispaltig  beschrieben.  Auf  dem  vom  Vorderdeckel 
losgelösten  Blatt  steht  eine  Urkunde  aus  dem  Jahre  1412.  Aussteller:  Jacob 


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XIV 


Einleitung. 


v.  Wiswilr  und  Gerdrud  Schultheissin  seine  Frau;  auf  dem  2.  Blatt:  Diss  büch 
ist  des  closters  adlenhusen.  3.  Blatt  rückseits  von  derselben  Hand  wie  oben:  Diss 
büch  ist  des  closters  ze  adlenhusen.  Das  auf  dem  Rückdeckel  losgelöste  Blatt 
bringt  aus  dem  Ende  des  14.  Jahrhunderts  folgenden  Eintrag:  Scrutiniü  qvstg 
basiln  ord.  frrii.  pdicatorS;  anderseits : Retinetes  sup’or  Huler  matel  (?)  absoluentes 
lechor  (?)  Nieolaus  de  Laudonia;  Cunradus  Roseg;  Heinricus  Esser;  Cünradus 
Roseg;  Johannes  Meder;  Johannes  Rotenberg;  Johannes  de  Waltikoven;  Steffanus 
Seratorura  magister  studentium ; Johannes  vitztum;  Nicolaus  de  Boheinya ; Michael 
Rogenbach;  Fridericus  Gipser;  Johannes  Löscher;  Johannes  Goltschmit. 

Die  Handschrift  besteht  jetzt  aus  drei  verschiedenen  Teilen,  welche  erst 
anfangs  des  15.  Jahrh.  zusammengefiigt  wurden. 

I.  Teil.  Bl.  1 — 165.  Die  eigentliche  hier  in  Betracht  kommende  Predigtsamm- 
lung, von  einer  Hand  geschrieben,  bricht  Bl.  165  ab,  da  zwischen  Bl.  165  und  166 
ein  Blatt  herausgeschnitten  ist.  Es  stehen  hier  zunächst  auf  Bl.  1—138*  die  Predigten 
Nr.  35 — 75  und  zwar  in  derselben  Reihenfolge  wie  in  A und  G.  Von  Nr.  76 
an  geht  Z und  A auseinander.  Es  folgen  in  Z und  zwar  in  schlechtem,  sehr 
verderbten  Texte  folgende  Predigten  bezw.  Traktate: 

a)  Bl.  138 “ : See  paulg  (rot).  Nostra  conuersatio  in  celis  est.  Santus 
Paulus  sprichit  vnsir  wonunge  sol  sin  in  dem  himelriche,  gedruckt  nach  Cod.  95 
der  Franziskanerbibi,  zu  Freiburg  i.  Schweiz  von  Jostes,  Meister  Eckhart  und 
seine  Jünger  ( Freiburg  i.  Schweiz,  1895,  S.  XIII  und  I.  Anhang  Nr.  1).  Weder 
in  dieser  noch  der  Züricher  Hs.  ist  der  Text  korrekt  überliefert.  Die  Predigt  ist 
mit  anderm  Schluß  auch  erhalten  in  Berlin,  kgl.  Bibi,  cod.  germ.  8°.  65.  f.  71r 
— 4«.  125.  f.  114 " 

b)  Bl.  139d : In  apocalipsi  (rot).  Esto  fidelis  usque  ad  morte  = A Nr.  24, 
unten  S.  61,  Z.  16  ff.,  woselbst  die  Lesarten  angegeben  sind;  vgl.  auch  Schönbach, 
Studien  zur  Geschichte  der  altdeutschen  Predigt.  VI.  Stück,  S.  123.  Hier  wird 
dasselbe  Stück  aus  einer  Innsbrucker  Hs.  mitgeteilt, 

c)  Bl.  140* : Dis  sp'chit  ysaias  (rot).  Surge  illuminare  ierusalem  etc.  Ysaias 
der  wissage  sprichit  stant  vf  ierusalem  — vn  merkent  der  svnde  vntugende  vnd 
hassent  si.  vgl.  Phill.  Bl.  126b  Up  der  heilger  dry  köynicge  dach.  Ist  diese 
Predigt  mit  vorstehender  identisch?  Disposition : Sechs  Dinge  sollen  wir  ansehen; 
den  Himmel,  die  Welt,  die  Hölle,  unsem  Herrn,  die  Tugenden,  die  Sünden. 

d)  Bl,  14 2h : Von  scs  paulus  (rot).  Sanctus  Paulus  sprichit.  Gaudete  in 
domiuo  iterum  dico  Gaudete.  Das  sprichet  fro’went  vch  in  gotte  steteclich  — alse 
vil  alse  von  sins  selbis  vro’ide.  des  helfe  vns  got.  Disposition:  zweifache  Freude; 
an  diesem  und  dem  ewigen  Leben.  Jedes  dieser  Leben  bietet  eine  vierfache 
Freude:  inwendig,  uzwendig,  oben  us,  under  us. 

e)  Bl.  143 ° : Stabunt  iusti  in  magna  constantia  etc.  Die  rehten  lüte  werdet 
stende  ze  dem  iügisten  vrteilde.  Gedruckt  bei  Wackemagel  S.  154. 

f)  lsl.  144b : von  eirne  güten  menschen  (rot).  Ein  reht  güt  mensche.  sol  han 
zwo  vorhte  in  dem  liercen.  zwei  wort  in  dem  mvnde  — owe  selige  sele  wis  alleine 


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Einleitung.  XV 

wol  behvt.  den  dv  dicke  ze  eime  liebe  hast  erwelt  vzzer  aller  liebi.  Eine 
Sammlung  von  Sprüchen. 

g)  Bl  145e : von  gotte  (rot).  Er  ist  schöne  des  schöne  gottis  svn  — mit  ir 
sehen  sol  ane  ende.  Disposition : Drei  Jungfrauen  sollen  die  Pfalz  d.  i.  die  Seele 
behüten,  in  der  Gott  ruhen  will:  Hoffart,  Minne,  Zuversicht.  Die  Punkte  sind 
kurz  angegeben.  In  der  Ausführung  ist  dann  von  vier  Jungfrauen  die  Bede, 
deren  Namen  nicht  genannt  sind. 

h)  Bl.  145ä:  von  den  zwelf  sprossen  (rot).  Ez  sint  zwelf  sprosen  der  sich 
der  mensche  vlizzen  sol  vf  ertriche.  nim  dich  niht  an  wan  das  dir  bevolhen  si 
— Der  zweifle  ist  vlize  dich  aller  tugenden. 

i)  Bl.  146a : Ez  sint£nvn  svnderliche' Sache  = A Nr.  67. 

k)  Bl.  146c : von  tvgede  (rot).  Ez  sint  vier  tugende  die  heizent  mvtir 
aller  tugende,  de  ist  gelo’ube.  minne.  diemütikeit  vnd  bescheidenheit.  — Dis 
ist  vnsir  herre.  an  dem  alle  tugent  vn  selde  vnd  ruwe  ist  Die  vier  Tugenden 
tun  dasselbe,  was  eine  Mutter  ihrem  Kinde  tut:  si  gibirt  ez  unde  spisit  ez  und 
behütit  es  und  lert  ez.  Der  Anfang  des  Traktates  ist  als  Spnich  in  Basel 
B.  1X."15.  fol.  231 ’ — Basel  0.  1.  19  f.  31v — 32”  übergegangen. 

l)  Bl.  147° : Eea  karissima  nu  vernim  den  rat  min  — div  vil  kleine  erbeit 
div  dir  da  von  ist  geseit.  gedruckt  Altdeutsche  Blätter  I,  343. 

m)  Bl.  149a : Ein  güt  mensche  swiget  gerne  — ein  beslozzen  herce  mit 
der  heiligen  drivaltikeit.  vgl.  Haupt,  Zeitschrift  für  deutsches  Altertum  II,  541. 

n)  Bl.  14 9C : Got  ist  ein  ewigis  anegenge  vnd  ist  ein  vollebrahtes  ende 
allis  giitis  — da  wir  iemer  mit  ime  wonen  svlen.  amen.  Dieser  Traktat  ist 
zum  großen  Teil  in  die  Mosaiktraktate  der  Karlsruher  Hs.  St.  Peter  85  über- 
gegangen. (Mitteilung  von  Spanier,  Gießen,  der  in  der  Einleitung  zu  seiner 
Dissertation  näher  darüber  handelt). 

o)  Bl.  16  fr : An  den  alt«  büchen  ze  rome  da  liset  man  das  vnser  herre 
Jhesus  cristus  — er  was  schöne  an  der  gescliepphede  v'ber  alle  menschen  kint. 
amen.  Pseudo-Lentulus.  Von  der  Gestalt  Christi,  gedruckt  nach  Z in  Zeitschrift 
für  deutsches  Altertum  IV,  574.  Nach  Mitteilung  von  Spanier  findet  sich  der 
Traktat  außerdem  in  Wien  Hs.  3160  fol.  23fr  (lat.) ; 618  fol.  22r  (lat.);  960 
fol.  5 ' (lat);  4119  fol.  17fr  ; 4453  fol.  383  (lat.);  4576  fol.  104  (lat.);  4899 
fol.  3681'  (lat.).  — Kolmar,  Stadtbibliothek  Hs.  22  fol.  192  (lat.).  — Basel, 
Universitätsbibi.  A.  V.  33  fol.  29  (lat.);  B.  IX.  15.  fol.  284  (deutsch)  — 0.  1. 
19,  Bl.  57.” 

p)  Bl  16 la : Dv'  gotheit  ist  beslossen  in  dem  vatt’  natv'rliche  — an  ir 
hohsten  craft  vn  wirfet  / bricht  ab.  Dieser  Traktat  besteht  aus  Stücken  der 
Pfeiffer' sehen  Traktate  II.  XIII  und  II.  XI.  3. 

II.  Teil.  Bl.  166 — 187.  Traktate  und  Gebete-. 

a)  Bl.  166a : Dis  sint  die  bezeichenunge  der  heilgen  messe  gedruckt  bei 
Wackemagel  S.  69,  vgl.  Schönbach,  Studien  zur  Altdeutschen  Predigt,  VI.  Stück. 
S.  124,  und  unten  Predigt  Nr.  3,  S.  8. 


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XVI 


Einleitung. 


b)  Bl.  172c  : Pater  noster  vater  vnser  dv  bist  indü  himeln.  Auslegung 
des  Vater  unser;  vgl.  Zs.  f.  deutsche  Phil.  XIV,  89  und  Zs.  (.  deutsches  Altertum  19,  71. 

c)  Bl.  181d : Herre  ich  bitte  dich  durch  des  smerzen  ere  den  du  enphienge 
in  diner  kintheit.  Ein  Gebet  zu  den  Leiden  des  Herrn. 

d)  Bl.  184a : Swer  dise  ses  ding  an  im  hat  das  ist  Zeichen  der  minne. 
Davon  handelt  auch  ein  längerer  lat.  Traktat  in  Basel  B.  IX.  10.  fol  265—267 
und  A.  X.  130. 

e)  Bl.  ISP : In  monte  oliueti  orauit  ad  patrem  pater  si  fieri  potest. 

f)  Bl.  185° : Dis  lerte  brüd'  ekkehart.  Der  mensche  ds  dis  pater  noster 
mit  andach  sprichet  — vnde  allen  mensche  amen.  Pater  noster. 

g)  Bl  186" : Herre  lieber  herre  got  ich  bitte  dich  de  dv  mir  gebest  ernest 
zv  reliteme  lebenne.  Gebet. 

h)  Bl.  186b : Das  dir  vusers  herre  marter  desto  bas  zv  herzen  ge  sa  schribe 
ich  hie  etewie  menge  martyr  die  er  leit  als  die  meistre  schribet  ane  die  vier 
ewangelisten  / bricht  ab,  da  zwischen  Bl.  187  und  188  zwei  Blätter  weggeschnitten  sind. 

111.  Teil.  Bl.  188 — 194:  Von  hern  selphartes  regel  (rot).  Gelobet  si  der 
süsse  got  in  allen  sin  tugenden.  — Bl.  194b  Darumbe  bedürfen  wir  wol  gütes 
rates  darzü  dz  vns  der  tüfel  niht  verzucke  — H Nr.  43  (Wackemagel , S.  543), 
hsg.  in  Wackemagels  Altd.  Lesebuch,  Sp.  811—816,  nach  der  lat.  Hs.  407  der 
Erlanger  Universitätsbibliothek  Bl.  226'' , welche  unter  andern  die  Sermones 
fratris  Bertholdi  ad  religiosos  enthält;  vgl.  auch  Wackemagel  S.  609  und  Schön- 
bach, Studien  zur  Geschichte  der  altdeutschen  Predigt , VI.  Stück,  S.  125. 

Dis  büch  ist  swest1  eilzen  tröschin  ze  adelnhusen.  vf  sol  niem'  hinnä  kome. 

3.  W:  K.  K.  Hoßilliothek  zu  Wien  Hs.  Nr.  2702  olim  Salisb.  130  (vgl. 
Hoffmann,  Verzeichnis  der  altdeutschen  Handschriften  der  k.  k.  Hofbibliothek  zu 
W\en  S.  303 — 305;  und  Altdeutsche  Blätter  II,  172)  aus  dem  Jahre  1363,  nach 
dem  Sammler  der  Predigten  seither  „Br.  Peters  v.  Trebensee  Predigten“  benannt. 
Ein  Quartband  von  125  Bl.  von  einer  einheitlichen  Hand,  der  Hand  des 
Johannes  Haller,  geschrieben,  worauf  ein  Eintrag  am  Schluß  hinweist:  ‘Anno 
domini  1363  in  vigilia  sancti  Viti  finitus  est  über  iste  per  manus  Johannis  dicti 
Haller;  conpilatus  autem  per  fratrem  Petrum  magistrum  curie  in  Wienna  ven. 
dominorum  de  Gaminco  (Gamingerhof  zu  Wien,  Freihof  der  Karthäuser).  Von 
derselben  Hand  stammen  nach  Vollendung  der  Hs.  die  Korrekturen  und  die 
Überschriften.  Die  Predigten  folgen  in  einer  anderen  Reihenfolge  als  iw  A, 
G und  Z.  Die  einzelnen  Stücke,  deren  Nummern  bei  Hoffmann  und  schon  iw 
der  Handschrift  nicht  richtig  gezählt  sind,  sind  nach  A geordnet  folgende:  Nr.  36. 
37.  38.  48.  45.  46.  72.  50.  42.  40.  51.  71.  56.  57.  60.  44.  68.  59.  62.  63.  64. 
65.  66.  69.  70.  73.  74.  54.  58.  61.  75,  also  31  Stücke,  welche  mit  Nr.  36 
unserer  Sammlung  einsetzen  und  mit  Nr.  75  enden,  d.  i.  mit  demselben  Stücke , 
bei  dem  (G)  Z von  A abiceicht.  Die  Handschrift  gehört  zur  G-Gruppe,  ist  jedoch 
keine  direkte  Ableitung  aus  G oder  Z.  Sie  weist  vielfach  einen  besseren, 
manchesmal  auch  einen  schlechteren  Text  auf  als  G Z. 


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Einleitung. 


XVII 


4.  N:  Kloster  Neuburg  Hs.  Nr.  864,  aus  dem  Jahre  1372,  12?  Bl.  in  4 ®. 
( vgl.  Altdeutsche  Blätter  11,  173)  folgt  durchweg  W,  von  dem  sie  eine 
Abschrift  ist.  Der  Eintrag  am  Schlüsse  der  Handschrift  lautet:  Daz  püch  hat 
geschrieben  Petras  von  Trebense  zü  den  Zeiten  Chappellan  datz  Zelking.  Finitus 
est  über  iste  a°.  d.  1372  in  die  sancti  Willibaldi  confessoris.  Oedruckt  aus 
dieser  Sammlung  ist  die  erste  Predigt  — A Nr.  36  in  Altdeutsche  Blätter  11, 174 — 178. 

5.  Arnndel  214  (vgl.  Priebsch,  Deutsche  Hss.  in  England  II,  43  Nr.  64). 
Die  Handschrift  besteht  aus  6 ursprünglich  selbständigen  Teilen.  Der  für  uns 
in  Betracht  kommende  5.  Teil  stammt  aus  dem  Carthäuserkloster  zu  Mainz, 
enthält  20  Bl.,  zweispaltig  geschrieben  aus  dem  14.  Jahrhundert.  In  die  Sammlung 
sind  10  Predigten  aus  A aufgenommen  in  folgender  Reihe:  Nr.  36.  38.  37.  57. 
58.  59.  61.  63.  39.  40.  Die  Reihenfolge  scheint  durch  das  Kirchenjahr  bedingt 
zu  sein,  da  die  ziveite  die  Überschrift  trägt:  Dominica  in  adventu  domini;  die 
4.:  de  nativitate;  die  5.:  in  passione;  die  8.:  De  ascensione.  Predigt  1.  3.  10 
sind  ohne  Überschrift;  6.:  De  s.  Petro;  ?.:  de  conversione  s.  Pauli;  9.:  de  s.  Stephano. 

Während  OZ  Arundel  in  alemannischem,  WN  in  österreichischem  Dialekt 
geschrieben  sind,  besitzen  wir  in  niederdeutscher  Sprachform  folgende  zwei  Sammel- 
handschriften unserer  Predigten: 

6.  H = Hs.  Nr.  377  zu  Haag  (vgl.  Haupt,  Zeitschrift  für  deutsches 
Altertum  II,  302  ff.  und  Wackemagel,  Predigten  und  Gebete  S.  517  und  541  f.) 
Sie  stammt  aus  dem  Slawantenkloster  bei  Mastricht  und  ist  wahrscheinlich  Eiule 
des  14.  Jahrhunderts  geschrieben.  Sie  besteht  aus  247  Folioblätter  und  enthält 
auf  Bl.  3C — 232v  47  Predigten,  welche  für  uns  in  Betracht  kommen.  Mit 
Bl.  232d , dem  Ende  der  20.  Lage,  bricht  die  letzte  Predigt  in  der  Mitte  eines 
Wortes  ab.  Aus  der  Sammlung  sind  zwei  Predigten  gedruckt  in  Zeitschrift  für 
deutsches  Altertum  II,  350.  356  und  ztcar  Nr.  37  und  Nr.  70  unserer  Ausgabe. 
Da  mir  die  Hs.  nicht  Vorgelegen,  vermute  ich,  daß  die  Numerierung  der  Stücke 
bei  Wackemagel  nicht  ganz  korrekt  ist,  da  die  kleineren  Stücke  wohl  nicht  be- 
sonders gezählt  wurden.  Nach  Wackemagel  setzt  die  Sammlung  ein  mit  A Nr.  37, 
(A  Nr.  36  — H Nr.  46)  und  folgt  in  der  Reihenfolge  bis  Nr.  17  A,  geht  dann 
jedoch  eigene  Wege.  Mit  dem  ersten  Teil  von  A hat  H zwei  Predigtvorsprüche 
gemein:  H 44  — A 13;  H 45  ■=  A 16;  die  Ausführung  scheint  jedoch  nach 
den  Proben  von  Wackemagel  S.  543  f.  verschieden  zu  sein.  Außerdem  steht  in 
H Nr.  43  die  regula  Selphardi  (Wackemagel  S.  543),  die  sich  auch  im  3.  Teil 
von  Z wiederfindet  (vgl.  oben  S.  XVI).  Hie  aus  den  2 gedruckten  Predigtproben 
hervorgeht,  gehört  H zur  G-Gruppe,  von  der  sie  im  allgemeinen  eine  ganz  gute 
Überlieferung  bietet. 

7.  Phill.  643  = Bibliotheca  Phillippica  A Sammlung  van  Ess  zu  Chelten- 
ham,  (vgl.  Priebsch,  Deutsche  Hss.  in  England  I,  61,  Nr.  59),  eine  Papier- 
handschrift des  15.  Jahrhunderts  mit  231  Bl.,  vielleicht  aus  einem  Manns-Kloster 

Deuteclio  Texte  de«  Mittelster»  X b 


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xvni 


Einleitung. 


zu  Köln.  Die  Reihe  unserer  Predigten  beginnt  in  dieser  Hs.  mit  Bl.  8?a  und 
trägt  zum  Unterschied  aller  übrigen  Sammlungen  eine  Überschrift,  welche  über 
die  Zweckbestimmung  der  Predigten  keinen  Zweifel  läßt:  ‘Dit  is  de  rechte  maneir 
vä  uartgange  eys  geistliche  mysche  ey  eicklich  mach  prue  I wat  grade  hei  up 
gecloinen  sy  want  na  desem  wege  mähma  (!)  wairlyche  uorit  gay  va  d*  eyre 
doicht  tzer  sder.  Als  Predigten  von  A sind  aufgenommen:  Nr.  38.  65.  39.  41. 
46.  54.  55.  60.  62.  70.  58.  63.  56.  59.  69.  48.  51.  50.  52.  37.  40.  Die  Hs. 
schöpft  demnach  ihre  21  Predigten  Nr.  37 — 70  aus  einer  einheitlichen  Sammlung. 
Die  einzelnen  Predigten  sind  durch  die  Überschriften  durchweg  in  das  Kirchen- 
jahr eingereiht.  Oedruckt  am  dieser  Sammlung  ist  Nr.  46  bei  Priebsch  a.  a.  0. 
S.  227.  Der  Vergleich  mit  dem  Text  von  A und  O zeigt,  daß  die  Handschrift 
zur  O-Oruppe  gehört  und  die  Überlieferung  gut  wiedergibt. 

8.  Zu  den  Handschriften,  in  welche  zersprengte  Stücke  aus  unserer  Predigt- 
sammlung übergingen,  gehören  vor  allem  die  kurzen  Skizzen  in  der  Berthold- 
handschrift  Cod.  Pal.  germ  24  (Bartsch  Nr.  18)  der  Heidelberger  Universitäts- 
bibi. — Cod.  955  der  St.  Oallener  Bibliothek  (vgl.  Pfeiffer- Strobel  Predigten 
Bertholds  v. Regensburg  11, 664),  welche  ebenfalls  Berthold  zugeschriebenes  enthält.  — 
Cod.  St.  Georg  37  der  Hof-  und  Landesbibliothek  zu  Karlsruhe.  — B XI  10 
(vgl.  Wackernagel  S.  272)  und  B IX  15  fWackemagel  S.  277)  der  Universitäts- 
bibliothek zu  Basel.  — B 223(730  der  Stadtbibliothek  (Wasserkirche)  zu  Zürich 
(Wackemagel  S.  259).  Eine  Papierhandschrift  aus  dem  Ende  des  lö.Jahrh.  aus  dem 
Franziskanerkloster  zu  Ingolstadt  (vgl.  Zeitschr.  f.  d.  Philol.  14  [1882],  64  ff.)  — 
-4«$  den  Handschriften  anderer  Bibliotheken  ließe  sich  sicherlich  noch  ein  oder  das 
andere  identische  Stück  auffinden,  wenn  unsere  gedruckten  Handschriftenkataloge  bei 
der  Nachprüfung  nicht  versagen  toürden.  Um  die  Identität  ziveier  Predigten  erkennen 
zu  können,  wäre  es  unbedingt  notwendig,  nicht  bloß  Überschrift,  Vorspruch  aus 
der  hl.  Schrift  und  den  Anfang  der  Predigt  in  die  Kataloge  aufzunehmen,  sondern 
vor  allem  die  Disposition,  die  allein  einen  Vergleich  zwischen  anscheinend 
gleichen  Texten  ermöglicht. 

Die  Beschreibung  der  handschriftlichen  Überlieferung  zeigt  .schon,  daß  wir 
es  mit  einer  weitverbreiteten  und  hochgeschätzten  Predigtsammlung  zu  tun  haben. 
Ihre  Verbreitung  erstreckte  sich  nicht  nur  auf  das  westliche  Süddeutschland, 
sondern  auch  auf  die  Niederlande  und  Österreich.  Die  Pi-edigten  berücksichtigen 
vortciegend  die  Verhältnisse  klösterlichen  Lebens  und  waren  darum  in  erster  Linie 
für  Klosterleute  bestimmt,  zuerst  dort  voigetragen  als  lebendiges  Wort,  nachher  als 
Predigtsammlung  dazu  ausersehen,  als  geistliche  Lesung  i?i  dem  Reventer  vor- 
gelesen zu  werden  (vgl.  Priebsch,  Deutsche  Hss.  in  England,  I,  64).  Die  auf- 
gezählten Predigthandschriften  wareti  in  Frauen-  und  Mannsklöstem  verbreitet 
und  zwar  der  verschiedensten  Orden:  der  Dominikaner,  Benediktiner  und  Kar- 
thäuser. Je  nachdem  die  Sammlung  für  das  eine  oder  andere  Kloster  bestimmt 
war,  unirden  auch  die  in  der  Handschrift  berührten  Anspielungen  auf  klöster- 


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Einleitung. 


XIX 


liehe  Einrichtungen  zweckentsprechend  gelindert:  aus  brüder  wurde  swester,  aus  priol 
wurde  maister  bezw.  amptman  (S.  226,  Z.  19),  oder  diese  Ausdrücke  wurden  um- 
gangen und  durch  allgemeine  Ausdrücke  wie  sälge  sele  oder  gaistlich  lüte  ersetzt. 
Will  man  deswegen  diese  Bemerkungen  dazu  benützen,  um  den  Verfasser  der  Pre- 
digten zu  eruieren,  so  ist  dabei  große  Vorsicht  notwendig.  Jedenfalls  darf  man 
nie  aus  dem  Auge  verlieren,  daß  solche  Ausdrücke  im  Laufe  der  Zeit  unter  der 
Hand  der  Abschreiber  oft  eine  große  Wandlung  durchgemacht  haben. 

Zu  den  Predigten,  welche  ganz  allgemeine  Themata  behandeln  und  daher  für 
Welt-  ivie  Ordensleute  berechnet  sein  können,  gehören  z.  B.  Nr.  1.  2.  3.  10.  12. 
30.  32.  38. 

Vorwiegend  oder  ausschließlich  für  Frauenklöster  bestimmt  waren  die 
Predigten  Nr.  6.  13.  14.  1Ö— 17.  22.  23.  29.  37  usw. 

Andere  wieder  können  sowohl  in  Männer-  vne  Frauenklöstem  gehalten, 
worden  sein:  z.  B.  Nr.  4.  5.  7.  9.  12.  18.  19.  20.  21.  24—28.  33.  31.  36  usw. 

Die  Überlieferung  der  Predigten  zeigt  ferner,  daß  die  Predigtsammlung 
einen  durchaus  einheitlichen  Charakter  trägt.  Cruel  (Geschichte  der  deutschen 
Predigt  im  Mittelalter.  Detmold  1879,  S.  355),  Linsenmayer  (Geschichte  der 
Predigt  in  Deutschland  von  Karl  dem  Großen  bis  zum  Ausgang  des  14.  Jahrh. 
München  1886,  S.  365),  Preger  (Geschichte  der  deutschen  Mystik  II,  32)  nehmen 
darum  folgerichtig  auch  nur  einen  einzigen  Verfasser  der  Predigten  an.  Da- 
gegen glaubte  Albert  (Die  Geschichte  der  Predigt  in  Deutschland  bis  Luther. 
3.  Theil.  Gütersloh  1896,  S.  94,  97)  für  mehrere  Verfasser  eintreten  tu  müssen. 
Als  Maßstab  für  die  Scheidung  der  einzelnen  Stücke,  die  er  nur  aus  den 
wenigen  bei  Wackernagel  mitgeteilten  Proben  kannte,  diente  ihm  die  Art  und 
Weise  der  Schriftanwendung,  eine  Grundlage  die  für  solche  Untersuchungen  doch 
zu  subjektiv  ist,  um  darauf  sichere  Schlüsse  zu  bauen.  Nachdem  nunmehr  die 
ganze  Sammlung  gedruckt  vorliegt,  wird  deren  einheitlicher  Charakter  auch  nicht 
mehr  in  Zweifel  gezogen  werden  können.  Der  schlagendste  Beweis  für  die  Einheit 
ist  der  stets  gleiche  Aufbau  der  Predigten,  die  gleiche  Art  und  Weise  das  Thema 
anzukündigen  und  durchzuführen,  die  öftere  Verwendung  derselben  Schriftstellen 
in  dem  gleichen  Sinne  und  mit  denselben  Schlußfolgerungen,  sowie  die  Wiederkehr 
derselben  biblischen  Beispiele,  wovon  die  in  den  Anmerkungen  gegebenen  Verweise 
den  Beleg  erbringen.  Um  jedoch  die  einzelnen  Stücke  richtig  beurteilen  zu  können, 
sind  zwei  Dinge  wohl  zu  beachten:  einmal  der  Unterschied  zwischen  den  eigent- 
lichen Predigten  und  den  sog.  Collationen.  Zu  dieser  Gattung  gehören  die  lehr- 
haften Stücke.  Die  einzelnen  Punkte  werden  hierin  nach  Art  einer  theologischen 
Abhandlung  kurz  aufgezählt,  wobei  auf  oratorisches  Beiwerk  grundsätzlich  ver- 
zichtet wird.  Als  collacio  ist  ausdrücklich  bezeichnet  Nr.  19.  Dahin  gehören  noch 
Nr.  21.  27.  43.  45.  67.  81 — 86.  Ein  ganz  eigenartiges  Gepräge  trägt  Nr.  35. 
Die  Überschrift  von  Gottes  fride  ist  der  ersten  Sentenz  entnommen  und  rein 
willkürlich  über  das  Ganze  gesetzt.  Das  Stück  besteht  aus  einer  losen  Zusammen- 
stellung verschiedener  Schrift-  und  Väterstellen  und  zwar  solcher,  welche  in  den 

b* 


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XX 


/Anleitung. 


vorliegetiden  Predigten  größtenteils  verwendet  wurden.  Ähnliche  Stäche  sind 
Nr.  42.  43  (S.  136,  Z.  28  ff.).  46  (S.  144,  Z.  22  ff.).  Auf  der  anderen  Seite  ist 
wohl  zu  beachten , daß  die  jetzt  ganz  kurz  scheinenden  Stücke  in  A,  in  welchen 
auf  eine  reichlichere  Benützung  der  hl.  Schrift  und  der  Väter  verzichtet  wurde 
und  welche  darum  das  Äußere  einer  Predigt  gleichsam  verloren  haben,  ganz  gut 
eine  wohl  disponierte  und  reich  ausgeführte  Predigt  voraussetzen  können,  wie  dies 
die  Paralleltexte  der  Stücke  Nr.  70ff.  zur  Genüge  dartun. 

Um  den  Verfasser  der  Predigten  bestimmen  zu  können,  ist  es  von  Wichtigkeit 
zunächst  die  Zeit,  in  der  die  Predigtsammlung  entstanden  ist,  ins  Auge  zu  fassen 
Den  einzigen  Anhaltspunkt  gibt  uns  die  Stelle  S.  239,  Z.  5,  in  der  es  nach  G 
heißt,  daß  die  Engel  ‘wol  drivzehin  hundirt  jar'  die  Menschheit  unseres  Herrn 
ansehen,  eine  Zeitbestimmung  die  in  der  Vorlage  von  A ungeschickt  in  das  Jahr  1303 
verwandelt  wurde.  Hält  man  beide  Zeitbestimmungen  zusammen,  so  geht  daraus 
mit  aller  Sicherheit  hervor,  daß  A auf  eine  Vorlage  X vom  Jahr  1303  zurückgeht, 
während  X G Z W eine  Vorlage  zur  Voraussetzung  haben,  die  auf  alle  Fälle  vor 
1303  entstanden  sein  muß.  Mit  vollem  Recht  setzt  daher  Michael  (Geschichte  des 
deutschen  Volkes  II,  139)  die  Predigtsammlung  noch  in  das  Ende  des  13.  Jahr- 
hunderts, wie  es  schon  vor  ihm  Rieger  ( bei  Wackemagel  S.  387),  Cruel  (S.  355) 
und  Linsenmayer  (S.  365)  getan  haben.  Damit  stimmt  auch  die  Entstehungszeit 
von  G,  das  der  Schrift  nach  nicht  viel  später  als  1300  entstanden  sein  kann, 
während  das  auf  dem  Vorderblatt  von  G aufgeklebte  hochallemannische  Bruchstück 
zu  Predigt  59  (S.  254,  Z.  17  ff.)  in  eine  frühere  Zeit  zurückgehen  muß.  (Die 
Ausführungen  Pregers,  Geschichte  der  deutschen  Mystik  II,  9—11  sind  nicht  in 
allen  Punkten  zutreffend).  Wie  vorsichtig  man  jedoch  in  den  Schlüssen  aus  so 
allgemein  gehaltenen  Zeitbestimmungen  wie  'wohl  1300  Jahre'  sein  muß,  dafür 
können  als  Belege  einige  Stellen  aus  Bertholds  Predigten  dienen:  ln  einer 
lateinischen  heißt  es:  Dyabolus  sibi  servientibus  adeo  est  crudelis:  per  exemplum 
Antiochum  pro  servicio  suo  exhibito  iam  plus  quam  per  mille  annos  et  CCO 
durissime  cruciavit  nec  sibi  adhuc  sufficit  ...  die  plures  (was  in  anderen  Hand- 
schriften  erläutert  ist : similiter  Neronem,  Herodem  etc.).  Sodann  die  beiden 
Paralleltexte  aus  der  Heidelberger  und  Brüsseler  Handschrift  (Pfeiffer  I,  389 
Z.  6 u.  II,  416). 

Heidelberger  Hs.  Brüsseler  Hs. 

In  [Got]  habent  die  engel  wol  sehzig  Die  engel  haben  in  mere  wan  sibent 
hundert  jar  an  gesehen  unde  sehent  in  tusent  jär  an  gesehen  . . . [Gregorius 

hüte  als  gerne  als  des  ersten  tages  . . . spricht  das  und  andern  lerer  in  iren 

Sprüchen  und  1er] 

Von  1200  Jahren  dagegen  ist  die  Rede  bei  Schönbach,  Studien  zur  Geschichte 
der  altdeutschen  Predigten,  111.  Stück,  S.  20/21 : mirum  si  ante  mille  ducentos 
annos  publice  predicarunt  apostoli,  ubi  postea  latuerunt?  in  hoc  potes  videre 
manifeste,  te  esse  deceptum.  iam  sunt  mille  ducenti  anni,  quod  publicissime  est 


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Einleitung. 


XXI 


predicata  (fides  catholica).  Aus  der  Tatsache,  daß  sämtliche  Predigten  um  das 
Jahr  1300  bereits  als  Sammlung  vorliegen,  dürfen  wir  mit  Sicherheit  schließen, 
daß  dieselben  einen  Verfasser  haben,  der  vor  1300  gepredigt  hat.  Auf  die 
2.  Hälfte  des  13.  Jahrh.  führt  uns  das  älteste  Bruchstück  der  Predigt  Nr.  4 zu 
Schlettstadt  (allemannisch,  in  der  Gegend  Frankens),  das  der  Schrift  nach  um 
1230  entstanden  sein  muß. 

In  Unkenntnis  über  den  Verfasser  hat  man  die  Sammlung  seither  als 
„St.  Georgener  Prediger“  benannt.  Allein  diese  Bezeichnung  nach  der  Her- 
kunft der  ältesten  Handschrift  ist  doch  zu  oberflächlich  und  rein  äußerlich,  als 
daß  man  an  ihr  festhalten  könnte.  Michael  II,  139  benannte  darum  die  Sammlung 
als  den  „Oberrheinischen  Prediger“  mit  Rücksicht  auf  die  Lesart  S.  193, 
Z.  24  Anm.,  wiewohl  auch  diese  Bezeichnung  durch  die  Lesart  in  A Zeile  24  wieder 
aufgehoben  wird. 

Der  Verfasser  der  Prediger  ist  sicher  ein  Ordensmann  (ach  brüder,  waz  bant 
ir  gesprochen!  owe,  sAlger  brüder  sprechent  es  aber!  S.  71,  Z.  5f),  der  in 
Klöstern  öfters  predigte  ( 8 . 41,  Z.  15;  S.  36,  Z.  36).  Aus  der  Wendung  S.  84, 
Z.  35  der  hailig  vatter  — Benediktus,  ließe  sich  auf  einen  Benediktiner  schließen, 
die  Ausdrücke  priol  und  priolin  deuten  vor  allem  auf  den  Dominikaner-,  weniger 
auf  den  Augustinereremiteti-  oder  Karmelitenorden,  maisterschaft  (S.  51,  Z.  11;  S.  65, 
Z.  12;  S.  85,  Z.  1;  S.  112,  Z.  5;  S.  121,  Z.2)  eher  auf  den  Dominikaner-  als  den 
Franziskanerorden,  kann  aber  auch  ganz  allgemein  für  jeden  Ordensobem  gebraucht 
werden:  aus  diesen  inneren  Gründen  wird  man  darum  keine  sicheren  Anhalts- 
punkte für  den  Verfasser  gewinnen,  weil,  wie  schon  oben  hervorgehoben  wurde,  diese 
Ausdrücke  nach  den  jetoeiligen  Ordensverhältnissen  vom  Schreiber  oder  Sammler 
der  Predigten,  der  in  vorliegendem  Falle  wohl  ein  Dominikaner  war,  leicht 
geändert  und  den  Ordensverhältnissen  angepaßt  werden  konnten.  Zur  Bestimmung 
des  Verfassers  müssen  wir  darum  auf  äußere  Gründe  zurückgreifen,  die  uns 
allein  die  A-Gruppe  der  Hss.  in  die  Hand  gibt.  Die  A-Gruppe  beginnt  mit 
vier  Predigten,  welche  sicher  auf  Berthold  von  Reg ensburg  zurückgehen 
(vgl.  die  Anmerkungen  S.  1.  4.  8.  10).  Predigt  Nr.  4 weist  von  selbst  auf  Nr.  39, 
welche  ein  ähnliches  Thema  mit  derselben  Sicherheit  und  Gercandtheit  im  Aus- 
druck behandelt,  wodurch  gleichzeitig  die  Einheit  des  I.  und  II.  Teiles  in  A 
gewährleistet  ist.  Als  Bertholdisches  Gut  ist  kürzlich  Predigt  Nr.  24  durch 
Schimbach  bezeugt  worden  (gedruckt  aus  einer  Innsbrucker  Hs.  bei  Schönbach, 
Studien  zur  Geschichte  der  altdeutschen  Predigt  VI,  123).  Diese  Predigt  aus 
dem  I.  Teil  von  A findet  sich  auch  in  Z,  so  daß  die  Einheit  des  1.  und  II.  Teiles 
in  A auch  hierdurch  verbürgt  ist.  Denselben  Geist  und  dieselbe  Art  der  Ausführung 
verraten  aber  auch  Predigt  Nr.  17.  25.  26.  28.  52.  56.  Bertholdisch  ist  Predigt 
Nr.  75:  „Von  dreierlei  Minne“  (vgl.  S.  317  Anm.).  Auf  Berthold  von  Regensburg 
weisen  sodann  die  kurzen  Skizzen,  welche  sich  in  der  großen  Bertholdhandschrift 
Cod.  Pal.  germ.  24  der  Heidelberger  Universitätsbibliothek  finden,  in  unserer 
Sammlung  dagegen  ausführlicher  mederkehren  (vgl.  die  Anmerkungen  zu  Nr.  55, 


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XXII 


Einleitung. 


8 121;  Nr.  66,  8.  298;  Nr.  68,  8 299;  Nr.  75,  8 315).  Auf  Berthold  von 
Regensburg  weist  ferner  Nr.  67:  „Von  dem  Schaden  der  läßlichen  Sünden“  (vgl, 
Pfeiffer-Strobl  11,  258)9).  Erwähnt  sei  schließlich,  daß  sich  die  ‘Regula  Selphardi’ 
sowohl  in  den  Berthold  von  Regensburg  zugeschriebenen  'Sermones  ad  religiosos’ 
findet,  wie  in  unserer  Sammlung  (vgl.  S.  X VI).  Der  Ausdruck  ‘ach  brüder’  etc. 
in  der  29.  Predigt  (S.  71,  Z.  5)  ist  ganz  Bertholdisch.  (Die  Predigt  findet  sich  auch 
in  einer  Papierhandschrift  aus  dem  Ende  des  15.  Jahrh.  aus  dem  Franziskaner- 
kloster Ingolstadt  Bl.  90” — 91v : Von  drien  tagwaiden,  die  wir  unserm  herren  nach 
volgen  suln;  vgl.  Zeitschr.  f.  d.  Phil.  14  [1882],  64  ff.).  Ebenso  echt  Bertholdisch 
ist  der  Ausdruck  in  der  18.  Predigt  (S.  53,  Z.  33  ff) : du  solt  es  wider  gen  oder  din 
wirt  niemer  rät!  (vgl.  dazu  Nr.  39,  S.  110,  Z.  12;  S.  111,  Z.  16).  Der  Verfasser  der 
18.  Predigt  ist  aber  auch  der  Verfasser  der  37.  Predigt;  der  Verfasser  von  Nr.  33 
auch  derjenige  von  Nr.  38,  der  Verfasser  von  Nr.  2 auch  derjenige  von  Nr.  57  usw., 
wodurch  die  Zusammengehörigkeit  beider  Teile  in  A aufs  neue  bestätigt  wird. 

Faßt  man  die  Zeit  der  Entstehung,  die  Einheit  und  die  große  Verbreitung  der 
Sammlung  sowie  die  eben  angeführten  äußeren  Gründe,  welche  für  Berthold  von 
Regensburg  sprechen,  ins  Auge,  so  glaube  ich  berechtigt  zu  sein,  die  große  Mehrzahl 
als  einen  Niederschlag  Bertholds  deutscher  Klosterpredigten  bezeichnen 
zu  dürfen.  Die  Wichtigkeit  der  vorliegenden  Predigtsammlung  dürfte  darum  von 
selbst  gegeben  sein  und  zwar  sowohl  mit  Rücksicht  auf  die  bisher  bekannten  deutschen 
wie  auch  im  Vergleich  zu  den  lateinischen  Predigtsammlungen  Bertholds  von 
Regensburg.  Von  den  lateinischen  Sammlungen  der  unter  dem  Namen  ‘Sermones 
ad  religiosos’  bekannten  Bertholdspredigten  hat  Jacob  (Die  lat.  Reden  des  sei. 
Berthold  von  Regensburg' S.  86,  § 5)  eine  kurze  Übersicht  und  Inhaltsangabe 
gegeben,  von  denen  zwanzig  durch  Hpetzl  (Beati  fr.  Bertholdi  sermones  ad 
religiosos  Monachii  1882)  herausgegeben  wurden.  Allein  diese  Ausgabe  entspricht 
auch  nicht  den  geringsten  Anforderungen,  die  man  an  Editionen  solcher  Texte 
stellen  muß.1)  Aber  auch  in  anderer  Hinsicht  bedürfen  gerade  die  Sermones  ad 
religiosos  noch  einer  besonderen  Untersuchung  (vgl.  Schönbach,  Studien  zur  Ge- 
schichte der  Altd.  Predigten,  V.  Stück,  S.  55  ff.).  Zum  großen  Teil  finden  sich 
nämlich  diese  Predigten  in  anderen  Bertholdschen  Sammlungen  und  viele  derselben 
sind  überhaupt  nicht  für  Religiösen  berechnet.  Dagegen  ist  unsere  Sammlung  fast 
ausschließlich  für  Religiösen  bestimmt.  Als  deutsche  Predigten  sind  sie  in  diesem 
Umfang  die  einzige  Sammlung,  welche  wir  auf  Berthold  von  Regensburg  zurück- 
führen können.  Sechs  deutsche  „Klosterpredigten“  hat  Strobl  (Pfeiffer-Strobl  II, 

1)  So  urteilt  auch  Schönbach,  Studien  zur  Oeschichte  der  altdeutschen  Predigten  V.  Stück  S.  60. 
IV’i«  ich  mich  durch  Einsicht  in  die  sehr  fehlerhafte  Handschrift  überzeugt  habe,  hat  Hoetzel 
wenigstens  den  Text  der  Hs.  genau  wiedergeben,  was  man  ton  den  lat.  Texten  Schönbachs  nicht 
sagen  kann.  Als  Beispiele  führe  ich  einstweilen  nur  an  III.  Stück  S.  8 Z.  3 ff.:  item  de  penitcnda 
dicunt,  quod  non  cat  saccrdotibna  eonfitcndum.  nec  confinnationem  ab  eis  accipi  debere:  In  der 
Hdschr.  heiflt  es  aber:  nec  ponitentie  ab  eis  accipiende,  was  allein  einen  Sinn  hat.  S.  6 Z.  17  ff. : 
ecce.  quanta  cecitas,  cum  tota  scriptura  dicat  creationem!  (in  der  Hs.  jedoch  contrarinm,  was  wieder 
allein  richtig  ist). 


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Einleitung. 


XXIII 


258 — 274)  bereits  veröffentlicht.  Sie  sind  sehr  individualistisch  gehalten  in 
lebendigem  Verkehr  mit  dm  Zuhörern.  Unsere  Predigten  dagegen  tragen  der 
Mehrzahl  nach  mehr  doktrinären  Charakter,  was  sich  leicht  am  der  Art  und  Weise 
der  Aufzeichnung  erklären  läßt , die  nach  dem  gehörten  lebendigen  Vortrag  nur 
den  Gedankengang  niederschrieb,  ohne  sich  an  die  rhetorische  Form  zu  haltm,  oder 
auf  die  Behandlung  der  Predigten  durch  den  Sammler  derselben. 

Daß  Berthold  neben  seiner  Tätigkeit  als  Missionsprediger  auch  in  Klöstern 
gepredigt  hat,  darf  man  von  vornherein  als  selbstverständlich  betrachten;  und  daß 
sich  bei  seiner  Berühmtheit  diese  Predigttätigkeit  nicht  auf  seine  Ordensangehörigen 
allein  beschränkte,  ist  ebenso  anzunehmen.  Auch  Schönbach  hält  es  für  sicher 
(VII,  19)  erwiesen,  daß  Berthold  Predigten  an  Frauen  einer  geistlichen  Kon- 
gregation gehalten  hat  und  zwar  in  seiner  Eigenschaft  als  Spiritual  (vgl,  Schön- 
bach VI,  70,  75.  VIII,  82.  „Jedenfalls  betrachte  ich  die  Aufnahme  von  Nieder- 
schriften Bertholdscher  Predigten  an  geistliche  Frauen  als  ein  Zeugnis  dafür,  daß 
er  eine  Wirksamkeit  als  Spiritual  oder  Hausprediger  tatsächlich  ausgeübt  hat“).  Unsere 
Sammlung  fügt  sich  darum  der  bisherigen  Überlieferung  an  die  Seite. 

ln  den  deutschen  Texten  der  Klosterpredigten  finden  wir  auch  alle  Vorteile, 
die  Schönbach  (VI.  Stück)  an  den  deutschen  Missionspredigten  vermißt:  genaue 
Bibelzitate,  ausgiebigen  Gebrauch  der  Kirchenväter,  als  deren  Meister  Augustin, 
Gregor  und  Bernhard  zitiert  werden  (vgl,  Schönbach  VIII,  9),  Verwendung  des 
Breviers  und  die  frühe  Entstehung  der  Sammelhandschriften. 

Auf  Berthold  von  Regensburg  passen  schließlich  die  Urteile,  welche  die 
Predigten  seither  von  den  Fachkennern  gefunden  haben.  So  urteilt  Albert 
(Geschichte  der  Predigt  in  Deutschland,  3.  T.,  S.  98j9)  über  die  57.  Predigt, 
daß  eie  eine  ganz  hervorragende  Stelle  unter  den  schriftgemäßen  Predigten  ein- 
nehme, schon  um  deswillen,  weil  sie  nach  Coloss.  3.  16  ‘Von  dem  worte  Gottes’ 
selbst  handelt,  „Der  Verfasser  stellt  eitle  ganz  vortreffliche  Theorie  der  Predigt- 
kunst auf,  wenn  er  fordert,  daß  zu  allererst  'bei  dem  Prediger  im  Herzen  das 
Wort  Gottes  geboren  werde',  daß  also  Meditation  und  Gebet,  persönliches  Christen- 
tum des  Predigers  eine  Vorbedingung  zu  gesegneter  Arbeit  sei.  Er  hat  selbst 
gewiß  treidich  nach  dieser  Vorschrift  gehandelt.  Das  ganze  3.  Kapitel  des  Briefes 
an  die  Colosser  ist  offenbar  vor  Abfassung  der  Predigt  im  Zusammenhang  durch- 
gearbeitet worden,  ein  Zeugnis  von  einem  seltenen  eingehenden  Schriftstudium.“ 
Ähnlich  urteilt  Michael:  „Der  oberrheinische  Prediger,  wie  man  der  Kürze  halber 
den  Verfasser  der  Sammlung  nennen  darf,  offenbart  sich  als  ein  Mann  von 
theologischer  toie  rhetorischer  Schulung,  von  lebendiger  Phantasie  und  von  milder 
Gemütsart“  (II,  139).  Diese  günstigen  Urteile  werden  jetzt  erst  recht  in  ihrem 
Werte  gewürdigt  werden  können,  da  die  ganze  Sammlung  gedruckt  vorliegt. 

Der  Ausgabe  der  Predigten  ist  A zu  Grunde  gelegt,  weil  sie  die  einzige 
Hs.  ist,  in  welcher  die  Predigten  vollständig  überliefert  sind.  Die  Lesarten  zu 
Nr.  1 — 10.  12.  13.  17  aus  der  Hs.  S,  auf  die  ich  erst  am  Abschluß  des  Druckes 
aufmerksam  wurde,  sind  im  Anhang  S.  342)3  mitgeteilt.  Von  Nr.  35  an  ist  G bei- 


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XXIV 


Einleitung. 


gezogen,  dessen  abweichende  Lesarten  in  dem  Apparat  vollständig  vermerkt  tcurden. 
Dabei  wurden  jedoch  Wortumstellungen,  die  den  Sinn  nicht  veränderten,  nicht 
berücksichtigt.  Da  O mit  Nr.  71  abbricht  (S.  306,  Z.  11),  trat  für  die  An- 
merkungen an  dessen  Stelle  Z,  auf  das  schon  früher  wie  auch  auf  1F  bei  allen 
schwierigen  oder  unsicheren  Stellen  zur  Feststellung  des  richtigen  Textes  zurück- 
gegriffen wurde. 

Als  Grundsätze  für  die  Textbehandlung  waren  die  von  der  Deutschen 
Kommission  festgelegten  maßgebend.  Die  Abkürzungen,  die  in  AG  spärlich,  aber 
durchaus  regelmäßig  sind:  Striche  über  den  Buchstaben  für  n und  m (im  Zweifel- 
fall gibt  der  Apparat  Aufschluß),  wurden  sachgemäß  aufgelöst:  wz  in  waz;  dz 
in  daz;  jedoch  wurde  ausgeschriebenes  das  und  was  in  Abelassen;  ebenso  de  und 
wc  in  G nicht  aufgelöst,  vn  wurde  durchgehend  in  und  aufgelöst,  die  Form  vnde 
dagegen  in  G belassen.  Ferner  wurde: 

mhd.  anlautendes  u,  in  A geschrieben  v:  gedruckt  u, 

Ji  ft  Jl  ff  ft  fr  1 • fr  J* 

Die  Schlußsilbe  g z.  B.  in  gebg  wurde  mit  geben  aufgelöst,  obwohl  daneben  häufig 
doppel-n  vorkommt:  gebenn  (vgl.  S.  1,  Z.  3).  Am  Ende  einer  Zeile  steht  für  s 
öfters  5,  das  im  Druck  mit  z wiedergegeben  wurde. 

Die  Titel  der  Predigten  in  A sind  durchweg  rot  geschrieben.  Absätze  durch 
rot  durchstrichene  Buchstaben  gekennzeichnet.  Die  lh  Spatien  wurden  im  Druck 
nach  den  von  der  Kommission  geforderten  Grundsätzen  angewandt.  Der  Text 
von  A leidet  vor  allem  an  vielfachen  Auslassungen,  die  meist  durch  Überspringen 
auf  gleichlautende  Worte  hervorgerufen  wurden.  Beispiele  gibt  der  II.  Teil  von  A, 
die  Predigten  Nr.  35  ff.,  zur  Genüge;  sie  sind  auch  für  den  ersten  Teil  von  A 
anzunehmen,  wodurch  sich  manche  jetzt  unklaren  Stellen  werden  berichtigen  lassen. 

An  Zuverlässigkeit  der  Textwiedergabe  glaube  ich  das  Möglichste  geleistet  zu 
haben,  da  ich  die  Korrekturen  stets  nach  den  Handschriften  las.  Daß  mir  dies 
möglich  war,  verdanke  ich  dem  Entgegmkommen  der  Freiburger  Universitätsbibi.,  der 
Karlsruher  Hof-  und  Landesbibi.,  der  Züricher  Stadtbibl-,  der  Wiener  k.  k.  Hof- 
bibl.,  der  Straßburger  Stadtbibliothek  und  nicht  zuletzt  der  Gastfreundschaft  des 
Stadtarchivs  zu  Freiburg,  wo  ich  durch  die  Freundlichkeit  von  Herrn  Archivrat 
Professor  Dr.  Albert,  alle  Hss.  in  Muße  benützen  konnte. 

Es  sind  jetzt  zehn  Jahre  her,  daß  ich  die  Handschrift  A in  der  Universitätsbibi, 
zu  Freiburg  auffand  und  abschrieb.  Herr  Professor  Dr.  Pfaff,  Bibliothekar  zu 
Freiburg,  hat  mir  damals  mit  manchetn  Bat  zur  Seite  gestanden,  so  daß  ich  auch 
an  dieser  Stelle  ihm  meinen  Dank  aussprechen  möchte.  Gleichen  Dank  schulde  ich 
der  Liebenswürdigkeit  von  Herrn  Prof.  Panzer  in  Frankfurt,  der  die  Korrekturen 
mitlas,  und  dem  Entgegenkommen  von  Herrn  Prof.  Boethe  in  Berlin,  der  die  Auf- 
nahme der  Predigten  in  die  „Deutschen  Texte“  ermöglichte  und  sich  ebenfalls  an 
der  Korrektur  beteiligte. 

Scherzingen  bei  Freiburg  i,  Br.,  im  September  1908. 

Karl  Rieder. 


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Der  sogenannte  St.  Georgener  Prediger, 

eine  Überlieferung 

von  deutschen  Klosterpredigten 

Bertholds  von  Regensburg. 


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11.)  Von  den  zehen  gebotten  unser«  herren. 

Der  almähtig  Got  nimt  ein  michel  zal  alle  tag  von  dirr  weit,  der  ieklichs 
ist  schuldig  zehen  helbling  ze  geben,  und  swer  si  nit  hat  ze  gebenn,  der  müss 
eweklich  verlorn  sin.  swer  ir  siben  oder  nun  git,  der  hat  nit  gewert,  won  ir 
sont  zehen  sin.  der  arm  mag  nit  minder  geben  denn  der  rieh,  dis  zehen  helb-  5 
ling  sint  du  zehen  gebot,  zü  den  ain  ieglich  mentsch  gebunden  ist,  er  si  arm 
oder  rieh. 

Der  erst  helbling  ist  daz  erst  gebot:  du  solt  kainen  frömden  Got  haben  für 
mich,  dirr  helbling  hat  zwai  gebräch.  daz  erst:  du  solt  an  kainen  Got  geloben 
wan  an  mich,  weder  in  dem  hymel  noch  uff  der  erde,  die  von  Babylony  10 
bettaten  die  sunnen  an,  den  man  und  die  steinen;  die  Kryechen  die  lüte  und 
daz  vih  und  du  tier;  die  von  [V]  Egypten  land  ain  merwunder,  daz  hiess  Apym. 
daz  solt  du  alles  nit  tfin.  daz  ander  gebräche  ist  daz  du  ane  valschhait  und 
an  hinderlist  mit  guten  trüwen  an  Got  gelobest,  daz  du  von  reht  geloben  solt 
und  als  dir  din  cristener  gelob  seit,  daz  tönt  die  juden  nit  noch  die  kätzer.  15 
da  von  wirt  vil  lüt  verlorn  daz  sü  nit  disen  helbling  laistent. 

Der  ander  helbling  ist  daz  ander  gebot:  du  solt  dines  Gottes  namen  nüt  un- 
nützklich  nemen.  der  helbling  hat  öch  zwai  gebräch.  das  erst  ist:  du  solt  nit 
durch  lait  noch  dur  lieb  noch  durch  kain  ding  maiuaid  swerren  noch  umbsuss 
Iihteklich  bi  Got  swerren,  won  mainaid  sin  gröz  sünde;  und  wer  vil  swerren  wil,  20 
der  wirt  dik  mainait,  daz  ander  gebräche  ist:  du  solt  Oot  niht  schelten  noch 
fluchen,  won  daz  ist  ain  vil  grössü  sünde;  und  solt  öch  nit  grözlich  Got  [1‘] 
erzürnen , won  er  schlüg  ze  ainem  male  von  aines  mentschen  schulde  der  Got 
schalkt,  hundert  tusent  und  fünf  und  ahtzig  tusent  mentschen  ze  tode  in  ainer 
naht,  umb  disen  helbling  wirt  ser  gerihtet.  25 


1.  Die  Überschrift  um/  das  Anftings-I)  des  Textes  ist  rot  geschrieben.  12.  morwnd'. 
13.  ilz  *olt]  lies  dez  solt?  21.  Oot  fehlt. 


1.  Zu  dem  Stück  über  die  zehn  Gebote  vgl.  Pfeiffer-  Strobl,  JSerthold  von  Regensburg  I 264 
-288;  II  198-200  und  die  Lesarten.  — Ebenso  handschriftlich  in  Cod.  Pal.  germ.  527  fol.  117‘ 
(Bartsch  Nr.  268):  DaB  ist  ain  bredig  von  zechen  beten.  Der  alitiechtig  got  nimt  alle  tag  ain 
michel  taii  im«.,  und  in  Cod.  966  S.  121-129  der  Stiftsbibl.  zu  St.  Gallen.  8.  Zu  dem  Wort- 
laut der  10  Gebote  vgl.  Exod.  20,  1-17.  In  der  Ausführung  der  Handschrift  ist  das  9.  und  10.  Ge- 
bot gegenüber  Pfeiffer -Strobl  I 285;  II  200  vertauscht.  — Vgl.  auch  Jacob,  Die  lat.  Beden  des 
sei.  Berthold  t*on  Regensburg  S.  54  Nr.  48,  49,  und  Schönbach , Die  Überlieferung  Bertholds  von 
Regensburg  I 39  ff.  24.  Isai.  37, 36. 

Denteche  Teite  de«  Mittelaller*.  X 1 


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2 


l.  Von  den  zehen  gebotten  ünaers  herrcn. 


Der  drit  helbling  ist  daz  drit  gebot:  du  solt  den  tag  der  rüwe  hailgen, 
daz  ist  den  virtag  eren  und  behalten,  dirr  helbling  hat  Och  zwai  gebräche, 
daz  erst  ist:  du  solt  den  virtag  nit  versmähenn  mit  werche  noch  brechen  als 
die  kätzer,  die  an  dem  sunnentag  gerner  werchant  denn  an  dem  mäntag.  daz 
5 ander  ist  daz  dines  hertzen  rüwe  an  kainer  creatür  sol  sin  wan  an  Got,  der 
ällü  ding  geschaffen  hat  der  mentsch  zerstöret  sines  hertzen  rüwe  der  kain 
ander  rüwe  gert  und  fröde  denn  an  Got,  es  si  güt,  ere,  wib  oder  kint.  ey 
lieber  Got,  was  lüt  umb  disen  helbling  wirt  verlorn! 

Der  vierd  helbling  ist  daz  vierd  [1*!  gebot:  du  solt  eren  vatter  und  müter, 
10  daz  du  dester  lenger  lebest,  dirr  helbling  hat  Och  zwai  gebräch,  daz  erst  ist: 
du  solt  eren  vatter  und  müter  mit  dem  hertzen,  daz  ist  du  solt  sü  nit  dar  umb 
versmahen  daz  sü  alt  sint  und  arm,  siech  oder  ungestalt;  wan  ist  daz  an  inen, 
daz  sint  si  von  den  schulden  din.  du  solt  si  eren  mit  dem  übe,  daz  du  inen 
dienest  und  inen  ir  notdurft  gebest,  ob  du  sin  statt  mäht  han.  daz  ander 
15  gebräch  ist:  du  solt  dinen  gaischlichen  vatter,  daz  ist  der  priester,  und  dine 
gaischlich  müter,  die  hailgen  cristenhait,  eren;  wan  Got  hat  den  priester  über 
all  mentschen  geeret,  da  von  sol  in  der  mentsch  löblichen  eren. 

Der  fünft  helbling  ist  daz  fünft  gebot:  du  solt  nieman  töten,  dirr  helbling 
hat  Och  zwai  gebräch,  daz  erst  ist:  du  solt  mit  diner  liant  nieman  töten  noch 
20  haissen  töten,  den  hast  du  getötet  dem  du  mohtest  gehelfen  und  sin  nit  entäte; 
[2*]  won  dü  schrift  spricht  also:  ‘gib  dem  hungrigen  ze  essenn’;  wan  stirbet  er 
von  hunger,  du  bist  schuldig  an  im.  du  solt  niemans  todes  geren  mit  rät,  mit 
helf,  mit  trost  noch  mit  gunst  daz  ander  ist:  du  solt  dinen  eben cristen  nit 
hassen ; won  swer  sin  eben  cristen  hasset,  der  ist  manschleg. 

25  Der  sehst  helbling  ist  daz  sehst  gebot:  du  solt  nit  uukünsch  sin.  dirr  helb- 
ling bät  Och  zwai  gebräch,  daz  erst  ist:  du  solt  niemannes  wip  ze  unkünsch 
geren,  daz  ist  ze  un  e.  umb  disen  helbliug  wirt  vil  lütes  all  tag  verdampnet. 
daz  ander  ist  ain  sogtanü  sach  unkünsch  da  von  nit  ze  sagenn  ist.  vor  der  be- 
schirm üns  ünser  herr  Jliesus  Christus. 

so  Der  sibend  helbling  ist  daz  sibend  gebot:  du  solt  nit  Stelen,  din-  helbling 
hat  och  zwai  gebräch,  daz  erst  ist:  du  solt  niemans  güt  ze  unreht  geren,  weder 
mit  rob  noch  mit  wucher  noch  mit  kainer  unrehter  /£*/  wise.  daz  ander  ist:  du 
solt  niht  sorklich  din  güt  behalten,  du  solt  es  armen  lüten  mit  tailen.  umb 
disen  helbling  wirt  man  fragend  an  dem  jüngsten  tag. 

35  Der  ahtend  helbling  ist  daz  ahtend  gebot:  du  solt  nit  valscher  gezüg  sin. 
dirr  helbling  hat  och  zwai  gebräch,  daz  erst  ist:  daz  du  weder  durch  miet  noch 
durch  bett,  durch  liep  noch  dur  lait  valscher  gezüg  gegen  ieman  sigest 
das  ander  ist:  du  solt  nit  liegen,  hie  merket  man  fünf  hant  lüg  die  tötlich  sint, 


24.  In  manschtet?  stand  zunächst  nianaclileh,  das  dann  in  mansch  log  korr.  wurde.  26.  wipl 
Pfeiffer-Strobl  I 278,  8 uni  II  199,  29  hat  lip.  28.  »ach  ist  u-ohl  ru  tilgen  (Panter).  31.  daz 
erst  lat  fehlt. 

21.  Anspielung  auf  Isai.  58,  7;  Prov.  25,  21;  Rom.  12,  20. 


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1.  Von  den  zehen  gebotten  ünsors  herren. 


s 


und  dri  die  ablässig  sint.  du  erst  ist  so  man  redet  wider  den  globen;  als  ob 
man  spräche:  Got  si  nit  mentsch  worden  oder  er  wurdi  nie  gemartrot  oder  ünsrü 
vrowe  si  nit  ain  rehtü  magt  oder  ain  säralichs  das  wider  den  globen  ist.  dü 
ander  ist  dü  etwem  schadet  und  niemann  nütz  ist;  daz  ist  so  du  ainem  ment- 
schen  mit  lügen  sin  er  nimest  oder  benemen  wilt  oder  sinen  lip.  dü  drit  [2"]  ist  5 
daz  ainem  fmmet  nnd  dem  andern  schadet;  daz  ist  so  da  mit  lügenn  und  mit 
valscher  gezügnust  ieman  sin  gilt  nimest  dü  vierd  ist  so  du  mit  Hisse  lügest 
oder  trügest  durch  daz  daz  du  dinen  neben  cristen  betrügest  und  überkuraest 
daz  er  sin  grossen  schaden  hat;  daz  tüst  du  än  Sache,  won  er  dir  wol  getrüwet. 
dü  fünfte  ist  so  du  lugest  daz  du  dester  bas  gevallest,  als  der  lotter  und  der  io 
spilman,  der  umb  gäbe  lobet  den  der  da  ze  scheltenn  ist,  und  schiltet  den  der 
da  ze  lobenn  ist.  die  fünf  lugi  sint  tätlich.  die  andern  dri  sint  ablässig,  ob  si 
nxt  sint  in  der  gewonhait.  dü  ain  und  och  dü  sechste  daz  ist  daz  nieman  schadet 
noch  nieman  frumt:  als  du  gegen  iemann  der  etwem  sin  güt  wölti  stein,  nemen 
oder  roben,  sprichest  du  du  wissest  sin  güt  nit,  ob  man  dich  sin  vrage.  dü  ander  15 
und  dü  sibend  ist  so  du  ainen  mentschen  wol  [2*]  waist  den  sin  vigint  süchent  und 
in  töten  went,  und  du  seist  du  wissist  sin  nüt.  dü  drit  und  dü  ahtend  ist  ob 
ainer  wölti  ainer  mägd  iren  magtüm  nemen,  daz  du  ir  den  behieltist  mit  lügenn. 
dis  sint  ahtband  lugi  die  sant  Augustinus  schribet;  und  dü  erst  ist  dü  maist  und 
nimet  als  ab,  wan  dü  jungst  ist  dü  minst.  20 

Der  nünd  helbling  ist  daz  nünd  gebot:  du  solt  dines  nebent cristen  gemabeln 
nit  begeren.  dirr  helbling  hat  och  zwai  gebräche,  daz  erst  ist:  swer  ain  vrowen 
in  dem  willen  an  siht  daz  er  gern  bi  ir  schlief!,  ob  er  sin  statt  möhti  han,  der 
hat  dü  werch  vollebraht.  das  ander  ist:  du  solt  nit  begeren  daz  man  din  beger 
an  dem  ain  werdent  die  man  verlorn,  an  dem  andern  die  vrowen,  die  sich  dar  zü  25 
ziehent  und  sich  beraitent  dem  tüvel  ze  aim  strik.  und  ist  daz  nieman  dar  in 
vallet,  doch  müssent  [3°]  si  daz  egschlich  geriht  und  daz  urtail  Gottes  tragen,  sü  ist 
der  schlänge  der  daz  mägtlich  höbt  hat,  und  si  treit  daz  verborgen  aiter.  si 
hat  berait  die  vergift  da  mit  si  die  sei  töten  wil,  daz  sint  ir  spilden  ögen  und 
ir  valschen  geng  und  ir  trugenliches  smieren.  hie  mit  so  benimt  si  der  rainen  so 
sei  ir  künschi.  in  der  alten  e geschriben  stat:  bat  ain  man  ain  cysternen,  der 
sol  st  bedeken;  tüt  er  des  nit,  vallet  sines  nachgeburen  rint  dar  in  oder  sin 
schäf,  er  sol  es  gelten’,  won  er  sinen  brunnen  nit  wol  bedakte.  ey,  waz  in  des 
vihes  ze  geltenn  geschäht! 

Der  zehend  helbling  ist  daz  zehend  gebot:  du  solt  dins  nebent cristens  ding  ss 
ze  unreht  nit  begeren.  dir  helbling  hat  och  zwai  gebräch,  das  erst  ist  ...joch  gar 


10.  lugest  ohne  ä Zeichen.  IS.  nit  fehlt;  doch  vgl.  Pfeiffer-Strobl  II 200,  10.  14.  noch 

nieman]  und  etewem : Pfeiffer-Strobl  II  200, 11,  vxu  allein  richtig  ist.  neben.  15.  du  du) 
U du.  19.  du  fehlt.  SO.  In  valschen  ist  das  l nachträglich  eingeschoben.  32.  si  fehlt. 
36.  Die  Punkte  sind  von  mir  eingefügt;  es  fehlt  ettca:  daz  du  des  begerst  ze  unreht. 


19.  Vgl.  Pfeiffer-Strobl  II  641.  31.  Exod.  21,  33. 


1* 


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4 


1.  Von  den  zehen  gebotten  finRcrs  herreu. 


an  grossen  vliss,  und  dar  umb  an  fliss,  won  du  trüwest  nit  mit  den  werchen  voll 
riehen,  daz  ander  ist  daz  du  dar  zü  leist  allen  dinen  fliss,  [3‘]  also  die  öch  tunt 
die  da  gänd  Stelen  oder  röben  (geschiht  es  nit,  daz  belibet  an  inen  niht),  und 
daz  du  do  noch  alles  stäst  wie  du  mit  untrüwen  überkomest. 

5 Dis  sint  die  wir  Got  müssint  widergeben  an  dem  jüngsten  tag,  baidü  arm 

und  rieh,  und  wie  wir  si  hie  gebent,  so  werdent  uns  da  wider  von  im  zehen 
phenning  gegeben,  der  erst  phenning  ist  daz  wir  erlidget  werdent  von  der 
ewigen  verdampnust.  der  ander  ist  daz  wir  mit  grossen  vröden  von  hinnen 
werdent  gelaitet.  der  drit  ist  daz  wir  schone  werdent  enphangen.  der  vierd  ist 
io  daz  wir  mit  grossen  eren  uff  dem  hymelstül  werdent  gesetzet.  der  fünft  ist  das 

uns  gantzer  gewaZt  in  dem  kymel  geben  wirt.  der  sehst  ist  daz  wir  habent 

gantz  erkantnüst,  als  es  uns  denn  wol  erkant  wirt  der  sibend  ist  daz  uns  von 
dem  vatter,  von  dem  sun  und  von  dem  hailgen  gaist  unsäglich  süssi  wirt  gegeben. 
13']  der  ahtend  ist  daz  wir  allen  engein  und  allen  hailgen  ieklichem  werdent  ze 
15  minnenn.  der  nünd  ist  daz  wir  mit  grosser  vröde  und  mit  gezierde  von  Got 
werdent  gezieret.  der  zehend  ist  daz  uns  der  Ion  wirt  geben  den  ögen  nie  ge- 
sahent  und  oren  nie  gehortent  und  kaines  mentschen  hertze  nie  gedaht.  dazü 
werdent  uns  zwai  gewant  geben,  daz  ist  daz  wir  an  der  sei  und  an  dem  lip 
die  ewigen  wunne  enphahent. 

20  Daz  verlih  uns  der  süss  Jhesus  Crist, 

der  aller  vrüd  ain  übergüld  ist.  amen. 

12.]  Von  vierhand  stukin  crlstans  glöben. 

fCrediderunt  quotquot  erant  praeordinati  ad  vitam  aetemam] 

Sant  Lucas  schribet  also:  'alle  die  geordnet  sint  zü  dem  ewigen  lebenn,  die 
25  hant  alle  cristan  geloben’. 

Cristaner  gelobe  hat  vier  stuki.  daz  erst  ist  daz  er  sol  ungemischet  sin, 
daz  ist  an  ungeloben.  wan  du  solt  niht  geloben  an  zober  noch  an  luppe  noch 
an  hess  noch  an  lachnye  noch  an  [3‘]  fürsehen  noch  an  messen  noch  an  die  naht- 

1 . nit  fehlt  ; es  liegt  Textverderbnis  vor,  die  lateinischen  Predigtsammlungen  Berthohls  verhelfen  zu 
dem  richtigen  Text:  una  superecriptio:  ut  si  libenter  habere«  rein  proximi  tni,  etiani  iniuste  sed  sine 
conatn  auferendi,  et  idco  sine  conatu,  quia  non  habe«  spem,  quod  conatug  tnus  haberct  effectum.  . . . 
Alia  superecriptio  cum  conatu  sed  sine  cflectu : ut  qui  vadunt  furari  vel  rapere  noc  inveniunt  vcl 
nequeunt;  similitor  qui  volunt  alios  circumvenirc  etc.  Der  von  Schönbach  S.  51  mitgeteilte  latei- 
nische Text  ist  unbrauchbar.  Bei  Pfeiffer- Strobl  II  200,  22  25  steht  statt  won  ...  riehen : wan 
du  truwest  sin  mit  den  werken  niht  vollebringen.  4.  do  noch|  doch  noch.  11.  gewart. 

15.  18.  und  an  dem  lip  fehlt.  23.  Der  lat.  Text  fehlt. 

16.  I.  Cor.  2,  9.  22.  Vgl  zu  dieser  Predigt  Pfeiffer -Strobl  II  81  ff.,  und  die  lateinische 

Fassung  bei  Jakob  S.  53  Kr.  47,  die.  nach  meinen  Abschriften  in  ihrem  ganzen  Aufbau  mit  vorlie- 
gendem Stücke  übereinstimmt.  Die  Einteilung  lautet:  Ad  hoc  autem , quod  fides  nostra  deo  pla- 
ceat,  quatuor  sunt  ei  nccessaria:  sdlicet  ut  Bit  impermixta,  ut  sit  operans,  ut  sit  integra,  ut  sit 
firma.  — Gedruckt  bei  Wackemagcl  S.  77  mit  den  Lesarten  aus  z.  23.  Acf.  13,  48. 

28.  Vgl.  Schönbach,  Zeugnisse  Bertholds  eon  Reg.  zur  Volkskunde  S.  28. 


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2.  Von  vierhand  etukin  criatana  glöben. 


ö 


frowen  noh  an  der  agelstrun  schrien  noh  an  die  brawen  und  die  wangen  juken 
noch  an  die  batUuien  noch  an  kainer  hand  ding  daz  ungelöb  si;  wan  unser 
herre  hasset  also  sör  den  gemisten  geloben,  als  ain  man  der  güt  trahte  vor 
im  hat  mit  süsser  spise  und  der  denn  dar  uf  flüga  sät:  als  unmäre  denn  dem 
man  du  traht  wäre,  als  unmär  ist  öch  unsrem  herren  der  gemist  geloube;  won  5 
er  verdarbt  ze  ainer  zit  drissig  küngrich  da  von  daz  sü  hattent  gemisten 
geloben. 

Daz  ander  ist  daz  er  sol  güter  werch  sin,  won  gütü  werch  hörent  dar  zu. 
und  swer  es  nit  tüt,  wie  reht  der  gelobet  mit  den  Worten,  so  ist  er  doh 
ungelöbig  vor  Got.  io 

Daz  dritte  ist  daz  er  sol  gantz  sin  an  ünsers  herreu  gothait  und  och  an 
siner  mentschait  und  öch  an  cristanlichen  dingen  die  Got  hat  gesetzt  uff 
erf/J'/rich.  du  solt  also  geloben  an  sin  gothait  daz  er  ist  gewaltig  und  wis  und 
ewig,  du  solt  also  geloben  an  sin  mentschait  daz  er  lip  hatte  als  ain  ander 
mentsch  und  im  we  und  wol  tet  als  ainem  mentschen  und  in  hungert  und  15 
durst  als  ainen  mentschen  und  uff  ertrich  waz  als  ain  mentsch,  won  daz  er  nie 
sünd  begieng;  und  daz  im  du  marter  also  we  tet  als  ainem  andern  mentschen 
und  daz  er  an  dem  crütz  erstarb  an  der  mentzhait,  nit  an  der  gothait  und 
reht  ze  gelicher  wis  als  ain  man  mit  ainer  axs  in  ainen  böm  howet,  da  du 
sunne  an  schinnet  — der  mag  die  sunnen  doch  nit  verhowen,  si  schinne  doch  20 
au  den  böm,  daz  si  sich  niemer  verwandelt  dar  umb  — also  ist  es  öcb  umb  die 
gothait:  swie  vast  und  wie  vil  die  mentschait  verhowen  wart  und  starb  an 
dem  crütze,  doch  belaib  du  gothait  gantz  und  schöne  und  stark  und  waz  und 
ist  an  angeng  und  ist  iemer  [4h]  an  ende. 

Dü  cristanlichü  ding  dit  Got  hat  gesetzet  uf  ertrich,  daz  du  geloben  solt,  25 
daz  sint  siben  süle  da  dü  cristenhait  uff  stät. 

Dü  erst  sul  ist  der  töf.  dar  an  solt  du  geloben  daz  kain  mentsch  so  reht 
mobt  getün  uff  ertrich,  und  wär  es  nit  getoft,  daz  es  Gottes  antlüt  niemer 
besehowet  obnen  im  himelrich.  es  ward  öch  nie  mentsch  so  sündig,  wenn 
es  getüffet  wirt  in  dem  namen  dez  vatters  und  des  sunes  und  des  hailgen  so 
gaistes,  im  sigent  all  sin  sünd  ab  gewäschen;  hat  er  si  joch  nie  gebihtet  noch 
gebützet,  so  ist  er  doch  luter  und  rain  worden  in  dem  hailgen  töf.  und  sturbi 
er  nach  dem  töf  e daz  er  in  sünd  vieli,  so  wurdi  sin  sei  zehant  üf  gefüret  in 
daz  himelrich,  da  er  Gottes  antlüt  iemer  sehen  sol  an  ende. 

Dü  ander  sul  ist  dü  virmtnig.  dü  ist  also  hailig  daz  es  nieman  mag  getün  55 
won  ain  bi/4'/schof.  und  soltent  die  lüt  verr  dar  nach  gan  e daz  sü  ungevirmat 
wärent,  won  es  höret  zü  dem  töf. 

Dü  dritte  sul  ist  bihte,  rüw  und  büsse;  won  es  ward  nie  mentsch  so  sündig, 
und  hetti  er  rüwe,  biht  und  büsse  vor  sim  end,  Got  vergeh  im  all  sin  sünde 
und  werde  behalten  in  dem  himelriche.  *> 

tt.  ain.  IS.  er/rich  am  Ende  und  Anfang  der  Zeile.  18.  mentz/hait  am  Ende  und 
Anfang  einer  Zeile.  25.  dü]  du.  33.  nach  zehant  ist  gefüret  rot  durchetrichen  und  tlatt 

denen  üf  gefüret  geschrieben  worden.  SS.  ao  am  Bande. 


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6 


2.  Von  vierhand  stukiu  cristana  glöbcn. 


Dü  vierde  sul  ist  der  vil  hailig  Gottes  licham.  daz  solt  du  geloben  daz  er 
gewürer  Got  und  mentsch  ist  und  daz  er  ist  in  ainer  ieglicher  messe,  da  in 
der  priester  segnot  und  handelt  und  ze  glicher  wis  also  da  ain  man  sprichet 
‘Jhesus',  und  daz  wort  mäng  mentsch  höret  und  ist  doch  nit  won  ain  wort,  und 
s daz  wort  hat  ain  ieglich  mentsch  enphangen  gar  und  gantzlich  in  sin  ore 
und  in  sin  hertze  und  treit  es  mit  im  haime,  und  sprichet  der  man  noch  dan- 
noht  'Jhesus“,  also  ist  es  öch  unb  unsere  herren  lichamen.  der  priester  hat  in 
hie  in  der  kirchen,  [ 4 *]  der  ander  hat  in  dört  in  der  kirchen,  so  wit  als  du 
kristenhait  ist;  so  hat  in  ain  priester  in  der  hant,  ainer  in  dem  rnund,  ainer 
jo  behaltet  in  uff  dem  alt&r,  ainer  treit  in  uff  dem  weg  zü  den  siechan,  ainer  git 
in  den  siechan  in  den  munt,  da  hat  in  der  siech  in  dem  munt:  also  git  unser 
herr  sinen  lichamen  swem  er  wil  und  wa  er  wil  und  wie  dik  er  wil,  und  ist 
doch  ain  gantzer  Got,  der  ie  waz  und  iemer  ist  an  end.  du  solt  öch  geloben: 
so  der  priester  die  oflaten  gesegnet  in  der  messe,  so  ist  unser  herr  in  der 
15  klainnen  oflaten  also  gross  und  also  gantz  gewaltig  als  er  ist  in  himelrich. 
und  merk  ze  glicher  wis:  nime  ain  klaines  spiegellin  in  die  hand  und  geng  zü 
dem  aller  grösten  münster  daz  in  der  weit  ist,  und  nim  daz  klain  spiegellin 
und  hab  es  gegen  dem  münster,  so  sihest  du  daz  gross  münster  in  dem  klainnen 
spiegellin  alles  sament,  [5‘]  wie  es  geschaffen  ist:  also  ist  es  öch  umb  ünsern  herren. 
20  der  ist  in  der  klainnen  oflaten  also  gar  als  in  dem  himelriche.  du  solt  och  daz 
gelouben:  so  der  priester  die  oflaten  gesegnet  in  der  messe,  daz  dü  oflat,  dü 
e waz  bröt,  dü  wirt  verwandelt  ze  ünsers  herren  flaisch,  und  wirt  der  win 
verwandelt  ze  ünsers  herren  blüt.  und  merk  da  bi:  swaz  der  mentsche  isset 
oder  trinket,  daz  machet  er  in  im  selben  ze  flaisch  und  ze  blüte,  und  den 
25  gewalt  hat  er  von  Got.  du  solt  wärlich  gelouben  daz  der  almähtig  Got,  der 
also  mähtig  ist  daz  er  ällu  ding  wol  mag  tün  und  im  nüt  unmuglich  ist  ze 
tünd,  der  machet  och  wol  brot  zü  sinem  flaisch  und  win  ze  sinem  blüte.  du 
solt  och  daz  geloben:  weles  mentsch  an  sinem  ende  ünsers  herren  vrön  lichamen 
wirdeklich  enphahet  mit  rehter  rüw  und  mit  rehtem  geloben,  daz  der  niemer 
so  von  Got  wirt  ge/ö'/schaiden. 

Dü  fünft  sul  ist  daz  hailig  öl.  daz  ist  gut  dar  zü  daz  des  vegfüres  dester 
minder  wirt,  und  ist  öch  güt  dem  siehtagen  des  libes  und  der  sei.  sol  der 
mentsch  nit  sterben,  so  ist  er  dester  e genesen  so  er  geölt  wirt  mit  dem  hailgen 
öl.  und  also  lang  so  er  siech  ist,  so  ist  da  mit  genüg  geölt;  und  geniset 
36  er  aber  und  wirt  er  dar  nach  aber  siech,  so  sol  man  in  aber  ölen. 

Dü  sehst  sul  ist  dü  e.  daz  solt  du  geloben  daz  die  lüte  die  ir  e reht 
haltent  als  si  Got  geordnet  hat,  die  werdent  all  behalten  bi  ünserm  herren  in 
himelrich. 

Dü  sibend  sul  ist  der  priester  orden.  du  solt  daz  geloben  daz  an  dem 
40  priester  zwai  ding  sint:  sin  ampt  und  daz  ist  hailig,  daz  sont  wir  von  im 
enphahen;  sin  leben  hat  er  von  im  selben,  swie  bös  und  wie  sündig  er  si  an 


7.  unb  am  Ende  der  Zeile. 


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2.  Von  vierband  atukin  cristans  glftbcn. 


7 


sim  lebenn,  untz  daz  im  sin  amt  unverbotten  ist,  so  mag  er  messe  singen  und 
biht  hören  und  [Ö‘]  aplas  geben  und  enbinden  von  sünden.  und  swie  vast  der 
priester  mit  den  Sünden  ist  gebunden,  sin  ampt  ist  doch  ungebunden  und  ist 
hailig  und  enbindet  uns  wol  von  sünden.  und  relit  ze  glicher  wis  also  da  ain 
mentsclie  in  ain  lachun  vallet  und  gar  unsuber  wirt,  und  kämi  denn  ain  mor  5 
und  wüschi  in  schöne  und  hulfi  im  us,  also  daz  er  gar  schöne  wurdi:  so  wäre 
der  mentsch  als  schön  worden  von  dem  moren  als  ob  in  ain  güter  und  ain 
suber  mentsch  gewaschen  hetti.  also  ist  es  öch  umb  den  priester:  swie  unsuber 
er  ist  mit  den  sünden  an  sinem  leben,  so  ist  aber  sin  ampt  schön  und  luter 
und  raine  und  hat  den  gewalt  von  Got.  swenn  ain  mentsch  im  gebihtat  sin  io 
Sünde  mit  rüwigem  hertzen,  und  denn  e der  priester  sin  hand  üf  hat  über 
den  mentschen  und  sprichet  ‘indulgentiam’  und  dü  wort  dü  er  denn  sprichet  und 
sprechen  sol,  so  tüt  sich  der  himel  üf.  und  als  der  priester  apblas  git  und  in 
enbindet  von  födJ  sinen  sünden,  also  git  ünser  lierr  Got  dem  mentschen  applaz 
und  enpindet  in  von  allen  sinen  sünden.  und  merk  ze  glicher  wis:  also  da  ain  15 
küng  sinem  sun  santi  zehen  mark  goldes  bi  ainem  botten  der  ainög  wäre  oder 
hofroht  und  dü  nas  krumb  und  gar  unsuber  wäre,  so  enphieng  doch  der  sun  die 
zehen  mark  goldez  von  dem  botten  und  spräch:  ‘hab  dir  din  krumb  nasen  und 
dinen  unsubem  lip,  min  golt  ist  schön  und  luter  und  rain,  daz  mir  min  vatter 
der  künig  hat  gesaut',  also  ist  es  ouch  umb  den  priester:  swie  blind,  swie  20 
hofroht  und  swie  krumb  er  si  an  sinem  leben  mit  den  sünden,  so  ist  doch  sin 
ampt  schön  und  luter  und  raine.  daz  sont  wir  von  im  enphahen,  daz  hat  üns 
Got  ünser  vatter  von  himelrich  gesent,  aber  sin  leben  hab  er  im  selber,  und 
daz  wisse  ain  ieglich  mentsch,  daz  ain  priester  bi  ainer  gewihten  nunnen  wär 
gelegen  oder  [6‘]  bi  siner  swester  oder  bi  siner  müter,  der  mentsch  sol  den  priester  25 
nit  bitten  ze  singenn;  singt  aber  der  priester  des  tages  messe,  so  solt  du  daz 
geloben  daz  er  rüw  habe,  und  solt  sin  messe  als  gern  hören  als  ob  sant  Peter 
da  sungi,  und  solt  geloben  daz  sin  mess  als  hailig  si  und  dir  als  grössü  gnäd 
wider  vert  als  in  sant  Peters  messe. 

Daz  vierd  stuki  des  geloben  ist  daz  er  vest  si  ze  glicher  wis  als  ain  stain,  der  so 
niemer  gewichet;  won  gold  lät  sich  biegen,  isen  lät  sich  biegen,  aber  ain  stain 
lät  sich  aller  zerbrechen  e er  sich  lasse  biegen,  also  sol  öch  der  cristan  mentsch 
tün:  der  sol  sich  e lassen  martren  e daz  er  iemer  entwiche  von  cristam  globen 
mit  gedänken,  mit  Worten  oder  mit  werchen.  die  lüt  die  dis  behaltent,  die  sint 
all  geordnet  zfi  dem  himelrich  und  zü  dem  ewigen  leben  obnan  uf  in  daz  himel-  35 
rieh  für  den  almähtigen  Got.  und  swer  iemer  disen  globen  widerbre/6‘7diget, 
daz  sont  ir  wissen  das  der  ungelöbig  ist,  und  sont  im  nit  geloben,  won  er  wolt 
üch  schaiden  von  dem  almähtigen  Got,  da  vor  behüte  üns  der  vatter  und  der 
sun  und  der  hailig  gaist,  amen. 


6.  wschi.  11.  denn  ?)  denne?  (Roethe).  13.  ap/blas  am  Ende  und  Anfang  der  Zeile. 
30.  ist  fehlt.  32  u.  33.  'C  (io  meist) . 33.  cnstam  so. 


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8 


3.  Von  der  hailikait  und  bezaicbnung  der  messe. 


13J  Yon  der  hai/ikalt  und  bezalchnung  der  messe. 

[In  omnibus  honorificetur  Deus.] 

Sant  Peter  sprichet  daz  Got  von  allen  dingen  und  von  allen  mentschen  sol 
geerat  werden. 

5 Vier  ding  eint  die  man  eren  sol  ob  allen  dingen,  daz  erst  siht  man  und 
höret  es,  daz  sint  die  priester.  daz  ander  ensihet  noch  enhöret  man,  daz  ist 
unser  vrowe  sant  Maria,  daz  dritte  höret  man  und  siht  es  nit,  daz  ist  Gottes 
wort,  daz  vierde  siht  man  und  hört  es  nit,  daz  ist  unsere  herren  licham;  den 
sol  man  eren  ob  allen  dingen. 

io  Es  sint  öch  fünf  hand  lute  die  der  mess  nit  antailig  sint  die  ersten  sint 
die  da  üs  gänt  so  man  daz  ewangeli  geliset;  den  wirt  nit  tailes  [6]  an  der  messe 
oder  vil  wenig,  die  andern  sint  die  da  runent  und  klaffent;  denan  wirt  öch  der 
messe  nit.  die  dritten  sint  die  den  Gottes  dienst  verbotten  ist  oder  in  dem  banne 
sint  und  doch  ze  messe  gant;  den  wirt  öch  der  messe  nit.  die  vierden  sint  die 
15  die  mess  veremahent  und  der  nit  went;  den  wirt  öch  der  messe  nit.  die  füften 
sint  die  da  linsern  herren  unwirdeklich  enphahent. 

Der  mentsch  der  andähtklich  zu  der  messe  ist,  der  enphahet  zehen  gnad. 
du  erst  ist  daz  im  Got  all  sin  sünd  vergit.  du  ander  ist  daz  er  den  hailgen 
gaist  enphahet.  daz  dritte  ist  daz  Got  des  mentschen  gebet  dester  gerner  er- 
a)  höret,  du  vierd  ist  daz  Got  den  priester  dester  gerner  über  in  erhöret,  dü  fünft 
ist  daz  der  mentsch  sicher  wirt  an  sinem  ende,  dü  sechst  ist  daz  sin  begir 
dester  merer  wirt.  dü  sibend  ist  [6*]  daz  die  engel  dester  gerner  bi  dem  mentschen 
sint  dü  ahtend  ist  daz  der  mentsch  an  fügenden  wachset,  dü  nünde  ist  daz 
der  mentsch  von  sinen  sündeu  enpunden  wirt.  dü  zehend  ist  daz  sich  der 
25  mentsch  Gott  haimlichet  und  Got  sich  gegen  im  vröwet. 

Dü  mess  ist  also  vol  des  hailgen  gaistes  als  daz  mer  wassers  und  als  dü 
sunn  liehtes  und  daz  ertrich  des  stobes. 

Daz  gewant  daz  der  priester  an  leit  so  er  singen  wil,  und  swas  er  singet 
und  liset  und  anders  tiit  in  der  messe,  daz  hat  alles  bezaichnunge.  daz  erst  ist 
so  der  umbler,  den  er  uff  daz  hobt  leit;  der  bezaichent  daz  Got  die  rainen  meut- 
schait  an  sich  nam,  da  mit  er  die  hailgen  gothait  bedakte.  dü  albe  bezaichet 
daz  luter  hertze  und  daz  rain  leben  daz  ünser  herr  uff  ertrich  hatte,  der  gürtel 
der  sol  sydin  sin  oder  von  wissem  garn  lynim,  und  sol  zwivalt  sin,  daz  iewedert 


1.  haikait.  2.  Der  lateinische  Text  fehlt.  S.  ist  fehlt.  21.  Als  6.  Punkt  hat  T Vacker- 
nagel  8.  70  Z.  35:  diu  vi  das  sin  fogfiur  dest  roiner  wirt.  Ebenso  findet  sich  eine  andere  Fassung 
des  9.  Punktes.  26.  m(>r  so.  31.  nam]  naz  mit  Schlu/l-z  am  Ende  der  Zeile.  bezaichet  so 
und  im  folgenden. 


1.  Vgl.  die  lat.  Predigten  Bertholds  von  Regensburg  bei  Jakob  S.  49  Nr.  21  u.  S.  82  Nr.  53; 
ein  Drxwk  bei  Franz,  Die  Messe  mi  deutschen  Mittelalter  S.  745.  — Pfeiffer  - Strobl  I 488.  — 
Wackemagel  8.  69.  — Das  gleiche  Stück  erhalten  in  Cod.  Nr.  2677  u.  2993  ( Hoffmann , Verzeichnis 
der  Hss.  S.  85  u.  S.  328)  der  Wiener  Hofbibliothek.  2.  1.  Petr.  4, 11. 


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3.  Von  der  hailikait  und  bezaichnung  der  meeee. 


9 


[7“J  halb  ain  ort  nider  hangen;  daz  bezaichet  die  künschikait  die  unser  herre  an 
sinem  leben  und  an  siner  lieben  müter  hatte,  der  hantvan  bezaichet  siue  demüt- 
kait.  du  stöl  bezaichet  die  lang  arbaite  und  die  inarter  die  er  uff  ertrich  laid. 
der  messachel  bezaichet  die  grossen  und  die  gantzen  minne  unsere  herren. 

Der  anvang  der  messe  bezaichet  daz  rüfen  daz  die  altvätter  und  die  wis-  5 
sagen  tatent  nach  ünserm  herren,  daz  er  käme,  daz  kyryeleyson  und  das  crist- 
eleyson  bezaichent  daz  rüffen:  ‘herr,  erbarm  dich  über  uns.’  daz  gloria  in  excelsis 
daz  vahet  der  priester  an  und  stät  enmitten  ob  dem  altär:  du  mitli  bezaichet 
daz  unser  herre  glich  durch  all  die  weit  geborn  wart;  daz  ers  ainig  anvahet, 
daz  bezaichet  daz  der  engel  den  hirten  kunte  daz  unser  herre  geboren  was.  so  l» 
helfent  sü  im  denn  all  singen,  daz  bezaichent  daz  lob  daz  die  en/7*/gel  tatent  do. 
du  zwai  lieht  die  da  sont  sin,  bezaichent  die  zwen  Sternen:  ainen  der  den  juden 
ob  der  kripp  erschein,  der  ander  der  den  haiden  erschain,  daz  waz  der  Stern  der 
die  küng  wiset  für  ünsern  herren.  dü  collect  bezaichent.  daz  gebet  daz  ünser 
herr  tet  do  er  uff  ertrich  waz,  und  den  dienst  den  er  siner  lieben  müter  tet:  so  15 
sont  wir  ällü  vast  betten,  dü  lecce  bezaichent  die  bredige  sant  Johansen  bap- 
tisten,  daz  er  kunte  daz  ünser  herre  käm.  daz  gradal  bezaichent  daz  er  ünsern 
herren  zaigte  mit  dem  vinger  und  er  sprach:  ‘er  ist  ietz  under  üch,  und  ir  er- 
kennent  sin  nit’,  und  vragtent  in  die  lüte  ob  er  Orist  wäre,  do  sprach  er:  ‘nain, 
ich  bin  ain  stim’;  daz  ist  also  vil  gesprochen  als  ob  er  spräche:  als  klein  ain  » 
stim  ist  gegen  aller  weit,  also  klein  bin  ich  wider  im  der  da  komen  sol;  ir  wer- 
dent  mich  lasseut  und  im  nach  volgend.  daz  [7*]  ewangelium  bezaichet  die  süssen 
predi  die  ünser  herr  selber  tet  mit  sim  hailgen  gütlichen  munde;  won  es  wart  nie 
kain  brediger  der  ie  so  süsseklich  gebredgeti  als  ünser  herr  selber  tet  daz  credo 
in  unum  bezaichent  daz  die  lüt  gelobig  wurdent  und  sich  bekertent,  hie  und  da.  25 
daz  offertorium  daz  man  der  nach  singet,  bezaichent  dü  grossen  zaichen  dü  ünser 
herr  tet  an  den  siechen,  die  er  gesunt  machet  — er  machet  die  blinden  gesehent» 
die  lamen  gereht,  die  miselsühtigen  raiu  — und  ander  mänig  gross  zaichen,  daz 
ünser  herr  tet.  daz  swigen  daz  er  dar  nach  tut,  bezaichent  daz  die  juden  ze  rät 
giengent,  do  ünser  herr  so  grössü  zaichen  tet,  wie  sü  im  getäten  — do  sprach  30 
Caypkas : ‘wir  sont  in  töten,  wan  es  ist  besser  daz  er  allain  sterbi,  denn  ällü  dü 
weit  verderbi'  — und  bezaichent  öch  daz  ünser  herre  in  die  [7*]  wüsti  gie  und  er 
den  juden  entwaich.  so  beraitet  man  denn  den  tisch  zu  der  Wirtschaft  dü  da  sol 
sin.  dar  nach  gät:  per  omnia  secula  seculorum;  daz  bezaichent  daz  ünser  herr 
Lazarum  hiess  uf  stän,  und  er  zehant  uf  sprang  mit  den  banden  da  mit  er  ge-  ss 
bunden  waz.  dar  nach  gät:  sanctus,  sanctus,  sanctus;  daz  bezaichent  daz  ünser 
herr  ze  Jherusalem  inrait  und  er  vrölich  enphaugen  wart  mit  lobe  und  mit 
ge  sang,  da  nach  naiget  er  sich  für  den  altär;  daz  bezaichent  daz  gebet  daz  ei- 
tet do  er  bliit  switzte.  dü  crütz  ällü  die  dar  nach  beschehent,  e daz  er  ünsern 
herren  uf  habe,  die  bezaichent  die  marter  ünsers  herren:  dü  kurtzen  crütz  be-  <o 
zaichent  kurtz  marter;  und  swas  er  denn  tüt,  daz  bezaichent  alle  sin  marter. 


IS.  Joan.  1,  36.  19.  Joan.  1,  33.  31.  Joan.  11,  50. 


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10 


3.  Von  der  hailikait  und  bezaichnung  der  messe. 


dar  nach  hebt  er  ünsern  herren  uf;  daz  bezaichent  daz  unser  herr  jümerlichen 
uf  an  das  erütz  erhaben  wart  und  dar  an  genagelt  und  geschlagen  wart,  dar 
nach  streket  er  (S’J  die  arm  von  im;  daz  bezaichent  daz  unser  herr  so  sere 
und  so  vast  gezogen  und  zertent  wart  an  dem  erütz.  du  stim  die  er  hat  so  er 
5 sprichet:  nobis  quoque,  daz  bezaichent  daz  in  der  schächer  anrüfte  an  dem  erütze 
und  er  im  sin  sünd  vergab;  so  sont  wir  öch  denn  ünsern  herren  an  rüffen.  dar 
nach  gat:  per  omnia  secula  seculorum  und  daz  pater  noster;  daz  bezaichent  daz 
unser  herr  lüt  erschre  und  lang  an  dem  erütze,  und  daz  im  der  stim  gebrast,  so 
helfent  im  die  gelerten  und  sprechent:  sed  libera  nos  a malo;  daz  bezaichent 
10  daz  jamer  daz  all  creaturen  do  hattent  mit  irem  schepher.  daz  swigen  daz  er 
denn  tüt,  daz  bezaichent  daz  er  üns  nach  sim  töd  blüt  und  wasser  gab  von 
sinem  hertzen.  daz  agnus  dei  bezaichent  die  urstendi  ünsers  herren,  daz  er  sin 
müter  erfrowte  und  Marien  Magdalenun  und  sin  junger,  dar  nach  bewaret  er 
sich  der  priester;  daz  bezaichent  daz  ünser  herr  äss  und  trank  mit  sinen  jungem. 
15  dar  nach  singet  man  den  [8‘]  conmunionem;  daz  bezaichent  ünsers  herren  hymel- 
vart.  dar  nach  gat  dü  complende;  daz  bezaichent  daz  gebet  ünsers  herren  daz 
er  tüt  zu  sinem  vatter  für  üns  in  hymelriche.  dar  nach  keret  er  sich  umb  und 
sprichet:  dominus  vobiscum;  daz  bezaichent  daz  ünser  herre  an  dem  jüngsten 
tag  her  wider  kirnt  und  sich  aller  weit  öget.  dar  nach  git  er  den  segen;  daz 
20  bezaichent  daz  ünser  herr  sinen  vatterlichen  segen  an  dem  jüngsten  tag  sinen 
lieben  kinden  gebent  wirt, 

14.]  Von  manger  hande  regel. 

Stephanus  plenus  spiritu  sancto  intendens  in  celum  vidit  gloriam  dei  etc. 

Stephanus  daz  sprichet  ain  regel,  und  sint  bi  im  bezaichent  alle  gaistlich 
25  lüt  in  clöstern.  er  waz  vol  des  hailgen  gaistes,  der  da  hatt  schnellekait 
und  wisshait. 

Text  des  Schlettstädter  Fragments. 

S^phano  pleno  spu  sco  itödes  I colfl  uid’  glam  di  z o! 

Stephano  kit  ain  regil  vn  sit  bi  ime  beza'chtt  alle  gastliche  l'vte  in  clost'n  e'  wc 
30  uol  des  halige  ga'stes . d!  hat  gnellicha't  vn  wissha't . snellecha't  zelofine  i all’e  go'tc  w‘ke 

8.  herr  fehlt.  9.  statt  gelerten  steht  bei  Wackemagel  S.  74  Z.  195  wohl  richtiger:  korherren. 

16.  Wackernagel  S.  76  Z.  249  hat  collecte  statt  complende.  bezaiehz  am  Ende  der  Zeile. 

22.  Vgl.  zu  diesem  Stücke  Cod.  Pal.  germ.  24  Nr.  45  der  Heidelberger  Universitätsbibliothek. 
— Die  lat.  Predigt  Bertholds  t'on  Regensburg  bei  Jakob  S.  87  Nr.  11,  gedruckt  bei  Hötzl,  Sermone» 
ad  religiosos  S.  58  ff.  — Ein  sehr  altes,  dem  13.  Jahrh.  angehöriges  deutsches  Bruchstück  der  Pre- 
digt findet  sich  in  der  Schlettstädter  Stadtbibliothek  Cod.  1192  „Vitae  sanctorum“  Bl.  33-34 ‘ in 
außerordentlich  kleiner  und  sehr  seltsam  abgekürzter  Schrift;  gedruckt  bei  Haupt,  Zeitschr.  f.  deutsches 
Altertum  5,  421,  jedoch  unvollständig  und  mit  Fehlem;  daher  hier  oben  als  zweite  Rubrik  in  genauem 
Abdruck  tciederholt,  der  nur  die  übcrgeschricbenen  Vokale  des  Originals  rechts  (in  l'vte,  d'v  u.  ä.  links ) 
oben  von  dem  Vokal  bringt,  zu  dem  sie  gehören.  — Wackemagel  S.  268  Iningt  den  Schluß  der 
Predigt  aus  A.  zur  Ergänzung  des  Schlettstädter  Bruchstückes.  23.  Act.  7,  55. 


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4.  Von  mknger  hantle  regel. 


11 


Scbnellekait  ze  löffenn  in  allen  güten  werchen.  war  umb  man  aber 
schnelleklichen  loffen  sol  in  allen  güten  werchen,  daz  sint  dri  sache.  [&]  du  erst 
ist  daz  man  sieb  lang  versumet  bat;  daz  ander  ist  daz  daz  leben  kortz  ist;  du 
dritt  ist  daz  nach  disem  leben  nieman  lön  verdienen  mag.  her  umb  sol  man 
louffen  än  underläss  mit  begerung,  mit  Worten,  mit  geddnken  und  mit  allen  6 
güten  werchen,  daz  man  vrölich  kom  in  daz  lant  der  gaiste.  und  won  wir 
gaistlichen  namen  habent,  so  werchent  wir  och  nach  dem  gaiste.  won  wir 
gaischlich  haissent  und  wir  des  gaistes  nit  hänt,  daz  ist  ain  spot  vor  Got  und 
vor  allen  sinen  engein,  rebt  als  des  gespottet  wäre  dem  man  hiessi  ain  künig 
und  er  ain  betler  wäre,  war  umb  aber  in  disen  ziten  gaischlich  leben  so  ser  io 
ab  neme,  daz  kumet  da  von  aller  maist  daz  die  jungen  lüte  böses  bildes  vil  vin- 
dent  an  den  alten  und  lützel  gütes  bildes.  da  von  hütent  sich  die  eitern!  wellent 
si  nit  gütes  bildes  tragen,  so  bergint  doch  ir  krankait  [8*]\  wan  in  der  altun 
e ist  geschriben:  ‘swer  grabet  ain  grübe  und  die  nit  verdeket  und  sich  ain  vih 
dar  in  erstürtzet,  der  ist  es  schuldig  ze  geltenn  dem  herren  des  es  ist’,  du  15 
unbedakt  grüb  daz  ist  offen  bös  bild;  dar  in  vallet  der  eseloht  ochse,  daz  ist  der 
weltlich  oder  der  gaischlich  mentsch;  die  sich  dar  in  ergerent,  der  muss  die 
gelten,  daz  spricht:  du  müst  ir  red  geben  an  dem  jüngsten  tag  dem  herren  der 
die  marter  dur  sü  laid.  nu  sprichet  Got:  'swer  den  allerminsten  ergeret  der  an 
mich  gelobet,  dem  wäre  vil  besser  daz  im  ain  mülstain  an  die  kelun  gebunden  20 
wär  und  an  dez  mers  grünt  versenket’,  war  umb  haisset  er  den  minsten?  won 
er  des  hailgen  gaistes  lützel  hat;  won  wäre  er  vol  des  hailgen  gaistes,  so  wurd 

war  umbe  man  ab1  snellecliche  loffin  sol  T alle  go’ti  w'ch’i  . vu  d'n  sache  . d'v  e'sti  de 
mä  sich  läge  v’sumet  hat . div  and’i  de  de  leb!  kvrz  ist . div  d'tj  de  nah  disem  lebene 
n'emä  l o v‘di*ne  mag  . har  vmbe  sol  mii  loffin  ain  vnd'  la's  . mit  beg’unge  mit  gedeke  25 
mit  go'te  Worte  . vfi  go'te  w'ke  . de  wir  fliehe  come  indc  lant  d1  ga'ste  vn  wan  wir  gast- 
liche name  ban  . so  w'che  och  nah  deme  ga’stj . wö  ga  stliche’  h'ce  vn  di’  des  ga'stis  nihit 
hat . de  ist  ain  spot  vor  got  vn  vor  alle  sine  engilin  . vn  also  des  gespottot  w'e  d1  hi’s 
ku  nic  vn  bettil'  w'e  . war  vmbe  ab'  idise  rite  ga'stlich  lebe  so  s'e  abe  n!t . de  cumet 
alre  me'st  da  uö  de  di*  iüge  livte  bosis  bildes  vil  uindet  Sdene  alte  . da  vö  hvten  sich  30 
di*  alte  welle  si  niht  go'tis  bildes  t’gen  . so  b’ge  doch  ir  c’nket . wö  I d'  altun  e ist  ge- 
sc'be . sw'  g*bit  aine  g’be  vn  di’  niht  bedekit  vn  ktit  ain  rint  vfi  vellet  d'n  . d'  ist  sculdig 
de  zegeltinne  . D'v  vmbedabte  g’be  de  ist  offe  bo'se  bilde  dar  in  vellit  de  rint . de  ist  d' 
weltliche  vn  d'  gastliche  meche  di’  sich  d’n  e’geröt  di’  mvs  du  geltl . de  kit  dv  mvst  ir 
rede  e'gen  an  deme  iQgestl  tage  deme  h'r!  d'  di’  mart'  durh  si’  lait . Nu  Bp'ch;  got  8 35 
deme  ewgl’o  | sw*  de  minesti  gebösot  d‘  an  mich  gelobet  deme  w'e  bess'  daz  ime  ain  mvl- 
stain  an  di*  kelü  w'e  gebenchit  vn  ides  m'ris  g’nt  w'  gesenchit  . war  umbe  kit  e'  den 
mineste . wö  e'  sa  haligc  ga'stis  luzel  hat  wö  w*  e’  uol  des  halige  gastis  so  wde  e' 

16.  escl  od  ochse?  (Panzer).  31.  t’gon  oder  t*gen?  e fehlt.  32.  ist  fehlt. 

36.  hinter  sa  rechts  oben  Heiner  i -artiger  Strich. 

14.  Vgl.  oben  S.  3 Z.  31.  19.  Matt.  18,  6. 


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12 


4.  Von  mlngcr  hande  rege!. 


er  nit  geergret.  nu  sprechent  die  eite  teil  zü  den  jüngsten:  man  sol  ällü  ding  in 
güt  verstau.  so  denkent  sü:  ist  es  üch  gilt,  so  ist  es  öch  uns  gut,  und  git  inen 
da  mit  ain  balthait  dar/#“/zü.  kurtzlich  gesprochen:  als  die  sint  die  in  den 
clöstern  sint,  als  werdent  öch  die  die  si  zü  inen  enphahent:  sint  si  engel,  si 
5 werdent  öcli  engel;  sint  sü  mentschen,  si  werdent  öch  mentschen;  sint  si  flaisch- 
lich,  si  werdent  öch  fleischlich. 

Als  nu  der  heilig  gaist  schnei  machet,  also  machet  er  öch  wise.  wishait 
ist  daz  er  siner  weg  war  nimet,  wie  si  sint  und  war  si  in  tragen  t.  nu  sint  in 
gaischlichem  leben  zwen  weg.  der  ain  weg  ist  wit  und  gar  verr  umb:  dirr  weg 

io  haisset  der  wagen  weg.  der  ander  weg  ist  eng,  er  ist  aber  kurtz  und  schleht: 

dirr  weg  haisset  ain  stig. 

Nu  gant  sumlich  den  witen  weg,  und  ist  aber  der  maiste  tail  die  sich 
hfitent  vor  tötlichen  sünden  und  sich  doch  in  gaischlich  leben  niemer  geben 
went  sü  hütent  sich  vor  der  maintätigen  höhfart,  und  swaz  aber  inen  erlichs 
15  und  lobes  wirt.  daz  ziehent  si  an  sich,  si  hütent  sich  vor  tätlichem  zorne,  si 

flissent  sich  aber  nit  rehter  senft/.'tymntkait;  wou  swaz  si  zornes  und  unfrides 

began  mugent  daz  höbet  sünd  nit  Ist,  des  haut  si  kain  aht.  si  vermident 
trunkenhait,  won  daz  ain  bösü  sünd  ist;  swa  aber  inen  üt  werden  mag  des 
besten  ze  essenn  und  ze  trinkenn,  daz  fügeut  si  in  selben  zü  an  vohrt  und  an 
schäm,  si  gunnent  iren  vigenden  Übels  an  hobt  sünde,  alles  daz  inen  widervaren 
mag.  si  versagent  inen  iren  mund  und  ei-zaigent  inen  umvertlich  gebärd, 
bekoment  si  inen  underwilent,  si  werdent  blaich  von  zorne  irs  hertzen.  und 
als  si  sich  hütent  vor  hobt  sünden,  also  hütent  sü  sich,  öch  niemer  übent  in 

nihit  g'g'ot . Nu  sp'chit  di'  altö  zv  den  iüge  . wo  sol  elliT  dig  I gvte  v'stan  . so  dechit 

25  siv  ist  es  in  gvt  so  ist  es  och  dir  gvt . vn  git  in  de  ain  baltha't  dar  zfi  . kurcliehc  ge- 

sp*che  . also  di*  sint  die  indc  cloat'n  sint  also  w'de  och  di*  si  inphahet . slt  siv  engel  siv 
w’det  egil . sit  siv  mißlich  si  w’det  och  alsame. 

also  machot  d'  halig  ga’st  snel  . e'  machot  och  wise  den  . ds  sin'  wege  war  nimet 

war  siv  in  wiset  vn  war  siv  in  t'gft . Nu  sint  t ga'stliche  leb!  zwene  wege  . d!  aine  weg 

30  d1  ist  wit  vn  lag  vn  gar  v’re . d'  selbe  wseg  ha'ssit  d’  wage  weg  . dl  and'  weg  d1  ist  enge 
e’  ist  ab1  kurz  vn  slehte  . d'  selbe  weg  ha'ssit  ain  stig  . Nu  gant  sumiliche  den  witten 
weg  vn  ist  ab'  d’  de  me'ste  ta'l  . de  sint  di*  sich  hvtet  vor  hob  sünden  vn  sich  doch 
nim'  wellet  gvbe  i gestliche  tvgendf  . wö  wes  siv  zornes  vn  vnfdes  ge  beg.1  mvge  de 
hobsunde  niht  sint  des  enhät  siv  enhaine  ahte  . siv  v'midüt  t’nkenhait  wö  de  ain  böse 
35  sunde  ist  . swa  ab'  in  iht  goTtes  mag  w'dü  de  wögTt  siv  in  selb'  zv  ane  vorhte  vn  ane 
schäme  . Iren  vigendö  gönne  siv  vbilses  ane  hobsunde  alles  des  in  wid'  uar  mag  . wö 
alse  siv  sich  h'utöt  vor  hobsunde  alse  hütent  siv  sih  och  vor  tvgendü  . wö  siv  gnvget  ir 
lebins  da  siv  sich  ingezege  hant . zv  deme  himelriche  . vn  vil  liht1  w'e  ain  Bund'  zebech'in 


2.  statt  öch  staiul  zunächst  in,  das  durchstrichen  wurde,  während  öch  am  Rande  steht. 
21.  unw'tlich!  unwertlieh  * verächtlich ' oder  unwnrtlich  ' ohne  Worte’?  22.  und  zweimal. 
25.  balch&t  oder  balthfit?  33.  g>be?  33.  ingezegö  oder  ingezogc? 


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4.  Von  rn&nger  hande  rege). 


13 


tagenden;  won  sü  sich  in  ain  leben  gesetzt  hant,  daz  ist  in  ain  gnügen  zfi  dem 
htfmelrich.  und  lihter  wäre  ain  sunder  ze  bekeren  denn  dis  fürbas  zebringenn. 
swas  si  tünt,  daz  tünt  si  mit  murmeln  und  mit  trägi;  wan  inen  ist  swär  iillü 
arbait.  wie  si  doch  gesunden  und  vrischen  lip  habent.  dise  die  gant  in  den 
wagen/.9r/weg  und  müssent  lang  umb  gan  und  manglent  in  disem  libe  des  göt-  5 
liehen  trostes  den  die  durn&htigen  hant.  nach  disem  libe  so  lident  si  die  langen 
und  die  strengen  wisse,  doch  koment  si  ze  jungst  zü  dem  himelriche  und  en- 
phahent  kleinen  lön.  si  sitzeut  in  den  winkeiern  und  enbissent  doch  niemer 
des  wines;  daz  sprichet:  si  sint  in  dem  gaischlichen  leben  und  gesmekeut  doch 
niemer  gaistliches  trostes  iht.  io 

Es  sint  öch  sumlich  die  gant  den  engen  weg;  ir  ist  aber  der  minst  ta.il. 
daz  sint  die  durnähtigen,  die  sich  sere  hütent  vor  allen  sünden  und  mit  flisse 
dar  nach  stant  wie  si  koment  ze  volkomenhait  der  tugent  die  vliehent  lob  und 
ere  und  allen  üppigen  rüm.  si  versmahent  sich  selber  und  gerent  daz  man  si 
versmahe.  si  hütent  sich  vor  zorne  und  vlissent  sich  senftraütkait ; widervert  es  ts 
aber  inen  etwenn,  so  illent  si  daz  si  sin  ab  koment  mit  bihte  und  mit  gebet.  [9*] 
die  in  übel  tünt  und  si  beswärent,  den  tünt  si  wol  und  erzaigent  in  mit  Worten 
und  werchen  daz  si  mit  den  werchen  der  minne  überwindent  die  nntugent  des 
hasses.  si  vliehent  güt  essen  und  trinken  und  alles  liplich  ken  und  alles  liplich 
gemach  also  verre  so  si  ir  krankait  enberen  mag,  wan  nieman  sich  selber  20 
verderben  sol.  doch  bedurfent  wir  dirr  manung  in  disen  ziten  nit,  won  wir  sint 
alle  gnüg  beschaiden.  dirr  weg  ist  schiebt  und  kurtz;  won  die  in  mit  flisse 
gänt,  die  koment  Got  in  ainem  jär  näher  denn  die  in  dem  witen  weg  gant  in 
fünfzehen  jaren;  öch  enphahet  ir  ainer  me  lönes  denn  jener  fünfhundert,  und 

denne  d'  wrbc  ceb'nge  . wi5  wc  siv  tvnt  de  tvnt  siv  mit  mm  vn  mit  t*ge  wtf  I ist  sw'e  25 
alliv  arbet  swie  siv  doch  gesunde  lip  hant  . dise  gät  i deme  wage  wiege  vn  messen  läge 
vmbe  gan  . vn  magel’o  in  disem  libe  des  gotliche  t"stes  des  di*  d'nehtige  hat  naht  disem 
libe  . So  lidet  siv  die  lägü  vn  die  stregü  wize  Doch  comet  siv  ceiiigest  zv  deme  himil- 
riche  vn  ephahet  ab1  claine  Ion  . siv  sizzet  indeme  winkel  vn  enbizzet  nlm5  des  wines . 

De  sp'chet : si  sit  I ga'stliche  lebenj  vH  gesmeckint  doch  n!ms  gastliches  t"stes  . Och  sint  30 
och  sumilicbe  die  gät  de  enge  stig  ir  ist  ab*  lad1  d‘  minesti  ta'l  de  sint  di'  durnehtige 
die  sich  s'e  hvtet  vor  sunde  vn  mit  flisse  dar  nah  strittet  de  siv  comii  d zv  d!  volle- 
comehait  d’  tvgende  . Dise  die  vliehet  lob  vn  e'e  vn  allen  vpbige  rvm  . si  v'smahet  sich 
selb'e  vn  g’ont  de  man  siv  v'sma-he  . wid'  vH  ab*  etwenne  ain  sunde  d’  tvt  siv  sich  abe 
mit  bihte  vn  mit  gebette  . d'  weg  ist  sieht  vn  kurz  wü  die  in  mit  flisse  gant  die  comet  35 
gotte  nah5  i ainc  iar  denne  di*  de  witte  weg  gat  I w fvnhundH  iare  . och  ephahet  a'ne 
me  lones  dene  erj  | funhundret  . 

2.  liht  in.  4.  den  in  der  Handschrift  ausgeschrieben ; t.  dem?  vielleicht  icollte  der  Schreiber 
die  gant  den  wagen  weg  schreiben.  8.  wikeln'  am  Ende  der  Zeile.  12.  sich  fehlt.  19.  ken 
unverständlich:  ftoethe  dachte  an  ken  (vgl.  S.  14  Z.  23)  — cognoscero  der  Vulgata , icvfiir  freilich  eher 
erken  oder  bekt-n  eu  erwarten  wäre  (vgl.  S.  49  Z24f.).  25.  wrbc  könnte  auch  in  wrbc,  als  zwei 

nebengeschriebene  v aufgelöst  werden.  37.  erj  ist  nicht  deutlich  zu  lesen ; irj?  In  funhundret 
ist  korrigiert,  deswegen  undeutlich,  ursprünglich  stand  wohl  funhundern,  funhundt'ft  oder  ähnlich. 


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14  4.  Von  minder  hande  regel. 

dis  ist  uns  bewürt  in  der  künig  büch  bi  Kuzi  und  Achymas,  die  da  lüffent  zü 
David. 

Nu  sint  drü  ding  du  ierrent  uns  des  engen  weges.  daz  erst  ist  gebrest  an 
der  begerung.  daz  kumet  von  zwain  dingen:  wir  dunkent  uns  selben  gnü  güt 
& [10°]  und  habent  lützel  aht  umb  gaischlig  gäbe,  sant  Gregorius  spricht:  ’dü 
sunne  schinnet  uff  den  blinden  und  entlüAtet  sin  doch  nit’.  also  werdent  öch  dise 
lüt  entlühtet  nit  von  den  gaischlichen  dingen  die  si  die  güten  sehent  han,  wan 
es  ist  ir  spot,  daz  ander  daz  üns  da  ierret,  daz  ist  daz  wir  uns  bekümberent 
mit  ussren  dingen  und  niemer  unser  hertze  wellent  beschowen  da  von  beschiht 
to  üs  als  den  spil  luten,  die  allweg  in  frömder  herberg  sint  und  selten  da  haim.  da 
von  ist  schad  daz  man  nüw  lüt  so  schier  wider  setzet  ze  ussren  dingen,  da  von 
si  körnen  sint:  sint  si  böz,  si  werdent  noch  böser,  man  solt  si  joch  ain  jar  län 
ir  sünde  wainen,  daz  si  doch  befundent  den  schaden  der  an  den  Sünden  lit,  und 
wie  widerzAme  si  der  sele  und  Got  sint.  daz  dritte  daz  uns  ierret  daz  ist  daz 
15  wir  ünsern  lip  ze  lieb  hant  und  wir  in  zu  kainen  dingen  wellent  twingen  daz 
im  wider  ist. 

Als  üns  nu  disü  [IO11]  drü  ding  ierrent,  Als  sint  öch  drü  ding  die  üns  fürder- 
rent.  daz  erst  ist  daz  wir  begerung  sont  han.  mäht  du  aber  begerung  nit  han, 
so  beger  doch  daz  du  begerend  werdest,  aber  zwai  ding  sint  die  üns  die  begerung 
20  enzündent:  daz  ist  Gottes  wort,  daz  süget  die  begerung;  daz  gebet  sterket  si,  an 
gebet  schaffet  nieman  nüt  oder  lützel.  daz  ander  ist  daz  der  mentsch  alweg 


Nu  sint  .t1.  ding  div  irret  vns  des  ege  weges  de  ist  gebrest  an  d'  g'unge  de  kunt 
uü  zwain  dinge  wir  dünken  vns  selbin  gnv  gvt  vn  habin  luzil  abte  uf  ge'stlich  gäbe . 
Bei  g’gorio  . sp'chet  div  süne  schinet  uf  den  blinde  vn  entlvhtit  sin  doch  nihit  also 
25  w’det  och  dise  niht  etluhtit  uü  d'  gastliche  gnade  die  si  gvte  ses  sehint  han  wö  es  ist 
ir  spot  De  and*  ist  de  uns  irret  de  wir  vns  bekumb’en  mit  vss’en  dinge  . yfl  nim’  vns* 
h'ce  wellen  bescowö  da  uö  beseiht  vns  alse  de  spill’uten  . di*  alle  wege  in  f”mid*  h'b'ge 
sint  vn  seltin  da  ha'mo  da  uö  ist  scade  de  m,ö  nvwe  l'vte  so  schire  wid*  sezzet  zfi  den 

uss'en  dinge  won  sit  siv  e s böse  siv  w’det  dennoch  bos*  wö  solt  siv  ain  iar  lassi  ir 

30  sunde  wenö  . de  siv  ioh  befunde  de  scade  d*  and*  sunde  lit . De  d'tte  de  uns  irret  de 

ist  de  wir  vns'n  üb  cel'eb  han  . vn  wir  in  zv  chane  dinge  wellet  twinge  de  wid’  ime  ist. 

alse  uns  nu  dr'v  ding  irret . da  wid’  sit  dr'v  ding  div  vns  wrd’ngt . Dz  aine  ist 
de  wir  bcg’unge  sun  han  mäht  ab’  div  beg’unge  niht  han  so  g*  doch  de  du  beg’onde 
w’des  . ab’  zwaj  ding  Bit  div  vns  die  beg’ungo  enzvndet  de  ist  gottes  wort . de  svget  die 
SS  bcg’unge  . ab’  daz  gebet  de  st’chet  . wö  aine  gebet  so  scaffet  ni'mmä  net  ald’ab’  luzel . 


6.  entliitet,  ebenso  Z.  7,  wo  jedoch  nachträglich  ein  kleines  b eingefugt  wurde.  12.  I>5z 

am  Ende  der  Zeile.  län  fehlt.  19.  zwai  ding]  swie  die.  23.  oder  zvvan  f 32.  Wie  oben 
S.  13  Z.  25  könnte  auch  vvrd'ngt  gelesen  werden.  35.  In  ald’ab'  ist  d'  später  eingeschoben. 


1.  II.  Reg.  17. 


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4.  Von  m&nger  hande  regel. 


15 


strite  also  daz  er  alweg  gesige  an  dem  tüfel  und  an  sim  vlaisch,  und  daz  er  all- 
weg  under  gelige  an  der  durnühtung  der  mentschen.  daz  dritte  ist  daz  du  minne 
ziehest  von  allem  dem  daz  under  Got  ist.  wan  du  solt  enkain  ding  minnen  won 
so  vil  so  verre  es  dich  zü  Got  gefürderren  mag  oder  ziehen;  wan  du  sele  ist  also 
geschaffen  daz  si  nit  mag  sin  an  minne.  swer  nu  sin  minne  an  Got  gesamnen  5 
sol,  der  sol  tün  als  man  ainem  böm  tät  den  man  wil  daz  er  uf  wachse,  der 
böm  wirfet  uf  daz  saffe  [10‘J  in  die  Schössling;  der  denne  den  böm  über  triben 
wil,  der  miiss  daz  saff  in  den  böm  twingen  also  daz  er  die  este  alle  umbe  ab 
scklahe.  daz  saff  in  dem  börae  ist  du  minne  du  in  der  sei  ist.  du  güsset  sich 
zü  den  ögen  us.  also  daz  si  minnen  wil  swaz  schön  ist  ze  sehenn;  zü  den  oren  io 
us,  daz  si  minnen  wil  waz  lustig  ist  ze  hörenn;  zu  dem  munde  us,  daz  si 
niessen  wil  swaz  süss  ist  ze  essenn  oder  ze  trinkenn ; zü  der  zungen  us,  weltlichü 
märe  und  üppig  kose  ze  tribenn;  zü  der  nasen  us,  süssü  ding  ze  smekenn;  zü 
den  henden  us,  liudü  und  senftü  ding  ze  grifenn;  zü  den  füssen  us,  üppig  weg 
ze  gände.  swer  dise  este  mit  vlisse  ab  schleht  und  sich  zühet  von  allen  den  15 
dingen  die  wider  Got  sint,  der  twinget  minne  in  sich,  daz  si  müss  uf  wachsen  in 
Got,  daz  si  werdent  sehend  Got  mit  eren.  da  werdent  sü  bevindent  Gottes 
süssikait;  da  werdent  sü  erkennent  Gottes  wishait  [10*]  \ si  werdent  innen 
braht  aller  der  vrüden  so  von  Got  in  die  sei  flüsset,  so  si  und  er  mit  rehter 
haimlichi  ain  ding  mit  enander  werdent  und  si  in  ime  rüwet.  dis  ahtent  nit  vil  20 
ainen  engel  ze  sehenn.  Balames  esel  sach  öch  ain  engel  und  waz  dar  nach  doch 
ain  eseL  dis  erdrüset  denn  des  lebens,  und  wäre  in  denn  aller  nützest  ze 
lebenne;  wan  si  Got  hie  ie  höher  minnent  und  bekennent,  so  si  in  och  her  nach 
in  den  ewigen  vröden  ie  me  minnend  und  bekennend  werdent.  nu  sprächet  sant 
Bernhart  daz  den  unvolkomnen  tugenden  gesperret  wirt  dü  vröde  des  hymel-  25 
riches,  aber  den  volkomnen  tugenden  wirt  volleklich  geschenket  die  vröd  des 
hymelriches. 

Dar  nach  wirt  gesprochen  von  sant  Stephan:  'obdormivit  in  domino’,  daz 
sprichet:  ‘er  entschlief  in  Got’.  in  Got  entschlafen,  daz  ist  an  wisse  ze  hymelrich 
varen.  daz  sint  die  alle  ir  minne  von  allen  dingen  gezogen  hant.  die  [ll'j  aber  so 
minnent  zerganklich  ding  me  denn  Got  liep  si,  die  varent  schlehtklich  in  die 
wisse,  die  aber  minnent  dü  ding  dü  wider  Gottes  gebot  sint,  die  varent  schlehtes 
in  die  helle,  da  vor  üns  Got  behüten  müssi.  amen. 

De  and'  ist  de  d1  mansche  allewege  stte  also  de  e’  allewege  gesige  an  dome  t’vfil  *n 

an  sine  flesche  . De  d’tte  ist  de  dv  dine  mlne  zehest  uö  allem  dem  vnd'  got  ist  uor  ime  35 

solt  dv  kain  ding  mlne  wi>  alse  v're  so  es  dich  got  gewrd'n  mag  . od’  dv  ez  . wa  div 

sele  ist  alse  gesch'phe  de  si  ane  mine  niht  mag  sin  . 


23.  bekend.  34.  dome  oder  deme?  36.  gewrdn  oder  gewrd'n. 


21.  Aum.  22,  31.  2S.  Act.  7,  60. 


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16 


5.  Von  minder  ha  ml  vrAde  die  in  dem  himelrich  ist. 


[5.]  Von  mänger  hand  vröde  die  in  dem  hymelrich  ist. 

[Gaudium  et  laetitia  invenietur  in  Sion.] 

Ysayas  sprichet  daz  man  in  dem  hymelrich  vindet  vröde  über  vröde  an  der 
drivaltkait  der  personen,  vröde  an  der  ainkait  ir  nature,  vröde  an  Gottes 
s mentschait,  vröde  an  der  sele,  vröde  an  dem  übe.  da  spricht  dü  glose  daz  die 
lüt  mit  den  engein  sont  eweklich  in  hymelrich  wonen.  da  sont  wir  staeteklich 
üf  trahten  und  sont  des  beginnen  uff  ertrich:  wan  swaz  man  hie  beginnet,  daz 
wirt  da  volbraht ; und  in  swelen  kör  der  engel  der  mentsch  sol  körnen,  der  engel 
leben  und  iren  Sitten  sol  er  öch  haben  und  lernen  uff  ertrich. 
io  Ain  stuki  hymelsches  lebens  ist  da  so  die  hailgen  dar  koment  da  sü  niemer 
sünd  mugent  tün,  [IV]  gross  noch  klein.  Got  verrat  sich  von  den  Sünden,  als 
her  David  spricht:  'es  ist  ain  grössü  gab  uff  ertrich  ainer  sei  dü  da  sünde  hasset, 
der  ir  schepher  so  gram  ist’,  also  sont  wir  üns  uff  ertrich  flisseklichen  hüten 
vor  grossen  und  vor  klainen  sünden. 

t»  Ein  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  ir  iegliches  da  Got  und  allen 
sinen  fründen  wol  gevallet  an  allen  Sachen,  inwendig  und  uswendig,  als  in  dem 
salter  ist  geschriben:  'es  wAre  ain  grössü  gäbe  ainer  sele  hie  die  da  gern  an 
allen  dingen  wol  geviel’.  also  sont  wir  hie  flissig  sin  daz  ällü  ünsrü  werch  Got 
wol  gevalle. 

2«  Ain  ander  stuki  hymelsches  lebens  ist  daz  sich  Got  da  in  die  sei  senket  mit 
aller  siner  gütlicher  kraft,  als  ob  er  ir  aller  vergessen  hab  die  in  hymelrich  sint. 
und  sant  Augustinus  sprichet:  ‘und  dü  sele  sich  wider  in  Got  senket  mit  allen 
iren  kreften  und  verbirget  sich  in  Got,  daz  nieman  wissen  mag  ir  zwaiger  hain- 
lichi,  1 11 7 si  w'elli  es  denn  künden  ainer  anderr  sei’,  also  sollen  wir  ofnen  ünser 
25  hertze  und  ünser  sele  dem  güten  Got  daz  wir  enphindent  daz  er  da  inne  wAre. 
und  soltent  üns  wider  senken  in  Got. 

Ein  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist:  swaz  da  Got  gütes  hat  und  all 
sin  hailgen,  daz  ist  aines  ieklichen  hailgen  sunderlich  aigen;  und  swaz  ain  iek- 
lich  hailig  da  sunderlich  hat,  daz  ist  in  allen  gemaine,  spricht  sant  Augustinus, 
»n  also  soltent  öch  wir  üns  halten:  swaz  wir  gütes  hettint  oder  möhtint  gehaben, 
gemain  machen  Got  und  sinen  hailgen,  so  möhtint  wir  es  hie  enphinden  in 
ünserm  hertzen. 

Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  in  allen  offen  ist  waz  Got 
getan  hat  und  gewürket  und  geurtailet  in  hymelrich  und  in  ertrich  und  in  der 
85  helle,  das  si  es  nit  anders  wültint  won  also  als  es  geschehen  ist.  also  [IV]  sol 
es  üns  allen  wol  gevallen;  won  dü  schrift  sprichet  daz  er  Allü  ding  tüt  uff  daz 
best  und  in  der  besten  wise,  als  im  wol  gezimet. 


2.  Der  lateinische  Text  fehlt.  24.  and'r. 


2.  Itai.  51,  3.  12  u.  17.  in  Anlehnung  an  Ps.l.  86.  Anspielung  an  Gen.  1,  31;  Seel. 

31,11;  Marc.  7,  37. 


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5.  Von  minder  band  vr Ade  die  in  dem  bymelricb  ist. 


17 


Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  man  da  minnet  nit  won  haili- 
kait;  swa  si  der  allermaist  vindet,  da  keret  si  ir  minne  aller  maist  hin.  also 
soltent  wir  öch  hie  minnen  ain  ieglichen  nach  siner  hailkait,  die  wir  an  im  wis- 
sent,  er  wir  uns  nach  oder  verre,  er  tAte  uns  lieb  oder  lait;  und  soltent  nieman 
minnen  durch  sinü  lösen  wort  noch  durch  sin  jugent  noch  durch  sin  schonhait  5 
noch  durch  sin  klainet,  du  er  us  git,  noch  durch  ander  hainlichkait:  wan  daz 
ist  alles  zerganklich,  aber  du  hailikait  ist  ewig. 

Ain  ander  stuki  hymelsches  lebens  ist  daz  si  alle  zit  Got  gegenwürtig  sint 
und  er  in.  da  von  enphahent  sü  gross  kraft  und  klarhait,  als  Moyses  von  Gottes 
gegenwürtkait  enphieng,  do  [12°]  er  in  sah  in  dem  nebel;  er  bedorfte  in  vierzig  io 
tagen  weder  essen  noch  trinken,  er  wart  so  klär  und  so  schön  an  dem  antlüt  daz 
in  die  Juden  niht  mohtent  an  gesehen,  er  must  bedeken  sin  antlüt  also  solt  öch 
lins  Got  alle  zit  gegenwürtig  sin,  daz  wir  iemer  trahtent  uff  etlichü  stuki  siner 
gütlichen  nature,  es  wAre  sin  gewalt  oder  sin  wishait  oder  sin  güti;  da  von 
enphiengent  wir  gross  gnade,  wir  sint  im  Allü  zit  vor  sinen  ögen:  swaz  wir  tünt  15 
hainlich  oder  offenlich,  daz  solt  lins  billich  wol  gezogen  machen,  inwendig  und 
uswendig. 

Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  si  iren  willen  gantzlich  ver- 
ainent  mit  Gottes  willen;  won  si  niemer  nit  getünt  daz  im  wider  si,  und  niemer 
versnment  daz  im  lait  si.  also  soltent  öch  wir  gaintzlich  verainen  ünsern  willen  20 
mit  Gottes  willen  an  den  selben  zwain  dingen,  etswenn  ist  [12*]  dü  zit  daz  Got 
kündet  in  dem  hertzen  des  mentschen  sei  sinen  liebsten  willen,  da  von  sprichet 
David:  'ich  wil  hören  waz  Got  in  mir  spreche’,  dü  zit  ist  denne  swenn  der 
mentsch  ist  in  grosser  innekait  und  gern  gedenket  den  grösten  götlichen  willen 
und  verainet  sich  mit  Got,  so  kündet  Got  dem  mentschen  inwendig  alles  daz  im  25 
missevallet  an  im  an  sinen  gedAnken,  an  gerung,  an  willen,  an  bewegung,  und 
swaz  im  missevallet  uswendig  an  Worten,  an  werchen  und  an  Sitten;  und  kündet 
im  dar  nach  wie  er  sülli  sin  ged  Anke,  sin  gerung,  sinen  willen,  sinü  wort,  sinü 
werch  und  sin  sitten  gantzlich  rihten  nach  dem  bilde  ünsers  herren.  dis  kün- 
dung  solte  der  mentsche  flisseklich  merken  und  schriben  und  sich  dar  rihten.  so  so 
abtent  wir  ir  laider  wenig!  swenn  sich  aber  denn  der  mentsch  verainet  ze 
ainem  andren  male  an  sim  gebet  mit  Got,  so  kündet  er  [12c]  im  aber  daz  selb. 

Ain  ander  stuki  hymelsches  lebens  ist  daz  si  Got  glich  sint,  als  sant  Johans 
ewangelist  sprichet.  daz  ist:  sin  gewalt,  sin  wishait,  sin  güti  und  Allü  sin  götlichi 
natur  in  in  schinet,  als  der  büchstab  und  daz  antlütz  des  insigels  schinet  in  dem  35 
wahs,  swenn  es  wol  dar  in  wirt  gedruket.  gütlich  bilde  und  sitt  ünsers  herren 


2.  aller/ maist  das  zweitemal  am  Schlüsse  und  Anfang  einer  Zeile.  6.  Ist  us  verschrieben 
für  us*»  tina?  oder  ist  üzgeben  gemeint?  22.  I.  selb  statt  sei;  vgl.  Z.  32  (Panzer).  31.  ir 
nachträglich  durch  s Abkürzungszeichen  über  wir  eingeschoben. 


2.  Zu  dem  unbestimmten  si  ist  etwa  die  heilige  Seele  zu  ergänzen  (vgl.  16, 20. 22.  17, 37.  18,  3); 
wenn  darunter  wie  Z.  8.18.  33  die  Heiligen  zu  verstehen  sind,  dann  mü/Jte  vindent  und  kerent 
gelesen  werden.  10.  Exod.  24, 18,'  34,  28  ff.  23.  Ps.  84,  9.  33.  I.  Joan.  3,  2. 

Deutsche  Texte  de«  Mittel  alter».  X.  2 


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18 


5.  Von  minder  hand  vr5de  die  in  dem  bymelrich  ist. 


Jliesu  Christi  ziert  öch  groslich  wol  die  sei.  also  soltint  öch  wir  uns  geliehen 
gütlichen  sitten  und  dem  bilde  unsere  herren. 

Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  si  an  anderlasse  Got  niessent 
aigenlich.  wenn  sich  du  vernuftekait  und  die  begerung  verainet  bi  Gotte  und 
5 mit  Got  nnd  in  Gotte,  du  wunne  denne  flüsset  uss  Got  uff  die  sei,  die  mag  denn 
kain  sei  enphahen,  sunder  si  sol  wonen  in  im  als  der  visch  iu  dem  wasser  und 
der  vogel  in  dem  lüfte,  also  soltent  wir  öch  hie  wunne  sichen  an  [12*]  Gotte, 
nit  an  der  creature 

Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  si  nihtes  nibt  engerent  us- 
to  wendig  Gottes,  sid  si  nit  andere  vindent  in  Gotte  in  ainer  volkomenhait.  also 
solt  uns  öch  benügen,  an  Gotte  und  soltent  in  im  sichen  swaz  wir  gern  hettint 
an  dekainer  creature:  es  wäre  schonhait,  edelkait,  früntschaft,  klaineder  und 
haimlichkait,  daz  vindent  wir  alles  an  im.  aber  daz  mugent  wir  nit  all  zit  und 
an  allen  enden  vinden  an  kainem  mentschen  und  vindentz  an  Got. 

15  Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist,  als  sant  Augustinus  sprichet,  daz 
uns  wirt  ze  hymelrich  von  Gottes  angesiht  lustlichen  in  gedruket  in  unser  sei 
baidü  satt  und  duret:  wir  durstigen  werdent  da  gesaftet,  und  wir  die  gesatteten 
werdent  durstig. 

Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  si  Got  lobent  än  underlasse, 
20  [ 13“ ] ain  ieklich  stuk  gütlicher  nature  an  im  selben,  daz  ist:  gütlicher  gewalt  ist 
gewaltig,  sin  wisshait  ist  wise,  sin  güte  ist  güt.  öch  lobent  si  ain  ieklich  stuki 
an  ainandern:  gütlicher  gewalt  an  gütlicher  wisshait,  sin  gewalt  ist  wise,  sin 
miltekait  ist  gilt,  sin  güti  ist  milt,  sin  barmhertzkait  ist  reht.  öch  lobent  si 
aigenlich  ieglich  stuki  sunderbar  an  in  allen:  Gottes  gewalt  ist  unmässig,  wise, 
25  ewig,  güt,  milt,  reht  und  erbärmhertzig;  also  ist  öch  Gottes  wishait  gewaltig, 
gut,  milt.  öch  lobent  si  ällü  ding  gütlicher  nature  an  aim  iegklichen  sunderlich: 
gütlichen  gewalt,  ewekait,  unmessekait,  wisshait,  güti,  miltekait,  erbarmhertz- 
kait  und  reht.  in  dirre  selben  wise  soltent  wir  hie  loben  gütlich  nature. 

[6J  Von  manger  hantle  tilgend  galsclillelies  lebens. 

9«  Providentes  bona  non  tantum  coram  [13*]  deo  etc. 

Sant  Paulus  sprichet:  'wir  süllent  ersam  sin  vor  den  lüten  und  wol  ge- 
ordnet vor  Got’.  Salomon  sprichet  in  der  minnen  büch:  'ünser  herre  hat  sin 
minne  in  mir  geordenet’. 

Hie  bi  git  er  lins  ze  merkenn  wie  dü  minne  sol  geordnet  sin  in  ünserm 

10.  Man  sollte  ent  arten  sid  si  alles  vindent  in  Gotte  (t eie  Z.  11. 12);  1‘anzer  vermutet  mit  G.  tin 
derselben  Vollkommenheit  i eie  Gott)  oder  wan  in  G.  14.  vindetz  am  Ende  der  Zeile.  15.  Schon 
nach  stuki  steht  fälschlich  ist,  deswegen  von  mir  umgestcllt.  22.  I.  gütlichen  ? 26.  ieg/klichen 

am  Ende  und  Anfang  einer  Zeile. 

29.  Vgl.  zu  diesem  Stück  den  von  mir  in  der  Zeitschr.  für  hochdeutsche  Mundarten  I S.  SO  ff. 
herausgegebenen  Traktat  aus  dem  Kloster  Vnterlinden  tu  Kolmar  und  die  ron  Strauch  ebenda  S.  189 
beigefügten  Bemerkungen ; — Wackrmagel  S.  81  und  den  S.  168  gedruckten  Traktat  au«  der  Hs. 
B.  IX  15  der  Basler  Universitätsbibliothek.  30.  Born.  12, 17.  32.  Cant.  2,  4. 


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6.  Von  m&nger  hande  tilgend  g&Uchliches  leben». 


19 


hertzen.  reht  alz  daz  closter  geordnet  ist,  als  sol  öch  du  minne  geordnet  sin. 
nu  miiss  ain  ieklich  closter  vier  ding  han,  daz  wol  geordnet  ist. 

Daz  erst  ist  ain  gasthüs.  des  phlegent  dri  jungfrowe,  daz  ist  gut  wille, 
vrölichkait  und  rainü  minne.  du  erst  jungfrowe  ist  güt  wille.  du  lät  die  geste 
in,  wan  swer  güten  willen  hat,  der  hat  erbärmde  über  alle  lüte  und  aller  maist  5 
über  siech  lüt;  won  die  siechen  bedurfent  bas  des  siech  huses  denne  die 
gesunden;  ain  blinde  bedarf  bas  daz  man  in  laite  denn  ain  gesehender.  ze 
glicher  wis  ist  es  umb  der  seien  siech  tagen;  wan  die  lüte  die  an  der  sele  siech 
sint,  die  bedurfent  bas  [13'J  helfe  denn  die  in  Gottes  willen  sint;  won  die  hat 
ünser  herre  erlühtet  mit  sinen  gnaden,  daz  si  in  selber  und  andren  lüten  nütz  io 
mugent  sin  in  irem  gebet,  und  dar  umb  sont  sü  sich  erbarmen  über  sündig  lüt 
und  sont  für  sü  bitten,  doch  sol  der  mentsche  nieman  sin  hertz  uf  tün  won  Got 
mit  gütem  willen,  und  la  dich  erbarmen,  sälger  mentsch,  daz  der  güt  Got  so 
demütklich  vor  dinem  hertzen  stat  und  dich  bittet  daz  du  in  in  din  hertz 
lassest,  daz  er  mit  dir  rüwe,  als  man  liset  in  der  minne  büch,  da  spricht  ünser  15 
herre:  ‘tü  mir  üf,  min  swester,  wan  ich  bin  din  brüder;  tü  mir  uf,  min  fründin, 
won  ich  bin  din  gemahel;  tü  mir  üf,  min  tube,  won  ich  dir  min  hailgen  gaist 
sante  in  diner  betrübde  und  ze  ainem  laiter  in  dem  eilende',  nn  höre  wie  güt- 
lich der  grosse  Gottes  dich  grüsset  und  bittet  der  herberg  die  er  geschüf  und 
erlöste  mit  sinem  tode!  die  [13d]  ander  jungfrowe  ist  frölichkait:  dü  sol  ünsern  2<> 
herren  enphahen.  so  der  güt  wille  ünsern  herren  in  lät,  so  enphahet  in  vrölich- 
kait; wan  swa  ain  gast  wäre,  dem  täti  bas  ain  vrölicli  antlüt  von  dem  wirt 
dann  dü  best  trabt  die  er  ime  möhte  geben  mit  unwirdeschem  hertzen.  ze 
glicher  wis  ist  es  umb  ünsern  herren  und  den  mentschen:  ünserm  herren  ist 
lieber  ain  klainer  dienst  mit  vröden  denn  ain  gross  arbait  mit  murmelen.  etlich  25 
lüt  hänt  aber  nit  ünsern  herren  in  gastes  wise;  wan  er  ist  alles  bi  in,  daz  er 
da  wonung  hat,  und  ir  hertze  gebent  si  im  aigenlich,  daz  er  da  herre  und  wirt 
ist,  und  hat  da  ain  stät  rüwe  mit  der  sei.  also  spricht  ünser  herre:  ‘ich  und 
dü  sele  sont  ain  stät  wonung  han  mit  enander’.  dü  dritte  jungfrowe  ist  dü  edel 
minne.  dü  setzet  ünsern  herren  nider  und  sprichet:  ‘herre,  wir  sont  sitzen,  wir  »i 
mugent  üns  gähes  von  enander  nit  schaiden;  won  [14‘]  du  waist  wol,  lieber 
herre  min,  daz  wir  vil  mit  enander  hant  ze  redenne.  sitz  herre,  la  mich  mit 
dir  kosen’,  ‘o  lieber  herre’,  spricht  dü  minne,  ‘wir  süllent  ain  wonung 
entzwüschent  üns  machen;  du  waist  doch  wol  daz  ich  dü  minne  bin,  mit  der  du 
din  wonung  hast,  als  sant  Johannes  spricht:  ‘deus  caritas  est’.  o herre,  du  müst  35 
bi  mir  bliben,  wan  ich  bin  dü  minne,  und  bist  öch  du  dü  minne’.  so  sitzet  denn 
ünser  herre  und  rüwet  in  der  sele  minne  und  koset  gütlich  mit  ir  und  spricht: 
'mir  ist  vil  sanft  daz  ich  bi  der  sele  bin,  und  tut  mir  gar  wol  daz  ich  bi  ir 
rüwen  sol’. 


19.  Ist  grtssc  oder  Got  zu  schreiben f 3-1.  cntzwachcnt.  37.  gütlich , t'on  Waclcer- 

nagrl  in  gütlich  verändert. 

16.  Cant.  5,  2.  2S.  Ps.  131, 14.  35.  I.  Joan.  4, 16. 

2* 


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20 


6.  Von  minger  hande  tagend  gnischliches  lebens. 


Daz  ander  daz  an  dem  closter  ist,  daz  ist  ain  re venter,  da  dü  sele  ünsern 
herren  spiset  mit  ir  tilgenden,  des  phlegent  öch  dri  jungfrowen.  du  erste  rihtet 
den  tisch  und  setzet  ünsern  herren  nider.  du  haisset  fro  Miltekait,  und  git 
miltes  hertze  und  miltü  wort  ir  swestren.  so  si  betrübet  sint  oder  so  si  siech 
5 sint  oder  swaz  in  wirret  [14b] , daz  benimet  si  in  mit  ir  miltekait  und  hilfet  in 
alle  ir  arbait  tragen  mit  hertzen  und  mit  übe.  da  von  spricht  unser  lierre: 
‘swaz  ir  dem  minsten  tünt  in  minem  namen.  daz  hant  ir  mir  getan’,  du  ander 
jungfrow  haisset  Contempüeren.  du  setzet  trahta  für  die  si  contemplieret,  und 
gedenket  wie  si  mit  den  tugenden  würken  wil  und  wie  si  ain  ieglich  tagend 
io  bringe  ze  tugentlichen  werchen.  man  liset  von  her  Job  daz  er  zehen  kind  hatte, 
die  täglich  hattent  ain  nüwe  Wirtschaft  si  warent  hü  bi  aim,  morn  bi  dem 
andern  und  tatent  daz  täglich,  und  also  hattent  si  täglichen  Wirtschaft  ze 
gücher  wis  sol  dü  sei  tün:  si  sol  tAglich  Wirtschaft  han  mit  tugenden  und  sol 
hüt  ain  tagend  üben,  morn  ain  ander,  won  die  tugent  mag  nieman  mit  enander 
15  gewürken.  dü  drit  jungfrowe  haisset  Andaht.  dü  schenket  die  süssen  minn  trähen 
und  schenket  [14‘]  von  dem  jämerlichen  hertzen  den  minneklichen  win  und 
sprichet  zü  ünserm  herren:  ‘owe  süsser  Got  von  hymelriche,  wenn  sol  ich 
enpunden  werden  von  disem  übe,  daz  ich  dich  mit  sicherhait  umb  vahen  muge, 
und  du  dich  denn  in  min  sele  giessest  mit  vröden  und  mit  süssekait!*  von  der 
20  andaht  entspringet  ain  brunne  und  flüsset  ze  den  ogen  us. 

Daz  dritte  daz  an  dem  closter  ist,  daz  ist  ain  dormiter;  des  plegent  öch 
dri  jungfrowen.  der  dormiter  ist  ain  gütlich  hertze.  dü  erst  jungfrowe  ist  ain 
lutrü  conscienci.  dü  beraitet  daz  bette  da  ünser  herre  und  dü  sele  an  rüwen 
sont.  won  swa  der  mentsch  ist  den  sin  hertz  nit  bekrenket  umb  dehain 
25  untugent,  der  hat  ain  luter  conscienci  und  ain  geblümetes  hertze.  dü  sele  mag 
wol  sprechen:  ‘kum  her,  lieber  gemahel  min,  ünser  bette  ist  geblümet.  kum  her, 
süsser  Got,  rüw  uff  disen  blümen!’  aber  der  mentsch  den  [14*]  sin  conscienci 

bisset  umb  Untugend  und  sich  doch  der  vor  nit  hütet,  des  betün  ist  bedürnet; 

wais  Got,  da  läge  ünser  herre  ungerne  und  wäre  im  öch  harte  widerzäme.  dü 
so  ander  jungfrowe  haisset  ‘fride  mit  tugenden’,  daz  si  die  untugende  alle  über- 
wunden hat  die  wider  den  tugenden  stritent,  und  nit  allain  überwunden  die 
Untugend,  si  hat  ir  öch  gar  vergessen,  dü  sele  hat  frid  mit  den  tugenden,  und 
dü  phüget  ünsers  herren  und  der  sele,  so  si  rüwet.  man  vindet  der  lüte  vil  die 
vehtent  tugend  hant,  die  ze  allen  ziten  mit  den  tugenden  vehtent;  aber  der  lüt 
85  vindet  man  lützel  die  mit  riiwe  tugent  habent  die  sint  reht  als  dü  tier  in  der 

arch,  die  hattent  frid  all  mit  enander.  dü  dritte  jungfrow  haisset  'schlauf  mit 

dem  schönnen  Got’.  daz  sol  man  nit  verstan  an  dem  släf  des  übes,  es  ist  ain 
schlauf  mit  Got.  daz  ist  so  dü  sele  und  der  lip  us  wendiger  ding  gar  ver [15‘/ 
gessent  und  si  denne  inwendig  Got  sehent  und  in  mit  im  wol  ist:  daz  ist  schlaf 
der  sele;  daz  mag  jubilieren  sin,  als  spricht  dü  sele  in  canticis:  ‘o  herre,  ich  släf 

21  ».  22.  dormit'  oder  dormitor  aufzulösen  ? 

7.  Matth.  25,  40.  10.  Job  1,  4.  17.  Rom.  7, 24.  26.  Cant.  1, 15.  SS.  Cant  5,  2. 


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6.  Von  m&nger  hantle  tilgend  gaischliches  iebens. 


21 


und  min  hertz  wachet  doch  mit  dir’,  also  spricht  ain  hailg:  'herr,  si  joch  daz 
ich  schlafe  mit  den  ogen,  so  gib  mir  doch  daz  min  hertze  wache  mit  dir’. 

Daz  vierde  daz  an  dem  closter  ist,  daz  ist  ain  capittelhus.  daz  bezaichent 
ain  demütig  hertz.  da  ist  ain  priolin  inne,  du  haisset  frow  Mässekait.  da  sint 
ander  jungfrowen  inne,  die  rügent  die  untugent  hant  in  dem  capittel,  und  die  5 
tngent  rügent  enauder;  won  die  Untugend  sol  man  billich  rügen,  aber  daz 
beschiht  dik  daz  ain  brüder  oder  ain  swöster  au  ander  rügent,  daz  doch  vil 
besser  ist.  ze  glicher  wise  ist  es  umb  die  lügend:  da  laidet  ainü  die  andrun, 
die  doch  vil  höher  ist  denn  si.  ain  tugend  ist  in  der  sele,  die  haisset  Ersamkait; 
dü  rüget  frow  Demütkait:  ‘ir  sint  also  [15*]  gar  unsuber  mit  (ich  selber,  und  io 
üwer  demüt  ist  also  vil  daz  ir  unlustig  sint  an  ze  sehenne’.  so  spricht  min  vrow 
dü  priolin:  ‘swester  Demüt,  ir  sont  müssig  sin  und  sont  üch  also  demütigen  daz 
üch  die  lüt  erliden  mugent’.  so  rüget  denn  vrow  Demüt  vrow  Ersamkait  und 
sprichet:  ‘ir  sprechent  ich  si  ze  unsuber;  wan  aber  ir  als  ersam  sint  und  tragent 
gern  gutes  gewand  und  vlissent  üch  daz  ez  wol  stände,  dunket  es  üch  ain  15 
erbare  sin,  so  dunket  es  aber  mich  ain  höfart',  so  sprichet  aber  Masse:  ‘ir  sont 
beide  üch  temperen  mit  müsse',  dar  nab  rüget  Reht  und  Erbärmde  euander. 
Erbärmde  dü  spricht:  ‘plus  est'.  si  rüget  die  swöster,  daz  ist  reht;  doch  möhti 
si  es  wol  mit  miltren  Worten  tün.  si  stellet  ir  antlüt  als  übellich  daz  es  gar  ze 
vil  ist.  so  rüget  denn  Reht  Erbärmde  und  spricht:  ‘plus  est;  ir  wend  als  20 
erbarmhertzig  sin  daz  ir  ain  ieglich  ding  [15‘]  went  hin  lan  gän,  daz  doch 
wol  ze  rügenn  wäre’,  so  sprichet  aber  min  vro  Masse,  dü  priolin:  ‘ir  jung- 
frowan,  ir  sont  üch  mit  müsse  zü  enander  fügen,  daz  ir  mit  fride  ze  samen 
gehellent  und  doch  mit  der  gnade  belibent’.  dar  nach  rügent  Beschaidenhait 
und  Minne  enander,  und  sprichet  vro  Beschaidenhait:  ‘vro  Minne,  üwer  minne  25 
ist  also  vil  daz  ich  es  nit  erliden  mag:  so  ir  au  die  minne  koment,  so  bettent 
ir  also  vil  und  wainent  und  dienent  und  arbaitent  also  vil  daz  ir  dar  nach  lang 
müssent  ligen  und  mugent  denn  kain  gut  getün;  ir  sont  beschaidenlichen  varen 
und  sont  ainest  werchen  daz  ir  öch  andrest  mugent  werchen'.  so  spricht  denn 
vro  Minne:  ‘vro  Beschaidenhait,  üwer  beschaidenhait  ist  also  vil  daz  ir  als  träge  so 
sint  an  ünsers  herren  werchen  daz  es  wider  Got  ist:  so  ir  betten  [15a]  sont,  so 
wend  ir  schlafen  und  sprechent  alles:  “wir  sont  gefuklich  varen,  daz  wir  lang 
Got  mugent  gedienen”;  und  machent  üwer  beschaidenhait  also  vil  daz  mich 
dunket  es  si  ain  trakait’.  so  sprichet  denn  vro  Müsse,  dü  priolin:  ‘ey  lieben 
jungfrowen,  temperent  üch  ze  samen,  ir  sint  als  unfridsam  mit  enander  daz  es  35 
übel  stät  vro  Minne,  ir  sont  nit  als  ungefüklich  varen,  sint  mässiger;  aber  ir, 
vro  Beschaidenhait,  arbaitent  üch  me  und  fügent  üch  baz  ze  fridbari  mit  en- 
ander und  sint  mässig,  doch  also  daz  ir  die  gnade  mit  den  tagenden  behaltent'. 


1.  liailg  so.  5.  and  die  tngent  und  rügent  enand  . 16.  erb'a  26.  mag.  so  ir 

an  si  komPt  so  bettont  ir  also  vil.  dz  ich  es  nit  orliden  mag.  so  ir  . . . 


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22 


7.  Von  de«  gebettes  nutz  ze  Got. 


flj  Von  <les  gebettes  nutz  ze  Got 

Petit«  et  accipietis  etc. 

Ünser  herre  spricht  in  dem  ewangelio:  'bittent,  so  werdent  ir  gewert’.  er 
spricbet  öch  anderswa  in  dem  ewangelio:  'bäte  ain  kind  sinen  v&tter  brotes, 

5 so  gäb  er  im  nit  ain  ander  ding  [16“]  der  für’,  sider  denn  ain  man  uff  ertrich 

des  nit  täte  sinem  kinde,  so  entftt  es  öch  der  getrüw  vatter  von  hymelrich 

sinen  kinden  nit;  won  er  wil  nit  erhören  der  mentschen  gebet  die  in  bittent 

unrehter  ding,  won  allain  rehter  und  guter  ding,  wan  sinen  tugenden  und 
sim  gewalt  gezimet  nit  daz  er  bös  und  klain  gäb  geb,  er  ist  ain  rickliger 
io  geber  und  wil  nit  geben  won  grosse  gäbe,  da  von  sprichet  unser  herre  in 
dem  ewangelio:  ‘bittent,  so  werdent  ir  gewert:  üch  werdent  alle  üwer  sünd 
vergeben;  sückent,  so  werdent  ir  vindent:  die  gnade;  klophent,  so  wirt  üch  daz 
hymelrich  uf  getan.  Got  wil  der  mentschen  gebet  erhören  die  in  mit  warhait 
an  rüffent,  die  des  gerent  mit  dem  hertzen  daz  si  bittent  mit  dem  munde,  der 
15  mentsche  sol  gerne  dester  minder  gebetten  mit  dem  munde,  daz  och  sin  hertze 
bi  dem  gebet  si  und  öch  die  girde  des  hertzen.  ain  hailge  [16l]  sprichet:  ‘vil 
gebettes  mit  dem  munde  erschreket  daz  hertze’.  enkan  joch  der  mentsch  der 
worte  nit  verstan,  so  sol  ez  doch  sin  gedenke  und  die  girde  sines  hertzen  an  Got 
setzen  und  in  bitten  siner  gnaden,  der  mentsch  hat  zwo  sprach  in  dem  gebet: 
20  mentschliche  sprach,  so  der  mentsch  bettet  mit  dem  munde;  engelsche,  so  er 
bettat  mit  dem  hertzen.  des  engels  spräche  ist:  so  er  zü  aim  andern  reden  wil, 
so  lät  er  ain  lieht  von  im  schinnen  engegen  ime  und  schephet  in  dem  lieht  allen 
sinen  willen,  also  sol  der  mentsche  daz  lieht  sines  herzen  Got  under  sin  antlüt 
lassen  schinnen  und  sinen  willen  zaigen,  won  die  sprach  vernimet  Got  wol.  won 
25  er  sprichet  in  der  minne  büch:  ‘la  din  stim  schellen  in  min  oren,  wan  din  stim 
ist  süsse  und  din  antlüt  ist  schöne’. 

Daz  hertze  ist  ainer  hande  kevi,  in  der  singen  sont  vier  vögellü  [16‘],  der 
stim  ünser  herre  gern  erhöret,  der  erst  vogel  haisset  aine  amselle;  der  ander 
haisset  ain  nahtegal;  der  dritte  haisset  ain  lerche;  der  vierde  haisset  ain  tube. 

30  Dü  amselle  ist  swartz  und  hat  ainen  schönnen  Schnabel  gelwen.  dü  swerzi 
bezaichent  daz  daz  gebet  sol  sin  demütig,  daz  der  mentsch  sol  erkennen  in  dem 
gebet  sinen  gebresten  und  sin  krankait,  als  man  liset  von  dem  offnen  sünder 
und  von  dem  glichsner.  die  zwön  giengen  betten  in  den  tempel:  der  offen  sünder 
waz  ungereht  und  sündig,  der  glichsner  schain  aber  güt  vor  den  Iüten  und  was 
35  aber  nit  güt,  won  er  waz  hoffertig,  und  erkante  das  Got  wol  an  im  und  wolte 
sin  gebet  nit  erhören,  aber  der  offen  sünder  erkante  sine  sünd  wol,  und  dünkte 
in  siner  Sünden  also  vil  daz  er  nit  getorste  sinü  ögen  gegen  dem  hymel  üf  ge- 
heben, und  sprach:  ‘o  grosser  Got  von  hymelriclie,  erbar/16'7me  dich  über 
mich  armen  sünder!’  und  do  er  zü  dem  gebet  gie,  do  waz  er  ungereht  und  sün- 

ss.  -o- 

2.  Matt.  7,  7.  4.  Matt.  7,  9.  25.  Cant.  2, 14.  33.  Luc.  18, 10. 


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7.  Von  des  gebettos  nutz  zc  Got 


23 


dig,  und  e daz  er  von  dannan  k4m,  do  waz  er  gerekt  worden  von  dem  hailgen 
gaist,  und  vergab  im  Got  alle  sin  sünde.  so  bezaicbent  der  schone  schwabel  daz 
daz  gebet  sol  sin  schon  geziert  mit  tugentlichen  und  mit  schönen  gedenken,  in 
dem  gebet  sint  drier  hande  fröde,  an  den  waidet  unser  herre  drier  hand  seien, 
die  ersten  waident  sich  in  dem  riet,  die  andern  in  dem  bongarten,  die  dritten  5 
an  den  bömen.  daz  riet  ist  lang  und  herte:  also  ist  der  mentschen  gebet  die 
vil  gebettent  mit  den  Worten,  und  aber  ir  gebet  nit  lind  machent  mit  guten  ge- 
denken und  mit  der  süssekait  des  hailigen  gaistes.  so  die  herren  wend  ireu  lip 
wol  füren  und  kreftig  machen,  so  haissent  si  die  trahten  faist  machen,  also  sont 
wir  tön:  wellent  wir  daz  unser  gebet  si  fruhtber  [ 17 ’J  und  nütze,  so  sont  wir  io 
es  faist  machen  mit  gaistlicher  faisti  des  hailgen  gaistes.  die  andren  seien  wai- 
dent sich  in  dem  schönnen  böngarten  under  dien  schönnen  blümen  die  dar  inne 
wachsent:  daz  sint  der  sülgen  mentschen  tugend.  etlich  lüte  die  nement  war  des 
besten  so  si  sehent  an  iren  eben  cristen  und  gehaltent  daz;  aber  die  tugentsamen 
mentschen  die  sont  usser  allen  dingen  daz  beste  lesen  und  daz  behalten,  in  15 
disera  böngarten  mag  dü  sei  dik  missvarn;  wan  es  ist  kain  mentsch  es  si  etwaz 
gebresten  an  im.  aber  in  dem  hymelschen  böngarten  und  an  den  wuunenklichen 
blümen  die  da  sint  der  hailgen  tugent,  mag  die  sei  niemer  missvarn;  wan  swaz 
si  da  vindet  und  erkennet,  daz  ist  alles  gilt,  und  da  sol  sich  dü  sülig  sele  gern 
waiden.  die  dritten  waident  sich  an  den  hohen  bömen.  Ysayas  der  wissag  20 
spricht:  ‘nement  fruht  ab  dem  höhsten  [17* ] böme  und  ab  dem  schönsten  der  ie 
wart,  und  werdent  gespiset’.  ist  ez  nu  der  aller  höhste  böm  der  ie  gewüchs  in 
himelrich,  so  ist  es  Got  ünser  herre;  ist  es  aber  der  aller  höhste  und  der 
schönste  böm  der  ie  ge  wuchs  uff  ertrich,  so  ist  es  ünser  vrowe.  so  ist  aber  dü 
fruht  dü  dar  uff  stüt , ünser  herre,  ab  dem  schönsten  und  höhsten  böm  der  ie  25 
gewuchs  in  hymelriche,  daz  ist  ünser  herre.  wir  sont  drier  hand  fruht  lesen: 
ge walt,  wisshait  und  güti.  dis  drie  tugend  die  wir  an  ünserm  herren  sollent 
lesen,  den  antwurtent  dri  ander  tugent  die  an  der  sele  sont  sin.  dü  erst  ist  dü 
vehterin;  dü  ander  ist  dü  erkennerin;  dü  drit  ist  dü  minnerin.  dü  vehterin  hat 
gewalt  ze  tünne  übel  und  güt  und  ain  ieglich  ding  an  ze  griffen:  dü  antwortet  so 
ünsers  herren  gewalt.  dü  erkennerin  hat  gewalt  ze  erkennen  übel  und  güt,  und  dü 
antwortet  ünsers  herren  wisshait.  dü  minnerin  minnet  gütü  ding:  dü  antwortet 
ünsers  [17’]  herren  güti;  won  dü  sei  hat  von  nature  daz  si  minnet  gütü  ding  und 
süchet  an  aim  ieklichen  ding  güti  und  nutz,  und  da  von  sont  wir  minnen  Got, 
wan  er  ist  daz  obrest  güt  und  über  411ü  ding,  won  411ü  güti  flüsset  von  im,  und  35 
ist  öck  aller  maist  der  dinge  dü  die  sei  raizent  zu  der  minne.  da  von  spricht 
sant  Bernhart:  'süigü  sei,  wek  dich  selber  und  riht  uf  din  sinne  alle,  die  dir 
Got  ie  gegab,  und  gedenk  an  daz  ding  in  dem  beschlossen  sint  4M  ding  und 
411ü  tugend  und  aller  fride’. 

2.  schabet  17.  dem.  22.  24.  26.  gew°cba.  23.  es  fehlt.  2S.  antwrtent  ebenso  30.  32. 

28.  ist  fehlt.  31.  erkennen]  tünne.  Der  Schreiber  ist  <cohl  bei  der  ganzen  Zeile  in  Zeile  30  geraten. 

21.  Isai.  37,  30  in  Verbindung  mit  Lev.  23,  40. 


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24 


7.  Von  de«  gebettes  nutz  ze  Got. 


Der  ander  vogel  der  in  dem  rainen  hertzen  singen  sol,  haisset  ain  nahtegal, 
du  singet  in  dem  tag  und  in  der  naht,  also  sol  öch  du  sälig  sei  Got  loben  tages 
und  nahtes,  won  er  ist  vil  gut  ze  lobenn  in  der  naht:  won  so  sint  dem  mentschen 
sin  ussren  sinne  beschlossen  und  enhöret  noch  ensihet  nit  daz  in  müge,  und 
5 mag  denne  Got  wol  loben  mit  aim  frien  hertzen.  bi  der  naht  ist  bezaichent 
beswärde : so  der  mentsch  fl? '/  ist  in  betrübde,  daz  er  denne  erkennen  sol  daz 
uns  unser  herr  ze  güte  tüt,  wan  sant  Paulus  spricht:  ‘swaz  dem  mentschen 
widervert  der  Got  minnet,  daz  kumet  im  alles  ze  güt’;  wan  unser  herre  entut 
kain  ding  enkainem  mentschen  wan  ie  daz  best,  enkan  joch  der  mentsch  nit  er- 
io  kennen  daz  es  wol  kunt  und  güt  si,  won  unser  herre  gevaret  niemer  des  ment- 
schen übel,  wan  allwegent  des  daz  im  güt  ist.  da  von  sol  der  mentsch  erkennen 
in  siner  beswärde  ünsern  herren  und  sin  gnade  und  sol  im  dank  sagen,  sant 
Augustinus  sprichet:  'mentsche,  wilt  du  wissen  war  umbe  du  Got  nit  minnest, 
daz  ist  da  von  won  du  nit  erkenst  waz  er  dir  ze  güt  hat  getan;  wan  erkandest 
15  du  es,  du  minnetist  in  von  allem  dinem  hertzen  und  seitist  im  dank  siner  gnaden’, 
als  man  liset  von  den  drin  kinden  die  man  in  den  oven  warf:  do  lobtent  si  Got 
nit  allaine,  si  mantent  [18°]  öch  all  creatur  zu  sinem  lobe,  wan  si  machtent  den 
cantig  psalmen  'Benedicite  omnia’,  und  mantent  da  mit  all  creatur  ze  ünserm 
herren  in  ze  lobenne;  und  tet  in  öeh  daz  für  nit  anders,  won  dü  band  da  mit  si 
2«  gebunden  warent,  dü  verbrunnent  in  ab,  und  tet  inen  kain  schaden  anders  an  ge- 
wande  noch  an  übe.  also  geschihl  den  sälgen  mentschen  die  gedulteklich  tragent 
alles  daz  si  an  gat,  den  werdent  alle  iro  sünde  da  mit  ab  genomen.  bi  dem  tag 
ist  bezaichent  franstmütkait.  daz  ist  also  daz  der  mentsch  Gottes  nit  sol  ver- 
gessen in  dem  tag  siner  vröde,  und  sol  erkennen  daz  es  von  Got  flüsset. 

25  Der  drit  vogel  der  in  dem  rainnen  hertzen  singen  sol,  der  haisset  ain  lerche. 
die  ensinget  niemer  uff  dem  ertrieh,  si  hebet  sich  üf  von  der  erde,  und  so  si  ie 
höher  kumet,  so  si  ie  vrölicher  singet,  also  sol  öch  der  sälig  mentsch  tün:  so 
er  Got  loben  wil,  so  sol  er  sin  her/iS'/ze  entlidgen  von  allem  dem  so  uff  er- 
trich  ist;  und  so  du  ie  höher  din  hertze  hast,  so  du  Gottes  tugend  ie  bas  mäht 
so  erkennen  und  in  geloben. 

Der  vierd  vogel  der  in  dem  rainnen  hertzen  singen  sol,  haisset  ain 
tube.  die  tuben  hört  man  als  vil  süfzen  als  singen,  also  mag  der  sälig  mentsch 
öch  wol  tün,  swenn  er  gedenket  daz  er  wider  dem  güten  Got,  der  im  also  vil 
gütes  lmt  getan,  etswenn  tüt,  und  als  reht  klain  erkennet  daz  er  etswenne  also 
35  verre  von  im  waz,  und  daz  er  dem  sin  hertze  als  reht  dike  vor  beschlossen  hat 
der  in  also  türe  geköfet  hat.  sant  Augustinus  sprichet:  ‘owe  sele,  wie  ist  es  so 
rehte  schäm  lieh  das  du  dem  herberg  versagest  der  nieman  sins  hertzen  herberg 
verseit;  won  swer  klophet,  den  lat  er  in’,  dis  vogel  sont  öch  singen  in  der  bihte. 
won  da  sol  der  mentsch  sine  sünde  sagen  ernschlich  und  kläglich,  die  vogel  der 
io  vröden  sont  nit  alweg  singen,  der  vogel  des  laides  sol  öch  etwenne  fl&]  singen, 
won  der  mentsche  sol  mit  Got  haben  lieb  und  laid. 


7.  Rom.  8,  28.  10.  kunt  — kamt.  16.  Dan.  3. 


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8.  Von  der  sei  venukunge. 


25 


[8.J  Von  der  sei  verzukange. 

flnduxit  eos  in  montem  sanctificationis  suae.] 

David  spricht:  'er  hat  si  gefüret  uff  den  berg  der  hailikait  und  hat  si  umb- 
vangen  mit  siner  zeswen  hand’. 

Das  er  sprichet:  ‘er  hat  si  gefüret’,  da  mit  git  er  ze  erkennend  daz  er  5 
nit  ainen  us  schaidet  von  den  andren;  won  swer  in  minnet,  den  füret  er  uff  den 
berg  der  hailikait.  nu  sint  dri  berg.  der  erst  ist  gaistlich  leben;  der  ander  ist 
rainnes  hertze;  der  dritte  ist  ünsers  herren  marter. 

Gaistlich  leben  gelichet  sich  wol  dem  berge,  won  als  der  berg  schön  ist 
und  dar  uff  wachsent  schön  blumen  und  böme,  als  ist  öch  gaischlich  leben,  und  io 

spricht  öch  saut  Bernhart  daz  daz  gaischlich  closter  si  als  ain  bongarte:  won 

mAngerschlahte  blumen  und  böm  in  dem  bongarten  wachsent,  als  ist  in  dem 
closter  m Anger  schlahte  tugent;  und  als  ain  ieglich  bliime  sin  sunderlich  fruhte 
bringet,  also  hett  ain  ieglich«  swöster  sunderlich  tugend.  und  sol  die  [18 *]  sei 
sich  zieren  mit  disen  blumen  und  sol  ain  schappel  mit  tugenden  uff  ir  höbet  15 

setzen  und  von  aim  ieglichen  mentschen  tugend  lernen,  man  liset  von  hem 

Moyses  daz  er  sind  schüf  waidet  in  der  wilsti  dri  tagwaide,  und  do  er  in  die 
wtisti  gieng,  do  sah  er  ainen  rosböschen  brinnen,  und  wart  der  rosbösch  nie 
dester  minder  swaz  er  ie  gebran,  und  wundert  in  sere  waz  ez  w<lre , und  gieng 
hin  zu.  und  do  er  nahen  begunde,  do  sah  er  ünsern  herren  in  dem  rosböschen  2« 
brinnen,  und  sprach  unser  herre  zü  im:  ‘du  solt  nit  naher  körnen,  du  erde  dar  uff 
du  stäst,  du  ist  hailig!’  und  waidet  sind  schäf  untz  er  kam  zü  dem  berg  Oreb. 
swer  nu  zu  gaischlichem  leben  körnen  wil,  der  sol  haLssen  Moyses.  der  nam 
sprichet  als  vil  als  ‘ain  mentsch  der  usser  dem  wasser  gezogen  ist’:  der  mag  wol 
baissen  Moyses.  won  als  daz  wasser  unstAt  ist,  also  ist  öch  du  weit,  nu  sol  der  25 
mentsche  denn  dri  tagwaid  gan  [19°]  in  dem  gaischlichen  leben,  du  erst  tagwaid 
ist  künschkait;  du  ander  ist  An  aigenschaft;  du  drit  ist  gehorsami.  so  wirt  denn 
der  mentsch  ain  ros  bösch  in  dem  unser  herre  brinnet,  daz  sint  tugenthaftü 
hertzen  und  gut  lüt.  so  müss  denn  die  lüt  wundren,  so  si  sehent  daz  gaischlich 
lüt  so  vil  arbaiten  mugent  und  geliden  an  dem  übe,  wie  si  daz  erenden  mugent;  so 
so  wissen!  sü  niht  daz  Got  ze  aller  zit  in  ir  hertzen  brinnet  und  in  alle  ir  arbait 
hilfet  tragen,  ‘dar  nach  kam  er  zü  dem  berg  Oreb',  daz  sprichet  als  vil  als 
‘ain  knig’  oder  als  ‘ain  tisch’,  daz  ist  als  vil  gesprochen:  zwah  din  hende  und 
gange  zü  dem  tische!  daz  ist  also  daz  ain  mentsch  sin  hertze  luter  und  rain 
mache  von  allen  Untugenden,  won  daz  ist  billich:  swer  zü  dem  tisch  sol  gan  S5 
ünsers  herren  gnade,  daz  der  sin  herze  beraitet  mit  allem  flisse,  und  gang 
denn  dar  und  enphah  hvmelschen  trost  und  vröde.  [19'’] 

Der  auder  berg  ist  ain  rain  hertz.  wan  als  der  berg  hoh  ist  und  schöne 
und  all  unsuberkait  ab  dem  berge  in  daz  tal  flösset,  also  beschihet  dem  rainen 

2.  Der  lat.  Text  fehlt.  5.  h»t  fehlt.  17.  w'sti  «.  ff. 

2.  Ps.  77,  54.  17  ff.Exod.3. 


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26 


8.  Von  der  sei  verzukunge. 


hertzen  daz  sich  erhöhet  hat  von  allen  unnützen  dingen  und  allen  sinen  sin  an 
Got  keret.  von  dem  schaidet  Allü  bes  würde  und  Allü  Untugend,  wan  swer  dik 
mit  sim  hertzen  unsrem  herren  haimlich  ist,  der  müss  all  Untugend  fliehen;  der 
aber  dik  in  sinem  hertzen  mit  Untugenden  und  unnützen  Worten  umb  gät,  dem 
5 geschiht  als  dem  tal,  in  daz  flüsset  münig  unsAld.  dü  sunne  lühtet  och  e uff  den 
berg  denn  in  daz  tal.  also  geschiht  dem  tugenthaften  hertzen:  dem  lühtet  dü 
ewig  sunne  ünsers  herren  mit  sinen  gnaden  me  denn  dem  hertzen  daz  sich  be- 
kümbert  mit  unnützen  dingen,  dar  umbe  sol  ain  tugenthafter  inentsche  allen 
den  kumber  den  es  uff  ertrich  umb  dekain  ding  haben  solte,  ünserm  herren  be- 
10  velhen  und  sol  alle  sin  sorg  an  Got  legen  und  lan;  won  ünser  herre  [ 19’]  wil 
alle  ünser  arbait  mit  üns  tragen  und  wil  des  rainnen  mentschen  geselle  sin  in 
allen  sinen  arbaiten.  und  spricht  öch  herr  David:  'ünser  herre  wil  mit  dem 
mentschen  sin  in  allen  sinen  arbaiten’.  und  sprächet  sant  Bernhart:  ‘herre,  sit 
daz  du  mit  mir  sin  wilt  in  allen  minen  arbaiten  und  beswürden,  so  hilf  mir 
15  daz  mir  laides  und  arbait  niemer  gebreste  durch  daz  daz  du  mit  mir  sägest’. 

Der  drit  berg  ist  ünsers  herren  marter.  uffe  den  berg  kan  nieman  mit  sinen 
gedenken  komen  won  der  ain  raines  hertze  hat.  uff  disem  berg  sint  zwen  brunnen 
entsprungen,  ünser  herre  goss  usser  sinem  hertzen  wasser  und  blüt:  wasser  dar 
umbe  daz  er  erögti  daz  sin  blüt  dester  völliger  wurde,  und  öch  dar  umbe  daz  er 
io  erögti  daz  sin  blüt  und  sin  marter  als  unwerd  ist  als  daz  wasser.  won  als  daz 
wasser  wüschet  und  man  öch  dar  uf  trittet,  also  wenig  nhtet  man  öch  ietz  uff 
ünsers  herren  marter.  sin  [19]  blüt  göss  er  öch  dar  umbe  daz  er  die  seien 
klaidete.  edel  herren  spulgent  ir  vrowen  ze  klaidenn,  so  si  öch  klaident  sich 
selber,  also  hat  öch  ünser  herre  getan:  der  hat  die  sei  geklaidet  mit  sinem 
25  schönnen  rosvarwera  blute,  sid  daz  nu  ünser  herre  sin  hertze  uf  hat  getan,  so  ist 
es  och  billich  daz  wir  öch  ünser  hertze  gegen  im  uf  tügent,  und  daz  gedenken 
daz  ünser  herre  alles  sin  blüt  us  göss  durch  ünser  liebi.  so  ist  öch  billich  daz 
wir  ünser  trähenn  durch  sinen  willen  giessent. 

[9J  Ton  der  armüt  ünsers  herren  Jhesu  Christi. 

30  /Renovamini  spiritu  mentis  vestrae  et  induite  novum  hominem  etc.] 

Sant  Paulus  sprächet  in  ainer  epistel:  ‘wir  sont  wider  nüw  werden  an  dem 
gaiste  und  sont  ain  nüwen  mentschen  an  üns  nemen’. 

An  disen  Worten  sont  wir  drü  ding  merken,  daz  erste  daz  wir  nüw 
warent;  daz  ander  daz  wir  alt  sint  worden  von  den  Sünden;  daz  dritte  wie  wir 
35  wider  nüw  sont  werden. 

Von  dem  ersten  wie  wir  [20‘]  nüw  warent,  des  git  der  priester  urkünde 
dem  kinde  in  dem  töfe,  so  er  im  den  wester  hüt  uf  leit.  won  so  spricht  er: 
'nim  hin  dis  klaid  wiss  und  behüt  es  also  als  du  es  ünserm  herren  an  dem 


12.  I'a.  123,  8;  88,  22  im  Anschlup  an  Par.  18,  6.  30.  Der  lat.  Text  fehlt,  er  steht  Ephes. 

4,  23.  38.  So  noch  heute  im  Rituale  bei  der  Spendung  der  hl.  Taufe:  ‘accipe  vcstcm  candidain, 

quam  immaculatam  perfcras  ante  tribunal  dotnini  nostri  Jesu  Christi,  ut  habcas  vitam  actemam’. 


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9.  Von  der  arniöt  unsere  herren  Jhesu  Christi. 


27 


jüngsten  tag  antworten  wellist’,  dis  hat  er  nit  gesprochen  von  dem  wissen 
klaide  daz  er  im  da  an  leit,  er  spricht  es  von  dem  klaide  der  tngend  daz  du 
sele  da  enphahet  in  dem  töfe. 

Daz  ander  ist  daz  wir  alt  sint  worden  von  den  Sünden,  drier  hand  gedenk 

sint  da  von  wir  alt  sint  worden,  so  der  mentsch  bös  gedenk  hat  und  du  5 

beschaidenhait  da  bi  nit  enist,  so  sint  si  täglich  sünde.  die  ander  gedenk  sint  so 
der  mentsche  boschlich  und  übellich  gedenket  unbeschaidenklich,  und  denn  du 
beschaidenhait  dar  zü  kumet  und  den  gedank  an  siht,  und  lät  si  denn  den 
gedank  beliben  und  ist  im  denne  wol  da  mit:  die  gedenk  werdent  schiere  [20*] 
höbet  sünde.  der  drit  gedank  ist  so  der  mentsch  mit  bösen  gedenken  umbe  gät  io 
lange,  und  denn  dü  beschaidenhait  daz  an  siht  daz  der  gedank  übel  ist,  und  si 
in  denn  da  lät  beliben,  und  denn  der  wille  dar  zü  kumet,  und  denn  dü 
beschaidenhait  und  der  wille  den  gedank  an  sehent  daz  er  übel  ist,  und  doch 
dem  mentschen  wol  ist  mit  den  gedenken  und  es  gerne  die  gedenke  volbräht  mit 

den  werchen,  ob  es  möhte:  so  ist  der  gedank  höbet  sünde.  won  also  spricht  sant  15 

Paulus  daz  wir  also  alt  sint  worden  von  den  Sünden. 

Nu  sont  wir  wider  nüwe  werden  an  dem  gaiste  mit  der  beschaidenhait,  als 
wir  öch  alt  sint  worden;  wan  dü  beschaidenhait  hat  daz  klaid  von  der  nature 
daz  si  erkennet  übel  und  güt.  nu  mähti  man  sprechen  daz  der  beschaidenhait 
vil  wäre  in  der  weit  die  wol  erkantent  übel  und  güt.  der  beschaidenhait  main  20 
ich  nit.  ich  sprich  von  der  beschaidenhait  dü  da  erkennet  waz  güt  ist  und  daz 
besser  ist  (20']  und  daz  aller  best  ist,  daz  ist  ünser  herre.  sit  daz  ünser  herre 
der  beschaidenhait  daz  lieht  wider  hat  gegeben  daz  si  verlorn  hatte,  so  sont 

wir  aber  nüw  werden  mit  dem  willen,  als  wir  alt  sint  worden;  won  des 

mentschen  wille  ist  der  obrost  priol  in  der  sele.  wan  swenn  der  mentsche  25 
den  Sünden  volget  mit  dem  willen,  so  ist  si  vil  bi  alz  si  geschehen  si.  sit 

wir  nu  mit  willen  die  sünd  hant  getane  und  mit  willen  alt  worden  sint  von 

den  Sünden,  so  sont  wir  öch  wider  nüw  werden  mit  dem  willen,  won  sant 
Paulus  spricht  ain  tröstlich  wort,  daz  dü  schoss  der  gedenke  der  sele  nit 
mugent  geschaden  alle  die  wil  untz  si  im  lait  sint  und  es  den  gedenken  mit  so 
flisse  widerstat.  so  wirt  dem  mentschen  sin  kröne  vor  Got  gehöhert,  und  wirt 
sin  lön  dester  grösser,  und  der  tüvel  wirt  da  von  geschendet,  wan  swenn  er 
dem  mentschen  daz  schoss  der  üblen  gedenke  zü  dem  hertzen  schüsset  dar 
unb  [20“]  daz  er  den  mentschen  ierre  und  daz  er  im  sin  tilgend  verliere, 
und  denn  sich  der  mentsche  bessret  und  sin  tugent  gemeret  und  bestätet  wirt,  ss 
des  müss  er  sich  denn  schämen,  wan  swenn  der  mentsch  den  willen  hat:  e daz 
er  die  sünde  täte  die  in  von  Got  schaiden  mohte,  daz  er  e wolt  liden  den  töd, 
so  ist  denn  dem  willen  sin  kraft  und  sin  sterki  wider  worden,  die  er  verlorn 


1.  antwrtcn.  9.  w'dent  um  unteren  Hände  nachgetragen.  17.  wir  am  Bande  nachge- 
tragen. 19.  der  — 'eorura’;  Panzer  mochte  beschaidenhait  streichen.  34.  vnb  am  Ende  der 
Zeile.  37.  er  fehlt. 


29.  freies  Zitat  aus  Ephes.  fi,  15  ff. 


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28 


9.  Von  der  armüt  unsere  herren  Jhesu  Christi. 


hatt  mit  sinen  Sünden,  alsuss  sint  wir  nüw  worden  mit  der  beschaidenhait  und 
mit  dem  willen,  mit  dem  wir  alt  warent  worden. 

Nu  sprichet  sant  Paulus  daz  wir  ain  nüwen  mentschen  an  uns  sont  nemen, 
daz  ist  unser  herre  Jesus  Christus,  sprichest  du  nu,  herre  saut  Paule,  daz 
5 unser  herre  si  ain  klaid  der  sele?  ja,  er  ist  daz  aller  schönste  klait  der  sele 
daz  ie  wart;  wan  swenn  der  mentsch  gedenket  nach  ünsers  herren  tugenden  und 
sich  dar  nah  [21*]  bildet  so  vil  es  mag,  und  alle  siu  sinne  dar  an  leit  wie  es 
sin  leben  nach  im  rihte,  so  ist  unser  herre  der  sele  klaid  worden:  an  iinsers 
herren  willen,  an  sim  leben  und  an  sinen  tugenden  ist  der  sei  gezierde.  der 
io  alle  die  schrift  liset  du  ie  geschriben  wart  , so  vindet  man  nit  daz  ie  unmilter 
lüt  wurdent  denn  die  mit  ünserm  herren  unb  giengent,  oder  daz  ie  kein  mentsch 
so  gröz  arbait  erlitte  so  Got.  alsus  sont  wir  wider  nüw  werden  mit  ünserm 
willen  und  sont  ain  nüwen  mentschen  an  üns  nemen,  daz  ist  ünser  herre. 


[10.]  Von  dem  frön  lichamen  iinsers  herren. 

is  [Ego  sum  patiis  vivus,  qui  de  coelo  descendi.] 

Unser  herr  sprichet  in  dem  ewangelio:  ‘ich  bin  daz  lebend  brot  daz  da 
kam  von  hymelrich  uff  ertrich’. 

Daz  waissin  körn  dar  us  daz  brot  gemachet  wart,  daz  kam  von  hymel- 
riche,  von  der  guldinen  schüre,  und  wart  gesAget  uf  daz  gesegnet  ertrich  in 
20  den  [2V]  rainen  lip  miner  vrowen  sant  Marien,  daz  waz  getunget  mit  dur- 
näh tiger  demüt;  wan  si  waz  der  aller  demütigest  mentsch  der  ie  geboren  wart 
an  ünsem  herren.  won  swa  man  von  tugenden  redet,  da  ist  Got  ain  Ursprung 
und  ain  übergülde  aller  tugent;  und  dar  umb  sol  man  Got  zü  kainen  hailgen 
zellen,  wan  sin  tugend  sint  reht  als  daz  mer  wider  ain  trophen.  ünser  vrowe 
25  waz  volkomen  an  durnähtiger  demut.  und  als  der  mist  verworfen  ist  für  ällü 
ding,  also  waz  ünsrü  vrow  verworfen  und  versmäht  für  alle  lüte.  und  won  si 
mit  ir  demütkait  der  nidrost  mentsche  waz,  da  von  so  wart  si  erhöhet  über  alle 
mentschen.  man  liset  daz  von  ir  daz  si  sich  alwegent  namte  ain  dirne  ünsers 
herren:  zü  ainer  müter  nam  si  da  von  ünser  herre;  und  iemer  also  vil  si  sich 
so  nidert,  also  vil  erhöhte  si  ünser  herre.  si  wart  och  geeret  mit  durnähtiger 
künschkait,  wan  es  wart  nie  mentsche  [2V]  ane  Got  daz  ie  so  volkomen  künschi 
hetti  als  si.  si  waz  rain  an  lib  und  an  hertzen,  und  hatte  die  tugende  der 
künschi  volkomenlicher  denn  ie  kain  mentsche.  man  liset  wol  von  mängem  hailgen 
der  künsche  waz  und  ain  luter  magt,  und  waz  doch  sin  hertze  nit  volkomen  an 
So  gedenken,  aber  ünser  vrowe  waz  volkomen  an  übe  und  an  hertzen.  alsus  waz 
dis  ertrich  gebuwen  mit  tugenden.  der  würi  an  tumber  man  der  sinen  samen 
wurfi  uff  ain  ungebuwen  ertrich,  uff  stain  oder  uff  dorn;  also  ist  etlicher  lüte 

3.  sprichet  fehlt.  15.  Der  lat.  Text  fehlt.  21.  demvtig.  23.  kainO  aufzulösm 

kainem?  30.  dürn&btig'  mit  ü-Zeichen.  32.  der  fehlt.  30.  an  so. 

14.  Das  Stück  gedruckt  bei  Wackemagcl  S.  SS.  15.  Joan.  41,  51.  28.  Luc.  1,  38. 


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10.  Von  dem  frön  lichamen  Unsere  herren. 


29 


hertze  als  herte  und  als  hohvertig:  swaz  gätes  uff  ir  hertze  geworfen  wirt,  daz 
daz  nit  fruhtbar  werden  mag.  aber  dis  ertrich  waz  gebuwen  wol  mit  allen 
tugenden  und  brähte  die  ewigen  fruht,  linsern  herren. 

Nu  müssent  aim  jeglichen  körn  sechs  ding  e geschehen  e es  zü  brot  werde, 
daz  erst  daz  man  es  snidet;  daz  ander  daz  man  es  bindet;  daz  [21“ } dritte  5 

daz  man  es  dröschet;  das  vierd  daz  man  es  melt;  daz  fünfte  daz  man  es  knit- 

tet;  daz  sehste  daz  man  es  bachet.  du  sehs  ding  beschahent  ünserm  herren. 

Zfi  dem  ersten  wart  er  beschnitten  an  dem  ahtenden  tag;  won  do  wolt  er 
sin  blüt  durch  den  mentscben  giessen,  und  spricht  ain  hailig:  ‘swie  unser  herre 
dar  umb  uff  ertrich  kam  daz  er  die  alten  e zerstörren  wolte,  do  wolt  er  doch  nit  io 
lösen’;  er  wolte  daz  strenge  leben  an  sich  neraen  und  also  erfüllen,  swie  er  siu 
doch  nit  bedorfte,  won  er  waz  gar  an  sünde.  und  daz  waz  gar  ain  grössü  minne 
daz  er  also  zitlich  und  in  sinen  kintlichen  tagen  arbait  und  not  für  ünser  sünde 
wolt  liden. 

Dar  nah  ze  dem  andern  mal  wart  er  gebunden  an  die  sul.  man  liset  daz  15 

dü  gebende  als  scharf  warent,  da  mit  er  ge[22a]b unden  wart:  swa  im  dü  band 

hin  giengent,  ,daz  da  schnatte  wurdent,  und  daz  er  reht  wart  als  ob  er  ver- 
wundet wäre  mit  8 werten,  won  mit  im  so  giengent  wol  die  unmiltesten  lüt  umbe 
die  ie  geboren  wurdent.  won  sü  bundent  im  hend  und  füsse  ze  samen  und  strik- 
tent  im  ain  sail  umb  die  kelen,  daz  er  kum  den  atem  halt,  und  bundent  in  reht  20 
als  ob  er  aller  dieb  maister  wäre.  dis  waz  ain  zaichen  grosser  minne  daz  er 
Got,  himelriches  und  ertrichs  gewaltig,  daz  der  durch  uns  vil  armen  aller 
siner  lider  ungewaltig  waz  und  wolt  werden,  und  daz  er  sinen  minneklichen  libe 
wolt  lassen  binden  dar  umbe  daz  er  üns  lösti  von  den  Sünden. 

Zü  dem  dritten  mal  wart  er  an  der  sul  gedröschen  mit  mängem  bitterlichen  25 
schlag,  und  sprichet  sant  Anshelm  daz  der  minneklich  lip  der  e waz  wiss,  wart 
als  [ 22 */  ob  er  miselsühtig  wäre,  swa  die  knöphe  der  gaislen  hin  giengent,  da 
zuktent  sü  im  daz  flaisch  von  dem  ruggen,  und  wüte  im  daz  blüt  nach  der  gaislen, 
daz  sin  minneklicher  lip  gar  mit  blüt  begossen  wart,  da  aber  dü  gaisel  hin 
kam  und  im  nit  die  hut  brach,  da  wart  er  gel  und  öch  etswa  wart  er  reht  tot  so 
blutig  und  waz  etswa  swartz  und  reht  röt  von  blüt  alsus  jämerlich  und  angslich 
wart  ünser  herre  gehandelt,  in  dem  do  ünser  herre  alsus  jämerlich  an  der  sul 
gebunden  waz  und  si  ietz  uff  in  schlügent,  da  kam  ünser  vrowe.  und  do  si  hin 
zü  im  kam,  do  waz  sin  minnekliches  antlüt  also  zerbluwen  und  zerknistet  daz  si 
si«  nit  erkante.  owe,  den  si  me  denn  tusent  mal  gütlich  an  sinen  mund  geküsset  35 
hatte,  der  ist  also  jamerlich  getan  daz  si  sin  nit  erkande  noch  erkennen  künde! 
den  si  dik  gütlich  au  ir  hertze  und  au  ir  brust  gedruket  hatte,  den  vand  si  [22'] 
under  den  unmiltosten  lüten  die  ie  wurdent!  do  si  in  lang  an  gesach,  do 
sprach  si  zü  im:  ‘owe,  bist  du  ez  rainer  Jhesus?’  und  do  si  in  in  so  grosser 
not  sach,  do  wart  ir  von  inneklichem  laid  also  we  daz  si  lag  än  sprechen  und  40 
an  sehen. 


22.  gewaltig  wz.  24.  er  fehlt.  25.  bitterlich?.  35.  sin  fehlt.  39.  cz  fehlt. 


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30 


10.  Von  dem  rrfmlicbamen  iinsers  herren. 


Zu  dem  vierden  mal  do  wart  er  gemalen  entzwischent.  zwain  mülstain,  daz 
waz  Pylatus  und  Herodes,  die  zwen  rihter;  wan  si  warent  übel  mit  enander,  und 
wolte  sieh  Pylatus  sünen  mit  Herodes  und  sante  im  ünsern  herren,  wan  in  hatte 
lang  gelüstet  in  ze  sehenn.  und  do  er  do  zü  im  kam,  do  batt  er  in  daz  er  vor 
5 im  zaiehen  täti.  do  wiste  unser  herre  wol  daz  er  siner  zaichen  nit  wirdig  war 
an  ze  sehenn,  und  wolt  kain  zaichen  vor  im  tün.  do  sprach  er:  'waz  göches  hat 
er  mir  gesant!’  und  hiess  im  ain  wisses  hemde  an  legen  in  spottes  wise  und 
sprach:  ‘man  seit  mir  vil  von  disem,  wie  wis  er  wäre  und  waz  er  künde,  nu 
sih  ich  [22*]  wol  daz  er  ain  göcli  ist’,  und  sante  in  aber  wider  zü  Pylato.  und 
io  do  in  der  naht  wart,  do  kam  der  tüfel  zü  siner  vrowen  und  seite  daz  der  man 
den  Pylatus  hetti  gevangen,  unschuldig  wäre,  und  sante  si  des  morgens  zü  im 
und  hiess  in  bitten  daz  er  ünserm  herren  nit  entäte.  do  hetti  er  in  gerne  ge- 
lassen und  hiesse  in  sine  knehte  schlahen  vil  übele  und  bevalch  in  do  den  juden, 
do  si  im  nit  volgen  woltent  daz  sti  in  gelassen  kettint.  alsus  wart  er  gemalen 
15  mit  mängen  hertan  Worten  und  stössen. 

Zu  dem  fünften  mal  wart  er  geknetten  mit  den  spaicheln  der  unrainen  juden, 
und  leitent  ime  ainen  roten  pheller  an  und  satztent  im  ain  kröne  üf  mit  dornen 
und  gabent  im  ain  ror  in  sin  hand  für  aines  künges  zepter  und  knüwotent  für 
in  und  spuwent  in  an  und  griitztent  in  in  spottes  wis  und  sprachent  [23°]:  'Got 
20  halte  üch,  her  Juden  küng!’  si  namptent  den  der  juden  künig  des  kneht  si  nit 
woltent  sin,  und  zuktent  im  daz  ror  uss  der  hant  und  scklügent  im  uff  daz  liopt 
und  uff  die  krön  als  übel  daz  im  die  dorne  wider  grisgetent  an  dem  höbet  und 
daz  sin  minnekliches  antlüt  mit  blute  gar  begossen  waz;  und  nament  do  ain  tüch 
und  hieugent  im  es  für  sinü  ougen  und  schlügent  in  uff  sin  nak  und  sprachent  : 
25  'nu  rät,  wer  hat  dich  geschlagen?'  und  sprachent  mänig  smäch  wort  zü  im:  daz 
laid  er  alles  tugentlich.  da  von  spricht  sant  Anshelm  daz  in  sin  höbet  tusent 
scharpher  -wunden  giengent.  owe,  dis  laid  er  alles  durch  üns  vil  armen  ane  alle 
schulde!  und  spricht  öch  sant  Anshelm:  ‘herre,  du  hattest  nie  verschuldet  daz 
du  so  gröz  arbait  liden  sollest,  aber  ich  bin  dü  schulde  diner  arbait,’  in  aller  der 
so  nöt  und  aller  der  marter  so  ünser  herr  lait,  so  \in[ 23  */det  man  nit  gesckriben 
daz  er  ie  ungedultig  wmrt  gespräche  oder  ungedultig  antlüt  erögti,  swie  im  doch 
dü  arbait  wirs  tet  denn  ie  kaim  mentschen. 

Zü  dem  sehsten  male  wart  er  gebaclien  an  dem  criitze,  do  in  die  Übeln  juden 
vil  ungütlich  an  daz  crütze  nageltent  do  schlügent  si  im  ain  nagel  durch  ain 
35  hand.  nu  gedenkent  wie  we  aim  swären  manne  daz  täti,  der  aller  sament  hiengi 
an  ainer  hand,  als  er  tet;  won  er  hieng  öch  aller  an  ainer  hant  da  ain  nagel 
durch  geschlagen  wart  und  im  die  hant  ietwederlmlb  hin  zarte,  und  hieng  ent- 
zwüscheut  zwain  dieben,  als  ob  er  aller  dieb  ain  maister  wäre,  man  spulget  gros- 
sen herren  brot  ze  bachenn  in  zwivaltigera  füre:  also  wart  ünser  herre  öch  ge- 
40  bachen  an  dem  crütze  in  zwivaltiger  not,  und  mit  den  ängsten  daz  er  wol  wiste 

29.  bin  fehlt,  39.  cntaWschrt. 

2.  Luc.  23,  8 ff.  19.  Joan.  19,  2;  Matt.  27,  27  ff. ; Luc.  22,  63  ff. 


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10.  Von  dem  fron  lichamen  linaers  herreu. 


31 


daz  sin  not  und  sin  arbait  an  mängera  mentschen  so  unnütz  waz,  und  öch  [23'J 
mit  dem  jamer  so  er  an  siner  miiter  sach.  und  spricbet  sant  Bernhart:  ‘herre, 
dir  tet  din  not  und  din  arbait  vil  innekliclien  we,  aber  daz  lait  und  daz  jamer 
daz  du  din  müter  säht  han,  daz  tet  dir  an  dinem  herzen  vil  wirs,  won  och  ir 
herze  betrübet  waz.  won  swa  ain  müter  wäre  du  ir  kint  vor  ir  ögen  sähe  so  5 
jämerlichen  tüten,  daz  müsti  ir  we  tün  an  irem  herzen,  es  wart  aber  nie  müter 
du  ie  ir  kint  so  sere  minneti  so  unser  liebü  vrowe  ir  liebes  kint  minnet  in  ir 
herzen  Von  gütlicher  minne,  me  denn  ie  sei  oder  herze,  o aller  miltostü  müter, 
sag  uns  wie  dinem  herzen  wäre  in  der  stunde  do  du  din  herzblüt  vor  dinen 
ögen  saht  hangen  als  reht  jämerliche!  daz  gegiht  innekliches  laides  daz  durch  io 
gieng  ir  herze  und  iren  lib.  si  mohte  wol  sprechen  mit  dem  wissagen:  ‘miu 
hertz  ist  betrübet  und  dü  kraft  mines  libes  hat  mich  verlassen,  wan  daz  lieht 
miner  ogen  ist  von  mir  geschaiden’.  sant  [23*]  Augustinus  sprächet  daz  si  ain 
gegiht  an  gie  von  hertzlaid,  daz  ir  ällü  irü  lider  erkrachetent.  do  ünser  herre 
von  ir  schaiden  wolte,  do  bevalch  er  si  sant  Johansen;  reht  als  er  spräche:  15 
'müter,  ich  mag  nit  me  din  kint  gesin,  nu  wil  ich  Johannesen  dir  ze  ainem 
kind  geben’,  und  sprach:  'müter,  sich  wa  din  kint  stat’,  und  sprach  zü  sant  Jo- 
hansen:  'sich  wa  din  müter  stat’.  owe,  wie  innekliclien  we  dir  daz  schaiden  tet! 

Alsuss  wart  dis  lebend  brot  gemachet  mit  mängen  arbaiten,  won  der  als 
daz  leben  ünsers  herren  dur  gät,  so  vindet  man  nit  daz  er  ie  güten  tag  ge-  20 
wunne  von  sinen  kintlichen  tagen  untz  an  daz  erütz.  daz  laid  er  alles  durch 
uns  vil  armen  dar  umbe  daz  er  ünser  sele  spis  wolte  sin  und  daz  ünser  sele  mit 
dem  lebenden  brot  gespiset  wurde,  als  ünser  herre  zü  sant  Augustinus  sprach: 
'isse  mich  also  daz  ich  nit  werde  in  dich  verwandelt,  du  solt  in  mich  verwandelt 
[24‘J  werden’,  daz  ist  also  daz  wir  von  ünsrem  herren,  dem  lebenden  brote,  23 
gesterket  werdent  an  tugenden:  won  swer  ünsern  herren  mit  rehtem  globen 
enphahet  zü  dem  altar  von  dem  priester,  dem  werdent  sin  tugend  gemeret  und 
gesterket.  sit  daz  nu  ünser  herre  so  mänig  arbait  und  not  dar  umb  liden  wolte- 
daz  er  ünser  sele  spis  und  tröst  wär,  so  ist  öch  daz  billich  daz  wir  ünserm 
herren  ünser  sei  mit  allem  Hisse  gegen  siner  gnad  beraitent  durch  daz  daz  wir  so 
siner  erbarmd  wirdig  werdent. 


[11.]  Yon  der  sei  haftnng  ln  Got. 

[Adhaesit  anima  mea  post  tc,  me  suseepit  dextera  tua. 

Her  David  sprichet:  'herre,  haftet  min  sele  an  dir,  so  um  vahet  mich  din 
zeswe’.  daz  ist  über  all  die  schrift  reht:  swenne  wir  tünt  daz  wir  tün  sont  35 
ünserm  herren,  daz  er  den  niemer  verlät,  er  tilge  öch  daz  er  tün  sülle.  swenn 
wir  dekainen  gebresten  hänt  an  tugenden,  daz  belibet  niemer  an  ünserm  herren, 
won  alweg  an  üns.  und  kumt  daz  da  von  daz  wTir  ünsern  herren  [24b]  nit 

2.  an  am  Bande.  33.  Der  lateinitche  Text  fehlt.  34.  vm  am  Ende  der  Zeile. 

11.  Pt.  37,  11  17.  Joan.  19,  37.  83.  Pt.  63,  9. 


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32 


11.  Von  der  sei  haftung  in  (iot 


als  stAteklichen  minnent  als  wir  soltent.  nu  sont  wir  mit  drier  hand  minne  zu 
unserm  lierren  gebunden  sin.  du  erst  ist  starkü  minne:  dü  gelichet  sich  aim 
sidin  saile;  dü  ander  ist  süssü  minne:  dü  gelichet  sich  aim  geblümten  saile; 
dü  drit  ist  ain  volkomnü  minne:  dü  gelichet  sich  aim  guldin  saile. 

5 Durch  zwaier  ding  willen  gelichet  sich  dü  stark  minne  aim  sidin  saile.  daz 
ain  ist  daz  si  starke  ist;  daz  ander  daz  si  lind  ist.  also  sont  wir  stark  sin  an 
ünsers  herren  minne:  wan  als  dü  side  starker  ist  und  lenger  wert,  also  sint  die 
lüt  starker  und  st  Ater  die  güt  sint  und  die  stark  minne  hant,  denn  die'  lüt  die 
gilt  sint  und  die  minne  hant  und  aber  der  starken  minne  nit  enhant.  als  dü 
io  side  lind  ist,  also  sol  der  mentsch  lind  sin  mit  sinen  Worten  und  mit  einen  ge* 
bürden,  und  sol  sich  flissen  daz  nieman  von  sinen  Worten  und  von  sinen  gebürden 
betrübet  werdi.  nn  sprichet  her  Salomon  daz  daz  sail  stark  ist  daz  mit  drin 
/24’]  strängen  gemachet  ist.  also  ist  daz  sydin  sail  gemachet  mit  drin  strängen, 
der  erst  sträng  ist  daz  der  mentsch  stark  sol  sin  ze  allen  liplichen  arbaiten: 
15  vasten,  wachen,  gehorsam  sin,  künsclielich,  zü  allen  den  arbaiten  so  ain  gaischlich 
mentsch  han  sol;  hat  es  sin  joch  an  dem  lib  nit,  so  sol  er  es  doch  an  dem  willen 
han,  daz  es  gern  tAti  ob  es  möhti.  und  spricht  sant  Paulus:  'wer  mag  üns  ge- 
schaiden  von  ünsers  herren  minne  Jhesu  Christi?  weder  durst  noch  hunger,  noch 
frost  noch  swert,  noch  tod  noch  enkain  ding  mag  üns  geschaiden  von  Gotte’. 
20  alsus  stark  sont  wir  sin  an  ünsers  herren  minne  daz  enkain  arbait  dü  üns  an 
gang,  so  gross  si  daz  si  üns  iemer  von  Got  geschaide.  wan  swer  ünsern  herren 
nit  minnet  in  sinen  arbaiten  und  so  im  sin  ding  übel  gät,  der  enwart  öch  sin 
getrüwer  fründ  nie  in  sinen  vröden  und  do  im  sin  ding  wol  gie.  man  spricht  ain 
Sprichwort,  daz  öch  war  ist,  daz  man  getrüwen  frünt  aller  [24*]  best  küset  in 
25  den  arbaiten.  der  etwenn  dü  glich  tut  daz  er  din  frünt  si  vil  güter,  güt  den 
etwen  arbait  an,  so  tüt  er  als  ob  er  nie  din  frünt  wurde,  und  daz  enist  nit 
früntlich.  in  der  aller  grösten  arbait  sont  wir  die  aller  grösten  minne  ögen,  daz 
ist  früntlich.  der  ander  sträng  ist  des  herzen  arbait.  swenn  der  tüvel  dem 
mentschen  bekorung  git,  oder  in  betrübde  an  gat  von  der  weite,  oder  in  sin 
so  selbes  Untugend  an  vehtent,  so  sol  er  stark  sin  und  vast  striten,  won  in  süchent 
denn  sin  vigint.  daz  leret  üns  Ysayas  daz  wir  ünser  hertze  sont  uf  haben  ze 
Gotte  und  sont  üns  nit  her  wider  krümben  uff  daz  ertrich  durch  daz  daz  üns 
die  tüvel  nit  erstigen  mugent  weder  von  ze  vil  vorhte  noch  von  unrehter  trur- 
kait;  won  swenne  der  tüvel  den  mentschen  in  aine  unreht  vorht  oder  trurkait 
35  bringet,  da  mit  verlaitet.  er  in.  da  von  bedurfent  wir  wol  daz  wir  ünser  hertze 
uf  rihtent  zü  Got.  der  drit  sträng  ist  swenn  [25’]  den  mentschen  daz  lieht  der 
fransmütkait  lühtet,  aintweder  das  zerganklich  lieht  oder  daz  lieht  ünsers 
herren  gnaden,  daz  denne  der  mentsch  sin  hertze  demüte;  won  als  dürft  es  dem 
mentschen  ist  daz  es  sin  hertz  uf  rihti  in  siner  vröde  zü  rehter  demütkait  dur 


2.  sich  fehlt.  8.  die  güt  sint  fehlt.  15.  vast.  26.  etwc. 

12.  Eccle.  4, 12.  17.  Rom.  8,  35.  31.  dem  Sinn  nach  hat.  1 und  an  verschiedenen 

Stellen. 


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11.  Von  der  sei  haftung  in  Got. 


33 


daz  daz  er  nit  valle,  und  daz  erkenne  daz  er  die  gnade  von  Gotte  habe,  und 
dem  dank  sage.  mit  disem  sydin  saile  sont  die  lüt  zü  ünserm  herren  gebunden 
sin  die  die  starken  minne  hant. 

Daz  ander  sail  ist  geblümet,  daz  Ist  gemachet  von  zwain  strängen,  der  ain 
sträng  ist  contemplieren.  daz  ist  also  daz  der  mentsche  sol  nach  Gotte  kriegend  5 
gedenken,  daz  ist  reht  contemplieren.  swer  dis  dik  tüt,  daz  mag  kum  sin.  unser 
herre  geb  im  sin  gnade,  der  ander  sträng  ist  girde  nach  hymelscher  vröde 
und  haimlichi  mit  Got.  es  sprichet  sant  Bernhart:  'mentsch,  wilt  du  haimlich 
mit  Got  sin,  so  solt  du  gern  mit  dim  herzen  aine  sin,  daz  rät  ich  dir;  und  soit 
[25*]  ällü  ding  von  dinem  herzen  schaiden  untz  an  Got  allaine.  won  wistest  io 
du  wie  reht  nütze  das  ist  daz  der  mentsche  mit  sinem  hertzen  ain  ist,  daz  hat 
min  hertze,  spriht  er,  wol  befunden’,  mit  disem  sail  sont  die  lüte  zü  ünserm 
herren  gebunden  sin  die  die  süssen  minne  hant 

Daz  dritte  sail  ist  guldin,  daz  ist  von  drin  strängen  gemachet.  der  erst 
sträng  ist  daz  der  mentsch  sich  sol  keren  von  allen  zerganklichen  dingen,  und  15 
sol  sin  hertz  fri  machen  von  aller  üppiger  günliche  und  vröde  und  vor  losenhait 
und  sol  es  entlidgen  von  aller  unnützer  unmüsse.  der  ander  sträng  ist:  swaz  der 
mentsch  tüt,  daz  er  daz  alles  tun  sol  in  ünsers  herren  minne  stäteklich ; won  ain 
hailig  spricht:  ‘swer  stäte  ist  untz  an  daz  ende,  der  enphahet  die  kröne  der 
hymelschen  vröde,  dü  da  iemer  stät  ist  än  ende’,  der  drit  stränge  ist  daz  der  20 
mentsch  beschaiden  sol  sin  mit  allen  den  diensten  so  es  ünserm  herren  tüt,  und 
an  der  minne  so  es  zü  sinem  neben  cristen  sol  han;  wan  [25'}  der  mentsch  sol 
sich  also  ögen  gegen  ieglicbem  mentschen,  er  si  weltlich  oder  gaischlich,  daz  er 
mit  sinem  gebet  und  mit  sinen  Worten  nah  im  ze  hymelrich  ziehi  als  vil  er  ver- 
mag. es  sprichet  sant  Paulus:  'ich  han  mich  engegen  aim  ieglichem  mentschen  25 
also  gefüget  daz  ich  es  nach  mir  ze  h.vmelriche  ziehi’.  mit  dem  guldin  saile  so 
sont  die  lüte  zü  ünserm  herren  gebunden  sin  die  die  volkomnen  minne  hant 

Man  liset  von  dem  künig  Aswero:  do  er  sine  vrowen  haim  laiten  wolt,  do 
hiess  er  ain  gezelt  uf  schlahen  von  drin  sailen.  daz  erst  hiess  er  an  die  erd 
spannen;  daz  ander  hiess  er  hoher  spannen;  daz  drit  hiess  er  alder  höhest  span-  so 
nen.  daz  erst  sail  bezaichent  die  lüt  die  die  starken  minne  hant  und  noch  in 
dem  strite  sint  und  in  den  arbaiten.  daz  ander  bezaichent  die  lüte  die  die  süssen 
minne  hant,  daz  ist  daz  geblümet  sail.  nu  sint  zwai  ding  an  dem  blümen:  daz 
aine  daz  er  schön  ist;  daz  ander  daz  er  nnwerhaft  ist;  so  er  [25*]  hüt  schön  ist, 
so  ist  er  morn  verdorben,  also  ist  dü  süsse  minne  öch  un stäte  als  daz  geblümte  35 
sail:  der  daz  rüret  mit  aim  vinger,  es  zerbrichet  zehant.  also  beschiht  den  luten 
die  die  süssen  minne  hant:  der  die  rüret  mit  aim  worte,  so  ist  ir  süskait  und  ir 
vröde  erzuket;  won  inen  beschiht  als  den  armen  lüten  die  ain  grosser  herre 
etwenn  grützet  und  si  der  grüss  nnverwänt  an  kumet,  so  enphahent  sü  in  et- 


15.  dingen  zweimal.  32.  and'  ist  bezaichent. 


19.  im  Anschluß  an  Matt.  10, 12;  24, 13.  25.  I.  Cor.  9,  22.  28.  im  Anschluß  an  Est.  1,  6? 

Deutsche  Texte  de«  Mittelelter*.  X.  3 


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34 


11.  Von  der  sei  Haftung  in  Got. 


wenne  ane  dank;  aber  dar  nach  gedenke  nt  si  wer  der  waz  der  si  da  grüste,  so 
ist  in  denn  der  grüsse  verzuket.  dis  ist  bezaichent  bi  den  luten  die  unser  herre 
grützet  mit  sinen  gnaden:  du  vröde  wirt  inen  etwenu  enzuket.  daz  drit  sail, 
daz  er  da  hiesse  aller  höhest  uf  spannen,  daz  ist  bezaichent  bi  dem  guldin  sail: 

5 daz  höret  die  löte  an  die  die  volkomnen  minne  haut. 

Salomon  hatte  gemachet  an  den  tempel  ain  umbhang  und  hatte  dar  uf  ge- 
machet  spit/56'7zig  nagel  guldin  und  hatte  dar  an  gehenket  guldin  öpphel  an 
guldin  kettenne.  dis  tet  er  durch  dri  sache:  du  erst  sach:  daz  die  vogel  den 
terapel  nit  entraintent  und  daz  si  von  der  spitze  der  nagel  niht  dar  uf  sitzen  . 
io  möhtent;  du  ander:  daz  es  schön  und  lustig  ist  an  ze  sehenne;  du  dritte:  so  der 
wind  wati,  daz  denn  die  öpphel  schone  klingletint.  daz  die  nagel  spitzig  warent, 
daz  die  vogel  nit  mohtent  dar  uf  sitzen  die  den  tempel  entrainet  hettint,  daz 
bezaichent  daz  wir  die  übelen  gedenk  niemer  sont  lan  gerüwen  uff  unsrem 
hertzen,  die  unser  sei  entrainent;  wan  als  schiere  so  der  übele  gedank  kumet, 

1»  so  solt  du  im  widerstan  mit  tugentlicben  gedänken  und  dem  tufel  und  den  bösen 
gedänken  enkain  rüwe  uff  dinem  hertzen  lan.  daz  er  schön  und  lustig  waz  an 
ze  sehen,  so  du  sunne  dar  an  schein,  daz  bezaichent:  so  der  mentsch  an  der  sele 
erlüh/,?67tet  wirf  von  den  gnaden  önsers  herren,  so  sol  er  sich  druken  mit  der 
demütkait.  won  so  der  mentsch  ie  höher  an  tugenden  kumet,  so  er  sich  selben 
20  ie  me  druken  sol.  aber  sAmlich  löte  went  daz  man  si  ere  mit  tugenden  und  es 
in  dester  bas  erbiete,  man  sol  tugend  und  tugentlichü  werke  haben  dar  umb 
daz  es  unsrem  herren  kome  ze  lobe  und  den  eben  cristen  ze  bessrung.  daz  die 
öpphel  klingeltent,  so  der  wind  dar  an  wate,  daz  bezaichent:  so  der  wind  der  ge- 
dultsami  uns  an  wöget  oder  der  gehorsami  wider  8 tat,  oder  suss  der  mentsch  ain 
25  üblen  willen  hat,  so  sol  man  denn  erst  hören  wie  wol  er  klinget  und  wie  gütlich 
er  daz  enphahet  und  wie  minneklich  sin  antlüt  gestehet  si  gegen  der  gehorsami 
und  gegen  ander  arbait.  wan  etlich  löte  wannend  daz  si  vil  tugenthaft  sigint 
etswenn  und  vil  stark  zö  den  arbaiten,  untz  daz  si  nieman  an  rüret  wider  iren 
willen,  man  vindet  vil  der  löte  die  wol  gedultig  sint  so  [26c]  in  ieman  ibt  tüt; 
so  man  vindet  aber  der  löte  wenig  die  an  ir  schulde  arbait  und  not  von  den  löten 
vrölich  und  gedulteklich  lident. 


[12.]  Von  der  armut  unser«  herren  .Jhesu  Christi. 

[Procter  vos  Christus  egenus  fadus  esf,  cum  esset  dives.] 

Sant  Paulus  spricht:  ‘wir  sont  üns  fröwen  mit  ünserm  herren  an  siner 
35  armüt,  won  er  durch  ünser  liebi  als  gar  arm  werden  wolte’.  won  swa  ain 
kneht  wäre  der  sinem  herren  als  lieb  wäre  daz  er  durch  sine  liebi  alle  sin 
herschaft  und  sin  rihtiim  wolte  lassen  und  gar  arm  werden,  und  alle  sin 
fründ  liessi  und  gar  eilend  wurde,  des  müsti  sich  der  kneht  fröwen  daz  im  sin 

20.  »5m lieh  — »flmlich  33.  Der  lateinische  Text  fehlt 

6.  III.  Reg.  7, 17  ff..  42.  33.  II.  Cor.  8,  9. 


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12.  Von  der  armüt  ün»ere  herren  Jhesu  Christi.  35 

herre  so  gross  liebi  und  minne  ögti.  ze  glicher  wis  hat  unser  herre  getan : 
der  lie  durch  unser  liebi  alle  sin  herschaft  und  alle  sin  fründe  und  die  über- 
mässigen fröde  ze  hymelriche  die  er  hatte,  und  kam  uff  ertrich  durch  unsren 
willen  und  wart  gar  arm  und  eilend  durch  unser  liebi,  und  dar  umb  sol  unser 
fröde  sin  an  dem  crütze.  5 

Nu  wilj  ich  üch  sagen  von  dem  [26*]  aller  ernsten  mentschen  der  ie  wart, 
wan  swa  ain  mentsch  wäre  des  libes  und  des  gutes  unfri  und  arm  wäre,  der 
hiess  wol  ain  arm  mentsch:  alsuss  reht  arm  waz  unser  herre  baidü  libes  und 
gutes  und  fründe.  wan  ällü  dü  mentschen  dü  im  ie  nach  volgetent  und  im  dike 
gütlich  tatent  und  nach  giengent  und  sinü  wort  und  sin  lere  gütlich  hattent  ge-  10 
höret,  die  liessent  in  do  in  sinen  nöten  und  in  sinen  grossen  arbaiten.  und  och 
sin  junger,  die  dik  trost  von  sinen  Worten  hattent  enphangen,  die  liessent  in  do, 
daz  er  aller  siner  frünt  halb  allaine  wart  stände  an  dem  crütz,  won  allain  sin 
werdü  müter  und  sant  Johans  ewangelist.  er  waz  och  gar  arm  an  dem  güte, 
der  Got  der  hymelriches  und  ertriches  gewaltig  ist,  der  wolt  als  arm  werden  an  15 
dem  güte  das  er  weder  undersich  noch  in  sich  noch  an  sich  enhatte.  er  en- 
hatte  an  dem  crüze  nit  so  vii  daz  er  sin  höbet  genaigen  möhte.  [2?']  'die  füchse 
bant  ir  hol,  die  vogel  hant  ir  nest,  des  mentschen  kint  hat  nit  daz  er  sin  höbet 
genaigen  möhte’.  er  waz  öch  als  arm  an  dem  crütze  daz  er  nit  hatte  daz  er 
getrunke,  do  in  sere  turste.  do  gabent  im  die  üblen  juden  essich  mit  gallen  ge-  20 
mischet  ze  trinkenn.  doch  enturste  in  nach  win  noch  nah  wasser,  in  durste 
nach  diner  sele  und  nach  der  minne  dines  herzen,  er  waz  öch  gar  arm  an 
sinem  libe,  won  er  waz  aller  siner  lid  ungewaltig  an  dem  crütz;  won  daz  blüt 
daz  von  sinem  herzen  floss,  daz  floss  im  über  sinü  ogen.  owe,  der  minneklich, 
der  der  engel  Spiegel  ist  in  hymelriche,  und  der  die  sunnen  und  den  mane  ge-  25 
schaffen  hat  und  mit  siner  schöni  entlühtet  hat,  daz  dem  daz  lieht  siner  ogen 
enzogen  wart  an  dem  crütze!  er  wolt  och  sines  mundes  ungewaltig  sin:  won 
swaz  in  die  juden  an  gerüftent  und  zü  im  gesprächent  in  spottes  wis,  do  wolt 
er  in  nie  geantwürten.  [27*]  er  wolt  öch  von  dem  spot  liden  der  zü  siner 
winstren  hant  hieng  von  rehten  schulden;  won  er  wand  sin  höbet  unwirdeklich  »0 
von  im,  do  er  horte  daz  der  ander,  der  zü  siner  zeswen  hieng,  der  batt  in  daz  er 
sin  gedähte,  so  er  in  sins  vatter  rieh  käme,  do  antwürt  im  der  ander  schahman 
vil  unmärlich  und  sprach:  ‘er  mag  im  selber  doch  nit  gehelfen,  waz  sol  er  dir 
denn  helfen?’  alsuss  ungewaltig  wolt  ünser  herre  sines  mundes  sin  daz  er  disen 
Worten  nit  antwurt.  aber  in  allen  sinen  nöten  antwurt  er  dem  vil  gütlich  der  35 
in  batt  daz  er  sich  über  in  erbarmeti,  und  sprach  zü  im:  ‘gwärlich,  du  solt  noch 
hüt  mit  mir  sin  in  dem  paradyse’.  er  waz  öch  siner  hende  ungewaltig,  wan  im 
giengent  zwen  scharph  nagel  der  durch,  owe,  es  wart  nie  mentsche  so  arm  an 
sinem  libe,  es  möhte  im  selber  etwas  gehelfen!  aber  ünser  herre  der  waz  aller 

7.  nnfri  und  arm  wire]  und  fründe  arm  ? vgl.  Z.  9 und  S.  36  Z.  5,  26  (Panzer).  9.  Xach 
fründe  hat  die  Handschrift  zur  Ausfüllung  der  Zeile  ein  rotes  f.  IS.  Xach  crütz  steht  wie  oben 
Z.  9 ein  f.  ebenso  Z.  17.  SO.  vinntren. 

17.  Matt.  8,  20;  Luc.  9.  58.  83.  Luc.  23,  39.  36.  Luc.  23,  43. 

3* 


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36 


12.  Von  der  armät  unsere  herren  Jheeu  Christi. 


siner  lider  als  ungewaltig  daz  er  im  selber  ze  kainen  statten  körnen  mohte.  sin 
marter  und  sin  ar/2~f/bait  waz  mänigvaltig  und  gröz  an  sinem  übe  und  an 
sinem  herzen,  sin  oren  hortent  mängü  bösü  wort,  und  durch  sin  hertze  gie 
mänig  lästerlich  wort,  daz  er  horte,  alsuss  arm  waz  unser  herre  libes  und  gutes 
5 und  friind  und  alles  des  ie  wart  uff  ertrich. 

Er  hatte  öch  mänig  angest  und  bitterkait  an  sinem  hertzen  do  er  gedahte 
an  den  jämerlichen  tod  den  er  liden  wolte,  won  er  sprach:  'min  sei  ist  betrübet 
untz  an  den  tode'.  sin  angest  waz  also  gross  daz  er  von  rehter  angest  blütigen 
swaiss  switzte,  do  er  gedahte  an  die  marter  die  er  da  liden  wolte.  er  hatt  och 
io  mänigvaltig  not  und  marter  an  sim  libe,  do  sin  vil  hailger  lip  an  daz  erütz  ge- 
nagelt wart  nu  merkent  wie  we  ainem  s wären  manne  wäre,  do  im  ain  sebarpher 
nagel  durch  sine  hende  geschlagen  wart  und  er  do  an  ainer  haut  sament  hieng! 
do  meretont  si  im  do  aber  sine  marter  und  nament  im  do  aber  die  andern  [27*] 
hant  und  schlügent  im  öch  ainen  nagel  der  durch  und  zertantent  im  ällü  sinn 
15  lider  und  alle  sin  adren  und  schlügent  im  ainen  nagel  durch  beid  fiisse.  nu 
merkent  wie  we  im  waz  und  müste  werden,  e im  der  nagel  dur  den  undren  füss 
kämi  und  im  der  nagel  den  obren  füss  ietwederhalp  hin  schlänget!  alsuss  wart 
Unser  herre  an  dem  erüz  zertennet:  reht  als  da  man  ain  bermit  an  aine  ram 
spannet,  also  stünt  er  an  dem  erütze  gespannen,  und  waz  sin  liailig  lip  mit  blüte 
20  gar  begossen,  und  sprichet  sant  Bernhart:  ‘owi,  herre  min,  wTan  wär  ich  da 
gesin  da  du  als  gross  not  und  arbait  litte,  daz  ich  dir  mit  minen  sündigen  ogen 
und  trähennen  din  wunden  gewäschen  hetti !’  er  hatte  öch  grosse  not  und  jamer 
an  siner  lieben  müter,  wan  ir  Iaid  und  ir  jamer  gie  im  durch  sin  hailigen  sei. 
owe,  mentsch,  wie  mag  dir  iemer  armüt  oder  dekain  not  oder  arbait  libes  oder 
25  hertzen  swüre  sin,  swenne  [28° ] du  gedenkest  daz  din  schepher  durch  din  liebi 
als  reht  arm  waz  libes  und  gutes  und  fründ,  und  daz  er  als  grosse  arbait  an 
libe  und  an  hertzen  gehebt  hat  durch  daz  daz  er  dich  losti  von  allen  arbaiten! 


[13.]  Ton  der  sele  minne  ze  (Hot. 

[Anima  mea  liquefacia  est,  ut  locutus  est.] 
so  'Min  sei  ist  gesmoltzen,  sit  der  liebe  mit  mir  rette’. 

Dis  ist  gesprochen  von  ainer  ieglicher  sele  du  getrnwe  ist.  doch  wart  nie 
sele  du  es  ie  mit  warhet  so  volleklich  mölit  gesprechen  so  Unser  vrowe;  wan 
ir  sele  und  ir  herze  wart  erfüllet  mit  übermässiger  vröde  an  der  stunde  do 
si  genemet  wart  ain  müter  Gottes,  won  Unser  herre  do  minneklich  zii  ir  sele 
85  retde  do  er  von  irem  mägtlichem  libe  mentsch  wolt  werden,  wie  ir  sele  und 
ir  hertze  von  vröden  und  von  süskait  smultze,  da  von  hant  ir  dike  vil  gehört, 
dis  selbe  wort  mag  öch  ain  ieglichü  getrüwe  sele  wol  sprechen,  swenne  Unser 
herre  [28*]  mit  siner  gnade  zü  ir  redet,  nu  sont  ir  merken  wie  Unser  herre 

20.  Der  lateinische  Text  fehlt. 

7.  Matt.  26,  38.  11.  vgl.  S.  30  Z.  35.  29.  Cant.  5,  6. 


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13.  Von  der  sele  minne  ze  Got. 


37 


mit  der  sei  redet,  sin  wort  und  sin  red  daz  ist  nit  auders  won  sin  gnade;  da 
mit  entlühtet  er  die  sele  und  machet  daz  hertze  linde  und  smeltzent.  reht  als 
das  wachs  von  der  haissen  sunnen  smeltzent  wirt  und  zerfliessent,  also  wirt  du 
sele  smeltzende  von  der  waren  sunnen,  unserm  herren  Jhesu  Christo,  es  wrart 
nie  hertz  so  herte,  ist  es  Got  haimlich,  es  werde  linde,  nu  sont  ir  hören  wie  3 

unser  herre  mit  der  sele  redet,  er  spriht  dur  her  Moyses  munt:  'hörent,  ir 

hymel,  waz  ich  mit  üch  rede!  ertrich,  vernim  minü  wort!’  an  disen  Worten  git 
er  uns  ze  merkenn  wer  die  lüt  sint  mit  den  unser  herre  reden  wil. 

Da  gelichet  er  gaischlichen  luten  den  hymel , won  er  luter  ist  und  schöne 
und  hohe:  also  sol  des  tugenthaften  mentschen  hertz  sin  luter  und  raine  und  io 

sol  gezieret  sin  mit  tugeuden  und  mit  tugentlichen  [28c]  gedenken,  der  hymel 

ist  öch  hohe:  also  sol  des  tugenthaften  mentschen  hertz  erhöhet  sin  mit  tugenden 
und  erhaben  von  allem  kumber  und  unnützer  unmüsse  und  es  bi  ünserrn  herren 
han  in  hymelriche,  da  sol  sin  wonung  sin.  alsuss  sprichet  sant  Paulus:  ‘unser 
Wandlung  sol  in  dem  hymel  sin  bi  unserm  herren.  du  sunne  lühtet  öch  an  dem  i& 
hymel:  also  sol  och  du  wunneklich  sunne,  du  mit  ir  schonhait  hymelrich  und 
ertriche  erlühtet  hat,  der  grosse  Got,  ze  allen  ziten  in  des  tugenthaften 
mentschen  hertzen  lullten  und  schinnen  und  sol  sin  Spiegel  sin.  sin  götlichü 
tugent  sol  sin  sele  entlühten  und  ir  spiegel  sin.  alsuss  sont  wir  dem  himel 

gelich  sin  als  man  singet  an  dem  winnalit  tag:  ‘die  himel  fliessent  von  honge,  211 

von  vröden  und  von  süssekait’. 

So  sprichet  er  denne:  ‘ertrich,  höre  minü  wort!'  nu  sont  ir  merken  war 
unbe  gaischlich  lüte  dem  ertrich  sont  gelich  sin.  daz  ertrich  [28*]  Ist  ver- 
worfen und  versmähet  von  allem  dem  so  under  dem  hymel  ist:  also  sont  öch 

gaischlich  lüt  verworfen  und  versmähet  sin  vor  allem  dem  so  uff  ertrich  ist,  und  a 

sol  sich  Hissen  demütkait  vor  den  lüten  und  vor  Gotte,  da  von  sprichet  sant 
Bernhart:  ‘der  reht  demütig  wil  sin,  der  sol  han  ain  demütig  herze  und  ver- 
smahen  alles  daz  uff  ertrich  ist  und  öch  sich  selber,  und  sol  denn  nit  geren  daz 
daz  ieman  wisse;  und  swa  man  im  zartet,  dannan  sol  er  Hieben’,  dis  sint  dü 
rehten  zaichen  der  rehten  demüt  man  trittet  uff  daz  ertrich  und  versmähet  es  so 
mit  allen  dingen;  daz  lidet  es  alles  gedulteklich : also  sol  der  sälig  mentsch  ge- 
dulteklich  und  demütklich  liden  alles  daz  in  an  gät  durch  ünsers  herren  minne. 
swie  aber  nu  es  doch  daz  verworfnest  ding  si  und  daz  versmähtost,  so  ist  es 
doch  daz  nützost;  won  wäre  es  nit  fruhtber,  so  möhte  nieman  genesen,  ze 
glicher  wis  sont  gaischlich  lüt  sin:  si  [29*]  sont  verworfen  sin  und  versmähet  sj 
und  doch  fruhbar  und  nütze  sin,  wan  ir  gebet  und  ir  gut  bilde  sol  allen  lüten 
ze  tröste  komen;  won  si  sont  für  alle  lüt  bitten,  und  ir  gebet  sol  für  ünsern 
herren  gan,  als  öch  der  wissag  spricht:  ‘herre,  min  gebet  sol  für  din  antlüt  gan 
als  ainer  süsser  röch’. 

b.  werde  haimlich  linde.  10.  Nach  hohe  folgt  fälschlich:  dü  sunne  lühtet  och  an 
dem  hymel;  der  Schreiber  geriet  in  Zeile  15.  h'tzen.  IS.  schinnen  sol  und.  24.  vonl 
vor  ? vgl.  Z.  25. 

6.  Deut  32,1.  14.  Phil.  3,  20.  38.  Ps.  140 , 2. 


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38 


13.  Von  der  sele  minne  ze  Got. 


Nu  hant  ir  gehöret  wer  die  lüt  sint  mit  den  üser  herre  reden  wil,  wie  sü 
sich  gelichent  dem  hymel  und  dem  ertrich;  nu  sont  ir  hören  waz  Got  mit  der 
sele  redet,  alsuss  redet  unser  herre  mit  der  sele  in  der  minne  büch  und  spri- 
chet:  ‘tü  mir  üf,  min  swöster  nnd  min  fründin  und  min  tube!’  sich  wie  guetlich 
5 der  demütig  Got  mit  diner  sele  redet',  er  sprichet  du  sigest  sin  swöster;  und  bist 
dn  denn  sin  swöster,  so  ist  reht  daz  du  mit  dinem  brüder  Jhesu  Christo  ze 
rehtem  erbe  sitzest,  'nu  tü  mir  uf,  min  swöster,  und  la  mich  geniessen  daz  ich 
von  hymelrich  uff  ertriche  kam  und  din  bilde  an  mich  nam  uff  die  rede  daz  du 
dester  [29*]  bas  min  swöster  wärest  und  ich  din  brüder!  nu  tü  mir  üf  hüte  mit 
io  diner  minne  din  herze  und  la  mich  rüwe  dar  inne  han!’  swenn  du  tugenthaft 
swöster  disü  wort  höret,  so  müss  din  sei  und  din  hertze  durch  not  von  gütlicher 
minne  sraelzen.  so  sprichet  er  fürbas  mit  dir  und  sprichet:  ‘tu  mir  uf,  min 
fründin!  wellest  du  vergessen  daz  ich  dich  han  gehaissen  min  swöster,  und  daz 
ich  mentsch  worden  bin  durch  dich,  so  la  geniessen  mich  daz  ich  früntschaft 
15  umb  dich  han  geköfet  mit  minem  tode,  und  daz  ich  dir  din  erbe  ze  hymelriche 
wider  gewunnen  han;  daz  du  mit  den  Sünden  verlorn  hattest,  daz  han  ich  dir 
erlöset  mit  minem  rosvarwem  blüte.  tü  mir  uf,  min  fründin!  gedenk  daz  ich 
dir  dienet  uff  ertrich  drü  und  drissig  jar  mit  jamer  und  mit  mängen  üblen  tagen, 
daz  ich  güten  tag  uff  ertrich  nie  gewan  und  ze  jungst  den  bitren  töd  durch  dich 
20  laid.  des  genügte  mich  noch  do  nit,  do  ich  stünde  an  dem  criitze  und  töd  was, 
[29‘ ] do  Hess  ich  min  hertze  uf  tün  durch  dine  minne  mit  aim  scharphen  sper. 
nu  tü  och  hüt  din  hertze  mit  diner  minne  üf  mir,  fründin  min!’  owe,  tugent- 
hafter  mentsch,  von  disen  so  minneklichen  werten  sol  wol  din  sele  smeltzen;  tü 
din  hertze  hüt  uf  engegen  dinem  fründe,  la  hütint  din  stime  süsseklich  in  sin 
25  oren  schellen  und  antwürte  dem  gütlich  der  dich  mit  so  grosser  flehe  bittet  dins 
hertzen!  so  redet  er  aber  denn  fürbaz  und  sprichet:  ‘tü  mir  uf,  min  tube!’  höre 
wie  reht  gütlich  er  mit  dir  redet!  er  hat  dich  gehaissen  ain  turteltuben.  dü 
turteltube  ist  rain  und  senfte  und  an  gallen,  ir  spis  ist  vil  raine,  der  si  lebet,  si 
hüt  öch  ir  nest  in  der  kirchen,  si  begat  sich  nit  als  ander  vogel.  säliger 
so  mentsch,  also  solt  du  der  turteltuben  gelich  sin:  du  solt  ain  rain  hertze  han  und 
solt  öch  senft  sin  an  dinen  Worten  und  solt  an  dinen  gebärden  an  gallen  sin, 
also  daz  du  wider  nieman  dehain  übel  tragen  solt  in  dim  hertzen;  du  solt  och 
din  sei  füren  [29*]  mit  rainner  spise,  daz  sint  die  rainen  gedänke  und  die 
tugentlichen,  da  mit  du  din  sele  spisen  solt;  du  solt  öch  din  nest  und  din  wonuug 
35  bi  ünserm  herren  han  in  sinen  rainen  wunden,  und  solt  dich  behüten  vor  dem 
tüvel,  der  din  ze  allen  eiten  varet.  alsus  solt  du  der  tuben  geliche  sin,  so  mag 
ünser  herre  von  reht  sprechen:  'min  tube’.  ‘nu  tü  mir  uf,  min  tube!’  spricht  er 
aber  denne,  ‘wellest  du  vergessen  daz  ich  dich  genemet  han  mine  swöster  and 
min  fründin,  so  gedenke  daz  ich  dir  min  hailigen  gaist  sante  und  dich  tröst,  und 

1.  vs'  am  Ende  der  Zeile.  5.  rodet  fehlt.  10.  Ist  vielleicht  zu  lesen:  wenn  du,  tugent- 
haftfi  swiister,  disü  wort  hftrest?  vgl.  S.  3!)  Z.  9.  35.  sinen  am  Rand  mit  Yertreisungszeichen 

nachgetragen.  36.  ziten  fehlt. 

4 Cant.  4,  2;  vgl.  S.  19  Z.  14  ff. 


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13.  Von  der  sele  minne  ze  Got 


39 


]&  mich  zü  dim  hertzen.  la  dich  erbarmen  daz  ich  von  ainem  mentschen  zü  dem 
andern  gan,  von  herzen  ze  hertzen,  und  ich  der  lüte  wenig  vinde  die  sich  über 
mich  erbarment  und  mir  ir  hertze  uf  tügent!  wellest  du  nu  vergessen  daz  du 
min  swöster,  min  fründin  und  min  tube  sigest,  so  gedenk  dar  an  daz  ich  dir  ze 
allen  ziten  nach  gän  und  dir  rufe,  und  tft  hüt  din  herz  [30“]  uf  gegen  miner  5 
minne,  la  mich  geniessen  daz  mir  bas  in  dinem  herzen  ist  denn  in  dem  hymel- 
riche  bi  den  engein,  und  daz  min  fröde  grösser  wirt  von  der  rainkait  diner  sele, 
von  der  luterkait  dines  herzen  denn  von  der  schonhait  des  hymelriches!’  nu 
höre,  tugenthaftü  sele,  wie  gütlich  unser  herre  mit  dir  redet,  und  erhöre  hüt  sine 
bette  und  la  din  sele  von  disen  minneklichen  Worten  smeltzen!  druke  hüt  daz  io 
guldin  insigel  siner  gütlichen  minne  in  din  sele,  la  den  güten  Got  nit  lange  vor 
dim  hertzen  stan,  la  dich  von  herzen  rüwen,  ob  du  dich  ie  gesumdest,  daz  du 
im  zehant  din  herze  nit  uf  tüt,  und  sprich:  'gang  hüt  in  min  hertze,  lieber  herre 
min,  ich  wil  dir  hüt  uf  tün  min  hertze,  din  wonung  und  din  rüw  sol  in  minem 
hertzen  sin!’  owe,  sele,  du  mäht  dich  wol  schämen  swenn  du  den  minneklichen  15 
Got  zü  dinem  herzen  geladest,  und  du  in  denne  mit  Untugenden  vertribest  und 
din  hertz  nach  siner  [30“]  wirdekait  nit  bereitest,  daz  er  von  diner  Untugend 
von  dir  fliehen  müss.  ünsern  herren  vertribet  kain  ding  von  der  sele  won  dü 
sünde  und  Untugend:  da  von  solt  du,  tugenthafter  mentsch,  dins  hertzen  hüten 
mit  aller  hüt,  durh  daz  ünser  herre  ze  allen  ziten  dar  inne  si.  20 

Waz  tüt  ünser  herre  denne  so  er  zü  dim  herzen  kunt?  er  tüt  reht  als  da 
ain  frünt  von  sim  lieben  fründe  lange  wär  gesin,  der  vil  liht  über  mer  oder 
gen  sant  Jacob  wäre  gevaren.  so  der  wider  kumet,  so  klegt  er  sinem  lieben 
fründe  alle  die  arbait  und  betrübde  die  im  in  dem  eilend  widervaren  ist:  ze 
glicher  wis  tüt  ünser  herre  siner  lieber  fründe  seien,  nu  höre,  tugenthaftü  sei,  25 
wie  er  dir  sin  arbait  klegt.  er  sprichet:  ‘o  sülgü  sei,  la  dich  erbarmen  daz  der 
lüt  so  wenig  ist  die  sich  über  minen  tot  erbarmeut!’  es  wart  nie  mentsche  so 
arm,  gieng  es  in  ain  statt  von  hus  ze  hus,  etwer  erbarmeti  sich  über  in  und 
gäbe  im  ain  stuki  brotes;  aber  ünser  herre  ßO 7 gät  von  hertzen  ze  hertzen, 
von  mentschen  zü  mentschen,  und  vindet  der  lüte  wenig  die  sich  über  sinen  tot  so 
erbarmagent.  'owe,  säligü  sei,  la  dich  erbarmen  daz  min  tot  und  min  blüt  als 
unwerd  ist  als  daz  wasser,  und  der  lüte  ietz  vil  ist  uff  ertrich  die  uff  minen  tot 
und  uff  min  blüt  also  wenig  ahtent  als  uff  daz  wasser,  und  erbarme  du  dich 
über  minen  tot  und  gib  mir  din  hertze  und  die  minne  dines  hertzen!’  owe, 
tugenthafter  mentsch,  höre  wie  gütlich  dich  der  minneklich  Got  bittet  der  minne  35 
dines  herzen!  minne  den  der  dich  von  der  erbärmde  sins  gütlichen  hertzen  nie 
geschied!  und  spricht  sant  Augustinus:  'mentsch,  du  mäht  ane  minne  nit  sin;  nu 
minne  daz  ding  daz  du  mit  eren  geminnen  mugest!’  leist  du  din  minne  an  daz 
daz  zerganklich  ist,  so  daz  ding  denne  stirbet,  so  ist  öch  din  minne  tot.  nu  leg 
din  minne  an  den  güten  Got,  der  dich  so  gütlich  geminnet  hat.  erhörest  du  sine  « 
bette  nu  und  tttst  du  im  din  hertze  uf  und  ßOä]  haltest  dich  uff  ertrich  also 

6.  den.  18.  Wortfolge  in  der  Sa.:  ding  won  d(i  Bünde  von  der  sele.  32.  vgl. 

8.  26  Z.  20. 


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40 


1.1.  Von  der  sele  minne  ze  Got. 


daz  du  mit  rehte  siu  swester  haissist,  so  solt  du  6ch  hyraelrich  mit  im  besitzen, 
din  erbe,  daz  er  dir  geköfet  hat  mit  sim  minneklichen  blüte. 

Nu  merke  waz  er  dir  vrüden  ze  hymelrich  geben  wil  mit  im  selben  und 
mit  sinen  kinden,  die  ietz  daz  erbe  da  besessen  hant.  nu  sint  fünf  ding  die  man 
5 spulget  den  brüdern  ze  tünde,  so  si  von  dem  wege  koment.  daz  erst:  daz  man 
sü  füret  in  den  kor  für  den  alter  und  git  in  den  segen  und  nimt  inen  ab  swas 
si  uff  dem  wege  verschuldet  hant;  daz  ander  ist  daz  si  die  brüder  gütlich 
grützent  und  küssent  an  iren  mund;  daz  dritte  ist  daz  man  si  füret  in  daz 
gast  hus  rüwen;  daz  vierde  ist  daz  man  in  git  ze  trinkenne;  daz  fünfte  ist  daz 
io  man  in  git  zessen.  ze  glicher  wis  tut  unser  herre  der  sele.  so  si  von  dem  libe 
schaidet,  so  git  ir  unser  herre  den  segen  und  nimt  ir  abe  swa  mit  si  sich  uff 
dem  wege  und  in  dem  eilende  verschuldet  hat,  und  git  [31’]  ir  gantz  frihait,  daz 
si  niemer  me  getün  sol  dekain  ding  daz  si  von  Got  geschaiden  muge.  da  ge- 
winnest du  niemer  me  dehainen  strit  mit  dinem  hertzen  noch  mit  dim  libe;  da 
15  wirt  din  sele,  din  hertz,  din  lip  gerainnet  von  allen  sünden  und  von  allen  Un- 
tugenden. dar  nach  grützet  er  si  minneklicher  denn  ie  kain  muter  ir  kint.  dis 
sol  man  gaischlich  verstau,  als  ain  brüder  sin  swöster  mit  tugentliclier  minne. 
dis  küssen  ist  nit  anders  won  ain  zaichen  des  gütlichen  frides,  daz  du  mit  dim 
hertzen  mit  dim  Got  iemer  me  solt  frid  han;  won  er  schaidet  von  dinem 
20  hertzen,  von  diner  sele  alle  trurkait  und  alle  beswürde  und  wüschet  dir  mit 
siner  gütlichen  hand  din  trähen  von  dinen  ügen;  dar  nach  solt  du  niemer  trurig 
werden,  dar  nach  füret  er  si  in  daz  hymelriche  in  die  ewig  ruwe  und  sprichet: 
‘gang  in  die  vrüde  dins  herren,  und  hab  iemer  me  stät  vrüde!’  der  ist  vil  und 
ist  als  übermässig  daz  si  nit  gar  in  [3V]  die  sei  komen  mag.  und  dar  umbe 
25  sprichet  üuser  herre  daz  dü  sele  in  die  vrüde  gange,  in  der  vrüde  solt  du, 
tugenthaftü  sele,  rüwe  han;  da  solt  du  dinen  Got  und  dinen  herren  iemer  me 
an  sehen,  da  von  sprichet  sant  Augustinus:  ‘sitzend  ünsern  herren  an  sehend 
sont  in  werden  an  ende  lobende’,  dar  nach  git  er  der  sele  ze  trinkenne  die 
ewig  vrüde  ze  hymelriche.  man  liset  in  den  alten  büchen  von  ainer  vrowen.  dü 
so  hiess  Judith,  do  dü  ain  hohzit  wolte  han  mit  dem  herren  Holoferne,  do  gab  er 
ir  ze  trinkenne  und  sprach:  ‘nim  hin  und  trink,  es  ist  hüt  ain  tag  diner  vrüde!’ 
do  antwurt  si  und  sprach:  ‘wais  Got,  ich  waiss  wol  daz  es  hüt  ain  tag  ist  aller 
rniner  vrüde,  und  alles  mines  laides  vergessen  sol’.  also  wirt  linser  herre  zu  dir 
sprechent:  ‘tugenthaftü  sei,  nim  hin.  sele,  und  trink  und  wirt  trunken  und  ver- 
35  gisse  alles  dines  laides!'  so  wirt  denn  dü  sele  sprechende:  ‘ich  waiss  wol  daz 
es  hüt  ain  tag  ist  aller  vrüde’.  da  solt  du,  tugent/5f'7haftü  sele,  iemer  me 
trinken  von  dem  lebenden  brunneu.  dar  nach  git  man  daz  naht  essen;  daz  ist 
daz  er  dir  denne  alle  dine  vrüde  bestätet  und  setzet  dich  über  den  tisch  aller 

1.  fich  daz  h.mclrich  oder  öch  ze  b^melrich.*  vgl.  8.  38  Z 15.  24.  di.  2".  In  der 

Wiedergabe  der  Stelle  des  hl.  Augustinus  liegt  Textverderbnis  vor.  Der  Sinn  ist:  Diejenigen,  welche 
auf  dem  Throne  der  Herrlichkeit  sitzen  und  «Mfrn  Herrn  ansehen , werden  ihn  ohne  Ende  loben. 

32.  aotwrt 

28  Matt.  25,  23.  31.  Judith  12, 17. 


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IS.  Von  der  sele  minnc  zc  Got. 


41 


vn'xle  und  über  die  da  vol  ist  aller  genuht.  da  sprichet  unser  herre:  essent 
mich  und  trinkent  und  werdent  trunken,  aller  liebsten  fründe!’  da  sol  die  sele 
mit  sim  gütlichen  antlütz  gespiset  werden,  er  wil  iemer  me  der  sele  spise  sin. 
nu  merke,  sälgü  sei,  wol  edel  spise!  er  ist  alles:  daz  du  wilt,  daz  hast  du  an 
im  und  noch  tusentstund  me  denne  din  begirde  begrifen  mug.  her  an  gedenke  0 
ain  ieglich  meutsche  und  lege  allen  sinen  fliss  dar  an,  daz  er  zu  diser  Wirt- 
schaft kome! 

[14.]  Von  der  gütlichen  mlnne  zu  der  sele. 

[Fortis  est  ut  mors  dilectio.] 

Man  liset  in  der  minne  bäcli  daz  du  niinne  stark  ist  alz  der  tod.  wie  stark  10 
du  minne  ist,  daz  niugent  wir  dar  an  sehen  daz  si  den  grossen  Got,  der  hymel- 
ricli  und  ertrich  geschaffeu  hatte,  des  twang  daz  er  mentsch  wart  und  [31*] 
mentschlich  natur  an  sich  nam.  si  tote  den  nach  mentschliclier  nature  in  dem 
alles  unser  leben  ist.  wie  grössü  ding  du  minne  an  ünserm  herren  hab  getan, 
da  von  hant  ir  dik  gehöret,  öch  hat  si  den  liailgen  grössü  ding  getan,  die  ir  ts 
blüt  durch  ünsern  herren  vergussent.  si  liät  öch  grösü  ding  getan  an  der 
hailgen  jungfrowen  sant  Agnesun.  die  twang  si  dar  zu  daz  si  ir  blüt  durch 
ünsern  herren  vergöss.  dü  minne  dü  schied  si  von  aller  der  vröde  dirre  weit, 
si  tut  öch  noch  grössü  ding  an  müngem  mentschen.  uu  spricht  sant  Bernhart: 
‘swa  dü  minne  ünsers  herren  Jhesu  Christi  gewurzet  hat,  da  wahsent  aht  schön  1» 
blumen’.  der  erst  blünte  ist  manhait  der  getät;  der  ander  ist  luterkait  des 
willen;  der  drit  ist  rainkait  der  weich;  der  vierd  ist  richait  der  sinne;  der 
fünft  ist  hailikait  der  girde;  der  sehste  ist  münigvaltikait  der  tugend ; der  sibend 
ist  werdekait  des  dienstes;  der  ahtend  ist  müuig/5^*yvaltikait  des  lones. 

Der  erst  blum  der  utf  diser  wisen  wachset,  daz  ist  manhait  der  getät,  daz  25 
ist  ain  schönes  hertze  an  ünsers  herren  dienst,  disen  blumen  hatt  wol  dü  hailig 
jungfrow  sant  Agnes,  si  hatt  ain  künes  herze,  dü  minne  hatt  si  stark  gemachet, 
daz  si  sich  grosser  dinge  nit  erkam  durch  ünsers  herren  minne  ze  tünne  und  ze 
lidenne.  dirre  selb  blum  wachset  noch  in  müngem  hertzen,  daz  von  der  minne 
ünsers  herren  also  stark  wirt  und  also  kreftig  daz  in  enhain  ding  ze  gross  ist  so 
ze  tünne  dur  Got,  und  si  enkain  ding  mag  an  gan  daz  sü  von  Got  schaide;  als 
der  gut  sant  Paulus  spriht:  ‘wer  mag  üns  geschaideu  von  ünsers  herren  minne? 
daz  mag  weder  frost  noch  hunger  noch  tot,  noch  dehain  ander  ding  mag  üns  von 
Got  geschaiden’. 

Dar  nach  wachset  des  willen  luterkait.  daz  ist  [ 32 V luter  wille:  swer  sinen  35 
willen  in  ünsers  herren  willen  setzet,  daz  er  enkain  ding  geret  ze  tünd  won  daz 
ünsers  herren  wille  ist.  disen  blümen  hatte  öch  sant  Agnes  wol,  won  si  hatt  ain 

1.  Vor  die  da  vol  utf  wohl  ausgefallen  dio  tavel  (Boethe).  6.  Der  lateinische  Text  fehlt. 

16.  grA/sü  am  Ende  und  Anfang  der  Zeile.  25.  blum  ist  der. 

9.  Cant.  8,  6.  32.  Rom.  8,  35. 


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42 


14.  Von  der  gütlichen  minnc  zA  der  solo. 


so  luter  herze  und  als  lutern  willen  daz  si  den  tot  wolt  liden  e daz  si  wider 
Gottes  willen  tät.  wäre  unser  wille  in  unsers  herren  willen  also  daz  uns  alles 
das  wol  geviel  daz  er  usser  ünserm  libe  und  usser  linserm  güte  und  usser  unser 
sele  täte,  so  hettent  wir  dik  frid  und  fridsames  herze,  swa  nu  du  minne  unsere 
5 herren  Jhesu  Christi  hat  gewurzet,  da  wachset  och  dirre  blame.  wan  sweles 
raentsche  mit  getrüwem  hertzen  minnet  ünsern  herren,  der  engert  nit  anders 
wan  daz  sin  wille  ist  alles  daz  er  öch  usser  im  tttt,  daz  gevallet  im  alles  wol ; 
won  er  getrüwet  Got  also  wol  daz  er  wol  waiss:  swaz  im  Got  tftt,  daz  im  daz 
das  best  ist. 

io  Dar  nach  wachset  der  werch  rainkait;  wan  du  [3i?J  minne  leret  niht.  tün 
wan  daz  mit  tagenden  ist  gezieret,  als  schön  gebet,  rainne  andaht.  alles  daz  du 
titst,  daz  solt  du  mit  tugenden  zieren  also  daz  ällü  dinü  werch  tugentlich  sigent. 

Dar  nach  der  sinne  richait  oder  wisshait;  daz  ist  also  daz  ain  mentsche  wis- 
lich  kan  von  Got  gedenken  und  reden,  disen  blumen  hatte  och  sant  Agnes; 
15  won  si  künde  wislich  von  Gotte  reden  und  den  mentschen  wislich  antwürten, 
die  si  twingen  woltent  daz  si  sich  von  Gotte  schiede,  si  sprach  öch  von  linserm 
herren  tugenthaftü  wort,  die  wir  nie  sölich  von  kainer  jungfrowen  gehortent. 
es  waz  ain  wislichü  rede  von  aim  kind  von  drizehen  jaren  daz  si  so  wislich 
sprach:  'mins  herren,  mines  brutgömes,  den  ich  minne,  des  muter  ist  rainü  magt, 
20  sin  vatter  erkande  nie  wip;  so  er  mich  minnet,  so  bin  ich  küusche;  so  er  mich 
beniret,  so  bin  ich  raine;  so  er  mih  umbvahet,  so  bin  ich  erst  ain  luter  magt’. 
wer  hatt  si  geleret  als  wislich  reden  wan  du  min/5^7ne  unsere  herren,  die  in 
ir  herzen  gewurtzet  hatte?  du  minne  leret  dik  ain  mentschen  daz  nüt  vil  ge- 
leret ist  von  der  schrift,  daz  es  in  sim  hertzen  me  von  Got  kan  gedenken  denn 
25  etlich  gilt  maister  der  von  der  schrift  wol  geleret  ist. 

Dar  nach  wachset  der  girde  hailikait.  daz  ist  ain  hailigü  gernng  der  nit 
engeret  wan  unsere  herren  minne.  disen  blumen  hatte  dii  hailig  jungfrowe  sant 
Agnes,  won  si  hatte  alle  ir  begerung  gekeret  an  Got.  daz  ist  ain  hailgü  be- 
gerung  der  allen  sinen  sin  dar  an  leit  wie  er  tugend  gewinne,  der  sälige 
so  mentsch  sol  alle  sine  sinne  an  Got  keren,  als  her  David  sprichet:  ‘herre  Got, 
alln  min  begirde  ist  an  dich  bekeret’.  swer  dehaines  lobes  oder  dehainer  zer- 
ganklicher  ere  gert,  des  girde  ist  nit  hailig. 

Dar  nach  wachset  der  tugent  mänigvaltikait.  swa  dn  minne  gewurzet  hat, 
da  wachsent  alle  tugend.  da  von  spricht  sant  Gregorius  (33“]  daz  du  minne 
35  niemer  massige  kan  werden,  si  leret  alle  zit  den  mentschen  tugend  und  tugent- 
liches  leben,  ich  engesach  noch  vernam  nie,  da  man  rosen  phlantzat,  daz  da 


8.  er  fehlt. 


19.  Die  Stelle  ixt  ilem  Brevier  der  hl.  Agnes  entnommen  (21.  Januar)  und  steht  im  Mcs pon- 
sort um  der  ersten  Xokturn : imo  Christum , in  cuius  tlialamum  introibo,  enius  mater  virgo  est, 
cui  us  pater  feminam  nescit  ...  quem  cum  amavero,  casta  sum;  cum  tetigero,  munda  sum ; cum 
aecepero,  virgo  sum.  30.  dem  Sinne  naeh  Ps.  US,  59;  84,  1. 


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14.  Von  der  gütlichen  minne  zu  der  eele. 


43 


lylien  wüchsent.  aber  uff  dirre  wurze  der  minne  da  wahsent  alle  edel  blümen. 
uff  der  minne  wachsent  demütkait,  gedultekait,  gehorsami,  vröde  in  Gotte,  kurtz- 
lich  alle  tugende  wachsent  dar  uff.  minnest  du  Got,  alles  daz  du  denn  tün  solt 
oder  liden,  daz  machet  dir  din  minne  alles  liht  und  senfte.  disen  blümen  hät 
öch  min  jungfrow  sant  Agnes,  du  minne  hatte  in  ir  herzen  gewurzet,  wan  si  5 
hatte  mänig  tagend. 

Dar  nach  wahset  des  dienstes  werdekait  dü  gröste  werdekait  die  ie  wart 
oder  iemer  werden  mag,  die  gewinnet  der  mentsche  ze  hvmelriche  der  mit 
tugentlichem  flisse  Got  dienet  uff  ertrich.  man  sprichet  und  ist  och  war:  'des 
kaisers  dien/5,?7ste  man  ist  grösser  denne  ein  graf’,  sit  denn  ain  mentsch  wölt  io 
geerot  sin  ob  es  aim  edeln  herren  uff  ertrich  dienoti,  so  ist  billich  daz  der 
mentsch  vil  gröslicher  geerot  werde  der  dem  grossen  Got  mit  tugentlichem  vlisse 
dienet  dis  erkante  wol  sant  Agnes  daz  so  vil  wirdekait  an  ünsers  herren  dienste 
lit,  won  si  wolte  gern  in  ünsers  herren  dienst  den  tod  liden  denn  si  uff  ertrich 

ain  grössü  vrowe  wäre,  waz  mag  den  mentschen  edeler  gemachen  und  werder  15 

denn  ünsers  herren  dienst?  es  ist  dü  gröste  wirdekait  dü  ie  wart,  der  Got  mit 
tugentlichem  lebenn  dienet. 

Dar  nach  wahset  des  lones  manigvaltikait.  wie  mänigvaltig  der  lone  ze 
hymelriche  si,  da  von  spricht  sant  Paulus  daz  die  vröd  nie  6g  gesach,  nie  ore 
gehörte,  nie  hertz  gedahte,  die  da  ünser  herre  beraitet  hat  denan  die  in  hie  20 
minnent 

Nu  hant  ir  gehöret  von  den  blümen  die  uff  der  minne  wachsent;  nu  sont  ir 
hören  von  der  fruht  dü  uff  den  blümen  wah/55'/set  der  tugend  fruht  ist  niht 
anders  won  ünser  herre.  der  hat  ainen  namen,  der  ist  also  reht  löblich  daz  ich 

under  allen  den  namen  so  er  hatte,  namen  han  nie  so  sere  geminnet  disen  25 

namen  gab  im  der  wissag  David  und  sprach:  ‘ain  herre  und  ain  Got  der 
tugende’;  won  er  ist  ain  Ursprung  und  ain  brunne  aller  tugend  von  dem  eint 
aller  hailigen  tugend  geflossen,  hetti  ich  ainen  rosen  in  der  hant  so  wurdi  si 
mir  nach  dem  rosen  smeken.  spräche  ich  denn  zü  miner  hant:  ‘von  wem 
hast  du  disen  smake  so  guten?’,  so  möhti  dü  hant  sprechen:  'daz  han  ich  von  so 
dem  rosen’;  sprich  ich  aber  zü  dem  rosen:  ‘von  wem  hast  du  den  gesmak?’, 
so  möhti  er  sprechen:  'daz  han  ich  von  mir  selben,  es  ist  mir  an  geborn’.  ze 
glicher  wis  ist  es  umb  die  tugend  und  umbe  die  hailgen.  fragetint  wir  die  hail- 
gen  und  ander  güt  lüt  von  wem  si  ir  tugend  hettint,  so  mnstent  sü  sprechen: 
’daz  bänt  wir  von  Gotte';  sprAchent  wir  aber  zü  ünserm  herren:  'herre,  von  85 
wem  [33*]  hast  dn  din  tugend?’  so  sprAchi  er:  ‘daz  han  ich  von  mir  selben’, 
alle  tugend  sint  von  im  geflossen  und  fliessend  öch  wider  zü  im.  er  ist  dü  fruht 
dii  uff  allen  tagenden  wachset 

Habent  wir  dis  würzen  der  minne,  so  wachsent  der  tugent  blümen  in 

23.  wahsrot.  25.  namen  lian  fehlt.  27.  von  . . . tagend  fehlen;  zur  Ergänzung  vgl. 

Z.  33.  37. 

19.  I.  Cor.  2,  9.  2fi.  P».  23,  JO;  58,  6. 


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44 


1 -I.  Von  (1er  gütlichen  miune  zo  der  sclc. 


unsrem  hertzen.  da  von  so  flissent  uns  der  minne  und  ander  aller  tugend  daz 
wir  zu  der  edlen  fruht  koment,  daz  ist  unser  kerre,  der  da  kaisset  und  ist  'ain 
Got  und  ain  kerre  der  tugende’. 


[15J  Von  »lasse  »»<1  voll  andren  tilgenden. 

5 [Modestia  vestra  nota  sit  Omnibus  hominibus.] 

Sanctus  Paulus  spricket:  ‘ üwer  rnasse  und  üwer  tugend  sol  allen  luten 
offen  sin’. 

Disü  Worte  liset  man  an  dem  jüngsten  sunnentag  vor  winnäkten,  vnd  köret 
wol  zil  dem  tage,  won  so  naket  uns  ain  kokzit,  daz  mr  ünsern  keiTen  enpkaken 
io  sont.  und  leret  uns  mit  diseu  wollen  der  gilt  kerr  saut  Paulus  wie  wir  uns 
keraiten  mit  tilgenden  sont  gegen  ünserm  kerreu,  daz  [34* ] wir  in  wirdeklich 
enpkakent. 

Man  liset  von  der  küngin  Hester:  do  si  zu  dem  künig  Aswero  solte,  do  be- 
rait  si  sich  ain  jar  da  vor.  si  wusch  sich  sehs  manod  mit  myrren  und  salbet 
ts  sich  sehs  manot  mit  öle  und  hatte  siben  jungfrowen  die  si  beraitent,  daz  si  mit 
eren  zu  dem  künig  möhti  körnen,  bi  diser  künginuen  ist  bezaickent  ain  ieglichü 
sälgü  sei.  bi  dem  kunig  Aswero  ist  bezaickent  unser  kerre.  Aswerus  daz  sprichet 
‘der  sälig’.  Got  der  ist  reht  sälig  und  kaisset  von  rekt  Aswerus.  und  gegen  siner 
zükunft  sol  sich  ain  ieglich  sälig  mentsck  beraiten,  daz  er  in  wirdeklich  enpka- 
20  heu  mug.  dü  erst  jungfrowe  zoh  ir  du  alten  klaider  ab;  du  ander  lait  ir  schuhe 
an;  dü  dritte  lait  ir  ainen  langen  rok  an;  dü  vierde  lait  ir  ain  guldin  horten 
urabe;  dü  fünfte  lait  ir  ainen  vehen  mantel  umb;  dü  sehte  stakte  ir  ain  guldin 
vingerlin  an  und  ain  Spiegel  [34*]  für  sich;  dü  sibeud  salzte  ir  uf  ain  kröne. 

Vro  Hester  dü  wusch  sich  vor  hin  sechs  manode  mit  myrren:  dü  mirre  dü 
25  ist  bitter  und  bezaichent  die  rüwe  die  ain  mentsch  sol  kau  umb  sine  sünde.  und 
salbet  sich  die  andern  sehs  manot  mit  öle:  daz  öl  machet  die  hut  lind  und 
senfte;  der  in  ainen  kamph  wil  gan,  der  salbet  sich  und  sin  gewäfen  mit  öle, 
daz  in  sin  vigend  nit  begrifen  mugent.  ze  glicker  wis  sol  der  sälig  mentsche 
tun:  der  sol  sin  hertze  linde  machen  mit  andähtigem  gebette  und  sol  sin  sele 
so  mit  ünsers  kerren  gnaden  salben,  daz  in  der  tüfel,  sin  tötlich  vigent,  nit  begrifen 
muge.  won  ir  sont  daz  wissen  daz  daz  andähtig  gebet  vil  nütze  ist  für  die  be- 
korung  die  der  tüfel  etswenn  git.  won  swer  sich  uunnissig  machet  mit  gebet 
und  mit  güten  gedänken,  den  mag  der  tüfel  niemer  mit  also  mängem  ding  ge- 
valien  als  den  mentscken  der  sine  zit  unnützeklich  vertribet.  alsus  sol  der 
35  mentsck  sin  sei  vor  hin  be/.M'/raiten. 

Dar  nach  sont  ir  denne  siben  jungfrowa  werden  die  si  klaident  und  be- 
raitent, daz  sint  siben  tugent. 

1.  flifwcnt  = vltzen.  5.  Der  lateinische  Text  [Mt.  9.  dz  vneem.  18.  ist  fehlt. 

36.  jungfrowa  so. 

4.  Die  Predigt  ist  gedruckt  bei  Wnckemagel  S.  89.  5.  Phil.  4,  5.  13.  Est  2, 12. 


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15.  Von  masee  und  von  andren  tilgenden. 


45 


Dü  erst  jungfrowe  ist.  rüwe;  dü  zühet  du  alten  klaider  abe  und  lait  nüwü 
an,  daz  sint  die  Sünde  und  die  alten  gewonhait  der  Untugend:  die  sol  der 
mentsche  von  siner  sele  und  von  sinem  herzen  werfen,  wie  gezAnie  ainer  jung- 
frowen  daz  si  gienge  für  ainen  künig  mit  alten  klaidern  bösen,  daz  si  also 
käme  mit  gevetzotem  gewand?  daz  zürne  harte  übel  küngennen  daz  si  also  5 
böschlich  küme  für  iren  herren.  noch  tusentstunt  wirs  gezüme  der  sele  dü 
ünsers  herren  gemahel  haisset,  daz  si  für  den  grossen  Got  küme  mit  alten  klai- 
dern und  mit  Untugenden,  man  liset  ain  märe  von  ainem  herren,  der  hatte  ain 
hof  gesprochen,  und  hatte  vil  lüte  dar  geladet.  do  dü  Wirtschaft  berait  wart,  do 
gieng  der  künig  umbe  und  sach  wie  es  alles  berait  würe  und  wie  die  lüt  be-  io 
klaidet  wärent.  do  ersah  er  ain  der  waz  nit  [34* J wol  beklaidet.  zü  dem 
sprach  er:  ‘waz  woltest  du  her  mit  dinen  bösen  klaidern?’  und  hiess  sin 
kneht  dar  gan  und  hiess  im  hend  und  füss  ze  samen  binden  und  werfen  in 
ain  für.  ze  glicher  wis  beschiht  der  sele  an  dem  jüngsten  tag  dü  für  Got 
kumet  ane  tugend  und  äne  gütü  werch.  der  haisset  ünser  herre  hende  und  15 
füss  zesamen  binden  und  haisset  si  denne  in  ain  für  werfen  der  ewigen  ver- 
dampnung. 

Dü  ander  jungfrowe  ist  demütkait;  dü  schuhet  die  sele.  swer  ain  lierten 
oder  ain  stainigen  weg  sol  gan,  der  bedarf  wol  daz  er  geschähet  si  mit  der 
demütkait,  daz  er  sich  behüten  muge  vor  den  Untugenden  und  vor  der  wider-  20 
wärtikait  dü  den  mentschen  uff  ertrich  ane  güt;  won  der  tüfel  leit  dem  ment- 
schen  mänig  läge,  da  mit  er  den  mentschen  gevahen  muge.  den  langen  weg 
mag  der  höffertig  mentsch  niemer  gan.  man  liset  in  der  alt  vütter  büch  von  aim 
guten  [35‘J  man,  dem  wart  dü  weit  gezaiget,  do  sah  er  si  volle  strik  ligen.  do 
sprach  er  zü  ünserm  herren:  ‘wer  sol  sich  vor  disen  münigvaltigen  striken  be-  25 
hüten?’  do  antwürt  im  ain  stimme  und  sprach:  'daz  sol  der  demütig  mentsche  . 

D11  dritte  jungfrowe  ist  gehorsami,  die  der  sülig  mentsch  sol  han.  si  sol 
lang  sin  nntz  an  den  tot  etlicher  lüt  gehorsami  ist  also  kurtz  daz  si  nit  went 
tün  won  daz  si  gern  tünt.  sint  si  joch  gehorsam,  daz  ist  als  kurtzliche  und 
mit  als  üblem  willen  daz  in  dü  gehorsami  nit  vil  ze  tröste  kumet  und  die  lüt  so 
nit  gebessert  werdent.  die  lüt  die  also  kurtzlich  gehorsam  sint,  die  klaident 
nit  ir  sele  mit  ainem  langen  roke.  si  machent  ir  sei  klaid  also  kurtz  daz  si 
nit  mit  eren  für  ünsern  herren  körnen  mugent.  wie  gezümi  ainer  jungfrowen 
daz  si  ainen  rok  an  hetti  der  ir  untz  an  den  gürtel  schlügi?  des  würe 
es  harte  unerberklieh.  also  [35" ] kurtz  ist  etlicher  lüt  gehorsami.  man  liset  35 
von  ainer  schlahte  lüte  in  der  altun  e,  den  wolte  man  lasier  bieten  und  in  daz 
klaide  bi  dem  gürtel  ab  sniden,  die  giengent  hart,  unerberklieh.  ich  wil  sin 
sprechen  nit,  gedenkent  selb  wie  si  giengent!  aber  der  sülig  mentsch  der  sin 
gehorsami  lang  machet  und  gütlichen  tut  alles  daz  man  es  haisset,  der  leit  siner 
sele  ain  langen  rok  an. 

5.  kftngenncn  so.  15.  der)  dem.  25.  er  später  eingefügt.  30.  in]  im.  33.  nit  fehlt. 

12.  Matt.  22, 12.  23.  Vita?  Putrum : Migne,  Patrol.  Lat.  Bd.  73,  953  (3).  36.  II.  Reg.  10,  4. 


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46 


15.  Von  rnasse  und  von  andren  fugenden. 


Dü  vierde  jungfrow  ist  künschkait;  du  leit  ir  den  guldin  porten  umb.  sant 
Johans  sach  ainen  man,  der  waz  begürtet  mit  zwain  gürtlen.  bi  dem  ainen 
gürtel  ist  bezaichent  künschkait  des  libes.  er  waz  och  begürtet  mit  ainem 
guldin  raife  zü  den  brüsten,  da  bi  ist  bezaichent  künschkait  des  hertzen. 
6 hübsche  jungfrowen  spulgent  sich  ze  gürtenn  mit  zwain  gürtlen.  also  sol  der 
sälig  mentsch  begürtet  sin  mit  zwain  gürtlen,  daz  ist  künschkait  des  libes  und 
künschkait  des  herzen.  [35'] 

Dü  fünfte  jungfrowe  leit  ir  ain  vehen  mantel  an,  daz  ist  erbärmde.  bi 
dem  mantel  ist  bezaichent  erbärmde,  die  man  sol  han  über  ain  ieglichen  ment- 
10  sehen,  als  man  liset  von  sant  Martin:  der  waz  als  erbärmhertzig  daz  er  sinen 
vehen  mantel  mit  sim  swert  tailte  und  in  aim  dürftigen  gab  halben;  won  es 
waz  uff  ainem  velde,  da  er  nit  anders  hatte,  dis  waz  ain  grossü  erbärmde.  do 
liess  in  ünser  herre  in  den  hymel  sehen,  und  sach  daz  ünser  herre  den  halben 
mantel  umb  hatte  und  sprach:  'sehent  wie  mich  Martin  geklaidet  hat!’ 

15  Dü  sehste  jungfrowe  ist  stütkait;  dü  stakt  ir  ain  guldin  vingerlin  an.  daz 
vingerlin  bezaichent  daz  der  mentsch  stät  sol  sin  an  sim  güten  lebenn  untz  an 
sin  tot  sant  Johans  mit  dem  guldin  munde  sprichet:  ‘mau  sol  den  ritter  loben 
so  er  kunt  von  dem  strit,  und  den  schifman  so  er  an  daz  stad  kumet:  man  sol 
den  mentschen  loben  so  er  von  dem  strite  kumet  und  sine  \i[35*]ginä  überwin- 
20  det  und  so  si  an  daz  stad  koment  dirre  weite’,  swie  vil  der  mentsche  guter 
ding  an  vahet,  volbringet  er  ir  nit,  so  ist  es  nit  löblich. 

Dü  sibende  jungfrowe  ist  dü  minne;  dü  krönnet  die  sele.  und  hilfet  ir  ain 
jungfrowe,  dü  haisset  beschaidenhait.  dü  minne  ist  ain  gezierde  aller  tugend; 
und  swaz  der  mentsch  tfit,  hat  er  der  minne  nit,  so  ist  alles  unnütz,  daz  du 
25  tüst,  daz  solt  du  tun  in  ünsers  herren  minne  mit  beschaidenhait;  won  swaz 
der  mentsche  güter  dinge  tüt,  ist  beschaidenhait  der  bi  nit,  so  ist  es  nüt  ain 
tugend. 

Alsus  solt  du  din  sele  zieren  mit  fügenden  und  solt  dich  beraiten  engegen 
ünsers  herren  zü  kunft,  daz  du  in  wirdeklich  enphahest. 


a«  [16.]  Von  unser  vrowen  sant  Maria. 

[Hortus  conelusus,  fons  signatus.] 

‘Du  bist  ain  beschlossen!  garte  und  ain  gezaichenter  brunne,  min  gemahel’. 
sus  sprach  her  Salomon  zü  siner  vrowen,  dü  im  gemähelt  waz.  Salomon  [36‘J 
daz  sprichet  also  vil:  ‘ain  herre  der  gern  frid  hette  in  sim  lande’,  in  ünsers 
35  herren  lande  ist  enhain  unfrid. 

Mit  disen  Worten  lobet  ünser  herre  ain  ieglich  sele  die  sülgeu  nameu  hat, 
und  ze  vordrost  sin  lieben  müter,  dü  beschlossen  mit  vier  schlossen  waz.  swie 

tl.  vehel.  31.  Der  lateinische  Text  fehlt.  32.  beschlossen!  «=  bcschlossenr. 

2.  Apoc.  1,  13.  14.  au»  der  Legende  de»  hl.  Martin,  im  Brevier  vom  11.  A ovember  in  der 

4.  Lectio.  31.  Cant.  4,  12 


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16.  Von  fmaer  vrowcn  sant  Maria. 


47 


wol  nu  ain  garte  beschlossen  ist,  so  mag  man  in  doch  nit  besliessen  vor  vier 
dingen:  vor  der  sunnen,  vor  den  vögeln,  vor  dem  towe  und  vor  güten  fründen. 

Dü  sunne  lühtet  in  den  garten,  wan  nieman  besliessen  mag  sinen  garten  vor 
der  sunnen:  ze  glicher  wis  lühtet  dü  ewig  sunne  in  ünser  vröwen  hertze, 
engegen  dem  hatt  si  ir  hertz  uf  getan,  ze  glicher  wis  als  der  schön  sunnen  5 
glantz  dü  ögen  vröwet  und  daz  bertze,  also  tüt  den  mentschen  der  ewig  sunnen 
glantz  ünsers  herren.  also  beschach  öch  unser  vrowen,  do  er  in  ir  hertz  flösse 
sülgen.  engegen  disem  sunnen  glantz  solt  du  din  hertz  [36*]  uf  tun,  daz  der 
ewig  sunnen  glanz  din  hertze  erfröwe.  also  sprach  Salomon:  ‘dü  schöni  der 
sunnen  fröwet  dü  Intern  ögen’.  wäre  nu  ain  man  der  die  sunnen  in  zwainzig  io 
jaren  nie  gesehen  hetti,  und  wurdent  dem  sin  ögen  uf  getan,  der  wurdi  vil  vro, 
so  er  sühi  der  schönnen  sunnen  glantz.  do  her  Thobyas  erblindet,  do  waz  er  vil 
trurig.  do  kan  der  engel  zu  im  und  tröste  in  und  sprach:  'frid  si  mit  dir!’  do 
sprah  er:  'wie  mag  daz  sin,  mir  ist  doch  daz  lieht  des  hymels  verzigen?’  wie 
mag  frid  oder  vrüde  mit  dem  mentschen  gesin  den  der  ewig  sunnen  glantz  nit  15 
erlühtet  hat  mit  siner  wunneklichen  gnade?  engegen  disem  wunneklichen 
sunnen  glantz  sol  ain  ieglich  mentsch  sin  hertze  gerne  und  willeklich  uf  tun, 
won  disü  sunne  ist  also  schön  daz  ällü  sehönliait  ain  vinstri  ist  engegen  siner 
schonhait.  von  siner  schonhait  sprichet  sant  Agnes:  'dü  sunnen  und  den  man 
wundret  von  siner  schöni’.  2» 

Daz  ander  [36*]  da  vor  sinen  garten  nieman  beschliessen  mag,  daz  sint  die 
vogel.  bi  den  sint  bezaichent  die  hailgen  engel.  vor  disen  vögeln  hat  ünser 
vrowe  ir  hertz  nit  beschlossen,  won  si  tet  ir  hertz  uf  engegen  der  grossen  bot- 
schaft  die  ir  der  engel  Gabriel  brahte,  daz  si  müter  solte  sin  des  grossen  Gottes, 
sälger  mentsche,  engegen  disen  vögeln  solt  du  din  herze  ze  allen  ziten  uf  tun!  25 
wan  es  ist  dir  ain  grössü  ere  und  ain  werdekait:  der  engel  der  ze  allen  ziten 
Gottes  antlüt  schowend  ist,  daz  dir  der  zü  aim  hüter  ist  geben  und  zu  aim 
ph leger;  wan  er  ist  dir  nahe  bi  und  leret  dich  alweg  götlich  minne  und  tugent- 
lich  leben  und  rainkait  libes  und  bertzen,  und  swenne  du  unreht  wilt  tüu,  daz 
widerratet  er  dir.  also  liset  man  von  ainem  güten  man  in  der  alt  vätter  büch : so 
der  waz  in  ainem  walde  und  gieng  ains  tages  mit  andren  sinen  brüdern  ze 
kilclien.  [36*]  und  kam  öch  ain  ander  güt  man  dar  und  nam  der  brüder  war. 
und  tet  im  Got  die  gnade  daz  er  sach  in  sin  hertz,  daz  er  mit  ainer  sünde  von 
Got  geschaiden  waz;  und  sach  daz  sin  phleger,  sin  engel,  von  im  geschaiden 
verre  waz,  und  daz  in  der  tüfel  zü  im  gebunden  hatte  mit  sinen  banden  und  35 
niht  tet  won  als  er  wolte.  und  do  er  ze  kilchen  kam,  do  hört  er  aiu  güt  wort 
lesen  in  der  letzgen.  und  da  von  gewan  er  güten  willen  und  bekerte  sich,  und 

6.  der)  dü;  am  Rande  ist  ein  kleines  x , das  auf  das  Versehen  aufmerksam  machen  sollte. 

8.  Bilgen  — > silgliclien.  17.  sin  licrtze  fehlt:  vgl.  Z.  25,  oder  ist  einfach  sieh  tu  ergänzen? 

18.  enge/gegen.  30.  vö  ainem  güten  man  zireimal. 

9.  Eccle.  11,  7.  13.  Tob.  5,  12.  19.  aus  dem  Brevier  der  hl.  Agnes,  dem  Responsorium 

der  6.  I^esung:  ipsi  smn  desponsata,  cui  angeli  servinnt,  cuius  pulchritudinem  sol  et  luna  mirantur. 

30.  Vitae  Patrum:  Mignc,  Patrol.  Lat.  Bd.  73,  985(20). 


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48 


16.  Von  finser  vrowen  sant  Maria. 


schiet  der  tüfel  von  im  zehant,  und  kam  sin  engel  wider  zü  im  und  umbvieng 
in  vrölich  und  sin  sele  und  trukte  in  zii  im.  also  solt  du  wissen  daz  din  engel 
sich  fröwet  dines  tugentlichen  lebens  und  dines  herzen  rainnekait. 

Das  dritte  da  vor  sinen  garten  nieman  beschliessen  mag,  daz  ist  daz  tow. 
5 daz  tow  bezaichent  ünsers  herren  gnade,  reht  ze  glicher  wis  als  [37‘]  du  hitze 
der  sunnen  derret  die  blumen  in  dem  haissen  sumer,  ze  glicher  wis  derret  du 
hitze  dirre  weit  des  mentschen  hertze  an  guten  werchen  und  an  gütlicher  minne; 
und  als  daz  towe  die  schünnen  blftmen  wider  bringet  und  kület,  also  kület  die 
gnade  nnsers  herren  des  mentschen  hertze  von  der  hitze  der  bösen  weit  und  die 
io  tugent  dü  verdorret  waz  und  enkain  fruht  brahte,  so  denne  ünsers  herren  gnade 
kumet  in  daz  hertze,  so  wirt  denne  die  tugent  fruhtbar  und  grünet  an  gütlicher 
minne  gegen  ünsers  herren  gnaden,  dem  himelschen  towe  waz  ünser  vrowen 
hertze  ze  allen  ziten  offen,  won  ir  güten  gedänke  verdorretent  nie  von  der 
weite  hitze.  vor  disem  towe  ünsers  herren  gnaden  solt  du  nit  din  hertze  be- 
15  schliessen.  daz  wdre  ain  edel  bom  der  winter  und  summer  grün  wäre  und  ze 
allen  ziten  in  blümen  stünde  und  schünü  löber  hette  und  edel  [37*]  fruht  bäre! 
also  ist  daz  wol  ain  edel  hertze  daz  alweg  grün  ist  an  gütlicher  minne  und 
bh'iget  mit  tugentlichen  gedänken  und  lobet  an  süssen  Worten  und  fruht  bringet 
an  güten  werchen. 

20  Daz  vierde  da  vor  sinen  garten  nieman  beschliessen  mag,  daz  ist  vor  güten 
fründen.  swa  ain  vrowe  wäre  dü  ainen  garten  hetti  mit  gütan  krütem  wol 
smekende,  und  si  ain  fründ  hetti  der  si  umb  dü  krüter  bäte,  daz  si  im  denn 
verseti  und  iren  garten  vor  im  beschlusse:  ze  glicher  wis  stünde  es  übele  der 
künginnen  von  hymelriche  swenne  si  ain  arm  mentsch  bäte  ir  gnaden,  daz  si 
25  dem  verseiti.  won  si  ist  vol  aller  gnaden,  und  ir  herz  ist  geblümet  mit  der  ge- 
zierde  der  tagend;  wan  also  wart  si  gelobet  von  dem  engel  Gabriel,  do  er 
sprach:  ‘gegrützet  sigest  du  völlü  gnaden!'  sit  si  danne  ist  völlü  gnaden  und 
tagend,  so  wir  kain  gebresten  hant  an  tilgenden  und  an  gnaden,  so  sont  wir  si 
bitten  daz  si  ir  gnade  [37']  mit  üns  taille,  wan  si  ist  ain  brnnne  der  ze  allen 
so  ziten  über  flösset  von  gnaden  und  von  miltekait.  und  swer  si  bittet  ir  gnaden, 
dem  mag  si  nit  versagen  von  ir  miltekait. 

Dirre  garte,  ünser  vrowen  hertze,  waz  verschlossen  mit  vier  schlossen,  daz 
erst  ist  vohrte;  das  ander  ist  mägtlich  schäm;  daz  dritte  ist  gütlichü  minne;  daz 
vierde  ist  stätekait  gutes  lebens. 

35  Daz  erste  schloss  waz  ünsers  herren  vorhte;  wan  dü  behütet  den  mentschen 
vor  mängen  sünden,  als  da  stat  geschriben  daz  dü  vohrte  ünsers  herren  die  sünde 
alle  us  tribet.  wan  swer  die  vorhte  ünsers  herren  hat,  der  fürhtet  im  nit 
allaine  an  sinen  werchen  und  an  sinen  Worten,  er  fürhtet  im  och  au  sinen  ge- 
dänken und  behütet  sin  herze,  also  sprichet  her  Salomon:  ‘mentsche,  du  solt  di- 
to nes  hertzen  hüten  mit  aller  hüte’,  reht  als  du  vohrtest  ainen  schlangen  so  er  dir 

15.  wäre.  25.  mir. 

27.  Luc.  /,  28.  36.  I.  Joh.  4, 18.  3».  Prov.  4 , 23. 


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16.  Von  i'msor  vrowen  eant  Maria. 


49 


daz  höbet  bütet:  ze  glicher  wis  solt  du  fürhten  daz  angeng  des  Übeln  gedankes, 
als  da  stat  ge/’.?7‘'/schriben  daz  der  sälig  ist  der  sin  Übeln  gedenke  an  dem  an- 
geng vertribet. 

Daz  ander  schloss  da  mit  ünser  vrowen  hertze  beschlossen  waz,  daz  waz 
mägtlich  schäm;  won  si  waz  also  schämig  daz  si  von  des  engels  Worten  er-  5 
schrak,  do  er  si  grützte,  und  vohrte  daz  mit  dem  grosse  etwas  anders  ver- 
borgen wäre,  und  wart  betrübet  von  sinen  Worten,  als  in  dem  ewangelio  ge- 
schriben  stat.  do  sprach  der  engel  zft  ir:  ‘Maria,  nit  fürhte  dir!  dü  gnade  ünsers 
herren  kumet  über  dich  und  beschetwet  dich,  und  solt  erfüllet  werden  mit  der 
gnade  des  hailgen  gaistes’.  won  es  ist  etlich  mentsch  als  tugentlicher  schäm  io 
daz  es  etlich  sünde  dar  umb  lät  daz  es  gedenket:  nn  müst  du  ze  schäme  körnen 
in  der  bihte  dar  umbe.  ain  künig  hatte  ainen  sun,  der  waz  ab  ainer  statt  ge- 
gangen da  er  gesündet  hatte,  dar  umbe  der  künig,  sin  vatter,  trurig  waz.  do 
sprach  ain  herre  zü  im:  ’herre  künig,  sagent  mir  ob  er  sich  üt  [ 38 "]  schemti 
do  er  die  sünde  getet?’  do  sprach  er:  ‘ja,  er  sach  kum  die  lüt  an  vor  schäme'.  15 
nnd  do  sprach  er:  ‘herre  der  künig,  gehabent  üch  wol!  so  tüt  er  es  niemer  me’, 
‘höre  ain  güt  wort’,  spricht  ain  haiden,  hiesse  Seneca,  ‘wäre  joch  daz  daz  mir 
die  götte  min  sünde  vergäbint  und  si  die  lüte  öch  niemer  befundent,  so  wölt  ich 
doch  die  sünde  iemer  miden,  won  si  so  unrain  ist". 

Daz  dritte  schlos  da  mit  ünser  vrowen  herze  beschlossen  waz,  daz  waz  20 
götlich  minne;  won  si  hatte  ir  als  vil  daz  si  alle  die  fröde  dirre  weit  versmahet, 
als  da  stat  geschriben:  ‘daz  riclie  der  weite  und  alle  ir  gezierde  hab  ich  ver- 
smahct  durch  minen  herren  Jhesum  Christum’,  alsus  liset  man  von  sant 
Agnesun:  *mins  herren  und  mines  brütgomes,  den  ich  minne,  des  vatter  bekand 
nie  wip,  des  müter  erkande  nie  man;  so  ich  minnen  in,  so  bin  ich  küsche;  so  er  25 
mich  berüret,  so  bin  ich  raine;  so  er  mich  umbvahet,  [38* ] so  bin  ich  luter 
maget’.  also  beschiht  dem  mentschen:  so  er  Got  beginnet  minnen  und  erkennen, 
so  versmahet  er  alles  daz  uff  ertrich  ist. 

Daz  vierde  schloss  da  mit  der  edlen  künginnen  hertz  beschlossen  waz,  daz 
waz  stätekait  gfttes  lebens  untz  an  iren  tot;  won  si  gebrach  nie  trüwe  an  irem  so 
lieben  herren.  also  solt  du,  säliger  mentsche,  stäte  und  getrüwe  sin  ünserm 
herren  an  gutem  lebenn  unz  an  dinen  tut;  wan  hilfet  nit,  der  gilt  leben  an 
vahet,  volbringet  er  es  nit  untz  an  daz  ende,  als  man  liset  in  Apocalypsi  das 
ünser  herre  sprichet:  ‘bist  du  mir  getrüwe,  säliger  mentsche,  untz  an  dinen  tot, 
so  wil  ich  dir  geben  ain  kröne  des  ewigen  lebens’.  35 


10.  Fehlt  vor  won  etwa« ? Der  Übergang  ist  sehr  hart.  20.  »chlos  am  Ende  der  Zeile. 
26.  ich  fehlt.  32.  tftt  in  gilt  korr. 


&.  Luc.  1,  30.  22.  Phil.  3,  8.  24.  Vgl.  oben  S.  42  Z.  19.  »4.  Apoc.  2, 10. 

Deutsche  leite  des  Mitteln! t er?.  X.  4 


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50 


IT.  Von  simlichen  aller  h Misten  tilgenden. 


117.]  Von  8lmlicben  aller  hohsten  tugenden. 

[Suf ficit  tibi  gratia  mea,  nam  virtus  in  infirmitate  perficitur./ 

Sant  Paulus  hatte  grosse  anvehtung  und  bat  ünsern  herren  dristunt  daz  er 
im  si  ab  mime,  do  antwurt  im  unser  herre  und  sprach:  ‘la  dich  benügen  miner 
5 gnade,  wan  die  tugent  wirt  bewirt  [38‘]  in  der  not',  do  antwurt  er  im  und 
sprach:  ‘ich  wil  mich  gerne  vröwen  in  arbaiten  und  in  beswärd  durch  daz  die 

tugend  und  du  gnade  ünsers  herren  in  mir  wone’.  daz  waz  ain  grössü  tugent 

und  ain  groz  zaichen  vollekomenhait,  daz  er  sich  frowte  in  beswirde  und  in 
arbaiten.  nu  sint  sehs  tugend:  swer  die  hat,  daz  ist  daz  obrest  zaichen  volle- 
10  komenhait.  du  erste  tugend  ist  vr6de  in  beswirde;  du  ander  ist  gehorsami 

wider  den  willen;  du  dritte  ist  demütkait  in  eren;  du  vierde  ist  brest  in  vol- 

lung;  dü  fünfte  ist  miltekait  in  armüt;  daz  sehste  ist  künschi  in  jugent 

Von  der  ersten  spricht  sant  Paulus  daz  alle  tugend  vollekomen  werdent  in 
beswärde  und  in  arbaiten.  man  vindet  in  allen  den  Schriften  daz  daz  ain  groz 
15  tugent  si  der  arbait  und  not  gedulteklichen  lidet  und  nit  dar  zu  redet  und  sich 
nit  rechen  wil.  sit  daz  denne  ain  grössü  tugend  ist,  so  ist  daz  ain  vil  merü 
und  vollekomen  tugent  der  sich  des  vröwet  daz  er  wirdig  ist  arbait  und  not 
durch  Got  [ 38 "]  ze  lidenne.  nu  möhtint  ir  sprechen:  'wer  vindet  die  lute  uff 
ertriche  die  sich  des  fröwent?*  swie  man  ir  nu  laider  lützel  vindet,  doch  warent 
20  sü  etwenne  die  sich  frowten  und  mit  grosser  fröde  dar  giengent  da  si  soltent, 
arbait  dur  Got  ze  lidenne,  als  man  von  den  zwelf  botten  liset.  man  ILset  och 
von  sant  Agnesen  daz  si  mit  grosser  vröde  in  den  kärker  gie.  und  so  mau  si 
sere  martret  und  ir  daz  flaisch  ab  zoll  mit  krölen,  des  fröwet  si  sich,  daz  si  des 
wirdig  waz  daz  si  daz  durch  Got  solt  liden.  als  man  6c h liset  von  sant  Andres, 
25  der  reht  spilend  und  mit  grossen  fröde n zü  dem  erütze  gie  und  sprach:  ‘Got 
grütze  dich,  hailges  erütze!  enphahe  mich  hütent  als  gütlich  als  ich  dich,  durch 
den  der  mich  erlöste  an  dir.  si  littent  es  nit  allaine  frölich,  si  frowtent  sich 
och  des  daz  si  des  wirdig  warent  daz  si  durch  Got  arbait  und  not  liden  soltent 
si  sugent  uss  ir  grossen  bitterkait  die  [39"]  süssen  milch  und  usser  den  herten 
so  stainen  daz  süsse  honige,  als  man  liset  von  sant  Steffan  daz  im  die  herten  staine 
als  süsse  warent  daz  es  wunder  waz.  alsus  wurdent  die  hailigen  vollekomen  in 
grosser  arbait  und  in  not. 

Dü  ander  tugend  daz  ist  gehorsami  wider  den  willen,  wer  sol  mir  des 
danken  daz  ich  gehorsam  bin  der  dinge  der  ich  gerne  t&ti,  der  mich  es  joch  nit 
35  hiessi?  daz  ist  aber  vil  grössers  lones  wert  daz  ich  gütlich  gehorsam  bin  der 
dinge  die  wider  minen  willen  sint.  da  von  spricht  sant  Gregorius:  'ir  sont  ge- 
horsam sin  des  ewigen  vatters  sun  von  hymelriche’.  da  sprächet  sant  Paulus 

2.  Der  lat.  Text  fehlt.  17.  ist  am  Rande  nachgetragen.  26.  nach  erütze  rin  rotes  f. 

2.  II.  Cor.  12,  9.  25.  aus  dem  Brevier,  de m Rrsponsorium  der  3.  Lesung:  ‘Salve  ernx, 

suscipc  diftcipulum  eius,  qui  pependit  in  tc  magister  meua  Christus',  und  dem  Responsorium  der 
6.  Lesung:  ‘Salva  me,  bona  ernx,  ut  per  to  me  recipiat,  qui  per  te  me  redemit’.  37.  Phil.  2,  8. 


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17.  Von  sim  liehen  aller  hShsten  tilgenden. 


61 


daz  unser  herre  Jhesus  Christus  sinem  vatter  gehorsam  waz  untz  an  den  tot. 
nu  sprechent  ir  vil  lihte:  'er  waz  Got,  und  all  sin  tugent  warent  volkomen.’  daz 
sont  ir  wissen  daz  er  sinre  beschaidenhait  und  sinen  tugenden  nie  we  getet,  aber 
dem  willen  den  er  hatte  [39*]  von  menschlicher  nature,  und  sinre  mentschait 
tet  der  tot  und  du  marter  also  we  so  ie  kaim  mentschen.  won  daz  sprichet  5 
sant  Johans  daz  er  von  rehter  angest  switzte  blütigen  swais,  und  bat  er  sinen 
vatter:  *si  es  din  wille,  so  erla  mich  dirr  marter,  also  daz  din  wille  an  mir 
werde  erfüllet’,  alsus  sont  wir  lernen  gehorsam  sin  untz  an  den  tot,  als  an  der 
regel  geschriben  stat.  so  man  gehorsami  lobet,  so  sprichet  man:  'ich  tün  anthais 
und  gelob  gehorsami  untz  an  minen  tot’,  disen  anthaisse  sont  Tvir  ünserm  herren  io 
stät  lan  untz  an  unser  ende,  und  sont  unser  maisterschaft  gehorsam  sin  an  unsere 
herren  stette.  doch  sont  wir  uns  selben  nit  töten  in  gehorsami;  wir  mugent  aber 
ünsem  lip  wol  wagen,  doch  also  daz  wir  uns  bas  vereehent  ze  genesenn  denn 
ze  sterbenne. 

Dü  drit  tilgend  daz  ist  demütkait  in  eren.  demütkait  ist  ain  grössü  tugent  15 
an  allen  lüten,  doch  ist  [39“]  es  vil  löblicher  an  edlen  lüten  und  an  den  lüten 
die  wol  ere  möhtint  han  und  daz  länt  durch  Got,  denn  an  den  lüten  die  nit  so 
gross  warent  an  der  weit,  swie  nieman  reht  edel  ist  vor  Gotte  won  der  tugent 
hat,  so  ist  es  eht  also  her  komen  von  der  weite  daz  ain  mentsche  edler  ist  von 
geschlähte  denn  daz  ander;  und  daz  sich  der  demütiget,  daz  ist  vil  löblicher  20 
denne  von  aim  andern  daz  nit  als  edel  ist.  won  aim  ieglichen  mentschen  ge- 
zimet  nit  so  wol  so  daz  er  tügi  dar  nach  als  es  denne  sol.  aim  gaischlichen 
mentschen  gezimet  wol  ain  böser  rok  und  bösü  klaider,  und  ist  vil  erlicher  daz 
er  sich  deraütege  in  allen  sinen  sitten  denn  daz  er  hohfertig  würe;  won  des  hat 
er  gröser  laster  denn  daz  er  sich  selber  verwurfi.  doch  geschiht  es  dike  an  25 
den  tugenden  daz  ainü  fürbas  ist  denn  dü  ander,  und  an  kunst  und  an  andren 
dingen:  daz  sich  der  mentsch  demütget,  daz  ist  aber  denn  grösser  denn  [39“] 
von  aim  andern. 

Dü  vierde  tugent  ist  gebrest  in  völli.  wer  sol  aim  danken  daz  er  ge- 
bresten  hat,  der  nit  andere  haben  mag?  aber  in  trüwen,  dem  sol  man  wol  30 
danken  daz  wol  haben  mag  waz  es  lüstet,  und  daz  denne  willeklich  und  güt- 
lich durch  Got  lät 

Daz  fünfte  ist  miltekait  in  armüt.  und  daz  daz  ain  gröz  tugent  ist,  des 
hant  wir  urkünde  in  dem  ewangelio:  do  die  juden  ainest  opher  brahtent  zü 
Jerusalem,  do  waz  ünser  herre  öch  da  mit  sinen  jungem,  und  waz  daz  groz  35 
oppher:  ainer  ophert  zehen  mark,  ainer  aht  mark,  und  ieglicher  als  er  denn 
wolte.  ze  jungest  kam  ain  ärmü  witwe  und  ophert  zwen  helbling.  do  sprach 
unser  herre:  ‘sehent,  dü  frowe  hat  me  geophret  denn  alle  die  hüt  her  kament’. 


4.  den.  22.  es  am  Rande  nachgetragen.  25.  seber. 


7.  Die  Stelle  entstammt  nicht  dem  Evangelisten  Johannes,  sondern  Luc.  32,  44. 
SS.  Luc.  21, 3;  Marc.  12,  41. 

4* 


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52 


17.  Von  simliclien  aller  hAhsten  tagenden. 


do  sprach  unser  herre:  'ir  ieklicher  gab  des  er  ze  vil  hatte,  aber  disü  vrowe  gab 
alles  daz  si  hatte’,  und  da  von  ist  / 40 a]  es  grösser  von  ir  denn  von  inen,  dis 
höret  weltlich  lüt  an,  doch  so  ist  es  ainer  hande  gaischlich  armüt.  und  die 
sont  öch  milt  sin,  won  da  stät  geschriben  daz  die  hailig  sint  die  armes  gaistes 
5 sint,  wan  daz  hymelrich  ist  ir.  daz  sint  die  an  in  selben  erkennent  grossen  ge- 
bresten  an  tugenden,  und  doch  des  si  hant,  daz  si  daz  enander  taillent  und  für 
sü  bittent  und  sprechent:  'herre  Got,  swie  arm  ich  nu  bin  an  sälden  und  an 
tugenden,  und  swie  wol  ich  bedörfti  daz  ich  für  mich  selben  bäti,  herre,  so  wil 
ich  dich  doch  bitten  daz  du  im  die  gnfid  gebest',  und  sol  also  sin  gebet  mit  im 
io  taillen:  daz  ist  milti  in  gaischlicher  armüt 

Dü  sehste  tugent  ist  künschi  in  jugent  weiter  kaibe  solte  aim  alten  man 
und  ainer  alten  baben  geben  dank  daz  sü  künsch  sint?  sü  enmugent  doch  nit 
mere.  doh  ist  es  gilt  an  allen  den  lüten.  doch  ist  es  vil  löblicher  an  jungen 
lüten  denn  an  den  alten  [40*]  lüten,  dis  lobet  öch  ünser  herre  und  sprichet: 
15  ‘min  tohter  ist  als  der  lyli  under  den  dornen’,  es  ist  vil  löblicher  swa  ain 
schönne  lylie  stat  unversert  under  den  dornen:  ze  glicher  wis  ist  es  umb  die 
tugent  waz  sint  die  dorne?  daz  ist  nit  wan  der  strit  den  ain  junger  mentsch 
han  müss  in  dirr  weite,  daz  es  sinen  üb  und  sin  hertze  rainneklich  behüte;  won 
von  nature  so  ist  naiswas  in  dem  mentschen,  so  joch  daz  hertze  vil  rain  ist  und 
20  nit  der  mit  hat  ze  tünne,  daz  doch  alleweg  raitzet  den  mentschen  zü  den 
Sünden,  swie  vil  aber  des  der  mentsch  hat  an  libe  und  an  hertzen,  daz  kan  im 
alles  nit  geschaden  alle  die  wile  untz  daz  sin  wille  dar  zü  nit  kumet,  won  so 
wirt  sin  lön  und  sin  kröne  da  von  alle  weg  gemeret. 


[18.]  Ton  des  lebens  ordenung. 

25  [Dominus  dives  in  omnes,  qui  invocant  eum.] 

In  dem  ewangelio  stat  geschriben  daz  ünser  herre  rieh  isf  an  ende,  im  ge- 
bristet  endes  an  zwain  dingen,  an  güti  und  an  lengi.  im  gebristet  endes  an  güti, 
won  er  ist  güt  äne  [4(f]  ende  und  an  masse,  und  hat  nit  endes  an  ewekait.  des 
mag  der  sälig  mentsch  sich  wol  vröwen,  der  tugentlich  uff  ertrich  lebet,  daz  sin 
so  vröde  iemer  sol  ewig  sin.  wan  üser  herre  git  dem  säligen  mentschen  zwo  gna- 
den: tugentlich  leben  und  dar  nach  daz  ewig  rieh;  won  daz  muss  iemer  vor  gan: 
güt  leben  und  reht  leben,  und  dar  nach  die  ewige  vröde.  nu  taillent  dis  leben 
uff  ertrich  in  drü!  sant  Bernhart  hat  üns  dis  leben  uff  ertrich  wol  geordnet,  er 
spricht:  ‘ich  wAne  des  wol,  swer  alsus  lebet,  daz  der  rehte  lebet:  ordenlich  an 
35  sinem  lebenn  und  gaischlich  mit  den  lüten  und  deraütküch  vor  Got’. 

1.  Da«  zweite  do  sprach  vnsor  herre  ist  vielleicht  zu  streichen,  entsprechend  der  Vulg.;  dock 
lielte  sich  die  Wiederholung  auch  dadurch  erklären,  dafl  nach  kament  eine  Frage  der  Veneundrrung 
von  «eiten  der  Jünger  folgte,  auf  die  der  Herr  wiederum  antwortete.  8.  «eben.  11.  weiter. 

25.  Der  lat.  Text  fehlt.  29.  sich  fehlt.  35.  sinem  lebenn]  im  selben  ? vgl.  S.  53  Z.  1 und 
8.  5.5  Z.  34.  

4.  Matt.  5,  3.  15.  Cant.  2,  2.  25.  Rom.  10, 12. 


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18.  Von  des  leben»  ordenung. 


53 


Ordenlich  an  im  selben;  den  orden  rilltet  der  mentscli  swa  der  knmber  ist 
du  solt  ordenlich  sin  an  dinen  gedenken,  daz  du  an  Got  und  an  tugentlichü 
ding  gedenkest  und  mit  ordenlichen  und  güten  gedänken  umb  gangest.  die  lüt 
sint  unordenlich  an  iren  gedänken  [4  CP]  die  üppig  ged  Anke  haut  und  ir  hertze 
f&rent  mit  üppigen  gedänken;  die  waident  ir  herze  an  ainer  bösen  waide.  die  5 
lüt  die  sich  aber  waident  an  Got  und  an  tagenden  und  an  nützen  gedenken,  die 
fürent  ir  hertze  an  ainer  güten  waide.  der  mentschen  hertzen  sint  unordenlich 
die  vigentschaft  tragent  wider  ieman.  etlich  mentschen  sint  als  übel  und  als 
Übels  willen,  und  blägent  sich  umb  ain  klain  ding,  swie  vil  ain  mentsch  dem 

andern  Übels  tüt,  so  sol  es  im  doch  holt  sin  und  sol  im  wol  tün.  es  ist  aber  io 

ain  stärkü  regel  daz  du  dem  solt  holt  sin  der  dir  übel  tüt.  mag  öch  dü  minne 
nit  so  süsse  sin  als  engegen  dem  der  dir  wol  tüt,  so  müz  si  doch  also  sin 

daz  du  im  nit  Übels  gunnest.  dar  nach  solt  du  ordenlich  sin  an  dinen  Worten. 

der  ist  ordenlich  an  einen  warten  der  alweg  gütes  redet,  da  von  man  ge- 
bessret  wirt  und  nit  gebösret,  und  der  da  redet  da  er  m[41mJim  sol  und  15 
da  sin  rede  nütze  ist,  und  an  der  statt  swiget  da  er  swigen  sol.  aber 
etlich  lüte  kerent  daz  hinder  her  für  und  redent  da  si  swigen  soltent,  und 
swigent  da  si  reden  soltent  und  da  es  nütz  wäre;  daz  ist  nit  ordenlich.  man  sol 
da  reden  da  man  reden  sol  und  da  es  güt  ist,  und  sol  da  swigen  da  man  swigen 
sol  und  da  din  red  unnütz  si.  die  lüt  sint  öch  unordenlich  an  irn  Worten  die  20 

ains  redent  mit  den  Worten  und  ain  anders  hant  in  dem  hertzen.  ünser  herre 

sprichet  in  dem  ewangelio:  ‘Allü  üwrü  wort  sont  sin  ja  ja,  nüt  nüt’.  daz  ist  als 
vil  gesprochen:  so  du  ja  sprichcst  mit  dem  munde,  daz  dir  öch  daz  in  dem  her- 
zen ja  si;  und  so  du  nit  gehest  mit  den  Worten,  daz  dir  öch  denn  nüt  si  in  dem 
hertzen.  daz  ist  wider  den  lüten  gesprochen  die  anders  redent  denn  inen  in  dem  25 
hertzen  si.  etlich  lüte  gent  die  schönsten  rede  [41l]  und  die  besten  rede  von 
der  weite,  und  ist  in  aber  gar  enanders  in  dem  hertzen,  und  gent  den  lüten 
mit  bedahten  Worten  ze  erkennenn  daz  es  doch  nit  also  ist,  und  went  dar  an  nit 
unreht  lian  geseit  die  lüte  hant  ain  böse  kündkait,  es  ist  aber  den  lüten  sünde. 

si  gelichent  sich  den  lüchsen,  die  hant  öch  vil  kündekait.  die  lüt  sint  öch  un-  so 

ordenlich  an  iren  Worten  die  übellichü  wort  sprechent,  da  von  man  betrübet  wirt. 
hetti  ain  man  aim  andern  manne  ain  phunt  oder  fünf  Schilling  genomen  oder  als 
es  denn  wäre,  und  käme  der  ze  bihte,  so  sprichet  der  bihter:  ‘du  solt  es  wider 
gen  oder  din  wirt  niemer  rät’,  sit  denne  enwenig  phenning  und  zerganklich  güt 

1.  den  orden  ...  ist  scheint  verderbt ; Boethe  mutmaßt,  da/1  etwa  dagestanden  hat:  dri  ordeu- 
licheit  hat  der  mentsch  swa  der  himelber  ist,  oder  etwas  Ähnliches.  2.  Nach  gedenken  hat  die 
Hs.:  dv  solt  ordPlich  leben  an  dinen  werchen,  was  erst  unten  S.  54  Z.  7 ausgeführt  wird. 
Die  Worte  Hellen  sich  hier  höchstens  so  erklären , daß  in  der  Vorlage  zunächst  die  kurze  Aufzählung 
der  drei  Punkte  folgte.:  ordentlich  an  Oedanken , Worten,  Werken,  und  dann  der  erste  Punkt  aufge- 
nommen wurde;  dann  wäre  aber  ein  den  Worten  gewidmetes  Sätzchen  ausgefallen,  und  hinter  werchen 
der  Übergang  zu  den  gedenken.  8.  vigeuthaft.  14.  Vor  der  ist  durch  Homöoteleuton  aus- 
gefallen: der  ist  ordenlich  an  sinen  worten.  20.  din]  diu  f 23  ja  fehlt. 

22.  Matt.  5,  37. 


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54 


18.  Von  de«  leben«  ordcnung. 


der  mentsch  sol  wider  gen,  so  ist  es  vil  billicher,  der  dem  andern  ünsern  herren 
usser  sim  hertzen  nimet  mit  üblen  und  mit  übellichen  Worten,  daz  in  der  wider 
gebe,  won  es  kumet  dik  also,  so  ain  mentsche  ünsern  herren  hat  in  sim  herzen, 
daz  in  im  ain  anders  usser  si[41']nem  hertzen  nimet  mit  üblen  Worten,  nu 
5 mugent  wir  ünsern  herren  nit  wider  geben  wTon  mit  zwain  dingen : daz  wir  och 
Got  bittent  daz  er  im  sin  gnad  wider  geb,  ob  es  si  von  ünsren  schulden  ver- 
lorn  habe,  dar  nach  sont  wir  ordenlich  leben  an  ünsren  werchen,  daz  wir  üns 
also  haltent  in  allen  ünsren  werchen  daz  nieman  von  üns  gebösret  werde  und 
allweg  gebessert. 

io  Da  nach  sont  wir  gaischlichen  leben  mit  den  lüten.  daz  ist  als  vil:  swaz  du 
wissest  daz  dim  eben  cristen  lait  si,  daz  du  daz  nit  tügist.  Thobyas  git  üns  ain 
regel  und  sprichet:  'swaz  dir  lait  wäre  daz  man  dir  täti,  daz  ensolt  du  nieman 
tün’.  so  sprichet  ünser  herre  ain  anders  da  wider  in  dem  ewangelio:  'swaz  du 
wellist  daz  man  dir  tüge,  daz  tü  öch  dim  eben  mentschen'. 

15  Dar  nach  sont  wir  demfttklich  leben  vor  Gotte;  won  es  enhulfe  anders  nüt 
allessament,  wir  enlebetint  denne  demütklich  vor  Gotte,  won  als  daz  für  wirt 
behalten  in  der  Aschen,  also  werdent  [41*]  alle  tugent  behalten  in  der  demütkait; 
und  als  daz  für  gerne  erlöschet  an  die  Aschen,  also  verlüret  der  mentsche  sin 
tugend  äne  demüt.  sant  Bernhart  sprichet:  'ich  bin  des  wol  gewar  worden  daz 
2«  nit  so  güt  ist  ze  gewinnenn  die  gnade  der  ir  niht  hat,  so  zegehaltenn  der  si 
hat,  und  ze  vindenn  der  si  verlorn  hat,  so  daz  der  mentsch  allweg  in  vohrte  si 
und  in  demütkait  vor  Got  wandle,  won  nach  disem  lebenn  gat  daz  ewig  leben’. 

Bi  der  ewekait  merket  man  daz  der  mentsch  nit  me  Sünden  mag  so  er  ze 
hymelriche  kumet  won  wäre  daz  der  mentsche  da  sünde  täte,  daz  vertrüge 
25  ünser  herre  niemer,  er  stiessi  den  mentschen  usser  dem  hymelriche.  und  daz  ist 
ain  vrage  under  den  maistern  wa  von  daz  si  daz  der  mentsche  hie  uff  ertriche 
sich  von  Gotte  mag  geschaiden  mit  ainer  höbt  sünde,  und  so  aber  der  mentsch 
erstirbet  und  ze  hymelriche  kumet,  daz  er  denn  enhain  sünde  mag  getün  dü  es 
von  [42*]  Got  mug  geschaiden.  es  ist  von  drin  Sachen  daz  dü  sei  niemer  von 
so  Got  geschaiden  mag:  es  ist  öch  von  nature  und  von  gnaden  und  von  fröden. 

Dü  erst  ist  von  nature;  won  swa  sich  daz  gaischlich  dinge  zü  ainem  male 
hin  keret,  da  ist  es  iemer  hin  keret.  daz  mag  man  wol  merken  an  den  engein. 
die  da  nit  vielent,  die  kertent  sich  als  gäntzlich  zü  Gotte  daz  nit  an  in  was 
won  daz  sich  an  in  kerte;  und  kertent  sich  als  gar  von  allen  dingen  daz  si  mit 
S5  enkaim  ding  enkain  geschäft  hant  won  mit  Gotte,  und  also  si  Got  kerte  do 
er  si  geschüf,  also  sint  si  iemer  me  gekeret.  und  aber  die  engel  die  da  vielent, 
die  kertent  sich  als  gäntzlich  von  Gotte  das  nit  an  inen  waz  won  das  sich  von 
im  kerte;  und  kertent  sich  als  gäntzlich  von  im  daz  si  ankain  geselulfte  mit  im 
hant.  gaischlichü  nature  ist  also:  swa  si  bi  dem  [42*]  ersten  hin  wirt  bekeret, 
40  da  ist  sie  iemer  hin  bekeret.  won  si  keret  sich  als  gäntzlich  sw'a  si  sich 

5.  In  der  Ausführung  der  zwei  dinge  fehlt  die  Behandlung  einet  Punkte».  35.  enkaim. 

11  .Tob.  4, 16.  13  .Matt.  7, 12. 


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18.  Von  de»  leben»  ordennng. 


65 


hin  kert,  daz  nit  an  ir  belibet  wan  daz  sieb  denne  keret.  und  da  von  won  uns 
Got  von  zwain  naturen  hat  ze  samen  gefüget,  von  gaischlicher  nature  und  von 
flaischlicher  nature  — won  der  üb  ist  von  flaischücher  nature  — und  da  von  sint 
wir  unstAte.  so  wir  hüt  gut  sint,  so  sint  wir  morn  böse;  und  so  wir  hüt  bös  sint, 
so  sint  wir  morn  giit.  hüt  minnent  wir  Got  vil,  morn  minnent  wir  in  klein.  5 
und  so  du  sele  und  daz  bertze  sich  kert  zü  Got,  so  ist  noch  me  an  uns  daz  sich 
von  im  keret,  daz  ist  der  üb;  won  dü  sele  wil  allweg  zü  Got,  so  zühet  aber  der 
- lib  allweg  her  wider,  und  da  von  mugent  wir  nit  stAte  sin.  und  so  aber  dü  sele 
zft  Gotte  kumet  in  hymelriche,  wan  si  denn  gar  gaischüch  ist,  so  kert  si  sich  zü 
Got  als  gantzlich  daz  si  sich  niemer  von  im  geschaiden  mag.  [421]  io 

Daz  ander  ist  von  gnaden,  wie  ain  phal  wAr  ewig,  und  der  denn  ain  kettenn 
dar  an  bunde  dü  och  ewig  wAre,  und  denne  ain  ding  an  die  kettennen  bunde 
daz  och  ewig  wAre:  daz  geschiede  sich  niemer  von  enander.  ze  glicher  wis  ist 
es  umb  Got  und  umb  die  sele.  Got  der  ist  ewig,  und  sin  minne  dü  ist  öch  ewig, 
und  dü  sei  ist  öch  ewig,  so  wirt  Got  und  dü  sele  ze  samen  gebunden  mit  dem  15 
ewigen  bande  der  minne,  won  sant  Paulus  sprichet:  ‘dü  minne  zergat  niemer’, 
so  wirt  dü  sei  von  gnaden  zü  Got  gebunden,  won  sin  minne  ist  nit  anders  won 
sin  gnade,  und  da  von  won  Got  ewig  ist  und  öch  dü  sei  ewig  ist  und  öch  daz 
band  ewig  ist  — sin  gnade  und  sin  minne  da  mit  Got  und  dü  sele  zesamen 
werdent  gebunden  — , da  werdent  si  niemer  geschaiden ; won  dü  sei  ist  von  ünsers  20 
herren  gnaden  zü  Got  gebunden,  daz  si  niemer  von  Gotte  mag  geschaiden. 

Daz  dritte  ist  von  vröden.  daz  [42d]  sich  dü  sei  nit  geschaiden  mag  von 
Gotte,  daz  mugent  ir  wol  merken  da  bi:  gat  der  mentsche  abe  ainer  statt  an  die 
andren,  daz  tut  es  dar  umbe  daz  es  da  wAnnet  me  rüwen  vnd  vröde  vinden  dar 
es  wil,  denne  dannen  es  gangen  ist  sint  die  lüte  in  aim  bongarten  der  schön  25 
ist,  so  sprechent  si:  'wir  sont  aber  fürbas  gan  in  ain  der  noch  schöner  ist’,  gat 
ain  knehte  von  sim  herren  zü  aim  andern,  daz  tüt  er  dar  umbe  daz  er  im  baz 
kumet;  kürtzüch  die  lüte  verwandlent  niemer  ir  statt  won  daz  si  da  me  vröden 
und  rüwe  wAnent  vinden  dar  sü  kerent,  denne  dannen  sü  sint  komen.  und  so 
aber  dü  sele  ze  hymelriche  kumet  und  Got  under  sin  antlütz  sihet,  so  waiss  si  so 
wol  daz  si  niena  so  vil  ganzer  vröde  und  ganzer  rüwe  vindet  so  an  Got,  und 
waiss  wol,  swa  si  hin  kerte,  daz  si  da  nit  so  vil  vröden  funde  so  an  Gotte,  und  da 
von  verwandelt  si  ünsern  herren  niemer  und  geschaidet  sich  niemer  von  im.  [43°] 

Nu  helf  üns  Got  daz  wir  uf  ertrich  als  ordenlich  gelebent  an  üns  selben  und 
als  gaischüch  mit  den  luten  und  als  demütklich  vor  Gottes  antlüt  daz  wir  en-  35 
phahent  daz  ewig  riebe  ünsers  herren. 

[19. ] Von  ralnkait  und  von  girde. 

Ain  güt  mentsch  bedarf  wol  zwaiger  ding,  daz  erst  ist  rainkait  des  hertzen, 
daz  ander  girde  güter  ding. 

7.  im]  fing. 

16.  1.  Cor.  13,  8. 


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66 


19.  Von  rainkait  und  von  girde. 


ln  zwo  wise  sol  man  daz  hertze  rain  machen,  ob  es  unrain  ist  worden:  mit 
ünsers  herren  helfe  und  mit  des  mentschen  arbaite.  mit  ünsers  herren  helfe:  mit 
dem  applas  in  der  bihte.  daz  ist  dem  mentschen  ain  klaiuü  wisse  und  hat  die 
kraft  doch  daz  es  dem  mentschen  sin  sünde  ab  nimet  mit  sin  selbes  arbait,  won 
5 ain  wisse  vertribet  die  ander,  aber  daz  hertze  daz  rain  ist,  daz  daz  in  siner 
lutri  belibe  und  lutrer  werde,  daz  beschit  mit  zwain  dingen:  mit  vermiden  und 
mit  tünne.  wan  untugent  sol  man  rügen  mit  vermidenn  14.TJ  in  zwo  wis:  bi  dem 
ersten  du  ding  du  der  mentsch  Got  entbaissen  hat;  dar  nach  du  ding  die  dem 
mentschen  Got  gebotten  hat.  mit  tünne  Och  in  zwo  wise:  von  des  mentschen 
io  Hisse  und  von  gdter  bischaft.  von  sim  Hisse  und  von  siner  beschaidenhait:  swaz 
er  giites  mag  getan,  daz  er  daz  tügi;  von  guter  bischaft  also:  swaz  es  an  aim 
andern  sehe  gutes,  daz  es  sich  dar  nach  bilde  und  sich  ordne,  nach  den  süligen 
die  ietzont  lebent,  und  Och  nach  den  hailgen  die  liinnan  sint  geschaiden. 

Daz  ander  des  ain  gut  mentsch  wol  bedarf,  daz  ist  girde.  vier  begerung 
15  sint  in  der  sele,  daz  ist:  girde,  vohrt,  liep  und  lait.  die  sont  allüsament  be- 
wegenlich  sin  gegen  Got.  unser  herre  gelobet  und  tröwet  und  git  und  tut  er 
gelobet  uns  die  ewigen  vröde;  er  trOwet  uns  zü  der  ewigen  wisse;  er  git 
uns  täglich  mit  siner  güti;  er  tut  uns  täglich  mit  den  üblen  ziten  die  wir  müs- 
sent  liden  [43‘]  in  dirre  weite,  unser  girde  sol  geraitzef  sin  von  den  dingen 
20  die  er  uns  gelobet  hat;  wir  sont  forhte  han  zü  den  dingen  zü  den  er  uns  ge- 
ordnet hat;  liebi  gegen  den  dingen  die  er  üs  geben  hat;  lait  engegen  den 
dingen  die  er  uns  tut.  hie  von  sprichet  sant  Bernhart:  'daz  herze  ist  ze  herte 
daz  nit  gelindret  wirt  von  ünsers  herren  güti  noch  nit  erklupphet  von  der  ewigen 
wisse  noch  nit  berihtet  wirt  von  den  üblen  ziten  noch  nit  gelihtret  wirt  von  den 
25  künftigen  dingen  oder  frOden '. 

Lob  und  ere  und  dank  si  dem  an  dirre  collacione  der  vol  ist  güti  und  wiss- 
hait  und  aller  süssekait;  der  helfi  üns  daz  wir  ünser  hertze  also  rain  machent 
und  also  luter  behütent  daz  wir  in  werdent  sehend  in  siner  überflüssiger  süsse- 
kait. amen. 


so  [20. ] Ton  unser  vrowen. 

Qui  creavit  me,  requievit  in  tabernaculo  meo  et  dixit  mihi:  in  Jacob  in- 
habita. 

Dü  höh  küngin  von  hy/'-^.?d/melriche , Gottes  rnüter,  dü  sprichet  disü  wort 
und  lobet  sich  da  mit  und  sprichet:  ‘der  mich  geschüf,  der  riiwet  in  mim  gezelt 
S5  und  leret  mich  daz  ich  woneti  in  Jacobes  gezelt,  und  min  erb  sol  sin  in  Israhel 
und  min  wurze  sol  ich  zerlan  under  min  erwelten’. 

Nu  sont  ir  merken  an  dem  ersten  wort  daz  si  sprach:  'der  mich  geschüf’, 
da  mit  rümet  si  sich  daz  er  si  so  reht  wol  geschaffen  hatte  und  als  wirdeklicli, 
und  rümet  sich  ir  schöni  und  ir  minneklichL 

1.  zwo]  vier,  tcas  ein  Vergehen  sein  mu/i.  19.  geraitzen.  2S.  sehend  am  Bande. 

31.  Eccli.  34, 13. 


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20.  Von  unser  vrowen. 


67 


An  dem  andern  Worte  daz  si  sprächet : 'er  rüwet  in  mim  gezelte’,  dar  an 
rüraet  si  sich  daz  si  daz  gezelt  waz.  nu  sont  ir  merken  daz  drier  hand  lüte 
rüwent  in  gezelten.  daz  erste  sint  zart  lüte  und  vehtend  lüt  und  hirten.  in  die 
selben  dri  wis  rüwet  unser  herre  bi  siner  lieben  müter.  daz  mugent  ir  wol 
merken  an  andren  hailgen  selan,  bi  den  [44°)  unser  herre  als  reht  gütlichen  5 
rüwet  und  mit  den  als  lieplich  wonte:  ‘daz  ist  mir  ain  rehtü  wunne  und  ain 
völlü  rüwe  da  ich  und  du  sülig  sei  rüwe  und  vröde  bi  enander  habent’.  dar  an 
mugent  ir  merken  daz  unser  herr  zärtlich  und  gütlich  wonet  bi  siner  rainnen 
müter  sant  Marien,  er  rüwet  bi  ir  och  als  ain  striter;  won  er  wolt  an  ainen 
starken  strit.  da  wolt  er  als  tegenlich  striten  daz  er  sere  äne  masse  wunt  wart,  io 
dirr  stark  strit  waz  der  bitterlich  tot.  mit  sim  tot  gewan  er  wider  an  dem 
crütze  alles  menschliches  künne,  daz  waz  im  benomen  vil  bi  sehs  tusent  jar; 
daz  gewan  er  wider  an  dem  strite.  es  waz  ain  herter,  grosser  strit,  da  Jhesns 
Christus  verlor  sinen  künklichen  lip.  er  tote  an  uns  den  ewigen  tode  mit  sim 
tode.  do  Gottes  sun  an  disen  strit  wolt  gan,  do  rüwet  er  in  dem  edlen  gezelt,  is 
in  siner  rainnen  müter  [44° J lip,  und  wüffent  sich  in  dem  gezelt  mit  der  rainnen 
mentschait,  die  er  an  sich  nam  von  ir.  er  rüwet  öch  in  disera  gezelt  als  ain 
hyrte.  daz  ünser  herre  Got  si  ain  hyrte,  daz  sprichet  er  selber  in  dem  ewan- 
gelio:  ‘ich  bin  ain  hyrte  güt  nnd  hüte  miner  schüfe  und  han  min  sele  gesetzet 
für  minü  sch&f’.  20 

Nu  sont  ir  merken  daz  dritte  wort  daz  si  sprichet:  'er  leite  mich  daz  ich 
wonte  in  Jacobes  gezelt’.  dar  an  sont  ir  merken  daz  er  hiess  und  leite  daz  si 
wäre  ain  ringerin  uff  ertriche.  Jacob  daz  sprichet  ‘ain  ringer’,  und  daz  er 
si  hiess  daz  si  wonte  in  Jacobes  gezelt,  da  mit  ist  es  gemainnet  daz  er  si  hiess 
daz  si  ain  ringerin  wäre,  und  daz  si  ringen  solti  mit  der  weite  und  daz  hymel-  25 
rieh  mit  arbaiten  gewinnen. 

Nu  sont  ir  merken  daz  si  sprach:  ‘min  erbe  sol  sin  in  Israhel’,  daz  sprichet 
‘die  Got  sehent’.  daz  sol  ir  erbe  sin  daz  si  Got  ewklich  sol  an  sehen;  won 
ünser  herre  Got  der  wil  selber  ir  lön  sin  und  [44‘]  ir  rehtes  erbe  in  hy- 
melriche.  so 

Dar  nach  merkent  daz  fünfte  wort  daz  si  sprichet:  ‘min  wurtze  sol  sich 
zerlassen  under  min  erwelten’.  an  dem  worte  sont  wir  merken:  ir  miltkait  und 
ir  gnade  dü  sol  sich  zerlassen  under  die  die  ir  dienent.  ir  miltekait  und  ir 
gnade  ist  also  gross  daz  si  öch  erbürmed  hat  über  die  lüte  die  si  nit  gnaden 
und  erbärmd  bittent;  won  also  liset  mau  von  ir  daz  si  ist  milt  und  ain  35 
müter  der  erb&rmd.  si  hat  nit  allaiue  erbürmde  über  die  die  ir  dienent,  si 
erbarmet  sich  öch  über  die  die  an  gnade  sint,  und  bittet  für  sü  iren  lieben 
gun,  ünsern  lieben  herren  Jhesum  Christum. 


21).  ffi.  2S.  und  zweimal. 


6.  Vor  duz  scheint  der  Text  etwas  ausgelassen  zu  haben;  zu  ergänzen  ist  etwa : daz  er 
pricbet.  19.  Joan.  10, 11. 


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58 


21.  Von  dem  hailgen  gaist. 


[21 J Von  dem  hallgen  gaist. 

Der  hailig  gaist  ist  in  der  sele  in  dri  wis.  er  kumt  als  ain  für.  reht  ze 
glicher  wis  als  daz  für  lind  ding  ücrtir  machet  und  hertü  ding  linde,  also  tüt 
dü  gnade  des  hailigen  gaistes.  si  machet  daz  hertze  herte  daz  e linde  waz  zu 
5 bewe/’-fJ'Vgenne  und  zü  hohfart  und  daz  lihte  möht  beweget  werden  von  des 
libes  wolnust.  daz  herze  daz  da  linde  waz,  daz  wirt  denn  herte  von  der 
gnade  des  hailgen  gaistes  under  allem  dem  gütlichen  geschüfte  und  den  dingen 
dü  daz  mentsch  mugent  bewegen,  daz  wirt  denn  herte.  daz  hertze  daz  e herte 
waz  zü  Gottes  dienste  und  zu  allen  guten  dingen,  daz  wirt  och  linde  von  dem 
io  füre  des  hailgen  gaistes,  daz  es  gern  Gotte  dienet  mit  güten  werchen  nnd  mit 
allen  tugenden.  daz  für  hat  die  tugend  das  es  nieman  beschliessen  mag;  won 
swa  für  ist,  da  ist  es  unverborgen,  also  ist  och  dü  gnade  des  hailgen  gaistes; 
swa  dü  ist,  da  enmag  man  si  nit  verbergen,  in  swelem  hertzen  daz  für  des 
hailgen  gaistes  ist  enbrunnen,  da  enmag  man  daz  für  nit  beschliessen.  man  mag 
is  es  wol  merken  an  des  mentschen  werchen  uswendig  daz  daz  für  [45 ‘J  der 
gnaden  ist  enbrunnen  in  dem  hertzen. 

Der  hailig  gaiste  ist  öch  in  der  sele  als  ain  schünes  lieht,  daz  lieht  ent- 
lühtet  die  vinstri  und  zaiget  den  weg,  daz  sich  der  mentsche  erkennet,  und 
erfröwet  öch  den  mentschen.  ze  glicher  wis  tüt  öch  der  hailig  gaist  in  der 
20  sele.  er  entlühtet  daz  hertze  und  die  sele.  dü  vinstri  der  Sünden  dü  wirt  ent- 
lühtet  von  dem  lieht  des  hailgen  gaistes,  und  wirt  dü  sünde  verstossen.  und  dü 
sele  entlühtet  daz  lieht  des  hailgen  gaistes,  und  zaiget  öch  der  sei  den  rehten 
weg  zü  der  hymelschen  Jerusalem  und  wiset  si  üllü  gütü  ding,  und  git  ir  daz 
lieht  ze  erkennen,  wie  si  wider  ir  schepher  gelept  het  und  wie  si  daz  nu  wider 
25  leben  sol  mit  tugentlichem  lebenne.  daz  lieht  des  hailgen  gaistes  fröwet  och  die 
sele.  reht  ze  glicher  wis  als  daz  vögelli  von  dem  morgen,  so  der  tag  uf  gät, 
also  wirt  dü  sele  erfröwet  von  dem  tage  des  hailgen  gai/’Joystes.  so  der  tag 
uf  brichet  in  der  sele,  so  wirt  si  entlühtet  und  gewinnet  ain  minneklich  fröde 
mit  dem  hailgen  gaist 

so  Der  hailig  gaist  ist  öch  in  der  sele  als  ain  brunne.  der  küle  brunne  der 
löschet  den  durstigen;  der  mentsch  besiht  sich  och  in  dem  brunnen;  der  mentsch 
wüschet  sich  in  dem  brunnen.  ze  glicher  wis  tüt  öch  dü  sele,  so  der  edel  gaist 
in  si  geflüsset  der  hailig  brunne,  der  süsse  brunne  der  löschet  den  durst  daz 
ist  also:  die  hitze  und  den  durst  dirr  brennenden  weit  den  löschet  der  hailig 
35  gaist  an  den  mentschen.  dü  sele  besiht  sich  öch  in  dem  lutren  brunnen  des 
hailgen  gaistes.  si  ersiht  ir  antlüt,  wie  oder  wa  si  daz  hat  verwiert  mit  den 
Sünden,  und  erkennet  sich  des  ze  rüwe,  ze  bihte  und  ze  büsse.  si  sitzet  öch 
über  den  brunnen  und  versiht  den  schaden  der  ir  geschaden  mag  von  ir  vienden, 


3.  ding  bertir]  martir.  5.  Nach  bewegene  ist  tcohl  rin  anderes  Substantiv  ausgefallen 
und  etwa  zu  ergänzen  zü  nid  oder  ähnliches.  7.  und]  gein  f (Panzer)  oder  wider?  (Roethe). 


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21.  Von  dem  hailgen  gaist.  59 

daz  ist  du  weit,  der  tüfel  und  ir  selbes  lip.  dirr  drier  vigind  läge  versiht  si 
und  hütet  sich  da  vor.  dü  [45‘]  sele  wischet  sich  in  dem  brunnen  des  hailgen 
gaistes.  du  luter  gnade  des  hailgen  gaistes  du  entlühtet  die  sele,  und  wirt  sich 
du  sele  erkennend  alles  des  si  ie  wider  Got  getet,  und  wüschet  sich  och 
denne  du  sele  mit  dem  brunnen  des  hailgen  gaistes  in  der  gnade.  s 


[22.]  Von  des  leben s Ordnung. 

[Non  corruptibilibus  auro  vel  aryento  redempti  es/is,  sed  pretioso  sanguine .] 
Disü  wort  sprichet  sant  Paulus:  'o  edlü  sele  und  sälgü  sei,  du  bist  nit 
geköffet  mit  gold  noch  mit  silber  noch  mit  edelem  gestain,  du  bist  geköffet 
mit  der  mentschait  ünsers  herren  Jhesu  Christi,  der  von  hymelrich  uff  ertrich  io 
wart  gegeben’,  merke,  sülgü  tohter,  wie  tür  du  bist  geköffet  mit  sim  tode 
und  mit  sim  rosvarwem  blute,  daz  zü  den  fünf  rosen  uf  brach!  nu  sich, 
tohter,  du  bist  geköffet,  als  sant  Paulus  sprichet:  ‘edlü  sei,  du  bist  geköffet  mit 
grossem  schätze,  erent  Got  und  tragent  Got!’ 

Wie  sont  wir  ünsern  herren  eren?  in  dri  wis  sont  wir  in  eren.  ttrir  sont  15 

in  loben  mit  dem  munde  und  [45*]  sont  in  gern  loben,  won  er  ist  gar  löb- 

lich. lobent  in  mit  singenn  und  mit  lesenn!  sprich  allweg  gern  sin  lob  und  sin 
ere,  daz  zimet  dir  wol.  rainer  munt,  rainü  wort;  süsser  munt,  süssü  wort, 
daz  ist  ain  wol  hellendes  lob.  wir  sont  öch  Got  eren  mit  dem  hertzen,  mit 

süssen  und  mit  tugentlichen  gedünken.  rainnen  hertzen  gezimet  wol  rain  ge-  20 

dünke,  wir  sont  öch  Got  eren  mit  güten  werchen.  also  sont  wir  Got  eren  mit 
rainnen  gedenken  und  süssen  Worten  und  werchen. 

Wir  sont  öch  ünsern  herren  tragen  als  ain  bild  in  ünserem  hertzen.  nu 

merk,  sälgü  sele,  disen  bilder,  ünsern  herren  Jhesum  Christum,  daz  ist  ain 

minnekliches  bilde,  nach  dem  solt  du  din  leben  bilden,  dn  solt  lernen  bilden  25 
an  dem  edlen  bilder,  üserm  herren  Got,  an  siner  rainen  mentschait.  nu  merk, 
tohter,  dni  bilde:  armüt,  arbait  und  versmähte.  armüt  der  hatte  er  also  vil:  von 
dem  tage  daz  er  ge/-f6‘*/boren  wart,  untz  an  die  zit  daz  er  von  dirre  weit 
schied,  do  gebrast  im  nie  armüt.  er  was  arm  do  er  wart  geborn  von  siner 

müter,  daz  si  nit  hatte  da  si  ir  raines  kind  in  gewunde.  er  waz  öch  als  arm  so 

do  er  an  dem  erüze  stünd,  daz  er  nit  so  vil  hatte  daz  er  sin  höbet  möhte  ge- 
naigen.  also  sprichet  ünser  herre:  ‘der  vogel  hat  sin  nest,  der  visch  hat  sin 
genuht  in  dem  wage,  daz  tier  in  dem  walde  hat  sin  hol,  aber  des  mentschen 
kint  hat  nit  so  vil  daz  es  sin  höbet  genaigen  möhte’.  nu  merk  öch  grosse 
arbait.  do  er  siben  tägig  waz,  do  wart  er  besnitten  nach  der  alten  e.  nu  sich  35 
wie  zitlich  er  ane  vieng  arbaiten  in  ünserm  dienst,  und  la  dir  dester  lihter  sin 
enklain  arbait  in  sinem  dienste.  nu  sich  an  daz  dritte  bilde,  an  sin  versmähte. 


7.  Der  lat.  Text  fehlt.  15.  eren  ...  ln  fehlt.  29.  er  ror  wart  sjiäter  eingeschoben. 


7.  I.  Petr.  1, 18.  13.  I.  Cor.  6,  20.  15.  r gl.  S.  63  Z.  1 ff.  17.  Anklänge  an  Ps.  160. 

32.  Matt.  8,20;  vgl.  S.  35  Z.  17. 


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60 


22.  Von  des  lebens  Ordnung. 


des  höhsten  Gottes  sun  von  hymelriche  der  waz  als  versmäbt  daz  man  in  schlüg 
an  erbännede,  und  spottetent  sin  und  schultent  in  und  spuwtent  im  [46*]  under 
sinü  ogen  und  under  sin  küngklichs  antlüt.  nu  sich  wie  sich  der  hoh  Got  und 
meutsch  gab  ze  versmühende  und  ze  spotte  sinen  vienden!  säliger  mentsche, 

5 trag  disen  bilder  in  dim  hertzen  und  bilde  dich  nach  sinem  minneklichen  bilde, 
so  du  maist  mugest.  sich  an  daz  mentschlich  leben  daz  Jhesus  Christus  uff 
ertrich  hatt,  und  bilde  din  leben  nach  sim  tugentlichen  lebenn:  daz  sol  dir  ain 
bilder  und  ain  Spiegel  sin.  nim  ab  im  demütkait,  armüt,  arbait.  diu  tugend  solt 
du  erkennen  in  siner  tugend,  und  alles  din  leben  solt  du  tempern  mit  sim  rnin- 
to  neklichen  lebenne. 

Nu  merke:  du  bist  geköffet  mit  grossem  schätze,  dar  umb  solt  du  Got 
eren  und  tragen  in  dim  hertzen  als  ainen  bilder. 

[23.]  Von  der  frrintsehaft  zu  Got. 

[Vulnerasti  cor  meum  in  imo  oculorum  tuorum.J 
ls  Disü  wort  sprichet  unser  herre  zü  der  sele:  'du  hast  min  hertze  verwundet, 
fründin  minü,  mit  den  ogen  din’.  min  swöster,  liebü  gemahel  min,  tub  minü,  du 
da  ist  [46c]  ane  fleken,  du  hast  min  hertz  verwundet,  din  antlüt  sol  zü  mir  sin 
bekeret.  sich,  liebü  fründin  min,  hie  mit  hast  du  mir  min  hertze  verwundet,  nu 
merke,  liebü  gemahel,  wie  dih  Got  genemet  hat  sin  liebü  swöster.  du  solt  im 
20  glich  sin  an  drin  dingen,  so  bist  du  sin  swöster.  bist  du  im  glich  an  rehter 
künschkait,  so  bis  künsch  in  dim  hertzen  mit  künschen  und  mit  rainnen  ge- 
denken und  mit  süssen,  alle  die  süntliche  gedänke  die  du  ie  gehattest,  die  solt 
du  wider  gelten  mit  rainnen  gedänken  und  mit  süssen,  swaz  du  ie  gedahtest 
nach  der  weite  boshait,  daz  solt  du  alles  bessren.  und  solt  künsch  sin  an  dinen 
25  worten.  swaz  du  böser  und  unkünscher  worte  ie  gespräch,  dü  solt  du  unsrem 
herren  gelten  und  solt  von  gütlichen  tugendeu  reden,  du  solt  öch  ünsrem  herren 
glich  sin  an  starken  werchen.  swaz  du  böser  und  süntlicher  werch  ie  getät  wi- 
der Gotte,  dü  [46d]  solt  du  im  nu  gelten  mit  rainen  und  mit  künschen  werchen, 
und  solt  dich  alles  an  tugendeu  flissen  und  güter  werche.  hast  disü  drü  ding  an 
so  dir,  so  bist  du  ünsers  herren  fründin  mit  rehter  minne.  und  merk  waz  daz 
ewangelium  sprichet:  'du  solt  ininnen  dinen  herren  und  din  Got  von  allem  dim 
hertzen’.  du  solt  öch  ünsern  herren  loben  mit  dim  munde  und  solt  gerne  singen 
und  lesen  Got  ze  lobe  und  pe  dienste.  und  swenn  du  daz  last,  so  du  es  getün 
mäht,  daz  vordret  dir  Got  zü.  du  solt  och  han  gütü  zaichen  an  dinen  werchen, 
35  daz  du  andren  lüten  gut  bild  gebest  und  daz  sü  sich  an  dir  müssint  besseren, 
als  tugentlich  solt  du  sin  an  dim  lebenn.  hast  du  disü  drü  ding  an  dir,  so  bist 
ünsers  herren  fründin. 

3.  kling/  kl  ich»  am  Ende  und  Anfang  der  Zeile;  vgl.  auch  S.  62  Z.  17.  wie  sieh  nrei- 
mal.  9 mit  zweimal,  einmal  rot  durchstrichen.  14.  Der  lat  Text  fehlt.  22  f.  solt  dv 
zweimal.  28.  dv  zweimal. 

14.  Cant  4,  9.  31.  Matt.  22,  37. 


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33.  Voo  der  früntschaft  zA  Got. 


61 


Du  solt  öch  der  tuben  glich  sin  an  drin  dingen,  du  turteltube  ist  ane 
gallen;  si  hat  öch  nit  won  ainen  gesellen;  wenn  si  den  verlöret,  so  ist  si  dar 
nach  gern  / 47 *]  allaine.  dar  an  solt  du  gerne  der  turteltuben  glich  sin.  du  solt 
sin  ane  gallun  alles  Übels  und  solt  doch  zürnen  wider  den  Sünden,  du  solt  öch 
nit  han  won  ain  gesellen,  daz  ist  ünser  herre  Jhesus  Christus;  der  sol  allaine  5 
din  höbestes  sin  und  din  liebstes  lob  sin.  du  solt  öch  gerne  an  der  aine  sin. 
daz  solt  du  also  merken  daz  du  gern  solt  bi  dir  selben  in  dim  hertzen  sin  und 
din  sinne  und  din  ged  Anke  bi  dir  han,  und  solt  din  selbes  tugentlich  und  flissek- 
lich  phiegen,  und  solt  in  dim  hertzen  sehen  an  dinü  werch  und  an  dinü  wort, 
und  solt  an  sehen  dinü  Übeln  werch  und  din  krankait,  und  dinen  gebresten  diner  io 
tagend  und  diner  sele  dem  erbarmhertzigen  Gotte  klagen  an  sin  götlich  er- 
bArmde.  und  solt  im  din  sele  und  dinen  gebresten  ergeben  an  sin  vAtterlich 
trüwe  in  der  aini  dins  hertzen  frides  und  diner  sele  rüwe  mit  dem  süssen  Gotte, 
da  solt  du  gerne  sin  und  solt  getröstet  werden  in  der  aini  mit  Got,  dinem 
ainem  [47*]  libe  und  diner  sele  höhstü  fröde.  15 


[24.]  Von  den  hy'melsclien  froden. 

[Esto  fidelis  usque  ad  mortem  et  dabo  tibi  coroiiam  vitae.J 
Disü  wort  sprichet  ünser  herre  in  Apocalypsi  und  sprichet  also:  ‘esto  fidelis 
usque  ad  mortem’,  ‘bist  du  mir  getrüwe  sAliger  mentsch  untz  an  den  tod,  so 
wil  ich  dir  geben  ain  kröne  des  ewigen  lebens’.  20 

Nu  sont  ir  merken  wie  wir  ünserem  herren  getrüw  sont  sin.  wir  sont  im 
getrüw  sin  an  vier  dingen,  wir  sont  getrülich  behalten  ünser  sele  und  ünser 
fünf  sinne  und  sont  ünser  leben  tugentlich  verzerren  und  sont  öch  dar  an  stAt 
bliben  untz  an  daz  ende  ünsers  lebens.  wir  sont  öch  ünser  sele  behalten  raink- 
lich  und  künschklich,  daz  wir  si  ünserm  herren  wider  antwürtent  als  schön  und  25 
als  unverwiert  als  öch  er  üs  si  gab.  wir  sont  öch  ünser  fünf  sinne  getrülich 
behüten  als  raineklich  daz  ze  disen  fünf  venstern  nieman  in  sehe,  des  sich  dü 
sele  schäme  und  da  von  si  werde  entrainet  an  ir  edelkait.  wir  sont  öch  ünser 
leben  verzerren  tugent/*i?yiich  in  Gottes  dienst  mit  tugentlichen  werchen  und 
mit  hohem  durnähtigem  lebenn.  also  sont  wir  ünser  zit  vertriben.  wir  sülent  30 
öch  dar  an  stAt  beliben  untz  an  ünser  ende,  es  ensol  nit  weren  zehen  jar 
noch  zwainzig  jar,  es  sol  sin  untz  an  den  tot. 


5 f.  der  bis  lob  sin]  der  sol  allaine  din  liAhcstos  und  din  liebstes  lieb  sin?  14.  dinO. 

15.  libe  — liebe.  17  f.  In  Apocalipsi  (rot):  Esto  fidelis  usque  ad  mortem  et  d.  t.  e.  v. 

Disv  wort  sprichit  in  Apoealipsi.  vfl  spriebit  also,  bistu  mir  getrüwe  seliger  menscho  vnz  an  den 
tot  so  wil  ich  dir  geben  eine  crone  des  ewigen  lebonnis  Z.  22.  wir  svn  imc  Z.  24.  öch 
fehlt  Z.  küschcclicho  vü  reinecliche  Z.  27.  behüten]  behalten  Z.  sehe]  lese  Z. 

28.  entrainet]  enteret  Z.  30.  zit  tugentlichc  vertriben  Z. 


1.  vgl.  8.38  Z.  ZS  ff.  16.  Das  Stück  findet  sich  auch  in  Z.  Bl.  139*  im  wesentlichen 

gleichlautend ; besondere  Lesarten  sind  im  Apparat  angegeben.  17.  Apoc.  2, 10. 


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62 


24.  Von  den  hymelechen  frAden. 


Behaltent  wir  dis  trüwe  an  unsrem  herren,  so  git  er  uns  ain  kröne,  da 
ligent  fünf  edelstaine  inne.  der  erst  stain  der  in  der  kröne  lit,  daz  ist  iemer 
wunneklich  leben  ane  tod.  nu  merk,  sAlger  mentscb,  wie  gar  frölich  daz  leben 
ist  ane  tot  und  ane  allerschlahte  arbait.  o siisser  minneklicber  Got,  wenn  sont 
5 wir  komen  zü  der  vröde  da  iemer  wunnekliches  leben  ist  ane  betrübde? 

Der  ander  stain  ist  daz  uns  iemer  mere  alle  die  fröde  zü  flüsset  der  wir 
gerent,  und  me  frölicher  vröde  denn  Allü  hertzen  kunnent  erdenken  und  alle 
zungen  mugent  vol  reden,  o hoher  werder  richer  Got,  bis  iemer  ewklich  gelobt, 
daz  wir  mit  kurtzem  lebenn  mugent  verdienen  so  unmäs/-f?7sig  fröde  die  ällü 
io  hertzen  nit  kunnent  erdenken! 

Der  drit  stain  daz  ist  daz  wir  enkain  ding  da  hant  daz  wir  ungern  habent. 
da  enbristet  uns  öch  enkains  dinges  daz  man  gern  da  hat.  alles  daz  wir  gern 
habent,  daz  habent  wir  mit  ganzen  fröden  allesament  ane  gebresten. 

Der  vierd  stain  ist  minneklich  lachen  des  minneklichen  Gottes  und  du  un- 
15  betrübde  lutri  der  ganzen  gothait.  owe,  nu  gedenk,  sälger  mentscb,  wie  gar 
wunneklich  daz  ist  diner  sele  so  dich  der  minneklich  Got  an  silit  mit  sinen 
minneklichen  gütlichen  ogen  und  er  dich  an  lachet  mit  sim  küngklichem 
munde!  owe,  waz  süsser  fröde  in  die  edlen  sei  flüsset  von  dem  minneklichen 
an  lachen! 

20  Der  fünft  stain  ist  gewisshait  und  sicherhait  daz  du  von  dem  minneklichen 
Got  und  von  dem  himelschen  gesinde  niemer  solt  geschaiden  werden. 

Nu  merk  ain  ieglicli  mentsch  wie  gar  wnn/'4S*/neklich  daz  ist  bi  dem  vrö- 
lichen  Got  sin  und  bi  der  hohen  küniginne,  siner  werden  müter,  und  bi  den 
schönnen  engein  und  bi  den  löblichen  hailgen,  und  mit  den  wunnenklichen 
25  m.lgden  und  mit  allem  hymelschlichem  hör,  und  ist  sich  ze  vröwenn  ewklich 
in  gütlicher  rninne,  da  dü  sicherhait  mit  ist  daz  kain  ende  sü  niemer  me  ge- 
schähet und  kain  betrübde.  ir  vröde  meret  sich  ällü  zit,  und  ist  dü  vröde 
iemer  sicher  än  end. 


[25.]  Von  vier  hantle  gebürt. 

so  [Amen,  amen  dico  tibi,  nisi  quis  renatus  fuerit  dermo,  non  potest  videre  reg- 
num  dei.] 

Disü  wort  sprichet  ünser  herre  in  dem  ewangelio:  ‘ich  sage  dir  gewärlich 
daz  du  niemer  behalten  mäht  werden,  du  werdest  denn  andrest  geborn’. 

1 f.  kröne  ilcs  ewigen  lebenine  vfl  in  der  kröne  ligent  Z.  2.  ist  de  iemir  ist  wunnedich  Z. 
8.  vol  redenl  volle  recken  Z.  bis  . . . ewklich]  wie  iewiger  vn  ewecllchere.  9.  so 

kvrzera  Z.  10.  kunnent]  ravgen  Z.  11—13.  Der  dritte  stein,  da  ist  enhain  dink  an  de  wir 
vngerne  bau.  da  brietet  o'eh  enbeinis  dingis  das  man  gerne  bat.  de  haben  wir  mit  ganzen 
vru’den.  ane  bresten  Z.  14.  de  minneclichO  Z.  21.  ingesinde  Z.  23.  sin  fehlt  Z. 

25.  her  ist  sich  Z.  und  ist  zu  streichen?  (Panzer).  26.  tninnc]  wnnne  Z.  mit  fehlt  Z. 

de  dv  enbein  ende  Z.  27.  betrubedo.  siv  niernir  botribit  Z.  ist  fehlt.  vnd  ist  div 

vro’ide  iemer  me  an  ende  Z.  30.  Der  lat . Text  fehlt. 

2 f.  vgl.  S.  16.  Predigt  Nr.  5.  30.  Joan.  3,  5. 


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25.  Von  vier  liandc  gebürt. 


63 


Nu  merk,  von  vier  hand  gebürt  liset  man  in  der  Schrift. 

Dti  erst  gebürt  ist  ain  lieplichü  gebürt,  als  wir  all  geboren  werdent  usser 
unser  müter  lip;  du  gebürt  ist  arbaitsam.  nn  sont  ir  merken  drü  ding  an  der 
gebürt,  daz  erst  daz  ist  arbait.  wir  werdent  mit  ar/'-fö'ybait  und  mit  grosser 
not  geborn  an  dis  weit,  daz  ander  daz  sont  ir  wissen  daz  wir  mit  Sünden  5 
enphangen  werdent  und  öch  geborn.  da  von  spricht  der  wissag  David:  'ich 
waiss  wol  und  erkenn  es  wol  daz  mich  min  müter  mit  Sünden  hat  enphangen 
und  daz  ich  mit  sünden  bin  geborn1.  und  mussent  öch  jamerlich  von  dirre  weite 
schaiden;  wan  daz  manet  man  den  mentschen,  so  man  im  uff  daz  höbet  äschen 
git,  so  sprichet  der  priester:  'mentsch,  gedenke  daz  du  Asche  bist  und  öch  ze  io 
Aschen  werden  must’,  da  bi  mag  ain  ieglich  mentsch  wol  merken  daz  wir 
kranker  nature  geschaffen  sint. 

Dü  ander  gebürt  daz  ist  der  töf.  der  löschet  ain  wütendes  für  in  des 
mentschen  nature,  daz  der  getofte  mentsch  niemer  so  unrainklich  gesündet  als 
der  jude  und  der  haiden.  der  mentsch  wirt  öch  entlühtet  von  der  kraft  15 
des  ewigen  töfes,  und  wirt  reht  dü  sele  und  Got  zesamen  gefüget,  also  daz 
Got  in  der  sele  wonet  und  bi  der  sele  [ 48‘ ] blibet  die  wil  der  mentsche  ane 
höbet  sünde  ist. 

Dü  dritte  gebürt  ist  rüwe.  so  der  mentsch  nah  dem  töf  in  höbet  sünde 
vallet  und  da  mit  Gottes  huldi  verlöret  und  die  fügend  die  im  Got  gab  in  dem  20 
töfe,  und  die  grossen  schöni  verlüset  siner  edlen  sele  mit  der  höbet  sünde,  so  es 
denne  wider  keret  zü  Gottes  huldi  und  es  rüwet  daz  es  wider  Got  ie  getet 
oder  Got  ie  erzürnte,  sinen  süssen  schepher:  daz  ist  dritte  gebürt,  dü  hat  dri  ge- 
sellen. daz  erst  ist  lutrü  biht.  won  ir  sont  daz  wissen,  sol  der  mentsch  nah  der 
höbet  sünde  iemer  wider  zü  Got  komen,  daz  müss  von  rüwe  und  von  biht  be-  25 
schehen.  der  ander  geselle  daz  ist  schäme,  daz  der  mentsche  mit  grosser  schäme 
bihten  sol  alles  daz  er  ie  getet  mit  kleinen  dingen  oder  mit  grossen  wider  den 
minneklichen  Got,  und  sol  sich  inneklichen  schämen  daz  er  Got  so  schamlich 
und  so  groslich  erzürnte,  der  dritte  geselle  ist  daz  der  mentsch  in  stäter  büss 
[48*]  schinnen  sol  untz  an  sin  ende,  und  sol  rihten  und  büssen  daz  er  ie  so  so 
verre  übersach  ünsers  berren  Gottes  minneklichen  güti  und  siner  sei  wirdekait, 
daz  es  ie  so  grosklich  gesündet. 

Dü  vierde  gebürt  daz  ist  des  sAligen  mentschen  tot.  dü  gebürt  ist  wumnek- 
lich  und  vrölich  und  gar  sicherlich,  dü  gebürt  hat  öch  dri  wunnenklich  gesellen, 
der  erst  geselle  daz  ist  schonhait  der  sülgen  sele  ane  unflätikait.  owe,  wer  kündi  sö 
gesagen  von  der  unmässigen  schonhait  der  sülgen  sele!  si  ist  schöner  uud  schöne 
und  ist  schöne  an  masse.  nieman  kan  ir  schöni  volle  rechnan,  won  ain  ieglichü 
sele  wirt  denne  sehend  wie  gar  schön  si  ist.  der  ander  geselle  ist  ewigü  rüwe 

7.  im  Pergament  3 Löcher,  rot  eingefaßt.  23.  diu  dritte?  2t.  ist  am  Bande  nachge- 
tragen. 36.  schincr  denn  schAne  ? (Iioethe). 


6.  Pi.  50,  7.  10.  Am  Aschermittwoch  spricht  der  Priester  beim  Atuteilen  der  Asclic:  Me- 

mento homo,  quia  pulvis  es  et  in  pulvercm  reverteris’. 


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64 


25.  Von  vier  hamle  gebürt. 


an  arbait.  da  solt  du  ewklich  rüwen  ane  arbait.  denne  sprichet  unser  herre:  'o 
säligü  sele,  du  solt  nu  rüwen  und  solt  niemer  kain  arbait  gewinnen;  du  solt  niemer 
me  üf  ge[49“]st&ii  ze  metti;  du  solt  niemer  me  gerasten  noch  swigen  gehalten, 
und  solt  niemer  me  ze  capittel  körnen,  und  solt  iemer  me  benedicite  han  ane 
s vorhte,  und  solt  dir  niemer  me  gefürhten  umb  kain  ding:  du  solt  fri  und  sicher 
sin  und  solt  gebieten,  ällü  creature  sol  dir  undertänig  sin.  nu  rüwe,  säligü  sei, 
gemahel  min,  iemer  me  an  endes  zil!’  der  drit  geselle  daz  ist  iemer  wunneklichn 
vröde  än  trurkait.  nu  vröwe  dich  iemer  me  ane  endes  zil!  sälgü  sei,  du  solt  dich 
vröwen  daz  du  niemer  me  gesorgen  solt  daz  dir  dinen  lierren  und  dinen  Got  ie- 
to  man  mug  genemen.  du  bist  sicher  daz  du  niemer  me  von  dim  schepher,  von  dim 
süssen  tröster,  von  dim  aingen  übe,  von  diner  sele  leben  niemer  geschaiden  solt 
werden,  nu  vrfiwe  dich,  edlü  sele,  daz  du  wider  bist  komen  zü  dem  von  dem  du 
geflossen  bist!  owe,  edlü  sele  und  süssü,  du  solt  dich  vröwen  [491]  iemer  me, 
won  dir  ist  wol  ze  fröwenn  geschehen  daz  du  zü  Got  dim  herren  bist  ge  wäget 
15  und  er  in  dich,  und  du  vröde  die  du  in  Got  hast  und  an  dir  selben  und  an 
allem  hymelschlichem  her,  die  ensol  dir  niemer  me  benomen  werden. 

o süssü  sei,  nu  vröwe  dich, 
du  bist  sicher  eweklich! 

[26.]  Von  zwaln  liymel  riehen. 

20  Got  ünser  herre  der  hat  ain  statt  in  hymelrich  da  er  inne  rüwren  wil.  in 

der  hymelschen  statt  sint  drü  hartü  gütü  ding:  daz  ist  hymelschü  zuht  ane  un- 

zuht  und  götlicher  frid  an  unfrid;  da  ist  öch  gantzü  fröde  in  dem  hailgen 
gaiste  än  trurkait.  nu  sont  ir  merken  zwai  hymelriche  da  ünser  Got  inn  rüwen 
wil.  ain  hymelrich  ist  da  er  gaischlich  ist  in  siner  hailgen  drivaltekait  bi  siner 
25  hohen  werden  müter  und  sinen  engein  und  den  wissagen  und  den  hailgen  botten 
und  den  martrern  und  allem  hymelschlichem  her  und  allen  [49’J  die  minnekliches 
antlütes  wirdig  sint.  daz  ander  hymelrich  ist  ain  ieglichen  säligen  mentscben 

sei  daz  noch  uff  ertlich  ist  und  mit  hertzen  und  mit  übe  ällü  zit  dar  nach 

stellet  und  ringet  wie  es  kome  zü  den  andren  ze  hymelrich,  da  ünser  herre  daz 
30  tüch  von  den  ögen  nimet  und  sich  die  sälgen  sela  lät  sehen  als  er  ist.  dü  sei 
ist  öch  Gottes  rüwe  und  sin  hymelrich.  swa  nu  dis  sälig  mentsch  ist,  daz  sol 
han  drü  ding:  minneklich  zuht  än  unzuht,  gütlichen  frid  än  unfrid,  gantz  vröde 
in  dem  hailgen  gaiste  äne  trurkait. 

Nu  wissent  ir  wol:  da  ain  herre  ain  statt  hat,  der  setzet  ainen  schulthaisen 
35  in  die  statt  daz  er  der  statt  phlege  und  da  berihte  und  bessregi  swaz  unzuht 
da  geschiht.  also  ist  ains  ieglichen  sälgen  mentschen  sei  ain  statt  des  hymel- 
schen Gottes,  in  die  statt  hat  ünser  herre  ainen  schulthaissen  gesetzet,  der  die 
stat  beriht.  [49*]  der  schulthaiss  ist  der  sele  beschaidenhait : dü  sol  die  sinne 
alle  berihten  uswendig  und  inwendig,  swaz  der  mentsch  tüt  daz  er  nit  tun 


22.  än  unfrid  fehlt.  26.  ein  Loch  im  Pergament,  rot  eingefaßt. 


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26.  Von  zwain  hyraelrichen. 


65 


sölti,  so  sol  du  beschaidenhait  sprechen:  ‘daz  solt  du  nüme  tun,  es  stät  dir  nit 
wol,  und  ist  öch  unzuht'.  und  so  die  ussren  sinne  den  inren  sinnen  kain  ding 
bringent  daz  miswende  si,  so  sol  beschaidenhait  sprechen:  “es  ensol  nit  sin,  daz 
wider  zäme  minern  herren;  länt  da  uss  üwrü  nüwen  märe,  bringent  ir  nüt  her 
in  für  die  hohen  küngginne!’  und  so  daz  hertze  und  die  inren  sinne  dehains  5 

dinges  gedenkent  daz  nit  gar  luter  und  rain  ist,  so  sol  du  beschaidenhait 

sprechen:  'wol  us  balde!  so  getan  ingesinde  zimet  übel  dem  geblümten  Gotte 
vor  sinen  lutren  ögen;  ich  wil  es  nit  vertragen',  und  swaz  missw’endig  uswrendig 
inwendig  ist,  daz  so l dü  beschaidenhait  alles  berihten.  [50‘ ] 

Disü  sälgü  sei  sol  och  han  frid  an  unfrid.  daz  ist  also  daz  du  din  hertze  io 
und  diner  sei  sinne  keren  solt  daz  du  frid  habest  mit  aim  ieglichen  mentschen 
und  allermaist  mit  diner  maisterschaft  willen,  also,  swaz  si  wellent,‘daz  du  daz 
wellest,  nnd  solt  din  herze  dar  zü  tun  daz  du  gehorsam  sigist  mit  lihtem  und 
mit  vrölichem  hertzen.  da  von  sprichet  sant  Augustinus: ‘der  mentsche  der  sinen 
willen  git  in  siner  maisterschaft  willen  und  ainvaltklich  gehorsam  ist,  der  wirt  15 

andähtig  gen  Got  nnd  wirt  milte  und  undertänig  sinen  maistern  und  wirt  nit 

riche  gegen  der  weit,  also  daz  der  mentsche  von  zergangklichen  dingen  nit 
nimet  won  reht  nodurft . und  der  selb  gehorsam  mentsch  wirt  ain  getrüwer 
Gottes  kneht  und  wirt  ain  herre  aller  creature.  der  selb  gehorsam  mentsch 

enphahet  von  sinen  tugenden  den  vatter  und  den  sun  und  den  [SO*]  hailgen  20 

gaist  in  sin  sele,  und  hänt  da  ain  wonnng  und  werdent  also  ze  samen  ge- 
füget:  swaz  Got  wil,  daz  wil  och  der  mentsch;  und  swaz  der  mentsch  wil, 
daz  wil  och  Got.  von  der  gehorsami  sprichet  sant  Gregorius,  er  sprichet: 
'den  engein  ist  enkain  ding  so  löblich,  ünsrem  herren  nüt  so  enphünklich,  dem 

mentschen  nüt  so  nutzberlich,  so  daz  der  mentsch  sinen  willen  gebe  in  ains  25 

andren  willen  und  ainvalteklich  gehorsam  si'. 

Nu  hant  ir  zuht  und  frid  gehöret  nu  sont  ir  hören  und  merken  in  dem 
hailgen  gaist  vröde  an  trurkait.  dü  vröd  ist  also:  so  der  mentsch  sin  hertze 
und  sin  leben  und  alle  sin  sinne  besiht  nnd  an  den  kain  misswenden  vindet,  und 
sinü  werch  vindet  demütig  und  in  zuht,  und  alles  sin  leben  vindet  in  minnek-  so 
lichem  finde  und  mit  gehorsami,  so  der  mentsch  sich  also  vindet,  so  gewinnet  er 
ain  vvunneklich  vröde  in  dem  hailgen  gaiste,  und  wirt  der  mentsch  denn  dankend 
ünserm  herren  [50']  Gotte  aller  siner  tugend  und  siner  sälden.  so  der  mentsch 
vindet  ällü  sinü  werch  mit  minneklicher  tugend  geordeniert,  so  wirt  er  vro  in 
dem  hailgen  gaiste  äne  trurkait,  won  es  envindet  an  sim  hertzen  noch  an  sinen  ss 
werchen  noch  an  dehaim  ding  daz  sin  sele  betrüben  muge.  dü  vröd  mag  wol 
gantz  sin  und  sicher,  so  der  mentsch  sich  selben  als  tugetlichen  vindet. 


b f.  vswendig  und  inwendig  f vgl.  S.  64  Z.  39.  9.  sol]  so.  22.  dz  wil  nceimal,  ein- 

mal rot  durchstrichai. 


Deutsche  Text«  det  HitteUüters.  X. 


5 


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66 


27.  Von  (lnsers  herrcn  gnaden. 


[21.]  Ton  unser»  lierren  gnaden. 

I Sicut  accepit  gratiam,  in  alterutrum  ülam  administrantes.] 

Disü  wort  spricht  saut  Peter,  und  spricht  also:  ‘ich  baisse  uud  geböte  daz 
ir  die  gnade  gemainsamint  enandren,  reht  als  och  ir  die  gnade  enphangen  hant’. 

5 Nu  sont  ir  merken  wie  unser  herre  die  gnäd  hat  und  git.  er  git  si  in  dri 
wis.  er  git  si  vergeben,  daz  sont  ir  wissen:  Allü  disü  weit  möhti  nit  verdienen 
daz  unser  herre  sin  gnade  gäbi  aim  mentschen  uff  ertrich.  er  git  sin  gnad  gar 
vergeben  von  siner  miltekait,  von  siner  ganzen  güti,  daz  er  des  lo [50d]net  daz 
er  selb  tüt.  daz  ist  also  daz  er  dem  mentschen  dar  umb  hymelrich  git  und  sich 
io  selben  daz  er  dem  mentschen  tugentliches  leben  gab  uff  ertrich.  daz  merkent 
daz  er  dem  mentschen  tugentlich  leben  gab  und  gnade  git  und  im  öch  des 
selben  lonet  des  er  im  gegeben  hat:  dar  an  mugent  ir  wol  merken  daz  er  die 
gnade  gar  vergeben  git.  er  git  öch  die  gnade  gerne,  daz  in  nieman  dar  zü 
twinget  won  sin  rehtü  güti,  die  er  hat  von  gütlicher  nature,  und  durch  die 
15  grossen  güti  und  liebi  die  er  zü  der  sele  hat.  er  git  och  die  gnade  volleklich 
än  gebresten.  ünser  herre  ist  ain  offen  brunne  und  git  sich  allen  den  die  sin 
gerüchent,  den  git  er  volleklich  sin  gnade;  won  er  ist  allaine  der  da  über 
flösset  voller  gnaden  und  von  dem  Allü  süsskait  flösset. 

Nu  hant  ir  gehöret  wie  ünser  herre  die  gnade  [51"]  git  nu  sont  ir  merken 
» wie  ir  die  gnade  enphahent  von  Gotte,  ir  enphahent  die  gnade  in  dri  wis.  in 
demütkait.  daz  mag  ain  ieklich  mentsch  an  im  selber  merken  daz  er  gütlich 
gnade  enphahet  in  der  demütekait:  won  swa  dü  demütkait  ist,  da  erwirbet  si 
die  gnade;  da  aber  gnade  ist  än  demütkait  da  bringet  dü  gnade  demütkait,  oder 
si  verlüset  si  und  die  gnade;  won  swa  dü  demütkait  ist  än  gnade,  da  ist  si  un- 
25  stAte.  da  von  sprichet  sant  Augustinus:  ‘der  mentsch  der  vil  tugent  samnot  ane 
demütkait,  der  tüt  reht  als  der  ain  hant  volle  stobes  nimet  und  in  den  wint 
wirfet’.  reht  ze  glicher  wise  als  schier  der  wint  den  stob  hät  zerworfen,  als 
schiere  hät  der  mentsch  sin  tugend  verlorn  äne  demütkait.  da  demütkait  ist, 
da  ist  öch  dü  gnade  und  dü  tugend  stAte,  wan  demütkait  ist  ain  sch [51%]v\n 
so  aller  tugend.  ir  sont  och  die  gnade  enphahen  in  hitze  der  minne.  din  hertze 
sol  reht  brinnen  von  gütlicher  tugend,  und  in  der  brunst  solt  du  die  gnad 
enphahen.  ir  sont  och  die  gnade  enphahen  in  stüngen  der  dankbAri.  nn 
merkent  wie  daz  ist.  der  mentsch  der  gnäd  und  tngent  hät,  den  twinget  und 
raitzet  sin  tugent  daz  er  Got  danket  aller  der  gnaden  die  er  im  ie  getet,  und 
85  sol  Got  danken  aller  siner  gantzen  güti,  und  in  der  dankbAri  git  ünser  herre 
dem  mentschen  me  gnaden. 

Nu  hant  ir  gehöret  wie  ünser  herre  die  gnade  git,  und  wie  öch  ir  die 
gnade  sont  enphahen.  nu  sont  ir  merken  wie  ir  die  gnade  enandren  sont  ge- 
meinsamen. nu  merkent  daz  erst  wort  daz  sprichet  sant  Peter:  ‘ich  haisse  und 

2.  Der  lat.  Text  fehlt.  9.  dar  umb  daz  hymelrich  t vgl.  S.  40  Z.  1.  39.  sprichent. 

2.  I.  Petr.  4, 10. 


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27.  Von  unsere  horrcn  gnaden. 


67 


gebüte  daz  ir  die  gnade  gemainsament  die  ir  enpkangen  liant  von  Gotte’,  wir 
hant  die  gnade  enpkangen  in  demütkait  und  ist  vergeben  geben:  also  [51‘]  sont 
wir  öch  die  gnade  gemainsamen,  vergebne  ainem  ieglichen  mentschen  geben  also 
verre  so  es  notdürftig  ist  und  öch  im  mäht  getün,  das  soll  du  im  luterlick 
durch  Got  tun  und  nüt  dar  umb  daz  er  dir  dester  hölder  si  oder  er  dir  üt  dar  5 
umb  gebe  oder  dich  lobe;  du  solt  es  reht  durch  Got  tun,  so  tüst  du  es  im  ver- 
geben. du  solt  öch  in  demütkait  tün  waz  du  tüst  gütes,  und  nüt  dar  umbe  daz 
man  dich  lobe,  du  solt  aim  ieglichen  mentschen  tün  waz  du  kanst  oder  mäht 
und  öch  notdürftig  ist  dem  du  es  tüst,  und  solt  daz  tün  in  demütkait.  daz 

ander  als  dir  die  gnad  geben  ist,  daz  ist  gerne,  also  solt  du  die  gnade  gemain-  io 

samen:  du  solt  gern  aim  ieglichen  mentschen  wol  tün,  so  du  aller  best  mäht 
oder  kanst  und  öch  notdürftig  ist.  und  malit  du  aim  ieglichen  mentschen  nüt 
gebützen  das  im  wirret,  so  solt  du  aber  den  willen  han  daz  du  es  gerne  [51*] 

tätist  ob  du  möhtist,  und  solt  daz  tün  in  hitze  der  minne.  du  solt  ünsern 

herren  als  hitzeklich  minnen  das  du  aim  ieglichen  mentschen  tilgest  durch  sin  15 
minne  swaz  du  kanst  oder  mäht  mit  herzen  und  mit  libe,  und  solt  din  hertz 
geben  aim  ieglichen  mentschen.  du  solt  zü  dem  dritten  male  gemainsamen  die 

gnad  volleklich,  als  och  dir  dü  gnade  geben  ist  von  ünserm  herren.  swaz  du 

gnad  oder  tugent  hast  an  wishait,  an  erbürmde,  an  kunst  oder  an  dekainen 
dingen,  daz  solt  du  aim  ieglichen  andern  gemainsamen  volleklich.  swa  du  baz  20 
mäht  denn  ain  anders,  da  solt  du  us  giessen  alles  daz  du  im  mäht  getün.  du 
solt  nit  behan  vor  dim  neben  cristan  swa  du  im  ze  statten  mäht  körnen,  also 
solt  du  die  gnade  volleklich  gemainsamen.  und  [52‘]  die  selben  gnade  die  solt 
du  och  gemainsamen  in  dankberi  und  in  stungi.  daz  ist  also:  swaz  gnaden  du 

von  Gotte  hast,  wishait  und  erbürmde  oder  güten  rät,  oder  swaz  tugend  Got  dir  25 

hat  gegeben,  daz  solt  du  aim  andern  gemainsamen,  und  des  selben  solt  du  Gotte 
danken,  von  dem  och  dir  dü  gnade  und  dü  tugent  geflossen  ist  und  swaz 
du  ainem  ieglichen  mentschen  ze  güte  tüst,  dü  tugend  kumet  dir  von  Gotte 
und  flösset  von  siner  giiti.  da  von  solt  du  och  alle  zit  Got  danken  siner 
gantzen  güti.  so 

Also  solt  du  die  gnade  gemainsamen:  vergeben  demütklich,  und  gerne  in 
hitzender  minne,  und  solt  si  gemainsamen  volleklich  in  stungender  dankberi. 


[28. ] Von  Gottes  gaben. 

[Cantabo  Domino,  qui  bona  tribuit  mihi.] 

Disü  wort  sprichet  der  wissag  Davit,  er  sprichet:  ‘ich  wil  singen  mim  35 
herren  und  mim  Got,  er  hat  mir  güt  gäbe  geben’. 

Nu  merkent  waz  gaben  üns  Got  hat  ge/o.2*/geben.  er  hat  üns  sechs  güt 
gaba  geben,  er  hat  üns  geben  sin  rain  gebürt,  und  hat  mit  der  gerainnet  ünser 

3.  ut  wohl  zu  lesen:  gemainsamen.  wir  sont  si  vgl.  Z.  10.  28.  teged.  34.  Der  lat.  Text  fehlt. 

»4.  Ps.  12,  6. 

5* 


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68 


2S.  Von  Gottes  gaben. 


süntlich  gebart  ; wan  du  waz  als  süntlich  daz  nie  kain  mentsch  so  wol  moht 
geleben  daz  es  für  sin  antlüt  möht  komen  vor  siner  gebürt,  er  hat  uns  geben 
sin  minnekliches  leben  ze  ainer  lere  wie  wir  unser  leben  nach  sim  leben  ribten 
sont.  owe,  sälger  mentsch,  gedenke  an  daz  tugentlich  leben  des  rainnen  Gottes! 

5 owe,  sälger  Got,  wie  waz  din  leben  so  gar  tugentlich!  da  von  spricht  sant  Bern- 
hart:  'owTe,  süsser  Jhesus,  wie  waz  din  leben  so  minneklich  geordenieret  uf 
ertrich,  wir  mugent  grosse  tugent  nemen  ab  dim  leben!'  er  hat  üns  och  geben 
sin  jämerlichen  töd,  daz  er  mit  sim  tode  ünser  seien  lebendig  hat  gemacliet;  mit 
sim  tode  tot  er  ünsern  tod  und  gerte  aines  schamlicken  und  ains  jämerlichen 
10  todes  durch  ünsern  willen  und  loste  üns  mit  [52"]  siner  marter  von  der  ewigen 
verdampnung.  er  hat  üns  öch  geben  sin  vrolichen  urstendi,  und  hat  da  mit 
urkünd  geben  allen  den  die  an  im  blibent  mit  rehter  minne  und  in  im  lebent 
und  an  im  sterbent,  daz  die  mit  im  sont  erstan  an  dem  jüngsten  tag  mit  grosser 
vröde  und  mit  signuft.  er  hat  üns  och  geben  sin  wunneklich  uffart:  vor  im 
15  wart  daz  hymelrich  nie  uf  getan  dehainem  mentschen ; won  wie  reht  dehain 

mentsch  lebte,  dem  waz  doch  daz  hymelrich  vor  beschlossen,  nu  hät  er  es  nf 
getan  und  hat  es  entschlossen  allen  den  die  dar  went.  er  hät  üns  och  geben 
sinen  hailgen  gaist  ze  ainem  tröster  und  zü  aim  laiter.  er  sol  üns  trösten  in 
der  betrübde  und  in  arbeiten  dirr  weit  und  sol  üns  laiten  in  dem  eilend  dirr 
20  weit  zü  ünsrem  erbe,  dem  hymelschen  Gotte. 

'Nu  wil  ich  singen  minem  herren  und  mim  Got,  der  mir  güt  gäbe  hat  ge- 
geben’. merke,  säl/ö^/ger  mentsche,  waz  ich  mim  herren  singe.  zwreu  säng  wil 
ich  singen:  daz  ist  erbarmd  und  reht.  dü  wil  ich  dir  singen,  lieber  min  herre 
und  Got. 

25  Ir  sont  daz  wissen  wer  die  sint  den  ünser  herre  wil  ögen  sin  erbärmde. 
daz  merkent  drier  hand  lüte.  die  ersten  daz  sint  alle  die  die  die  weit  uf  gent 
und  sich  enzihent  weltlicher  dinge,  weltliches  gütes,  weltlicher  vröde  durch  die 
minne  des  minnenden  Gottes  von  hymelriche.  die  andern  daz  sint  die  künschen 
lüte,  die  ir  lip,  ir  hertz,  ir  sei  behütent  und  belialtent  in  rehter  künschait  nnd 
so  in  rainner  zuht.  die  dritten  daz  sint  alle  die  die  uf  gent  iren  aigen  willen  und 
ir  selben  ungewaltig  werdent  durch  den  rainnen  Got  von  hymelrich.  disen 

lüten  wil  ünser  herre  ögen  drier  hand  erbärmd.  dü  erst  ist  daz  in  ünser  herre 

ir  notdurft  füget  uf  ertrich  [53° ] zü  dem  libe  und  sele,  ainem  ieglichen 

mentschen  nach  siner  notdurft,  dü  ander  erbärmde  daz  ist  an  dem  ende,  da  sei 
so  und  lip  von  enander  schaident,  da  oget  er  grosse  erbärmde  und  sendet  der 
sälgen  sele  ze  helfe  und  ze  trost  sin  hailgen  engel,  daz  si  nit  erschrike  von  den 
heischen  tüfeln,  die  öch  dar  koment  zü  des  mentschen  schidunge.  dü  dritte  er- 
bärmde daz  ist  daz  er  si  behalten  wil,  und  die  hailgen  engel  die  fürent  si  mit 
schalle  in  Abrahames  schösse,  da  si  iemer  ewig  vröde  hat 
40  Ünser  herre  wil  och  sin  reht  behalten  an  drier  hand  lüt.  die  ersten  daz 
sint  rieh  lüte  än  miltekait;  die  andern  daz  sint  gewaltig  lüt  ane  demütkait;  die 


26.  dz;  /.  da? 


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28.  Von  Gottes  gaben. 


69 


dritten  lüte  daz  sint  schön  lüt  an  künschkait,  disen  luten  wil  unser  herre  ogen 
drier  hand  reht.  daz  erst  reht  ist:  er  git  in  er  und  gilt  und  grossen  rich/55*/ 
tüm,  da  mit  meret  och  ir  unsälde  und  ir  wisse,  unser  herre  tüt  in  reht  als 
ain  rieh  man  sim  kälblin:  daz  lat  er  gan  spileud  und  mit  grosser  vröde  uf  der 
haide,  und  swenn  er  wil,  so  schleht  er  es  an  daz  höbet  daz  es  tod  lit.  also  tüt  5 
unser  herre  den  richan  luten:  den  git  er  ere  und  gftt  und  lat  in  spiln  und  lat 
sich  vröwen  wie  si  went  in  der  weit;  und  so  si  minnest  wissent,  so  schleht  er 
si  an  daz  höbet  ze  tode,  und  müssent  varen  in  die  helle,  dannan  koraent  sü 
niemer  me.  daz  ander  reht  daz  unser  herre  den  riehen  litten  tüt,  daz  ist  daz  er 
sü  ersteket  an  dem  ende  mit  sim  rehte  und  mit  sim  gewalt;  und  koment  dar  io 
die  vaigen  tüvel  und  zukent  die  armen  sei  mit  krapfen  und  mit  krölen.  daz 
drit  reht  ist  daz  er  den  tüveln  gehütet  daz  si  die  sele  zukent  und  si  werfent  in 
den  helleschen  grünt  und  si  begrabent  in  daz  abgründe  und  si  iemer  mere 
quele  ane  zil.  [53‘]  dü  sei  dü  ist  Got  vigint  und  ir  selben  und  allem  hymel- 
schen  her  und  allem  dem  daz  ie  geschaffen  wart,  daz  hasset  alles  dü  arm  sei,  15 
dü  da  eweklich  verlorn  ist. 


[29.]  Von  der  volgung  nach  Got. 

[ Qui  sequitur  me,  habebit  lumm  vitae.j 

Disü  wort  sprichet  ünser  herre  in  dem  ewangelio,  und  ist  also  gesprochen: 
‘der  mir  nach  volget,  dem  gib  ich  daz  ewig  rieh’.  20 

Nu  sont  ir  merken  wie  wir  ünserm  herren  nach  volgen  sont.  wir  sont  dri 
tagwaide  ünserm  herren  nach  volgen. 

Dü  erst  tagwaide  daz  ist  aignen  willen  und  kranken  sinnen  widerstan.  daz 
ist  also  daz  du  gar  und  gantzlich  din  willen  solt  geben  in  ünsers  herren  willen, 
swaz  Got  welle,  daz  solt  öch  du  wellen;  waz  sin  wille  nit  si,  daz  solt  och  du  a 
nit  wellen,  swie  liep  oder  wie  lait  dir  dekain  ding  si,  da  solt  du  enkainen 
willen  zu  han  won  nach  Gottes  willen,  und  daz  du  allen  kränklichen  dingen 
widerstandest  an  diin  kranken  libe  und  an  liplicher  nature.  die  [53*]  tagwaid 
laitet  ain  jungfrowe,  dü  haisset  ainvaltig  gehorsami. 

Dü  ander  tagwaid  daz  ist  gedultkait:  daz  du  arbait  willeklich  und  güt-  so 
lieh  tragest  durch  Gottes  willen,  daz  du  ie  die  tagwaide  dester  glicher 
gangest,  so  wil  ich  dir  zaigen  ainen  harten  güten  gesellen,  der  dir  die  arbait  liht 
und  süss  machet,  daz  ist  Jhesus  Christus,  sich  an  in  wie  er  sin  erütz  trüg,  und 
sich  wie  er  uff  dem  erütz  stünt!  da  von  spriht  sant  Anshelm:  ‘cristanü  sei, 
hab  uf  dinü  ögen  und  sich  wie  din  schepher  stat  durch  dinen  willen;  er  stat  35 
nakent  und  bloss  und  totblütig!  der  gewaltig  hanget  an  dem  erütze  an  den 
scharphen  nageln,  der  unschuldig  Got  hanget  under  den  schuldigen  schachern. 


6 f.  lat  si  »ich?  14.  qaelent?  IS.  Der  lat.  Text  fehlt. 


1 8.  Joan.  S,  12. 


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70 


29.  Von  der  volgung  nach  Got. 


von  sim  minneklichen  libe  runnent  vier  rosvarwen  büchlü , und  der  minneklich 
munt  wart  getrenket  mit  essich  und  mit  gallen,  und  nach  sim  [ö4‘ ] tode  enpliieng 
er  die  fünften  wunden,  du  im  in  sin  hertz  gie’.  nu  merk,  sülger  mentsch,  war 
umb  er  die  fünften  wunden  enpliieng  dar  nach  do  sin  sei  von  sim  lib  geschiede. 

5 daz  tet  er  dar  umb  daz  du,  sülger  mentsch,  wol  sehest  daz  er  dir  mit  trüwen 
diente,  won  er  diente  dir  tot  und  lebend,  in  benügte  nit  daz  er  dir  lebend  hat 
gedienet  drissig  jar ; er  wolte  dir  och  dienen  do  er  tot  was;  won,  sülger 
mentsch,  daz  sol  din  gelob  sin  daz  im  sin  hertze  uf  wart  getan  mit  aim  sper 
dar  nach  do  sin  sei  von  sim  lip  geschiet.  nu  sih,  tohter,  dis  ist  din  geselle  in 
io  der  andren  tagwaide.  dis  tapwaid  laitet  ain  jungfrowe,  haisset  vrow  Ge- 
dultkait. 

Dü  dritte  tagwaid  daz  ist  jamer  nach  dem  schönnen  minneklichen  Gotte, 
nu  gedenk,  sülger  mentsch,  wTie  gar  minneklich  er  ist!  da  von  sprichet  sant 
Bernhart:  ‘owe,  [54*]  besoftü  sälikait,  owe,  senfter  und  ewiger  frid,  owe,  grössü  i 
15  und  unmüssigü  süskait,  wie  bin  ich  dir  so  verre!  owe,  lieber  herre  min!  ich  han 
ainen  strit:  min  gaist  mag  mim  lib  nit  volgen  an  vohrte;  min  lip  mag  mim 
gaist  nit  volgen  an  bes würde;  des  min  lip  gert,  daz  ist  wider  mim  gaist  owe, 
herr,  hilf  mir  disen  strit  schaiden!’  der  wissag  sprichet  : co  süsser  minneklicher 
scheplier,  min  sei  dürstet  nach  dim  brunnen  als  den  hirzen  nah  der  küli  in  der 
20  hitz’.  ow'e,  schöner  Got,  min  sei  wril  ietz  verderben  von  dem  jamer  den  ich  nach 
dir  han!  nu  spricht  aber  sant  Bernhart:  ‘Jesus,  miuneklicher  Got  künig,  du  bist 
ain  signuft  der  gütlichen  sülkait  und  edelkait  und  bist  unzallich  völlü  süskait, 
und  alles  daz  an  dir  ist,  daz  ist  alles  girlich  und  lustlieh’,  daz  ist  du  dritte 
tagwaide  die  wir  dem  schönnen  Got  nach  volgen  sont:  [54']  jamren  nach  siner 
25  süssekait  und  nach  siner  angesiht.  dis  tagwaide  laitet  ain  jungfrowe,  dü  haisset 
schonhait  der  minne.  also  sont  wir  ünserm  herren  nach  volgen,  so  git  er  uns 
daz  ewig  leben. 

Drier  hande  lieht  wil  üns  unser  herre  geben  denen  die  im  nach  volgent. 

Er  wil  in  geben  ain  ewigs  lieht,  bi  dem  ewigen  lieht  ist  bezaichent  dü  ewig 
so  gothait,  dü  waz  ie  an  angenge  und  ist  öch  an  ende,  daz  ünsers  herren  gothait 
si  ain  lieht,  da  von  spriht  sant  Anshelm:  ‘o  glanz  der  obrosten  schonhait  dü  ie 
wart,  du  bist  ain  lieht  des  ewigen  lielites  und  bist  ain  leben  daz  alles  leben 
lebend  machet’. 

Er  wil  üns  och  geben  ain  schönnes  lieht,  da  bi  ist  bezaichent  sin  lieber 
95  sun  Jhesus  Christus,  daz  er  si  ain  lieht,  daz  spricht  er  selb  in  dem  ewan- 
gelio.  er  sprichet:  ‘ich  bin  ain  schönes  lieht,  daz  alle  die  weit  erfülltet  hat’. 

Er  wil  üns  geben  ain  süsses  lieht  da  bi  ist  üns  bezaichent  [54  “]  der  hailig 
gaist.  daz  der  hailig  gaist  si  ain  lieht,  daz  vindet  man  in  münger  wis  in  der 
schrift.  disü  drü  liehter  wil  ünser  herre  allen  den  geben  die  im  nach  volgent 
90  die  dri  tagwaide. 

4.  wnden.  10.  taigwaid.  25.  nac. 

18.  Pt.  41,  2.  36.  Joan.  1,  9. 


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29.  Von  der  volgung  nach  Got. 


71 


Nu  merk,  saiger  mentsch,  war  urab  dir  der  schön  Got  hab  gehaissen  drü 
lieht,  daz  solt  du  wissen:  er  wil  dir  geben  vröde  an  der  hailgen  drivaltkait, 
daz  du  in  den  götlichen  Spiegel  sihst  din  sele  und  alles  daz  du  wilt,  und  wirst 
alles  Got  sehent  in  im  selben,  und  unser  herre  stät  in  diner  sele  als  du  sunne 
in  dem  hymel.  ach  brüder,  waz  hant  ir  gesprochen!  owe,  sälger  brüder,  5 
sprechent  es  aber!  ich  sprich,  mentsche,  daz  der  schön  Got  in  diner  sele  stät 
als  du  sunne  in  dem  hymel.  owe,  sälgü  sei,  gedenk  reht  wie  Got  und  Gottes 
sun  in  dir  stände  wirt! 

[30.]  Ton  nianger  Zukunft  unser s herren. 

Uns  ist  gegeben  von  Syon  ain  bil/55*/de  der  gezierde,  daz  ist  Gottes  sun  io 
von  hymelrich,  der  kam  in  dis  weit. 

Nu  sont  ir  wissen  daz  ünsers  herren  gebürt  ist  viervaltig.  du  erste  du  ist 
minneklich;  du  ander  du  ist  nützlich;  dü  drit  du  ist  sunderlich;  du  vierde  du  ist 
herteklich. 

An  der  ersten  Zukunft  gelichet  sich  unser  herre  aim  arzat.  ze  glicher  wis  ts 
als  der  arzat  den  siechen  mentschen  hailet,  also  tet  unser  herre.  der  hailet  uns 
mit  sim  leben;  won  daz  sont  ir  wissen:  alles  daz  au  Got  waz,  daz  waz  hailsam. 
sin  gewant  daz  waz  hailsam.  daz  liset  man  von  im:  do  unser  herre  uff  ertrich 
waz,  do  kam  ain  vrow  zü  im,  du  hatte  grossen  siechtagen;  do  si  ünsers  herren 
gewant  berürte,  do  wart  si  gesunt  an  lib  und  an  sei.  daz  sont  ir  wissen  daz  20 
unser  herre  nie  kain  mentsche  an  dem  libe  hailte,  er  hailti  in  öch  an  der  sele; 
won  alles  daz  an  im  waz,  daz  waz  alles  hailsam:  sinü  [53’]  wort  und  sind 
werch  und  alles  sin  leben  daz  waz  hailsam.  aber  sin  minneklicher  tot  der  lost 
uns  von  dem  ewigen  tode,  won  er  waz  der  arzat  der  da  selb  trank  daz  trank 
der  arbait.  owe,  nu  ist  vil  mAnig  mentsch  dem  unser  herre  mit  im  git  ze  25 
trinkenn  uss  dem  koph  da  er  selber  us  trank,  der  trank  versmäht!  daz  ist  also: 
so  im  unser  herre  mit  im  git  ze  trinkenn  us  dem  köpf  da  er  selb  us  trank,  daz 
versmahent  si  und  werfent  in  umbe  und  gerent  sin  nit  daz  ist  also:  so  unser 
herre  dem  mentschen  arbait  git  und  kumber  und  widermüt,  so  wirt  es  unge- 
dultig  und  versmahet  daz  trank  daz  Got  selber  getrunken  hat,  von  disem  trank  so 
sprichet  unser  herre:  ‘ich  han  getrunken  und  han  daz  trank  versüchet,  nu  wil 
ich  niemer  me  getrinken'. 

Dü  ander  zükunft  dü  gelichet  sich  aim  süssen  totve.  ze  glicher  wis  als  daz 
tow  erfröwet  den  lylien  so  er  ervalwet  von  der  hitze  der  sunnen,  also  tilt  ünser 
herr  [55c]  der  sele  so  si  verdorret  ist  von  der  hitze  dirr  armun  weit;  won  ünser  S5 
herre  Got  ist  daz  hymelsch  tow  von  dem  dü  sei  fruhtbar  wirt.  da  von  sprichet 
der  wissag  Ysayas:  ‘herre,  wir  sint  von  dinem  antlüt  tragend  worden  ainen 
g&ist  der  ewigen  sAlikait’. 

S.  den)  dem  Y 26.  der  daz  trank  Y (Panzer).  SS.  towe]  gölte. 

19.  Matt.  9,  31.  31.  zuzammengtzogen  auz  Matt.  27,  34  und  26,  29.  87.  Isai.  26, 17. 


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72 


30.  Von  milngcr  zökunft  ünners  herren. 


Dü  dritte  zukunft  da  glichet  sich  unser  herre  aim  diebe,  daz  ist  an  dem 
tode.  ze  glicher  wis  als  der  dieb  togenlich  kumet,  also  tut  unser  herre.  er  kunt 
och  dem  sälgen  mentschen  alz  ain  vatter  der  sin  kint  uss  dem  eilend  füren  wil, 
und  wil  ain  end  machen  aller  der  arbait  und  des  laides  so  er  ie  gewan.  er 
5 kumet  aber  dem  sünder  daz  er  in  schaide  von  aller  der  vröde  die  er  ie  uff  ert- 
rich  gewan;  des  wil  er  da  ain  ende  machen  und  wil  im  die  vröde  verwandeln 
in  die  ewigen  trurkait.  da  von  spricht  du  schrift:  ' Allü  bertzen  und  all  zungen 
mugent  nit  voll  rechnen  die  not  der  ewigen  trurkait*.  [ 5 ö*] 

Dü  vierde  zükunft  da  ist  ünser  herre  gelich  aim  starken  rihter,  daz  ist 
io  an  dem  jüngsten  tag.  da  wil  er  sin  reht  us  ziehen  und  sin  erbärmd  wil  er 
underziehen.  er  wil  da  gewaltklichen  rede  n und  öch  selb  klager  und  rihter  sin. 
und  ain  swert  hat  er  in  sim  munde,  daz  schnidet  ze  baiden  orten,  daz  ist  als 
herte  daz  es  nieman  erliden  mag;  es  ist  als  stark  daz  nieman  da  wider  nüt 
mag;  es  ist  als  lang  daz  im  nieman  entrinnen  mag.  da  werdent  die  verlornen 
15  grisgrammend  und  werdent  schriend:  ‘owe  und  owe  und  iemer  an  ende  owe! 
bühel  und  berge  vallent  uf  üns  und  verbergend  üns  vor  dem  zorn  des  grossen 
rihters!  und  werdent  denn  sprechent:  'herre  Got,  du  bist  reht,  din  gerillt  ist 
öch  reht,  du  bist  stark  in  dim  zorne,  und  in  dim  urtaillen  bist  du  gewaltig!’ 


[31]  Von  der  beraitnng  der  sei. 

JO  /Vos  similes  hominibus  exspeetantibus  dominum  suum,  quando  revertatur  a 
nuptiis.f 

Alsus  sprichet  ünser  [56“ ] herre  in  dem  ewangelio:  'ir  sont  glich  sin  den 
mentschen  die  da  baitent  irs  herren  wenn  er  kom  von  dem  brutlöf*. 

Nu  sont  ir  merken  daz  er  spricht:  'ir  sont  geliehen  den  mentschen  die  da 
25  baitent'.  wes  baitent  die  lüte?  daz  tönt  si  des  des  si  nit  hant,  und  es  in  aber 
künftig  ist  ze  komen.  der  also  baitet,  haltet  rehte.  wir  sont  ünsers  herren 
baiten,  won  er  ist  üns  genomen.  er  wart  den  zwelf  botten  dristunt  genomen. 

Daz  erst  waz  do  si  fürent  uff  dem  mer,  do  gie  ünser  herre  uff  dem  ertrich; 
do  waz  sant  Peter  also  not  zii  ünsrem  herren  daz  er  nach  waz  ertrunken,  nu 
90  sont  ir  wissen  daz  bi  dem  mer  ist  bezaichent  disü  weit;  und  bi  dem  schiffe  daz 
uf  dem  mer  gat,  ist  bezaichent  daz  closter;  und  bi  dem  rüder  daz  daz  schiffe 
laitet,  da  bi  ist  üns  bezaichent  dü  regel  dü  daz  closter  laitet  und  ordiniert 
[56b]  also  daz  rüder  daz  schif.  die  alsus  uff  dem  mer  varent,  den  wirt  etweun 
ünser  herre  genomen.  daz  merkent:  bi  sant  Peter  sint  bezaichent  die  awibaht 
86  hant  in  dem  closter,  als  der  priol  und  der  keiner  und  der  schafner  und  die 


2.  also  tat  Unser  licrre  fehlt.  9.  da]  dt.  20.  Der  lat.  Text  fehlt.  2ß.  baitet  fehlt 
34.  andaht. 


7.  frei  nach  Ps.  111, 10;  Sap.  5,1  ff.;  Matt.  13,41  «sie.  12.  Apoc.  1,16.  16.  Luc. 

33,30.  20.  Luc.  13,  36.  29.  Matt.  14,  33  ff. 


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31,  Von  der  beraituog  der  sei. 


73 


andern  die  ämpter  liant.  den  wirt  unser  herre  genomen  also  daz  si  ze  vil  ge- 
redent  dik  und  von  ir  ampt  dik  verlassen  sint  und  ir  selbes  nit  gepflegen 
rnugent,  als  die  die  an  ampt  sint  disen  wirt  unser  herre  genomen  daz  si  im 
nit  mugent  also  hainlich  sin  als  si  gern  wärent. 

Zü  dem  andern  male  wart  er  in  genomen  in  der  naht  do  er  gevangen  5 
wart,  daz  sont  ir  wissen  daz  er  noch  mängem  mentschen  wirt  genomen  in  der 
naht,  bi  der  naht  ist  bezaichent  die  höpt  sünde.  und  alle  die  die  in  hopt 
Sünden  sint,  den  wirt  unser  herre  genomen. 

Zü  dem  dritten  male  do  wart  er  genomen  den  jungem,  wenn  waz  daz? 
daz  waz  entrüwen  do  er  [56'J  ze  hymelrich  für,  daz  waz  ze  mitten)  tag.  da  bi  io 
sint  bezaichent  die  sälgen  löte  die  mit  gantzen  tugenden  ir  leben  hainlichent 
mit  siner  gnade,  den  wirt  ünser  herre  öch  etwenn  genomen,  also  daz  si  in  nüt 
mugent  behan  nach  ir  willen,  alz  ünser  herre  gewonet  hat  mit  in  und  bi  in  ze 
wandeln. 

Nu  sont  ir  merken  hie  daz  erst  wort,  waz  die  sont  tüu  die  irs  herren  15 
baitent.  drü  ding  sont  si  tun. 

Daz  erst  ist:  si  sont  sich  ziehen  von  allem  geschalle  und  sont  losen  irs 
herren  stimme,  wenn  er  kome,  daz  si  in  hörent  und  in  in  lassent.  hie  von 
sprichet  der  wissag  Osee:  'ünser  herre  wil  sin  fründe  füren  an  ain  aini  und  wil 
da  reden  mit  iu'.  hie  bi  sont  wir  merken  daz  er  üns  leret  daz  wir  gern  sont  20 
sin  an  der  aini,  daz  wir  mugent  hören  wenn  ünser  herre  mit  üns  rede,  da  von 
liset  man  in  der  altun  e daz  ünser  herre  hiess  herr  Moyses  daz  er  im  ain  hus 
macht i in  [56"]  der  aini,  da  er  mit  dem  volk  redeti.  hie  bi  ist  üns  bezaichent 
daz  ünser  herre  alles  ain  wil  sin  in  der  aini;  da  fride  und  senfti  ist,  da  wil 
ünser  herre  reden  mit  der  sele.  nu  sont  ir  wissen  daz  ünser  herre  in  zwo  wis  25 
redet  mit  dem  mentschen:  uswendig,  da  bosset  er  vil  herteklich;  und  inwendig, 
da  redet  er  vil  süsseklich.  wie  ünser  herre  uswendig  bosset  an  daz  tor,  en- 
trüwen, daz  mugent  wir  wol  merken  au  hern  Job.  an  den  klophet  er  vil 
herteklich,  do  er  im  lib  und  gut  und  kint  nam.  entrüwen,  do  sprach  her  Job: 
owe  herre  Got,  daz  der  troph  diner  stimme  als  unverträglich  ist,  wie  sol  ich  so 
daz  vertragen  daz  da  an  dem  jüngsten  tage  donrent  wirt  mit  diner  stimme!’,  hie 
bi  sont  ir  merken:  swenne  ünser  herre  dem  mentschen  arbait  git,  so  klopfet 
er  uswendig  an  daz  tor;  und  der  sin  bossen  gütlich  enphahet  und  gedulteklich 
vertreit,  entrüwen,  mit  den  [57°]  wirt  ünser  herre  vil  gütlich  inwendig  redend 
mit  der  sele.  da  von  so  sont  ir  vil  gütlich  und  vil  tugentlich  enphahen  so  ünser  35 
herre  üch  arbait  git;  won  nach  dem  sturm wetter  kumet  gern  dü  haisse  sunne. 
daz  ist  also  vil  gesprochen:  nach  der  betrübsalli  und  nach  der  arbait  kunt  gern 
ünsers  herren  gnade,  nu  sont  ir  wissen,  swa  ir  den  wissagen  hörent,  daz  ünser 
herre  denne  redet,  als  der  wissag  sprichet:  ‘ich  wil  hören  waz  ünser  herre  in 
mir  rede,  er  redet  frid  mit  sim  volke’.  da  bi  daz  er  sprichet:  ‘ich  wil  hören  40 


5.  Man.  26,  56  ff.  9.  Luc.  24  , 50.  19.  Oste  2,  14.  22.  Ecod.  25,8. 

30.  Job  26,  14.  39.  Pt.  84,  9. 


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74 


3t.  Von  der  beraituug  der  sei. 


waz  Got  in  mir  redet’,  da  mit  git  er  uns  ze  verstände  daz  er  vil  süssekliche 
redet  inwendig,  waz  aber  du  red  si,  daz  waiss  du  sei  michels  bas  denn  si 
gesagen  kunne.  da  von  spriht  sant  Augustinus:  ‘mir  ist  erschinen  ain  lieht« 
lieht  ob  miner  sele,  und  ich  waz  gefüret  in  ain  unverträglich  süskait.  da  ward 
5 ich  min  selbes  ungewaltig,  [57*]  und  waz  dü  süskait  als  unerkant  daz  ich  mit 
mim  hertzen  dar  an  nit  kan  gedenken,  min  munt  kan  da  von  nit  gesprochen 
und  ich  kan  da  von  nieman  nüt  gesagen’.  nu  sont  ir  merken  daz  erst  wort:  ‘si 
sont  sich  ziehen  von  allem  schalle!’ 

Was  sont  si  me  tun?  si  sont  daz  hus  beraiten,  so  der  herre  kome,  daz  er 
io  es  schön  vinde  und  wol  berait.  dis  hus  ist  unser  hertze;  daz  sont  wir  beraiten. 
swenn  unser  herre  kome,  daz  er  es  schön  vinde.  daz  unser  hertze  si  ünsers 
herren  hus,  daz  sprichet  er  selbe:  ‘min  vatter  hat  mir  dis  hus  geben  ze  ainem 
rehten  erbe',  dis  hus  sont  wir  beraiten.  iutrüwen,  wir  sont  die  sünde  us  furben 
und  die  Untugend  der  sünden.  und  denne  sont  wir  es  zieren  mit  tugentlichen 
15  werchen  und  sont  unser  hertze  reht  blümen  mit  tugentlichen  gedünken. 

Daz  dritte  daz  die  tiin  sont  die  irs  herren  baitent,  daz  ist  daz  si  den 
schätz  getrülich  gehaltint  den  er  in  bevolhen  hat.  intrüwen,  unser  herre  [57] 
hat  uns  drü  ding  bevolhen  und  gelassen  in  dem  hus:  daz  ist  ain  vetzli  und  ain 
lieht  und  ain  band,  bi  dem  vetzlin  ist  bezaichent  die  gehügde  der  sele.  in  dem 
20  vetzlin  gehaltet  man  die  spise  und  richtiim.  also  sol  der  mentsche  tün:  in  siner 
gehügde  sol  er  tragen  und  haben  ünsern  herren,  won  er  ist  dü  ewig  spise.  und 
da  von  sprichet  ain  hailig  man:  ‘dis  körne  ist  üns  gesant  von  hymelrich  uff 
ertrich  und  wart  enphangen  in  der  mägde  übe  und  wart  gebom  und  erstarb 
und  wfart  begraben’,  dis  körn  daz  waz  unser  herre  Jhesus  Christus,  von  dem 
25  körn  sint  wir  öl lü  körnen,  hie  gelichet  er  üns  aim  simel  brot.  von  dem  liset  man 
in  der  alten  e,  daz  wTaz  mit  öl  gesprenget.  wie  sont  wir  disem  brot  glich  sin? 
intrüwen,  wir  sont  gemalen  werden  enzwüschent  zwain  mülstain:  der  ober  stain 
daz  ist  züversiht;  der  under  ist  ünsers  herren  vohrte.  mit  disen  zwain  [57] 
stainnen  sont  Allü  ünsrü  weich  getempert  werden  und  als  klain  gemalen  daz 
so  wir  den  simlen  glich  werdent.  daz  simlin  brot  waz  besprenget  mit  öle,  daz  ist 
mit  ünsers  herren  blute,  daz  ist  der  selan  gezierde;  und  ain  ieglich  tilgend  in 
der  sei  daz  ist  ain  troph  ünsers  herren  blütes.  in  dem  v Assi  in  hat  er  üns  ge- 
lassen ain  lieht,  da  bi  ist  bezaichent  der  sele  Vernunft,  daz  ist  daz  wir  ünsern 
herren  kunnent  erkennen  in  alr  creatur,  und  wie  er  in  alr  creatur  ist.  daz 
85  dritt  daz  ist  ain  minnenbant.  daz  baut  haisset  dü  minne  und  ist  öch  dü  minne. 
dis  band  bindet  ünsern  herren  und  die  sele  ze  samen.  und  dannan  von  sprichet 
ain  hailig  man:  ‘ünser  herre  wil  nit  daz  man  gold  oder  silber  oder  kain  gut  zu 
im  binde;  er  wil  allain  mit  der  minne  zu  der  minnerin  gebunden  sin  und  wer- 
den’. [58“ ] in  trüwen,  da  bindet  die  minne  die  minnerin  zü  dem  geminten, 

1.  ze  zweimal.  18.  vetzli  — ■ väsalin  Z.B2.  29.  sontj  zuerst  sint  mit  übergeschriebenem  o- 

89.  d£l  dem  oder  den  ? 

12.  Anklänge  an  Ps.  2 , 8;  15,  5.  2«.  Exod.  29,  2.  35.  vgl.  S.  55  Z.  15  ff- 


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31.  Von  der  beraitung  der  sei. 


75 


lind  dannan  von  liset  man  daz  der  bailig  gaist  die  sei  nimt  uff  sin  vedrun 
und  swenket  si  uf  den  geminten,  daz  ist  des  lebendigen  Gottes  sun.  für  den 
füret  der  bailig  gaist  die  sele  mit  dem  süssen  andabt  der  rainnun  sei  und 
ist  da  mit  Gotte. 


[32.]  Von  unser  vroweu  sant  Mariun.  5 

Rorate  celi  desuper  et  nubes  pluant  iustum,  aperiatur  terra  et  germinet 
salvatorem  et  iusticia  oriatur. 

Disü  wort  sprichet  der  wissag  Ysayas:  'die  himel  gebent  üns  daz  tow  und 
die  wölken  regnant  üns  den  regen,  daz  ertrich  tüg  sich  uf  und  geb  üns  ainen 
behalter’.  io 

Mit  den  Worten  daz  er  sprichet:  ‘die  hymel  gebent  üns  daz  towf>,  dar  an 
sont  ir  merken  zwai  ding,  bi  dem  hymel  ist  bezaichent  ünser  herre  Got;  und 
bi  dem  [58I'J  tow  ist  bezaichent  die  gnad  die  ünser  heiTe  tet  an  ünser  vrowen 
e daz  si  ünsern  herren  enphieng.  won  daz  sont  ir  wissen  daz  er  si  hatt  erwelt 
von  angeng  der  weit,  e daz  er  ie  mentsch  oder  engel  gesell üf,  do  batt  er  ir  15 
leben  geordnet  und  batt  si  erwelt  im  selber  ze  ainer  rüwe. 

Daz  ander  wort  da  sprichet  er:  'die  wölken  lassent  üns  deu  regen’,  da  bi 
ist  üns  bezaichent  ünsers  herren  zükunft;  won  dü  ist  glich  dem  regen,  und  reht 
als  klain  daz  tow  ist  wider  dem  regen,  also  waz  dü  gnade  die  ünser  vrowe 

hatte  e daz  si  ünsern  herren  enphiengi,  wider  der  gnade  die  si  hatte  do  si  20 

ünsern  herren  enphieng:  dü  waz  als  klaine  als  daz  tow  ist  wider  dem  grossen 
regen,  do  si  aber  ünsern  herren  enphieng,  do  wart  si  erst  volkomen  an  der 
gütlichen  gnade;  wan  si  wart  erfüllet  mit  Gotte  und  mit  aller  der  gnade  die 
Got  hatte,  do  der  engel  Gabriel  zu  ir  kam  und  ir  brahte  dü  hohen  werden 

[5&]  märe  daz  si  solte  müter  sin  des  künges  von  hymelrieh  und  der  engel  und  25 

hymels  und  erde  gewaltig  waz  und  ist,  da  sprach  er  zu  ir:  'Got  grütze  dich  vol 
der  gnaden,  du  bist  erfüllet  mit  dem  obrosten  Gotte',  er  mokte  wol  sprechen 
daz  si  vol  gnaden  wäre;  won  si  waz  ain  gestüle  und  ain  gezelt  des  obrosten 
Gottes,  da  von  sprichet  sant  Bernhart:  ‘0  süssü  edlü  vrowe,  du  hast  beschlossen 

in  dim  kranken  übe  den  grossen  Got;  der  als  gross  ist  daz  in  hymel  und  erde  so 

nit  mag  begriffen,  den  umb  vieng  du  in  dim  mägtlichen  libe*.  dis  gnad  mag  wol 
ain  regen  sin  wider  der  gnade  die  si  e hatte,  si  wart  och  gehailget  und  ge- 
segnet in  ir  libe,  und  alles  ir  leben  daz  waz  reht  ain  blüme  und  ain  Spiegel; 
wan  si  ist  ain  lyli  under  den  dornen,  man  liset  von  ir:  do  si  ünsers  herren 

swanger  wart  und  Joseph  des  ge  war  wart,  do  dünkte  si  in  als  rain  in  allem  S5 

irem  leben  [58*]  daz  in  daz  möglicher  duhte  daz  si  ain  kint  gewunne  wider  der 
nature  denn  daz  si  mühti  gesünden.  daz  dis  war  si,  daz  schribet  Orienes.  der 


25.  hlmelrich,  der  engel  f 32.  geliailgz  am  Ende  der  Zeile. 


6.  h.  45,  8.  13.  vgl  S.  48  Z.  5.  26.  Luc.  1,  28. 


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76 


82.  Von  unser  vrowen  Bant  Mariun. 


spricht  daz  Joseph  zwen  gedänk  hatte  uff  unser  vrowen;  der  ain  der  waz  daz 
er  sich  wunderte  daz  si  ain  kint  solte  tragen  maget  wesend;  der  ander  waz  daz 
er  si  als  unmäsklich  rain  erkande  daz  in  mugücher  duhte  daz  si  ain  kint  ge- 
wänne wider  der  nature  denn  si  iemer  gesündeti.  und  doch  in  disem  strite 
s gehal  er  dem  gedank  daz  si  wider  der  nature  ain  kint  gewunne.  und  do  er  in 
disem  strite  waz,  do  kam  ain  engel  und  sprach  zü  im:  ‘gehab  dich  wol,  daz  si 
enphangen  hat,  daz  ist  von  dem  hailgen  gaist,  und  si  ist  erfüllet  mit  der  güt- 
lich gnade’. 

Daz  drit  wort  daz  er  sprach:  ‘daz  ertrich  tu  sich  uf,  da  mit  mainte  er  daz 

10  si  sich  uf  tet  und  sich  dar  zü  genaigte  daz  si  Gottes  [ 59']  müter  wurde,  dis 

ertrich  tet  sich  uf  do  si  dem  engel  antwurte  und  sprach:  'ich  bin  ünsers  herren 
dirn,  sin  wille  werde  an  mir’,  do  ward  alles  mentschlich  könne  an  ir  gnade 
komen.  da  von  spricht  sant  Bernhart  : ‘o  vrowe,  genaig  din  ore  und  enphahe 
Gottes  wort,  din  botschaft!  Got  von  hymelriche  und  die  hohen  engel  baitent 
15  din.  vrowe,  alles  mentschlich  könne  ist  gehangen;  nu  antwürt,  vrowe,  und  löse!’ 
Daz  vierd  wort  daz  er  sprach:  'und  gebe  uns  ainen  behailter’,  an  den 
Worten  gelichet  er  ünser  vrowen  ainer  reben.  reht  ze  glicher  wis  als  du  reb 
fruhtber  ist,  also  waz  ünser  vrowe.  si  ist  der  rebuu  glich  durch  drü  ding,  daz 
erst  ist  daz  si  schatten  git:  als  tüt  ünser  vrowe;  dü  gab  üns  ainen  schatte,  daz 

jo  waz  dü  mentschait  die  Jhesus  Christus  von  ir  nam.  der  wart  üns  ze  aim 

schatten  geben;  [59 *]  won  ünser  herre  Got  der  vatter  waz  so  hoher  schöni  daz 
mentschlich  ög  sin  nit  gesehen  molit,  uud  moht  sin  nit  erkennen,  do  gab  er 
üns  sinen  sun  zü  aim  schatten,  ze  glicher  wis  als  man  die  sunnen  nit  mag  an 
gesehen  mit  vollen  ogen,  also  mohtent  wir  nit  gesehen  ünsern  herren  e daz  er 
25  den  schatten  genam  von  ünser  vrowen.  der  schatte  daz  waz  dü  mentschait, 
Gottes  sun,  Jhesus  Christus,  den  gab  er  üns  ze  aim  schatten  uff  ertrich,  daz  er 
üns  lerti  und  üns  dü  weich  vor  titti,  daz  wir  die  sunnen  wurdent  erkennend, 
daz  ander  daz  an  der  rebun  ist,  daz  ist:  guter  smak  kunt  von  ir.  swenn  si 
blüget,  so  müssent  die  schlangen  alle  fliehen,  won  si  sterbent  von  dem  smak. 
so  also  tet  ünser  herre  Jhesus  Christus,  do  er  an  dem  erüze  stünt,  do  waz  sin 
smak  also  süsse  daz  er  die  tüfel  alle  vertraib.  man  liset  daz  von  ünserm  herren: 
do  er  an  dem  erüze  stünd  und  wolte  verschaiden,  do  sass  der  tüfel  ainhalb 
uff  dem  erütze  [59*]  und  wolte  sehen  waz  im  da  wurdi.  do  waz  des  gütlichen 
smakes  also  vil  da  daz  der  tüfel  da  niht  moht  hüben  und  für  dannan.  ir  sont 
35  daz  wissen  daz  ünsers  herren  marter  noch  hüt  die  kraft  hat:  swer  dekain  an- 
vehtung  hat  von  des  tüvels  räten,  nimt  er  ünsers  herren  marter  in  sin  hertze, 
si  müssen  all  fliehen  und  enmugent  im  nit  geschaden.  man  liset  in  der  altun  e: 
do  her  Moyses  daz  volk  fürte  usser  Egypten  land,  do  liess  ünser  herre  fürin 
schlangen  werden;  und  wer  von  den  schlangen  geheket  wart,  der  müste  sterben. 


15  gehangen;  l.  gevangen  ? vgl.  S.  77  Z.  34  (Soethe).  21.  des. 


6.  Matt.  2,  19.  11.  Luc.  1,  38.  87.  ,Vum.  21,  6. 


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32.  Vou  Unser  vrowen  sant  Mariun. 


77 


do  batt  her  Moyses  ünsern  herren  daz  er  im  etlichen  rät  gäbe  daz  daz  volk 
nit  verdürbe,  do  hiess  in  unser  herre  daz  er  ain  erin  schlangen  gussi  und  den 
uf  hiengi  an  ainen  phäl.  und  so  ain  mentsch  geheket  wurdi  von  den  fürinen 
schlangen,  so  solt  er  den  an  sehen,  so  enwürre  im  nit  bi  dem  erin  schlangen 
ist  bezaichent  unser  herre  als  er  an  dem  crütz  stünd.  und  reht  als  [59*]  die  5 
lute  von  dem  erin  schlangen  gesund  wurdent  so  si  in  an  sahent,  ze  glicher  wis 
geschiht  dem  mentschen  daz  geheket  wirt  von  dem  tüfel  mit  den  Sünden:  so 
sol  er  ünsern  herren  an  sehen  als  er  uff  dem  crütz  stünt,  und  sol  daz  in  sin 
hertze  vesteklich  setzen,  so  werdent  die  sünde  all  ertötet,  won  ir  sont  wissen: 
swer  mit  gantzem  hertzen  und  mit  süsser  andaht  gedenket  an  ünsers  herren  to 
marter,  des  sei  enphahet  ünsern  herren  gaistlichen  inwendig  reht  als  so  si 
ünsers  herren  licham  enphahent.  daz  drit  so  an  der  rebun  ist,  daz  ist  daz 
si  fruht  treit.  daz  tet  och  ünser  vrowe.  waz  fruht  brahte  dü  hymelschlich 
küngin?  daz  tet  si:  den  süssen  Jhesum  Christum,  daz  waz  dü  lebend  fruht; 
von  der  fruht  ist  ällü  dü  weit  lebend  worden.  is 


[33. ] Aber  von  ünser  vrowen. 

Mulier  amicta  sole  ecetera. 

Sant  Johannes  sprichet  in  Apocalj'p/t»0°/si:  ‘ich  sach  ain  vrowen,  dü  waz 
beklaidet  mit  der  sunnen  und  hatte  den  man  nnder  iren  füssen  und  hatte  uff 
irem  höbet  ain  kröne  mit  zwelf  Sternen'.  *> 

Mit  disen  Worten  ist  ünser  vrowe  gelobt  an  drin  dingen. 

Daz  erst  daz  si  gar  göttin  ist  worden,  daz  merket  man  an  dem  ersten 
worte  daz  er  spriht:  ‘ich  sach  ain  vrowen,  dü  waz  beklaidet  mit  der  sunnen’. 
dannan  von  sprichet  sant  Bernhart:  ‘vrowe,  du  hast  wol  gewehselt!  du  hast 
die  sunnen  klait  mit  den  wölken,  und  er  hat  dich  klait  mit  der  sunnen:  du  hast  2S 
in  klait  mit  den  wölken  diner  mentschait,  und  er  hat  dich  klait  mit  der  sunnen 
siner  gothait’. 

Nu  sint  an  der  sunnen  vier  ding,  daz  erst  daz  dü  sunne  gemain  ist;  daz 
ander  daz  si  hob  ist;  daz  dritte  daz  si  haiss  ist;  daz  vierde  daz  si  lieht  ist.  an 
disen  vier  dingen  glichet  ünser  vrowe  der  sunnen. 

An  dem  [60*]  ersten  daz  si  gemain  ist.  dar  an  glichet  sich  ünser  vrowe  der 
snnnen,  won  si  ist  gemain  worden  allen  den  lüten.  da  von  spricht  sant  Bern- 
hart:  ‘Maria  hat  uf  getan  den  büsem  der  erbärmde  an  allen  dingen,  dar  umb 
daz  wir  von  ir  volle  gnade  nement;  won  von  ir  hat  enphangen  der  gevangen 
losung,  der  siech  gesunthait,  der  trurig  trost,  der  sünder  abläss  aller  siner  sünde,  ss 
der  reht  gnade,  der  engel  vröde’. 


7.  den.  8.  herren  fehlt.  24.  dv. 


16.  Vgl.  zu  diesem  Stücke  die  Predigt  des  hl.  Bernhard  über  denselben  Text:  iligne,  Opera 
S.  Bernhardt  II  *29  ff.  17.  Apoc.  12,  1. 


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78 


3».  Aber  von  ünser  vrowen. 


Daz  ander  da/  du  sunne  hoh  ist:  also  ist  öch  ünser  vi'Owe  hohe,  won  si  ist 
erhöhet  über  alle  creature.  daz  daz  war  si,  daz  bewArt  man  wol  als  die  maister 
sprechent.  so  die  under  zwain  dingen  bewArren  went  weders  daz  besser  si,  so 
bewArrent  sü  es  also  und  sprechent:  daz  best  ross  ist  besser  denne  der  best 
5 esel,  also  ist  och  der  engel  dü  höhst  und  dü  edlost  creature  dü  ie  wart  über 
die  ist  ünser  vrowe  erhöhet,  als  man  singet  von  ir:  'Gottes  müter,  du  bist  er- 
höhet über  die  köre  der  engele’.  [GO1]  hie  mit  Ist  es  wol  bewAret.  sant  Dyo- 
nisius  sprichet  und  seit  waz  der  engel  si.  er  sprichet  daz  der  engel  si  ain  bilde 
Gottes  und  ein  luter  glanzer  spiegel  ane  fleken  und  ain  offenunge  des  tögnen 
io  Spiegels  und  liehtes.  an  disem  selben  dinge  ist  ünser  vrowe  höher  denn  der 
engel,  won  si  waz  ain  bilde  Gottes  e ie  kain  mentsche  wurde,  hie  an  ist  öch 
der  mentscb  aim  engel  gelich,  won  er  ist  ain  bilde  Gottes,  daz  ander  ist  daz  der 
engel  ist  ain  luter  und  ain  glanzer  spiegel  An  allen  fleken.  dar  an  ist  ünser 
vrowe  höher  denn  der  engel,  won  si  ist  dü  rainste  und  dü  schönste  creatür  die 
15  ünser  herre  ie  geschüf.  her  an  mag  der  mentsch  dem  engel  niht  gelich  sin  daz 
er  ane  fleken  mug  gesin  der  sünden,  als  der  engel  ist.  der  engel  ist  also  ge- 
schaffen daz  er  nit  sünden  mag.  der  engel  ist  öch  ain  offnung  des  tögnen 
liehtes,  [60* ] won  si  offnent  unsere  herren  togni.  ünser  vrowe  dü  öffnet  unsere 
herren  togni  nie,  won  si  ir  och  me  waiss.  dar  an  mag  och  der  mentsche  dem 
20  engel  nit  glich  sin,  won  im  ist  verborgen  dü  togni  unsere  herren. 

Daz  dritte  daz  an  der  sunnen  ist,  daz  ist  hitze.  dar  an  gelichet  sich  ünsrü 
vrowe  der  sunnen,  won  si  ist  in  dem  füre  der  hohen  drivaltkait,  und  ist  daz  für 
in  ir,  und  hat  si  daz  für  als  umbvangen  und  beschlossen  daz  si  niemer  dar  us 
komen  mag.  hie  von  spricht  sant  Bernhart:  'mich  wundert  wie  so  ain  klainnü 
25  creatur  geleben  muge  in  so  grossem  füre’.  ünser  vrowe  ist  ain  klainnü  creature 
wider  der  gothait  ünsers  herren  und  ist  doch  alz  verre  und  als  hoh  komen  in 
ünsers  herreu  gothait.  da  sprichet  sant  Bernhart  daz  in  wundre  wie  si  die 
[61"]  grossen  hitze  der  gothait  erliden  muge.  Got  der  groz  wunder  hat  getan 
daz  er  ain  so  klain  creature  in  sich  selben  so  hoh  gezogen  hat,  der  git  ir  och 
30  wol  die  kraft  daz  si  die  hitze  siner  gothait  erliden  mag.  die  hohen  engel  Sera- 
phyn  brinnent  och  in  disem  füre,  aber  doch  brinnent  si  so  vast  nit  in  disem 
füre  als  ünser  vrowe,  won  si  och  dem  füre  nit  so  nahe  sint.  nie  engel  noch 
mentsche  bran  von  disem  füre  so  vaste  als  ünser  vrowe,  won  och  nie  creature  so 
hoh  in  daz  für  kam  der  gothait  als  ünser  vrowe,  noch  niemer  me  kunt.  daz  für 
35  mag  üns  wol  enwenig  an  rüren,  alz  man  liset  von  Ysaya.  do  den  ünser  herre 
hiess  bredien,  do  antwurt  er  im  und  sprach:  'herre,  min  lefzen  sint  unraine’. 
(daz  waz  nit  von  siner  rede  schulde,  er  waz  bi  den  lüten  die  unrain  lefzen  hat- 
tent  [6P]  und  unrainuü  wort  sprachent,  und  da  von  warent  sin  leftzen  unrain 


4.  best;  I.  bost?  (Panzer).  15.  I.  hier  an?  27.  da>  dz.  28.  dl  Got  groz.  I.  so  groz? 


6.  ist  einem  Vermkel  aus  dem  Brevier  auf  Mariä  Himmelfahrt  (15.  August)  entnommen:  ex- 
altata  est  saurta  dei  genitrix  super  cboros  angelorum  ad  coelestia  regna.’  35.  Isai.  6,  5. 


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33.  Aber  von  unser  vrowen. 


79 


worden),  do  kam  der  engel  zü  im  und  brahte  ain  brinnenden  koln  und  traff  sin 
lefzen  da  mit  und  sprach  do  zü  im:  'nu  sint  gerainnet  din  lefzen  und  sint  dir 
alle  din  sünd  belassen’,  alz  mag  uns  daz  für  wol  enwenig  treffen,  daz  wir  ge- 
raint  werdent  und  lins  all  unser  sünd  belassen  werdent:  aber  nieman  umbvahet 
daz  für  der  gothait  als  es  ünser  vrowe  umbvangen  hat  es  hitt  si  allenthalben  5 
umbvangen  und  umb  gossen,  und  ist  in  der  gothait  als  in  ainer  cluse.  Lucifer 
waz  ain  lieht  träger  und  waz  noch  in  daz  für  nit  komen;  war  er  aber  noch  da 
ain  wile  in  dem  lieht  gesin,  so  war  er  in  daz  für  komen.  do  viel  er,  do  er  noch 
do  in  dem  lieht  an  für  waz;  da  von  ist  er  in  dem  für  an  lieht  da  von  spricht 
sant  Bernhart:  'Lucifer,  lieht  träger,  wärist  du  ain  für  träger  gesin,  so  wärist  io 
[61‘]  du  nie  gevallen!’  er  waz  in  dem  lieht  und  in  der  gnade,  er  waz  aber  nit 

in  daz  für  komen,  daz  er  dar  inne  bes tütet  wäre,  also  sint  noch  etlich  lüt;  die 

flissent  sich  me  daz  si  lühtent,  denn  daz  si  brennent,  also  daz  si  iren  fliss  ge- 

setzet  hänt  uff  wishait  und  uff  kunst  denn  uff  tugend  und  uff  dü  ding  da  von 

ir  hertz  enbrunne  an  gütlicher  minne.  die  sont  vorhte  han  daz  si  vallint,  15 
won  si  nit  in  daz  für  komen  sint,  in  die  minne  und  in  die  rehten  tugend.  aber 
ünser  vrowe  ist  alz  beschlossen  und  alz  bestätet  in  dem  gütlichen  füre  daz  si 
niemer  dar  uz  komen  mag. 

Daz  vierde  daz  an  der  sunneu  ist,  daz  ist  lieht,  dar  an  gelichet  sich  öch 
ünser  vrowe  der  sunnen;  won  daz  ewig  lieht  ünsers  herren  hat  si  als  gar  durch  20 
lühtet  daz  si  üllüsament  ain  lieht  ist  worden,  von  disem  lieht  spricht  sant 
Dyonysius:  'daz  lieht  ünsers  herren  rainnet,  entlühtet  und  vol  bringet’,  ‘es  raint 
üns',  spri/W/chet  er,  ‘von  aller  der  misshellung  dis  lasters’.  mit  zwain  dingen 
wirt  dü  sei  entrainnet:  so  si  sich  füget  zü  unrainnen  dingen,  und  so  sich  un- 
rainü  ding  zü  ir  fügent.  denn  füget  sich  dü  sele  ze  unrainnen  dingen,  so  si  bös  25 
gedenke  und  gelüste  von  ir  selbe  nimet  und  da  mit  umb  gat.  so  sich  aber  un- 
rainnü  ding  zü  der  sele  fügent,  daz  ist  so  der  tüvel  ratet  bösü  und  üblü  ding, 
von  disem  laster  rainet  üns  daz  lieht,  daz  wir  lidig  da  von  werdent.  aber  ünser 
vrowe  waz  vrilich  lidig  von  aller  misshellung  denn  ie  kain  mentsch  wurd  oder 

iemer  werde;  won  von  natur  ist  aim  ieglichen  mentschen  ain  kraukait  die  in  so 

wiset  zü  den  Sünden,  des  waz  ünser  vrowe  gar  äne;  won  ünser  herre  hat  ir 
natnr  also  gerainnet  daz  si  nit  mohte  sünden,  und  enhatt  enkain  ding  daz  si  ze 
Sünden  / 62 "]  wisti.  daz  ander:  daz  daz  lieht  ünsers  herren  entlühtet  mit  der 
gütlichen  kunst.  mit  dem  lieht  waz  ünser  vrowe  volklich  entlühtet;  won  ünser 
herre  hat  siner  hohen  wisshait  und  siner  gütlichen  kunst  in  si  me  gegossen  denn  33 
in  ie  kain  mentsch  oder  engel.  nu  spriht  sant  Gregorius  daz  der  sunnen  lieht 
niemer  reht  in  dem  Spiegel  geschinnen  mag  won  so  er  allersament  gegen  der 
sunnen  keret  ist.  also  mag  och  daz  lieht  des  ewigen  sunnen  niemer  reht  in  daz 
hertz  geschinnen,  noch  mag  daz  hertz  des  lielites  enphahen  nit  so  es  von  Got 

sich  keret  und  zü  zerganklichen  dingen  keret  ist  so  es  aber  reht  kert  ist,  also  <o 


13.  /.  fliss  me  f 14.  hät  23.  dis]  l.  des  ? 27.  fvget.  29.  vrilicher  t vgl.  S.  80  Z.  4. 


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80 


SS.  Aber  von  finser  vrowen. 


daz  es  sin  sinne,  sin  girde  und  sinen  willen  gegen  Got  keret  hat,  so  mag  öch 
der  sunuen  lieht  dar  in  geschinnen  und  mag  öch  daz  hertze  volleklich  enphaben. 
und  da  von  won  unser  vrowe  den  spiegel  irs  hertzen  [62*]  reht  gegen  Got  kert 
hatte  — und  ir  gelnigde,  ir  wille  und  alle  ir  sinne  warent  frilicher  gen  Got  keret 
5 und  gerihtet  denn  ie  kain  mentsch  wurde  — , da  von  enphieng  si  öch  me  liehtes 
denn  ie  mentsche.  ain  lerer  sprichet:  ‘unser  herr  Got  ist  ain  so  getan  lieht  daz 
nieman  vinden  mag  won  redlich  und  rainmi  werch  und  lutri  ir  hertzen’.  daz  daz 
hertze  redlich  si,  dar  zü  hörent  zwai  ding,  daz  erst  ist:  du  lere  unsere  herren 
enphahen;  daz  ander:  daz  es  du  vollebringe  mit  den  werehen;  won  es  hilfet  nit 
io  daz  der  mentsche  die  lere  höret  und  enphahet,  er  volbringi  si  och  mit  den 
werehen.  unser  herre  wil  sament  daz  ör  und  die  hant.  daz  ist  also:  so  daz  ör 
die  lere  höret,  daz  öch  denn  du  hand  da  zü  griffe  und  es  mit  den  werehen  vol- 
bringe.  hie  von  spriht  der  wissag:  ‘also  schier  sü  gehortent,  do  warent  sü 
berait  zü  gehoreami’.  also  sol  och  der  mentsche  der  lere  gehorsam  sin  die  [62'] 
15  es  gehöret  von  dem  lerer,  und  ze  vordrost  der  lere  die  der  hailig  gaist  tüt;  won 
swaz  der  hailig  gaist  dem  hertzen  grünet,  dez  sol  es  willeklich  gehorsam  sin. 
daz  daz  hertze  rain  und  luter  si,  dar  zü  hörent  vier  ding:  daz  daz  mentsch  fri 
si  schulden  und  witze  und  üppiger  gedönke  und  unsälger  girde.  swenn  denn  daz 
herze  redlich  ist,  also  daz  es  die  lere  enphahet  und  och  behaltet,  und  rain  und 
20  luter  ist,  und  fri  ist  schulden  und  nutze  und  aller  üppiger  gedänk  und  unsölger 
begirde,  so  mag  er  wol  daz  lieht  vinden  linsers  herren.  sant  Paulus  spricht  öch 
von  disem  lieht:  ‘du  sunne  sol  niemer  erlöschen  von  üwrem  zorn’.  daz  betütet 
man  in  dri  wis.  dü  schrift  betütet  es  alleklich  also  daz  der  zorn  in  des  ment- 
schen  herzen  niemer  übernahten  sol,  daz  dü  sunne  under  kome.  in  enander  wis 
25  betütet  man  es  och,  also  verstat  mans  aigenlicher  daz  der  mentsch  den  zorn 
nie/6\S?7mer  in  dem  herzen  sol  gehan,  daz  er  ünsers  herren  gnade  iemer  geierre. 
daz  dritte,  als  sant  Dyonisius  sprichet,  daz  daz  lieht  ünsers  herren  volkomen 
machet,  daz  der  mentsch  reht  wirt  ain  spiegel  der  götlichen  tögni.  also  ist  öch 
ünser  vrowe  ain  speherin  der  götlichen  tögni;  won  si  spehet  in  der  hailigen  got- 
so  hait,  und  hat  me  erspehet  und  ervaren  der  götlichen  tögni  denn  ie  engel  oder 
mentsch.  si  hat  reht  die  gothait  durch  lusset  und  durch  sehen,  si  siht  verr  in 
die  gothait  und  in  die  götlichen  tögni  denn  ie  mentsch;  der  also  wol  gesähe  daz 
er  von  aim  end  der  weit  gesehem  möhte  untz  an  daz  ander,  sihet  si  die  got- 
hait luterlicher  und  erkennet  si  baz  denn  jener  möht  getün,  da  von  won  si  öch 
S5  dü  rainsten  und  dü  lntresten  ogen  hat 

Daz  ander  wort  dar  an  si  gelopt  [63  “]  ist,  daz  ist  daz  si  erhöhet  ist  über 
all  creatnr.  daz  merkt  man  an  den  Worten  daz  er  sprach:  ‘und  hatte  den  man 
under  den  fiissen',  won  ällü  creatur  ist  nnder  ir,  und  die  engel  sint  ze  schämelen 
worden  under  iren  füssen;  won  ir  stül  ist  genomen  von  den  engein  und  ist  ge- 


5.  mc  zweimal.  S.  ist]  erst.  16.  dez]  dz.  21.  er  — der  Mensch.  31.  verr  — = verrer. 


13.  Anklänge  an  Ps.  US,  60;  17,  45.  22.  Ephes.  4,26. 


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33.  Aber  von  unser  vrowcn. 


81 


setzet  zü  des  obrosten  künges  stül,  der  ain  herre  und  ain  Got  über  all  creatur 
gewaltig  ist.  da  von  spriht  sant  Augustinus:  ‘Maria,  dir  ist  gesetzt  von  den 
engein  ain  künklicher  stül  in  des  ewigen  künges  pfallentz,  und  Got,  der  künig 
ist  über  alle  künig,  der  minnet  dich  als  ain  müter  für  alles  daz  der  ist,  und  hat 
dich  gefüeget.  zü  im  mit  der  halsung  der  minne;  won  es  waz  nit  ain  wunder  5 
daz  unser  herre,  der  da  richset  in  dem  hymel,  mit  dir  sunderlichen  vröde  hat 
und  du  mit  im,  der  von  dir  mentsch  uff  der  erde  geboren  [63*]  wart,  und  dem 
du  da  so  dike  gütlich  tüte  do  er  klain  waz’.  ze  glicher  wis  alz  der  man  lieht 
enphahet  von  der  sunnen.  also  enphahent  öch  die  engel  und  die  hailgen  von  ir 
vröde  und  lieht.  io 

An  dem  dritten  wort  ist  si  gelopt  an  ir  sunderlichen  gnade,  daz  merket 
man  an  den  Worten  die  er  sprach:  ‘uff  ir  hopt  ain  kröne  mit  zwelf  Sternen’, 
sant  Bernhart  zellet  die  zwelf  Sternen  da  mit  Unser  vrowen  krön  geziert  waz. 
aber  aht  Sternen  sint  reht  sunderlich  ir  aigen  und  sint  ir  sunderlich  ere,  da  mit 
si  Got  sunderlich  geeret  hat  und  erhöhet  über  all  creature.  15 

Der  erst  Sterne  ist  daz  si  hoher  gebürt  waz;  won  si  wart  gehailget  und 
gesegnot  in  ir  müter  üb.  si  waz  och  hoher  gebürte  von  geschlähte;  won  ir  kint 
solt  byschof  und  künig  sin  worden,  also  hoher  gebürte  ist  mänig  mentsche; 
aber  daz  ie  kain  mentsch  an  sünde  wurd  geborn,  als  [63‘]  hoher  gebürt  wart 
nie  mentsch  weder  Ysayas  noch  Jeremyas,  weder  hailge  noch  mentsche,  der  Got  20 
ie  als  lieb  wart  als  User  vrowe  allaine.  mit  disem  Sternen  ist  Unser  vrowe  ge- 
zieret  für  all  mentschen. 

Der  ander  Sterne  ist  daz  si  wart  gegrützet  von  dem  engel.  der  grützte  si 
und  sprach:  'Got  grütze  dich,  völlü  gnaden,  Got  ist  mit  dir’,  dirr  gross  wart 
da  vor  nie  gehöret,  noch  wirt  niemer  me  daz  iemer  me  kain  mentsch  also  volle  25 
gnaden  werde  als  si  waz,  und  daz  Unser  herre  als  volleklich  mit  im  si  als  mit 
ir.  er  hiez  si  vol  gnaden,  wou  si  mit  im  erfüllet  waz  von  dem  itllü  gnade  und 
alles  güt  flüsset  und  der  selber  dü  gnad  ist.  er  sprach  och  daz  Got  mit  ir 
wäre;  won  er  wonte  mit  ir  mit  siner  liplichen  gegen würti  und  mit  siner  güt- 
lichen gnade:  won  ir  lip  wart  erfüllet  mit  siner  mentschait  und  ir  sei  mit  siner  30 
gothait.  dirr  Stern  schinnet  und  lühtet  allaine  in  Unser  [63*]  vrowen  kröne 
und  niena  anderswa. 

Der  dritt  Sterne  ist  daz  der  haiüg  gaist  über  si  kam;  won  do  ir  der  engel 

kante  daz  si  Got  solt  enpfahen  und  öch  geberen,  do  antwurt  si  im  und  sprach: 

‘wie  mag  daz  beschehen,  ich  han  doch  willen  daz  ich  iemer  künsche  welle  be-  35 
liben?"  do  antwurt  ir  der  engel  und  sprach:  'der  haiüg  gaist  sol  über  dich 
komen  und  dü  tugend  des  obrosten  sol  dich  beschätwen’.  dis  getet  Got  an  nie 
kaim  mentschen,  noch  getüt  es  och  an  niemer  mentschen  me. 

Der  vierd  Stern  ist  daz  si  Got  wunderlich  und  unsäglich  enphieng.  und  als 
si  ünsern  berren  enphieng,  also  enphieng  nie  vrowe  kain  kint  noch  öch  niemer  «> 

21.  disen.  2“.  waz  fehlt.  3S.  Die  Wortstellung  an  ...  me  fällt  auf. 

35.  Luc.  1,  34. 

Deutsche  Texte  de«  Mittelalters.  X.  6 


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82 


33.  Aber  von  Unser  vrowen. 


enpfahet.  swer  disen  Sternen  sehen  welli,  der  sehe  in  in  hymelriche  in  unser 
vrowen  kröne,  da  ist  er  und  niender  anderswa. 

Der  [64“]  fünft.  Stern  ist  daz  si  du  erst  waz  du  Got  iren  magtüm  opherte.  si 
tet  och  ain  wunderlich  und  ain  vrömd  ding,  daz  nie  beschach  noch  niemer  me 
5 beschiht.  unser  herre  hatte  die  e gebotteu  in  der  alten  e,  aber  in  dem  ewau- 
gdio  riet  er  den  magtüm;  und  den  baiden  volget  si  nach  und  behielt  daz  gebot 
der  e und  den  rat  des  magtümeR.  des  mag  sich  enkain  maget  gerümen  daz  si 

die  e und  den  magtüm  mit  enander  hab  behalten  won  si  allaine. 

Der  sehste  Sterne  ist  daz  si  in  gentzi  waz  berhaft.  der  Sterne  wart  nie 
10  gesehen  in  hyinelrich  noch  uff  ertrich,  noch  enwirt  och  niemer  me  gesehen  won 
in  unser  vrowen  kröne;  won  es  wart  nie  noch  wirt  och  niemer  me  daz  iemer 
vrowe  muge  sin  müter  und  magt  mit  enander  won  si  allain:  es  ist  ir  aigen,  wir 
müssent  irs  lan. 

Der  sibend  Sterne  [64*]  ist  daz  si  ünsern  herren  trüg  ane  swäre.  si  waz 
15  swär  an  swäre;  won  si  trug  den  den  hymel  und  erde  nit  mugent  enthalten  und 
der  mit  siner  kraft  müss  uf  han  ällü  ding,  daz  waz  wider  der  natur  daz  si 

ane  swäre  waz  do  si  ünsern  herren  trüg,  won  von  nature  ist,  so  ain  vrowe 

swanger  wirt,  daz  si  denn  swäre  müss  sin;  dar  an  wart  ir  och  vrowe  nie  gelich 
noh  niemer  me  wirt. 

20  Der  ahteud  Stern  ist  daz  si  an  klag  unser  herren  gebar,  dar  an  mag  sich 
ir  öch  nieman  geliehen,  also  ist  ällü  dü  weit  von  ünser  vrowen  geschaiden 
und  si  von  ir,  won  si  ist  an  disen  dingen  sunderlich  geeret  von  Gotte,  daz 
niemer  me  noch  do,  noch  sid,  noch  da  vor  e von  Got  also  gross  hailkait  nie 
mentsehen  lib  wart  bereit. 

25  Der  nünd  stern  daz  ist  schäm,  won  do  der  engel  zü  ir  kam  und  si  grützte, 
do  [64']  erschrak  si  und  swaig,  und  dü  liebi  die  si  zü  künsehait  hatte,  gab  ir 
baltkait,  daz  si  dem  engel  antwürt  und  sprach:  ‘wie  mag  ich  müter  werden,  nu 
han  ich  doch  Got  minen  magtüm  geophert?’  do  antwurt  er  ir  mit  den  Worten 
als  ich  da  vor  han  gesprochen:  ‘sanctus  Spiritus  etc.’,  dis  zimet  wol  allen  den 
80  lüten  daz  si  schäm  habent,  und  sunderlich  an  vrowen  und  allen  gaisclilichen 
luten,  ain  hailig  sprichet:  ‘daz  ist  reht  schäm  daz  der  mentsch  vorht  habe 
daz  er  misse  valle 

Der  zehend  stern  ist  audihtig  demütkait.  ünser  vrowe  glichet  sich  zwain 
Sternen:  der  ain  ist  der  obrost  und  der  ander  der  undrost.  won  do  ir  der  engel 
85  die  botschaft  brahte  daz  si  müter  solt  sin  ünsers  herren  und  si  und  Got  ain 
kint  gemaine  soltent  han,  do  hüb  er  si  uf  zü  dem  obrosten  Sternen,  do  warf  si 
sich  her  ab  zü  dem  nidrosten  und  sprach:  ‘ich  bin  ain  dime  Gottes,  nach 
di/'6‘i‘,/nen  worten  geschehe  mir’,  und  da  von,  won  si  ünser  herre  vand  an  der 
nidrosten  statt  der  deraüt,  da  von  nam  er  si  ze  ainer  müter  und  hat  si  öch  er- 


20.  finsem  ? 23.  nu  han  fehlt.  3S.  unser  herre)  vnsem. 


37.  Luc.  1,  38. 


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33.  Aber  von  unser  vrowen.  83 

höhet  an  der  obrosten  statt  in  hymelrich  von  ir  demütkait.  und  sprichet  och 
sant  Augustinus:  'o  gewürü  und  sälgü  demütkait,  dü  Got  allen  mentschen  gebar; 
du  hat  fürbraht  den  tödmigen  und  hat  den  hj’mel  erfüllet,  die  weit  gerainnet. 
daz  paradis  uf  getan  und  aller  mentschen  selan  sint  erlöst  von  der  hell’. 

Der  ainlfte  steme  ist  daz  si  hob  waz  an  dem  geloben;  won  si  gelobte  dü  5 
ding  dü  über  mentschlich  künne  warent,  alz  ir  der  engel  saite  daz  Got  die 
mentschait  von  ir  wolt  nemen  und  si  in  solt  maget  wesent  geberen.  dis  waz 
harte  hoch  über  mentschlich  kirnst,  dar  an  sont  wir  ir  nach  volgen  daz  wir 
hohen  geloben  ha/6‘5aybent;  won  daz  ist  des  geloben  Ion  und  sin  lob  daz  wir 
gelöbent  dü  ding  dü  wir  nit  begriffen  mugent  mit  mentsehlichen  sinnen,  sant  io 
Augustinus  sprichet:  'wir  sont  ünsrem  herren  etwas  vor  lan,  daz  er  mit  siner 
gütlicher  kraft  und  mit  siner  gütlicher  kunst  me  mug  getiin  und  kunne  denn 
wir  mit  mentschlicAer  kunst  begriffen  mugent’. 

Der  zweifle  steme  da  mit  ünser  vrowen  kröne  geziert  ist,  daz  ist  dü 
marter  irs  herzen,  also  sont  och  wir  marter  und  bitterkalt  han  an  ünserm  15 
hertzen  umü  die  sünde  die  wir  wider  Got  hant  getan,  und  ünsers  herren 
marter  sol  uns  och  ain  marter  sin  und  ain  bitterkait  an  dem  hertzen. 

An  disen  vier  tugenden  mugent  wir  wol  ünser  vrowen  nach  bilden  in  et- 
licher masse;  aber  daz  wir  si  als  durnühtklich  gewinnent  und  also  hoh  dar  an 
koment  als  si  komen  ist,  daz  mag  [65*]  nit  sin.  wir  sont  aber  ir  nach  volgen,  20 
so  wir  best  mugent  iren  tugenden,  so  mugent  wir  nit  ierre  werden,  da  von 
spriht  sant  Bernhart:  'der  ir  nach  volget,  der  wirt  nit  ierre  in  dem  wege;  der  si 
bittet,  der  bedarf  zwiflen  nit;  der  an  si  gedenket,  der  mag  verierran  nit;  den  si 
hebet,  der  envallet  nit;  den  si  beschirmet,  der  darf  im  führten  nit;  den  si  füret, 
der  wird  müde  nit;  dem  si  gnädig  ist,  der  kumet  zü  der  ewigen  vrüde’.  25 
Daz  wir  ir  nu  also  nach  volgegint  mit  tugenden  daz  wir  och  zü  ir  koment 
in  hymelriche,  des  helfe  üns  der  vatter,  der  sun  und  der  hailig  gaist. 


[34.1  Von  Gottes  lychamen  und  von  der  fruht  Gottes. 

Pinguescent  speciosa  deserti  et  valles  habundabunt  frumento  etc. 

‘Dü  scliöni  der  wüsti  sol  wiss  werden  und  die  berg  sont  entlühtet  werden’:  so 
wiss  mit  ünsers  herren  lyebamen  und  entlühtet  mit  sinen  Worten. 

Dü  wüsti  ist  [65']  daz  hertze,  daz  sol  sin  wüst  und  itel  aller  laster  und 
aller  sünden.  weles  hertze  also  luter  ist  und  wüste,  daz  hertze  wil  ünser  herre 
wiss  machen  mit  sim  lyehamen:  won  swer  sich  beraittet  zü  ünsers  herren 
zü  kunft  und  in  wirdeklich  enphahet,  der  wirt  wis  der  gaischlichen  w itze  ünsers  35 


1.  da k 1 in  hvmclrich  nachträglich  cingetchoben.  7.  maget  solt  wesent.  13.  m8tseh\ 
16.  vmd.  23.  vrierTan.  33.  luter]  itel?  34.  beraitjtct. 


29.  Ps.  64,  13. 


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84 


34.  Von  Gottes  lychamen  und  von  der  fruht  Gottes. 


herren  gnade  und  wirt  zü  legend  an  tagenden  und  an  sälden  und  wirt  stark 
und  gesunt,  daz  es  wol  lofen  mag  an  dem  weg  ünsers  herren,  der  da  treit  zü 
der  hymelschen  Jherusalem.  won  der  mentsch  muss  aintweder  fürsich  gan  an 
tugenden,  oder  aber  hindersich  an  Untugenden,  swel  mentsch  ünsern  herren  un- 
5 wirdeklich  enphahet  in  sin  hertze,  daz  vol  ist  alasters  und  Untugend,  daz  wirt 
me  gekrenket  denn  gesterket,  und  ladet  dester  me  sünd  uff  sich  selben,  unser 
herre  wil  nit  sin  in  aim  unsubern  und  in  aim  unrainnen  hertzen.  er  wil  sin 
in  aim  sch  Annen  hus,  won  [65*]  sin  herschaft  gezimet  wol  in  schöni  und  in 
wunneklichi  ze  wandlenn. 

l«  Xu  sont  wir  ünsern  herren  ain  tempel  und  ain  hus  machen,  da  sin  Wand- 
lung und  sin  wesen  inne  si.  dis  tempel  sol  sin  unser  her«,  dis  tempel,  unser 
her«,  sont  wir  im  alles  geben,  won  gebent  wir  im  ain  tail  und  dem  tüvel  ain 
tail,  daz  nimt  Got  nit  vergüt;  er  wirt  als  erzürnet  daz  er  sinen  tail  lat  und 
schaidet  von  dem  hertzen.  swer  den  grossen  Got  also  gehalten  wil,  der  also 
15  gross  ist  daz  in  hymelriche  und  ertrich  nit  bevahen  mag,  der  bedarf  wol  daz  er 
sin  hertz  beraite  und  wit  mache;  won  dem  daz  hertze  klain  und  eng  ist,  der 

denn  dem  tüvel  dekain  tail  lät  und  git,  so  enmag  ünser  herre  da  nit  beliben,  er 

lat  es  dem  tüvel  allessament.  won  also  kum  daz  lieht  und  dü  vinstri  in  ainer 
kemmaten  mugent  sin,  also  mag  Ach  daz  ewig  lieht  ünsers  [66° ] herren  und  der 
» tüvel  sament  nit  in  aim  hertzen  gesin.  won  ir  sehent  wol,  so  der  tag  nf  gat, 
daz  denn  dü  vinstri  under  gat;  und  so  dü  vinstri  kunt,  daz  denn  daz  lieht  ent- 
wichet: also  entwichet  der  liehte  tag,  ünser  herre,  so  er  den  tüvel  vindet  in  dem 

herzen;  won  ünser  herre  wil  aintweder  enkain  tail  an  dem  hertzen  han  oder 
aber  daz  hertze  gar.  ünser  herre  gert  an  den  mentschen  nit  won  dez  hertzen, 
25  als  er  selb  sprichet:  'kint  mins,  gib  mir  din  hertze’.  swer  ünsrem  herren  daz 
hertze  nimet  und  es  dem  tüvel  git,  der  robet  ünsern  herren,  won  er  nimet  im 
sin  reht  aigen,  won  er  geschiif  es  und  ist  ünser  nit,  als  öch  her  David  spricht: 
er  geschüf  üns,  wir  geschüffent  üns  selber  nit’. 

Ünser  herre  wil  och  nit  sin  in  aim  tempel  daz  genaigt  ist  ze  vallend,  da 
so  von  sprichet  ain  hailge:  ‘daz  ewig  [66*]  leben  wil  nit  gän  in  ain  tempel  daz 
genaiget  ist  ze  vallenn’.  daz  sint  dü  hertzen  dü  da  nit  gerihtet  sint  gegen 
hymelschen  dingen,  won  daz  si  genaiget  sint  ze  sünden.  er  wil  sin  in  aim 
tempel  daz  vestklich  gemachet  ist  und  uff  ain  güt  fundmiet  gesetzt  ist.  daz 
fundmiet  sol  sin  demütkait  nu  hörent  zwelf  ding  zü  rehter  demütkait.  der 
35  hailig  vatter  seit  von  zehnen  und  ain  ander  hailig  von  zwain,  also  sint  ir 
zwelfü.  daz  erst  daz  der  mentsch  allen  vülschlichen  willen  an  im  selben  töte, 
daz  ander  daz  der  mentsch  sin  hertz  und  sin  gedänke  offne  sinem  bihter.  daz 


10.  vnsern.  11/12.  unser  herze]  v'ns's  Irren  beidemal.  15.  nit  fehlt.  20.  nit  fehlt 
21.  kflt]  kunt  oder  knmt? 


25.  Prot'.  23,  26.  28.  P*.  99,  3.  35.  Gemeint  ist  der  hl.  Benedikt  im  7.  Kapitel  »einer 

Regel  (Wölfilin,  Benedicti  regula  monachorum  S.  IT),  wo  jedoch  von  12  Graden  der  Demut  dir  Rede 
i»t ; r gl.  auch  den  Traktat  de»  hl.  Bernhard  de  gradibu»  humilitati»  (Mignt,  Opera  I 941). 


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34.  Von  Gottes  lychamcn  und  von  der  fruht  Gottes. 


86 


dritte  daz  der  mentsch  sin  beschaidenhait  lassi  und  si  bevelhi  siner  maister- 
schaft.  daz  vierde  daz  der  mentsche  manung  gern  sol  hören  und  öch  der 
manung  gerend  sin.  daz  fünft  daz  der  mentsch  in  allen  dingen  sol  han  ge- 
dultig  gehorsami  und  stät  gedultekait.  daz  sehste  daz  der  mentsch  nit  tüge 
won  [66’]  daz  du  gemain  regel  oder  bild  siner  Vordren  seit,  daz  sibend,  5 
waz  der  mentsche  enphahe  gutes,  daz  es  sich  des  unwert  sage,  daz  ahtod 
daz  der  mentsch  sich  mit  warhait  und  mit  Worten  nidre  dunki  denn  ieman 
bi  im  si.  daz  nünde  daz  der  mentsche  sich  also  halte  und  mit  also  getanem 
frid  wandle  daz  nieman  von  im  betrübet  muge  werden,  daz  zehend,  werde 
aber  der  mentsch  betrübet,  daz  er  daz  also  gedulteklich  habe  daz  nieman  io 
enhain  betrüb  de  noch  ungebabde  an  im  mug  gesehen,  daz  ainlfte  daz  der 
mentsch  uit  sol  han  brüht end  stimme  noch  schrigend.  daz  zwelfte  daz  der 
mentsch  nit  lihteklich  lache,  dis  tempel  sol  öch  vier  wend  han.  daz  sint  vier 
tugend.  du  erst:  witze;  dü  ander:  sterki;  dü  dritte:  künschi;  dü  vierde:  reht. 
in  den  vier  wenden  wil  ünser  lierre  gerne  in  der  sele  sin.  nu  stünde  aim  ti 
wirt  harte  übel,  so  er  ainen  lieben  gast  gela/W/det  in  sin  hus,  daz  er  denne 
uss  dem  hus  giengi  und  den  gast  ainig  in  dem  hus  liessi:  also  stat  der  sele 
übel,  so  si  iren  lieben  brütgom  und  iren  süssen  gast,  ünsern  herren,  zü  ir 
geladet  aintweder  mit  sim  lieh  amen  oder  mit  siner  gnade,  daz  si  denne  usser 
dem  hertzen  gat  und  uss  der  hüte  irs  herren.  in  trüwen,  er  blibet  öch  da  nit,  jo 
er  schaidet  von  ir;  won  swenn  der  mentsch  sich  selben  und  Got  lat,  so  lat  och 
in  ünser  lierre.  den  lüten  geschiht  als  sant  Johans  schribet  in  sim  ewangelio: 
‘unser  herre  waz  in  der  weite  und  dü  weit  bekant  sin  nit,  und  er  kam  in  sin 
stat  und  sü  enphiengent  sin  nit’.  also  kumet  er  och  noch  zü  rnängem  hertzen 
mit  siner  gnade,  und  man  bekennet  noch  enphahet  sin  nit.  des  ensol  ain  J5 
mentsch  nit  tun.  so  es  Got  enphahet,  so  sol  es  och  bi  im  in  dem  hus  sin  [67"] 
und  Wirtschaft  mit  im  han  und  sol  daz  hus  niemer  gelan.  daz  wäri  ain  wunder- 
lich ding  daz  ain  gast  in  aim  hus  würe,  und  so  er  denne  uss  dem  hus  giengi, 
daz  im  dü  herberg  und  daz  hus  nah  giengi,  swa  er  hin  giengi,  und  sin  niemer 
wolt  vertan,  also  sol  dis  hus  dem  gast  nach  gan,  daz  ist  ünserm  herren,  dem  3» 
almähtigen  Got,  und  im  an  haften,  von  disem  anhaften  schribt  sant  Augu- 
stinus aim  sim  gesellen  ainen  brief  und  schraib:  'daz  ist  ain  völlü  wisshait  und 
ist  ietz  ain  säliges  leben:  der  an  dem  obrosten  Gotte  und  an  dem  ewigen 
lebenne  also  haftet  daz  er  niemer  mag  verlom  werden,  und  sin  sterki  och  an 
im  haftet  daz  in  nieman  überwinden  mag,  und  sin  künschi  an  im  haftet  daz  si  35 
niemer  geunsubert  mag  werden  von  enkainer  irdescheu  minne,  und  si  reht  also 
an  im  haf [67  *]iet  daz  es  undertänig  ist  ünsers  herren  rehten;’  won  daz  tünd 
och  die  engel  und  die  hailgen  daz  sü  undertänig  sint  ünsers  herren  rehten,  vrö- 
went  sich  in  sim  rehten  (als  der  wissag  sprichet : * et  in  iusticia  tua  exultabunt’), 


19.  licliam , am  Ende  der  Zeile. 


23.  Joan.  1,  10.  39.  P».  144,  7. 


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86 


S4.  Von  Gottes  lychamen  und  von  der  fniht  Gottes. 


und  haftent  an  im  äne  mitli.  und  swel  mentsch  an  unsrem  herren  alsus  haftet, 
daz  ist  ietz  ain  brüder  und  ain  fnint  der  hymelschen  burger  und  bat  sins 
bertzen  bus  gemachet  und  gemainsamet  mit  dem  hymelschen  huse,  da  von  won 
es  sich  ietz  in  disem  irdeschen  leben  glichet  hat  dem  bimelschen  lebenn.  swenn 
5 aber  denn  der  mentsch  sin  hertz  lat  und  mit  weltlichen  dingen  umb  gat,  so 
masget  es  den  hymel  und  bütet  sinen  mägen  und  sinen  fründen,  den  hailgen, 
uner  und  laster  und  ze  aller  vordrost  ünserm  herren  und  unser  vrowen.  da 
von  sol  sich  der  mentsche  fliesen  zuht  und  erberi  daz  er  sinen  brüdern  und 
sinen  fründen  laster  und  unere  üt  [67']  bieti. 
io  Ünser  herre  wil  öch  sin  in  aim  tempel  und  in  aim  gotzhus  daz  gezieret  und 
gewihet  sige.  wi  sont  wir  nu  dis  gotzhus  zieren  und  hailig  machen?  sant 
Peter  zieret  und  machet  hailig  disen  tempel  da  mit  daz  er  schreib  sinen 
jungem  ad  Phylippenses  und  sprach:  ‘ir  sont  nit  gedenken  won  das  war  si  und 
daz  raineklich  si  und  hailig  si  und  daz  minneklich  si  und  ordenlick  si  und  daz 
is  ewig  si  und  daz  gütes  Kunden  si  und  daz  lob  der  zuht  si’.  swenne  du  sei  ir 
tempel  alsus  zieret,  so  wil  ünser  herre  gerne  dar  inne  wonen  mit  der  sele. 
von  dirre  gezierde  sprichet  dü  sele  in  canticis:  'uuderlege  mich  mit  blümen  und 
umbsteke  mich  mit  malagranatin  güten,  guten  srnak’.  hie  bi  sint  bezaichent  die 
tugend.  bi  der  blümen  lindi  ist  bezaichent  daz  der  mentsch  lindü  und  fridsamü 
20  wort  gegen  allen  lüten  han  sol.  bi  der  schöui  ist  bezaichent  daz  der  mentsch 
schöner  und  zühtiger  gebärde  sin  sol  und  lob  der  zuht  [67*]  behalten  sol. 
bi  dem  güten  gesmake  ist  bezaichent  guter  lümde,  der  von  des  mentschen 
tilgenden  körnen  sol.  sant  Bernhart  zieret  öch  dis  tempel  mit  giiten  gedänken. 
er  zieret  es  öch  mit  ünsers  herren  marter  und  sprach:  'ir  sont  gedenken 
25  an  die  kröne  dü  ünsrem  herren  in  sin  hopt  gedruket  wart’,  da  von  stat  an 
der  minne  büch:  ‘gant  uss,  ir  tohtren  von  Syon,  und  nement  war  des  küniges 
Salomones,  und  nement  war  der  kröne  da  mit  in  sin  nulter  gekrönet  hat!'  (daz 
waz  dü  jüdeschait,  von  der  er  geboren  wart),  wir  sont  och  sehen  und  gedenken 
daz  er  selb  sin  crütz  trüg,  und  daz  man  in  dar  an  hieng  alz  er  ain  diep  wäre, 

so  und  daz  sü  im  under  sin  antlüt  spüwent;  und  do  er  tod  waz,  daz  er  durch  sin 

hertze  gestochen  wart,  und  wie  er  üns  erlöset  hat  von  der  vangnust  des  tüfels. 
er  ist  der  edel  signunfter,  won  [68*]  er  hat  gezemet  und  zerstöret  des  tüvels 
gewalt  an  dem  crütze.  da  von  spricht  ain  hailge  daz  ünser  herre  si  ain 
orthaber  des  lebens  und  der  vröden.  daz  oget  er  üns  wol  an  dem  crütze, 

S5  won  er  erwarb  üns  daz  ewig  leben  und  die  ewigen  vröde  und  mähte  üns 

lebend  und  gesunt  von  allem  siechtagen,  der  helfant  hat  ain  nature  daz  er 
lat  uss  der  nasun  ainen  gesmak,  der  machet  dü  höbet  gesunt;  und  als  man 
in  bittet  daz  er  den  srnak  lasse,  so  tüt  er  es.  bi  disem  helfant  ist  bezaichent 


12.  Pot']  I.  Pauluü.  18.  malagrauatin  blfiten  güten  smnkea?  die]  /.  dri  (Rorthe). 
35.  erw/warb. 


IS.  Phil.  4,  8.  17.  Cant.  2,  5.  26.  Cant.  3,  11. 


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34.  Von  Gottes  lycharaen  und  von  der  fruht  Gottes. 


87 


der  edel  helfaut,  unser  herre.  der  Hess  ainen  als  güten  smak  von  im  an 
dem  crütze  daz  er  von  uns  vertraib  allen  siehtagen  und  gesunt  sint  wor- 
den. und  swer  den  edlen  gesmak  siner  marter  noch  enphahet  und  siner 

tugend,  der  muss  gesunt  werden  an  der  sele.  da  mit  so  machet  der  menteche 
sinen  tempel  hailig;  und  aber  sunderlich  die  gedanke  von  [68*]  ünsers  herren  5 
marter  die  wihent  daz  tempel,  also  daz  der  tüvel  niemer  dar  in  körnen  mag. 

Und  dar  nach  sont  wir  linsern  herren  suchen,  won  sant  Paulus,  so  der 
geleret  dis  tempel  hailig  machen  und  zieren,  so  spriht  er  denn  erst  hindnen 
nach:  ‘und  denn  sont  ir  suchen  ünsern  herren  und  sont  sin  baiten  in  dem 
fride  und  in  der  senfti,  der  wil  wil  er  zü  üch  komen  und  Wirtschaft  mit  üch  10 
han.’  wie  sont  wir  nu  ünsern  herren  han  und  süchen?  da  von  sprichet  ain 
hailge:  ‘süchent  ir,  so  süchent,  und  sid  ir  süchent,  so  süchent.’  wa  sont  wir 
nu  ünsern  herren  süchen?  in  trüwen,  in  dem  hertzen,  da  vindent  wir  in. 
etlich  lüt  süchent  in  unreht,  si  süchent  in  usserhalb  ire  hertzen,  und  da  ist 
er  nit,  und  da  von  vindent  si  sin  och  nit.  wir  sont  nit  tün  als  der  rappe  15 
den  Noe  sante  uss  der  arche.  der  sass  affen  ain  äss  and  äss  daz  und  kam 

nit  wider,  do  sant  er  do  ain  tuben  us,  do  si  do  niena  vant  so  vil  [68'] 

daz  si  ir  füsse  gesetzen  möhte,  do  flog  si  wider  in  die  arche.  bi  dem  rappen 
ist  bezaichent  daz  weltlich  hertze:  so  daz  usgeflüget  in  die  weit  mit  sinen 
gedenken,  so  sitzet  es  uff  daz  bös  äss,  der  weit  unrainkait  und  bosshait,  und  20 
haltet  sin  gedänke  und  sin  girde  dar  üf  und  kunt  nit  wider  in  des  herzen 

hus.  aber  bi  der  tuben  ist  gelichet  daz  rainne  hertze:  so  daz  joch  sin  ge- 
dänke uss  der  hüte  fliegen  lat,  so  fliegent  si  doch  schiere  wider  in;  won  so 

es  in  der  weite  kain  stäte  vröde  noh  rüwe  vindet,  daz  es  gerüwen  muge, 

so  flüget  es  wider  zehant  in  sich  selben  und  in  sin  inren  sinne,  und  da  vindet  25 
es  fride  und  in  dem  frid  ünsern  herren.  aber  die  lüte  die  ünsern  herren 
went  süchen  in  der  mengi  und  ander  dem  volke,  die  vindent  in  niemer;  won 
als  schier  ain  klaines  vögellin,  ain  schnelles,  entwüschet,  also  entwüschet  öch 
unser  herre  nnder  vil  mengi  üppiger  gedenke,  ünser  [68*]  herre  tüt  als 
ain  zunschlüphel.  den  kan  nieman  wol  gevahen,  und  flüget  den  lüten  doch  so 
näh:  also  ist  öch  ünser  herre  dem  herzen  vil  nahe,  und  mag  in  doch  der 
mentsche  niemer  gevahen  in  den  üppigen  gedenken,  her  Jacob  der  patriarche 
der  was  in  der  statt  Mesopotamia  und  lie  lant,  wib  und  kint.  und  do  er 
sich  also  enzoh  der  haimüt,  do  kam  der  engel  in  der  aini  nahe  zü  im.  also 
wil  och  ünser  herre  funden  werden  in  der  aini  des  hertzen.  so  in  denn  der  ss 
mentsche  ergrifet,  so  sol  er  tün  als  her  Jacob  tet  der  enwolte  den  engel 
nit  von  im  lan  e im  ain  segen  wart,  und  rang  also  sere  mit  im  daz  er 
hinkent  wart:  also  sont  wir  ünsern  herren  niemer  von  üns  verlan  e üns  der 


I.  in.  5,  gedänke  fehlt.  von]  U an?  10.  wil  fehlt.  28.  entwichet.  SS.  der 
waz  in  fehlt.  34.  aini  vfi  in  d ' statt  nahe. 


9.  Anklänge  an  Phil.  3, 20;  4,  9;  Tit.  2, 13?  Uif.  Gen.  8,  6 ff.  33.  Gen.  31, 18;  32,  22 ff. 


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88 


34.  Von  Gottes  Ivchamen  und  von  der  fruht  Gottes. 


segen  werde  siner  gnade,  so  wir  ünsern  herreu  gesüchent,  so  kumet  er,  als 
da  stat  geschoben  daz  wir  den  herscher  süchint  und  daz  der  engel  zu  us 
kumet.  unser  herre  enwil  aber  f69‘]  nit  allaine  die  hüte  an  dem  engel  lan. 
er  wil  selb  unser  hüter  sin.  unser  herre  wil  aber  sin  ain  rehter  herscher. 
5 won  er  herschat  und  richset  in  hymelrich  und  in  ertriche  und  ist  ain  herr«* 

über  all  herren.  sant  Paulus  sprichet  daz  der  ain  rehter  herre  si  der  allen 

frechen  gewalt  zemet  und  vertribet,  und  der  alle  wunne  besessen  hat, 
und  des  gewalt  niemer  zergat.  daz  ist  ünserm  herren  allaine,  won  er 

hat  all  die  schöni  hymelrichs  und  ertrichs  besessen;  sinen  gewalt  mag  6ch 
io  nieman  genaigen,  won  aller  gewalt  müss  sich  linder  sinen  gewalt  naigen. 
und  sin  gewalt  wirt  niemer  genaiget.  dirr  herscher  kunt  mit  in  in  ir 

laut  und  in  sin  statt  also  tunt  die  herscher  dirr  weit  nit:  so  die  koment 

in  ir  lant  und  in  ir  stette,  so  sorgent  die  lüte  zü  ir  zükunft;  won  si  ver- 
tribent  arm  lüte  und  phendent  die  lüte:  aim  schlahent  sü  den  [69b]  füss  ab, 
15  den  andren  vahent  si.  des  entüt  ünser  herre  nit.  er  kunt  nit  also  daz  es  uns 
verlieri  und  daz  wir  sin  gevangen  sigint:  er  kumt  also  daz  er  üns  wil  ziehen 
in  sin  vAtterliches  haimüt  zü  den  ewigen  sAlden.  dis  ist  ain  wirdeklichü  zuht 
daz  daz  ewig  leben  den  tod  nah  im  zühet,  und  der  ewig  richtüm  die  armüt 
und  den  bresten,  und  dü  gesunthait  den  siehtagen  und  die  krankhait,  und 
20  dü  stAte  vröde  die  trurkait,  und  dü  ewig  ruwe  die  arbait.  dis  Ziehens  wAnne 
ich  wol  daz  och  dü  sele  gere,  da  si  da  sprichet  in  canticis:  ‘herre.  züch 
mich  nach  dir!’  er  kunt  och  nit  also  daz  es  üns  niderre  und  druke:  er 
kunt  also  daz  er  üns  wil  krönnen.  wa  mitte?  entrüwen,  mit  siner  erbArmde. 
er  kunt  üns  gnü  wol  mit  siner  erbArmde;  won  es  ist  ünser  enkaines  es  habe 
25  in  etwenn  verlorn  mit  sinen  bösen  werchen,  so  enphahet  er  üns  wider  mit 
siner  güti;  und  noch  denn  möh/65‘/tent  wir  niemer  verdienen  daz  hymelriche 
mit  ünsren  werchen,  won  daz  er  üns  krönet  mit  siner  erbArmde  und  git  uns 
den  sygnuft  siner  marter.  er  kunt  och  den  kindlin  mit  siner  erbArmde  die 
von  dirr  weit  varent  so  si  den  töf  enphahent:  die  entatent  im  mit  Worten, 
90  mit  werchen  noch  mit  gedAnkeu  nie  dienst,  und  git  inen  doch  daz  hymelrich. 
er  kunt  och  nit  daz  er  robe  die  lüte  und  si  ze  arbait  bringe:  er  kunt  also 
daz  er  üns  wil  rieh  machen  und  erfüllen  mit  allen  tugenden  und  mit  allem 
güte,  als  der  wissag  sprichet,  mit  aller  süsskait  und  mit  aller  überflüssekait 
gütlicher  gnaden. 

35  Nu  müsse  er,  lieber  herre,  schiere  alsuss  zu  üns  körnen  und  bi  üns 
wonen.  amen. 


2.  Mal.  3,  1?  6.  Anklänge  an  CoL  2,  9.  15.  Rom.  13.  21.  Cant.  1,  3. 

33.  Ps.  103,  28. 


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35.  Von  Gottes  fridc. 


89 


135. ] Von  Gottes  fride. 

Der  wissag  sprichet  alsuss:  ’hüt  ist  der  frid  her  nider  komen,  und  daz 

honig  daz  in  dem  hymel  gesanient  wart,  daz  ist  geflossen  durch  alle  [69*] 

die  weit.’  der  wissag  spricht:  ‘vellet  der  mentsclie  der  da  reht  ist,  es  en- 

wirret  im  niht,  won  ünsers  herren  hant  ist  under  sim  hopte  und  hilfet  im  5 
uf.’  der  wissag  spriht  aber:  ’swer  sin  ogen  behüt  und  alle  sin  sinne,  daz  si 
nit  sehent  noch  würkent  daz  Got  hasset,  der  sol  offenlich  sehend  werdent 

den  gütlichen  spiegel.’  David  sprichet:  'unser  herre  ist  bi  mir,  da  von  vröwe 
ich  mich,  daz  hail  ist  beschehen  von  den  sündem  und  hatt  mit  im  nit  ze 
tünde.  o herre,  gib  mir  wider  min  vröde,  und  den  fürstlichen  gaist  dines  io 
hailes  den  gib  mir.  o Got,  min  hertze  ist  dir  berait;  swenne  du  kumest,  so 
bin  ich  berait  dich  ze  enphaben,  und  ich  singe  dir  ain  gütlichen  sang,  nement 
war  und  versüchent  wie  gar  süss  unser  herre  ist.  die  brosmen  güter  gedänke 
machent  die  grossen  süsskait.  din  trost  den  [70"]  du  hast  geben  mim  hertzen, 
der  vrüwet  min  sele.  o herre,  du  hast  din  antlütz  von  mir  bekeret,  da  von  15 

bin  ich  betrübet,  unser  herre  ist  min  helfer,  wen  fürlit  ich  denne?  o herre 

min  sele  ist  dürre  und  verdorret,  o herre,  du  bist  min  sterki  und  min  vesti; 
wen  vorhti  ich  denn,  sol  er  min  helfer  sin?  swenn  mich  denn  kain  ar. 
bait  an  gat,  so  wil  ich  fliehen  in  min  vesti,  daz  ist  min  Got,  der  wil  mir 

helfen  in  allen  minen  nüten.’  Abacuc  sprichet:  ‘ich  wil  stan  uff  miner  hüt  20 

und  wil  loffen  uff  min  vesti  und  wil  mich  umb  sehen  wer  die  sigint  die 

mich  versüchent  in  minen  tagen.'  Jhesus  sprichet  durch  des  wissagen 

munt:  "owe  all  mentschait,  sich  waz  ich  erlitten  han  durch  dich,  und  merk 

1.  Überschrift  fehlt  GZ.  2.  Der  wissage  spriebit  alsu»  von  vnsira  herren  gehörte:  höto  G. 

3.  gesainent  wart]  zesamme  wart  getragen  G.  4.  mentscho  . . . ist]  rehte  mansche  G. 

6.  aber  fehlt  G.  »wer  — 6 Spiegel]  "alle  die  ir  o’gcn  bchötent.  vndc  alle  ir  sinne  daz  sö  niiit 

sehint  noh  werkint  dö  ding  du  got  hazze.  die  sun  offcnlichin  »eh in  den  werdln  gotlichin  spiegel. 

Iheremyas.  Ir  vranzm  Atichait  bet  sö  uirzwerzit.  daz  sö  zwerzir  sint  denne  daz  kol.  daz  daz  för 
virbrennit  hat  G.  S.  sprichet  fehlt  G.  9.  vor  daz]  Longe  fa.  G.  beschehen]  geschai- 
den  G.  10.  vor  o]  Redde  mihi  G.  11.  vor  o]  I’aratum  cor  G.  berait.  min  hercc  iat 
abir  beraitet  swenne  G.  12.  gotlichcn  G.  vor  nement]  Guetatc  G.  13.  versüchent] 
emekint  G.  15.  vor  o]  Avertisti  faciem  G.  17.  herre  got  G.  18.  sol . . . sin]  so  er  min  helfer 
wil  sin  G.  19.  arbait  han  od’  an  gat  A.  20.  vor  Abacuc]  Numquid  in  fluminibus  Va- 
fina  ivafena  Z.)  wil  got  ic  mir  znmen.  er  enhat  inhaiue  irbermide  öbir  sin  volch.  Turbatus 
»um.  Ich  waz  betröbit  vnde  retdo  niht  Numquid  syon.  Syon  ist  ain  mensehe,  vnde  ain  mensche 
vngeborn.  vnd  der  mensche  ist  d'  lio'hste.  vnd  der  mensche  gesell üf  syon.  Sinö  (miniv  richtig  Z.\ 
sail  sint  gevallin  in  daz  rehte  erbe,  vnd  min  erbe  ist  gar  lötir  G. 

1.  Mit  Sr.  35  beginnt  der  Text  der  Predigten  in  G u.  Z,  welche  hier  im  wesentlichen  Überei n- 
stimmen,  so  da/l  im  Apparat  nur  die  Lesearten  von  G wiedergegeben  sind.  — Dem  Charakter  nach 
ist  dieses  Stück  eine  Zusammenstellung  verschiedener  Schrift-  und  Väterstellen,  die  teils  wörtlich, 
teils  nur  dem  Sinne  nach  aus  dem  Gedächtnis  niedergeschrieben  wurden.  Die  Verifizierung  ist  darum 
mit  Schwierigkeiten  verbunden.  1.  Isai.  66,12;  48,  IS?  5 . Ps.3,G;  138,5?  6.  Ps.  118,  37t 

9.  Ps.  118, 155.  10.  Ps.  50, 14.  11.  Ps.  107,  2;  58,  8.  13.  Ps.  33,  9.  15.  Ps.  29,  8. 

16,  Ps.  117,  6.  Ps.  142,  6.  17.  Ps.  26, 1;  27,  7.  20.  Hab.  2, 1. 


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85.  Von  Gottes  fride. 


es  reht;  ob  dich  dunke  daz  ich  dich  gnu  tnre  gekoffet  habe  und  mich  sure 
[70"]  sigist  an  komen,  so  dien  mir.’  David  sprichet:  ‘ich  hab  all  min  sinne 
gesetzet  in  daz  hymelrich.’  'wie  kumet  daz  das  golt  sin  schöni  hat  verlorn?’ 
Jhesus  sprichet  durch  des  wissagen  munt:  'unser  herre  wil  daz  ürlüg  sparen 
5 untz  an  daz  ende  des  ertriches.’  David  sprichet:  ‘o  herre,  ich  löf  in  dem 
wege  diner  gebotte,  so  du  enbreunest  min  hertze.’  unser  herre  der  spricht: 
‘hie  sol  min  ruwe  und  min  erb  sin,  und  dis  hab  ich  mir  er  weit  ze  ainer 
ruwe  und  zü  aim  rehten  erbe.'  Moyses  sprichet:  'o  herre,  beschirmet  mich 
din  erbarmed  nit,  so  mftsti  ich  iemer  buwen  daz  abgründe  der  helle.  Ysayas 
io  sprichet:  'herre,  unser  opher  ist  nit  gantz,  won  du  vellest  nit  unser  vigint’ 
‘stand  uf  Jherusalem,  din  lieht  daz  kumet;  und  du  günlichi  ünsers  lierren  ist 
komen  über  dich.’  David  sprichet:  'herre,  haftet  min  sele  an  dir,  so 

umbvahet  mich  din  zeswe.’  Ysayas  sprichet:  'nement  fruht  [70' J ab  dem 
aller  höhstem  bome  der  ie  wart,  und  werdent  gespiset.’  David  sprichet:  ‘Got 
15  hat  uns  beschaffen,  und  wir  hant  uns  selber  nit  geschaffen.’  ‘o  herre,  alle 
min  tage  und  alle  min  zit,  Allü  minü  jar  wil  ich  dir  wider  geben  mit  bitter- 
kait.’  ‘ieglicher  naht  wil  ich  wüschen  min  bette  mit  minen  trAhennen.’  ‘o  herre. 
entlühte  mit  diner  gnade  die  vinstri  dü  in  minem  hertzen  ist,’  ‘werbent  man- 
lich,  so  werdent  ir  gesterket  und  setzent  all  üwer  zuversiht  an  Got,  daz  ir 
20  rnugent  gesigen.’  Jhesus  spricht:  'ich  bin  dar  umb  komen  das  ich  ain  für  uff 
daz  ertrich  sende.’  Job  sprichet:  ‘o  lieber  herre  min,  waz  han  ich  getan,  daz 
sag  mir,  daz  du  din  antlüt  von  mir  hast  gekeret?’  ‘ich  hab  mir  daz  erwelt 
zü  aim  tröste  daz  ich  versmahet  werde.’  ‘si  müssent  arnen  alles  daz  si  ie 
getatent,  und  rnugent  doch  niemer  zergan.’  ‘mine  leftzen  sont  niemer  geredeu 
25  die  valschhait  und  unwarhait,  die  lugine  sont  von  mir  schaiden.’  ‘wil  (70‘j 
ich  min  arbait  geliehen  diner  arbait,  so  mag  min  arbait  tusent  nit  geliehen 


1 f.  ob  — mir]  vmi  dunk  üch  . daz  ich  iv  gnfi  ture  habe  geko’fet . vnd  daz  ir  mich  sur  «int 
anekomin  so  dienrnt  mir  O.  2.  sinne]  trehinne  G.  3.  vor  wie]  Quomodo  obscuratum  G. 

4.  des  am  Rande  nachgetragen  A.  des  — munt]  den  w.  G.  5.  vor  David]  Jhesus  spthit 
zedemc  rtiwigen  . wir  sun  disime  entliben  . er  wil  o'ch  entliben  G (er  — entliben  fehlt  Z). 

6.  der  fehlt  G.  7.  vor  hie]  Hec  requies  mea  G.  8.  sprichet)  din  volc  hat  gesfindet  6. 
beschirmet]  cnschimdc  G.  10.  da  envellist  du  niht  vnsir  viende  G.  11.  cor  stand]  Isay  sp'- 
Surge  illuminare  G.  11  f.  ist  komen  übir]  kumit  uffen  G 14.  cor  Got)  ipse  fecit  nos  et 
non  ipsi  nos  G.  15.  vor  o]  recogitnbo  tibi  G.  16.  und  fehlt  G.  zit  vH  ellti  G. 

17.  David  sp1.  legelichir  ß.  minen]  nüwen  ß.  herre  sp\  Moyses  ß.  18.  cor  werbent 
Illumina  viriliter  agite  ß.  19  f.  ir  in  mugint  gesegin.  Isay.  Wir  varen  mit  vro'de  unde  werde« 
mit  vridc  gefiret  zehimilriche.  da  von  vro'wint  sich  die  berge,  vn  die  blihilo  vn  lobint  got  dar 
umbo  ß.  20  f.  in  daz  ertrichi  gebe  ß.  25.  dfi  lögi  sol  von  mir  geschaiden  sin  ß.  26.  mag  — 
91,1  aine]  mach  tdsint  arbait  niht  gelichin  diner  grozin  angist  ß. 


1.  1.  Cor.  7,  23;  I.  Petr.  1, 18?  3.  Thrcn.  4, 1.  5.  Ps.  118,  32.  7.  Ps.  131, 14  ? 

11.  /«».  60,1.  12.  Pa.  62,9.  14 . Pa.  99,  3.  15.  Isni.  3H,  15.  17.  Pa.  6,  7.  17  f.  ft 

12,  4;  17,  29.  18  f.  Ps.  30,  25:  Deut.  31,  6.  20.  Luc.  12,  49.  22  f.  Ps.  83,  U.  24  f.  M 

27,  4. 


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35.  Von  Gottes  fride. 


91 


diner  arbait  aiiie.'  ‘ich  waiss  wol  daz  min  erlöser  lebet  und  daz  am  jüngsten 
tag  ich  sol  erstan  von  dem  ertrich,  und  mit  minen  liplichen  ogen  sol  ich 
denne  sehen  minen  behalter.'  ‘owe  heiTe,  ich  fürhte  allü  minü  werk,  won  ich 
trau  wol  daz  du  mir  nit  entlibest  ob  ich  Sünden.’  ‘o  lieber  herre,  alle  die 
wile  daz  min  sele  in  mim  lib  ist,  so  wil  ich  mich  niemer  von  dir  geschaiden.’  5 
‘verfluchet  si  der  tag  daz  ich  geboren  wart,  herre,  daz  ist  min  besster  trost 
daz  du  mir  nit  entlibest.’  sant  Johannes  sprächet:  ‘tiwrü  weich  volgent  üch 
nach.’  ’ünser  herre  wil  aim  ieglichen  mentschen  Ionen  nach  sinen  wercken1. 
Job  sprichet:  'sälig  ist  der  mentsche  dem  Got  arbait  git  und  kestegung.’  sant 
Paulus  sprichet:  ‘o  herre,  löse  mich  von  dirr  weit  und  von  der  ungewisshait  io 
da  ich  inne  [?1°]  bin.’  sant  Peter  sprichet:  'Gottes  wille  ist  daz  ir  über 
windint  alle  die  üch  hinder  redent.’  sant  Bernhart  sprichet:  ‘gilt  ist  arbait 
des  libeR,  besser  andaht  des  hertzen,  aller  best  ist  Hiss  der  tugend.’  sant 
Laurencius  sprichet:  ‘herre,  ich  han  dir  braht  ain  opber  des  lobes.’  sant  Bern- 
hart spricht:  'sid  daz  üns  Got  hat  verlan  sinen  gesmak  in  daz  ertrich,  swer  15 
dem  nit  nach  volget,  der  ist  aintweder  tot  oder  vol.’  ‘waz  tüst  du,  krümbü 
sei,  in  aim  ufrehten  libeV  Got  hat  den  mentschen  ufreht  geschaffen  dar 
umb  daz  er  ze  allen  ziten  gedenke  daz  er  zü  dem  hymelriche  geschaffen  ist’ 
Anshelmus  sprichet:  ‘daz  hymelrich  ist  gesetzet  uff  guldin  quaderstaine  und 
ist  gezieret  mit  golde  und  mit  edlen  gimmen,  und  mag  nieman  mit  klainen  20 
noch  mit  grossen  Sünden  dar  körnen;  da  enmag  nieman  sin  mit  dekainer 
missewende.’  Augustinus  sprichet:  'o  her/7i*/re,  wir  werdent  dich  alle  sehent 
ze  hymelriche  in  diner  schonhait,  und  aber  ain  ieglich  mentsche  so  vil  luter- 
licher  so  vil  es  üch  rainklicher  gelebt  hat.’  Bernhart  sprichet:  ‘es  ist  ain 
ding  das  vol  ist  senftekait  und  süsskait,  daz  man  den  sehen  sol  der  den  25 
mentschen  geschaffen  hat;  und  der  da  waz  vatter  und  herre,  der  ist  worden 
kneht  und  geselle.’  ‘es  ist  billich  daz  wir  ünsern  herren  minnegint,  swenne 
wir  so  gedenkent  wie  er  üns  geminnet  hat.’  Oryenes  der  sprichet:  ‘sehent 


1.  an  A.  1 f.  und  — erstan’  vnd  an  dem  iungistlichin  tage  wil  irstan  G.  4.  waiz  fehlt  A. 
sündeul  gesündeti  G 5.  in  mim)  vfi  min  G.  ich  mich  fehlt  A.  6.  daz]  do  G. 
vor  herrel  ich  izze  min  vlaiseh  mit  minen  zen  G.  besser  .4,  beste  G.  7.  in  volgent  ist  das  1 
später  eingeschoben  A.  9.  sälig)  heilig  G,  seilig  Z.  10.  gewisshait  A.  lj.  sant]  Jhesus  sp1. 
leh  bin  dar  umbc  komm  daz  ich  mines  vatir  willen  vollcbringe  G.  12  f.  sant  — tugend  fehlt  G. 

13.  sant  fehlt  G.  14.  ich  bringe  dir  G.  15.  vor  sid)  min  (din  richtig  Z\  gaist  also  süze 

duz  ich  niht  mach  widirstan  dem  bitterin  tode.  Bemhardus  sp1.  Gottes  segin  ist  übir  dez  rehtin 

nienschin  herein,  vfl  himilriche  sol  er  enphan  zaime  erbe  G.  daz  vor  üns  fehlt  G.  16.  deme 

»mache  G.  ror  waz]  Sanctus  Bemhart  sp1.  G.  ermü  v!)  krumbü  G.  17.  libe)  menschin  G. 

18.  zü  dem]  ze  G.  19.  ist  abir  lüter  vfl  ist  gesetzit  G.  21.  vfl  enmach  da  nieman  G. 

22.  Sanctus  A.  G.  23.  schonhait)  maginchraft  G.  24.  Och]  hie  G.  so  Bp'.  sanctus  Bern- 
hart  G.  25.  den  sol  sehin  mensehin  der  G.  27.  ror  es]  Er  spichit  o’ch  G.  ünsem 
herren]  in  G.  28.  so  fehlt  G.  hat  vfl  wen  er  geminnet  hat.  vfl  wie  vil  er  geminnet  hat.  So 


1.  Job  19,  25.  6.  Job  3,  3.  7.  dpoc.  14, 13;  2,  23.  8.  I.Seg.  26,  23  t 6.  Job 

5.  1 7.  10.  Bon I.  7,  24.  11.  7.  Petr.  2, 15 


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92 


Sä.  Von  Gotte»  fride. 


des  guten  Gottes  güti!  er  wil  uns  nit  füren  in  ain  hus  daz  wir  selb  buwent 
und  gartner  sigint  und  buman:  er  wil  Uns  die  hymelschen  phallentz  ber&iten, 
swenne  wir  koment,  daz  wir  si  berait  vindent.’  sant  Peter  sprichet:  'ir  sont 
stau  in  der  rehtvertkait  und  sont  stau  vesteklich  als  die  zesameu  begurtet 
5 sint.  swer  üt  reden  wil,  der  sol  reden  die  warhait,  als  den  mentscheu  wol 
gezimet  daz  Gottes  [71‘]  zaichen  freit.’  Salomon  sprichet:  ‘mentsch,  gedenk  an 
dinen  schepher  in  diner  jugend!’ 


[36.]  Von  der  sterkl  in  Gottes  dienst. 

[Confortamini  in  Domino  et  in  potentia  virtutis  eins] 
io  Sant  Paulus  sprichet:  'ir  sont  stark  sin  in  Gottes  dienst’. 

An  disen  Worten  manet  uns  sant  Paulus  vier  dinge,  daz  erst  ist  daz 
wir  striten  sont;  daz  ander  daz  wir  Uns  ze  stritten  waffennen  sont;  daz  dritte 
daz  wir  vigint  hant;  daz  vierde  war  umb  wir  striten  sont. 

Daz  erste  ist  daz  wir  striten  sont.  da  von  spricht  her  Job:  'des  raentschen 
15  leben  ist  nit  won  ainer  strit  und  ain  bekorung’.  über  das  wort  sprichet  saut 
Bernhart:  'sprichest  du,  güter  Job,  daz  des  mentschen  leben  si  uüt  won  ainer 
strit  und  bekorung,  so  sprich  ich:  ‘‘swer  denne  an  strit  und  ane  bekorung 
ist,  der  lebet  och  nit.’”  sid  denne  unser  leben  nit  anders  ist  won  ain  strit. 
als  sant  Paulus  uns  manet,  so  sont  wir  vaste  striten  und  sont  vestklich  stan. 
20  daz  wir  nit  siglos  werdent.  sant  Paulus  sprichet:  'so  der  mentsch  [71*]  sprichet 
daz  er  sicher  si,  so  vallet  er  aller  schierost  in  den  kumber  da  er  kum  von 
kunt’.  Salomon  sprichet:  ‘mentsch,  so  du  dich  in  gaischlich  leben  gezühest, 
so  stand  in  der  rehtvertkait  und  in  der  vorhte  Gottes,  und  hüte  daz  du  iht 
• vallest  in  die  bekorung.’  über  daz  wort  sprichet  sant  Johannes:  'mentsche. 


sp1  sanctus  Paulus,  wir  wizzon  wol  daz  wir  aine  wonunge  vindcn.  die  enhains  menschin  hant 
gemachen  mach,  gottes  sun  der  hat  vns  »i  berait.  da  uon  so  varon  wir  vro’liche  von  diseme 
eilende,  sit  wir  doch  hinnan  müzen  vam.  were  ez  abir  also  daz  wir  ane  schidunge  soltin  vara 
so  were  du  vro’de  ganz.  So  sp1  Oriones  G. 

1.  wir]  wil  A.  1 f.  buwent  — wil]  büwen  müzen.  er  wil  selbe  büwen  vts  der  gartinu-re 

sin.  vn  der  buman.  vtl  wil  G.  S.  so  sp’  sanctus  Petrus  G.  5.  vor  swer]  Er  sp1.  o’ch  G. 

S.  Überschrift  fehlt  GZ -IV Arundel,  De  pugna  in  bcllo  spirituali  am  Rand.  W.  9 f.  Con- 
fortamini in  dOo  et  in  po[(en(iuj.  Disü  wort  sp1  sanctus  Paulus  ( darauf  er  sprichet  Z).  Ir  snnt 

Stare  sin  in  gottes  tugcnt.  ln  (an  Z)  disen  Worten  manot  er  uns  vier  dinge  G t Z W und  die 

übrigen  HssX  Der  lat.  Text  fehlt  A.  14.  her  fehlt  G.  lä.  ainer  strit]  ain  stritten  G, 

ebenso  17.  18.  17.  ain  bechorunge  G.  18.  anders  fehlt  G.  19.  stan]  striten  G.  2o.  also 

sp1.  s.  Paulus  G.  so  bis  22  kunt  folgt  nach  93,  2 (schierost).  Darauf  (93, 2):  vil  da  non  sun 
wir  allizan  vaste  stan.  vH  vlizich  sin  daz  wir  sichirlicbo  striten  G.  23.  hüte  dich  G. 


3.  I.  Petr.  1, 13;  5,  8;  II.  Petr.  3, 14.  5.  I.  Petr.  4, 11.  8.  Rccl.  12, 1.  8.  Die  Predigt 

ist  enthalten  in  G Bl.2‘;  Z Bl.  2e;  Arundel  Bl.  79‘  (t 'gl.  Priebsch  II  S.43  Nr.  64)  und  II  Nr.  46 
Mit  diesem  Stück  beginnt  die  Reihe  der  Predigten  IF  und  X.  — Gedruckt  nach  X i»  den  .421- 
deutschen  Blättern  II  S.  174- 178.  9.  Ephes.  6. 10.  14.  Job  7, 1.  20.  I.  Cor.  10, 12  I 

22.  Rccli.  2,1.  24.  Johannes  Clirysostomus  ? 


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86.  Von  der  sterki  in  Gottes  dienst.  93 

hüte  din  flisseklich,  won  zu  der  zit  so  du  wärmest  daz  du  aller  sichrest 
ganzest,  so  vallest  du  aller  schierost'. 

Daz  ander  des  uns  sant  Paulus  manet,  daz  ist  daz  wir  uns  wafennen 
süllent.  unser  herre  leret  uns  wol  wie  wir  uns  wafenen  süllent.  man  liset  von 
imme  daz  in  der  tüvel  bekorte;  waz  tet  er  aber  da  wider?  entrüwen,  er  5 
waffent  sich  mit  der  wishait  und  über  want  in.  also  haisset  öch  üns  der 
edel  sant  Paulus  daz  wir  üns  wäffen  mit  der  wisshait,  so  werdent  wir  nit 
siglos.  also  sprich  et  unser  herre:  'mentsche,  ich  han  dir  so  getan  wafen  geben 
daz  du  niemer  siglos  wirst’,  her  David  sprichet:  'mentsche,  trnfene  dich 
mit  der  [72°]  vohrte  Gottes,  won  dü  vorhte  ist  erber  und  sicher  und  behept  io 
dich  daz  du  nit  vellest  in  die  bekorung;  daz  sag  ich  dir  sicherlich  daz  dich 
Gottes  vohrte  behütet  vor  den  Sünden’,  nu  sprichet  her  Job:  ’dü  vohrte  ist 
dem  Intern  gold  gelich,  daz  da  gerainet  ist  in  der  esse.'  er  glichet  die  vorhte 
dem  golde  von  Arabia,  daz  ist  edelre  dann  dekain  golt;  es  ist  luter  und 
blaich,  dem  ist  dü  vorhte  glich,  nu  spricht  aber  her  David:  ‘entschlaffent  ir  15 
entzwüschent  zwain  gelüken,  so  sont  ir  haben  tubenvedren  übersilbert,  und 
uff  dem  ruggen  sont  ir  sin  übergoldet  mit  luterm  golde’.  nn  merkent  ir  daz 
er  sprichet:  ‘entschlaffent  ir  entzwüschent  zwain  gelüken.’  daz  ist  der  weite 
vrüde  und  ere  und  güt,  daz  ist  daz  aine;  daz  ander  ist  hymelschü  vröde. 
und  dirr  gelüke  hant  wir  enweders,  won  swer  der  weite  gelüke  versmahet  20 
und  zii  gaisch/?P*/lichem  lebenn  kunt,  der  schiäffet  zwüschent  zwain  gelüken, 
der  weite  und  des  hymelriches,  won  er  hat  noch  enweders.  nu  sprichet  der 
wissag  daz  wir  sont  han  tuben  vedren  über  silbert.  bi  der  tuben  vedren 
sint  bezaichent  tugende;  won  mit  tagenden  müss  der  mentsche  ze  hymel 
fliegen,  nu  sprichet  er:  ‘sü  sont  sin  über  silbert.’  bi  dem  silber  ist  bezaich-  25 
hent  dü  künschkait,  und  mit  der  so  sont  wir  all  ünser  tugent  über  silbern, 
nu  sprichet  er  aber  fürbas : * wir  sont  och  sin  über  giildet  uff  dem  ruggen 
mit  luterm  golde.’  da  bi  ist  bezaichent  daz  wir  ällü  tinsrü  werch  und  all 
ünser  arbait  über  gülden  sont  mit  der  edlen  minne,  dü  ällü  ünsrü  werch  über 


3.  (ins  zestrite  G.  4.  unser  — süllent  fehlt  A.  5.  aber  fehlt  G.  6.  fleh  fehlt  G. 

7.  mit  denic  geweffine  der  G.  8.  haeliger  (seiliger  Z)  mansche  G.  so  getan]  solich  G. 

9.  wirst,  wilt  du  dich  wislicho  vH  beschaidlnliche  halten,  so  sp'chet  der  wisaage  Dauid  G. 
wafene]  vfenc  A.  10.  si  behebit  G.  12.  her  fehlt  G.  13.  glichet  die  vorhte]  er  eugelichit 
□iht  die  vorhte  allaine  deine  (alleme  Z)  golde.  er  sprichit  si  sie  gelich  G.  14.  es  A , vD  ist  G. 

de  ist  edilre  denne  dehein  golt  vfi  ist  bleich  Z 15.  dem  golde  G.  aber  — ir]  der 
wisaage.  Ob  ir  enslafent  G.  17.  ir  vor  daz  fehlt  G.  18.  ob  ir  entslafent  (entsiafen  sint  Z)  G. 

nach  gelüken]  dü  zwai  gelüche  6.  entzwschent  .4.  ebenso  21.  19.  daz  aine  — ist]  der 

weite  gelüche.  Daz  andir  gelüche  daz  ist  G.  20.  und  fehlt  G.  21  f.  zwain  — hymelriches]  der 
weite  gelüche.  vn  deme  himilschen  gelüche  G.  23.  bi  G,  sit  A.  26.  so]  rehtun  küschic- 
hait  G.  übersilbern,  sprichit  der  wissage  G.  27.  aber  fehlt  G.  29.  sont  fehlt  G. 
der  edlen]  dem  edilin  golde  daz  ist  dü  edile  G. 


5.  Matt.  4,  lff.  8.  Ps.  17,  40;  Eph.  6, 11  ff.  ? 9.  Ps.  18, 10;  24, 14.  11.  Job  28,  IS  ff. 

14.  Ps  67, 14. 


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36.  Von  der  sterki  ln  Gottes  dienst. 


güldet  vor  Gotte,  dis  gold  ist  geliche  dem  golde  von  Arabia,  daz  da  luter 
und  schön  ist  und  blaich.  nu  sprichet  der  wissag  und  hat  daz  gesprochen 
daz  wir  uns  waffennen  sont  gegen  dem  strite  mit  der  vohrt  Gottes  [72‘],  die 
her  Job  da  glichet  dem  gold  von  Arabia.  nu  spricht  der  edel  Paulus  daz 
5 wir  vast  standent  in  der  rehtvertekait  und  mit  der  vohrt  Gottes  tins  waffen, 
daz  wir  nit  vellig  werdent  in  dem  strite.  nu  spricht  ain  wiser  man:  ‘so  der 
ritter  in  den  strit  vert,  über  ladet  er  sich  mit  ungeringen  waffenn,  er  vrirt 

siglos’.  man  liset  von  dem  künig  her  David:  do  er  solte  striten  mit  Golyas 

dem  risen,  do  hiess  im  der  künig  Saul  sin  gewäffen  an  legen;  und  do  er 
10  daz  an  geleite,  do  moht  er  nit  striten,  won  es  waz  im  ungering  und  ze 
swöre.  ze  glicher  wis  geschiht  dem  mentschen  der  sich  über  ladet  mit  un- 
beschaidner  arbait  in  aim  jare  oder  in  zwain,  daz  er  dar  nach  nit  me  maz. 

was  tet  aber  her  David?  entrüwen,  er  zoch  sich  ns  und  nam  sin  scblingnn 

und  fünf  stain,  daz  ist  dü  behügde  der  fünf  wunden  ünsers  herren,  da  mit 
18  überwindet  der  mentsche  alle  sin  vigint.  [7211]  also  sprichet  sant  Bernhart: 
‘so  der  getrüw  ritter  siht  sins  herren  wunden  blüten,  so  wirt  er  so  gehertz 
daz  er  siner  wunden  gar  vergisset’.  ‘ze  glicher  wis',  sprichet  er,  ‘so  geschiht 
och  den  mentschen  der  ünsers  herren  wunden  an  siht,  der  wirt  so  stark  in 
der  bekorung  daz  in  nieman  überwinden  mag. 

20  Daz  dritte  daz  üns  sant  Paulus  seit,  daz  ist  teer  ünser  vigint  sint.  drier 
hant  vigint  habent  wir.  der  ain  vigint  ist  der  tüvel;  der  ander  dü  weit: 
der  dritte  ünser  flaisch.  man  liset  von  her  David  daz  er  drier  hant  vigint 
hatte:  die  ainen  warent  die  haiden:  mit  denen  strait  er  ze  aller  zit  und  ent- 
lie  si  niemer  gerüwen  naht  noch  tag;  der  ander  waz  der  künig  Saul:  den 
25  floh  er  ze  allen  ziten;  der  dritte  waz  sin  selbes  sun  Absolon:  mit  dem  strait 


2.  nach  blaich]  Daz  t richtig  was  Z)  ist  abir  bi  der  blaichi  dez  goldes  bczaichinot.  daz  ist  der 
minne  übirvart  vnde  swa  du  minne  ist  da  zaiget  si  sich  mit  ainem  blaichin  antlüte  vn  daz 
zaiget  die  girde  der  minne.  dfi  indeme  herein  ist  daz  ist  der  minne  übirvart.  Also  sp'oh ; Job. 
Sin  (richtig  min)  eclc  hat  irwelt  daz  sö  rehte  erhängen  si.  enschw'sehen  dion  dingen  dii  obe  mir 
sint  Also  gelichit  den  tüten  die  dü  minne  blaich  hat  gemachit  die  sint  mit  deme  gaiste  erbangen 
enzw'Bchen  dien  obiren  dingen,  dü  in  himilriche  sint  vfi  den  vndim  dü  uffen  ertriche  sint.  wat 
ir  gaist.  ist  da  obinan,  vfl  in  uz  in  o’cli  vndirwilent  hie  nidinan  sin.  wan  wir  mizen  ünsim  pe- 
sellin  den  lip  thron  von  deme  ertriche.  vfi  abir  den  gaist  sun  wir  füron  von  der  himiiwto 

sAzichait  G (Z  TT/  3 f.  die  selbun  vorhte  gclichct  herre  iob  ....  Arabia.  als  o'cli  gesait  ist  G- 

4 f.  s.  Paulus.  Mensche  stant  vaste  . . . G.  bf.  üns]  vfl  A , solt  du  dich  G.  6.  daz  du 
niht  uellich  werdest  G.  7.  der  wirt  G.  8.  her  fehlt  G.  er]  der  G.  10.  won]  vfl  G. 

12.  daz  sü  . . . mugen  G.  13.  her]  der  künich  G.  11.  behügde]  gebugidc  G.  wandet 
rosebrannen  G.  16.  gehertzt]  starch  G.  17.  gar]  sreri  G,  schiere  Z.  so]  also  G. 

18.  och  fehlt  G.  den]  dem  G.  20.  der  edile  sanctus  G.  seit]  leret  G.  ist  wer  G,  wir  4. 

21.  dü  weit]  daz  vlaisch  G.  22.  ünser  flaisch]  dü  weit  G,  vnsir  lip  Z.  her]  deme 
künige  G.  23.  die  ainen]  Aine  waren  phylistcr  . daz  G.  ze  aller]  ellü  G.  24.  tag 
noh  naht  G. 


8.  I.  Reg.  17,  38  f. 


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36.  Von  der  sterki  in  Gottes  dienst. 


95 


er  etswenn  und  underwilent  entlaib  er  im.  bi  dem  künig  her  David  [ 73“ J ist 
bezaickent  ain  ieglich  mentsch  und  bi  den  drin  vigenden  unser  vigint  nu 
sont  wir  lernen  striten  mit  unsren  vigenden  als  her  David,  bi  den  haiden 
sint  bezaichent  die  tüvel:  mit  den  sont  wir  alles  an  striten  naht  und  tag. 

also  sprichet  ain  hailig  man:  'wir  sont  naht  und  tag  beraitet  sin  ze  strite,  5 

won  so  wirs  aller  minst  trüwent,  so  kunt  der  vigent  und  wundet  uns  die 

sele’.  der  ander  vigint  waz  der  künig  Saul:  bi  dem  ist  bezaichent  du  un- 
getrüw  weit,  die  sont  wir  allüsament  fliehen  und  sont  ir  niemer  genahen.  der 
dritte  vigint  waz  sin  sun  Absolon:  bi  dem  ist  bezaichent  unser  lip,  mit  dem 
sont  wir  etswenn  striten  und  underwilen  entliben.  in  trüwen,  du  solt  vil  io 

besehaidenlichen  mit  im  striten,  du  mäht  anders  liht  verschulden  Gottes  zorn; 
won  swer  mit  den  viginden  [73*]  stritet,  wil  er  dem  entliben  dem  er  nit 
entliben  sol,  und  er  dem  hainlich  ist  den  er  fliehen  sol,  der  stritet  unwisk- 
lich,  er  mag  wol  vellig  werden  in  dem  strite.  und  dar  umb  daz  uns  nit 
misselinge,  so  sont  wir  striten  als  der  künig  David  vor  uns  gestritten  hat.  1J 
uns  leret  och  striten  ain  hailig  man,  sant  Hylarius.  er  sprichet:  ‘ich  sag 
dir  sicherlichen  daz  du  mit  dekaim  ding  so  sere  über  winden  mäht  dine 
vigint,  so  mit  aim,  daz  haisset  gaischlich  vröde’.  'stritent  vrölich,  Got  wil 
üwer  helfer  sin  in  dem  strite,’  spricht  der  wlssag.  ‘stritent  vrölich  mit  ta- 
genden und  mit  gütlicher  vröde,  ich  wil  in  dem  strit  üwer  schilt  sin  und  20 
wil  Allü  üwrü  schoss  enphahen,’  spricht  ünser  kerre.  daz  dis  war  sigi,  des 
hant  wir  urkünde  an  dem  güten  sant  Stephan,  do  der  ietz  im  strit  waz,  do 
sach  er  über  sich  in  daz  hymelrich  und  sach  ünsern  herren  Jhesum  Christum 
stan  zü  der  zeswen  sins  vatters,  reht  [73‘]  als  er  sprächi:  ‘gehabe  dich  wol, 

ich  stan  als  ich  dir  ze  helfe  komen  wil  in  dem  strit!’  ze  glicher  wis  tut  25 

ünser  herre  noch  hüt  dem  mentschen  der  tugentlich  stritet  in  sim  namen, 
dem  kumt  er  ze  trost  und  hilfet  im  striten.  sant  Paulus  sprichet:  ‘ünser 
herre  wil  üwer  helfer  sin  in  allen  üwren  nöten.’ 

Daz  vierde  daz  üns  sant  Paulus  manet,  daz  ist  war  umb  wir  striten 

sont.  wir  sont  striten  umb  daz  hymelriche,  daz  ist  des  strites  Ion.  nu  spricht  30 

ünser  herre:  ‘reht  als  mir  min  vatter  daz  hymelrich  hat  gegeben,  also  wil 
öch  ich  üch  es  geben,  ich  kofte  es  vil  sure  und  vil  bitterlichen  mit  grosser 


1.  und  fehlt  G.  ime  o'ch  G.  her  David)  her  G,  David  Z.  3.  her)  der  kiinieh  G. 

6.  aller  minst  trüwent)  minest  wizsen  G.  7.  daz  waz  G,  ebenso  9.  8.  die  — allü- 

sament] Wie  hielt  er  si  (si  übergeschrieben,  fehlt  Z)  widir  deine  viaendo  . cntrfiwin  er  vloh  in  alliz  an  . 
ze  gelichir  wiz  sun  wir  die  weit  alliz  an  G.  12.  den)  deme  G.  Btritct  — 13  entliben)  alliz 
nn  striten  wil  dem  er  entlibin  sol  . mit  deme  er  ellü  zit  striten  G.  13.  als  üns  d.  k.  D. 

uor  g.  O.  18.  haisset]  ist  G.  vro’de  . da  mitte  mäht  du  alle  dine  viende  übir  eigen  6. 

19.  spricht  d.  w.|  daz  sprichit  er  in  dem  wissagi  G.  21.  spricht  u.  h.  fehlt  G.  23.  in  daz] 
z ■ O.  24.  er  fehlt  A.  wol  liebir  mensche  G.  27.  also  spr.  s.  P.  G.  29.  dez  üns  G, 
das  üns  Z.  30.  wir  striten  G. 


5.  im  Anschlu/I  an  I.  Petr.  5,  8.  19.  Ps.  9, 10;  45,  2.  20.  im  Anschluß  an  11.  Reg. 

22,  3.  31;  Ps-  ‘M,  5 ? 22.  Act.  7,  55.  27.  II.  Cor.  1,  4.  31.  Luc.  22,  29. 


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96 


36.  Von  der  sterki  in  Gottes  dienst. 


arbait;  wend  och  ir  es  also  koffen,  so  gib  ich  es  lieh.’  nu  sont  ir  merken 
den  Ion  des  hymelriches.  der  Ion  des  hymelriches  ist  unser  herre  Got,  der 
wil  ain  Ion  sin  und  ain  ende  aller  unser  arbait.  des  hant  wir  [73“]  urknnd 
an  hern  Abraham,  den  hiess  iinser  lierr  varen  in  die  wÄsti.  do  sprach  er: 
5 ‘herre,  waz  wilt  du  mir  dar  umb  geben  ze  lone?’  do  sprach  unser  herre: 
‘ich  swerre  dir  bi  minen  götlichen  trüwen  daz  ich  selb  wil  din  Ion  sin',  daz 
ist  ain  urkunde  uns  daz  unser  herre  wil  ain  lou  sin  aller  unser  arbait.  als 
man  liset  von  sant  Cecilien,  du  halt  Got  ir  küschkait  gelopt;  do  woltent  si 
ir  frunde  aim  herren  geben,  daz  widerret  si  tugentlich  und  strait  da  wider, 
io  und  do  si  in  dem  strite  waz,  do  kert  si  an  ir  gebet  und  bat  ünsern  herren 
daz  er  ir  hulfi  striten.  do  erscltain  ir  der  engel  und  zaigte  ir  zwai  schappel 
von  rosen  und  von  lylien  und  sprach:  ‘gehab  dich  wol,  Got  hat  din  strit  an 
gesehen  und  wil  dir  Ionen!  daz  rosen  schappel  solt  du  enphahen  von  der 
marter  die  du  noch  liden  solt,  und  [ 74“ ] daz  schappel  von  den  lylien  solt 
15  du  enphahen  umb  dine  künschi.’  dis  ist  lins  ain  urkunde  des  lones  der  nach 
dem  strite  gat. 

Nu  stritent  tegenlichen,  won  Got  wil  selber  unser  Ion  sin! 


[31 J Von  der  sele  beraitung. 

[Et  vos  similes  hominibus  exspectantibue  dominum  suum,  quando  revertatur 
20  a nuptiis.J 

‘Ir  sont  glich  sin  dem  mentschen’,  sprichet  iinser  herre,  ‘die  da  baitent 
irs  herren,  der  zü  dem  brutlof  gevaren  ist,  daz  si  in  geraite  in  lässent'. 

Dirr  brütgom  ist  unser  herre  Got.  du  brut  ist  du  mentschait,  die  hat 
er  ze  hymelrich  gefüret  und  an  dem  jüngsten  tag  so  wil  er  her  wider  komen. 
25  nu  spricht  er  an  dem  ende  des  ewangelien:  ‘sehent  daz  ir  berait  sigint,  won 
ir  wissent  nit  wenne  und  weles  tages  des  mentschen  kint  kumet!’  war  nmb 
er  sprichet:  ‘des  mentschen  kint  kumet’,  daz  ist  da  von  daz  wir  alle  zwaiger 


2.  dez  h.  Ion  daz  (daz  fehlt  Z ) ist  G.  7.  ist  — sin]  ist  uns  ain  urkunde  . daz  got  uraii 
(ein  Z)  Ion  wil  sin  G.  S.  liset  man  G.  9.  h&n  gegebin  G.  daz  — wider]  da  wider 
strait  si  tugintlichc  G.  11.  der]  ain  G.  17.  deginlicbe  got  G.  wil  selbe  der  Io» 
sin  dez  stritcndin  men  sehin  G , wil  selb  sein  dein  lAn  dcz  streitunden  m cn  sehen  W. 

18.  Überschrift  fehlt  G W N Arundel.  Von  vnsenne  h'ren  (rot)  Z,  Item  van  eyme  confessoit 
off  vä  scnt  merty  Phill.  19.  lat.  Text  fehlt  A.  21.  vor  Ir)  Disfi  wort  sp'chit  (sprach  7) 
linsir  herre  ze  sinen  iungim  . vfi  zaime  ielichin  gaistlichin  mfschin  . vil  sp'chit  also  G (Z  und  dir 
übrigen  Heg).  dem  A (Sandhiassimilation),  dien  G.  sprichet  u.  h.  fehlt  G.  22.  der  d* 
g.  ist  ze  d.  br.  G.  23.  Dlrr]  der  G.  brat  daz  ist  G.  25.  er]  tinsir  herre  G. 

26.  and]  aide  G. 


5.  Gen.  15,  1 ff.  18.  Die  Predigt  findet  sich  in  G BL  4“;  Z Bl  5m;  W Bl.  4“;  H Bll': 
Arundel  BL  8ä’ ; Phill.  Bl.  220m.  Hiermit  beginnt  die  Heike  der  Predigten  H.  — Gedruckt  nach  H 
(der  Haager  Hs.)  in  Haupt,  Zcitschr.  für  deutsches  Altertum  II  350.  19.  Luc.  12,  36. 

25.  Luc.  12,  40. 


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87.  Von  der  sele  beraitung. 


97 


mentschen  kint  sint,  und  aber  er  ist  nit  won  (74bJ  ains  mentschen  kint  und 
Gottes,  dar  zü  twang  in  du  minne  daz  er  mentschlich  natur  an  sich  nam  und 
sich  du  gothait  maiielt  zü  ünserr  kranken  mentschhait,  dar  zü  twang  in  du 
minne.  da  von  spricht  sant  Bernhart:  ‘es  ist  nit  daz  so  gewaltig  mug  gesin 
so  du  minne,  won  si  twang  Got  daz  er  mentsch  wart',  sant  Dyonisius  5 

sprichet:  ‘es  enist  nit  daz  so  wirdig  si  so  dti  minne,  won  si  mähte  Got  ze 
mentschen  und  den  mentschen  ze  Gotte’,  als  spricht  ünser  herre:  'ich  sprich 
daz  ir  Göt  sint’.  daz  ist  also  ze  verstände  daz  wir  alles  daz  hant  daz  wir 
wend.  wir  sint  also  volkomen  an  vröden,  an  schönhait,  an  wishait  und  an 
allen  dingen,  und  wölte  uns  unser  herre  me  geben,  wir  enwöltentz  nit.  und  io 
da  von  daz  wir  ällü  ding  nach  wünsche  habent  und  nach  willen  in  ünser 
masse,  da  von  so  sint  wir  Götte,  und  daz  er  sprichet  daz  nüt  so  wirdig  si 
so  du  minne,  daz  ist  da  von  daz  si  Got  ze  mentschen  machte  und  den 

mentschen  ze  Got.  [74‘]  du  minne  ist  so  edel  und  so  wirdig  daz  si  den 
mentschen  an  allen  dingen  Got  gelichet  in  der  masse  als  wir  im  glich  15 
mugent  sin. 

Nu  sprichet  er  daz  wir  gelich  sont  sin  den  mentschen  die  da  baitent  irs 
herren,  der  zü  dem  brutlöf  ist  gevaren,  so  er  kom,  daz  si  in  wirdeklich  in 
lassent  und  balde,  die  alsus  irs  herren  baitent,  die  sont  drü  ding  han,  went 
sü  wol  irs  herren  baiten.  20 

Daz  erst  ist  daz  si  sont  wachen;  und  sont  wachen  durch  drü  ding,  zü 
dem  ersten  male  daz  in  nit  verstolen  werde;  zü  dem  andren  male  daz  in 
daz  für  nit  erlösche,  daz  si  im  lieht  engegen  enzündent;  zü  dem  dritten  male 
daz  si  berait  sigint  in  ze  emphahenn.  ir  sont  zem  ersten  dar  umb  wachen 

daz  üch  der  schätz  nit  verstolen  werde,  daz  ist  dü  sele;  won  der  varet  der  25 

tüvel  ze  allen  ziten  daz  er  si  verstele,  und  dar  umb  sont  wir  flisseklich 
wachen  daz  wir  si  behütent.  wir  sont  darumbe  wachen  daz  daz  für  nit  er- 
lösche. [74d]  daz  für  ist  nit  anders  won  dü  gnad  ünsers  herren;  der  gnaden 
sol  der  mentsch  tugentlich  hüten  und  pflegen  und  sol  ze  allen  ziten  zü  legen 
mit  güten  werchen.  man  liset  in  der  alten  e daz  ünser  herre  gebot  daz  all  30 
zit  ain  für  in  dem  altar  brunne,  und  der  ewart  solt  es  machen  und  allwe- 


1.  abir  wan  er  G.  2.  vfl  da  zft  G.  3.  daz  sich  G.  6.  sp'chit  o'ch  G.  so  dfi 
minne  fehlt  4.  7.  also  G.  vor  ich]  Ego  dixi  dii  estiB  G.  10.  ewftltentz  A.  12.  maze 

also  vil  als  tinsir  hre  got  in  siner  maze  G.  nach  sprichet]  in  dien  ernten  xvorten  G.  14.  dü 
minne]  Alse  dauor  stat  . daz  ünsir  h’re  sp'ch;  . daz  wir  go'tte  werden  daz  machot  dü  minne  dü  G. 

15.  gelichet]  gelich  machot  G.  18.  widir  kome  G.  wirdeklich]  boraitidiche  G. 

19.  und  balde  fehlt  G.  20.  baitet  A.  21  f.  zü  — male]  daz  erste  dar  umbo  sü  wacken  sun. 
daz  ist  Cr.  22.  vor  nit  ist  von  zweiter  Hand  in  IV  der  schätz  eingeschoben,  das  AGZH  fehlt. 

zü  — malcl  daz  andir  G,  ebenso  23  d.  dritte.  in  fehlt  G.  24.  in]  sin  G.  24  f.  sü  sun  . . . daz 

inen  G.  25.  daz  — won]  Dauon  sprichit  s.  Paulus  . Waz  mach  lins  virstoln  werdin  wan  dü 
Stele  G.  26.  er  üns  si  G.  27.  si]  ünsir  sele  G.  sun  o'ch  dar  umbe  G.  29.  ziten 

der  gnade  zü  legin  G.  80  f all  zit]  alliz  an  Q.  31.  cs]  daz  für  G. 

7.  Ps.  81,  6.  17  f.  vgl.  oben  S.  73  Z.  15  ff.  26.  I.  Petr.  5,  8.  SO.  Lev.  6,  12  f. 

Deutsche  Texte  de«  Mittelalters.  X 7 


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98 


37.  Von  der  sele  beraitung. 


geilt  zü  legen,  daz  es  nit  erlüsche.  ze  glicher  wis  ist  dem  mentschen  gebotten 
daz  ünsers  herren  gnade  in  dem  alter  sins  herzen  brinne;  und  der  ewart, 
daz  ist  beschaidenhait,  die  sol  daz  für  der  gnaden  schalten  mit  guten  werctien, 
und  sol  die  tugent  üben  flisseklich  die  im  Got  hat  gegeben,  mit  singenn  und 
5 mit  lesenn  und  mit  dienend  und  mit  ainer  ieglicher  arbait,  als  vil  es  getan 
mag;  und  als  vil  im  unser  herre  gnaden  hat  gegeben,  die  sol  ez  ime  ander 
geben;  won  wil  es  die  gnade  nit  üben,  so  minret  si  im  Got.  sant  ( 75' } 
Paulus  sprichet:  ‘gebent  wider  die  gnade  Gotte,  ir  verlierent  si  anders’,  unser 
herre  spricht  och  in  dem  ewangelio:  'swer  die  gnade  verbirget  und  si  nit 
io  übet,  die  er  von  mir  hat,  dem  nitn  ich  si  und  gib  si  ainem  andern,  an  dem 

si  nütz  ist’,  der  wissag  spricht:  ‘ich  wil  niemer  geruwen  e daz  ich  kum 

in  die  hailkait  Gottes’,  dü  hailkait  Gottes  daz  ist  daz  hymelrich.  unser 
herre  sprichet  in  Apocalipsi:  ‘ich  bin  ain  angenge  und  ain  ende’,  und  als 

sprichet  der  wissag  daz  er  niemer  wril  erwinden  e er  kome  zü  dem  angenge 
15  und  zü  dem  ende,  daz  ist  Got  er  sprichet  öch  me:  ‘ich  gedaht  an  Got,  und 
da  von  widerfürent  mir  drü  ding:  do  ich  gedaht  an  Got,  do  gelüst  mich 
sin,  und  da  von  übte  ich  gütü  werch,  und  zerfloss  min  gaist  von  der  süs- 

kait  die  /75*/  ich  in  minen  gedäuken  an  Got  vand’.  man  liset  von  der 

küngennen  Hester:  ‘do  si  für  den  künig  Aswerum  solt  gan,  do  erschrak  si 

20  gar  sere;  won  der  künig  hatte  den  sitten,  wer  für  in  gie  den  er  es  nit 

hatte  gehaissen  körnen,  der  müste  den  tod  liden.  und  ze  ainem  male  do  müste 
dü  küngin  für  in  komen  ungeladet  do  zierte  si  sich  mit  edlen  klaidern;  und 
do  si  für  solte  gan,  do  fürt  si  ain  jungfrowe,  die  ander  hüb  ir  dü  kiaider 
uf.  und  do  si  den  künig  an  sach,  do  duhte  si  daz  si  der  künig  enweng 

25  zornlich  an  sähe,  und  erschrak  daz  si  gar  blaich  wart,  und  naigte  sich  uff 
die  jungfrowen.’  bi  dem  künige  ist  bezaichent  ünser  herre  Jhesus  Cliristus, 
und  bi  der  küniginne  ist  bezaichent  dü  sele.  so  dü  beginnet  gedenken  an 
Got  und  an  die  sehonliait  des  himelriches,  so  erwindet  si  niemer  e daz  si 
kumet  mit  iren  gedänken  für  Gottes  stül  und  I76c]  steket  ir  ogen  in  den 
so  gütlichen  Spiegel,  won  man  liset  von  der  küngin  Hester  daz  si  erschrak, 

do  si  dünkte  daz  er  si  enwenig  zornlich  au  sach:  ze  glicher  wis  ge- 


2.  alt'  A.  3.  ist  dez  mcnBchin  beschaidinbait  0.  6.  herro  fehlt  A.  6 f.  die  — geben 

fehlt  A.  7.  &bin  mit  gätin  w'ckin  G.  7 f.  also  spr.  s.  P.  G.  10.  mir]  gotte  0. 

nimct  er  si  vn  git  0.  . 11.  besser  nutzir  0.  12.  vor  dü)  vn  an  ir  daz  iungistc  0. 

himelriche  . ir  daz  iongisto  daz  ist  vnsir  h re  got . der  ist  ir  ancuanch  . vnde  ir  endo  . also  spr. 
u.  h.  i.  A.  Ego  sum  alfa  ctc.  0.  13.  als]  daz  0.  15  me]  Mernor  fni  dci  0.  an 

fehlt  0.  17.  sin]  dez  0.  20.  aincn  Bitte  0.  20/-.  gie.  der  mfizo  den  tot  liden  . den  er 

niht  für  sich  hicz  komin  0.  22.  vn  do  z.  0.  claidirn  0,  stainen  A.  23.  ander  fehlt  A. 

25.  ersclirach  si  also  sere  . daz  G.  26.  künige  Assvero  0.  27.  küniginne  hester  0.  so 

dü]  vn  so  dü  sele  0.  2S.  so]  son  0.  si]  dü  selo  0.  30.  won]  besser  vn  also  G. 

31.  er  si]  si  der  künicb  0. 


8.  Bebr.  12,  28;  II.  Cor.  4, 15;  6, 1;  11.  Petr.  3, 18 1 9.  Matt.  25,  Uff.  1 1.  ft.  72. 

16. 17.  13.  -l/i oc.  1 , 8;  21,  6.  15.  Ps.  76, 4.  19.  Est.  4, 16;  15,  5 ff.;  vgl.  oben  S.  44  Z.  Uff. 


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37.  Von  der  sele  beraitung. 


99 


schiht  der  sele  so  si  für  Got  mit  iren  gedänken  kumet  und  er  sich  ir 
etlicher  mäz  git  ze  erkennend,  also  daz  si  sin  antlütz  luterlich  erkennet,  und 
von  dem  antlütz  erschriket  die  sele.  und  bi  dem  zorn  des  künges  ist  be- 
zaichent  ain  Wandlung  des  antlütz.  dü  Wandlung  geschiht  so  dü  sele  ir  ogen 
gesteket  an  Got  und  er  sich  ir  git  ze  erkennend;  von  der  erkennung  so  er-  5 
schriket  dü  sele,  und  der  lip  verlüret  all  sin  kraft,  und  zühet  sich  das  blüt  alles 
enweg,  und  wirt  der  mentsche  demie  blaich,  und  naiget  sich  denne  der  gaist 
uff  den  lip,  und  kumet  denne  der  mentsche  von  im  selben,  dis  lian  ich  alles 
gesprochen  von  dem  füre,  daz  ist  dü  gnade  die  unser  herre  dem  (70“]  ment- 
schen  git,  daz  es  die  flisseklich  sol  üben,  daz  si  nit  erlösche  in  dem  herzen,  io 
daz  dritte  dar  umb  si  wachen  sont,  daz  ist  daz  si  in  gedrate  in  lässent, 
swenn  er  kumet.  also  spricht  unser  herre:  'ich  stan  und  klophen  z&  des 
mentschen  hertzen;  sälig  sint  die  die  mich  in  lant,  won  mit  den  wil  ich 
ain  hohzit  han’.  er  sprichet  in  der  minne  büch:  'tü  mir  uf,  min  liebü 
swöster  und  min  turteltube,  und  la  mich  hohzit  mit  diner  sele  han’.  15 

Daz  ander  ist:  si  sont  wol  gezieret  sin  die  irs  herren  baitent.  si  sont 
gezieret  sin  als  daz  antlüt  des  tempels.  man  liset  in  der  alten  e von  dem 
tempel,  daz  waz  gezieret  mit  ainer  guldinen  kröne  und  mit  guldinen  schilten, 
und  waz  in  ieglichem  orte  des  tempels  ain  umb  hang  uf  geschlagen  mit  gul- 
dinen vingerlin.  ze  glicher  wis  sol  der  mentsch  gezieret  sin,  der  Gottes  tem-  20 
pel  ist,  daz  wir  Gottes  tempel  sint,  daz  seit  üns  sanctus  Paulus;  er  sprichet: 
‘üwer  lip  ist  ain  tempel  Gottes’,  went  wir  nu  Gottes  tempel  sin,  so  sont 
wir  gezieret  sin  mit  ainer  guldinen  kröne,  sant  Johanues  sacli  aine  vrowen, 
dü  hatte  die  sunnen  zu  aim  klaide  und  den  manen  zü  aim  füss  schämel  und 
waz  gekrönet  mit  zwelf  liehten  Sternen,  also  schribet  er  an  sinem  büche:  25 
'ich  sach  ain  zaichen  an  dem  hymel,  daz  waz  wunder  gross,  daz  waz  ain  vrowe 
und  ain  wip’.  dis  mugent  wir  bezaichennen  an  unser  vrowen.  dü  hatte  wol  die 
sunnen  zü  aim  klaide,  do  si  den  ewigen  sunnen  enphie  und  si  und  Got  ainen 
sun  gemain  hattent.  si  hatte  öch  den  manen  zü  aim  schämel,  daz  waz  dü  bös 
weit,  die  hatt  si  gar  versmahet.  si  waz  öch  gekrö/76*/net  in  hymelriche  mit  so 
zwelf  krönen,  und  daz  er  sprichet:  ‘ain  vrowe,  ain  wip’,  daz  ist  dar  an  ge- 
mainnet  daz  si  ist  müter  und  magt  vor  ir  gebürt  und  dar  nach,  wir  mngent 


1.  er  — ir]  »ich  got  der  sele  in  G.  3.  und  — künges]  vn  bi  deme  daz  si  duhte  daz  si 
der  ktinich  ain  wcnich  zornlictie  ane  siehe  . bi  deme  zorne  G.  5.  an]  in  G.  er  — erkennend] 
sich  ir  got  z.  e.  git  G.  7.  enweg]  inwert  zfl  deme  li'cin  wan  daz  h‘ee  so  grozo  bewegügo  hat 
enphangen  G.  8.  von  im)  widir  zime  G.  11.  gedrate]  gcraitc  G,  zehant  W.  13.  won 
fehlt  G.  11.  sp'ch;  o’eh  in  G.  16.  ist  daz  sü  w.  gezieret  süln  sin  G.  17.  nach  tem- 
pels] Omaverant  faciem  tcmpli  coronis  aureis  G.  18.  In  kröne  int  r später  eingeschoben  A. 

19.  humb  bang  .1.  22.  tempii  dez  iebindigen  g.  6.  23.  d'  sah  G.  25.  Undc  also  G. 

an]  in  G.  27.  and  fehlt  G.  28.  zfi  aim  klaide]  zccleidirn  G.  31.  krönen]  sundirlichen 
eren  G. 


12.  Apoc.  3,  20.  11.  Cant.  4,  2.  16.  vgl.  oben  S.  86  Z.  9 ff.  IS.  I.  Mach.  4,  57. 

21.  I.  Cor.  3, 16;  II.  Cor.  6, 16.  23.  Apoc.  12, 1;  vgl.  oben  S.  77  Z.  18  ff. 

7* 


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100 


37.  Von  der  sclo  beraitung. 


öch  dis  bezaichnnng  keren  an  ain  ieglich  sülig  sei  du  Gottes  tempel  ist.  dd 
sunne  da  mit  si  ist  beklaidet,  daz  ist  du  gnade  die  unser  herre  in  dem 
gebette  ir  in  gösset,  der  man  daz  ist  du  bös  weit,  die  sol  der  mentscli  gar 
versmahen,  als  sant  Paulus  sprichet:  ‘mir  ist  öl lü  du  weit  ze  ainem  mist 
5 worden  vor  minen  ögen';  relit  als  er  spräch:  ‘ich  han  die  weit  so  gar  ver- 
worfen und  versmahet  daz  ich  nüt  me  uff  si  ahte  denne  uff  ain  mist.’  dar 
nach  so  wirt  du  sele  gekrönnet  mit  ainer  kröne,  du  hat  zwelf  steruen,  daz 
sint  zwelf  fröden  des  hymelriches,  die  ain  ieglich  mentsch  hat;  der  joch 
nümme  hat,  der  gewinnet  sechs  sunderlich  vröde  an  dem  libe  und  [76']  sechs 
io  an  der  sele.  alsuss  sol  dü  sele  gekrönnet  sin  du  Gottes  tempel  ist.  wir 
sont  öch  geziert  sin  mit  guldinen  schilten,  alz  daz  tempel  waz.  da  von  sprichet 
her  David:  ’o  herre,  du  hast  mich  gekrönet  mit  dem  schilte  dines  güten 
willen’,  an  dem  schilte  sint  drü  ort,  die  sint  uns  bezaichenlich.  daz  ain  ort 
sint  ünsers  herren  gebot  und  sin  lere:  die  sol  der  mentsch  flisseklich  be- 
15  halten  und  sim  rät  nach  volgen.  daz  ander  ort  ist  dü  regel.  daz  dritte  ort 
ist  dü  Satzung:  waz  man  uns  haisset  und  setzet,  daz  sol  der  mentsch  güt- 
lich und  vrölich  behalten  und  sol  sin  liertze  dar  zü  ordnen  daz  er  willeklich 
gehorsam  si  siner  maisterschaft  und  sim  orden.  so  der  mentsch  disü  drü  ort 
hat,  so  ist  er  wol  gezieret  vor  Gotte  und  ist  ain  tempel  Gottes,  daz  tempel 
jo  waz  öch  gezieret  mit  vier  umbhangen,  daz  sint  vier  tugend,  die  der  mentsch 
sol  han  der  Gottes  [76d ] tempel  ist  der  erst  urabhang  ist  güti  erbärmde, 

die  du  solt  han  über  ain  ieglichen  mentschen,  also  vil  so  du  mäht  ; und  solt 
mit  aim  ieglichen  mentschen  tragen  swaz  im  wirret  an  libe  und  an  hertzen 
oder  an  der  sele.  der  ander  umbhang  ist  gehorsami:  die  solt  du  willeklich 

25  laisten  mit  herzen  und  mit  libe.  der  dritte  umbhang  ist  gedultekait 

der  vierde  umbhang  ist  demüti:  in  der  solt  du  ällü  dinü  werch  Volbringen 
und  solt  din  erbärmde,  din  gehorsami,  din  gedultekait  zieren  mit  demüt- 
kait.  mit  disen  vier  umbhangen  solt  du  daz  tempel  dins  herzen,  daz  ist 
Gottes,  zieren,  dis  umbhang  sont  uf  geschlagen  sin  mit  guldinen  vingerlin. 
so  daz  ist  dü  guldin  minne.  ze  glieher  wis  als  man  ain  jungfrowen  zü 

1.  öch  fehlt  6.  keren  fehlt  G.  2.  si]  dü  sclo  G.  2 f.  dcme  hainlichin  gebet«  G. 

3.  ir  fehlt  G.  4.  AJso  spr,  «.  P.  G.  6.  ich  nüt  me]  ümme  [aus  i nüine?]  G.  8.  zweit  ge- 

mainc  vro’de  G.  joch)  o'ch  G.  9.  vro’dc  . vfi  gezicrdc  an  G.  11.  waz  da  von! 

Also  G.  12.  her  fehlt  G.  eoro]  Domine  nt  scnto  bone  G.  gekrönetl  gezieret  G.  13.  da 
sint  drü  G.  die  sint]  daz  ist  G.  daz  — ort]  Ain  ort  daz  G.  15.  dritte  ort]  drite  daz  G 
16.  dü  fehlt  G.  waz]  daz  ist  daz  G.  19.  tempil  dez  lebinden  G.  21.  der  erat)  Sin  G, 
richtig  ain.  daz  ist  G,  ebenso  24.  25.  güti  fehlt  Z.  22.  so  fehlt  G.  24.  sele  . vfl  solt 
für  sii  bitten  G.  williclicho  vl)  vro'licho  G.  25.  gedultikait  bis  umbhang  iat  fehlt  A GZ  TT. 
dagegen  liest  H nach  gedultekait:  der  mensco  sal  geduldeglike  sine  ordeno  dragen  ont  in  den  dort. 

26.  in  — du)  du  solt  in  demütichait  G.  27.  erbenuido  . dine  demflti  dine  gehorsami  G (dine 
demüti  fehlt  Z).  '28  f.  solt  — zieren]  sol  daz  tempil  dez  herin  gottos  gezieret  sin  . vn  G. 

30.  nach  minne]  zegelicliir  wiz  alse  die  umbehnngo  waren  vf  geheftet  in  deme  tempil  mit  guldinen 

4.  Phil.  3,  8.  12.  Ps.  5,  13.  25.  in  der  Aufzählung  der  vier  Punkte  fehlt  als  dritter 

Punkt  gedultekait;  der  vierte  Punkt  ist  Demut 


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57.  Von  der  sclo  beraitung. 


101 


der  weite  mähelt  mit  aim  vingerlin,  also  solt  du  di/7?*/ne  seie  zü  Gotte 
mölteln  in  der  minne;  und  als  daz  vingerlin  sinwel  ist  und  nit  endes  hat, 
also  ist  du  minue  an  ende:  won  so  alle  tugent  zergaut,  so  belibet  si 
state , won  si  ist  ewig,  man  liset  von  her  Moyses,  der  in  ain  wasser  wart 
geworfen,  und  wart  funden  uff  dem  wasser,  und  brüht  man  daz  kint  der  5 

küngennen  und  gehielt  in  dri  tag.  Moyses  daz  spriht  ‘ain  mentsch  daz 

uss  dem  wasser  ist  gezogen',  daz  sint  wol  gaischlich  lüte,  die  sint  ge- 

zogen uss  dem  wasser  der  unstüti:  wem  alse  daz  wasser  unstüti  ist  alle 
zit  und  hin  flösset,  also  ist  du  weit  alle  zit  ungerüwet,  also  sprächet 
ainer  wiser  man:  ‘wir  verfliessent  als  daz  wasser’.  also  spricht  och  du  schrift:  10 
‘ain  ieglich  ding  illet  da  zu  daz  sin  nüme  si'.  also  ist  du  weit  ungeruwet 
alz  daz  wasser.  usser  dem  wasser  sint  gaisch/??yiieh  lut  gezogen  in  gaisch- 
lich leben,  darinne  sont  si  dri  tagwaid  gan  gegen  dem  hymelriche.  der  erst 
tag  ist  gantz  und  luterü  bilit.  der  ander  tag  ist  rehtü  rüwe  umb  all  sin 

sünde.  der  dritte  tag  ist  stütü  büsse  untz  an  sin  ende,  man  liset  in  der  15 

alten  e daz  unser  herr  gebot  daz  man  ain  tempel  mähte  und  daz  zierti 
mit  drin  varwen:  wisser  und  roter  und  mit  hymel  varwe.  ze  glichet'  wis 

sol  daz  tempel  Gottes  gezieret  sin.  zem  ersten  mit  wisser  varwe:  da  bi 
ist  bezaichent  rehtü  künschkait  und  dü  gaischlichü  schäm,  da  von  sprichet 
sant  Bernhart:  ‘ich  waiss  ain  harte  schone  tugend,  si  ist  gehauen  gaisch-  20 
lichü  schäm;  si  ist  ain  hainlicher  fründ  Gottes,  si  ist  ain  behüterin  der 
künschi  und  ain  still  der  tugend  und  ain  anvang  und  ain  beraiten  des 
hertzen  und  ain  übergülden  aller  tugend  und  alles  gutes’,  bi  der  roten 
[77]  varwe  ist  bezaichent  dü  gehügde  ünsers  lierren  matter,  da  sol  der 
mentsch  behügen  alles  daz  er  durch  üns  erlitten  hat,  und  wie  gross  minne  25 
er  uns  da  mit  erzöget  hat.  und  da  sol  sich  dü  sele  mit  dem  blute  ver- 
wett daz  von  sim  hertzen  floss.  als  sprichet  sant  Agnes:  ‘ünsers  lierren 
blüt  hat  gevürwet  ntinü  waugen'.  hübsch  vrowe  spulgent  sich  ze  vürwenn 

vingirlin  . also  sol  der  mcnsche  alle  sine  tuende  vf  heftin  mit  d'  minne  . vß  solt  du  dine  sele  vn 
gut  zesuemino  mebiln  in  d'  minne  G Z,  wahrend  W hkr  A folgt. 

1.  aim]  den  G.  4 f.  der  wart  geworfen  in  ain  wazir  u.  w.  f.  G.  6.  tage  . daz  ist  ain 
iegelich  gaistlich  menschc  G.  7.  dem]  ainem  G.  7 f.  dio  — der  unstSti)  die  sint  wol  uzsir  deme 
wazsir  gegozin  Igczogin  Z)  dierro  vliczindun  weite  G.  8.  wan  — wasser  fehlt  A.  8 f.  alle  zit] 
alliz  an  G.  9.  alle  zit]  zallon  ziten  G.  10.  ain  G.  wiser  man  AZ,  wisfi  vrowe  G IV. 

II.  da  zfl)  daz  cz  werde  . vn  G.  sin  o'ch  G.  12.  gegozin  G.  14.  tacli  daz  gamztl  u.  1.  G. 

daz  ist  r.  G.  15.  ist  fehlt  G.  17.  mit  wizir  vn  mit  rotir  G.  19.  dez  hailigen  gottes  G. 
zem  ersten  fehlt  G.  da  bi]  Bi  der  wiznn  varwe  G.  19.  rchtii]  dü  G.  20.  harte  fehlt  G. 
gehauen  fehlt  A.  21.  scliamo  . si  ist  harte  wol  gewrzet  (gewizzin  Z)  . si  G.  dez  scho’nen 
gottes  G.  22.  anevaneh  d tuginde  vn  G.  beraiterin  G.  25.  irhugen  G.  alliz  dez 
daz  G.  26.  erzöget  bat]  zaigite  G.  dem  bl  fite  fehlt  .1.  27.  also  G.  lierren  aus  herzen 

korr.  .1.  28.  hat  — minü]  ist  mir  ain  varwe  au  minen  G.  vrowen  G. 


4.  Ex.  2,  lff:  vgl.  oben  S.  35  Z.  23  ff.  11.  Eccle.  1,  4.  7.  16.  im  Anschluß  an  Exod.  377 

27.  im  Anschluß  an  die  Antiphon  des  Breviers  (II.  Nokturn):  ‘mel  et  lac  ex  eius  ore  suscepi, 
et  sanguis  eius  ornavit  genas  meas’. 


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102 


37.  Von  der  sele  beraitung. 


mit  wisser  varwe  und  mit  roter,  also  sol  öch  dü  sele  sich  värwen  mit  rehter 
künschi  und  mit  der  gehügde  unsere  herren  marter.  bi  der  hymelschen 
varwe  ist  bezaichent  dü  girde  und  dü  minne  die  wir  haben  sont  zu  dem 
hymelschen  lande:  dü  sol  üns  ziehen  und  binden  ze  Gotte,  sanctus  Paulus 
5 sprichet:  'dü  minne  ist  ain  band  da  mit  ünser  herre  zü  der  sele  wil  gebun- 
den werden’,  sant  Augustinus  sprichet:  ‘dü  minne  ist  ain  süsses  band;  si 
bindet  [77d]  Got  und  die  sele  süsseklich  ze  samen’.  er  spricht  och:  'o  minne, 
du  bist  ain  edlü  tilgend,  dü  da  nit  geret  ze  belmbenn,  du  taillest  dich  allen 
den  die  in  der  minne  sint’.  so  spricht  sant  Paulus:  ‘dü  minne  ist  edel,  rieh 
io  und  gewaltig:  si  machet  den  unedeln  edel,  den  armen  rieh,  den  ungewaltigen 
• gewaltig’,  dis  sint  die  dri  varwen  mit  den  die  sele,  Gottes  tempel,  sol  ge- 
zieret  sin. 

Daz  dritte  daz  si  tun  sont  die  irs  herren  baitent,  der  m dein  brutlof  ist 
gevarn,  daz  ist  daz  si  gedultekliehen  sont  baiten,  daz  si  nit  verdriessi  ob  er 
15  ze  lang  ist.  si  sont  gedultekliehen  baiten  durch  drü  ding,  daz  erste  ist: 
gedultkait  meret  den  Ion;  so  der  mentsch  ie  gedultiger  ist,  so  sin  Ion 
ie  grösser  wirt  vor  Gotte,  daz  ander  ist:  si  höhet  die  wirdekait;  so  der 
mentsch  ie  grösser  unwirdekait  hat,  so  sin  wirdekait  ie  höher  wirt  vor 
Gotte  und  allem  [78* / hymelschen  her.  daz  dritte  ist:  si  beraitet  die  vröde 

zn  des  hymelriches;  so  der  mentsch  ie  gedultiger  ist,  so  sin  vröd  ie  merer  ist 

und  wirt.  also  liset  man  von  sant  ölartin,  der  waz  alz  gedultig  daz  er 

sprach:  ‘herre,  wilt  du  ich  lebe,  wilt  du  ich  stirbe;  stvaz  du  teilt,  daz  teil 
Ach  ich,  din  wille  werde  an  mir.'  man  liset  von  ainer  vrowen,  dü  hiess  Re- 
becca, dü  wart  swanger  zwaiger  kind,  und  dü  kind  kriegtent  in  der  müter 
23  lip  mit  enander.  bi  der  vrowen  ist  bezaichent  der  gut  sant  Martin,  der 

trüg  öch  zwen  willen,  die  kriegtent  wider  enander,  daz  waz  der  töd  und 

der  lebtag:  swaz  Gottes  wille  wAre,  daz  öch  daz  sin  wille  wäre;  won  wölti 
Got  daz  er  sturbi,  so  wolt  er  sterben;  war  es  sin  wille  daz  er  lebti,  so 
wolt  er  leben. 

1.  rotir  varw  e G.  öch  fehlt  G.  2.  der  gehügde  fehlt  A.  2 f.  bi  — varwe]  Daz  tanpü 
waz  o’ch  gezieret  mit  himilvarwe  . da  mitte  G.  3.  dfi  tugintlicho  girdc  G.  4.  dü)  in  da 
minne  G.  4 f.  also  spr.  8.  P.  G.  5.  vnsor  nceimal  A.  6.  spriebit  o'cb  G.  8.  dv  A.  tugint. 
vn  du  bist  dü  G.  9.  sprich;  abir  8.  P.  G.  10.  Bi  — 12  ein]  vfi  ist  also  vmbc  die  tugint. 
si  macliot  den  richin  am  . vn  den  armen  rieh  . vU  ewer  anc  si  ist . der  ist  am  . were  o'ch  dlü  dü 
weit  imo  dienisthaft . swer  abir  die  minne  hat  der  ist  rieh  . alsus  sol  dü  sele  gezicret  sin  mit  drin 
varwen  also  daz  tctnpil  GZ(W).  13  f.  derzfi — baiten  fehlt  A.  15.  daz  erste  ist]  dü  G. 

16.  gcdultigir  ist  in  sime  lebinne  so  G.  17.  si  — die]  dü  G.  IS.  unwirdekait]  wirdichait  G. 
höher]  gro’zir  G.  19,  Gotte  und  fehlt  G.  ist  daz  si  G.  20  gedultiger  ist]  gro'zir  ge- 
dultichait  het  G.  20  f.  merer  — wirt]  lutirre  ist  an  gotto  vfi  an  imc  selbin  . vn  an  allimc  himil- 

schin  ingesinde  G.  22.  öch  aus  ich  korr.  A.  herre  wildu  daz  ich  lebe  oder  daz  ich  sterbe  " 

22  f.  stirbe  — ich  fehlt  A.  25.  lip  fehlt  G.  27.  won  — 29  leben]  wsere  daz  gölte«  wille 

4.  Col.  3,  li.  9.  I.  Cor.  13,  4 f.  22.  im  Anschluß  an  das  Repsonsorium  des  Bretwn 
(I.  Xokturn):  'o  beatum  virum  Martinum  antistitem,  qui  nee  mori  timuit,  nec  vivere  recusavit!  Do- 
minc,  si  adhuc  populo  tuo  sum  neccssarius,  non  rccuso  laborem:  fiat  voluntaa  tua.’  23  Gen  25.22- 


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38.  Von  finser  vrowen  und  ünserm  hem. 


103 


[38.]  Von  unser  vrowen  und  rinserm  her/*. 

[Erunt  siffna  in  sole  et  luna  et  stellis.] 

Do  unser  herre  uff  ertrich  wandlet  in  ment/TS'/schlicher  natüre,  do 
sprach  er  zu  sinen  jungem  alsuss  und  wissaget  inen  ain  künftig  ding,  er 
sprach:  ‘es  sont  zaichen  beschehen  an  der  snnnen  und  an  dem  müne  und  an  5 
den  Sternen’. 

Sant  Johans  schribt  in  Appocalypsi  daz  er  sacli  vier  engel  fliegen  uss 
aim  altar  und  flugent  durch  daz  hymelriche;  und  der  erst  engel  blies  ain 
horn,  und  zehant  verlos  du  sunne  und  der  mäne  und  die  Sternen  den  dritten 
tail  ir  liehtes.  dis  mugent  wir  merken  bezaichenlich.  won  bi  der  sunnen  ist  io 
bezaichent  unser  herre,  der  du  gewäre  und  du  ewig  sunne  ist  also  ist  von 
im  geschriben  daz  er  ist  ain  sunne  der  rehtkait.  nu  sont  wir  merken  drü 
ding  an  der  sunnen,  dar  an  unser  herre  der  sunnen  glich  ist.  daz  erste  ist 
daz  du  sunne  schön  ist  und  du  schönst  creature  die  Got  dem  ertrich  ie  ge- 
schfif.  daz  ander  [78c]  ist  daz  enkain  fruht  des  ertriches  fruhtber  mag  sin  15 
än  der  sunnen  hitze.  daz  dritte  ist  daz  der  sunnen  lieht  gemain  ist  aller 
der  weite,  dem  armen  alz  dem  riehen,  dem  Übeln  als  dem  güten. 

Also  ist  unser  herre  och  schöne  als  du  sunne.  von  siner  schöni  spricht 
sant  Augustinus:  'und  solt  ain  mentsch  tusent  jar  leban  in  allen  den  vröden 
so  sin  herze  erdenken  künde,  die  solt  es  all  versmalien  dar  umb  daz  er  Got  20 
nit  won  ze  ainem  male  sähe  in  siner  götlichen  schönhait,  und  ensolte  er  in 
joch  dar  nach  niemer  me  gesehen’,  er  spricht  och  me:  ‘und  wäri  es  mug- 
lich  daz  ain  mentsch  als  lang  leben  solte  und  möhte  daz  ain  tube  des 


daz  er  lebid  . so  wolt  er  gerne  leben  . imo  zedienstc  . wolti  abir  got  daz  si  {richtig  er  Z\  sturbi  . so 
wolt  er  gerne  sterbin  . daz  er  zft  der  himilsehun  vro’de  kxme  GZ,  W mit  Amen  am  Schlosse. 

1.  Überschrift  fehlt  G H'N,  Von  vnsertoc  h'ron  (rot)  Z,  Dominica  in  adventu  domini  Arundel, 
Des  iid'en  südages  1 d'  aducte  Phill.  h’  am  Ende  der  Zeile  A.  2.  Der  lat  Text  fehlt  A. 

4.  er  dis»  wort  zfi  G.  alsuss  fehlt  G.  4 f.  er  sprach  fehlt  G.  7.  daz  er]  Der  G.  8.  und 

vor  der  fehlt  G.  9 f.  dü  — tail]  der  mane  vn  dü  sunne  daz  dritail  G.  10.  iiehtis  . vn  daz  ge- 

stime  virloz  o’ch  daz  dritail  sins  Iiehtis  G.  10  f.  bezaichenlich  — herrel  an  vnsim  h’ren  G. 

12.  ist]  si  G.  13.  wol  gelich  G.  14.  vn  ist  dü  G.  17.  Übeln  als  dem]  alten  also  deine  iungen. 
den  sündern  also  den  G.  gfiten  lauten  IV.  18.  also  — seliAni]  hie  an  ist  iinsir  herre  der  sunnen 
gelich  . Daz  ünsir  h're  scho’no  ist  daz  sprich;  . s.  Petrus  . In  quein  desiderant  angeli  prospieerc  . 
Er  ist  also  scho’ne  daz  in  die  engil  luzllche  vn  vnuirdrozinliche  zullen  ziten  an  sehint . Also  G ZI V. 

19.  tnsint  tnsint  tnsint  G,  tusint  tusint  Z.  20.  so]  die  G.  es]  der  mensche  G.  21.  ze  ainem] 
zaime  ainigosten  G.  gütlichen  schAnhait|  gotlichi  G.  ensolte  fehlt  A.  22.  er — Och]  vfl 
sp'ehit  ioh  noh  G.  es]  daz  G.  23.  solle  und  fehlt  G.  mchti  vnz  daz  G. 


1.  Das  Stück  findet  sich  in  G Bl.  7‘ ; Z Bl.  8“;  W Bl.  9;  Ar  Bl.  9r;  Arundcl  Bl.  80r;  Phill. 
Bl  87 * ( damit  beginnt  diese  Sammlung  die  hier  in  Betracht  kommende  Predigtreihe) ; 11  Nr.  2.  — 
Gedruckt  nach  A bei  Waekemagcl  S.  92  mit  den  Lesearten  aus  Z;  die  Lesearten  aus  G ebenda 
S.  518.  — Vgl.  dazxt  das  Stück  der  Hs.  St.  Georg.  37  BI.  68  (Liingin  S.  7)  der  Karlsruher  Ilof- 
vnd  Landesbibliothek.  2.  Luc.  21,  25.  7.  Apoc.  8,  7. 12  ff.  12.  Ps.  88,  38?  13.  vgl.  oben 

S.  77  Z.  28  ff. 


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104 


3B.  Von  finscr  vrowon  und  iinserm  hern. 


meres  griess  us  gefürti  und  ie  ze  tusent  jaren  nuwent  ain  griesselin,  du  jar 
solle  der  mentsch  wellen  in  arbaiten  leben  dar  umbe  daz  er  Got  gesahe  in 
einer  schönhai  t.  ain  mentsch  waz  besessen  mit  dem  tüvel,  und  ain  gilt  man 
kam  zu  ime  und  [78*]  begunde  mit  im  reden  und  vragte  in  von  dem  hvmel- 
5 riclie  und  von  den  engein,  und  vragte  in  wie  schön  Got  wäre,  do  sprach 
der  tüvel:  'owe,  du  hast  mich  ze  vil  gevraget;  wie  schöne  Got  si  in  siner 
götlichen  herschaft,  daz  enmöktint  alle  zungen  nit  voll  raichen;  aber  dar  umb 
daz  ich  in  ze  ainem  male  möhti  gesehen  alz  ich  in  etswenn  sach,  dar  umb 
wölt  ich  all  die  arbait  liden  die  all  die  erlitten  hant  die  ie  geboren  wurdent 
10  und  iemer  geboren  werdent  untz  an  den  jüngsten  tag.’  und  da  von  so 
dunket  mich  enkaiu  tier  so  tumb  als  der  mentsche,  daz  er  mit  kurtzer  vröde 
verlöret  die  götlichen  an  gesiht.  da  von  sprichet  sant  Augustinus  daz  er 
gerner  wolte  in  der  helle  sin  und  Got  sehen,  denn  in  dem  liymel  und  sin 
nit  sehen. 

15  Daz  ander  ist  daz  enkain  fruht  berhaft  mag  sin  an  der  sunnen  hitz. 
ze  [79°]  glicher  wis  ist  es  umb  den  ewigen  sunnen,  Got  von  hj'melriche,  än 
des  gnade  mag  nieman  enkain  güt  getün.  wir  mugent  in  die  sünde  wol 
vallen  an  ünsers  berren  hilf,  wir  mugent  aber  niemer  ze  gnaden  wider  komeu 
än  sin  helfe,  nu  möhtint  ir  sprechen:  ‘so  endarf  unser  herre  uns  nit  wissen 
2«  daz  wir  nit  voll  tugent  sint,  sid  wir  nit  gutes  gettin  mugent  än  sin  gnade?’ 
nit,  lieben!  wir  mugent  üns  des  nit  entschuldigen,  unser  herre  ist  ällü  zit 
berait  den  sünder  ze  enphahenn  und  sin  gnade  im  ze  gebenn.  also  spricht 
sant  Gregorius:  *dü  hand  ünsers  herren  ist  alle  vart  berait  ze  gebenn  dem 
mentschen  der  guten  willen  hat’,  es  spricht  och  der  wissag:  'herre,  du  vür- 
25  fürest  mit  diuer  gnade  den  üblen  willen  an  dem  mentschen’.  über  daz  wort 
spricht  sant  Augustinus:  ‘o  süsser  Got,  du  vwrfürest  [79*]  mit  diner  gnade 
den  Übeln  willen  und  bringest  in  ze  guten  willen  und  denn  ze  güten  weichen.’ 

Daz  dritte  ist  daz  dü  sunne  gemain  ist:  also  ist  och  ünsei-s  herren  gnade 
gemaine  aller  der  weit,  den  Sündern  und  den  güten,  als  sprichet  sant  Au- 
30  gustinus:  ‘ünser  herre  ist  gemaine  mit  siner  gnade  und  ist  so  erbarmhertzig 
daz  er  baitet  mit  grosser  gedultekait  des  sünders  bekerde’.  ‘o  lierre’,  sprichet 

I.  und  — griesselin  fehlt  G.  2.  wellen  fehlt  G.  2 f.  in  — sebünhait]  undir  sinen  o'gen  G. 

3.  tüvel]  bo'sin  gaisto  G.  4.  zeredinnc  G.  in  fehlt  G,  ebenso  5.  5.  Got]  uusir  lierre  G. 

7.  voll]  wol  Z.  raichcn]  reckin  G,  gesagin  Z.  8.  inihti]  solti  G.  etswenn]  aincst  G. 

II.  gedubte  mich  nie  enhain  G.  er]  sü  G.  12.  virlicrent  G.  da  von  — 14  sehen]  Sanctus 
Augustinus  sp'chj  . gemer  wolte  ich  in  der  helle  sin  daz  ich  gottes  antlüte  an  sselie  . denne  ich 
indeine  hhnilricbc  WEro  vtl  ich  sin  niht  cnsshe  G.  18.  widir  zegnadon  körnen  G.  19.  sin 
helfe]  ünsirs  h ren  gu*ri  G.  endarf  o’ch  G.  20.  voll  — sint]  wollen  II",  wol  tu'gen  Z. 

21.  nit  lieben]  nain  W,  niht  lebin  kint  GZ.  des  fehlt  G.  22.  im  fehlt  G.  23.  ist — vart] 
gnadon  allizan  ist  G.  24.  vfi  spr.  der  w.  Domine  provenisti  G.  24/".  verfuhrest  .4,  furnierst 
GZ,  ververst  IV,  ebenso  26.  27.  bringest  — und  fehlt  A.  den  .1 , denne  G.  28.  och 

fehlt  G.  29.  güten  liitcn  G.  SO.  ist  so  gemaine  G.  erbarmhertzig]  gar  irbErmicb  G. 

31.  sünders]  menschin  G. 

24.  Po.  20,  4. 


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38.  Von  Unser  vrowcn  und  ünscnn  hem. 


105 


er,  ‘du  baitest  im  mit  allaine,  Sünder  du  rüffest  im  täglich  und  manest  in 
täglich  daz  er  wider  kome.  du  bütest  im  alle  zit  huldi  und  erbärmde,  daz 
eht  er  wider  kere’.  nu  möhtint  ir  sprechen:  'wie  rüffet  um  unser  herre?' 
in  trüwen,  daz  tüt  er  mit  aller  creature.  daz  sol  und  mag  üus  wol  ain 
niffen  sin  das  enkain  creatur  ist  si  tügi  ir  reht,  won  allaine  der  mentsch,  5 
der  ist  Got  ungehorsam;  und  ist  im  doch  als  liep  daz  er  in  ze  allen  ziten 
manet  daz  er  noch  widerkere,  und  spricht:  ‘sünder,  ker  wider  und  gedenk  [79’ ] 
daz  ich  din  schepher  bin  und  din  erlöser!  ker  her  wider,  lieber  mentsch, 
und  sich  ze  ainem  male  mich  an;  ich  lass  dich  noch  ze  huldi  körnen!’  also 
spricht  sant  Bernhart:  'so  der  mentsch  ie  boschlicher  sündet,  so  im  Got  ie  io 
gütlicher  nach  gat’.  er  spricht  öch:  ‘o  herre,  du  mäht  wol  sin  ain  guter 
Got,  daz  du  den  sünder  enphahest  swenn  er  kumet,  und  vergibest  im  alle 
sin  sünde,  also  gar  daz  du  in  niemer  verdampnest  und  im  es  niemer  uf  ge- 
hebest, und  wirst  als  luterlich  sin  fründ  als  ob  er  nie  sünd  getan  hetti’. 

Nu  merkent  wie  der  lebend  sunne  daz  dritte  tail  sins  liehtes  verlor!  do  15 
ünser  herre  Jhesus  Christus,  Gottes  sun,  uff  ertrich  kam  durch  den  sünder, 
do  wart  er  ungetrülich  an  den  tod  geben  und  wart  an  ain  sul  gebunden 
und  wart  geschlagen,  daz  sin  hailger  lip  von  blüte  über  vlöss.  do  gabent 
sü  im  ain  crütz  uff  sinen  ruggen,  und  trüg  es  an  die  statt  da  er  gemartrot 
wart,  do  nament  sü  in  do  und  hiengent  (79‘]  in  dar  an,  und  do  verloz  dü  20 
sunne  den  dritten  tail  ir  liehtes,  do  er  jämerlich  dar  an  erstarb,  nu  merkent 
wie  der  dritte  tail  erlasch!  dü  gothait  und  der  hailig  gaist  die  wurdent 
nie  verwert,  dü  mentschait  erstarb,  daz  waz  der  dritte  tail  des  ewigen 
sunnen.  da  von  spricht  sant  Bernhart:  '0,  dw  lebendü  sunne  hatte  wol  daz 
dritte  tail  verlorn  siner  kraft,  do  sin  künigkliches  höbet  verwundet  waz  25 
zwaiger  und  sibenzig  wunden,  und  sinü  wunneklichen  ögen,  die  luter  waren t 
als  dü  sunne,  ersturbent  an  dem  crütze,  und  sin  durchlühtig  antlütz  erblaichet, 
daz  also  schön  waz,  wenne  es  die  junger  sahent  an,  daz  sü  enzündet  wurdent 
in  herzen  und  an  libe,  also  schönnü  clarhait  gie  von  im’,  die  hailgen 


1.  Blinder  fehlt  G.  2.  0 herre  du  G.  dinc  hulde  G.  3.  eht  — kere]  du  in  ze  hulden 
lazest  körnen  G.  möhtint  ir  spr.)  merkint . ir  sprechint,  so  auch  später  G.  uns  fehlt  A.  4.  sol 
und  fehlt  G.  6.  im  fehlt  G.  doh  gotte  also  Cr.  7.  noch  fehlt  G.  6.  irlo'ser  bin  G. 

10.  abir  s.  B.  G.  Got]  iinsir  herre  G.  11.  er  — Och]  vn  sp'cb;  abir  8.  ß'nhart  G.  13.  »finde . 
vn  virgist  imez  (ime  si  7.)  also  G.  vfi  du  irae  G.  14.  geta'te  G.  16.  dcrgottcs  G.  17.  wart 
gebundin  an  die  etil  G.  18.  von — vlöss]  mit  blfite  gar  begozscn  waz  G.  19.  ain]  sin  G. 
cs  AZ,  erz  G.  20.  dar  an]  vf  an  daz  crüco  G.  und  do  verloz]  da  v.  do  G.  20  f,  der  sunne 
d.  dr.  tail  siner  kraft  do  G.  21.  dar  an]  an  dem  erfice  G.  22.  der  fehlt  A.  22/1  und  — ver- 
wert] wart  nie  virwert  . der  hailigc  gaist  irstarp  nie  G.  23.  crstarbl  Jhesus  Christus  d'  starp  an 
deine  crüco  G.  24.  dv  A.  25.  siner]  ir  G.  27.  ersturbentl  dü  sturbin  G.  und  — 1 spre- 
chend vD  also  littet  man  von  finsirme  herren  Jhesu  Christo  . daz  ime  sind  o’gen  also  scbo'ne  vfi  also 
minniclich  waren  . daz  sine  iungim  rchtc  enzfindet  wrden  an  libe  vndc  an  herein  . so  er  sfi  ane  sah  . 
vfi  daz  rehtc  ain  zain  von  sinen  o’gen  gie  . vfi  sprechint  die  hailigen  GZ  (in  W fehlt  vfi  daz  — gie). 


21.  vgl.  Matt.  27,  45. 


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106 


38.  Von  Unser  vrowen  und  l'inscrm  horn. 


sprechent  daz  sin  junger  im  nahvolgetant  me  durch  sin  schöni  denn  durch 
die  gnade  dez  hailgen  gaistes,  [80°)  e daz  sü  enzündet  wurdent.  ‘owi’, 

spricht  sant  Bernliart,  ‘der  süss  mund  der  allü  zit  die  warhait  sprach 

und  lerte,  der  wart  mit  gallen  getrenket,  und  die  hende  die  hymelrich 
5 und  ertrich  gesell iiffent,  die  wurdent  durch  schlagen  mit  scharphen  nageln’, 
nu  möhtint  ir  sprechen:  'wie  moht  daz  sin?  Got  waz  do  nit  mentsch  wor- 
den, do  er  hymelrich  und  ertrich  geschüf?’  daz  wil  ich  üch  beschaiden: 

unser  herr  Got,  der  ewig  vatter,  hatt  sinen  sun  .Thesum  Christum  gebildet 
in  im  selben  vor  angenge  der  weite,  des  ich  urkünd  nch  wil  geben,  do 

io  unser  lierre  die  engel  geschüf,  do  geschüf  er  och  Lucifern,  und  gab  dem  me 
schönhait  und  wirdekait  denn  kaim  andern  engele.  won  also  spreebent  sinn- 
lich hailgen  daz  im  die  andern  engel  alle  ze  gezierde  warent  geben,  und 

da  von  won  er  schöner  waz  und  wirdiger  denn  die  andern  engel,  do  sass  er 

[80 7 och  Got  näher  und  sach  ain  mentschlich  bilde  in  dem  götlichen  spie- 
15  gel,  daz  waz  du  mentschhait  ünsers  herren  Jhesu  Christi,  do  ged&lit  Lu- 
cifer:  'dis  bilde  bin  ich,  won  nieman  so  schön  und  och  so  wirdig  ist  so 
ich;  da  von  hat  er  mich  in  im  selben  gebildet  nu  wil  ich  minen  stül 

nebent  in  setzen,  so  bin  ich  im  gelich’.  und  do  er  daz  gedahte,  do  viel 
er.  daz  ist  ain  urkunde  daz  die  mentschhait  gebildet  waz  von  angeng  in 

20  der  gothait  und  also  so  wir  denu  die  hende  sehent  die  hymelrich  und 
ertrich  geschiiffent,  durch  schlagen  an  dem  erüze,  spricht  sant  Bernhart,  er 
spriht  och  me  und  klaget:  'owi,  das  süsse  herze  daz  da  vol  waz  aller  wiss- 
hait,  daz  wart  durch  stochen  mit  dem  sper,  und  aller  sin  lip  und  sinü  lider 
wurdent  zertent  und  jümerlich  gemartret,  und  verlos  dü  sunne  daz  dritte 
25  tail  ir  schöni’. 

An  dem  manen  beschahent  och  zaichen,  daz  waz  an  ünser  vrowen,  dü 
sich  dem  man  [ 80' ] glichet  an  drin  dingen,  daz  erst  ist:  waz  er  liehtes 
hat,  daz  hat  er  von  der  sunnen.  daz  ander  ist  daz  er  lühtet  in  der  naht, 
das  dritte  daz  er  gemain  ist. 

1.  sprächet  A.  sin  junger]  sö  G.  im  fehlt  A.  nahvolgetant]  uolgeton  G.  3.  nach 
Bemhart]  Dü  minniclichen  o'gen  dü  stürben  an  deine  erüeo  . vfi  G.  4.  mit  g.  getrenket]  ge- 
spiset  mit  d’  gallun  . vfi  getrenchit  mit  dem  czzichc  G.  die  selbin  hende  G.  5.  scharphen! 
den  G.  6.  do]  donnoli  G.  8.  Got  fehlt  G.  der  hato  G.  sun  ünsim  h'ren  J.  Ch.  G. 

(I.  dez  wil  ich  iv  urkdndc  gebin  G.  10.  me  fehlt  G.  11.  andern  fehlt  G,  ebenso  13. 

13.  egel  A,  fehlt  GZW,  das  iceiterfährt  mit  do  sah  er  ain.  sass]  waz  G.  14.  sah  in  lutir- 
lichir  denne  die  andim  engile  . do  sah  er  ain  G.  16.  bilde  daz  bin  G.  so  fehlt  A,  also  G. 
och  so]  also  G.  20.  also  so  sehent  wir  denn  d.  h.  ? Roethe  möchte  lieber  sol  statt  so  lesen  und 
schont  als  Inf.  fassen.  und  also  — 22  klaget]  0 we  sprich?  s.  Bemhart  vil  claget  in  . Die  hende  die 
himilriche  vnde  ertriehe  geschaffen  hain  . die  wrdin  dur  slagin  G.  22  f.  nach  wisshait]  vfi  von 
domo  cllü  wizhait  vloz  G.  24.  jömerlich  fehlt  G.  und  v.  dü  s.]  vnwirdiclichc  . da  sprichit  er 

dnz  der  sunne  viriöz  G.  25.  ir  schöni]  siner  scho'ni  . vti  sincr  kraft  . da  er  irstarp  GZ  (da 

irstarp  fehlt  lf).  20.  beschahent  — zaichen]  sun  o.  z.  geschehin  G.  waz  anl  ist  G. 

‘10  f.  dü  — dingen]  An  drin  dingen  ist  si  dem  manen  gelich  G.  28.  hat  fehlt  A.  daz  er  lühtet]  er 
ist  ain  lieht  G,  er  ist  lieht  Z.  29.  dritte  ist  er  ist  gemaine  G.  d'az  A. 

3.  vgl.  oben  S.  35  Z.  24  ff. 


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39.  Von  flnser  vrowon  und  »nserm  hem. 


107 


Ze  glicher  wis  ist  unser  vrow  ain  man;  won  waz  si  gnaden  und  fugen- 
den und  s&lden  Mt,  daz  hat  si  von  der  snnnen.  und  da  von  sprichet  si: 
‘unser  herre  hat  mich,  sin  dirnen,  besehen’,  und  dar  über  sprechent  die 
maister:  ‘swen  unser  herre  besiht,  den  besiht  er  also:  swaz  an  im  gebresten 
ist,  daz  erfüllet  er  mit  sinen  gnaden  und  bestätet  in  denne  an  tilgenden’.  5 
also  tet  er  öch  ir. 

Daz  ander  ist  daz  si  üns  ist  gegeben  ze  tröste  und  ze  aim  lieht  daz 
üns  sünder  entlühten  sol,  daz  si  üns  laiti  mit  ir  liebte  uss  disem  eilende, 
won  si  ist  ain  lieht  der  gnaden,  also  spricht  sant  Bernhart:  ‘vrowe,  du  bist 
der  gewär  mäne,  der  da  lühtet  in  der  naht;  vrowe,  du  gist  den  engein  und  io 
den  hailgen  vröde,  den  rehten  mentschen  merest  du  ir  gnade,  den  Sündern 
erwirbest  du  ap/SO^/plaz  aller  ir  Sünden’,  er  spriht  och  me:  'o  sünder,  gang 
vrölich.  zü,  du  mäht  wol  sicherlich  ze  huldi  komen;  won  du  hast  ain  harte 
sicherlichen  Zugang  zü  Gotte:  du  hast  die  müter  vor  dem  sune,  den  sun  vor 
dem  vatter.  dü  müter  zaiget  dem  sun  ir  brüst  die  er  sög,  und  die  schoss  15 
da  er  inne  sass.  der  sun  zaiget  sin  situn  und  sin  wunden  sim  vatter  und 
bittet  für  dich,  owe  sünder,  nu  rüf  an  die  güten,  won  si  ist  der  mane  der 
den  sünder  laitet;  nu  rüf  si  an,  won  es  ist  unmuglich  daz  der  sun  der  müter 
iht  verzihel’ 

Daz  dritte  ist  daz  ir  gnade  ist  gemain  allen  den  die  si  an  rüffent.  also  20 
spriht  sant  Johannes:  ’o  vrowe,  du  bist  der  mane  der  da  gemainlich  lühtet; 
du  verseist  nieman  din  lieht*,  wa  ist  der  mentsch  der  dich  ie  an  gerüfte,  du 
tailtist  din  gnade  mit  im  ? sant  Bernhart  spricht  och:  ‘vrowe,  du  bist  gesetzet 
in  des  künges  hus  zu  aim  fürsprechen ’.  [81“]  nu  rüff,  vrowe,  an  sinen  namen, 
daz  er  üns  gnädig  si!  si  tüt  es  und  tüt  es  gern;  won  daz  si  üns  wol  tüt,  25 
daz  ist  ir  güt  und  nütze  und  och  üns:  won  so  si  ie  me  git,  so  si  ie  me 
bat,  und  wirt  ir  vröde  mit  gehöhert  und  gebraitet  ir  ere  in  hymelriche  und 
in  ertrich.  entrüwen,  si  tüt  es  von  rehte;  und  täti  si  es  nit,  si  täti  unreht 
nu  merkent:  es  ist  geschriben  reht:  ‘waz  der  mentsch  verlüset,  swer  daz 


1.  won  fehlt  G.  2.  der  — von]  deine  lebindin  surnien  . also  G.  3 und  dar  über]  Vbir 
daz  wort  G.  die  haiiigen  vn  die  G.  4.  »wen  korr.  aus  swen  A.  vnaer  h're  zweimal  A. 

6.  also  — ir]  vn  si  wart  relitc  erfüllit  mit  deine  oberosten  gfitc  G.  7.  fins  ist  A Z,  (ins  wart  G. 

ze  tr.)  zaime  tr.  G.  9.  ain  — der]  de  lieht  daz  (ins  (üns  fehlt  Z)  sönderc  entlfihtcn  sol  . mit 
Ir  G.  10.  ain  gewaere  G.  12.  nach  sönden]  vfi  mit  diner  gnade  geuestinost  du  s(i  an  gütimc 
lebinne  G (an  rechtem  glau'ben  11’).  mo  fehlt  G.  13.  vrtlich]  vtivorhtlicbe  G.  14.  siehcr- 
lirhen  — Gotte]  züvirsihticlichin  fürganch  G.  16.  inne]  vffe  G.  sim  vatter  fehlt  G.  17.  nu 
fehlt  G.  18.  laitet  . vn  si  ist  vns  Sündern  zaime  tro’ste  gegebin  G.  der  send'  A,  daz 

kint  der  G.  19.  verzihe  A Z,  virsagc  G.  20.  si  fehlt  G.  23.  nach  im]  wa  ist  der  menscho 
der  dich  ie  bezügen  mohtc  daz  du  ime  niht  geibist  dine  gnade  . so  er  dich  an  rüfto  G.  öch] 
O wo  G.  26.  güt  und  fehlt  G.  27.  vB  ir  ere  gebraiterot  G.  28.  vn  entrüwen  G.  ez 
o'eh  zerehto  G.  so  titc  si  unrehtc  G.  29.  merkint  wie  daz  ist  geseriben  r.  G. 


3.  Luc.  1,  48. 


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108 


SS.  Von  iin»er  vrowen  und  rtnserm  hem. 


rindet,  der  sol  es  dem  wider  geben  dez  es  ist’,  ze  glicher  wis  ist  es  mnb 
us  und  unser  vrowen.  si  hat  f'unden  daz  wir  verlorn  liant.  waz  ist  das? 
entrüwen,  daz  ist  dii  guade;  won  do  unser  müter  Eva  ungehorsam  wart,  do 
verlor  si  allem  mentschlichem  könne  die  gnade,  und  die  hat  si  funden.  und 
s merkent  wie:  do  der  eugel  zit  ir  kam  und  si  graste  und  sprach:  ‘Got  griitze 
dich  vol  der  gnaden’,  [SV]  do  vant  si  die  gnade,  do  an  der  selben  stunt 
enphieng  si  Got  und  mentschen  von  dem  hailgen  gaist«.  do  vant  si  wirlich 
die  gnade  die  Eva  verlorn  hatte,  man  liset  von  ir  daz  si  erschrac  do  der 
engel  zu  ir  kam.  do  sprach  er  zü  ir:  ‘mit  enfürhte  dir!  du  hast  die  gnade 
10  funden  die  Eva  verlor’,  sit  wir  si  nu  bezöget  hant  daz  si  funden  hat  daz 
ünser  ist,  so  ist  daz  sicherlich  reht  daz  si  es  uns  wider  geb.  alz  spriht  ain 
hailge:  ‘vrowe,  du  hast  die  gnade  funden  die  wir  da  verlorn  hant;  vrowe 
nu  ist  es  reht  daz  du  si  lins  wider  gebest’,  der  man  ist  daz  aller  nähste 
gestirne  dem  ertrich:  also  ist  öeh  unser  vrowe  du  gnädigost  und  du  nähste 
15  mit  ir  gnaden  den  sondern,  ich  sprich  es  mit  der  hailgen  urlob  daz  si  alle 
sint  gnädig  und  gut,  doch  ist  si  gnädiger  und  göter. 

Dirre  man  verlor  den  dritten  tail  siner  kraft  an  der  stunde  do  ir  liebes 

kint  an  dem  crütze  hieng;  won  do  waz  ir  also  we  als  ir  [SV]  ain  swert 

durch  ir  herze  gieng.  won  si  minnete  ir  kint  von  menschlicher  nnture  me 
20  denne  ie  dehain  müter  ir  kint,  so  minnote  in  öch  ir  sele  me  von  gütlicher 
minne  denn  ie  kain  sele.  und  da  von  moht  ir  wol  we  sin,  do  si  in  so 
jämerlich  sach  hangen  vor  iren  ögen.  es  sprechent  die  hailgen  und  die 
maister  daz  ir  reht  wäri  als  aim  mentschen  dem  ain  swert  durch  sin  herze 
gesteket  wäre  und  daz  weder  sterben  noch  leban  mühte,  also  sprechent  si 

25  daz  ir  wäri  do  si  sah  ir  herzblüt  vor  ir  also  jämerlichen  hangen,  owe,  vil 

süssii  vrowe,  sag  uns  wie  diner  sele  wäre!  ‘owe,  mir  waz  von  inueklichem  laide 

so  we  daz  mir  so  gar  waz  gebrosten  daz  ich  nüt  kan  gesagen  wie  herzek- 
lichen  we  mir  waz!  ich  mohte  weder  sterben  noch  leben,  und  waz  min  quäle 

also  gross  daz  ällü  herzen  nit  erdenken  kunnent  wie  we  mir  waz’.  an  der 

ao  stunt  verlor  der  mäne  daz  dritte  tail  siner  kraft,  do  si  ir  herzblüt  verlor. 

\ f.  ze  — vrowen  folgt  nach  2 hant  A.  2.  verlorn  hant)  vcrlum  G.  ist  abir  dai  G. 

3.  daz]  ez  G.  won  fehlt  G.  mütir  vro  eua  G.  4.  und  dio]  I)io  gnade  G.  5.  and 

si]  do  er  si  G.  cor  Got]  Aue  maria  gratis  plena  G,  Ave  gratis  plcna  W.  8.  verlorn  hatte) 

virlor  G.  man  lisot]  da  wart  virwandilot  eua  In  aue  . vfl  liset  man  G.  9.  cor  nüt]  Ne  tionsß 
maria  G.  11.  cs  üns]  üns  daz  G.  12.  hailge]  hailieb  mä  G.  da  fehlt  G.  13.  si  uns] 
vns  die  gnade  G.  aller  fehlt  G.  14.  ist  — vrowe]  sprich  ich  . vnsir  vro’ wo  ist  G.  15.  den 
Blindem]  deine  siinder  G.  daz  si]  die  hailigen  G.  IG.  sint  vor  15  alle  G.  und  gMer) 
denne  dehain  hnilige  G.  17.  daz  dritail  G.  18.  als  ain  s.  G.  19  /'.  von  — kint  fehlt  .4. 

20.  so]  do  G.  me  steht  nach  21  minne  G.  21.  so  fehlt  G.  22.  es]  Vnde  G.  24.  leban) 

geuesen  Z.  mähte]  mach  . vnde  also  kiele  (quelo  Z)  G.  25.  do  — hangen]  An  der  zit  do  si  ir 

hercehldt  vor  ir  sah  hangen  . also  iamirlichc  G.  20.  wie  dirne  hcrcen  vil  diner  G.  waz 

fehlt  A.  27.  waz  gebroston]  nahe  waz  G.  29.  daz  ez  G.  wie  — waz  fehlt  G IV. 

30.  hcree  blot  virlor  vH  si  von  deme  laide  ir  kraft  virloz  G. 

5.  Luc.  1,  28.  9.  Luc.  1,  30. 


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38.  Von  unser  vrowen  und  unscrm  hem. 


109 


Nu  bittent  die  gnädigen  und  die  güten  vrowen  [8V]  daz  si  uns  gehelfi 
dar  da  tusent  jar  sint  alz  ain  tag,  alz  der  wissag  sprichet,  daz  ist  in  dem 
hymelrich.  amen. 


[39.]  Von  maliger  hand  regele. 

I Stephanus  autem  plenus  gratia  et  fortitudine  faciebat  signa  magna  et  pro-  5 
digia  in  populo.j 

‘Stephanus  waz  vol  gnaden  und  sterki’,  spricht  sant  Lucas  in  Actibus, 

‘und  tet  grössü  zaichen  an  dem  volke’. 

Hie  an  sont  wir  merken  vier  ding. 

Stephanus  daz  sprichet  ain  regel.  ain  ding  da  bi  man  ain  ander  ding  io 
schephet  und  nach  machet,  daz  haisset  ain  regula.  nu  ist  zwaiger  hand  regel : 
aine  die  liant  gaislich  lüte,  die  andern  hant  weltlich  lüte. 

Drü  ding  sint  an  der  regel  da  mit  ällü  dii  weit  begriffen  ist,  daz  ist 
unkünschkait  des  libes  und  wolnust  der  ogen  und  hofifart.  dis  ist  bezaichent 
ain  regel;  von  der  liset  man  in  der  alten  e:  do  her  Moyses  starb,  do  wart  15 

daz  volk  bevolhen  hem  Josue,  daz  si  der  volle  fiirti  in  daz  hailig  laut  daz 

in  Gof  [82“]  verhaissen  hatte,  und  do  si  uf  der  vart  warent,  do  gebot  in 
unser  herre  daz  si  ain  statt  verdarbtint  und  do  si  dristunt  dar  umb  gien- 

gent,  do  Hess  unser  herre  die  mur  nider  vallen  än  strit  und  giengent  si  in. 

nu  hatte  unser  herre  gebotten  daz  si  nit  uff  sich  näment  daz  si  fundent,  2» 

und  swer  iht  robes  näme,  daz  man  den  verstaiueti.  do  nam  aiu  schalk  ain 

guldin  regele,  und  dar  nach  kament  si  zu  ainer  andren  statt,  die  soltent  si 
öch  verderben,  und  da  wurdent  si  flühtig.  do  gie  der  wissag  zü  unsrem 

herren  und  sprach  wie  er  in  so  getan  hetti.  do  sprach  unser  herre:  ’üwer 
ainer  hat  üch  verwürket’.  und  wurfent  si  daz  löss  und  fundent  den  schul-  25 
digen  hern  Achor.  do  sprach  der  wissag:  ‘sag  an,  unsälig  man,  waz  hast 
du  getan?'  er  saite  er  hetti  aine  guldine  regele  verstoln.  do  sprach  er:  ‘uma- 

t.  bittent]  nun  wir  bitten  G.  2.  dar]  zö  der  vro'de  0.  tacii  der  zirgangen  ist  G, 
alz  der  — 3 amen]  Also  spr.  d.  w.  in  deme  himilscbin  lande  ist  dii  vro'de  also  groz  . daz  da  tüsint 

iar  sint  also  der  tach  der  zirgangen  ist  (als  ein  tag  der  gestern  vergangen  ist  IV)  GZ. 

4.  Überschrift  fehlt  G,  Von  sce  Stephano  (rot)  Z,  Do  s.  Stephano  Arundel,  Va  sent  stephäe  Philipp. 

5.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  7.  vor  St]  Disfi  wort  spriehit  s.  I.ncas  in  der  epistel  (disü  wort 
scribit  man  in  de  epistoia  Z)  . im  dü  wort  sprechint  alsuz  G.  spricht  — Aetibns  fehlt  GZ. 

1 1.  haisset]  ist  G.  13.  da  mitte  ist  5.  d.  w.  b.  d.  i.  G.  14.  und  hoffart  — ist]  vii  disü  regilo  G. 

16.  daz  israhelschi  volch  G.  17.  gottc  A.  uerte  do  w.  G.  19.  nider  fehlt  G.  20.  daz 

nach  nÄment]  dez  G.  21.  do  — schalk)  nu  waz  ain  schalch  ull  ain  bo’so  wiht  vnd'  in  . der 
viretal  G.  23.  do]  nu  G.  24.  wie  — hetti]  herre  wie  hast  du  Uns  so  getan  G.  25.  und 
w.]  Do  w.  <i.  fänden  sä  den  G.  26.  waz  — 1 man  fehlt  durch  Bomöoteleuton  A. 

2.  Ps.  89,  40;  II.  Petr.  3,  8.  4.  Die  Predigt  findet  sich  in  G Bl.  10*;  Z Bl.  12 * (fehlt 

WN);  H Nr.  3;  Arundel  Bl.  93‘;  Philipp.  Bl.  117*.  — Gedruckt  bei  Wackemagel  S.  322  nach  G. 

— Vgl.  dazu  oben  S.  10  Predigt  Nr.  4.  5.  Act.  8,  8.  14.  I.Joan.  2,  16.  15.  Jos.  1. 

17.  Jos.  6,  20.  25.  Jos.  7,  20  ff. 


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110 


39.  Von  m&ngor  hand  regele. 


lieh  man,  du  hast  uns  betrübet,  nu  betrübe  dich  Got’,  und  nament  und  stain- 
tent  in.  bi  der  regel  ist  bezaichent  welt/5 .2  */lich  leben;  iron  alz  daz  gold 
den  schin  von  im  lat,  also  tut  du  weit,  si  zaiget  schönes  leben,  also  sprichet 
sant  Johannes:  ‘alles  daz  in  der  weit  ist,  daz  ist  begriffen  mit  flaisclilicher 
s girde  und  wolnust  der  ögen  und  mit  hohfart’.  alle  die  in  der  regel  lebent, 
die  wirt  unser  herre  verstainent  an  dem  jüngsten  tage,  disü  regel  hat  ain 
jämerlich  ende,  also  spricht  sant  Johans:  ‘4116  dü  weit  und  ir  girlichü  woln- 
nust  zergat  j:\merlich  mit  bitterkalt’. 

Dü  ander  regel  ist  ain  regel  gaischlicher  lüte.  dar  an  sint  zwai  ding, 
io  ains  daz  sint  dü  gebot  ünsers  herren,  alz  dü  zehen  gebot,  der  ist  ain  iek- 
lich  mentsch  schuldig  ze  behaltenn,  es  si  gaischlich  oder  weltlich;  und  swer 
si  nüt  behaltet,  des  wirt  niemer  rat.  daz  ander  ist  der  rat  ünsers  herren, 
und  des  underwindent  sich  gaischlich  lüte,  die  in  volkomen  leben  körnen  went. 
nu  ist  mänger  hande  regel  in  gaischlichem  lebenn,  der  ieklichs  sin  Satzung 
15  [SP]  und  sin  regel  hat,  aber  die  usgenomen  ding  in  ieglichem  gaischlichem 
lebenne  daz  ist  armüt,  künschkait  und  gehorsami.  daz  ist  ain  regel  des 
rates;  und  an  die  möhtint  wir  wol  behalten  werden,  dis  ist  aber  sicherre. 

Man  liset  in  dem  ewangelio  von  aim,  der  gie  zü  ünsrem  herren  und 
sprach:  ‘maister,  wie  sol  ich  tün  daz  ich  daz  ewig  leben  gewinne?’  do 
20  sprach  unser  herre:  ‘du  solt  dü  zehen  gebot  behalten  dü  in  der  alten  e ge- 
botten  sint’.  do  sprach  er:  ‘die  han  ich  von  minen  kintlichen  tagen  behalten 
untz  her’,  do  sprach  ünser  herre:  ‘wilt  du  durnühtig  sin,  so  la  alle  din  habe 
und  volge  mir  nach’,  daz  waz  ain  regel  des  rates.  die  hant  6ch  gaischlich 
lüte  an  sich  genomen,  die  sich  alles  zergangkliches  gutes  enzihent  und  ünserm 
25  herren  nach  volgent.  daz  ist  ain  leben  durnühtiges,  sprichet  ünser  herre. 
nu  tunt  wir  daz  vil  kume,  won  wir  sint  so  gar  sere  an  der  nature  ge[82>J 
swechet  von  der  ersten  sünde  ünser  müter  Even  daz  wir  da  von  so  gerne 
an  üns  zielient;  und  womit  wir  bliben  alz  wir  in  dem  paradyse  wurden! 
geschaffen,  so  wärint  üllü  ding  gemaine.  nu  ist  der  lüte  vil  die  arm  sint 
so  aber  also  daz  si  gern  gfit  hettint;  die  sint  niht  reht  arm.  ünser  herr  sprichet 
in  dem  ewangelio:  ‘sälig  sint  die  die  willeklichen  arm  sint  durch  Got,  also 
daz  si  nihtes  nit  gerent  won  ir  notdurft’. 


1.  betru'be]  betriebet  G.  namin  ln  vnde  G.  2.  voon  A.  3.  also  t.]  xe  geliebir 
wiz  t.  G.  Icbin  . in  dez  libes  Wollust  G.  5.  w.  der  ögen]  mit  der  o’gen  wollust  G. 

7.  woln, ‘nust  A.  9.  daz  ist  G.  g.  löte)  gaistiiebis  lebinnes  G.  11  f.  und  — si]  swer  dez  G. 
12/.  daz  — des]  Dfi  anilir  regile  ist  ain  regilc  dez  ratea  . d'  G.  14.  in]  vndir  G.  t5.  die! 
daz  fälschlich  G.  dinch  sint  in  G.  17.  und  fehlt  G.  sicherre]  sichirlich  G.  19.  tan  — ge- 

winne] den  ewigen  lip  gewinnen  G.  20.  alten  fehlt  G.  21.  minen  — tagen]  miner  kint- 
hait  G.  22.  du  denne  G.  habe]  gehxbido  G.  24.  an  s.  genomen  fehlt  G.  25. 
durnehticb  I.  O.  26.  gar  fehlt  G.  27.  so  fehlt  G.  28.  went  .4,  wreri  G.  wir  vor  blibeo 

fehlt  G.  29.  harte  vil  G.  30.  aber  also]  sä  Bint  abir  also  arn  G.  niht  fehlt  A.  32.  ir 
notdurft]  der  no'tdrfiftc  G. 


4.  I.  Joan.  2, 16.  7.  I.  Joan.  2,  17.  16.  Matt.  19, 16.  31.  Matt.  5,  3. 


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39.  Von  m&nger  band  regele.  lll 

Dü  ander  regel  gaischlicher  lüte  daz  ist  künschi.  daz  ist  vil  swArer 
denn  daz  ich  an  aigenschaft  bin.  nu  merkent  wie:  daz  gut  ist  uswendig 
mines  libes;  swaz  uswendig  raines  libes  ist,  daz  ist  mir  lihter  ze  lassenn 
denn  daz  in  mir  ist.  daz  ich  künsek  leben  ban,  daz  ist  wider  der  nature. 
und  da  von  sprichet  ain  hailge:  'künschlich  leben  in  dem  übe  daz  ist  nit  5 

mentschlich,  es  ist  kymelschlich’.  da  von  sprich  ich  [83’]-.  daz  ich  Got  dü 

ding  gebe  dü  in  mir  sint  und  daz  wider  der  natur  ist,  daz  ist  vil  grösser 
denn  ich  daz  güt  lan,  won  daz  ist  usserhalb.  daz  aber  ich  und  swer  es 
tüt,  minen  lib  allweg  kestigen  mit  arbaiten,  dar  umb  daz  min  nature  ver- 
drukert  werde  und  min  künschi  Got  behalti,  daz  ist  vil  löblicher  denn  daz  io 
ich  vil  gutes  lasse;  won  der  mentsch  künde  noch  enmohte  Gotte  kain  ding 
geben  daz  im  so  lieb  wäre  und  sigi  alz  die  künschi.  uud  mugent  daz  dar 
an  merken:  es  enist  enkain  ding  daz  der  mentsch  gelobet  und  enthaisset, 
man  nem  es  ime  wol  ab  und  setze  im  ain  anders  dar  für,  won  allaine  die 
künschi.  swer  die  gelobt,  dem  mag  es  weder  byschof  noch  bapst  ab  genemen;  15 
behaltet  er  es  nit,  sin  wirt  niemer  rät.  und  da  von  ist  dü  künschi  löblicher 
denne  kain  ander  ding;  und  won  si  löblicher  ist  denn  kain  ander  ding  [83  */, 
da  von  ist  si  öch  Got  lieber  denn  ander  opher.  und  dar  umb  sol  der 
mentsche  sinen  lib  arbaiten  und  kestigen,  daz  er  küusch  belibe. 

Dü  drit  regel  ist  gehorsami.  dü  ist  swär  und  noch  swärer  vil  denn  dü  2» 

künschi.  enkain  ding  mag  sich  der  gehorsami  geliehen,  won  der  wille  ist 

der  obrost  und  der  edlest  der  in  der  sele  ist,  und  enmag  der  mentsche  mit 
nüti  daz  hymelrich  verlieren  noch  gewinnen  won  mit  dem  willen:  und  da 
von  ist  es  dü  groste  tugent,  der  sinen  aignen  willen  uf  git.  swenn  ich  Got 
minen  willen  uf  gib,  so  han  ich  daz  edlost  im  geben  daz  an  mir  ist,  und  25 
da  von  ist  es  aller  gröstes  lones  wert;  won  dem  mentschen  wider  stat  nüt 


I.  g.  lüte]  die  gaisüiche  lüte  hant  G.  2.  bin]  leben  G.  uswendig]  uzsiront  G.  4.  ich 
denno  G.  5.  da  von  fehlt  G.  6.  m.  lebin  . ez  ist  liimils  lebin  . Daz  spr.  ich  denne  G.  7.  mir] 

mime  libe  G.  vil  fehlt  G.  8.  denne  daz  ich  gottc  d.  G.  9 f.  daz  ich  m.  n.  uirdruckc  G.  10.  min 

künschi]  daz  ich  mich  küscblichc  G.  ist  ain  v.  iobilichir  dinch  G.  11  f.  «an  dü  küschait  ist  so 
wirdich  . daz  der  mensche  enhain  dinch  gotte  mohti  gegebin  daz  etc.  G.  12.  und  sigi  fehlt  G. 

nmgent  ir  G.  13.  ding  — enthaisset]  mensche  daz  ez  debain  dinch  gelobet  G.  und  ent- 
haisset  fehlt  Z.  14  f.  allaine  — künschi]  der  küschichait  G.  15.  die]  diz  G.  habest  uoh 
bischof  G.  16.  behaltet  — und  fehlt  G.  Iobilichir  ze  merckinne  G.  17.  won  si]  dar  umbe 
daz  dü  küschichait  G.  denn  — ding  fehlt  G.  18.  lieber]  amphanclichir  G.  denne  ain 
andir  G.  19.  nach  belibo]  vndc  swer  daz  tüt  daz  ist  gro'zir  tugint . wan  cs  ist  ain  vil  sw;rrc  dinch 
zetfinne  . Also  sprich^  ain  wise  man  . Ez  ist  vil  millich'  daz  der  mensche  sincr  nature  widir- 
stamlc  . vnde  sine  nature  fibirwindet  dar  ulfe  lit  groz  Ion  . sp'chit  er  G.  20.  regile  die  gaistliche 
lüte  hain  daz  ist  g.  G.  20  f.  sw5r  — gehorsami]  vil  wndir  sw:cro  . ez  ist  ain  groz  dinch  daz  der 

mensche  ane  aiginschaft  lebet  . ez  ist  abir  nob  gro'zir  . daz  der  mensche  küsehc  si  . ez  ist  abir 

allir  gro'st  . daz  der  menschi  gehorsam  si  . deine  enmach  sich  enhain  dinch  G.  21.  daz  ist  G. 
22.  daz  edilosto  vH  daz  oberosto  daz  Cf.  23.  daz  fehlt  G.  gewinnen  noh  virlicren  G. 

24.  ea  o'ch  G.  sinen]  den  G.  25.  uf  fehlt  G.  26.  nüt]  enhain  dinch  G. 


20.  vgl.  oben  S.  SO  Z.  33  ff. 


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112 


39.  Von  mlngcr  hand  regelo. 


so  sere  so  daz  es  sinen  willen  gebe  in  aines  andern  willen  und  sin  selbes 
verlogenn  und  nüt  tilge  won  als  jenes  welle,  der  mentsch  sol  sich  also  gar 
ergeben  daz  er  sinen  willen  an  allen  dingen  lasse  und  sines  obren  willen 
tüge.  er  sol  nit  allaine  den  willen  lassen,  er  sol  och  den  sin  des  [83‘]  willen 
5 lassen,  also  daz  siner  maisterschaft  sin  in  alle  zit  besser  dunki  denn  der  sine, 
und  so  er  ainen  willen  hat  etwaz  gutes  ze  tiinne  und  spreche  sin  prior  oder 
sin  bihter:  ‘du  solt  dins  lan  und  solt  enanders  tün,  daz  dunket  mich  besser’: 
du  solt  daz  geloben  daz  dir  daz  besser  si  denne  du  ain  besser  werch  tätist 
nach  dim  sinne,  und  daz  grösser  Ion  druff  lit.  entrüwen,  es  ist  aber  vil 

io  mülicher  ze  tünne.  man  liset  daz  die  wunden  aller  wirst  tünt  an  dem  dritten 
tag.  da  bi  ist  bezaichent  gehorsami,  won  si  ist  daz  dritte  tail  an  gaisch- 
lichem  lebenne.  und  reht  als  die  wunden  aller  wirst  tunt  an  dem  dritten 

tag,  also  smirzet  och  du  gehorsami  aller  serost,  und  machet  der  tüvel  dem 
mentschen  nit  so  swäre , und  ist  och  von  nature  enkain  ding  so  swäre  so 
15  du  gehorsami.  von  der  gehorsami  sprichet  sant  Augustinus:  'daz  ist  rehtü  ge- 
horsami du  nit  ir  willen  hat;  du  aber  üt  ir  willen  hat,  da  lit  lützel  lones 
bi’,  won  swaz  der  [83*]  mentsch  gern  töt,  des  ist  er  liht  gehorsam;  daz 

aber  der  mentsch  der  dinge  gehorsam  ist  die  er  ungerne  tüt,  und  er  doch 
sinen  willen  dar  zu  füget  daz  er  es  tüt  durch  Got  und  durch  gehorsami,  da 
20  lit  grosser  Ion  uffe.  du  gehorsami  ist  ainig  Got  liep.  man  liset  in  der  altan 
e daz  unser  herre  gebot  dem  künig  Säulen  daz  er  ain  lant  verdarbt!,  und 
swaz  er  da  fundi,  daz  des  nieman  üt  näme.  do  für  daz  vo Ik  zü  und  nam 
schönes  vihe  und  gehielt  daz.  und  wart  des  Samuel  gewrar  und  gie  zu  dem 
künig  und  sprach:  ‘hast  du  getan  daz  dir  Got  gebot?’  ‘ja’,  sprach  er.  'waz 
25  sol  denne  dis  vihe?’  sprach  Samuel,  do  sprach  Saul:  ‘wir  went  es  ze  aim 
opher  bringen  ünserm  herren’.  do  sprach  Samuel:  'Saul,  waist  du  daz  ünserm 
lierren  gehorsami  lieber  ist  denn  daz  opher?’  daz  ist  üns  ain  nrkünde  daz 

dü  gehorsami  Got  aller  liebst  ist.  [84a]  sant  Paulus  sprichet:  ‘unser  herre 

waz  gehorsam  untz  an  den  tot’,  und  wolte  gerner  sterben  denn  er  ungehor- 
30  sam  wäre,  und  noch  hüt  dis  tages  minnet  er  gehorsami  also  sere  daz  er 
sich  niemann  git  won  der  gehorsam  ist;  also  sprichet  sant  Bernhart. 

‘Stephanus  waz  vol  der  gnade’,  daz  ist  also  vil  gesprochen  alz  unser 

1.  gebe  — willen  fehlt  A,  in  aines  andirn  willen  gebe  G.  2.  verlogenn  = virlo'ginne  G. 
als  jenes]  daz  ain  amlire  G.  der  gaistliche  mensche  G.  4.  er  sol)  Ich  (in  Z)  ensol  o’ch , da- 
gegen da»  zweitemal  er  sol  o.  G.  5.  also  daz  dich  allizau  diner  m.  sin  bczsir  d.  denne  din  sin  G. 

6.  unde  so  dn  ainen  sin  aide  ainen  willen  best  G.  sin  prior]  din  priorin  G,  din  prior  Z. 

7.  ain]  din  G.  ding]  diz  G.  S.  daz  solt  du  Ifitirlichc  gclo’bin  G.  denne  ob  du  G. 

10.  mfilich  G.  11.  dü  gehorsami  G.  si]  dü  G.  12.  reht]  zcgclichir  wiz  G.  wirst  tnnt) 
serost  swcm  G,  serest  swirt  Z.  13.  smirzet  fleh]  swirt  den  menschin  G.  15.  von  d.  gehor- 
sami fehlt  AZ.  16.  dü  aber  — hat  fehlt  Z.  17.  bi]  an  G.  21.  daz  vor  ünscr  fehlt  G. 
er  fehlt  A.  22.  er]  man  G.  vok  A.  23.  giencb  er  zü  G.  26.  du  niht  G.  27.  du 
gehorsami  G.  28.  Palus  A.  der  spriebit  G.  2».  der  waz  G.  32.  Daz  andir  wort  sprichj . 
plenus  iplena  Z)  gratis  . Stephanus  der  waz  vol  gnadon  G.  vil  gesprochen]  zenirstainnc  G. 

23.  I.  Reg.  14,  31;  15, Uff.  28.  Phil.  2,  3. 


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39.  Von  m&nger  hand  regele. 


113 


herre  sprichet  in  dem  ewangelio:  'swer  alle  die  weit  dnr  mich  lat,  dem 
wil  ich  an  dirre  weit  geben  hundertvaltigen  Ion  und  an  jenr  weit  daz 
hymelriche’.  nu  möhtint  ir  sprechen  wie  dem  wäri;  won  die  lüte  die  Got 
dienent,  den  git  er  weder  ere  noch  gut  an  dirre  weit,  er  git  in  nit  won 
nnsitlde.  nu  muss  der  aintweders  war  sin  oder  nit.  hier  umb  disputierent  5 
die  hailgen  und  die  maister  und  sprechent  daz  Got  war  habe,  won  sind 
wort  gevelschet  er  nie.  nu  merkent  wie  daz  ist.  si  sprechent:  unser 
herre  git  dem  ment/847schen  tugent,  die  sint  besser  denn  gold  und  edler 
denne  ällü  du  weit  und  merkent  daz  dar  an:  und  wäri  ain  mentsch  alz  ge- 
waltig daz  ällü  du  weit  under  im  wäre,  mit  dem  allem  möhti  es  hymelrich  io 
nit  geköfen;  und  du  tugent  die  Got  dem  mentschen  git,  da  mit  koffet  es 
hymelrich.  und  also  ist  der  mentsche  richer  der  tugend  hat,  denne  ob  er 
aller  weit  gewaltig  wäre,  und  also  hat  unser  herre  war  gesprochen,  won  er 
git  daz  hymelrich  umb  enkain  ding  won  allain  umb  tugend.  swer  denn  tu- 
gent hat,  der  ist  volle  gnaden.  15 

‘Stephanus  waz  vol  sterki“.  daz  ist  also  vil  gesprochen:  swer  die  drie 
reglen  behaltet,  dem  git  unser  herre  tugend,  und  da  nach  sterket  er  in  dar 
an.  swer  nu  die  künschi  behaltet,  der  wärt  Got  aller  nahest,  dis  stat  ge- 
schriben  in  dem  büch  der  wisshait,  daz  der  mentsch  reht  hymelsch  leben 
und  engelsch  hat  daz  hie  uff  ertrich  künsch  ist,  und  da  von  won  es  ge-  20 
maines  leben  [84']  dem  himelschen  leben  hat,  da  von  wirt  es  Gotte  aller  nähst 
sinde.  der  mentsch  wirt  öch  gesterket  an  willeklicher  armüt,  daz  er  die  vrö- 
lich  treit.  man  sprichet  ain  sprich  wort:  ‘der  ital  über  daz  velt  gat,  der  gat 
singend',  also  tüt  öch  der  willig  armer  mentsch:  der  gat  vrölich  und  un- 
vorteklich,  won  er  hat  niht  ze  verlierenn.  im  enmag  der  tüvel  enkain  wis  so  25 
nach  körnen  alz  dem  riehen,  won  unser  herre  wil  der  armen  helfer  sin.  also 
sprichet  der  wissag  und  leret:  'herre,  du  bist  ain  vater  und  ain  helfer  der 


1.  die]  dise  G,  die  Z.  2.  an  — weit  fehlt  A.  an  jenr]  zenre  G,  ze  cinre  Z.  daz 
fehlt  G.  3.  m Mitint]  merokint  G.  sprechen)  spreehint  G.  4.  an]  in  G.  5.  ain  daz  finair 
herre  hat  gesprochin  odir  G.  hier  nmb|  Her  vf  G.  6.  habe]  haigo  gesprochin  G.  6 f.  ain 

wort  G.  7.  ai]  die  hailigen  vndc  die  maistir  G.  daz  önair  G.  8.  besser  — edler]  tfirre 
vnde  ho'liir  denne  ailiz  daz  golt  daz  ie  wart  . da  uon  sint  aö  ho'hir  . vndc  (ho'hir  vndc  fehlt  Z) 
gTO’zir  G.  9.  und  vor  wirf  fehlt  G.  10.  AIIO  — im]  ez  allir  dir  weite  gcwaltieh  G. 

12.  also  — richer)  da  mitte  bewarent  aö  (die  meistere  Z) . daz  d.  in  r.  ist  G.  13.  allir  der  welto  G. 

also  — herre]  da  mitte  beziigon  die  hailigen  daz  0.  h.  halt  G.  er)  unBir  h're  G.  15.  volle 
gnaden]  plcnus  gratis  G.  16.  Daz  drito  wort  daz  ist  fortitndine  . daz  sprichit  atercki  . alsc  s. 
lucaa  scribct  . ateplianua  der  waz  vol  atercki  vndc  gnadon  . rehtc  als  ob  er  sprechi  . swer  G. 

17  f.  sterket  — dar  an]  wirt  er  mit  dien  tuginden  gestcrckit  . an  dien  drin  rcgilcn  . daz  ist  kü- 
schichait  . da  non  liset  man  in  libro  aapientic  . da  Btat  also  G.  18.  nu  fehlt  G.  mehiat 
sinde  G.  dis  — 20  ist]  vndc  rehtc  daz  himilsche  lebin  . vnde  daz  englische  lobin  . het  der 
mensche  uffen  crtriche  . der  k0ac.be  ist  G.  23.  Sprichwort  in  der  acrift  G.  der  gat  fehlt  A. 

24.  öch  fehlt  G.  25.  im]  vnde  der  willicliche  am  ist  deme  G.  wial  weck  G.  27.  und 
leret  fehlt  GZ.  herre  — 114, 1 annAt  fehlt  A. 


I.  Matt.  19,  29.  19.  Sap.  4, 1 ff.  27.  Pa.  9, 10. 

Deutsche  Texte  dm  Mittelalters.  X. 


8 


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114 


39.  Von  msnger  band  regele. 


tvilleklichen  artnut',  der  mentsch  der  wirt  öch  gesterket  an  der  gehorsam! 

wie  möhti  der  mentsch  iemer  grässlicher  gesterket  werden  denne  der  also 
demütig  wirt  daz  er  sinen  willen  verwirfet  und  er  ains  andren  willen  tüt? 
dem  mentschen  git  unser  herre  ie  me  und  ie  me  tilgend  uud  gnade,  also 
5 spriht  sant  Jacob:  'unser  herre  wil  dem  demütigen  mentschen  sin  gnade 
geben  und  wil  sich  krefteklichen  setzen  [84*]  wider  die  hohvertigen  lüte’. 
es  sprichet  öch  sant  Paulus  daz  ünser  herre  mit  siner  gnade  sterket  du  de- 
mütigen hertzen  und  verwirfet  dü  hohvertigen. 

‘Stephanus  tet  och  grüssü  zaichen  an  dem  volke’.  nu  merkent  wie  dü 

io  zaichen  sont  sin.  man  liset  in  dem  ewangelio  daz  ünser  herre  sprach  zfi 

sinen  jungem:  'in  mim  namen  sont  ir  die  tüvel  vertriben,  ir  sont  nüwe 
zunge  reden,  die  schlangen  sont  ir  uf  haben  und  trinkent  ir  g-i ft,  daz  sol  üch 

nit  schaden,  und  üwer  hende  sont  ir  uff  die  siechen  legen  und  sont  gesunt 

werden’,  disü  zaichen  sol  man  gaischlich  verstan  und  sol  sü  öch  gaischlich 

15  tün,  won  sü  sint  vil  nützer  denne  dü  liplichen  zaichen.  ain  hailig  sprichet: 
'so  dü  zaichen  ie  gaischlicher  sint,  so  sü  ie  besser  sint’.  man  liset  von 
mängem  der  grössü  zai/85"/chen  tet  und  doch  verlorn  wart  und  da  von  sint 
dik  dü  ofnen  zaichen  schädlich,  daz  ünser  herre  hie  vor  in  der  junger  ziten 
grbsü  laichen  tet,  daz  tet  er  dar  umbe  daz  dü  cristenhait  genieret  wurde 
20  da  mitte;  und  do  warent  zaichen  nütze,  nu  enist  der  zaichen  nit  not:  da 
von  ist  vil  nützer  daz  si  der  mentsche  gaischlichen  an  im  selben  tü. 

Daz  erste  zaichen  ist  daz  wir  den  tüvel  uss  uns  sont  triben.  nu  merkent 
wie.  ir  wissent  wol,  waz  die  ogen  gesehent,  daz  bringent  si  zehant  der  sele 
uud  zaigent  es  ir,  daz  öch  si  es  an  seh;  und  swaz  die  oren  gehörent  und 
25  kurtzlich  die  sinne  alle  us wendig  enphahent,  daz  bietent  si  zehant  hin  der 

sele,  daz  öch  si  es  versüche.  und  so  dü  sele  denn  enphindet  der  enphindun? 

der  sinne  und  die  bewegung  des  libes,  so  wirt  öcli  zehant  dü  sele  beweget, 
dü  sele  und  der  lib  sint  also  wol  sament  daz  sü  zehant  gevolgent.  [85*] 
und  so  dü  ainhellung  geschiht,  so  ist  der  tüvel  in  dem  mentschen,  und  füget 
so  denn  mit  sinen  rüten  daz  der  mentsch  bekort  wirt.  so  sol  der  mentsch 
tugentlich  striten  und  sol  Got  an  rüffen.  sant  Gregori  sprichet  daz  ünser 

1.  annöt  Z.  arrnüu  (i.  mensche  wirt  G.  an  der  drittun  rcgilo  . daz  ist  g.  G.  2.  icracr 
fehlt  G.  der  a.]  daz  er  a.  G.  3.  tat  . vn  sich  also  undir  den  naiget  . vil  dematet  . daz  er 

rehte  tat  . als  er  nie  willen  gewnne  (?.  4.  herre  me  un  roc  G.  7.  es  — Och)  also  sprichit  G. 

daz  fehlt  G.  Vnsir  h.  sterckit  m.  a.  g.  daz  demätigo  herce  G.  8.  hohuertigen  lüte  C?. 

9.  Daz  vierdo  wort  scribet  er  . daz  er  gr.  z.  tet  a.  d.  v.  G.  dü]  disü  G.  11.  vor  io]  ln  no- 
mine meo  demonia  G.  sont  ir  ziceimal  A.  den  tieuil  vz  triben  G.  12.  un  die  G. 
virgift  G.  14.  sol  man)  sunt  ir  G.  sol  sü]  sunt  sü  G.  15.  hai/hailig  A.  17  f.  sint  — 
schädlich!  geschiht  . daz  dü  o.  z.  vil  sch.  sint  G.  19.  grAsfi  z.  fehlt  A.  20.  und  fehlt  G. 

not  fehlt  4.  20  f.  da  von]  vfi  G.  22.  daz  ist  daz  G.  uns  fehlt  G.  24.  es  — cs)  irz  . daz 

si  daz  G.  25.  alle  swaz  die  u.  G.  hin  in  der  G.  26.  cs]  daz  G.  27.  die]  der  G. 
bowegit . nah  dez  libes  bewegunne  . wan  G.  28.  sament]  mit  ain  andir  G.  29.  gehcllunge  G. 
fügent  4.  30.  bo'sen  netin  G. 

5.  Jac.  4,  6.  7.  im  Anschluß  an  1.  Cor.  1,  27;  Luc  1,  52;  I.  Petr.  5,  5.  11.  Marc.  16,  17. 


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39.  Von  minger  band  regele.  115 

herre  etswenne  verhenget  daz  der  mentsch  in  kumber  und  in  not  kumet,  dar 
urabe  daz  er  sich  selbe  werde  erkennend,  wie  reht  krank  er  ist  an  Gottes 
helf,  und  daz  er  denne  Got  an  rufe  daz  er  in  erhöre  und  im  ze  helfe  kome, 
und  git  im  denne  ze  jungst  daz  hymelrich  und  sich  selben,  in  miinger  wis 
versftchet  der  tüvel  den  mentschen.  etwenn  vert  er  in  den  lip  zwüschant  5 
hut  und  flaisch  und  machet  daz  blüt  haiss  und  tribet  es  im  denne  umb  daz 
hertze,  und  wirt  der  mentsch  denne  zornig,  so  der  mentsch  beginnet  zür- 
nen, so  tribet  er  daz  blüt  umb  die  ögen,  daz  er  rot  wirt.  etsweun  vert  er 

in  den  lip  und  machet  sich  also  swüre  daz  der  mentsch  dü  gelider  küm 
uf  gehebet,  und  truket  in  alles  nider  und  wirt  denn  urdrutz/SCyzig  zü  Gottes  io 
dienste  und  zü  gebette  und  zü  allen  güten  werchen,  und  also  raitzet  er  tra- 
kait.  und  so  der  mentsch  mit  dem  tüvel  wirt  besessen  alsuss,  so  werdent 
denn  all  tugent  und  all  die  krefte  der  sele  ital  stonde,  und  aller  güter  werche 
werdent  si  müssig.  also  sprichet  Jeremyas:  ‘wie  kunt  daz  so  daz  dü  statt 
vol  lüt  ist  und  doch  ital  stot?’  nu  möhtint  ir  sprechen:  wie  mag  daz  sin  ts 
daz  ain  statt  vol  lüt  si  und  doch  ital  stot?’  daz  beschaid  ich  üch.  swenne 
der  mentsch  alsuss  besessen  ist  mit  dem  tüvel,  so  werdent  alle  die  tugent 
und  die  krefte  der  sele  müssig  stünde,  daz  si  nit  werchent,  und  sint  doch  in 
der  sele.  daz  ist  daz  volk  in  der  stat:  die  tugend  in  der  sele.  die  sint  da 
und  sint  ital  güter  werche,  und  stät  dü  beschaidenhait  allaine,  und  ist  ir  20 
gesinde  gar  entwichen,  daz  sint  die  tugend,  die  sint  ir  entwichen,  also  das 
si  nit  werchent,  und  erlöschent  also  in  der  sele.  denn  so  sont  wir  daz  185“] 
zaichen  began  alz  ünser  herre  sin  junger  hiess,  und  sont  den  tüvel  us  triben 
der  uns  besessen  hat,  und  alle  sin  bekorung  mit  güten  werchen,  und  sont  die 
tugend  alle  üben  mit  gaischlicher  arbait,  und  sont  wainen  und  betten  und  25 
disciplin  nemen  und  ündrü  gütü  werch  tün,  so  flühet  der  tüvel  von  üns.  als 
sprichet  sant  Jacob:  ‘wirf  us  den  tüvel,  so  flühet  er  von  dir!’ 

Daz  ander  zaichen  ist  daz  sü  nüw  zungen  sont  reden,  daz  geschiht  in 
der  regel  des  rates:  so  redet  der  mentsche  künschü  wort  und  senftü  und 
demütigü  und  kert  Allü  sinü  wort  ze  bessrung  im  selbun  und  andren  lüten  30 
und  ünserm  herren  ze  lob:  daz  sint  nüw  zungen.  man  liset  von  den  botten 

1.  knmber  — not]  not  vnde  in  arbaito  G.  2.  umbe  sprichit  er  G.  3.  rAfe  . vfi  G. 
in  denno  G.  4.  daz  fehlt  G.  4 f.  in — montschcn]  wan  liset  indor  schritt  . dar  (da & Z)  d' 

tievil  d.  m.  in  magewiz  uireöckit  G.  6.  daz  blüt]  den  lip  G.  es  fehlt  G.  7.  so  der  mentsch] 
so  er  denne  G.  8.  umb]  undlr  G.  wirt . also  raizit  der  ( richtig  er  Z)  zorn  G.  vert  er  o’ch  G. 

10  f.  zft  — allen]  gölte  ze  dienenne  . vnde  gebettis  . vfi  allir  tugindc  ufi  allir  G,  in  Z fehlt 
vfi  a.  tugindc.  12.  wirt]  ist  G.  13.  alle  die  t G.  sele  werdint  ital  G.  stonde  A , das  n rot 

durchstriehen.  14.  werdent]  Bint  G.  der  wissagc  .1  Quornodo  sedet . wie  G.  15.  stot]  ist  G, 

möhtint]  merckint  G.  sprechen]  sprechint  G.  16.  vfi  si  doch  G.  daz  b.]  da  b.  G.  18.  sele 
die  werdint  G.  19.  sele  . vfi  wrklt  doh  niht  gutes  . vfi  (vfi  fehlt  Z 1 daz  ist  d.  v.  G.  21.  daz] 

da  G.  die  sint  fehlt  G.  22.  werchent]  für  raickint  G.  so  fehlt  G.  25.  Abcn]  uf- 
weckin  G.  26.  Ündrü  — tün]  sun  die  tugindc  Abin  G.  uns]  dir  G. 


14.  Thren.  1, 1.  27.  Jac.  4,  7. 

8* 


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116 


39.  Von  niinger  liand  regele. 


daz  sü  müuger  hande  zungen  wurdent  reden  do  der  hailig  gaist  uff  sü  kam. 
do  sprachent  die  juden  si  wärmt  all  trunken,  do  sprach  sant  Peter:  'es 
enist  nit  also,  wir  wissent  (86"]  wol  waz  wir  sagent,  es  ist  noch  terci  zit’. 
alsuss,  sprich  ich,  geschiht  daz  zaichen  an  uns,  so  wir  alsuss  alle  unser  red 
5 ernüwren,  daz  wir  denne  Gottes  lob  sprechint  und  die  lüt  bessregint. 

Daz  dritte  zaichen  ist  daz  wir  die  schlangen  uf  habint.  wie  daz  si,  daz 

beschaidet  uns  sant  Augustinus  und  glosiert  die  rede,  in  dem  paradyse  da 

du  erst  sünd  beschach,  da  warent  drü  ding  die  och  gaischlich  an  dem  ment- 
schen  sint.  der  schlang  waz  ir  ains.  und  wie  der  an  uns  si,  daz  merkent. 
io  uns  ist  ain  natür  an  erborn,  daz  haisset  fomes  peccati,  und  enist  des  niemau 
änig  won  der  von  dem  hailgen  gaist  ist  gerainnet,  alz  unser  vrowe.  disü 
natürlichü  bösshait  ist  uns  so  vast  an  geboren  daz  si  nieman  verdruken  mag: 
won  der  mentsch  hat  sich  mit  den  Sünden  so  gar  verswechet  und  verböset 
daz  si  gert  böser  ding  und  des  libes  wolnust,  und  gert  des  dik  von  natür- 
15  licher  krankait  an  [86* ] des  tüvels  rät.  swenn  es  aber  si  von  des  tüvels 
räten,  daz  sag  ich  dir:  der  tüvel  mag  enkain  mentsch  bös  machen,  er  for- 
mieri  e ain  bilde  in  der  sele,  swie  er  die  sele  besiichen  wil.  und  daz  bilde 

setzet  er  der  sele  für,  daz  si  es  an  sehe;  so  siht  si  es  an  und  aber  an  und 

gedenket  dar  an  denne.  in  trüwen,  si  mag  also  lange  mit  umb  gän  nntz 
20  daz  si  kumet  in  bös  girde.  und  der  bösen  girde  mag  si  also  lang  nach 
hengen  daz  es  zu  dem  willen  kumet,  vil  schiere  mag  es  denne  zü  den  wer- 
chen  komen.  aber  du  biderb  sele,  zehant  so  dü  siht  daz  der  tüvel  formieret, 
so  wider  stät  si  im  und  gedenket  an  Got  und  vertribet  den  tüvel.  nu  ge- 
schiht es  öch  daz  dü  sele  mänig  form  enphahet  die  ir  der  tüvel  für  setzet, 
25  und  hat  doch  kainen  willen  daz  si  durch  alle  die  weit  iemer  kain  sünde 
welle  tun,  und  gat  doch  mit  den  gedänken  umbe  untz  es  ze  böser  girde 
kunt.  so  der  tüvel  der  sele  die  form  für  gesetzet  da  mit  er  si  versuchen  wil, 
weder  si  daz  (86']  enphahet  oder  nit,  daz  waiss  er  nit;  er  waiss  öch  der 
gedenk  nit  swenn  aber  dü  sele  also  gevolget  daz  si  an  daz  ding  also  lange 
30  gedenket,  daz  ir  der  tüvel  vor  entwirfet  in  der  beschaideuhait,  daz  si  daz 

also  lang  an  siht  daz  si  da  von  bekort  wirt  und  der  lip  die  bewegung 
enphindet,  so  waiss  es  der  tüvel  denne.  und  so  er  denne  der  bewegung  wirt 
gewar,  so  raitzet  er  si  denne  ie  me  und  ie  me.  in  ain  ander  wis  wirt  der 

1.  mingcr  hande]  manigc  G.  2.  all  fehlt  G.  3.  also  geuam  G.  6.  z.  daz  ist  daz  G. 

vf  aun  hebin  G.  8.  de  A,  derae  G.  9.  der  s.  — und]  Daz  waz  der  »lange  G.  11.  der 
rehte  von  G.  gaistc  dir  von  ist  G.  12.  uasto  von  natu  re  G.  nieman  alzogis  G.  13.  won| 
vn  G.  sich]  si  also  gar  G.  so  — verswechet]  uirschclkit  G,  viralenkit  Z.  16.  rate  G. 
enkain  — machen]  enhainem  m.  bo’se  geduncho  gegebin  G.  17.  c fehlt  G.  in  der  gehugide 
der  selo  G.  besuchen]  nirsückin  G,  vereüchin  Z.  18.  vfi  siht  cz  abir  an  G.  19.  an] 
nah  G.  20.  unii  fehlt  G.  22.  so]  also  G.  tienil  daz  bildo  f.  G.  26.  gedlnken]  gnade 
rot  durchttriehen,  am  Bande  gcd5nken  mit  I enceufu ngszeichcn  .1.  27.  kunt  in  wirt  so  .1. 

28.  si]  dü  sele  G.  32.  enphindet]  enphat  G.  33.  ie  me  vn  me  G.  wirt  o’ch  der  G. 

1.  Act.  3,  1 ff. 


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39.  Von  minger  hard  regele. 


117 


mentsch  bekort  von  sin  selbes  boshait.  daz  geschiht  von  der  nature  du  da 
haisset  foraes  peccati.  die  nature  gelichet  sant  Augustinus  dem  schlangen  der 
daz  wip  verriet  in  dem  paradyse.  nu  sint  zwo  girde  in  der  sele:  der  ist 

ainü  nider  keret  zü  dem  ertrich,  und  du  gert  irdescher  ding;  du  ander  ist 

uf  gekeret,  daz  si  Got  schowe.  nu  raitzet  der  schlänge  die  under  girde  daz  5 

si  die  sünde  tügi;  und  so  dü  girde  den  rät  enphahet  von  dem  schlangen,  so 
ist  Eva  da  von  worden,  und  wirt  denne  du  girde  du  [86* J da  Even  be- 

zaichent,  von  dem  rate,  und  so  si  also  beweget  wirt,  so  bätet  si  denne  die 
girde  die  si  hat,  der  obren  girde,  daz  ist  Adam,  und  sündet  er  denne  mit 
ir.  und  so  denne  die  zwo  girda  also  enander  gehellent,  so  geschiht  du  io 

sünde.  alsuss  glöset  sant  Augustinus  dise  rede  und  glichet  die  natureklich 
krankait  dem  schlangen,  und  die  undren  girde  glichet  er  vrön  Eveu  und  die 
obren  hern  Adam,  nu  sont  ir  wissen,  daz  dü  under  girde  stille  stät,  also 
daz  si  nit  beweget  wirt  von  dem  schlangen,  so  enwirt  üns  der  rat  nit 
der  angeborneu  Sünden;  swenn  aber  si  wirt  beweget,  so  mag  es  niemer  15 

gesin,  die  ober  naige  sich  her  nider  und  gehellent  enander.  nu  merkent  wie: 
so  dü  sunne  schinnet  in  daz  wasser,  alle  die  wile  so  daz  wasser  stille  stät, 
so  stät  öch  der  sunnen  schin  stille  der  uff  daz  wasser  schinnet.  als  schier 
so  der  undertail  beweget  wirt,  daz  ist  daz  wasser,  so  beweget  ze/#?“/hant 

daz  wasser  den  schin  der  sunnen.  reht  ze  glicher  wis  geschiht  den  zwain  20 

girden:  alle  die  wile  daz  der  under  stille  stät,  so  stät  öch  der  ober  stille; 
und  so  dü  under  begirde  beweget  wirt,  so  wirt. öch  dü  ober  beweget,  dü 
natürlich  krankait,  dü  disen  rät  git  und  alle  zit  den  mentschen  raitzet  uff 
die  sünde,  daz  ist  der  schlänge  den  wir  uf  sont  heben,  als  ünser  herre  spri- 
chet.  dis  zaichen  sont  wir  began  an  üns  selben:  so  wir  gewar  werdent  daz  23 
üns  dü  nature  zu  Sünden  raitzet  und  üns  unser  girde  bewegen  wil,  so  sont 
wir  vast  stän  wider  der  girde  und  sont  daz  herze  und  die  girde  uf  heben 
ze  Got  und  sont  üns  bekümberren  mit  güten  werchen  und  mit  guter  andaht. 
also  sont  wir  die  schlangen  uf  haben. 

Daz  vierde  zaichen  ist:  'trinkent  ir  vergiftes,  daz  sol  üch  nit  schaden’,  so 
ünser  herre  sprichet  in  dem  ewangelio:  'daz  hymelriche  ist  [ 87 ~]  glich  aine 


1.  sin  fehlt  A.  4.  gekerit  G.  und  fehlt  G.  7.  worden]  bewegt  worden?  (Panzer).  wor- 
den . dil  o’ch  in  dorne  paradvso  den  rat  enphie  von  deme  »langen  vfi  G.  8.  denne]  zehant  G. 

10.  denne  fehlt  G.  13.  obirun  girde  h.  G.  nach  Adam]  Nu  hat  er  gesait  wie  cua  den 
rat  enpbat  . von  deme  »langen  . vn  bätet  denne  den  rat  adame  . daz  ist  du  obir  girde  unde 
sändont  denne  G.  daz]  alle  die  wile  daz  G.  15.  si)  dä  nndir  girde  G.  16.  gesin]  wer- 
din  G.  19.  bo  abir  der  G.  21.  der  undcrl  dü  undir  girde  G.  der  ober]  dü  obir  giido  G. 

22.  und  — ober  beweget]  wan  die  undirun  girde  gclichit  er  deme  wazsire  , vnde  die  obirun 
girde  der  sunncnschinc  . Unde  also  der  sunnun  schin  bewegunge  enphat  von  deme  wazsir  . also 
wirt  dü  obiro  girde  gcraizit  vti  bewegit  von  der  undrun  G.  24  f.  sprichit  . daz  wir  zachin  Bun 
tun  . daz  wir  in  simc  namin  die  slangin  sun  vf  hebin  G.  25.  dia)  daz  G.  26.  ünser  fehlt  A. 

29  vf  hebin  G.  30.  z.  daz  ist  G.  31.  ewangelio  . Simile  e»t  regnum  eclorum  sagene  G. 


31.  Matt.  13,  *7. 


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118 


39.  Von  minger  hand  regele. 


segi,  die  man  in  daz  mer  senket’,  ir  wissent  wol:  so  ain  vischer  sin  netz 
in  daz  mer  wirfet,  so  zühet  er  bös  und  güt  und  alles  daz  im  kumet,  so  er 
es  denne  nsgezühet  an  daz  stade,  so  liset  er  die  bösen  von  den  güten  und 
gehaltet  die  güten,  also  sol  daz  mentsche  tün:  so  es  sin  hertz  gewirfet  in 
5 die  weit,  da  valiet  es  übel  und  güt  und  gedenket  an  die  upkait  der  weite 
und  bevahet  mit  sinen  gedänken  mänig  unsälikait,  die  in  der  weit  ist;  so  sol 
der  mentsch  ziehen  denn  an  daz  stad,  daz  ist  an  sin  haimlich  gebet,  nnd 
sol  da  scbaiden  daz  güt  von  dem  Übeln  und  sol  die  weit  und  alle  uppekait 
us  werfen  und  sol  gedenken  daz  es  alles  ist  ain  tot  der  sele.  und  alz  ünser 
io  herre  sprichet:  ‘trinkent  ir  vergift,  daz  sol  üch  nüt  schaden’,  der  sei  vergift 
ist  nit  anders  won  dü  weit  und  alles  daz  dü  weite  begrifen  mag,  daz  trinket 
dü  sele.  und  ist  dü  vergift  also  daz  si  dran  gedenket,  daz  ensol  ir  nit 
werren,  [87']  won  si  sol  us  zeliant  schaiden  daz  böse  von  dem  güten  und 
sol  ir  nit  lan  werren,  so  wirt  öch  daz  zaichen  volbraht. 

15  Daz  fünfte  zaichen  ist  daz  si  ir  hende  uf  die  siechen  sont  legen,  daz 
si  gesunt  sont  werden,  so  der  mentsch  beginnet  tragen  an  Gottes  dienste,  so 
ist  er  siech:  so  sol  dis  zaichen  an  im  sin  und  geschehen;  so  sont  wir  die 
hende  uff  si  legen,  daz  ist  also  daz  wir  gütü  werch  sont  üben,  und  sont  da 
mitte  die  bösen  trakait  weken.  sant  Bernhart  sprichet:  'ir  wissent  wol  daz 
so  der  gebure  hert  Adren  hat  von  der  gewonhait  daz  er  mit  arbeiten  ist  ge- 
zogen, da  von  mag  er  vil  arbeiten,  länt  ir  in  aber  gerüwen,  daz  er  sin  selbes 
empfindet,  so  wirt  er  also  träge  als  ain  ander  mentsch.  ze  glicher  wis  ist 
es  umb  den  mentschen.  der  sich  selber  güter  arbait  und  gutes  lebens  went, 
der  mag  wunder  gearbaiten;  aber  den  zarten  lüten,  die  sich  verzertent,  den 
25  geschiht  alz  dem  geburen:  so  der  beginnet  rüwen,  [87*]  so  wirt  er  ie  träger 
und  ie  träger’,  so  sont  wir  denn  dis  zaichen  an  lins  began  und  sont  lins 
twingen  zü  güten  werchen;  dar  nach  gat  dü  Übung,  daz  der  mentsch  gütü 
werch  üben  sol;  und  nach  der  Übung  güt  der  wille,  daz  der  mentsch  mit 
willen  gütü  werch  tün  sol.  so  ist  denne  daz  zaichen  vollebraht  und  ist  der 
so  siech  gesunt  worden,  daz  ist  der  wille. 


2.  ime  (Ino  k.  vH  so  Q.  so  « es  t er  A.  8.  denne  fehlt  G.  daz  bo’sc  von  deme 
g.  G.  4.  daz  göte  G.  also]  zo  gelichir  wiz  G.  6.  »ime  gedancho  G.  7.  Az  ziehin  G. 

haimlich]  hailich  G.  8.  alle  ir  n.  G.  11.  mag]  het  G.  13.  ItAsc]  iibile  G. 

16.  sont  fehlt  G.  17.  sin  und  fehlt  G.  20.  Adren]  andir  art  G.  vil  von  G.  20  f.  ge- 

zogen] irzogin  G.  21.  vil  arbaiten]  wndir  arbait  irliden  G.  ir  fehlt  G.  24.  die  zartin 
lüto  G.  sich]  irlip  G.  25.  der]  er  G.  26.  an  (ins  selbin  b.  G.  27.  m vlizicliche  giltü  G. 

29.  tAn  sol]  tAt  G.  denne  fehlt  G.  30.  wille  . den  willen  het  denne  der  mensche  ir- 
weckit  mit  fibunge  gütir  werche  . so  ist  daz  zachin  gcschehin  G. 


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40.  Von  der  erwellung  dez  mentschen. 


119 


[40. ] Yon  der  erwellung  dez  mentschen. 

[Elegit  eam  cleus  et  preelegit  eam  et  in  tabemaculo  suo  habitare  eam  facit.] 

‘Got  hat  si  erwellet  und  für  weit  und  hat  si  gemachet  wandlend  in 
sim  gezelt’. 

Disü  wort  sint  gesprochen  zfi  aim  ieglichen  sä  1 gen  mentschen,  und  sint  5 
drü  ding  dar  an  ze  inerkenne,  daz  erst  ist  du  erwellung;  daz  ander  ist  du 
für  erwellung;  daz  dritte  dü  Wandlung  in  dem  gezelt. 

Nu  möhtest  du  sprechen:  ‘war  an  sol  ich  daz  merken  daz  ich  erwelt 
bin?’  des  wil  ich  dir  urkünd  geben  an  drin  dingen,  daz  erst  ist  daz  du 
lassest  allen  zart  und  kintlich  [88°]  sitten  und  alles  gemach  des  libes  und  io 
der  weite  vröde;  won  dü  weit  Ist  glich  ainer  vrowen.  von  der  liset  man  in 
der  altun  e,  dü  hiess  Jesabel,  und  enhatt  nit  natürlicher  schöni.  si  zierte 
sich  aber  mit  varwe  und  zoh  die  lüte  an  sich,  nu  füget  es  sich  also  daz 
der  wissag  Helyas  ir  liulde  verlos,  do  wolt  si  im  den  lip  haissen  nemen, 
do  floh  er  gar  sere,  daz  er  vil  müde  wart,  und  entran  in  ain  statt,  hiess  15 
Bersabee,  und  lie  sinen  kneht  da,  und  floh  er  in  die  wüsti  und  behielt  sich 
ainen  tag  da.  hie  bi  ist  dü  weit  bezaichent.  ze  glicher  wis  alz  dü  küngin 

Jesabel  die  lüt  an  sich  zoh  mit  gemähter  schöni,  also  tüt  öch  dü  weit,  dü 

hat  nüt  natürlicher  schöni,  si  strichet  aber  vAlsch  schöni  an,  daz  ist  zergank- 
lich  schöni  und  vröde  und  hohfart,  des  libes  gemach,  güt  und  ere.  und  alle  20 
die  uppekait  dü  in  der  weit  ist,  daz  ist  nit  anders  won  ain  värwlin  daz 
hüt  ist  [88’’]  und  morn  nit.  mit  den  dingen  zühet  si  die  lüt  an  sich,  und 

swer  ir  nit  volget,  der  verlüret  ir  huldi;  wider  den  setzet  si  sich,  und  flühet 

er  nit,  si  nimet  im  daz  ewig  leben,  so  sol  der  mentsch  tün  als  Helyas  tet, 
und  fliehen  zü  Bersabee.  Helyas  daz  spricht  'Gottes  helfer’.  und  sweles  25 
mentsch  der  weit  entrinnet,  daz  ist  Gottes  helfer.  also  sprichet  sant  Paulus: 
'wir  sont  ällü  ünsers  herren  helfer  sin  und  sont  im  mit  ünsrem  leben  alle 
helfen  vollebringen  daz  tugentlich  leben  daz  er  lins  vor  getragen  hüt'.  waz 


1.  Die  Überschrift  fehlt  GWNArundel,  Dise  wort  hArent  einO  iegeliehO  güt«  rasche  an 
(rot)  Z,  Ite  van  den  iuffrawen  Phill.  2.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  Zf.  Got  — gezelt  fehlt  G. 

5 f.  und  — ding)  drü  dinch  sint  G.  6.  ist  d.  erwellung]  du  bist  irwelt  G.  dü  fehlt  A. 

6 f.  ist  d.  für  erwellung]  du  bist  für  irwelt  G.  7.  dü  — gezelt]  du  solt  sin  in  deine  got- 

licliin  gezelte  (!.  8.  Nu  licbü  iuncvro'we  nu  m.  GZ.  10.  alliz  daz  gemach  G.  12.  der 

altun  e]  libro  regum  G.  12  f.  vü  zierte  si  sich  mit  v.  G.  14.  der  fehlt  G.  do]  vndo  G; 
ebenso  15.  15.  in]  an  G.  dü  hiez  G.  16.  floh)  lüf  G.  16.  Och  fehlt  G.  19.  an)  <f  G. 

22.  vü  mit  G.  die  lüt]  alle  die  weit  G.  23.  na  nolget  G.  deme  G.  24.  er  si 
niht  G.  25.  vü  sol  si  vliehin  G.  H.  daz  spr.  mines  gottes  hclfterc  G. 


1.  Die  Predigt  findet  sich  in  G Bl.  IS1';  Z Bl.  I8a;  TV  Bl.  30";  X Bl.  32 a;  Arundel  Bl.  97m ; 
Phill.  Bl.  224h;  H Xr.4.  — Gedruckt  nach  G bei  Wackemagel  S.  531.  2.  ist  einem  Versikel  und 

Responsorium  aus  dem  Commune  Virginum  des  Breviers  entnommen.  12  f.  III.  Reg.  19,  3 ff. 

27.  II.  Cor.  4, 10  ff.;  Phil.  1,  20. 


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120 


40.  Von  der  crwellung  dez  men  wehen. 


tet  Helyas  aber?  er  floh  ze  Bersabe,  daz  sprichet  ‘der  brunne  sagten’  und 
bezaichent  ain  ieklichs  gaischliches  leben,  dar  sol  der  mentsch  fliehen  und  sol 
sich  da  satten  mit  tugenden  und  mit  guten  werchen.  man  liset  von  ainer 
hande  bern,  die  hant  die  nature,  so  man  sü  zem  ersten  druket,  so  gebent  sü 
5 sures  trank  und  dar  nach  süsses  und  dar  nach  getempertz.  mit  den  beren 
sol  sich  der  mentsche  trenken,  so  er  zü  gaisch/SSylichem  lebenn  kunt.  er 
sol  zem  ersten  gedenken  an  die  bitren  sünde,  wie  dik  er  Got  sere  erzürnet 
lmt,  und  sol  im  daz  inneklich  laid  sin,  und  sol  ain  bitterkait  dar  umb  hau 

in  sim  herzen,  sant  Paulus  spricht:  ‘so  ich  gedenk  an  min  altes  leben,  so 

io  ist  es  mir  so  bitter  daz  ich  es  ze  ruggeu  wirf  und  ker  mich  zü  dem  gegen- 
wärtigen lebenne’.  also  sol  der  mentsch  trinken  daz  bitter  trank,  zü  dem 
andren  male  soll  du  gedenken  an  ünsers  Herren  güte  und  an  sine  tugende 
und  an  sine  suzekait  und  solt  mit  Gotte  suzeklich  getrenket  werden,  zu  dem 

driten  male  solt  du  dich  vesteklich  und  tugentlich  haben  zü  der  regel  und 

15  zü  der  Satzung  und  solt  den  orden  vesteklich  und  flisseklich  behalten  mit 
beschaidenhait;  daz  ist  daz  getempert  trank,  daz  der  mentsch  weder  ze  lützel 
noch  ze  vil  tü.  waz  tet  Helyas  me?  in  trüwen  er  lie  sinen  kneht  da  ze 
Bersabee  und  für  in  die  wüsti  und  enthielt  sich  da  ainen  tag.  bi  der  wüsti 
ist  bezaichent  daz  hymelrich,  dar  sol  der  mensche  varen  von  dem  gaischlichen 
20  lebenn  und  sinen  lip,  daz  ist  der  kneht,  da  lassen,  bi  dem  aingen  tage  [88"/ 
ist  bezaichent  der  ewig  tag,  der  da  niemer  verendet,  also  sol  der  mentsche 
zem  erst  lassen  all  kintlich  sitten;  dar  nach  sol  er  zü  gaischlichem  lebenn 
varen:  daz  sint  zwai  urkunde  daz  du  erwelt  bist,  daz  drit  ist  daz  du  ünsers 
herren  gebot  flisseklich  behaltist,  won  daz  ist  ain  ieglich  mentsch  schuldig. 
25  man  liset  von  aim  jungling,  der  kam  zü  ünsrem  herren  und  fraget  in  wie 
er  daz  hymelrich  möht  gewinnen,  do  sach  unser  herre  daz  im  ernst  waz, 
und  minnet  in  und  sprach:  ‘du  solt  dü  gebot  behalten  dü  in  der  e gebotten 
sint’.  da  bi  merkent  wir  daz  ain  ieglich  mentsch  der  gebot  schuldig  ist  ze 
behaltenne.  und  der  gaischlich  sol  nit  allaiue  dü  gebot  behalten,  er  sol  öch 
so  sin  regel  und  sin  Satzung  behalten  und  üllü  ding  die  im  sin  orden  gehütet 

I.  Bersabee  bersabee  daz  spr.  G.  Saiten  4,  setti  GWZ.  1 f und  bezaichent]  Ain  brunne 
der  setti  daz  ist  G.  3.  saiten  4 , satten  G WZ.  4.  hant  die]  sint  d'  G.  &.  and  dar  nach 
getempertz]  ze  deine  driten  male  getempirt  trancli  G.  7.  sere]  gro’zliche  G.  9.  in  sim]  imme  G. 
spr.  also  so  G.  tO.  kerc  icb  mich  G.  12.  solt  — 14  male  fehlt  A durch  Homöoteleuton. 
13.  sol  G.  14.  sol  ez  Bich  G.  15.  den]  sinen  G.  vesteklich  u.  flisseklich]  vlizicliche  vfi 
stseticliche  G.  18.  für  er  in  G.  enthielt]  behielt  G.  19.  mensche  fehlt  4.  20.  sinen  — 

kneht]  sol  sinen  kneht  den  lip  G.  21.  da  — verendet]  genimet  niemir  ende  G.  22.  ze 
rnerst  4.  dar  nach]  zo  deine  andim  male  G.  23.  vnsern  4.  24.  gebot  fehlt  4.  26.  er 

hiuiilricb  solti  G.  26  f.  unser  — sprach]  in  unsir  herre  an  . vn  sah  daz  imc  bo  ernist  waz  daz 
alle  sine  adiran  brunnen  . vn  do  minnote  in  vnsir  herre  vfi  spr.  zimo  G.  29.  guiBtJiche  mensche  G. 
30.  ellü  du  dinch  G.  ordin  vn  sin  maistirechnft  G. 

1.  Bersabee  wird  gewöhnlich  erklärt  als  ' Brunnen  der  sieben,  nämlich  der  sieben  Isimmer' ; 
'Brunnen  des  Bundesopfers,  des  Eidschwures' , während  G hier  der  Übersetzung  der  Vulgata  folgt 
(Gen.  26,  33).  9.  Phil.  3, 13.  25.  Matt.  19, 16  f;  vgl.  oben  S.  110  Z.  18  f. 


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40.  Von  der  erwellung  de«  mentschen. 


121 


und  sin  gehorsami.  und  sol  joch  nüt  allaine  der  ding  gehorsam  sin  du  man 
in  haisset,  [89‘]  er  sol  joch  sich  och  flissen  aller  der  ding  die  siner  maister- 
schaft  liep  sint  sant  Paulus  spricht  daz  unser  herre  gehorsam  waz  nntz  an 
den  tot  des  crützes;  er  wolte  gerner  den  tot  liden  denn  er  ungehorsam 
wurdi.  dar  über  spricht  sant  Bernhart:  'sit  daz  ünser  herre  gehorsam  waz  5 
untz  an  den  töt,  swer  im  denn  nit  nach  volget  mit  rehter  gehorsami,  der 
enwirt  öch  niemer  tailhaft  siner  gehorsami’.  alsuss  sol  unsrem  herren  der 
raentsch  nach  volgen  und  sol  frü  und  spät  berait  sin  zü  der  gehorsami.  der 
wissag  sprichet:  'ich  wil  frü  und  spät  stän  und  warten  waz  dinü  gebot 

sigint,  daz  ich  dim  willen  näch  volge  und  in  behalte’,  also  sol  der  mentsche  io 
sprechen:  ‘ich  wil  stan  frü  und  spate,  und  wil  warten  waz  miner  maister- 
scheft  wille  si,  daz  ich  daz  behalte  dur  die  minne  die  ich  ze  Got  han’.  ünser 
herre  sprichet  in  der  minne  büch:  ‘ich  süch  die  die  mich  minnent  frü,  ob 
ich  si  vinde  [89*]  an  güten  weichen,  an  dem  gebette  oder  an  gehorsami; 

und  die  ich  denne  vinde,  die  wil  ich  trösten  und  wil  bi  in  sin’,  sweler  15 
meutsch  nu  disü  drü  ding  au  im  vindet,  daz  sol  im  ain  urkünd  sin  daz  er 
erwelt  si. 

Daz  ander  ist  ain  für  erwellung;  daz  ist  also  vil  als  ain  bestätnunge 

der  erwellung.  daz  du  aber  entstandist  ob  du  für  erwelt  sigist,  des  gib  ich 

dir  ain  urkünde  an  drin  dingen,  daz  erst  ist  ain  unbeschowung:  daz  du  20 

dich  umbsehist  wie  du  din  hertz  und  ällü  dinü  werch  vindist;  und  nim  war 

waz  Gottes  gaiste  in  dir  rede,  der  wissag  sprichet:  ‘ich  wil  mich  umbsehen 
und  wil  hören  wTaz  Got  rede  zü  miner  sele,  und  warten  wenne  mir  Gottes 

gaist  kome’.  sant  Paulus  sprichet:  ‘alle  die  Gottes  gaist  nit  hant,  die  sint 

von  im  geschaiden\  also  sol  der  mentsch  war  nemen  wa  der  güt  Got  her  25 

komi.  nu  sprichet  der  wissag:  ‘ünser  herre  kumet  nit  von  Ursprung  der 
sunnen’.  bi  dem  [89’]  Ursprung  der  sunnen  ist  bezaichent  franstmütkait.  dem 
alles  sin  ding  nach  sinem  willen  gat  und  nach  wünsch,  den  enkunt  ünser 
herre  nit;  es  wäre  ain  tugenthaft  hertze,  daz  Got  dar  inne  erkanti  so  im 

1 . und  »in  gehorsami  fehlt  G.  allaine  fehlt  G.  2.  du  solt  dich  o’eh  G.  diner  G.  3.  vor 
samt]  Sancte  Bemhart  sprichit  ain  wort  fibir  . ».  Paulus  wort  G.  daz  — waz)  vnsir  h.  waz  g.  G. 

4.  er  wolte]  vn  wolte  G.  5.  wurdi]  wtere  G.  über]  umbe  G.  sit  — wazi  Vnsir  h.  waz  g.  G. 

B.  vn  swer  G.  denn  fehlt  G.  7.  enwirt  — tailhaft]  sol  niemir  t werdin  G.  8.  zA  der] 
ze  G.  9.  ich  — warten]  Mane  astabo  . Ich  wil  stan  vrüge  Vn  wil  warten  G.  18.  dim  — in]  dinen 
willen  G.  11.  wil  fr.  u.  sp.  stan  G.  13.  der  — frt]  deine  ewangelio  . Alle  die  mich  min- 
nont  die  wil  ich  vrügo  sAchin  (vrAge  sehin  vn  sichln  Z)  G.  14.  an  der  gehorsami  Vn  an  andiren 
guten  werckin  G.  IS.  die  wil  — sin]  mit  dien  wil  ich  sin  . vn  wil  sü  tro'sten  G.  16.  nu 
disü]  dii  G.  18.  ewellung  A.  19  sigistl  bist  G.  22.  vor  ich]  Audiam  quid  loquatur  G. 

23.  vfl  wil  warten  G.  24.  alle  dio  die  G.  26.  vor  ünser]  nüt  ab  Oriente  neque  ab  00 
cidente  neque  a desertis  montihus  G,  nüt  ab  Oriente  noch  von  ab  occidente  neque  a.  d.  m.  Z. 
uon  deme  G.  27.  der  sunnen]  dez  brunnen  falsch  G,  der  Sünden  beidemal  Z.  28.  deme  G. 

29.  ain  vil  tugintbaft  G. 

3.  Phil.  2,  8.  9.  Pl.  5,  5.  13.  Cant.  3, 1.  4 in  Verbindung  mit  Marc.  13,  35  ff. 

22.  Pi.  84,  9.  24.  Pom.  8,  9.  26.  Pt.  74,  7. 


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122 


40.  Von  dor  envcllung  des  mcntschcn. 


alles  sin  ding  nach  sinem  willen  giengL  bi  der  sunnen  under^aryre  ist  be- 
zaichent  betrübsalli  und  widermüt.  da  enkumet  öch  unser  herre  nit,  won  das 
betrübte  liertze  ist  glich  dem  trüben  wasser,  daz  ergossen  ist.  dar  in  wirfet 
der  vischer  sin  netze  und  vahet  vil  grosser  vische;  und  so  daz  wetter  ie 

5 sterker  ist,  so  es  im  ie  baz  gät.  zü  glicher  wis  tüt  der  tüvel:  als  er  siht 

daz  der  raentsch  ist  betrübet,  so  wirfet  er  sin  netz  in,  daz  ist  sin  rät  und 
sin  raitzen,  und  vahet  vil  mängen  grossen  visch,  daz  ist  daz  er  dem  ment- 
schen  benimet  mängen  andaht  und  mänig  pater  noster  und  imlnig  tugentlich 
werch,  dü  der  mentsch  tAti  ob  es  an  trübnust  wäri.  und  so  dü  betrübsalli 
io  ie  grösser  ist,  so  [89“ ] der  tüvel  ie  me  gevischet.  unser  herre  kumet  öch 

nit  von  den  wüsten  bergen,  daz  ist  von  den  wüsten  hertzen  und  uuberaiteu. 
es  sint  etlich  lüte,  die  hant  so  wüstü  hertzen  und  so  krümbü  daz  sü  sich 
nit  kunnent  gefügen  zü  der  gnäde.  den  kunt  unser  herre  nit,  sprichet  der 
wissag.  wannan  kumet  denne  unser  herre?  er  kunt  von  den  warmen  landen. 
15  da  liset  man  in  Deutronomio:  'er  kumet  von  dem  hailgen  berg‘,  der  da  ge- 

tailt  ist,  daz  ist  von  dem  hymelriche,  zü  dem  rainnen  hertzen,  daz  si«  kürtz- 

wile  sücht  uff  dem  hymelschen  berge  und  daz  sich  hat  getaillet  von  den 
irdenschen  dingen,  dem  kunt  och  unser  herre.  daz  ander  ist  ain  Wartung,  in 
Thobya  liset  man  von  ainer  vrowen,  hiess  Anna,  dü  sass  uff  ainem  hohen 
20  berge  und  lüget  wenne  ir  sun  käme,  bi  vro  Annun  ist  bezaichent  ain  ieg- 
licher  sälger  mentsche  der  ünsern  herren  gebirt.  der  mentsch  sol  sitzen  uff 
[90“)  aim  hohen  berg,  daz  ist  daz  raine  hertze,  daz  sich  erhöhet  hat  von  aller 
der  weit,  daz  mentsch  sol  sitzen  uff  sim  hertzen  mit  gedänken  und  sol  sehen 
wa  Jhesus  Christus  her  kome.  daz  sprichet  ain  wiser  man  an  ünsers  herren 
25  statt:  ‘sälger  mentsche,  ich  bin  din  kiut,  wan  du  gebirst  mich  gaischlich  in 
dim  hertzen  und  in  diner  sele’.  daz  dritt  ist  ain  vorgesraakung.  da  von 


1.  sinem  fehlt  G.  vnd'  am  Ende  der  Zeile  A.  2.  öch  fehlt  G.  in  das  ist  das  s 
später  eingeschoben  A.  3.  bctrvbtcs  A,  trübe  G.  T.  raizunge  G.  8.  andaht  u.  mänig)  an- 
daht güte  vli  G.  9.  trübnust]  betnipsali  G.  10.  (inser  horrcl  Der  wissage  sprichit  . daz 
unsir  herre  o'ch  niht  kumit  deine  betrübiten  mcnschin  . Er  G.  11.  daz  — unberaiten)  da  bi 
sint  bezaichinot  dü  w'sten  herein  G.  12.  hant  also  w.  G.  krumbü  hercen  G.  13.  kumit 
o'ch  G.  14.  denne  fehlt  G.  deine  w.  lande  G.  15.  da  liset]  Deus  ab  austro  ueniet  . Da* 
liset  G.  DcuCmio  A er]  Ez  kumit  von  pho'nnvn  (fenon  Z)  vnde  G.  18.  daz  ist  — hertzen] 
Bi  der  pho'nntin  (fonin  IV)  ist  bezaichint  daz  herce  daz  der  minnc  vil  het  . Dü  fo'nne  (fena  Z i ist 
warn  vfi  bringit  den  regin  . ze  gelichir  wiz  ist  o’ch  daz  herce  warn  . daz  der  minnc  vol  ist  . vü 
dü  minne  bringet  gerno  den  sfizin  regiu  . daz  ist  der  süzc  andaht  uil  die  vruhtbieren  trehine  (ge- 
dancho  IV)  . zc  deine  kumit  unsir  li're  daz  von  der  minne  warn  ist  . daz  ist  daz  warme  laut  Er 
kumit  o’ch  ze  deme  hailigen  berge  . der  getailit  ist  . da  bi  ist  bezaichinot  daz  raine  herce  G WZ 
si  A.  17.  sich  fehlt  A.  den]  allen  G.  18.  dem]  dien  G.  19.  dü  hicz  G.  21.  der 
nicntBch]  daz  G.  22.  von  G,  fehlt  A.  23.  daz  m.  sol]  da  sol  der  mcnsche  G.  sin 
herce  G.  24  wa  ir  kint  her  kome  J.  Chr.  G,  wa  sein  chindc,  vnscr  herre  J.  Chr.  her  k.  IV. 

26.  dim  — in  fehlt  G. 


14.  Hab.  3,  3:  Deus  ab  austro  veniet.  15.  Deut.  33,  2f.  19.  Tob.  11,  5. 


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40.  Von  der  erwellung  des  mentschen. 


123 


sprichet  der  wissag:  'smekent  und  enphindent  wie  süsse  unser  lierre  ist!’  es 
spricht  öch  sant  Augustinus:  'ich  bin  gewar  worden  ainer  wunderlichen  süss- 
kait;  und  würi  ich  üt  lenger  dar  inne  beliben.  es  wäri  mir  gewesen  ain 
hymelriche’.  also  sol  der  mentsch  gedenken  an  ünsers  herren  süsskait,  daz 
er  inwendig  süsskait  von  Gotte  enphahe.  man  liset  in  der  rihter  büch  von  5 
hern  Sampson  daz  er  gie  zü  ainem  male  an  aine  statt  do  bekam  im  ainer 
löw,  do  brach  er  im  den  mund  uf  und  vand  honig  in  dem  munde,  bi  hern 
Sampson  ist  bezaichent  unser  herre  Jhesus  Christus,  bi  dem  löwen  ist  be- 
zaichent  der  sälig  mentsch  der  also  stark  ist  daz  in  kain  ding  geschahen 
mag  von  Gotte,  und  der  ab  kainer  bekorung  erschriket.  zü  dem  kumet  ünser  io 
herre  und  brichet  im  daz  hertze  uf  und  uimet  daz  honig,  daz  ist  des  hertzen 
süssekait,  und  wirt  denn  da  von  gespiset.  also  sprichet  ünser  herre:  ‘daz 
rainne  hertze  und  daz  süsse  her/ze  ist  mir  ain  spise’.  ünser  herre  wil  von 
des  mentschen  süssekait  gespiset  werden,  swer  disü  diu  ding  an  im  vindet, 
das  ist  ain  urkünd  daz  er  ist  für  erwellet.  15 

Daz  dritte  ist  ain  wonung  in  der  hymelschen  pfallentz  und  in  dem  güt- 
lichen gezelt  ‘unsere  herren  gezelte’,  sprichet  ain  wiser  man,  ‘ist  sin  zeswe 
und  die  winster’.  so  er  die  sele  genimet  in  sin  arme  und  si  umbvahet,  so 
ist  [90]  si  in  daz  gütlich  gezelt  gemähelt.  man  liset  von  dem  künig  Aswero, 
do  er  nam  sin  vrowen  Hester,  daz  sin  gezelt  alles  was  von  golde,  und  20 
warent  du  sail  sidin  da  mit  man  es  uf  spien,  und  die  nagel  warent  guldin 
und  die  ringa  helfenbainin ; und  alle  die  zü  dein  hof  warent,  die  trunkent 
und  assent  usser  silbrinen  küphen.  bi  der  hohzit  inugent  wir  wol  merken 
daz  daz  hohzit  vil  rilicher  und  vil  herlicher  ist  da  Got  ünser  herre  sin  ge- 
mahelen  ze  hove  füret,  sit  daz  ällü  dü  schünhait  und  dü  herschaft  dü  uff  25 
ertrich  ist,  ain  unsuberkait  ist  wider  der  schonhait  dez  hymelriches.  bi  dem 
künig  Aswero  ist  bezaichent  ünser  herre  Got.  der  nam  hat  dri  betütung, 

dar  an  man  ünsern  herren  bezaichennen  mag.  daz  erst  ist  ‘ostium’,  daz 

haisset  ain  tür.  dar  an  merkent  wir  daz  ünser  herre  selber  ain  torwarter 


1.  wissagc  . Gustafe  et  uidete  . virstant  vn  smekint  u.  c.  dennc  wie  G.  1 f.  es  spr.  öch 
fehlt  G.  3.  es]  daz  G.  gewesen  fehlt  G.  5.  der  r.  büch)  libro  iudicum  G.  6.  daz  cr| 
der  C.  7.  do)  vnde  G.  vant  imc  h.  G.  9.  ist  Un  also  ucste  G.  10.  ab  am  Hände  mit 
Yenceisungszeichen  A.  10  f.  zil  — heiTp)  wan  daz  sfi  rehte  ucste  unde  statieliehe  gölte  dienont . 
die  sint  gelich  dem  lewin  . Waz  Ut  dennc  unsir  herre  . L'ntrüwon  er  kumit  dar  linde  geschowet 
die  sele  vnde  daz  herce  G.  11.  im  fehlt  G.  denne  vf  G.  12.  und|  da  mitte  G.  da  von] 
unsir  herre  G.  Unser  herre)  ein  wise  man  G.  13.  rainne  vn  dz  rainne  b'tze  A.  hertze) 
h're  A.  ist  — hcrrel  daz  ist  ain  spise  vnsirs  herren  . Er  G.  14.  disü]  dü  G.  15.  ist  f.  er- 
wcllct]  für  irwclt  si  G.  17.  ünsers  — man)  waz  ist  unsir*  herren  gezelt  . daz  sprich;  ain  wise 
man  . daz  G.  18.  die  w.)  sin  winstirü  G.  20.  er  nam  sin]  der  sine  vro'wn  nam  G.  daz] 
do  A.  23.  deine  hohgezitc  G.  24.  vrilich'  A,  rilieh  G.  heriich  G.  27.  Got]  Jhesus 
Christus  G.  der  name  assverus  het  G.  28.  dar  an  | die  <1.  man  fehlt  A.  an  unsirmo  h.  G. 

29.  vor  haissetl  ist  unsir  herre  G.  wir  fehlt  G.  selber  fehlt  G. 

1.  Fe.  33,9.  5.  Jud.  14,5ff.  12.  Nach  G stammt  die  Stelle  t on  einem  irrixen  Manne;  in  der 

hl.  Schrift  findet  sie  sich  nicht.  19.  Est.  1,  6 ff.  vgl.  oben  S.  33  Z.  37;  S.  44  Z.  13 fi;  S.  98  Z.  19  f. 


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124 


40.  Von  der  crwellung  des  mcntscbcn. 


si,  da  sin  gemahel  ze  liove  vert.  also  spricht  unser  herre:  'o  liebü  jung- 
vrowe  und  min  schön ü gemahel,  ich  wil  [!>()*]  selber  torwarter  sin  und  wil 
die  hymelschen  porten  uf  tön  und  wil  dich  vrölich  und  minneklich  enphahen 
mit  der  engel  gesange,  und  alles  hymelsches  her  sol  dich  hüt  enphahen  mit 
5 vröden’.  da  wirt  du  sei  enplmngen  in  daz  götlich  gezelt.  so  wirt  unser  herre 
sprechent:  'o  du  vil  minneklichü  sei,  hüt  solt  du  dich  vröwen  mit  mir,  und 
alle  vröde  des  bymelriches  wil  ich  dir  also  gen  daz  du  von  mir  und  ich 
von  dir  niemer  me  geschaident’.  da  niinet  aiu  ende  ällü  trurkait,  ällü  be- 
swärde,  ällü  arbait  libes  und  herzen  gerüret  dich  niemer  me.  da  enphahest 
io  du  me  vröden  denn  din  girde  begrifen  muge,  und  me  danne  din  sei  umb- 
vahen  muge.  da  swebt  und  swimet  dü  sele  in  dem  götlichen  brunnen  und  in 
dem  honge.  daz  ist  dü  hailig  drivaltkait.  daz  ander  ist  'atria’,  daz  ist  ain 
frithof.  [91°)  dar  an  merkent  daz  ünser  herre  die  hailgen  sei  wirt  vrigent 
von  aller  maisterschefte,  von  allen  banden,  daz  si  iemer  me  sol  vriges  ge- 
15  rnütes  sin  und  vriges  willen;  und  alles  daz  du  wilt  und  dich  gelüstet,  daz 
solt  du  vrilieh  tun  an  alle  vohrte.  da  wirt  ünser  herre  zu  dir  sprechent: 
’süssü  und  schönü  gemahel,  ich  wil  dich  hüt  enpinden  von  gehorsami  und 
von  betwungnust;  wärt  du  dur  mich  beschlossen  und  gevangen,  dar  umb  sol 
dir  alles  hymelriche  offen  sin,  daz  du  vrilieh  gangist  und  sigist  wa  du  wilt'. 
20  so  spricht  denne  dü  sele:  ‘o  vil  minneklicher  Got,  hast  du  mir  nu  gewalt 
geben  über  alles  hymelrich,  so  wil  ich  nihtes  nit  haben  an  dich  und  wil 
dich  haben,  lieber  min  Got,  für  alles  daz  ie  wart,  nu  lege  mir  din  «düstren 
hant  nff  minen  nak  und  druke  mich  an  dich  mit  diner  zeswen’.  da  umb- 

vahet  ünser  [91*J  herre  die  sele  mit  siner  gothait  und  mit  siner  mentschait 

25  und  setzet  si  an  sine  schoss  und  zartet  ir.  da  genietet  si  sich  sin  nach  irem 

willen  iemer  me  eweklrch,  und  me  denn  ir  begirde  begrifen  muge,  noch  me 
flüsset  er  in  si  mit  siner  götlichen  süssekait.  daz  dritte  ist  ’beatitudo', 

daz  ist  ain  günzü  sälikait.  da  hat  dü  sele  denne  daz  obrost  gut  begriffen 
und  die  ganzen  sälikait;  so  spricht  si:  'dis  ist  min  rüwe,  min  vröde  und  min 
so  erbe’,  denne  setzet  ünser  herre  si  nider  und  wirt  selb  ir  schenke  und  ir 

I.  Bi]  wil  sin  G.  3.  dir  die  6.  4.  alles  — sol]  mit  alleine  himilschin  her  so  wil  ich  G. 

5.  so  — herre]  vn  u.  h.  wirt  G.  7.  also  gen]  ewicliche  gebin  . vfi  mich  selbin  gip  ich  dir  also  G. 

II.  du)  din  G.  11  f.  gütlichen  — honge]  honich  brunnen  G,  honige  Z.  13.  hailgen]  sse- 
ligun  G.  14.  si]  du  G.  solt  G.  15.  sin  und  fehlt  fälschlich  GZ.  wilt  vH  alliz  dez  dich 
lüstet  G.  16.  dir]  der  sele  G.  17.  hüt]  hüte  vri  macht)  uon  allir  uorhte  . uon  allir  maislir- 
schafto  . uon  allen  banden  . ich  wil  dich  hüte  G.  und  am  Ende  der  Zeile  fehlt  G.  20.  o]  A 
min  G.  minneklicher]  wnneclichcr  G.  21.  und]  ich  G.  22.  haben  und  alle  himilschc  vrftude  . 
mit  dir  liebir  m.  g.  G.  für  — wart  fehlt  G.  22  f.  vinstren  hant  A,  winstrun  G.  25.  zartet  ir] 
hat  churtzweil  vnd  vraid  mit  ir  TI'.  20.  me  denn]  alse  uil  G.  noch]  vH  me  denne  sic  gottis 
müge  begeron  . aide  ir  girde  müge  begrifin  . noh  G.  27  f.  beatitudo  — ist  fehlt  A.  2S.  ist) 
sprichit  G.  29.  si]  dü  sele  . Hec  requies  mea  G.  30.  erbe  . de  ich  bin  komin  (nu  pin  ich  k.  PF) 
zft  dem  oberostc  gut  . ufi  ich  bin  geügit  zo  der  ganzun  sclkait . denne  G vnscr  zweimal  .4. 
si]  die  sele  G.  ir  fehlt  beidemal  G. 


22.  Canf.  2,  6;  8,  3.  29.  Pt.  131, 14.  30.  Luc.  12,  37. 


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40.  Von  der  erwellung  des  mentschen. 


126 


truchsAsse,  sprichet  saut  Lucas.  die  trahte  die  er  ir  für  treit,  ist  sin  güt- 
liches antlüt;  da  mit  wirt  si  gespiset.  so  sprichet  unser  herre:  'essent  und 
trinkent  und  werdent  trunken  von  mim  gütlichen  Spiegel,  und  sehent  üwer  sei 
in  mir,  und  ich  wil  in  üch  fliessen’.  owe,  sAlgü  sele,  wie  grosse  denne  din 
wunne,  din  vrüde,  din  süssekait  ist,  so  dich  Got  umbvahet  und  dich  be-  5 
schlüsset  in  sin  gütlichen  arm,  untz  du  ge/ftfysattet  wirst  mit  siner  obresten 
güti,  und  er  dich  durch  flüsset  mit  der  ganzen  sAlikait:  die  vrüde  enmag 
weder  hertz  gedenken  noch  munt  gesprechen.  owi,  mühti  denn  dü  sele  her 
wider  komen  oder  gedenken  oder  dehain  wnvrüd  han,  so  wAri  ir  denne  der 
minst  gedank,  daz  minst  wort,  da  mit  si  Got  ie  erzürnde,  daz  wAr  ir  ain  io 

jamer,  daz  si  klain  oder  groz  wider  den  getet  in  des  arm  si  sich  hat  ge- 

wunden. owi,  waz  si  denn  begriffen  hat  an  dem  Allü  vrüde,  Allü  sAlde,  Alliu 
süssekait  und  Allü  wunne  ist!  owe,  sele,  daz  du  ie  iht  gedahtest  won  an  die 
gantzen  sAlikait;  daz  du  ie  iht  gemintest  won  daz  obrost  gilt;  daz  du  ie  iht 
gesprAche  won  sin  lop;  daz  du  ie  kain  werch  getüte  won  in  siner  minne:  15 

mühte  dir  denn  daz  lait  sin,  daz  wAre  dir  ain  bitterkait.  o sAlger  mentsche, 

wilt  du  nu  sicherlich  komen  zü  der  vrüde,  so  solt  du  dich  flissen  drier  ding, 
daz  [91 7 erste  ist  daz  du  gantz  minne  zü  Gotte  habest  von  allem  dim  hertzen, 
von  aller  diner  kraft,  und  daz  du  alle  dine  girde  an  Got  setzest  und  daz 
du  reht  ain  senung  nach  im  habest,  daz  dich  alles  daz  uff  ertrich  si,  nit  20 
getrosten  muge,  und  daz  dir  also  we  nahe  im  si  daz  dich  allü  dü  vrüde, 
Allü  dü  wuune,  Allü  dü  süssekait  die  uff  ertrich  si,  an  in  ain  bitterkait 
dunke,  und  Got  dir  allaine  vrölich  und  süsse  si.  denn  spriht  dü  sele:  ‘0 
süsser  Got,  owi,  vrülicher  Got,  ich  bin  nach  dir  siech  und  han  nach  dir  so 
grossen  jamer  daz  mich  alles  daz  nit  getrüstem  mag  daz  uff  ertrich  ist’,  so  25 
sprichet  dü  sele  in  der  minne  büch:  ‘owi,  tohtran  von  Jherusalem  und  ir 
jungvrüwen  von  der  hymelschen  Jherusalem,  kundent  minem  liebe  daz  ich 
siech  von  minnen  bin  und  mich  Allü  Artzenie  nit  gehailen  mag  won  sin 


1.  sprichet  — 2 so]  Also  sprichit  önsir  herre  indem  ewanglo  . Denne  wil  ich  minfi  kint  nidir 
Bewein  . un  wil  selbe  die  trab  tan  vr  tragin  . da  wirt  dö  sele  gespielt  mit  dem  gotlichin  autlüte  . 
vndc  G.  2.  vor  essent]  Comedito  et  bibitc  amici  mei  etc.'  G.  4.  ich  fehlt  G.  5.  umb- 
vahet] allumbe  nahlt  G.  6.  gütliche  arme  G.  untz  A,  und  G.  7.  gfiti]  gnade  G. 

8.  Owe  uB  mehti  G.  9.  komen  — unvrAd]  gedenkin  . aide  mehti  si  dehain  vnurAudo  G. 
vrAd  A.  denne  fehlt  G.  11.  sie  io  clain  G.  arme  G.  16.  denn  fehlt  G.  daz  w.)  ez 
were  G.  o)  de  du  alle  dine  girde  . alle  dine  urAudo  . alle  dine  sflzekait  . an  dem  niht  sühtost  . 
un  das  du  in  niht  minnotost  . uon  allir  dinir  kraft  . der  dir  nu  so  gar  lusteliche  . un  sfizeeliche 
ist  . Uwe  scligii  sele  nu  solt  du  dich  sin  nieto'n  nach  diuem  willin  . un  nach  dmir  bege-runge  swie 
du  wilt  G.  17.-  sicherlicho  und  schiere  G.  dich  fehlt  A.  19.  und  uon  G.  20  f.  alliz  de 

niht  getroistin  muge  . de  uffin  ertriehe  ist  G.  21.  dir]  du  G.  we  — si]  grozin  iamir  nach 
got  habest  G.  22.  sftssekait]  kurzewil  G.  22  f.  si  — dunke]  ist  . de  dir  daz  ain  bitterkait  sie 

an  dem  herzin  G.  23.  o]  owe  G.  24.  vor  owi]  owe  (owe  immer  (f)  minneclichir  got  G.  owi 
vrAlicher  got  fehlt  Z.  26.  owi|  filio  ierl'm  . Owe  ir  G.  27.  ich  fehlt  J. 


2.  Cant.  5, 1;  vgl.  S.  41  Z.lf.  26.  Cant.  5,  8. 


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126 


40.  Von  der  erwellung  des  mentschen. 


min [92aJnek\\ches  umbvahen’.  owi,  spricliet  si  denne,  als  sant  Paulus  sprach: 
'owe,  minneklicher  Got,  löse  mich  von  dirre  weite,  daz  ich  gesehe  dich  in 
dinen  eren’.  ‘owe,  liebes  liep,  du  bist  aller  min  tröst,  allü  min  vröde,  Allü 
min  sAlikait.  owe,  nu  tröste  mich,  herre,  es  ist  an  der  zit,  won  mich  mag 
5 Ane  dich  Allü  du  weit  nit  getrösten’.  man  liset  von  sant  Agtun,  du  hatte 
ainen  minnenten  siechtagen,  du  sprach  alsuz:  ‘Allü  liplich  Arzenie  han  ich 
versmahet,  sunder  allaine  mines  lieben  herren  wort  mugent  mich  gesunt 
machen’,  owi,  geminneter  Got,  ich  bin  ane  masse  wunt  von  diner  minne,  nu 
haile  mich,  geblümeter  Got,  won  ane  dich  mag  ich  niemer  gesunt  werden! 
to  also  spricht  her  David:  'mir  ist  gebrosten  daz  ich  verderben  muss,  du  tröstest 

mich  denne,  o süsser  Got’!  also  sprichet  dü  sele:  ‘mir  ist  daz  hertze  [92h] 

min  verseret  nach  Jhesu  mim  liebe,  daz  es  niemer  wirt  gesunt'.  also  solt  du 
haben  ain  minnent  senung.  daz  ander  ist  daz  du  gantzen  und  stAten  frid 
habest  mit  Got,  mit  dir  selben  und  mit  allen  dingen;  und  solt  sprechen  also 
15  her  David:  ‘ich  wil  schlafen  mit  fride  und  wil  eweklich  rüwen  in  ünsrem 
herren  und  wil  fride  und  rftvve  mit  allen  dingen  haben’.  ' daz  dritte  ist  daz 
du  solt  zieren  din  sele  mit  tugentlichem  flisse.  man  liset  von  der  küngin 
Hester:  do  si  zü  dem  künig  Aswero  solte  gau,  do  klaite  si  sich  mit  edlem 
gewande  und  gebäret  do  so  zärtlich  und  so  herlich  daz  es  ane  masse  waz; 
20  und  fürte  mit  ir  ain  jungvrowen:  uff  die  lainte  si  sich,  und  dü  ander  hüb 
ir  uf  irü  klaider.  bi  der  küngin  Hester  ist  bezaichent  ain  ieglichü  sAlgü  sei. 
Hester  daz  sprichet  ‘ain  verborgnü  v rotte,  dü  wol  gezieret  ist’,  daz  ist  dü 
sele;  dü  ist  nu  verborgen,  [92']  dü  sol  wol  gezieret  sin  und  geklaidet  mit 
edlen  tugenden,  so  der  hymelsch  künig  nach  ir  sendet,  daz  si  mit  eren  ze 
25  hof  kome  für  den  grossen  Got  von  hymelrich  und  für  alles  sin  ingesinde; 

won  da  ze  dem  hymelschen  hof  enzieret  die  sele  nüt  won  tugend.  so  si  ie 

me  tugentlicher  werch  ze  hof  bringet,  so  ir  gezierde  und  ir  ere  ie  grösser 
ist.  entrüwen,  dü  sele  müss  ain  junkvrowen  han  uff  die  si  sich  lainne,  daz 

1.  als  der  güt  sant  G.  3.  liebes  fehlt  G.  nach  vr6dc]  ellv  min  züvcrsiht  . nn  G. 

4.  won  fehlt  G.  5.  Uno  dich  fehlt  G.  8.  ane]  gar  uz  der  G.  9.  won  fehlt  G.  10.  her 

D.J  d wissage  dauid  . A süzir  got  G.  11.  denne  — Got  fehlt  G.  12.  nach  — gesunt]  de  cz 
niemir  wirt  gesunt  . nach  ih'u  mime  liebe  . der  machot  mine  sele  wunt  GZ(W).  15.  her  D.j 
der  wissage  dauid  . In  pace  in  idipsum  G.  mit]  indö  G.  in]  mit  G.  16.  herrin  . uti 
mime  herren  . vu  mime  got  G.  17.  mit  fehlt  G.  18.  edlem]  dem  odelostim  G.  19.  gwande  . 
uon  aliir  weite  G.  gebäret  sich  G.  20.  mit  — jungvrowen]  sie  denne  ain  junefrowe  G. 
und  dö]  dü  G.  21.  irü]  dü  G.  22.  verborgnü  vrfide  .4 , vberigü  vrouwc  G,  virborgene 
vrowe  Z.  24.  so]  swenne  G.  25.  kome]  uar  G.  sin  fehlt  G.  26.  won  — nüt]  Owe 
scügü  sele  . nu  solt  du  wizzin  . de  dich  da  zchoue  (ze  dem  himclschcn  lioue  Z)  niht  zierit  G. 

si]  dü  sele  G.  27.  ie  fehlt  G.  28.  müz  ouch  G. 

2.  ßom.  7,24.  6.  ist  einer  Antiphon  aus  dem  Brevier  (5.  Februar)  entnommen:  „Medi- 

cinam  camalem  corpori  meo  uunquam  exhibui,  sed  habeo  dominum  Jesum  Christum,  qui  solo  Ser- 
mone rcstaurat  universa“.  10.  P».  118,  50.  82t  15.  Pe.  4,  9.  18.  Elt.  15,  4;  vgl.  oben 

5.  44  Z.  14;  S.  98  Z.  22  f.  22.  Die  Erklärung  ron  .1  ist  abgeleitet  von  dem  hehr.  Verbum 
sathar,  bei  G dagegen  von  scha'ar. 


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40.  Von  der  erwellung  des  mentschen. 


127 


ist  du  minne:  uff  die  leg  alle  dine  arbait  und  dinen  kumber,  so  hilfet  si  dir 
es  alles  lihtklich  tragen,  si  mftss  öch  ain  jungvrowen  lian  dü  ir  du  klaider 
uf  habe,  daz  ist  vrow  Stütekait:  daz  ist  daz  du  din  gutes  leben  an  din  ende 
bringest  so  denne  der  tot  kumet,  so  spricht  der  mentsch:  'ich  lob  dich,  Mö- 
gender Got,  des  tages  daz  ich  erlöset  sol  werden  von  disem  kärker.  gesach  5 
mich  Got,  daz  ich  dise  [92‘]  zit  und  disen  tag  ie  gelebte,  daz  ich  den  Mö- 
genden Got  gesehen  sol  in  siner  herschaft  dis  ist  der  tag  des  ich  ie 
wunste,  des  ich  ie  gerte,  des  mich  ie  gelüste;  uff  disen  tag  frowte  ich  mich 
ie,  won  es  ist  hüte  ain  tag  aller  rainer  vröde,  und  ich  sol  vergessen  aller 
miner  arbait  und  sol  mit  sim  gütlichen  antlöt  getröstet  werden  alles  mines  io 
laides.  o du  minneklicher  Got,  lebender  Got,  schönner  Got,  Mögender  Got, 
du  enphach  hüt  min  sele  in  din  gütliches  gezelt  und  mach  mich  fry  aller 
arbait  nnd  umbvah  mich  mit  diner  götlichen  süssekaitf  da  enphaht  er  si 
mit  allem  hymelschen  here  und  spricht:  ‘Got  halt  dich,  aller  liebstö!  du  en- 
pfach  höt  den  lebenden  grüss  von  minem  munde,  ich  wil  hüt  dir  uf  tün  15 
alle  hymelsch  vröde;  ich  wil  mich  selben  dir  geben'.  [93’]  man  liset  von 
hern  Benjamin:  der  waz  Got  gar  lieb,  und  wart  im  der  göt  segen  geben, 
den  segen  git  öch  unser  lierre  der  sele  ze  hymelriche  und  sprichet:  ‘o  liebü 
jungvrowe,  ich  wil  dir  hüt  den  lebenden  und  den  güten  segen  geben  daz  du 
mir  gar  lieb  bist,  und  dü  liebi  sol  niemer  kain  ende  nemen,  won  ich  wil  20 
eweklich  mit  dir  sin  und  mit  dir  wandien,  swie  du  gerest’.  denn  umbvahet 
er  si  und  spricht:  ‘ich  gib  mich  dir  und  füge  mich  in  dinen  willen,  swie  du 
wilt.  nu  habe  mich  nach  dem  du  dich  ie  sentest  und  des  du  ie  gertest 
nach  allem  dinem  willen;  won  swaz  du  wilt,  daz  wil  öch  ich’,  so  sprichet 
denn  du  sele:  ‘nu  han  ich  gesehen  mit  minen  ogen  daz  ich  globte  in  mim  25 
herzen;  nu  han  ich  den  umbvangen  mit  minen  armen  den  ich  minneklich 
grützte  mit  dem  munde,  und  bin  [93”]  gar  durch  flössen  und  besofet  in  der 
götlichen  süssekait'. 


2.  jungvrowen  fehlt  G.  3.  vrow]  dü  G.  ist  daz  fehlt  G.  4.  so  d.]  Vntniwan  so  d.  G. 

5.  des]  dissis  G.  7.  in  allir  sinir  G.  ich  fehlt  A.  9.  sol  fehlt  G.  12.  du  fehlt  G. 

13.  und  fehlt  G.  14.  vor  Got]  aucte  G , nvo  if.  halt]  grözze  TK.  dich]  dir  da  G. 

16.  ich  — geben]  an  mich  sclbin  ane  schaidin  G.  17.  der  waz  — im]  dein  wart  G.  19.  vor 
den]  Benjamin  . Benjamin  der  ist  got  gar  liep  . un  got  wandelot  mit  im  G.  öch  fehlt  G. 

20.  niemir  me  G.  nemen  won]  gewinnen  G.  21.  du  gerest]  diu  girdo  gerte  G.  22.  eprichit 
zu  der  sele  G.  swie  — 24  ich]  sfiziu  irweltiu  gcnmhil  min  . du  habe  mich  nach  dinem  willin  . 
swie  du  wilt  . der  blögendir  got  . des  du  ie  gerotost  . nah  dem  du  dich  senetost  . nu  hast  du  mich 
begriffin  ane  schaiden  . nu  habe  mich  nah  wnsebo  . un  nah  dine  willen  »wie  du  will  . uß  swaz 
din  girdo  gert  . de  habe  an  mir  . swe  du  wilt  . dz  wil  oueb  ich  . du  bist  min  gemlnctiv  . uß  ich 
din  geminneter  G 1 V(Z).  26.  minneklich]  uerro  G.  27  und  ich  bin  gar  G. 


17.  Deut  33,  12. 


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128 


41.  Von  der  gaischlicheu  verzuknng  des  mentschen. 


[41.]  Yon  der  gaischlichen  rerzakung  des  mentschen. 

[Scio  hominem  in  Christo  ante  annos  etc.] 

'Ich  waiss  ainen  mentschen',  spricht  sant  Paulus,  ‘der  wart  verzukt  in 
den  dritten  hymel,  ob  daz  geschähe  im  übe  oder  usserhalb  des  libes,  daz 

5 waiss  Got  wol\ 

An  disen  Worten  kündet  er  uns  ain  tail  der  gnaden  so  im  unser  herre 
erzogt«,  do  er  bekert  wart,  und  er  uff  dem  weg  nider  viel,  do  waz  er  dri 
tag  und  dri  näht  än  essen  und  an  trinken  und  ensach  noch  ensprach,  und 

wart  gezuket  in  den  dritten  hymel,  da  er  Got  sach,  reht  alz  in  die  sela 

io  sehent  die  da  ze  hymel  sint.  und  da  gelernet  er  alles  daz  daz  er  dar  nach 

die  cristenhait  lerte.  hie  an  sont  wir  merken  daz  wir  och  verzukt  sont 

werden  alz  er.  wir  sont  in  zwo  wis  verzuket  werden:  under  uns  und 
über  üns. 

Under  üns  sont  wir  verzukt  werden  in  dri  wis.  daz  erst  ist  daz  der 
15  mentsch  sol  gedenken  [93']  an  sin  sünde,  wie  dik  er  Got  erzürnet  hat;  und 
sol  och  im  daz  lait  sin,  und  sol  daz  inneküchen  klagen  mit  rüwigem  herzen 
und  mit  bitterkait  der  trähenne,  als  der  wissag  sprichet:  ‘o  herre,  alle  min 
tage,  ällü  minü  jar  und  Allü  zit  wil  ich  dir  wider  gen  mit  bitterkait  mins 
hertzen’.  daz  ander  ist  daz  der  mentsch  sol  gedenken  an  die  weit,  und  sol 
20  ir  Untugend  und  ir  böshait  merken,  und  sol  si  dar  umb  versmahen  und  flie- 
hen, won  si  ist  glich  aim  ramigen  kessel.  won  alz  daz  unmugüch  ist  daz 
ain  mentsch  umb  den  kessel  dik  gange  und  doch  nit  werde  entrannet,  also 
Ist  es  unmugüch  daz  der  nit  von  der  weite  entrainnet  werde  der  ir  hainüch 
ist  her  David  sprichet:  'mit  dem  hailgen  wirst  du  hailig,  mit  dem  verkerten 
25  wirst  du  verkert’.  daz  ist  also  vil  gesprochen:  swer  der  weit  und  dem 
bösen  mentschen  hainüch  ist,  der  wirt  öch  böse;  der  aber  dem  hailgen  und 
dem  güten  hainüch  ist,  der  wrirt  [93]  och  haiüg  und  güt.  daz  dritte  ist  daz 

1.  Überschrift  fehlt  G,  Dis  sp'chit  . S.  Paulus  (rot)  Z,  Up  sent  pauwels  dach  do  hey  bekeirt 
wart  1‘hill.  2.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  3—5  fehlt  GZ.  6.  An  — er]  Disiu  wort  sprach 
sant  paulua  . unde  kündit  GZ.  tail  hie  der  G.  so]  die  G.  9.  reht  fehlt  G.  die  hailigin 
sela  G.  10.  da  ze  h.)  zehimilriche  Q.  11.  hie  an]  uli  de  er  also  gezukkit  wart  . da  spri- 
chit  er  . oh  de  inme  libo  geschehe  . aide  uzeront  dem  libo  . des  cnwais  er  nivt  . de  wc  got  wol . 
sprichit  er . Daran  G.  12.  er]  der  sant  paulus  G.  14.  In  drin  wise  sulnc  wir  gezukkit  werdin 
undir  üns  G.  1H.  och  fehlt  G.  de  got  inncclichcn  G.  17.  als  der]  also  G.  vor  oj  Reco- 
gitabo  tibi  G.  alle  fehlt  G.  18.  j.  u.  ellft  miniv  zit  G.  gen]  geltin  G.  21.  si]  div  weit  G. 

22.  umb  — kessel  fehlt  G.  und]  unde  sich  ribo  an  ainen  ramigin  keszil  . und  er  G. 

23.  es  fehlt  G.  23  f.  der  nit  — ist]  icmnn  der  weit  hainliehe  sie  . de  er  non  ir  niht  entrainit 
werde  G.  24.  her  D.]  Der  wissago  G.  sprichit  . Cum  saucto  sanctus  eris  . daz  sprichit  alsuz 

zetüto  G.  wirst  du]  wirt  der  man  G,  ebenso  25.  25.  swer]  Der  G.  26.  aber]  oueh  G. 

26  f.  dem  gütin  un  dem  hailigin  mentsebin  G.  27.  hailig  — güt]  güt  und  solic  G. 

1.  Die  Predigt  findet  sich  in  G BI.  19c;  Z Bl.  23*;  II  A ’r.  5;  Phill.  Bl.  127m;  fehlt  W .V 
Arundel.  — Vgl.  auch  Hs.  St.  Georg  37  Bl.  59—73  (Längin  S.  7)  der  Karlsruher  Hof-  n.  Landes- 
bibliothek. 2.  II.  Corr.  12,  2.  17.  lsai.  38,  15;  vgl.  oben  S.  90  Z.  15.  24.  Ps.  17,  26. 


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41.  Von  der  gaischlichen  vcrzuknng  des  mcntschen. 


129 


der  mentsch  sol  gedenken  an  die  helle,  daz  er  si  fürhte  und  dester  flisklicher 
sich  hüti  vor  allen  dingen  die  den  mentschen  dar  rnugent  gelaiten.  Job 
sprichet:  'swenn  ich  gedenke  an  die  helle,  so  erbibnet  mir  &llü  min  kraft, 
und  min  lib  erzittret  von  der  bitterkait  der  helle’. 

Wir  sont  öch  über  üns  gezuket  werden  in  dri  hymel,  als  sant  Paulus  5 

gezuket  wart  der  erst  hymel  ist  du  sele.  daz  bewärre  ich  mit  der  schrift; 

won  unser  herre  sprichet  in  dem  wissagen  Ysaya:  ’der  hymel  ist  min  stül 
und  daz  ertrich  min  füssschümel’.  dem  wort  antwürt  der  künig  Salomon  und 
sprichet:  ‘du  reht  sele  ist  ain  gestüle  der  wishait’.  da  mit  ist  bewäret  daz 

du  sälig  sele  ain  hymel  ist  in  disen  hymel  sol  der  sälig  mentsch  gezuket  io 

werden,  also  daz  der  mentsch  im  selben  sich  sol  zuken.  daz  ist  also  daz 
[94‘ ] er  alle  sin  ussren  sinne  in  sich  ziehen  sol  und  sol  sich  inwendig  besehen, 

also  sprichet  sant  Augustinus:  ’swer  im  selben  sich  selben  nit  nimet  und  die 

ussern  sinne  nit  enzuket,  der  enmag  in  im  selben  nit  gezuket  werden;  won  also 
gross  ist  du  minne  die  du  sele  hat  zu  den  liplichen  dingen,  daz  si  reht  dar  15 

zü  gelimet  wirf,  alz  man  mit  lim  zwai  ding  ze  samen  limet,  also  limet  du 

minne  die  sele  zü  den  liplichen  dingen;  won  swaz  zu  den  oren  und  zü  den 
ogen  und  zü  allen  den  ussren  sinnen  in  flüsset  in  die  enpfindung  der  sele, 
daz  nimet  si.  und  dar  umb  bedürfen!  wir  wol  daz  wir  die  sinne  in  zukent, 
won  si  bringent  die  sele  in  iertüm,  so  si  wannet  daz  si  daz  ding  si  dar  20 
zü  si  gelimet  ist  daz  geschiht  denne  so  zü  den  ussren  sinnen  gefliessent  in 
die  sele  uppigü  ding,  du  gesihte  sint  lustlich  und  [94b]  girlich  und  vrölich. 
dar  zü  wirt  du  sele  so  sere  gelimet  mit  der  minne  daz  si  wännet  daz  si  die 
creature  si  die  si  da  minnet  von  dem  influsse  der  sinne,  also  sprichet  sant 

Augustinus:  'daz  ist  der  sele  iertüm,  so  si  sich  gelimet  also  zü  der  uppekait  25 

daz  si  es  für  sich  selber  minnet,  und  da  mit  swechet  si  sich  sere,  so  si  un- 
stäte  und  zerganklichü  ding  me  minnet  denn  sich  selb1,  sant  Bernhart 
sprichet:  ‘owe,  guter  mentsch,  du  solt  flisseklichen  war  nemen  diner  gentzi, 

wie  luter,  wie  gantz  din  conscienci  si,  nnd  solt  dik  in  dir  selb  speAen  wie 

nach  du  Got  sigist  und  wie  verre,  und  wie  glich  du  im  sigist  an  tugenden  so 
und  unglich  du  im  sigist  an  tugenden,  und  wie  du  vwrnemest  an  durnühtkait 


1.  Bll  deste  nie  G.  1 f.  nfi  de  er  sieh  dest  vl.  hftte  G.  2.  allen  den  dingin  G.  3.  swenn]  Alse 
dike  so  <?.  4.  uon  bitterkait  G.  6.  ist  du]  de  Ist  din  G.  7.  won]  de  din  sele  . un  ielicli  selic 

sele  ain  himil  ist  G.  9.  reht  reht  A.  sele  din  ist  G.  ist  iv  bowierte  G.  10.  der  sälig] 
der  G.  11.  im  selbin  sich  sclbin  sol  G.  Vgl.  S.  157  Z.  12  und  in  im  selben  Z.  14.  12.  er]  der 

mentsche  G.  ziehen  sol]  zieho  G.  14.  im]  sich  G.  17.  zft  fehlt  A.  IS.  allen  fehlt  G. 
sinnen]  dingin  der  sinne  G.  19.  nimet  A,  besser  minnet  G.  20.  sele  fehlt  G.  vor  so]  Also 
sp'chit  sant  Angustinus  . Ilie  uon  kumit  du  sele  in  icrretnm  G.  22.  gcsihtic  sint  . ufi  I.  G. 
uroilichc  sint  G.  27.  selbin  . wan  ir  natnr  ist  ewic  G 29.  lutir  . uü  wie  G.  spehen] 
sprechen  A.  30.  nerro  du  got  sicst  . wie  gliche  G.  im]  got  G.  31.  und  wie  nngliche  G. 
Untugenden  fälschlich  G.  v nemest  A,  viir  nemeste  G.  31  — 130,1  an  damehtigim  lebinnc  G. 


2.  Job  31,  34;  17, 13.  16;  4,  14  ? 7.  hoi.  66, 1. 

Deutsche*  Texte  de*  Mittelelters.  X.  9 


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130 


41.  Von  der  gaisch  liehen  verzukung  des  metrischen. 


dines  lebens  und  wie  du  swachest  an  durnähtikait.  ain  wiser  man,  hiess 
Seneka,  sprichet  daz  der  mentsch  sol  alles  sin  leben  in  dru  taillen.  zem  ersten 
sol  er  gedenken  an  daz  für  [94 ’j varend  lebenn;  dar  nach  an  daz  gegen- 
wärtig leben;  zü  dem  dritten  male  an  daz  künftig  leben,  an  daz  fürfarend 
5 leben  solt  du  gedenken  dar  umbe  daz  du  solt  Got  klagen  mit  rüwigem 
hertzen  daz  du  in  ie  erzürnet  hast  mit  dekainen  dingen,  an  daz  gegen- 
wärtig zit  solt  du  gedenken  daz  du  es  nutzeklich  an  legest  in  Gottes  dienst 
und  in  sim  lebenn.  an  daz  künftig  leben  und  zit  solt  du  gedenken  durch 
daz  daz  du  dich  warnest  und  also  setzest:  swaz  dich  an  gange,  daz  du  daz 
io  tugentlich  wellest  überwinden;  und  solt  din  hertze  also  vestnan  und  Sterken 
daz  dich  enhain  ding  von  Gotte  mug  geschaideu.  'mentsch’,  sprichet  her  Sa- 
lomon,  ‘du  solt  hüten  dins  hertzen  in  allem  dim  lebenn  flisseklich,  won  dar 
an  lit  alles  din  gaischlich  leben',  so  sprichet  sant  Bernhart:  ‘alles  din  gaisch- 
lich  leben  Ist  nit  anders  won  daz  du  zü  allen  ziten  flisseklichen  hütest  dins 
15  hertzen’.  sant  Augustinus  sprichet:  ‘nih/94ytes  nit  ist  daz  dem  mentschen 
so  wol  füge  zü  den  liymelschen  dingen  so  daz  der  mentsch  den  ussren  dingen 
unhainlich  si  und  sine  sinne  da  vor  beschliessi  und  sich  ir  entzihe’;  won 
die  ussren  ding  mag  nieman  han  mit  den  inren,  noch  die  inren  mit  den 
ussren.  und  dar  umb  spricht  er  daz:  ‘ich  rate  daz  wir  dü  ussren  ding  läs- 
20  sint  und  ünser  sinne  beschliessint  und  üns  inwendig  ziehint,  daz  wir  dü 
gaischlichen  ding  inwendig  ergriffent’.  sant  Bernhart  sprichet:  ‘o  sele,  hüte 

dich  und  flüch  alles  an  an  die  aini,  daz  dich  der  aine  vinde  den  du  ze  ainem 

liebe  hast  erwelt  vor  aller  der  weit;  und  och  dar  umbe  daz  zü  den  ussren 
sinnen  nüt  infliessi  daz  Got  von  dir  vertribe,  won  din  gemahel  ist  so  scha- 
25  mig  daz  er  niht  won  togenlich  und  hainlich  wil  minnen'.  daz  ist  der  hyinel 

dar  in  wir  verzuket  [95a]  sont  werden,  nu  sprichet  sant  Bernhart  daz  der 

gaischlich  mentsche  sol  zem  minsten  täglich  ainest  gezuket  werden  in  disen 
hymel,  daz  ist  in  sin  sele. 


1.  vor  ain]  also  ratit  dir  der  gilt  man  . de  du  din  selbis  war  nemest  an  den  bcIis  dingin  . din 
ich  dir  gezelt  (genemit  Z)  han  0.  liairit  G.  2.  sprichet — sin)  der  spr.  Mentsche  dn  solt  allis 
din  G.  2 f.  dn  solt  zemerstin  gedenkin  G.  3.  dar  nach]  und  G.  4.  leben  7.0  — 0 hertzen)  zit 
de  iezee  ist  . ufl  an  de  . de  ktinftic  ist  zekominne  . de  sint  driv  tail  . Mn  sprichit  er  de  dn  dar 
umbe  solt  gedenkin  . an  de  niruarnc  lebin  . de  dn  got  mit  riiwigim  herzin  innerliche  clagist  G. 

5.  rfiwige  A.  6.  irzumdoste  mit  dchainem  dinge  G.  an  — 10  tugentlich]  So  sprichit  er  .de  da 
dnrumbe  solt  gedenkin  . andas  zit  . daz  iczce  ist . das  da  dich  allesnn  nlizcst . das  dn  ingotis  minne  . 
und  ingotis  dieniste  . und  insime  lobe  zcallcn  ziten  ordenliche  . and  tngentliclic  lebest . Du  solt  an  de 
ktinftic  lebin  gedenkin  . und  solt  dich  vornehin  . und  uvrwarnen  . swe  dich  anegange  . de  da  daz  mit 
gotte  tngintliclie  G.  8.  lebenn]  l.  lobenn  oder  lobe?  (R.)  11.  noch  geschaidcn]  swe  dich  ouch  ane- 

gAt  . aide  swe  got  übir  dich  uirhengit . Der  wise  salonn»  ratit  onch  de  . de  der  mentsche  sinis  herzin 
hfito  . und  sprichit  G.  11  f.  sprichet  — Salomon  fehlt  G.  17.  sine  fehlt  A.  18.  nieman  han] 
man  niht  gehaben  . sprichit  er  G.  19.  sprichit  er  rat  ich  de  . daz  wir  G,  spr.  er  . rat  ich  de  das 
ieze  ist  . das  wir  Z.  21.  wan  ih'c  din  G.  25.  won  fehlt  G.  und  hainlich]  inder  hainlichi 
die  sele  G.  26.  daz  fehlt,  direkte  Konstruktion  G.  27.  disen]  den  G.  28.  daz.  — sele]  de  ist 


2.  vgl.  oben  S.  62  Z.  32.  12.  Prov.  4,  23. 


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41.  Von  der  gaischlichen  verzukung  des  mentschen. 


131 


Der  ander  ist  der  gesihtig  hjTnel,  den  wir  erkennent  an  siner  herschefte: 

an  der  sunnen,  bi  dem  mäne  und  an  den  Sternen,  in  disen  hjTnel  sont  wir 

öch  geznket  werden,  also  daz  wir  gedenkent  an  ünsern  lierren,  der  da  gegen- 
wärtig ist  in  siner  majestät,  und  an  sin  wunnekliches  ingesinde,  daz  ietz  da 
vrüde  an  im  und  in  im  hat.  in  den  hymel  sont  wir  unser  gedänke  dike  5 
senden,  dar  umbe  daz  unser  girde  dester  me  geratet  werde  und  daz  wir 

dester  flisseklicher  dar  nach  werbent  daz  wir  zü  der  geselleschaft  koment 

von  der  sant  Augustinus  sprichet:  'o  daz  vil  hailig,  daz  vil  sälig  und  daz 
untütlich  volk  lobent  dich,  süsser  Got,  die  da  niht  bedurfent  daz  si  die 
schrift  / 95 *]  lesent  daz  si  dich  werdent  erkennent,  also  wir  armen  lute  io 
müssent,  durch  daz  wir  dich  enwenig  werdent  erkennend,  owi,  sprichet  er, 
‘des  bedurfent  sü  nit;  won  du  bist  in  ze  allen  ziten  offen,  und  erkennent 
dich  luterlich  und  lesent  an  dir  lebenden  büche’,  und  sprichet:  ‘dis  ist  daz 
lebend  gütlich  büch,  daz  wirt  in  niemer  vor  beschlossen,  owi,  wie  sälig,  wie 
vrölich  din  lob  ist  in  irem  munde,  daz  si  nit  ierrent  libes  noch  mütes  noch  15 
hertzen  swäri,  noe/t  dehain  sorge  betrübet  sü  niemer  me.  dich  loben  ist  ain 
wunne  und  ain  vrüde  an  ende,  owi’,  sprichet  er,  ‘wir  eilenden  mentschen,  die 
noch  in  dem  trüben  tal  dirre  eilenden  weit  besofet  sint,  wie  verre  wir  noch 
von  dir  gesundert  sint,  wir  enmugent  dich  nit  loben  an  swäri  und  mugent 
dir  nit  dienen  an  urdrutz,  uns  ierret  müt  und  hertzen  swäri.  owi’,  spricht  20 
er,  ‘lieber  Got,  wenne  sont  wir  dar  komen  zü  des  wunneklichen  Gottes  inge- 
sinde, [95‘J  daz  wir  dich,  herre,  mugent  loben  än  swäri  und  an  arbait,  also 
tunt  die  die  dich  ietz  sehent  von  ogen  ze  ügen?’  in  disen  hymel  sont  wir 
gezuket  werden,  also  daz  wir  gedenkent  an  daz  hymelsche  gesinde;  aber  ze 
vordrost  an  den  minneklichen  Got,  der  da  gesihtig  ist,  von  dem  ällü  vrüde,  25 
ällü  wunne,  ällü  süssekait  flüsset.  an  den  sol  dü  sele  gedenken,  wie  schüne, 
wie  wunneklich  und  wie  güt  er  ist  von  dem  ällü  güti  flüsset.  so  denne  dü 
sele  an  Got  also  vil  schonhait  vindet  und  güti,  so  wirt  si  in  minnend;  won 
dü  sele  hat  daz  von  nature  daz  si  güt  ding  minnen  müz.  so  ist  Got  daz 
beste  güt  und  ist  daz  obrost  güt  und  ist  sin  selbes  güti  und  ist  an  im  nit  so 


<ler  himil  . de  der  mentsche  sine  sele  . und  sin  inren  sinne  sol  besohin  . wie  er  mit  tugindCf  sie 
berwart  G. 

1.  andir  himil  . de  ist  G.  2.  bi]  an  G.  den  Sternen]  dem  gestime  G.  8.  an  got 
v'nsimc  G.  6.  geraizet]  gezieret  A.  8.  Von  der  gescllcschefte  sp'chit  s.  A.  G.  hailic . o 
daz  G.  11.  mflssent  durch]  sprichit  er  . nutzen  uu  suchen  (stieben  vn  lesin  Z)  in  der  hailigun 
sebrifte  G.  13.  dir  dem  lebindo  G.  und  spr.  dis]  Owe  sprichit  er  de  G.  14.  I.  das  güt- 
liche G.  niemer  vor)  nie  G.  16.  noc  A.  lobin  . de  ist  G.  ain]  ir,  ebenso  17  G. 

18.  tal  in  dirre  G.  Owe  wie  G.  18  f.  wir  uon  dir  G.  20.  Owe  öns  G.  mftt]  oueh 
gemätis  G.  21.  dar  fehlt  G.  des  aus  den  korr.  A.  zudem  w.  ingesinde  G.  22.  herre 
mugent  fehlt  G.  23.  tünt  fehlt  G.  in  — 25  minneklichen]  als  (Ins  sant  Augustinus  het  non 
inen  geschribin  . Wir  gulne  ab'  allir  maist  gedenkin  . an  den  wnneclichcn  G.  25.  dem  Ällü]  des 
angesihte  elliu  div  G.  28.  an  Got  fehlt  G.  schonhait  . sftzekait  . uli  güti  uindit  . so  G. 

29.  dü]  din  G.  30.  an  im  fehlt  G. 

9* 


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132 


41.  Von  der  gaischlichen  verzukung  des  mentseben. 


won  güti,  und  da  von  müss  in  die  sele  minnen;  sit  si  von  natnr  gütü  ding 
rainnet,  und  under  raängem  gute  minnet  si  ie  daz  beste,  sit  denne  Got  daz 
beste  ist,  so  müss  si  in  öch  minnen  für  üllü  ding,  nu  sprichet  sant  Bern- 
hart daz  du  volkomen  sele  drivaltig  minne  zu  [95*]  Gotte  haben  sol.  du 
5 erste  haisset  ‘amor’.  du  ist  also  daz  ich  gantzen  willen  sol  han  Got  ze  min- 
nen, und  daz  der  wille  reht  ginge  von  minnen:  also  minne  Got!  dü  ander 
haisset  'dileccio’,  daz  spricht  ain  anhaftung.  dü  minne  ist  grösser  denne 
dü  erste;  won  ich  han  zem  erst  ainen  brinnenden  willen  und  ainen  gantzen 
willen  Got  ze  minnende,  dar  nach  hefte  ich  min  sele  an  Got  und  minen 
io  willen,  also  daz  zwüschent  mir  und  im  ain  vestü  anhaftung  ist,  daz  mich 
von  im  nüt  geschaiden  mag.  dü  dritte  minne  haisset  'caritas’.  dü  ist 
dü  obrost,  und  ist  also  daz  ich  allen  gelüst  au  Got  habe,  daz  mir  süsse 
ist  an  in  gedenken,  von  im  reden  und  von  im  hören  reden,  und  ich  an 
kain  ding  anders  gelüst  habe  won  an  im  allaine,  und  ich  denn  kain  ding 
15  minue  won  durch  Got.  und  also  [96']  vil  ich  Got  dar  an  vinden  und  er- 
kennen mag,  also  vil  sol  ich  ain  ieglich  ding  minnen.  und  daz  minnen 
haisset  caritas:  daz  ist  volkomene  minne,  und  minne  Got  denne  allen- 
sament,  so  ich  ällü  ding  durch  Got  minne.  minne  ich  aber  kain  ding 
durch  sich  selben  oder  durch  die  güti  die  ich  dar  an  erkenne  oder  ver- 
jo  stan,  und  daz  ich  nit  urh&p  an  Got  süch,  von  dem  alles  gut  geflossen  ist, 
so  minne  ich  Got  nit  allen,  ich  sol  Got  ungetailten  minnen,  also  daz  ich  Allti 
ding  dur  Got  minne  und  ich  an  kaim  ding  wolnust  habe  won  allain  an 
Gotte,  nu  sprichet  sant  Bernhart:  'so  dü  sele  Got  allen  minnet,  so  wirt  Got 
und  dü  sele  ain  gabst’ ; daz  ist  also  daz  min  wille  also  in  Got  gefüget  si 
25  daz  ich  nit  wil  won  daz  Got  wil,  und  in  dem  lutem  willen  füget  sich  Got 
also  süsseklichen  und  also  gantz  in  min  sele  daz  ir  girde  mit  im  erfüllet 
wirt.  daz  mag  [96*]  nit  alsuss  in  disem  libe  sin.  in  der  sele  ist  ain  tugent,  dü 
haisset  girde,  dü  enmag  niemer  erfüllet  werden  won  allaine  mit  Got  ze  hymel- 


t f.  Bit  — ding  minnet)  uon  ir  naturc  . de  sie  gütin  die  minnen  müz  G.  2.  niSngemj  ainen: 
ieiiebim  G.  ie  fehlt  G.  3.  beste  gftt  ist  G.  (ich  fehlt  G.  5.  erste  minne  h.  G. 
dü)  de  G.  gantzen]  ainen  grozen  G.  sol  fehlt  G.  6.  von]  nah  G.  minne  Got)  sere 
minnon  ich  got  . uon  ainem  grozen  willin  G.  7.  diloctio  ndhcaitatis  G,  d.  adhesites  falsch  Z. 

8.  gantzcnl  grozin  O.  10.  statt  im  stand  zuerst  dir,  was  rot  durchstrichen  wurde  A. 

1 1 . nach  mag]  und  han  den  grozen  will! . den  ich  zemerste  hatte  . zeder  mine  . den  han  ich  an  got 
geheftit  . deich  iemir  an  im  haften  wil  G.  12.  und]  dü  minne  G.  allen  fehlt  G.  13.  büren 
reden]  hftrin  G.  14.  anders  gelüst]  wollust  G.  an  i.  allaine]  ninegun  an  got  G.  nach 
allaine  i»(  won  rot  durchstrichm  A.  denn  fehlt  G.  15  f.  vil  — mag]  uil  alsc  ich  got  ge- 
minnen  mac  . uß  alse  uil  alse  ich  got  dran  v.  mac  . uil  irkennin  G.  16  f.  und  — haisset]  so  ich 
got  also  minnon  . so  haizit  dü  minne  G.  17.  daz  ist]  so  han  ich  G.  denne  fehlt  G. 

18.  Mlfi  fehlt  fälschlich  G.  minnon  alse  div  minne  an  got  ancuahit  . uil  ouch  an  im  ende  hat . 
Minnon  abir  ich  G.  19.  erkenne  oder  fehlt  G.  20.  alles  gnt|  dü  güti  . ellfi  G.  22.  Got]  in  G. 

an  vor  kaim  fehlt  G.  23.  vor  nu]  so  minnon  ich  got  allen  . unde  ungetailten  G.  allen] 
also  G.  24.  si]  wirt  G.  25.  das  ouch  got  G.  luteren  herzin  . uß  indem  luteren  willin  G. 

26.  ir]  minir  sele  G.  29.  dü]  div  girde  G.  got  . div  gernnge  sol  irfüllit  werdin  . 
mit  got  G. 


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41.  Von  der  gaisehlichen  verzukung  des  mcntschen. 


133 


lieh,  da  git  Got  unser  herre  sich  gantz  und  ungetaillet  in  die  sele,  won  si 
ist  alz  edel  daz  si  kain  ding  erfüllen  mag  won  daz  edeler  ist  denn  si.  also 
sprichet  sant  Gregorius:  ‘du  sele  ist  von  der  gothait  durchflossen,  und  swaz 
minr  ist  denn  Got,  daz  mag  ir  nit  genügen’,  und  da  von  git  sich  ünser 
herre  ze  hymelrich  ainer  ieglichen  sele  gantz  und  ungetailten,  und  hat  sin  5 
ain  ieglichü  sei  also  vil  alz  in  enkainü  me  habe  won  si  aine,  und  git  sich 
doch  allensament;  won  er  ist  also  gantz  und  als  ainvaltig  daz  er  nit  ge- 
taillet  mag  werden.  ain  hailig  sprichet  daz  sich  ünser  herre  ze  hymelriche 
zn  ainer  ieglicher  sele  sunderlich  alz  hainlich  und  alz  gütlich  füget  alz  er 
mit  kainer  me  nit  habe  ze  tünne,  und  alz  er  nit  me  liebes  [96c]  habe  won  io 
ir,  und  füget  sich  öch,  sprichet  er,  in  die  gemainde  reht  alz  ob  er  sunderbar 
nieman  bekenne,  dar  an  sont  ir  verstau  daz  sich  Got  gantz  und  ungetaillet 
git  aim  ieglichen  mentsehen  ze  hymelriche,  und  also  wirt  Got  und  dü  sei 
ain  gaist. 

Der  dritt  hymel  da  wir  in  gezuket  sont  werden,  der  haizet  intellectus,  15 
daz  spricht  ain  verstantnust.  daz  merkent  also  daz  der  mentsch  sin  sinne 
und  sin  beschaidenhait  sol  zuken  an  Got,  und  sol  da  verstan  was  Got  si. 
nu  fraget  sant  Bernhart  waz  Got  si,  und  sprichet  also:  ‘owi,  wer  saget 
mir  waz  Got  si?  er  ist  dü  lengi,  dü  braiti,  dü  höhi  und  dü  tiefi'.  dü 
vier  ding  sint  an  ünsrem  herren.  er  ist  dü  lengi  an  der  ewikait,  wan  20 
an  siner  ewkait  ist  weder  anvang  noch  ende,  und  dar  umb  nemet  er  in  die 
lengi.  er  ist  öch  dü  braiti  an  der  minne,  won  er  hat  sich  gebraitet  in 
hymelrich  und  in  ertlich,  er  ist  öch  dü  höhi  /.96‘7  an  der  magenkraft,  won 
die  mag  nieman  begrifen.  er  ist  och  dü  tiefi  an  der  wishait,  won  sin  wis- 
hait  ist  ane  grünt,  und  kan  ir  nieman  zü  aim  ende  komen.  cowi’,  spricht  25 
er,  ‘wie  sont  wir  den  begrifen  den  alle  die  weit  nit  begrifen  mag!  owi’, 


1.  sich  selbin  g.  G.  si]  ilii  sele  G.  3.  durch  flössen)  geulozzin  . uD  dauou  enrnac  sü 
nivt  eruvllit  werdin  . wan  mit  gotlichir  naturo  G.  4 f.  ir  — sele]  die  sele  niht  eruüllin  . uO 
dar  umbo  sol  got  der  sele  girdo  erfüllin  . mit  im  selbin  zehimilriche  . Da  wil  sie  (sich  Z)  iinsir 
herre  ainem  ielichim  gen  G.  6.  in  — aine]  ob  in  niht  wan  ainü  hetti  G.  7.  won  er]  ainir 
ielichir  sele  . wan  got  G.  8.  sich  fehlt  A.  ünser  herre)  got  G.  10.  kainer  me)  dehainir  G. 

10/".  won  — ob)  Uii  sprichit  . de  er  sich  indio  gemainde  also  gcmainlichc  fügit  alse  G. 

12.  irkenne  besser  G.  13.  uSlleclicben  git  G.  und  also)  Also  G.  13  f.  got  flnsir  herre  ain 
gaist  u.  d.  sele;  darauf:  Minnen  wir  nu  got  also  . de  lins  nüt  uroiliche  noch  lusteliche  ist  . wan 
ainigü  iinsir  herre  got  . uii  daz  (wir  Z 1 cllü  dinc  minne  durh  got,  so  wirt  denne  dü  sele  uii  got 
ain  gaist . nach  disim  übe  als  ich  gesait  han  . Uii  abir  indisim  libe  . alse  uii  also  ez  mugelich  ist 
got  ünsirmc  herren  zinphahinne  . in  disim  libe  . nüt  allaine  got  mit  sinir  hailigun  gnade  . wände 
ouch  mit  sinim  hailigin  vronlicbamen  G.  15.  der  haizet  fehlt  A.  intellectualis  G.  16.  da 
merkint  G.  17.  wc  got  finsir  herre  G,  ebenso  18.  19.  nach  si]  üent  wrto  er  (Nu  autwurto  Z)  ich 

abir  sprichit  er  G.  uii  div  braiti  und  dü  G.  20.  dinc  . diu  eint  an  got  u.  h.  G.  es  A. 

21.  nemmit  G.  22.  öch  fehlt  G.  sich  mit  der  minne  g.  G.  24.  die  — begrifen]  sin 
maginkraftli  diu  ist  umbegriffinlichc  G.  25.  und  k.  ir)  wan  ir  kan  G.  zfi  aim]  ze  G. 

25  f.  owi  — er]  Dv  vier  dinc  . sprichit  er  de  got  sie  . unde  sp'chit  denne  vürbaz  . Owe  G. 

26.  begrifin  . der  allo  die  weit  vüllit . und  den  G.  nach  mag)  Owo  wir  armin  mentsebin  . wir 
ellendm  mcntschin  . wie  sulne  wir  den  iemir  begrifin  G. 


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134 


41.  Von  der  gaischliehcn  verzukung  des  mentschen. 


sprichet  er,  'ich  hatte  des  mich  gar  vertröstet  daz  ich  in  iemer  möht  be- 

grifen,  won  daz  mich  ain  wort  tröstet,  daz  sprichet  sant  Paulus,  anders 

so  getorste  ich  es  niemer  gedenken  daz  ich  in  iemer  möhte  begrifen.  “ir 
sont",  spricht  er,  “Got  ünsern  herren  vahen  mit  der  hailikait’’;  daz  ist 
5 also  gesprochen:  ir  sont  Got  vahen  mit  der  hailgen  minne  und  mit  der 
hailgen  vohrte,  daz  sint  der  selan  arme,  da  mit  si  Got  sol  umbvahen, 
und  denne  sol  si  in  vast  haben,  daz  er  ir  nit  entwischi’.  wa  von  sol  aber 
du  vohrte  meren  tAglich?  *owi’,  sprichet  er,  [97‘]  ‘waz  ist  me  ze  fürhtenu 
denne  ainen  gewalt  dem  Allü  ding  offen  sint?’  wir  mugent  nit  so  hainlich 
io  getün  noch  gedenken,  es  si  im  alles  kunt,  spricht  sant  Paulus,  und  dar  umb 
ist  er  wol  ze  fürhtenn.  und  also  mag  sin  gewalt  die  vohrte  an  uns  wol 
meren,  daz  si  tAglich  an  uns  wachse,  nu  hant  wir  ainen  arm  da  mit  wir 
Got  ünsern  herren  umbvahen  sont.  der  ander  arm  daz  ist  dü  hailig  minne. 
waz  sol  aber  dü  an  (ins  meren,  daz  öch  si  tAglich  an  üns  wahsen  sülle? 

tö  daz  sol  Got.  waz  ist  besser  ze  minnen  denne  der  da  geminnet  hat  und  der  da 

minnet.  und  von  dem  du  geminnet  bist?  daz  ist  der  güt  Got,  der  gross  Got, 

der  dich  gar  sere  geminnet  hat  und  der  da  minnet:  den  sont  wir  vesteklich 

und  stüteklich  minnen.  so  hant  wir  zwen  arm  da  mit  wir  sont  umb/977 

vahen  Got.  und  swenn  wir  in  alsus  krefteklich  begrifent,  so  sont  wir  in 

20  vast  haben,  daz  er  üns  nit  enphliehi;  won  swie  tvir  die  zwene  arm  ver- 
lierent,  so  enmugent  wir  Got  nit  gevahen.  da  von  flissent  üns  daz  wir  die 
vohrte  und  die  minne  habent!  won  hetti  ain  mentsch  alle  tugend  An  die 
minne,  dar  umb  wurde  im  niemer  Ion,  sprichet  sant  Paulus. 

2.  daz  fehlt  A.  sant  P.J  der  groze  . fln  der  cdile  bredier  s.  P.  de  git  mir  ainen  trost  G. 

3.  ich  niemir  des  gedenkin  G.  mfthte  begrifen]  geuan  mehti  . Wc  ist  abir  de  . daz  der  groz 

sant  Paulus  sprichit . Er  sprichit  G.  4.  spricht  er  fehlt  G.  5.  geuahin  G,  fehlt  A.  5 f.  mit 

hailigun  G.  7.  entwiche  G.  b.  dü  hailige  uorbt  an  vns  meren  G.  er  . mentsch e wc  G. 

9.  dem  nieman  mac  widir  »tan  . ün  dem  G.  vor  wir]  Sprichist  du  denne  herre  saut  Bern- 
hart  (Paulus  Z)  . de  got  ellü  dinc  offin  sint  . und  de  wir  niht  so  clainis  mugin  getün  . mit  ge- 
dnnkin  . mit  wortin  . mit  werkin  . cz  cnsie  im  alliz  gar  offin  . Da  (/.  Ja)  ez  ist  im  alliz  offin  . 
sprichit  der  edil  sant  Paulus  . Alliz  de  wir  ic  getatin  . de  ist  im  allis  offin  . un  endekkit  uor  gotis 
ougon  G.  so  fehlt  G.  10 f.  spricht  — üns  wol]  Ist  de  war  grozir  herre  sant  Paulus?  Da  (I.  Ja) 
gcwerliehe  ez  (ist  Z)  war  . intrüwan  mcntschc  so  ist  er  wol  zovürhtinne  . ain  gewalt  . dem  ellü 
dinc  offin  sint  . der  gwalt  mac  wol  die  uohrt  an  üns  G.  14.  daz  Och]  sprichit  sant  Bernbart . 
de  lere  üns  abir  . wie  G.  15.  daz  s.  Got]  Ich  spriche  abir  zedir  G.  denne  d' . der  g.  G. 

16.  der  groze  got  . d'  güte  got  G.  17.  und  — minnet  fehlt  G.  vesteklich]  süzecliche  G. 

19.  got  ünsimc  herein  G.  in]  got  G.  20.  won]  und  suln  vns  ulizon  der  hailigun  vorhte  . uü 
der  hailigun  minne  . wie  G.  wir  fehlt  4.  zwene  fehlt  G.  21.  wir  ünsir  got  G.  21.  da  von  — 
23  Paulus]  Flize  dich  liebir  mentsche  . de  du  got  uor  allen  dingin  liep  habest  . so  lebest  du  allezan 
intugindfc  . Swa  ouch  dü  gotis  liebi  . die  tuginde  niht  zühit  . die  uirderbint  schiere  . der  Ion  wir 
ouch  gemezzen  . nah  der  mlno  . Wan  hetti  ain  mentsche  alle  tuginde  anc  die  minne  . aide  alle 
minne  . anc  die  tuginde  . des  enpfienge  er  niem'  Ion  . Un  darnmbe  suln  wir  (uns  Z)  crefteliche 
kenn  . an  die  mlne  . so  Wirt  ellü  ünsir  nrbait  . ain  Ion  uon  der  minne  . ane  die  enmac  niht 
gütis  gesiu  G. 


4.  Eph.  4,  24  f 10.  Hehr.  4, 13.  22.  I.  Cor.  13,  lff. 


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42.  Dis  sprichit  s.  Aosliclo.  — 43.  Wie  and  war  umb  der  inentgeh  bihten  sol. 


135 


[42. ] Dis  sprichit  s.  Anshein. 

Sant  Anshelm  spriht:  'o  herre,  habe  ich  mir  min  künschi  it  benomen,  da 
mitte  enhab  ich  dir  nit  erschlagen  din  miltekait.  herre,  habe  ich  gesundet 
me  denne  mir  güt  si,  so  enist  aber  din  erbärmed  niht  minder  denne  dir  wol 
stände,  o herre,  han  ich  daz  getan  dar  umb  du  mich  mäht  vertaillen,  dar  5 
umb  hast  du  nüt  verlorn  da  mit  du  mich  mäht  behalten,  o süsser  Got,  ich 
fürht  dich  nit  als  ainen  rihter,  won  ich  waiss  wol  daz  du  erbarmhertzig 
bist;  ich  [97‘]  wil  entwichen  zü  dem  stüle  diner  erbürmde.  mir  seit  min 
hertze  ich  si  verlorn  umbe  min  sünde;  aber  din  erbärmde,  o herre,  über 
triffet  aller  weit  sünde’.  also  vil  sprichet  sant  Anshelm,  so  der  mentsch  io 
minr  ist  denne  Got,  also  vil  ist  sin  güti  merer  denn  des  mentschen  sünde. 


[43.]  Wie  und  war  umb  der  mentsch  bihten  sol. 

Rehtü  biht  sol  han  fünfzehen  ding,  spricht  ain  wiser  man.  si  sol  sin 

demütig,  daz  du  enhain  ding  sagest  durch  gastung.  si  sol  sin  rüwig  von 
hertzen,  daz  dir  laid  si  swaz  du  wider  Got  ie  getüt  si  sol  sin  beschaiden,  15 
daz  dich  der  bihter  wol  merke,  si  sol  sin  willig  von  frigem  willen  an  be- 
twungeschaft.  si  sol  sin  gantz,  daz  du  nüt  verewigest  wissentlich,  si  sol  sin 
schämig,  daz  du  dich  nüt  verdekest.  si  sol  sin  emtzig,  daz  du  dik  bildest, 
si  sol  sin  gewäre,  daz  du  weder  ze  vil  noch  ze  lüzel  sagest  und  luterlichen 
durh  [!)?*]  Got.  si  sol  sin  rügig,  daz  du  dich  allaine  und  nieman  andere  20 

Rehtiu  bihte  du  sol  vünfzehin  dinc  han,  sprichit  ain  wise  man  . si  sol  sin  demü- 
tecliche,  de  du  enhain  dinc  sagest  durh  gastunge;  rüwecliche  von  herzin;  beschniden- 
liche,  de  dich  der  bihter  wol  virstande;  touginliche,  de  nieman  din  herze  wizze  wan 
der  bihter;  willecliche  von  vrigem  willin  ane  betwunginschafte ; ganzeliche,  de  du  niht 
virswigest  wizzentliche ; mit  schäme,  ane  virdeekungo,  und  dike,  unde  die  warhait,  de  du  25 
wedir  ze  vil  noch  ze  lüzil  sagest,  und  luterlich  durh  Got  . in  laide  nieman  wan  dich 

1.  Überschrift  fehlt  GA  W,  sie  ist  Z entnommen.  GZW  beginnen  hier  einen  neuen  Abschnitt ; 
nicht  dagegen  A.  2.  Sanctus  Anshelmus  spichit  (sprichit  Z)  G.  it  fehlt  G.  4.  din'  G.  if.  wol 
Stande]  zimiliche  sie  6.  5.  o fehlt  G.  daz  fehlt  G.  6.  mit  du  fehlt  G.  7 f.  erbarmhertzig 

bist]  bist  ain  irbarmere  G.  9.  sünde  . und  de  mir  min  biize  niht  mflge  gehelfin  . übir  windin 
mine  sünde  . (o  Z)  herre  abir  G.  o herre  fehlt  G.  10.  allir  der  weit  G.  also  — so]  Ain 
hailige  sprichit  . 0 herre  de  ist  ain  groz  irbermde  . so  der  mentsche  erste  gedenkit  . de  er  bihton 
(behalten  Z\  welle  . so  uirgist  du  im  alle  sine  sündo  . So  sprichit  denne  sant  Anshelmus  . Alse 
uil  G.  11.  sünde  fehlt  A.  12.  Überschrift  fehlt  G,  Von  der  bihte  (rot)  Z.  17.  daz  fehlt  A. 

23.  bihte  G.  Zouginliche  G,  falsches  Initial. 

1.  Das  Stüde  Nr.  42  ist  eine  Zusammenstellung  von  Sprüchen  ähnlich  icie  Sr.  35,  und  bildet 
die  Einleitung  tum  folgenden  Beichtunterricht.  Es  findet  sich  in  G Bl.  23* ; Z Bl.  27’ ; W Bl.  30’ ; 
fehlt  Arundel  und  PhiU.  12.  Das  Stück  findet  sich  in  G Bl.  23‘,  dessen  Text  in  der  tu-eiten 
Spalte  wiedergegeben  ist;  damit  stimmt  Z im  allgemeinen  überein  (Z  Bl.  27’);  fehlt  in  den  anderen 
Handschriften.  — Vgl.  dazu  Schänbach,  Über  eine  Grazer  Hs.  lat.  deutscher  Predigten  S.  99  Nr.  102. 


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L 36 


43.  Wie  und  war  umb  der  mentsch  bihten  sol. 


rügest,  si  sol  sin  erlich,  daz  du  nit  unerlich  noch  schamlich  üt  sagest,  si 

sol  sin  gäbe,  daz  du  zehant  die  sünde  sagest  so  du  si  getüst.  si  sol  sin 

kurze,  daz  du  nit  mär  dar  inne  sagest,  si  sol  sin  bloss,  daz  du  sagest  wie 

und  wa  und  wenne  und  wie  dik  und  war  umbe.  si  sol  sin  rehtvertig,  daz 
5 du  dich  fürbas  vor  Sünden  wellest  hüten,  si  sol  sin  gehorsam,  daz  du  gern 
laisten  wollest  swaz  dir  din  bihtiger  für  din  sünde  setze. 

Bihte  sol  nieman  fristen  noch  uf  schlahen  von  fünf  Sachen,  dü  erst:  won 
der  tot  nahet,  und  enwaiss  nieman  wa,  wie  und  wenne  er  kumet  und  da 
von  sol  der  mentsch  sich  vor  mit  der  biht  beraiten:  so  der  tot  kome,  daz 

io  er  berait  si;  und  an  sweler  stette  er  kome,  daz  er  in  berait  vinde.  dü 

ander  [98“ J sach  ist:  won  üns  dü  schritt  ällü  dar  zü  manet  daz  wir  bihtent 
und  ünser  sünd  lüwent.  unser  lierre  sprichet  in  dem  ewangelio:  ‘gand  hin, 
ögent  üch  den  priestern !’  daz  ist  also  vil  gesprochen:  gant  hin  und  ogent 
mit  der  bihte  üwer  leben,  wie  ir  gelept  habent,  den  priestern.  sant  Jacob 
15  sprichet:  'bihtent  üwer  sünde,  durch  daz  daz  ir  behalten  werdent!’  her  Salo- 
mon  spricht:  'nit  sume  dich  an  diner  bekerde  zü  Gotte!’  der  wissag  Ysayas 

spricht:  ’enbinde  diner  sele  bande,  gevangner  mentsch!’  dü  dritt  sach  ist: 

nlluin  . bedecke  die  Bünde  niht  unde  wis  gehorsam  dem  bihter  unde  habe  güte  züvir- 

siht  . abir  solt  du  deime  haben  güte  züvirsiht,  so  du  last  die  sünde,  und  dir  laide  ist 

20  bwc  du  widir  Got  hast  getan,  und  willon  best  niemirme  ze  tu'nne  und  ze  laistenne,  swe 
dich  der  bihter  haizit. 

Bihte  solt  du  niht  vristen,  wan  diu  gwonhait  der  lange  übil  ist,  de  limet  zü  dem 
übilne,  und  ain  sünde  zühit  die  anderun  an  sich,  und  ist  der  tot  ungewiz,  unde  des 
siechtagin  angist  lat  den  mentsebin  niut  rüwe  han,  unde  ierrit  ouch  diu  schäme  de  der 
25  mcntsche  kume  bihton  mac  . unde  so  der  mentschc  viraltet  in  den  sündon,  so  kumit  er 
kurne  da  von;  unde  so  der  sünde  ie  me  ist,  so  o’ch  der  note  ie  me  wirt  hie  aide  nah 
disim  libe. 

Sanctus  Augustinus  sprichet:  ‘owe,  seligiu  sele  minü,  du  solt  alse  groz  minne  han 
zü  den  dingin  da  zü  du  geschaffin  bist,  und  also  groze  vohrte  de  du  ez  virliezest,  und 
30  also  grozin  jamir  de  du  ieze  da  niht  bist,  de  du  dich  niemer  gevrOwest  enhainis 
irtschin  dingis’  . er  sprichit  ouch:  ‘o  vil  hailigü  angesiht,  du  bist  ain  vollü  vflrc,  du 
bist  ain  obrestü  wolluste  unde  ain  vollekominü  vroide,  ain  girlichiz  antlüte  und  vroi- 
lichiu  girde*  . er  sprichit  ouch:  ‘iüwir  seien  hat  getürstit  nah  Got  dem  lebindin  brun- 
nen,  nu  hant  ir  begriffin,  nu  trinkint  als  vil  ir  wellent,  als  dike  ir  went,  iüch  ensol 
35  sin  niemir  me  gebrestin  unde  sol  iüch  doch  iemir  nah  dem  vollin  brunnin  dürstin;  ir 
sulnt  in  iemir  ewecliche  mit  tu'zir  girde  niezin  und  iüch  sin  allezan  minnecliche  lustin, 
und  sulnt  sin  alle  zit  sat  sin,  und  sol  iüch  iemir  hungerne  nah  Got,  der  der  engilon 
trank  ist  und  ir  ewigü  spise’. 


12.  ew  A.  21.  der  fehlt  G.  22.  Bihte)  Sihte  G,  falsches  Initial.  lange  Z,  fehlt  G. 
26.  kume  Z,  fehlt  G.  2h.  Anshelmus  Z. 


12.  Luc.  17, 14.  15.  Jac.  5, 16.  16.  Eccli.  5,  8.  17.  Isai.  52,  2. 


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43.  Wie  and  war  umb  der  mentsch  bihtcn  sol. 


137 


won  wir  in  schaden  ligent,  daz  ist  in  der  sele  tot  won  so  wir  ie  lenger 

ligent  in  den  Sünden,  so  es  umb  lins  ie  wirs  stat;  won  ain  sünde  zühet  die 

andern  an  sich,  und  so  der  mentsch  veraltet  in  den  Sünden,  so  kumet  er 
kume  der  von,  und  geliebet  im,  daz  er  si  kume  oder  niemer  gelassen  mag. 
dü  vierde  sach  ist  [98*]:  won  unser  pin  alle  die  wile  in  der  helle  wachset,  5 
die  wil  wir  in  den  Sünden  sint  und  schaident  wir  also  hinnan  von  dirr 
weit  ungebihtet,  und  wir  wol  möhtint  bihten,  so  sint  wir  eweklich  verlorn. 
und  so  der  Sünden  ie  me  ist,  so  öch  der  nöte  ie  me  wirt  hie  oder  nach 

disem  libe.  dü  fünfte  sach  ist  daz  üns  ünser  herre  so  gar  vergit,  so  wir 

luterlich  gebihtent,  als  wir  nie  sünde  getan  hettint.  ich  sprich  joch  me  daz  io 
er  üns  vergit  die  sünde  gar,  so  wir  joch  nument  gedenkent  ze  bihtenn,  und 
wir  des  willen  haben!  daz  wir  bihten  went.  also  spricht  der  wissag:  ‘ich 
sprach  daz  ich  bihten  wolte,  und  du,  herre,  vergibt  mir  min  sünde'. 

Dis  sint  die  Sachen  die  üns  dar  zü  raitzent  daz  wir  gern  bihtent  und 
die  biht  nit  fristent  15 


Ain  hailic  man  eprichit  von  der  gedultkait:  ‘gedultkait  diu  mazait  den  zorn,  ei  be- 
rihtit  de  herze,  ei  machot  den  nientechin  demiitich  und  8terkit  in  in  der  not;  und  eo 
eie  an  de  ende  kumit,  eo  enphnhit  si  den  ewigin  Ion 

So  sprichit  sant  Augustinus:  ‘vride  ist  ain  lutirkait  der  sinnen,  ain  senftkait  des 
mfitis,  ain  ainvaltkait  der  minne,  ain  bant  der  minne,  ain  geselleechaft  der  liebi  . si  be-  20 
nimit  kriec  und  Bchaidit  urlüge  und  etillit  zorn  . ei  trittit  die  hohevart  undir  eich  und 
hobit  demütekait  . si  geeellit  mizzebelle  und  fiigit  die  vinde  ze  liebe  und  ist  allen  den 
lüten  gevellic  . si  engert  niht  vrümedis  und  enbebebt  nibt  ainigis  . si  enkan  nibt  bobe- 
vertic  sin  . swer  eie  habe,  der  gebalte  sie;  ewer  in  virlorn  habe,  der  suoebe  in,  wan 
ew er  ane  vride  fundin  wirt  an  einem  ende,  der  wirt  virtailt  von  dem  vatir  und  von  dem  25 
sun  und  gesebaiden  von  dem  hailigin  gaiet'. 

Bo  sprichit  sant  Bernhart:  ‘wilt  du  die  maze  behaltin,  eo  stände  in  der  mitli,  wan 
dü  mitli  ist  ain  stfll  der  tugindon  . gast  du  uzir  der  mitli  undir  dich,  eo  vallist  du; 
gast  du  übir  dich,  eo  virierroet  du;  Stande  allewege  in  der  mitli,  de  ist  ain  tuginde  der 
maze  . ewenne  du  Uzir  der  maze  kumist,  eo  muz  ain  ielich  wiee  man  spreebin  de  du  30 
eiest  kommen  in  eilende  . darurobe  etand  allewege  in  der  mitli,  so  belibist  du  in  der 
maze’. 


20.  ainv.  der  minne]  a.  des  herzen  Z.  23.  ainigis]  eigenis  Z.  25.  swe  G.  27.  milti 
mit  nachträglich  übergetehriebmem  t i'or  1 G.  29.  in  der  Z,  fehlt  G.  31.  kofii  am  Ende 
der  Zeile  G. 


12.  Ft.  31,  5. 


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138 


44.  Von  der  Bele  beraitunge. 


[44.]  Ton  der  sele  beraitunge. 

(Dielte  filie  Syon,  ecce  rex  tuus  veniet  tibi.] 

Der  wissag  Ysayas  sprichefc:  ‘lieben  tohtra  von  Syon,  enpfach  dinen 
herren  [98*]  und  dinen  künig;  er  kumet  dir  ze  tröste,  din  behalter  und 
5 din  Got’. 

An  disen  Worten  sont  wir  drü  ding  merken. 

Daz  erst:  wer  der  si,  der  da  kumet.  daz  ist  der  minneklich  Gottes 
sun  von  hymelriche,  der  ain  küng  ist  über  alle  künig  und  ain  fürste 
aller  fürsten. 

io  Daz  ander  ist  wie  er  kumet  er  kunt  senfteklich  und  süsseklich  und 
tugentlich  alz  daz  tow  des  maigen.  also  minneklich  alz  daz  edel  tow  uff 
dem  böm  vallet  in  dem  blügenden  maigen,  also  vallet  ünser  herre  mit  siner 
gnade  in  die  sälgen  sele  und  machet  si  an  allen  tugenden  blügend  und 
fruhtend,  reht  alz  der  edel  böm  blüget  und  fruhtet  von  dem  towe  des 
15  maigen.  owi,  rainnü  sele,  enpfach  wirdeklich  und  löblich  daz  edel  götlich 
towe!  berait  dich  mit  tugenden,  daz  du  mit  minneklicher  andaht  Got  en- 
pfahest  in  dim  hainlichen  gebett  mit  siner  gnade,  und  fliss  [98*]  dich  daz 
du  an  allen  dingen  die  gnade  mit  tugenden  übest! 

Daz  dritte  ist  daz  du  merken  solt  wie  du  den  hymelschen  künig  enphahen 
20  solt.  du  solt  in  enphahen  als  er  ze  Jerusalem  enphangen  wart  an  dem 
palm  tage,  im  wurdent  dri  eren  erbotten:  sümlich  lute  zugent  dü  klaider  ab 
und  wurfent  si  an  den  weg,  da  ünser  herr  hin  riten  solt,  daz  er  dar  uf 
ritti;  sümlich  Iüt  nament  blümen  und  gras,  lob  und  este  und  wurfent  es  öch 
in  den  weg;  sümlich  lüte  sungent  im  nüwü  lob  engegen,  ze  glicher  wis  sol 
25  ain  ieglich  mentsch  und  ain  ieglichü  sälgü  sei  Got  enphahen. 


1.  Überschrift  fehlt  G,  vns'  h're  (rot)  Z,  am  Rande  von  zicciter  Hand  Sermo  XIII  H’.  2.  Der 

lat.  Text  fehlt  A.  3.  Der  — tohtra]  Vnsir  herro  sprichit  darb  des  wissagin  munt  esaiam  . Di- 
cito  filie  svou  . ecce  rex  tuus  ueniet  tibi  . Daz  sprichit  . Li  ehrt  tohtir  GZ  Hr.  6.  Nu  sunt  ir 
drü  dinc  merkin  an  den  wortin  G.  7.  Daz  erste  . de  du  inerkist . wer  G.  si]  ist  G.  8.  der 
ist  ain  k.  allir  k.  G.  9.  vüreten  . 0 we  der  kunccliche  got  der  kuinit  dir  G.  10.  ist  de  du 
nierkist  . wie  G.  11.  touginliclio  G.  edel)  minnecliche  vfl  kindische  G.  12.  dem  4,  den 
ediloe  G.  12  f.  sinir  gotlichun  g.  G.  13  f.  machet  — reht]  wirt  alle  dine  tuginde  fruhtbaer- 
lichcn  Mögende  . uon  dem  goUickun  to'we  G.  14.  und  fruhtet  fehlt  G.  15.  edel  fehlt  G. 

16.  tugenden]  rugintiiehim  vliz  G.  18.  dingen]  dinen  werkin  G.  'best  . die  du  in  gnade 
enpfahist  tverdienBt  IV)  G.  19.  dritte  G,  and'  A.  20.  in  fehlt  G.  21.  dü  klaider)  ir  gwant  G. 

24.  in]  an  G.  sümlich]  Etteliche  G.  im  — engegen!  engegin  im  ain  nüwiz  gesanc  G. 

25.  mcntsch  — s&lgü  fehlt  G. 


1.  Die  Predigt  findet  sich  in  6 Bl.  24h;  Z Bl.  28*;  W Bl.  74';  N Bl.  77*;  fehlt  in  H. 
Arundel,  Phill.  — Vgl.  die  lateinische  Predigt  Bertholds  in  Cod.  lat.  12520  Bl.  10*  der  Münchener 
Hof-  u.  Staatsbibliothek ; ein  ähnliches  deutsches  Stück  in  der  Hs.  St.  Georgen  38  Bl.  108  (Längin 
S.  9)  der  Karlsruher  Hof-  u.  Landesbibliothek.  — Gedruckt  aus  .4  mit  den  Lesearten  von  Z bei 
Wackemagel  S.  98.  2.  Isai.  62,  11.  11.  vgl.  oben  S.  71  Z.  33/f.;  S.  48  Z.  5ff.  21.  Matt. 

21,  8 ff.;  Joan.  12, 13  ff. 


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44.  Von  der  sele  beraitungc. 


139 


Zem  ersten  male  solt  du  dinü  ältü  klaider  ab  ziehen,  daz  sint  din  alten 
Sünde  und  untugende;  und  swaz  böser  und  süntlicher  sitten  an  dir  ist,  die 
solt  du  abe  lassen,  und  solt  dich  klaiden  [99*]  mit  nüwen  klaidem.  drier 
hand  klaid  solt  du  an  legen  engegen  disem  künig.  du  solt  dich  klaiden  mit 
rotem  sämit,  daz  ist  dü  götlich  minne,  an  die  niemer  kain  mentsche  üt  gütes  5 

oder  löbliches  getün  mag;  und  dar  umb  ist  es  wol  notdürftig,  sit  wir  nit 

gütes  ane  götlich  minne  getün  mugent.  du  solt  dich  och  klaiden  mit  wissem 
sämit,  daz  ist  rehtü  künschkait  an  lib  und  an  hertzen:  daz  ist  ain  klaid 
daz  Got  sere  minnet.  daz  dritte  klaid  daz  ist  ain  violvar  säniit,  daz  ist 
rehtü  demütkait  an  allen  werchen:  won  daz  ist  ain  tugent  die  Got  von  io 
hymelrich  uff  ertrich  zöch,  uff  der  er  rüwen  wil;  und  da  von  sol  sich 

dü  sele  mit  demütkait  klaiden  dü  da  wil  daz  Got  uff  ir  rüwen  sülle. 

Zu  dem  andern  male  solt  du  blümen  und  gras  und  ölebomes  zwiger  en- 
gegen dem  hymelschen  küng  sprai/3.9*/ten.  die  blümen  daz  sint  tugetlich 
gedäuk  und  tugentlichü  werch.  daz  gras  ist  stäte  und  süssü  girde  nach  15 

der  hymelschen  süssekait.  des  ölbomes  zwiger  ist  miltekait  und  senfte- 
kait,  die  du  dinen  brüdern  solt  ögen,  so  si  betrübet  sint,  daz  solt  du  in  mit 
milten,  mit  senften  und  mit  süssen  Worten  minneklichen  benemen.  so  gist  Au 
ünsrem  herren  des  ölbomes  zwiger,  swenn  du  im  sin  gemaheln  gütlichen 
tröstest  20 

Zu  dem  dritten  male  solt  du  diseu  küng  enpfahen  mit  aim  nüwen  lob, 
daz  ist  daz  du  in  solt  loben  mit  singenn  und  mit  lesenn.  und  solt  daz  alz 
frölich  tun  alle  tag  daz  Got  da  von  gelobet  werde;  und  sin  lob  sol  dir  also 
süsse  sin  daz  es  dim  hertzen  und  diner  sele  ain  vröde  und  ain  wunne  si, 
und  sol  dir  ze  allen  ziten  nüw  sin.  owe,  sälgü  sei,  lob  dinen  minneklichen  25 
schepher,  gedenk  an  die  mänigvalten  gnade  die  er  dir  hat  getan  und  noch 
[99’]  wil  tün,  und  loben  iemer  mere!  Got  loben  und  Got  dienen,  daz  ist 


1.  Da  solt  zemerst  dinü  a.  cl.  nemiu  . uü  solt  sü  ab  ziehin  G.  din  alten]  alt  G. 

3.  du  alle  abe  G.  5.  »Arnitj  sannidc  . ufl  mit  wizem  . un  mit  uioluarwem  . Der  rot  stemide  G. 

üt]  niht  G.  6.  oder]  noch  G.  und  fehlt  G.  es)  üns  d clait  G.  6 f.  nit  — wissem] 

got  niemir  gesebin  tnugin  • wir  eusien  denne  beclaidit  mit  der  gotlichun  minne  . Daz  andir  clait 
de  ist  der  wize  G.  8.  rehtü]  ganzü  G.  9.  got  wol  geuallit  . ufi  de  got  G.  klaid  fehlt  G. 

10.  allen  dinen  w.  G.  won  — tugent]  vH  gedenke  daran  . de  demütckait  ain  tuginde  ist  G. 

11.  zoch  . Demütckait  ist  ain  tuginde  . uf  der  ünsir  herre  r.  G.  und  da  von]  Also  G. 

12.  mit  demütkait]  gerne  G.  da  wil]  welle  G.  uff  — sülle]  bio  ir  rüwo  G.  13.  Zü  — solt] 
Daz  andir  de  du  solt  tün  engegin  des  grozin  künegis  zükunftc  . de  G.  14.  dem  h.  küng]  im 
solt  G.  die  — sint]  de  sint  die  blümen  die  du  im  solt  spraitin  . Daz  sint  dise  G.  15.  graz 
de  ist  G.  16  f.  ist  — brüdem]  de  ist  de  du  dinen  swesteron  (deinem  prüder  W)  aliezan  milt- 
kait  . ufi  senftekait  GZ.  17.  solt  du]  solt  G.  17  f.  mit  milten  fehlt  G.  18.  senftem  A. 
benem  . uii  solt  ir  din  herze  uf  tün  . mit  miltekait  . so  GZ IV.  du]  dv  A.  19.  herren]  herzin 

fälschlich  G.  21.  Zü  — disen]  Du  solt  ouch  den  himilscbin  G.  lobo  . als  er  zehierl’m  en- 
pfangin  wart  . an  dem  balmctagc  . De  nüwe  lop  G.  22 f alse  hizceclichen  . un  also  uroi- 
licbin  G.  23.  alle  tag  fehlt  G.  27.  loben]  lobe  in  G. 


1.  vgl.  oben  S.  45  Z.  lf. 


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140 


44.  Von  der  scle  beraitunge. 


daz  wunneklichost  leben  daz  ie  wart,  nu,  tugenthaftü  sei,  lob  den  wunnek- 
liclien  Got  mit  hertzen  und  mit  munde!  lob  in  von  aller  diner  kraft!  da 

dir  an  lob  gebreste,  daz  du  sin  lob  nach  sinem  werde  nit  volle  gerechnen 

mugest  und  nach  diner  sei  girde,  da  bevilch  sin  lob  für  dich  den  brinnen- 
5 den  seraphin,  und  bitte  si  und  alles  hymelsch  her  mit  hertzlicher  girde  daz 
sü  den  gegenwärtigen  Got,  der  ir  herre  und  ir  künig  ist,  für  dich  lobent, 
und  daz  si  in  für  dich  bittent  daz  du  zü  der  geselleschaft  körnest,  daz  du 
in  denne  iin  ende  werdest  lobend,  amen. 

145.]  Von  der  waren  minne. 

io  Dü  minne  ist,  sprichet  Prosper,  alz  mich  dunket,  guter  wille,  der  gesckai- 
den  ist  von  allen  irdenschen  dingen  und  zü  Got  gefüget  ist  ane  schidung 
und  gezimbert  mit  dem  füre  [99d]  des  hailgen  gaistes.  gut  wille  ist  also  daz 
din  wille  gefüget  si  von  allen  den  dingen  dü  dich  Got  unhainlick  machent, 
daz  ist  dü  weit  und  Allti  ir  gezierde  und  ir  gespenste:  daz  flühet  alles  dü 
u wäre  minne  des  güten  willen,  Allü  unsuberkait  ist  von  ir  geschaiden.  schi- 
dung zwüschent  Got  und  dem  mentschen  enwil  si  nit  wissen,  enhain  unstäte- 

Prosper  sprichit:  dü  minne  ist  alse  mich  dunkit  gfitir  wille,  der  geschaidin  ist  von 

allen  irtschen  dingin  diu  gegimvertlc  sint,  und  ze  gote  gefügit  ane  schidunge,  und  ge- 

zimbirt  mit  dem  vüre  des  hniligin  gaistis,  von  dem  sie  ist  und  an  den  sie  eich  dennit 

30  virbrfigittü  . güte  wille  der  ist  also  de  din  wille  gefügit  sie  von  allen  den  dingin  diu 
dich  und  got  hainlicho  machont  . der  scbOue  glanz  dirre  weit,  der  ist  im  niht;  der  süzi 
dirre  weit  cnpfindit  er  niht;  der  untrüwon  dirre  weit  enpfligit  er  niht;  jamir  zirgandichir 
dinge  des  enhat  er  niht  . gar  und  gerne  tünde  des  hniligin  gaistis  rat,  de  ist  gar  der 
minne  wille,  von  dem  si  kumit,  in  dem  si  rüwet,  ane  den  onmac  enhain  dinc  gflt  sin  . 
25  ellü  unsubirkait  ist  von  ir  geschaiden ; schidunge  entzwüschon  Got  und  ir  wil  sie 
wizzen  niht  . sie  enwil  niht  sin  in  den  dingin  diu  da  haizint  unsuverkait  der  weit  . si 
enwil  ouch  niht  de  siu  ir  also  nahe  sie  de  sie  müge  gedenkin  wie  dü  schidunge  sül 
sin;  ellü  wandilungo  und  unstetekait  der  icelt  wil  sie  niht  wizzin  . allü  diu  ding  dü 

1.  nu]  0 wo  G.  2.  dinir  girde  crafth  G.  3.  gerechnen]  rockin  G.  6.  der  ir  künlc  . ufi 

ir  horro  ist  G.  dich  fehlt  A.  7.  du  schier  zu  G.  7 f.  körnest  — aincn]  komest  . da  du  in 

iem  werfest  lobende  . mit  allen  himilschcn  tuginden  . ufi  da  du  dich  wirst  urAwende  mit  siuir 
gotlichnn  angesiht  G;  Z fügt  noch  bei:  Des  helfe  vns  got  . am , IV  dagegen  nach  angeaiht:  vnd 
mit  allen  den  dev  er  zft  der  ymmerwerender  vraflde  geladen  hat . daz  ist  dev  hündische  vraflde . 
wann  daz  mag  wol  der  himcUsche  vraüdc  sein  wa  tusont  iar  sint  alz  ein  tage  . der  gester  ver- 
gangen ist.  9.  Überschrift  fehlt  GZ,  IV  «m  Rande  eo«  zweiter  Hand  De  caritatc.  10.  Prosper 
sprichit  . Dv  minne  ist  so  beginnt  GZW.  13,  gefüget]  geschaiden  oder  gefrigetf  (Rocthc). 

18.  irtschen  fehlt  W.  diu  g.  sint)  deu  irdische  sint  IV.  18  f.  gezimbert  — des)  zfi  dem  IV. 

20.  «ier  der  G.  zu  gefügit  vgl.  Z.  13.  21.  I.  dich  got  unbainlichc  mit  A.  22.  zirgandichir] 

zfl  ergänchleicher  TV.  23.  ist  fehlt  TV.  25.  unsubirkait  ist]  vnser  werebe  sind  IV.  27  f.  sül 
sin]  mflg  gesein  TV.  2S.  weit  w.  sie  fehlt  G. 

9.  Das  StiicJc  findet  sich  in  G Bl.  25k,  dessen  Text  in  der  zweiten  Spalte  mitgeteilt  ist;  damit 
stimmt  überein:  Z Bl.  29",  TV  Bl.  IS;  fehlt  Arundel,  Phill. 


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45.  Von  der  waren  minne.  141 

kait  wil  si  öch  nüt  wissen,  über  alle  flaischlich  minne  ist  si  boh  uf  er- 
haben, der  weite  minne  ist  ir  widerzäme.  du  minne  in  der  daz  flaisch  ist 
erzogen,  dü  gebürt  alles  an,  und  ist  ir  gebürte  unnütz,  won  si  ist  zü  flaisch- 
lichen  dingen  genaiget.  dü  minne  ist  st At  und  hat  witen  begriffen  und  ist 
kreftig  und  hat  fünf  küngrich  under  sich  gedruket:  daz  ist  der  mund,  dü  5 
ogen,  dü  oren,  die  hende,  die  fiisse;  die  nüwren  ällü  zit  Gottes  [100a]  zorn. 
dü  minne  ist  ain  hail  des  frides,  die  kraft  des  tüvels  hat  si  überwunden, 
si  betwinget  den  der  hymel  und  ertrich  geschaffen  hat  und  des  alles  gewaltig 
ist  und  hymelrich  und  ertrich  begrifen  hat,  den  betwinget  si  daz  er  sich 
müss  erbarmen  über  des  mentschen  missetat.  dn  mäht  och  minne  han  die  io 
Got  nit  vertribet,  und  die  ratet  und  haisset  und  spricht:  wilt  du  nieman  wol 

tön,  so  tü  doch  dem  wol  der  dir  wol  tüt,  und  minne  den  der  Got  aller 

stäteklichost  liep  hat  du  minne  och  den  der  dich  und  die  drivaltekait  ver- 

sünnen  sol,  der  dich  von  den  Sünden  wisen  sol,  der  dich  den  rehten  weg 

laiten  sol,  der  dich  zu  Gotte  füren  sol,  der  dem  tüvel  sine  kraft  an  dir  be-  15 
nemen  sol.  dü  minne  ist  ällü  zit  girig  gütliches  contemplierens,  daz  si  die 

man  hnrin  aide  sehin  mac,  gesmekin  aide  gerürne,  diu  eint  vor  ir  ougin  als  ainir  zir- 
ganginre  tac;  übir  alle  minne  diu  vlaischliche  ist,  so  ist  sie  hohe  uf  irhebit  . der  weit 
minne  ist  ir  gar  ungebüre  . dü  minne  in  der  daz  vlaische  wirt  mögen , diu  gebirt  allo- 
zan,  und  ir  gebürt  ist  unnücze;  wan  sie  ist  genaigit  zü  den  dingin  dü  da  haizint  vlaisch-  20 
lihiu  minne  . dü  minne  ist  starke  und  het  wit  bevangin,  und  ir  craft  hat  fünf  kunic- 
richo  undir  sich  gedruckit  ze tonne  des  libis  gelüste:  daz  ist  der  munt,  dü  orin,  dü 
ougin,  die  hende  und  die  vüze;  die  nüwint  allezan  Göttis  zorn  . wir  enmugin  Gotis 
minne  niht  gewinnen  mit  des  libis  wollust  . dü  minne  ist  ain  hail  des  vrides;  die  craft 
des  libis  und  der  weit  und  des  tievils  hat  sie  überwndin  . sie  ist  ain  ende  des  himil-  25 
schin  gebottis  . si  betwingit  den  der  allez  himilriche  und  ertriche  gescbaffin  hat;  und 
der  alliz  dez  gewaltic  ist,  de  himilriche  und  ertriche  begriffin  hat,  den  betwingit  sie  de 
er  sich  mflz  irbarmen  übir  sich  und  übir  des  mentschin  missetat  . si  ist  dü  oberostiu 
Gotis  minne  . du  mäht  ouch  minne  han  die  Got  niht  virbütit  und  die  er  ratit  und 
haizit  und  sprichit:  wilt  du  niemanne  wol  tfin , so  tfi  den  wol  der  ouch  dir  wol  tüie,  30 
und  minne  den  der  güte  bilde  trage:  dü  minne  ist  bezzir  . minne  die  die  Got  allir 
liepste  die  steti  hant:  dü  minne  ist  noch  bezzir  . minne  den  den  dir  Got  gegebin  hat 
zeminnone  und  zeainem  suenere,  der  dich  und  die  drivaltekait  virsünen  sol,  der  dich 
von  allen  sündon  wisin  sol,  der  dich  den  rehtin  wec  lerne  sol,  der  din  stap  wesin  sol, 
der  dine  craft  irkichen  sol,  der  dich  zeGot  fügin  sol,  der  dem  tievil  sine  crafth  an  dir  35 
benemin  sol:  dü  minne  ist  vil  bezzir  . allir  nücziste,  allir  sichirlichist  ist  dü  oberost 
gotlichü  minne  und  ist  allezan  gerik  gotlichiz  contemplierinis , de  sie  die  süzun  süzekait 


3.  gebürt  — gebirt.  19.  uf  irhebit]  erhaben  TV.  19.  inso  am  Ende  der  Zeile  G. 
19/'.  allezan]  allez  ab  TV.  23.  allo  sampto  TV.  24.  hail]  tayl  H".  28.  allez  fehlt  TV. 

31.  nach  der]  dich  lieb  hat  vnd  der  di'r  auch  TV. 


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142 


45.  Von  der  waren  minne. 


süssen  sftssekait  werde  erkennend:  des  hymelsclien  [100*]  vatters  gewalt,  sins 
lieben  suns  wissliait  und  des  hailgen  gaistes  senftmütkait,  wie  Got  da  ze 

hymelriche  ir  aller  minner  si,  wie  er  in  allen  da  gemain  sL  si  ist  ob  allen 

dingen,  si  ist  Got  selbe,  und  der  in  der  minne  wonet,  der  wonet  in  Gotte 

5 und  Got  in  im,  sprächet  sant  Johans.  swaz  du  minne  tüt,  daz  tüt  Got; 

und  daz  Got  tfit,  daz  tüt  du  minne.  si  ist  ain  tot  der  Sünden:  kain  sünt- 

lich  ding  an  Worten,  werchen  oder  an  gedenken  mag  bi  ir  lebend  sin.  si 

ist  ain  leben  der  tugend:  alle  tugend  werdent  von  ir  gespiset,  alle  tugend 
wachsen t von  ir  und  werdent  von  ir  gesterket  und  erhöhet,  alle  tugend  sint 

io  von  ir  gezieret.  si  ist  ain  ge w Affen  der  hailgen  hertzen:  dem  si  striten 

hälfet,  der  gesiget  und  mag  im  nüt  geschaden.  si  ist  ain  sache  aller  wirde- 
kait.  si  ist  fruhtbär  an  den  rüwenden,  won  si  git  trost  in  der  rüwe,  nnd 

nach  dem  tröste  git  si  gelüst  ze  güten  werchen.  [100*]  si  ist  frö  an  den 

werde  irkennende,  de  eie  irkennende  werde  des  himilechiu  vattirs  gwalt,  sinis  licbin 
15  euns  wishait  und  des  hailigin  gaistis  miltekait,  des  hailigin  gaistis  senftekait,  des  hailigin 
gaistis  süzekait;  wie  die  drie  persone  mit  ain  anderen  werkent,  wie  dü  wandilunge  in 
himilriche  sie,  wie  erberliche  diu  geselleschafte  ze  himilriche  sie,  wie  umbetrübesalliche  ir 
lebin  sie,  wie  er  ir  allir  minner  sie,  wie  er  in  allen  gemaine  sie  . sie  ist  ob  allen 
dingin  und  ir  werke  ob  allen  werkin,  sie  ist  got  selbe;  und  der  in  der  minne  wonet, 

20  der  wonet  in  Got,  und  wonet  Got  in  im  . swe  diu  minne  tüt,  de  tfit  Got;  de  Got  tfit, 

de  tfit  du  minne  . sie  ist  ain  tot  der  sündon , wan  dekain  süntliche  dink  an  wortin,  an 
werkin,  nn  gedenkin  mac  niht  bie  ir  lebinde  sin  . sie  ist  ain  lebin  der  tuginde:  alle 
tuginde  werdint  von  ir  gespisit,  alle  tuginde  wahsint  von  ir,  alle  tuginde  werdint  von 
ir  gesterkit  und  werdint  von  ir  irhöhit,  alle  tuginde  werdint  von  ir  geziert,  und  sie  ist 
25  allen  tuginden  saelic/ic  . sie  ist  ain  tuginde  den  vehtendin : wan  swor  wol  vehlin  wil, 

der  sol  die  minne  kan,  so  vihtit  er  tugintliche  . sie  ist  ain  crone  in  den  signüftrerin: 

nieman  wol  gesigin  mac,  wan  den  du  minne  bilfit  striten  . sie  ist  ain  gewefin  der 
bailigen  herzin : diu  hailigin  herzin  dfi  mit  der  minne  gewefint  sint,  den  enmac  nüt  zü 
komin,  enhnin  übil  de  sü  virwndon  müge  . sie  ist  ain  sache  allir  wirdekait:  ad  hi  dü 
30  wirdekait  dü  nn  allen  dingin  ist,  da  dü  minne  niht  enist,  de  ist  reht  als  ein  brunne 
der  ainen  bösin  grünt  het,  und  alse  ain  burc  ane  turn  und  alse  ain  künic  der  nihtia 
gwalt  hat  . sie  ist  fruhtbsere  an  der  rüwe:  wan  so  dü  rüwe  kumit,  so  ist  sie  bereit 
mit  dem  tröste;  nah  dem  tröste  git  sie  gelüste  gfitir  werke  . sie  ist  vro  in  den  zfi 
leginden : sie  git  vroide  den  die  gfltü  werk  tönt,  unde  machot  siu  willecliche  zfi  leginde  . 

35  sie  ist  ain  signenüftferin  an  den  martererne:  alle  die  martir  dü  dich  ane  gnt  von  der 

1.  su'ssckait  l.  drivaltekait  ? 3.  if  A.  5.  Johäs  A.  10.  si  fehlt  A.  14.  tujcA 

vattirs)  tugend  vnd  4V.  Minis,  falsches  Initial  G.  20.  de  (iot)  waz  got  TV.  22.  ir  le- 
binde] brom  lewen  TV.  23  f.  von  ir  gest.  — tug.  werdint  fehlt  TV.  25.  saelichic  mit  spater 
eingefugtem  I über  c G,  sa'liehait  TV.  27.  den  G,  der  dem  TV.  32.  an  gewalt  TV.  33  f.  zfi 
leginden)  den  si  sol  zfi  legen  TV.  35.  si'ghaberinnc  /V. 

5.  I.  Joan.  4, 16. 


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45.  Von  der  waren  minne. 


143 


zu  legenden,  si  ist  ain  signuft  in  den  martren.  si  ist  och  ain  Ion  in  den 
volkomnen,  an  die  nie  mentsche  Got  wol  geviel.  mit  ir  nieman  gesunden 
mag;  si  git  genüg  mit  ir  ze  tünne.  si  git  stAtekait  der  tugend,  ewiges  lebe«, 
ewig  sülikait,  ewig  vröde,  rihtüm  äne  gebresten,  minneklich  gesell eschaft.  si 
ist  ain  wercherin  in  den  globegen.  si  git  in  ze  lobenn  da  von  Got  gerümet  5 
und  geeret  wirt  in  ertrich  und  in  hymelrich.  si  git  dar  nah  ze  tünne  da 
von  si  Gotte  aller  liebest  sint. 

Nu  mentsch,  tü  daz  dir  du  minne  rate,  tfi  daz  dich  du  minne  lere; 
won  alles  daz  gut  ist  an  aim  ieglichen,  d.az  lebet  von  der  minne.  Got  ist 
selber  du  minne;  waz  möhti  denn  besser  sin?  liabent  die  rehten  minne,  so  io 
mngent  ir  Gottes  gewaltig  sin! 


[46.]  Von  des  mentscben  gllchung. 

Unser  herre  geschüf  den  mentschen  dar  zü  daz  daz  hymel/20Od/rich  mit 
im  erfüllet  werde,  da  der  engel  gebrosten  wäre,  und  enw&rent  och  die  engel 

kestegunge  des  tüvils,  von  der  kranchait  des  vlaischis  und  von  allen  den  dingin  dü  15 
dinem  herze  widir  wertic  sint,  die  wil  sie  mit  gewalt  virtribin  . sie  ist  ouch  ain  Ion  der 
vollekomeni:  ane  die  minne  nie  nieman  Got  wol  geviel ; mit  ir  nieman  gesündon  mac  . 
sie  git  inen  sich  mit  ir  ze  tünne  swc  sie  wen  . dar  nahe  git  sie  stetikait  der  tuginde, 
ewigiz  lebin,  ewige  selkait,  ewige  vröde,  rihtüme  ane  brestin,  minnecliche  geselleschaft, 
da  niht  criegis  wesin  mac  . truren  ist  ir  gar  virsagit,  stetecliche  minne  si  habint,  von  20 
der  minne  nieman  andirs  sagit  wan  selde,  ere  unde  allis  gilt  . arh  mich,  minneclichir 
herre  Got,  wie  gar  du  ir  allir  willin  tust!  du  hast  ir  bant  zirbrochin,  sü  lebent  in 
wannen  swie  sü  lustit;  wan  sü  habeten  6,  da  von  sint  siu  geziert  vil  und  me  mit 
mtcnegirhande  wirdekait  . der  lebinde  sunne  het  sü  beclaidit,  von  dem  daz  ewige  liehte 
gat,  von  dem  sü  alle  wisbait  bant  . ir  lebin  ist  in  der  ewigun  gothait;  vlize  dich  von  25 
allim  dinim  herzin  de  du  gedenkest  so  du  beste  mäht,  und  de  du  tflest  swc  dü  gfttis 
mäht  . mit  den  dingin  mac  nieman  gesünden  . sie  ist  ouch  ain  werkerin  in  den 
gloubigen:  sie  git  inen  ze  gloubinne  da  von  Got  gerümit  und  geeret  wirt  in  ertriche 
und  in  himilriche  . dar  nahe  git  sie  ze  tünne  da  von  sie  Got  allir  liebeste  sint  . gloube 
de  dich  dü  minne  lere,  tü  de  dir  dü  minne  rate;  wan  allis  de  Gotis  ist  an  dem  SO 
mentechin,  de  lebet  von  der  minne  . Got  ist  selbe  diu  minne,  waz  mehte  bezzirs  sin? 
habent  rehtun  minne,  so  mugint  ir  Gotis  gewaltic  wesin  ! 

3.  leben»  A.  12.  Überschrift  fehlt  G W,  Dis  sp'chit  vns'  h're  (rot)  Z,  Des  »undagee  als 
mit  alia  »echt  in  septuage  (rot)  Phill.  14.  im]  den  mentsebon  G.  nach  wäre]  da  ez  niht 
gar  irfüllit  wc  . daz  solt  mit  den  mentschon  iruollot  werdin  G.  IS.  sie  wen]  man  wil  W. 

23.  wnnen  G.  27.  ouch  fehlt  11’.  30.  Dä,  falsches  Initial  G. 


12.  Das  Stück  findet  sich  in  G Bl.  26c;  Z Bl.  31h;  (V  Bl.  16r;  Phill.  Bl.  132’:  darnach  ge- 
druckt bei  Priebsch,  Deutsche  Handschriften  in  England  I S.  227.  — Der  Traktat  zerfallt  in  zwei 
Teile,  dessen  zweiter  Teil  eine  ähnliche  Spruchsammlung  bildet  wie  oben  Nr.  35.  42  und  der  zweite 
Teil  von  Nr.  43  (8. 136  Z.  28  f.)  in  der  Fassung  t on  G.  20—25.  Man  beachte  die  Reime! 


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141 


46.  Von  des  mentschen  glichung. 


nit  gevallen,  so  hatt  unser  herre  also  gedaht  daz  er  mit  den  mentschen 
wolte  den  hymel  erfüllet  han.  nu  gefür  es  also  daz  die  engel  ge  violent,  und 
geriet  och  do  den  mentschen  daz  öch  der  geviel  und  Got  ungehorsam 
wart  und  verlor  die  tugent  da  mit  er  sich  Gotte  und  den  engein  glichen 
5 solte,  und  verböset  sin  rain  nature,  daz  si  unrain  wart,  swer  nu  wider  wil 
komen  zü  der  ere  uud  zil  der  wirdekait  die  unser  müter  verlorn  hat,  der 
müss  mit  sehs  dingen  wider  komen.  der  mentscli  viel  mit  zwain  dingen  in 
dem  paradyse;  nu  muzen  wir  ouch  wider  komen  mit  zwain  dingen,  daz  du 
nature  ir  kraft  wider  gewunne.  der  mentsche  viel  an  dem  gelüste  und  an 
io  höft'art.  nu  sont  wir  da  wider  allen  bösen  gelüsten  wider  stan  tugentlich. 
wir  sont  üns  och  verdruken  mit  der  [ 101° ] demütkait.  der  mentsch  muss 
öch  sich  den  engein  glichen  an  zwain  dingen,  wil  er  wider  komen.  daz  erst 
ist  daz  du  allen  den  vergebist  die  dir  ie  laid  getatent,  und  luterlich  ir 
frönt  sigist,  daz  ander  ist  daz  du  in  öch  dienest,  als  och  dir  der  engel  ze 
u allen  ziten  tfit.  der  mentsch  müss  sich  och  glichen  dem  güten  Got  an  zwain 
dingen,  e er  wider  komen  muge  zü  siner  wirdekait.  daz  erst  ist  rehtü  ge- 
horsami:  dar  an  sol  sich  der  mentsch  bilden  nach  Unsrem  herren;  won  er 
waz  untz  an  den  tot  sinem  vatter  gehorsam,  daz  ander  ist  der  gehorsami 
stätekait,  daz  üns  nüt  der  von  geschaiden  muge.  dis  sint  dü  sechs  ding  da 
20  mit  wir  wider  komen  sont  zü  der  ere  die  wir  da  mit  der  ersten  sünde 
verlurent. 

Sant  Augustinus  sprichet:  'o  süssü  sele  min,  sag  mir:  waz  ist  daz  süsse 
daz  mich  da  under  wilent  fl 01b]  so  vast  rnret  daz  ich  gar  von  mir  selben 
kum?  schier  wird  ich  verwandelt,  und  beginnet  mir  wol  ze  sinne,  daz  ich 
25  nieman  da  von  gesagen  kan  wraz  oder  wie  mir  ist.  o s&lgti  sele,  sag  mir: 

ist  es  der  den  ich  da  minne?  ach,  vil  salgü  sei  min,  sag  mir:  ist  es  min 

liep?  so  er  aber  denn  verholn  kunt,  daz  ich  in  denn  vahe  und  ich  in  nit 

also  lasse  varen,  er  müssi  mir  ain  phant  lassen  siner  guti,  daz  er  schiere 

her  wider  kome  und  daz  er  denne  alle  zit  bi  mir  blibe’.  er  sprichet  och: 
so  ro  herre,  min  Got,  min  züversiht  und  ain  vröde  mins  hertzen,  sag  mir  ob 


1.  hat  02  finsir  ß.  3.  gerietj  verriet  Z,  uirrietin  ß.  4.  dem  engil  G.  5.  solte 
fehlt  fälschlich  G.  7.  viel  mit]  uicl  an  G.  7 f.  in  — dingen  fehlt  A.  10.  da  wider]  der 
nature  ir  kraft  widir  gewinnen  . ufl  suln  G.  tugintliche  und  rainciichc  G.  11.  wir  — och] 
Daz  andir  ist  . de  wir  (ins  sulne  G.  dcmu'tekait . alse  er  sich  irhabin  hat  . mit  hoheuart . mit 
den  zwain  dingin  . sol  der  mentsche  der  nature  ir  craft  widir  gewinne  G.  12.  de  engil  G. 

komin  zü  der  ere  . die  er  mit  der  ersten  sünde  uirlore  G.  13.  ist]  daran  du  dich  dem  engil 
glichin  solt . de  ist  G.  ie  dehain  lait  G.  13  f.  un  solt  I.  ir  fr.  sin  G.  14.  dienen  solt  G. 

15.  tüt]  dienot  G.  16.  ist  dü  rehtü  G.  18.  untz  — 20  sont]  sinim  uatt'  gehorsame  . und 
kam  uon  dem  himilriche  uf  de  ertliche  . und  wc  gehorsam  unz  an  den  tot  . An  den  (dison  Z\ 
sehs  dingin  sol  der  mentsche  widir  komen  ß.  20.  da  fehlt  G.  21.  hain  uirlome  G. 

23.  mich  daj  an  sinir  gchtigido  mich  G.  23  f.  so  — kum]  wonot  ze  rminne  . alse  nastc  . und 

also  süzecliche  . de  ich  beginno  gar  werdin  uon  mir  selbun  G.  24.  vor  und]  schier  kume  ich 
abir  widir  G.  also  wol  ß.  25.  o sa'lgü)  0 we  ß.  26.  ist  es  min]  ob  ez  sie  min  ß. 

27.  aber  denn!  abir  ß.  28.  lazo  uon  mir  v.  ß.  30.  ain  fehlt  G.  mir  liebir  herre  ob  ß. 


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46.  Von  der  mentschen  güchung. 


145 


daz  du  vröd  si  von  der  du  sprichst : “bittent,  ir  sont  gewert  werden,  daz 
üwer  vröde  werdi  vol”,  nu  riht  uf,  sei  min,  all  din  kunst,  und  gedenk,  also 
du  malit,  wie  gut,  wie  süsse  daz  güt  si  von  dem  üllü  snssi  flösset,  daz  ist 
daz  obrost  güt  und  daz  geblümte  güt,  daz  ist  der  minneklich  Got.  an  dem 
vindest  du  alles  güt,  all  vröd,  [101']  alle  süssekait,  wron  er  ist  dii  gantze  5 
sillikait.  da  vindest  du  alles  daz  du  ie  gertest,  daz  du  ie  minnetest,  dar 
umb  vahest  du  in  mit  BÜsser  minne  und  mit  gantzer  girde  und  hebest  dich 
an  in  also  süsseklich  daz  er  niemer  von  dir  gewenket,  nnd  la  dir  wol  mit 
im  sin’,  von  der  hymelschen  vröde  spricht  er  öch:  ‘o  herre,  ällü  hymelschü 
vröde,  üllü  hymelschü  wunne  lit  an  dir,  du  bist  es  alles’,  ‘o ’,  spricht  sant  io 
Anshelm,  'du  sülgü  sei  hat  ünsern  lierren  in  hymelrich  nach  irem  willen  in 
aller  wolnust  und  nutzet  in  vrölich,  wie  ir  girde  gert.  und  alz  si  ain  leben 
hat  da  ze  lebenn  eweklich,  also  erkennet  si  Got  senfteklich’.  er  sprichet  öch: 

‘o  vil  minueklicher  anblik,  Got  sehen  in  im  selben  und  in  Got  sehen  den 
mentschen,  sin  nature,  und  Got  sehen  in  siner  sele  mit  sülger  vröde  und  15 
mit  vrölicher  sälikkait!  alles  hymelsch  gesind  I101d]  hat  vröde  an  ünsers 
herren  angesiht.  sin  antlüt  ist  schöne,  sin  red  ist  süsse;  er  ist  glustig  ze 
habenne  und  süss  ze  minnende  und  gevallet  wol  von  im  selben,  nihtes  nit 
süchent  usser  halb  im,  won  man  vindet  an  im  alles  des  man  gert!’  sant 
Beinhart  spricht:  ‘mentsche,  wilt  du  Got  hainlich  sin,  so  solt  du  gern  mit  20 
dem  herzen  aine  sin  und  üllü  ding  von  dim  hertzen  schaiden,  won  Got 
allaine.  wie  reht  nütz  daz  ist’,  sprichet  er,  'daz  hat  min  hertz  dik  w'ol 
befunden’,  so  sprichet  sant  Augustinus:  ‘mentsch,  wilt  du  wissen  war  umb 
du  Got  nit  krefteklich  minnest,  daz  ist  da  von  daz  du  nit  erkennest  wie 
vil  er  dir  ze  güt  hat  getan;  won  erkandist  du  daz  rekte,  du  minnetist  in  25 


t.  sprichist  nfi  bivtest  bie  (lern  hailigun  gaist  . Hin  . de  (da  Z)  er  sprichit  bittint  und  ir  G. 

2.  riht  dich  nf  8.  min  . riht  uf  a.  G.  also]  also  uil  G.  8.  w.  gut]  w.  gross  G.  4.  oberosto 
gut  . und  de  beste  gilt  . un  de  gcbl.  g.  G.  wnnecliche  G.  5.  ist  fehlt  G.  6.  alles  daz] 
a.  des  G.  7.  hebest]  hast  G.  8.  und]  nu  G.  9.  von  — 11  Anshelm]  Sanctus  Augo 
redet  non  der  himilscliun  uroide  . und  spriehit  . 0 herre  min  got  . ganziv  . himilschiv  selkait . du 
ratist  uil  haizstc  lins  ( darauf  Z:  das  wir  o'cb  dich  bitten  . vnd  geheizest  vnB)  . de  du  <ns  wel- 
lest gebin  . de  ünsir  uroide  uol  werde  . Owe  herre  nu  bitte  ich  dich  de  du  mir  gebest  . die  wil 
de  ich  die  uroide  niht  hon  gesmekit  . da  zehimilriche  . und  ich  niht  bin  algar  durh  ulozzin  . uon 
dinir  s&zekait  . und  ich  niht  gar  wnnecliche  zA  dir  bin  gefögit  . so  mAz  min  gemflte  daran  hfi- 
gin  . min  zunga  mflz  da  uon  reden  . min  herze  mAz  de  minnen  . mine  sele  mAz  danach  hun- 
girne  . minen  lip  mflz  danach  diirstin  . alliz  de  an  mir  ist  . de  mAz  girde  dar  nahe  han  . un 
alle  lallo  mine  aderen  Z)  mfizen  brinnen  nach  (von  Z)  minnen  . sllö  minii  begerunge  mflz  se- 
nungc  da  nach  han  . unzee  de  ich  besophit  w-irdc  inder  sfizekait  . Sant  Ansheimo  sprichit  G WZ. 

11  f.  in  aller]  mit  ganzir  G.  18.  hat  — lebenn]  da  het  z.  blibenne  G.  senfteclichc  . 
un  niwet  an  im  uroiliche  G.  14.  wnnecliehir  G.  14  f.  den  m.  sin]  din  G.  15.  dincr  G. 

16.  ingesinde  G.  18.  minnende  — wol]  niczinne  er  geuallit  G.  selben  . un  geuallit  durh 
sich  sclbun  G.  19.  an]  in  G.  19/',  So  spr.  s.  B.  G.  20.  mit  got  h.  sin  indinim  gebette 
ao  G.  21.  dem]  dinim  G.  22.  wol  fehlt  G.  25.  gar  uil  G.  in]  got  G. 


1.  Joan.  16,  23  f.  20.  vgl.  oben  8.  33  Z.  8. 

Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  X.  10 


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146 


46.  Von  der  mentschen  glichnng. 


von  allem  dim  herzen’,  so  sprichet  s&nt  Paulus:  ‘owi,  liebü  kint,  lobend 
und  minnent  Got  und  dienent  [102‘]  im  andähtklich  mit  grossem  flisse,  und 
merkent  waz  schaden  üch  da  von  kurnet  ob  ir  es  niht  tönt,  in  trüwen,  er 
nimet  üch  die  gnade  und  wisseget  üch  dar  umbe’.  so  sprichet  öch  sant 
5 Bernhart:  ‘owi,  minneklicher  Got,  du  hast  mir  vil  gütes  getan,  dar  umbe  ich 
dich  minnen  sol;  doch  wirt  mir  min  hertze  von  dekaim  dinge  so  sere  en- 
zündet  zü  diner  minne  so  da  von  daz  du  den  jamerlichen  tot  und  die  bitter- 
lichen marter  dur  mich  litte,  daz  du  mir  wider  gewunest  min  erbe’. 


[41 J Von  unser  vrowen  und  von  hallgem  leben. 

10  [Et  in  habitatione  sancta  coram  ipso  ministravi.] 

‘Ich  diente  vor  Gotte  in  der  hailgen  wonung  hailiges  lebens’,  sprichet 
ünser  vrowe  in  der  wisshait  büch. 

Und  sint  an  disen  Worten  drü  ding  ze  merkenn.  daz  erst:  daz  si  diente 
vor  Got.  daz  ander:  daz  si  daz  tet  in  der  hailgen  wonung.  daz  dritte: 
15  daz  si  waz  in  hailgem  lebenn. 

Daz  si  [102b]  sprichet:  ‘ich  diente  vor  Gotte’,  dar  an  sont  ir  merken  daz 
si  ze  allen  ziten  vor  Gotte  diente;  won  daz  si  sprach:  ‘vor  Gotte’,  daz  ist  also 
vil  gesprochen  das  si  ällü  irü  werch  tet  in  der  mainung  reht  alz  ob  si  vor 

Et  in  habitatione  sancta  coram  ipso  ministravi  . disiu  wort  sprichit  der  hailic  gaist 
20  von  ünsirre  vrown  sant  Marien,  reht«  als  sie  spreche:  'ich  diende  vor  Got  in  der  hai- 
ligun  wonunge  hailiginz  lebinz  ’. 

Nu  merkint  an  den  Worten  drü  dinc:  de  sie  diende  vor  Got  in  der  hailigun  wo- 
nunge . de  sie  sprichit:  'ich  diende  vor  Got’,  daran  sulnt  ir  virstan  de  sie  ze  allen 
zitin  vor  Got  diende;  wan  de  sie  sprach  ‘vor  Got’,  de  ist  also  vil  gesprochin  de  (ie 
25  sellü  irü  werke  mit  der  wirdekait  tet  und  in  der  mainunge  also  si  vor  Göttis  antlüte 


1.  lobent  got  G.  4.  nimit  am  Rand  G.  wissaget  A,  wizenot  G.  nach  umbe] 
Er  spri[cA>/]  ouch  . Ir  sulnt  ivwcm  lip  bindin  . unde  sulnt  in  reht  uahin  . de  ir  in  got  zedieniste 
bringest . Unsir  herrc  sprichit . Do  ich  gebomc  wart  do  viel  ich  in  arbait . ufl  inder  arbait  . blaibe 
ich  unz  an  mim-  tot  . de  ich  an  dem  erüze  mine  ende  nam  . So  sprichit  ain  hailic  man  . ez  en- 
wart  nie  debain  arbait  . noch  bittirkait  . noch  dehainir  slahte  pin  . des  der  gotis  sun  an  im  niht 
hetti  . uB  entet  de  niht  darumbu  . de  era  bedorfti  . er  tet  cz  allis  durhe  ünsirnc  willin  . de  er 
üns  losti  . uon  der  ewigun  not  . und  ouch  darumbc  . de  er  die  bittirkait  der  arbait  uirsuhti  (ver- 
smcbti  Z)  . de  er  üns  deste  baz  mebti  gloubin  in  Unseren  arbaitin  . und  so  wir  in  an  rüftin  . de 
er  sich  deste  u'-lleclicliir  übir  v'ns  irbarmeti  . wa  er  ouch  die  arbait  betundin  hat  G WZ.  öch 
fehlt  G.  5.  getan  . und  liest  mir  uil  gütir  gäbe  gegebin  G.  6.  dekaim]  dehainir  schlabte  G. 

8.  gewunest  min]  kouftist  min  rehtiz  GWZ.  9.  Überschrift  fehlt  GZ.  11.  diene  A. 

19.  Et]  Ut,  falsches  Initial  G. 


1.  Anklänge  an  Eph.  5,  2;  Rom.  8,  28?  9.  Das  Stück  findet  sich  in  G Bl.  28m,  dessen 

Text  oben  in  der  zweiten  Spalte  mitgeteilt  ist,  damit  stimmt  im  großen  und  ganzen  überein  Z BL  33?; 
H Sr.  6,  es  fehlt  in  den  anderen  Hss.  10.  Eccli.  24, 14. 


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47.  Von  unser  vro  wen  und  vun  hailgem  leben. 


147 


Gottes  antlüt  stünde;  won  si  waz  ze  allen  ziten  an  allen  tilgenden  reht  als 
si  vor  Gottes  antlüt  wäre,  won  si  waz  in  der  hüte  des  hailigen  gaistes.  si 
mohte  wol  sprechen:  ‘ich  diente’,  won  alles  ir  leben  waz  ain  dienst  vor 
Got.  na  sont  wir  uns  bilden  nach  ir.  sit  daz  alles  ir  leben  ain  bilde  ist 
und  ain  lieht  aller  tugend  und  sülikait,  so  sont  wir  6ch  bilde  nach  ir  nemen  5 
und  sont  dienen  vor  Gotte,  als  och  si  tet;  und  sont  üllü  ünsrü  werch  tün 
in  der  mainung  reht  alz  wir  vor  Gottes  ogen  standent,  won  alles  des  ment- 
schen  leben  ist  ain  dienst  vor  Got,  an  des  allain  der  in  der  hopt  Sünden  ist 
sit  wir  äne  höbet  Sünde  sint,  so  sint  wir  in  Got[102‘]tes  hulden.  so  ist  och 
alles  unser  leben  ain  dienst  vor  Gottes  antlüt,  es  si  daz  wir  joch  dienen  vor  io 
Gottes  ogen  mit  am&aht  oder  an  awiftaht,  mit  usserem  geschäfte  oder  mit 
inrem  gaiste,  oder  swie  dü  arbait  und  der  am&aht  si:  daz  wir  in  gehorsami 
tünt,  daz  ist  alles  ain  dienst  vor  Gotte,  nu  si  joch  daz  ain  mentsche  umb 

sin  gutüt  gere  von  den  lüten  geerot  werden,  so  ist  doch  sin  dienst  ain  Ion 

vor  Got.  aber  swaz  im  eren  erbotten  werde,  die  sol  er  enphahen  also  daz  15 

man  in  ere  an  Gottes  statt;  und  sol  sich  eren  nit  werren,  er  sol  ir  vro  sin 
dar  umb  daz  Got  an  im  geeret  werde  und  daz  man  Got  an  im  erkenne. 

stände;  wan  sie  wc  ze  allen  ziten  in  der  pflegunge  ir  herzin  und  ir  libiz  an  zühtin  und 
an  allen  tuginden  alse  sie  Gotis  antlüte  sehoweti,  wan  sie  wag  in  der  hüte  des  hailigin 
gaistig  unde  in  der  gehügede  Göttis.  20 

Da  nah  merkint  de  eie  gprichit:  'ich  diende’  . sie  mäht  wol  sprechin  de  sie  diendi, 
wan  allis  ir  lebin  ain  dienist  wc  vor  Got  . nu  sulne  wir  üns  bilden  nah  ir  . sit  sie  ist 
ain  liebte  und  ain  bilde  allir  tuginde  unde  selkait,  so  suln  wir  nemin  ab  ir  bilde  und 
sulne  ouch  wir  dienen  vor  Got,  als  ouch  sie  tet;  und  suln  mlliu  (insiriu  werke  tün 
in  der  ewirdekait  und  in  der  mainunge  alse  wir  vor  Göttis  ougen  standen,  wan  alliz  25 
lebin  ist  ain  lieht  vor  Got,  wan  der  ain  der  ane  houptsündon  ist,  des  lebin  ist 
allis  ain  dienist  vor  Göttis  antlüte  . sit  wir  denne  ane  houpt  sünde  sin , so  sin  wir 
in  Gotis  hulden ; so  ist  ouch  alliz  ünsir  lebin  ain  dieniste  vor  Göttis  antlüte,  wir  dienen 
mit  ambaht  odir  ane  ambaht,  mit  uzzirme  geschmphide  odir  mit  inrem  gaiBt,  odir  swie 
diu  arbait  und  de  ambaht  sie:  de  wir  in  gehorsami  tügen,  de  ist  alliz  ain  dienist  und  ain  30 
Ion  vor  Got  . dü  priorin  mit  ir  dienist,  der  prioi  mit  sinim  dienist  unde  dü  undir  priorin 
und  bischofe  ambaht,  ebte  ambahte  und  kurzeliche  alle  die  die  mit  dehainem  ambaht 
odir  an  ambaht  arbait  odir  kumbir  hain  in  Gotis  nammin , de  ist  allis  ain  dienist  vor 
Got  . nu  sie  joch  de  ain  prior  aide  ain  priorin  odir  ain  bischophe  oder  swer  ambaht 
het,  de  er  geert  werde  von  den  lütin  durh  des  ambahtis  willin,  so  ist  doch  sin  dienist  35 
ain  Ion  vor  Got  . nbir  swaz  im  eren  irbottin  wirt,  die  sol  er  enpfan  also  de  man  in 
ere  an  Gotis  stat;  und  ensol  sich  eron  niht  werin,  er  sol  ez  vro  sin  darumbe  de  Got 
an  im  geert  werde  und  de  man  Got  an  im  irkenne  . nu  ist  sumelichen  lüten  ambaht 


11.  and  ah  t A,  ebenso  im  folgenden.  19.  was)  wa'ijd  G.  25.  wirdekeit  Z.  25  f.  alliz 

unsir  lebin  Z.  26.  ain  vor  liebt  zweimal,  einmal  getilgt  G.  lieht]  dienest  Z.  34.  od'  vor 
swer  am  Hände  beigefugt  G.  36.  Cbir,  falsches  Initial  G. 

10» 


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148 


47.  Von  unser  vrowen  und  von  hailgcm  leben. 


nu  ist  sinnlichen  luten  amiaht  und  ere  swüre,  und  ziehent  sich  gern  da  von; 
und  sol  daz  von  demütkait  sin  daz  si  ungern  ere  habent.  nu  sprichet  ain 
hailig  daz  es  in  me  dunket  ain  trakait  denn  ain  demütkait  der  amiaht  un- 
gern hat,  won  der  siht  gerner  [102*]  daz  man  im  diene,  denn  daz  er  aim 
5 andren  diene;  und  si  lebent  gerner  mit  gemach  an  amiaht  denn  si  mit  am- 
iaht ungemach  habent.  und  ist  daz  harte  tumplich,  sit  ällü  unser  arbait  ain 
Ion  ist  vor  Gotte. 

Nu  merkent  fürbas  daz  si  diente  in  ainer  wonung  hailges  lebens.  daz 
waz  wol  war,  won  si  wart  gehailget  in  ir  miiter  übe.  und  alles  ir  leben 
io  waz  gar  hailig,  won  si  waz  uswendig  an  irem  leben,  inwendig  an  ir  sei  ain 
Spiegel  vor  gotte  und  vor  den  luten  an  aller  sälikait,  won  si  waz  gar  ain 
lutrü  sÄlikait  und  hailikait  aller  unvermasgeter  tugend.  und  da  von  moht  si 
wol  sprechen  daz  si  wonet  in  der  hailikait  des  hailigen  lebens. 

Sit  wir  nu  an  ir  vindent  alle  hailikait  hailges  lebens,  so  sont  wir  ir 
15  nach  volgen  an  hailgem  und  an  lutrem  lebenne. 

Daz  erst  ist  rainkait  des  hertzen  und  [103* ] des  libes.  du  solt  dich 
flissen  daz  din  liertze  und  din  conscienci  gar  rain  und  luter  si,  nit  liht 
argwänig,  nüt  üppig  gedilnke;  hüt  allü  zit  der  luterkait  diner  conscienci. 

und  ere  swtere,  und  ziehint  sich  gern  der  von,  und  sol  de  von  demütekait  geschehin  de 
20  Bie  ungerne  ere  haben  . nu  sprichit  ain  hnilic  man:  'ez  dunkit  mich  me  ain  trachai: 
denne  ain  demütekait  der  ungerne  ambaht  het,  wan  der  siht  gernir  de  man  im  diene, 
denne  er  den  anderen  diene;  und  sö  lebint  gerner  mit  gemache  ane  ambaht  denne  siu 
mit  ungemach  ambaht  haben’  . unde  ist  daz  harte  tumplich,  sit  alle  (insir  arbait  und 
önsir  dienist  ain  dienist  und  ain  Ion  ist  vor  Got. 

25  Nu  merkint  vrtrbaz  de  sie  sprichit:  'ich  diende  vor  Got  in  der  wonunge  des  hai- 
ligin  lebins’  . sie  mäht  wol  sprechin  de  sie  Got  diendi  in  hailkait  des  lebinnis,  wan  sie 
wart  gehniligot  in  ir  mütir  libe  . und  allis  ir  lebin  wc  gar  lutir  und  hainlich , wan  sie 
wc  uzwendic  an  ir  lebinne,  inwendic  nn  ir  sele  nin  spiegil  vor  Got  unde  vor  den  löten 
an  allir  selkait,  wan  sie  wc  gar  ain  lutir  hailkait  allir  unvirmasegotir  tuginde  . da  von 
30  mäht  sie  wol  sprechin  de  sie  lebeti  in  der  hailkait  des  hailigin  lebins  . sit  wir  nu  an  ir 
vinden  hailkait  allis  hailigin  lebinnis,  so  sulne  wir  ir  nach  volgen  mit  hailigim  lebinne  . 
sit  sie  ist  der  liuhtende  tac,  swer  denne  nah  ir  gat,  der  wirdit  entliuhtit. 

Wellen  wir  nu  hailic  werdin,  so  mftzin  wir  drü  dinc  han  an  unsirme  lebinne:  daz 
ist  lutirkait  des  herzin,  rebtekait  der  werke,  miltikait  der  sinnon  . mit  disen  drin  dingin 
85  wirt  der  mentsche  gnr  lutir. 

De  erst  ist  rainekait  an  libe  und  an  herzin  . du  solt  dich  vlizen  de  din  herze 
und  din  conscicntia  gar  rain  und  lutir  sie,  niht  liht  arcwtenic,  niht  betrahton  andir 
löte:  de  trübit  dine  conscientiam ; niht  uppeclich  gedenkin;  hüte  allü  zit  der  lutirkait 


16.  erst  fehlt  A.  22.  gerne  G,  gerner  Z.  23.  mit  ambahtc  vngemach  Z.  25.  vor 
fehlt  G,  aus  Z.  26.  Die,  falsches  Initial  G.  27.  luterlich  . vnde  heilielich  besser  Z. 

30.  ir]  im  mit  übergeschriebenem  r G.  36.  erst  fehlt  GZ. 


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47.  Von  unser  vrowon  und  von  kailgem  leben. 


140 


daz  si  nit  betrübet  werde  mit  dekainen  Sünden,  so  dü  sunne  ie  schöner 
lulltet,  so  man  ie  baz  gesibt  daz  klain  stüppelin.  also  ist  es  umb  daz  hertze 
und  umb  die  conscienci:  so  dü  ie  lutrer  ist,  so  der  mentsch  ie  bas  erken- 
net klain  täglich  sünde. 

Daz  ander  tail  hailges  lebens  ist  rehtekait  der  werche.  wellent  wir  nu  5 
volkomen  werden  an  rehtekait,  so  sont  wir  zem  erst  han  reht  mainung,  also 
daz  wir  üllü  ünsrü  wereb  sont  tün  in  der  gehügde  Gottes  eren,  nit  dur  lob, 
nit  dur  rüm,  won  luterlich  in  der  ere  Gottes  und  dur  sin  lob.  an  aim  ieg- 

lichen  güten  werch  sint  zwai  ding:  nutz  und  ere;  der  nutz  ist  ünser,  dü  ere 
ünsers  herren.  [103b]  nement  wir  nu  linsrem  herren  die  ere,  so  nimet  er  io 

dinir  conscientie,  de  sie  niht  betrübit  werde  mit  clainen  noh  mit  grozen  sündon:  wan 

so  de  herze  ie  rainir  ist  und  sin  conscientie  ie  lutirre,  so  ez  ie  baz  siht  unde  irkennit 

in  im  selbin  clain  sünde  . so  dü  sunne  ie  schönir  lühtit,  so  man  ie  baz  siht  de  clain 

stüppelin  . also  ist  ez  umbe  de  herze  unde  umbe  die  conscientie:  so  diu  conscientie  ie 
lutirlichir  und  ie  schonlichir  entlühtit  ist  von  gnade  des  bailigin  gaistis,  so  der  mentschc  15 
ie  baz  irkennit  clain  tegeliche  sunde  . und  darumbe  sulnt  ir  iuch  vlizen  ze  allen  ziten 
de  iuwir  herze  und  iuwir  conscientie  rain  und  lutir  sie. 

Daz  andir  ist  minne  zedim  ebiu  mentschin,  de  du  miunezam  eiest  widir  ielichin 
mentschin  . du  solt  telliu  mentschin  minnen  zedem  dinge  da  zü  du  ouch  dich  selbin 
minnest,  de  ist  de  himilriche  . de  solt  ainem  ielichin  mentschin  wol  günnen  und  solt  20 
im  mit  dinen  tuginden  unde  mit  dim  gilt  im  lebinno  de  himilriche  helfin  gewinnen  . also 
solt  du  minnen  elliu  mentschin  . abir  die  in  dem  himilriche  sint,  die  solt  du  minnen 
indem  zü  dem  wir  komin  eun  und  indem  siu  sint,  de  ist  Got  . unde  minnent  sü 
aber  üns  indem  zü  dem  wir  komin  sulne,  de  ist  abir  Got,  zü  denie  minnent  sü  üns, 
wände  ouch  wir  zü  inen  sulne  gefügit  werdin  in  Got  in  der  selbun  vroide  da  sü  iezee  25 
inne  sint. 

Daz  dritte  da  mit  wir  gar  lutir  werden , de  ist  demütekait;  wan  wir  suln  üns  de- 
mütegon  an  allen  ünseren  werkin  . wan  also  vil  sich  der  mentsche  gedemiigite  und 
genidirt  uf  ertriche,  alse  vil  wil  in  ünsir  herro  irhühin  in  himilriche  . also  sprichit  er 
indem  ewangelio:  ‘swer  sich  gedemütit  uffin  ertriche,  den  wil  ich  irhühin  indem  himil-  30 
schin  lande  und  wil  in  eren  vor  allen  den  die  ich  an  mich  gezogin  han  ’ . darumbe 
raugin  wir  üns  gerne  demütin,  de  wir  zo  himilriche  werdin  irhühte. 

Daz  andir  tail  hailigis  lebinnis  de  ist  rehtekait  der  werke  . wen  wir  nu  vollo- 
komin  werdin  an  rehtekuit,  so  suln  wir  han  zemerste  reht  mainunge,  also  de  wir 
aelliu  ünsirü  werk  suln  tün  in  der  gehügede  Gotis  eron,  niht  durh  lop,  niht  durh  35 
rflmo,  lutirl ich  in  der  ere  Gotis  und  dürh  sin  lop  . in  aim  jelichin  gÖtin  werke  sint 
zwai  dinc:  nüzee  und  ere;  der  nuzee  ist  ünsir,  dü  ere  ist  ünsirs  herrin  . nemen  wir 
nu  ünsirm  herrin  die  ere,  so  nimit  er  üns  deu  nuzee;  wan  dü  ere  ist  sin  und  das 


7.  v narrt  ncrimal  A.  14.  diu  oder  diu?  G 23.  kom  G.  25.  daj  daz  G.  34.  han 
zemerste  han  reht  G.  36.  und  sin  dürh  lop  G,  mit  einem  b über  sin,  i cctches  die  Umstellung 
andeuten  sollte. 


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160 


47.  Von  t'inser  vrowen  und  von  Imilgem  leben. 


uns  den  nutz  der  uns  da  von  werden  solte;  und  dar  umb  sont  wir  ünserm 
herren  sin  ere  und  sin  reht  lan,  und  sont  wir  den  nutz  ban.  wir  bedurfent 
eren  nit,  lassent  ünserm  herren  die  ere  und  tügint  Allü  ünsrü  werch  in  der 
mainung  daz  Got  der  von  gelopt  werde! 

5 la  im  die  ere,  hab  du  den  nutz! 

gib  im  daz  lob,  hab  du  daz  hail! 

Daz  dritte  ta.il  hailges  lebens  ist  daz  ünsrü  werch  also  mAssig  sigint  daz 
wir  weder  ze  vil  noch  ze  lützel  tügin , alles  mit  beschaidenhait.  sant  Bern- 
hart sprichet:  ‘mentsch,  du  solt  in  der  mitli  stan,  so  behabest  du  die  mässe: 
io  won  du  mitli  ist  ain  stul  der  tilgend.  gast  du  uss  der  mitli  under  dich,  so 
vallest  du;  gast  du  über  dich,  so  verierrest  du;  und  da  von  stand  in  der 
mitli,  so  gast  du  in  der  masse’.  swer  unbeschaidenlich  arbaitet,  der  kunt  in 
grosse  widerwArtkait,  alz  der  eilend  man  der  mAnlich  unwerd  und  [103'] 
unmAr  ist,  und  tüt  im  nieman  kain  lieb  und  ist  gar  veriert.  also  beschiht 
is  öch  dem  mentschen  der  unbeschaidenlich  sich  arbait.  da  von  sont  wir 

lop  . wen  wir  denne  gelobt  werdin  von  ünseren  werkin,  so  nemen  wir  de  ain  ist,  und 

nimit  er  fina  den  nuzee  der  (ins  da  von  werdin  aolti  . und  darumbe  auln  wir  ünsirme 
herrin  ain  ere  und  sin  reht  lazin,  und  euln  wir  den  nuzee  ban  . wir  bedurfin  eron 
niht,  Iazen  wir  ünsirme  herren  die  ere  und  tfton  ttllü  ünsiriu  werk  in  der  ewirdekait 
20  und  in  der  mainunge  de  Got  da  von  gelobte  werde. 

laz  im  die  ere,  habe  du  den  nuzee! 
gibe  im  de  lop , habe  du  die  selde ! 
gibe  im  den  pris , habe  du  de  hail ! 

Daz  andir  ist  beschaidinhait,  de  wir  ünsir  werk  also  mazzon  sulne  de  wir  wedir 

25  ze  vil  noch  ze  lüzil  tuen  . wan  swer  reht  in  der  temperunge  stat,  der  behaltit  die 

tuginde  der  beschaidinhait,  de  ist  ain  berihterin  der  tuginde  . davon  spriebit  sant  Bern- 
hart : 'menteche  du  solt  in  der  mitteli  stan,  so  bebaltist  du  die  maze;  wan  dü  mitli 
ist  ain  stiil  der  tuginde  . gast  du  uzir  der  mitli  undir  dich,  so  vallist  du;  gast  du  über 
dich , so  virierrost  du : stände  alle  zit  in  der  mitli , de  ist  ain  tuginde  der  maze ; wan 
30  swenne  du  uzir  der  maze  kumist,  so  mflz  ain  ielich  wise  man  sprechin  de  du  bist 
komin  in  de  eilende  . und  de  er  sprichit  er  sie  komin  in  eilende,  de  ist  also  vil  ge- 
sprochin  : swer  umbeschnidenliche  arbaitit,  der  kumit  in  also  groz  widirwertikait  alse 
der  eilende  man  der  msenlichim  ummüre  ist,  unde  entfit  im  nieman  dehain  liep  . und 
alse  er  ist  virierrit  und  betrübit,  also  vir  ierrot  der  mentsche  der  sich  ungemainliche 
35  ane  beschaidinhait  übir  mrbaitit  . unde  darumbe  sulnt  ir  iuch  hüten  de  ir  an  allen 
iuweren  werkin  in  der  maze  unde  samenunge  belibent  mit  gemainem  lebinne,  so 
ist  iuwir  dienist  Got  genseme  . abir  sundirlichü  dinc  und  umbeschaiden  arbait  de  ist 


5 f.  21  ff.  in  A und  G sind  die  Zeilen  nicht  abgesetzt.  24.  Daz  ander  ist  bexekhent  das  ist 
rehte  bcschcidcnhcit  Z.  36.  u.  in  der  s.  Z.  37.  dienist  fehlt  G,  ans  Z. 


S f.  vgl.  oben  S.  137  Z.  27 f. 


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47.  Von  finscr  vrowon  und  von  hailgcm  leben.  151 

stan  in  der  masse  nnd  bliben  in  dem  gemainen  leben,  so  ist  unser  dienst 
Got  genüme. 

Daz  vierde  tail  hailges  lebens  ist  gilt  bilde,  das  wir  geben  sont  allen 
luten,  und  sont  an  allem  unsrem  lebenn  also  wol  geordnet  sin  und  in  allen 
zühten  wol  gezieret  sin  und  ain  Spiegel  und  ain  lieht  sin  allen  den  die  uns  5 
sehent,  daz  si  gut  bilde  von  uns  nement  und  Got  an  uns  lobent,  nit  allaine 
reht  und  gilt  vor  Gotte,  sunder  och  vor  den  luten,  da  von  sprichet  sant 
Paulus:  ‘ir  sont  üch  flissen  daz  ir  reht  schinnent  vor  Got  und  vor  den  lu- 
ten, nit  allain  vor  Gotte,  sunder  öch  vor  den  luten’,  unser  herre  sprichet 

in  dem  ewangelio:  'sehent  daz  üwrü  werch  schinnent  vor  den  luten,  daz  io 
si  dar  an  üwren  vatter  von  hymelrich  lobegint’.  an  [103aJ  disen  Worten 
merkent  wir  daz  ain  ieglich  werch  ist  ain  lieht  der  sele.  ain  ieglich  Pater 
noster  daz  du  sprichest,  ain  ieglich  Ave  Maria,  ain  ieglich  gilt  gedank,  ain 
rain  gedank,  ain  süss  gedank,  süsser  wille,  ain  ieglich  venie  die  du  nimest, 
ain  ieglich  demütig  werch,  ain  ieglichü  gehorsami  und  kurtzlich  ain  ieglich  15 
güt  werch  oder  wort  oder  gedank  ist  ain  lieht  der  sele. 

Got  niht  ain  dienist,  wan  et  mac  dem  mentschin  kume  wol  irgan  der  sich  gerne 
sunderot. 

Daz  dritte  ist  de  wir  güte  bilde  sulne  gebin  allen  den  löten  . und  sulnt  an 
allim  iuwerm  lebinne  also  geordenot  sin  und  an  allen  zühtin  also  wol  gezierte  de  ir  20 
ain  spiegil  und  ain  lieht  sient  allen  den  die  iuch  sehint,  de  sie  gilt  bilde  von  iu 
nemen  und  Got  an  iu  loben,  niht  allain  rehte  und  gilt  vor  Got,  me  ouch  vor  den 
löten  . alse  sprichit  sant  Paulus : 'ir  sulnt  iuch  vlizen  de  ir  reht  schinent  vor  Got  und 
ouch  vor  den  luten:  niht  allain  vor  den  lötin,  me  ouch  vor  Got;  niht  allain  vor  Got, 
gundir  ouch  vor  den  löten’  . önsir  herre  sprichit  indem  ewangelio:  'sic  luceant  opera  25 
vestra,  sehint  de  iuwirü  werk  schinen  vor  allen  den  löten,  de  siu  iuwerue  vattir  von 
himilriche  loben*  . nu  hat  gesprochin  der  raine  munt  Jhesus  Christus:  'sehint  de 
iuwirü  werke  löhten*,  daran  sulnt  ir  merkin  de  ain  ielich  güt  werke  ist  ain  liehte  der 
sele  . ain  ielich  Pater  noster  de  du  sprichist,  ain  ielich  Ave  Maria,  ain  ielich  güt  ge- 
danc,  raine  gedanc,  süze  gedanc,  süze  wille,  raine  wille,  der  ist  ielichis  ain  lieht  der  30 
sele;  ain  ieliche  venie  die  du  nimist,  ielich  demütik  werc,  ain  ielich  gehorsami,  und 
kurzeliche  ain  ielich  güt  werk  aide  wort  aide  gedanc:  der  ielichz  sundiriiehe  ist  ain 
liehte  de  din  sele  entlöbtit  . nu  merkint,  vörbaz  er  sprichit:  'siu  suln  ouch  vor  den 
löten  schinen , niht  allain  vor  Got,  me  ouch  vor  den  löten  . de  ist  alse  vil  gesprochin : ’ 
iuwirü  werk  suln  offin  sin  vor  den  löten,  niht  bergin  vor  den  löten  . de  hainliche  35 
gut  luhtit  Got  allain,  de  offin  güt  luhtet  vor  Got  und  vor  den  löten  . nu  sprichit  ain 
hailic  man:  'bezzir  ist  offinz  güt  denne  virborginlich  güt,  dar  umbe  de  önsir  herre  von 
himilriche  gelobte  werde  und  den  löten  güt  bilde  gebe*. 


6.  Behent  — üns  fehlt  A.  23.  sprich;  G. 
32.  werkin  G. 


8.  Rom.  12,  17.  10.  Matt.  S,  16. 


25.  Hic,  fälschet  Initial  G. 


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152 


47.  Von  unser  vrowen  and  von  kailgem  leben. 


Daz  fünfte  tail  liailges  lebens  ist  miltkait  der  sinne,  daz  wir  lindes 
hertze  und  senftes  habent  gegen  Gotte,  nu  merkent  drü  dinge  an  Gotte, 
daz  erst  ist  gewalt  und  kraft:  nieroan  mag  sim  kreftigen  gewalt  wider  stan; 
AIlü  geschöfte  mil.ss  sich  naigen  under  sin  gewalt.  daz  ander  ist  sin  wissbait: 
5 du  ist  unzallich;  er  hat  ällü  ding  mit  siner  wisshait  ze  samen  gefüget.  daz 

dritte  ist  sin  güti,  und  ist  daz  obrost  und  daz  [104"]  beste  gilt,  daz  im 

kain  güt  geliehen  mag.  wir  sont  öcli  an  uns  selben  drü  ding  erkennen,  daz 
erst  ist  krankhait,  daz  wir  so  gar  krank  sint  an  allen  güten  werchen;  da 
sont  wir  in  bitten  dur  sin  gütlichen  kraft  daz  er  unser  krankait  sterki.  daz 
lu  ander  ist  unwitze  und  tumphait  wider  sin  wisshait,  won  ällü  du  wissbait 
und  alle  die  maister  die  schrift  ie  gelasent,  die  sint  reht  goche  und  toren 
wider  siner  wisshait;  und  sont  in  denn  durch  sine  wisshait  bitten  daz  er  er- 
lühti  unser  unwisshait,  daz  wir  werdent  erkennent  sinen  willen  und  sin  gnade, 
daz  dritte  ist  vmnasgeter  wille,  der  an  uns  nnd  in  uns  mit  mänger  übli  ge- 
15  fleket  ist;  und  sont  in  denne  bitten  daz  er  durch  sine  güti  verwandel  ünsern 
vermasgeten  willen  ze  siner  güti,  daz  wir  von  im  in  dirre  weite  niemer  fl 04'] 
gewenken  mugent  und  nach  disem  libe  von  dir  niemer  geschaiden  werdent. 

Daz  dritte  daran  wir  hailic  sulne  werdin  an  ünsitme  lebinne,  de  ist  miltekait  der 

sinnon  . die  miltekait  sulnt  ir  virstan  an  ain  lindiz  und  an  ain  senftiz  berze  ingegin 

Got,  daz  in  miltecliche  irkennit  unde  süzecliche  an  in  gedenkin  kan  . nu  merkint  drü 
dinc  an  Got. 

De  erste  ist  gwalt  und  craftbe : nieman  mac  sim  crefligin  gewalt  widirstan ; 
ellii  crcnture  miiz  sich  naigin  undir  einen  gwolt  . duz  andir  ist  gin  wizbait:  diu  ist 
unzalliche ; er  het  elliu  dinc  ordenlicbe  mit  sinir  wishait  zegamin  gefügit  . daz  dritte 
25  ist  sin  güti : dü  ist  ouch  unzalliche ; er  ist  sin  selbis  güti  unde  ist  das  oberoste  und 
das  beste  gut  und  ist  ain  alse  ainvallic  gut  de  im  dehain  güt  glichin  mac  . wir  sulne 
oueb  au  üns  selben  driu  dinc  irkeuuin  . daz  erste  ciankbait,  de  wir  so  gar  crank  sien 
an  allen  güten  werkin  ane  sin  gotlichun  ciafth  : unde  sulne  in  denne  bittin  durh  sine 
craftb  de  er  ünsir  erankhnit  slerke  . daz  andir  ist  unwizee  und  tumphait  widir  siuir 
5*1  wishait ; wan  alle  die  maistir  die  schrift  ie  gelasin , die  sint  rebt  gouch  und  toriu  widir 
sinir  wishait : und  sulne  in  denne  bitlin  durb  sine  wishait  de  er  entlübte  ünsir  unwis- 
bait,  de  wir  werdin  irkennende  sine  gnade  und  sinen  willin  . daz  dritte  ist  de  wir  an 
üns  irkennen  virmasegeten  willin,  der  mit  manegir  übili  gevleckit  ist:  unde  sun  in 
denne  bittin  durh  sin  ainvaltigun  güti  und  durh  die  güti  dü  er  selbe  ist,  de  er  virwan- 
35  dile  ünsirne  virmasegotin  unde  ünsirn  übilne  willin  ze  sinir  güti  und  üns  gebe  lutirne 
und  gütin  willin,  und  de  ünsir  virboistir  wille  werde  geraint  mit  sinir  güti,  und  wir 
also  gefügit  werden  zu  sinir  güti  mit  güiim  willin  de  wir  niemir  von  im  gewenken  in 
dirre  weit,  und  de  wir  denne  nah  disim  libe  ewecliche  gebunden  unde  besophte  werden 
in  der  tiefi  sinir  güti. 


4.  gehüfto  A,  geschephedo  Z.  6.  dz  dz  beste  A.  14.  vmnasgeter  A.  27.  Das  erste 
ist  Z.  39.  güti  . des  hclfo  vus  got  am«  Z. 


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48.  Von  ünser  vrowcn. 


15» 


[48.]  Von  unser  vrowen. 

[ Transite  ad  nie  omnes  qui  ctmcupiscitis  me,  et  a generationibus  meis  im- 
plemini.J 

‘Alle  die  die  miu  gerent  sint,  die  sont  zu  mir  körnen’,  sprichet  unser 
vrowe,  ‘ich  wil  sü  erfüllen  von  miner  gebürt’.  5 

Mit  disen  Worten  ladet  si  uns.  nu  sont  wir  merken  wer  der  si  den  si 
ladet:  nüt  alle  lüte,  nument  allaine  die  gerenden;  und  daz  ist  üns  ain  trosch- 
lich  wort,  allen  den  die  ir  gerent.  nu  sont  ir  wissen  daz  wir  si  mfis- 
sent  minnen  e daz  wir  ir  mugent  geren:  won  swaz  der  mentsch  nit  liep 
hat,  des  geret  er  öch  nüt.  nu  spricht  ain  hailig  man  daz  wir  den  sont  to 
minnen  der  dü  minne  ist,  daz  ist  Got.  alz  sant  Bernhart  sprichet:  'Got  ist 
dü  minne’.  sit  denn  dü  minne  Got  ist  und  Got  dü  minne  ist,  so  sont  wir  die 
minne  nützlichen  minnen;  won  daz  vindet  man  in  mänger  wis  in  der  schrift 
daz  sich  ünser  herre  dü  minne  nemet.  went  wir  nu  die  [104‘]  minne  braiten, 
so  sont  wir  minnen  die  lieben  müter,  dü  der  minne  müter  ist,  als  si  selb  15 
sprichet:  ‘ich  bin  ain  müter  der  rainnen  minne’.  nu  sont  wir  sehen  waz 
wir  an  ir  vindent  ze  minnend.  vil  vindent  wir  an  ir:  si  ist  dü  tugentriche, 
si  über  siget  mit  ir  tugend  daz  obrost  güt  und  die  obrosten  tugend , Got 
von  hymelriche,  daz  er  von  ir  mentsche  wart,  und  gebar  üns  ainen  loser, 
also  sprichet  si:  ‘von  mir  ist  geflossen  ain  sälikait  allen  den  die  min  gerent  20 
sint’.  den  si  gebar,  der  ist  dü  rieh  sälikait  und  dü  gantz  gnti;  dar  umb 
sont  wir  si  von  relit  minnen,  sit  si  üns  gebar  alle  sälikait,  der  öch  alle 
sälikait  behalten  wil.  daz  ist  daz  erste  urkünde  daz  wir  ir  gerent,  ob  wir 
si  süsseklich  minnent.  swenn  wir  si  liep  hänt,  so  sint  wir  ir  gerend. 


1.  Überschrift  fehlt  GH',  Maria  sp'chit  dia  (rot)  Z,  Item  von  vnser  Heuer  vrauwen  Phill. 

2.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  4.  Alle  die]  Disfi  woit  sprichit  dß  eremühc  maria  (Diseu  wort  spricht 
vnser  vrawo  W ) Alle  G1V.  4 f.  sprichet  u.  vr.  fehlt  G.  5.  von]  mit  G.  6.  si  üns]  uns 
dü  werdü  frowc  maria  goüs  mütir  G.  6 f.  sont — ladet]  aulnt  ir  merkin  wen  sie  ladit . Sic  en- 
ladit  G.  7.  lüte  — daz]  die  lüte  . Sie  ladit  nicman  wan  die  die  ir  gerne  sint . Diz  G.  8.  wort 
und  allen  G.  gerent  . de  sie  die  wil  iiuüllin  mit  ir  gehurt  G.  sie  5 müziu  G.  9.  daz 
fehlt  G.  10.  n ach  nüt]  Zeglichir  wise  ist  ez  muhe  die  tugindc  rieh U mariam  . die  müzin  wir 
zemerstin  minne  . 8 de  wir  ir  mugin  gegeron  . wan  de  enkan  niemir  werdin  . de  wir  ir  mugin  ge- 
geron  . wir  enhaben  si  8 liep  G.  il.  Bnh’  A,  richtig  iohans  G.  vor  (Jot  1.]  Deus  Cari- 
tas est  G.  12.  denne  got  din  minne  ist . und  dü  minne  got  ist  . so  G.  13.  in.  minnen  . so 
legen  wir  ünsir  (ü.  minne  Z) . nüzccelichc  (n.  an  Z)  . wan  G.  16.  vor  ich]  Ego  sum  mater  pulero 
dilectionis  G.  17.  wan  sie  ist  G.  18.  ir  tuginden  G.  19.  irl&ser  G.  20.  also  sie  spr. 
liealam  me  dicent  omnes  generationes  G.  21.  vor  den]  Ja  de  ist  war  G.  ui)  dämmte  G. 

22  f.  gebar  — wil]  gebar  ainen  bchalter  allir  selkait  G.  24.  swenn]  sweune  sie  de  an  üns 
v aiz  . de  G. 


1.  Die  Predigt  findet  sich  in  GB1.301,  Z Bl.  36",  W Bl.  13,  N Bl,  11,  Phill.  Bl.  190‘; 
fehlt  U und  Arundel.  — Vgl.  eine  ähnliche  lateinische  Predigt  über  dieses  Thema:  Cod.  lat.  13320 
Dl.  107*  der  Münchener  Hof-  und  Staatsbibliothek.  2.  Eccli.  24,26.  11.  I.Joan.  4,8. 

16.  JEccli.  24,24.  20.  Luc.  1,48. 


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154 


48.  Von  Unser  vrowen. 


Daz  ander  urkunde  ist  ob  si  uns  wol  gevallet  war  an  sol  si  uns  wol 
gevallen?  an  allem  irem  lebenne;  won  si  waz  [104*]  gar  wol  behüt  an 
zühten,  an  sälden  und  an  allen  tugenden,  daz  si  niemann  übel  mag  gevallen, 
won  alles  ir  leben  waz  entlühtet  mit  der  ewigen  sunnen.  si  waz  och  behüt 
s mit  schäm,  du  ain  schloss  ist  aller  tugend  und  aller  zulit,  als  von  ir  ist  ge- 
schriben  daz  si  ist  ain  zuht  aller  güter  dinge  und  ain  senftmütkait  aller 
guter  zuht.  si  ist  gar  geblümet  an  lebendem  lebenn,  an  senftmütkait  aller 
zuht,  an  sitten  und  an  gebärden  und  an  aller  tugend  sälikait.  und  da  von 
sol  si  uns  billich  wol  gevallen,  also  daz  wir  üns  nach  ir  zühten  und  nach 
io  ir  tugenden  bilden,  so  wir  maist  mugent.  so  erzaigent  wir  ir  mit  warhait 
daz  si  üns  wol  gevallet.  won  ir  wissent  wol:  swaz  den  lüten  missvallet,  daz 
mident  si  an  in  selben,  sit  denn  dü  sälden  riche  Maria  ist  der  blügend 
maige  aller  tugend.  so  sont  [105‘]  wir  bilde  ab  ir  nemen:  rainnekait  libes 
und  hertzen,  demütkait,  gedultekait,  senftmütkait  und  miltekait  und  kurtzlich 

15  alle  tugend,  won  si  ist  der  lühtent  tag  und  der  luter  Spiegel  aller  hailikait. 

sant  Augustinus  sprichet:  'sich  si  reht  an,  die  tugentrichen  vrowen,  und  merk 
rehte  ir  tugend;  won  sihest  du  si  reht  an,  so  ist  nihtz  an  ir  gebresten: 
gütes  noch  sälges  noch  tugentliches,  si  hab  es  alles’. 

Daz  dritte  urkünde  ob  wir  si  gerent  sint,  ist  daz  wir  si  dik  lobent  und 
20  si  gütlich  grützint  mit  dem  Ave  Maria,  daz  ist  der  grüz  von  hymelriche, 
der  da  wart  gesant  bi  dem  engel  Gabriele,  also  sont  wir  si  dik  grüssen 
mit  hertzen  und  mit  munde,  und  sont  ünser  venye  vor  ir  nemen  und  ir  zai- 
gen  girliches  hertze,  süss  minne  und  lop  in  dem  munde,  und  sont  si  inanen 
ir  früden  und  ir  eren,  ir  sälikait,  ir  rainkait  und  [105h]  aller  ir  tugend,  und 

25  sont  si  bitten  dur  ir  sälikait  daz  si  üns  erfülle  mit  ir  gebürt,  sit  si  üns 

dar  zü  geladen  het,  ob  wir  ir  gerend  sint,  so  sont  wir  ir  öch  erogen  daz 
wir  ir  gerend,  daz  wir  si  minnend  und  daz  si  üns  alz  wol  gevalle  daz  wir 
irem  lntrem  lebenn  nach  volgent  und  zü  ir  koment  mit  lob  und  mit  grosse. 

Nu  merkent  fürbaz:  sint  wir  ir  gerend,  so  sont  wir  die  sin  die  si  hat 
so  geladen,  so  sont  wir  och  zü  ir  komen.  wellas  ist  aber  der  weg  den  wir  zu 


1.  urkunde  de  ist  O.  2.  garj  so  G.  4.  lebin  . was  rehte  ain  lebindes  lebin  . and 
wc  erlühtit  G.  5.  also  ist  uon  ir  geschribin  G.  7.  güter  zuht]  zuhton  G.  »1  — ge- 
blömet]  Sit  sie  na  gar  gebt  ist  G.  8.  sitten  . an  g.  G.  und  da  von]  so  G.  9.  ufi  also  G. 

(ins  fehlt  A.  11.  löten]  lüten  wol  geuellit  . dar  nah  ziehint  sie  Bich  . vn  de  inen  an  anderen 
löten  G.  13.  nemin  . Wir  suln  nemin  G.  14.  miltekait  widir  aine  ielichin  mentschin  . ufi  G. 

15.  tugend]  zuhto  . und  alle  güte  sitte  G.  17.  won]  uü  G.  17  f.  ist  — alles]  enist  nihtis 
niht  gütig  . noch  scligis  . noch  tugintlichis  des  an  ir  breste  G.  19.  ist  fehlt  A.  si  gerent 
— lobent]  ir  geren  . de  ist  daz  . ob  wir  dicke  zir  komen  mit  lobe  G.  20.  dem  fehlt  G. 

20  f.  von  — gesant]  der  ir  uon  himilriche  gesant  wart  G.  21.  si  dik]  dike  sftzeclicle  so  G. 

22.  venye  — und]  s&zin  v.  nemin  nur  ir  mit  aue  maria  . vn  suln  G.  23.  manon  allir  tngind' 
un  G.  24.  tugend)  zuhte  G.  26.  so  — erogen]  de  wir  zir  komen  . so  sulne  wir  oueh  mit 
gerendim  herzin  zir  komen  . und  suln  ir  zalgen  G.  28.  lutrem]  hüllendem  G.  zü  ir]  de 
wir  dikke  G.  mit  grüsse]  sie  güteliche  Aue  grfizen  mit  aue  maria  G.  30.  so  sont  wir] 
unde  suln  G. 


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48.  Von  ünser  vrowen. 


155 


ir  sont  komen?  ist  es  der  gemaine  weg  di  ne  weite?  entrüwen  nit!  es  ist 
ain  hoher  weg  und  ain  sunderlicher  weg.  der  weit  weg  ist  gemaine  und  ist 
vol  schand  und  sünde  und  seres;  den  sont  wir  nit  gan.  wir  sont  tretten  an 
den  weg  der  rainkait  libes  und  hertzen,  und  sont  künsch  sin  nit  allain  an 
dem  lib,  sunder  an  dem  hertzen  und  an  willen,  daz  nüt  an  uns  si  won  daz  5 
erlühtet  si  mit  rainkait. 

Der  ander  [105’ ] weg  daz  ist  dü  minne.  uff  den  wiset  uns  sant  Paulus: 
‘der  uff  dem  weg  stät  der  rainnen  minne’,  sprichet  er,  ‘den  wiset  si  uff  daz 
reht  erbe,  der  wirt  denn  erfüllet  mit  der  lebenden  fruht’. 

Der  dritt  weg  ist  rehtekait,  daz  wir  in  allem  unsrem  lebenne  rehtekait  io 
behaltent  an  Worten  und  an  werchen,  und  sont  uns  also  hüten  vor  sünden 
daz  ünser  lip  und  ünser  sele  reht  si  vor  Gotte  und  vor  den  lüten.  swenn 
wir  uff  disen  weg  getrettent,  so  begegent  üns  dü  eren  riche  und  enphahet 
üns  gütlichen,  won  si  üns  minneklich  hät  geladet  daz  wir  zü  ir  koment; 
und  erfüllet  üns  mit  ir  gebürt,  won  si  ist  der  kaner  durch  den  der  lebend  15 
brunne  flöz.  und  alle  die  die  rainnü  hertzen  hant  und  uff  dem  weg  der 
minne  gant  mit  rehtekait  stüteklich  untz  uff  den  tot,  in  die  wil  si  denne 
den  lebenden  brunnen  laiten;  won  dü  stütekait  enphahet  allain  den  Ion  in 
die  [105d]  hant.  enkainer  tugend  wirt  der  Ion  gegeben  won  der  stütekait. 
also  sprichet  sant  Bernhart:  ‘stütekait  dü  treit  die  kröne  über  alle  tugend,  20 
won  si  ist  ain  vehterin  und  ain  signufterin  und  ain  wighus  aller  hailikait’. 
so  wir  denne  mit  stütekait  ünser  leben  verendent,  so  kumet  dü  süldenriche 
und  erfüllet  üns  mit  ir  fruht,  won  er  ist  der  lebend  brunne,  der  alle  die 
trenket  die  durstig  sint  nach  im.  denn  wil  er  üs  durch  fliessen  mit  siner 

gothait  und  mit  siner  mentschait,  daz  wir  reht  überflüssig  werdent  der  25 
obrosten  sülikait 


I.  dirre)  der  G.  3.  schand]  schäme  G.  den  wcc  G.  vbir  tretin  G.  4.  libes  — 

sont]  de  wir  mit  ganzir  rainckait  . an  libo  und  an  herein  G.  5.  Bonder]  onch  G.  an  dem 

willin  G.  5 f.  nfit  — si]  nihts  niht  sic  an  lins  wedir  an  gedenkin  noh  an  willin  . wan  de  allis 

gar  sie  irlühtit  G.  7.  panins  . vH  sprichit  also  G.  8.  spr.  er  fehlt  G.  10.  in  fehlt  A. 

II.  also  fehlt  Q.  12.  nach  lüten]  niht  allain  uor  vns  selben  . und  uor  got  rehte  . wir 
müzin  onch  rehte  schinen  uor  den  lüten  G.  13.  disen]  den  G.  15.  üns  denne  mit  G. 
kenel  G.  17.  denne  fehlt  G.  18.  dü  stetekait  div  enpfahlt  G.  19.  stitekait]  stfete  be- 
libit  . vnz  an  de  ende  . wan  G.  23.  ir  lebindin  fruht  G-  lebend]  ewige  G. 


7.  im  Anschlüsse  an  I.  Tim.  1,  5. 


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15(i 


49.  Von  önser  vrowen. 


[49.]  Von  unser  vrowen. 

fPlantaverat  autem  dem  paradysum  voluptatis  a principio.] 

‘Got  hat  gepflanzet  ain  paradys  der  woluust  von  angeng  der  weite;  und 
dar  in  hat  er  geleit  ainen  mentschen,  den  er  geschüf’. 

5 Disü  wort  stant  geschriben  in  dem  ersten  büch  her  Moysi  und  sint  ze 

merkend  von  unser  vrowen  sant  Mariun,  du  daz  gewär  paradys  [106']  waz 
des  obrosten  Gottes,  nu  merkent  drü  ding  an  dem  ersten  worte  daz  er 
sprichet:  ‘Got’.  wir  hörent  Got  dike  nemen  und  hörent  vil  von  im  sagen; 
waz  aber  Got  si,  daz  enwissen  wir  nit.  Got,  daz  wort  hat  dri  betütunge-, 
io  daz  ist  der  brinnent  Got  und  der  erlühtend  Got  und  der  kreftig  Got. 

Der  brinnent  Got  ist  er  so  er  in  des  mentschen  hertze  kumet  und  der 
meutsch  sich  selben  erkennet  und  der  gaist  rüwet  inwendig,  swaz  an  dem 
mentschen  ist  ze  berihteune,  daz  berefzet  der  inder  gaist  der  beschaidenhait. 
in  triiwen,  so  ist  der  brinnent  Got  in  dem  herzen  so  er  den  mentschen 
t3  also  berihtet  an  aller  siner  undurnähtkait  daz  er  im  die  git  ze  erkennend, 
der  wissag  her  David  bat  üusern  herren  daz  er  in  berihti  und  im  wir  ain 
brinnender  Got.  'herre',  spricht  er,  ‘beriht  mich  von  den  [106i]  unhailgen 
lüten’;  daz  ist  von  den  sünden,  sprichet  dü  glose.  daz  ist  also  vil  ge- 
sprochen: herre  bis  in  mir  ain  brinnender  Got  und  beriht  mich,  daz  ich  nit 

20  sünde,  und  gib  mir  ze  erkennend  den  weg  der  hailgen  lute,  alsuss  sol  der 

meutsch  im  selben  sich  selben  für  legeu  und  sol  sich  beschowen  mit  den 
inren  ögen.  also  sprichet  sant  Augustinns:  ‘der  mentsch  der  den  gaist  der 

berihtung  wil  erkennen,  der  mftss  sich  in  sich  selben  zuken  und  muss  sich 
sundren  von  allen  ussren  dingen,  won  die  inren  ding  mag  man  nit  behalten 
23  mit  den  ussren1;  nnd  da  von  sol  sich  der  mentsche  den  ussren  dingen  en- 
ziehen  und  sol  in  unhainlich  sin  und  sol  die  ögen  des  gaistes  uf  tun,  so 
wirt  im  Got  der  brinnent  Got,  und  zaiget  im  den  weg  der  hailgen  lute. 

1.  Überschrift  fehlt  G,  von  dem  paradyso  (rot)  Z.  2.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  3.  vor 
Got]  Disiv  wort  lisit  man  in  dem  erstin  buche  der  hadigun  schritte  . vfi  sprichit  herre  movses  GZ. 

der  wnlnust  fehlt  GZ.  4.  dar  in]  indem  paradise  GZ.  geleit]  gebetet  GZ.  den  er  ge- 
schöfj  ufi  den  mentschin  hat  er  sundirlichc  geschaffin  GZ.  5.  stant  — sint]  eint  wol  GZ 
6.  von  — sant]  an  die  uroidc  richnn  GZ.  7.  daz]  das  Z,  da  G.  S.  sprach  G.  9.  des  en- 
wizzin  G.  Got  d.  wort]  Daz  w. got.de  G.  10.  daz  ist  fehlt  G.  Der  br.  got  . Der  creftige 
got . und  der  lühtende  g.  G.  11.  Der — Got]  Wenno  ist  er  der  brinneude  got . de  G.  12.  er- 
kennet] beginnit  irkennen  G.  rftwet]  beginnit  rfigen  G.  15.  zirkenninne  . und  zebereffenno  G. 

16.  her  fehlt  G.  bat]  sprichit  . Iudica  me  dous  et  discome  causam  meam  . Der  bat  G. 
undc  er  im  G.  ain]  der  G.  17.  herre  spr.  er)  Er  sprach  herre  G.  17  f.  den  — sünden! 
dem  lüto  daz  niht  hailic  ist  . Daz  lütc  de  niht  hailic  ist  . de  sint  sünde  G.  IS  f.  daz  i.  a.  — 
gesprochen]  Xu  bittet  der  wissage  ünsirnc  herrin  . de  er  in  berihte  uon  sundon  . Hebt  als«  er 
sprecho  G.  19.  ain]  der  G.  20.  mir  zirkennenne  immir  selbin  G.  25.  da  von]  darumbe  G- 
26.  des  berihtenden  gaistis  G.  27.  des  h.  lütis  G. 

1.  Das  Stück  findet  sich  in  G Bl.  31‘,  Z Bl.  37',  H Nr.  7;  fehlt  W,  N,  Arundel,  Phill. 

2.  Gen.  2,  8.  17.  Ps.  139,  3. 


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49.  Von  finser  vrowen. 


157 


daz  ist  der  weg  der  tagend,  der  ist  hailig.  so  wirt  der  nientsch  sich  denne 
schaidend  von  den  lüten  die  nit  hailig  sint.  also  sprichst  der  hailig  [106  ‘J 
ga'ist  in  dem  lob  büche:  ‘o  schönstii  aller  wibe,  erkenne  dine  wirdekait  und 
kere  von  dem  weg  des  vihes!’  hie  manet  er  die  sele  zwaier  ding  und 
sprichet:  ‘o  sele,  erkenne  din  schonhait  und  din  wirdekait  und  gang  nit  an  5 
den  weg  des  vihes!’  der  weg  des  vihes  ist  dii  bosshait  der  bösen  weite; 
und  swer  mit  der  weite  umb  gat,  der  gat  in  dem  weg  des  vihes,  won  der 
weit  leben  ist  nit  mentschlich,  es  ist  vihlich.  nu  manet  der  hailig  gaist  die 
sele  daz  si  sich  in  sich  selben  zuke  und  sich  kere  von  dem  wege  der  sünder: 

'o  sehönstü  aller  wibe,  kere  von  dem  vihliclien  wege  uff  den  tugentrichen  weg  io 

und  züch  dich  in  dich  selben,  so  mäht  du  erkennen  wie  süsse  si  daz  obrost 
güt!’  also  sprichet  ain  hailig  man:  'es  en  si  denne  daz  ain  mentsche  im 

selben  sich  zuki  und  sich  dik  im  selben  für  legi,  so  enkan  er  nit  verstan 
die  süssekait  der  obrosten  [106d]  tugent’ ; und  da  von  sol  sich  der  mentsche 
im  selben  dik  für  legen  in  der  beschowung  des  gaistes,  so  wirt  er  erkennent  15 
waz  an  im  ze  berihtenn  si.  so  ist  der  brinnend  Got  in  dem  gaiste  und 
brinnet  dü  sele,  daz  si  nach  der  erkennung  sich  berespet  und  nach  der  be- 
rihtung  sich  übet  an  güten  werchen. 

Der  kreftig  Got  ist  ünser  herre  denne  so  er  den  mentschen  sterket  an 

güten  werchen.  der  wissag  sprichet:  'o  herre  du  bist  min  Got,  der  kreftig’.  20 

waz  kraft  möhtint  wir  gehaben,  waz  tugende  möhtint  wir  gewerben  än 
Gottes  kraft?  nihtes  nit.  alles  daz  wir  gütes  tünt,  daz  knmet  von  siner 
kraft,  won  er  ist  ällü  ünsrü  kraft,  so  dem  mentschen  ietzent  gebresten  wil 
in  der  bekorung  oder  von  anderr  arbait,  so  kumet  der  kreftig  Got  und 
sterket  in  mit  siner  gnade,  daz  er  über/7 07“] windet  alle  arbait.  25 

Ünser  herre  haisset  öch  der  entlühtent  Got;  und  ist  daz  denne  so  er  dem 
mentschen  git  ze  erkennend  inwendig  die  gütlichen  warhait.  der  wissag 
sprichet:  'o  herre,  sende  mir  din  lieht  und  erlühte  mich,  daz  ich  erkenne 

1.  wirt)  mte  G.  2.  dem  lute  de  n.  h.  ist  G.  sprichit  denne  der  G.  3.  gaist  fehlt  A. 

vor  n]  0 pnlcerrima  moliemm  G.  4.  hie  mit  G.  4/.  dinge  . de  sio  schfinir  ist  denne 
allfi  crcature  . vfl  ir  wirdekait  . de  si  gar  geert  ist  . ubir  alle  die  weit  . wan  sie  ist  gesebaffin 
von  hokin  dinge  . Uß  sprichit  alsus  G.  6.  de  ist  G.  7.  gat  fehlt  A.  9.  sie  sich  sclbun 

in  s.  s.  G.  zuke]  ziehe  . und  sich  sclbun  ii  kenne  G.  10.  o]  A sprichit  er  G.  In  tugent* 

riehen  ist  das  c epäter  übergeachrieben  A.  11.  erkennen]  v'stan  G.  12.  denne  fehlt  G. 
ain  m.]  der  tn.  G.  13.  s.  sich  selbin  z.  G.  seben  A.  14.  da  von]  darumbc  G.  15.  er- 
kennent] merkinde  an  dos  gaistis  bereffungo  G.  17.  bekennunge  G.  bereffit  G.  17/.  nah 
berihtnnge  vbet  sie  sich  an  G.  19.  Der  — denne]  Daz  andir  ist  de  önsir  herre  ist  der  creftige 
got  . wenne  ist  er  der  creftige  got . Daz  ist  er  denne  G.  20.  güten]  tugintlichen  G.  21.  ge- 
worben] gewrldn  G.  22.  tllen  . odir  gedenken  . de  kumit  allis  uon  G.  23.  won  — kraft 

fehlt  G.  24.  and'r  A.  25.  alle  sine  arbait  G.  2fi.  Ünser  — denne]  Daz  dritte  ist  de 
dnsir  herre  haizit  der  entlöhtendo  got . Denne  ist  (i.  er  Z)  der  entlühtende  got  G.  28.  o herre] 
Emitte  lueom  tuam  . vnd  bittet  . ünsim  herrin  . de  er  im  sio  der  entlöhtende  got . A herre  spri- 
chit er  G. 


3.  Cmt  1,  7.  20.  Pa.  42 , 2.  2S.  Pa.  42,  3. 


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49.  Von  unser  vrowen. 


dine  warhait!’  also  sont  wir  och  ünsern  herren  bitten  daz  er  uns  si  der  er- 
lühtend  Got,  daz  unser  hertze  erlühtet  werde,  daz  wir  erkennen  die  gütlichen 
warhait  sit  er  denne  du  warhait  ist,  so  sont  wir  des  kainen  zwivel  han  er 
gebe  uns  sin  liymelriche  und  sich  selben  ze  lone;  won  daz  hat  er  uns  ge- 
5 lobt,  ob  wir  im  dienent  unz  an  daz  ende,  in  trüwen,  swenn  uns  denne  ver- 
drösset der  arbait  und  des  lebens,  so  sont  wir  gedenken  an  den  Ion,  so  wirt 
si  uns  lihte;  und  swenn  wir  suss  gedenkent  und  die  gütlichen  warhait  er- 
kennend, so  ist  unser  herre  der  erlüh/J07*7tend  Got,  so  er  mit  siner  gnade 
erlühtet  den  mentschen  und  in  mit  sim  tröste  machet  fruhtb&r  in  allen 
io  tugenden. 

Nu  merkent  furbaz  daz  ander  wort  daz  er  sprichet:  ‘Got  hat  gepflanzet 
ain  paradys’,  daz  spricht  ain  garte  der  wollust.  daz  wort  sont  ir  ver- 
stau an  die  sAlden  riehen  Marien,  die  unser  herre  gepflanzet  hat  vor  der 
weite  angenge.  dü  ist  genant  ain  schöner  garte  der  wolnust.  daz  sont 
15  ir  alsus  verstau  daz  ir  der  vatter  von  himelriche  gerte  und  dar  zu  sin 
sun  und  der  hailig  gaist,  ir  gertent  öch  die  engel  und  der  mentsch  und 
alles  daz  ie  beschaidenhait  gewan,  daz  gerte  ir.  der  tüvel  gerte  ir  nit,  won 
er  ist  so  übel  daz  er  nit  gütes  gert.  disen  garten  der  wolnust  geschüf  ünser 
herre  vor  angenge  der  weite;  won  e er  ie  mentschen  geschüf,  do  hatt  er  ir 
2«  leben  geordnet  und  hatte  si  erwelt  ze  ainer  müter.  da  von  hatte  [ 107‘ ] der 
wissag  Ysayas  vor  lange  gewissaget  und  sprach:  ‘es  sol  ns  gan  ain  rate  von 
Yesse’.  und  daz  er  spricht:  ‘es  sol  us  gan',  dar  an  sont  ir  merken  daz  si- 
us  waz  gangen  von  dem  weg  den  alle  ir  Vordren  giengent  nnd  den  ällü 
irdeschü  diet  gie : von  dem  weg  gie  si  us  sunderlichen  weg,  der  vor  ir  nie 
25  gangen  wart,  daz  waz  der  weg  der  rainkait,  der  künschlichen  mägetkait, 


1.  fleh  fehlt  0.  3.  vor  sit]  an  sinir  gelfibdc  . Sin  gelübschafte  ist  . de  er  allen  den  himil- 

riebe  . unde  sich  selbin  hat  gelobet . die  im  dienent  unz  an  de  ende  . die  warhait  gulne  wir  lernen 
irkennen  . daran  das  er  sin  wort  nie  geualschte  G.  denne]  nu  G.  des  — han]  nieinir  ge- 
zwiuelon  G.  4.  sin  fehlt  G.  4 f.  won  — endo  fehlt  G.  5 f.  denne  — lebens]  diu  arbait 

swere  ist  . vnd  (ins  dos  lebinnis  uirdrüzit  G.  6 f.  so  wirt  — erkennend]  vfi  sulne  irkennin  die 
gotlichn  warhait  . an  sinir  geldbede  . so  wirt  denne  der  mentsehe  nach  der  irkennungo  'binde 
gütiv  werc  G.  S.  got . uil  trostindc  got  G.  9.  n.  in]  und  G.  machet  er  G.  9f.  in  allen  t] 
alle  die  tugindc  der  sele  G.  12.  daz  spr.]  Paradisc  sp'chit  reht  G.  18.  vor]  von  6. 

14.  vor  daz]  Wie  ist  (L  si  Z)  ain  gart  der  wolluste?  G.  15  f.  and  — sun  und]  Ir  geret  sin  liebir 
sun  The  xpe  . Ir  gert  G.  16.  öch  fehlt  G.  und  d.  m.  und)  Der  mentsehe  gert  ir  G. 

17.  d.  gerte  ir]  de  gert  allis  der  tuginderichun  G.  18.  so  fehlt  G.  18  f.  disen  — e er)  der 
engert  ouch  dor  uzirwelton  niht . üli  dauon  de  ir  allis  de  gert . de  ie  gilt  wart  . dauon  haizit  sie 
ain  gart  allir  wolluste  . Nu  sprichit  er  de  sie  got  het  gcschaffin  uon  anegenge  dirre  weit  . ÜB 
sftlite  sie  doch  uon  dem  erstin  mentschin  hern  adani  . unz  an  an  hem  ioachim  ir  uattir . da  uand 
er  die  tunginderichun  mariam  . die  er  mcnic  tnsint  iar  sühto  . « an  e got  G.  19.  ir]  ünsirre 
urowun  G.  20.  mflter]  rtwe  G.  da  von  fehlt  G.  20 f.  Der  w.  J.  het  lange  uor  g.  G. 

21.  und  sprach]  Egredietur  uirga  do  radico  iessc  G.  23.  us — weg]  uzir  dem  wege  ist  gegangin  G. 
24.  irdcschfi]  jötsehii  G.  dem  — us]  dem  ist  sic  uzgegangin  . ainen  <?.  24  f.  der  — waz  fehlt  G. 


21.  Isai  11,  1. 


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49.  Von  unser  vrowen. 


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die  vor  ir  nie  behalten  wart»  es  waz  och  der  weg  der  demfitkait,  der  gedult- 
kait,  der  miltkait,  der  senftekait,  der  gütlichen  minne,  und  si  waz  aller  zuht 
nnd  sAlden  erfüllet  mit  dem  hailgen  gaiste.  es  wäre  ain  harte  wunderlich 
ding  daz  man  uf  ainen  dorn  zwigeti  edel  und  güt  fruht:  noch  wunderlicher 
wart  si  gezwiget  von  dornen,  si  waz  der  lyly  der  under  den  dornen  ge-  5 
zwiget  waz.  dü  fruht  dis  zwiges  waz  unser  herre  Jhesus  Christus:  der  waz 
du  lebend  fruht,  [107*]  der  wunden  hail.  es  enward  nie  mentsch  geborn,  es 
hetti  wunden:  die  Patriarchen,  die  propheten  und  alle  die  vor  in  waren t,  die 
hattent  alle  wunden,  und  der  wissag  David  sprichet  zft  ünserm  herren  und 
batt  in  daz  er  sine  wunden  hailtl  ‘herre’,  sprach  er,  ‘erbarm  dich  über  io 
mich,  won  ich  bin  gar  sere  wnnt,  min  Got!'  also  sont  wir  ünsern  herren 
bitten  daz  er  ünser  wunden  haili.  wa  ist  der  mentsche  der  daz  sprechen 
nmge  daz  er  nie  wurde  wunt  mit  den  Sünden?  sit  wir  denn  alle  wunt 
sint  worden,  so  sont  wir  bitten  den  lieben  Got  daz  er  üns  haile.  dar  zu 
sont  wir  bitten  die  sälden  riehen  Marien  daz  si  ünser  wunden  haili,  sit  si  is 
der  wunden  hail  treit  und  trüg,  ünsern  herren  Jhesum  Christum,  dis  waz 
der  edel  zwi  der  under  den  dornen  und  von  den  dornen  gezwiget  wart,  da 
von  sprichet  [108°]  der  wissag:  ‘si  ist  us  gangen  von  der  würzen  Yesse’,  da 
von  si  der  lieb  Got  zwiget  von  kaines  mentschen  hand,  es  zwiget  dü  gütlich 
band,  es  brühte  och  gütlich  fruhte,  won  si  waz  der  lyl^e  der  under  den  20 
dornen  gezwiet  wart,  da  von  sprichet  der  wissag  wol:  ‘si  ist  us  gangen 

von  allem  irem  geschlühte’:  den  tugentrichen  weg  gie  si,  dü  userweltü,  dü 
vor  angenge  erwelt  waz  zü  aim  paradyse. 

In  dem  paradyse  warent  drü  ding,  dü  hart  wol  bezaichent  sint  bi  der 
tugentrichen  Marien,  dü  Gottes  paradys  waz.  daz  paradys  waz  ze  allen  ziten  25 
blügend  und  waz  begriffen  mit  lieht  und  waz  alles  an  mit  fride.  dü  selben 
drü  warent  öch  an  ir. 

1.  es  w.  Och]  diz  wc  G.  2.  gütlichen]  grozun  G.  si  fehlt  G.  3.  gaist  . Disen  wec 
gicuc  dü  seiden  richc  niaria  G.  4.  güt]  sitze  G.  5.  wart  si]  wart  dü  eren  riebe  maria  G. 
vor  A.  wan  sie  wc  G.  6.  dü  — herre]  Welz  (wellcz  was  Z)  abir  dü  ediie  nruhtc  . dü  uf  disim 
edilme  zwi  w'hsc  . Entrüwon  cz  wc  der  liebe  snn  G.  7.  vrulit  . dü  uffen  maria  dem  rainen 
zwi  w°hse  . Diz  zwi  ist  de  . de  undir  den  dornen  gezwiet  wart . und  de  zwi  gebar  üns  der  w.  h.  G. 

8.  hetti  w.]  entrüge  wnda . uß  erzenie  der  wndon  G.  pat'archin  . uß  die  G.  in]  ir  zit  G. 

9.  hattent]  trügin  G.  sprichet]  rüfte  G.  11.  won  fehlt  G.  gar  fehlt  G.  wunt  . nu 
hail  mich  m.  g.  G.  13.  w.  wunt]  virwndot  w.  G.  alle]  also  G.  14  f.  dar  — wir]  wir  sulne 
ouch  G.  16.  der  — Christum]  de  hail  der  wndon  trüc  . undc  niht  allain  das  hail  gebar  . Ih.  Chr. 
sie  ist  ouch  selbe  de  zwi  des  hailis  . de  ünsir  wnda  hailnc  sol  . wan  aio  ist  ain  sundirlichir  trost 
vns  armen  sündeme  (Z  fügt  bei:  wa  der  liebe  got  zwigctc  si  sonderlich  zetroste  allen  svndcren)  G. 

17.  edel  zwi  fehlt  uon  dornen  G.  18.  wissage  wol  G.  gegangin  wol  . non  G. 

19.  zwiget]  zwigette  . Diz  zwi  wart  niht  gezwigettc  G.  20.  es]  uß  G.  o’ch  es  gotliche  G. 

22.  von]  uzzir  G.  userweltü]  irwelte  G.  23.  vor]  von  G.  erwelt  waz]  dirro  (well  ?) 
wc  gezelte  (1.  erweltc)  G.  paradise  . wan  sie  wc  de  gewacre  paradiso  . uon  dem  herre  mojacs 
gesprochin  hat . Got  het  gcpflanzet  ain  paradjse  der  wolluate  G.  26.  alles  an]  alle  zit  G.  selben 
fehlt  G.  27.  drü  dinc  G.  öch  an  ir]  an  gotis  paradise  . marien  der  sclderichun  6. 

10.  im  Anschlufl  an  Ps.  87,16;  50,1;  6,3;  10,5, 


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160 


49.  Von  ün60r  vrowcn. 


Si  waz  ze  allen  ziten  blügend  an  fügenden,  an  sAlden  und  an  allen 
zühten.  und  reht  als  daz  paradys  gezieret  [108*/  waz  mit  blümen  und  mit 

graz  und  mit  edlem  gestaine,  also  waz  ir  liertze,  ir  sei,  ir  lip  gezieret  und 
geblümet  mit  tugentlichen  weichen,  mit  rainnen  gedAnken  und  mit  süsser 
5 girde.  uswendig  waz  si  öch  geblümet  mit  schünnen  zühten,  mit  güten  sitten, 
mit  lühtenden  werchen.  alsus  waz  si  och  daz  lebend  paradys,  geblümet  ze 
allen  ziten.  die  blümen  gevalwetent  nie  an  ir,  won  si  waz  Allü  dur  flössen 
von  dem  hailgen  gaiste,  als  man  liset  in  dem  lebenden  buche  des  lobes  daz 
du  fründin  wünscht  und  spricht:  'stand  uf,  nortwint,  und  kunt,  osterwind,  und 
io  durch  wAgent  rninen  garten,  so  werdent  fliessen  min  pigmenten!’  wa  ist  der 
mentsche  der  gesprochen  muge  daz  in  nortwint  nie  dur  wAge,  won  allaine 
Maria,  dü  ain  lebendes  paradys  waz?  won  der  hailig  gaist  hatt  si  durch 
wAget,  und  da  von  wurdent  fliessende  ir  [108‘]  pigmenten;  daz  warent  alle  ir 
tagend,  die  warent  ze  allen  stunden  fliessend  und  blügent.  nu  ist  bezaichent 
15  bi  dem  nortwint  die  sünde.  uu  wünschet  dü  sele  und  spricht:  'stand  ul 
nortwind,  und  flülie!'  als  vil  ist  daz  gesprochen  daz  der  hailig  gaist  die  sele 
manet  daz  si  den  nortwind,  die  sünde,  vertribe  und  sich  rainne.  so  der  mentsch 

daz  hertz  denn  gerainnet  und  die  sünde  vertribet,  so  kumet  der  oster  w ind 

und  dur  wAget  si.  der  oster  wind  daz  ist  der  hailig  gaist:  der  kunt  mit 

20  siner  kraft  und  mit  siner  gnade  und  durch  wAget  si,  so  werdent  fliessend 
alle  der  sele  fügend,  und  wirt  der  mentsch  denn  übend  gütü  werch:  so  wirf 
der  mentsche  glich  dem  blügenden  paradys  und  wirt  blügend  an  allen  tugen- 
den.  inwendig  ist  dü  sei  gezieret  mit  süssen  gedAnken,  mit  rainnem  willen; 
uswendig  mit  tugentlichen  werchen,  an  senften  wor fl08dJten,  an  schünnen 
25  zühten  und  an  allen  güten  Sitten. 

Daz  ander  daz  in  dem  paradys  waz,  daz  waz  daz  es  alles  entlühtet 

waz.  ze  glicher  wis  waz  dü  rain  Maria  entlühtet  mit  den  tilgenden,  mit  der 
gütlichen  warhait;  won  daz  lebend  lieht  waz  beschlossen  in  ir  mAgtlichem 
libe.  der  lieb  sun  Jhesus  Christus,  der  ain  lieht  ist  hymelriehes  und  ert- 

1 f.  an  a.  zühten]  allir  znht  G.  2 f.  wc  mit  blfite  . mit  bl.  mit  grase  G.  3.  gegtaine! 
smak  G.  aclo  ur>  ir  G.  4.  und  fehlt  G.  5.  girde  . mit  tugintlichim  willin  G.  ge- 
blrmg  am  Ende  der  Zeile  A.  Sitten  . mit  senften  - wortin  G.  6.  si  och  daz]  diz  G. 

7.  und  die  bl.  G.  ir]  der  tuginderichun  marivn  G.  8.  von]  mit  G.  also  liset  man  G. 
lebenden  fehlt  G,  ist  in  A tcohl  zu  tilgen.  buche  des  lobes]  lobe  büche  O.  9 f.  daz  — 
wünscht]  da  wnschit  d.  fr.  G.  9.  vor  stand!  Vcni  aust'  G.  kunt]  entwiche  . und  kume  du> 
((.  du  Z | G.  10.  durh  wege  G.  pimenta  G,  piment  Z.  11.  der  de  gesprechin  G. 
nie  fehlt  A.  gewati  G.  12.  leben  des  paradyses  A.  14.  z.  a.  stunden]  alle  G.  15.  wünsch; 
am  Ende  der  Zeile  A.  16.  vlüzo  G.  de  ist  also  uil  gespr.  G.  17.  die]  der  G.  raine  . 
unde  so  G.  19.  kumit  dennc  G.  20.  siner  kr.  u.  mit  fehlt  G.  21.  alle  die  tuginde  4k 
(am  Rande  den  sele  G.  denn  fehlt  G.  werch  fehlt  fälschlich  G.  22.  allen  fehlt  G. 

24.  mit]  blftgit  diz  paradyse  an  G.  25.  und  fehlt  G.  26.  alles]  alle  zit  6.  27.  den  tilgen- 

den] dem  gewjerin  liehto  . und  G.  der  fehlt  G.  29  f.  der  lieb  — örtliches]  ouch  wc  sie 
uon  tugintlichen  werkin  vzwendic  irlübtit  . wan  der  liebe  sun  . der  de  ewige  lieht  ist  . und  der 
himilricbe  vnd  crtriche  entlühtit  bet  G. 

9.  Cant.  4 , 16.  26f.  vgl  oben  S.  79  Z.  19 ff. 


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49.  Von  unser  vrowen. 


161 


riches,  der  hatt  si  gar  entlühtet  uswendig  und  inwendig  mit  allen  sAlden. 
in  ir  waz  Got,  ob  ir  waz  Got,  ander  ir  waz  Got,  allumb  si  waz  Got,  und 
da  von  waz  si  wol  entlühtet  mit  dem  gewAren  lieht  si  waz  öch  entlühtet 
mit  tugentlichem  lebenn.  also  sont  öch  wir  ir  iins  glichen  mit  tagenden  und 
mit  rainkait,  baidii  inwendig  und  uswendig,  an  dem  hertzen  und  an  der  sele,  5 
also  daz  ain  ieglich  brüder  den  andern  erlühti  mit  sinen  [109’]  tugenden. 
und  swenn  wir  also  lebend,  so  ist  unser  herre  mit  uns  und  rüwet  in  uns 
und  erlühtet  Allu  ünsrü  werch:  so  sint  wir  glich  dem  paradys.  si  waz  alle 
zit  begriffen  mit  lieht  alz  daz  paradys. 

Daz  dritte  daz  in  dem  paradys  waz,  daz  waz  fride.  ze  glicher  wis  waz  io 
du  paradisine  Maria,  dü  wol  haisset  und  ist  ain  lebendes  paradys.  si  waz 
alle  zit  mit  fride,  won  Got,  der  ain  iürst  ist  des  frides,  den  hatt  si  all  umb- 
vangen  in  ir  libe  und  gebar  uns  ain  frid.  won  der  unfrid  der  uns  von 
hem  Adams  ziten  waz  untz  an  daz  zit  daz  Got  mentsch  wart,  do  moht 
nieman  ze  sfine  körnen,  e daz  si  iins  gebar  ainen  fridmacher.  Ysayas  der  ts 
schre  lang  nach  dem  fride.  ‘owi’,  sprach  er,  'won  käme  der  fride!’  der 
frid  nach  dem  er  schrai,  daz  waz  der  lieb  sune  Jhesus  Christus,  der  ain 
frid  waz  zwü/203*7schent  Got  und  dem  mentschen.  dirr  frid  rüwet  in 
der  rainnen  Mariun,  won  si  hatte  kainen  unfrid  weder  mit  hertzen  noch 
mit  libe  noch  mit  kainem  ding,  alsus  sont  wir  öch  frid  han  mit  allen  20 
dingen:  zem  ersten  mit  Got.  der  frid  lit  dar  an  daz  wir  lernen  erkennen 
allen  sinen  willen;  und  so  wir  in  wol  gemerkent,  daz  wir  in  öch  denn  er- 
füllent  mit  den  werchen.  dar  nach  frid  mit  uns  selben,  der  lit  dar  an  daz 
wir  Untugend  und  sünd  hassen,  nit  allain  dar  umbe  daz  es  uns  schad  ist 
und  daz  hymelrich  da  mit  verlierent,  sunder  wir  sont  es  dar  umb  hassen,  25 
won  es  bös  ist  und  untugenthaft,  daz  ander  ist  daz  wir  gntü  werch  tügint 


4.  tugintrichim  G.  Ach  fehlt  G.  ir  (ins]  (ins  A , uns  ir  G.  5.  rainekait . ufi  mit  senft- 
m&tekait  b.  G.  und  uswendig  fehlt  G.  sele  . vnd  uzwendic  an  götiin  lebinne  G.  6.  brfi- 
«1er  den]  mentsche  . un  swestir  die  G,  swester  vli  ein  icgclich  broder  den  Z.  sinen]  ir  G. 

7.  wir]  ir  GZ.  öns]  iveh  beidemal  GZ.  8.  vor  und]  und  ist  allumbe  iveh  GZ.  ivwcriu  GZ. 
wir]  ir  GZ.  S f.  si  — paradys]  de  allizan  begriffin  wc  mit  liehte  GZ.  Mit  si  ist  in  A Maria 
gemeint.  11.  dfi  fehlt  A.  si]  diu  raine  maria  G.  12.  fürst]  frid  .1 ; doch  vgl.  Isai.  9,6. 
ist]  wc  G.  13.  (ins  von]  uon  G.  14  f.  do  m.  nieman]  der  unuridc  mäht  nie  G.  16.  der 
uride  . un  rüweti  insine  bcttclin  G.  IS f.  dirr  — Mariun]  Daz  bcttelin  da  er  innc  rflwet  . de 
wc  maria  . sin  liebiu  mtltir  . dfi  wc  ain  bcttelin  der  rflwo  . unde  des  uridis  G.  19.  mit  ir 
h.  G.  20.  mit  ir  I.  G.  noch  — ding]  wan  sic  hat  vride  mit  allen  dingin  . wan  sie  wc  gar 
uollekomin  . an  allen  tuginden  . de  sie  uon  dchainem  dinge  dekainen  rnuride  hat  G.  wir  fehlt  G. 

21.  Got]  gftte  G.  21  f.  wir  sine  willin  1.  irkennin  G.  22.  so  — gemerkent]  suln  w.  in  wol 
nierkin  G.  24.  Blinde  uü  vntuginde  G.  25.  und]  vn  wir  6.  da  fehlt  G.  sunder — es] 
wir  sulne  sie  rehte  G ; Stellung  in  A:  svnd'  sont  wir  es.  26.  won]  de  G.  untuginthafth  . en- 
wiere  ez  dehain  schade  . so  soltist  dn  doch  die  ertnde  midin  . un  harzen  darumbe  . de  sie  bo'Be  und 
vntuginthaft  ist  G.  wir]  du  Singular  der  2.  l'ers.  auch  im  folgenden  bis  S.  162  Z.  4 G. 


16.  Isai.  57,  2. 

Deutsche  Texte  des  Mittelalter*.  X.  11 


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162 


49.  Von  ünser  vrowen. 


und  tugend  minnegint  nit  allaine  dar  umb  daz  wir  hymelrich  da  mit  ge- 
winnend me  dar  nmbe  daz  es  güt  und  tugentlich  ist.  behaltent  wir  ein 
zwai  ding,  so  hant  wir  alle  weg  fride  mit  uns  selben.  [109 c]  wir  sont  och 
frid  han  mit  ünserm  ebencristan.  der  lit  dar  an  daz  wir  gedulteklich  zorn 
a vertragent  und  widermüt,  und  nit  allain  vertragen,  wir  sont  Och  daz  übel 
gelten  mit  gütem  und  sont  hass  und  nid  mit  minnen  gelten,  so  wir  alsus 
frid  haben,  so  sint  wir  glich  dem  paradys,  so  ist  unser  sei  ain  garte  der 
wolnust;  won  der  lieb  Got  wil  da  wollust  besüchen  bi  siner  fründin. 

Nu  merkent  fürbas,  er  hat  gesprochen:  ‘Got  hat  geflanzet  ain  paradys 
io  der  wollust  vor  dem  angenge  der  weite,  und  in  dem  paradys  hat  er  geleit 
ainen  mentschen,  den  er  sunderlich  hat  geschaffen',  der  mentsch  waz  sin 

sun  Jhesus  Christus,  der  sun  wart  mentsch  von  vier  sunderlichen  Sachen, 
daz  erst:  daz  er  ünser  gelid  wurdi,  und  wir  siner  gothait  mit  im  tailhaft 
wurdent.  daz  wirt  üns  dü  gröste  vröde  die  wir  iemer  gewinnen  mugent  in 

15  hymel/fOS'Vriche,  daz  wir  glich  Got  wurdent  an  götlicher  nature  und  er  üns 
an  mentsch  lieber  nature.  da  von  spricht  sant  Bernhart:  ‘es  ist  ain  ding  daz 
vol  senftekait  und  süssekait  ist  und  wunneklichü  vröde,  daz  man  den  sol 
sehen  mentschen  der  den  mentschen  geschaffen  hat;  und  der  da  waz  mit 
enander  vatter  und  herre,  der  ist  worden  kneht  und  geselle’,  das  ander: 
20  daz  er  gemainschaft  mit  üns  wolt  began.  und  sprechent  die  maister  und  die 
hailgen  daz  die  mentschen  da  von  wol  sint  zü  berefzenne  die  sich  gern  sun- 
drent  in  gaischlichem  leben  mit  ir  Sitten  und  mit  sundren  dingen,  sit  Got 
dar  umb  mentsch  wart  daz  er  gemainschaft  mit  üns  hetti,  so  sol  der  mentsche 
sich  gerne  flissen  gemaines  lebens  und  der  gemainen  gesetzde,  won  ünserm 
25  herren  ist  enkain  ding  so  empfellig  so  der  ge[110“]m&in  dienst,  daz  dritt 
ist  dar  umbe  Got  mentsch  wart,  daz  er  ünser  wunden  hailti;  won  wir  warent 
alle  sere  wund,  daz  nie  mentsch  so  wol  moht  getiin  daz  es  ie  ze  hyme/riche 
möhti  komen  vor  sim  tode.  und  mit  sinen  wunden  hailte  er  ünser  wanden, 
also  sprichet  sant  Augustinus:  ‘o  herre,  daz  obrost  urkünde  daz  du  ie  er- 

1.  da  fehlt  G.  2.  vor  behaltent]  unde  soltist  du  gtitir  werc  niemir  Ion  enphan  . so  soltist 
dn  doch  tuginde  minnen  durh  ir  gfiti  G.  dü  fehlt  AGZ.  S.  alle  weg]  allezan  G.  och 
fehlt  G.  4.  dinem  ebin  mentschin  G.  daz  wir  fehlt  G.  5.  vertragent]  virtragin  G. 

6.  güte  G.  und  nid  fehlt  G.  7.  halten  G.  ist  fehlt  A.  10.  geleit]  gebeittit  G. 

11  f.  den  — Sachen]  vfi  den  mentschin  hat  er  snndirlicho  geschaffin  . Nu  merkint  wer  der  mentsche 
ist  . den  er  snndirlicho  hat  geschaffin  . ez  ist  sin  licbir  sun  ihc  xpe  . den  hat  er  wol  sundiriieher 
geschaffin  . denne  er  ie  mentschin  geschflphe  . wie  ist  er  abir  sundiriiehe  geschaffin  . de  ist  er 
daran  . de  er  got  und  mentsche  ist  . Nu  merkint  vier  sundirlichiu  dinc  . darumbc  got  mentsche 
wart  G.  13.  Dfi  erst  G.  14.  cor  daz]  de  wir  gotte  mit  gotte  . vnsirme  glit  wrde  . wan  an 
sinir  mentschait  wart  er  dnsir  tailhaftc  . nfi  wir  Bin  . vnd  G.  gewinnet  A.  15.  wurdent] 
sin  G.  Ibf  er  Ans  gelichc  an  G.  16  f.  de  ist  uol  s.  n.  s.  un  G.  17.  den  fehlt  G;  vgl.  oben  S.  91 
Z.  25.  18.  den  m.  sehin  der  den  G.  19.  andir  ist  G.  21.  wol]  sundiriiehe  G.  22.  I.  mit  — 

dingen]  I.  de  siu  etwe  gerne  sundir  sitton  . aide  sundir  dinc  hain  . die  sol  man  uaste  bereffin  GZ. 

23.  betti]  behiclti  G.  23  f.  der  — gerne]  sich  wol  gerne  ain  ielich  mentsche  G.  25.  ding] 
dienist  G.  empfellig]  lobcliche  G.  26.  cs  A.  27.  alle]  also  G.  hymeriche  A.  27  f.  cs  — 
tode]  uor  sinem  tode  ie  mentsche  zehimilrichc  komc  G. 


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49.  Von  unser  vrowen. 


163 


zaigtest  an  der  minne,  daz  vaz  din  ain  erborner  sun  Jhesus  Christus,  daz  du 
den  an  den  tot  gäbe  durch  daz  daz  du  mit  sinen  wunden  unser  wunden 
hailtist’.  du  vierde  Sache  ist  war  umb  Got  mentsch  wart,  daz  er  sinen  vatter 
zü  der  erbärmde  twungi  über  die  mentschait;  won  er  manet  und  bittet  sin 
vatter  alle  tag  daz  er  den  sünder  begnade,  und  spricht  sant  Augustinus  5 
daz  er  sim  vatter  sin  wunde  zaiget,  daz  er  da  mitte  in  erwaichi  zü  der 
erbärmde. 


[50.]  Von  der  gotllclien  minne. 

[Hoc  est  preceptum  meum,  tit  diligatis  invicem,  sicut  dilexi  vos.J 

‘Das  ist  min  gebot’,  spricht  unser  [110*]  herre,  ‘daz  ir  enander  alle  io 
minnent 

Disü  wort  sprach  er  zem  ersten  zü  sinen  jungem  und  zü  den  zwelf 
botten,  von  den  man  och  dis  selbe  liset  in  dem  ewangelio  sant  Johansen. 
und  ällü  du  ewangelia  du  man  liset  von  in,  dü  sprechend  ällü  von  der 
minne.  und  ist  da  bi  bezaichent  daz  si  vol  minne  warent,  won  daz  zaige-  15 
tent  si  an  Worten  und  an  werchen,  do  si  giengent  alz  wit  so  dü  weite  waz, 
und  predigetent  dü  Gottes  wort  und  lertent  die  minne,  der  si  do  überflussend. 
ir  wissent  wol:  die  blümen  die  zem  ersten  in  dem  summer  koment  und 
wachsent,  die  bant  me  saffes  und  grüni  in  sich  gesogen  von  der  kraft  des 
summers  denne  die  dar  nach  koment.  also  warent  die  junger  die  blümen  20 

Hoc  est  preceptum  meum,  ut  diligatis  invicem,  sicut  dilexi  vos. 

'Diz  gebtite  ich  iu  de  ir  ain  andir  minnent*  . alsus  spräche  ünsir  herre  zeden 
botton  und  ze  sinen  jungeron  . unde  diz  euuangclium  lisit  man  von  den  botton  . unde 
oll ü diu  ewangelia  diu  man  von  in  lisit,  dü  sprechint  elliu  von  der  minne  . und  ist  da 
bie  bezainchint  de  sü  vol  minne  warin  . de  zaigoton  sü  an  wortin  und  an  werkin,  do  23 
eiu  giengin  alse  wit  so  dü  weit  wc,  unde  bredioton  Gotis  wort  und  lerton  die  minne, 
wan  siu  der  minne  rehte  übir  vlüzzic  warin  . ir  wissint  wol:  die  bliimin  die  zem  erste 
in  dem  sumir  wahsint,  die  hant  me  saffis  und  grüni  in  sich  gesogin  von  der  crafte  des 
sumirs  denne  die  blumin  die  darnahe  komint  . also,  spriche  ich,  warin  die  jungirne  die 

1.  din  — 3 hailtist]  daz  du  dinen  dinen  (10)  ainebome  sun  vnsirne  herrin  ihm  xpm  . an  den 
tot  gebe  . darumbe  de  du  (du  vnser  Z)  wnda  hailtist  . mit  sinen  wndan  O.  8.  ist  fehlt  G. 
daz]  de  ist  de  G.  5.  alle  tag  fehlt  G.  6 f.  da  — crb&nudc]  in  da  mit  twingit  . de  er  sich 
irbarme  . übir  den  mötschin  G.  8.  Überschrift  fehlt  G HW,  Dis  sprach  vns'  h'ro  ze  sinen  zwef 
bottc  (rot)  Z,  Van  den  apostclcn  yntgemcvne  Phill.  9.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  15.  ist 
fehlt  d. 


5.  Die  Predigt  findet  sich  in  G Bl.  35‘,  dessen  Text  in  der  eireiten  Spalte  mitgeteilt  ist; 
Z Bl.  42 •;  IV  Bl.  21'  (stimmt  im  grollen  und  ganzen  mit  G überein );  X Bl.  23;  H AV.  8;  Phill. 
Bl.  190  •;  vgl.  einen  ähnlichen  Text  in  Cod.  Pal.  germ.  24  Bl.  250 ‘ (Bartsch  AV.  18)  der  Heidel- 
berger Universitätsbibliothek  und  Cod.  lat.  12520  Bl.  31 * der  Münchener  Hof-  u.  Staatsbibi. 

9.  Joan.  15, 12. 

lt* 


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164 


50.  Von  der  gütlichen  minne. 


die  brinnenden  rosen , die  zem  erst  in  dem  sommer  wüchsent.  do  hüb  sich 

der  summer  do  unser  herre  Jhesus  Christus  uff  ertrich  kam  und  mit  in 
wandtet  in  mentschlicher  nature:  daz  waz  du  niiwi  / 110' ] des  summers  und 
ain  anvang  aller  unser  hailikait.  daz  sprich  ich  daz  si  die  ersten  blümen 
s warent  die  in  dem  summer  wüchsent  da  von  hattent  si  me  saffes  und  grüni 
in  sich  gesogen  von  sinen  Worten,  von  siner  lere,  daz  si  kreftiger  minne  me 
hattent  denn  die  blümen  die  sider  wüchsent;  won  si  warent  so  vol  der 
minne  und  warent  also  stark  daz  si  den  bittern  tod  littent  durch  Got.  sant 
Paulus  sprichet:  ‘wer  mag  uns  geschaiden  von  der  minne  ünsers  herren  Jhesu 
io  Christi?  daz  enmag  enhain  angest  noch  dekain  not’,  seht!  also  warent  si 
überflüssig  und  überfüllet  mit  der  minne.  und  do  ünser  herre  mit  in  wan- 
delt, do  rette  er  dik  mit  in  von  der  minne. 

Also  liset  man  in  ainem  andern  ewangelio  daz  ünser  herre  zü  in  sprach: 
'ich  gib  üch  ain  nüw  gebot,  daz  ir  enander  minnent’.  war  umb  ünser  herre 
15  die  minne  me  gehütet  denne  anders  iht,  daz  ist  dar  umb  won  [ 110 *]  an  die 

minne  im  enhain  ding  ist  genäme.  und  alles  daz  an  die  minne  ist,  daz  ist 

unfruhtbär;  und  aber  alles  daz  mit  ir  ist,  daz  ist  nütze,  sprichet  sant 
Paulus:  'alles  daz  dem  mentschen  geschiht,  daz  die  minne  hat,  daz  kunt  im 
alles  ze  güte,  won  dü  minne  v erböset  enkain  ding;  alles  daz  dü  minne  tüt, 

20  blümin,  die  brinnenden  rosin,  die  zem  erste  indem  sumir  wahsint  . do  hup  sich  der 
Bumir  do  unsir  herre  Jhesus  Christus  uf  ertriche  kam  und  mit  inen  wandelot  in  ment- 
schelichir  natür:  de  wc  dü  niuwe  des  sumirs  und  ain  anevanc  allir  ünsir  selkait  . de 
spriche  ich  de  sü  die  erstin  blümin  warm  die  in  dem  sumir  whain  . da  von  hatton  siu 
me  saphiz  und  grüni  in  sich  gesogin  von  sinen  wortin,  von  sinir  lere,  daz  siu  kreftigir 
25  minne  me  hatton  denne  die  blümin  die  sit  whsin  . die  warm  reht  vol  minnen  und  warm 
also  starke  de  siu  den  bitterne  tot  littin  durh  Got  . sant  Paulus  sprichit:  ‘quis  nos 
separabit  a caritate  Christi?  wer  mac  uns  geschaidin  von  der  minne  ünsirs  herrin 

Jhesu  Christi?  enhain  angist  noch  enhain  not  mac  uns  übir  windin  * . also  wann 

siu  übir  vlüzzic  und  übir  vüllit  mit  der  minne  . und  do  ünsir  herre  mit  inen  wan- 
so  delot,  do  rette  er  mit  inen  harte  dike  von  der  minne  . also  lisit  man  in  ainem 
andirn  ewangelio  ('hoc  est  preceptum  meum')  de  ünsir  herre  zü  inen  spreche  und  reu«: 
‘de  ist  min  gebotte  de  ir  ain  andir  minnent,  als  ich  iu  geminnet  han ' . so  sprichit 
er  abir  andirswa:  ’mandatum  novum  do  vobis  ut  diligatis  . ich  gibe  iu  ain  nüwe 
gebotte,  de  ir  ain  andir  minnent’  . u-arumbe  ünsir  herre  die  minne  me  gebütit  denne 
85  anderiu  gebotte,  de  ist  darumbe,  sprichit  sant  Johans,  wan  ane  die  minne  ist  Got 
enhain  dinc  gemeine,  und  dem  mentsebin  ist  enhain  dinc  vruhtbierre;  und  abir  alliz  de 
mit  der  minne  ist,  de  ist  nüzee  . also  sprichit  sant  Paulus : ‘alliz  de  dem  mentschln 
geschihit,  de  die  minne  het,  de  kumit  im  alliz  ze  güte  wan  diu  minne  virboisit  enhain 


26.  sprich;  (}.  34.  Darumbe  faltcha  Initial  G. 


9.  Rom.  8,  35.  14.  Joan.  13,  34.  18.  Rom.  9,  28. 


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50.  Von  der  gütlichen  minne. 


165 


daz  ist  alles  behalten’,  nu  sprichet  aber  sant  Johans  daz  du  minne  nutzer 
si  denne  ander  ding;  won  swer  die  minne  hat,  der  hät  alle  tugend  und  be- 
haltet Allö  du  gebot,  und  dar  umb  gebötet  unser  herre  die  minne  me  denn 
ander  ding,  nu  spricht  sant  Gregori  in  ainer  omely  alsus  von  der  minne: 

‘es  enist  enkain  ding  daz  aigenlich  des  mentschen  si,  won  wille  und  minne;  5 
won  von  dem  willen  gät  du  minne.  wille  und  minne  sint  Alle  zit  sament, 
und  ist  enhain  ding,  etswer  habe  [111°]  bresten  dar  an,  won  allaine  hie  an; 
won  der  wille  ist  alz  aigenlich  des  mentschen  daz  in  im  nieman  genemen 
mag.  Got  mag  in  im  genemen  nit,  won  er  gab  dem  mentschen  frigen  willen 
reht  von  siner  frihait  . nämi  er  in  im  denne,  so  tAti  er  unreht;  er  tüt  es  io 
aber  nit.  unser  herre  twinget  nieman  enhains  dinges,  er  lat  den  mentschen 
von  frigem  willen  tön  swaz  er  wil.  und  dar  umbe  won  der  wille  aigenlich 
des  mentschen  ist  und  sich  enkainer  mentsch  entschuldgen  mag  es  enhabe 
willen,  dar  umbe  gebötet  unser  herre  die  minne;  won  der  mentsch  keret  wol 
sinen  willen  swar  er  wil,  daz  im  es  nieman  erwerren  mag  . und  dar  umbe  15 
gebötet  unser  herre  die  minne,  won  ain  ieglich  mentsch  sines  willen  gewalt  hat 
und  in  wol  keret  zü  der  minne’.  nu  spricht  er  öch  daz  er  umb  [IIP]  ain 
ander  sache  minne  geböt.  hetti  er  gebotten  almäsen  ze  gebenne,  so  ist 
mänig  mentsche  alz  arm  daz  es  nit  ze  gebenn  hät.  hetti  er  denne  öch  ge- 

dinc  . alliz  de  du  minne  tüt,  de  ist  alliz  behaltin  . nu  sprichit  abir  sant  Johannes  de  20 
dü  minne  nüzzir  sie  denne  andir  dinc;  wan  swer  die  minne  het,  der  het  alle  die 
tuginde,  wan  ander  minne  hangent  ellü  du  gebotte  . und  swer  die  minne  behaltit,  der 
behaltit  elliu  gebotte  . unde  darurabe  gebütit  ünsir  herre  die  minne  me  denne  anderiu 
gebot  . nu  sprichit  sant  Gregorius  ander  omelia  übir  de  ewangelium,  warumbe  Got  die 
minne  me  gebütit  denne  andirü  dinc : 'ez  ist  enhain  dinc  de  aigenliche  des  mentsehin  25 
sie,  won  wille  unde  minne;  wan  von  dem  willen  gat  diu  minne  . wille  und  minne  sint 
allezan  samint;  und  enist  dehain  dinc,  etwer  habe  brestin  dran,  wan  hie  an;  wan  der 
wille  ist  als  aiginliche  des  mentsehin  de  imen  nieman  genemin  mac  . Got  mac  im  in 
genaemin  niht,  wan  er  gap  dem  mentsehin  vrigin  willin  reht  von  sinir  vrihait  . meine 
er  imen  denne,  so  tet  er  unrehte;  er  entüt  ez  abir  niht  . ünsir  herre  twingit  nieman  30 
dehainis  dingiz  . er  lat  den  mentsehin  von  vriem  willin  tim  swe  er  wil  . und  darumbe 
wände  der  wille  aiginliche  des  mentsehin  ist  und  sich  enhain  mentsche  entschuldigon 
mac  ez  enhaige  willin,  darumbe  gebütit  ünsir  herre  die  minna;  wan  der  mentsche  sinen 
willin  kerit  swar  er  wil,  de  im  ez  nieman  irwerne  mac  . und  darumbe  gebütit  unsir 
herre  die  minne,  wan  ain  ieliche  mentsche  willin  gwalt  hat  und  den  willin  wol  ze  35 
minnen  kerit’.  nu  sprichit  er  de  er  ouch  umbe  ain  andir  sache  minne  gebütit  . hetti  er  ' 
gebottin  almüsin  zegebinne,  so  ist  mienic  mentsche  also  arne  de  ez  niht  zegebinne 


9.  de  J.  12.  wille  fehlt  .4.  17.  vb]  umb  oder  unb  I*  A.  22 f.  der  behaltit  eicei- 

mal  G.  25.  enhail  G. 


1 . II.  Joan.  5,  6. 


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166 


50.  Von  der  gütlichen  minne. 


botten  etswar  ze  varenn  oder  ze  gAnde,  so  wAri  etliches  villiht  lam,  daz  es 
nit  gän  möhti;  aber  die  minne  mag  ain  ieglich  mentsch  wol  gelaisten. 

Nu  ist  ain  ander  frage  war  umbe  Got  gebiete  daz  wir  ain  ander  min- 
nent,  und  er  nit  sprichet  daz  wir  in  minnen.  dar  umb  sprichet  sant  Paulus: 
5 ‘swer  sinen  eben  cristen  minnet,  der  rainnet  Got;  und  swer  sinen  eben  cristen 
nit  minnet,  der  minnet  och  Got  nit’.  sprichet  sant  Johannes:  'sprich  ich 
daz  ich  Got  minne,  und  hassen  minen  brüder,  so  müz  ich  jehen  daz  ich  liegi; 
won  minnen  ich  Got,  so  hassen  ich  nieman’.  aber  untz  ich  minen  brüder 
hassen,  so  mag  ich  Gottes  nit  minnen;  won  du  zwai  löffent  mit  enander  all- 
10  weg,  und  enmag  enweders  An  daz  ander  sin.  [111’]  swer  Got  minnet,  der 
minnet  öch  sinen  brüder  in  Got;  swer  och  sinen  brüder  hasset,  der  hasset 
och  Got 

Man  liset  von  aim,  der  kam  zü  ünserm  herren  und  fragte  in  weles  der 
obrost  gebott  wAre  in  der  e.  do  sprach  er:  'du  solt  Got  minnen  von  allem 
15  dim  hertzen,  von  aller  diner  sele  und  von  aller  diner  krefte’.  über  daz 
wort  sprichet  sant  Augustinus  und  leret  uns  wie  wir  Got  minnen  sont. 
‘ir  sont’,  spricht  er,  'Got  minnen  von  allem  hertzen,  also  daz  üch  kain 

hetti  . hetti  er  gebottin  ouch  etswa  bin  ze  v&rne  aide  ze  genne,  so  wer  etliche  mentache 
lam  de  er  nibt  gan  mehti  . unde  kurzeliche,  spriebit  er,  hie  an  merkint  elliu  dinc  de 
20  enhain  dinge  ist,  etlich  mentsche  enhabe  dran  breetin,  wan  an  willin  . unde  darumke 
wan  sich  des  nieman  entachuldigon  mac  de  er  nibt  willen  haige,  darumbe  gebütit  er 
die  minne  . wan  de  enmac  nieman  gesprechin : Got  bat  mir  gebottin  des  ich  nibt  ge- 
laistin mac,  wan  ain  ielich  •mentsche  hat  vrigen  willin,  de  er  wol  minnen  mac 
swe  er  wiL 

25  Diz  ist  ain  andir  vrage:  warumbe  er  gebiete  de  wir  ain  andir  minnen,  und  er  niht 
spriebit  de  wir  in  minnen  . nu  sprichit  sant  Paulus : 'swer  sinen  ebinmentechin  minnet, 
der  minnit  ouch  Got;  swer  abir  sinen  ebinmentechin  nibt  minnet,  der  enminnet  ouch 
Got  niht’  . nu  spriebit  sant  Johannes:  ‘spriche  ich  de  ich  Got  minne,  unde  harze 
minen  brüdir,  so  müz  ich  jebin  de  ich  liege;  wan  minnon  ich  Got,  son  bazzen  ich 
SO  nieman’;  abir  unz  ich  minen  brüdir  aide  mine  swestir  bazzen,  son  mac  ich  Gotüs  minne 
niht  han  : wan  diu  zwai  Iofint  alliz  samint,  und  enwedirs  mac  ane  de  andir  gesin  . swer 
Got  minnet,  der  minnet  ouch  sine  swestir  in  Got;  swer  ouch  eine  swestir  hazzet,  der 
hazzet  ouch  Got. 

Wan  lisit  von  ainem,  der  kam  ze  ünsitme  berrin  und  vragot  ine  welez  das  oberoste 
35  gebot  wtere  in  der  6.  do  sprach  unsir  herre:  'diliges  dominum  deum  tuum  etc.  du  solt 
Got  minnen  von  allim  dinem  herzin,  von  allir  dinir  sele  und  von  allen  dinen  ereften’. 
übir  dü  wort  spriebit  sant  Augustinus  und  lerte  uns  wie  wir  Got  minnen  suln : ‘ir  sunt 
Got  süzecliche  minnen  von  allim  herzin,  also  de  enbain  andir  süzekait  iuch  von  im 


3.  war  fehlt  A.  gebieten  A.  4.  Paulus]  l.  Johans.  25.  er  fehlt  O.  30.  got  6. 


5.  i.  Joan.  4,  21.  6.  I.  Joan.  4,  20.  13.  Matt.  22,  36 f. 


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50.  Von  der  gütlichen  minne. 


167 


ändrii  süskait  von  im  loke.  du  solt  Got  minneu  von  aller  sele,  daz  er  dir 

liep  si  über  ällü  ding:  daz  ist  wislich  geminnet.  du  solt  in  öch  minnen 

von  allen  dinen  kreften,  also  daz  du  sin  niemer  vergessist  und  din  hertze 
niemer  von  im  gewenke,  daz  du  ällü  zit  an  in  gedenkest’,  nu  spricht 
er  denne  daz  disü  minne  uff  ertrich  haben  mag  enhain  mentsch,  daz  ie  so  5 
volko/iild/men  wart,  an  ünsern  herren  Jhesum  Christum  und  sin  trut  müter 
Marien:  die  lassent  vor!  du  solt  Got  minnen  wislichen  alz  die  bihter.  die 
minnent  Got  alz  wislich  daz  sü  lertent  mit  Worten  und  mit  werchen  uud 

mit  g&tem  bilde  wie  wir  Got  sont  minnen.  du  solt  och  Got  minnen  starklich 
alz  die  martrer.  die  hattent  so  starke  minne  daz  si  littent  den  bitern  tod  io 
e daz  si  wöltent  schaiden  sich  von  der  minne  Gottes,  du  solt  öch  Got  min- 
nen süsseklich  alz  die  mägde.  die  minnetent  Got  also  süsklich  daz  si  aller 

der  weit  süskait  und  vröde  versmahetent  durch  Gottes  süssekait. 

Sant  Bernhart  spricht  daz  wir  Got  minnen  süllent  von  allem  unsrem 
hertzen  sfisseklich,  von  aller  sele  wislich,  von  allen  kreften  starklich.  daz  15 
wir  in  süsseklich  minnent,  dar  zü  sont  üns  drü  ding  luken.  [11‘2°J 

Daz  eist  ist  daz  wir  gedenkent  wie  gross  minne  er  üns  eroget  hat  und 

lukke  . du  solt  Got  minnen  wisliche  von  allir  sele,  de  er  dir  liep  sie  vür  elld  dinc  . du 

solt  Got  minnen  atieteklicho  von  allen  dinen  creftin,  also  de  du  sin  niemir  virgezzest 
und  de  din  herze  niemer  dehain  zit  von  Got  gewenke  und  de  du  allizan  an  in  ge-  20 
denkest’,  nu  sprichit  er  denne:  ‘dise  minne  mac  nieman  uffen  ertriche  han,  enhain 
mentsche,  de  ie  so  vollekomin  wart,  es  enwtere  do  ünsir  vrowe : die  lazen  vor  und 
Jhesus  Christus,  ir  sun,  ane  du  zwai  enwart  nie  mentsehe  so  hailic  de  die  drittun  minne 

hetti  . ir  sulnt  wissin’,  sprichit  er,  ich  ‘redonz  darumbe  de  ir  dran  merkent  die  volle- 

komenun  minne,  zeder  wir  körnen  nah  dirre  weite.  25 

Jin  andir  lerer  betütit  üns  ouch  dü  wort  dü  ünsir  berre  sprach  in  dem  ewangelio : 
‘diliges  dominum  deum  tuum  ’.  ‘du  solt  Got  minnen  süzecliche  von  allim  herzin  alse 
die  megide : die  minnoton  Got  also  süzecliche  de  siu  alle  die  süzekait  und  die  vroide 
dirre  weit  virsmaheton  durh  Gotis  süzekait  . du  solt  Got  minnen  wisliche  von  allir 
dinir  sele  wisliche  alse  die  bihttere : die  minnoton  Got  also  wisliche  de  siu  lernoton  und  30 
lerton  beidiu  mit  wortin  und  mit  werkiu  und  mit  giitim  bilde  wie  wir  Got  sulne 
minnon  . du  solt  ouch  Got  minnon  starkeliche  von  allen  dinen  creftin  alse  die  mar- 
terer : die  hatton  also  stark  minne  de  sie  die  bittirne  martyr  ö littin  e siu  von  Göttis 
minne  woltin  schaiden’. 

Nu  betütit  uns  sant  Bernhart  abir  diu  wort,  wie  wir  Got  minnen  sulne  . wir  sun  35 
Got  minnen  von  allim  herzin  süzecliche,  von  allir  sele  wisliche,  von  allir  gebügede 
starkelichin  . daz  wir  Got  suzeliche  minnen,  darzü  suln  üns  drü  dinc  ziehin  und  lukin. 

Daz  erst  ist  daz  de  wir  gedenken  wie  groze  minne  üns  ünsir  herre  geogit  hat  und 


1.  mlncn  von  allem  h'tzen  von  A.  4.  in  spricht  ist  das  t später  hinzugeschrieben  A. 

10.  bit'nl  bitern  oder  bitren?  A.  18.  wisliche  non  allim  herzin  von  G.  23.  drittun  oder 
drintui  V G.  26.  .-lin]  Sin  G,  Min  IV,  durch  falsches  Initial  hercorgentfen.  29.  wisliche  zu 
streichen  t 30.  dinir  zweimal  G.  34.  minne  fehlt  G. 


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168 


50.  Von  der  gfttliclien  minne. 


wie  gross  gnade  er  uns  hat  getan;  won  es  enwart  nie  mentsche  dem  Got 
so  lützel  gnade  hab  getan,  und  erkande  es  si  rehte,  es  müsti  in  von  allem 
sim  hertzen  minnen.  als  spricht  sant  Augustinus  und  redet  mit  siner  sele: 
*o  sele  min,  du  bist  grosses  gelt  schuldig,  du  hast  gross  gäbe  vergeben  en- 
5 phangen':  und  spricht  denn:  ‘gedenk,  sei  min,  daz  dich  Got  geschaffen  hat 
durch  reht  frihait,  won  er  bedorfte  ze  nüti  din'.  e Got  ie  mentsch  oder 
engel  geschüf  oder  kain  creature,  do  waz  sin  herschaft  und  sin  vröde  alz 
gross  als  liüt  dis  tages,  won  anders  wäri  nit  iUlü  an  im  volkomen.  und  da 
von  sprichet  er:  ‘sele  min,  er  bedorfte  din  ze  nüti,  won  daz  er  dich  geschüf 
io  von  rehter  frihait  siner  güti;  und  do  er  dich  geschüf,  do  ge/i/2*/schüf  er 
dich  nit  also  als  ander  creature.  er  geschüf  dich  schone  und  wirdeklich  nach 
im  selben,  und  kofte  dich  do  mit  sim  tode  wider,  do  du  in  mit  den  Sünden 
verlor«  hattest»  nu  sich,  sei  min,  hie  von  bist  du  grosses  geltes  schuldig, 
dir  ist  gross  ding  geben  von  minne,  und  daz  enkanst  du  niemer  wirdeklicher 
15  noch  sälklicher  vergelten  denn  och  mit  minne:  won  swaz  dir  von  minnen  ist 
gegeben,  daz  solt  du  öch  mit  minne  gelten’,  nu  spricht  er  aber:  'sele  min, 
du  solt  nit  tün  alz  daz  bös  wip  dü  da  hatte  ainen  frünt  der  ir  gäbe  git: 

den  minnet  si  me  durch  der  gäbe  willen  denn  durch  die  früntschaft  du  solt 

wie  groze  gnade  er  (ins  hat  getan  . swenne  ain  sailic  mentsche  gedenkit  de  im  Got  so 
20  grozeliche  sine  güti  und  sine  milti  irzaiget  het,  so  mac  de  kume  sin  ez  enmüze  da  zü 
bewegit  werdin  de  ez  Got  süzeliche  minne;  wan  ez  enwart  nie  enhain  mentsche  dem 
Got  so  lüzil  gnadon  habe  getan,  und  irkandi  ez  sie  rehte,  ez  müze  Got  minnen  von 

allim  sinem  herzin  , also  sprichit  sant  Augustinus  und  redot  mit  der  sele  . ‘O’,  sprichit 

er,  ‘sele  miniu,  du  bist  grozis  geltis  schuldic,  du  hast  groziu  dinc  und  groze  gäbe  vir- 
25  gebin  enpfangin’  . und  sprichit  denne:  ‘gedenke,  sele  minü,  de  dich  Got  geschaffin  hat 
durh  rehte  vrihait ; wan  er  enbedorfte  din  ze  nüte’  . e Got  ie  mentsche  aide  engil  ge- 
schüpfe  aide  dehain  creature,  do  wc  sin  vroide  und  sin  herschafte  also  groze  also  hüte 
diz  tagis;  wan  er  ist  also  volkomin  an  allir  vroide,  an  allir  vrihait  und  an  allir  her- 
schaft de  sie  niemir  gemeret  noch  geminrit  mac  werdin  . wan  michti  si  geminrit  aide  ge- 
90  merit  werdin,  so  enwsere  ouch  niht  ellü  gütiu  an  im  vollekomin  . und  davon  sprichit  er; 
‘sele  minü,  er  enbedorfte  din  ze  nüte,  wan  de  er  dich  geschflpfe  von  der  vrihait  sinir 
güti;  und  do  er  dich  geschüphe,  do  enschüphe  er  din  nüt  alse  andir  creature,  er  schüfe 
dich  schone  unde  wirdecliche  nah  im  selbin  und  koufte  dich  do  mit  sinem  tode  widir  . 
do  du  dich  von  im  kertost  ze  den  sündon , do  enpfienc  er  dich  widir  und  gap  dir  sine 
95  gnade’  . und  alsus  zeit  er  vil  gnadon  die  im  Got  tet,  und  sprichit  denne:  ‘nu  sich,  sele 
minü,  hie  von  bistu  grozis  geltis  schuldic  . dir  ist  groz  dinc  gegebin  von  minne,  und  de 
enkanst  du  niemir  zierlichir  noch  wirdeclichir  noch  lobelichir  virgeltin  denne  ouch  mit 
minne:  wan  swe  dir  von  minne  ist  gegebin,  de  solt  du  oTch  mit  minne  geltin’  . nu 
sprichit  er  abir:  ‘sele  minü,  du  solt  niht  tön  alse  de  boise  wip  . so  de  boise  wip  ainen 
40  vrünt  het  der  ir  gäbe  git,  den  vrünt  den  minnot  sü  me  durh  die  gäbe  denne  durh  ir 


82.  er  fehlt  O.  89.  sprich;  0. 


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50.  Von  der  gütlichen  minne. 


169 


in  me  minnen  durch  die  liebi  die  er  dir  mit  der  gäbe  eröget  hat,  denn 
durch  die  gäbe;  es  wärt  nit  ain  groz  ding  du  gäbe  won  den  willen  den  er 
da  mit  erögte.  der  güt  wille  ist  höher  ze  minnen  denn  du  gäbe,  won  in 

twinget  sin  rehtü  güti  dar  zu  und  du  [112 c]  minne  die  er  zü  der  sele  hat’- 
also  sol  der  mentsche  gedenken  an  die  güti  sins  willen  die  in  dar  zfl  twinget  5 
daz  er  dem  mentschen  sin  gnade  git.  so  twinget  in  denn  du  selb  güti  die 
er  an  Got  veretat,  daz  er  in  süsklich  minnen  müss. 

Daz  ander  daz  uns  dar  zu  loket  daz  wir  Got  süsklich  minnent,  daz  ist 
daz  er  dem  mentschen  sin  sünde  vergit;  won  unsere  herren  erbürmde  und 
sin  güti  ist  also  gross  daz  nie  mentsch  so  übel  getet,  Got  vergilbe  im  alle  io 
sin  sünde,  wil  er  widerkeren.  also  sprichet  der  wissag:  ‘unsere  herren  er- 
bürmde  sint  über  ällü  sinü  werch’.  so  sprichet  er  öch:  ‘Got  der  minnet  alles 
daz  er  ie  geschiif'.  daz  Got  etswenn  arbait  und  kumber  verhenget  über  den 
mentschen,  daz  tut  er  durch  siner  sünd  willen  und  durch  kainen  hass,  won 
er  enhasset  nihtes  nit  alles  des  so  er  ie  geschiif;  und  dar  unbe  verhenget  15 
er  hie  übel  über  den  mentschen  durch  daz  daz  im  dört  übel  nit  beschehe, 
won  aintwe/ff^Vder  hie  oder  dört  müss  der  sünder  umb  sin  sünde  gekestget 

vrüntschafth  . du  solt  in  wirdeclichir  minnen  . du  solt  Got  minnen  durh  die  gäbe  unde 
durh  die  vrüntschaft,  und  solt  in  wirdeclichir  minnen  durh  die  liebi  die  er  dir  mit  der 
gäbe  ögit,  denne  durh  die  gäbe;  ez  enwere  niht  ain  groz  dinc  du  gäbe  ane  den  gütin  '10 
willin , den  er  an  der  gäbe  irzaiget . der  güte  wille  sinir  güti  und  du  liebi  dü  in  twingit 
de  er  die  gäbe  git,  diu  güti  ist  hohir  ze  minnenne  denne  diu  gäbe;  wan  in  twingit  sin 
rehtü  giiti  darzft  und  dü  groze  minne  die  er  ze  der  sele  het  . und  darumbe’,  sprichit  er, 
‘sele  minü,  du  solt  Got  wirdeclichir  und  grozelichir  minnon  durh  die  vriun  güti  diu  in 
so  minneclichen  twingit  de  er  sine  giiti  mit  dir  tailte’  . also  sol  ain  selic  mentsche  ge-  25 
denkin  an  die  grozun  gnade  die  im  Got  het  getan,  und  sol  gedenkin  an  dien  willin 
sinir  güti  der  in  dar  zü  twingit  de  er  dem  mentschin  sine  gnade  git:  so  twingit  in 
denne  diu  güti  die  er  an  Got  virstat,  dar  er  Got  süzecliche  minnen  müze. 

Daz  andir  de  üns  dar  zü  lukit  de  wir  Got  süzecliche  minnen,  de  ist  de  er  dem 

mentschin  sine  sünde  virgit  . wan  ünsirs  herrin  güti  und  sine  irbsermde  ist  also  groz  de  30 
nie  enhain  sünder  so  übil  wart,  Got  envirgebe  im  alle  sine  sünde,  wil  er  widir  komin ; 
wan  also  sprichit  der  wissage:  ‘ miserationes  eius  super  omnia  opera  . unsirs  herrin  er- 
b «»miede  ist  übir  ellü  sinü  werc’  . so  sprichit  er  abir  andirswa:  ‘Got  minnet  alliz  daz 
er  ie  geschüphe’  . nu  merkint  hie:  Got  haizit  enhain  dinc,  er  ist  so  güt  de  enhain 

haz  an  in  gevallin  mac;  er  minnet  allis  de  er  ie  geschüfe  . und  de  Got  arbait  et-  35 

wenne  virhengit  und  kumbir  übir  de  mentsche,  de  tüt  er  durh  siner  sündon  willin 
de  er  in  kestige,  und  de  tut  er  durch  sine  rehtekait  de  erz  tfin  sol  . wan  sin  rehte- 
kait  ist  so  groz  de  er  niht  mac  enberne,  er  enkestigete  den  sünder  umbe  sine  sünde 
aintwedir  hie  alder  ze  enre  weit  . und  doch  so  enhaizit  er  den  mentschin  niht; 

5.  gedenken  fehlt  A.  28.  daz)  die  G,  das  Z.  33.  Got]  So  G.  37.  de  — rehte- 
kait Z,  fehlt  6. 

11.  Pt.  144,  9.  12.  Sap.  11,  2S. 


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I7JW  =. 


170  5U.  Von  der  gütlichen  minne. 

werden,  daz  sin  erbArmde  si  über  Allü  sinü  werch,  daz  mugent  wir  merken 
an  Marien  Magdalenun,  du  ain  grössü  Sünderin  waz.  die  Hess  er  alz  rebt 
hainlich  and  alz  gütUch  mit  ime  wandten  und  Hess  im  sin  füsse  und  sin 
höbet  salben  und  sin  füsse  wüschen  mit  ir  trühennen  und  drükennen  mit  ir 
5 bare,  und  Hess  si  in  also  an  rüren  und  mit  im  umb  gan  alz  ob  si  nie 
sünde  getan  hettL  und  won  er  ir  so  gross  erbArmde  erzogte  und  güti,  da 
von  so  minnet  si  in  also  vaste  daz  man  daz  von  ir  liset  daz  si  nach  siner 
uffart  kum  ie  kain  mentsch  an  gesach  mit  den  ogen  da  mit  si  in  dik  güt- 
lich hatte  an  gesehen,  und  also  sprich  ich:  daz  mäz  wol  dem  mentschen 

10  loken,  so  es  gedenket  das  es  Got  so  groslich  erzürnet  hat,  und  er  im  so 
gnädklick  baitet  siner  bekerde  und  im  [113°]  die  gnade  git  daz  er  sich  be- 
kere,  und  im  sin  sünde  gar  vergit,  so  er  sich  bekeret. 

Daz  dritt  daz  üns  loken  sol  dar  zu  daz  wir  Got  süsklich  miunent,  daz 
ist  ain  vorbesmakunge.  daz  ist:  so  daz  sAlig  mentsch  an  ünsers  herren  güti 

11  gedenket  im  sim  haimlichen  gebet  und  an  sin  süskait,  so  git  im  ünser  herre 
also  grosse  süssekait  daz  er  alles  des  vergisset  daz  im  ie  ze  laide  und  ze 

wan  sin  güti  ist  so  lutir  und  so  vollekomin  de  in  enhain  haz  gerürne  mac:  ‘sine 

irbarmdo  ist  übir  elliu  sinü  werc’  . unde  de  mugin  wir  wol  merkin  an  Mariun  Magda- 

lenun, dü  ain  groz  sünderin  wc:  die  Iiez  er  also  reht  hainliche  und  also  güteliche 
20  mit  im  wandelon,  unde  sie  im  sin  ho’bit  und  sine  vüze  salbon,  und  liez  sie  sine 
väze  weschin  mit  ir  trmhinnen  und  trükenen  mit  ir  bar  . da  mit  irzaigit  er  üns  groze 
irbarmde  und  güti,  de  er  sich  ain  also  sündic  wip  liez  berürin  und  also  güteliche 
mit  im  umbe  gan  ain  also  sündic  wip  also  sie  wc  . und  davon  wände  er  ir  also  groze 

güti  irzaigit,  da  von  minnot  sie  in  also  sere  de  man  von  ir  lisit  de  sie  nah  siner  uffart 

25  kume  ie  dehain  mentsche  ane  sache  mit  den  oTgen  da  mit  sie  in  dike  güteliche  an  hat 
gesehin.  und  lisit  man  von  ir:  ‘dimissa  sunt  ei  peccata  multa,  quoniam  dilexit  multum’. 
wan  ir  ünsir  herre  vil  sündon  virgap  und  er  ir  groze  güti  irzaiget,  davon  minnot  sie  in 
gar  sere  . und  also  spriche  ich  muoz  wol  ain  giltiz  mentsche  gelukit  und  geraizit  werdin 
de  ez  Got  süzecliche  minne,  swenne  ez  gedenkit  de  ez  Got  so  grozeliche  irzürnet  bet 
50  und  er  im  so  gnedecliche  baitot  sinir  bekerde  und  er  im  do  sine  gnade  gap,  de  er 
widir  kam  und  sine  sunde  bßzte  und  nu  in  zflvirsiht  ist  de  im  Got  sine  sünde  habe 
\vdazen  . swenne  ain  mentsche  an  Got  also  groz  güti  irkennit,  so  mfiz  er  Got  süxec- 
liche  minnen. 

Daz  dritte  da  mit  wir  gemrit  suln  werdin  de  wir  Got  süzecliche  minnen,  de  ist  ain 
95  vor  besmakunge  . de  ist  so  de  mentsche  de  selic  ist,  an  sinem  hainlichin  gebette  ge- 
denkit an  ünsirs  herrin  güti  und  an  eine  süzekait,  und  git  im  denne  ünsir  herre  also 
groz  süzekait  de  ez  allis  des  virgizzit  des  im  ie  ze  laide  ald  ze  liebe  geschache,  also  wol 
trenkit  ünsir  herre  etswenne  mit  der  gotlichun  süzekait  die  seligun  sele.  und  diu  süze- 

9.  müz  fehlt  A.  20.  unde  — salbon  fehlt  Z.  29.  ez  vor  Got  so  aus  er  korr.  O. 

32.  verlazcn  Z,  uir  am  Ende  der  Zeile  6.  34.  gercizct  Z,  gezicrit  G. 

tf.  Luc.  7,  36  ff. 


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50.  Von  der  gütlichen  minne. 


171 


lieb  ie  geschacb.  und  du  süskait  ist  nit  won  ain  vorbesmakung  der  ewigen 
sülikait,  da  mit  er  der  sele  loket  an  sich,  da  von  redet  sant  Augustinus  zü 
siner  sele:  ‘o  sele  min,  waz  ist  daz  ding  daz  underwilent  mich  rüret  also 
süsseklich  daz  ich  beginne  gar  komen  in  ain  frömdi  von  mir  selben  also 
verre  daz  ich  enwaiss  wa  ich  bin?  und  wirt  verwandelt  in  ain  andern  ment-  5 
sehen,  daz  ich  reht  wirde  ernüwet,  und  ain  süskait  zerflösset  [113‘ ] in 
miner  sele,  du  ist  so  hoch  über  mich  daz  ich  da  von  nit  kan  gedenken  noch 
gereden,  und  ringet  Allü  min  girde  dar  nach  daz  ich  es  behabe,  won  es 
füllet  mich  vröden  und  gelustes.  o sele’,  sprichet  er,  'sol  ich  dir  sagen 
waz  daz  süss  ding  si  daz  dich  da  rüret?  es  ist  der  vil  liebi  den  du  spul-  io 
gest  ze  minnend.  er  kumet  nit  daz  du  in  mugest  begrifen,  er  kunt  tögen- 
lich;  er  kunt  nit  daz  du  in  mugest  gesehen,  er  kunt  verborgenlick ; er  kunt 
nit  daz  er  din  girde  erfülle,  er  kunt  daz  er  si  raitze  und  daz  er  dir  gebe 
ze  versuchen  ainen  tropfen  siner  süssekait,  daz  du  da  bi  merkest  die  über- 
flüssigen güti  die  dich  durch  fliessent  wirt  nach  disem  libe’.  und  da  von  15 
sprichet  der  wissage:  ‘versüchent  und  merkent  wie  süss  Got  ist,  so  werdent 
ir  in  minnende’. 

kalt  ist  niht  wan  ain  vor  betmakunge  der  ewigun  selkait,  da  mit  er  die  gela  an  sich 
lukit  . hie  von  redet  sant  Augustinus  und  eprichit:  'a  sele  minü,  wc  ist  de  dinc  daz 
an  sinir  gebügede  mich  undir  wilont  wonet  ze  rörinne  also  siizecliche  de  ich  beginne  30 
gar  komm  in  aine  vrümdi  von  mir  selbin  also  verre  de  ich  enwaiz  wer  ich  bin  ? und 
wirde  virwandelot  in  ain  andir  mentsche,  de  ich  rehte  wirde  irmiet,  und  ain  süzekait 
zirvlüzit  in  minir  sele  . diu  süzekait  ist  so  hohe  übir  mich  de  ich  dran  nüt  kan  ge- 
denkin und  kan  der  von  nüt  geredon  ; wan  mir  ist  reht  wie  ich  neiz  waz  umbevangin 

habe,  und  mit  dem  umbevahin  irvüllit  sich  elliu  min  girde  und  ist  vrolich  min  gelüst,  35 
und  aine  clarhait  het  min  gemiite  umbeschlozzin , und  min  girlichiz  herze  ist  irlühtit 
und  ist  selliu  min  girde  vrüliche  und  ringit  selliu  min  girde  und  selliu  min  gehügede 
darnahe  de  ich  de  behabe,  de  ez  niemir  von  mir  entwiche,  de  ich  han  umbe  vangin 
unde  damit  sellü  min  girde  irvüllit  ist’  . und  so  er  alsus  geredet,  so  antwrte  er  der  sele 
unde  sprichit  . 'n  sele,  vragest  du  wc  vrolichir  süzekait  de  sie  diu  dich  rürit  und  dine  50 
girde  irvüllit  und  den  du  umbevangin  hest?  a sele,  ez  ist  der  vil  liebe  den  du  spulgist 
ze  min  nenne  . er  enkumit  niht  de  du  in  mugist  begrifin,  er  kumit  tougenliche;  er  en- 
kumit  niht  de  du  in  gesehin  mugist,  er  kumit  virborginliche ; er  kumit  niht  de  er  dine 
girde  irvülle,  er  kumit  de  er  dich  geraize  und  de  er  dir  gebe  ze  virsflehinne  ainen 
trophin  sinir  süzekait,  de  du  daran  merkest  die  übirvluzzi  sinir  güti,  die  dich  gar  durh  35 
fiiezzinde  wirt  nah  disim  libe’  . alsus  geschiht  einem  seligin  mentschin,  de  virsüchit 
etswenne  ünsirs  herrin  gnade  alse  vil  de  sin  girde  geraizit  wirt  nah  der  ewigun  süze- 
kait, alse  der  wissage  sprichit:  ‘gustate  et  videte  . virsflehint  und  merkint  wie  süze  Got 

ist,  so  werdint  ir  in  minnende’  ; wan  so  diu  sele  enpfindit  die  güti  und  süzekait  an 

15.  dich  zweimal  A.  20.  minir?  (B.)  24.  ist  Z,  fehlt  O.  niez  G. 

S f.  vgl.  oben  S.  14*  Z.  22  ff . 16.  Fs.  33,  9. 


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172 


50.  Von  dor  gütlichen  minne. 


Daz  ander  ist  daz  wir  sont  minnen  Got  wislich.  daz  ist  also  daz  wir 
nit  ierregind  an  der  minne.  über  daz  wort  spricht  sant  Augustinus:  ‘der 
ierret  an  der  minne  [113‘ ] der  daz  me  minnet  daz  er  minr  minnen  sol,  und 
daz  minr  minnet  daz  er  me  minnen  sol’.  wir  sont  Got  me  minnen  denn  de- 
5 hain  ding,  und  swenn  ich  denn  dehain  ding  roe  minnen  denn  Got,  so  ierren 
ich  an  der  minne;  won  ich  minne  daz  me  daz  ich  minr  solt  minnen,  und 
Got,  den  ich  über  ällü  ding  solt  minnen,  den  minne  ich  minre.  nu  sont  wir 
zü  üns  selb  sehen  ob  dehain  ding  si  daz  wir  me  minnen  denn  Got,  daz  wir 

daz  von  üns  werfent;  und  sont  Got  minnen  me  denn  ällü  ding  und  me  denn 

10  Got,  so  wirt  sie  gelukit  ze  der  güti,  de  si  Got  süzecliche  minnen  mÖz  . also  sulne  wir 

Got  süzecliche  minnen,  de  üns  dehain  süzekait  von  im  luke. 

Daz  andir  ist  de  wir  Got  sulne  minnen  wislich,  also  wisliche  de  ir  niht  ierrent 
an  der  wishait  und  an  der  minne  . übir  de  wort  sprichit  sant  Augustinus : ‘der  ierrot 
an  der  minne  der  de  me  minnot  de  er  minre  minnen  sol,  und  de  minre  minnot  de  er 
15  me  minnen  sol  ’ . wo  suln  wir  me  minnon  aide  wo  sulne  wir  minre  minnon  7 wir  sulne 
Got  me  minnon  denne  dehain  dinc,  und  denne  eil  ü dinc  durh  Got  und  in  Got . swenne 
ich  denne  dehain  dinc  me  minnon  denne  Got,  so  ierron  ich  an  der  minne;  wan  ich 
minnon  de  me  de  ich  minre  solti  minnen,  und  Got,  den  ich  übir  sellü  dinc  solte  min- 
nen, den  minnon  ich  minre  . nu  sulne  wir  alle  ze  üns  selben  sehin  übe  dehain  dinc  sie 
20  de  wir  me  minnen  denne  Got,  de  wir  de  uzwerfen  und  wir  alse  wisliche  minnen  de  wir 

niht  ierren  . ünsir  berre  sprichit  in  dem  ewangelio:  'ist  dir  din  rehtiz  ouge  schade,  so 

solt  du  ez  uz  brechin’  . dz  ensprichit  er  niht  von  des  libis  ougin,  wan  de  wsere  sünde 
der  de  taste  . er  sprichit  ez  von  dem  ougin  des  herzin  . übir  diz  selbe  wort  sprichit  ain 
heilige,  sant  Johans  Cbrisostomus : ‘ich  Sache  ain  gaiscbliche  wip,  diu  geviel  mir  harte 
25  wol  und  minnot  sie,  und  gedahte:  du  solt  sie  dike  sehin  und  solt  ir  hainlich  sin,  de  du 
sie  stärkest  an  tuginden  und  an  Gotis  dieniste;  unde  do  ich  ir  begunde  hainliche  sin 
und  ich  sie  dike  sache,  do  begonde  ich  ir  ze  gerönne,  und  zehant  do  ich  des  enpfant, 
do  warf  ich  sie  Üz’  . hie  bie  sin  wir  gelert  de  wir  die  minne  sulne  merkin;  und  swa 
wir  dehain  turnp  minne  han,  die  sun  wir  uz  werfin  . wan  geschiht  daz  de  ain  mentsche 
90  den  andirne  minnet  durh  Got  und  in  gaistlichir  liebi,  und  dunkit  in  de  im  der 
mentsche  an  sinir  sele  nüzcir  sie  denne  ain  andir  mentsche,  und  virmischit  doch  ets- 
wenne  diu  liebi  de  ain  boisiu  minne  darundir  kumit,  so  sol  ez  zehant  die  minne  ui 
werfin,  swie  liebe  im  joch  der  mentsche  ist  . also  sprichit  sant  Paulus:  ‘ir  sulnt  ouch 
den  gaist  virsüchin  ob  ez  Göttis  gaist  sie  aide  des  tievils’  . ist  ez  Göttis  gaist,  so 

95  volgint  im  nahe ; sie  ez  des  tievils  gaist,  so  widir  stände  im  . wie  sulne  wir  den  gaist# 

virsüchin  welez  Göttis  gaiste  ist?  de  merke  an  den  wortin:  ist  ez  also  gilt  de  enhain 
übil  daran  ist,  so  ist  ez  Gotis  gaist  . nu  lisit  man  von  dem  tievil  daz  er  etswenne  ratit 

1.  In  Got  ist  das  t später  eingefiigt  .4.  4.  dz  me  minet  dz  er  minr  A.  9.  nie 

fehlt  A.  23.  herzin]  rehtiz  GZ.  25.  si  Z,  fehlt  G.  33.  I.  Johans.  36.  den  wortin  G, 
dem  güte  ZW. 

21.  Matt.  18,  9.  33.  Z.  Joan.  4, 1. 


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50.  Von  der  gütlichen  minne. 


173 


dehain  ding  und  me  denne  uns  selben,  und  ünsern  eben  men tschen  als  uns 

selben,  ich  sol  mir  selben  bas  gütes  und  sälden  gunnen  denn  mim  eben  cristan; 
wem  daz  mag  nit  sin  daz  ich  ain  ieglich  mentsch  alwegent  mugi  minnen 

alz  mich  selben,  es  gehütet  och  Got  nit  und  ist  öch  nit  sünde.  ich  sol  ain 

ieglichen  raentschen  minnen  als  mich  selben,  also  daz  ich  im  hymelriches  5 

gunne  alz  mir  selb.  [113*]  du  minne  sol  alsuz  geordenieret  sin:  zem  ersten 
sol  ich  minnen  Got  über  üllü  ding,  dar  nach  mich  selben  durch  Got,  dar 
nach  min  eben  mentschen  alz  mich  selben  zü  dem  hymelriche,  zu  dem  dinge 
da  zü  öch  ich  mich  selben  minnen;  und  daz  ist  wislich  geminnet. 

Dü  dritt  minne  ist  daz  wir  Got  krefteklich  sont  minnen,  daz  üns  enkain  io 
ding,  arbait  noch  vorhte,  noch  hunger  noch  durst  noch  töt  von  siner  minne 

gfttiu  dinc  darumbe  de  er  denne  den  mentschin  an  sich  ziehe  und  er  im  da  nah  des 
tibilne  volge;  und  etawenne  ratit  er  etschlichü  dinc  du  gilt  schinent  und  doch  übil  sint 
und  also  virsflehit  er  allir  maist  gaistliche  lute,  wan  er  wol  waiz : rieti  er  im  ain  offenz 
übil,  de  er  wol  wissi  dz  er  übil  wsere,  des  entaste  er  niht  . unde  darumbe  lait  er  et-  15 
liehe  varwe  druf,  de  der  mensche  womit  de  ez  güte  sie,  und  tflt  ez,  und  gat  denne  de 
übil  zehant  danahe  . und  davon  ratit  üns  der  groze  lerer  sant  Paulus  daz  wir  den 
gaist  virsücben  ob  er  güte  sie  aide  übil  . unde  davon  bedurfin  wir  vil  wol  der  wiaun 
minne  de  wir  den  gaist  kunnin  virsüchin  . nu  sulne  wir  Got  also  wisliche  minnen  de 
wir  ln  minnen  übir  ellü  dinc  und  me  denne  dehain  dinc,  und  denne  mich  selbun,  und  20 
minen  ebinmentschin  als  mich  selbun  . ich  sol  mir  selbun  baz  gfttis  und  seldon 
gun neu  denne  ieman ; wan  de  mac  niht  sin  de  ich  ain  ielich  menteche  alzogis  muge 
minnen  alse  mich  selbin  . de  gebütit  ouch  Got  niht,  und  ist  ouch  niht  sünde  . ich  sol 
ain  ielich  menteche  minnen  alse  mich  selbia,  also  de  ich  im  des  himilriches  gönne,  des 
ich  ouch  mir  selbin  gan ; darzu  sol  ich  tun  ielich  mentsche  rainnon  . so  minnon  ich  25 
wislich,  so  ich  die  minne  also  ordiniere  de  ich  niht  ierron  an  der  minne:  ich  sol  Got 
minnon  übir  rellü  dinc,  darnah  mich  selbun  durh  Got,  denne  minen  ebin  cristem  alse 
mich  selbun  ze  dem  himilriche,  ze  den  dingin  da  zü  o'ch  ich  mich  selbin  minnon  . wir 
sulne  ouch  Got  alse  wisliche  minnon  de  wir  an  ainem  ielichin  dinge  sulne  merkin  wc 
sin  Wille  sie,  de  wir  de  tfiien ; wan  swer  den  andirne  minnet,  der  tut  gerne  einen  90 
willin  . nu  sulne  wir  Got  also  wislich  minnon  von  allim  ünsirme  willen  de  wir  reht 
von  liebi  und  von  minne  ünsirne  willen  fügen  in  sinen  willin  also  luterliche  de  üns 
enbain  ding  betrübe  de  Got  t&t  . so  lühtit  er  ünsirre  sele  beschaidinlich  mit  sinir 
wiahait  also  lutirliche  de  sie  kan  irkennin  de  git  von  dem  übilne,  und  undir  zwain 
güten  kan  sie  do  bezzir  irweln  , also  sulne  wir  Got  wisliche  minnen.  35 

Diu  dritte  minne  ist  de  wir  Got  crefteliche  suln  minnen  von  allir  ünsir  gehügede, 
also  crefteliche  de  üns  enhain  arbait  übir  winde  de  wir  üns  von  ainir  minne  schaiden  . 


4.  es]  l.  elaz?  16.  monschc  Z,  fehlt  G.  20.  me  Z,  fehlt  G.  22.  gun; ne  ieman  G. 
24.  minnen  Z,  fehlt  G. 


10  f.  vgl.  oben  S.  32  Z.  5 ff.  11.  Rom.  8,  35. 


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174 


50.  Von  der  gütlichen  minne. 


geschaiden  muge,  also  sant  Paulus  sprichet.  nu  liset  man  daz  enliain  minne 
so  stark  noch  so  groz  si  uff  ertrich  alz  dü  minne  die  sei  und  lip  zü  enan- 
der  hat.  daz  siht  man  wol  an  ir  baider  schidunge,  da  groz  ser  ist  von 

dem  tode;  und  da  von  stirbet  ain  ieglich  mentsch  ungern,  und  ist  daz  von 
5 nature.  doch  beschiht  es  etswenne  von  ünsers  herren  gnaden  daz  etschlich 

mentsch  stirbet  äne  [114°]  ser,  alz  man  liset  von  aim,  dem  wart  ertzaiget 
aines  meutschen  tod,  daz  An  sere  verschiedi,  alz  es  Got  verhängte,  der  sach 
ainen  mentschen  ligen  an  ainem  wege,  und  stündent  zwen  engel  bi  im  und 
woltent  die  sei  enphahen.  nu  hört  er  ain  stimme  von  hymelriche  rüfen 
io  her  ab  zü  den  engein  und  sprach:  'wes  baitend  ir  daz  ir  nit  koment  mit 
der  sele?’  da  antwurtent  si  und  sprachent:  ‘wir  mugent  nit  körnen,  won 
lins  ist  gebotten  daz  wir  die  sei  von  libe  nement  ane  ser,  dez  enmugent 
wir  noch  nit  getün’.  und  zehant  sach  er  von  hymel  komen  hem  David  und 
ander  sin  genössen  mit  harphen  und  mit  saiten  spil  alz  süsse  daz  du  sei 
15  verflöz  und  schied  von  dem  libe  An  sere.  dis  han  ich  da  von  gesprochen 

daz  nieman  den  tod  mag  überwinden  Ane  ser:  so  grössü  minne  ist  ent- 
zwüschent  sei  und  libe.  und  [114bJ  die  sela  die  ze  hymelrich  sint,  die  niu- 
gent  gantz  vröd  niemer  gewinnen:  so  grossen  jamer  hat  dü  sei  nach  dem 
tag  so  si  zü  dem  libe  ze  samen  gefüget  sont  werden,  so  wirt  ir  vröde  erst 
20  gantz.  dis  han  ich  da  von  gesprochen  daz  alles  also  grossü  trüw  und  minne 

ca  nt  Paulus  sprichit:  'wedir  tot  noch  lebin  moc  mich  von  Got  geschaidin*  . alse  veste 
sulne  wir  sin  an  Gotis  minne  de  wir  de  in  ünsir  herze  sezeen  de  wir  f den  tot  woltin 
lidin,  tßt  ez  not,  6 de  wir  wir  (ins  iemir  von  Göttis  minne  wellen  geschaidin  . nu  lisit 
man  de  enhain  minno  uf  ertriche  so  stark  noch  so  groz  sie  so  dü  minne  die  sele  und 
25  lip  ze  ain  andir  han  . de  sehint  ir  wol  an  ainem  ielichin  mentschin  . wan  ez  enist  en- 
hain mentsche  es  envürhte  den  tot  und  stirbit  ungerne,  de  ist  von  nature;  und  enhain 
mentsche  mac  ouch  den  tot  übir  windin  ane  sCre,  ez  engeschehe  denne  sundirliehe  von 
ünsirg  herrin  gnadon,  alse  man  von  ainem  lisit,  dem  wart  irzaigot  ainis  mentschin  tot, 
de  ane  süre  virschiet,  alse  ez  Got  virbancte  . der  sach  ainen  mentschin  ligin  an  dem 
SO  wege,  und  stSndin  zwen  engil  bie  im  und  wolton  die  sele  enpfahin  . nu  hört  der  gdt 
man  aine  stimme  röphin  von  dem  himil  her  abe  zeden  engilne,  und  sprach  diu  stimme: 
'wez  baitont  ir  de  ir  niht  kommt  mit  der  sele?’  do  antwrton  sie  und  sprachin : ‘wir 
enmugin  niht  komin;  üns  ist  gebottin  de  wir  die  sele  von  dem  libe  nemen  ane  sCre, 
des  enmugin  wir  niht  getün*  . und  zehant  do  Sache  er  von  dem  bimil  her  abe  komin 
S5  bern  Davidin  und  nndir  sine  genoze  mit  barpfin  und  mit  saitspil,  und  strichin  dar  also 
s&ze  de  diu  sele  rebte  zirvloze  und  schiet  von  dem  libe  ane  sere  . diz  ban  ich  davon 
gesprochin  de  nieman  den  tot  mac  übir  windin  ane  sere:  also  groze  minne  ist  ent- 
wütschon  libe  und  sele  . und  die  sela  die  ze  himilriche  sint,  die  enmugin  niemir  ganze 
vroide  gewinnen:  also  grozin  jamir  het  dü  sele  nah  dem  libe  . und  nah  dem  jungestin 
40  tage,  so  siu  zesamin  gef  Agit  werdint,  so  wirt  ir  vroide  ganz  . diz  han  ich  alliz  da  von 


39.  grozin  Z,  grozir  G. 


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50.  Von  der  gütlichen  minne. 


175 


ist  zwüschent  lib  und  sei.  und  doch  swie  groz  minne  si  zü  enander  hant, 
so  sont  wir  doch  Oot  so  starklich  minnen  daz  wir  e den  tod  wellent  li- 
den,  daz  lib  und  sei  von  enander  schaident,  e daz  wir  uns  von  Got  wellent 
schaiden. 

Ünsern  eben  mentschen  sont  wir  och  minnen.  nu  merke  ich  an  vier  5 
dingen  ob  mich  ain  mentsch  minnet. 

Daz  erst  ist:  tüt  im  min  schad  we,  und  treit  arbait  mit  mir. 

Daz  ander  ist:  vröwet  er  sich  mins  hailes.  nu  selient  hie:  swer  denn  liep 

und  laid  mit  dem  andern  nit  treit,  daz  enminnet  sin  och  nit.  sant  Paulus 

sprichet:  ‘wer  ist  der  mentsch  der  dehain  widermüt  het,  mit  dem  ich  sin  io 

widermüt  nit  trage?  ich  [114‘]  bin  siech  mit  dem  siechen,  ich  bin  trurig 
mit  dem  trurigen  und  han  vröde  mit  den  vrölichen’.  also  sont  och  wir 
enander  minnen,  daz  wir  lieb  und  laid  mit  enander  tragent,  won  des  manet 
uns  der  selb  herre  sant  Paulus  und  spricht:  ‘ir  sont  vro  sin  mit  den  vrö- 
lichen und  trurig  mit  den  trurigen,  alz  ir  sehent:  ist  mir  an  miner  hand  we,  15 
den  ser  tragent  allü  minü  lider,  won  du  hand  ist  des  selben  libes’.  also  sprich 
ich:  swel  mentsch  der  cristenhait  gelid  ist,  dem  tut  we  und  wol  daz  och  sin 
ebenmentschen  we  tot  und  wol , des  lid  es  ist  von  der  cristenhait  unser 
herre  ist  der  cristenhait  hopt,  und  ist  du  cristenhait  der  lib,  und  ain  ieglich 

gesprochen  de  also  groze  trüwe  und  minne  ist  entwischen  Übe  und  sele;  und  doch  swie  20 
groz  minne  sie  zeain  andir  han,  so  sulne  wir  Got  also  starkeüche  minnen  de  wir  ß 
wellen  den  tot  lidin,  de  üp  und  sele  von  ain  andir  gesclmiden,  ß wir  (ins  von  Got 
echaiden  wellen. 

Wir  sulne  ouch  linsirn  ebin  cristain  minnon  . nu  merke  ich  von  ainem  ielichim 
mentschin  an  vier  dingin  ob  mich  de  andir  minnet.  25 

Daz  erste  ist:  tüt  im  min  schade  wß,  und  trait  min  arbait  mit  mir. 

Daz  andir  ist:  vrowit  ez  sich  minis  hailiz  . nu  sebint  hie:  swer  denne  liep  und 

lait  mit  den  andirn  nith  trait,  der  enminnot  ouch  sin  niht  . sant  Paulus  sprichit:  ‘wer 
ist  der  mentsche  der  dekain  widirmßte  het,  mit  dem  ich  betrAbede  nit  trage?  ich  bin 
siech  mit  dem  der  siech  ist;  ich  bin  truric  mit  dem  der  lait  het,  und  hain  vroide  mit  30 
dem  der  vro  ist’  . also  sulne  ouch  wir  ain  andirn  minnen  de  wir  liep  und  lait  mit  ain 
andir  tragen,  alse  er  abir  andirswa  sprichit:  ‘ir  sulnt  vro  sin  mit  den  vrölichin  und 
truric  mit  den  trurigen,  alse  ir  sehint:  ist  mir  an  miner  hant  we,  de  sere  tragint  aslliu 

minü  lit  mit  der  hant,  wan  du  hant  ist  des  selbin  libis'  . also  spriche  ich:  swel 

mentsche  der  cristinhait  gebt  ist,  dem  tAt  we  und  wol  de  ouch  sin  ebinmentschin  we  35 
tflt,  der  sin  gebt  ist  von  der  cristenhait  . finsir  herre  ist  der  cristenhait  houpt,  und  ist 
diu  cristenhait  der  lip,  und  ain  ielich  selic  mentsche  ist  ain  gebt  der  cristenhait  . nu 


2.  Got  fehlt  A.  12.  den  so  A,  17  f.  daz  — wol  fehlt  A.  24.  ich  am  Bande  an- 
gefügt O. 


10  ff.  im  AnschluP  an  II.  Cor.  II.  29.  14.  Rom.  12, 15;  I.  Cor.  12,  26. 


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176 


50.  Von  der  gütlichen  minne. 


mentsche  ist  der  cristenhait  gelid.  nu  sprichet  sant  Paulus:  'swem  nit  we 
tfit  sines  gelides  ser  und  sich  nit  vröwet  sins  eben  mentschen  hailes,  der  ist 
och  nit  ain  gelid  der  cristenhait'.  swel  mentsche  denn  nidig  ist,  daz  enist 
öch  nit  ain  gelid  ünsers  herren.  nu  merki  ain  ieglich  ment[114d]$ehe  an  im 
5 selben:  wie  vil  es  sich  vröwe  ains  andern  hailes  und  gelükes,  und  trurige 
ains  andern  unhailes  und  ungelükes,  als  vil  ist  es  ain  gelid  ünsers  herren. 
swenne  nu  unser  herre  an  dem  jüngsten  tage  sind  gelider  samnent  wirt  und 
allen  sinen  lip,  so  wirt  der  nidig  mentsche  von  im  geschaiden,  won  er  sin 
gelid  nit  enist  an  der  minne. 

to  Daz  dritte  dar  an  man  die  minne  sol  zeigen  dem  eben  mentschen,  daz 
ist  daz  ain  iegliches  mit  dem  andern  sol  sin  güt  taillen,  swa  es  sin  bedarf, 
also  vil  so  es  denn  mag;  daz  höret  weltlich  lut  an.  aber  wir  gaischlichen 
lüte  sont  och  gaischlich  almfisen  geben,  daz  wir  üns  sont  erbarmen  über  arm 
lüte,  und  sont  in  unsren  willen  gen,  daz  wir  in  gern  ir  notdurft  butztint, 
15  möhtint  wir,  und  sont  och  Got  für  sü  bitten  daz  er  si  ergetzi  irs  gebresten 
mit  [I15a]  im  selben,  ain  hailig  spricht:  ‘swer  für  den  andern  bittet,  der 
bittet  für  sich  selben',  und  dar  umb  sont  ir  für  all  die  bitten  die  in  ar- 
baiten  sint. 

sprichit  sant  Paulus:  'swem  niht  we  tfit  sinis  gelidis  sere  und  der  sich  nüt  vrAwit  sinis 
20  ebin  mentsebin  hailiz , der  enist  niht  ain  gelit  der  cristenhait’  . swel  mentsche  denne 
nidic  ist,  de  enist  ain  gelit  linsirs  herrin  . nu  merke  sin  ielich  mentsche  an  im  seibin: 
wie  vil  ez  sich  vrüwe  ainis  andirne  hailis  und  gelükiz,  alse  vil  ist  er  ain  gelit  (insirs 
herrin  . nit  de  ist  diu  böiste  und  dü  unseligost  untuginde  du  sin  darfe;  »an  mit  nide 
enhet  der  mentsche  enhain  wolluste,  wan  im  swinit  lip  und  herze  so  er  sihit  de  aira 
25  andirne  sin  dinc  wol  gat  . und  swie  widerwerdecliche  aim  sin  dinc  giengi,  so  enbet 
doch  ain  mentsche  desto  me  niht  der  es  da  nidot,  und  enhet  ouch  deste  mmre  nit  so  ex 
aim  wol  gat,  und  enmac  doch  von  rehtir  untuginde  ane  nit  nith  gelan  de  aim  andirne 
wol  gat  sin  dinc  . nu  sprichit  sant  Paulus  daz  de  ain  zaichin  ist  de  er  niht  ist  ain 
gelit  Göttis  an  der  cristenhait  . und  so  Got  sinen  lip  samenonde  wirt  und  sind  lider 
SO  an  dem  jungestin  tage  und  einen  lip  denne  behaltit,  so  mfiz  der  nidige  mentsche  von 
im  geschaidin  werdin,  wan  er  sin  gelit  niht  ist  an  der  minne. 

Daz  dritte  dar  an  ir  die  minne  sunt  zaigen  dem  ebin  mentechin : de  ir  iuwir  gut 
mit  im  sulnt  tailne,  swa  erz  bedurfte,  alse  vil  so  ir  mugint:  de  hürit  welteliche  lüte 
an  . abir  wir  gaistlichin  lüte  sulne  ouch  gaisteliche  ulmiisin  gebin,  de  wir  uns  sulne 
35  irbarmeu  übir  arme  lüte,  und  sun  inen  ünsirne  willen  gen  de  wir  inen  gerne  ir  not- 
dürfti  bflztin,  und  mehtin  wir,  und  sulne  Got  vür  siu  bitten  de  er  sü  irgezee  ir 
brestin  mit  im  seibin  . ain  hailic  man  sprichit:  'wer  vür  den  andirne  bittit,  der  bittit 
vür  sich  seibin  ’ . und  darumbe  sun  wir  vür  alle  die  bittin  die  in  arbaitin  sint  . swenne 

5.  trurigen  A.  0.  in  ains  ist  das  s später  hinzugefügt  A.  10.  de]  dem  oder  den  t 
14.  blitz,  tint  am  Ende  untl  Anfang  einer  Zeile  A.  23.  nit)  Sit  mit  falschem  Initial  G.  da'fe  G, 
mac  Z.  27.  nit  Z,  fehlt  G.  31.  niht  ist  Z,  fehlt  G.  der  au*  den  korr.  G.  32.  e.  m.  de 
ist  das  ir  Z.  33.  de  am  Hände  G.  34.  wir  weltelichin  lu  gaistlichin  G.  vns  Z,  fehlt  G. 
37.  bittit  der  an  dirne  bittit  der  G.  SS.  wir]  vnr  G. 


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50.  Von  der  gütlichen  minne. 


177 


Daz  vierde  ist  daz  ain  iegliches  dem  andern  luterlich  vergebe,  daz  im 
ie  lait  getet.  und  als  ain  ieglich  mentsch  welle  daz  im  Got  sin  schulde  ver- 
gebe, also  sol  öch  es  sim  eben mentschen  vergeben;  won  vergit  es  nit,  so 
vergit  im  och  Got  niemer. 

Swel  mentsch  disü  zaichen  nu  an  im  nit  enhat,  der  hat  och  der  rehten  5 
minne  nit 


[51.1  Von  der  liymelsclieu  Wirtschaft. 

[Vidi  angelum  stantem  in  sole  et  clamavit  voce  magna  etc.] 

‘Ich  sach  ainen  engel',  sprichet  sant  Johans  in  Apocalypsi,  ‘in  der  sun- 
nen  stan  und  sebre  mit  ainer  grosser  stimme:  “koment  alles  daz  gefügel  io 
daz  in  dem  hymel  flöget,  und  samnent  üch  zü  ainem  grossen  essenne  Gottes”. 

ain  swestir  sihit  de  ir  swestir  ist  betriibit,  so  sol  sie  ir  helfin  ir  bes  werde  tragin,  und 
sol  sie  gfltelich  mit  milten  wortin  tröstin,  und  sol  i'msirne  herrin  viir  sie  bitten  de  er 
ir  herze  tröste  mit  sinir  gnade  . und  also  sol  ain  ielich  swestir  mit  der  anderun  in  ir 
arbaiten  sin  . nu  merkent  hie:  sit  sich  Got  bet  uzgenomin,  und  de  er  de  sprichit  de  15 
er  mit  dem  mentschin  wil  sin  der  in  betrübde  und  in  arbaiten  ist  sichirliche,  so  sol 
sich  gerne  ain  ielich  mentsch  vlizen,  de  mit  Got  wil  sin,  de  ez  mit  dem  mentschin 
sie  der  in  arhaitin  ist  an  libe  unde  an  herzin,  sit  Got  selbe  mit  dem  arbaitendim 
mentschin  ist  . swer  denne  mit  dem  mentschin  ist,  der  ist  mit  Got ; und  gwer  mit  Got 
welle  sin,  der  sie  mit  dem  betrfibtim  mentschin  und  tröste  in  und  gibe  im  din  herze,  20 

de  er  sine  arbait  uf  im  rfiwe,  bo  rflwet  Got  uffin  im  an  dem  mentschin  . du  solt  ouch 

viir  ain  ieliche  swestir  finsime  herrin  bittin , die  du  in  arbaiten  waist  an  libe  und  an 
herzin  . und  swenne  du  merkist  de  din  swestir  cranc  sie  an  libe  aide  an  dem  gaiste, 
der  solt  du  ir  arbait  lihteron  alse  vil  so  du  mäht,  und  solt  Got  bittin  de  er  ir  helfe  ir 

arbait  tragin,  und  de  er  sie  tröste  mit  siner  gnade  . so  du  alsus  din  herze  tailist  mit  25 

dinir  swestir,  so  gist  du  ir  din  gaischlichin  almflsin,  de  ist  ain  zaichin  der  minne. 

Daz  vierde  ist  de  du  lutirliche  allen  den  vergebest  die  dir  ie  dehain  lait  getatin  . 
und  alse  du  wellest  de  dir  die  virgeben  den  du  schuldic  bist,  also  solt  du  oTch  allen 
den  virgebin  die  widir  dich  schuldic  sint  . und  swel  mentsche  lange  in  sinem  herzin 
trait  de  man  im  tfit,  unde  ez  niht  virgit,  de  ist  ain  zaichin  daz  er  der  minne  niht  en-  so 
hat  widir  sinen  ebin  mentschin. 

7.  Überschrift:  fehlt  IVA',  von  allen  hailigan  von  zweiter  Hand  zugefügt  G,  sce  Joh’s  (rot)  Z, 

Vp  alre  heiligen  dach  Phili,  .Senno  VIII  ron  zweiter  Hand  am  Bande  TV.  S.  Der  lat.  Text 
fehlt  4,  Vivi  (so)  angl'm  Staate  sol’  et  c\  v.  m.  et  ccta',  der  Baum  für  das  Initial  V ist  freige- 
lasten G.  9 f.  Ich  — stan)  Disiu  wort  schribit  sant  iohannes  in  apocabpsi . Er  sähe  ainö  engil 
stan  . inder  sunnun  G.  12.  Bwestir]  prüder,  so  durchweg  TV.  ir  swest'  od'  ir  broder  betr.  ist  Z, 
dann  fährt  Z teils  mit  masc.  teils  mit  fern,  pronotn.  weiter.  14.  broder  mit  dem  anderen  in  ir  Z. 

18.  sie]  wi|  sin  G.  21.  er  r«  streichen  ’t  (P.)  22.  swestir]  brider  Z,  ebenso  23.  26. 

81.  Z fügt  nach  ebin  mentschin  noch  bei:  Das  wir  rehte  minnen  des  helfo  vns  got  amen. 

7.  Das  Stück  findet  sich  in  G Bl.  41*;  Z Bl.  48*:  darnach  gedruckt  bei  Wackemagel  S.  111; 

TV  Bl.  37';  X Bl.  39';  Phill.  Bl.  192*;  H Kr.  9..  S.  Apoc.  19, 17. 

Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  X.  12 


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178 


St.  Von  der  himelschen  Wirtschaft. 


Daz  wort  ist  ze  verstände  von  allen  engein  und  bailgen.  bi  dem 
enffil  ist  uns  bezaichent  ain  ieglich  predier;  bi  der  sunnen  du  hailig  Schrift, 
da  er  inne  sol  stan;  [115h]  du  groz  stimme  bezaichent  die  grossen  girde  die 
der  predier  han  sol  zu  Gottes  Worten;  und  als  der  engel  sü  ladet,  also  sol 
5 och  der  predier  die  lüte  laden  zü  dem  hymelriche.  won  der  engel  da 

sprach:  ‘koment  alles  daz  gefügel  daz  in  dem  hymel  flöget’,  da  bi  sint  uns 

bezaichent  alle  die  sälgen  seien  die  da  sint,  und  alle  die  engele,  und  öch 
die  mentschen  die  noch  uff  ertricb  sint  und  aber  mit  iren  gedänken  und  mit 
ir  girde  ze  hymelriche  koment,  alz  uns  sant  Paulus  leret:  'nostra  conver- 
10  sacio  in  celis  est  etc.’ 

Nu  sint  zwaiger  hand  essen:  ains  git  der  mentsch,  daz  ander  git  unser 

herre  Got.  und  zü  sim  essenn,  daz  er  da  git,  ladat  er  den  mentschen;  und 

kumet  aber  er  allweg  zü  des  mentschen  essenn  ungelatt.  und  da  von  liset 
man  in  Apoealypsi  daz  unser  herre  alleweg  stat  und  boset  zü  des  mentschen 
tä  hertzen;  und  verzihet  im  doch  münig  mentsch  sines  hertzen  und  wil  in  nit  in 
lassen,  dar  an  merkent  wir  unsere  herren  güti  und  sin  erbärmde , daz  er 
alle/üö7wegent  der  besser  ist  und  uns  nach  gat  und  den  mentschen  alle- 
weg ladet 

Nu  sont  ir  merken  vier  ding  an  den  ersten  Worten. 

20  Daz  erste  ist  daz  der  engel  sprach:  ‘koment  her!’  mit  dem  wort«  sint 
wir  geladet  dar  umbe  daz  wir  ane  schäme  dar  koment;  won  swer  zü  ainer 
hohzit  käme  ungeladet,  der  müsti  wol  schamrot  stan.  und  da  von  daz  wir 
ane  schäm  dar  koment,  so  sint  wir  geladet.  da  von  liset  man  von  ainem 
fürsten,  der  hatte  hohzit,  und  ladet  er  ain  vrowen,  du  hiess  Judiht,  und  sante 
2*  zü  ir  ainen  erberen  botten  und  hiess  in  disü  wort  sprechen:  'ain  gütü  jung- 
frowe  sol  körnen  zü  mim  herren  ane  schäm  und  sol  mit  im  assen  und  win 
trinken  mit  fröden’.  daz  gloset  ain  hailig  man  und  spriht:  'es  enist  enhain 
ding  güt  won  daz  alle  Inte  gerent,  und  daz  sich  selben  offent  und  meret’. 
und  also  sol  ain  jungfrow  güt  sin,  daz  ir  alle  lüte  gerent.  intrüwen,  swelü 


1.  verstinde  — hailgen]  vimcininne  non  dem  grozin  tage  . so  man  aliir  bailigon  tac  begat  G. 
if.  bi  — predier]  fehlt  A,  Nv  ist  öns  bie  d.  e.  bez.  a.  ieiieh  pr.  G.  2.  svnnnn  ist  bezaichint 
d.  b.  G.  3.  dfi)  vii  de  er  schrai  aine  G.  st  de  bezaichint  G.  4.  wort  G.  latte  G. 

5.  die]  alle  G.  Wan  de  der  G.  da  fehlt  G.  0.  himilriche  G.  7.  «Algen]  hailigin  G. 
da]  zehimilriche  G.  und  — engele  fehlt  G.  8 f mit  ir  girde  . unde  mit  ir  gedanc  G. 
9.  koment]  wonent  G.  10.  etc.  fehlt  G.  lt.  sint  — hand]  üsit  man  uon  G.  12.  Got  — 
mentschen]  vii  vnsir  herre  ladot  allewege  den  mentsch  in  . zedem  ezzine  . de  er  da  git  G. 

15.  doch  nil  mrenic  G.  w.  in]  w.  sin  G.  16.  h.  irbermde  . und  sine  gfiti  G.  17  f.  gat . Cfi  de 
er  abir  allewege  d.  m.  ladet  . daran  merken  wir  abir  eine  gfiti  . oR  des  mentschin  crancbait  . de 
wir  niht  ghüs  mngin  getfin  . ane  sine  gfiti  G.  20.  her  fehlt  G.  wort  so  sin  G.  21.  dar 
fehlt  G.  22.  stan]  werdin  G.  da  von]  dar  umbe  G.  23.  da]  Und  dannan  (dannan  Aier 
meutens)  G.  24.  hat  ain  hohegezit  G.  er]  der  vfirsto  G.  26.  mit  — und]  ezzin  mit  in  in  cm 
herrin  . und  sol  mit  im  G.  27.  vnd  de  gl.  G.  28.  daz  alle]  des  alle  G.  o.  ufi  sich  seiban 
merit  G.  29.  ain  gfit  j.  gfit  G.  alle  die  1.  G. 

9.  Phili.  3,  20.  14.  Apoc.  3,  20.  25.  Judith  12, 12. 


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51.  Von  der  himelschen  Wirtschaft.  179 

juugfrowe  sich  flisset  guter  zühten,  güter  Sitten  und  schöner  gebärden,  [115*] 
der  gerent  alle  lüte.  wilt  dn  allen  luten  wol  gevallen,  so  flisse  dich  daz  du 
in  allen  dinen  werchen  sist  rehter  und  güter  gebärden,  und  da  von  sprichet 
sant  Peter:  'liebü  kint!  ir  sont  üch  flissen  daz  ir  so  güt  sitten  und  gebärde 
habent.  swer  üch  sehe,  daz  der  Got  an  üch  lobe,  und  daz  si  üwer  zuht,  5 
üwer  sälden  gerent’.  ain  gütü  jungfrowe  sol  öch  sich  selben  ofnen  in  der 
bihte,  daz  si  enhain  ding  lasse  ungeöffnet  durch  schäm  noch  durch  vorhte. 
ain  gütü  jungfrowe  sol  öch  sich  selben  meren  mit  der  minue;  won  dü  minne 
ist  bezaichent  bi  aim  staine  der  die  natur  hatte,  swaz  der  mentsch  berürte, 
daz  daz  sin  waz.  also  ist  öch  dü  minne:  dü  zühet  alles  daz  an  sich  daz  si  io 
berüret,  und  swaz  si  berüret,  daz  ist  ir;  won  swaz  der  mentsche  güter  ding 
an  ainandern  minnet,  daz  ist  alles  sin.  swer  denn  vil  gütes  welle  gewin- 
nen, der  minne  alles  daz  er  an  aim  ieglichen  gütes  sehe  oder  höre,  so  ist 
es  alles  sin.  und  da  von  [116‘ ] ist  dü  minne  glich  dem  füre.  von  des  füres 
nature  merkent:  daz  für  ist  haiss;  und  swaz  dar  in  kumet,  daz  zühet  es  15 
alles  an  sin  nature,  daz  es  im  glich  wirt.  ze  glicher  wis  ist  dü  minne  ain 
für,  won  si  ist  haiss;  und  alles  daz  si  minnet,  daz  zühet  si  in  ir  nature, 
daz  es  ir  gelichet.  und  da  von  sont  wir  minnen  ällü  gütü  ding,  so  ziehent 
wir  es  mit  der  minne  in  üns,  daz  es  üns  glich  wirt.  aber  der  nidig 
mentsch,  swaz  der  güter  dinge  siht  an  andren  lüten,  da  von  wirt  zehant  ain  20 
sturmwetter  in  sim  hertzen.  intrüwen,  die  verlierent  baidü:  daz  si  gütes 
tünt  und  daz  ander  lüt  tunt,  daz  in  der  weders  ze  haile  kumet  und  da 
von  sol  ain  gütü  jungfrow  minnen  alles  daz  si  an  ieman  gütes  vindet  oder 
höret  sagen,  in  trüwen,  swelü  jungfrow  alz  güt  ist  daz  ir  alle  lüte  gerent, 
und  sich  selben  öffnet  in  der  bihte  und  sich  meret  in  der  minne,  dü  mag  25 
wol  än  schäm  ze  hof  körnen.  [116*]  und  daz  er  si  nemmet  ain  jungfrowen, 
daz  bezaichent  daz  si  noch  wachsen  sol.  man  liset  in  dem  wissagen  Zacha- 
rya,  der  waz  vil  wunder  alt,  und  solte  ze  aim  male  ain  engel  mit  im  reden, 
der  engel  waz  so  wise  daz  er  sin  nit  verstünd,  und  sprach  der  engel  zu 


1.  zuht  . . . gitto  . . . geba-rde  G.  2.  wilt  du  denne  G.  3.  in]  an  G.  »ist  fehlt  A. 
4.  aitte  G.  5.  nach  lobe]  de  iveh  ivwir  zuht  unde  ivwir  Bitte  geeren  . und  die  iveh  schei- 
tint  . und  ivwir  spottent  . bindir  iveh  . de  iveh  die  werden  lobende  . so  »fl  iveh  geaohint  G. 

6.  un  ivwirre  ».  G.  9.  hetti  G.  mentsch]  mit  G.  10.  wäre  G.  also]  Zeglichir  wise  G. 
öch  fehlt  G.  zflbit  an  sieh  allis  de  sie  G.  11.  sie  oueb  b.  G.  12.  aim  andirne  G. 
daz  ist  a.)  diu  sint  G.  gütes]  gfttir  dinge  G.  13.  de  er  gdtiz  n.  aim  ielichin  mentschin 
eibt  aide  hflrit  G.  15.  dar  in]  indc  vflre  G.  17.  nature  G,  mlne  A.  18.  gelichet]  gliche 
wirt  G.  19  f.  nidig  m.]  mentsch  der  nidic  ist  G.  20.  der  g.  d.]  er  gflti»  G.  wirt  im  G. 

21.  im  sim  A,  ime  G.  die  lfite  v.  G.  21  f.  daz  — kumet]  ir  gfltin  werke  . uon  dem 

nide  . un  de  o'ch  andir  lfite  gfitiz  getunt  . Wan  uon  dem  nide  . den  siu  anderen  Iflten  ir  hailiz 
erbunnen  . da  mit  uirlierint  »fl  beidenthalp  G.  23.  vindet]  sibit  G.  24.  nach  sagen]  so  merot 
ei  eich  G.  25.  vn  siu  »ich  s.  o.  G.  meret  in]  selbin  m.  mit  G.  diu  aele  Q.  27.  in] 
uon  G.  29.  hat  ui  nt  tändln  G. 


4.  I.  Petr.  2, 12.  14  f.  vgl.  oben  S.  58  Z.  1 ff.  27.  Zach.  2,  4. 


12* 


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180 


51.  Von  der  lomelschen  Wirtschaft. 


aim  andern  fingel : 'rede  mit  dem  kinde!’  über  daz  wort  sprichet  sant 
.Teronimus,  daz  in  der  engel  nemet  ain  kint,  und  er  so  gar  alt  waz,  dar 
über  spricht  er  daz  wir  ällü  kint  sint,  won  wir  wachsen  sont  nu  sprichet 
sant  Paulus:  ‘wir  sont  alle  wachsen  in  ainen  volkomnen  man',  daz  ist  Jhesus 
5 Christus,  der  waz  der  erste  der  ie  von  dem  ertrich  gewüchs  in  daz  hymel- 
rich;  und  alle  die  die  im  nach  went  volgen,  die  sont  wachsen  von  dem  ert- 
rich in  daz  hymelrich,  in  den  volkomnen  Jhesum  Christum,  also  sol  dü  sei 

sin  ain  gütü  jungfrowe  und  sol  och  wachsen  von  dem  ertrich  in  daz  hymel- 
rich. entrüwen,  so  kumet  si  an  schäm  zü  dem  herren  der  si  da  hat 

io  geladet,  und  sol  essen  und  trinken  mit  im  in  f roden.  [116‘]  waz  sol  dü 

sei  essen  won  daz  waissin  körn  und  win  trinken  mit  fröden?  und  da  von 
sprichet  der  wissag  Ysayas:  ‘bi  dem  erwelten  körne  merkent  wir  sin  güti. 

waz  ist  sin  güti,  waz  ist  sin  schöni  won  daz  er  weit  körn  und  win  der 

mägde  bltlt?’  bi  dem  erwelten  körn  vernemen  wir  sin  güti,  und  bi  dem 
15  wine  sin  schöni.  den  win  sol  dü  sele  trinken  mit  fröden,  daz  ist  daz 

si  sin  schönnes  antlüt  iemer  sol  ane  sehen  mit  fröden:  daz  ist  der  win  der 

mägde  blüt. 

Daz  ander  wort  sont  wir  merken,  daz  er  sprichet:  'samnent  lieh!’  hie 
an  merkent  wir  daz  wir  mit  samenunge  ze  hymelriche  sont  komen;  won 
20  swer  besament  vert,  der  vert  mit  fröden  und  sicherlich;  der  aber  aine  vert, 
der  vert  unsicherlich.  und  da  von  sprichet  der  wissag  Ysayas:  ’ir  sont  us 
varen  mit  fröden  und  sont  hin  komen  mit  fride  und  sont  enphangen  werden 
mit  lobe  und  mit  sänge!’  und  daz  er  sprichet:  ‘ir  sont  us  varen  mit  fröden'.’ 
dar  an  merkent  wir  daz  wir  [ 116" ] mit  samnung  sont  varen;  won  swa  vil 

is  liit  mit  enander  vert,  die  hant  fröde  mit  enander.  daz  er  aber  denne  sprichet: 

‘wir  sont  hin  komen  mit  fride’,  daz  merkent  wir  also:  swer  besament  vert, 
der  enfürhtet  im  nit.  swenne  wir  denne  also  hin  koment,  so  werdent  wir 
enphangen  mit  lobe  und  mit  sänge;  und  da  von  sont  wir  gern  in  der  inengi 
varen,  so  gelinget  üns  wol.  also  liset  man  von  aim  herren,  der  liiess  Baracb, 
30  der  wolte  in  ain  lirlüg  varen  und  sprach  zü  siner  vrowen,  dü  hiess  Delbora: 

‘ich  wil  nit  varen,  du  varest  denn  mit  mir’,  do  für  dü  vrowe  mit  im  und 

6.  alle  die  im  G.  7.  volkomnen]  uollo  wahsinnem  G.  sol  am  Hände  mit  Yertceisungs- 
Zeichen  nachgetragen  A.  8.  dom  fehlt  G.  dar  fehlt  G.  9.  dem]  minem  G.  9 f.  der  — 
geladet  fehlt  6.  10.  essen  — in]  mit  minem  herrin  . und  trinkin  win  mit  G.  11.  waissin' 

wize  G.  12.  Ysa;as]  l.  Zacharias.  merkent]  uimemen  G.  13.  won]  wc  ist  G.  15.  dai 
ist  fehlt  G.  17.  blfito  . also  schier  so  wir  des  winis  getrinken  . so  werden  wir  alle  blfiginde  ze- 
megdin  . und  dantian  non  sun  wir  ilen  . de  wir  des  winis  getrinkS  . Wan  swer  de*  winis  ge- 
trinkit  . ez  sien  wittewan  . aide  8 löte  . aide  swic  wir  sin  . so  werden  wir  alle  zemegedin  blä- 
ginde  G.  18.  sont  w.  merken]  de  wir  nirnemin  sulno  . de  ist  G.  hie]  dar  G.  19.  merkent 
wir]  sulnt  ir  uimemin , ebenso  24  G.  20.  und  fehlt  G.  23.  mit  frÄdon  fehlt  A. 

24.  won  fehlt  G.  25.  aber  fehlt  G.  25  f.  sprichit  . de  wir  hin  sun  kom  G.  26.  merkent 
w.  also]  uirnemen  w.  ab'  an  die  msenegi  G.  30.  varen]  ritin  G.  81.  denn  fehlt  G. 
do]  vfi  G. 

4.  Eph.  4,  13.  12.  Zach.  9, 17.  21.  Isai  SS.  12.  91.  Judic.  4,  8. 


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51.  Von  der  hvmelschcn  Wirtschaft 


181 


gesigtent  an  ir  viginden.  entrüwen,  dar  an  raerkent  wir:  swer  in  der  sam- 
uung  vert,  der  überwindet  alle  sin  viginde.  und  do  der  herre  sin  viginde 
hatt  überwuuden,  do  sprach  dü  vrowe:  'ich  bin  du  Gotte  wol  singet’,  über 
daz  wort  sprichet  Beda:  'der  mentsch  singt  Got  [117m]  wol,  der  nit  haisri 

hat  von  Sünden  und  der  ain  gerihtig  zungun  hat  und  der  enhain  temphi  in  5 

der  brüste  hat.  nu  vernement  die  sünd  an  der  haisri;  won  alz  dü  haisri 

ierret  daz  der  mentsch  nit  wol  singen  mag,  also  ierret  dü  sünde  den  ment- 

schen  daz  er  Got  nit  wol  singet  daz  och  ain  ungerihtige  zungen  hat,  dü 
gern  hinder  redet  und  verkeret  sines  ebeucristens  werch  und  trüg  ist  Got 
ze  lobenn,  der  mentsch  singt  öch  übel  vor  Gotte,  der  Och  denne  dehain  io 
temphi  hat  in  der  brüste,  der  singet  och  Got  übel,  bi  der  temphi  merkent 
wir:  sweler  mentsch  nidet  sin  eben cristen  sins  hailes  und  sins  gelükes,  der 
hat  temphi  in  der  brust;  daz  ierret  öch  daz  er  nit  wol  singet  vor  Gotte, 
und  da  von  sprichet  er  daz  der  mentsch  wol  singt  und  süsseklich,  daz  in 
Got  gern  höret  und  naiget  sin  oren  zü  sinem  sänge,  der  ain  luter  gemüte  15 

hat  und  enkain  haisri  von  den  Sünden,  und  der  ain  rihtig  zungen  hat,  dü 

nieman  hin[117b]der  redet  und  berait  ist  Got  ze  lobenn,  der  ain  Intern  gaist 
hat  und  enkain  temphi  von  nide,  daz  er  alles  daz  minnet  daz  er  an  ieman 
gutes  siht.  und  alz  dü  gut  vro  Delbora  sprach:  'ich  bin  dü  Got  wol  singet’, 
also  sont  wir  uns  Hissen  daz  wir  Got  wol  singent,  daz  wir  enkain  haisri  20 
habent  von  Sünden,  und  daz  wir  ain  gerihtig  zungen  habent,  dü  nieman 
hinder  rede  und  alweg  berait  si  Got  ze  lobenn,  und  daz  wir  dehain  temphi 
habent  von  nide,  und  daz  wir  alles  daz  wir  an  iemann  gutes  und  hailes 
sehent,  daz  wir  daz  minnent:  so  singent  wir  wol  vor  Gotte,  wir  sont  üns 

flissen  och  daz  wir  in  der  mengi  varent,  alz  dü  gut  vrowe  besament  25 

für,  und  daz  si  alle  ir  vigint  überwand:  also  überwindet  der  mentsche  sin 
sünde,  der  besament  vert;  aber  die  sich  sundrent,  den  misselinget  dik.  und 
da  von  liset  man  von  hem  Jacobs  tohter  daz  si  sich  sundret  von  dem  ge- 
sinde,  do  gesach  si  ain  herre  und  verzukte  si  und  nam  ir  ir  künschi.  en- 
trü/7/?7well>  als«  geschiht  noch  allen  den  die  sich  gern  sundrent  von  der  so 
samnung.  die  siht  der  tüfel  an  und  nimet  war  irs  sundrens  und  irs  sundren 
sinnes,  und  gevallent  im  alle  sament  wol,  daz  er  si  minnet;  und  dar  nach 


4.  sprichet]  schribit  G.  nit]  enhain  G.  5 f.  und  — hat  fehlt  A,  u.  d.  e.  t.  het  i.  d.  br.  G. 

6.  an  der]  an  G.  T.  singen  mag]  singit  G.  den]  dem  fr.  9.  cristens]  mentschin, 
ebenso  12  G.  und  abir  trege  G.  11.  merkent]  vlmemen  G.  12.  sweler]  den  nit  . Vnd 
swelcb  G.  13.  daz  ierret  Och]  der  singit  ouch  got  vbil  . vn  ierrit  in  G.  15.  sin  ore  G. 

16.  baisiri  hette  uon  suudon  G.  gerillte  G.  IT.  un  dfi  b.  G.  19.  git  sprach 
vro  Delbora  A.  20.  wil  A.  22.  wir  ouch  G.  23.  und  daz]  de  G.  alles]  allin 
de  minnen  G.  iemann]  allir  menlichim  G.  24.  daz  — minnent  fehlt  G.  24  f.  sulne  ouch 
ulizen  vns  . de  G.  26  f.  sin  sünde]  alle  sine  uiende  G.  27.  Abir  den  . die  sieb  gerne  s.  G. 

Vs.  daz  auf  Rasur  A , wan  G.  29.  ain  herre)  der  kdnic  G.  verzukte]  ininnot  fr. 
nain  ir]  benam  G.  30.  g.  ouch  noch  G.  81.  ira  s.  und  fehlt  G.  32.  alle  sament]  also  G. 


3.  Judic.  5,  3.  29.  Gen.  34, 1.  2. 


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182 


51.  Von  der  hymelschen  Wirtschaft. 


beginnet  er  es  in  ze  liebenn  und  raitzet  sü  uff  daz  sunder  ding,  daz  si 

alles  von  der  samnung  ziehent;  und  so  er  si  also  vaste  drin  bringet  daz  sü 

nieman  went  volgen,  si  went  alles  iren  sin  für  sich  haben,  so  betrüget  er  si 
denne  mit  sinen  bösen  listen,  daz  si  im  volgent,  und  wirfet  si  denne  in  et- 
5 lieh  sünde,  und  sint  denne  da  mit  verlorn.  entrüwen,  da  von  sont  wir  üs 

sundren  nit  und  sont  üns  hüten  vor  allen  sundren  dingen,  won  es  ist  gar 

ungwärlich.  der  tüfel  ist  gar  listig,  daz  er  dik  mit  güten  bilden  den  ment- 
schen  verlaitet  dar  dannan  in  nieman  bringen  mag  noch  enkan.  und  da  von 
sont  wir  alles  an  in  der  samnung  varn,  so  varent  wir  sicherlich,  wir  süllent 
io  weder  [117*]  vor  varen  noch  hindnen  nah  körnen;  won  etlich  went  für 

varen  und  went  fliegen  e daz  si  geviderent.  daz  sint  die  die  sich  sundrent 

und  sundrer  ding  an  nement  von  der  samnunge:  die  wellent  lützel  essen  und 
noch  minr  schlaffen  und  niemer  an  dem  bette  erwärmen,  und  genement  also 
venien  und  disciplin  daz  si  also  töp  werdent  daz  si  enwissent  waz  si 
15  schaffent.  intrüwen,  so  die  wännent  fliegen,  so  vallent  si;  und  werdent  dik 

die  hindrosten  die  die  vordrosten  wännent  sin.  und  da  von  sprichet  der 

wissag  daz  die  aller  sicherlichost  varent  die  in  der  mengi  varent.  ünser 

lierre  wolt  nit  allaine  ze  hymel  varen,  er  für  mit  ainer  grossen  mengi, 
baidü  engel  und  mentschen.  in  trüwen,  da  bi  gab  er  üns  ze  mer- 
20  kenn  daz  och  wir  mit  samnung  dar  sont  varn,  so  varent  wir  vrölich.  also 
spricht  sant  Johannes  in  Apocalypsi  daz  im  wart  erzaiget  zwelf  [U8‘] 
scharen  von  der  zwelfbotten  gesell) übte,  und  ieglicher  waz  zwelf  tusent; 
und  sach  ain  schar,  dü  waz  so  gross  daz  si  nieman  geahten  künde,  und  daz 
bezaichent  alles  daz  och  wir  mit  mengi  varent  ze  hymelriche,  so  werdent 
25  wir  mit  eren  enphangen.  Orienes  schribet  von  zwain  und  zwainzig  Stetten 
da  der  sele  sunderlich  ere  erbotten  wirt,  und  wie  die  hymelschen  engel  und 
martrer  und  alles  hymelsches  her  die  sele  grützent  und  enphahent  mit 
grosser  fföde.  und  koment  die  hailgen  zwelf  botten  und  enphahent  die  sele 


1.  Bi  sich  G.  4.  sine  A.  6.  vor)  non  G.  7.  gütim  bilde  G.  S.  in]  im  G. 
bringen]  gehelfin  G.  noch  enkan  fehlt  G.  10.  vor]  uornan  vfir  G.  won  — went]  wir 
sulne  allewege  varn  inder  menegi  . Nu  wen  etliche  lute  G.  11.  e siu  g.  G.  dz  si  sint 
die  A.  1 1 f.  sundrent  und  fehlt  G.  12.  an]  uz  G.  18.  und  wen  niemir  G.  also  ui!  G. 

15.  wAnnent]  went  G,  ebenso  16.  18.  allaine]  aine  G.  himilriche  G.  20  f.  also  spr.] 

und  also  Bchribit  G.  22.  und  d.  zwelfbotten  A , uor  (f.  uon)  den  zwelf  G.  ielicbir  schar 
warin  G.  23.  sähe  do  aine  G.  und  daz]  de  G.  24.  alles  fehlt  G.  24  f.  varent  — 
von]  und  inder  schar  zehimilriche  sulne  uarne  . so  naren  wir  uroiliche  . ufl  werden  enpfangin  mit 
lobe  ufi  mit  sang«  . also  sprichit  der  wizzage  abacuc  . sup  excel’ . der  üb'winder  so!  mich  vflrin 
uf  mine  hßhi  diof  W ) . mit  sänge.  Der  libirwindcr  de  ist  ünsir  herre  Jhcsus  Christus  der  het  alle 
sine  vinde  vberwundin  . der  wil  üns  vüren  . uf  ünsir  h6hi  (hoff  IV)  mit  sänge  . vnsir  h6hi  (höre  ff) 
de  ist  himilriche  . dar  wil  er  vürin  vns  . mit  lobe  und  mit  sänge  . ufl  dannan  uon  sprichit  orige- 
nes  . wie  dü  sele  zehimilriche  enpfangin  wirt . und  scribit  G.  26  f.  ufl  die  hailigin  matterer  G. 

27.  enpfant  sie  mit  G. 


21.  Apoc.  7,  4 ff. 


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51.  Von  der  h]melschen  Wirtschaft 


183 


und  grützent  si  und  gent  ir  alle  ir  fröde  und  iren  Ion.  dar  nach  grützent 

si  die  hailgen  martrer  und  tünt  ir  alsam.  dar  nach  grüzent  si  die 

hailgen  bihter  und  die  hailgen  predier  und  die  hailgen  mägde  und  tänt 
ir  alsam.  dar  zd  grützet  si  öch  frölich  und  süsseklich  du  werde  müter 

Gottes  und  git  ir  sunderlich  [118*]  ere,  der  si  me  hat  denn  all  hailgen.  die  5 
engel  grützent  si  ieglicher  besonder,  und  ieglich  hailig  und  ieglichü  sei 
sunderlich  und  tailt  mit  ir  ir  ere,  ir  fröde  und  iren  Ion  und  sü  mit  in  da 

wider,  und  also  dik  ain  sei  ze  hymel  kumet,  so  wirt  öch  ain  nüwü  fröde 

da.  und  da  von  spricht  her  Job:  'min  glorie,  min  fröde,  min  ere  wirt  täg- 

lich ernüwet';  won  alz  mänig  sele  täglich  ze  hymelriche  kumet,  also  mänig  to 
nüw  fröde  wirt  da  allem  hymelscklichem  her,  also  spricht  sant  Augustinus, 
und  da  von  sont  wir  uns  flissen  daz  wir  üs  gemainlich  in  der  samnung 

haltint,  daz  wir  mit  mengi  ze  hymelriche  koment,  so  werdent  wir  mit  lobe 
und  mit  eren  enphangen  und  mit  fröden. 

Daz  dritte  wort  daz  waz  daz  daz  essen  gross  waz.  und  da  von  be-  15 
durfent  wir  wol  daz  wir  hungrig  dar  koment,  daz  wir  vil  mugint  essen, 

und  da  von  sprichet  unser  lierre  in  dem  ewangelio:  ‘sAlig  sint  die  da  hun- 
gert, won  si  sont  gesattet  werden’.  [118’ ] er  spricht  och  durch  des  wissagen 

1.  ir  a.]  der  sele  a.  Ion  . de  sd  sich  vr6we  . als  ouch  siv  G.  2.  tont  ir  alsam]  gent 
der  scle  . allin  den  Ion  . den  siv  mit  ir  martir  uirdienont  hain  G.  S f.  predier  — dar  zd]  bre- 
dier . vn  gent  der  scle  allin  den  Ion  . den  siv  mit  bihte . nfl  mit  prodie  . uii  mit  ierunge  . uii  mit 
uastende  . un  mit  wachenne  . un  mit  geborsami  . und  mit  maeneger  arbait  haut  uirdienot  . de  sich 
du  sele  an  dem  Ion  urowe  rcht  als  ouch  siv  . Darnahe  grAzint  sie  die  hailigin  nnegede  . vn  gent 
ir  allin  den  Ion  . den  siv  verdienot  bant  mit  ir  kfischehait  . unde  de  siv  ir  rainiz  blot  uz  guzzin  . 
durh  vnsirs  herrin  willin  . un  durb  sine  minnc  . So  G.  4.  frfilich  — sfisseklich]  minnecliche  . 
vn  urfilicbe  G.  5.  ir]  der  sele  die  G.  der  — S wider]  vn  die  wirdekait  . die  siv  het  vfir 
selliv  mentsebio  . de  si  daran  sonderliche  uroide  habe  . vfi  kurzeliche  . also  wirt  ain  ielicb  selic 
sele  zebimilriche  enpfangin  . uon  allim  himilschin  her  . vnd  grAzint  sic  die  engii  . ieliebe  besun- 
dir  . un  hainlicbe  . vn  ieliebe  sele  sundirliche  . un  git  ir  ir  ere . vn  ir  uroide  vn  ir  Ion  . vnd  git 
ouch  dü  sele  ielichim  engii  . ielichim  hailigin  . vnd  ieüchir  sele  sundirliche  ir  Ion  vnd  ir  uroide  . 
die  sie  het  virdienet  G.  7.  ir  fehlt  A.  8.  ain  sei]  so  diu  sele  G.  himilriche  G.  öch] 
da  G.  9.  da  und]  vn  G.  her  fehlt  G.  vroide . und  min  G.  10.  Uglich  fehlt  G.  11.  allem 
— Augustinus]  und  uon  ieüchir  sele  sundirliche  . wirt  alliz  himilsche  her  iruriwit  . un  dannan 
uon  sprichit  sant  augo  . Allir  den  (der  Z)  mentschon  Ion  . die  zehimilriche  komint  . der  ist  alliz 
ainis  ielichin  mentschin  sundirliche  . ufl  ist  allir  mentschon  gemainüche  . Entrüwon  dannan  von 
wirt  wol  ir  gl’a  irnvwit  tegeliche  . wan  als  menic  sele  . un  alse  dike  so  dehain  sele . zehimilriche 
kumit  . so  wirt  ir  gla  vn  ir  uroide  imvwit  vn  gement . wan  den  Ion  den  sd  div  scle  denne  vir- 
dienet hat  . den  bringit  sd  mit  ir  dar  . un  des  lonis  ist  denne  da  me  denne  0 . vn  dannan  uon 
nvwit  sich  tegelich  ir  gl’a  . Wan  siv  eint  eliiv  so  minnecüche  zesamin  gef  Agit  und  in  ainS  willen 
so  lutirliche  geainberit . de  sich  ain  ielicb  sele  an  der  andirun  uroide . vnd  an  ir  wirdekait  urAwe  . 
rebt  als  an  ir  uroide  . Vnd  div  nideroste  sele,  dd  inhimilnche  ist  . du  het  alse  ganze  uroide  . an 
des  oberostin  mentschin  Ion  . als  ob  sie  den  Ion  an  ir  selbun  hetti  G.  14.  eren]  sänge  G. 

15.  daz  waz]  daran  virnemen  wir  G.  gr.  waz]  gr.  ist  6.  17  f.  da  h.  won  si]  hungeric  sint 

die  G.  19.  durch  — 184, 1 in]  in  dem  wiesagin  . Dilata  os  tuum  . Mache  dinen  munt  wtt  . den 
wil  ich  G. 


9.  Job  29,  20.  17.  Matt.  5,  6. 


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184 


51.  Von  der  h< meisdien  Wirtschaft. 


munt:  'tü  uf  wit  din  munt,  won  ich  wil  dir  in  füllen!’  dis  sprichet  er  nit 
von  dem  munde  mit  dem  ich  rede,  er  sprichet  es  von  der  sele  munde,  den 
sont  wir  wit  machen,  won  er  dunket  ünsern  herren  ze  enge,  und  ist  er 
doch  von  natur  alz  wit  daz  er  verschlundi  liymelrich  und  ertrich,  helle  und 
5 tüfel  und  engel  und  alles  daz  ie  wart  ; w&rint  joch  fünfzig  tusent  weit,  die 
verschlund  er  wol  an  arbait.  der  munt  daz  ist  der  sele  girde.  wie  sont 
wir  disen  munt  gewitren?  intrüwen,  daz  sont  wir  rainer  girde,  daz  wir 
üllü  zerganklichü  ding  lassent  varn  und  nit  des  gerent  won  Gottes  und 
einer  gnaden,  also  sprichet  der  wissag:  'herre,  min  sele  ist  verdorret  und 
io  zerschrunden,  alz  daz  ertrich  daz  lang  ane  wasser  ist’,  intrüwen,  er  machet 
sinen  munt  wit  daz  er  der  hymelschen  spise  vil  mug  gessen,  und  dar  umb 
sont  wir  im  nach  volgen  und  sont  alle  ünser  girde  an  Got  keren,  daz  wir 
och  /i/S‘7  der  hymelschen  spise  vil  mugent  essen,  intrüwen,  ünser  herre 
bedarf  wol  daz  daz  essen  groz  si,  da  so  münig  engel,  so  münig  hailig  und 
15  so  münig  tusent  hailgü  sei  von  gespiset  wirt,  und  der  ieglichs  ain  so  witen 
mund  hat  von  nature;  und  den  noch  ÜDser  herre  wil  vil  witer  machen,  also 
sant  Job  sprichet.  nu  merkent  wie  gross  dis  essen  si,  da  so  manig  tusent 
engel  so  münig  tusent  jar  gessen  hant.  ünser  vrow  hat  da  münig  hundert 
jar  gessen,  und  münig  tusent  seien,  die  dis  spis  gessen  hant  münig  jar  und  ie 
20  enmitten  an  essent,  und  ist  des  essens  noch  als  vil  alz  do  si  von  erst  be- 
gundent  essen,  und  da  von  spricht  der  wissag:  ‘wie  groz , wie  münigvalt 
ist  dü  vil  here  diner  süssekait,  die  du  hast  verborgen  den  dich  furhtent!’ 
intrüwen,  er  hat  daz  höbet  gebotten  hin  in  und  versüchet  enwenig  der 

hymelschen  spise.  sit  nn  dis  essen  so  groz  [119°]  ist,  so  endurfent  wir  nit 

25  zwiveln,  wir  vindent  och  ze  essenn  so  wir  ze  hymelrich  koment;  won  unser 

herre  erfüllet  ainer  ieglicher  sei  girde,  also  daz  si  mag  sprechen:  ‘ich  enmag 

nit  me’,  und  dis  spise  niessent  si  girlichen  und  süsklich  mit  ewiger  rüwe. 


S.  won]  Yntrüwon  G.  1.  verechlundi]  wol,  Verbum  fehlt  G.  holle)  vü  belloriche  G. 

5.  wirint]  und  wenn  G.  die]  de  G.  6.  er  wol]  ailiz  dirre  munt  G.  der  m.]  dirre  in.  G. 

7.  mit  r.  g.  G.  8.  zerg.  ding]  dinc  div  zirgancliche  »int  6.  nit  des]  nütis  G. 

9.  also  — wissag]  vnd  sulnc  alle  vnsir  girde . an  got  allain  kerin  also  der  wiasagc  dauid  sprichit . 
Sicut  terra  sine  aqua  G.  11.  mohti  G.  dar  umb)  dannan  uon  G.  12.  vnsir  sinne  vfl 
girde  genzelichc  an  G.  13.  Och  fehlt  G.  14.  und  fehlt  G.  15.  hailgü]  tusint  G. 
so  w.]  also  w.  G.  16.  vil  dennoch  vil  witer  wil  in  vnsir  herre  machon  G.  17.  sant  fehlt  G. 

sprichit  . Er  wil  dich  ledigon  von  de  engin  munde  . indic  braitstun  witi  . vfi  denne  so  wil 
er  dich  irvüllin  . Nv  G.  si]  ist  G.  18.  so  münig  fehlt  G.  hundert]  tusint  G.  19.  tnsint 
tusint  s.  G.  20.  von  fehlt  G.  21.  vor  wie]  Quam  magna  multitudo  G.  22.  ist  — here! 
dü  vili  ist  G,  ist  dü  vilheit  f (Roethe).  den  die  dich  G.  24.  sit  nu]  Entrüwon  sit  G. 

25  f.  won  — mag]  die  iemir  dar  sulnt  komin  . vü  vnsir  herre  iolich'  sele  girde  irvullit  . de  siv 
mchtin  G.  27.  nach  me]  so  ist  noch  denne  der  spise  alse  uil  . so  ir  moist  ie  wart  . uft  ezzint 
siv  sie  iemir  an  ende  . vü  ist  doch  also  groz  . unde  alse  übir  vlüzzic  . als  do  sü  erste  begondon 
min  G.  siv  iemir  girliche  G. 


1.  Ps.  80,  11.  9.  Ps.  112,  6.  17.  Job  36, 16.  21.  Ps.  30,  20. 


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51.  Von  der  himelsctien  Wirtschaft  185 

und  da  von  so  sprichet  her  Job:  'du  völli  dines  tisches  sol  sin  ain  statu 
rüwe’. 

Da z vierde  wort  ist  daz  dis  essen  Gottes  ist  dar  an  merkent  wir  daz 
er  sich  selben  ze  lone  wil  geben  der  sälgen  sele,  und  wil  si  reht  mit  sin 
selbes  güti  durch  fliessen.  und  da  von  sprichet  sant  Job:  'si  sont  sich  uff  5 
den  obrosten  naigen,  und  sont  denne  zerfliessen  von  wunnen,  von  fröden  und 
von  süssekait'.  dar  an  merken  wir  daz  si  all  ir  fröde  an  Got  sückent,  und 
naigent  sich  zu  siner  güti  und  vindent  an  im  alle  über  flüssig  süssekait,  daz 
si  reht  zerfliessent  von  wunnen  und  von  fröden,  daz  si  reht  in  Got  [119*] 
swebent,  und  sint  sin  also  vol  daz  nüt  me  in  si  mag.  da  von  spricht  der  io 
wissag:  'si  sehent  und  minnent  in  und  zerfliessent  denne  von  süskait  und 
werdent  sich  denne  wundrent  und  wirt  gebraitet  ir  hertz’.  nu  merkent  dis 
wort:  zem  ersten  sehent  si  Got,  dar  nach  minnent  sü  in;  won  des  enmugent 
si  nit  überwerden,  so  si  an  Gotte  so  vil  süskait  und  schonhait  sehent,  si 
müsseut  in  minnen.  dar  nach  zerfliessent  si  von  der  überflüssigen  güti  dü  15 
von  Gotte  flüsset  in  die  sele,  und  werdent  sich  denn  wundrent  der  wunder- 
lichen güti  dü  an  Got  ist,  und  von  der  güti  so  wirt  gebraitet  ir  hertze,  daz 
sü  alle  creature  minnent  in  Gotte  und  Got  in  aller  creature. 


1.  so  fehlt  G.  her  fehlt  G.  villi]  rfiwe  G.  1 f.  ain  s.  rüwe]  inuoUir  vaizti  . daran 

uirnemen  wir  de  wir  dise  spisc  ruwecliehe  niezen  . Vndc  de  er  eprichit  si  sol  sin  in  vollir  vaizti  . 
daran  uimemen  wir  de  die  trahta  zehimilriche  als  menicuait  ist  . sint . vnde  ist  ir  alse  uil . de  siv 
nicma  gar  gcbrdchin  mac  . wan  swie  vil  siv  iemir  mit  ir  girde  begrifen  niugin  . vroide  . wnnc  . 
afizekoit  . daz  s hant  siv  alliz  tusint  ualt  G.  3.  wort  ist]  wort  G.  merkent]  virnemen  G,  ähn- 
lich  T.  5.  sant  fehlt  G.  6.  alle  ü.]  als  iibir  mezige  G.  9.  und  fehlt  G.  nach  frfiden] 
vt)  unsir  herrc  der  vliizit  indie  selan  G.  reht  fehlt  G.  10.  und  — mag]  vfl  dannan  uon 

sprichit  sant  Bernli’  . Der  ain  broseiuun  lait  inwin  . aide  inhonic  . so  durh  ultizit  daz  honic  die 
broaemun  . de  sie  rehte  uol  wirt  . vnd  sweifit  (sweibit  Z)  doch  de  honic  vbir  die  broseiuun  allent- 
balbin  . Rehte  ze  glichir  wisc  sprichit  er  durh  vliizit  iinsir  herre  die  sele  . de  sie  reht  uol  ist  . 
der  gotlichun  sAzekait  . vli  swiefit  (swemit  Z)  doch  in  ailentbaibin  dbir  . de  sie  rehte  ingot  swebit . 
also  gent  ouch  die  maistir  ainc  gliclicsauii  . alse  sie  wol  mugiu  . da  ain  brunne  inainem  veise 
entsprunge  . der  cnmac  sich  niht  cnthaltin  er  inswaime  alfibir  . also  swaimit  ouch  ünsir  herrc 
alöbir  die  sele  . in  altenthalbin  . und  ist  sin  doch  aise  gar  uol . de  minime  in  sich  mac  . Undc  G. 

11.  wissage  esayas  . Vidimus  . amabimus  . affluimus  in  . Siv  G.  13.  zemerste  so  sehint  G. 

damalie  so  m.  G.  17.  so  fehlt  G.  18.  nach  aller  creature]  vnd  wirt  div  sele  also  go- 
braitit  . de  siv  minnet  a-lliv  dinc  . inallen  dingin  . vnd  vnsir(v.  herre  Z)  zirulüzit  aJlumbe  sie  . de 
sie  rehte  mit  got  allumbeuangin  ist  G Z IV. 


1.  Job  36, 16.  5.  Job  22,  26. 


11.  Isai.  60,  5. 


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186 


52.  Von  dom  unrehten  und  von  dem  rohten  weg. 


152.)  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg. 

[Just um  deduocit  dominus  per  vias  rectas  et  ostendit  illi  regnwm  dei  etc.) 

‘Unser  herre  laitet  den  reliten  mentschen  durch  den  rehten  weg  und 
zaiget  im  Gottes  riche'. 

5 Disü  wort  liset  man  in  dem  büche  der  wishait.  und  sint  dar  an  vier 
ding  ze  merkenn. 

Daz  erst  ist  wer  der  laiter  si.  es  [119']  ist  unser  herre,  der  ist  diu 
laiter  und  din  behüter;  won  swie  vil  der  mentsch  tugend  und  sAlden  hetti, 
so  möht  er  doch  nit  stAt  bliben,  und  entvAre  unser  herre  mit  siner  gnade  und 
io  mit  siner  hüte  bi  im  nit.  man  liset  in  der  alten  e:  do  unser  herre  die  juden 
durch  die  wüsti  fürte,  do  gab  er  in  ain  fürin  sul,  daz  sü  ze  naht  da  von 
lieht  hettint,  und  den  tag  gab  er  inen  ainen  wölken,  der  si  beschattet  vor 
der  hitze.  hie  bi  ist  bezaichent  daz  unser  herre  ains  ieglichen  rehten  ment- 
schen laiter  ist  und  behüter  ist  in  der  wüsti  dirre  eilenden  weit,  won  swie 
15  wol  ain  mentsch  behüt  wAri,  und  fürti  in  ünser  herre  nit  mit  siner  gnade, 
so  verierreti  er  in  der  wüsti.  man  liset  in  dem  ersten  büche  daz  ünser  herre 
bern  Moysen  sante,  daz  er  daz  israhelsch  volk  fUrti  von  Egypto.  do  sprach 
er:  'varent  enweg!  ich  wil  minen  engel  mit  üch  senden,  der  üch  laiti.  ich 
fürht  daz  mich  daz  volk  sere  erzürne,  füre  ich  [Uff1]  selb  mit  üch’.  do 
20  sprach  der  wissag:  'herre,  daz  went  wir  nit  tün,  du  müst  selb  varen  mit 
üns‘.  do  sprach  ünser  herre:  ‘varent  enweg!  ich  gib  dir  minen  engel’.  do 
sprach  aber  Moyses:  ‘herre,  wellest  du  nit  mit  üns,  so  lass  üns  reht  an  dirre 
selben  statt  bliben;  won  wir  went  nit  varen,  du  varist  denn  mit  üus’.  dis 
bezaichent  aber  daz  ünser  herre  ain  laiter  ist  und  ain  behüter  ains  ieglichen 
25  mentschen.  und  sw'ie  er  aim  ieglichen  mentschen  hat  bevolhen  ainen  engel, 
so  ist  er  doch  der  got  der  üns  ze  allen  ziten  behüten  müss.  also  sprichet 
der  wissag:  ‘o  herre,  swenne  du  den  mentschen  usser  diner  hüte  last,  so  ist 
er  tot  an  allen  sAlden’.  dar  an  sont  ir  merken  daz  ünser  herr  ain  laiter 
ist  des  rehten  mentschen. 


1.  Überschrift  fehlt  G,  Dis  sp'cliit  d'  heilige  geist  (rot)  Z,  Va  eyme  confcsaoir  serrnoy  Phiä. 

2.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  3.  Unser  — 6 merkenn]  Disiv  wort  1.  m.  in  den  bnchin  d.  wis- 
hait . de  (da  Z)  sprichit  der  hailic  gaist . Unair  bene  1.  d.  r.  m.  d.  d,  r.  w.  a.  Agit  im  g.  riche  . In 
(an  Z\  den  wortiu  sunt  ir  merkin  vier  ding  GZ.  T.  si]  ist  G.  din]  ain  Cr.  8.  din  b.) 
ain  b.  ainis  iclichin  mentschin  G.  9.  nit  lange  stete  G.  13.  der  fehlt  G.  rehten  fehlt  G. 

14.  ist  fehlt  beidemal  G.  16.  vrierreti  A.  herre  fehlt  A.  17.  egypto  lant  G.  IS.  er] 
vnsir  herre  zeinen  G.  19.  zesere  G.  20.  wir  n.  t.]  wise  nüt  G,  wir  in  bein  wis  niht  Z. 

21.  var  G.  22.  nfit  selbe  uam  mit  G.  23.  selben  fehlt  G.  denn  fehlt  G.  24.  bet. 
aber]  ist  abir  bczaichint  dabie  G.  25.  und]  wan  G.  aim]  ainen  G.  ainen]  ainem  G. 

26.  doch  fehlt  G.  28.  ir  denne  m.  G. 


1.  Die  Predigt  findet  sieh  in  G Bl.  45',  Z Bl.  53',  U Nr.  10,  Phill.  Bl.  309 *;  fehlt  1U,  .V, 
Arundel.  2.  Sap.  10,10.  10.  Sap.  10, 17;  Exod.  14, 19  f.  17  f.  Exod.  33,1  ff. 

25.  Ps.  90,  11.  27.  im  Anschluß  an  Ps.  83,  6f 


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52.  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg. 


187 


Daz  ander  ist  daz  er  den  rehten  mentschen  laitet.  ain  rehter  ruentsch 

ist  der  aim  ieglichen  ding  sin  reht  git  1120“}  und  ällü  ding  mit  reht  voll- 

endet, spricht  sant  Paulus. 

Daz  dritte  ist  daz  er  laitet  an  den  rehten  weg.  nu  sint  vier  ding  du 
zu  aim  guten  weg  hörent.  daz  erst  ist  daz  er  si  haiter  und  gesihtig;  daz  5 
ander  daz  er  ane  bühel  und  ane  staine  si,  daz  sich  der  mentsche  nit  enstoz; 
daz  dritte  daz  er  schön  si  an  lachun,  daz  sich  der  mentsch  nit  entrainni; 

daz  vierde  daz  er  eben  si  ane  krümbi. 

Nu  hörent  ir  dik  von  der  weit  weg  sagen,  der  ist  zem  ersten  wit 
und  enget  aber  alweg;  won  von  aim  tag  zu  dem  andern  altet  der  mentsche,  io 
und  twinget  in  mänig  arbait  und  kumber,  daz  er  niemer  gantz  fröd  gewinnet, 
und  nach  der  arbait  gat  du  ewig  not.  der  weg  ist  jämerlich  und  arbait- 
sam.  aber  der  weg  des  hymelriches  der  ist  zem  ersten  enge  und  vil  herte 
und  witet  aber  täglich;  won  so  der  mentsche  zem  ersten  in  gaischlich  leben 
kunt,  so  dunket  er  in  vil  wun/12Ö7der  hert  und  vil  mülich,  won  er  müss  15 
übel  gessen  und  getrinken  und  übel  geligen,  und  müss  mänig  ungemach  han. 
daz  im  we  tüt.  aber  dar  nach  von  tag  ze  tag  so  wirt  es  im  ie  lihter 
und  ie  lihter,  so  tinser  herre  sin  hertz  gebraitet  mit  der  minne,  alz  der  wis- 
sag  spricht:  ‘herre’,  spricht  er,  'ich  lüf  indem  weg  dinr  gebot,  do  gebraitest 
du  min  hertz’.  also  sprich  ich  von  dem  gaischlichen  mentschen:  so  der  be-  20 
ginnet  die  tugend  üben,  daz  er  von  ainer  tugend  in  die  andren  gat,  so  wirt 
sin  hertz  also  gebraitet  mit  der  minne  daz  er  denn  reht  lihteklich  löfet  in 
dem  wege.  also  witret  der  weg  täglich  der  zü  dem  hymel  gat;  won  waz 
dem  mentschen  zem  ersten  in  gaistlichem  lebenn  vil  wunder  swär  ist,  daz 
wirt  dar  nach  im  vil  wunder  süss  und  liht,  so  im  ünser  herre  daz  hertze  25 
also  gebraitot  mit  der  minne. 

Nu  müssint  wir  vier  ding  hau,  alz  ich  e sprach,  dü  zü  aim  güten  weg 
hörent:  daz  ist  lieht,  ebni,  schöni  und  [120CJ  schlihti.  nu  sint  vier  sunder- 
lich tugend  die  dar  zü  hörent  daz  wir  den  rehten  weg  gangent,  den  ünser 
herre  laitet  den  rehten  mentschen.  *» 

Dü  erste  tugent  ist  wisshait.  dü  ist  daz  lieht  daz  den  weg  entlühten 
sol,  daz  der  mentsch  wisse  wa  er  hin  gan  sölle,  da  er  reht  gange,  nu  ist 


\f.  ain  — ist]  Der  mentsche  ist  ain  r.  m.  6.  3.  spricht  s.  P.]  Also  spr.  s.  P.  Der  mentsche 

ist  ainegun  ain  rehte  mentsche . der  allen  dingin  rehte  tüt . und  ielichl  dinge  sin  reht«  git  ß. 

4.  ist]  de  ir  au  disen  wortin  merkint  (merken  Z)  snlnt  . de  ist  ß.  an  fehlt  ß.  5.  si]  ist  ß. 

6.  er  — daz]  er  slehtc  sie  . de  nfit  brthele  noch  stain  dran  sie  . da  ß.  nit  enstoz]  anc 
etoze  ß.  7.  dritte  ist  de  ß.  8.  vierde  ist  de  (das  er  Z)  ebin  sie  viire  sich  ane  erümbi  ß. 

9.  ui]  wit  ß.  IS.  vil  fehlt  ß.  18.  getrinken  u.  übel  fehlt  ß.  IS.  herre  dem  mentsehin 
s.  ß.  19.  vor  herre]  Viam  mandatorum  tuorum  cucurri  ß.  19  f.  do  du  gebr.  ß.  23.  himil- 

riche  ß.  waz]  de  ß.  25.  iihte  . unde  uroilichc  ß.  26.  also  fehlt  ß.  28.  und  fehlt  ß. 
31.  tuginde  de  ist  ß.  32.  waiz  ß.  s.  da]  boI  de  ß. 

3.  im  Anschluß  an  I.  Cor.  10,  24;  Phil.  2,  4;  3,  IS;  Col.  4, 12  f 9.  vgl.  oben  S.  12  Z.H  ff. 
19.  Pt.  118,  32. 


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188 


52.  Von  dom  unrohten  und  von  dem  rehteo  weg. 


der  lüte  harte  vil  die  disen  weg  nit  gand;  won  ir  ist  vil  die  wise  sint  von 

der  schrift  und  von  nature,  und  ist  an  in  doch  nit  tugend.  man  liset  von 

mängem  haiden  der  groz  wishait  hatte,  und  waz  doch  an  im  nit  tugend. 
du  wisshait  ist  allain  ain  tugend  du  daz  best  er  weit  und  daz  minnet  über 
5 üllü  ding,  nu  hat  du  tugend  weich  under  ir  die  si  würket,  und  etlichü 
werch  geschehent  vor  der  tugend  und  etlichü  dar  nach,  dü  werch  dü  si 
vor  hin  tftt,  e daz  si  ain  tugend  werde,  daz  ist  daz  si  erkennet  übel  und 
gut,  und  erkennet  wa  von  daz  übel  übel  ist  und  daz  güt  gilt,  und  kan  dü 
zwai  [120d]  von  enander  geschaiden.  wisshait  erkennet  och  zwüschent  zwain 
io  güten  daz  best,  und  under  allen  güten  erkennet  si  daz  best  güt,  daz  ist  Got, 
daz  ist  daz  obrost  gut  nu  ist  der  lüt  vil  die  wol  erkennent  übel  und  gilt 

uud  och  wol  erkennent  daz  Got  daz  obrost  güt  ist  und  daz  üllü  güti  von 

im  flüsset  (alz  sant  Augustinus  sprichet:  'alles  daz  güt  ist,  daz  ist  von 

Got  güt,  und  enkain  ding  ist  güt  von  im  selben  aigenlichen,  won  Got  ist 
15  aller  ding  güti’),  und  swie  doch  daz  etlich  lüt  wol  erkennent  und  wissent 
von  wishait,  so  ist  doch  dü  wisshait  nit  ain  tugent;  won  swie  wol  si  es 
wissent,  so  erwellent  si  doch  Got  nit  über  üllü  ding  und  über  alle  güti,  und 
da  von  ist  ir  wisshait  nit  ain  tugend.  aber  der  mentsch  der  von  siner 
wisshait  daz  best  erwelt  ze  minnende  über  üllü  ding,  des  wisshait  ist  allain 
20  ain  tugent.  und  so  denn  wisshait  ain  tugent  [121“]  wirt,  alz  ich  üch  geseit 
han,  so  hat  si  denne  etlich  tugent  under  ir,  mit  der  si  sich  übet,  dü  erst 
ist  gehügde  vervarner  ding;  dü  ander  ist  verstantnust  gegenwärtiger  dinge; 
dü  dritte  ist  fürsehung  künftiger  dinge,  an  disen  drin  dingen  übet  wiss- 
hait ir  werch.  hie  von  sprichet  Seneca:  'der  mentsch  sol  sin  leben  in 

25  drü  taillen’.  daz  erst  ist,  alz  ich  vor  sprach,  daz  du  haben  solt  gehügde 
vervarner  ding,  daz  du  Got  dik  grozlich  erzürnet  hast,  der  mentsche  sol 

allwege  gedenken  an  sin  sünde  dar  umb  daz  es  im  lait  si,  und  daz  er  sich 

dester  me  demütige,  daz  ander  ist  beschaidenhait  gegenwärtiger  ding,  also 
daz  du  üllü  ding  in  der  beschaidenhait  tügist,  daz  Got  der  von  gelopt  werde, 
so  ünserni  herren  ist  kain  dienest  genüme  der  an  beschaidenhait  ist,  und  da  von 
bedurfent  wir  wol  beschaidenhait  in  [121‘]  allen  ünsren  werchen.  daz  dritte 


1 f.  disen  — nature]  wise  sint  baidil  von  der  s.  ufi  non  ir  wisin  sinne  G.  2.  n.  ain  tnginde  G, 
ebenso  3.  S.  g.  güt  iat  vnd  G.  kan  fehlt  A.  9.  wol  geschaidin  G.  w.  div  irkennit  G. 

zwüschent]  undir  G.  10.  bezziro  G.  11.  dz  ist  dz  ist  dz  A.  harte  vil  G.  übel 
u.  g.]  vil  uon  wishait  wol  wizzin  . wc  vbil  u.  g.  ist  G.  12.  och  fehlt  G.  güt  fehlt  G. 

14.  won  Gotl  wan  ainegun  got  der  G.  15.  und  swie  — und]  sprichit  er  . uh  doch  swie  wol 
etliche  lüte  G.  17.  doch  Got]  sin  G.  ding  — güti]  güt  G.  19.  von  ist]  enist  ouch  G. 

20.  und  fehlt  G.  dü  wishait  G.  21.  der  si  sich]  den  sich  div  wishait  G.  23.  ist  fehlt  O. 

23 f.  ü.  sich  wisshait  A,  6.  div  wishait  G.  25.  erst  fehlt  G.  haben  s.  g.]  gehügin  (corr.  am 
gegugin)  solt  G.  2K.  nach  hast]  wan  swrr  des  wolti  uirgezzin  . sprichit  er . de  er  widir  got  het 
grozlichc  gelebit . der  lebeti  vnaicherliche  G.  29.  cllü  dinü  dinc  i.  d.  b.  und  inder  tuginde  G. 


24.  vgl.  oben  S.  130  Z.  2. 


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52.  Von  dem  unrehten  und  Ton  dem  rehten  weg. 


189 


ist  fürsehung  künftiger  dinge,  daz  du  dich  also  wislich  und  als  tngentlich 
haltist  engegen  den  dingen  die  dich  mugent  an  gan,  daz  du  von  Got  nit 
geschaiden  werdest,  du  mäht  dik  lernen  an  vervarnen  dingen  dü  ding  dü 
dir  künftig  sint.  nn  höre!  gang  hin  an  ain  statt,  da  widervert  dir  liht 
etlich  schad  an  diner  sele.  so  du  denn  wilt  an  ander  oder  an  die  selben  5 
statt  gan,  da  dir  ain  sAmlichs  beschehen  mag,  so  solt  du  gedenken  an  den 
schaden  der  dir  da  widervaren  ist,  und  solt  gedenken:  gäst  du  aber  dar,  es 
widervert  dir  liht  aber,  und  also  mäht  du  an  aim  ieglichen  ding  merken 
wie  du  dich  vor  künftigen  dingen  hüten  süllest.  intrüwen,  der  aber  nit  für- 
sehen wil  ain  ieglich  ding,  der  mag  dike  vellig  werden,  spricht  ain  wiser  io 
man.  also,  sprich  ich,  ist  dü  wizhait  ain  lieht  daz  den  rehten  weg  ent- 
lühtet;  daz  ist  dü  wisshait,  [12V]  sprich  ich,  dü  daz  best  erwelt. 

Dü  andir  tugend  daz  ist  sterki.  dü  machet  den  weg  eben,  daz  sich  der 
mentsch  nit  stosse.  da  von  sprichet  der  wissag  Ysayas:  'die  ruhen  weg 
sont  senfte  sin,  und  die  bühelten  weg  sont  eben  w’erden’.  nu  sont  ir  wissen  15 

daz  nit  Allü  sterki  ain  tugend  ist,  won  allain  dü  so  der  mentsche  dem 

vesteklich  an  haftet  daz  dü  wisshait  hat  envellet  über  Allü  ding,  nu  sehent 
wie  wol  sich  dis  füget!  zem  ersten  erwelt  dü  reht  wisshait  daz  beste  güt, 

dar  nach  gat  dü  sterki,  daz  der  mentsch  mit  allen  sinen  sinnen  dem  kreftek- 

lich  an  hafte  daz  er  da  hat  erwelt.  nu  hat  aber  dü  tugend  etlichü  werch  20 

die  da  vor  geschahent  und  dar  nach,  zem  ersten  gat  daz  werch  vor  der 
tugend  daz  der  mentsch  sin  hertze  vesteklich  gehefte,  wie  er  dem  an  ge- 
hafte  mit  rehter  kraft  daz  er  hat  erwelt.  dar  nach  wirt  es  ain  tugend, 
so  er  den  willen  hat  [12V]  daz  er  dem  obrosten  gilt  krefteklich  an  haften 
wil.  nu  hat  aber  dü  tugend  werch  an  den  si  sich  übet,  daz  ist  daz  der  25 
mentsche  gedultig  si  engegen  allen  dingen  die  in  an  gänt,  und  enkain  vigint- 
schafte  noch  rache  zft  iemann  hat  der  im  übel  tüt.  da  von  sprichet  ain 
wiser  man:  'daz  ist  dü  best  rache  die  du  gettin  mäht,  daz  du  wol  mäht 
vergeben  von  rehtem  hertzen  den  die  dir  liden  tunt’,  und  also  sont  ir  stark 


1.  fürsehung  k.  d.]  de  du  solt  vftrsehin  k.  d.  ß.  3.  dü  ding]  wie  du  dich  solt  lialtin  gegin 
den  dingin  ß.  4.  gang  hin]  wie  . Gan  ich  ieze  ß.  mir  ß,  erste  P.,  ebenso  im  folgenden  Ins  S. 

5.  dennc  hcmabc  ß.  7.  gäst  du]  Vntröwon  gienge  ich  ß.  8.  an  fehlt  A.  merken]  lernen  ß. 

9.  h.  süllest]  bchötiste  ß.  10  f.  spricht  — man]  Also  spr.  a.  w.  m.  Swer  sich  niht  vtirsiht . der 
dinge  . da  er  ine  geuallin  mae  . der  uallit  iueliiv  dinge  vngcwerliche  ß.  11.  ich  denne  de  d. 
w.  ist  de  I.  div  d.  r.  ir  wek  ß.  12.  daz  ist — ich]  div  wishait  ist  so  ß.  13.  vierde  A. 

14.  vor  die]  Erunt  prava  in  dirccta  ß.  rehton  Aß,  ruhen  Z.  15.  sin]  werdin  ß.  nu  — wissen] 
Xu  ist  der  tuginde  sterki . da  zfl  geordinot . de  sic  den  wec  ebin  mache  . Xu  sprichc  ich  abir  ß. 
lfi.  won  — so]  Div  Btcrki  ist  allain  ain  tuginde  de  ß.  18.  wie  rchte  wol  ß.  dis  fehlt  fälsch- 
lich G.  19.  mit  — sinnen  fehlt  G.  20.  da  fehlt  G.  21.  da  — und]  uor  gcschchint  . 
unde  etlichir  ß.  22.  vest.  gehefte]  ucste  undc  denke  ß.  23.  cs]  sin  wishait  ß.  24.  so  er] 
so  der  mentsche  ß.  25  f.  de  ist  der  m.  der  g.  ist  ingegen  a.  den  dingin  ß.  27.  iemann] 
dem  ß.  28.  getan  m.]  iemir  mäht  gchan  ß.  29.  den  fehlt  ß.  besser  lait  ß. 


14.  Isai.  40,4. 


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190 


52.  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg. 


sin  daz  ir  luterlich  vergebent  allen  den  die  üch  ie  lait  getatent.  es  enist 
nit  genüg  da  mitte  daz  du  inen  enhaines  Übels  ganst,  du  solt  in  öch  gerne 

wol  tün.  und  alle  die  wile  daz  du  des  nit  tust,  so  solt  du  daz  fürhten 

daz  och  dir  Got  dine  sünde  nit  vergebe,  won  er  sprichet  also:  ‘reht  alz  ir 
5 den  vergent  die  üch  lait  tünt,  Alz  vergib  öch  ich  üch  üwer  schulde’,  man 
liset  von  sant  Stephan  [122a]  daz  er  nider  viel  uff  sinü  knü  und  bat  für  die 
die  in  staintent.  und  daz  hatt  er  gelernet  von  sinem  maister  Jhesu  Christo, 
do  er  ietz  an  dem  erütz  stünt,  do  batt  er  für  die  die  in  martrotent.  dem 
selben  Gotte  sont  öch  wir  nach  volgen,  und  sont  luterlichen  vergeben  allen 
io  den  die  üns  ie  dehain  lait  getatent  oder  noch  tünt,  und  sont  vesten  müt 
han  daz  üns  enkain  ding  so  grosses  an  gan  muge  daz  üns  von  Gotte  iemer 

geschaide.  ain  wis  man  sprichet:  ‘du  solt  nit  sprechen,  so  dir  din  vigint 

übel  tügi:  "er  hat  mir  übel  getan”;  du  solt  sprechen:  "er  wolt  mir  übel 

tün”,  won  du  alz  vest  und  alz  stark  solt  sin  daz  dir  nieman  übel  mag 
u getün , und  solt  din  reht  un  erschroklichen  behalten,  und  solt  alz  starklich 
an  im  haften  den  du  hast  erwelt,  daz  du  ab  dehaim  ding  ersebrikest.  und 
swaz  dich  an  gat,  so  [122‘]  solt  du  gedenken:  ich  mag  dis  wol  über- 

winden’. 

Dü  dritte  tugend  ist  rainkait  dü  haltet  den  weg  schöne  und  suber. 

20  und  da  von  stat  geschriben:  'sin  weg  sint  schöne’,  daz  ist  an  zwivel  war: 
sin  weg  sint  schön  weg,  ünsers  herren,  sprich  ich.  nu  sint  zwai  ding  die 
den  mentschen  ziehent  uss  der  mitli  des  weges,  daz  er  entraint  wirt:  der 
ist  ains  dü  schonhait  der  creature;  daz  ander  ist  ain  angebornü  untugent. 
nu  möhti  üch  wunder  nemen  wie  sich  daz  gefügti  daz  dü  creatur  ain  schon- 
25  hait  ist,  und  si  doch  den  mentschen  entrainnet.  daz  merkent  kurtzlich:  dü 
sei  ist  also  gescaffen  daz  si  über  all  creatur  ist,  und  ist  ir  statt  entzwüschent 
Got  und  der  creature.  daz  mittel  tail  sol  dü  sei  alwegent  halten,  daz  si 

sich  under  Got  naigi  und  sich  über  all  creatur  habi.  swenn  sich  denn  dü 

sele  under  daz  naiget  daz  under  ir  ist,  so  ist  si  uss  der  mitli  körnen  und 

so  wirt  denne  entrainnet  und  [122*]  wirt  dem  undertAnig  daz  ir  undertAnig  solt 
sin,  daz  ist  dü  creature;  daz  si  die  an  etlichen  dingen  me  minnet  denn  Got. 
swaz  daz  ist,  daz  entrainnet  die  sele.  nu  spricht  sant  Augustinus:  ‘swie 

schön  und  wie  luter  Silber  und  gold  ist,  so  fleket  es  doch  den  gitigen  ment- 

1.  ie  dehain  lait  0.  2.  niht  allain  G.  im  beidemal  G.  Ach]  alse  G.  S.  tön  . al* 

ouch  e’  G.  7.  in  da  st  G.  und  — er]  Entrdwan  er  hat  ez  G.  10.  ie  — noch)  lait  G. 

10  f.  sulnt  also  ucstia  gemite  ban  G.  11.  üns]  iv  beidemal  G.  11  f.  iemer  g.]  möge  g.  ir  en- 

wellcnt  im  atetecliche  vfi  kreftclichc  an  haften  G.  12.  nit]  niemir  G.  14.  wau  du  aolt  ueste  u. 

also  at  ain  G.  15  f.  starklich  — haften]  stark  sin  an  im  zebaftenne  G.  16.  dv  A.  19.  tu- 

ginde  de  ist  G.  20.  und  — geachribenl  da  uon  sprichit  der  hailige  galst . Vie  eins  vie  pulcre  G 
schine  wege  G.  21.  sin  — ich]  de  finsirs  herrin  wege  schJne  woge  sint  G.  24.  dv  A. 

27.  creature  . also  de  niht  ob  ir  ist . wan  ainegun  got . und  undir  (u.  ir  Z)  ist  elliv  creature  G. 

29.  der  mitli]  dem  mitil  tail  G.  80.  de  ir  uon  nature  u.  G.  82.  ist  inder  witun  weite  G. 


4.  Matt.  6,  14.  6.  Act.  7,  60  ff.  8.  Luc.  23,  34.  20.  Prov.  3,  17. 


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52.  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg. 


191 


sehen’,  ze  glicher  wis  merkent:  ain  ieglich  ding  waz  schön  und  lustig  ist, 
daz  zühet  den  mentschen  uss  der  mitli,  da  dü  sei  inne  solt  stan,  da  si  statt 
hat  entzwüschent  Got  und  der  creatur.  daz  ander  ding  daz  och  den  ment- 
schen zühet  uss  der  mitli,  daz  haisset  libido,  daz  ist  ain  angebornü  nature. 

dü  zühet  den  mentschen  zü  den  sünden,  es  si  im  liep  oder  lait.  und  der  na-  5 

tur  ist  nieman  änig  won  ünsrü  vrow  sant  Maria  und  ir  sun  Jhesus  Christus, 
dis  natur  mag  gantzlich  nieman  verdruken  an  im  selben,  ain  mentsche  mag 
ir  aber  also  widerstan  daz  es  ir  mit  dem  willen  nüt  gevolge;  won  swenn 
der  mentsch  [122*/  bös  gedünk  oder  bös  girde  hat,  all  die  wil  untz  im  daz 
lait  ist  und  im  vast  wider  stät,  so  ist  es  im  nit  sünde.  swenne  er  aber  mit  io 

dem  willen  gevolget,  so  ist  dü  sünde  volbraht  in  dem  hertzen.  daz  ist  hobt 

sünde,  ob  daz  werch  och  hobt  sünde  ist  daz  der  mentsch  gern  täti.  nu  höre 

wie!  han  ich  den  willen  daz  ich  ainen  man  gern  schlügi  durch  vigintschaft, 

der  Wille  ist  mir  ain  höbet  sünde,  won  das  werch  ist  och  holet  sünde.  und 

kurzeliche  also  ist  ez  umbe  ain  ieglich  ding  daz  holet  sünde  ist:  der  wille  15 

den  ich  da  zü  han,  der  ist  och  holet  süiule ; und  dar  umbe  sol  der  mentsche 
alwegent  wider  den  willen  striten,  daz  er  niemer  gevolge;  won  swenn  der 
wille  gevolget,  so  ist  dü  sei  tot.  sant  Paulus  sprichet:  ‘der  gaist  ist  alweg 
stritent  wider  daz  flaisch  und  daz  flaisch  wider  dem  gaist’.  und  die  wil  untz 
der  gaist  über  windet  den  lip,  so  ist  der  mentsch  in  der  mitli;  so  sich  aber  20 
der  gaist  naiget  under  den  lip,  so  ist  dü  sei  von  Got  geschaiden.  her 
Salonion  sprichet:  ‘stver  sinen  kneht  zärtlichen  zühet,  der  [123’]  machet  in 
ungehörig’,  und  dar  umb  sont  wir  ünsren  lip  kestigen.  der  lip  ist  der  sele 
kneht,  und  dar  umb  gezimt  wol  daz  er  undertänig  si  der  sei.  swenne  nu 
der  mentsch  ge  war  wirt  daz  in  sin  nature  ze  sünden  gerne  zuge,  so  sol  er  25 
sim  lip  arbait  uf  legen,  daz  er  dem  gaiste  gehorsam  werde  und  dü  nature 
an  im  me  werde  verdruket.  und  alle  die  wile  der  mentsche  sich  also  haltet, 
so  blibet  dü  sele  an  ir  statt  in  der  mitli. 


2.  da  si]  de  sie  G.  S.  hetti  G.  daz  ander]  So  sic  denne  die  achonhait  der  creature 
me  mionet  . denn«  er  zerehte  sül  . so  naigit  sie  sich  uon  der  stat  . dü  ir  ist  . wan  der  mentsche 
ensolti  onhain  dinc  minnen  durh  sich  selbin  . wan  got  ainegun  . swenne  ich  denne  dehain  dinc 
minnC  durh  sich  selbis  . so  bin  ich  uzzir  der  mitli  geualiin  . un  wirde  entrainit  . Nv  sulno  wir 
üns  vlizin  . de  wir  reht  inder  mitli  standen  . de  wir  enhain  dinc  minnS  . durh  sich  selbiz  . wan 
ainegun  durh  got  . Nv  ist  ain  andir  G.  4.  haisset]  ist  G.  an  in  angebornü  späterer  Zu- 
satz A.  5.  zti  den]  ze  G.  6.  sant  — sun]  und  G.  7.  gantzlich  — ain]  aizogis  nieman 
a.  i.  virdrukin  . der  G.  8.  also  wol  G.  9.  daz]  ez  G.  12.  och  fehlt  G.  12  f.  h.  wie] 
hoiriot  hie  G.  14.  ain  fehlt  G.  won  — 16  hobetsünde  fehlt  A.  16.  mentsche  fehlt  A. 

17.  allewege  uaste  striten  w.  d.  w.  G.  er  im  niemir  G.  19.  u.  alle  die  wil  G.  21.  her 
fehlt  O.  22  f.  machet  i.  u.]  wirt  im  widir  h&iricb  G.  24.  und  — nu]  swelch  mentsche 
denne  sinen  Up  het  inzartelichim  lebinne  . der  wirt  dem  gaiste  widir  hoirich  . vnd  darumbe  suln 
wir  vnsirne  lip  k es  tigern  . mit  arbaitin  . de  wir  (er  Z)  dem  gaist  undirtaenic  werden  (werde  Z) . und 
swenne  O.  26.  lip]  lebin  G.  arbait  gerne  u.  G.  27.  me  fehlt  G. 


4 f.  vgl.  oben  S.  116  Z.  10  ff.  18.  Gal.  5, 17.  22.  Prot.  29,  21. 


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192 


52.  Von  dem  nnrehten  und  von  dem  echten  weg. 


Dü  vierde  tilgend  ist  rehtkait.  dü  rihtet  den  weg,  daz  ist  daz  si  ieg- 

lichem  ding  sin  reht  git:  zem  ersten  unsrem  herren,  dar  nach  dem  ment- 

schen  selben,  dar  nach  dim  ebencristan. 

Nu  sint  drier  hand  sünde  die  den  mentschen  ierrent  uff  dem  wege. 

5 Dü  erst  ist  der  an  Got  sündet,  daz  ist:  swer  nit  gelobet  daz  Got  ie  waz 
an  angenge  und  iemer  ist  an  ende,  der  sündet  an  Gotte,  swer  och  Got  sin 
ding  verkeret,  [123*J  also  daz  er  sin  getat  berefzet  und  gedenket  oder 
sprichet:  wie  tüt  ünser  herre  suss,  daz  er  dis  und  dis  tut,  und  daz  und  daz 
nit  tüt,  er  sölti  dis  und  ens  tün!  swer  in  also  maistret,  der  sündet  och 

io  an  Gotte.  swer  och  in  versuchet,  der  sündet  och  an  Gotte,  alz  ob  ich 

giengi  uff  ain  münster  und  sprungi  her  ab  und  t Ati  daz  in  der  fräfli  daz 
ich  gedähti:  wil  mich  Got  behüten,  er  behütet  mich  wol!  daz  ist  war:  swaz 
Got  wil,  daz  geschiht,  doch  hat  er  dem  mentschen  wissen  und  beschaidenbait 
gegeben  dar  umbe  daz  er  sich  selben  behüti,  alz  vil  alz  er  mag.  und  swer 

15  dis  tüt,  der  tüt  gross  sünde.  nieman  sol  sich  also  Mvenlich  an  Oot  lassen 

daz  er  dekain  ding  tügi  da  mit  er  sich  selben  verliere,  man  liset  daz  der 
tüfel  ünsern  herren  versüchte,  do  er  in  mentschlicher  nature  uff  ertrich  waz. 
er  sprach  zü  im,  do  er  uff  des  tempels  zinnen  stünt:  ‘Ja  dich  hie  nider, 
won  es  ist  geschriben  daz  Got  sinen  [123‘]  engein  gebotten  hat  daz  si  dich 
20  behütint  und  dir  nit  lassint  werden',  do  sprach  ünser  herre:  ‘var  fürder, 
Sathanas!  dn  solt  nit  versuchen  dinen  herren  und  dinen  Got’.  und  also 
sprich  ich  daz  der  mentsch  sündet  der  Got  versüchet. 


1.  dritte  AG Z.  tuginde  diu  ist  G.  daz  ist)  Der  tuginde  werk  ist  G.  2 f.  git . ünsirme 
herrin  zemerste  . Danah  mir  selbun  . vnd  rniuem  obin  eristsenin  G.  5.  daz  ist]  Nu  mehtint  ir 

sprechin  wie  ir  an  got  sündetint . De  besebaide  ich  iv  G.  6.  swer]  wan  de  bewa-rit  Vnsir  her  re 
selbe  . de  er  wc  an  anegengo  . vnd  iemir  ti.  ist  Z)  an  ende  . Wan  Iisit  de  finsir  herre  mo;ses  Bant . 
de  er  sin  volk  losti  von  egjpton  lant  . Do  sprach  mojscs  . sv  engloubint  mir  nit  . de  dn  mich 
habest  gesant  . Do  sprach  vnsir  herre  . var  cht  du  cnwek  vti  sage  inen  de  ich  dich  han  gesant  . Do 
sprach  vnsir  herre  motses  . Herre  uon  wem  sol  ich  inen  sagen  . der  mich  habe  gesant . Do  sprach 
ünsir  herre:  moises  sprich  ze  inen  . Der  da  ist  der  hat  mich  zü  iv  gesant  . ln  dem  wort  gap  er 
v'ns  urkunde  . de  er  ic  wc  ufi  iemir  ist  . de  wc  de  aiginlichste  wort  . de  ic  uon  der  ewikait  ge- 
sprochin  wart  . de  er  sprach  . der  da  ist . da  mit  gap  er  vns  vrkfinde  . de  wir  de  vestecliche  ge- 
loubin  sulne  . de  er  io  wc  vn  iemir  ist  . vti  swer  daran  zwinclot  . der  sfindot  an  got  . Der  G. 

Got]  finsirmc  h'rin  G.  7.  also  — und]  und  in  bereffit  . also  de  er  G.  8 f.  daz 
er  — tün]  er  solt  suz  uti  so  tün  . er  solt  disin  lazin  sterbin  . vti  disin  iazin  lebin  G.  9.  in} 
vnsimc  herrin  G,  ebenso  10.  maisterot  vnd  im  sind  werk  uirkerit  G.  och  fehlt  G. 

10.  an  fehlt  A.  10  f.  alz  — giengi]  Nu  merkint  wie  . Gienge  ich  G.  13.  er  d.  m.]  ünsir 
herre  G.  14.  alz  er]  er  G.  15.  an  Got  fehlt  A,  16.  vor  man]  der  mentache  ist  im  selbin 
schuldic  . de  er  bchütin  mac  vor  schadin  libiz  vnd  sele  G.  18.  er  spr.)  vnd  spr.  G.  hie] 
her  G.  19.  won]  Vnsir  h're  bchütit  dich  G.  Got  s.  e.]  finsir  herre  einem  engil  G.  19  f.  si  — 

werden]  er  behüte  alle  dino  wege  G.  20.  vor  var]  Vade  sathanas  G.  21.  dn  s.  nit]  Ez  ist 
gcschribin  de  dn  niht  solt  G.  21  f.  und  also  — versüchet]  Also  spr.  i.  dennc  de  der  m.  an  got 
sündet  . der  finsirnc  (fi.  h'ren  Z)  uirsuchit  als  ich  gesait  han  G. 


16  ff.  Matt  4,  6 ff. 


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52.  Von  dem  unreinen  und  von  dem  rehten  weg. 


193 


Dü  ander  Sünde  dü  den  weg  krümbet  und  den  mentschen  ierret  uff  dem  . 
weg,  daz  ist  der  an  sich  selben  sündet.  nu  sont  ir  merken  ain  beschaiden- 
hait  dar  an  daz  man  sprichet  daz  etlich  sünde  an  Got  si  gesündet,  etlich  an 
sich  (.selben  und  etlich  an  den  ebencristan.  swie  der  mentsch  sündet,  so  tüt 
er  wider  Got.  man  sprichet  aber  aigenlich  daz  der  mentsch  an  Got  sündet  5 
der  die  sünde  tüt  die  ich  da  vor  geseit  han.  swaz  der  mentsch  gesündet, 
daz  tüt  er  wider  sich  selben,  won  es  ist  im  schade,  daz  ist  aber  aigenlich 
wider  sich  selben  gesündet  der  sim  lip  zevil  überflüssiges  git  oder  im  sin 
notdurft  nimt,  und  swa  [123*]  mit  er  in  krenket,  daz  er  Got  dester  minder 
dienen  mag,  und  och  etlich  ander  sünde  tüt.  io 

Dü  dritte  sünde  dü  den  mentschen  ierret  uff  dem  weg,  daz  ist  daz  der 
mentsch  sündet  wider  sin  eben  cristan.  swenne  ich  im  sin  notdurft  nit 
gib,  so  er  es  bedarf,  so  Sünden  ich  wider  in;  won  swaz  ich  über  min  not- 
durft ban,  daz  enist  nit  min,  es  ist  ains  ieglichen  mentschen  daz  sin  baz 
bedarf  denn  ich.  ünser  herre  hat  aim  ieglichen  mentschen  sin  notdurft  ge-  15 
schaffen  und  hat  ir  nieman  lan  gebresten.  swenn  ich  denne  dekainen  ment- 
schen siner  notdurft  lan  gebresten,  so  ich  sih  oder  waiss  daz  er  es  bedarf, 

so  hab  ich  im  sin  güt  vor.  sant  Paulus  sprichet:  ‘swer  sim  eben  mentschen 

nit  git  des  er  über  sin  notdurft  hat,  stirbet  der  von  hungers  not,  so  ist  er 

an  im  schuldig  alz  ob  er  in  hetti  erschlagen’.  [124°]  swer  och  sin  eben  20 
mentschen  geergrat  mit  bösem  bilde,  der  sündet  öch  an  sim  eben  mentschen. 
da  von  sprichet  ünser  herre  in  dem  ewangelio:  'swenn  ir  den  minsten  gebösrent 
der  an  mich  gelobet,  so  wäre  üch  besser  daz  ain  mülstain  üch  wär  gehenket 
an  den  hals  uud  in  daz  mer  wurden!  besenket’.  und  da  von  bedurfent  wir 
wol  daz  wir  üns  mit  allem  Hiss  hütint  daz  nieman  von  üns  gebösret  werdi.  25 
nu  geschiht  es  dike  daz  ain  mentsch  ain  ding  tüt  in  aim  güten  sinne,  und 
wirt  doch  etwer  da  von  gebösret.  nu  si  daz  ich  joch  ain  ding  tüge  in  aim 
güten  sinne,  kumet  mir  denn  für  daz  min  ebencristan  da  von  geergrat  wirt, 
so  sol  ich  es  miden;  und  dar  an  tün  ich  bas  daz  ich  min  ebencristan  hüti 
daz  er  nit  geergrat  werdi,  denn  daz  ich  es  täti,  swie  güt  es  joch  würi.  so 

wäre  aber  es  also  daz  es  mir  höbet [124t]  sünde  würe,  ob  ich  es  lessi,  so 
solte  ich  es  durch  aller  der  weit  willen  nit  lassen,  nu  hant  etlich  lüt  also 


3.  geaündot  vfi  e.  G.  4.  den]  minem  G.  5.  mentsch  fehlt  G.  6.  der  m.  ges.)  sünde  ouch 
d.  m.  tüt  G.  7.  er  ouch  widir  G.  S f.  im  — in)  der  sitne  libe  der  notdürfte  gebristit . aide 
swa  mit  der  mentsche  sine  lip  G.  10.  tüt  fehlt  G.  11  f.  dü  — sündet]  ist  die  der  mentsche 
tüt  G.  13.  so  Bünden  — in  fehlt  G.  14.  sin]  et  G.  16.  ir]  der  G.  17.  lan  gebr.] 
briste  G.  16.  da  uon  sprich;  s.  P.  G.  20.  habe  G.  22.  spr.  abir  vnsir  G.  23  f.  da z — 
besenket]  de  iv  ain  müÜBtain  . an  den  rik  wsre  gekenkit . ufi  inden  rin  wie  re  gesenkit  GZ.  24.  da 
von]  darumbe  G.  25.  wir  üns]  wir  G.  ieman  G.  27.  ich  fehlt  A.  joch  fehlt  G. 

26.  mir]  mich  doch  6.  29.  ebin  mentschln  G.  30.  denn  daz]  denne  ob  G.  nach  wirij  de 

dink  . da  mit  ich  in  geboiseron  . de  sol  ich  lazin  . ez  cnwnre  denne  ain  dink  . de  ich  houbit  sünde 
dar  an  trete  . ob  ich  ez  lieze  G.  32.  es  abir  d.  6.  nach  lässen]  Ist  ez  abir  also  . de  ich  niht 


18.  wo  f 22.  Matt.  18,  6. 
Deutschs  Texte  de«  ttitteUlters.  X. 


13 


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194 


52.  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg. 


bösü  hertzen  daz  sü  gedenken!  und  sprechent:  ' we,  waz  wirret  mir  swer  von 
mir  gebösert  wirt,  ob  ich  etliches  in  gutem  sinne  tün!’  die  lüt  han  bösü 
hertzen,  won  ain  ieglich  mentsch  ist  dem  andern  schuldig  daz  es  AUü  du  ding 
mide  da  mit  es  in  gebösren  muge;  und  reht  alz  ich  aim  ieglichen  schuldig 
5 bin,  also  ist  es  Och  mir  schuldig  daz  es  min  ding  nit  verkere,  daz  nit  ze 
verkerend  ist  nu  sehent  wie!  han  ich  ze  ainer  statt  ain  gut  swester  oder 
ain  guten  brüder  und  bin  dem  haimlich  und  tün  daz  in  aim  güten  sinne 
und  daz  er  mir  nütz  ist  an  miner  sele,  nu  wirt  mir  geseit  daz  etswer 
der  von  geergret  wirt,  so  sol  ich  es  miden.  aber  alle  die  wile  so  ich  es 
io  für  war  nüt  waiss  daz  ieman  der  von  gebösert  wirt,  so  ensol  ich  es  sü 
niemer  geargwanen,  won  ich  sol  alle  / 124 ']  min  brüder  für  also  tugenthaft 
han  daz  si  mir  niemer  enhain  ding  verkerint  ze  übele,  da  si  enhainen  güten 
sin  an  vinden  mugent.  ich  sol  es  da  für  han  daz  ain  ieglich  mentsche  siner 
sele  also  gern  hüti  an  mir  alz  ich  an  im.  intrüwen,  geschieh  aber  daz 
15  daz  mir  ieman  üt  verkerti  daz  nit  ze  verkerenn  wäri,  und  daz  er  also  wol 
ze  gütem  keren  möhti  alz  ze  übel,  und  ich  es  och  in  aim  güten  sinne  tün: 
swer  mir  daz  verkeret,  der  gebösert  mich  me  denn  ich  in,  daz  er  mir  ver- 
keret  daz  nit  ze  verkerenn  ist.  und  also,  sprich  ich,  sol  ain  ieglich  mentsch 
des  andern  hüten  daz  es  im  nüt  verkere  won  daz  och  ze  verkerenn  ist, 
20  und  sol  im  also  wol  ain  ieglich  ding  dar  an  er  nit  arges  vindet,  ze  güt  keren 
alz  ze  übel,  nu  sint  etlichü  ding  alz  offenlich  übel  daz  sü  niemer  wol 
mugent  beschehen,  alz  ungeliorsami  und  unkünschkait  und  ander  münig  [124*] 
ding,  daz  als  unverdaht  übel  ist  daz  es  niemer  in  dehaim  güten  sinne 


houbit  sfinde  tun  daran  . de  ich  ez  laze  . so  sol  ich  cz  lazin  durh  des  willin  . de  ich  niemannc 
gcboiscrctc  . vfi  kurzeliehe  swe  ich  waiz  . da  mit  ich  ieman  geboiseron  . de  sol  ich  und  iotieh 
mentsche  lazin  . swe  de  inder  weit  ist . wie  re  ez  ioch  ain  dinc  . daran  ich  grozin  nuzee  hetti  . den 
nnzee  sol  ich  gemir  lazin  . denne  ich  ieman  mit  geergeroti  . t'nde  de  ist  mir  bezzir  . de  ich  der 
luten  herzin  hüte  . denne  ob  ich  andirz  uil  gfltis  me  trete  G. 

2.  etliches]  eht  ez  G.  3.  schuldic  des  de  ez  G.  4.  in  g.  muge]  ieman  gcboiscrot  G. 
ich  des  a.  ielichin  mutsche  G.  5.  es  Och  m.]  ouch  mir  ain  ielich  mentsche  G.  min  d.  nit]  mir 
enhain  d.  G.  daz  ouch  nivt  G.  8.  wie)  hie  G.  6 f.  han  — brüder]  Gan  ich  an  aine  stat 
zeainir  giitir  swestir  aide  zeainim  brfidir  G(Z).  8.  er]  ez  G.  9.  nach  miden]  daran  tün  ich  rebte . 

wan  mir  de  gesait  ist . daz  ethswer  da  non  geergorot  wirt  G.  so  i.  es]  unz  ich  G.  11.  won 
fehlt  G.  brüder]  Bwestiran  GZ.  12.  nach  han)  de  ich  mich  der  untugindc  . an  siv  niemir 
sol  nirsehen  G.  niemer  fehlt  G.  13.  sol  es)  es  A , sol  G.  15.  wtri]  ist  G.  16.  ah) 
so  G.  vH  onch  ich  in  G.  18.  und  — 21  ding]  denne  ich  ln  da  mit  geergerotc  de  ich 
cz  tsetc  . wan  de  tet  ich  in  ainem  g.ttim  sinne . vfi  kan  ouch  mir  zcgiite  . vfi  wc  ouch  güt . swenne 
mich  denne  vürkumit  . de  mir  ez  ain  andirs  zcfibil  het  uirkerit  . de  geergerot  mich  an  mint'  her- 
zin . vnd  Icschit  mir  die  minc  . die  ich  zu  im  hirttc  . vfi  entwirfit  mir  min  herze  . vfi  benimit 
mir  min  andabt  . vnd  geergerot  mich  da  mit  nil  me  . denne  cz  gütis  tüie  . Uh  rehte  alse  gnotc 
ich  des  hütin  sol  . de  ieman  von  mir  gcbüisorot  werde  . also  gnote  sol  sich  ain  ielich  mentsche 
hütin  . de  cz  mir  enhain  dinc  virkerc . wan  daz  ouch  zeuirkerine  Bie  . vH  sol  ain  ielich  mentsche 
dem  andime  sin  dinc  also  wol  zegüte  kerin  (k.  so  Z)  ze  dbile  . de  eht  alse  fibil  nvt  ist  . de  ez 
nieman  gegütin  mac  . Nu  h&rint  hie  . Etlichiv  dinc  sint  G.  22.  ander]  ane  de  G.  23.  alles  .4. 
alse  G.  sinne  G,  ding  A. 


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52.  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg. 


195 


geschehen  mag:  daz  ist  nit  Sünde,  swen  daz  übel  danket»  so  sint  öch  etlichü 
ding  als  gut  daz  sü  niemer  in  kaim  üblen  sinne  mngent  geschehen,  daz  ist: 
Got  minnen  über  üllü  ding  und  demütig  sin  und  gelassen  an  Got,  und  andni 
sämlichü  ding,  daz  kan  niemer  übel  werden,  etlichü  mugent  öch  geschehen  in 
gutem  und  in  üblem  sinne,  alz  betten  und  vasten  und  mäng  ander  ding:  tüt  5 
er  es  durch  Got,  so  ist  es  gut;  tüt  er  es  aber  durch  rüm  und  durch  lob,  so 
ist  es  übel,  also  ist  mäng  ding  daz  wol  in  übel  und  in  güti  geschehen 
mag.  won  aber  daz  t%en  ist  und  nieman  in  des  andern  hertzen  waiss  won 
allain  Got,  dar  umb  sol  ain  ieglich  mentsch  daz  besser  nemen  an  aim  ieg- 
lichen  ding:  swaz  es  sehe  oder  höre  an  de/72fi“/kainem  mentschen,  daz  es  daz  io 
zu  dem  besten  kere  in  sim  hertzen,  und  sol  öch  daz  vor  den  lüten  reden; 
daz  ist  ain  tugent  in  der  Got  rüwen  wil.  ich  sol  alle  min  brüder  für  also 
sälig  han  daz  ich  mich  nihtes  nit  an  in  sol  versehen  won  tugent  und  sälden, 
untz  ich  für  wärs  an  in  nit  Übels  waiss,  wisse  Got  waiz  ich  joch  für  war 

üt  bosshait  an  in,  so  sol  ich  gedenken  daz  es  si  von  krankait,  und  sol  mich  15 

dar  über  erbarmen  und  sol  Got  da  über  bitten,  nu  si  joch  daz  daz  ain 
mentsche  etwas  tilge  in  aim  üblen  sinne,  waz  schadet  mir  daz  ob  eht  ich  es 

in  ain  tugent  kere?  so  wirt  mir  doch  ain  tugent  dar  an,  in  swelem  sinne 

daz  beschiht  joch,  nu  merkent  hie:  gan  ich  an  ain  stat  und  bin  da  hain- 

lich  ainem  mentschen,  daz  mag  wol  in  übel  oder  in  gütem  geschehen;  won  2« 

tün  ich  es  durch  Got  (125* ] oder  dar  umb  daz  ich  da  von  gebessret  werdi 

oder  daz  ich  ander  lüt  mit  lere  oder  gebessre,  so  ist  es  güt;  tün  ich  es 

aber  durch  dehain  bosshait,  so  ist  es  übel,  nu  sige  daz  ich  es  in  übel 
tüge,  so  sol  doch  der  mentsch  der  es  siht,  gedenken  daz  ich  es  durch  gilt 
tüge,  und  sol  es  allwegent  bessren.  won  tun  ich  es  durch  bosshait,  daz  ist  im  25 
tögen  und  waiss  es  nit  won  von  argwan;  waiss  er  es  aber  für  war,  dennoht 

solt  du  es  von  mir  nit  braitren  won  in  dem  sinne  daz  ez  entweder  mir  oder 

im  selben  oder  dem  ich  es  sage,  zu  bessrung  kome.  und  kurtzlich:  swer 
von  dem  andern  dehain  ding  seit  in  dehaim  andern  sinne,  der  tüt  übel  und 

3.  demütig  Bin]  demfitekait  G.  gelassen]  gclonbin  G.  3 /'.  andni  s.  ding]  züvirsiht  han 
an  sine  gfiti  G.  4.  Ethlichiu  dinc  G.  4 f.  in  ii.  sinne  n.  i.  g.  sinne  G.  5 f.  tdt  er  cs]  de  wol 

iniibil  vnd  ingrit  mac  beschchin  . Tdt  ez  der  mentsche  G.  6.  r.  aide  d.  lop  . aide  de  man  wsene 
de  er  güt  sie  . so  6.  7 f.  milng  — aber]  uil  wndir  m.  d.  de  iibil  vfi  wol  mac  beschchin  . Wände 

nu  G.  8.  tnn  A.  11.  bezziren  G.  öch  daz]  cz  ouch  G.  mich  reden]  vfl  swe  vbil  vtl  wol 
mac  gcschehin  . da  sol  sich  der  mentsche  allcwego  dez  bczzimo  virschin  G.  12.  Got  fehlt  fälsch- 
lich G.  nach  wil]  Nu  sic  ouch  de  ain  swestir  aide  ain  brndir  ain  dinc  täic  in  aine  vbilnc  sinne . 
so  sol  ich  (ich  es  Z ) doch  inainen  giitin  sin  kerin  . alle  die  wil  vnz  ich  ez  niht  vür  war  waiz  . de 
er  ez  intibil  habe  getan  GZ.  alle  m.  br.]  allewege  minc  swestir  aide  minen  brüdir  G. 

14.  wäre]  war  G.  an  — Got]  non  im  niht  waiz  G.  joch  fehlt  G.  15.  an  in]  uon  ir  G. 
cs  si  von]  ist  uon  ir  G.  16.  joch  daz  fehlt  G.  18  f.  in  swelem  — joch]  swie  ere  ioch 
tut  G.  20.  mentschen]  brßdir  aide  ainir  swestir  G.  oder]  vtl  G.  won]  Nu  merkint 
wie  G.  21.  da  von  — werdi]  mich  da  gebczzere  G.  22.  gebessre]  mit  ethlichim  dinge 

bezzir  G.  23.  vor  nu]  diu  zwai  dinc  mugin  andern  geschehin  . ubil  ufi  gfit  G.  24.  mentsche 

denkin  . der  ez  an  mir  sihit  . de  G.  25.  ez  ioch  durh  G.  27.  sol  ere  uon  im  G.  er  A. 

29.  seit]  braitorot  G. 

13* 


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196 


52.  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg. 


sünde.  ist  es  aber  also  daz  der  mentsch  argwan  het  zü  etlichem  ding  daz 
er  siht  oder  hört  an  aim  andern,  daz  in  dunket  von  sim  sinne  daz  es  übel 
si,  und  im  es  andere  nieman  hat  geseit,  daz  ensol  er  nit  sagen,  er  sol  es 
allain  [125‘]  in  sim  hertzen  han  und  ensol  nieman  me  da  mit  gebösren;  won 
5 swaz  da  von  bösrung  kumet,  des  ist  er  schuldig  der  es  da  redet,  nu 
merkent.  dis:  tüt  ain  brüder  ain  ding  daz  übel  ist  und  wider  Got  ist  oder 
da  von  dü  samnung  betrübet  wirt,  des  sol  ich  in  laiden  ze  capittel,  und  sol 
daz  in  dem  sinne  tan  daz  er  sich  dar  an  bessre  und  der  convent  mit  fnde 
blibe,  so  tun  ich  rehte.  nu  wirt  liht  der  brüder  ungedultig  und  betrübet 
io  der  von.  daz  enist  mir  nit  sünde,  han  ich  es  in  gütem  sinne  getan;  tet  ich 
es  aber  im  ze  laide  oder  ze  rache  oder  von  etlicher  unminne,  daz  ist  mir 
grössü  sünde,  swie  tugentlich  er  es  joch  enphahet  oder  swie  vil  gutes  da  von 

kumet.  nu  geschiht  es  6ch  daz  ain  brüder  den  andern  siht  etwaz  tün  daz 

übel  ist,  so  denket  er:  nu  wäre  dirr  brüder  wol  wirdig  daz  du  in  hie  umb 

15  rügtist,  daz  er  sich  hie  [125“]  an  besserti.  so  denket  er  aber  wider:  des 

entü  nit,  er  wurdi  da  von  betrübet,  nu  wil  ich  lieh  dar  zü  ainen  güten 
rat  geben,  waz  ir  an  sünde  mugent  tün:  swaz  ir  hörent  oder  sehent  daz 
wandelbar  si,  so  sont  ir  merken  in  vestra  consciencia  von  wederm  me  bessrung 
kome,  und  sont  daz  tün.  versehest  du  dich  daz  es  besser  si  daz  du  es  tilgest. 
20  so  rüg  es;  si  och  daz  besser  daz  du  swigest,  so  swig.  und  daz  halt  an  aim 

ieklichen  ding,  so  hübest  du  an  sünde.  nu  sprichest  du  vil  lihte:  so  ver- 
sieh ich  mich  daz  es  ze  besserung  kome,  und  kumet  es  liht  zü  grossem  übel, 

ist  mir  daz  sünde?  so  sprich  ich:  ja.  es  ist  dir  sünde,  ob  du  es  mit  enhaim 

ding  möhtist  han  versehen,  ob  es  von  dinr  unbeschaidenhait  ist  beschehen  liht 
25  ain  tail,  daz  du  liht  unbescbaidenlich  oder  mit  herten  Worten  oder  mit  zorn- 
lichem  [126‘]  antlütz  rügetist  oder  du  dich  an  dehaim  ding  missehutist,  da 
von  er  liht  merken  müz  daz  du  es  im  durch  übel  hast  getan,  daz  ist  dir 
denne  sünde.  hast  du  aber  ällü  ding  vorhin  versehen  die  du  versehen  solt,  alz 
verre  du  von  diner  beschaidenhait  kanst,  kumet  joch  denne  üt  Übels  da  von. 
so  des  bist  du  lidig  und  enhast  sin  nit  sünde.  dis  han  ich  alles  dar  uf  geret 
daz  ir  merkent  wie  der  mentsch  wider  sinen  eben  cristan  sündat.  daz  ist  der 
sündan  ainü  die  den  mentschen  ierret  uff  dem  weg  den  ünser  herre  laitet 
den  rehten  mentschen  engegen  dem  hymelriche. 

2.  andirne  mentschin  G.  S.  daz]  des  G.  sagen]  redon  G.  4.  da  mit]  mit  bekümbirnc 
noch  G.  5.  er]  der  G.  6.  brüder]  swestir  ebenso  iw  folgenden  G,  dagegen  Z brüder.  7.  wirt] 
mac  werdin  G.  in]  sie  G,  ähnlich  im  folgenden  Fron,  femininum  bis  27,  dagegen  Z bald  fern,  bald 
masc.  9.  unde  wirt  betr.  G.  10.  mir  fehlt  A.  han  cht  ich  G.  11.  durh  rache  G.  ist] 
wäre  G.  12.  enpfiengc  G.  gütis  ioch  da  uon  G.  13.  kumet]  kerne  so  wier  mir  (eorr.  aus 

mich)  doch  der  sin  Bünde  . den  ich  dar  zü  hetti  G.  es  Och]  de  doch  G.  15.  her  widir  G. 

18.  in  ivwirre  conscientic  G.  mc  fehlt  A.  19.  daz  cs]  de  daz  G.  20.  cs]  sie  G.  und 
fehlt  G.  21.  du  dran  ane  s.  G.  vil  fehlt  G.  23.  ist  fehlt  A,  in  G nachträglich  eingeschaltet» 
26.  oder|  aide  ob  G.  an  d.  d.]  mit  d.  dinge  dran  G.  27.  durh  dehain  übil  G.  27  f.  ist  — 
sünde]  mag  dir  wol  ain  lihtü  sünde  sin  G.  28  f.  alz  verre]  und  also  G.  30.  enhast  — sünde] 
enhabe  enbalnen  kummir  dar  nmbc  G.  g'Tet  .4.  31.  obin  mentschin  G.  32.  ierrint  G. 


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52.  Von  dem  nnrehtcn  und  von  dem  rehtcn  weg.  197 

Swer  nu  ain  langen  weg  sol  gan,  der  bedarf  wol  vier  ding  uff  dem  weg, 
daz  er  sicherlichen  gange. 

Daz  erst  ist  ain  stab,  da  er  sich  uf  sture,  so  er  vallen  wil.  dirr  stab 
ist  daz  hailig  erütze,  da  unser  herre  den  tot  an  lait  [126*]  durch  den  ment- 
schen.  die  marter  sol  der  mentsch  behügen:  swenne  in  arbait  an  gat  von  5 
bekoruug  oder  von  betrübde  oder  swa  von  in  dekain  kumber  an  gat,  so  sol 
er  zehant  an  disen  stab  gedenken  und  sol  Got  an  rüffen  und  sol  in  bitten 
durch  die  not  die  er  an  dem  erütze  lait,  daz  er  im  helft  sin  arbait  tragen, 
du  solt  öch  gedenken  wie  groz  und  wie  bitter  du  marter  waz  die  Gottes 
sun  wolte  liden,  und  solt  da  mitte  dir  selben  ain  kraft  geben;  won  swenne  io 
du  gedenken  wilt  an  den  jämerlichen  tot  den  Jliesus  Christus  durch  dich  er- 
litten hat,  so  müss  dir  wol  dester  lihter  sin  ze  lidenn  alles  daz  dich  an  gat, 
won  alles  daz  wir  erliden  mugent  durch  Got  mit  anvehtung,  mit  ungemach 

baidü  hertzen  und  libes,  daz  ist  alles  en  klain  ding  da  wider  daz  Got 

durch  uns  erlitten  hat.  alz  sprichet  her  Job:  'herre,  wil  ich  min  arbaite  15 
glichen  diner  arbait,  so  enhab  [126']  ich  gegen  tusenden  ain  nit  ze  bietenn'. 
daz  sont  ir  gedenken  so  lieh  dekain  arbait  an  gat,  so  wirt  es  lieh  allez  lilit 
ze  lidenn.  wir  sont  öch  ain  andern  stab  han  uff  dem  weg,  daz  ist  Maria, 
Gottes  müter.  der  wissag  sprichet:  ‘berr,  din  stab  und  din  ritte  hant  mich 
getröstet  und  hant  mich  vest  gemaehet’.  der  stab  ist  daz  hailge  erütze,  du  20 
tute  ist  unser  vrowe,  von  der  Ysayas  sprichet:  ‘es  ist  us  gangen  ain  rüte 
von  Yesse  mit  Mögender  fruht,’.  du  blügend  rüt  ist  Maria,  Gottes  müter, 
du  ist  daz  blügend  zwi  von  Yesse.  dis  ritten  sont  wir  zu  ainem  stab  nemen 

uff  dem  wege,  daz  wir  uns  uf  si  stürent  so  uns  not  an  gat,  daz  wir  nit 

vellig  werdent  in  der  arbait.  und  swenn  uns  kumber  an  gat  von  dekaim  25 
ding  an  dem  libe  oder  an  der  sele,  so  sont  wir  si  an  rüffen,  daz  si  ünser 
helferin  si,  und  sont  ir  mit  inneklichem  hertzen  klagen  ünser  [126d]  not. 
und  so  ist  si  also  milte  und  alz  gnädig  daz  si  nieman  ane  helfe  lat  und 
an  trost,  der  si  inneklich  an  rüffet  in  siner  not  und  si  manet  irs  lieben 
kindes,  der  vröden  und  der  üebi  die  si  mit  im  hatte  uf  ertlich  und  hüt  so 
mit  im  hat  in  hymelriche.  nu  spricht  ain  hailig  man:  ‘vrowe,  du  bist  ge- 
sessen in  des  künges  hus  uns  ze  aim  fürsprechen.  nu  rüffe  an  sinen  namen, 


4.  de  ist  de  G.  An  Stelle  ron  criitze  hat  A ein  +,  ebenso  im  folgenden.  finscr  h.)  got  G. 

10.  lidin  . da  mit  soll  dn  dir  G.  11.  dich  fehlt  A.  12.  hettc  G.  13.  wir  iemir  erl.  G.  vlt 
mit  un.  G.  14.  ain  claine  d.  G.  15.  her  fehlt  G.  16.  diner]  der  G.  gegen  — nit]  niht 
widir  tnsint  ainc  G.  17.  daz]  Dar  an  G.  allez  iiht]  allir  lihtistc  G.  19.  vor  herr]  Virga  tua 
et  bacnlus  tuns  G.  20.  stap  der  Ans  troistin  boI  . vfl  mit  dem  wir  gesterkit  sun  werdin  . de  ist 
d.  h.  er.  da  gotis  buh  den  tot  an  lait  G.  21.  rote  daz  ist  ö.  vr.  G.  von  — sprichet]  diu  ist 
bezaichint  bie  der  rfite . Also  spr.  der  wissage  esayas . Egrcdietnr  virga  G.  22.  röte  de  ist  G. 

24.  dem]  disem  G.  25.  kumbir  und  not  G.  26.  dem  fehlt  G.  25.  und  so]  so  G. 

SO.  uroide  G.  31.  himilriehe  . vrige  uroidc  . Nu  G.  31  f.  gesezzit  G.  32.  nu]  0 frowe  G. 

15.  Job  9,  3;  vgl.  oben  S.  90  Z.  26.  19.  Pt.  22,  4.  21.  Itai.  11, 1;  vgl.  oben  S.  159 

Z.  18  f.  31.  rgl.  oben  S.  107  Z.  23  f. 


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198 


52.  Von  dem  unrehton  und  von  dem  rehten  weg. 


daz  er  uns  gnädig  si!’  hie  von  sont  wir  si  an  rüffen,  swenn  uns  not  ane 
gat,  sit  si  so  gnädig  ist  daz  si  niemann  an  helfe  lat.  da  von  sprichet  ain 
hailg  man:  ‘o  vrowe,  du  bist  so  gnädig  und  so  gut  und  bist  so  über  vol 

aller  gnaden  daz  dich  nienian  mag  grützen  mit  aim  Ave  Maria  oder  mit 

6 ainer  süssen  andaht,  du  vergiessist  din  gnade  in  sin  hertze,  daz  er  trost  en- 

pliahet’.  und  dar  umb  sont  wir  si  an  rüf//£7*/fend  sin,  so  wir  in  arbaiten 
sint,  won  si  ist  so  vol  gnaden  daz  si  zehant  vergiessen  müz  trost  in  üwrü 
hertzen. 

Daz  ander  des  wir  bedurfent  uff  dem  wege,  daz  ist  spise.  dis  enmain 
io  ich  nit  ain  liplich  spise,  es  ist  gaischlichü  spis.  daz  ist  ünsers  herren  vron 
licham,  den  hat  er  üns  verlassen  zu  ainer  spise  uff  dem  weg.  do  er  von 
sinen  jungem  schaiden  wolte,  alz  man  begat  an  dem  grossen  donstage,  do 
nam  er  brot  und  bracli  es  u«t  tet  sinen  hailgen  segen  da  über  und  gab  es 

sinen  jungem  und  sprach:  ‘nement  dis  und  essent  und  trinkent,  won  es  Ist 

15  min  flaisch  und  min  blät.  ir  sont  es  enphahen  ze  ainer  gehügde  miner 

marter,  die  ich  liden  wil;  und  swer  minen  lichamen  wirdeklich  enphahet,  der 
sol  ewklich  leben’,  und  daz  sont  ir  vesteklich  globen  daz  dü  selben  wort 
noch  hüte  die  sel/7£?*/ben  kraft  hant  von  ains  ieglichen  priesters  mund,  daz 
da  Got  verwandelt  wirt.  der  selbe  lip  den  er  nam  von  ünser  vrowen  sant 
20  Mariun  und  der  an  dem  crütz  hieng,  der  ist  ze  ainer  ieglichen  messe  uns 
zu  ainer  spise  uff  dem  wege , und  nit  allain  sin  lip,  wir  enphahent  von  des 

priesters  hand  sin  lip  und  sin  sele  und  sin  hailgen  gothait  alz  kreftigen,  alz 

gewaltigen,  alz  volleklichen,  als  ungeteilten  alz  er  in  hymelriche  gegewürtig 
ist.  und  sol  ain  ieglich  mentsch  geloben  daz  da  in  aim  schine  ains  brötlins 

25  verborgen  ist  dü  bailig  mentschhait  und  dü  hailig  sele.  und  swer  dis  spise 

wirdeklich  nimt,  der  wirt  gespiset  und  getrenket  und  gesterket  an  allen 

fügenden,  daz  er  bösen  dingen  dester  baz  mag  widerstan,  und  wirt  gesterket 

in  allen  güten  werchen,  und  werdent  im  sin  täglich  sünde  vergeben,  und  wirt 
au  der  minne  enzündet,  und  wirt  [127‘ ] sin  züversiht  gemeret.  und  mänig 
so  tugent  und  mänig  sälde  enphahet  der  mentsche  der  ünsers  herren  vron 
lichamen  wirdeklich  enphahet,  und  wirt  mit  im  gespiset  uff  dem  wege.  und 


1.  hie  von]  Nn  G.  2.  sit  — nicmann]  sie  ist  so  gn.  de  sic  nieman  an  rtphit  . den  6ie  G 
da  von]  Also  G.  4.  gertrin  G.  5.  engiezest  G.  6.  und  fehlt  G.  wir  si  — sin]  ir  sie 
gerne  anräphin  G.  wir)  ir  G.  7 f.  ivwir  herze  G.  9 f.  enmain  — ain]  ist  niht  gemainit 

an  G.  10.  ain]  an  ? 10/'.  herrinlichame  G.  11.  do  er]  do  iinsir  herre  G.  12.  ror  do]  do  er 

an  den  tot  wart  gegebin  . von  sinir  jungiron  aineni  G.  IS.  vt  A.  gab  cs]  wart  nirwandelot . 
uli  gap  de  G.  14.  und  essent  — es  fehlt  G.  15.  min  blüt  u.  m.  vlaische  G.  IS.  kraft 
fehlt  fälschlich  G.  19  f.  s.  Mariun  fehlt  G.  20.  hieng]  gemarterot  wart  G.  Uns  fehlt  A. 

22.  sin  sele]  hailigun  sele  6.  23.  uolleclichin  uii  also  G.  24.  und]  de  G.  metscb 

am  Rande  A,  eriston  mentsche  G.  sins  A.  24  f.  in  — sele]  ist  uirborgin  vndir  aim  sch.  ain  Ls 
br.  diu  h.  sele  . u.  d.  h.  mentschait  G.  26.  getrenket  und  fehlt  G.  27.  er  allen  boisen  G. 
28.  in]  ze  G.  SO  f.  herein  lichamen  G.  31.  im  fehlt  G. 


14  f.  Matt.  26,  26  f. 


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52.  Von  dem  unrehton  und  von  dem  rehtcn  weg. 


199 


swer  reht  erkandi  die  grossen  gnade  die  uns  üser  herre  dar  an  hat  getan 
daz  er  uns  sinen  hailgen  lichamen  hat  gegeben  zu  ainer  spise  uff  dem  wege, 
der  müsti  in  billich  dur  die  minne  eren  die  er  uns  eröget  hat.  er  hat  uns 
gelan  daz  beste  klainet  das  ie  wart  oder  iemer  werden  mag,  daz  ist  sin  got- 
hait  und  sin  mentschhait  und  sinen  hailgen  gaist.  der  liebi  und  der  gäbe  5 
sont  ir  Got  alle  tag  loben. 

Daz  dritte  daz  wir  uff  dem  weg  bedurfent,  daz  ist  vröde.  won  swer 

ainen  langen  weg  sol  gan,  der  bedarf  wol  vröden  und  kurtzwile,  daz  in  des 
weges  nit  verdrösse;  won  wil  er  verdrossenlich  gan,  so  wirt  er  träge  uff  dem 

wege  [ 127 *].  dar  an  sont  ir  merken  daz  ir  unsrem  herren  vrölich  sont  io 

dienen  mit  singenne  und  mit  lesenn,  alz  der  wissag  sprichet:  ‘der  uff  dem 

wege  gat  ünsers  herren,  der  sol  vrölich  sin’;  won  nach  disem  kurtzen  dienst, 
so  git  er  grossen  Ion  in  hymelriche.  es  wart  nie  dienst  so  wunneklick  uff 
ertrich  alz  Gotte  dienen  vrölichen  mit  vrölickem  hertzen  und  mit  frigem  willen 
un  betwungenlichen;  da  mit  wachsent  dem  mentschen  all  weg  tugent  und  zü-  15 
versiht  der  hymelschen  vröden.  swer  aber  mit  swärem  hertzen  tragklich  Gotte 
dienet  ane  vrölich  züversiht,  der  mag  niemer  alz  lihteklich  und  alz  gelustklich 
Gotte  dienen  alz  der  frilich  im  dienet:  dem  ist  alles  daz  vrölich  und  girlich 
daz  er  in  sim  dienst  tün  sol.  und  da  von  bedarf  der  mentsch  w'ol  der  den 
langen  weg  sol  gan  engegen  dem  hymelricb,  daz  er  vrölich  [128*]  gange  und  20 
frilich  Gotte  dienegi,  daz  in  des  weges  nit  verdriessi. 

Daz  vierde  ist  schätz  in  dem  sekel,  daz  er  zerung  habe,  so  er  ze  herberg 

kome.  der  sekel  dar  inne  wir  zerung  sont  han,  daz  ist  erbärmde  über  ain 
ieglichen  mentschen  der  in  arbaiten  ist.  den  solt  du  trösten  und  solt  im 
helfen  sin  arbait  tragen  alz  vil  und  du  mäht,  und  solt  Got  für  in  bitten.  25 

erbärmde  ist  ain  schrin  aller  tugend  und  aller  guter  werch  dü  der  mentsch 

tüt,  daz  sol  er  alles  tün  und  gehalten  in  der  erbärmde.  won  alz  man  gold 
und  silber  und  edel  gestain  gehaltet  in  dem  schrine,  also  solt  du  mit  der 
erbärmde  gehalten  alle  din  tugend.  ünser  herre  sprach  zü  sinen  jungem: 

‘ir  sont  erbarmhertzig  sin  alz  üwer  vatter  von  hymelrich  erbarmhertzig  ist’,  so 
wellent  wir  denne  ünsers  herren  kint  sin,  so  sont  wir  erbärmde  han  über 
alle  die  die  in  kumber  [128*]  oder  in  arbaiten  sint  an  dem  übe  oder  an  dem 


I.  uns  u.  h.]  er  (ins  G.  3.  minne  Pren)  grozun  m.  minnon  G.  6.  alle  tag]  allir  tiegc- 

lichiz  sundiriiehe  G.  7.  dritte  de*  wir  G.  8.  uroide  G.  11.  nach  spriehet]  üt  rantent 
in  vii*  domini  G.  12.  «in]  eingin  uf  dem  wege  G.  13.  es  — dienst]  Unde  darum be  mugint 
ir  gerne  singin  . und  singin  . got  zelobe  un  zedieniste  . Ir  vahint  nu  de  anbaht  un  die  kurzewil 
an  . da  mit  ir  iveh  ewccliche  iemir  urSwen  sulnt  . inbimilrichc  . wan  da  enist  mit  andirs  . wan 
got  singen  . got  dienon  . got  lobon  . de  ist  des  hiniilrichis  reht  . swer  denne  nn  uroiliche  got 
lobot  nf  ertliche  . der  nahit  ieze  an  . de  er  inhimilriche  uolle  bringin  sol  . Ez  cnwart  nie  enbain 
dinc  G.  14.  als]  so  G.  vrtllchen  fehlt  G.  und  mit]  und  rebte  uon  G.  17.  und] 
noch  <?.  18.  im]  got  G.  19.  sim)  gotis  G.  20.  dem  fehlt  G.  25.  und  vor  du  fehlt  G. 

27.  tftn  und  fehlt  G.  SO.  vor  ir)  Estote  misericordes  G.  erb.  ist  fehlt  G. 

II.  Pt.  137,  5.  30.  Luc.  6,  36. 


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200 


52.  Von  dem  unrebten  und  von  dem  rehten  weg. 


gaiste,  von  siehtagen  oder  von  bekorung  oder  von  betrübde.  und  sont  üch 
über  die  erbarmen  die  in  höbet  Sünden  sint;  die  enmugent  in  selben  nit  nütze 
sin,  und  da  von  bednrfent  si  wol  daz  sich  güt  lüt  über  sü  erbarment  und 
Got  für  sü  bittent.  swel  güt  mentsch  sus  nn  erbarmhertzig  ist,  so  es  kumet 
5 denne  an  daz  ende  eins  lebens,  so  koment  im  üllü  dü  werch  der  erbärmde  ze 
trost  siner  sele  und  gend  ir  zerung  zü  hymelriche. 


[53.J  Von  des  mentschen  hailikalt. 

[Hec  est  voluntas  Dei,  sanctificatio  vestra.J 

‘Gottes  wille  ist  üwer  hailikait’,  spricht  saut  Paulus, 
io  Daz  ünser  hailkait  Gottes  wille  si,  daz  merkent  au  drin  dingen. 

Daz  erst  ist  daz  er  lins  gehütet  daz  wir  hailig  sigint.  daz  daz  war  si, 
daz  liset  man  in  der  altun  e.  do  er  die  e gab,  do  gab  er  in  6ch  dü  zehen 
gebot,  und  gebot  in  daz  si  sü  behieltint;  und  swer  dü  behaltet,  daz  ist  ain 
anvang  der  haifi/2£8‘/kait.  und  dar  an  so  sont  ir  merken  daz  es  Gottes 
15  wille  ist  daz  wir  hailig  sigint;  won  swaz  ain  man  gehütet,  daz  ist  ain 
zaichen  sins  willen. 

Daz  ander  ist  daz  ünser  lierre  ratet  daz  wir  hailig  sigint  intrüwen, 

des  habent  wir  urkünde  an  mänger  lere  die  er  sine  junger  lerte;  won  aller 

sin  rat  und  sin  lere  gie  dar  uf  daz  si  hailig  wurdent  mit  rainnem  lebenn. 

20  Daz  dritte  ist  daz  uns  ünser  herre  hilfet  daz  wir  hailig  werdent  und 

da  von  liset  man  in  dem  ewangelio  daz  ünser  herre  sprach  zü  sinen  jungem: 
‘ane  mich  mugent  ir  niht  gutes  getiin’.  in  trüwen,  sit  den  nieman  niht 
gütes  mag  getün  ane  sine  helfe,  so  ist  daz  ain  gew&res  zaichen  sins  willen 
daz  wir  hailig  sigint,  daz  er  üns  selb  hilfet  daz  wir  hailig  werdent.  in- 

25  trüwen,  sit  es  denne  Gottes  wille  ist  daz  wir  nit  hailige  mugent  werden  än 
sin  gnade,  so  sont  wir  ünser  hertze  beraiten  daz  wir  die  gnade  wir [128*]- 

1 f.  ivch  ouch  erb.  ü.  die  die  G.  3.  siu  vil  wol  G.  4.  swel  — 6 hxmelriche]  Ain 
ieliche  güte  mentsche  sol  irbermde  hau  . übir  alle  die  . die  indehainir  not  sint  an  libe  aldir  an 
sele  . vnd  swa  ir  ieman  zestaton  mugint  körnen  . de  auint  ir  tön  . Swenne  der  mentsche  denne 
andc  ende  kumit  . sinis  lebinz  . so  komint  aelliu  diu  werc  der  irbermde  . der  sele  zetroste  . und 
gend  ir  zemnge  zedem  himilriche  . Vnde  alle  die  . übir  die  du  irbermde  best  gebebit  . die  irbar- 
ment  sich  denne  übir  dich  . und  bittent  got  . de  er  sich  übir  dich  irbarmc  . de  ist  diu  zerunge  . die 
der  mentsche  denne  sol  saminon  . indisim*  libe  . de  er  zerungo  habe  zehiinilriche  G,  Z mit  dem 
Zusatz : des  helfe  vns  got  amen.  7.  Überschrift  fehlt  G,  Dise  wort  spricliit  sant  Paulus  (rot)  Z. 

S.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  9.  vor  Gottes]  Disiv  wort  sprichit  sant  paulus  GZ.  spr.  s.  P. 

fehlt  G Z.  10.  ünser  — si]  gotis  wille  sie  . de  wir  hailic  men  G.  12.  do  er]  Do  ünsir  herre  G. 

öch  fehlt  G.  13.  de  siv  sich  hieltin  G.  14.  hai/kait  A.  so  fehlt  G.  es  fehlt  G. 

15.  ist]  sie  G.  der  man  G.  IS.  die  — lerte  fehlt  A.  21.  dem  baiiigin  ew.  G.  sprichit  G. 

25.  denne  fehlt  G.  nit]  hailic  werden  sin  . unde  onch  wir  niemir  G.  26  f.  die  — en- 
pfahent]  der  g.  wirdik  sien  zeenpfahinne  6. 


7.  Die  Predigt  findet  sich  in  G Bl.  53h;  Z Bl.  62ä H Nr.  11;  fehlt  in  den  übrigen  lies  — 
Gedruckt  nach  Z bei  Wackemagcl  S.  119  ff.  8.  I.  Thess.  4,  3.  22.  Joan.  15,  5. 


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53.  Von  des  mentschen  hailikait.  20  t 

deklich  enphahent.  so  git  er  uns  die  gnade  und  hilfet  uns  daz  wir  hailig 
werdent. 

Sit  wir  nu  urkünd  hant  daz  Gottes  wille  ist  unser  hailkait,  so  sont  wir 
sehen  wa  mit  wir  hailig  werdent.  daz  ist  mit  zwain  dingen:  daz  wir  daz 
übel  lassint  und  daz  güt  tügint.  und  da  von  sprichet  der  wissage:  'ir  sont  5 
üch  naigen  von  dem  Übeln  und  daz  güt  tun,  so  werdent  ir  hailig'. 

Nu  merkent  zem  ersten  waz  daz  übel  si,  da  von  sich  dü  sei  sol  naigen, 
e si  hailig  mug  werden,  da  von  schribet  sant  Augustinus  in  dem  buche  da 
er  schribet  von  der  sei  micbli,  da  schribet  er  fünf  übel  von  den  sich  dü  sele 
naigen  sol  und  von  den  si  müss  gerainnet  werden,  e daz  si  hailig  mug  sin.  io 

Daz  erst  übel  ist  dü  sünde.  da  von  spricht  sant  Peter:  ‘ir  sont  üwer 
hende  rainnen  von  dem  Übeln*,  bi  den  henden  sint  üwrü  werch  bezaichent, 
reht  alz  er  Sprüche:  'ir  sont  üwrü  werch  rain/723“/nen  von  dem  Übeln*,  nu 
wissent  ir  wol  daz  üllü  rainkait  von  Gotte  kumet,  und  enmag  nieman  nit 

gutes  gedenken  noch  gesprechen  noch  getün  an  sin  gnade,  intrüwen,  es  ist  15 
war  daz  Got  die  gnade  und  die  rainkait  müss  geben,  er  engit  si  aber  niena 

won  in  daz  raine  berait  hertze.  swenn  der  mentsch  tüt  daz  er  tan  sol,  so 

tat  Och  ünser  herre  daz  er  tun  sol.  her  Salomon  sprichet:  ‘es  ist  des  ment- 
schen reht  daz  es  sin  hertz  beraiti*.  intrüwen,  swenn  daz  gescbiht,  so  git 

ünser  herre  die  gnade,  sant  Jacob  spricht  daz  Got  si  ain  geber  aller  gnade.  20 

und  da  von  sprichet  ünser  herre:  ‘ich  wil  ain  wasser  uff  üch  giessen,  daz 
sol  üch  rainnen  von  üwren  Sünden*,  so  denn  dü  sele  gerainnet  wirt,  so  hat 
si  ain  übel  vertriben,  daz  si  ierret  irre  hailkait. 

Daz  ander  übel  ist  ain  vinstri  des  ( 129 l]  ierrans.  entrüwen,  du  solt 
entlühtet  werden  mit  guter  lere  und  mit  gutem  rate,  daz  ist  also:  swa  25 

der  mentsch  dekainen  zwivel  oder  dekainen  ierrat  hat,  dar  us  er  sich  niht 
wol  kan  gerihten,  dez  sol  er  wise  lnt  fragen  und  sol  och  denn  ir  lere  und 
irem  rate  nach  volgen;  won  swer  güter  lere  und  rehtem  rat  nit  nach  volget 
und  alles  nach  sins  hertzen  ainrihti  wil  varen,  der  mag  wol  verierran.  nu 
sint  etlich  lüte  alz  ainrihtig  daz  si  alles  nach  iren  sinnen  wellent  leben,  und  so 

dunket  sü  alles  ir  ding  und  ir  sin  besser  denn  anderr  lüte.  intrüwen,  die 

mugent  wol  vallen  in  die  vinstri  des  ierrens.  swer  aber  gerainnet  wil  werden 
von  der  vinstri  (alz  sant  Augustinus  spricht  daz  wir  da  von  gerainnet  müs- 


1.  er  (ine]  vns  (insir  herre  ß.  4.  werdent  d.  ist]  suin  werdin  . Entrüwan  de  sun  wir  ß. 

5.  ror  ir]  Declina  a malo  etc.  ß.  6.  daz  g.  tun]  sant  tun  de  gilt  ß.  bf.  in  dem  — 
schribet  fehlt  A.  10.  daz  fehlt  Cr.  11.  I.  s.  Jacob.  12.  tlwrö]  dü  ß.  13.  v.  d.  Übeln] 
vor  boisen  werkin  . un  sont  ivwerü  herzin  raine  uon  übelen  gedenkin  ß.  15.  es]  de  ß. 

17.  raine  fehlt  ß.  herze  . swa  er  eiliit  de  daz  herze  ist  berait . da  güzzit  er  sine  (s.  genade  Z) 
in  O.  IS.  her  fehlt  ß.  20.  si]  ist  ß.  21.  ünser  h.]  der  hailic  gaist  ß.  22.  uon  allen 
ivwern  ß.  24.  übel  fehlt  ß.  du  s.]  diu  vinstri  sol  ß.  27.  dz  A.  2S.  won]  de  er  in  der 
uinstri  des  irrodis  nüt  uirierrete  . Unde  ß.  gütim  rat  un  rehtir  lere  ß.  29.  nach]  in  ß. 


5 f.  Pt.  36,  27.  11.  Jac.  4,  8.  18.  Prov.  16, 1.  20.  Jac.  4,6.  21.  Et.  36,  25. 


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202 


53.  Von  des  mentschen  hailikait 


sint  werden  e daz  wir  hailig  mugent  werden),  der  sol  sich  demütigen,  daz  er 
aim  andern  gelobe,  dem  er  geloben  sol,  me  denn  im  selben,  und  swer  daz 
tftt,  der  wirt  erlühtet  [129']  an  rehtem  glöben.  sit  uns  nn  sant  Augustinus 
seit  daz  wir  e niht  hailig  mugent  werden  e wir  uns  geschaident  von  der 
5 vinstri  des  ierrens,  so  sont  wir  ünsern  globen  erlühten,  und  sont  den  baz 

geloben  den  wir  geloben  sont  und  die  wiser  sint  und  witziger  baidü  von  na- 

ture  und  von  künsten,  denn  uns  selben. 

Daz  dritte  übel  ist  des  tüvels  välsckü  bildung;  won  dar  an  mag  sich 
der  reht  mentsche  liht  missehüten.  der  tüvel  ist  wunder  kündig,  er  nimet 
io  etwenn  ains  engels  bilde  an  sich  und  erschinnet  dem  mentschen,  daz  er 

wännet  er  si  Gottes  engel.  und  disü  erschinunge  beschiht  baidü  uswendig 

und  inwendig,  man  liset  von  aim,  dem  erschain  er  also  wunnecliehe  in- 

wendig alz  ain  engel,  und  wände  er  daz  in  Got  zü  im  hetti  gesent,  daz 
er  enwiste  wie  er  leben  solt  nach  Gottes  willen;  und  lerte  den  selben  man 
15  daz  er  vil  gewacheti  und  vasteti  und  daz  er  niemer  [ 129“ ] gerüweti  untz 

er  sich  selben  verdarbti;  und  ze  jungst  do  verierret  er  in,  daz  er  im 

ze  tail  wart  in  trüwen,  daz  geschiht  noch  dike  daz  der  tüvel  mängen 

mentschen  ratet  gütü  ding,  daz  er  wännet  daz  es  gar  güt  si;  und  so  er 
im  gevolget  untz  an  daz  ende  des  dinges,  so  bestriket  er  in  denne  mit 

20  dem  Übeln,  er  ist  so  kündig  daz  er  es  im  alz  güt  machet  daz  der 

mentscli  enhain  ding  daz  schädlich  si,  dar  an  kan  versehen;  und  alz  er  es 
an  daz  ende  bringet,  so  wirt  er  denne  erst  gewar  daz  er  verraten  ist.  und 
also  erschinnet  er  och  der  sele  inwendig  mit  valscher  güti,  und  ratet  dem 
mentschen  daz  er  vil  bettegi  und  venie  und  disciplin  neme  und  lützel 
25  schlaffe  und  vil  gewache  und  sich  gantzlich  arbaite  in  Gottes  dienste.  und 

gedenket  der  mentsche  denne:  wie?  wännest  du  alsus  gemächlich  ze  hymel- 

rich  körnen?  nit!  [130’]  du  solt  anders  dar  zü  sehen;  du  solt  dim  übe 

dekaines  gemaches  gestatten:  ünser  herre  lait  doch  den  tot  durch  dich;  und 
soltest  du  denne  gemach  kan,  daz  wäre  dir  grössü  sünde.  dis  wännet  der 

so  mentsche  daz  es  von  dem  hailgen  gaist  kome,  und  volget  alz  hin  nach  in 

ainvaltkait  untz  daz  er  ze  jungst  betrogen  wirt.  in  trüwen,  mit  susgetaner 
güti  verlaitet  er  mängen  mentschen  daz  er  daz  gütlich  lieht  niemer  be- 

schowet,  und  da  von  bedurfent  wir  vil  wunder  wol  daz  wir  üns  von  dem 
Übeln  naigent. 

1.  e daz]  & G.  der  mentsche  sol  G.  2.  andirae  baz  geloube . denne  er  ouch  g.  g.  denne 
Lg . G.  7.  un  ouch  uon  knnst  G.  S.  iibil  ist  da  non  wir  mAzin  gerainit  wcrdin  . £ wir 

hailic  mngin  wcrdin  . de  ist  G.  won]  Entrfiwan  G.  9.  reht  fehlt  G.  vil  lihte  m.  Wan 
der  t.  G.  10  f.  mentschin  ethwenne  . de  er  w.  de  er  g.  e.  sio  G.  12  f.  wunn.  nsw.]  inwen- 
dig A,  wnnecliclie  G.  13.  santi  G.  15.  er  r or  niemer  nachträglich  eingefügt  A.  15  f.  uni 

de  er  s.  s.  gar  uirdarpti  G.  16.  nirrict  G.  19.  in  denne]  dem  mentschin  G.  20.  im 
fehlt  G.  21.  enhain  — si]  enhaine  schadin  G.  25.  wache  . ufi  vil  geuaste  u.  e.  grozliche 
arbait  G.  26.  denne  wie]  we  G.  2$.  niemir  enhainis  G.  29.  denne  debain  gemach  G 
30.  cz  reht  uü  G.  alz  hin]  alliz  G.  inainir  G.  33  f.  fing  — naigent]  non  d.  fi.  gerainit 
werden  G. 


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53.  Von  de«  ineutachen  hailikait 


203 


Daz  Zierde  übel  ist  ain  trugenlich  eben  masse  der  creature  ze  Gotte, 

also  liset  man  von  den  wisen  haiden,  die  sahent  nit  won  an  sinen  gewalt, 
und  wollen  daz  bewären  mit  sinem  gewalt  daz  Got  nit  mentsch  möht  werden, 
ai  ahtetent  daz  er  gewalteklichen  hymelrich  und  ertrich  hetti  geschaffen  und 
alle  creaturen,  und  sprechent  also:  als  un/i-90ymuglich  daz  ist  daz  ain  zim-  5 
berman  werde  sin  selbes  werch,  als  unmuglich  ist  öch  daz  Got  du  creatur 
werde  die  er  selb  geschaffen  hat.  und  da  mit  gabent  si  ain  trugenlich  eben 
masse  der  creatur  ze  Gotte,  und  woltent  da  mit  bewärren  daz  Got  nit  mentsch 
möht  werden;  won  si  sahent  nit  won  an  sin  gewalt  und  erkandent  siner 

güti  nit,  du  in  twang  daz  er  mentsch  wart  durch  lins,  sit  wir  nu  gesehen  io 

hant  daz  die  haiden  mit  trugenlicher  masse  verierret  sint,  so  sont  wir  uns 
da  vor  behüten,  wir  sont  nit  allain  sin  gewalt  an  sehen,  wir  sont  och  er- 
kennen sin  wishait  und  sin  güti,  dü  in  des  betwang  daz  er  mentschlich  natur 
an  sich  nam  durch  üns.  daz  ist  vil  war,  mentschlich  nature  ist  harte  un- 
edel und  widerzäme  götlicher  nature,  aber  sin  güti  waz  alz  gröz  daz  si  15 

ungelichü  ding  zesamen  fügte. 

Daz  fünfte  übel  ist  girde  weltlicher  richait.  und  da  von  sprichet  [130 ‘J 
der  wissag:  ‘dü  weit  ist  glich  ainem  valle’.  ir  wissent  wol,  so  man  ain  büm 
wil  veilen,  so  schrient  die  lüte:  fliehent!  fliehent!  daz  üch  der  val  iht  be- 
grife.  ze  glicher  wis  ist  dü  weit  ain  val,  und  schriet  Got  und  dü  schrift  ao 
&llü:  fliehent!  fliehent  ällü  bald  von  der  weit,  ald  si  erschleht  üch  zü  dem 
ewigen  tode!  alle  die  in  disem  valle  verendent,  die  müssent  iemer  buwen 
daz  hellesche  rieh  mit  grosser  arbait.  und  da  von  sont  wir  üns  ziehen 
von  weltlicher  girde,  alz  üns  sant  Augustinus  leret. 

Und  sit  wir  niemer  hailig  mugent  werden  e daz  wir  gerainnet  werdent  25 

von  disen  fünf  Übeln,  so  sont  wir  allen  ünsern  fliss  dar  zü  keren  daz  wir 

gerainnet  werdent  zem  ersten  von  den  sünden;  won  alz  dü  mur  schaidet  daz 
dishalb  und  enhafb  ist,  also  schaidet  dü  sünde  Got  und  die  sele.  dar  nach 
sont  wir  üns  och  rainnen  von  der  vinstri  des  ierrens,  dü  ist  bezaichent  bi 

dem  wölken  (130iJ;  won  alz  der  bedeket  der  sunnen  schin  und  ir  lieht,  so 

also  bedeket  dü  sünde  die  gnade  des  hjTnelriches,  daz  der  mentsch  ir  nit 
gesehen  noch  enphahen  mag.  wir  sont  üns  rainnen  von  der  glichi  der  bildnng 
des  tüvels.  wir  sont  üns  öch  rainnen  von  der  trugenlichen  eben  müsse  der 

3.  u.  w.  d.  m.  s.  gew.  bcw.  G,  fehlt  A.  7.  selb  fehlt  G.  8.  die  AGZ,  9.  wan 
«inen  g.  an  G.  10.  üns]  den  mentschin  . Intrüwon  G.  14.  üns]  ünsir  irloisunge  G.  vil 
fehlt  G.  15.  nit  harte  w.  G.  17.  ist . de  wir  lazin  sulne  . 0 wir  hailic  werdin  . die  girde  G. 

19.  nidir  ucllin  G.  21.  ald  fehlt  G.  23  f.  wir— girde]  ir  iveh  z.  On  raine  uO  der  welte- 
lichir  richait  G.  25.  daz  fehlt  G.  27.  wan  ze  glichir  wise  als  G.  28.  der  balp  nfi 
disehaip  ist  G.  enhab  A.  dar  nach  fehlt  G.  29.  wir  s.  ü.  o.  rainen  G.  30.  der]  de 
wolke  G.  31.  sünde  — hymelriches]  vinstri  des  ierrodis  die  himilschun  gnade  G.  32.  üns] 
oucli  G.  33.  des  tüvels]  alse  der  tieuil  dem  mcntschin  uir  laitit . de  er  de  gotliche  licht  niemir 
beechowet  G.  üns  fehlt  G. 

18.  tcot 


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204 


53.  Von  de»  mcntschen  haiiikait. 


geschäfte  zü  aim  schepher.  wir  sont  uns  rainnen  von  der  girde  weltlicher 
riehait.  so  wir  von  disen  fünf  Übeln  geraint  werdent,  so  sint  wir  hailig, 
und  sont  dennoht  hailger  werden. 

Saut  Johansen  dem  erschain  ain  engel,  do  er  waz  in  der  tögni,  und 
5 sprach:  'schrib,  Johannes:  die  da  hailig  sint,  die  sont  noch  hailger  werden.’ 
nu  sont  ir  merken:  drier  hant  gedank  die  machent  die  sele  hailig. 

Der  erst  ist  ain  gedank  den  üns  betütet  ain  hailger  lerer,  und  spricht 
daz  ain  ieglich  gedank  von  Gotte  machet  die  sele  hailig.  m[131  ‘/trüwen 
dar  an  sont  ir  merken:  alz  vil  der  gedank  an  Got  ist,  alz  vil  wirt  dü  sei 
io  hailig.  laider  nu  ist  daz  hertze  so  wilde  und  der  gedank  so  witswaifig  daz 
ünser  hertze  selten  mit  Got  ist.  und  so  der  mentsch  ietz  wünt  daz  er  sin 
hertz  bi  im  habe,  so  hat  es  die  weit  umb  swaifet,  nu  hin  über  mer,  nu  her 
wider,  und  ist  so  wilde  daz  es  niemer  kan  gerüwen.  so  man  die  metti  an 
vahet  und  der  mentsch  sin  hertz  uf  hebet  zü  Gotte,  e er  iemer  ainen  vers 
15  gesprechi,  so  ist  es  enweg  und  swaifet  denn  allumb  die  weit,  und  ist  gerait 
unz  an  die  laus  metti  e es  iemer  wider  an  Got  gedenki.  und  so  der  mentsch 
an  sin  gebet  kunt  und  er  sin  hertz  an  Got  gesetzet,  e er  denne  iemer 
gespreche  Pater  noster,  dü  zwai  wort,  so  ist  aber  daz  hertz  entrunnen  in  die 
witswaifi.  daz  gebet  machet  nüt  die  sei  hailig  won  alz  vil  der  gedank 
20  an  Gotte  ist.  [131 7 die  lüte  die  mit  ir  hertzen  Got  unhainlich  sint,  die 
mugent  des  wol  fürhten  daz  si  der  hymelschen  hainlichi  mit  Gotte  werdent 
verschalten;  und  sol  dar  umbe  doch  nieman  verzagen,  sant  Paulus  sprichet 
ain  troschlich  wort  daz  dü  schoss  der  wilden  gedenke  der  sele  nit  vil  scha- 
den tönt  alle  die  wile  untz  es  dem  mentschen  laid  ist  und  in  widerstat. 

25  in  trüwen,  wie  kurtz  der  gedank  an  Got  ist,  so  ist  er  doch  ain  anvang  der 

süssekait.  da  von  sprichet  her  Salomon  von  den  bynlin,  daz  hat  ainen 

kurtzen  flug  und  ist  doch  ain  anvang  der  süssekait.  ze  glicher  wis  ist  och 
der  gedank:  swie  er  zem  erst  unstät  witswaifet  und  wild  ist,  so  ist  er  doch 
ain  anvang  der  süssekait. 

30  Der  ander  gedank  der  die  sele  hailig  machet,  daz  ist  der  fliss,  daz  der 
mentsch  allweg  in  dem  fliss  si.  alz  dik  so  im  sin  hertze  entrinnet  in  die 
witswaifi  dirre  weit,  so  sol  er  mit  Hissendem  gedank  [131‘]  daz  hertze 

wider  bringen  ze  Gotte,  und  an  Got  betrahten  sinen  gewalt,  daz  er  hymel- 


1.  aim]  dem  G.  vns  ouch  r.  G.  2.  wil  .4.  9.  wirt  ouch  G.  11.  so  fehlt  A. 

13.  wilde]  wildir  wit  swaifi  G.  15.  ist  denno  gerait  G.  16.  mentsch  fehlt  G.  16.  da 
zwai]  de  aine  G.  19.  Intrüwo  de  gebet  G.  hailic]  sielic  G.  20.  ir  — sint]  iinainne 
herrin  alsc  unhainlich  eint  mit  ir  herein  G.  24.  widirstat  . ufi  de  heree  uon  wit  swefi  an  got 
wirfit  G.  25.  doch  fehlt  G.  26.  her  fehlt  Q.  den  bynlin]  ainö  uogil  der  haizil  d« 
bin  G.  27.  ain  fehlt  G.  28.  witsw.  u.  w.]  ufi  wit  swaife  G.  er  doch]  doch  .4,  er  G. 

32.  so  — gedank]  mit  nliezzinden  gedanke  . de  es  denne  GZ.  flissen  dem,  abgesetit 

wegen  eines  Loches  im  Pergament  A.  38.  vfi  sol  a.  g.  b.  G. 

5.  Apoc.  311,  11.  13  u.  16.  metti  ist  das  kirchliche  Breviergebet  derhtatutin,  lau»  metti  das 

der  Landes.  23.  cgi.  oben  S.  27  Z.  29  f.  26.  Beeil.  11,  3. 


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53.  Von  dos  mcntschon  liailikait 


205 


rieh  und  ertrich  und  alle  creature  hat  geschaffen  von  nüti,  und  daz  er  mit 

sim  gewalt  Allü  ding  hat  geordnet  ieglichs  nach  einer  rehten  Ordnung,  und 

sol  denne  betrübten  sin  güti,  du  in  betwang  daz  er  in  dis  weit  kam  uns  ze 
ainem  löser.  intrüwen,  swenne  der  mentsche  in  sülicher  betrahtung  flissek- 
lich  bestät,  daz  muss  mit  grosser  arbait  beschehen  und  muss  vil  sere  über  5 

den  lip  gän;  swer  in  disem  flisse  ze  allen  ziten  sin  betrahtung  flisseklichen 

bestät,  daz  muss  mit  grosser  arbait  beschehen,  und  nach  dem  flisse  enphahet 
du  sele  gütlich  süskait  da  von  sprichet  der  wissag:  'ich  gedaht  an  Got  und 
kam  des  Überain  daz  ich  niemer  wil  erwinden  e ich  kum  in  sine  jüngsten 

hainlichi’.  intrüwen,  im  waz  da  naiswaz  widervaren  dar  nach  im  also  not  io 

wart,  er  sprichet  aber  daz  er  sich  [131* ] vil  wunder  sere  dar  nach  müste 
arbaiten  mit  dem  flisse,  denn  wirt  dü  sele  süsseklichen  getrüstet.  nnd  der 

fliss  machet  die  sele  hailig. 

Der  drit  gedank  ist  ain  frigü  durch  gesiht,  dü  mit  wundrung  wirt  ge- 

henket  in  den  Spiegel  der  wishait.  daz  er  sprichet  ‘ fri  % dar  an  sont  ir  mer-  15 
ken  daz  der  gaist  reht  fri  müss  sin  von  allem  kumber,  und  sol  also  fri  sin 
daz  er  nit  betrübet  werde  von  des  libes  nature,  won  da  müss  aintweders 
sin:  daz  des  libes  nature  reht  tot  si,  daz  der  gaist  von  im  niemer  werde  be- 
trübet, oder  daz  aber  der  gaist  alz  stark  si  daz  er  niht  alite  uff  des  libes 

krankait.  swenn  daz  geschiht,  so  ist  der  gaist  fri.  dar  nach  gat  dü  durch  20 

gesiht,  daz  ist  also  daz  denn  der  gaist  in  der  girde  beschowet  den  Spiegel 
der  wisshait;  daz  ist  ain  friü  durgesiht:  so  der  lip  den  gaist  nit  betrüben 
mag,  so  hebet  er  sich  denne  über  Allü  ding  dü  [ 132 */  under  Got  sint,  und 
beschowet  denne  an  im  sin  gewalt,  sin  wisshait,  sin  güti,  sin  schöni,  vröd 
und  ewekait,  und  wirt  mit  wundrung  gehenket  in  den  Spiegel  der  wisshait,  25 
und  wundret  sich  sins  grossen  gewaltes,  sin  tüffen  wisshait  und  siner  un- 

zallicher  güti,  daz  si  der  so  vil  an  im  vindet  und  des  noch  tusentstund  me 

ist,  des  si  vor  vili  nüt  begrifen  mag  und  ir  der  gebrest  nit  we  tut.  mit 
der  wundrung  wirt  der  gaist  erhängen  in  den  gütlichen  Spiegel. 


1 f.  daz  — gewalt)  sol  denne  betrahton  den  gewalt  (/.  diu  wishait)  . de  er  mit  siner  wis- 
hait G.  2.  Statt  sim  gewalt  i rürde  man  aus  theolog.  Gründen  siner  wishait  erwarten.  geord. 
nnde  ielichiz  in  sinir  G.  4.  iriAeere  . Indise  (An  d.  Z)  betrahtunge  sol  der  mentsche  allin  einen 
vliz  kerin  . de  sin  herze  allewege  an  got  betrahte  G.  4 f.  etlicher  — bestütl  disim  vliz  vl.  stat  G. 

6 f.  flisseklichen  — beschehen]  an  got  iait  G.  8.  s.  die  gotlicliun  G.  vor  ich]  Donec  in- 
tretn  etc.  G.  11.  nach  wart]  de  er  8 niemir  wolti  irwindin  . 8 er  k5me  indie  jungestun  hailkait 
gotis  G.  11  f.  dar  — denn]  mftz  arbaitin  . £ er  zeder  hailkait  käme  . Dn  darumbe  so)  sol  sich 
der  mentsche  arbaitin  . mit  dem  ulize  der  betrahtunge  . wan  nah  der  arbait  G.  14.  gedanc  de 
ist  G.  15.  daz  er  spr.)  Nu  merkint  diu  wort  . ain  vriv  durhgesiht  G.  17.  da]  der  G. 

18.  si  od'  dz  AG.  20.  gaist]  mcntsch  G.  23.  er  s.  d.]  sich  der  gaist  G.  24.  im  — sch&ni] 
got  den  g.  uli  die  w.  uli  g.  uli  schonhait  G.  26.  sin)  sinir  G.  27.  daz  — vindet]  und  wnderot 
sich  de  si  so  uil  güti  uli  wishait . an  im  het  begriffin  G.  29.  g.  Spiegel]  spiegil  der  wishait  G. 


8.  Ps.  72, 17. 


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206 


&3.  Von  des  mcntsclien  hailikait. 


Nu  spricht  sant  Bernhart  von  vier  beschöwden  die  du  sei  an  Got  be- 
schowen  sol. 

Du  erst  beschöwde  ist  sin  gerillte,  daz  sol  man  an  den  dingen  beschowen 
daz  er  aim  kindlin  liymelrich  git,  so  es  erst  geboren  und  getöffet  wirt,  ane 
5 dienst  und  ane  aller  schlähte  arbait;  und  ain  andern,  der  liht  vierzig  jare 

Got  hat  gedienet  mit  ar/i<?2‘/baiten,  die  vallent  an  iren  jüngsten  stunden  nnd 

werdent  verlorn.  öch  geschiht  daz  vil  daz  mänger  sin  tage  ain  grosser 
sünder  ist  gewesen,  und  an  sim  ende  git  im  Got  also  grosse  rüwe  daz  er 
behalten  wirt.  dis  ist  alles  ünsers  herren  tögenlich  geriht.  disü  beschöwde 
in  wirt  an  gevangen  in  vorhte  und  wirt  geübet  mit  lobe  und  wirt  vollebraht 

mit  wishait  und  wirt  behalten  in  der  demütkait. 

Dü  ander  beschöwde  ist  an  Gottes  güti,  daz  der  mentsch  sol  beschowen 
alles  daz  im  Got  ze  gilt  hat  getan,  und  dü  beschöwde  raitzet  in  zü  Gotte; 
won  enkain  mentsch  ist  dem  Got  so  lützel  gütes  hab  getan,  und  erkanti 
l»  daz  rehte,  es  müsti  in  minnen  von  allem  hertzen.  da  von  sprichet  der 
wissag:  ‘herre,  wie  sol  ich  dir  gedanken  der  gnaden  iemer  die  du  mir  hast 
getan?’  her  Job  sprichet;  'herre,  ich  enmag  dir  niemer  vergelten  daz  dn 

mir  gegeben  hast,  [132c]  engegen  tusenden  so  enhab  ich  dir  nit  ains  ze 
geltenn’.  nu  sehent,  der  wraz  ain  rieh  man  und  hatte  groz  gilt  und  hatte 
2«  doch  wider  tusenden  ains  nit  ze  gebenn! 

Dü  dritte  beschöwde  ist  züversiht  des  lones,  dü  bringet  stäte  Übung  der 
tugend.  da  von  sprichet  sant  Jeronimus:  ‘dü  züversiht  dez  lones  machet  die 
bittrun  arbait  süsse  und  die  swüren  burdi  liht’.  intrüwen,  swer  denn  kum 
arbaitet,  der  gange  in  dis  beschöwde,  da  wirt  er  getröstet  von  dem  süssen 
24  lone  der  nach  der  arbait  gat. 

Dü  vierde  beschöwde  ist  dü  hoch  magenkraft.  da  sol  dü  sei  betrahten 
wie  alle  engel,  Patriarchen,  propheten.  zwelfbotten,  martrer,  biliter,  mügde 
und  alles  hymelschez  her  ieglichs  sinen  sundrigen  Ion  und  vröde  hat  an  der 
magenkraft.  in  dirre  beschöwde  sol  dü  sele  gan  von  aim  zü  dem  andern 

au  und  sol  beschowen  wie  der  engel  ist  geschaiden  von  [132d]  dem  mentscheu, 
der  mentsch  von  dem  engel,  dü  magt  von  der  witwen,  der  martrer  von  dem 
bihter,  die  byschof  von  den  martrern,  und  ist  iegliches  sunderlich  gesundret 
mit  sim  sunderlichen  lone  nach  sinen  werchen,  und  hant  doch  alle  ain  ge- 
mainen  Ion.  denn  sol  dü  sele  betrahten  wie  ünser  herre  aim  ieglichen  engel. 


1.  spricht]  schribit  G.  3.  sol  man]  sunt  ir  G.  dem  dinge  G.  4.  de  himilriche  G 
fl  f.  der  nallit  a.  sinir  j.  Stande  n.  wirt  v.  G.  7.  alle  sine  tage  G.  8.  gewesen  fehlt  G. 

13.  und  fehlt  G.  14.  gfttes]  gnadon  G.  15.  daz]  oz  si  G.  in]  got  G.  alll 

sinim  b.  G.  17.  Also  sp  ehit  h.  J.  G.  18.  tusinden  die  du  mir  hest  getan  . so  G. 

18  f.  ze  g.]  geltenn  A,  ze  gebinne  G.  21.  b.  de  ist  G,  ebenso  26.  27.  engil . die  p.  die  pr. 

die  zw.  nnd  alle  m.  ull  die  raine  ma-gede  G.  28.  sind  Ion  . vfl  sine  sundiriiehe  vt.  bet  . a.  d. 
grozun  G.  32.  die]  der  G.  dem  mnrtirer  G. 


16.  Ps.  115,  IS.  17.  Job  9,  3;  vgL  oben  S.  197  Z.  15.  26  f.  vgl.  unten  S.  218  Z.  15  ff. 


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53.  Von  des  men  tischen  hailikait. 


207 


ieglicher  sele  gemasset  und  beschaiden  hat  sanderlichen  Ion  in  gemainem  Ion 
an  der  hohen  magenkraft.  und  daz  sont  ir  wissen  daz  da  enkain  sundrung 
noch  enkain  schidang  ist,  won  an  dem  lone  daz  da  ain  ieglich  mentsch  Ion 
enphahet  nach  sinen  werchen.  da  ist  der  engel  bi  dem  mentschen,  da  gat 
du  witwe  zü  der  mägde,  die  martrer  zü  den  bihtern,  und  alles  hymelsclies  5 

her  gand  alle  zü  enander  und  under  enauder,  swie  si  went  oder  swie  sü 

lüstet;  da  ist  enkain  sundrung,  [133  “]  won  swer  Got  aller  seiest  hat  ge- 

minnet,  der  siht  in  dört  aller  luterlichost.  dis  beschöw’de  bringt  der  sele 
girde  nach  der  hymelschen  vröde.  da  von  spricht  sant  Anshelm:  ‘o  vil 

hailgü  angesiht,  du  bist  ain  völlu  für  und  ain  obrostu  wolnust  und  ain  io 

vollkomnü  girde’.  intrüwen,  nu  mag  du  sele  nit  allweg  in  der  beschöwde 
sin.  si  müss  och  her  nider  varen  in  die  helle  und  da  beschowen  unsere 

herren  rehtekait  an  der  quäle  und  an  der  not  der  armen  sele,  und  sol  er- 
bärmde  der  über  han.  denn  sol  si  beschowen  alle  creature  und  sol  erkennen 

daz  üllü  ding  von  Got  sint  und  wie  Got  an  allen  dingen  ist,  und  in  dirr  15 

beschöwde  sol  si  Got  loben  und  erkennen  an  aller  creature. 


[54.]  Von  gatschlichem  leben. 

[lila  autem  que  sursum  est  Jherusalem,  libera  est,  que  est  mater  nostra.J 
‘Jherusalem,  du  da  obnan  lit,  du  da  fry  ist,  du  ist  unser  müter’,  spricht 
sant  Paulus.  20 

Dis  ist  gespro/i33*/chen  von  der  himelschcn  Jherusalem;  und  sint  vier 
ding  dar  an.  daz  erst  ist  daz  si  hoch  lit,  und  da  von  ist  si  sicher;  daz 
ander  ist  daz  si  fridbar  ist;  daz  dritte  daz  si  fry  ist;  daz  vierde  daz  si 
unser  müter  ist  da  bi  merkent  minne,  won  daz  ist  von  nature  daz  du 
müter  minnen  müz,  si  welle  oder  enwelle.  und  an  den  Worten  merkent  wir  25 
daz  och  minne  da  ist  zü  der  hymelschen  Jherusalem.  wir  mugent  es  dar 


1.  uz  geschaidin  G.  gemainC  A.  3.  enkain  fehlt  G.  6.  zii  c.  u.  fehlt  G.  7.  serost] 
kreftelicbist  G.  8.  ln  dfirt)  got  G.  9.  sant  fehlt  G.  10.  w.  un  bist  ain  G.  11.  girde . 
0 girlichiz  antlüte  . uü  vrolichiu  girde  G.  der]  dirro  G.  12.  hello  un  müz  da  G.  13.  sol 
der  mentsebe  erb.  G.  14.  sol  si]  soltn  G,  ebenso  16.  solt  erk.  G.  15.  an]  in  G.  ist . vfi 
wie  ieliii  dinc  von  got  geulozzin  sint  . und  ouch  widir  zn  im  vliezint  un  G.  16.  und  — crea- 
ture] an  allir  creature  . und  solt  got  irkcnnl  an  allen  dingin  G,  darauf  Z:  de  wir  de  Bchowen 
werden  dez  helfe  vns  got  amen.  17.  Überschrift  fehlt  G WH,  Dis  sprichit  Santo  paulus  (rot)  Z, 
Des  sundages  tzo  halff  vasten  Phil!.  18.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  In  illa  GZ.  19.  Alsus 
sprichit  sanctus  paulus  . Jh.  GZ.  1 9f.  spr.  s.  P.  fehlt  GZ.  21.  Diz  wort  ist  GZ.  von 

d.  h.  fehlt  A.  21  f.  und  — daran)  Nu  merkint  Wer  dinc  GZ.  23.  dritte  ist  de  G.  vierde 
ist  de  G.  25.  mfitir  ir  kint  m.  G.  dem  worto  G. 


17.  Das  Stück  findet  sich  in  G Bl.  SP’,  Z Bl.  67“,  H Xr.  12,  W Bl.  101,  N Bl.  105-,  Phill. 
Bl.  134h  ; fehlt  Arundel.  — Vgl.  dazu  Schönbach , Über  eine  Grazer  Hs.  lat.  deutscher  Predigten. 
S.  101  Xr.  105.  18.  Galat.  4, 26. 


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208 


54.  Von  gaisehlichem  leben. 


an  och  wol  merken,  won  da  so  ganzü  vrüd  ist,  da  müz  och  minne  sin;  won 
enwäre  da  minne  nit,  so  müht  och  gantzer  vrüden  da  nit  sin. 

Nu  liset  man  och  daz  bi  Jherusalem  bezaichent  ist  du  cristenhait.  und 
da  von  sprichet  sant  Johans  in  Apocalypsi  daz  er  sach  ain  nüw  statt,  du 
5 hailig  waz  und  gezieret  waz  alz  ain  brut  engegen  aim  brütgom.  dis  be- 

zaichent du  hailig  cristenhait;  du  sol  gezieret  sin  alz  ain  brut  engegen  dm 
brütgom;  wan  dü  cristenhait  ist  du  brut,  und  unser  herre  ist  der  brütgom. 
nn  wie  sol  disn  statt  gezieret  sin?  [133’J  reht  alz  dü  hymelsch  Jherusalem. 
und  des  hant  wir  urkünde  in  hem  Mooses  büchen;  da  liset  man  daz  ünser 
io  herre  zü  im  sprach,  do  er  in  daz  tempel  hiez  machen  und  er  im  seit  wie 
er  es  solte  machen  und  zieren  mit  schilten  und  mit  umb  hangen , do  sprach 
er  ze  jungst:  ‘mache  alles  daz  du  an  mir  sehist,  uffe  dem  berge',  dis  be- 
tütent  die  lerer  und  die  maister  also  daz  dü  cristenhait  ist  bezaichent  bi 

der  hymelschen  statt. 

15  Aber  sunderlich  und  usgenomenlich  ist  gaischlich  leben  bezaichent  bi  der 
hymelschen  Jherusalem.  Jherusalem  sprichet  reht  ‘ain  gesiht  des  frides’,  daz 
ist  gaischlich  leben;  won  da  enist  niht  won  fride.  und  sol  da  nit  sin  un- 

fride;  won  swa  nit  fride  ist,  da  enist  öch  Got  nit  sit  nu  Got  niena  wil 

sin  won  in  dem  fride,  spricht  sant  Augustinus,  swer  denne  fride  hat,  der 
2o  haisset  und  ist  ain  sAlig  mentsch,  won  er  hat  Got;  der  aber  [133*1  an  frid 
lebet,  der  ist  ain  verfluchter  mentsch,  und  ist  Got  von  im  geschaiden. 

An  vier  dingen  ist  gaischlich  leben  glich  der  hymelschen  Jherusalem. 

Daz  erst  daz  ez  hob  ist,  und  ist  da  von  sicher,  gaischlich  leben  ist  wol 
gelich  der  höhi,  won  ez  ist  erhaben  über  ällü  irdeschü  ding,  sant  Bernbart 
25  spricht:  ‘gaischlich  leben  ist  reht  ain  mfissekait  und  ain  rüwe  nach  Gotte  ze 
gedenkenne,  won  gaischlich  leben  ist  reht  ain  leben  des  contemplierens’.  daz 
wort  betütet  üns  ain  hailig  man  und  ain  lerer  und  spricht:  ‘swer  contem- 

plieren  wil,  dez  reht  ist  daz  er  mit  stdter  Übung  in  frier  durch  gesiht  si 
Got  schowe  in  dem  gaist,  und  daz  er  mit  wundrung  werde  geheftet  an  die 
so  gütlichen  süskait'.  nu  sprichet  sant  Augustinus  von  der  sele  daz  si  statt  hat 
zwischent  Got  der  ob  ir  ist,  und  der  creatur  dü  under  ir  ist.  si  ist  alz  edel 

[134’ J daz  nilites  niht  ob  ir  ist  won  einig  Got.  nu  sprichet  er:  ‘swenn  si 

sich  bekeret  über  sich  uf  engegen  Gotte,  so  wirt  si  entlühtet  und  wirt  gf- 

2.  och  — sin]  niomir  ganzfi  uroudc  da  werdin  G.  3.  dv  A.  4.  spr.)  scbribit  0. 
daz  er]  Vidi  ciritatem  sanctam  etc.  Ich  G.  4 f.  dfi  wc  h.  nnd  wc  g.  alse  G.  B f.  eugegrt 

— brut  fehlt  A.  8.  nu  fehlt  G.  9.  büche  G.  11.  machen  und  fehlt  G.  15.  be- 
zaichent bi]  gelich  G.  16.  reht  fehlt  G.  17.  enist]  inne  ist  G.  17  f.  unfride]  wan  vride  G 
18.  vor  sit]  Swi  denne  vride  ist  . da  ist  o'ch  got  G.  19.  denne  fehlt  G.  21.  der  i*j 
d.  haizit  G.  geschaidin  . vndo  wirt  ewichliche  von  ime  geschaidin  G.  23.  erste  ist  daz  G. 

o'ch  da  von  G.  26.  g.  leben  fehlt  A.  27.  man  u.  ain  fehlt  G.  29.  daz  fehlt  G. 

SI.  der  o.  i.  ist  fehlt  G.  dfi  u.  i.  ist  fehlt  G.  si]  wan  dfi  sele  G.  32.  si]  dfi  sele  G. 

33.  gotte  der  ob  ir  ist  so  G.  33  f vnde  gebraitet  G. 

4 Apoc.  21,  2.  12.  ExOd.  25,  40.  SO  f.  vgl.  oben  S.  190  Z.  25  ff. 


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54.  Von  gaischlichem  leben. 


209 


braitet  und  wirt  volbraht;  swenn  si  sich  aber  her  nider  keret  engegen  der 
creatur,  so  wirt  si  erblendet  und  wirt  gebösret  und  wirt  zerstöret’,  und  alle 
die  sünde  die  wir  tünt,  die  geschehent  dar  an  daz  sich  der  mentsche  von 
Gotte  keret  an  die  creatur;  won  stündi  du  sei  alweg  in  ir  statt  entzwü- 
schent  Got  und  der  creature,  so  gesündetint  wir  niemer,  won  sich  denn  du  5 

sele  her  nider  keret  und  sich  naiget  an  die  geschephte,  dar  ane  geschehent 
all  sünde.  da  von  sprichet  aber  sant  Augustinus:  ‘went  ir  wissen  waz  sünd 
ist,  daz  ist  daz  sich  der  mentsche  keret  an  zerganklich  güt  der  creature 
denn  an  daz  obrost  güt,  daz  von  im  selben  güt  ist,  won  ünser  herre  Got  ist 
aller  ding  /134‘ ] güti’.  und  spricht  aber  sant  Augustinus:  'ich  erkenn  wol  io 

daz  ich  gesündet  han  da  mitte  daz  ich  an  der  geschepfte  süchte  daz  ich  an 
dem  schepher  solt  gesüchet  han.  ich  süchte  vröde,  wolnust  und  güti  an  der 

creature,  daz  solt  ich  han  gesüchet  an  dem  Ursprung  alles  gutes,  daz  ist 

Got’,  sprichet  er,  ‘der  ist  vrölich  und  gelustig*.  als  sprich  ich:  swenne  sich 

dü  sele  genaiget  under  sich  an  die  creature,  so  wirt  si  erblendet,  daz  si  15 
die  creatur  minnet  durch  ir  güti,  und  vergisset  da  bi  dez  besten  gütes,  von 
dem  aller  ding  güti  geflossen  ist.  si  wirt  gebösert  och  also  daz  si  sunder- 
lich wollust  süchet  dar  an  daz  selb  nit  vröde  hat  noch  wolnust  si  wirt 
öch  zerstöret,  won  alle  die  tugend  die  si  von  dem  obrosteu  güt  enphangen 

hat,  die  werdent  zerstöret,  also  sprichet  sant  Augustinus:  ‘ich  vand  mich  20 

selben  daz  ich  verre  von  Got  gevallen  waz’.  nu  sprichet  ain  hailger  man 
über  daz  wort  daz  Got  enhain  ding  [134']  von  der  sei  schaidet  won 
höbet  sünde:  ‘so  wirf  die  höbet  sünde  von  dir,  so  ist  Got  aber  bi  dir’,  reht 
alz  er  spreche:  swer  än  höbet  sünde  ist,  der  hat  Got  won  Got  hat  die 
sele  also  liep  daz  er  sich  niemer  von  ir  gänzlich  geschaidet  won  von  25 

höbet  Sünden;  swenn  dü  geschiht,  so  mag  er  da  nit  me  beliben.  so  sich 

denne  dü  sei  genaiget  an  die  creature  und  Got  versmahet  und  ir  selbes 

wirdekait,  so  sol  si  widerkeren  und  sol  sich  vinden  in  der  beschöwde  und 

sol  sich  erkennen  daz  si  gesündet  hat,  alz  er  da  vor  sprach:  'ich  erkenne 
daz  ich  gesündet  han,  daz  ich  mich  von  Gotte  kerte  an  die  creatur’.  und  so 
so  sich  denne  dü  creatur  vindet  daz  si  von  Got  gevallen  ist,  so  sol  si 

wider  keren  und  sol  sich  an  daz  obrost  güt  heften,  von  dem  si  gevallen 
waz,  und  sol  denne  vast  stan  in  der  statt  entzwüschent  Got  und  der 

creature,  und  sol  denne  uf  heben  ir  liertze  und  ir  creatürlich  giide  und  irs 
hertzen  ögen  in  dem  cxmtemf  134 */plierenn , und  sol  Got  an  sehen,  der  ain  S5 
güti  aller  güti  ist  und  von  dem  &llü  güti  flüsset.  so  si  in  denn  an  gesilit 


S.  gescbchint  alle  dar  an  Cr.  6.  keret  u.  eich  fehlt  G.  b.  m.  tue  kerit  G.  güti  G. 

9.  got  der  ist  G.  12  f.  vro'dc  vndo  wollust  a.  d.  er.  vnde  güti  . daz  solte  i.  süchiii  G.  13.  gv- 
chet  A.  14.  ich  denne  . swenne  G.  16.  da  bi]  andirre  güti  G.  IS.  noh  wollust . wan  nine 
entlehinde  wollust  O.  20.  sprichet  A.  23.  so  — sünde  fehlt  A , Abir  (i.  Übir)  daz  wort  spri- 
chit  s.  Augustinus  so  w.  d.  ho’b.  s.  G.  von]  abi  G.  25.  ir]  der  sele  G.  26.  so  sieb] 
Swenne  sich  G.  31.  creatur]  sele  besser  G.  waz  G.  33.  der  st.]  ir  st.  G.  34.  creatür- 
lich fehlt  G. 

Ovotache  Text«  4m  Nittel  eitern  X.  14 


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210 


54.  Von  gaischlichem  leben. 


und  sich  an  in  geheftet  mit  dem  willen  daz  si  ierner  an  im  haften  wil,  dar 
nach  heftet  si  sich  an  Got  mit  wTindrung  siner  gilt!  und  siner  wishait  und 
sins  gewaltes,  und  wirt  denne  erlühtet  von  der  vinstri  der  Sünden,  da  von 
si  waz  erblendet,  du  vinstri  wirt  erlühtet  mit  dem  liehte  siner  schönnen 
5 gothait  und  wirt  gebessrot  mit  siner  gnade  und  wirt  voll  braht  mit  siner 
friun  güti.  nu  sprichet  sant  Bernhart:  'mentsch,  wilt  du  mit  Got  haimlich 
sin  in  der  contemplacion,  so  solt  du  mit  dim  hertzen  gerne  aine  sin  und 
solt  Ällü  ding  von  dim  hertzen  schaiden  won  Got  allaine.  wie  reht  nütz  daz 
si,  daz  waiss  ich  wol’,  sprichet  er,  'won  ich  han  es  dik  befunden’,  dar  umb 
io  sont  ir  üch  flissen  daz  üwrü  hertzen  lidig  sigint,  [13 5‘]  swenn  ir  Got 
schowen  wellent  in  der  contemplacion.  won  ze  glicher  wis  alz  die  ogen  ge- 
ierret  werdent  von  den  wölken,  daz  si  nit  gesehen  mugent  der  sunnen  lieht, 
also  ierret  kumber  und  zerganklich  ding  die  sele,  daz  si  Got  nit  beschowen 
mag  in  der  tögenlichen  beschöwde.  dü  sei  sol  allein  mit  Got  bekümbert  sin 
15  und  mit  tugenden  und  sol  betrahten  wie  si  in  allem  irern  lebenn  Aliü  ir 
werch  mit  tugenden  volbringe,  und  sol  Got  erkennen  und  loben  an  aller  siner 
geschepfde.  liie  von  ist  gaischlich  leben  gelich  der  hohen  statt  Jherusalem. 
won  alz  dü  bymelsch  Jherusalem  erhaben  ist  und  geschaiden  von  dem  ert- 
rich,  also  sol  der  gaischlich  mentsch  erhaben  sin  und  geschaiden  von  allen 
2»  irdeschen  dingen,  und  da  von  won  disü  statt  hoch  ist,  da  von  ist  si  och 
sicher,  swer  uff  dem  ertrich  belibet,  der  wirt  entrainnet;  swer  sich  denn 
hin  uf  hebet,  der  blibet  [135h]  raine;  swer  och  denn  rain  ist,  der  biibet  in 
sicherhait  gaischlich  leben  und  hymelsch  leben  sind  reht  niftlen.  si  hant 
vil  nach  glich  namen:  celum  et  celia,  und  sint  och  glich  an  den  dingen  die 
25  dinne  sint,  der  hymel  haisset  dar  umb  ain  hymel  won  er  ist  gesundert  von 
dem  ertrich.  also  sundret  gaischlich  leben  den  mentschen  von  der  weite  und 
von  allen  bösen  dingen  die  in  der  weit  sint  die  engel  sint  loonende  in 
dem  closter  alz  in  dem  hymel,  und  wil  daz  sprechen  daz  daz  unmuglich  ist 


9.  vnde  dar  umbe  G.  10.  üwir  beree  I.  Bi  6.  11.  die  fehlt  A.  16.  mit  tug. 

fehlt  Q.  volbringCt  A,  volle  bringe  G.  boI  — und]  »wie  si  got  irkennet  inallen  dingen, 
dü  man  geho'rin  aide  geaehin  mack  . dar  an  sol  ain  gaistlich  nienschc  . vnde  ain  sxlich  mensche 
allin  »inen  kumb'  legen  . vnde  sol  got  G.  19.  allen  fehlt  G.  22.  hin  fehlt  G.  23.  vor 
gaischlich]  Nu  sprichit . s.  B n.  daz  gaistlich  lcbin  ist  gelich  der  himilschun  stat  . vnde  spricbit  G. 
vnde  daz  h.  G.  24.  celü  AG,  cclTv  Z,  celia  H".  25.  wände  er  virbirget  . vnde  ist  G. 

26.  sundret  g.  1.)  ist  g.  1.  sprichit  er  . daz  virbirget  vnde  sundirot  G.  27.  vö  ende  A. 

27  f.  die  engel  — sprechen]  Wan  gaistlich  lebin  sprichit  er  ist  rebte  ain  müzichait  . nah  gotte  ze- 
gedenkinne  daz  ist  ain  reht  werck  übir  ellfi  werck  daz  man  gotte  ane  hafte  mit  gelüste  . vnde 
mit  begerunge  . also  daz  der  mensche  enbain  dinch  minne  noh  Wollust  sücke  . noh  haige  . wan 
ainigun  an  gotte . vnde  ellü  dinck  in  gotte  . vnde  dur  got . vnde  swenne  daz  geschiht  sprichit  er . 
so  wil  ich  dar  baltliche  sprechin  . daz  die  engil  wonende  sint  in  der  cclle . vnde  in  deine  do’stir 
alse  indeme  himile  . Div  (sv  Z)  vamt  von  deme  gebete  mit  deme  gaistc  in  den  himil  . vnde  abir 
widir  . vnde  wil  daz  sprecht  sprichit  er  G(ZW).  28.  ist  sprichit  er  G. 


6 f.  vgl,  oben  S.  33  Z.  8 f. 


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54.  Von  gaischiichem  leben. 


211 


daz  dehain  mentsch  uss  dem  closter  ze  helle  vare;  und  wil  üch  sagen  war 
umbe:  ist  joch  dehain  bös  wiht  drinne,  der  dem  tüvel  ze  taile  werden  sol,  der 
mag  da  niht  bliben  untz  an  daz  ende,  won  Got  wirfet  in  us.  und  blibet 
nieman  drinne  untz  an  sin  ende,  won  der  er  weit  ist  von  Got.  won  alz  der 
kirker  ist  dem  gevangnen,  also  ist  daz  closter  dem  der  ungern  drinne  ist,  5 
und  ist  im  du  [13  5’]  zelle  alz  dem  lebenden  mentschen  daz  grab,  der  aber 
gerne  drinne  ist,  dem  ist  es  ain  blügendes  paradys.  und  da  von  ist  dii 
hymelsch  .Therusalem  glich  dem  closter. 

Daz  ander  dar  an  daz  closter  glich  ist  der  hymelschen  statt,  daz  ist 
fride.  nu  sint  drü  ding,  du  hant  frid  zerstöret,  daz  aine  ist  ungelichi  dez  io 

gutes,  daz  ainer  me  hett  denne  der  ander,  und  ainer  ze  vil,  der  ander  ze 

lützel.  daz  ander  ist  missehellung  des  willen,  daz  dritte  ist  ungelichi  der 

Sitten,  disü  drü  ding  sint  von  gaischiichem  lebenn  geschaiden;  won  waz 
dehainen  unfrid  gemachen  mag,  daz  ist  alles  für  sehen,  daz  güt  ist  gemaine, 
und  git  man  ieglichem  nach  siner  notdurft,  won  ungemaini  dez  gütes  machet  15 
unfrid.  also  sprichet  ain  wiser  man,  Seneca:  ‘der  üns  nit  won  zwai  wort  be- 
näme,  so  wärent  wir  alle  mit  fride,  daz  nieman  spräche:  “dis  ist  min  und 
dis  ist  din”!’  won  [135*]  nu  der  frid  da  von  zerstöret  wirt,  so  sol  in 
gaischiichem  leben  allez  daz  gemain  sin  daz  si  hant:  swaz  aines  ist,  daz  daz 
si  ir  aller;  und  swaz  ir  aller  ist,  daz  daz  si  ains  ieklichen.  man  liset  in  20 

der  zwelf  botten  büch:  ‘do  sich  dü  cristenhait  zem  ersten  hüb,  do  kament  si 
alle  die  sich  bekertent  zü  den  jungem,  und  brahtent  allez  ir  güt  und  laitent 
ez  zü  der  junger  füssen,  und  tailtent  si  es  ieglichem  nach  siner  notdurft’. 
und  also  sol  ez  noch  sin  in  gaischiichem  leben:  da  ensol  nieman  haben  de- 
kain aigenschaft  und  sol  allez  gemain  sin.  nu  welli  Got  daz  ez  also  si!  daz  25 
ander  ist  missehellung  dez  willen,  daz  ainer  nit  wil  daz  der  ander  wil.  dez 
enist  och  in  gaischiichem  leben  nit  und  sol  och  nit  sin,  won  si  hant  iren 
willen  gegeben  in  ains  andern  willen  und  dem  gehorsam  ze  sin  an  Gottes 
statt,  da  von  sprichet  sant  Augustinus:  'dis  ist  a]lai/f36"/ne  rehtü  gehorsami, 
dü  weder  willen  noch  Unwillen  hat’,  der  mentsch  der  ainvaltklich  gehorsam  so 
ist,  der  wirt  engegen  Got  andähtig  und  wirt  an  sinen  werchen  demütig  und 
wirt  an  allem  sim  leben  ain  minnsam  geselle  allen  den  die  mit  im  wandient. 


1.  wil  ü.  s.)  sagen  iv  G.  3.  won  G.)  got  der  G.  3 f.  und  — sin]  wan  ez  ist  vn- 
mugelich  . daz  dehaine  belibe  in  deme  clo’Btir  unz  an  daz  G.  4.  wart  G.  5.  kArkcr  ist 
ist  A.  gcvagnen  A.  S.  aime  elo’stir  . vfi  bain  rehte  aine  nüftilnchaft  vndc  hainlichi  zain  andir 
dur  die  gelicbi  dez  lebinnes  G.  10.  a.  ist]  aine  A,  ist  G.  11.  nil  vnde  der  a.  G.  15.  siuen 
no'tdürften  G.  16.  won  zwai  zweimal  A.  18.  sol]  ist  G,  darum  fehlt  19  Bin,  1 9f.  daz 
daz  si]  daz  ist  beidemal  G.  21.  der — bäch]  aetibns  apostolorum  G.  22.  alle  zä  den  j.  die 
sich  zer  cristenhait  becherton  . vnde  G.  allez]  alle  G.  23.  sinen  no'tdöiften  G.  24.  sol) 
ist,  darum  fehlt  sin  G.  ensol  n.  h.)  enbet  nieman  G.  25.  und  — si  fehlt  G.  21.  und  — 
sin  fehlt  G.  28.  andern  fehlt  fälschlich  G.  31.  demöticliehe  undirta-nich  G. 


21.  Act.  4,  32  ff.  29.  vgl.  oben  S.  112  Z.  IS  ff. 


14  ‘ 


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212 


54.  Von  gaischlichem  leben. 


daz  dritte  ist  ungelichi  der  sitten.  und  daz  ist  in  gaischlichem  leben  nit. 
won  si  habent  und  sont  lian  glich  sitten:  sament  uf  stan,  sament  nider 
gan,  vasten  glich,  essen  glich,  man  list  in  der  zwelfbotten  büch  daz  si 
hattent  alle  ain  sele.  daz  ist  alz  vil  gesprochen  alz  ain  gemüt«,  daz  si 
5 alle  ainen  willen  und  ain  gemüt  hattent  in  Got.  also  sont  och  all  gaisch- 
lich  lüte  ainen  willen  und  ain  gemüt  han  in  Gotte,  und  sol  sich  ain  ieglich 
brüder  flissen  den  frid  ze  behaltenn  mit  den  andren  brüdern.  swenn  si 
denn  in  dem  frid  sint,  so  sint  si  in  Gotte,  nu  spricht  sant  [136"]  Augu- 
stinus: 'ich  wil  üch  sagen  waz  frid  ist  frid  ist  ain  luterkait  der  sinne,  ain 
io  senftekait  dez  gemütes,  ain  ainvaltkait  dez  hertzen,  ain  bant  der  minne, 

ain  gesellschaft  der  liebi.  frid  benimet  krieg  und  schaidet  ürlüg  und  stillet 
zorn  und  drittet  die  hohfart  under  sich  und  hübet  den  demütigen,  si  ge- 

stillet  misshelli  und  sünnet  vigintschaft  ze  früntlicher  liebi,  und  allen  luten 
ist  ez  gevellig.  frid  engert,  nit  frömdes  und  behaltet  nit  aigens.  frid  wil 
15  nit  hohfertig  sin.  swer  frid  habe,  der  gehalte  in’,  sprichet  er,  ‘swer  sin 

nit  habe,  der  süche  in;  won  swer  an  sim  ende  fanden  wirt  üne  frid,  der 

wirt  vertailt  von  dem  vatter  und  wirt  enteret  von  dem  sune  und  wirt 

geschaiden  von  dem  hailgen  gaiste’.  nu  sont  ir  (ich  flissen  daz  ir  rehten 
frid  behaltent;  won  hettint  gaischlich  lüt  unfrid,  daz  wäre  in  ze  wissenn 
20  me  denn  andren  lüten,  w'on  si  der  ding  nit  hant  du  den  un [136 ‘] frid 

machent,  nu  mag  das  kum  sin  daz  der  mentsch  frid  muge  haben  und  be- 
halten mit  andren  lüten,  man  behalte  in  och  an  im.  und  dar  umb  sol  sich 

ain  ieglich  brüder  sunderlich  dez  flissen  daz  er  den  frid  behalte  zem  ersten 

mit  siner  maisterschefte  und  dar  nach  mit  ieglichem  brüder  sunderlich:  won 
25  alle  die  wile  so  frid  under  in  ist,  so  ist  och  Got  under  in;  und  so  denne  si 

den  frid  verlierent,  so  hant  si  och  Got  verlorn.  sant  Augustinus  sprichet: 

'frid  ist  daz  beste  klainot  daz  Got  uff  ertrich  ie  gegab.’  und  da  von  sont  ir 

üch  ze  allen  ziten  flissen  daz  ir  den  frid  behaltent,  den  Got  ainen  jungem 

gap.  do  er  in  erschain  nach  siner  urstendi. 


t.  dritte  daz  ist  G.  ungelichi  — 3 essen  glich]  gelichi  d.  ».  daz  ist  o'ch  in  g.  1.  daz  sü 
gemaine  vnde  geliche  Bitte  hant . sii  stant  samit  vf . vnde  gant  »amint  nider  . »iv  vaatent  geiieh  . 
v-nde  ezsint  gelich  . vnde  aliiz  daz  siv  tünt  . da*  tftnt  alv  in  gemainime  aitte  GZ.  3.  der  — 
daz]  actibus  apoatolorum  von  den  iungiron  G.  4.  alz  vil]  also  G.  alz  ain  g.]  ain  gemfite  . daz 
ist  also  G.  5.  och  all  fehlt  G.  B.  Kitc  fehlt  A.  7.  sweatir  «.  femininum  durchweg  auch 
im  folgenden  28.  24  G,  broder  Z TV  ebenso  28.  24.  7 f den  fr.  — aint  si]  daz  ai  den  vride  be- 

halte (behalten  Z)  mit  dien  aweatiron  (andern  Z\  vnde  mit  iegelichir  aweatir  (iegelichim  broder  Z\ 
enndirlich  . so  ir  denne  in  d.  fr.  a.  so  aint  ir  G.  8.  denn  in  fehlt  A.  9.  Fride  daz  ist  G. 

12.  die  demfttigen  G.  si]  vride  G.  13.  afinnet]  fftpit  G.  18  f.  v-nde  ist  a.  dien 
I.  g.  G.  21.  haben  und  fehlt  G.  28.  de  ai  den  vr.  behalten  Z.  24.  einer]  ir  Z. 

25  f.  wile  vnz  (vnze  ir  Z)  vride  vnde  liebi  mit  trfiwon  vndir  iv  hant  . ao  i.  g.  vndir  iv  . vnde 
alae  ir  den  vr.  virlierent  . a.  h.  ir  o’ch  Q.  27.  vf  daz  ertr.  G.  da  von]  dar  vmbe  G. 

29.  inen  vor  inachain  G. 


3.  Act.  4,  32.  9 f.  vgl.  oben  8. 137  Z.  19  ff. 


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54.  Von  gaischlichem  leben. 


213 


Daz  dritte  dar  an  sich  gaischlich  leben  gelichet  der  hymelschen  Jhe- 
rusalem,  daz  ist  fribait.  nu  möhtint  ir  sprechen:  'wie  möhtint  wir  ir  geli- 
ehen an  frihait,  wir  sint  doch  me  betwungen  denn  ander  lute?’  nu  merkent 
drü  ding  dar  an  [136 a]  wir  sont  sin  fry. 

Daz  erste:  wir  sont  fry  sin  an  dem  willen,  daz  ist  also  daz  wir  Got  5 
sont  dienen  reht  frölich  mit  rehtem  fryem  willen  nnbetwungenlich.  also  spri- 
chst sant  Augustinus  daz  wir  nit  sont  dienen  alz  knehte  die  von  vorhte 

dienent,  wir  süllent  reht  dienen  von  fryer  minne,  alz  du  kint  du  Got  ge- 

sundert  und  erwelt  het  von  der  weit  blinthait.  ir  sont  Got  so  frilich 

dienen  daz  üch  nnt  so  vast  twinge  zü  sim  dienst  so  sin  wirdekait,  sin  io 

schönhait,  sin  ewekait  und  sin  fry  güti.  sit  sin  güti,  sin  wirdekait  so  groz 

und  so  fry  ist,  so  sont  och  wir  im  reht  frilich  dienen  durch  sich  selben, 

soltent  wir  da  von  niemer  Ion  enphahen.  und  wissent:  swer  Gotte  dienet 

also,  der  enphahet  grossen  Ion  von  sinen  werchen  und  vil  grösser  denne  der 
von  vorhten  dienet,  sant  Paulus  predigot  ainest  sinen  jungern  [137 °]  und  15 
sprach:  'liebü  kint!  lobent  Got  und  dienent  im  flisseklich  und  andähtklich 

mit  grossem  Hisse,  und  merkent  waz  schaden  lieh  da  von  widervert  ob  ir 
ez  nit  tflnt  in  trüwen,  er  nimet  üch  die  gnade  und  wisget  üch  dar  umbe“. 

Dü  ander  fryhait  die  wir  gaischlichen  lüte  sont  hau,  daz  ist  daz  wir 

fry  sont  sin  von  jamerkait.  nu  merkent  daz:  waz  jamerkait  ist,  daz  kumet  20 
von  minnen.  und  sag  üch  wie:  swaz  der  mentsch  minnet  in  der  witen 

weit,  dar  nach  hat  ez  och  jamer,  es  si  fründ . güt  oder  weltlichü  vröde. 

und  kurtzlich  gesprochen:  swaz  ez  minnet,  dar  nach  hat  ez  och  jamer;  won 
wär  es  imme  unmäre,  so  hetti  ez  kainen  jamer  dar  nach,  nu  sont  wir  fry 
sin  von  der  jamerkait  dirre  uns  täten  weite,  daz  wir  enkain  ding  sont  minnen  25 
so  vil  daz  wir  iht  vil  jamers  dar  nach  habe,  stirbet  ünser  [ 137 *]  frünt, 

wirt  er  gevangen  oder  erschlagen  oder  swie  ez  im  ergät,  daz  sont  wir  allez 
an  Got  lassen  und  sont  Got  über  sü  bitten;  won  swaz  wir  dar  zü  tätint,  so 

wir  ez  doch  geschehen,  und  sol  sich  der  mentsch  denn  demütigen  under  Got 

und  sol  sinen  willen  in  Gottes  willen  geben  und  sol  gedenken:  sit  Got  dis  so 

hat  verhenget,  so  ist  ez  öch  sin  wille;  swaz  denn  sin  wille  ist,  daz  sol  och 

min  wille  sin,  won  wie  sere  ez  wider  minen  willen  wär,  so  wAr  ez  doch 

1 . dar  an  g.  1.  gelich  ist  der  G.  2 f.  wie  in  11  gen  w.  inen  gelich  ein  G.  5.  erste 
ist  G.  5 f.  daz  wir  rehte  von  vrigen  willen  vriliche  gölte  sun  dienon  vnbetw.  G.  7.  vor 

vorbten  G.  8.  ir  sunt  G.  1 1 f.  sin  güti  vnde  sin  w.  also  groz  ist . vnde  G.  12.  reht  fehlt  G. 

12  f.  gelbin  . vnde  s.  w.  o'ch  niemir  1.  dar  umbe  enpbSn  von  vnsim  arbailen  . vnde  von  vn- 
sinne  dienste  . so  soltin  wir  doch  got  iemir  minnon  . iemir  lobin  . gölte  dienon  dur  sine  vrivn 
güti  . Vnde  G.  IS.  lan  .1.  14.  und  v.  gr.  fehlt  G.  16.  spr.  alsus  G.  18.  dar  umbe  . 

vnde  dar  vmbe  sun  wir  gotte  gerne  vriliche  dienon  G.  19.  daz  fehlt  A.  22.  ea  si  fr.]  Minnet 
der  mensche  vriundc  aide  G.  2S.  gespr.  sw.  ez)  swaz  der  mensche  G.  och  fehlt  G. 

24.  wir  fry]  ir  daz  merckin  . daz  wir  vri  sun  G.  26.  wir  fehlt  fälschlich  G.  27.  allez 
fehlt  G.  26.  sü]  ir  selc  G.  30.  sol  sinen]  sinen  G.  31.  denn  sin]  denne  gottes  G. 

82.  sere]  verre  G.  willen  doch  waere  G. 

16  f.  vgl.  oben  S.  U6  Z.  1 f. 


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54.  Von  gaischlichem  leben. 


geschehen,  und  so  ez  der  mentsch  doch  mit  nüt  erwenden  mag,  so  sol  ez 
vil  gerner  durch  Got  ez  lassen  denn  dar  umb  daz  ez  sin  niht  erwenden 

mag.  von  dirre  jamerkait  sont  wir  gaisr/i liehen  lute  fry  sin,  also  swaz  uns 

geschehe  oder  swie  ez  uns  ergange,  daz  wir  dar  umbe  nit  jamerkait  habent. 

5 won  alz  vil  so  wir  von  der  weite  erhaben  und  geschaiden  sint  mit  [137‘] 
dem  libe,  also  vil  sont  wir  an  tugenden  und  an  hertzen  gegen  Got  erhaben 
sin.  wir  sint  der  weit  tot  und  sint  verworfen  und  versmähet  von  allen 
den  die  die  weit  minnent.  nu  sont  wir  aber  allen  ünsern  fliz  dar  zfi  keren 

daz  wir  in  Got  leben,  also  spricht  sant  Paulus:  'ir  sont  Got  leben  in  dem 

io  gaiste  und  sont  die  weit  versmahen,  alz  si  ücä  versmahet  hät‘.  swenn  wir 
die  weit  reht  versmahent,  so  sint  wir  fri  von  jamerkait,  so  mugent  wir 
sprechen  mit  sant  Paul:  ‘uns  ist  du  weit  erhängen,  und  sint  och  wir  ir  er- 
hängen’, rehte  alz  ob  wir  sprächent:  uns  ist  die  weit  also  bitter  widerzäme 
und  alz  unmäre  an  si  ze  gedenkenne  und  mit  ir  ze  lebenne,  alz  mit  dem  der 
15  erhängen  ist,  und  sint  och  wir  ir  alz  widerzäme  und  alz  unmäre  alz  wir 
erhängen  wärent.  sit  si  nu  uns  versmahet,  so  sont  och  wir  uns  ir  beheren. 
daz  w'ir  si  iht  minnent.  [137*]  daz  ist  hailgii  hohfart,  so  sint  wir  fry  von 
jamerkait. 

Dü  dritte  frihait  die  wir  haben  sont:  daz  wir  fry  sont  sin  von  welt- 
20  licher  vröde,  daz  wir  och  ir  iht  gerent,  und  von  wolnust  dez  libes  und 
von  allen  den  dingen  die  uns  ze  schulden  naigent.  swaz  wir  och  Sünden 
habent  getan,  der  sont  wir  öch  fry  sin.  won  swenne  der  mentsch  die  rüwe 
hat  daz  im  lait  ist  daz  er  Got  ie  erzurnde,  und  denne  den  willen 
hat  daz  er  sin  sünde  bihten  welle,  so  enphahet  Got  sin  rüwe  und  vergit  im 
25  zehant  alle  sine  sünde.  hant  wir  denn  gebihtet  und  ist  üns  lait  daz  wir 
Got  ie  erzurntent,  und  hant  och  dez  güten  willen  daz  wir  ez  niemer  me 
wellent  getan,  so  sint  wir  fry  von  schulden. 

So  git  üns  Got  och  täglich  krafte  und  sterki  daz  wir  mit  siner  gnade 
bestandent  an  rehtem  lebenne  und  an  tugenden  werdent.  gesterket,  won  dü 
so  werch  [138*]  dü  von  tugenden  gant,  da  mit  werdent  die  tugend  all  gefüret 


2.  lazin  . vndc  dur  sine  tvginde  rehte  vriliche  . denne  G.  ez  sin]  erz  G.  S.  dirrel 
der  G.  gaistlicliin  litte  G,  gantzlichen  lut’  A.  5.  von  fehlt  G.  6.  an  den  t.  u.  an 
deme  h.  G.  7.  sin  . Vndc  alse  wir  in  lio’hirme  lebinne  vor  dien  luten  schine  . also  sun  wir  vor 
gotte  inhohin  tuginden  sehinen  . Wir  G.  10.  v’smahc  so  sint  wir  fry  alz  si  A.  uns  A, 
iveh  G.  12.  üns]  Dir  (/.  Mir|  G,  ebenso  13.  sint  — ir]  ich  bin  der  weite  rehte  G.  13.  ob 
fehlt  G.  bitter]  gar  G.  15  f.  sint  — wirent]  bin  och  ich  der  weite  alse  umnacre  vnde  also 
vngebüre  alse  och  der  irhangen  ist  G.  16.  nu  fehlt  G.  ir  fehlt  G.  17.  iht  fehlt  G. 
von  fehlt  G.  19.  daz  — vonl  daz  ist  vri  von  schulden  . daz  ist  wir  sun  vri  sin  vor  girde  GZ. 

20.  daz  — gerent  fehlt  G.  21.  sundon  widir  gotte  G.  24.  n och  hat)  de  er  ez  niemir  welle 
getfin  . so  enphut  in  got  . vnde  virgit  inte  alle  sine  sünde  . Ain  hailigir  man  sprichit . Swenne 
der  mensche  willin  het  G.  26.  güten]  statin  G.  nie  fehlt  G.  27.  wir  fehlt  A.  2S.  vns 
och  g.  allir  txgilich  G. 


9.  im  Anschtufi  an  I.  Cor.  2, 12;  4, 13;  l.Joan.  2, 18?  12.  Gal.  6, 14. 


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54.  Von  gaiachlichem  leben. 


215 


und  wachsend,  und  sprechent  die  maister  und  die  lerer:  'swer  ain  tugend 
hat,  der  hab  die  tugent  alle' . unser  herre  güzet  die  tugefit  sament  in  die  sele. 
nu  ist  ain  schidung  entzwiischent  den  fügenden  und  iren  werchen.  du  tugend 
daz  ist  minne,  so  ist  minne  ain  werch  der  tugend.  also  ist  ez  umb  all 
tugend;  won  ain  ieglichü  tugend  hat  du  werch  da  mit  si  sich  übet,  und  5 
von  aim  ieglichen  werch  da  zü  enkain  tugend  wirt  fürbraht,  da  von  wer- 
dent  die  tugend  alle  gesterket  und  gefüret.  rehte  alz  ir  selient  daz  der 
lip  gesterket  wirt  von  der  liplichen  spise  die  der  mund  enphahet,  also  wer- 
dent  die  tugend  all  gefüret  und  gegossen  von  den  fugenden  iegliches  werches. 
die  tugend  sint  alle  gelich  groz,  si  sint  aber  an  aim  schinbürr  denn  an  io 
dem  andern,  alz  ir  dik  wol  sehent  [138*]  daz  ain  mentsch  besser  Ist  und 
kreftklicher  werchet  mit  sinen  tugenden  denn  daz  ander,  dez  tugend  sint 
6ch  grösser,  also  won  es  si  me  übet,  da  von  wachsent  si.  der  och  sin 
tugend  nit  übet,  an  dem  wachsent  si  och  nit  sit  nu  tugend  alle  glich  groz 

sint,  so  enphahent  si  och  alle  glichen  Ion.  und  da  von  sont  wir  alle  tugend  15 

gern  üben,  won  unser  herre  lonet  üns  gehorsami  alz  wol  alz  contemplierens. 
er  lonet  demütkait  alz  miltkait  und  gedultkait  alz  w'ol  alz  gebettes,  alz 

andahtes,  so  wachsent  si  öch  alle  von  ainer  alz  von  der  andren,  und  da 
von  mugent  wir  si  öch  alle  gelich  üben  gerne.  nu  wünnent  etlich  lüte 

daz  Got  enhain  ding  so  liep  si  noch  enhainer  tugend  so  grossen  Ion  gebe  20 
so  contemplierenn  und  gebette  und  andaht  dez  enist  nit  er  git  ieg- 
licher  tugend  glichen  Ion,  und  da  von  sont  wir  gerne  ieglich  tugend  üben, 
und  der  die  tugend  [ 138' ] alle  übet,  der  ist  aller  loblichest  vor  Gotte, 
nu  merkent  zwai  ding  an  der  tugend  und  öch  zwai  an  dem  werch  der 

tugend.  dü  tugend  tüt  zwai  ding  in  der  sele.  alz  schiere  so  ünser  25 

herre  die  tugend  in  die  sei  güsset,  so  ist  daz  ir  erst  werch  daz  si  alle 

höbet  Sünde  us  wirfet;  won  höbet  sünde  und  tugend  mugent  niemer  enkain 
stund  bi  enander  bliben.  swa  och  ist  höbet  sünde,  da  müssent  die  tugend 


I.  wahainde  . vnde  ainir  iogclichir  tuginde  werch  f ft  rot  die  tuginde  alle  G.  die  1.  swer] 
grozin  I.  daz  die  tuginde  alle  gelich  sint  an  aime  icgclichin  mcnachin  . Vnde  swer  och  G. 

2.  alle  — tugent  fehlt  A.  9.  iren  w.]  den  w.  der  tuginde  G.  4.  so  i.  m.  fehlt  A.  8.  ge- 
sterket] gef&rot  G.  9.  nach  werches]  vnde  div  tugint  wirt  niht  allaine  gemxret  . vnde  ge- 

sterckit  . div  ir  werck  vbit  . siv  werdint  alle  mit  ir  gespiBct  . also  elliv  div  lit  (gelit  Z)  von  der 
spise  gef&rot  werdint . die  der  munt  deine  libe  git  G.  10.  groz  an  aime  iegclichin  menschin  G. 

II.  ist  denn«  der  andir  . vfi  G.  19.  vor  der)  doch  sint  die  tuginde  alle  geliche  groz  an 
ime  . vnde  wahsint  alle  mit  ain  and' . vnde  swer  aine  tugint  übet  . so  wahsint  siv  alle  mit  der . 
Der  raenschc  G.  14.  alt  nu]  ist  ain  tugint  groz  an  mir  . so  sint  siv  alle  groz  an  mir  . awie 
ainiv  an  dem  menschin  ist  . also  sint  siv  alle  . Sit  dennc  die  G.  15.  so  — tugend]  vnde  siv 
alle  gelicliche  Ion  enphant . so  sunt  wir  siv  alle  gelicüchc  G.  15  f.  alle  gern  tugend  tben  A. 

17  f.  miltkait  u.  alz  ged.  alz  wol  geb.  a.  and.  A,  gedulticbait  . odir  irbermichait  . also  wo) 
so  geb.  aide  a.  G.  18  f.  und  da  von]  so  G.  19.  öch  fehlt  G.  21.  vnde  von  gebette  G. 

er  g.  1.]  vnsir  herre  git  vmbo  iegeliche  G.  22.  da  von]  dar  umbe  G.  ir  G.  29.  alle 
gelidiehe  ftbet  G.  24.  den  werck  in  G.  25.  tönt  G.  in  fehlt  A.  26.  si  zchant  alle  G. 

27.  wirfet]  tribet  G.  tuginde  die  enmugen  G.  29.  stund]  wile  G.  swa  o.  h.  sint  da  G. 


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54.  Von  gaischlichem  leben. 


entwichen,  daz  ist  daz  erste  daz  du  tugend  Bünde  vertribet  von  der  sele. 

daz  ander  ist  daz  der  Ion  aller  gemessen  wirt  nach  der  wizze  der  tugend:  ist 
du  wizze  so  groz,  so  wirt  och  der  Ion  groz,  won  nach  der  grössi  der  tugend 
wirt  öch  groslich  gelonet.  der  tugend  werch  tünt  öch  zwai  ding  in  der 
5 sele.  ains  ist  daz  von  ieglicher  tugend  werch  die  tugend  alle  werdent  ge- 
füret  und  gesterket  und  gemeret.  und  so  der  mentsch  ie  me  die  tugend  übet 
mit  den  werchen,  so  im  Got  ie  me  tugend  und  gnade  git.  daz  / 138‘ j 
ander  ist  daz  dü  selben  werch  die  sünde  tilgant,  und  minrent  die  wisse  die 
der  mentsche  solte  liden  umb  die  sünde;  won  daz  müz  sin  daz  ain  ieglich 
io  mentsche  allez  dez  gewisget  werden  müz  daz  es  ie  getet,  aintweder  hie  an 
dirre  weit  oder  aber  in  dem  vegfüre.  swer  denn  dez  vegfüres  welle  über 

werden,  der  sol  die  tugend  dik  und  vil  üben  mit  den  werchen,  so  wirt  er 

fri  beidü  von  schulden  und  von  wissen. 

Daz  vierde  dar  an  wir  glich  sont  sin  ünser  müter,  der  hymelschen 

15  Jerusalem,  daz  ist  minne,  das  wir  alle  enander  müterlich  sont  minnen.  ünser 
hürr  sprach  zü  sinen  jungem:  ‘minnent  ir  mich,  so  minnent  ir  alle  enander; 
minnent  ir  aber  mich  nit,  so  hassent  ir  enander’.  nu  wil  ich  üch  drü  urkünd 
geben  an  der  minne  die  ir  zü  enander  ha//55"/bent.  daz  erst  ist  ob  dir  we 
tüt  dins  eben  mentschen  kumber  libes  und  g&tes  und  hertzen,  und  swaz  im 
20  wirret,  daz  solt  du  mit  im  tragen,  also  spricht  sant  Paulus:  'wir  sint  alle 
der  cristenhait  gelider;  und  swaz  mim  eben  cristen  wirret,  daz  sol  och  mir 
werren,  sit  er  min  gelid  ist  und  ich  daz  sin  bin’,  also,  sprich  ich  denne,  sol 
ain  ieglich  brüder  mit  dem  andern  liep  und  lait  han,  sit  wir  alle  ains  libes 
sint.  daz  ist  ain  zaichen  der  minne.  daz  ander  ist  ob  ich  sin  arbait  trage 
25  und  im  hilfe.  also  sprichet  sanctus  Paulus:  'ir  sont  enandren  alle  burdi  tragen’, 
über  daz  wort  sprichet  dü  glose:  * swenne  dir  din  brüder  sprichet  oder  tüt 
daz  dich  betrübe,  so  solt  du  dergegen  gedultig  sin  und  solt  gedenken  er  hat 
ez  von  krankait  getan;  so  er  sich  nu  ietzent  bedenket  [13 9 ‘J  daz  er  übel 
hat  getan,  so  wirt  ez  im  lait.’  und  also  sol  sich  ain  ieklicher  erbarmen  über 


t.  virtribent  Cr.  2 f.  nach  — groz  fehlt  A.  Statt  wizze  2.  S sollte  man  eher  maze  oder 
grAzzc  enrarten.  3 f.  won  — groslich]  awio  div  wizze  der  ttiginde  ist . also  wirt  dir  G.  5.  von 

ainre  iegeüchir  ß.  11.  weite  mit  güten  werchin  . aide  G.  12.  werdin  zenrc  weite  . der  so) 
sine  t.  G.  wirt  er]  werden  wir  ß.  19.  dins  e.  m.]  diner  awestir  «.  im  folgenden  Femini- 
num bis  217, 19  ß,  dines  prüder  VT,  diner  swestir  oder  dines  brod'  Z.  und  gutes  fehlt  ß. 

19.  20  im)  ir  ß,  in  Z.  21.  eben  er.)  brädir  aide  miner  swestir  G WZ.  22.  er]  si  Z.  mir  .4. 

daz  sin)  ir  gelid  GZ.  22  f.  denne  daz  ain  iegclich  swestir  (brodir  Z)  m.  der  andirnn  1.  u.  L 
sol  han  ß.  24  f.  sin  — hilfe]  ir  helfe  ir  arbeite  tragin  ß,  ebenso  Z,  das  demnach  iiw  Fcmintnuts 
zurück  fällt.  25.  P.  Alter  alterius  . Ir  s.  alle  ainre  andirre  burdi  tr.  GZ.  26.  brüder]  swestir  0. 

prüder  TT,  ebenso  Z jedoch  teiliceise  mit  folgendem  Femininum.  27.  dergegen  g.  s.)  ir  (sin  Z) 
kranchait  mit  ir  Iso  auch  Z)  tragin  . daz  dn  da  engegin  gedniticb  aiest  ß.  29.  ez  ir  vil  lait  ß. 
iegelicb  swestir  ß,  i.  prüder  W,  ebenso  Z.  jedoch  mit  nachfolgendem  Femininum, 


16.  Joan.  14,  21  ff.;  1 Joan.  2,  21.  IS f.  vgl  oben  S.  175  Z.  26 ff.  20  f.  I.  Car.  12,  26. 

25.  Gal.  6,  2. 


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54.  Von  gaiscbiichem  leben. 


217 


dez  andern  krankait  und  sol  sin  hüten  mit  Worten  und  mit  weichen,  won 

er  liht  aines  kranken  hertzen  ist  von  nature  denn  ain  andre,  da  von  sol 
er  sinen  brüder  sin  krankait  helfen  tragen,  daz  ist  ain  zaichen  gaischlicher 
minne,  die  wir  zü  enander  sont  han.  daz  drit  ist  daz  ich  mins  brüders 

wunden  hailen  sol.  daz  ist  also:  swaz  er  tüt  daz  er  nit  tftn  sol,  dez  sol  ich  & 
in  sträffen  dar  umb  daz  er  gehailet  werde  in  siner  sele,  und  sol  in  alz 

gaischlich  minnen  daz  ich  me  minne  sin  sele  denne  sinen  lip.  und  swraz  in 

an  siner  sele  verwunden  mag,  daz  sol  ich  im  offnen,  und  sol  ez  dar  umb  nit 

lassen  ob  ich  mich  versih  daz  er  betrübet  werde,  won  ich  sol  im  me  ahten 

und  an  sehen  siner  sei  schaden  denn  sines  libes  betrübde.  also  leret  üns  io 

sant  Augustinus,  won  ist  [139‘J  ez  im  joch  zem  ersten  lait  und  betrübet  in, 
so  er  sich  denne  bedenket  daz  ez  im  nütz  ist  an  der  sele  und  daz  ez  durch 
gfit  ist  beschehen,  so  ist  ez  im  liep  denne;  won  den  mentschen  betrübet 

von  mentschlicher  krankait  mänig  ding  daz  im  dar  nach  vil  liep  wirt  daz 
ez  im  geschehen  ist.  won  daz  du  krankait  der  natur  alz  groz  ist  an  den  t& 

mentschen  daz  ez  ungedultig  wirt,  und  verstat  sich  doch  wol  daz  ez  im 

durch  güt  ist  geschehen:  die  krankait  sont  wir  alle  an  enander  verstan 

und  erkennen,  und  sol  dar  umb  enhainer  den  andern  hassen,  won  er  sin  sele 

lieber  hat  denn  siuen  lip,  won  dü  minne  ist  reht  gaischlich. 

Xu  merkent  fürbaz:  ' Jherusalem  dü  da  obnen  lit,  dü  da  fry  ist,  dü  ist  20 

ünser  müter’.  dis  wort  merkent  an  die  hv meistat  zü  der  wir  naiswenn  sont 

komen  mit  fröden.  in  der  statt  sint  dü  selben  drü  ding  dü  da  vor  bezai- 
chent  sint  an  gaischlichem  lebenn. 

Daz  erst  ist  daz  si  hoch  ist,  und  da  von  ist  [ 139 *]  si  sicher,  dü 

Sicherheit  dü  in  hymelrich  ist,  dü  ist  dar  an  daz  dü  sele  von  Gotte  niemer  25 
geschaiden  mag  werden,  sümlich  lüte  sprechent,  swa  sich  der  gaist  ze  ainem 
male  hin  Jcere,  daz  er  da  stäte  belibe,  daz  er  sich  nit  me  muge  gewandein, 
und  bewarent  daz  da  mitte:  do  sich  daz  erst  ürlüg  hüp  in  hymelriche,  do 
kertent  sich  etlich  engel  an  Got  und  etlich  von  Gotte,  und  also  sü  sich  da 
kertent,  dar  an  sint  sü  stüte  und  gewandlent  sich  niemer  me.  nu  ist  der  so 

tüvel  und  die  engel  und  dü  sei  glich  an  der  natur;  untz  aber  dü  sei  bi 
dem  lip  ist,  so  kert  si  sich  wol  swar  si  wil;  swenn  si  aber  von  dem  libe 


1.  werchin  . daz  si  ir  vergebe  . wan  G.  2.  aines  fehlt  G.  kranckirs  G.  3.  er  — tragen]  ai  ir 
(si  ir]  ir  swester  Z)  ir  kr.  h.  tr.  daz  man  si  sol  fibir  sehin  GZ.  if.  daz  dr.  — sol  h.)  Div  dritte 
minne  ist  daz  du  diner  swester  w.  h.  solt  GZ.  5.  swaz  er]  Swaz  din  swestir  GZ.  5 f.  sol  ich  i. 
str.]  solt  du  si  rfigen  GZ,  2.  Person  Singular  bis  9.  6.  an  ir  sele  G.  8.  solt  du  an  ir  offinon  . 

daz  si  gehailit  werde  . vndo  G.  9.  daz  si  da  von  betr.  G.  im  fehlt  G.  11.  won]  Div  (I.  Dv 
mit  Z)  solt  sprichst  er  diner  swestir  wndan  offinon  . dar  umbe  daz  ir  sele  niht  uirderbe  in  den  sün- 
don  . vnde  solt  si  also  gaistliehe  ininnon  . daz  (de  du  Z)  me  an  solt  sehin  ir  sele  hail  denne  ir 
libes  betrflbide  GZ.  15.  den  A,  dem  G.  20.  Jherusalem  fehlt  A.  21.  himilschun  stat  G. 

26.  lüte]  roaietir  G.  26.  bewa»rint  G.  30.  stxte  beliben  vnde  G.  31.  der  engil  G. 


3.  vgl  S.  175  Z.  7.  4 f.  v gl.  oben  8. 195  Z.  9 ff.  26  f.  vgl.  oben  S.  54  Z.  31  ff. 


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54.  Von  gaischlichem  leben. 


schaidet,  so  enmag  si  sich  nit  me  gewandein  denn  der  engel  oder  der 
tüvel,  also  sümlich  maister  lesent  und  jehent.  und  swar  du  sei  denn  keret. 
so  si  von  dem  libe  geschaidet,  da  ist  si  stüte,  won  [140“]  si  mag  sich 
niemer  me  gewandein.  swenn  sich  du  sele  an  Got  keret,  so  blibet  si  och 
5 iemer  an  im  stAt,  won  si  nit  ierriges  hat  noch  widerheiliges  von  dem  libe. 
daz  aber  si  alz  unstAte  minne  hat  untz  si  in  dem  libe  ist,  daz  ist  von 
der  krankait  dez  libes  und  von  der  liebi  du  zwüschent  dem  lib  und  der 

sele  ist.  von  der  minne  minnet  dü  sele  allez  daz  dem  libe  sanfte  tüt,  und 
da  von  mag  si  niht  stAter  minne  han  zü  kaim  dinge,  won  daz  si  allez 

io  dem  libe  nach  hillet  allez  dez  in  gelüstet,  swenne  aber  dü  güt  sei  von 
ir  lib  geschaidet,  so  keret  si  alle  ir  kraft  und  ir  minne  an  Got,  daz  si 
niht  minnet  won  allaine  Got  und  in  Got  Allü  ding  würket;  denn  ist  si 
sicher  daz  si  und  Got  niemer  geschaiden  werdent,  und  von  der  sicherhait 
so  wirt  si  Got  ie  me  und  ie  me  minnend. 

15  Daz  ander  daz  [140*]  da  ist,  daz  ist  gantzer  und  stAter  frid;  won  da 
ist  dekain  ding  daz  unfrid  mache,  dü  hymelsche  fröde  ist  gemain  allen  den 
die  da  sint,  daz  ist  dü  gütlich  angesiht.  da  von  spricht  sant  Ansheini:  ‘alle 
hymelsch  burger  hant  fröde  an  Gottes  angesiht;  sin  antlüt  ist  schöne  und 
gelustig  an  ze  sehenne'.  daz  antlüt  und  dü  fröde  ist  gemain  allen  engein. 
20  allen  hailgen,  allen  sAlgen  seien  und  allem  hymelschen  her,  und  ist 
ieglichem  sin  Ion  sunderlich  geordnet  nach  sinen  werchen.  also  sprichet  ain 
hailig  man:  ‘Got  taillet  sich  ze  hymelrich  aim  ieglichen  nach  sinem  willen 
und  nach  den  werchen’.  daz  sont  ir  nüt  also  verstan  daz  da  von  ieman 
unfrid  habe,  won  er  taillet  sich  nit  also  daz  da  ieman  si  der  sin  nit 
25  habe,  er  git  sich  ungetailten  ainer  ieglichen  sei  sunderlich,  und  swie  vil  sin 

ain  ieglichn  sei  hat,  so  hant  die  andern  sin  doch  [140']  dester  minder  nit; 

won  hette  ainü  Got  allen  und  dü  ander  nit,  so  möhti  da  niemer  frid  wer- 
den. Got  git  sich  ungetailten  und  gantzen  ieglicher  sei  und  alz  volleklich 
daz  ir  girde  wirt  erfüllet;  won  dü  sele  hat  daz  von  nature  daz  si  enkain 


I.  gcw.  vmrac  mime  Z)  denne  G.  2.  lesent  und  fehlt  G.  3.  da  i.  si)  dar  an  biiibet 
»i  iemer  me  G.  4.  got  denne  k.  G.  5 f.  won  — aber  si]  ane  ende  . vnde  wan  a.  n.  irrodii 

noh  widir  heiliges  ket  v.  d.  I.  vnde  si  »ich  rchtc  samintheftieh  mit  allen  ir  kreftin  an  got  keret . 
so  minnot  si  in  also  krcfticliche  . daz  ei  niemir  von  ime  gcechaidin  wirt  . Daz  div  sele  G. 

<>.  in)  bi  G.  8.  aJliz  daz  daz  G.  12.  wfirket  fehlt  G.  ist  si]  wirt  si  rehte  G. 

13.  gesch.  w.)  me  gesch.  sol  werden  G.  14.  minnente  . Vnde  daz  er  sprichit  daz  div  stat  boh 
ist  . daz  sunt  ir  merckin  an  der  minne  . Wan  div  minne  die  div  sele  zegottc  denne  hat  . div  ist 
verre  übir  menschliche  kraft  vnde  von  der  minne  Bichirhait  ist  ei  iemir  sichir  . bi  gotte  ze  be- 
libinnc  . div  stat  ist  wol  hoh  . vnde  ganzir  Bichirhait  G.  18.  Gottes]  vnsirs  herrc  G. 

19.  gelustig  an]  ist  lustlich  an  ze  scho’wenne  . vnde  G.  22.  iegelichim  menschin  G.  23.  den! 
dez  menschin  G.  24.  dehainen  vnvride  G.  won  er]  Got  G.  sin]  gotte*  G.  25.  er] 
got  G.  ainer  fehlt  G.  iegelichir  G.  26.  so  het  sin  div  andir  deste  m.  n.  G.  27.  ain 
sele  got  G.  28.  und  alz]  sundirlichc  also  G.  29.  girde  mit  ime  wirt  G. 


15  f.  vgl.  oben  8.  65  Z.  10  ff.  25  f.  vgl.  oben  8. 16  Z.  27  ff. 


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54.  Von  gaischlichetn  leben. 


219 


ding  erfüllen  mag  won  allaine  Got.  und  da  von  spricht  sant  Anshelm: 
'üwer  seien  hat  gedürstet  nach  Got  dem  lebenden  brunnen.  nu  haut  ir  in 
begriffen,  nu  trinkent  also  vil  alz  ir  went  und  also  dik  ir  went,  üch  sol  sin 
niemer  me  gebresten,  und  sol  üch  doch  iemer  dürsten  nach  im.  ir  sont  in 
iemer  eweklich  mit  süsser  girde  niessen,  und  sol  üch  sin  doch  minneklich  ge-  5 
lüsten,  ir  sont  sin  ze  allen  ziten  satt  sin , und  sol  üch  iemer  nach  im 
hungren’.  da  bi  merkent  daz  da  gantzer  frid  ist.  und  ieglicher  engel,  ieg- 
lichü  sele  hat  Got  alz  volleklich  alz  ob  in  nit  won  ainü  hetti.  und  da  von 
[140*/  sprichst  sant  Anshelm:  ‘ain  ieglichü  sei  hat  Got  alz  volleklich  in 
hymelriche  nach  irm  willen  mit  gantzer  wollust  und  nutzet  in  frölich,  swie  ir  io 
girde  geret’.  und  daz  ist  ain  zaichen  dez  frides.  won  da  ist  dü  fröde  ge- 
maine.  si  hant  och  alle  ainen  willen  in  Got:  da  enist  nieman  der  dehainen 
sundern  Sitten  habe,  si  hant  glich  Sitten  alle,  daz  ist  daz  si  Got  alle 

gemainlich  lobent,  Got  minnen,  Got  erkennen,  Got  an  sehen,  daz  si  sin  iemer 
ewklich  gerent,  und  wundrent  sich  an  siner  grossen  wirdekait  und  naigent  15 
sich  denn  under  in  und  lobent  in  iemer  eweklich  mit  wundrung  siner  güti, 
sins  gewaltes,  siner  wisshait,  siner  ewikait  und  siner  grossen  schonhait. 

Daz  dritte  daz  in  hymelrich  ist,  daz  ist  frihait.  wie  sint  si  fry  ? si  sint 
fry  an  alle  betwungenschaft  und  [ 141" ] sint  fries  willen,  si  sint  fry  von  jamer- 
kait  libes  und  mütes.  si  sint  fry  von  allen  sorgen  und  von  allem  laide.  si  20 
minnent  nit  won  Gotte;  da  von  hant  si  nit  jamers  won  nach  Gotte,  der  ist 
ir  minnendes  liep,  an  den  harrt  si  alle  ir  minne,  alle  ir  girde,  alle  ir  krefte 
und  alle  ir  sinne  gar  geleit,  si  gerent  nit  won  dez  si  hant;  si  hant  och  nit 
won  dez  si  gerent.  allez  daz  da  ist,  daz  ist  da  liep;  swaz  da  nit  enist,  dez 
engert  och  nieman  nit.  also  sprichet  sant  Augustinus:  ‘ze  hymelrich  ist  enhain  25 
ding  dez  ieman  verdriessi;  da  gebristet  öch  enhains  dinges  daz  ieman  ge- 
lüste’. hymelrich  ist  ain  lant  der  fryhait:  si  sint  fry  vor  aller  arbait,  von 
allem  kumber  und  kurtzlich  von  allem  übel  die  iemer  mentschen  berüren  mu- 
gent  in  disem  tätlichen  übe,  der  sint  si  gar  [14V]  fry.  si  sint  och  fry  von 
schulden,  baidü  von  vervarner  und  von  gegenwürtiger  und  von  künftiger,  swaz  30 
si  aber  wider  Got  ie  getatent,  dez  sint  si  gar  luterlich  fry,  daz  si  reht  mit 
fryer  durch  gesiht  mit  wundrung  sint  gesterket  und  gesenket  in  den  göt- 

3.  alz  fehlt  G.  4.  im]  gotte  . deine  lebinden  brunnen  G.  5.  doch  fehlt  G.  6 f sol  — 
da  bi]  doch  hungirc  sin  nah  gotte  . der  der  engil  spiegil  ist . Da  bi  so  G.  7.  und]  wan  besser  G. 

8.  also  gänzliche  vndc  also  v.  G.  9 f.  got  nah  ir  w,  in  h.  mit  g.  G.  11.  und]  vnde 
als  si  ain  lebin  da  bet  zebeiibinne  cwicliche  . also  irkennet  si  in  senfticliche  .vnde  rflwet  an  ime 
vro’liehe  . Dar  an  mugint  ir  abir  vride  merckin  . wan  swa  vnfride  ist  . da  enmach  wedir  rftwe 
noh  vride  sin  . daz  siv  denne  vro'de  vnde  rflwe  hat  in  gotte  G.  12.  enist  o'ch  n.  G. 

13.  hant  alle  g.  s.  daz  G.  14.  minnft  G.  irkennent . vndc  g.  an  sehint . vndc  daz  G.  15.  einer 
ivbirm«ezsigun  schonhait . vnde  an  siner  gr.  G.  16.  under]  widir  G.  18  f.  si  s.  fr)'  fehlt  ,1. 

19  f.  von  allir  i.  G.  20.  vor  a.  s.  vor  a.  I.  vnde  von  allir  iamirchait  G.  21.  minet  A. 

gotte»  G.  nit  j.]  o'ch  enhain  iamir  G.  22.  hat  A.  23.  geleit]  bekert  G.  25.  nit] 
da  G.  26.  daz]  dez  G.  27.  b.  daz  ist  G.  vor]  von  G.  28  f.  allem  ü.  — mugent]  allir 
der  iamirchait  . d.  i.  dehainin  m.  betrfibin  mach  G.  SO.  virvamen  . vnde  o’ch  v.  gcginwrtigen 
vnde  v.  kivnftigcn  G.  31.  aber  fehlt  G.  32.  u.  gesenket  fehlt  G.  deme  G. 


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220 


54.  Von  gaischlichem  leben. 


liehen  Spiegel  und  erkennent  in  Got  all  creatur.  dü  minst  sei  du  in  hymel- 
rich  ist,  dü  ist  wiser  denn  all  die  maister  die  ie  ze  Parys  gelasent;  won 
ain  ieglichü  sei  erkennet  Got  in  im  selben  und  ir  selbes  nature  in  Got,  daz 
ist  wol  ain  fryü  durch  gesiht,  dü  in  Got  zaiget  allü  ding,  sant  Anshelm 
5 sprichet:  ‘daz  ist  ain  frilichü  angesiht  Got  frilich  sehen  in  im  selber  und 
in  Got  sehen  mentschlich  nature  und  Got  sehen  in  der  sele  mit  sAlger 
vröde  und  mit  frölicher  süsskait’.  da  blibent  si  in  frilicher  sicherhait,  daz 
si  niemer  enhain  sünde  noch  dehain  schulde  von  Got  geschaiden  1141’]  mag 
Daz  vierde  ist  minue.  hymelrich  ist  daz  minnent  laut;  swer  minnen 
io  wil,  der  kome  dar!  da  minnet  man  in  im  selben  und  durch  sich  selben 
ünsern  herren,  da  minnet  ünser  herre  die  sele  herwider  und  denn  die  sele 
sich  selben  durch  in  und  in  im,  da  minnest  du  Allü  ding  durch  in  und  in  im: 
daz  ist  ain  lant  der  minne.  da  ist  so  minnent  richait  daz  da  nieman  arm 
ist  an  fröden  und  an  minnen;  won  dü  minne  ist  da  alz  überflüssig  daz  si 
15  sich  taillet  ainer  ieglichen  sei  sunderlich,  ain  ieglichü  sei  zerspraiget  ir  Ion. 
ir  fröde,  ir  minne  über  allez  hymelrich,  daz  sich  ain  ieglichü  sei  mit  ir 
fröwet  an  irem  sunderlichen  lone.  also  sprichet  sant  Augustinus,  da  er  da 
schribet  von  der  hymelschen  statt:  ‘iu  der  hymelschen  statt',  sprichet  er,  ‘ist 
dü  rieh  minne:  da  enmag  enhain  sele  mit  aiynes  behalten;  ain  ieglichü  git 
20  ir  Ion  allem  hymelschen  her,  [141*]  ieglicher  sunderlich,  und  dü  selb  minne 
bringet  hin  wider  der  sele  ze  fröde  und  ze  wunne  aller  engel  fröde  und  aller 
mentschen  Ion’,  sit  daz  also  ist,  so  merkent  daz  aller  mentschen  Ion  ist  aines 
ieglichen  sunderlich,  und  ains  ieglichen  sunderlicher  Ion  ist  ir  aller  gemaine. 
da  ist  lutrü  minne  An  nid,  won  ain  ieglichü  sei  vröwet  sich  der  andren 
25  vröde  und  ir  wirdekait  relit  alz  der  iren.  und  Allü  dü  minne  dü  da  ist 
dü  ist  Allü  in  Got  und  mit  Got.  nu  merkent  wie  daz  si:  allez  daz  si  sehent, 
und  allez  daz  si  erkennent,  daz  zaiget  in  allez  der  hymelsche  glantz,  und 
sehent  ez  in  siner  luterkait  und  minnent  in  denne  durch  sich  selben,  durch 
sinen  wunderlichen  gewalt  und  durch  sin  groz  wisshait  und  durch  sin  groz 
30  frihait  / 142 "]  und  durch  sin  fri  güti,  durch  sin  schonhait,  durch  sine  süsse- 
kait,  durch  sin  ewekait  und  durch  sin  wunderlichen  herschaft,  und  lobent 
denn  sin  groz  wirdekait  und  wundrent  sich  des  grossen  Wunders  dez  si  an 
Got  sehent  und  an  im  erkennent. 


5.  fr.  angesiht]  vrilichir  vnde  ain  wnniclichir  aneblicli  G.  6.  mentschlich)  die  G.  der) 
diner  G.  7.  BÜsskait]  sselichait  G.  fr.  sicherhait]  vrihait  G.  8.  niemer  me  dehaine  sch.  noh 
deh&inp  stinde  G.  geschaiden]  gesundiron  G.  nacA  magl  Da  enpbahint  siv  sichirliche  vrihait 
vor  ailir  iamirchait  G.  9.  Daz  — htmelrich)  Himilriehe  daz  G.  10.  welle  G.  in  einge- 
fügt  A.  11.  (insern  h.  fehlt  G.  unser  h.|  got  G.  sele  fehlt  A.  12.  durch  i.  u.  fehlt  A. 

14.  da  fehlt  G.  15.  zirspereugit  G.  15  f.  Ion  . vnde  ir  minne  . vnde  ir  vro'dc  übir  G.  IS.  spr. 

er  nach  19  minne  G.  19.  enhain  sele)  nieman  G.  ainges  A,  aigines  G.  behabin  G. 
ieglichü]  iegelich  sele  G.  20.  iegelichir  sele  s.  G.  23.  icgelichin  menschin  beidemal  O.  ir  a.  g.) 
gemainliche  ailir  menschin  Ion  . ist  gcmainlichc  ailir  menschon  so  G.  25.  der  iren)  ir  selbir 
wirdichait  G.  29  f.  wisshait  — frihait)  wishait  G.  32.  denn  sin  g.J  in  denne  siner  groz un  G. 

33,  nacA  erkennent)  Sanctus  Augustin?  sprich it . Mirantur : Siv  wndiron  sich  an  gotte  . vnde 


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55.  Von  finser  vroweu. 


221 


[55. ] Ton  unser  vrowen. 

[M'issus  est  angelus  Gabriel  ad  Mariam  virginem  desponsatam  Joseph .] 

Sant  Lucas  lobet  unser  vrowen  an  siben  sunderlichen  tagenden  und 
sprichet:  'es  wart  gesant  ain  engel  von  Gotte,  der  waz  gehaissen  Gabryel,  zü 
ainer  rnägde,  du  waz  gemähelt  ainem  man  der  hiess  Joseph,  in  ainer  statt,  5 
hiez  Nazareth,  und  hiess  du  magt  Maria’. 

Nu  merkent  disü  wort!  zem  ersten  male  ist  si  gelobet  an  rehter 
küschi.  daz  merkent  wir  an  dem  worte  daz  er  si  nemet  ‘ain  magt’.  dar 
über  sprichet  du  glose  daz  si  waz  du  erst  magt  du  Got  ie  iren  [142']  mag- 
tüm  gelobet  und  ir  küschkait  behielt;  da  von  waz  si  dez  wirdig  daz  der  io 
engel  zü  ir  redte.  über  daz  selb  wort  spricht  saut  Jeronimus:  'es  fügt  sich 
harte  wol  daz  der  engel  zü  ir  kam,  won  si  hatte  gemaines  leben  mit  dem 
engel;  won  m&gtlich  leben  ist  über  mentschlich  leben  und  über  mentschlich 
nature’,  sprichet  er,  ‘und  ist  reht  engelsclilich’.  nu  sprichet  sant  Augustinus 
waz  raagtüm  si:  ‘daz  ist  rehter  magtürn’,  sprichet  er,  ‘der  verselwet  nie  wart  15 
mit  dekainer  unkünschi  an  girde,  an  willen  noch  an  werchen,  und  och  dar  an 
stüten  willen  han  ze  blibenn  untz  an  den  tot.  es  ist  vil  mägde  die  von  der 
weit  mägde  sint,  und  enphahent  doch  der  mägde  Ion  niemer,  daz  ist  allain 
rehter  magtüm  der  an  lib  und  an  willen  künsch  ist  und  dar  an  stät  blibet 
unz  an  den  tot.  und  da  von  won  ünser  vrowe  künsch  waz  an  übe  und  an  20 


in  der  wriderunge  wirt  gebreitet  ir  hercc  . iibir  alliz  himilriche  . Also  spriebit  der  wissage  . Niv 
(I.  Siv)  sehint  got  in  imc  sclbin  . vndc  minnont  in  durh  sich  selbin  . vnde  lobont  in  an  ime  selbin  . 
vnde  wnderon  sich  denne  an  der  wndirlichnn  herschaft  . die  siv  an  ime  irkcnnent  . vndc  denne 
wirt  gebreitet  ir  hcrce  . vndc  von  der  vnmtezsigun  güti  gottes  minnent  siv  got  . vnde  ingotte 
elliv  dineh  . wan  siv  irkcnnent  daz  elliv  göti  in  gotte  vnde  uon  gottc  vlnzzet  . vH  also  wirt  ge- 
breitet ir  herce  in  der  ewigun  minne  G Z. 

1.  l’brrschrift  fehlt  G,  Pise  wort  sp'chit  s.  lucas  von  vnser  vrowen  (rot)  Z,  Van  vns  hcren 
boitschaff  ind  vnser  vrouwen  Phill.  2.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  3.  Sant  L.)  Alsns  scribit  Lucas 
an  deme  ewangelio  . vnde  GZ.  3 f.  und  — engel]  Kr  sprach  ain  engil  w.  g G.  4.  zfl  — 6 Na- 
zareth] zeainir  stat  div  h.  n.  vnde  kan  zainir  megide  div  w.  g.  a.  m.  d.  h.  ioseph  G.  1.  zem  — 
aij  Vnsir  liebiv  vrowe  div  ist  zemerst  G.  ain  .1.  8.  wir  fehlt  G.  si  fehlt  G.  9.  daz 

fehlt  G.  10.  vnde  div  ir  G.  dez  fehlt  G.  11.  zü]  zir  wart  gesant  . vnde  mit  G. 

12  f.  mit  dien  engiln  G.  14.  eng.  lebin  . vnde  swer  rehte  küscbiclicbc  lebet  vffen  deme  ertricbe 
in  magctJichimc  lebinnc  . der  ist  sippe  spriebit  er  den  engiln  in  himilriche  . vfl  hain  rehte  aine 
nivftilachaft  zain  andir  . dur  die  gelicbi  dez  lebinnes  an  deme  magitAme  G.  15.  spr.  er  . In  aime 
zirganclichime  übe  der  nie  virwertzalot  w.  G.  17.  het  G.  tot  . daz  ist  rehte  magitün  spri- 
chit  er . Ez  G.  von]  vor  G.  18.  ist  allain]  aingun  G.  19.  an  deme  I.  n.  an  deme  w.  <5. 

blibet]  wil  beliben  G.  20.  tot  . daz  erz  niemir  wil  virwandilon  . sprichit  er . Vndc  G. 
vt.  künsch]  liebiv  vr.  ain  kivschiv  vnde  ain  rainiv  inaget  G. 


1.  Das  Stück  findet  »ich  in  G B l . 64 d,  Z Bl.  76‘,  Phill.  Bl.  145»,  H Sr.  13;  fehlt  in  IV,  S, 
Arundel.  — Vgl.  dazu  Cod.  Pal.  germ.  24  ( Predigten  Bertholds  c.  Regentburg)  Bl.  230h  der  Heidel- 
berger l'nirersitätsbibliothek  (Bartsch  Sr.  18)  und  die  betreffenden  Predigten  in  Ht.  Sr.  955  der 
Stiftsbibi,  zu  St.  Gallen.  2.  Luc.  1,  27.  13  f.  vgl.  oben  S.  111  Z.  5f. 


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222 


55.  Von  (unter  vrowen. 


hertzen  und  och  dar  [142']  an  stAt  wolt  bliben  untz  an  den  tot,  da  von 
waz  si  wirdig  daz  der  engel  zü  ir  wurd  gesant.  nn  sprichet  Beda:  ‘es  füget 
sich  wol  und  waz  och  billich,  won  ain  engel  zem  ersten  den  val  geriet’  — 
da  nemmet  er  den  tüvel  ain  engel  da  von  won  er  ain  engel  waz  und  engel 
5 nature  hatte,  won  der  engel  und  der  tüvel  hant  glich  nature,  — und  da  von 
so  sprichet  er:  ‘won  ain  engel  den  ersten  val  geriet  der  mägde  in  dem  para- 
dyse,  vron  Even,  du  noch  do  magt  waz,  dar  umb  füget  ez  sich  wol  daz  och 
ain  engel  zü  der  mAgde  wurdi  gesant  von  der  Got  wolt  geboren  werden, 
sit  sich  ünser  unhail  an  hup  von  dem  bösen  engel’,  sprichet  er,  ‘der  ünsern 
io  val  geriet,  so  waz  och  billich  daz  ünser  erlösung  gekündet  wurde  von  aim 
engel’. 

Zü  dem  andern  male  ist  si  gelopt  dar  an  daz  si  wol  behüt  waz.  daz 
merkent  wir  dar  an  daz  er  [142* ] sprichet  daz  der  engel  in  gie.  daz  ist 

ain  zaichen  daz  er  si  inne  vant,  und  nit  au  der  strasse  noch  an  dem  velde. 
15  her  über  spricht  dü  gloze:  'er  vant  si  aine,  und  swer  sich  wol  behüten 
welle,  der  sol  an  der  aini  sin  und  sol  gerne  inne  sin  und  sol  nit  uzfündig 
sin*,  nu  spricht  ain  ander  lerer  über  daz  wort:  ‘won  si  Got  ir  magtnm 
hatte  gelobt  und  ir  künschi,  da  von  fügt  ez  sich  wol  daz  si  sich  in  hüt 

hetti.  und  swer  künsch  wil  bliben’,  sprichet  er,  ‘an  libe  und  an  hertzen, 
20  der  müz  sich  ze  allen  ziten  in  hüte  han,  sin  gesiht,  sin  gehörde  und  alle  sin 

sinne;  won  swenne  der  mentsch  uz  der  hüte  kumet,  so  mag  er  vil  lihte  sine 

künschi  verlieren’,  und  da  bi  sol  ain  ieglich  mentsch  geleret  sin  daz  künsch 
wil  sin,  daz  ez  sich  ze  allen  ziten  in  hüte  habe  und  gern  inne  an  der  aini 
si;  won  swer  vil  [143°]  uz  wil  gelöfen  mit  dem  libe  und  mit  den 
25  sinnen,  der  mag  wol  sin  rainkait  verlieren,  man  liset  in  Genesi  von  hern 

Jacobs  tohter,  dü  waz  usfündig,  und  gesach  si  ze  ainem  mal  ain  herre  und 
kripfte  si  und  benam  ir  ir  künschi.  intrüwen,  daz  geschiht  noch  vil  dike  den 
lüten  die  gern  usfündig  sint  und  ir  selbes  nit  went  hüten,  die  verlierent  ir 
künschkait,  und  nit  allaine  ir  künschi,  si  verlierent  och  alle  ir  tugent  und 
so  dar  umb  sont  ir  lüte  ze  allen  ziten  üch  in  hüte  haben,  die  künsche  went 
beliben!  also  sprichet  sant  Bernhart  von  ünser  lieben  vrowen:  ‘won  si  künsche 


1.  hertzen]  willen  G.  2.  spr.  sanctus  B.  G.  fügeti  G.  3.  och  fehlt  G.  4.  n.  er]  nem- 
mint  ir  G.  Af.  engil»  nature  G.  6.  so  fehlt  G.  7.  vron  — waz]  wan  eua  waz  noh  do 
maget  do  si  vzsir  dem  paradyse  uirstozin  wart . vnde  da  uon  sprichit  er  . wände  ain  engil  zemerst 
den  ersten  nal  geriet  G.  ez  fehlt  G.  8.  wolt  geboren  wolt  w'den  A.  tO.  ist  G.  12.  Zu- 
dar an]  Div  andir  tugint  dar  an  si  g.  ist . daz  ist  G.  13.  wir  — spr.)  an  deme  worte  . daz  Incaa 

scribot  in  deme  owangelio  G.  17.  ander  fehlt  G.  daz  selbe  w.  G.  18.  fflgete  sich  harte 

wol  dar  zü  daz  G.  19.  und  swer]  Wan  swer  G.  21.  sino]  die  G.  22.  virliesin  . spehi; 
er . vnde  G.  sol  zweimal  A.  23.  sin]  beliben  G.  24  f.  deme  sinne  G.  26.  waz  gerne 
vzf.  G.  26  f.  ze  — kripfte]  der  kdnich  . vnde  zuhte  G.  28.  gern  fehlt  G.  29.  si  — und 
swer  ane  hüte  lebit  . der  virlöret  alle  gnade  . Wan  G.  30  ir  — beliben]  die  livte  die  gerne 
k.  w.  b.  die  sun  sich  zallir  zite  in  häte  ban  vliziciiche  han  . an  allirne  ir  lebinne  G. 


25  f.  Gm.  34, 1.  3,  vgl.  oben  S.  181  Z.  28  f. 


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55.  Von  unser  vrowen. 


223 


waz  und  dar  an  och  willen  hatte  stäte  ze  blibenne,  da  von  waz  si  och 
gerne  inne  daz  si  sich  wol  und  rainklich  behüten  möhti’.  und  da  mit  hat 
si  alle  die  geleret  und  inen  ain  form  vor  getragen  der  künschi  die  och  ir 
künsch/i43*/kait  went  behalten  unverwierret 

Daz  dritte  dar  an  unser  vrowe  gelobet  ist,  daz  ist  daz  si  erfüllet  ist  5 
mit  der  gütlichen  gnade,  daz  merkent  wir  an  dem  worte  daz  der  engel 

sprach:  ‘Got  halt  dich  vol  der  gnaden,  Got  ist  mit  dir,  du  bist  gesegnot 

über  all  vrowen’.  über  daz  wort  sprichet  sant  Jeronimus:  ‘der  engel  sprach 
harte  wol  daz  si  vol  gnaden  wäre,  won  si  wart  erfüllet  mit  aller  der  gnade 
die  Got  hatte,  won  dü  flöz  sament  in  si  daz  si  gar  überfüllet  wart,  daz  si  io 
reht  über  flöz,  won  si  moht  ir  nit  enthalten’,  man  liset  von  sant  Stephan  und 
von  andren  sümlichen  hailgen  daz  si  vol  gnaden  warent,  aber  ünser  vrowe 
dü  wart  volklicher  erfüllet  mit  der  gnade  Gottes  denn  ie  kain  mentsch  an 
Jhesum  Christum  ir  sun.  also  sprichet  ünser  herre  durch  dez  wissagen  munt 

Ysaye:  'ich  wil  den  grossen  bach  der  gnaden  in  si  giessen  und  wil  [143‘]  15 

si  überfüllen  alz  grosslich  daz  si  reht  allenthalben  über  swaifet’.  so  spricht 
sant  Bernhart:  ‘si  ist  ain  käner  und  ain  runs  aller  gnaden’,  si  laitet  dez 
hymelschen  vatters  gnade  zü  üns;  won  e si  mit  der  gnade  erfüllet  wart,  e 
enmoht  enkain  mentsche  zü  der  gnade  körnen,  nu  ist  dü  gnade  her  zü  üns 
durch  den  kAnel  gelaitet,  nu  sprichet  sant  Bernhart:  ‘swie  Maria  e schön  und  20 
rain  waz  e si  die  gnade  reht  enphieng,  doch  wart  si  dar  nach  schöner  und 
rainner,  reht’,  spricht  er,  ‘alz  die  wisse  w'olle  da  man  scharlat  und  pheller  us 
machet,  dü  wirt  von  der  edli  der  varwe  alz  edel  daz  si  iren  namen  und 
ir  nature  verlöret,  daz  si  nieman  me  nemt  wolle  won  pheller.  also  wart  och 
Maria’,  sprichet  er,  ‘von  der  edli  der  gnaden  und  der  überflüssi  dü  in  si  25 
gossen  wart,  über  mentschlich  natur  erhaben,  swie  si  doch  e künsch  und  rain 
waz,  won  si  wart  gehailget  in  ir  [ 143 *]  müter  übe.  do  si  aber  mit  der  güt- 
lichen gnade  wart  durch  gegossen,  do  verloz  si  mentschlich  nature.’ 

I.  dar  an  fehlt  G.  stite)  küsche  G.  da  von]  dar  umbc  G.  3.  alle  die  livtc  g.  vnde 
het  in  G.  3 f.  die  och  — unverwierret]  allen  dien  . die  ir  raagetün  wen  behalten  vnvirwert- 
salot  . die  sun  gerne  inne  ain  . daz  aiv  ir  aelbin  mügin  gephlegin  . an  allen  ir  Bitten  G.  6.  wir 
fehlt  G.  den  Worten  daz  G.  7.  vor  Got]  Aue  gratia  plena  G.  9.  vol  der  gnaden  G. 

10.  won  d.  flfizl  div  gnade  sprichit  er  vloz  rchto  ß.  ai  so  gar  ü.  G.  10  f.  si  reht]  div  gnade  G. 

11.  won  — ir]  ai  enmahte  si  G.  11  f.  vnde  och  von  s.  h.  andiren  G.  13.  vollicliche  G. 

Gottes  fehlt  G.  15.  u.  wil]  vnde  enwil  si  niht  allaine  erfüllin  mit  der  gnade  . ich  wil  G. 

16.  reht]  in  G.  17.  kenel  G.  17  f.  si  laitet  — won]  vnde  ist  ain  kenel  der  dez  himilschin 

vatirs  gnade  zü  üns  laiten  so!  . wan  vor  deine  zite  G.  IS.  wrde  G.  19.  enkain]  nie  G. 
ze  den  gnaden  G.  19  f.  gnade  dar  den  k.  g.  her  zü  vns  . wan  si  ist  der  übir  vliezinde  kenel 
der  her  züns  vliezin  sol  G.  20  f.  vnde  wiz  vnde  raine  G.  21  f.  doch  — reht  fehlt  G. 

22.  phellol  G,  ebenso  24.  24.  me  n.  w.  won]  nemmlt  w.  niht  wan  G.  volle  A.  och 

fehlt  G.  25.  spr.  er  fehlt  G.  übirvluzsi  der  gnadon  . div  G.  26.  wart . von  der  wart  si  rehte 
übir  G.  doch  fehlt  G.  27  f.  do  — nature]  vnde  doch  sprichit  er  . swie  reine  si  e waz  . so 
wart  ai  doch  do  also  übir  gozsin . mit  der  gotlichun  gnade  daz  si  menschliche  nature  virlor . alsc 
gr oz  übirkraft  wart  in  si  gegozsin  . von  der  gotlichun  gnade  G. 

I I.  Act.  6,  8.  15.  im  Anschluß  an  Isai.  66, 12. 


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224 


55.  Von  ünser  vrowen. 


Daz  vierde  dar  an  si  gelobt  ist,  daz  ist  frowlichü  und  kintlichü 

schäm,  her  über  spricht  sant  Jeronimus  daz  si  nie  füstrit  gegie  an  mägtlich 

schäm,  da  mit  hat  si  alle  mägde  geleret  daz  si  habent  schäme,  won  ez  ge- 
zimet  harte  wol  vrowen  und  aber  sunderlich  mägden  daz  si  habent  kint- 

5 lieh  schäme,  ez  ist  ainer  vrowen  höhstes  lob  daz  si  vrowlich  gebärde  hab 

und  mägtlich  zuht.  ain  wiser  haiden,  Seneca,  der  sprichet:  'verlassenhait 
und  lob  mugent  nit  sament  sin',  swer  denn  gern  sehi  daz  man  in  lobe,  der 
flisse  sich  vrowlicher  schäm,  da  mit  zieret  er  sich  vor  Got  und  vor  den 
luten,  alz  unser  vrowe  ist  irre  magtlicher  schäm  gelopt  vor  den  luten  in 

io  ert/ 144“ /riche  und  geeret  vor  Got  in  hjunelriche  und  ist  ain  bilder  und  ain 
Spiegel  aller  mägde. 

Daz  fünfte  dar  an  si  gelobt  ist,  daz  Ist  daz  si  flisseklich  gedaht  waz 
grüsses  daz  wäre  den  ir  der  engel  brahte.  der  engel  erschain  ir  in  aines 
mannes  bilde  und  erschrak  si.  dar  über  spricht  sant  Bemhart:  'si  waz  also 
15  güter  und  also  rainer  ainvaltkait  daz  si  sich  nit  wirdig  dünkte  daz  ain  engel 
mit  ir  redte,  und  doch  waz  si  also  wise  daz  si  daz  fürdahte  ob  si  der 

bös  engel  trüge’,  und  da  mit  leret  si  üns  daz  wir  war  sont  nemen  wer 
üns  grütze  und  waz  grüsses  es  si,  ob  er  engelschlich  si  oder  tüvellich,  oder 
ob  er  ze  gute  oder  ze  übel  kome;  und  sol  der  mentsche  dis  witzeklich 
20  merken,  daz  er  nit  betrogen  werde,  er  spricht  Geh  daz  ünser  vrowe  alz  güter 
ainvaltkait  wäre  daz  si  sich  [144*]  nit  wirdig  dünkte  daz  ain  engel  mit  ir 
redti.  nu  sint  sümlich  lüte  die  dunkent  sich  wol  wirdig  daz  si  joch  reden 
soltent  mit  Gotte,  daz  ist  ain  tumplich  sin;  won  also  getanü  hailikait  ist 
vil  trugenlich,  der  mentsch  mag  vil  lihte  dar  an  betrogen  werden,  intrüwen. 
25  die  sölicher  gnaden  gerent,  die  sont  gedenken  an  ünser  lieben  vrowen,  die 

sich  dez  nit  wirdig  dünkte  daz  ain  engel  mit  ir  redti.  und  daz  sont  ir 

wissen  daz  vil  mänig  mentsch  vil  liailig  ist  vor  Gotte  dem  doch  so  getaner 
gnaden  nie  nüt  widerfür,  alz  dem  dem  vil  dinges  widervert.  söliche  gnade 

git  Got  nit  durch  sunderlich  hailikait;  ez  geschiht  da  von  daz  ünser  herr 
3n  wol  waiz  waz  sich  aim  ieglichen  mentschen  füget:  aim  füget  bitterkait,  dem 

andern  süssekait.  swaz  denn  Got  waiss  daz  aim  ieglichen  aller  best  füget  und 
im  aller  nützest  ist  an  siner  [144c]  sele,  daz  git  er  im.  und  gert  joch  der 

mentsch  von  siner  un witze  ains  andren,  so  git  im  doch  Got  nit  won  daz 

1.  frülichü  A,  vro’wiclichiv  G.  2.  si  fehlt  fälscltlich  G.  4 f.  kiotlicb]  kusche  G.  6.  hai- 
din  haizit  b.  G.  9.  vrowe  . div  ist  G.  9 f.  in  ertr.  fehlt  G.  10  f.  gerat  in  himilriche  . vnde 
in  eitricbo  . rndc  ist  rehte  ain  sp.  u.  ain  bilder  a.  m.  G.  12.  dar  — flisseklich)  ist  . dax  si  so 
wizlichc  G.  14.  erschr.  si]  daz  liset  man  von  ir  daz  si  irschrach  . von  dez  mannes  bilde  G. 

IS.  und)  aide  G.  oder  t]  aide  ob  er  t.  si  G.  19.  wizlicbe  G.  20.  er  spr.]  So  spr.  er  G. 

21.  waz  G.  22/'.  joch  — Gotte)  mit  dien  engiln  rcttln  . vnde  mit  unsirre  vrown  . vnde 
mit  vnsirme  herren  G.  23.  h.  div  ist  G.  24.  tr.  wan  der  m.  G.  26.  dez  fehlt  G. 

27.  vil  minig)  manich  G.  hailigir  G.  doch  fehlt  G.  28.  gnaden]  bailichait  G.  alz  dein) 
denne  der  G.  SO.  a.  füget  wol  bittirehait  G.  30  f.  dem  a.  s.  fehlt  A.  31.  aim  iegi.)  das 
inenschin  iegelichime  G.  31  f.  vnde  daz  ime  allir  best  vnde  a.  n.  G.  33.  git  — 225, 1 n.  ist) 
kert  doh  sin  girdc  vnde  sin  bette  an  daz  dincb  . daz  ime  nivtze  ist  ingegin  himilriche  G. 


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55.  Von  unser  vrowen. 


225 


aller  nützost  ist.  also  spricht  sant  Bernhart:  ‘Got  ist  ain  fürsprech  in  dem 
gebette,  und  swaz  der  mentsch  nit  gebittet  noch  gegeren  kan,  daz  versiht 
unser  herre  und  git  im  daz  im  aller  beste  kumet’.  also  spricht  ain  hailge: 
‘der  mentsch  bittet,  unser  herre  gedenket,’  rebt  alz  er  spräche:  der  mentsch 
bittet  und  waiss  doch  nit  waz  im  nütz  ist,  so  gedenket  ünser  herre  waz  im  5 
aller  nützest  und  best  ist,  und  keret  sin  bette  dar  an  und  git  im  daz.  dis 
han  ich  alles  dar  umb  gesprochen  daz  der  mentsch  dar  umb  nit  verzagen  sol 
ob  im  Got  enhain  süskait  git  oder  im  nit  tögenlieher  ding  oget:  dü  hailkait 
enlit  dar  an  nit.  sant  Gregorius  sprichet  daz  daz  allain  ist  ain  zaichen 
rehter  hailkait  vor  Gotte  der  rehte  tugentlich  und  rainklich  lebet  und  sich,  tu 
flisset  tugent  ze  übenne  [144*]  in  allen  sinen  werchen.  und  dez  sol  och 
der  mentsch  geren  und  Got  bitten  tugend  und  giites  lebens  und  daz  er 
in  behüti  vor  Sünden. 

Daz  sehste  dar  au  ünser  liebü  vrowe  gelopt  ist,  daz  ist  demütkait.  daz 
merkent  wir  an  dem  wort  daz  si  sprach  wider  den  engel:  ‘ich  bin  ünsers  15 
herren  dirne’.  an  dem  wort  merkent  groz  demütkait,  daz  si  sich  nante  ain 

dirnen  und  nit  ain  mftter  noch  ain  gemahel  Gottes,  si  möliti  wol  han  ge- 

sprochen: ‘ich  w'il  gern  ain  müter  Gottes  werden’,  so  hetti  si  doch  nit  miss- 
redet; da  sprach  si  nit  won  ‘ich  bin  ünsers  herren  dirne'.  hie  mit  hat  si  üns 
geleret  daz  Och  wir  sont  demütig  sin;  won  alz  vil  der  mentsch  sich  uff  20 

ertrich  nidert  durch  Got,  alz  vil  erhöhet  in  ünser  herre  in  hymelrich.  er 

sol  sich  nit  allaine  demütigen  so  man  in  versmahct,  er  sol  sich  och  de- 
mütigen so  man  in  eret.  sant  Bernhart  sprichet:  [145‘]  ‘ez  ist  nit  ain  groz 
ding  daz  sich  der  mentsch  demütet  so  man  in  versmahet,  daz  ist  rehtü  de- 
mütkait daz  sich  der  mentsch  demütget  so  man  in  eret  und  höhet’,  swer  25 
die  gnade  welle  erwerben  und  behalten,  der  Hisse  sich  nit  won  demütkait; 
won  swa  Got  ain  demütig  hertze  siht,  da  güsset  er  die  gnade  in.  also 
spricht  sant  Bernhart:  ‘demütkait  und  gnade  hant  reht  ain  gumpanye  und  ain 
hainlichü  zü  enander,  si  enmugent  niena  an  enander  sin:  swa  rehtü  demüt- 
kait ist,  da  ist  och  dü  gnade’,  sit  wir  nu  mit  demütkait  die  gnade  mugent  so 
erw’erben,  swer  denn  die  gnade  welle  enphahen,  der  flissi  sich  demütkait,  won 
enhain  ding  minnet  Got  so  sere  so  rehtü  demütkait.  dez  hant  wir  urkünde  an 
ünser  vrowen;  dü  twang  mit  ir  demütkait  Got  [145"]  daz  er  mentsch  wart, 
sit  wir  nu  dis  bilde  und  die  lere  der  demütkait  han  an  ünser  vrowen  und 
an  unsrem  herren,  so  sont  wir  üns  flissen  demütkait.  ünser  herre  spricht  in  »5 


1.  fursprech]  vrsprunch  G.  2.  gcbitten  G.  4.  als  ob  er  G.  5.  ime  allir  nutz  G. 

6.  nützest  und  fehlt  G.  7.  mensche  niht  virzagen  G.  10.  rehte  fehlt  G.  11.  tugent 
ze  6.]  daz  er  t.  vbit  G.  und)  daz  ist  sprichit  er  rehtü  haliiehait  vor  gotte  G.  15.  wir 
fehlt  G.  daz  — engel]  ais  si  deine  engil  antwrte  G.  16  f nante  — Gottes)  seibin  niht  wolte 

netnmin  ainc  mörir  gottis  aide  a.  gcmahilun  gottes . niht  wan  deine  niderosten  dem  si  vant . deine 
geliebte  si  sich  G.  IS.  ain  m.  G.)  vnsirs  herren  mütir  G.  19  f.  hat  — sin]  sin  wir  abir  g. 
daz  war  och  d.  sun  sin  G.  21.  er]  Der  mensche  G.  22.  nit  — sol  sich  fehlt  A.  32.  minnet) 
twingot  G.  34.  der]  vndc  die  G.  bain  . beidiv  an  G. 

Deutsche  Texte  des  Mittelalters-  X.  15 


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226 


55.  Von  unser  vrowen. 


dem  ewangelio:  ‘lernent  bi  mir  demütkait  und  daz  ich  senftes  und  miltes  hertzen 
bin.’  wir  mugent  gerne  bilde  und  lere  nemen  ab  ünserm  herren,  won  er  ist 
ain  bilder  und  ain  spiegel  aller  tugent  und  aller  s&likait.  swenne  denn  ain 
mentsch  gedenket  an  sin  demütkait,  daz  er  sinen  knehten  ir  fasse  wolte 

5 wischen,  so  mag  sich  ain  kranker  mentsch  wol  genaigen  daz  er  aim 
andern  undertänig  si  durch  den  der  sich  durch  ünsern  willen  naigte  under 
sin  knehte. 

Daz  sibende  dar  an  unser  vrowe  gelobt  ist,  daz  ist  an  durnähtiger 

gehorsam!  daz  merkent  wir  dar  an  daz  si  sprach  zü  dem  engel:  ‘nach 
l«  dinem  willen  geschehe  mir!’  an  dem  worte  so  naigte  si  irn  willen.  [145‘] 
nu  sprichet  sant  Bernhart:  ‘durnähtigü  gehorsami  sol  umbeschaiden  sin,  daz 
der  mentsch  nit  gedenke:  war  zü  ist  dis  güt  oder  wäre  dis  besser  oder 

ain  anders,  oder  war  zü  haisset  man  dich  dis,  ain  anders  wäri  besser.’ 
dez  ensol  der  mentsch  nit  betraliten,  er  sol  ainvaltklick  und  demütklich  ge- 
15  horsam  sin  und  lihteklich  tün  daz  man  in  haisset.  daz  hat  uns  geleret  unser 
vrowe;  du  waz  ainvaltklich  gehorsam,  und  durch  die  grossen  demütkait  wolt 
si  niht  die  gehorsami  lassen,  und  da  mit  leret  si  uns  reht  gehorsam  sin.  nu 
sint  etlich  lüt  alz  demütig  daz  si  von  demütkait  ungehorsam  werdent:  ob 
man  ainen  brüder  zü  ainem  amptman  erwelt,  so  wil  er  alz  demütig 
20  sin  daz  er  sich  der  eren  alz  vast  wert  daz  er  ungehorsam  wirt  dü 

demütkait  ist  böse  dü  den  mentschen  von  Got  schaidet,  ez  ist  niht 
rehtü  demüt.  der  mentsch  [Mo*]  sol  alz  demütig  sin  daz  er  der  gehorsami 
nit  lasse,  also  sprichet  Beda:  ‘daz  ist  ain  gewArü  demütkait  dü  die  gehor- 
sami nit  lat’,  also  waz  unser  liebü  vrow  reht  und  wislich  demütig,  won  si 
52  lie  der  gehorsami  nit.  si  nampte  sich  ain  dirne  Gottes,  dar  an  ogte  si  ir 
demütkait,  won  si  molite  sich  wol  han  genemet  ain  müter  Gottes;  und  doch 
swie  demütig  si  waz,  do  lie  si  doh  der  gehorsami  nit.  si  gab  irn  willen  in 
Gottes  willen  und  naigte  sich  zü  der  gehorsami,  daz  si  Gottes  müter  wolte 
sin.  und  da  von  sprach  si  wider  den  engel:  ‘nach  dinen  Worten  besehe  mir. 
so  ich  wil  gerne  Gotte  gehorsam  sin,  sin  Wille  werd  an  mir  erfüllet’  nu  spricht 
sant  Bernhart  und  redet  mit  ir:  ‘owe  vrowe’,  sprichet  er,  ‘antwfirte  dem 


1.  miltes)  rainis  G.  5.  wischen)  twahin  G.  genaiget  A.  0 f.  wir  — mir)  an  deme 
worte  daz  s.  spr.  Fiat  michi  goenndum  uerbum  tuum  . Nah  dinen  Worten  mfizse  mir  gesellen  G. 

10.  so  fehlt  G.  willin  in  gottes  willen  G.  12  f.  dis  besser  o.  a.  a ] ain  andirs  bezair  G. 

17.  die  fehlt  G.  gehorsam  »in ) gehorsami  G.  19.  ainen  — amptman]  aine  swest  zainir 
priolinvn  aide  zainer  suppriolinvn  G,  dann  fortfahrend  mit  Fern.,  ebenso  Z.  21  f.  ez  — demötj 
si  enist  niht  reht  div  dcmütichait  G.  23.  die  fehlt  G.  24  f.  won  8.  L]  vnde  lie  dar  ombe  G. 

25.  sich  eeibun  G.  27.  doh  fehlt  G.  29.  und  — mir)  vnde  waere  si  do  demütieh  gesin 
ane  gehorsami  . so  hetti  si  von  demfiti  wol  gesprochin  . ich  enbin  nibt  wirdich  daz  ich  gottes 
imltir  werde  . do  haette  si  rehte  demfttichait . vnde  behielt  doch  gehorsami . Do  sprach  si  vil  zuhtic- 
liche  G.  31.  mit  ir]  hin  zir  G.  spr.  er  fehlt  G. 


1.  Matt.  11,  29.  IS  f.  vgl.  S.  147  Z.  16  ff.  31  f.  vgl.  S.  76  Z.  13  ff. 


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55.  Von  Cinser  vrowen. 


227 


engel  und  naige  dinen  willen,  Got  von  [146 “]  hymel  baitet  dir,  die  hailgen 
engel  losent  diner  antwürte ! vrowe,  nu  naige  dinen  willen  in  Gottes 
willen  und  antwürte  dem  engel  gütlich , won  alles  mentschlich  könne  ist 
an  din  gnade  komen!  nu  antwürte  und  löse  allez  mentschlich  könne!  gip 
dinen  willen  in  Gottes  willen  und  enphach  Got  ze  mentschen'.  nu  spricht  5 
ain  ander  lerer  Johannes  Damascenus:  ‘und  enhetti  ünser  vrowe  irn  willen 
in  Gottes  willen  nit  genaiget,  so  enwAre  och  Got  nit  mentsch  worden;  aber 
zü  der  selben  stunde  do  si  daz  wort  gesprach:  “nach  dinen  Worten  geschehe 
mir”,  do  kam  der  liailig  gaist  uff  si  und  erfülte  si  mit  der  gnade  und  be- 
schetwat  si  mit  der  obrosten  tugent  und  rainte  allez  ir  blüt  von  allen  ir  io 
sünden  und  von  aller  ir  krankait  und  schuf  da  ain  kint  von  [146*] 
dem  rainsten  blute  daz  in  irem  lip  waz,  und  fügte  sich  zehant  zu  dem 

kinde  dü  hailig  gothait  und  dü  liailig  sele.  und  an  der  selben  stunde’,  spri- 
chet  er,  ‘da  waz  do  gewArer  Got  und  gewAr  mentsch  und  dü  hailig 

sele,  alz  gewaltig,  alz  wise,  alz  volkomen  an  allen  tugenden,  an  aller  15 
krafte,  alz  er  hüt  in  hymelrich  ist.  intrüwen’,  sprichet  er,  ‘si  enphie  Got 
nit  e si  gehorsam  wart  und  iren  willen  genaigte,  do  fügte  sich  do  erst  Got 

zü  ir  in  mentschlich  nature;  und  enhette  si  irn  willen  nit  so  uf  geben,  so 

wAr  och  Got  nie  mentsch  worden',  nu  spricht  sant  Bernhart  und  redet  mit 
ir;  ‘owe,  vrowe’,  sprichet  er,  ‘bring  für  din  wort!’  reht  alz  er  sprAche:  ‘vrowe,  20 

enphahest  du  dez  Wortes  nit,  so  sint  wir  all  verlorn’.  bi  dem  worte  merkent 

den  sun;  den  nemet  dü  schrift  daz  wort,  also  sprichet  sant  Johannes:  [146 c] 
‘daz  wort  waz  in  dem  angenge’.  daz  angeng  ist  dü  groz  gothait,  die  waz 
ie  An  angenge;  aber  daz  wort  waz  der  sun,  der  waz  in  dem  vatter  An 
angenge.  also  sprichet  der  wissag  von  dem  selben  worte  daz  den  sun  bezai-  25 
chent:  er  sprach:  ‘daz  wort  ist  ze  flaisch  worden’,  da  wissaget  er  diz  groz 
hohzit,  daz  der  sun  ze  mentschen  wart,  dis  wort  wonet  von  angenge  in  des 
vatters  schösse,  nit  alz  daz  kint  in  der  m&ter  schösse,  won  daz  wonet  mit 
swAri;  aber  der  sun  wonet  an  alle  swAri  in  dez  ewigen  vatters  schöz, 

reht  alz  ain  güt  wort  in  dez  mentschen  hertze.  also  redet  aber  sant  Beni-  so 

hart  zü  ir  und  spricht:  '0  vrowe,  enphach  dez  vatters  wort!’  reht  alz  er 
sprAchi:  'vrowe,  enphach  daz  edel  wort  daz  vor  angeng  wonet  in  dez  hymel- 


1.  willen  in  gottcs  willen  . 0 wo  vrowe  aprichit  er  got  von  himilriche  G.  S.  dem 
engel  fehlt  G.  won  fehlt  G.  7.  Vnde  abir  G.  S.  n.  d.  Worten]  fiat  michi  sccun- 
dum  verbum  tuum  . Ich  wil  gehorsam  sin  . n.  di  nein  worte  G.  10  f.  non  allen  slindon  G. 

14.  und  nach  Got  fehlt  G.  17.  willen  ingottes  willen  genaigite  G.  IS.  ao  nach  nit 
fehlt  G.  19.  nie]  niht  G.  20.  ir]  dir  G.  reht  — vrowe]  vnde  enpha  dez  vatirs  wort  . 
r.  als  ob  er  spr.  G.  22.  nemmit  man  d.  w.  in  der  sehr.  G.  nach  Joh.]  In  principio  erat 
uerbum  G.  23.  ror  ist]  daz  G.  24.  wort  daz  waz  G.  v.  än]  v.  vor  G.  26.  vor  er  spr.] 
Verbum  caro  factil  e*t  GZ.  27.  von]  vor  G.  30.  ain]  daz  G.  31.  o fehlt  G.  als 
ob  er  G. 


23.  Joan.  1, 1.  26.  Joan.  1, 14. 


15* 


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228 


55.  Von  unser  vrowen. 


sehen  vatters  schöz!’  daz  wort  waz  per  hailig  snn,  den  si  mit  Got  hatte  ge- 
maine.  ‘owe’,  sprichet  er,  ‘vrowe,  / 146 dJ  gib  ain  zergangklich  wort  umb  daz 
ewig  wort,  fürbring  din  wort  und  enphach  dez  hymelschen  vatters  wort!  nu 
antwürte,  vrowe,  dem  engel  gütlich  und  lös  üns;  won  swie  du  nit  antwürtest, 
s so  sint  wir  verlorn!  nu  fürbring  din  wort  und  enphach  Gottes  sun  zu 

ainem  kinde!’  dis  wort  und  dis  kint  enphie  si  rehte  mit  dem  worte  und 

mit  der  antwürte  daz  si  sprach:  ‘nah  dirn  worte  geschehe  mir!’  da  wart 

daz  hymelsch  wort  ze  flaische,  daz  vor  angeng  wonet  in  dez  vatters  schöz. 
daz  waz  der  tag  allez  ünsers  hailes  und  ain  angeng  aller  ünser  sälikait.  da 

io  wart  erfüllet  daz  der  wissag  Ysayas  hat  gewissaget:  ‘ain  magt  wirt  swanger 

ains  kindes  und  gebirt  ain  sun,  dez  nam  ist  gröz,  er  wirt  gehaissen  Emanuel.’ 
diz  waz  der  groz  tag  daz  Got  wart  mentsche  [147a]  durch  den  mentschen. 
da  wart  och  erfüllet  daz  der  wissag  Jeremyas  gesprochen  hatte  von  dem 

grossen  wunder  daz  ain  un  bewollenü  magt  gebar  ainen  man , maget  wesent 
15  vor  und  nach  unverwert.  daz  warent  nüwü  ding,  daz  wart  sit  noch  e nie 
gesehen  noch  vernomen,  alz  Jeremyas  hat  gesprochen  von  dem  grossen 

wunder:  'Got  wil  nüwü  ding  uff  erde  machen,  ain  maget  sol  umbvahen 

ainen  man  und  sol  in  beschliesen  in  ir  üb',  hie  von  hat  gesprochen  ain 
ander  wissag:  ‘hüt  ist  der  frid  her  nider  komen  und  daz  honig  daz  in  dem 
20  liymel  ze  samen  waz  getragen,  daz  ist  durch  flössen  durch  all  die  weit’,  dis 
wart  allez  erfüllet  an  dem  worte:  ‘flat  michi,  nach  dinen  Worten  geschehe 
mir’,  do  si  dem  engel  antworte,  do  wart  Got  mentsch  durch  {14V' j üns,  und 
also  wart  erfüllet  dez  wissagen  wort. 


1.  wort  daz  waz  G.  hat  G.  2.  Owe  vrowe  spr.  er  g.  G.  4.  dem  engel  fehlt  G. 
lo'ae  alliz  menscblic  könne  . vrowe  wir  ain  alle  virtailit  ze  domo  ewigen  tode  . Owe  vrowe  no 
lo’se  vna  G.  5.  verlorn]  iemir  virdampnot  G.  7.  do  si  spr.  Fiat  miclii  seenndum  uerbu  tun  . 
Nah  d.  w.  irnize  mir  g.  G.  9.  ünser  fehlt  G.  10.  vor  ain]  Ecce  uirgo  concipiet  et  pariet 
filium  G.  15.  vnvirwertsalot  G.  17.  vf  der  erde  G.  19.  hsete  och  gcapr.  G. 

19.  komen]  gestigen  G.  20.  durch  fl.)  gevlozsin  G.  21.  an]  mit  G.  21  f.  nach  — mir; 
seenndum  u’bum  tuum  G.  22.  entwrte  . Mir  geschehe  nah  dinen  Worten  . Do  G.  22  f.  ond 
also]  do  G.  23.  dez]  allir  einer  GZ. 


10  f.  Isai.  7, 14.  13. 17.  Jer.  31,  23.  19.  vgl.  oben  S.  8 9 Z.  2f  im  Ansehlup  an  eia 

Responsorium  in  der  1.  Xoktvm  des  Weihnachtsfestes : „Hodie  nobis  de  coelo  pax  vera  deeccndit, 
hodie  per  totum  mundum  melliflui  facti  sunt  coeli“. 


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56.  Von  finsers  herrcn  Bffart. 


229 


[56. J Ton  unsere  herren  üffart. 

[Videntibus  Ulis  elevatus  est  et  nubes  suscepit  eum  ab  oeulis  eorum.J 

Sant  Lucas  sprächet  in  der  zwelfbotten  büch  von  unsere  herren  uffart 
und  sprächet:  'do  unser  herre  ze  hymel  wolte  varen,  do  gieng  er  mit  sinen 
jungem  uff  ainen  hohen  berg,  hiesse  mons  oliveti , und  für  ze  hymel  ze  5 
ir  angesiht,  und  kam  ain  w iss  er  wolke  und  enphie  in,  und  sahent  mit 
fiaischliehen  ogen  daz  er  gewalteklich  und  herlich  ze  hymel  für,  und  wartent 
si  im  nach’. 

Nu  merkent  daz  er  verre  von  uns  ist  gevaren,  und  da  von  müssent  wir 
ain  lutere  und  ain  vest  oge  han,  wen  wir  im  nach  sehen;  wan  swer  verre  io 
ain  ding  wil  sehen,  der  nutz  vil  luteru  ogen  han:  ze  glicher  wis  müssent 

wir  vil  luterlich  gesehen,  wellent  wir  Got  schowen,  der  alz  verre  von  uns 
ist  gevaren  in  verrü  lant.  dis  luter  oge  da  mit  wir  Got  sont  schowen,  daz 
ist  cristener  gelob,  den  ain  cristen  mentsch  haben  sol.  wir  sont  alle  geloben 
an  ainen  Got,  der  ällü  ding  [147‘]  geschaffen  hat.  wir  sont  Allü  geloben  15 

ain  künftige  leben,  daz  da  gat  nach  disem  lebenn  aintweder  mit  ewiger  not 
oder  mit  ewiger  vröde,  ieglich  mentsch  nach  sinen  werchen.  dirre  gelob 

rainnet  daz  hertze  und  lutert  im  alles  daz  dar  us  daz  bös  ist  und  daz  sünde 
ist,  und  machet  daz  sich  der  mentsche  alweg  Hisset  guter  werche  und  gutes 
lebens  und  die  sünde  ze  midenne,  da  von  daz  er  gelobet  daz  er  lone  20 
enphahen  sol  nach  sinen  werchen.  und  da  von  spricht  sant  Paulus:  'cristen 
gelob  ist  ain  bevahung  der  dinge  die  wir  dingent’,  daz  ist  unser  herre,  won 
er  wil  selbe  ünser  Ion  sin.  und  da  von  sprichet  er  daz  wir  ez  mit  geloben 
bevahent,  won  ez  ist  üns  künftig,  und  mugent  ez  noch  nit  gesehen,  sant 

Paulus  sprichet  daz  wir  nu  ünsern  herren  nit  mugent  gesehen  won  alz  der  25 
durch  ain  glas  oder  durch  ain  nebel  siht,  und  [14?*]  da  von  bedurfent  wir 
wol  daz  wir  ain  starkes  oge  habent  und  ain  lutere:  won  swaz  der  mentsch 
durch  ain  glas  oder  durch  ain  nebel  sehen  sol  und  schowen  wil,  der  müz 
stArkü  und  schönnü  ogen  han.  zu  glicher  wis  müssent  wir  vil  starken  und 
stäten  globen  han,  wellent  wir  Got  nach  sehen  in  daz  verre  lant  da  er  hin  w 


1.  Lherschrift  fehlt  G Z WN,  Vp  viib  hercn  hemelvartz  dach  1‘hill.  2.  Der  lat.  Text 
fehlt  A.  3 f.  Alsus  scribit  lucas  in  actibus  apostolorum  v.  u.  h.  v.  vndc  spr.  also  G Z. 

5.  hiesse  m.]  Montis  G.  fvr  A.  zedeme  hohin  h.  G.  6.  sahin  siv  mit  ir  G.  9.  er  harte 

verre  G.  10  f.  wen  — han  fehlt  A.  16.  daz  d.  g.  fehlt  G.  lebenn]  libc  G.  17  f.  Disiv 
gclo’be  div  r.  G.  18.  im  fehlt  G.  bfis  ist]  drinne  ist  bo'scz  G.  20.  gelobet]  die  gelo’bc 
immc  herren  hat  G.  21  f.  Div  cristenlicbe  gelo’bo  G.  22.  die]  der  G.  vor  daz]  div  dinch 
der  wir  gingen  (/.  dingen)  G.  23.  da  von]  dar  nmbc  G.  ez]  daz  G.  24.  vns  noh  ktinf- 
tich  G.  vor  santl  vnde  dannan  von  mAzin  wirz  bevahin  mit  deine  gclo’bin  . Wan  G.  25.  der 
fehlt  G.  26.  siht  fehlt  G.  28.  sehen  s.  und  fehlt  G.  29  f.  wir  vil  stretin  vndo  vil  starchin 

gel.  G. 


1.  Die  Predigt  findet  sieh  in  G Bl.  69 *,  Z Bl.  8V,  W Bl.  47,  A Bl.  49°,  II  .Vr.  14,  Phill. 
Bl.  175- ; fehlt  Arundel.  2 . Act  1,  9.  21  f.  Hehr.  11,1.  2b.  1.  Cor.  13,  IS. 


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230 


56.  Von  unser»  herren  öffart. 


gevaren  ist,  da  er  nu  uns  ist  verborgen  die  wil  wir  in  disem  libe  sint.  aber 
swenn  wir  von  disem  eilend  geschaident,  so  ist  der  nebel  zergangen. 

Daz  ander  oge  da  mit  wir  Got  nach  sont  sehen,  daz  ist  ain  nf  gerihtes 
oge,  won  er  ist  ob  uns  hohe;  und  da  von  müssent  wir  ain  uf  gerihtes  öge 
5 han,  wellent  wir  in  sehen,  bi  dem  ogen  verstandent  wir  daz  hertze,  wan  in 
disem  libe  mag  nieman  Got  sehen  won  mit  dem  hertzen,  und  da  von  sont 
wir  ain  uf  gerihtes  herze  han,  won  Got  ob  uns  ist  [148*].  der  wissag 
sprichet:  'der  mentsch  sol  daz  hertze  erhöhen,  so  wirt  Got  erhöhet“,  nu  ist 
Got  also  erhöhet,  swie  hoh  der  mentsch  sin  hertze  erhöhet,  so  ist  Got  den- 
li)  noht  höher,  und  so  der  mentsch  ie  höher  stiget  mit  sim  hertzen,  so  Got  ie 

höher  ist.  und  da  von  spricht  er  anders wa:  'herre,  naige  dinen  hymel  und 

kum  herab!“  do  er  so  hohe  uf  gestaig  und  er  sin  hertze  erhöhet,  so  wart 
er  erkennent  daz  Got  so  hoh  ist  daz  in  nieman  begrifen  mag.  und  da  von 
sprach  er:  ‘herre,  naige  dich  her  abe  daz  wir  dich  begrifen  nmgent“;  alz 
15  er  spräche:  herre,  du  bist  so  hohe  daz  nieman  zü  dir  komen  mag,  weder 
engel  noch  hailig  noh  nieman  mag  diner  höhi  ende  ergrifen.  so  der  mentsch 
ie  höher  stiget,  so  Got  ob  im  ie  höher  ist  und  da  von  sprichet  er:  'herre. 

naige  dinen  hohen  gewalt  her  nider,  daz  wir  dich  bevahen  rnugent’.  [148*] 

diz  ist  ain  wunderliche  red,  daz  er  ünserm  herren  mutet  daz  er  sinen  ge- 
» walt  und  sin  höhi  naige  dar  umbe  daz  wir  in  bevahen  mugent  dar  an 
sont  ir  merken  daz  der  wissage  aintweder  wunderlich  oder  unbeschaidenlich 
hat  gegert:  umbeschaidenlich,  daz  er  an  Got  mütet  daz  er  sich  niderti; 
wunderlich,  daz  er  sinen  gewalt  und  sin  wunder  an  im  erkande.  er  gerte 
nit  daz  sich  Got  niderti  an  siner  wirdekait,  och  tut  ez  Got  nit;  er  enwirt 
25  niemer  genidert  noh  gehöhert  an  sim  gewalt,  won  so  wäre  er  wandelbäre. 
dez  enist  er  nit,  er  ist  an  allen  wandel.  wie  naiget  er  sich  denne?  daz 
merkent!  unser  herre  ist  alz  gewaltig  daz  er  sich  groz  und  klain  machet 
swie  er  wil.  und  also  naiget  er  sich  zü  airo  ieglichen  ding  und  erfüllet 
ällü  ding  mit  im  selben,  nit  also  daz  sin  gewalt  genidert  oder  gehöhert 
so  oder  geminret  werde,  er  naiget  sich  also  [148'J  daz  er  sinen  gewalt 
oget  dar  an  daz  er  sich  klaine  und  groz  machet  aim  ieglichen  ding  dar 
nach  alz  vil  ez  sin  enphahen  mag.  und  da  von  sprichet  sant  Paulus: 


1.  da  ist  er  vns  nu  virb.  G.  2.  geschatden  werdin  G.  5.  in  s.)  got  schowin  G.  6.  da 
von)  dar  umbo  G.  7.  vor  der)  vnde  müzin  vnsiriv  hercen  ho’hin  vnde  vf  rihten  . wellen  wir 
got  schowin  G.  8.  nach  spr.]  Accedet  homo  ad  cor  aitum  et  exaltabitur  deus  G.  11.  ror 
herre]  Dominc  inclina  celos  tuos  et  descende  G.  dinc  h.  A , dine  himilc  G.  12.  irbo'hitc  . 
daz  got  irho'hit  wrde  . do  wart  G.  14.  er  do  herre  G.  abe]  nidere  G.  Rehto  als  G. 

19.  h'tzen  A.  21.  wndiriich  waz  odir  G.  22.  also  unb.  G.  an  fehlt  G.  m ft  tote  G. 

23.  abir  wndirliche  also  d.  e.  sincs  wndirs  u.  sines  g.  vil  an  ime  irk.  daz  er  da  non  wndir- 
lichir  dinge  gerte  . Der  wissage  cngerte  G.  26.  er  ist)  got  ist  G.  29.  nach  genidert  t*f  wirt 
rof  ilurcJwtrichen  A.  gen.  o.  geh.)  vnde  sin  hohi  genidiret  G. 


S . Pt.  63,7.  11.  Pt.  143,  5. 


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56.  Von  finäcra  herren  üffart. 


231 


'Got  ist  ällü  ding  an  allen  dingen’;  relit  als  er  spräche:  Got  hat  sich 

mit  sim  gewalt  gefüget  zü  allen  dingen,  won  er  ist  ällü  ding;  so  ist  er  och 
in  allen  dingm,  won  er  hat  sich  genaiget  in  ällü  ding  und  hat  si  daz  si 
ir  wesen  an  im  hant.  und  da  mit  minret  sin  gewalt  nit,  er  oget  in  so 

er  sich  zü  aim  ieglichen  ding  füget  alz  vil  alz  ez  sin  enphahen  mag.  der  5 
mentsch  der  ain  wites  hertze  hat,  zü  dem  füget  er  sich  also  daz  er  sin 
hertze  erfüllet;  der  och  ain  enges  hertze  hat,  zü  dem  füget  er  sich  also  daz 
er  es  in  siner  masse  erfüllet,  und  dar  umb  enzühet  er  sich  sines  gewaltes 
nit,  er  oget  in  da  mit. 

Und  da  von  won  unser  herre  alz  hohe  ist  daz  in  nieman  gevahen  mag,  io 
so  hat  er  uns  der  sele  dri  laitren  gemachet,  die  der  mentsche  [148  "J  uf 

klimmen  sol,  daz  er  den  begrife  der  da  wonet  in  der  höhi. 

Dü  erst  laiter  ist  dü  creature.  an  der  solt  du  dri  sprossen  merken  die 

du  uf  stigen  solt  zü  Gotte,  der  erst  sprosse  ist  dü  sterki  der  creature,  alz 
der  hymel  und  dü  sunne  und  der  mäne  und  ander  creature,  die  alz  stark  15 
sint  daz  si  nieman  zerbrechen  mag.  dar  an  sont  ir  sinen  gewalt  erkennen, 
alz  man  liset  von  den  wisen  haiden,  die  erkantent  an  der  creature  daz  ain 

Got  ist  der  aller  ding  ain  schepher  ist,  und  ain  gewalt  dem  nieman  mag 

widerstan.  und  gabent  uns  dez  ain  regel  da  bi  daz  den  hymel  und  ander 
creature  nieman  gebrechen  mag,  und  sprachent  daz  der  mentsch  wäre  dü  20 
edlest  creature  dü  under  dem  hymel  ist,  und  ist  doch  enhain  mentsch  so 

gewaltig  noch  so  groz  der  den  sunnen  gebrechen  muge  oder  ges  we/7-/  #“/chen. 
und  da  mit  so  gabent  si  ain  urkünde  daz  ain  Got  wäri  der  ällü  ding  ge- 
schaffen hat,  und  sprachent  also:  ‘swaz  der  man  nit  mag  gemachen,  daz  en- 
mag  er  och  nit  zerbrechen;  swaz  es  aber  mag  gemachen,  daz  zerbrichet  er  25 
och  wol’.  und  da  von  sprechent  si:  ‘sit  nieman  so  gewaltig  ist  der  den 
hymel  mug  gebrechen,  so  ist  och  so  gewaltig  nieman  der  in  mug  gemachen, 
so  ist  ain  gewaltiger  Got  der  über  ällü  ding  ist  und  dem  nieman  widerstan 
mag.’  und  erkandent  si  also  ünsers  herren  gewalt  an  der  creature.  und  also 
sont  och  wir  Got  erkennen  an  der  creature  und  sont  denn  den  nutz  dar  an  so 
nemen  daz  wir  uns  under  in  sont  naigen.  sit  Got  ain  gewaltiger  Got  ist, 
dem  nieman  mag  widerstan,  so  ist  daz  billich  daz  wir  uns  under  in  naigent. 
und  da  von  spricht  sant  Peter:  'ir  sont  üch  naigen  under  dez  [149b]  grossen 


1.  als  ob  er  G.  2 f.  won  — dingen  fehlt  A.  4.  minrot  er  sine  G.  5.  ding)  men- 
schin G.  vil  cz  G.  7.  engiz  bet  G.  also]  ablr  in  der  maze  G.  8.  in  s.  m.  fehlt  G. 

10.  won  fehlt  A.  11.  so  — üns]  wan  swie  hohe  der  mensche  sin  herce  irbo'hit  . so  ist  got 
dennoch  vil  ho'hir  . vndo  dar  umbe  het  vnsir  herre  G.  der  m.]  si  G.  12.  er]  si  G. 

13.  di  A.  14.  ist]  daz  G,  ergänze  ist.  17.  Also  liset  man  G.  18.  ain  sch.]  schepher  G. 

20  f m.  div  alre  e.  er.  Ist  div  G.  23.  so  fehlt  G.  28.  dinch  gewaltich  ist  G.  nieman 
fehlt  A.  31.  gew.  Got)  gewalt  G.  33.  Petrus  . Liebin  kint  ir  G. 


1.  1.  Cor.  15,  28.  13  ff.  vgl.  ähnliche  Gedanken  oben  S.  26  Z.  26  ff.,  S.  152  Z.  2 ff. 

17.  vgl.  unten  S.  255  Z.  18  ff.  33.  1.  Petr.  5,  6. 


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232 


56.  Von  finsOTB  horren  öffart. 


Gottes  gewalt,  der  üch  behaltet  an  dem  tage  so  er  ällü  üwrü  werch  scho- 
went  wirt’.  der  ander  sprosse  ist  du  schöni  der  creature.  dar  an  sont  ir 
merken  sine  wizkait,  daz  er  ällü  ding  alz  ordenlich  hat  geschaffen  and 
hat  ieglichem  sin  maz  gegeben,  und  dar  an  sont  wir  aber  den  nutz  nemen 
5 daz  wir  uns  tump  dunkent;  won  swie  wise  der  mentsch  wäre,  so  wäre  er 
ze  tump  doch  wider  der  wishait  du  an  Got  ist.  und  da  von  sol  der  mentsch 
erkennen,  swaz  er  wishait  oder  besehaidenhait  hat,  daz  er  die  von  gütlicher 
wishait  habe  und  nit  von  im  selben,  man  liset  von  wisen  haiden  daz  die  ir 
wishait  von  in  selben  woltent  han;  und  sprechent  die  lerer  daz  in  Got  daz 
io  offeuberesl  vor  beschlöz  daz  an  der  creatur  ist,  daz  ist  sin  güti,  du  ist  aller 
offenbärost  an  aller  siner  geschepkte,  die  beschloss  in  unser  herre  vor  dar 
umb  won  si  ir  wishait  von  in  selben  wandent  han,  und  erkandent  [149']  nit 
an  der  creature  won  gewalt  und  wishait  und  dar  umb  sont  wir  alles  an  die 
wishait  wider  gen  dem  von  dem  ällü  wishait  geflossen  ist  und  flösset.  der 
15  dritte  sprosse  ist  dü  nutzbäri  der  creature.  dar  an  merkent  wir  sin  güti. 
und  da  von  spricht  ain  hailger  man  daz  er  sin  güti  hat  getaillet  mit  allen 
dingen,  und  sprechent  die  hailgen  und  die  maister  und  die  lerer  daz  ünsers 
herren  güti  also  groz  und  also  übermässig  ist  daz  er  sich  niht  möhti  ent- 
halten, er  tailte  si  mit  allen  dingen  und  mähte  ällü  ding  nütz  und  güt.  man 
2o  liset  in  dem  ersten  büch:  ‘do  ünser  herre  hymel  und  erde  und  ällü  ding 
geschüf,  da  sach  er  alles  an  und  geviel  im  wol\  nn  sprichet  sant  Augustinus: 
‘sit  üns  ain  so  guter  Got  geschaffen  hat,  so  ist  och  billich  daz  wir  güt 
sigint’;  reht  alz  er  spräche:  Got  hat  alz  übermässig  güti  an  im  daz  er  sich 

niht  moht  enziehen,  er  maliti  alles  [149*]  daz  güt  daz  er  ie  geschüf;  und 

25  alz  er  gab  dem  dinge  daz  ez  wäri,  also  gab  er  im  och  daz  ez  güt  wäre, 
und  da  von  ist  ez  billich,  sit  üns  ain  so  guter  Got  geschaffen  hat  und  er 

üns  sin  güti  gab,  daz  wir  och  güt  sigint.  hie  ab  solt  du,  mentsch,  aber 

nemen  ainen  nutz,  daz  er  alle  creatur  für  güt  habe,  und  sol  merken  daz 
ällü  ding  von  Gotte  sink  da  von  sol  er  ez  allez  für  güt  han  und  sol  enhain 
30  ding  versmahen. 

Dü  ander  laiter  ist  dü  sele.  dü  laiter  ist  vil  hüher  denne  dü  erste,  und 
da  von  sprichet  sant  Gregorius  wie  dü  sele  ain  laiter  machen  sol  dar  uffe 
si  zü  Got  klimmen  sol;  er  sprichet  daz  sich  dü  sele  sol  enzühen  in  sich  selben. 


1.  der]  daz  er  G.  2.  sprosse]  siegil  daz  G.  6.  ze  t.  d.)  doch  tump  G.  der  fehlt  .4. 

7.  beschenhait  /i.  8.  von  dien  w.  h.  G.  9.  die  hailigen  1.  G.  Got]  vnsir  herre  G. 

10.  offenber  A.  14.  geil.  ist  u.  fehlt  G.  15.  spr.  da  mitte  wir  zü  gotte  cliromen  sun  . 
daz  ist  G.  ist  fehlt  4.  sine  hailigun  g.  G.  17.  die  grozin  lerere  G.  18.  er  fehlt  G. 

mach  G.  19.  entailo  sich  mit  G.  20.  den  o.  büchin  G.  23.  als  ob  er  G. 
hette  G.  26.  ez]  harte  G.  27.  nach  gab]  so  ist  harte  billich  G.  och  fehlt  G.  s.  du] 
sol  der  G.  29.  sint.  vnde  och  da  non  nutze  vnde  gut  sint.  vnde  dannan  von  G.  31.  a.  1. 
da  mitte  wir  vf  ze  gotte  climmen  son  . daz  ist  G.  33.  sol  enzühen]  in  ziehi  G. 


20.  Gen.  1,  31. 


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5G.  Von  fingere  herron  öffart. 


233 


daz  si  vergesse  aller  uswendiger  ding,  und  sol  uf  stigen  an  die  gräte,  der 

erst  sprosse  ist  gehügde ; du  ist  bildung  aller  ding  und  ist  glich  aim  schrin 

oder  ainer  arche.  in  dem  schrine  [150']  behaltet  man  kram  der  edel  ist. 
also  behaltet  gehügde  bildung  aller  dinge  die  der  mentsch  ie  gesah.  an 

disem  sprossen  sol  denne  du  sele  uf  klimmen  und  sol  erkennen  daz  si  Gotte  5 

glich  ist  dar  an ; won  alz  si  bildung  hat  in  ir  aller  dinge  und  joch  der  dinge 
der  si  nit  ist,  also  ist  Got  ain  bildung  aller  dinge,  und  ist  ain  lebender 
Spiegel  in  dem  ällü  ding  bild  enphahent.  er  ist  in  hymelrich  ain  Spiegel 

der  engel  und  aller  seien,  da  siht  man  den  engel  in  Gotte  und  Got  in 
dem  engel;  da  siht  man  Got  in  der  sele  und  die  sele  in  Gotte,  und  dez  io 

hant  wir  ain  glichi  von  Got  uff  ertrich,  jelient  die  maister:  der  zwene 

Spiegel  näme  und  die  gegen  enander  hetti,  so  bildete  sich  ietweder  Spiegel 
in  dem  andern,  ze  glicher  wis  ist  es  ze  hvmelriche : unser  herre  ist  ain 
lebender  und  ain  ewiger  Spiegel,  [150 *]  von  dem  ällü  schonhait  und  üllü 
vröd  flösset;  so  ist  och  ain  ieglich  engel  und  ain  ieglichü  sei  ain  Spiegel.  15 
die  Spiegel  glentzent  alle  engegen  enander,  won  die  engelschen  und  der  seien 
Spiegel  sehent  alle  in  den  gütlichen  Spiegel  und  ersehent  sich  selben  dar 
inne  und  er  da  wider  in  inen,  und  also  ist  Got  ain  Spiegel  und  ain  bilder 
aller  der  die  in  hymelrich  sint,  und  aller  creature,  won  er  hat  alle  crea- 
tur  geschaffen  also  und  gebildet  in  im  selben  daz  man  in  dar  an  mag  er-  20 
kennen,  und  also  ist  och  du  sele  Got  glich  an  der  bildung  daz  si  in  ir 

gehügde  hat  bildung  aller  dinge  der  si  doch  nit  ist.  der  ander  sprosse  ist 

der  sele  vernunst;  dü  ist  ain  lieht  der  gehügde  in  der  sele  und  entlühtet 

die  bildung.  mit  dem  liehte  der  vernunst  wird  dü  sele  erkennent  daz  si  an 

der  edelkait  der  nature  Got  gelich  ist.  der  dritt  sprosse  ist  dü  minne;  dü  25 

gat  ze/ZoO'/hant,  nach  der  vernunst;  won  so  dü  gehügde  der  bildunge  en- 

phahet  und  dar  nach  dü  vernunst  erkennet  die  edelkait  der  bildung,  so  min- 
net  si  es,  und  hat  denne  so  groz  vröde  an  den  edlen  und  an  den  hohen 
bildungen  die  si  in  der  gehügde  erkennet,  daz  si  enkaines  uswendigen  dinges 
bedarf,  und  zühet  so  gar  sich  in  sich  selben  daz  si  enhainer  vröden  bedarf  so 
noch  gert  won  die  si  an  ir  selben  hat.  und  dar  an  ist  si  och  Got  glich  so 
vil,  und  si  in  irmassen  mag.  ünser  herre  hat  alz  gröz  vröde  und  wollust  an 
im  selben  daz  er  zü  siner  vröde  und  wollust  niemans  bedarf  won  sin  selbes. 

1 f.  die  — sprosse]  den  ersten  grat  . daz  G.  2.  ain  bildunge  G.  4.  also  zegclichir  wis  G. 

5.  dfi]  disiv  G.  Gotte  fehlt  A.  6.  in  ir  allir  dinge  G,  in  allen  dingen  A.  7.  der]  div  G. 

9.  vnde  ain  spiegil  allir  s.  G.  10.  siht  man]  sehen  wir  G.  11.  von  Got  fehlt  G.  13.  es 

fehlt  A.  14.  1.  spiegil  . v.  der  ow.  sp.  G.  16.  won  — 18  Got]  Vnde  sehint  indcn  gotlichen 
spiegil  alle  engilsliche  spiegile  . vnde  in  den  engilschen  epiegiln  sehen  wir  den  gotlichin  spiegil  . So 
sehin  wir  och  indeme  gotlichin  spiegile  ainer  iegclichir  sele  spiegil  . vnde  abir  got  Inder  sele  . 
also  ist  vnsir  herre  G.  19.  und]  So  ist  er  och  ain  bilder  G.  19  f.  creatur]  dinch  G.  20.  also 
fehlt  G.  in]  got  G.  21.  und  — Och]  Zcgelichir  wis  ist  G.  22.  spr.  der  ltetire  daz  ist  G. 

24.  bildunge  . vnde  git  der  sele  irkennnnge  . mit  G.  25  f.  der  dritt  — won]  Zehant  gat 
n.  d.  v.  der  dritte  grat . daz  ist  minne  G.  26.  der  b.]  die  b.  t 28.  an  noch  und  fehlt  G. 

SO.  vnde  het  sich  so  g.  in  gezogin  in  s.  s.  G.  31  f.  alse  vil  si  G.  32.  ermasse  A,  ir  maze  GZ. 

33.  und  w.  fehlt  G.  selbiz  zosiner  vro’dc  G. 


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234 


56.  Von  unser»  herren  Offart. 


er  bedorft  weder  engel  noch  mentschen  noch  kymelrichs  noch  ertriches  noch 
kaines  dez  dinges  dez  er  ie  geschüf.  won  e er  ie  kain  ding  geschiif,  do  waz 
sin  vröde  also  groz  so  hüt  dis  tages.  sin  vröde  ist  alz  volkomen  an  im 

selben  daz  er  niemans  ze  siner  [150"]  vröde  bedarf  denn  sin  selbes,  also 
5 ist  öch  du  sele  uf  gestigen  zü  Gotte  daz  si  alz  groz  vröde  hat  mit  ir 

selben  daz  si  zü  ir  vröde  niemans  bedarf  won  Gottes  allaine.  nu  merkent'. 
dis  ist  vil  wunderlich:  dis  dri  gräte  sint  dri  krefte  in  der  sele,  dar  an  si 
glich  ist  der  hailgen  drivaltkait.  und  an  den  drin  kreften  sont  ir  lernen  und 
merken  wie  der  sun  von  dem  vatter  ist  geborn  nach  der  gothait,  und  wie 
io  der  hailig  gaist  von  den  baiden  ist  geflossen,  dü  erst  kraft  ist  du  gehügde. 

dar  an  merkent  wir  den  vatter,  und  in  der  hailgen  schrift  git  man  dem  vat- 

ter den  gewalt  und  dem  sun  die  wisshait  und  dem  hailgen  gaist  die  gtiti.  nu 
merkent  reht!  ir  sont  daz  wissen  daz  man  dem  vatter  dar  umb  nit  den  ge- 
walt git  daz  der  sun  und  der  hailig  gaist  dester  ungewaltiger  sigint;  man  git 
15  och  dem  sun  nit  dar  umb  [161*]  die  wishait  daz  der  vatter  und  der  hailig 
gaist  dester  unwiser  iht  sigint;  man  git  och  dem  hailgen  gaist  dar  umbe  nit 
die  güti  daz  der  vatter  und  der  sun  iht  dester  ungüter  sigint:  si  sint  dri 
benempt  und  ain  gewär  Got,  eben  gewaltig,  eben  wise  und  eben  güt,  doch 
git  mau  dem  vatter  an  dem  namen  den  gewalt.  nu  ist  bi  der  gehügde  der 
20  vatter  bezaichent  an  der  schrift  und  der  sun  bi  der  vernunst  und  der  hailig 
gaist  bi  der  minne.  und  alz  dü  vernunst  kumet  von  der  gehügde,  also  ist 
der  sun  geborn  und  geflossen  von  dem  vatter  nach  der  gothait;  und  alz  die 
drie  krefte  an  enander  nit  mugent  sin,  also  enmugent  och  die  dri  benempten 
nit  an  enander  sin,  won  nach  der  bildung  gat  vernunst  und  vallet  denne 
25  dar  zü  dü  minne;  und  alz  von  den  baiden  dü  minne  flösset,  alz  flösset  och 
der  hailig  gaist  [151"]  von  dem  vatter  und  von  dem  sune.  man  git  alles 
dem  hailgen  gaiste  die  süskait  und  die  güti,  und  da  von  bezaichnent  wir  in 
bi  der  minne. 


1.  er]  Got  G.  vor  hymelr.]  nivtis  . wed'  G.  2.  ding]  creatore  G.  7.  wunderlich]  vir- 
nunsticlichc  G.  grate . daz  sint  die  krefte  G.  10.  den]  in  G.  kr.  daz  ist  G.  11.  and; 
wan  G.  12.  die  hailigun  wishait  G.  14.  sigint]  sin  . denne  der  uatir  G.  15.  deine  ewigen 
sune  G.  16.  gaist  iht  vnwiser  sin  denne  er  G.  17.  iht  — si]  desto  minre  gdt  sin  . denne  der 
hailige  gaist  . Ez  G.  IS.  eben  gow.  — güt]  mit  aime  gewalte  . mit  ainir  wishait  . mit  ainir 
güti  . mit  ainir  gothait  G.  19.  gow.  inder  hailigun  schrift  G.  20.  an  d.  sehr,  fehlt  G. 

21.  alse  ir  daz  merchint . daz  div  v.  6.  22.  ewigen  vatir  G.  22  f.  Vndo  zegelichir  wi» 

alse  dise  drie  G.  23  f.  also  — sin  fehlt  G.  24.  und  — 26  gaist)  wan  virnust  mach  nihi 
von  ir  seibun  sin  . si  infiz  iemir  etwaz  han  da  an  si  si  . vndo  da  uon  si  si . Vndo  alse  div  zwai 
btediv  w erdint  in  der  sele . beidiv  bildunge  undc  virnust . So  vallet  zehant  daz  dritte  dar  za  . daz 
ist  div  minne  . daz  ez  div  sele  denne  minnen  müz  . vnde  zegelichir  wis  alse  div  minne  kämet 
vndo  fibir  vlözet  von  der  gehugidc  . vnde  von  der  virnust  . also  ist  och  der  hailige  gaist  . ge- 
vlozin  G.  28.  minne  . Vnde  da  bi  sunt  ir  uirstan  daz  der  hailige  gaist  . in  in  baiden  swebit  . 
vnde  wie  er  von  in  baiden  vluzet  . Vnde  als  ir  schint  denne  daz  die  drie  krefte  anainandir  haf- 
ten! . vnde  doch  drie  namen  hain  . vnde  enist  doch  enhainiv  an  dir  andirun  . Also  ist  der  uatir 
vnde  der  sun  . vndo  der  hailige  gaist  . daz  sint  drie  benemide  . vnde  enist  doch  niht  wan  ain 
got  . div  driualtichait  G. 


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56.  Von  ünsers  hcrren  öffart 


235 


So  nu  disü  sele  dis  laitren  uf  klimmet,  so  sol  si  denne  an  die  dritten 
laitren  klimmen,  du  ist  noch  höher,  daz  sint  die  gütlichen  tugenden.  an  der 
laitren  mag  du  sele  ze  Got  reht  komen.  du  laiter  hat  6ch  dri  sprossen, 
der  erst  ist  der  globe.  der  süchet  die  ersten  warhait,  daz  ist  Got,  als  sant 
Johans  sprichet:  'Got  ist  du  lieht  warhait  du  alle  die  erlühtet  die  von  im  5 

lernen  went.’  und  so  du  sele  an  Gotte  gesüchet  und  erkennet  daz  er  ist  du 
lieht  warhait,  so  glichet  si  sich  im  dar  an  daz  si  sich  flisset  daz  si  och 

den  lip  erlühtet  und  daz  si  och  ain  lieht  si  an  allen  iren  werchen  allen  den 

die  si  sehent,  daz  die  von  in  werdent  erlühtet.  der  ander  sprosse  ist  du 

minne.  du  süchet  an  Gotte  minne  und  güti,  daz  er  allen  [151(]  mentschen  io 

hj'melriches  wol  gan  und  daz  er  nie  dekaim  hymelrich  vor  beschlöz;  ez  be- 
schlüsset  aber  laider  mänig  mentsch  im  selber  vor  mit  münger  höbet  sünde. 
Got  geschüf  nie  mentschen  zü  der  helle,  im  war  vil  liep  daz  alle  mentschen 
ze  hymelrich  käment.  so  du  sele  die  minne  an  Got  vindet,  so  geliehet  si 
sich  aber  im  an  der  minne,  die  si  hat  ze  fründe  und  ze  vigind,  ze  güten  15 

und  ze  üblen  mentschen.  an  den  güten  minnet  si  Got  und  ir  gütes  leben; 

an  den  üblen  minnet  si  die  edelkait  der  nature  alz  si  Got  geschaffen  hat, 
und  hasset  doch  die  sünde  und  daz  übel  an  in.  und  da  von  spricht  sant 
Augustinus:  'ir  sont  die  sünde  hassen  an  dem  sünder,  und  der  nature  edel- 
kait sont  ir  an  in  minnen’.  der  dritte  sprosse  ist  züversiht;  dü  süchet  an  20 

Got  höhi  und  gewalt  und  ewekait  und  geliehet  sich  im  aber  dar  an.  an  der 
höhi  [151 7 glichet  si  sich  Gotte  also  daz  si  sich  flisset  daz  si  ain  hohes 

leben  an  tugenden  habe,  und  versmahet  ällü  nidrü  ding  und  zühet  alles  ir 

leben  und  ir  wonung  an  die  höhi.  an  dem  gewalt  glichet  si  sich  öch  Gotte, 
also  daz  si  irs  libes  und  irs  flaisches  alz  gewaltig  über  al  wirt  daz  ez  niht  25 

dez  mag  getün  won  daz  der  gaist  wil,  und  müz  im  als  gehorsam  sin:  swie 

krank  er  ist  oder  mit  so  grosser  arbait  er  im  gevolget,  so  müz  er  doch 
allez  an  im  gehorsam  sin.  und  swa  dü  sei  hin  wil,  da  müz  ir  der  lip  allez 
nach  volgen.  an  der  ewikait  geliehet  si  sich  och  Gotte,  daz  ist  mit  stüte- 
kait,  daz  si  ir  gütes  leben  und  ir  tugende  in  stätekait  bringet  untz  an  den  so 


1.  disüj  div  ß.  geclimmet  . vnde  die  drie  sprozsin  übir  stiftet  . also  iv  och  ftesait  ist  . 
Uehugide . virnust . vnde  minne  . So  <7.  3.  Div  laitire  der  tuginde  h.  o.  dr.  spr.  die  div  sele 

vf  climmen  müz  . wil  si  ze  gotte  komcu  ß.  4.  daz  L G.  fehlt  ß.  5.  sprichet]  scribct  in 
einem  büche  ß.  lieht]  liehte  vH  div  Inhtindc  ß.  7.  im]  got  ß.  8.  ain  fehlt  A. 

9.  ir  ß,  in  A.  sprosse]  grat  daz  ß.  11.  er  fehlt  A.  14.  ze  deme  h.  ß.  15.  im]  denne 
gotte  ß.  15  f.  die  — güten]  vri vnde  . viende  . güte  . vnde  ubili v menschin  an  deme  güten  men- 
schin  ß.  17.  ubilen  menschen  minnent  ß.  alz  si]  als  in  ß.  18.  20.  ime  ß.  20.  sprosse] 
grat  daz  ß.  21.  gewalt  vß  edelkait  vfl  ewekait  .4.  sich  abir  dar  an  gotte  ß.  24.  an 
dem  — Gotte]  So  gclichit  s.  s.  o.  g.  an  deme  gew.  ß.  25.  alz  fehlt  ß.  über  al  fehlt  ß. 

2b  f.  niht  dez]  nihtcsnilit  ß.  27.  so  gr.]  swie  gr.  ß.  doch  fehlt  ß.  28.  an  im]  der 
sele  ß.  29.  Si  gelichit  s.  0.  g.  a.  d.  ew.  ß.  SO.  an  an  4. 


5.  Joan.  1,  9. 


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236 


56.  Von  unsere  herren  (Iffart. 


tot.  der  hirtze  ist  der  nature  daz  er  allez  an  nah  im  lat  ainen  smak  von 

den  fiissen,  und  dem  smak  lofet  der  hunt  mit  also  grosser  girde  [152’J 
nach  daz  er  niemer  geriiwet;  und  so  er  vor  müdi  den  lip  nit  me  verdennen 
mag,  so  züliet  in  doch  du  girde  dez  smakes  daz  er  allez  nach  dem  hyrzen 
5 loffet.  ze  glicher  wis  geschiht  der  sele  so  si  unsere  herren  gesmeket,  alz 
da  stat  geschähen  in  canticis;  so  löffent  si  flisseklich  dem  gesmake  nach 

daz  si  niemer  den  lip  lant  gernwen,  e sü  in  an  daz  ende  bringent.  daz 
ist  der  sei  ewikait,  so  si  in  der  stAtekait  loffent  untz  an  daz  ende  ire 

lebens.  und  in  der  bitung  hat  si  so  groz  züvereiht  daz  si  allweg  frölieh 

io  und  unbetwungenlich  Oot  dienet  in  gantzen  tugenden.  und  da  von  spricht 
ain  hailig  man:  ‘züvereiht  daz  ist  ain  gewisse  bitunge  der  dinge  die  von  tu- 
genden und  von  gnaden  koment’.  in  der  gewissen  bitung  loffet  der  gaist 

und  hat  so  brinnend  girde  daz  er  daz  begrife  dez  er  da  gert:  daz  dez  du 

sele  wünschet  daz  si  erlöset  werde  [152*]  von  dem  übe,  daz  si  Got  denn 
15  reht  mug  umbvahen  und  sich  an  in  heften  und  sich  mit  im  nieten  aller 
vröden.  und  dar  nach  hat  si  groz  girde  daz  si  vri  werde  von  dem  libe: 

daz  ist  von  dem  libe  und  von  dem  gaiste  ze  allen  ziten  ain  strit  und  ain 

krieg,  also  sprichet  sant  Paulus  und  och  dü  sele:  'owe  herre,  wer  löset 

mich  von  disem  sake  da  ich  inne  bevangen  bin,  daz  ich  min  liep  gesehen 
20  muge’.  und  in  der  girde  lofet  der  mentsche  dem  götlichen  smake  nach  und 
verdent  sich  reht  druf  mit  stAtekait  untz  an  den  tot,  denne  wirt  der  sele 
gegeben  ain  oge  da  mit  si  Got  durch  schowet  luterlich  und  unverdaht. 

und  dar  uf  disputieren!  sümlich  maister,  und  duht  sü  daz  unmuglich  daz  wir 
Got  soltint  sehen  an  bedekung,  und  erkantent  sin  schonhait  alz  hoh  uud  alz 
25  groz  daz  sü  dez  jahent  daz  weder  engel  noch  sei  in  gesehen  möhti  an  ver- 
deken,  er  müsti  etwaz  verdekung  an  sich  nemen,  daz  wir  in  gesehen  mugent 

1 . nach  tot]  also  belibet  si  in  stietichait  hohis  lebinnes  . dar  an  si  sich  gcliehit  der  ewichait . 
die  div  sele  an  gotte  gfllite . Si  belibet  och  8ta>te  an  demo  gewalto  so  der  gaist  het  übir  den  lip . 
vnde  in  der  sttetichait  lo'fet  div  sele  gotte  nah  also  der  edile  iagchnnt  deme  hitzo  G.  von] 

an  6.  S.  vor  m&di]  also  m&dc  ist  daz  er  G.  für  gedennen  G.  6.  da  st  geschr.]  div  sele 

sprichit  G.  so  — gesmakej  Min  gemahile  het  sinen  smach  vz  virlazsen  . denie  smache  lo'fet  si 
so  hizecliche  G.  7.  lat  G.  cor  cj  mit  so  grozir  girde  lo'fet  si  deme  gotlichin  smake  nah  . 
vnde  so  der  lip  iezo  niimme  mach  . vnde  so  si  sich  so  sere  nah  deme  smacke  het  virdent  . daz  ime 
rehtc  gebresdn  wil  der  kraft . so  ztihit  in  abir  der  gaist  fflrbaz  . wan  div  sele  het  so  groze  girde  . 
daz  si  got  begriffe  . daz  si  den  lip  niemir  lat  gerflwcn  G.  bringet  G.  8.  ewichait  . da  mitte 
si  sich  gelichit  gottes  ewichait  G.  lo’fet  G.  9.  groz]  ganze  G.  10.  Got  fehlt  A.  IS.  eri 
si  beidemal  G.  da]  zallcn  ziten  G.  18  f.  dez  d.  sele]  si  von  rehtir  girde  G.  15.  mag 
nmbv.)  umbc  valic  G.  hefte  G.  niete  G.  16.  und  fehlt  G.  si  so  gr.  G.  daz  — libe 
fehlt  A,  daz  si  von  deme  I.  vri  werde  G.  17  f.  daz  ensnischon  deme  übe  vnde  deme  gaiste 
z.  a.  z.  a.  kriech  ist  . vnde  also  apr.  G.  18.  und  och]  Also  sprichit  o’ch  G.  20.  1.  div  sHe 
vnde  der  m.  nah  gotlichimc  smacke  . vnde  G.  und  fehlt  A.  22.  ain  — unverdaht]  daz 
nrehe  o’ge  daz  g.  dur  scho’wit  . da  mitte  wirt  si  got  lutirliche  v.  v.  schowinde  G.  Gotte  .1 
25.  seien  G.  mohtin  G.  25  f.  uirdcckunge  G.  26.  mebtin  G. 


6.  im  Amchlufl  an  Cant.  1,  3.  18.  Rom.  7,  24. 


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56.  Von  finsors  horron  flffart 


237 


[152‘J.  spricht  Beda:  ‘si  sont  trübes  wölken  hin  tun,  da  mit  si  uns  die 
vröde  und  daz  lieht  ünsers  herren  woltent  verdeken  und  da  mit  git  er 

uns  urkunde  daz  wir  Got  luterlich  an  alle  verdekunge  werdent  schowend 
und  sehend  reht  mit  offnen  ögen.  des  git  uns  sant  Paulus  och  ürkünd. 
er  spricht  daz  wir  Got  luterlich  und  an  verdekung  werdent  sehend  ze  hy-  5 
melrich  offenbar  und  än  allen  gebresten  von  antlütz  ze  antlütz. 

Waz  wir  aber  an  Got  werdent  schowent,  dez  vindent  wir  bezaichnung 
in  her  Movses  büchen,  daz  da  haisset  aiu  usvart.  und  dar  an  sont  wir 

merken  daz  us  müz  sin  gevam  der  mentsch  der  Got  schowen  wil;  ez  mag 
nit  in  disem  libe  gesehen,  ez  müz  us  sin  geraten  und  müz  erlidget  und  io 
erlöset  sin  von  disem  libe  und  von  der  weite  und  von  zergangklichen  dingen 
und  müz  reht  fri  sin  von  allem  kumber.  in  dem  [152*]  büche  vindet  man 
daz  unser  herre  kern  Moysen  hiez  machen  ain  gezelt  und  ain  gotzhus  und 
hiez  in  daz  taillen  mit  aim  umbehange.  und  in  den  ussreu  tail  da  brahtent 
die  juden  ir  opher  und  begiengent  die  ewarten  ir  andaht  da,  und  in  dem  ts 
inren  taile  da  engie  nieman  in  won  der  byschof  ainest  in  dem  jare,  und  begie 
denne  den  andaht  dar  inne.  in  dem  gotzhus  sach  man  drü  ding:  daz  ain 
waz  ain  tisch  und  dar  uff  brot,  und  ain  kertzstal  und  dar  uff  ain  lieht,  und 
ain  arche  und  dar  inne  drü  ding,  an  den  vindet  man  bezaichnunge  driger 
dinge  die  wir  werdent  schowent  an  Gotte  in  hymelriche.  20 

Bi  dem  brote  ist  bezaichent  unser  herre.  der  ist  daz  lebent  brot  mit 
dem  allü  ding  gespiset  werdent  die  in  hymelriche  sint.  und  daz  [153*]  er  si 
ain  lebendes  brot,  dez  git  er  uns  ain  urkunde  in  dem  ewangelio.  da  sprichet 
er:  ‘ich  bin  daz  lebend  brot,  und  swer  von  mir  gespiset  wirt,  der  sol  iemer 
eweklich  leben.’  und  du  spise  wirt  nit  in  uns  verwandelt  alz  du  spise  dez  25 
libes,  wir  werdent  verwandlet  in  si,  daz  wir  eweklich  lebent  in  Gotte,  sant 
Augustinus  horte  ain  stimme,  du  sprach:  'du  wirst  verwandelt  in  mich  und 
und  ich  in  dich,  so  du  enphahest  mich.’  also  sont  ir  wissen  daz  wir  in  Got 
verwandelt  werdent,  won  er  ist  du  hymelsche  spise  mit  der  wir  alle  also  ge- 
spiset werdent  daz  wir  eweklich  lebent.  nu  sint  drü  ding  in  hymelriche  die  so 
üns  ain  ewiges  leben  machent.  daz  erst  ist  daz  lebend  brot  von  dem  ich 
gesait  han , daz  ist  ünser  herre.  dez  andern  vindent  wir  urkünde  in  Apo- 


1.  Daz  widir  wirfct  sanctus  Beda  . vndc  sprichit  . siv  sun  ir  tr.  G.  S.  üne]  ain  G. 
an  alle]  vnde  ane  G.  3 f.  schow.  und  fehlt  G.  4.  ain  urkunde  G.  5.  Got  fehlt  A. 

5 f.  ze  deine  b.  G.  0.  (dienliche  vndc  ane  allir  slahte  hresteu  G.  S.  büche  . daz  büch  hai- 
zit  G.  wir]  ir  G.  10.  gcschehin  besser  G.  11.  disem)  denie  G.  von  allen  zerg.  G. 

12.  dom]  disim  G.  15.  amballt  G.  17.  daz  ambaht  G.  Vnde  in  G.  19.  dien  drin 
dinget  uindet  G.  22.  ding]  die  G.  er]  unsir  herre  G.  23.  üns  ain  fehlt  G.  23/'.  da 
spr.  er]  Er  spr.  Ego  sum  panis  vivus  G.  24.  daz]  ain  G.  25.  dez]  unsirs  G.  27  f.  du  — 
mich]  vnde  sprach  div  . Edo  me  . Iz  du  mich  also  daz  ich  nibt  werde  uirwandetot  in  dich  . du 
solt  in  mich  virwandelot  werdin  G.  29.  ist  fehlt  A.  also  fehlt  G.  31.  ain  fehlt  G. 

32.  dez]  der  G. 


5.  1.  Cor.  13, 12.  13  f.  Exod.  25  ff.  37.  24.  Joan.  41,  51. 


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238 


56.  Von  fingere  herron  ftffart. 


calypsi.  da  [153*]  liset  man  daz  sant  Johannes  in  der  togni  waz,  da  sach 
er  ain  lämli,  daz  traip  alle  hymelsch  scharen  zu  enander  zü  aim  lebenden 
brunnen,  von  dem  flussent  lebendü  wasser.  hie  bi  sont  ir  merken  daz  da 
frid  ist  ftn  alle  vohrte.  der  brunne  Lst  unser  herre,  von  dem  wir  werdent 
5 getrenket,  daz  wir  eweklich  lebent.  daz  dritte  ist  och  bezaichent  in  Apo- 

calypsi.  da  sprichet  sant  Johannes  daz  im  wart  gezaiget  vil  schöner  bome, 
und  hattent  die  vil  grüner  löber  und  warent  ze  artzenie  gilt  die  bome  sint 

die  seien  die  in  hymelriche  sint.  du  löber  sint  alle  die  tagend  da  mit  der 

mentsclie  daz  hymelrich  müz  verdienen  und  gewinnen,  die  tagend  sint  ain 

io  ärzenie  der  sele  da  von  si  gesunt  wirt  und  gewinnet  daz  ewig  leben  in 
hymelriche.  dis  sint  dü  drü  ding  von  den  wir  ewiges  leben  in  hymelriche 
hant.  von  dem  lebenden  brote  werdent  [153*]  wir  gespiset  und  gewinnent 
ain  kreftiges  leben,  daz  uns  enkain  krankait  noch  dekainer  siech  tag  iemer 
betrübet,  von  dem  lebenden  brunnen  werdent  wir  getrenket  und  gewinnent 
15  ain  rainnes  leben,  daz  wasser  ist  von  nature  daz  ez  rainnet:  und  also 
werdent  öch  wir  gerainet  von  Gotte,  der  der  lebendig  brunne  ist  der  da 
flösset  über  allez  hymelriche.  daz  leben  ist  also  raine  daz  enkain  mentsche 
dar  körnen  mag  daz  dekainen  fleken  hat.  wir  gewinnent  och  da  ain 

vröliches  leben,  daz  merkent  wir  an  den  löbern.  und  alsuz  hant  wir  mit 

M ganzer  vröde  ain  iemer  werendes  leben. 

Daz  ander  daz  wir  an  Gotte  schowent,  daz  ist  schonhait  daz  vernement 
wir  an  dem  liehte  daz  in  dem  gotzhus  waz.  und  also  merkent  wir  daz  Got 

daz  lebend  lieht  ist  in  hymelriche,  da  von  allez  hymelriche  erlühtet  wirt. 

und  daz  daz  war  si,  dez  hant  wir  ur//53Ykünde  in  dem  ewangelio.  da 

25  sprichet  er:  'ich  bin  ain  lieht  daz  alle  die  weit  erlühtet’.  sant  Johans 
sprichet:  ‘ze  hymelrich  ist  weder  sunne  noch  man,  noch  kain  irdesches  liehtes 
bedarf  man  da;  ünser  herre  ist  daz  lieht  daz  da  lühtet  und  alles  daz  er- 

1.  daz)  do  ff.  1 f.  sach  — enander]  wart  iine  irzaiget  a.  I.  d.  tr.  alle  die  himilachtm  mc- 
nigi  . Vndc  die  h.  schar  G.  4.  brunne  von  deine  div  lebinden  wazsir  vliezent  . daz  i.  u.  h. 
got  der  ist  der  lebinde  brunne  von  ff.  5.  ist  o.  b.)  von  demo  wir  och  ewiclichez  lebin  hain 
in  himilriche  . dez  vindet  man  och  bezaicliinunge  ff.  6.  spr.)  sc’bet  ff.  7.  die  b.  s.)  Bi 
dien  schonen  bo'men  sint  bezaiebinot  alle  ff.  8.  dfi  I.  s.]  Vnde  bi  den  grfinen  io’ bim  div  zar- 
zenige  gilt  waren  . da  bi  sint  bezaichint  ff.  9.  daz  fehlt  G.  verdienen  u.  fehlt  ff. 

11  f.  dis  — hant]  Von  dien  drin  d.  hain  wir  ew.  lebin  i.  h.  ff.  12.  brote  unsirme  herren  w. 
w.  ewiclicho  gesp.  ff.  IS.  iemer]  niemir  me  ff.  14  f.  von  — leben]  Wir  gewinnen  och  ain 
raines  lebin  . daz  mcrckint  an  dien  lebinden  wazsirn  . div  er  da  sah  vliezin  von  deine  lebindin 
brunnen  ff.  15.  von]  der  ff.  15  f.  und  — ist)  also  snnt  ir  wissen  daz  wir  ain  lutirikhis 
lebin  hain  in  himilriche  . Wan  wir  werden  alle  gerainet  von  gotte  deme  lebindin  brunnen  ff. 

19  f.  und  — vräde]  daz  ist  ain  urkunde  daz  w.  m.  g.  vr.  hain  ff.  22.  und  — wir)  Dabi  mer- 
chint  ff.  23.  lieht  fehlt  A.  24.  und  — wir]  Daz  unsir  herre  ain  licht  si . dez  git  er  ff. 

24  f.  da  er  spr.  Ego  sum  lux  mundi . Ich  G.  25.  entluhtet  het  G.  25  f.  sant  J.  spr.]  vnde 
daz  ist  ain  urkunde  daz  er  och  in  himilriche  ain  ewiges  lieht  ist  . daz  alliz  himilriche  entluhtet  . 
vnde  da  uon  scribet  s.  ioh.  ff.  27.  bedarf  m.  d.]  bedürfen  wir  da  niht  ff.  27.  lieht  — 239, 1 ist] 
ewige  lieht  . unde  der  lebinde  sunne  der  uns  da  lühtet  . Abir  ff. 

2 f.  Apoc.  7, 17.  6.  im  Anschlu/I  an  Apoc.  8,  7.  25.  Joan.  8, 12.  26.  Apoc.  21,23. 


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56.  Von  unser«  herron  tlffart. 


239 


lühtet  daz  da  ist.’  sin  mentschait  ist  uns  ain  schönnü  lucerne.  also  sprichet 
sant  Peter:  'die  engel  sehent  in  ze  allen  ziten  gelustklich  und  girlichen  an.’ 
dar  an  mugent  wir  wol  merken  daz  daz  ain  wunnekliches  lieht  müz  sin  daz 
man  ze  allen  ziten  girlich  ane  siht  mit  vröden  an  urdrutz,  und  hant  ez  ietzont 
doch  me  denn  drüzehen  hundert  jar  und  drü  jar  sin  schönnen  mentschhait  5 
an  gesehen,  und  sehent  si  noch  alz  girlich  an  alz  dez  ersten  tages.  und 

wäre  nit  me  liehtes  in  hymelriche  denn  daz  lieht,  da  wäre  doch  [154“] 

iemer  liehtes  genüg  und  schönhait  und  über  daz  allez  hat  er  uns  geben 
daz  ain  ieglich  engel  und  ain  ieglichü  sei  ist  ain  lieht  in  hymelrich.  daz 
liset  man  och  in  der  Schrift  daz  ains  ieglichen  mentschen  lip  siben  stunt  io 

schöner  wirt  denn  du  sunne.  und  ist  noch  denne  du  sele  alz  schöne  und 

alz  luter  daz  ällü  du  schönhait  du  an  aller  hailgen  lip  ist  die  in  hymelrich 

sint,  du  enmag  sich  nit  geliehen  ainer  aingosten  sei  in  hymelriche.  nu  mer- 
kent  wie  mänig  tusent  lieht  in  hymelriche  ist,  baidü  an  engein  und  an 

seien,  und  dar  z&  ains  ieglichen  mentschen  lip!  und  über  ällü  dü  liehter  15 

lühtet  daz  ewig  lieht,  ünser  herre  Jhesus  Christus,  an  baider  naturen,  siner 
gothait  und  siner  mentschait.  von  dem  liebte  werdent  ällü  hymelschü  lieht 
erlüh/i54*/tet  und  enzündet  und  vollebraht.  da  von  sprichet  sant  Jacob: 

'ünser  herre  ist  ain  vatter  der  liehter',  reht  alz  ob  er  spräche:  ez  ist  daz 
ewig  und  daz  lebend  lieht,  und  ällü  hymelschü  liehter  sint  von  im  geborn  20 
und  geflossen,  und  daz  er  sprichet  'ain  vatter’,  dar  an  merkent  wir  daz  er 
ainer  ieglichen  sele  vröde  ist  und  ir  sälden  geret,  alz  ain  vatter  sins  lieben 
kindes  gefüres.  und  alz  der  vatter  ze  allen  ziten  daz  kind  ist  höhrende  an 
eren  und  an  allen  sälden,  also  ist  ünser  herre  ze  allen  stunden  die  sele 
Aöhrend  und  merent  an  allen  hymelsehen  vröden  und  sälden;  und  dar  umb  25 
haisset  er  wol  ain  vatter  der  liehter. 

Das  dritte  daz  man  in  dem  gotzhus  sach,  daz  waz  ain  arche.  dü  waz 
innan  und  ussnan  guldin  und  waz  von  alz  edlem  holtze  daz  ez  weder  fulan 
noch  brinnen  mohte.  und  in  der  arche  warent  drü  ding:  da  waz  inne 
hymel/fö-f  '/brot  und  ünsers  herren  e und  ain  rüte.  bi  der  arche  ist  be-  so 
zaichent  ünser  vrowe.  dü  waz  ussnan  und  innan  also  rain  und  also  künsche 
daz  si  nie  bewollen  wart  mit  dekainer  unkünschi  weder  an  hertzen  noch  an 


4 f.  ez  — drü  jar]  siv  doch  wol  drivzehin  hundirt  iar  G Z TV.  6.  si]  in  G.  dez  e.  t.] 
der  erstun  Stande  . do  er  ain  gast  da  was  G.  7.  da  wtrc]  wir  hettin  G.  8.  allez]  lieht  G. 
er  üns]  uns  got  G.  9.  ieglich  fehlt  G.  9 f.  vnde  liset  m.  daz  och  G.  12.  allir  der  h.  G. 

13  f.  merkint  denne  wie  G.  14.  tivsint  tusint  G.  15.  nbir  div  lieht  elliv  G.  16.  Jh. 
Chr.  fehlt  G.  17.  mcnschaite  lieht  . Von  G.  18.  Vnde  dannan  uon  G.  19.  als  er  G. 
ez  A,  er  G.  21.  merkent  — er)  vimemen  w.  d.  unair  herre  got  G.  22.  ist  — geret]  vnde 
sieldon  also  girich  (i.  geret)  G.  liebin  G,  liebes  A.  23.  ho'hirendo  G.  24.  an  sa-ldon  G. 
stunden]  ziten  6.  25.  ze  hihrend  A.  and  vor  dar  umb  fehlt  G. 


2.  Petr.  1, 12;  Matt.  18, 10.  5.  darauf  geht  hervor,  daß  A eine  im  Jahre  1303  angefer- 

tigte Handschrift  zur  Vorlage  hat,  während  die  Lesart  von  OZW  (1300)  unbestimmter  ist. 

10.  Matt.  13, 43.  19.  Jac.  1, 17. 


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240 


56.  Von  unsere  herren  üffart. 


libe.  und  e si  noch  ünsern  herren  enphiengi,  do  waz  si  alz  rain  daz  si  nie 
höbet  sünde  getet  noch  mohte  getün,  alz  edelr  nature  waz  si.  und  aber  do 
si  ünsern  herren  enphie,  do  wart  si  so  gar  raine  daz  _si  weder  tätlich  noch 
täglich  sünd  moht  getün  für  daz  me.  in  der  arche  waz  by'melbrot.  daz 
5 hymelbrot  waz  ünser  lierre ; den  hat  si  nach  mentschlicher  natur  beschlossen 
in  ir  libe.  daz  ist  daz  ewig  brot  von  dem  wir  alle  gefäret  werdent  in 
hymelrich. 


[57. J Von  dem  wort  Gottes. 

(Verbum  Christi  habitet  in  vobis  habundanter ; doceatis  et  conmoneatis  vos - 
io  metipsos  etc.] 

'Unsers  herren  wort  sol  in  ürem  hertzen  wonen',  spricht  sant  Paulus. 

Zwaiger  hand  Gottes  wort  sont  ir  merken:  ains  ist  Gottes  wort,  und  ist 
Got  selbe;  daz  ander  ist  aines  (154  “]  ieglichen  Predigers  wort,  daz  ist  von 
Gotte  und  ist  doch  nit  Got.  daz  wort  sont  ir  also  enphahen  daz  ez  wone 

15  in  üwrem  hertzen:  swa  der  prediger  hin  lofe,  daz  ir  mit  Gottes  worte  üch 

selber  lerint  und  manent.  daz  dir  der  prediger  in  geschnide  und  gemale.  daz 
solt  du  bachen.  wilt  du  iemer  us  löffen  bitten  brot?  nit!  bachen  selbe  din 
brot!  daz  dir  der  prediger  sage,  daz  gehalt  in  dim  hertzen  und  lere  dich 
selber  wie  du  tugent  übest  und  gütü  werch.  Sterke  dich  selber,  so  dich 

20  dekain  kumber  an  valle,  mit  Gottes  worte!  nim  Gottes  worte  ze  aim  schilte 

in  dim  strite  und  büt  in  für  ze  allen  orten:  swa  dich  die  vigint  wellent 

verwunden,  da  wer  dich  stäteklich  mit  Gottes  worte.  vehte  dich  an  un- 
künschi,  daz  vertrib  mit  arbait  dins  libes;  vebti  dich  an  zorn,  daz  vertrib 


2.  getet]  begie  G.  S.  do  wart  si  do  so  G.  tätlich]  ho’bit  sunde  G.  4.  t.  sunde  nie  für  daz 
me  me  mailte  getan  (?.  6.  der  ist  G.  7.  nach  hymelrich]  Vnde  an  deine  wir  ewige  setti  hain  . 

niht  alse  wir  hie  sat  werden  mit  swteri  . abir  in  bimitriche  werden  wir  sat  ane  swteri  . unde  goren 
ein  zallen  ziten  . vti  von  der  begerunge  hain  wir  in  hain  scr  . Vnde  dannan  vo  sprich»  sanctu« 
gregoriua . Zchimilriche  ein  wir  gottis  allewege  sat . unde  geron  sin  doch  zollen  ziten  . Vnde  div 
setti  ist  ane  swa're  . vnde  ist  div  girdc  mit  vro'de  ane  ser  . vnde  daz  ist  uns  ain  urkunde  daz 
wir  setti  hain  ane  swteri  . vnde  girde  ane  ser  . Daz  himilbrot  hatte  och  die  kraft  . daz  ca  sfize 
was  iudeme  munde  . vnde  swez  siv  gednhtou  . da  nah  smaht  ez  inen  . vnde  swcz  siv  gertun  . da i 
b;etton  siv  alliz  dran  . Zegelichir  wiz  ist  daz  sfize  brot  vnsir  berre  von  himilriche  . an  deine  wir 
alliz  daz  hain  . dez  wir  gedenchen  . vnde  dez  wir  goren  . Vnde  alle  unsir  sinne  sint  mit  gotte  gar 
vnde  gänzliche  erfüllet  G.  Z nach  erfflllet]  werden  . des  helfe  vns  got  amen.  8.  Überschrift 
fehlt  G W iV,  Santo  Paulus  sp'chit  (rot)  Z,  De  nativitate  Arundel.  9.  Der  lat.  Text  fehlt 
11.  vor  Unsere]  Disiv  wort  sprichit  sanctus  Paulus  GZ.  spr.  s.  P.)  riliche  . daz  ir  ivch 
selbin  gerne  manent  G.  17.  solt  du  selbe  bacbin  G.  lo'fen  zandiren  luten  bitten  G. 

22.  starchlichc  G. 


8.  Die  Predigt  steht  in  G Bl.  75d,  Z Bl.  88 ",  W Bl.  56’  als  11.  Predigt,  .V  Bl.  59m,  Arnndel 
BL  85  •;  fehlt  Phitl.  — Gedruckt  nach  A bei  Wackcmagel  S,  100  mit  den  Lesarten  aus  Z. 

9.  CoJ.  3, 16.  Text  oben  nach  G,  in  der  Vulgata  lautet  derselbe:  Verbum  Christi  habitet  in  vobis 
abundanter,  in  omni  sapientia,  doccntcs  et  commonentes  vosmetipsos. 


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57.  Von  dem  wort  Gotte». 


241 


mit  güti;  vehti  [155’]  dich  an  ungedultekait,  daz  vertrip  mit  gedultekait; 
vehti  dich  an  hoffart,  daz  vertrip  mit  demüt;  vehti  dich  an  trakait,  daz 
vertrip  mit  dankbAri;  vehti  dich  an  gitkait,  daz  vertrip  mit  williger  armüt; 
kurtzlich  swaz  dich  an  vehti  von  Untugenden,  daz  vertrip  mit  lügenden ! 
also  leret  uns  sant  Paulus  in  der  selben  epistel  wie  wir  uns  beklaident  mit  5 
fügenden:  'ir  sont  an  legen’,  sprichet  er,  'daz  klait  der  fugend,  lieben  kint! 
flissent  üch  miltekait,  erbarmhertzkait,  künschkait,  demfitkait,  gedultekait, 
senftekait',  won  dise  tugent  sint  alle  der  seien  klait.  und  über  diz  tugent 
alle  sont  ir  üch  Hissen  der  minne,  dti  ist  ain  brutmantel  der  seien,  da  mit 
si  wirt  Got  gefüget  ze  ainer  brut;  won  an  die  tugent  der  minne  ist  kain  io 

tugent  hvmelriehes  wert,  und  aber  von  der  tugent  der  minne  fl 55"]  so 
werdent  alle  tugent  hymelriches  wert,  'an  die  minne’,  sprichet  er,  ‘ge- 
vallet  Got  enkain  tugent.’  der  tugent  nit  minnet  durch  iren  nutz,  der  möhti 
si  minnen  durch  ir  edelkait.  man  liset  von  aim  baiden:  der  hatte  alz  edel 

gehügde  daz  er  nit  gutes  mohte  vergessen;  swaz  im  aber  laides  geschach,  15 
dez  vergass  er  zehant,  also  solt  du,  sAlger  mentsch,  haben  ain  güt  ge- 
hügde: swaz  du  gutes  hörest  von  Gotte  sagen  und  von  fügenden,  daz  solt 

du  gehalten  untz  es  dir  ze  statten  kome.  und  alz  dich  denne  dehain  arbait 
an  gat,  so  nim  für  dich  die  güten  wort  die  du  gehöret  hast,  und  tröste 
dich  da  mitte  und  hilf  dir  selben  din  arbait  tragen  mit  Gottes  worte.  20 

du  solt  dich  selben  leren  und  predigen:  tugent  und  güt  leben,  nach  der 
liymelschen  vröde  dik  gedenken,  trost  an  Got  suchen,  der  prediger  wAre 
dir  dik  ze  verre  rat  und  tröste  /155' ] an  im  ze  süchenne,  such  du  an  Got 
trost  und  rat  und  allez  daz  du  bedarft  ze  libe  und  ze  sele.  er  ist  vol 
süsses  trostes,  volkomenes  rates,  vol  miltekait,  erbarmehertzkait  und  aller  25 
tugent  hundert  tusentvaltig.  da  such  allez  daz  du  wilt,  er  git  dir  süssek- 

lichen  trost. 

1.  gflti  undc  mit  miltichait  G.  dich  an  fehlt  A.  Bei  Blatt  155  springt  A in  der  Blatttiihlung 
von  154  auf  156  über.  4.  Vnde  kurzliche  G.  an  — tagenden]  untnginde  an  vehte  . die  solt  du 

v.  m.  ainir  t.  G.  6.  vor  ir]  Er  sprichit  och  G.  Bpr.  er  fehlt  G.  8.  alle  d.  s.  kl.]  ain  clait  der 

s.  G.  9.  alle  sprichit  er  . sunt  i.  iveh  sere  vl.  G.  10.  won]  vnde  G.  11.  aber  fehlt  G. 
tug.  d.  m.  sol  minne  wirdichait  G.  12.  än  — er]  Also  leret  sanctus  Paulus  der  groze  predisere  . • 
daz  (d.  wir  Z)  uns  selbin  leren  . vn  inanen  vf  tuginde  . vnde  alre  maist  uf  die  minne  . wan  ane 

die  m.  G.  14.  ir  fehlt  A.  15.  Got/tes  A.  16.  t-or  dez]  aide  swaz  ime  ieman  übils  getet  G. 

19.  w‘ch  A.  20.  tragen]  übir  winden  G.  nach  Worte]  also  solt  du  selbe  bachin  din 
brot . du  solt  nilit  alliz  an  vz  lo'fen  bitten  |b.  brot  Z) . daz  ist  also  gcsprochiu  . du  cnsolt  niht  zan- 
diren  livtS  lo’ffen  . bitten  brot  . daz  ist  also  . du  cnsolt  niht  alliz  an  andirri  livte  tro'stes  be- 
dürfen . vnde  ir  ratis  . du  solt  dich  selbin  tro'stcn  mit  gottes  worte . daz  du  gcho'rit  Inest . von 
dien  hailigon  . von  dien  livten  . von  den  botton  . von  dien  brfidim  (den  broderin  Z)  . von  dien 
prediern  . von  dem  ewangelio  . daz  lege  indin  herce  . ob  du  ioeli  niemir  predier  gessehist . in  aime 
iare  . odir  in  zwain  . noh  engehortiat . daz  du  dich  selbin  lerest . undc  manest , du  cnsolt  dar  umbc 
niht  zirgan  an  tnginden  . ob  du  prediere  niht  enhast . alse  dicke  so  du  wilt  GZ.  21  f.  nach  — 
dik]  vfi  hailiges  . mach  dor  mesche  gnadicliche  G.  23  f.  »Och  — allez  fehlt  A.  25.  allir  G, 
alle  A.  26.  daz  d.  w.]  dez  d.  bedarft  G. 

6.  Col.  3, 13  f.  12.  ebenda. 

Deutsch«  Tsxta  des  Mittelalters  X.  16 


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242 


57.  Von  dem  wort  Gottes. 


Nu  spricht  saut  Paulus:  'Gottes  wort  sol  wonen  in  üwrem  hertzen',  daz 
ist  daz  lebend  wort,  Christus  unser  herre,  von  dem  sant  Johans  schribet: 
‘daz  wort  in  dem  angenge  daz  waz  daz  angenge'.  daz  waz  du  hailig  got- 

hait,  du  ist  ain  angenge  und  an  angenge  und  ain  ende  und  an  ende,  dis 

5 wort  daz  wart  gesant  her  in  ertrich  und  waz  doch  wonent  in  hymelriche. 

er  waz  in  sins  vatter  hertze  wonent  und  in  siner  miiter  schöz  sagend,  dis 
wort  wart  ze  flaLsche  an  der  stunde  do  er  enphangen  wart  in  der  rainnen 
mägde  lip  siner  müter;  von  der  nam  er  daz  flaisch  und  daz  vil  rainne  blüt 

daz  an  irem  vil  rainnen  lip  waz,  und  wart  mentsche  [155*]  in  ertrich  und 

io  waz  hie  mit  uns  blibent  , und  waz  doch  in  sins  vatters  schöz  wonend. 
man  sprichet:  ‘Got  geschuf  mit  aim  Worte  hymel  und  erde’,  daz  wort  waz 
sin  lieber  sun.  unser  herre  waz  daz  lebend  wort  daz  hie  waz  uff  ertrich. 
und  doch  dester  minder  nit  in  hymelriche,  alz  ir  hörent  daz  ains  mentschen 
wort  die  kraft  hat  daz  ez  üllü  mentschen  enphahent  die  es  hörent,  und 
15  doch  daz  wort  ungetaillet  ist.  nu  merkent  daz  hie  bi:  so  ain  prediger 
Gottes  wort  sprechen  wil,  so  gedenket  er  waz  er  sprechen  wil,  so  wirt  daz 
wort  geboren  in  dem  hertzen  und  kumet  in  den  munt  von  dem  hertzen; 

so  git  er  ez  denne  allen  den  die  in  hörent,  in  ir  oren;  so  flüsset  ez 
denne  von  den  oren  in  daz  hertze.  gantz  und  ungetaillet  wirt  ez  ieg- 

Ji  liehen  geben,  und  blibet  ez  doch  dem  priester.  sit  nu  dis  mentschen  wort 
[156‘]  die  kraft  hat,  so  ist  Gottes  wort,  daz  Got  selb  ist,  tusentstunt 

kreftiger,  daz  ez  sich  wol  mag  taillen  ungetailten  also  daz  er  sich  her  in 
ertrich  gap  ze  sehenn  und  ze  hörenn,  und  doch  in  sins  vatters  schöz  waz 
wonent;  und  alz  ir  och  sehent  daz  wir  unsere  herren  lichamen  enphahent 
25  alz  daz  süsse  wort:  ieglich  mentsch  enphahet  Got  volkomenlich  nud  gantzlich, 
und  ist  er  doch  in  siner  kraft  nit  minder  denn  er  e waz.  des  merkent  ain 
glichi  an  der  creature:  du  sunne  stat  in  der  höhi  dez  hymels  und  git  ir 


1.  hercen  riliche  G.  2 /.  scr.  insinem  buche . Inpriucipio  erat  uerbum  . Diz  wort  G. 

4.  vnde  ist  ane  aiieg.  v.  ain  ende  ane  ende  G.  6 /.  dis  wort]  vnde  waz  in  einer  mntir  schote 
suginde  . vnde  in  eines  vatir  hcrccn  wonende  . diz  waz  daz  wort  da  uon  der  wiasage  sprach  . 
Verbum  caro  factum  ost . daz  wort  ist  zcvlaische  worden  . ez  G.  7.  rainnen]  kivachun  6. 

11.  d.  wort  daz  waz  G.  12.  herre  Jheeus  Christus  daz  waz  G.  12  /.  hie  — nit]  wort  waz 
indeme  anegenge  . vnde  waz  in  gotte  ane  anegenge  . vnde  got  waz  daz  wort . daz  selbe  wort  daz 
got  was  . vnde  ist  . daz  kam  her  inertriche  . doh  belibindc  G.  13.  ainis  zirganclichin  m.  G. 

14.  elliv  div  m.  G.  15.  daz  fehlt  A.  17.  insimc  h.  vnde  uon  deine  hercen  k.  ez  in 
d.  m.  G.  18.  er  fehlt  A.  ez  denne]  denne  daz  wort  von  sinem  munde  daz  intime  hercen 
ist  gebom  . daz  git  er  G.  in  h.]  sin  wort  ho'rint . daz  vlfizet  uon  sinem  munde  G.  18/.  so 
fl.  e.  d.]  vnde  G.  19  f.  gantz  — priester]  vnde  wirt  also  gegebin  . allen  dien  die  ez  enphahin 
wen  g.  u.  ung.  w.  e.  icgclicbem  menschin  g.  vnde  doch  swie  wite  der  predier  sin  wort  tailet . so 
bclibet  ime  daz  selbe  wort  . Nu  ho'rt  G.  19/.  iegliche  A.  20.  dis]  dez  G.  21.  wort  daz 
wort  daz  G.  28  /.  schöz  w.  w.]  hercen  w.  er  wonende  . vnde  swie  er  in  menschlichir  nature 
was  wonendc  . do  waz  er  doch  insines  himilschl  vatir  hercen  bclibinde  G.  27.  vor  dü]  Ir 
sehint  wol  G. 


3.  Joan.  1, 1.  11.  Gen.  1, 1;  2,  4.  13/.  vgl,  oben  S.  6 Z.3ff. 


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57.  Von  dem  wort  Gottes. 


243 


schonhait  und  ir  lieht  aller  geschepfte  har  in  ertrich , und  wirt  doch  der 

schin  und  du  klarhait  der  sunnen  nit  gesondert  von  ir.  also  schain  daz  lieht 
ünsers  herren  Jhesu  Christi  har  in  ertrich,  und  wart  doch  nie  geschaiden 

von  sins  vatter  hertzen.  dü  hymelsch  sunne  du  schain  herab  durch  daz 
venster  [156 '’j  und  erlühtet  daz  tempel.  daz  venster  waz  sin  süssü  müter:  a 
durch  die  schain  er  in  dis  armen  weit  und  erluhte  daz  tempel,  daz  waz  du 
cristenhait,  du  wart  erlühtet  von  siner  mentschait.  also  sprichet  sant  Johannes 
daz  er  ist  ain  lieht  daz  alle  die  weit  erlühtet,  und  von  dem  ällü  dü  weit  ir 

leben  und  ir  wesen  hat.  nu  prüvent  wol  disü  wort!  so  dü  sunne  nimt  von 

dem  glas  dez  glases  varw,  so  vervArwet  sich  der  schin  dar  nach:  wiss,  rot,  io 
gel,  blaw,  grüne,  und  swaz  varwe  daz  glaz  hat,  die  nimet  dü  sunne  an  sich, 
also  tet  ünser  herre  Jhesus  Christus,  er  schain  in  daz  luter  glas,  in  der 
süssen  mAgde  lip,  und  nam  die  rainnen  mentschait  von  ir,  daz  ir  rainer  mag- 
tüm  nie  wart  vervArwet  waz  nimet  aber  daz  glas  von  der  sunnen?  daz 

tut  es:  klarhait  und  luterkait.  und  also  nam  öch  ünser  herre  von  ünser  15 

vrowen  die  mentschhait  und  aber  si  von  im  luterkait  [15(>‘J  und  klarhait.  ez 
Ist  war  daz  si  luter  und  klar  und  rain  waz  und  unvervArwet  von  allen 

sünden;  doch  waz  si  doch  also  daz  si  wol  möhti  han  gesundet,  aber  do  si 

der  hymelsch  sunne  durch  schain,  do  wart  si  so  klar  und  so  luter  daz  si 

für  daz  nie  rnohte  gesünden;  hetti  si  joch  gern  gesundet,  si  enmohte.  was  20 
aber  dü  sunne  von  dem  glas  neme,  daz  merkeni  ir  sehent  wol  die  sannen 
schinnen  durch  daz  glas  und  nimet  ir  schin  dez  glases  varwe  an  sich  (daz 
waz  siner  müter  glicht),  und  blibet  doch  daz  glas  gantz  und  unverwerret 
und  verlüret  och  dü  sunne  ir  kraft  und  ir  schöni  niht.  also  nam  och 

ünser  herre  siner  müter  glichi  an  sich:  munt,  ogen,  nasen,  brauwen,  hende  25 
und  Allü  sinü  gelid  waren t reht  gedrAget  nach  ir  libe  und  nach  ir  ge- 
schephde.  er  waz  ir  gelicher  denn  ain  ander  kint  siner  müter;  won  ain 
ieglich  mentsch  ist  zwaier  ment/766' "/sehen  kint,  und  ist  an  dem  munde 
siner  müter  glich  und  an  den  ogen  dem  vatter,  und  ist  also  getaillet. 

und  also  ist  ez  och  getaillet  an  der  liebi.  aber  dü  rain  Maria  hat  ainen  so 


2.  ir]  der  sunnvn  G.  Also  zegelichir  wiz  sehinet  d.  himilsche  1.  G.  S.  vneir  herre  ihc 
xpe  G.  4.  svr.ne  A.  dü  nach  sunne  fehlt  G.  4 f.  daz  scho’nc  u.  G.  5.  daz  u.  daz  waz  G. 
6.  er  her  in  G.  7.  Joh.  uon  ime  G.  S.  ain  — die  weit]  daz  geluhte  . daz  elliv  licht  G. 
dü  weit]  dinch  G.  9.  bain  G.  10.  so  verv.]  vnde  verwert  G.  12.  also)  Zegelichir 
wiz  G.  het . . . getan  G.  IS.  lip  sancte  tnxriun  G.  14.  virwert  G.  nach  sunnen)  cn- 
trü  wen  G.  15.  tüt  fehlt  .4.  15  f.  und  also  — klarhait]  Zegelichir  wie  nam  unsir  vrowe  clar- 

hait  undc  1.  von  deine  lebinden  sunnen  G.  17.  und  klar  fehlt  G.  vn virwert  G.  18.  doch 
vor  also  fehlt  G.  21  f wol  so  d.  s.  schinet  d.  d.  gl.  so  nimet  der  sunnvn  schin  G.  23.  glich  A. 

24.  och]  doch  G.  24  f.  also  — sich]  Zegelichir  wiz  nam  div  lebinde  sunne  dez  glases 
uarwe  ansich  . daz  waz  s.  m.  gcllchi  . sin  G.  25.  siniv  o'gen  . sin  n.  sin  bra  sine  h.  G. 

2fc.  mentsch]  kint  G.  29.  an  — vatter]  ist  deme  vatir  andien  o’gen  gelich  G.  SO.  vnd  ist 
also  getaillet  A. 


7.  Joan.  1,  9. 


lfi' 


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244 


57.  Von  dem  wort  Gottes. 


ungeteilten  sun  an  lieb»  und  an  gelidern.  dis  waz  daz  wort  daz  von  hymel- 
riche  in  ertrich  kam,  und  dis  wort  sol  uns  leren  und  manen  alle  wishait, 
alle  tugend,  alle  sälikait;  won  ez  ist  volkomen  an  wishait,  an  güti,  an 

süssekait. 

5 Sant  Paulus  sprichet:  'ir  sint  ain  tempel  Gottes  und  ain  hus\  nu 

wissent  ir  wol:  swa  ainer  edelr  fürste  wonen  wil  in  aim  hus,  an  dem 
huse  müssent  vier  ding  sin.  es  müss  schön  sin  und  wit  und  stark  und  wol 
beraten,  won  wär  ez  unflätig,  so  gezäm  aim  grossen  fürsten  drinn  übel  ze 
wonenn,  wäri  ez  och  enge,  so  gezäme  aim  grossen  fürsten  aber  drinne  [167 ’] 
io  nit  ze  wonende,  won  er  möhti  mit  sim  lieben  gesinde  nit  drinne  bliben.  wär 
ez  nit  stark  und  wäri  vellig,  daz  die  wend  sigint,  so  blibe  er  och  ungerne 
drinne.  wär  ez  och  ungeraten  und  wär  öde,  so  gezäm  im  aber  übel  drinne 
ze  sinne,  disti  selben  vier  ding  müssent  wir  an  lins  selben  vertriben.  wellent 
wir  Gottes  tempel  sin. 

15  Zem  ersten  müssent  wir  han  rainkait.  nu  sprichet  ain  hailge:  ‘swer  rain  wil 

sin,  der  müz  striten  wider  in  selben’,  nach  der  rede  mag  nieman  ane  striten 

sin.  swer  nu  sin  hus,  sin  hertze,  wil  raine  halten,  der  müz  striten  wider  die 
flaischlingen  bekorung  und  wider  den  gaischlichen  Sünden,  flaischlich  mttde  daz 
ist  frasshait  und  unkünschi.  wider  der  frasshait  sol  man  striten  mit  vastenn 
20  und  swach  spis  essen;  wider  die  unkünschi  sol  man  striten  mit  veniande,  bet- 

Wir  nutzen  zem  erst  han  rainichait  . nu  eprichit  ain  hailige : 'swer  raine  wil  ein,  der 
müz  striten  widir  ime  selbin  ’ , nah  der  rede  enmach  nieman  ane  strit  sin : der  junge 
müz  striten  mit  einer  jugent,  der  alte  mit  einen  Bitten;  wan  mit  langir  gewonliait  müz 
der  menscbe  striten  also  mit  der  nnture  . unde  swer  sin  hus,  sin  herce,  rehte  rainen 

25  wil,  der  müz  striten  widir  dien  vlaischlichen  bechorungen  unde  widir  dien  geistlichen. 

Flaischlich  sunde  daz  ist  vrazhait  unde  unküschichait  . widir  der  vrazhail  sol  der 
mensche  striten  mit  vastenne  unde  swacke  spise  ezsin ; abir  widir  unkuschicbait  solt  du 

1.  ungeteilten  — 5 sprichet]  ganzin  sun  . baidiv  (b.  an  vollecomener  geliclic  vnd  an  Z)  an  nolle- 
kumink  liebi  . daz  waz  div  nature  (d.  varwe  Z)  die  der  himilsche  sunne  cnphie  von  demc  glase 
daz  er  ir  gar  gelich  waz  an  o'gen  vnde  an  munde . vndc  an  siner  rainvn  menschait  . Diz.  waz  daz 
lebinde  wort  daz  von  himilriche  wart  gcsant . her  in  ertriche  vnde  waz  hie  wandilonte  . in  meusrh- 
lichir  nature  . vnde  waz  hie  in  ertriche  insiner  mütir  schoze  suginde  . vnde  waz  in  himilriche 

in  sines  vatir  hercen  wonende  . diz  wort  daz  (/.  was  Z)  xpc  unsir  herre  . der  ist  daz  lebinde 

wort  vnde  daz  wort  ist  got  selbe  . Nu  pr&vint  me  . daz  wort  sol  wonen  riliche  in  iwiren  bervcn 
daz  ir  ivcb  selbin  lercnt  vnde  mancnt  . diz  ist  daz  wise  wort . daz  süze  wort . daz  da  selbe  leret 
alle  wishait  . alle  tuginde  . unde  alle  sadichait  . wan  ez  ist  vollekomin  an  wishait  . an  göti  an- 
s&zichait  vnde  an  allir  süziclicbir  lerc  . vnde  ist  selbe  div  ho’hste  wishait . der  obirostun  grtti  . diz 
sol  wonen  in  iwiren  hercen  . Wan  sanctus  Paulus  sprichit  der  hailige  apostolus  G.  1.  lib  .4. 

5.  tempil  vnde  a.  h.  gottes  G.  6.  ain  A.  8.  drinn  fibel]  niht  drinne  G.  9.  zenge  G.  9 ge- 
zäm e — mähti]  enmehte  er  G.  10.  bliben]  gewonen  G.  1 1.  nit  — wäri]  och  G.  so  bl.)  vnde 

bibinotti  . so  wirre  G.  12.  vngerate  A.  vndc  o’de  G.  aber]  och  G.  15.  wir  och  an  G. 

14.  sin  . daz  er  in  vns  wone  G.  15 f.  der  Text  von  G ut  in  der  nceiten  Spalte  mitgrtrüt. 

18.  fl.  s.  fehlt  A. 

5.  I.  Cor.  3, 16;  6, 19;  II.  Cor.  6, 16.  5 ff.  vgl.  oben  S.  84  Z.  10  ff. 


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57.  Von  dem  wort  Gottes. 


245 


tend,  [157*]  disciplin  nemend  und  mit  arbaitend  an  güten  werchen:  hie  mit 
überwindet  man  die  flaischlich  bekorung.  nit  allain  vervahet  rainkait  dez  libes, 
man  müz  «ich  rainnes  hertzen  und  rainnes  willen  sin.  alle  die  wile  so  daz 
hertze  und  der  wille  raine  sint,  so  schadet  nit  du  krankait  dez  libes  von 
der  nature.  noch  dan  müz  man  striten  mit  den  gaischlichen  Sünden,  daz  ist  5 
hohfart,  zorn,  nid,  hass,  gitkait.  dis  Untugend  und  ain  ieglichü  Untugend  sol 
man  überwinden  mit  tugenden.  wider  die  hohfart  sol  man  sich  demütgen 
under  din  obren,  under  din  glichen  und  under  din  swechern,  so  überwindest 
du  die  hohfart;  wider  den  zorn  sol  man  han  senfti  und  lindü  wort,  daz 
stillet  zorn;  wider  den  nid  gunste  und  dienst;  wider  den  hasse  minne  und  io 
liebi;  wider  gitekait  willeklich  armüt  und  gern  gebresten  han  und  lassen 
daz  man  wol  möhti  han.  so  man  [157’]  denn  die  Untugend  alle  über  wunden 
hat,  so  sol  man  denn  in  Gotte  rüwen,  ez  ist  och  denne  rüwens  zit.  nu, 

venion,  betton,  discipline  nemen  und  solt  dich  arbeiten  mit  allen  güten  dingen  unde  mit 
allen  güten  werckin : da  mitte  ubirwindest  du  die  vlaischlichun  bekorunge  . unde  solt  15 
dich  vlizen  daz  du  allewege  rainiz  herce  habest,  daz  du  niht  unkiischicliche  gedenkest 
willicliche,  unde  daz  din  wille  niemir  werde  übirwndin  und  niemir  genaiget  werde  ze  de- 
hainir  boshait  . alle  die  wile  daz  din  herce  unde  din  wille  also  gestillet  ist,  so  enwirret  % 
dir  niht  diu  kranch&it  die  der  lip  het  von  der  nature:  also  ubirwindest  du  alle  vlaiscli- 
liche  bekorunge.  20 

Noh  denne  solt  du  mit  deme  fürsten  striten,  daz  sint  gaistliche  sünde  . wan  liset 
daz  hie  vor  in  alten  ziten  sitte  waz  ze  Rome : so  die  burgtere  widir  ir  herren  waren 
unde  mit  inen  stritten,  ubirwant  denne  der  berre  die  bürg® re , so  wart  er  mit  harte 
grozir  vro’de  enphangen  ze  Rome,  unde  ertön  in  harte  sere  unde  sazton  ime  ein  schap- 
pel  uf  von  bliimen  . do  abir  die  fürsten  von  deme  lande  widir  deme  riche  waren  unde  25 
mit  deme  kunige  stritten,  ubirsigite  er  denne  die  fürsten,  so  wart  er  noh  lobilichir  unde 
vro'licher  enphangen,  unde  sazte  man  ime  aine  guldine  crone  uf  sin  ho'bet  unde  ertön 
in  vor  allime  deme  liute  . hie  bi  ist  bezaichint  der  strit  den  ain  iegeiich  mensche  striten 
müz  mit  ime  selbin  . bi  den  gebüron  sint  bezaichint  die  vlaischlichen  sunde,  die  wir  an 
uns  selben  übir  eigen  müzen  . so  wir  die  ubir  winden,  so  wirt  uns  zegezierde  unde  30 
zeron  gegebin  ain  schappel  von  blümen. 

Noh  denne  hain  wir  die  fürBten  niht  ubirwnden,  daz  sint  gaistliche  sünde,  daz  ist 
ho'hvart,  zorn,  nit,  baz,  giticbait  . widir  dien  solt  du  zallen  ziten  striten  unde  solt  aine 
iegeliche  untugint  ubir  sigen  mit  ainir  lugende  . wider  hohvart  solt  du  dich  demüten 
undir  dinen  obiren , undir  dinen  gelichin  unde  undir  dinen  swechirn : so  ubir  windist  35 
du  hohvart;  wider  zorne  senften  mfit  unde  lindiu  wort:  daz  stillet  zorn;  widir  nide 
gunst  unde  dienest;  widir  hazse  minne  und  liebi;  widir  gitichait  alliwege  willicliche 
armüt  unde  brestin  gerne  han  unde  lazen  daz  du  wol  mtehtist  han : daz  virtribet  gitic- 
hait . so  du  denne  die  untuginde  alle  ubirwindest,  so  solt  du  rüwen  mit  gölte,  ez  ist 
oTch  denne  rüwe  zit  . so  du  baidiu  fürsten  unde  gebaren  ubirwndin  hast,  so  wirt  an  40 


14.  venion)  weinen  Z.  22.  barg.]  gebaren  Z,  ebenso  23. 


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24  6 57.  Von  dem  wort  Gottes. 

lieber  mentsch,  behalt  dinen  lip  rain  durch  dez  Schatzes  willen  der  drinne 

verborgen  ist,  daz  ist  du  edel  sele.  die  solt  du  behüten  vor  allen  Un- 

tugenden durch  dez  grossen  Gottes  willen  der  drinne  rüwen  sol;  und  solt 
Got  eren  durch  dich  selben,  der  mentsch  der  alsuz  überwindet  an  im 
5 selben  baidü  flaischlich  und  gaischlieh  sünde,  so  der  von  dirre  weite  schai- 
det,  so  wirt  sin  sei  enphangen  an  der  hymelporten  mit  grosser  vröde,  mit 
lob,  mit  sänge  und  wirt  gekrönet  mit  ainer  guldinen  kröne  und  wirt  ge- 
zieret  mit  ainem  schappel  von  bliimen.  denne  wirt  dü  sei  sich  vröwend  in 

Gotte  und  mit  Gotte  und  mit  allem  bymelschen  here  iemer  eweklich. 

nt  Daz  ander  ist  daz  daz  gotzhuse  wit  si.  daz  ist  aber  ünser  hertz  [157*]. 
daz  sont  wir  witen  mit  der  minne  alz  sere  daz  w'ir  all  mentschen  drinne 
bevahent.  wir  sont  den  fründ  minnen  in  Gotte,  daz  wir  allez  daz  au 
Got  kerent  daz  wir  an  im  minnent  wir  sont  och  die  vigint  durch  Got 

minnen. 

15  Zü  dem  dritten  male  sont  wir  och  stark  sin.  daz  ist  also  ze  merkenu 
daz  wir  Got  sont  starklich  getrüwen.  und  sw'az  üns  arbait  an  gat,  so  sont 

wir  im  dez  getrüwen  daz  er  ez  durch  ünser  sei  hail  habe  über  üns  ver- 

beuget, und  sont  ez  nit  anders  versehen  won  daz  er  ez  allez  durch  gut 

dir  geistlich,  daz  an  dir  waz  vlaischlich ; unde  daz  e waz  irdisch,  daz  wirt  denne  hi- 
2t»  milsch;  unde  daz  e waz  menschlich,  daz  wirt  denne  gotlich  . owe  liebir  mansche,  be- 
halt dinen  lip  raine  dur  dez  schazes  willen  der  drinne  virborgen  ist,  daz  ist  din  ediliu 
sele ! du  solt  dine  sele  eren  unde  behüten  vor  allen  untuginden  dur  dez  grozin  Gottes 
willen  der  drinne  rüwen  sol,  unde  solt  Got  eren  durch  sich  selben. 

Der  mansche  der  alsus  ubirwindet  an  ime  sei  bin  baidiu  vlaischliche  sunde  unde 

25  gaistliche  sunde,  so  der  von  dirre  weite  schaidet,  so  wirt  sin  sele  enphangen  ander 
himilporte  mit  grozir  vro'de  unde  mit  lobe  unde  mit  sänge  unde  wirt  gecro’net  mit  ainer 
guldinun  crone  unde  w'irt  gezieret  mit  aime  schappel  von  blümen  . denne  vro'wet  sich 
diu  sele  mit  Gotte  unde  mit  allime  himilschin  her  ierair  ewicliche. 

Daz  andir  ist  daz  ez  wit  si  daz  hus  da  Got  mit  sime  liebin  ingeainde  wil  rüwen  . 
So  daz  hus  daz  ist  unsir  herce,  daz  sun  wir  witen  mit  der  minne  . wir  sun  aine  also  wit,* 
minne  han  daz  wir  elliu  menschin  bevahen  in  unsiriu  hercen  . wir  sun  den  vriunt 
minnon  in  Gotte,  daz  wir  alliz  daz  an  Got  keren  daz  wir  an  ime  minnen,  unde  sun  alle- 
wege Got  undir  mischen  . alse  diche  so  du  an  in  gedenkest,  alse  diche  so  dich  debain 
dinch  raizet  den  menschin  ze  minnenne,  so  solt  du  allewege  gedenchin : ich  wil  dich  dur 
S5  Got  minnon  ; unde  alle  die  wile  so  du  dich  schirmest  mit  deme  gedanche,  so  minnost 
du  allewege  in  Gotte  . du  solt  och  dine  viende  dur  Got  minnon. 

Daz  dritte  daz  ist  daz  daz  wir  mit  Gotte  rehte  veste  unde  starck  sin  . daz  ist  also 
ze  merchinne  daz  wir  Gotte  rehte  vollicliche  sun  getrüwen  . unde  swaz  uns  anegsnge, 
so  sun  wir  Gotte  getrüwen  daz  er  ez  dur  unsirri  sele  hail  ubir  uns  habe  virhenget  . 
40  unde  swaz  arbaide  dich  iemir  an  gevalle,  so  ensolt  du  dich  niht  andirs  virsehin  wan 


3.  grosse»  A.  16.  wirt  4.  19.  an  dir]  e Z. 


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57.  Von  dem  wort  Gottes. 


247 


über  uns  verhenget  und  uns  den  Ion  da  mit  meret.  swel  mentsch  alsuz 
AM  ding  du  ez  an  gant,  enphabet.  daz  hat  wol  ain  starkes  hertze,  da 

inne  Got,  dem  grossen  fürsten,  gezimet  wol  ze  sinne. 

Zü  dem  vierden  male  sont  wir  sin  beraten  mit  [158° ] edelm  gesinde, 

die  guter  zuht  sigint  und  die  ünserm  herren  wol  gezAment.  daz  gesind  sint  5 
die  hailgen  engel,  Patriarchen,  propheten,  zwelfbotten,  martrer,  bihter  und  die 
rainnen  mAgde.  die  solt  du,  mentsche,  allweg  tragen  in  diner  gehügde.  in 
disem  huse  gezimet  wol  ain  erberü  wirtinne  mit  wolgezognen  jungfrowen, 
die  wol  zuht  und  ere  kunnent  daz  sol  sin  dü  hvmelsche  und  die  aller 
erberost  wirtinn,  ünser  vrowe  sant  Maria,  mit  den  rainen  mAgden  und  den  i« 
künschen;  die  sont  daz  hus  zieren,  und  die  süllent  wir  ze  allen  ziten  in 
üserm  hertzen  tragen  und  sont  gedenken  wie  si  daz  hymelrich  erstritten 
und  gewunnen  hant,  und  sont  och  wir  nach  den  selben  eren  striten  und 

sont  üns  flissen  rainkait  an  üb  und  an  hertzen.  und  swaz  tugend  an 
irem  lebenn  wir  erkennent  und  güter  werche,  dez  sont  wir  [158°]  üns  15 

allez  flissen. 

Daz  och  wir  daz  behaltent  an  ünserm  lebenn,  so  hant  wir  ain  berraten 
hus  in  dem  Got  daz  lebend  wort  wonen  sol. 

daz  dirz  Got  gefiiget  habe  dur  din  hail  und  dur  dine  sselicbait,  unde  daz  er  dine 
tuginde  unde  dinen  Ion  wil  meron  . unde  swel  mensche  also  en  phienge  elliu  dinch,  daz  20 

hetti  wol  ain  vestez  herce  unde  ain  starkis  hus;  wan  swaz  ime  laidis  geschehe,  daz 

wsere  ime  niht  aine  lait,  ez  wa>re  im  ain  vroTde,  swa  mitte  ime  Got  sine  tuginde  unde 

einen  Ion  meretti  . swer  also  enphahit  swaz  in  ane  gat,  der  enwirt  niht  bewegit  von  de- 

bainen  dingen,  wan  er  getrilwet  Gotte  also  vollicliche  daz  er  alliz  daz  enphahit  zainir 
sundirlichun  liebi  von  Gotte  . daz  ist  ain  starckis  und  ain  vestes  hus,  da  inne  gezimet  25 
wol  ze  sinne  deme  grozen  fürsten , Gotte  von  himilriche. 

Daz  vierde  daz  ist:  daz  hus  sol  sin  wol  beraten  mit  edilme  gesinde,  die  gfltir  zuht 
sin  und  die  deme  edilen  Gotte  wol  gezemen  . daz  gesinde  daz  ist  daz  himilsche  gesinde, 
die  hailigen  engil  unde  patriarchin  unde  die  prophetin,  die  apostilen  unde  die  hailigen 
martyrere  unde  die  hailigen  bihter:  diz  schone  unde  diz  edile  ingesinde  solt  du  zallen  30 
ziten  in  diner  gehugide  tragen  . in  diseme  hus  gezimet  wol  ain  erbseriu  wirtin  mit  wol* 
gezoginen  juncvrowen,  die  wol  adilliche  unde  erberliche  zuhte  unde  ere  kunnen  . daz 
sol  sin  diu  himilsche  unde  diu  erbiere  wirtin,  unsir  vrowe  . o diu  liebe  Maria,  Gottes 
mütir,  diu  alliz  himilriche  gezieret  unde  geret  hat,  diu  sol  wirtinne  sin  in  dimme  hus 
mit  dien  rainen  nwegiden  unde  dien  kuschen  unde  dien  edilen  juncvrowen : die  sun  S5 
zieren  din  hus , die  solt  du  zallir  zit  in  dinir  gehugide  tragen  unde  solt  du  gedenchin 
wie  siu  daz  himilriche  erstritten  hain  und  gewnnen ; unde  solt  du  zallen  ziten  striten 
unde  vehtin  nah  din  selben  eron  unde  deme  erbe,  unde  solt  dich  vlizen  rainichait  an 
libe  unde  an  herein  . vlize  dich  demßtichait,  gedultichait,  miltichait,  und  swaz  du  an  ir 
lebinne  irkennest  unde  vindest,  dez  solt  du  dich  vlizen  daz  du  daz  behaltest  an  dime  40 
lebinne  . und  solt  din  lebin  ordinon  nah  der  haiiigon  lebinne  unde  abir  allir  maist  nah 
deme  lebinden  Gotte,  alse  Christus  unsir  herre  lebite  hie  in  ertriche:  swenne  du  diz 


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248 


5S.  Von  m&nger  hande  Schrift  der  mentsehait. 


[58.]  Y011  manger  hande  schrift  der  mentsehait. 

[Dominus  narrdbit  in  scripturis  populorum.J 

‘Got  sol  künden  an  der  schrift  den  lüten’,  sprichet  der  wissag  her 
David. 

5 In  zwo  wis  wil  uns  Got  künden  an  der  hailgen  schrift:  an  den  rehten 
weg  ze  hymelriche  und  an  rehtes  leben,  won  alz  dü  sunne  erlühtet  den 
nebel,  also  erlühtet  dü  hailig  schrift  die  cristenhait  und  dü  hailig  lere  die 
üns  Gottes  sun  lerte  mit  sin  selbes  munde,  und  die  hailgen  propheten  und 

die  hailgen  zwelfbotten  und  ander  hailgen,  den  der  hailig  gaist  kunte  und 

io  lerte  wie  si  die  hailig  cristenhait  leren  soltent. 

Ain  ander  schrift  hat  üns  öch  ünser  herre  gegeben,  daz  ist  der  laygen 
schrift;  won  der  lüte  ist  vil  die  der  schrift  nit  kunnent  die  an  den  büchen  ist 
geschriben,  [16&]  und  dar  umb  hat  in  Got  ain  ander  schrift  geben,  da  si  an 

lernent  wie  si  nach  dem  hymelriche  sollt  werben,  dü  schrift  ist  daz  gem&lde 

15  in  der  kirchen  von  den  hailgen,  wie  sü  lebtent  und  waz  si  durch  Got  tatent 
und  waz  si  durch  in  arbait  littent.  daz  tiit  man  durch  etwie  mänig  sache. 
ain  sach  ist  daz  si  sont  lernen  an  der  hailgen  leben  wie  si  nach  dem 
hymelriche  sont  striten  und  werben,  alz  och  die  hailgen  gestritten  hant.  dü 
ander  sache  ist  daz  si  an  rehtem  globen  gesterket  werdent,  so  si  sehent  waz 
2o  die  hailgen  hant  erlitten  dur  den  rehten  globen.  dü  drit  sach  ist,  wan  ünser 
herze  ze  unstüt  ist  und  laider  bi  im  selben  selten  ist,  daz  der  mentsch  sin 
hertze  denne  an  dem  gemälde  vindet,  so  er  siht  dü  ding  an  dü  vor  im  ge- 

in  diner  gehugide  traist  unde  dich  dar  nach  bildost  an  deme  lebinne,  so  hest  du  ain 
wol  beratin  hus  mit  edilime  ingesindc  . so  gezimet  deme  lebinden  Gotte  wol  drinne 
25  ze  wonenne  . und  daz  lebinde  wort,  daz  Got  selbe  ist,  unsir  lieber  herre  Jhesus  Christus, 
der  wonet  denne  in  tfime  hercen  riliche. 


1.  Überschrift  fehlt  G,  Diso  wort  sprichit  ein  wissage  (rot)  Z,  W am  Bande  Sermo  XXV, 
De  sancto  Paulo  N,  In  passione  Arundcl,  ItP  van  deme  lyden  vns  heren  Phill.  2.  Der  lat. 
Text  fehlt  A.  3—5  künden]  I)isiv  wort  sprichit  der  wissage  danid  . Got  s.  k.  an  dien  scriften 
d.  I.  Diz  wort  mugen  wir  enzwaige  wiz  vimemen  . daz  uiib  got  künden  wil  GZ.  6.  an  r.]  daz 
rehte  G.  alz]  rchtc  zegelichir  wiz  alsc  G.  7.  die  hailigun  er.  G.  b.  lerte  selbe  mit  sinem 
m.  G.  und  nach  propli.  fehlt  G.  14.  lernent]  sun  lernen  G.  dem  fehlt  G.  15.  kilchun  . 
daz  man  da  malot  von  G.  15  f.  tatent  — man)  arbaite  litten  . vnde  wie  siv  manigir  martyr 
gemartirot  wrden  . vnde  tüt  man  daz  G.  19.  sun  gest.  werdin  G.  21.  herze  atu  h're  korr.  A. 
ze  fehlt  G.  vor  daz]  darumbe  ist  och  daz  gemadde  gcmachot  6.  22  f.  denne  — gedenket] 

vindo  . so  er  mit  dien  nzziren  o'gen  anc  siht  daz  getmeide  . daz  er  denne  div  inren  dich  vinde 
dez  hercen  . vnde  er  gedcnchc  an  div  dineh  div  vor  ime  sint  gcmalet . vnde  also  vindet  der  mensche 
sin  hcrce  G.  2li.  So  schließt  auch  Z. 


1.  Die  Predigt  findet  sich  in  G Bl.  79”,  Z Bl.  93\  W Bl.  113,  X Bl  116‘.  HXr.16,  Arundcl 
Bl.  86',  Phill.  Bl.  165h.  — Gedruckt  nach  Z bei  Wackcmagcl  S.  127.  2.  Ps.  86,  6. 


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5$.  Von  mSnger  hande  schrift  der  nientschait. 


249 


malet  sint,  und  denne  inwendig  dar  nach  gedenket,  also  sprichet  der  wissag: 
'herre,  ich  han  min  hertze  funden’.  nu  [158“]  merkent:  swaz  der  mentsch 
sins  dinges  vindet,  daz  müz  er  e verlorn  han.  also  geschiht  ez  laider  dik 
daz  der  mentsche  sin  hertze  verlöret  mit  üppigen  gedänken,  so  sol  er  es 
vinden  an  dem  gemülde.  du  vierde  sach  ist  daz  man  an  der  hailgen  leben  5 
lerne  tagend  und  rainkait. 

Aber  über  allez  gemälde  und  über  Allü  bilde  sont  wir  an  sehen  ünsers 
lieben  berren  marter  bilde  und  sont  dar  an  lernen  aht  leccen,  die  er  uns  vor 
hat  geschriben  an  sim  hailgen  übe. 

Dü  erst  lecce  ist  willeklichü  armüt.  daz  merkent  da  bi  daz  er  so  gar  in 

nakent  stat.  und  dar  an  sont  öch  wir  lernen  daz  wir  arm  kunnent  sin 

durch  sinen  willen,  der  durch  lins  och  arm  ist  gewesen,  daz  er  aller  siner 
herschefte  und  allez  sines  rihtümes  so  vil  nit  hatte  daz  er  sinen  lip  be- 

dakti,  won  [159“]  daz  er  gar  nakent  stftnd  an  dem  crütze.  ‘ sAlig  sint  die 

willeklich  arm  sint’,  spricht  unser  herre  in  dem  ewangelio,  ‘won  daz  hymel-  15 
rieh  ist  iro’.  und  dar  umb  sont  wir  gerne  arm  sin,  won  er  ist  wol  sälig 
und  me  denn  sälig  dez  daz  hymelrich  ist,  won  er  hat  me  denn  er  gert; 
und  alles  daz  er  hat,  dez  genüget  in,  und  ist  im  alz  wol  mit  armüt  daz 

in  nit  dunket  daz  er  arm  si.  won  ze  glicher  wis  alz  der  gitig  man  alle- 

wegent  me  gert  uud  fürhtet  daz  im  gebreste,  also  dunket  allwegent  den  20 

willigen  armen  daz  er  ze  vil  habe,  da  von  haisset  er  si  sülig,  die  wil- 

ligen armen,  won  si  hant  dez  si  gerent:  wou  si  gerent  nit  won  armüt  und 
gebresten.  da  von  sint  si  sälig  daz  si  daz  willeklichen  hant  durch  Got. 

intrüwen  si  hant  wol  gelernet  bi  irem  schöpher  arm  sin  und  hant  sin 

1 159 *]  marter  bilde  wol  für  ir  ogen  gemalet  und  sin  armüt,  die  er  hatte  in  25 
allen  sinen  tagen,  si  sint  öch  da  von  sülig  daz  si  nieman  beröben  mag; 

won  swen  man  röbet,  der  wirt  ungedultig  und  flwcüet.  si  hant  nit  und  da 
von  nimet  man  in  niht,  si  sint  och  sAlige,  won  si  hant  ietz  ain  tail 
hymelscher  frihait  die  si  in  hymelriche  sont  gar  enphahen,  daz  ist  daz  si 
me  hant  denn  si  gerent,  und  hant  so  gnüg  daz  si  nit  me  woltent  han.  so 

1.  wissagc  dauid  G.  S.  »ins  dinges  fehlt  G.  5.  man]  wir  snn  lernen  G.  6.  lerne 

fehlt  G.  10.  lecce  fehlt  G.  so  fehlt  G.  11.  und  fehlt  G.  11  f.  arm  — willen]  willic- 
liche  a.  sin  durh  got  G.  12.  och  — gewesen]  als  a.  wolte  sin  G.  13.  sinen  Up]  sine  schäme  G. 

14  f.  sAUg  — 17  ist]  wir  Bun  gerne  arn  sin  . wan  unsir  herre  sprichit  i.  d.  ew.  Bcati  pauperes 

spiritu  . Ssel ich  s.  die  armen  . bimilriche  ist  ir  . der  mensche  der  williche  arn  ist . der  ist  sselich  . 
sit  got  selbe  sprichit  . daz  er  smlich  si  . So  ist  er  och  stelich  . wan  himilricho  ist  sin  . bimilriche 

ist  ain  so  groz  sebaz  . daz  er  wol  »«-lieh  . vnde  uil  stelich  ist  . dez  daz  himilricho  ist . Er  ist  och 

darumbc  stelich  G.  18.  und  alles]  wan  a.  G.  20.  dilchit  abir  alliwegc  G.  21.  armin 
menschin  G.  23.  stelich  och  . daz  s.  G.  24  f.  sin  marterbilde]  daz  bilde  siner  martyr . vnde 

siner  haiiigun  menschait  G.  26.  tagen  . do  er  mensche  waz  uffen  ertriche  G.  27.  flöhet  .4. 

fluchet  — und]  vlöchint  siv  och  . die  stelde  hain  siv  och  daz  siv  nieman  robit . wände  siv  niht  hain  G. 

28.  man  och  inen  G.  Si  sont  4,  So  sint  siv  G.  och  iczo  G.  29.  der  himilschun  fr.  G. 
daz  ist  div  vrihait . daz  G.  SO.  hant  so  gnög]  gnöget  siv  ir  armfit  G.  nach  han]  div  vrihait  ge- 

2.  im  Anschluß  an  P«.  43, 19;  Eccli.  51,27  f 10  ff.  rgl.  oben  S.  35  Z.  6 ff.  14  f.  Matt.  5,  3. 


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260 


5S.  Von  in  Anger  hande  schrift  der  mentachait. 


Dü  ander  letzge  ist  volkomnü  minne.  daz  raerkent  da  bi  daz  er  ge- 
henket  wart  entzwüschent  zwen  schachman,  rehte  alz  er  ir  schulde  wolt 
tragen,  und  allez  daz  er  lait,  daz  lait  er  durch  die  vigint.  nu  waz  möhti 
grösser  minne  sin?  alsuz  hat  er  öch  geleret  uns  daz  wir  unser  vigint  min- 
5 nent,  und  sont  in  ze  statten  komen  und  ze  dienste  so  si  ez  bedurfent;  won 
unser  herre  [159c]  wolt  nit  gemartret  werden  durch  die  güten,  nument 
durch  die  sünder.  sant  Paulus  sprichet:  ‘gedenkent  und  ahtent  wie  groz 

not  unser  herre  erlitten  hat  umb  sin  vigind’.  und  sit  er  nu  so  groz  not 
lait  und  er  so  groz  minne  da  mit  üns  erzaigte,  waz  wännent  ir  waz  er 
to  denne  grosser  und  unmAssiger  minne  nu  zaige  sinen  fründen?  won  daz 
ist  ane  zwivel  war  daz  er  sinen  fründen  groz  minne  wil  zaigen.  won  daz 

müz  sin;  won  swer  sin  vigint  alz  volleklich  minnet,  der  minnet  sin  fründ 

vil  volleklicber.  sant  Johans  sprichet  von  der  minne  die  Got  dem  ment- 
schen  ögte : ‘do  wir  sin  vigint  warent,  der  groz  Got  der  minnet  üns  also 
15  sere  daz  er  sinen  lieben  aingebornen  sun  in  de«  tot  gab  für  üns,  und  tet 
daz  dar  umb  daz  wir  sin  fründ  wurdent.'  nu  merkent  wie  groz  miltkait  er 
üns  hat  erzaiget:  do  wir  verlurent  sin  huldi  und  [159a]  wir  in  erzumtent 
von  ünsren  Untugenden,  do  waz  daz  ain  grössü  miltekait  daz  er  üs  ze 
fründe  wolt  gewinnen  mit  sins  lieben  kindes  tot. 

20  Dü  dritte  letzge  ist  sin  groz  und  sin  überflüssendü  erbärmde.  und  mer- 
kent daz  da  bi  daz  er  sim  vigint,  der  bi  im  hieng  von  schulden  und  der 
sin  hatte  gespottet  und  in  hatte  gescholten,  do  der  selbe  an  in  gnade  gerte. 
do  erhörte  er  in  zehant  und  gab  im  me  gnaden  denn  er  gerti.  er  sprach: 
‘herre,  gedenk  min,  so  du  körnest  in  din  riche’.  do  erhört  in  ünser  herre 

25  zehant  und  sprach:  ‘ würliche  sag  ich  dir  daz  du  Mt  mit  mir  solt  sin  in 

dem  paradyse'.  do  gab  er  im  me  gnaden  denn  er  in  batt,  won  er  batt  in 


lichit  sich  ain  tall  . der  himilschnn  vrihait  . da  uon  sint  (s.  siv  Z)  saelich  hie  in  crtriche  . Vnde 
sun  hernah  zehimilrichc  cnphan  die  ewigun  sa-ücliait  . wan  daz  sprichit  unsir  herre  selbe  daz  daz 
himilrichc  ist  der  die  willicliche  arn  sint  . dur  got  G. 

1 f.  gell,  wart]  wolle  gehenchit  werden  G.  2.  sebahehere  G.  Sf.  and  — sin]  Wie  nnchti 
er  iemir  gro’zir  vfl  vollckomine  minne  baz  irzaigin  denne  daz  er  siner  viende  schulde  wolte  tragen 
vf  sime  nigge  . vnde  an  allen  sinen  lidirn  sunderlich  wolte  er  gemartyrot  werdin . vnde  hette  erz 
ioh  gelitten  dur  sine  vriunt  . ez  wä  re  doch  ain  zaichin  grazil  minne  . daz  er  ez  abir  wolte  tan 
dur  sine  uigindc  . daz  waz  noh  volle  kominriv  minne  G.  4 f.  minnen  sun  G.  6 f.  nument  — 
sünder]  er  wolte  not  undc  tot . undo  alle  bitirchait  liden  dur  sine  viiende  G.  7.  ged.  merchint 
vnde  a.  G.  S.  ünser  h.)  got  G.  umb]  dur  G.  nu]  dur  sine  viende  G.  9.  er 
so  — erzaigte]  vns  so  grozir  minne  zaichin  gap  G.  warnen  wir  nu  waz  G.  10.  ubir- 
m.Tzigir  G.  11.  won  d.]  Vnde  merchint  daz  sprichit  er  . daz  ez  G.  13.  ioh.  der  minner 
spr.  G.  14.  got  . der  hailige  uater  vnde  div  hailige  gothait . der  6.  15.  liebin  sun  . sinen 

edilcn  Bun  . vnde  sinen  ain  bomen  sun  G.  det  A.  uns  . do  wir  sine  viende  waren  . undc  G. 

16.  wie  rehte  gr.  G.  19.  kindes]  sunes  G.  20.  ist  fehlt  A.  21.  hanget«  G. 

23.  sprach  . Memento  mci  domine  dum  veneris  in  regnum  tnum  G.  24.  in  ü.  h.]  er  in  G. 

25.  wariiehe  du  solt  hivte  sin  m.  mir  in  G.  26.  ime  zehant  me  G. 


7.  Rom.  5,  10.  13  f.  Joan.  3, 16.  24.  Luc.  33,  43.  25.  Luc.  33,  43. 


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58.  Von  minder  h&nde  Schrift  der  mentschait. 


251 


nit  won  daz  er  sin  gedAhti,  so  er  in  sin  rieh  kirne;  do  gab  er  im  daz 
ewig  riche  ze  beschowenn.  er  gedahte  sin  nit  allaine,  er  gab  im  / 160‘J  daz 
paradyse  ze  besehowend.  dis  paradys  waz  du  götlich  an  gesiht.  daz  sont  ir 
wissen  daz  er  in  dehain  ander  paradis  für  won  hin  zü  der  helle  da  aller 
hailgen  seien  warent,  die  siner  zü  kunfte  baitetent  und  zü  allen  stunden  5 
gertent  iro  schephers,  daz  er  si  losti:  zü  den  für  och  er.  und  an  der  selben 
stunde  do  unser  herre  an  dem  erütz  verschiet,  do  für  sin  hailgü  sei  hin  zü 
der  helle  und  loste  alle  die  sins  vatters  willen  hattent  getan;  und  an  der 
selben  stunde  starb  öch  der  Schacher  und  für  och  dar  und  sach  do  Got  an 
siner  gothait.  da  von  spricht  er:  ‘er  für  in  daz  paradys  aller  wollust'.  und  to 
daz  ist  ain  urkunde  siner  überfliessend  erbArmde  daz  er  so  groze  erb  Arm  de 
tet  sinen  viginden.  da  bi  mugent  ir  merken  daz  er  sinen  fründen  vil  grosser 
[160‘]  erbArmde  tüt.  hie  bi  sont  wir  aber  lernen  daz  wir  erbArmde  sont 
han  nit  allaine  über  unser  fründe,  wir  sont  uns  och  erbarmen  über  ünser 
vigint.  15 

Dü  vierde  letzge  ist  andähtigü  gehorsami.  daz  merkent  da  bi  daz  er 
sin  sele  Hess  schaiden  von  sim  libe  mit  genaigtem  hobte.  dar  an  merkent 
zwui  ding:  andaht  und  gehorsami.  daz  er  sin  sele  liess  von  sim  libe 
schaiden,  daz  waz  ain  zaichen  gantzer  gehorsami;  daz  er  aber  sin  höbet 
naiget,  daz  waz  ain  zaichen  gantzer  andaht,  dü  in  sim  rainnen  hertzen  waz;  2« 
won  er  sprach:  ‘herre  vatter,  ich  bevilhe  dir  minen  gaist’,  reht  alz  er 
sprAche : herre  vatter  min,  ich  bin  dir  gehorsam  gewesen  untz  an  den  tot 
und  han  allen  dinen  willen  volbraht,  nu  enphah  minen  gaist,  ich  han  ez 
alles  vollendet,  do  naiget  er  sin  höbet  und  verschied,  hie  an  sont  och 
wir  lernen  andaht  und  gehorsami.  wir  sont  niht  [160'J  allain  gehorsam  sin,  25 
wir  sont  och  andAhtig  sin,  alz  ünser  herre  waz.  swaz  man  den  güten  ment- 
sehen  haisset,  daz  sol  er  enphahen  mit  genaigtem  hopte,  daz  man  da  bi 

merki  daz  er  mit  andaht  gehorsam  si.  nu  merke  wie  din  andaht  sol  sin 

engegen  der  gehorsami.  du  solt  gedenken  durch  wen  du  gehorsam  bist  und 
durch  wen  du  dich  hast  begeben  libes  und  gutes  und  dines  aignen  willen : so 

daz  hast  du  getan  durch  Gottes  willen  und  sin  liebi.  swaz  man  dich  denne 
haisset,  so  solt  du  gedenken:  herre  vatter,  min  schepher  und  min  erlöser 


1.  ime  warlichc  daz  G.  2.  riche]  paradys  G.  2 f.  daz  — besehowend]  sol  bin  ze  scho’winne 

daz  lebinde  p.  G.  3.  Diz  p.  daz  waz  G.  vndc  daz  G.  4.  alle  G.  7.  sele  vnde  sin  gothait 
bin  G.  8.  die  die  G.  10.  spr.  er]  spr.  man  G.  paradys  . wan  sin  gotlich  angcscho'wide  ist 
ain  paradys  G.  12.  tet]  gap  G.  groze  G.  IS.  tftt]  git  G.  16.  lezze  die  wir  an  dome  ertiee 
sun  lernen  . daz  ist  G.  18.  er  abir  sin  ho'bit  naigite  . vndc  daz  er  G.  Bim  libe]  ime  G. 

20.  gantzer]  grozir  G.  21.  wan  er  naigite  sin  ho'bit  vnde  spr.  Pater  in  manus  tus»  conmendo 

spiritnm  meum  . herre  G.  22.  an]  vf  G.  23.  gaist . Consnmatum  cst . Ich  G.  24  f.  sont — •» 

und]  mögen  w.  wol  I.  andehtige  G.  26.  och  fehlt  G.  sin  mit  der  gehorsami  . alse  G.  . 

28.  si]  waz  . vnde  daz  sin  herce  senfte  ist  mit  gehorsami  . Wan  andaht  div  rnaehit  allewege  lindez 
vndc  senftes  gembte  G.  29.  der  fehlt  G.  80.  dinö  A.  31.  willen  u.  s.  fehlt  G. 

21.  Luc.  23,  46. 

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252 


58.  Von  minger  hande  Schrift  der  mentschait. 


und  min  behalter  und  min  Ion,  dis  tun  icli  alles  durch  dich,  nu  enphach 
minen  willen  und  min  gehorsami  zü  aim  opher.  und  daz  gebot  solt  du 
ordenlich  Volbringen  und  andähtklich  untz  an  den  tot,  won  unser  herre  waz 
och  durch  dich  gehorsam  untz  an  den  tot.  alz  sprichet  sant  Paulus:  ‘unser 
s [160*]  herre  waz  gehorsam  untz  an  den  tot  dez  crüzes’.  nu  sprichet 
sant  Bernhart:  ‘gedenkent  daz  Gottes  sun  sin  lieben  sei  lie  von  sim  übe 
schaiden  durch  gehorsami,  und  sehent’,  sprichet  er,  ‘daz  ir  der  gehorsami 
niemer  vergessint’. 

Dü  fünfte  letzge  ist  gütü  zuht.  daz  merkent  da  bi  daz  er  in  allen 
io  sinen  nöten  nit  wolte  lassen,  do  sin  müter  bi  im  stünt  under  dem  crütze.  er 
mainde  si,  daz  si  wol  wiste  daz  er  ir  nit  vergessen  hatte,  swie  groz  sin  not 
und  sin  bitterkait  waz:  nit  vil  moht  er  mit  ir  gereden,  so  groz  waz  sin 
marter  und  sin  angst;  doch  gab  er  ir  mit  kurtzen  Worten  ze  merkenne 
mänigvaltigen  sin  der  grossen  liebi  und  der  zuht  die  er  ir  bot.  er  sprach 
1J  süsseklich  zü  ir,  alz  er  do  mohte  (won  sin  kraft  waz  gar  bewichen.  er  waz 
vil  bi  aller  tot,  do  er  zühteklichen  sprach):  ‘sich,  liebü  müter,  wie  din  [161 '] 
ainger  sun  stat!’  reht  alz  er  spräche:  ‘ach  min  süssü  müter,  wie  tüt 
dir  min  ser  so  we  daz  du  mich  din  ainges  kint  vor  dinen  ogen  sihest 
hangen  mit  blüte  gar  berunnen!'  und  in  aller  siner  angst  moht  er  nit  ver- 
so lassen  er  befulhe  si  sinem  lieben  junger  sant  Johausen.  hie  bi  sint  aber 
wir  geleret  daz  wir  vatter  und  müter  eren  sont;  und  nit  allain  ünsern 
flaischlichen  vatter  und  müter,  wir  sont  och  ünsern  gaischlichen  vatter  und 
müter  eren.  man  liset  von  Thobya  daz  er  sinen  sun  lerte  vatter  nnd  müter 
eren,  so  volgeti  im  gelüke.  und  also  sont  wir  och  ere  und  zuht  bieten 
25  ünserm  gaischlichen  vatter  und  müter,  so  volget  och  üns  gelüke. 

Dü  sehste  letzge  ist  durnähti  gedultsami.  daz  merkent  da  bi  daz  er  ge- 
negelt wart  an  daz  crütze;  reht  alz  er  spräche:  nu  tünt  [16V]  mir  swaz  ir 
wend,  daz  wil  ich  allez  gedulteklich  liden.  wie  er  wiste  daz  er  in  allem 


1.  alles  fehlt  G.  4.  och  fehlt  G.  Paulas  . Christus  faetus  est  pro  nobis  obediens  u«jne 
a(l  mortem  . Vnsir  G.  5.  w.  willieliche  gell.  G.  6.  Gedenchint  liebin  brfldir  unde  swestiran  . 
vnde  prelatin  daz  GZ,  in  H'  fehlt  vnde  prclntin.  lieben  fehlt  G.  sim  libe)  ime  G. 

8.  nach  vergessint]  swenne  ir  daran  gedenebent . so  sunt  ir  geraizet  wordin  daz  ir  gehorsami  uolle- 
bringent  unz  an  den  tot  . Wau  swer  in  vngehorsami  wirt  funden  sprichit  er  . der  ensol  niemir 
tailhaft  werdin  sinir  gehorsami  G.  9.  Iczzc  ist  ain  lezze  gntir  zuht  G.  9 f.  er — crütze)  sin 
liebiv  mütir  b.  i.  st.  v.  d.  er.  Nu  merkint  wie  groze  zuht  er  ir  bot  . in  allen  sinen  angisten  wolte 
er  niht  lazin  G.  IS.  merkenne)  uirneminne  G.  14.  vnde  zuht  G.  15.  do  beste  m.  G. 

16.  wie]  min  . wa  G.  17.  a.  sun]  ainiges  kint  G.  18.  ainiges  . vnde  din  sfizes  kint  G. 

20.  enbeva  ] G.  20  f.  sint  — geleret]  sun  wir  abir  lernen  G.  21.  unsir  uatir  unde  unsir  tu.  G. 

22.  flaischl.]  liebin  vatir  . vnde  vnsir  vlaischlichin  G.  22  f.  vatter  u.  m.  eren]  imitir  vnde  unsira 

gaistlichin  vatir  eren  . der  unsir  uatir  ist  an  gottes  stfetto  G.  23  f.  lerte  . daz  er  v.  u.  m.  erti  G. 

24.  und  also]  Also  G.  öch  fehlt  G,  ebenso  25.  25.  unsiren  g.  uettim  . v.  mOteron  an 

gottes  sta'tto  . so  G.  26.  gedult*.]  gehorsami  falsch  G.  28.  er  wol  wisse  G. 


4 f.  Philli.  2,  8.  16.  Joan.  18,  26.  23.  Tob.  3,  3 f. 


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58.  Von  m&nger  hande  schrift  der  mentschait. 


253 


sim  lebenn  dehain  ding  getet  dar  umb  er  wirdig  wäre  den  tod  ze  lidenn, 
do  waz  er  doch  also  gedultig  daz  er  nie  kain  ungedultig  wort  gesprach. 
und  in  siner  grossen  not  sprach  er:  'herre  vatter  min,  vergib  es  inen  die 
mir  dis  marter  an  tönt,  won  si  wissent  nit  waz  si  tünt’.  hie  bi  sont  och 
wir  lernen  unschulde  gedulteklich  liden  und  och  schulde  und  allez  daz  lins  5 
an  gat. 

Dü  sibend  letzge  ist  endhaftü  stätekait.  daz  merkent  da  bi  daz  er 

durch  sin  hailgen  füsse  genegelt  wart;  reht  alz  er  spräche:  ich  wil  stäte  sin 
an  miner  gehorsami  und  wil  niemer  von  dem  erütze  körnen  e daz  ich  dar 
an  erstirbe.  da  mit  hat  er  uns  geleret  stätekait  gütes  lebens,  daz  der  to 

mentsch  daz  erütze  siner  büsse  stäteklich  trage  untz  an  sin  ende,  und  sol 
rehte  an  [161‘]  daz  erütze  gaischliches  lebens  genegelt  sin  mit  henden  und 
mit  fftssen,  alz  ünser  herre  an  sin  erütze  genegelt  waz,  daz  er  niemer 
gewenke,  daz  er  reht  stäte  si  mit  gutem  willen  untz  an  den  tot;  won  wirt 
der  mentsch  in  gutem  lebenne  an  dem  tot  funden,  so  vergit  im  ünser  herre  15 
durch  daz  gut  leben  da  er  denne  inne  ist,  swaz  er  ie  Übels  getet.  wäre 
och  der  mentsche  hundert  oder  tusent  jar  ain  guter  mentsche  in  gutem 
lebenn,  und  keret  er  ain  tages  da  von  vor  sim  töde,  so  enhilfet  in  nit  swaz 
er  ie  gütes  getet,  er  müsse  iemer  verlorn  sin,  wirt  er  also  funden.  da  von 
ist  üns  not  daz  wir  mit  endhafter  stätekait  genegelt  sigint  an  daz  erütze  20 
mit  ünserre  büsse  in  gaischlichem  lebenn;  won  swie  der  mentsch  funden  wirt 
an  sim  ende,  also  wirt  im  gelonet. 

Dü  ahtend  letzge  ist  lang  gebet,  daz  merkent  da  bi  daz  er  in  aller 
siner  not  an  dem  erütz  bettot  fünfzig  [16 1*]  und  hundert  vers,  reht  alz 

mänig  salm  in  dem  salter  stat;  und  vieng  an  dem  salmen  an:  ‘deus,  deus  25 

meus  respice  in  me’,  und  las  fürsich  die  salmen  alle  untz  an  den  vers:  'in 
manus  tuas  domine’,  und  do  er  den  gelas,  do  verschiet  er.  er  vieng  sin  . 
gebet  an:  'deus,  deus  meus’,  daz  sprichet:  ‘herre,  herre  Got,  vatter  min,  hast 
du  mich  verlassen?’  swer  daz  wort  reht  merket,  der  mag  wol  erscliriken 

und  vohrte  han  zü  sim  ende,  sit  Gottes  sun,  der  nie  sünd  getet,  so  groz  so 
angst  hatte  und  er  sinen  vatter  so  inneklich  an  lüfte  daz  er  sin  nit  liessi, 
owe.  waz  mugent  wir  denne  sprechen!  dis  sol  üns  ain  lere  und  ain  raitzung 

1.  nie  enhain  d.  G.  3.  not]  bittirchait  G.  min  fehlt  G.  5 f.  und  och  — gat]  Der 
mensebe  sol  gedenehin  andiso  lezzun  . wie  gedulticlichc  sich  unsir  lierrc  licz  nagclon  an  daz  crüce  . 
unde  sol  och  der  mensche  sich  twingen  daz  er  gedulticliche  lidc  baidiv  schulde  undc  unschulde 
undc  ailiz  daz  in  ano  gat  G.  10.  Da  mitte  lertc  er  uns  G.  14.  daz]  wan  daz  G.  stäte 
si]  mit  stsetiehait  geheftet  si  . vndc  genagilot  G.  16.  getet]  gelcbite  G.  17.  vor  in]  ge- 
wesin  G.  18.  swaz]  ailiz  daz  G.  19.  er  fehlt  A.  io  getet  zegflte  G.  24.  bettotto  . da 
von  scribit  sanctus  Jeronimo  daz  er  andeme  crüce  bettetti  G.  nach  alz  ist  in  A er  rot  durch- 
strichen. 25.  in]  an  G.  und  — s.  an]  alse  maniger  uers  laz  er  an  deme  crüce  an  sime  tode . 
Dasprichit  er  . daz  er  anevie  an  deme  salmen  G.  an  nach  salmen  nachträglich  eingefügt  A. 

27.  domine]  cumendo  spiritum  raeum  G.  28.  meus  respice  . daz  G.  30.  d5  eingefügt  A. 

32.  wir  armin  sünder  G. 

3.  Luc.  23,  34.  25.  Ps.  21,  2.  26/'.  P>.  30,  6. 


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254 


58.  Von  m&nger  hande  Schrift  der  mcntschait. 


sin  daz  och  wir  gerne  und  flisseklich  sont  betten  an  dem  tode  alz  unser 
herre.  der  bettet  in  allen  sinen  ängsten  alz  emzklich  alz  ob  er  alle  sin  tag 
wAr  ain  sünder  gewesen,  nu  sont  och  wir  an  dem  tode  Got  an  [162‘] 

rftfen,  won  dez  bedurfent  wir  armen  sünder  wol  und  vil  baz  denn  unser 

herre,  der  nie  sünde  getet.  daz  gebett  an  dem  tode  ist  vil  nütze  durch 
münig  Sache,  aber  ze  vordrost  durch  zwo  sache.  ainü  ist  daz  ez  die  sele  ze 
hymelrich  verrihtet  mit  znversiht,  daz  der  mentsch  Got  getrüwe  daz  er  sin  nit 
lasse,  dü  ander  ist  daz  ez  die  bösen  gaiste  vertribet,  die  den  mentschen  in 
mänig  wise  denne  versüchent,  daz  si  in  verlaitent:  und  da  von  bedarf  der 
10  mentsch  wol  daz  er  denne  flisseklich  bette,  swie  gilt  joch  der  mentsch  ist, 
so  mügent  in  doch  die  bösen  gaist  an  sim  ende;  won  ünsern  herren  Jhesum 
Christum,  der  Got  und  mentsch  waz,  den  liessent  si  nit  lidig,  si  wArent  zü 

sim  ende,  und  ainer  sass  uff  dem  erütze  bi  ime,  swie  er  im  doch  nit  ge- 

schaden  mohte.  owe,  wes  mugent  [162*]  wir  armen  sünder  denn  ^ewis  sin! 
15  da  von  ist  üns  not  daz  wir  inneklich  bettegint  an  ünserm  ende. 

[59.]  Von  der  erkennung  unser»  berren. 

[Petre,  amas  me?] 

'Peter,  minnest  du  mich’,  sprach  ünser  herre  zü  sant  Peter,  do  antwurt 
im  sant  Peter  und  sprach:  ‘herre,  du  waist  wol  daz  ich  dich  minnen  von 
20  allem  mim  hertzen’. 

Disü  frage  ist  nit  allain  sant  Peters,  ez  ist  gesprochen  zü  aim  ieglichen 
mentschen  der  mit  rehtem  hertzen  gesprochen  mag:  ‘herre,  du  waist  wol  daz 
ich  dich  minne  von  allem  mim  hertzen’.  ‘Peter'  daz  ist  also  vil  gesprochen 

alz  ain  erkenner.  swer  nu  Got  minnen  wil,  der  müss  in  öch  erkennen,  nu 

25  ist  drierhant  erkennung,  dü  gat  in  der  minne. 

2.  in  — ob]  als  einzige  vndc  als  innecliche  in  a.  b.  angisten  an  deine  crücc  als  G.  S.  nn  — 
6 vordrost]  owe  wir  annen  menschin  vil  armir  sündir  waa  mäht  du  denne  aprvchin  . Vna  ist  not 
daz  wir  vliziclicbe  vnde  emzige  got  an  rftfen  an  deme  tode  . dur  etwie  manigo  sache  . Abir  sun- 
dirliche  G.  6 f.  ainö  — Got]  Ain  sache  ist  daz  der  mensche  sine  sele  vndo  sin  gemftte  rihte 
engegin  himilriche  mit  deme  gebette  . daz  er  mit  rehtir  zftvirsiht  sin  herce  beraite  . vil  gotte  gar 
durnehticlichc  G.  8.  andir  sache  ist  . daz  er  mit  deme  gebette  die  b.  G.  9.  und  fehlt  G. 

10.  denne  fehlt  G.  11.  die  uil  bo'sen  G.  13.  vnde  sazen  G.  er]  siv  G.  doch  fehlt  G. 

14.  moliton  G.  wissen  A,  gewis  sin  G.  15.  daz  wir]  gowcrliche  d.  w.  gar  G.  an  6.  e.]  dar 

umbe  daz  wir  unsir  sele  undc  unsir  gemftte  rillten  gegin  deme  himilriche  . vnde  daz  wir  o'ch  die 
bo'sin  gaiste  von  uns  uirtriben  . die  uns  gerne  wolton  virlaiten  GZ.  16.  Überschrift  fehlt  G. 
Dis  sprichit  vnser  herre  selbe  (rot)  Z,  W am  Rande  Sermo  XV,  De  S.  Petro  Arundel , Vp  sent 
peters  dach  cj'  sermoy  Phill.  1*.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  18.  Disiv  wort  Bprach  nnsir  herre 
ze  sancto  petro  . Petir  minnost  du  mich  . Do  GZ.  21.  allain  fehlt  G.  ez]  si  G.  22.  men- 
schin . Vnde  gesah  got  den  menschin  G.  25.  dü  — minne]  wie  wir  got  irkennen  sun  . vti  nah 
iegelichir  irkennunge  gat  ir  minne  G. 

16.  Die  Predigt  steht  in  G Bl.  83*  Z Bl.  97»,  IV  Bl.  77 % X Bl.  80%  H Xr.  17,  Antndel 
Bl.  88r;  Phill.  Bl.  184K  — Das  in  G auf  der  Innenseite  des  Yorderdeckels  sieh  befindliche  Bruch- 
stück dieser  Predigt  ist  gedruckt  bei  Mone,  Anzeiger  8, 183.  17.  Joan.  21, 17. 


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59.  Von  der  erkennung  unsere  herren. 


256 


Dü  erst  erkennung  ist  an  der  creatnre.  da  sont  wir  an  erkennen  daz 
411  ü creatnre  von  Got  komen  ist  und  öch  wider  zu  Gotte  flüsset.  wir  müs- 
sent  och  erkennen  an  der  creature  [16 2‘]  waz  si  von  ir  selben  ist:  si  ist 

ain  uppekait.  dar  nach  sont  wir  erkennen  waz  si  von  Gottes  tugend  ist: 

daz  ist  sin  glichsami.  dar  nach  sont  wir  erkennen  wie  si  in  sim  dienste  ist.  5 

dar  nach  wie  si  an  ünserra  hertzen  nütze  si.  an  der  ersten  erkennung  lit 
versmahung  der  weite;  won  swenne  der  mentsche  erkennet  daz  ez  allez  ain 
upkait  ist,  so  sol  er  es  versmahen.  also  sprichet  sant  Augustinus:  ‘denne 
versmahent  wir  lihtsam  die  weit,  so  ünser  girde  ist  gesterket  dar  da  enhain 
wandelbäri  ist,  da  wir  nit  vörschent  der  dinge  die  vervaren  sint,  und  da  io 
wir  nit  wartent  künftiger  ding,  da  wir  och  nit  fürhtent  dehain  widerwärtig 
ding’,  an  der  andren  erkennunge  lit  Gottes  lop;  won  so  wir  erkennent  wie 
si  Gottes  gelichsami  ist  und  wie  si  von  Gottes  tugenden  ist,  so  müssent  wir 
in  loben,  an  der  dritten  erkennung  lit  Gottes  vorlit  [162 *]  und  minne;  won 
swenne  wir  erkennent  wie  gar  flisseklich  dü  creature  irm  schöplier  dienet,  so  15 
müssent  wir  traegen  lute  erweket  werden  mit  der  vorhte.  an  der  vierden  er- 
kenuung  lit  an  erlöschung  böser  girde  und  gelüste,  über  dis  erkennung  sont 
wir  uf  stigen  und  sont  Got  erkennen  an  der  creature,  alz  in  die  haiden  er- 
kandent.  die  ahtetant  wie  groz  dü  creature  ist  an  der  kreftikait  und  an 
der  grössi  dez  hymels  und  andrer  creatur,  und  gaben!  des  ain  regel  daz  ain  20 
Got  wäre  der  aller  ding  schepher  ist,  und  sprachent:  rwa  ain  zimberman 
wäre  der  ain  hus  wol  gezimbren  oder  gemuren  künde,  der  möhti  es  wol 
zerbrechen’;  und  sprachent:  'sit  denn  dekain  mentsch  so  gewaltig  wäre  oder 
so  kreftig  der  den  hymel  oder  die  sunnen  oder  den  man  geswechren  [163“J 
oder  zerbrechen  möhte,  so  enmöhte  si  öch  nieman  gemachen’;  und  gabent  da  25 
bi  ain  urkünde  daz  ain  Got  wäre  der  411ü  ding  geschaffen  hetti,  und  der 
aller  creature  Got  wäre  und  mit  sim  gewalte  und  mit  siner  kraft  ällü  ding 
geschaffen  hatte,  und  erkandent  Got  also,  in  trüweu,  also  sont  öch  wir  Got 
erkennen  an  der  creature,  also  daz  üns  ain  ieglichü  creature  wise  wider 
von  dem  si  komen  ist.  swer  nu  üt  sehe  an  der  creature  schöner  oder  ge-  so 
lustiger  dinge,  so  sol  sin  erster  gedank  sin  daz  ällü  ding  von  Gotte  komen 
sint  und  wider  zü  Gotte  lliessent,  und  sol  gedenken  daz  dü  schonhait  und 
dü  güti  die  dar  an  ist,  nit  von  im  selben  ist,  won  von  Got  allaine.  also 

1.  irkennunge  also  wir  got  irkennen  sun  . daz  ist  O.  2.  GotJ  ime  G.  2 f.  müssent | 
mugen  G.  5.  dar  — ist]  Daz  dritte  ist  wie  si  L s.  d.  ist  div  creature  Gf.  6.  dar  — n.  si]  Div 
vierde  wie  si  in  ansinne  nutze  ist  G.  8.  denne  so  G.  9.  die  weit]  »waz  der  weite  saido  widir 
uns  gedenchit  G.  9 f.  gesterket  — ist]  gestechit  (gestcckit  Z)  dar  . da  wir  enhainir  wandilbteri 
vndirtienlch  sin  G.  10.  der]  debainir  G.  und  fehlt  G.  11.  wartent]  baiten  dekainir  G. 

och  fehlt  G.  14.  in]  got  G.  16.  lvt1  A,  trag  in  livte  irchenncn  . vnde  G.  mit 
vorhtin  G-  11.  lit  e.  girde  u.  bo'sir  gelüste  6.  19.  ahtetetät  A.  22.  ez  och  wol  G. 

29.  widir  zdgotto  G.  SO.  swer  — sehe]  swaz  wir  sehen  G.  oder]  undo  G.  31.  sin]  unsir  G. 

32  f.  und  sol  — allaine]  sihst  du  ainen  scho'nen  mcnschin  . aide  swaz  da  sihst  daz  scho’no  vnde 


19  ff.  tgl.  oben  S.  231  Z.  17  ff. 


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256 


59.  Von  der  erkennung  linsen  herren. 


spricht  sant  Augustinus:  ‘Allü  du  creature  die  Got  ie  geschüf,  daz  ist  nit 
[163b]  anders  won  ain  winken  da  mit  er  üus  zü  im  loken  wil,  daz  wir  dar 
an  erkennent  in  und  wider  zü  im  kerent’.  nu  sprichet  sant  Augustinus  daz 
daz  ain  böser  mentscb  ist  der  daz  winken  nimet  für  den  winker;  der  ist 
5 nit  wirdig  daz  er  Got  enphahe.  wäre  ietzent  hie  ain  armer  mentsch,  der 
nit  won  armü  klaider  und  hüdellü  hetti,  und  wAri  denne  ain  künig  hie,  der 
herlichen  beklaidet  w’Are  mit  sAmit  und  mit  pheller,  und  winkti  denne  der 
künig  dem  armen  mentschen  daz  er  zu  im  käme,  und  wAr  er  denne  alz  alwer 
daz  im  mit  dem  winkenn  alz  wol  wäre  daz  er  nit  zü  dem  herren  wolte, 

io  der  minneti  daz  winken  me  denne  sin  umb  valien,  und  der  wäri  wol  ain 

böser  mentsche.  entrinven,  also  ist  ez  och  umb  den  mentschen  der  die  crea- 
ture, da  mit  im  Got  gewinket  hat,  me  minnet  denn  den  (163‘J  winker,  den 
grossen  Got,  der  im  mit  gewinket  hat,  und  der  me  wollust  unde  vr'ode  an 

der  creature  hat  denne  an  dem  umbvahenn  Gottes:  daz  ist  wol  ain  böser 

u mentsch  und  ist  unwürdig  des  umbe  vahens  ünsers  herren.  also  sprichet  sant 
Augustinus:  'minnest  du  Aaz  ding  nit  daz  so  sere  ze  minnent  ist,  so  bist 
du  ietzent  tot  in  dir  selbe;  won  der  enlebet  in  dir  nit  an  den  du  leben 
nit  enmaht,  daz  ist  Got*.  nu  minnet  etswenn  ains  ain  andren  durch  Got 
oder  durch  etlich  gäbe  die  Got  an  in  hat  geleit,  oder  durch  sin  schöni  oder 
20  durch  sin  wol  sprechen  oder  durch  sin  tugent  oder  daz  ez  von  im  gebessert 
werde,  und  tüt  daz  durch  Got  und  in  Got,  won  ez  von  im  gebessert  wirt: 
dü  minne  ist  güt.  so  kan  der  tüfel  ain  andren  weg  vinden  und  verkert 
die  minne  und  machet  daz  der  mentsch  die  gaischlichen  minne  keret  ze 
flaischlicher  minne,  daz  er  ez  denne  minnet  durch  sich  selben  und  [163*] 
25  durch  die  wollust  die  er  dran  hat:  dü  minne  ist  nit  güt  und  sol  si  der 
mentsch  versmahen  und  sol  die  minne  wider  keren  und  sol  gedenken:  swaz 
dirre  mentsche  gütes  an  im  hat,  dar  umb  ich  in  geminnen  mag,  daz  hat  er 
allez  von  Gotte,  und  sol  mich  daz  wider  laiten  zü  Gotte  alz  daz  ich  durch 
in  daz  minnen  sol.  so  der  mentsche  die  minne  also  widerkeret  an  Got,  so 
so  ist  si  aber  wider  körnen  an  ir  gtiti.  intrüwen,  swrer  aber  Gottes  alsuss  nit 


lustlich  ist  zesebinne  . so  solt  du  gedcnchin  . Diso  scho'ni  vnde  diso  gflti  die  hast  du  niht  uun 
dir  selbuu  . du  hast  ez  uon  gotte  . unde  sol  mich  widir  laiten  zegotte  G. 

2.  er  fing]  uns  got  G.  3.  vnde  wir  widir  G.  4.  luinnot  G.  6.  hudilan  G. 

7.  phcllole  G,  phellen  Z.  denne  fehlt  G.  8.  künig]  groze  herrc  G.  10.  da*]  sin  G.  und 
fehlt  G.  12.  gew.  h.]  winchit  G.  13  f.  und  — hat  fehlt  A.  15.  herren  gottes  G. 

16.  dv  A.  17.  tot  — selbe]  also  lebinde  indir  selbuu  tot  G.  18.  ains  ain]  ain  mensche  den  G. 

20.  sprechen]  gesprseehi  . daz  er  wol  redin  kan  G.  tugint  die  an  imc  sint  . aide  G. 

20  f.  imc  mach  gebezsirot  werdin  G.  21.  daz  niht  wan  dur  G.  22.  d.  m.  div  ist  g.  G. 

23.  gaischl.  m.  k.]  ndnne  widir  chcret  . vnde  daz  er  dur  got  an  domo  menschin  minnote  . vnde 
dar  umbe  daz  er  got  dran  irckandi  . vnde  daz  er  uon  ime  gebezsirot  wrde  . daz  wirt  denne  uir- 
cheret  G.  25.  ist  — si)  sol  G.  26.  sol  dez  tieuils  rat  uirsmahin  . der  sine  minne  uirkeret 
het . vnde  solt  die  m.  abir  k.  widir . vnde  solt  G.  28.  t'or  und]  ist  er  seho’ne  . ist  er  wol  ge- 
sprtccho  . aide  swaz  daz  ist  daz  ich  an  ime  geminnon  mach  . daz  ist  alliz  uon  gottis  güti  komen  G. 
daz  nach  mich  fehlt  G.  28  f.  alz  — sol]  dur  den  sol  ich  dich  minnon  G. 


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59.  Von  der  erkennnng  finsors  lierren. 


257 


erkennet,  und  minnet  <11  lu  ding  durch  sich  selben  und  nit  durch  Got,  der 
enist  niht  würdig  Got  ze  enphahenn. 

Dü  ander  beschöwde  ist  an  siner  marter.  da  sont  wir  erkennen  waz 
uns  Got  liebes  hat  getan  und  waz  er  uns  hat  unmüssiger  liebi  erzaiget. 
also  machet  sant  Bernhart  ainen  brief  ainern  [164‘]  kardinal  und  sante  im  5 
den  und  schraib  im  dar  an  wie  er  Got  solte  erkennen  und  schowen  an  dem 
erütze,  an  sim  jümerlichen  tode,  und  wie  er  da  merken  und  erkennen  solte 
und  schowen  die  grossen  minne  die  Got  uns  allen  erzaiget  hat.  ‘sehent’, 
sprichet  er,  ‘wie  er  sin  erütz  trüg  da  er  den  bittren  tot  an  liden  wolte. 
sin  minnekliches  antlüt  ’,  sprichet  er,  ‘daz  die  engel  än  urdrutz  stäteklich  mit  w 
grossem  gelüst  an  sahent,  daz  wart  an  gespuwen  von  den  unraiunen  juden. 
sehent’,  sprichet  er,  'wie  er  an  dem  erütz  stüut  mit  dornen  gekrönnet,  daz 
sin  hailges  höbet  zwaiger  und  sibentzg  wunden  verwundet  ist  und  sin  raines 
antlüt  durch  runnen  ist  mit  blute,  o’,  sprichet  er,  'herre,  ich  trage  din  kröne 
uff  mim  hopte  reht  [164*]  alz  du  si  trügt*,  intrüwen,  er  trüg  wol  sin  kröne,  15 
won  er  trüg  sinen  tot  und  sin  marter  üllü  zit  in  sim  hertzen  und  enphieng 
die  wunden  siner  kröne  und  alle  sin  marter  in  sin  liertze.  'sehent',  sprichet 
er  aber,  'wie  er  an  daz  erütz  genagelt  ist  und  wie  er  mit  aim  scharphen 
sper  durch  sin  hertz  gestochen  ist  und  wie  er  getrenket  wart  mit  gallen. 
nement  war’,  sprichet  er,  ‘wie  sin  minneklicher  lip  ist  berunnen  mit  sim  ros-  20 
varwen  blute’,  intrüwen,  in  dirre  beschöicde  sol  des  sülgen  mentschen  hertze 
sin  und  sol  ain  ser  und  ain  jamer  in  sim  hertzen  tragen  von  der  marter 
und  dem  tode  Gottes  und  sol  daz  merken:  sit  daz  Got  durch  üns  also  vil 
hat  erlitten  do  wir  sin  vigint  warent,  waz  er  dem  denne  gütez  wil  tün  der 
sin  frönt  ist.  also  sprichet  ain  hailig  man:  ‘sit  Got  [164‘]  durch  sine  vigint  25 
also  vil  gegeben  hat,  waz  wil  er  denne  sinen  fründen  geben?’  daz  sol  dü 


1.  Sl!ü  d.  d.)  an  allen  dingen  G.  3.  beseho'wide  also  wir  got  snn  schowon  . daz  ist  G. 

4.  waz  — liebi)  unui.  güti  het  G.  6.  im  fthlt  G.  7 f.  merken  — schowen)  solti  mer- 
chin  G.  8.  allen  fehlt  G.  hat . Vnde  sprichit  also  G.  9.  crficc  selbe  tr.  G.  10.  sin  — 
14  er]  sehint  sprichit  er  »wie  sin  minniclichis  antlivte  daz  scho'ne  antiivte  daz  die  engil  alliz  an 
gcroton  an  zcschinnc  . vnde  daz  siv  clliv  zit  unvirdrozinliche  an  sehint  . daz  raine  antlute  daz 
wart  an  gespAwin  mit  deine  unrainen  vnde  mit  deine  smckindin  spaiehil  der  iudon  . Sehint  wie 
er  an  deme  crticc  stat  . vnde  wie  sin  crone  uf  sime  ho’bite  stat  . div  gemachot  ist  von  herten 
dornen  . vnde  wie  si  imc  insin  küniclich  ho’bit  gedruebit  ist  . daz  ez  wnt  wart  zwaigir  vnde  si- 
binzich  wndon  . vnde  sin  bailiges  blot  fibir  sin  scho’nis  antlute  genuinen  waz  . Also  sprichit  sanctus 
Bemhardus  . A G.  13.  wunden  fehlt  A.  15.  alz  o'ch  du  6.  wol  fehlt  G.  16.  in]  an  G. 

17.  alle  sin)  siner  G.  sehent)  Also  sprichit  sanctus  paulua  . Ich  wil  vnsirs  herren  Jhesu 
Christi  lip  meron  . mit  minen  arbaiten  . daz  ist  rehte  als  er  spräche  . ich  wil  die  arbaitc  unsirs 
herren  Jhesu  Christi  mit  imc  tragen  die  er  an  sine  isime  Z)  libe  lait  vnde  wil  mit  ime  sin  meiner 
arbait  . Nusprichit  er  abir  sancto  Bernehart:  Sehint  mo  G.  19.  aber  fehlt  G.  IS  f.  er  mit  — 
ist]  ime  ain  sch.  sp.  zc  der  winstemn  situn  in  gestokin  ist  . vnde  gat  dur  die  rehtun  situn  in  sin 
rainiz  hercc  G.  19.  mit  deme  czsiche  unde  mit  der  gallun  G.  20  f.  minn.  vnde  sin  wnniclicbir 
lip  b.  ist  m.  s.  blftte  rosenar  G.  21.  bcscliAv/dc  A.  22.  soll  sin  sele  elliv  zit  G.  22  f.  von  — 

dem)  vnde  sol  allewege  wonen  bi  deme  erdee  indeme  G.  23.  sit  got  G.  24.  dem  denne] 
dien  G.  der]  die  G.  25.  sine  vr.  sint  G. 

Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  X.  17 


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258 


59.  Von  der  erkcnnung  finsers  herren. 


sei  erkennen  und  sol  durch  sine  minne  versmahen  Allü  ding  die  si  von  im 
gefrömden  mugent.  intrüwen,  swel  mentsche  in  dirre  beschöwde  stäteklich 
lebet,  der  verlöret  sin  varwe  und  sin  schöni  und  wirt  blaiche,  und  stirbet 
du  nature  dez  flaisches  an  im,  und  überwindet  der  gaist  den  lip  daz  der 
5 mentsche  weder  vröde  noch  wollust  hat  an  dehaime  zerganklichen  dinge  und 
allü  sin  girde  nit  won  allaine  an  Gotte  ist.  also  sprichst  sant  Augustinus: 
‘denne  wirt  daz  gemüte  lustklich  gefüret  inwendig,  so  es  uswendig  nit  ge- 
lustes  hat’,  und  du  sele  wirt  wol  lustlich  gefüret  und  reht  enzündet  in  der 
minne  Gottes,  alz  der  wissag  Ysayas  sprichet:  'ain  hitzend  für  [164a]  ist  in 
io  mir  enbrunnen  und  ist  beschlossen  in  mim  gebaine,  und  möhti  daz  nit  er- 
liden*.  entrüwen,  swel  mentsch  in  dirre  beschöwde  lofet  und  den  tot  und 
die  marter  Gottes  in  sim  hertzen  treit  allwegent,  in  dem  ist  wol  enbrunnen 
ain  hitzend  für,  won  so  der  lip  ietz  nit  mag,  so  hebet  in  der  gaist  uf  und 
löffet  denne  aber  fürbas  und  arbaitet  sich  in  Gottes  dienste.  da  von  spricht 
15  sant  Bernhart:  'andaht  ist  ain  hitze  gutes  willen,  den  daz  gemüte  nit  ver- 
bergen mag,  und  ofnet  in  mit  güten  zaichenen’.  also  geschiht  der  sele  dü 
in  dirre  hitze  und  in  dirre  beschöwde  loffet:  dü  enphahet  reht  ainen  gesmak 
von  dem  tode  Gottes  und  von  sim  grabe,  und  in  dem  smake  loffet  si  untz 
daz  si  nimme  fürbaz  [165°]  körnen  mag;  und  denne  gebristet  dem  gaiste  daz 
er  den  lip  nit  me  getragen  mag,  won  dez  libes  sterki  und  sin  krafte  ist 
überwunden  und  ist  dem  gaiste  von  jamer  und  von  minnen  gebrosten  und 
enmag  den  lip  nit  me  getragen,  und  sprichet  denne  alz  in  der  minne  buche 
geschriben  stat:  ‘under  setz  mich  mit  blümen  und  bestek  mich  mit  mala- 
granaten,  won  mir  ist  gebrosten  von  minnen’.  die  blümen  sint  die  blütes 

25  tropben  ünsers  herren.  die  sint  der  seien  rüwe  under  dem  crütze,  und  bi 

sim  hertzen  suchet  si  rüwe  und  trost.  der  malagranat  hat  grosse  kraft  und 
smeket  wol.  der  bezaichent  die  gehügde  ünsere  herren  tödes.  dü  bat  also 
grosse  kraft  daz  sü  den  gaist  sterket  dem  da  gebrosten  ist,  daz  er  den 
[165*]  lip  nit  fürbaz  bringen  mag:  so  hat  dü  gehügde  ünsere  herren  tödes 
so  so  grosse  kraft  daz  si  in  sterket,  daz  er  aber  fürbas  löffet. 

Und  stiget  in  dirr  beschöwde  höher  in  die  dritten  beschöwde.  da  wirt 
dü  sele  Oot  schotvende  alz  ez  muglich  ist,  nit  als  in  die  engel  sehent  und 


3.  lebet]  wonot  G.  wirt  sin  antlivte  bl.  G.  5.  dchainen  z.  dingen  G.  7 f.  gelostes 
h.  u.)  haftet  lustedicho  G.  8.  und  reht)  div  indirre  bescho’widc  wonct  vndc  wirt  rehte  G. 

9 f.  Jcremyas.  11.  lofet)  alliwege  wonct  G.  11  f.  tot  gottes  unde  sine  martir  an  sime  b.  G. 

12.  allwegent  fehlt  G.  13.  nit]  nomine  G.  15.  hitze  aincs  goten  G.  18.  stnacke 
so  I.  G.  19  f.  gebristet  — mng]  so  geawichit  d.  g.  vfi  enmach  den  I.  minime  getr.  G. 

20.  sterki  — krafte)  kraft  div  G.  22  f.  in  — stat]  div  sele  sprichit  i.  d.  m.  b.  0 sprich«  si  . 
setze  mich  G.  24.  gebrosten]  geswichin  G.  24  f.  blümen  da  si  nndirsetzit  mitte  wil  wer- 
din  . daz  sint  die  hailigen  blümen  . die  tr.  dez  bl.  u.  h.  G.  25.  der  seien]  ir  G.  26.  herccn 
da  süchit  G.  mal.  der  het  G.  28.  da  gebr.  ist)  geswichin  ist  an  kraft  G.  SO.  in)  den 
gaist  G.  31.  stiget  i.  d.  b.]  uzsir  dirre  bescho'wide  stiget  er  G.  31  f besch.  — sebow.  fehlt  A. 


9.  Jerem.  20,  9.  23.  Cant.  2,  5. 


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59.  Von  der  erkennung  finsers  herron. 


259 


schöwent  in  hymelrich ; si  schöwent  in  also  vil  alz  ez  muglich  ist  in 

disem  tätlichen  übe.  intrüwen,  in  dis  beschöwde  mag  nieman  komen  er 
enhabe  e die  ersten  zwo,  won  die  rainnent  daz  hertze  und  verdrukent 

alle  flaischlich  girde  und  gelüst  und  minne  an  üns.  also  sprichet  unser 

herre  in  dem  ewangelio:  ‘die  sint  sillig  die  rainnes  bertzen  sint,  won  si  5 
sint  Got  sehent  werdent'.  sit  nu  Got  daz  selb  gesprochen  hat,  intrüwen, 

so  süllent  wir  unser  hertze  gern  rainnen,  und  sol  uns  nit  verdriessen  de- 

hainer  arbait  da  mit  wir  unser  hertze  rain  mugent  gemachen,  ‘nu  m/165cJsol 
nieman  verdriessen’,  sprichet  ein  hailig,  ‘der  arbait  dez  weges,  der  gelus 
hat  dez  lones  der  da  den  arbaiten  gehaissen  ist’;  daz  ist  Got  selbe  von  l» 

hjTnelriche,  der  sich  selben  ze  lone  gehaissen  hat  und  och  geben  wil  den 

die  rainnes  hertzen  sint,  si  sint  wol  sälig.  also  spricht  ain  wiser  man  daz 

wir  zu  dirr  weit  niemer  sälig  mugent  werden,  die  wil  wir  in  disem  eilend 

sint  und  wir  Gottes  nit  sehent,  so  wrerdent  wir  niemer  sälig;  won  ällü 
ünsrü  sälde  lit  an  der  angesiht  Gottes,  da  von  spricht  sant  Paulus:  ‘owe,  15 
wer  löset  mich  von  disem  übe  da  ich  inne  gevangen  bin,  daz  ich  kome  zii 
Christo?’  der  erkande  wol  daz  er  denne  allerst  sälig  wurde  so  er  zü  Gotte 
käme,  nu  sprichet  sant  Bernhart  von  drier  hand  sälde  die  du  sele  uff  ert- 
ricli  habe,  ‘du  sele’,  sprichet  er,  ‘ist  [165ä]  sälig  du  da  gemenget  ist  mit 
dem  güten  gesmake  der  tugende  in  dem  ser  kline  dez  libes  alle  tag  zü  20 
legende  dem  ewigen  lebend,  der  wirt  behalten,  du  sei  ist  och  sälig  du  ietz 
enhain  mftgi  hat  von  dez  libes  laster.  du  sei  ist  och  sälig  du  cristen  ge- 
loben enphangen  hat  und  den  alwegent  behalten  hat  und  behaltet’. 

Alle  die  alsuss  hie  sälig  sint,  die  werdent  och  hie  nach  noch  sälger,  so 
si  Got  schowend  werdent  in  siner  ewigen  schonhait.  25 


2.  besch4v/de  A.  3.  e — won  die]  die  andiren  zwo  bescho’wide  uon  dien  ich  uor  gesait 
han  . w.  d.  zwo  bescho’wide  ß.  v'druket  A.  4.  girde  n.  gelast  n.  fehlt  ß.  6.  sint  — 
werdent]  besser  sun  g.  sehin  ß.  nu  — selb]  denne  daz  g.  selbe  ß.  het  . daz  dio  salich 
sint  die  rainiz  herccn  sint . vnde  daz  siv  got  sun  schin  vndc  Bcho’win  ß.  7.  rainnen]  rainc  ban  0. 

8.  mit  — nu]  uon  u.  h.  rainc  werde  . wan  also  sprichit  ain  hailige  . Ez  ß.  9.  verdriessen  — 
der  arb.]  irschrechin  div  a.  ß.  10  f.  dez  — lone]  nah  deme  lone  . dez  gchaizes  . daz  ist  got  uon 
himilriche  . daz  ist  der  Ion  den  got  dien  ß.  1 1.  den  fehlt  ß.  12.  si  sint]  da  uon  sint  siv  ß. 

18.  werdin . wan  die  wiic  unz  wir  ß.  15.  dauon  mugin  wir  niemir  sxlich  werdin  e wir  in 
gesehin  . Also  sprich;  ß.  16.  mich  unseligen  menschin  uon  ß.  17.  denne  fehlt  ß.  wrde  A. 

18.  nu  spr.]  Vntruwon  doh  scribet  ß.  19,  dfi  s.  spr.  er]  Er  spr.  div  sele  ß.  da  fehlt  ß. 

20.  tugindc  unde  der  lebin  in  ß.  ser  klaine  A,  ser  chilin  Z,  serchilinc  ß.  21.  der  fehlt  ß. 

dü  s.  i.  o.]  zedenie  andim  male  sprichit  er  ist  d.  s.  ß.  22.  dfi  sei  — 25  Schönheit]  zc  deme  dritten 
male  sprichit  er  . Daz  ist  salich  . daz  div  siele  div  xpm  cnphangin  het  . daz  si  in  allewege 
bchaitc  . vnde  in  allewege  habe  . Also  sprichit  sancte  Beinhart : zware  die  sint  sselich  . der  kunich 
unsir  herre  xpe  ist  . wan  dio  gedienon  wollust  . an  einer  ewigun  angesiht  . unde  gedienont 
dio  gfttlichi  (gtmlichi  Z)  die  unsir  herre  xpe  het  mit  sinem  ewigen  uatir  . vnde  mit  deme  hai- 
ligen  gaiste  . wan  siv  vro’went  sich  daz  siv  funden  hain  die  wishait . die  er  niemanne  o'get . wan 
dien  allaine  . die  rainiv  hereen  hain  . VntnSwon  swelch  sele  in  dise  boscho'wide  denne  kumit . daz 


5.  Matt.  5,  8.  15  f.  Rom.  7,  24. 


17* 


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260 


60.  Vou  de»  balm  bouies  bezaiehnung. 


[60. ] Von  des  balm  bomes  bezaichimng. 

[Dix't : aacendam  in  pahnam.J 

Der  balm  böm  hat  siben  este,  und  ieglich  ast  hat  ainen  blümen  und  aiu 
vögellin,  und  singet  aiu  ieglich  vögelliu  ainen  sunderlichen  sang,  und  ain 
5 ieglicher  blume  hat  sin  sunderlichen  gesiuak  und  sin  varwe  und  sin  schün- 
hait.  dirr  [166°]  balm  böm  ist  ain  ieglich  mentsek  daz  Billig  ist,  daz  ünsers 

herren  Gottes  balme  bom  ist  und  im  süssen  sang  singet  und  im  schön 

blümen  bringet,  wou  sw  er  im  mit  stäten  tugenden  dis  bezaichenung  bringet 

und  an  im  hat,  der  mag  wol  sprechen:  ‘ich  bin  uf  gestigen  an  den  balme 

io  böm,  da  wil  ich  rüweu’;  won  swenue  der  mentsch  den  sibenden  ast  über 
stiget,  so  gat  ez  an  die  süsseu  rüwe,  daz  du  sele  bi  Gotte  süsseklich  rüwen 

»i  got  wirt  Rcboweiulc  . also  nil  al»  ez  müglich  ist  . Dennoh  gert  si  me  . wan  si  waiz  wol  . vnde 
wirt  dez  gewar  . daz  ir  denuoh  bristet  aa  gotte  . daz  si  in  disime  libo  nivt  als  offiulichc  vnde 
also  uolüehe  mach  ban  als  si  in  habinde  wirt  . vnde  so  si  gottes  nah  ir  willen  vnde  nab  ir  be- 
gerunge  niht  mach  begriffen  . noh  nesticlichc  behan  . so  wirt  si  ainen  iamir  nab  gotte  gewinninde  . 
vnde  wirt  si  dennc  durstindc  nab  gotte  dorne  lebindin  brunnen  . Alse  der  wissage  dauid  spriebit  . 
Sitivit  anima  mea  ad  deum  vivum  . Mine  »alle  durstet  nah  gotte  demo  lebinden  brunnen  . wenne 
sol  ich  irschinindc  werden  vor  demo  antlivte  gotte»  . Vntrüwoo  er  sprach  dar  umbe  wenne  er  ir- 
schinen solti  uor  gotte  . wan  er  dennc  erst  rehte  sadicli  waz  . also  wirt  dir  siele  denne  sprechinde  . 
vnde  dez  gerende  ■ daz  si  got  sehinde  werde  . vou  antlivte  zantlivte  . vnde  wirt  si  da  nah  iatnirende  . 
vnde  wirt  dez  gerende  daz  si  irledigct  w'de  von  disime  eilende  . daz  si  ir  vro'dc  vnde  ir  trost 
sehinde  weide  . vnde  habinde  nah  ir  willen  . vnde  wirt  rehte  ain  »er  gewinninde  nah  gotte  . vnde 
wirt  dennc  wainende  nah  gotte  . Alse  der  wisaagc  dauid  sprichit . Mine  trehine  »int  mir  wordin 
zainir  spise  . Nu  sprichit  sancto  Bernhart . Iienne  wirt  div  sele  gefurot  tnit  deute  iamire  . vnde  wirt 
gespiset  mit  demo  scro  . vnde  wirt  gefOrot  mit  den  trehinen  . Dennc  wirt  div  sele  sprechinde  alse 
div  gemahile  sprichit  inder  mimte  büche  . 0 herre  du  bist  mir  nnde  bin  ich  dir . du  bist  min  daz 
beste  . unde  bin  ich  diu  daz  beste  . Vutrüwon  swolclt  mensche  dise  drie  bcschownge  het  . der 
mach  baltlicbe  antwrtcu  mit  sancto  petro  . herre  du  waist  wol  daz  icii  dich  minuon  uon  allime 
hcrecn  ( darauf  Z:  vnd  von  aller  miaer  seiet  G. 

t.  Überschrift  fehlt  G,  Von  dem  balme  bo’mc  wie  mengen  ast  der  habe  vll  bezeichn  eine 
iegeliche  gilt«  mesehen  (rot)  Z,  TV  am  Harnt:  Serrno  XII,  Ite  v]t  den  palm  dach  Philt.  2.  Der 
lat.  Text  fehlt  überall.  4.  ain  fehlt  beidemal  G.  6.  ist  — ist]  daz  ist  a.  L sielich  m.  G. 

7.  Gotte»  fehlt  G.  im  vor  schön  fehlt  G.  b.  im  fehlt  A.  9.  und  — hat]  an  sinen  werehin  . 
vnde  au  sirne  lvbinne  G.  sprechen  . Dm  asccndam  in  palmam  . Ich  b.  g.  vf  den  balme  G. 

10.  der  m.]  er  G.  11.  süsseklich  fehlt  G. 

1.  Dieser  asketische  Traktat  findet  sich  in  G Hl.  86*,  Z Bl.  101 A,  11’  Bl.  62'  als  12.  Stück. 
X Bl.  64',  H Xr.  30,  Phill.  Bl.  1501’;  fehlt  Arundel.  — Gedruckt  nach  Z bei  Wackeniagel  S.  134  ff. 
Damit  stimmt  G bis  auf  einige  kleinere  Abiceichungeii  überein,  teelche  bei  Wackeniagel  S.  521  an- 
gegeben sind.  Das  Marburger  Bruchstück  ist  gedruckt  in  Haupts  Zeitschrift  2,  227—231.  ein  andere* 
aus  Basel  bei  Wackernagel:  über  die  mittelalterliche  Sammlung  zu  Basel  (Basel  1857)  S.  15  ff. — 
Handschriftlich  findet  sich  das  Stück  aufierdem  cu  Wolfenbiittcl  Cod.  1207  Heimst  fol.  75 — 133:  Van 
dein  paJmboeme  des  Christenminschen  . Ek  vil  stighen  uppen  den  pnltncnboetn  unde  wil  grypen  svne 
vrucht  — Vgl.  ähnliche  Abhandlungen  bei  Preger,  Geschichte  der  deutschen  Mystik  II S.  48 — 53  und 
die  handschriftlichen  Stücke  in  Cod.  Pal.  germ.  567  fol.  38 * der  Heidelberger  Vniversitätsbibliotkei 
(Bartsch  Xr.278)  und  Cod.  937  der  St.Galler  Stiftsbibliothek,  das  Stück  bei  Schmeller,  Deutsche 
Hs.  Xr.  400  der  Münchner  Hof-  und  Staatsbibliothek  und  Altdeutsche  Blätter  II  S.  163. 

2.  9.  Cant.  7,  8. 


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60.  Von  des  balm  bomes  bezaichnung. 


261 


sol  und  rüwent  wirt  in  überfliessender  süssekait.  und  nach  der  rüwe  so 
knmet  denne  vil  schiere  du  ewig  rüwe,  die  da  niemer  ende  genimet,  von 
der  da  geschriben  ist  in  dem  salter:  'dis  ist  min  rüwe,  hie  sol  ich  ewek- 
lich  rüwen,  und  ist  min  erbe  an  ende  mit  dem  lieben  Gotte’. 

Dü  wurtze  du  von  dem  balm  böme  wachset,  ist  rehte  [166*]  vester  cris-  5 
taner  globe;  won  von  der  wurtzen  wachset  vorhte  der  helle  und  züversiht 
der  ewigen  vröden  und  der  ewigen  sülikait  und  fruht  aller  guter  werche 
und  reht  gantzü  minne  zü  Gotte  und  zü  den  eben  mentschen.  daz  kumet 
allez  da  von  daz  der  mensehe  gelobet  daz  dem  mentschen  gelonet  werde 
nach  sinen  werchen,  baidü  üblen  und  güten,  da  von  so  wirt  er  midend  die  io 
sünde  und  gütü  werch  tünde.  da  von  sprichet  sant  Augustinus:  'dis  ist  ain 
lop  das  globen  daz  wir  gelobent  daz  wir  nit  gesehen  mugent’;  won  daz  der 
mentsche  daz  gelobet  daz  er  siht,  daz  enist  nit  vil  löblich;  daz  er  aber  ge- 
lobet daz  man  im  von  Gotte  sait,  daz  er  nie  gesacli,  daz  ist  gar  löblich 
und  güt.  und  daz  ist  ains  ieglichen  mentschen  reht,  daz  iemer  behalten  sol  i"> 
werden,  daz  ez  vesteklich  gelobe  allü  cristenlichü  ding  und  allez  daz  man 
im  [166']  von  Gottes  wisshait,  gewalt  und  von  siner  güti  seit,  und  sol  den 
globen  zaigen  an  sinen  werchen;  won  swer  höbet  sünde  tüt  und  unreht  lebet 
wider  Gottes  gebotte  und  wider  sim  rät,  der  hat  nit  rehtes  geloben,  swer 
denne  rehtes  geloben  hat,  der  hat  öch  gut  leben,  won  dü  wurtze  aller  guter  20 
werche  hat  in  dem  hertzen  ain  grünt  vesti,  und  da  von  wachset  denne  der 
balm  böm. 

Des  bomes  stam  ist  willeklichü  armüt,  daz  der  mentsch  niht  gert  won 
siner  notdurft.  hab  er  joch  etwenn  bresten,  den  sol  er  gerne  han  durch  Got, 
der  öch  durch  üns  waz  alz  arm  daz  er  nit  so  vil  hatte  daz  in  sin  rainnü  25 
müter  bewunde,  do  er  geborn  wart,  sin  hainmüt  waz  ain  geraa  inü  Strasse, 
da  wart  er  geboren,  sin  bettlin  waz  ain  kriplin.  ach  lieber  mentsch,  ge- 
denk wie  gar  arm  din  herre,  din  schepher  und  din  behalter  waz  [166*] 

t.  und  r.  w.  fehlt  G.  so  fehlt  O.  2.  denne  fehlt  6.  die  — genimet  fehlt  O. 

3.  geschr.  — salter]  gcsprochin  ist  . Hec  requics  mea  G.  rüwe  . diz  ist  min  erbe  . hie  G. 

4.  und  — ende  fehlt  (r.  5.  wrzc  von  der  dirrc  boin  besser  Z.  dem  balm]  disem  G.  5 f.  daz 

ist  rehte  undo  neste  gelo'bc  G.  8.  und  r.  — mentschen  fehlt  O.  9.  daz  — gelobet  fehlt  A. 

dem  m.)  ime  G.  10.  so  — midend]  midct  der  mcnschc  G.  11.  und  — Aug.]  vb  tfit 
g.  w.  wände  er  die  gelo'be  hct . daz  er  mit  gottc  ewige  vro’de  sol  enplian  . vnde  er  aine  künftige 
weit  gelo'bct  nah  dirre  weite  . Sanctus  Augustinus  spr.  G.  12.  gei.  daz]  daz  gelo’ben  dcz  G. 

won  fehlt  G.  18.  er  aber]  ab  der  menscho  G.  15.  und  g.  u.]  wan  G.  i.  cristsnen 
menschin  G.  16.  ez  v.  gei.]  mftz  rehte  ucsticliche  gclo’bin  G.  allez  daz]  daz  a.  daz  G. 

17.  gottes  gewalto . vnde  von  siner  wishait  . uon  siner  gflti . vnde  uon  siner  cwichait  . vnde  von 
siner  rehtichait  sait  G.  17  f.  und  sol  — zaigen]  daz  sol  der  mensche  gelo’bin  . also  nesticliche 
immc  hercen  . daz  erz  zaige  G.  21.  hat  — von]  div  het . rehte  gewrzet  unde  het  aine  gruntuesti 
in  d.  h.  gcsetzit . vnde  uon  der  edilun  wrze  G.  22.  bo'n  . vil  adillichc  G.  28.  st  daz  ist  G. 

24.  ioh  der  ctw.  G.  25.  Ans]  unsirn  willen  G.  so  vil  fehlt  G.  26.  h.  daz  waz  G. 

27.  b.  daz  waz  G.  krippe  G. 

3 f.  Ps.  131, 14. 


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262 


60.  Von  des  balm  bomes  bezaichnung. 


durch  dinen  willen,  und  hab  och  du  gerne  gebresten  und  armüt  durch  iu, 
wan  er  sprichet  also:  ’do  ich  erste  geboren  wart,  do  viel  ich  in  armüt,  und 
in  der  armüt  waz  ich  untz  an  den  tot  und  spricht  er  da  von  so  dike : 
'sAlig  sint  die  armen,  ich  wil  si  selb  trösten  süsseklichen’.  der  balmböme 
5 hat  alle  sin  schonhait  üf  gegen  hymelriche  bekeret.  und  also  sol  der  sAlig 

mentsch  allen  sinen  richtüm  den  ez  hie  uff  ertriche  möhti  han,  willeklichen 

lassen  durch  den  ewigen  richtüm  in  hymelriche,  und  sol  gerne  arm  sin.  der 
balm  böm  ist  och  undenan  vil  klaine.  also  solt  och  du  gerne  klain  sin  uff 
ertriche,  so  wirst  in  hymmelriche  gehuhert.  also  sprichet  unser  herre:  ‘s;Uig 
io  sint  die  armen,  hymelrich  ist  ir’. 

Der  erst  ast  [10?°]  ist  daz  sich  der  mentsche  erkenne,  wannan  er 
körnen  si  und  war  zü  er  werden  sol  vil  schiere,  ez  enlebet  nu  nieman 
lange  tage,  alz  uns  der  priester  manet:  so  er  uns  die  Aschen  uff  daz  höbet 
git,  so  sprichet  er:  'mentsch,  gedenke  daz  du  Asche  bist  und  wider  ze  Aschen 
15  werden  solt’.  swenne  der  mentsche  sich  erkennet  daz  sin  nature  so  reht 

krank  ist,  so  muss  er  sich  verstan  daz  er  all  die  tugende  die  an  im  sint, 

daz  er  die  alle  von  Gotte  hat.  also  sprichet  der  wissag:  ‘allez  unser  hail 

und  Allü  linsrü  tugend  und  swaz  gutes  an  uns  ist,  daz  ist  allez  von  Gottes 

gnaden  und  ist  in  sim  gewalt  beschlossen’. 

2»  Der  vogel  der  uff  dem  ast  sitzet,  der  ist  ain  pfawe.  der  hat  die  na- 
ture, so  er  ze  mitter  naht  aller  vastost  schlafet,  so  schriet  er  vil  egeberlich 

und  weket  sich  selben  und  [167*1  bescliowet  sich  denne  ob  er  den  Spiegel 
uff  dem  höbet  habe;  vindet  er  in  denne,  so  schlafet  er  ane  sorge,  hie  bi 
ist  bezaichent  daz  sAlig  mentsche  daz  dez  pfawen  nature  haben  sol.  so  du, 
25  sAIiger  mentsch,  in  der  mitten  naht  aller  best  schlafest,  so  du  denne  er- 
wachest, so  solt  du  din  tugend  beschowen,  ob  din  girde  brinne  engegen 
Gotte,  oder  ob  du  erkaltet  sist  au  der  brinnenden  minne  Gottes,  oder  ob  du 
gar  erlöschen  sigist.  vindest  du  aber  den  schönnen  Spiegel  uff  der  sele  höbet, 
entrüwen,  so  mäht  du  wol  senfteklich  schlafen  in  Got  ane  sorge,  der  Spiegel 
so  den  du  vinden  solt  uff  der  künginn  höbet  diner  sele,  daz  ist  din  brinnendü 
girde,  du  in  gantzer  tugent  sol  sin  zu  Gotte,  o süsser  mentsche,  swenne 
du  den  schönnen  Spiegel  vindest  in  diner  gelnigde  uff  diner  sele  höbet,  so 
mäht  du  wol  süsseklich  schlafen  in  Gotte,  also  [167*]  spricht  ain  hailig 

1.  gerne  fehlt  6.  3.  denl  minen  G.  5.  gegin  deine  h.  G.  und  also)  Zegclichir 

wis  G.  6.  hie  uff  ertr.]  uffen  dirrc  zirganclichun  weite  G.  han  den  »ol  er  w.  G. 

7.  »ol  er  g.  G.  8.  bo'n  der  ist  G.  9.  wirst  du  zedeme  h.  G.  10.  armen  wan  Iu  G. 

11.  ast  der  ist  G.  irkennen  »ol  G.  12.  ist  G.  14.  nach  er]  Memento  quod  cinis  es  et  in 
cinerem  reverteris  G.  ische]  erde  G.  11  f.  wider  — solt]  daz  du  w.  ze  esebun  w.  mast  G. 

17.  daz  — alle)  vnde  swaz  rehtir  giiti  an  imc  ist  . daz  er  daz  alliz  G.  Alse  der  w.  spr.  G. 

18.  MIO  fehlt  G.  20.  der  ist]  daz  i»t  G.  23.  habe  . vnde  uindet  G.  24.  daz  sol  d. 
ph.  n.  b.  G.  25.  inmitter  naht  G.  26.  girde  unde  dine  tuginde  enbrinnen  G.  28.  vnde 
vindist  G.  31.  div  sol  sin  i.  g.  t.  z.  gotte  G.  33.  in]  mit  G. 

4,  9.  Matt.  S,  3;  11,  28.  14.  vgl.  oben  S.  63  Z.  10  f. 


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60.  Von  des  balm  bomes  bezaichnung.  263 

man:  ‘herre,  si  joch  daz  ich  schlafe,  so  gib  mir  die  gnade  daz  min  sele 
wache  mit  dir,  daz  ich  si  wol  behüte  an  tilgenden’,  der  mentsch  rniiss  ze 
allen  ziten  tages  und  nahtes  siner  tugend  hüten;  won  alz  man  dez  phawen 
ze  allen  ziten  varet  umb  sin  schön  gevider,  also  varet  der  tüfel  ze  allen 
ziten  dez  st'tlgen  mentschen  sele,  wie  er  ir  tugend  beneme.  und  dar  umb  5 
muss  sich  der  mentsche  Üisseklich  hüten,  und  alz  dik  so  er  erwachet,  so  sol 
er  besehen  ob  sin  girde  brinne  gegen  Gotte,  alz  sprichet  sant  Augustinus: 
’alz  schiere  so  der  schlaf  von  minen  ogen  kumet,  so  sol  min  hertze  und 
min  sin  wachen  engegen  Gotte  und  sol  beschowen  ob  min  tugend  in  Gotte 
brinnent’.  io 

Der  blüme  der  uff  dem  aste  blüget,  daz  ist  ain  viole:  der  ist  klaine 
und  ist  hymelvar.  da  bi  ist  bezaichent  dü  girde  die  der  ment//67'7sche 
ze  allen  ziten  haben  sol  hin  uf  gegen  dem  hymelrich  ze  Gotte,  und  sol 
ällü  sinü  werch  keren  in  dez  namen  und  in  dez  ere  mit  dem  wir  geeret 
und  gefröwet  sont  werden  in  hymelricke,  daz  ist  unser  herre  Jhesus  Christus,  15 
der  sälgen  sele  brütgom.  bi  dez  blilmen  klaini  ist  bezaichent  dez  säligen 
mentschen  demütekait,  won  dez  demütigen  mentschen  reht  ist  daz  ez  sich 
alwegent  verwerfe  und  sich  unmasse  klaine  mache  vor  allen  den  luten,  so 
ist  ez  gross  vor  Gotte,  also  liset  man  in  libro  regum  von  aim  künig,  zu 
dem  sprach  unser  herre:  ‘won  du  klain  wärt  vor  dinen  ögen,  dar  umb  wil  20 

ich  dich  ze  ainem  künig  machen  über  alles  israhelisch  volk'.  ‘demütkait’, 

spricht  her  David,  ‘du  brichet  durch  den  hymel  und  höhet  den  mentschen 
[168’J  ze  hymelrich’. 

Der  ander  ast  ist  daz  du  erbärmd  solt  han  über  ain  ieglichen  ment- 
schen. swaz  im  wirret  an  übe  oder  an  sele,  daz  solt  du  mit  im  tragen.  25 
und  enmaht  du  im  anders  niht  getun  noch  gegeben,  so  solt  du  im  doch 
dinen  willen  geben  und  solt  dich  über  in  erbarmen,  und  enmaht  sin  nit 

geti ästen  mit  milten  Worten,  so  solt  du  doch  daz  inwendig  werch  üben  der 

erbärmde  mit  dim  güten  willen,  und  tüt  joch  ain  mentsch  etswaz  daz  übel 
ist  oder  daz  wider  Got  ist,  daz  ensolt  du  doch  im  nit  ze  vil  verkeren  und  so 
solt  in  nit  ze  vil  bestrafen  alz  zehant,  du  solt  e gedenken  waz  dir  liep 
wäre,  waz  man  dir  täti,  ob  du  in  der  selben  schulde  wärist,  und  daz  selbe 
tft  och  im;  und  solt  Got  och  für  in  bitten  daz  er  sich  über  in  erbarme, 
der  aber  maisterschaft  und  gewalt  hat  daz  er  daz  un/fC87reht  rihten  sol, 

».  alz]  zcgelichir  «in  alsc  G.  5.  Ir  Ir  t G.  «/.ob  — brinnent]  wie  m.  t.  brinnen  in 
stiPtichait  G.  12.  da  bi]  Uie  bi  ist  bczaichint  dez  seligen  mcnschin  demntiebait . bi  dez  blamen 
varwe  G.  IS.  sol  han  u.  g.  himilrichc  hin  ze  g.  G.  20.  dv  A.  21.  machen]  setzin  G. 

21  f.  demütk.  — l)avid]  Also  spr.  der  wissage  d.  Demütichait  G.  23.  ze  deine  h.  G.  24.  ist 
d.  d.  erb.)  daz  ist  div  irbennide  . die  du  G.  26.  doch  fehlt  G.  27.  d.  w.  geben]  d.  güten 
w.  tragen  G.  enmaht  da  sin  G.  31.  in  — zehant]  niht  zehant  din  herce  uffin  den  rchtin 
(i.  rihter)  stöl  setzin  . ubir  dez  menschin  vnreht  G.  32.  waz]  daz  G.  33.  im]  airne  iege- 
lichin  menschin  G. 

20  f.  I.  Beg.  15,  17.  22  f.  Eccli.  35,  SI  ? 


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264 


60.  Von  des  balm  bomes  bezaichnung. 


der  sol  wol  hertteklich  bestrafen  allez  daz  daz  ze  bestrafenn  ist,  und  doch 
also  daz  er  die  erbärmde  al wegen t da  bi  halte  also  daz  erz  tu  mit 
senftem  hertzen  und  mit  milten  Worten,  und  si  joch  daz  unreht  alz  gross, 
daz  er  da  rihten  sol,  daz  er  ez  strenklich  und  herteklich  muz  berefzen,  so 
5 sol  er  doch  dar  nach  gütlich  und  milteklich  gebaren,  daz  der  mentsch  wol 
merke  daz  er  ez  von  reht  tet  daz  er  in  so  herteklich  berefzet  hat  umb  sin 
unreht,  und  nit  von  übel,  und  daz  solt  du  alwegent  in  din  hertze  setzen, 

ob  daz  enhain  rat  si  du  müssest  dar  umb  aintweders  gewisget  werden,  umb 

hertekait  oder  umb  miltekait , daz  du  umb  ze  vil  lindi  oder  güti  gewisgof 
io  werdest  denn  umb  ze  vil  strengi  und  hertekait ; won  du  solt  wissen  daz 
die  wizzen  senfter  sint  umb  die  miltekait  denn  umb  die  hertekait.  ünser 
herre  sprichet  selbe:  'sehent  an  mich  [168‘]  und  lernet  senftekait  und  milte- 
kait\ 

Daz  vögellin  daz  uff  dem  ast  singet,  daz  ist  ain  widhoph.  der  hat  die 

15  nature  daz  er  über  dü  greber  flüget  und  die  toten  klaget,  also  sol  der 

sälig  mentsch  tun.  ez  sol  klagen  den  jämerlichen  tot  den  dü  edel  sei  enphie 
von  den  tütlichen  sünden,  und  sol  gedenken  wie  ain  ieglichü  höbet  sünde  die 
sele  tötet,  hobt  sünde  ist  geschaiden  von  Gotte  und  von  allen  hymelschen 
gnaden,  und  der  mentsch  verschuldet  mit  ainer  hohet  sünde  daz  ez  nach 
20  relite  iemer  ewig  not  solte  han  in  der  helle,  und  enhetti  im  Got  mit 
siner  gnade  nit  wider  geholfen,  dis  sol  der  mentsch  gedenken  das  es  war 
si,  und  sol  den  milten  Got  bitten  daz  er  den  tot  erkike  mit  rehter  rüwe 
und  in  denne  generri  mit  siner  gütlichen  arzenie  von  allem  dem  siechtagen 
der  sünden.  daz  si  niemer  me  mit  willen  noch  [168*]  mit  werchen  noch  mit 
25  dekainer  schlahte  böser  gewonhait  gehorsam  werde  dekainer  sünden. 

Daz  blümeli  dez  astes  daz  ist  ain  wasser  blüme:  der  ist  vil  schöne  und 
ervalwet  zehant.  da  bi  ist  bezaichent  dü  unstätkait  dirr  weit,  ir  vröde 
und  ir  gezierde  ist  harte  schöne  und  zergat  harte  schiere,  dez  solt  du, 
sälger  mentsch,  gedenken  daz  alles  daz  zerganklich  ist  daz  uff  ertrich  ist 


1.  beroffra  . swaz  zcbcreffinne  ist  G.  2.  also  d.  — halte]  sol  er  alliwege  irbermide  dirbi 
haltin  G.  erz  G,  ez  A.  6.  in  h.  bercffte  umbo  G.  7.  vnde  setze  daz  a.  i.  d.  h.  G.  S.  dazl 
ez  G.  si]  muge  sin  G.  dar  fehlt  G.  8. 9 gcwizinot  G.  9.  I.  aide  umbo  zevil  gfiti  G.  9.  ge- 
wisgost  A.  10.  solt  daz  w.  daz  G.  11.  umb  d.  m.  fehlt  G.  dio  h.]  zeuil  h.  G.  12.  spr. 
doch  selbe  G.  12  f.  milt.  biinir  G.  14.  wittchophe  G.  16.  ez  s.]  div  solt  G.  17.  sol  — 
22  sol]  solt  (ibir  die  totin  vliegen  . daz  sint  die  manicualtigen  ho'bitsünde . die  dinc  sele  hain  ir- 
slagen  . vnde  solt  sehin  wie  din  sele  in  dien  sundon  lit  irslagen  . vnde  solt  gedenchin  . daz  da 
mit  ainir  iegelickun  ho'bitaiindc  bist  gcschairiin  non  gotte  vnde  non  allen  himilschen  gnadon  vnde 
du  mit  ainir  iegelichir  ho'bit  sunde  nah  rehtc  uirschuldit  best . daz  du  iemir  ewige  not  inder  helle 
soltost  han  . vnde  enhetti  dir  got  mit  siner  gnade  undo  mit  siner  irbermide  niht  widir  geholfen  . 
Vnde  solt  denno  gedenchin  daz  du  den  werdin  got . den  güten  got  enteret  best  mit  dinen  sundon  . 
Vnde  solt  daz  uon  innicliehime  hercen  clagen  . vnde  solt  G.  18.  allem  A.  20.  soltcnt  A. 

22.  den  totin  G.  25.  gew.  niemir  geh.  G.  sünde  G.  28.  harte  schiere]  gar  sch.  G. 


12.  Matt.  II,  29.  24.  si  — die  reuige  Seele. 


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60.  Von  des  baln»  bomos  bezaichnung. 


265 


und  nimet  jAmerliches  ende:  der  hüt  lebet,  der  ist  morn  jamerlich  tot;  der 
hüt  ist  gesunt,  der  ist  morn  siech;  der  hüt  ist  riche,  der  ist  morn  arm; 
der  hüt  mit  fröden  lebet,  der  ist  morn  allez  laidez  vol,  und  also  zergat  ez 
alles  mit  laide,  und  der  aller  maist  fröde  und  minne  hat  und  richtümes  in 
dirr  weit,  der  hat  och  aller  gröste  not  in  der  helle,  und  da  [169“]  von  5 
sprichet  sant  Bernhart:  ‘alle  dine  Sünde  werdent  ze  würmen  in  der  helle 
und  grabent  allez  an  durch  daz  hertze,  und  wirt  doch  niemer  verswendet’. 
dar  über  sprichet  ünser  herre:  'we,  we  den  riehen  lüten,  die  sont  niemer  von 
Gotte  trost  enpfahen.  si  hant  me  geminnet  gut  und  ere  und  zergangklieh 
vrüde  denne  mich,  dar  umb  sont  si  iemer  eweklich  trurekait  han\  dis  solt  io 

du.  sAlger  mentsch,  erkennen  daz  dü  weit  zerganklich  ist,  und  solt  din  hertze 

und  alle  din  girde  engegen  dem  keren  der  unzerganklich  ist. 

Der  dritte  ast  ist  dez  libes  kestgung.  der  sAlig  mentsch  sol  sinen  lip 
kestigen  mit  allen  den  arbaiten  so  im  sin  orden  und  sin  regel  gehütet,  und 
sol  doch  im  selben  die  notdurft  geben  und  sol  sich  allez  an  hissen  daz  sin  t& 
arbait  und  sinü  [169“]  werch  mit  beschaidenhait  beschehen,  weder  ze  vil 
noch  ze  lützel , und  sol  sinen  lip  alwegent  in  der  temperung  halten 
daz  er  im  niemer  so  vil  sines  willen  verlasse  daz  er  Got  ungehor- 
sam werde. 

Der  vogel  der  uff  dem  ast  sitzet,  daz  ist  ain  elbs.  daz  waiss  von  2» 

nature  sin  tot  vor;  und  so  er  hüt  sterben  sol  oder  morn,  so  singet  er  aines 

tages  der  vor  ains  frölichen  sanges.  bi  dem  vogel  ist  bezaichent  daz  sAlig 
mentsche;  daz  sol  gedenken  daz  ez  sim  tot  alle  tag  nahet  ain  tagwaide,  und 
sol  Got  ie  vrölicher  dienen  mit  singenn  und  mit  lesenn. 

Der  blüme  uff  dem  aste  ist  ain  lylie:  der  wachset  alle  wegent  uf  gegen  » 
dem  hymel  und  ist  slllü  zit  grüne,  also  sol  och  dez  mentschen  hertze  und 
sin  girde  alwegent  uf  sin  gerihtet  ze  Gotte,  bi  dem  lylien  ist  bezaichent 
stAtü  küschi,  die  der  mentsch  haben  sol  an  willen  und  an  werchen.  und 
alz  der  lylie  allez  an  grüne  ist  [169]  an  sim  stamme  und  an  sinen  blettern, 
also  sol  öch  der  sAlig  mentsch  sin  an  dem  globen  und  an  sinen  tugenden  30 


I.  ain  iamirlichis  ende  G.  jamerlich  fehlt  G.  4.  vro'den  v.  wnne  h.  G.  5.  och  fehlt  G. 
7.  virswainet  G.  8.  dar  über]  Vnde  dar  üf  G.  10.  ewige  G.  t2.  ist  . daz  ist  got  G. 
14.  gebivtet . vnde  setzit . vnde  G.  IS.  sin)  ez  alle  sine  G.  16.  beschchen)  tage  G. 

17.  solt  dinen  G.  18.  er  im]  da  ime  G.  so  vil  fehlt  G.  virlazest  G.  20.  elbiz  G. 

21.  bfit  — morn]  mome  st.  sol  G.  21  f.  aines  — sangesj  hivte  ainen  vro'l.  sanch  G. 

23.  allirtagelich  G.  23  f.  ain  — sol]  vnde  daz  ez  txgilicb  aine  t.  ze  deme  tode  gat  . vnde 
swenne  er  dez  gedenchit  . so  sol  er  G.  24.  lesinnc  . vnde  sol  gottc  also  girliche  nndc  also  vro’- 
liehe  dienon  . daz  man  wo)  an  ime  merchin  mach  . daz  er  gerne  bi  gotte  unsirmc  honen  wa-re  G. 

25.  aste  daz  ist  G.  26.  himilrichc  G.  26  f.  alBO  — girde]  vnde  also  der  lylie  vf  wabsit 
ingegin  deme  himilriche  also  sol  din  hcrcc  vnde  din  g.  G.  27.  ze]  ingegin  G.  28.  div  stade  G. 

der  — sol)  du  solt  han  G.  30.  sol  — sin]  solt  du  ssellgcr  mcnsche  grünen  G.  sinen] 
allen  G. 


8.  Luc.  6,  24. 


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266 


60.  Von  des  balm  bomes  bezaichnung. 


und  sol  alle  tage  zü  legen  an  gutem  lebenn,  alz  der  bliim  täglich  wachset, 
so  unser  herre  denne  siht  daz  er  zitig  ist,  so  brichet  er  in  abe  und 
gehaltet  in  in  der  hymelschen  bürg  iemer  eweklich  mit  vrüden  und  mit 
wannen. 

5 Der  vierd  ast  ist  süsser  andaht.  so  der  mentsch  süss  wainet  nach 
linsrem  herren,  also  daz  er  imsers  herren  marter  von  hertzen  klaget  oder 
daz  er  erkennet  waz  im  Got  gnade  hat  getan,  und  er  in  des  mit  süssen 
trähennen  lobet,  daz  ist  ain  vil  süsser  andaht. 

Der  vogel  der  uff  dem  ast  sitzet,  daz  ist  der  vogel  mit  dez  mentschen 
io  autlütz.  der  hat  die  nature,  so  er  zem  ersten  uz  sira  nest  flüget,  der  erst 
mentsch  der  im  denn  bekumet,  den  tüdet  er  und  flüget  denn  über  ain  wasser 
und  erspielet  sin  antlütz  dar  inne;  und  so  er  denne  gefl69d]siht  daz  er 
und  der  meutsche  ain  antlütz  hant  und  si  glich  enander  sint  und  er  sinen 
brüder  ertödet  hat,  so  enwirt  er  niemer  me  vro  untz  an  sinen  tot.  bi  dem 
15  vogel  ist  bezaichent  ain  ieglich  mentsch;  won  wir  hant  ertödet  ünsern 
herren,  der  von  gütlicher  nature  und  von  mentschlicher  ünser  brüder  ist  wie 
der  von  den  Sünden  tod  ist  an  dem  crütze,  und  wie  er  gebunden  wart  an 
dem  crütze,  daz  er  weder  hende  noch  füsse  noch  dehains  sines  lides  gewaltig 
waz,  und  swenn  du  daz  für  dinü  ogen  setzest,  so  ensolt  du  dich  niemer 
20  me  gevröwen  enhains  dinges  daz  üppig  ist. 

Der  blüme  der  uff  dem  ast  blüget,  ist  ain  rose:  der  ist  schüne  und 
wunneklich  an  zesehenne.  da  bi  ist  bezaichent  dü  brinnend  minne  die  der 
sälig  mentsch  zü  Gotte  haben  sol.  du  solt  gedenken  an  die  grossen  minne 
die  er  zü  üns  [170‘ ] hatte,  do  er  den  jümerlichen  tot  für  uns  laid.  und 
25  von  der  minne  sol  din  hertze  enzündet  werden  und  din  sele,  daz  du  Got 
also  krefteklich  und  also  sere  da  wider  minnest  daz  du  dich  e wültist  lassen 
tüten  e du  in  iemer  wöltest  erzürnen  mit  dekainer  hobt  sünde. 

Der  fünfte  ast  ist  begerung,  daz  der  mentsche  ünsers  herren  begere 
mit  allen  sinen  sinnen  und  von  allem  sim  hertzen  so  krefteklich  daz  er 
so  aller  dinge  enhain  aht  habe  [won  sin.  so  mag  dü  sele  wol  sprechen,  alz  da 


1.  sol  — logen]  solt  allirtcegilich  für  ncmin  G.  rchte  also  d.  bl.  allir  tegilich  w.  vnz  er 
vollcchoniin  wirt  . also  solt  du  allir  tegilich  wahsin  . vnde  für  nemin  unz  du  rehte  vollekominde 
wirst  an  tuginden  6.  2.  daz  er]  daz  du  stcligir  mansche  G.  bist  G.  in]  dich  G,  ebenso  S. 

5.  ast . daz  ist  G.  7.  daz  er]  daz  dor  mcnsche  G.  waz]  daz  G.  gnade]  so  groze  gn.  G. 

8.  andaht . daz  lop  . undo  div  andaht  meront  alliz  an  des  menschin  tuginde . vnde  twingit  got 
daz  er  alliz  an  sine  gnade  in  die  sele  gnzit  . vnde  giczin  mfiz  G.  12.  crepfilet  A,  irspiegiit 
denue  G.  14.  me  fehlt  G.  15  f.  ertAdet  ü.  h.]  alle  vnsirn  brfldir  irto'dit  Jhesnm  Christum  G. 

16.  menschlichir  nature  G.  17.  den]  dinen  G.  17  f und  — crütze  fehlt  A,  20.  ist . vnde 
ensolt  mit  der  weite  noh  mit  enchainim  dinge  daz  ze  der  weite  triffet  niemir  enhainc  vro’de  me 
gewinnen  G.  21.  ist  ain]  daz  ist  der  G.  22.  minniclich  G.  24.  für)  dur  G.  24  f.  und 
von  der]  gcdenchc  rehte  in  wie  rainir  minne  er  den  tot  dur  uns  lait . vnde  uon  der  rainnn  G. 

26.  da  wider  fehlt  G.  27.  iemir  wizsinde  woltist  G.  28.  ist  du  beg.  G.  gort  G. 

30.  aller  — 267,  1 geschriben|  alle  sine  girde  gedenit  het  an  den  girtichin  got . Div  sele  mach 
wol  spreebin  alse  div  sele  in  der  minne  büche : Filie  ierusalem  G. 


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60.  Von  des  balm  bomes  bezaichnung. 


267 


stät  in  der  minne  büch  geschriben:  ‘ir  tohtren  von  Jerusalem,  kündent  mim 
liebe  daz  ich  siech  von  minnen  bin’. 

Der  vogel  der  uff  dem  ast  sitzet,  daz  ist  ain  nahtegal,  du  singet  all- 
weg  gerne,  und  so  si  gewar  wirt  daz  sich  dü  naht  verwandten  wil  zü  dem 
tage,  so  höhert  si  iren  sang,  hie  bi  ist  be//?07zaichent  daz  sälig  mentsche:  5 
so  dü  naht  der  Sünden  und  dez  üppigen  lebens  an  im  verwandelt  wirt  in 
hoh  tugend  und  ez  sich  beginnet  bessren  an  sim  lebenn  und  ez  Got  an 
allen  dingen  baz  erkennet  denn  e,  so  sol  ez  sinen  sang  höhren,  so  ist  dü 
naht  verwandelt  zü  dem  tage;  so  sol  ez  denne  Got  mit  allen  arbaiten  frö- 
lich  loben  und  sol  im  dester  gerner  und  gewilleklicher  dienen  und  sol  sich  io 
uff  daz  erb  fröwen,  daz  im  Got  wil  geben  nach  disem  kurtzen  zite  iemer 
ewklich  leben,  dar  zü  solt  du  din  hertz  und  din  sele  ze  allen  ziten  be- 
reiten daz  du  mit  eren  dar  körnest.  unser  herre  sprichet  in  dem 
ewangelio:  ‘sehent  daz  ir  ze  allen  ziten  berait  sigint,  won  ir  enwissent 
wenne  ich  kum’.  15 

Der  blüme  der  uff  dem  aste  wahset,  daz  ist  der  side  bliime,  der  enhat 
nit  völliger  varwe  und  bezaichent  daz  rainne  mentsche,  daz  sich  so  sere  nach 
Got  [170c]  verjamert  hat  daz  ez  blaich  wirt  und  sin  schön  varw  verlüret,  und 
allen  sinen  flisse  und  sin  sinne  an  Got  hat  gekeret,  daz  sin  sele  vor  im 
schön  si  und  sin  hertze  luter  und  reine,  daz  Got  gerne  dar  inne  wone.  und  20 
denn  versmahet  si  gar  die  uswendigen  schöni  so  si  der  inren  so  grossen 
fliss  hat,  und  denn  mag  si  wol  sprechen,  alz  in  der  minne  büch  geschriben 
stät:  daz  ich  uswendig  blaich  bin,  dez  wundre  üch  nit,  dü  hymelsch  gnade 
hat  mich  verselwet;  und  swie  blaich  ich  uswendig  bin,  so  bin  ich  doch  in- 
wendig harte  schöne,  ich  gevalle  Got  wol  an  mim  antlütz*.  25 

Der  sehste  ast  ist  dü  ladung,  daz  dü  sele  mit  rehter  girde  Got  zü  ir 
ladet:  'kum  her,  lieber  herre,  kum  her,  süsser  gemahel,  Jhesus  lieber  herre 
min!’  so  si  denne  in  also  gütlich  ladet  mit  aller  irre  girde,  so  kumet  er 
denne  und  berihtet  allez  daz  im  an  ir  missevallet,  und  schephet  den  ment- 
schen  in  allen  dingen  [170*]  nach  sinem  willen.  so 

Daz  vögellin  daz  uff  dem  aste  sitzet,  daz  ist  ain  swalwe.  dü  nimet  de- 
hain  spise  won  in  dem  fluge.  also  tüt  och  der  sälig  mentsche;  daz  nimt 


2.  von  minnen  fehlt  A.  5.  sag  .1.  6.  vO  div  naht  dez  O.  9.  sol  ez  denne]  solt  du  G, 

ebenso  «reife  Pers.  sing,  im  folgenden  bis  12.  10.  ime  denne  dester  g.  vndc  deste  williclichir  G. 

11.  daz  himilsche  erbe  G.  Got]  unsir  herre  G.  12.  ew.  leben]  ewicliche  . Vndo  G. 

16.  wahset]  blöget  G.  17.  uolliclichir  G.  18.  hat  — wirt  fehlt  A-  19.  an  — gekeret]  het 
inwendich  bekcret  G.  im]  gotte  G.  20  f.  und  denn  — 23  stät]  an  die  inrun  scho’ni  het  si  so 
gar  ir  vliz  gelait . vndo  becheret . daz  si  die  nzwcndigun  gar  uirsmahit  het . Der  mcnsche  mach  wol 
sprechin  . Nigra  sum  G.  26.  ast  daz  ist  G,  ebenso  268,  12.  27  f.  Jhesus  — si]  nu  kun  her 

nzirwelte  herre  zü  mir  . du  bist  ihc  der  liebe  gemahile  min  . So  div  sele  G.  29.  allez  — ir] 
er  denne  swaz  ime  in  der  sele  G.  30.  in]  an  G.  willen  . als  er  Ime  wol  geuallit  G. 

31.  demc  sAzin  aste  G.  32.  fluge  also]  wolckin  . Zegelichir  wiz  G.  och  fehlt  G. 

1.  Cant.  5,  8.  3 f.  vgl.  oben  S.  24  Z.  lf.  14.  Matt.  24,  44.  23.  Cant.  1,  4f. 


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268 


60.  Von  des  balra  bomes  bezaichnung. 


enhain  spise  won  in  dem  fluge  dez  gedankes,  mit  dem  ez  flüget  in  daz 
hymel  lant;  won  ez  hat  uff  ertlich  an  dehaim  dinge  trost  won  allain  an 
hymelsehen  dingen,  da  suchet  ez  trost  und  daz  ist  sin  spise  und  sin  fure. 
also  sprichet  sant  Augustinus:  ‘ir  sont  allen  zergangklichen  trost  versmaheu 
5 und  sont  all  üwer  girde  uf  rihten  in  den  hymelsehen  trost’. 

Der  blftme  der  uff  dem  aste  blüget,  daz  ist  ain  wegbliime.  der  hat  die 
nature  daz  er  sich  allewegent  nach  der  sunnen  keret.  also  keret  der  sAlig 
mentsche  sin  hertze  und  sin  sinne  und  alle  sin  begerung  nach  dem  lebenden 
und  nach  dem  ewigen  sunnen,  der  mit  [171°]  siner  schonhait  hymelrich  und 
io  ertrich  erfülltet  hat  und  der  da  ist  ain  vrüde  nnd  ain  lieht  und  ain  wunne 
der  ewigen  sülikait. 

Der  sibend  ast  ist  gantzü  süssekait.  so  der  mentsche  des  bomes  este 
alle  überstiget  mit  s tüten  tugenden  und  ez  an  den  obrosten  ast  kumet,  so 
giisset  unser  herre  also  groz  süskait  in  sin  sele  daz  si  dem  libe  unver- 
15  tragenlich  ist,  und  mag  sich  kum  in  im  enthalten;  und  ist  so  groz  daz  im 
denne  kraft  gebristet,  und  muss  der  gaist  in  denn  tragen,  so  krank  ist  er 
von  der  gütlichen  süskait  worden;  und  ist  aber  der  gaist  also  gesterket  daz 
er  den  lip  treit,  reht  alz  ir  selient  daz  der  gesund  mentsch  den  siechen  treit. 

Daz  vögellin  daz  uff  dem  aste  sitzet,  daz  ist  ain  fenix:  der  wonet  allez 
20  an  uff  dem  berg  Oliveti.  der  berg  ist  als  edel  daz  all  edel  wurtzen  [171°] 
dar  uff  wachsent;  und  ist  der  vogel  allez  an  ainer  und  enwirt  sin  niemer 
me.  und  so  er  sich  ernüwren  wil,  so  nimt  er  der  edlesten  wurtzen  und 
machet  im  selb  ain  hus  und  fliiget  denn  uff  die  hohen  büliel  und  in  die 
hohen  lüft  uud  flüget  der  sunnen  alz  nach  daz  er  relit  erhitzet,  und  flüget 

25  Uf  deme  aste  sitzit  ain  vogil,  der  baizit  fenix  . der  wonit  allis  an  uf  deme  berge 
monlis  Oliveti  . unde  der  berch  ist  also  edile  daz  nlle  die  edilen  wrzan  druffe  wnhsiut  . 
unde  ist  der  vogil  alliz  an  aine  unde  enwirt  sin  niemir  niht  wnn  aine  . unde  so  er  sich 
irniuwen  wil,  so  nimit  er  der  edilsten  wrzen  unde  machet  ime  selbin  ain  hfis  unde 
vluget  denne  uf  die  hohin  buhile  unde  in  die  ho’hin  Hüfte  unde  vluget  der  sunnen  also 
SO  nahe  daz  er  rehte  irhitzet;  unde  vluget  denne  her  nidir  in  sin  hfis  unde  sieht  die  veli- 

1.  enhain  spise]  sine  spise  siner  sele  niene  G.  dez  ged.]  der  vlnck  daz  ist  der  gedanch  G. 

ez]  div  sele  G.  2.  himilsehc  lant  G.  2 f.  won  ez  — füre)  indemo  vluge  wirt  div  güte 
sele  . vndo  div  sa'lige  sele  gespiset  . div  spise  daz  ist  daz  si  an  dekainiiue  dinge  vf  ertriche  en- 
hainen  trost  . noh  enhaine  vro'de  bet  . niht  wan  an  kindischen  dingen  . dar  an  suchit  si  trost  . 
vnde  wirt  och  da  uon  gespiset  unde  gef  Orot  G.  5.  all  fi.  g.l  iwir  herce  G.  7 f.  also  — 
mentsche]  Zegelicliir  wie  tüt  d.  s.  m.  der  keret  G.  8.  nach]  gegin  G.  leben  A.  9.  nach 
fehlt  G.  10.  wnnen  spil  G.  11.  nach  g&likait]  engegin  deme  lebindin  sunnen  kert  der  güte 
mensche  sin  herce  . vnde  sinen  willen  . Also  livtirliehc  daz  alliz  daz  sin  Wille  ist  daz  got  tut  . vnde 
kert  sinen  willen  also  gänzliche  in  den  sannen  . daz  ez  enhain  dinch  betrübit  daz  got  tüt . daz  ist 
ime  alliz  liep  . dem  menschin  daz  sinen  willen  an  allen  dingen  füget  in  gottes  wiilen  G.  14.  sin] 
die  rninun  G.  15.  enthabin  G.  16.  denne]  der  G.  müss  — so]  entnach  die  sAzichait  uon 
liplicber  kraft  niht  enthabin  . Wan  daz  der  gaist  denne  den  lip  mnz  tragin  . also  G.  er]  der 
Hp  G,  18.  nach  treit]  also  trait  der  gaist  von  gotlicbir  kraft  dez  libes  irschreknnge  G. 

25  ff.  Parallelteat  aus  G. 


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60.  Von  des  balrn  bomcs  bezaichnung. 


269 


denn  hin  wider  nider  in  sin  hus  und  schiebt  die  vettachen  zesamen  daz  er 
entrinnet,  und  brinnent  die  wurtzen  alle  mit  im;  und  also  verbrinnet  er, 
und  von  dem  pulver  wirt  denue  ain  nüwe  fenix.  hie  bi  ist  bezaichent  daz 
sälig  mentsche  daz  alweg  gern  wonet  uff  dem  hohen  berge  gaischliches  lebens, 
daz  da  wol  erhaben  ist  von  der  weit  alz  der  berg  von  dem  taL  und  bi  5 
den  edlen  wurtzen  ist  bezaichent  die  edlen  tugend  die  in  gaischlichem 
lebenn  wachsent;  won  der  alle  die  weit  durch  füre  und  tugend  sühti , er 
fundi  niena  so  lioh  und  so  edele  und  so  [171']  vil  tugend  so  in  gaischlichem 
lebenne,  won  gaischlich  leben  ist  relit  ain  garte  der  wollust  und  ain  berg 
der  tugend.  da  von  gelichet  er  sich  wol  dem  berg  Oliveti.  der  sälig  io 
mentsch  sol  sich  öck  an  sim  leben  ernüwren:  zehant  so  er  beginnet  alten 
und  trägen  an  Gottes  dienst,  so  sol  ez  allum  gan  in  dem  closter  von  airn 
brUder  zü  dem  andern  und  sol  ab  ieglichem  tugend  lernen  und  sol  die  ze 
samen  tragen  in  sim  hertzen  und  sol  denne  uf  fliegen  in  den  götliehen 
Spiegel  und  sol  sine  gedenke  alz  krefteklich  an  in  keren  daz  er  relite  von  15 
dem  hymelscheu  glantze  erhitze,  und  sol  im  alz  nahe  fliegen  daz  sin  sele 

chin  also  vaste  zesamine  daz  er  enbrinnet  . unde  brinnen  die  wrzan  alle  mit  ime  unde 
virbrennent  in  . unde  von  deme  pulvere  wirt  denne  ain  nüwe  fenix,  unde  also  irnüwit 
er  sich  . hie  bi  ist  bezaichint  daz  stetige  mansche  daz  alliwege  gerne  wonet  uf  deme 
hohin  berge,  daz  ist  gaistlich  lebin  . daz  ist  wol  deme  hohin  berge  gelich : wan  alse  der  20 
berch  irho'hit  unde  irbabint  ist  von  deme  tal,  also  ist  gaistlich  lebin  irhabin  von  der 
weite  . unde  bi  dien  edilen  wrzen  die  uf  deme  berge  montis  Oliveti  wahsint,  da  bi  sint 
bezaichint  die  edilen  tuginde  die  in  gaistlichime  lebinne  wahsint  . wan  der  alle  die  weit 
durh  füre  unde  tuginde  sühti,  der  enfünde  niene  in  allir  der  weite  so  edile  noh  so  hohe 
tuginde  so  in  gaistlichime  lebinne ; wan  gaistlich  lebin  ist  rehte  ain  garte  der  wollust  25 
unde  ain  berch  der  tuginde  . da  von  ist  gaistlich  lebin  wol  gelich  deme  berge  monte 
Oliveti,  da  der  vogil  ufi'e  wonit  der  da  hnizit  fenix  . unde  so  er  beginnet  alten  unde 
swaren , so  ernüwit  er  sich , als  ich  da  vor  han  gesait  . Ze  gelichir  wiz  sol  der  stetige 
mensche  tün  . so  er  beginnet  abe  nemin  unde  tragen  an  Gottes  dienste,  unde  sine 
tuginde  beginnen  slewen  an  der  übunge  tuginde  unde  allir  güten  werche,  untrüwon,  so  30 
solt  du  dich  irnüwin  unde  solt  allumbe  gan  in  deme  closter  zü  iegelichir  swestir,  unde 
solt  ab  iegelichir  swestir  sundirlicbe  tuginde  lernen,  unde  solt  merchin  wie  vlizicliche 
siu  ir  tuginde  übent  mit  güten  werchin,  mit  gehorsami,  mit  demiitichait,  mit  miltichait, 
mit  irbarmiherzichait,  mit  mazich&it,  mit  allen  güten  zühten,  und  mit  allen  tuginden 
übint  siu  elliu  gütiu  werch  . daz  sint  die  edilen  wrzan  die  du  zesamine  solt  tragen  in  35 
dime  bercen,  unde  solt  denne  sebin  wie  dine  tuginde  sint  irlo’schin  und  irslsewet  ane 
übunge  unde  an  der  brinnindun  girde  die  du  ze  Gotte  getost  han  . unde  so  du  dinen 
brestin  irchennist,  so  solt  du  uf  vliegin  in  den  gotlichin  sunnen  unde  solt  dine  gedenche 
also  krefticliche  an  den  keren  daz  du  rehte  von  deme  himilschin  glanze  erhitzest,  unde 
solt  ime  also  nahe  vliegen  daz  din  sele  rehte  gnoisten  enphahe  von  deme  lebindin  sun-  40 


9.  g.  leben  fehlt  A.  31.  swestir)  brüder  Z,  ebenso  im  folgenden. 


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270 


60.  Von  des  bahn  bomes  bezaichnung. 


gnaist  enphalie  von  dem  lebenden  sonnen,  und  mit  der  hitze  sol  ez  denne 
her  nider  fliegen  in  sin  hertze  und  sol  der  sei  tugend  zesamen  schlahen, 
daz  si  enbrinne  mit  Übung  guter  werche;  und  in  sölicher  hitze  so  wirt 
er  denne  ernüwert  und  verbrent  an  der  krankhait  und  an  aller  schlewkait, 

5 daz  er  denne  wirt  [171d]  ain  nüwer  mentsche. 

Der  blüm  uff  dem  aste  ist  ain  veltblüme:  daz  ist  tinser  herre  Jhesus 

Christus,  won  alz  der  veltblüm  gemain  ist  allen  den  die  in  wellent  brechen, 

alz  ist  och  unser  herre  gemain  allen  die  sin  gerent.  der  velt  blüme  stät 

nff  dem  plan,  da  brechent  in  arm  und  riche.  also  stät  unser  herre  oflen- 

to  lieh  an  dem  erüze  ze  enpfahenn  alle  die  die  zu  im  koment  und  sin  von 

inneklichem  hertzen  gerent.  nu,  lieber  mentsch,  ker  hin  uff  den  plan  zu 

dim  schepher  und  klag  im  mit  demütigem  hertzen  allen  dinen  kumber  und 

din  betrübde,  so  tröstet  er  dich  mit  siner  miltekait.  gedenk  daz  er  selber 

sprach:  ‘ich  bin  ain  veltblüme,  ich  bin  beklait  mit  roten  klaidern,  daz  ist 
15  min  rosvarwes  blüt,  daz  ich,  mensche,  durch  dich  goz.  nu  verzage,  lieber 

nen  . unde  mit  der  hitze  soll  du  her  nidir  vliegin  in  din  hfis,  daz  ist  din  herce,  unde 
eolt  die  vetichin  zesamine  slan,  daz  siu  rehte  enbrinnen  . bi  den  vetichin  sint  bezaichint 
der  sele  tuginde : die  solt  du  denne  zesamine  slan  mit  übunge  giitir  werche  unde  solt 
die  also  vlizicliche  unde  also  girliche  Oben  mit  allen  tuginden  daz  die  wrzan  enbrinnen, 
20  daz  sint  die  tuginde  die  du  in  deme  clostir  zesamine  hast  gelesin  ab  iegelichir  swestir 
daz  die  alle  an  dir  enbrinnen  . also  girliche  solt  du  dine  tuginde  Abin  mit  gAten 
werchin.  unde  Inder  hitze  der  tuginde  wirst  du  irnuwit  unde  virbrennet  ander  trachait 
unde  an  allir  slewichait,  daz  du  denne  wirst  ain  nüwir  mensche : also  sol  daz  gute 
mensche  sich  emtiwin  als«  fenix. 

25  Der  hlAme  der  uf  deme  aste  stat,  daz  ist  ain  veltblüme  . bi  deme  ist  bezaichint 
unsir  herre  Jhesus  Christus,  der  ist  ain  veltblüme  . wan  ze  gelichir  wiz  also  der  velt- 
blAme  gemaine  ist  armen  unde  riehen,  allen  dien  die  in  went  brechin,  also  ist  unsir 
herre  Jhesus  Christus : der  ist  gemaine  armen  unde  riehen , allen  dien  die  sin  geront  . 
der  veltblüme  stat  uf  deme  plane,  da  brechint  in  arme  unde  riche  . ze  gelichir  wiz  ist 
30  unsir  herre  Jhesus  Christus  ain  miltir  veltblüme,  der  sich  niemanne  virsagit  noch  der 

sich  vor  niemanne  virbirget:  er  stat  offinberliche  uf  deme  plane  dez  halligen  unde  dez 

si'tzin  crüces  . da  wil  er  alle  die  enphahin  unde  tro’stin  die  zü  ime  kommt  und  sin  von 

inniclichime  hercen  geront  unde  mit  demAtigeme  hercen  süchint  . ah,  liebir  mensche,  ker 

bin  uf  den  plan  zü  dime  schepbere  unde  clage  ime  mit  demAtigeme  hercen  allen  dinen 
35  kumbir  und  dine  betrübide,  er  tro’stet  dich  mit  siner  miltiebait  . gedenche  daz  er  selbe 
sprach : ‘ich  bin  ain  veltblümili  an  minen  claidim  unde  an  der  gemainde  . ich  bin  be- 
claidet  mit  roten  claidirn,  daz  ist  min  rosevarwez  blüt,  daz  ich  dur  dich  üz  goz  . liebir 
mensche,  nu  virzage  niht ! ich  bin  der  dinen  lip  unde  dine  sele  geschaffen  bet . ich  bin 


5.  nüwer  fehlt  A.  23.  slcwirchait  G. 


14.  Cant.  2,  1. 


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60.  Von  des  baimbomes  bczaichnung. 


271 


mentsch,  nit!  ich  bin  der  dinen  lip  und  din  [172‘]  sele  geschaffen  hat.  ich 
für  von  hymelriche  her  uff  ertrich  uss  mines  vatters  schoss  dar  umb  daz 
ich  dich  süchti  und  wider  br&hti  ze  diner  edelkait.  ach,  süsser  mentsche’, 
sprichet  er,  ‘ich  bin  din  vatter;  da  von  minnen  ich  dich  also  sere  daz  ich 
alles  min  blüt  us  goz  durch  dich,  daz  ich  dich  wider  gewunne.  nu  merke  5 
wie,  lieber  mentsche,  din  minne  mich  beklaidet  hat.  da  von  bin  ich  wol  an 
dem  klaide  gelich  dem  veltblümen.  ich  bin  im  och  gelich  an  der  gemaini, 
won  ich  bin  gemaine  allen  die  min  gerent  oder  gernchent:  min  tot  ist  ge- 
maine,  min  gnade  ist  gemaine,  min  erbirmed,  min  trost,  min  hymelrich  ist 
gemaine,  ich  und  min  vatter  und  der  hailig  gaist  siut  gemaine.  allen  den  io 
die  gnade  und  trost  gerent  von  relitem  hertzen,  den  wil  ich  mich  [172b] 
selb  geben  ze  vollem  tröste,  und  nach  disem  eilende  wil  ich  ir  voller  Ion 
sin  und  ir  vröde.  mir  enist  nieman  ze  arm  noch  ze  sündig,  ich  bin  reht  ain 
ihrer:  won  allez  daz  dem  t iifel  enfellet,  daz  lis  ich  uf.  mentsche',  sprichet 
er,  ‘gedenk  wie  ich  dich  gesüchet  han.  ich  lie  min  rehtes  erbe,  daz  hymel-  15 
rieh,  und  für  uff  ertrich  und  gab  minen  lip  und  min  sele  durch  dich,  dar 

der  der  die  edilchait  diner  sele  unde  diner  nature  irkennit  . davon  irbarmist  du  sere 
mich,  und  für  von  himilrich  er  uf  ertriche  uzsir  mines  vatir  seboze  dar  umbe  daz  ich 
dich  sühti'  . also  sprichit  sanctus  Augustinus:  ‘er  für  von  himilriche  uzsir  eines  vatir 
büsime  und  für  her  in  ertriche  in  einer  mütir  büsin  dar  umbe  daz  er  den  menschin  sühti  20 
unde  in  widir  braihti  ze  siner  edilchait'  . ‘ah  süzir  mensche’,  sprichit  er,  ‘ich  bin  din 
vatir,  da  von  minne  ich  dich  also  sere  daz  ich  alliz  min  blut  tiz  goz  dur  dich,  daz  ich 
dich  widir  gewnne  . nu  merche,  liebir  mensche,  wie  mich  din  minne  beclaidit  het  . da 
von  bin  ich  wol  beclaidit  gelich  deine  veltblümen  unde  bin  ime  gelich  an  minen  clai- 
dirn  . ich  bin  och  gemaine  allen  dien  die  min  geront  aide  gerüchint:  min  tot  ist  ge-  25 
maine,  min  gnade  ist  gemaine,  min  irbermide  ist  gemaine,  min  trost  ist  gemaine,  min 
himilriche  ist  gemaine,  ich  unde  min  vatir  unde  der  hailige  gaist  sin  gemaine  . allen  dien 
die  gnaden  unde  trostes  geront  von  rehtime  hercen,  dien  wil  ich  mich  selbin  gebin  mit 
voilime  tröste,  unde  nah  disime  eilende  wil  ich  selbe  ir  Ion  sin  und  ir  vro’de  . mir  enist 
nieman  zarn  noh  ze  sundich  . ich  bin  ain  ehinaere  unde  alliz  daz  deme  tievil  enphallet,  so 
daz  lise  ich  tif  unde  ehironz'  . nu  ho’rint  dez  gütin  Göttis  güti,  er  gelichit  sich  aime 
ehiriere!  als  ir  wol  sehint,  da  die  richin  lüte  sn ident,  da  gant  die  armin  liute  nah  unde 
ehiront . ze  gelichir  wiz  tüt  unsir  herre  . der  tievil  ist  der  riche  man,  der  snidet  übir  alle 
die  weit  manige  edilo  sele,  laidir!  die  gut  kofte  mit  sinem  blüte  . so  ist  unsir  herre  der 
arme  man  unde  gat  alliz  hin  nah  ehirenti;  und  swa  ime  iene  dehain  sele  mach  werdin,  35 
die  zuchit  er  an  sich  . und  dez  manit  er  den  menschin:  ‘owe’,  sprichit  er,  ‘gedenclie 
daz  ich  ain  ehirer  bin  wordin  dur  din  hail  ’ . er  sprichit  och : liebir  mensche,  gedeuche 

wie  ich  dich  gesüchit  han:  ich  liez  himilriche,  min  rehtis  erbe’,  sprichit  er,  ‘unde  für  uf 
ertriche  unde  wart  mensche  unde  gap  min  herce  von  mime  libe,  und  mine  sele  gap  ich 


14.  tül  feilet  A.  18.  himilricher  O (=  himilrich  her). 


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272 


60.  Von  de«  balm  bomca  bezaichnung. 


an  gedenke  und  ker  her  wider  zu  mir  dem  edlen  veltblümen.  ich  bin  so  vol 
miltekait  und  erbärmde  daz  ich  dich  gütlich  enpfahe.  ker  wider  mit  rehter 
rüwe  und  such  trost  an  mir  mit  rehter  demütkait,  so  vindest  du  mich’. 

Nu  sont  ir  wissen  daz  unser  herre  nit  allaine  ist  ain  veltblume,  er  ist 
5 öch  sinen  hainlichen  luten  ain  lyli  in  dem  beschlossnen  garten,  daz  ist  in 
dem  fridsamen  hertzen,  won  dar  inne  wil  unser  herre  rüwen  süsseklich.  in 
swez  mentschen  hertze  er  also  rüwet,  dez  sele  hat  vröden  und  wunnen  viL 
[l?2cj  und  si  mag  wol  sprechen,  alz  da  stat  geschriben  in  der  rninne  büch: 
‘kum  her,  min  geminter,  in  minen  garten,  kum  her,  süsser  gemahel,  min 
io  garte  ist  wol  geblumet  mit  aller  hande  tagend  münigvaltig  und  ist  under- 
mischet  mit  dem  gras  inneklicher  girde  nach  dir’,  ‘nu  kum  her,  minner  der 

rninne,  du  da  über  kripphet  all  siune;  kum  in  dinen  garten  der  allum  ge- 

von  mir  ze  schaidinne  dar  umbe  daz  ich  din  herce  sühti  unde  dine  sele  . liebir  mensche, 
dar  an  gedenche  und  irbarnie  dich  ubir  mich  ellendin,  wan  ich  hau  dur  dine  liebi  mich 
15  virellendot  . nu  gip  mir  din  herce  daz  ich  uf  ertriche  han  gesftchit,  gedenche  noh 

an  mich  unde  kere  dich  her  ze  mir  unde  gip  mir  din  herce  zainir  rüwe  unde  dine  sele 

zainir  minn:erin , wan  dez  hab  ich  gegerot’  . nu  kere  widir,  liebir  mensche,  ze  deme 
süzin  veltblnmin,  er  ist  so  vol  miltichait  unde  irbermide  daz  er  dich  gütliche  enphahil  . 
owe,  elliu  diu  inenschin  diu  sich  ie  von  disime  liebin  blümin  kerton,  diu  keren  hiute 
20  widire  mit  rehtir  rüwe  ze  siner  gnade  unde  suche  trost  an  sine  irbermide  mit  rehtir  de- 
mütichait,  wan  er  spricbit:  ‘alle  die  mich  söchint  mit  rehtir  demüticbait,  die  sun  gnade 
und  trost  an  mir  vindin 

Nu  sunt  ir  wizsin  daz  unsir  herre  niht  allaine  ist  ain  veltblume,  als  er  sich  selbin 
nemit,  er  ist  och  sinen  hainlichen  vriundin  ain  lvüe  in  deme  beslozsinen  garten  . wan 
25  zegelichir  wiz  alse  man  den  lylien  zallen  ziten  sihit  in  deme  beslozsinen  garten,  also  ist 
Got  zallen  ziten  in  deme  vridisamin  herein ; wan  der  mensche  der  sich  vlizit  daz  er 
vride  behalte  mit  aime  iegelichin  menschin,  beidiu  uzwendich  und  inwendich,  an  Worten 
und  an  werebin,  unde  der  och  inwendig  bet  ain  lütir  gemüte  ane  nit  und  ane  ubilen 
willen,  der  ist  wol  ain  beslozsin  garte  der  sin  herce  also  beslflzset  daz  alle  arewan 
So  unde  alle  nit  da  vor  milz  beliben,  unde  och  sinen  munt  also  beslüzset  daz  er  niemanne 
niht  arges  spricbit  hinder  ime  noh  vor  ime  unde  alliz  daz  ze  güte  unde  ze  tugindin 
keret  daz  er  Biht  unde  ho'rit : der  mensche  ist  wol  ain  beslozine  garte  . in  deme  garten 
wil  Got  rüwen  süzicliche  unde  vriuntliche  mit  der  liebun  sele  . zeder  spricbit  unsir 
herre:  ‘sele,  mich  bet  sere  gelüstet  daz  ich  din  antliute  ane  stelle ’ . so  mach  diu  sele 
35  wol  spreebin:  ‘descendat  amicus  meus  in  hortum’  . also  spricbit  si  in  der  rninne  bücke: 
‘kum  her  nidir,  min  geminnitir,  in  minen  garten  . nu  kum  her,  süzir  gemabile,  min 
garte  ist  wol  geblümet  mit  aliir  hande  luginde  manicvalt  unde  ist  undir  mischet  mit 
deme  grase  inniclichir  girde  nah  dinem  bi  wesinne,  daz  die  sade  sattot  mit  bungir  . nu 
kum  her,  minner  der  rninne,  diu  da  übir  triffet  alle  sinne,  kum  in  dinen  garten,  der 


35.  dcsccndit  G. 


5.  im  Anschluß  an  Cant  2, 1;  4,  12;  5,  1.  9.  Cant.  S,  I;  6,  I. 


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60.  Von  des  balmbomes  bezaichnung. 


273 


muret  ist  mit  vohrte  dine  liebi  ze  verliesend,  und  dar  zü  mit  hüte  ze  allen 
ziten  din  hainlich  und  din  früntschaft  ze  behaltenne.  nu  koment  her,  Zuht 
und  Schäme,  stand  an  der  porten  und  hütent  daz  der  minner  und  du  min- 
nerin mit  dehainer  unzuht  iht  werdent  erweket’.  so  sprichet  denne  unser 
lieber  herre:  ‘ich  wil  nider  keren  in  minen  garten  und  wil  besehen  die  5 
bl  Urnen  in  dem  tal  und  daz  gras  und  wil  schowen  ob  die  rebe  blügent’. 
die  blümen  in  dem  tal  daz  sint  (172*1  die  rainnen  tugend  in  der  sele,  und 
du  reb  daz  ist  frölichait  in  Gotte.  nu  sont  ir  wissen  daz  ain  ieglich  gut 
wercli  Unsrem  herren  vröde  und  ere  git,  und  wirt  er  und  du  sele  ze  samen 
gemähelt  in  disem  garten,  eya,  wel  ain  wunneklicher  bomgart  daz  denn  io 
ist,  ez  ist  ain  hymelsches  paradys  der  Wollust!  von  dirre  rainner  gemahel- 
schaft  sprichet  unser  herre:  ‘dis  fründin  han  ich  gar  sere  geminnet  und  bin 
mentsche  durch  ir  liebi  worden  und  han  arbait  durch  si  erlitten  all  da  her 
von  minen  kintlichen  tagen,  ich  bin  ain  minner  worden  irr  wolget&ni  und 
irs  minneklicben  geschepfdes.  dar  umb  starbe  ich  an  dem  crütze  daz  mir  15 

allumbe  muret  ist  mit  vorhte  dine  liebun  liebi  ze  virliesinne,  unde  dar  zü  mit  hüte 
zalten  ziten  dine  hainlichi  unde  dine  vriuntschaft  ze  behabinne  . nu  kum  her,  Zuht 
unde  Schäme,  staut  an  der  porte  unde  hütent  daz  du  unde  diu  minnerin  mit  dehainre 
unzuht  iht  werden  irweckit  . nu  kum  her,  min  umbevaher  unde  min  minnscre,  din  garte 
ist  harte  wol  beslozin  mit  deme  sloze  der  minne  unde  der  demfitichait’  . so  eprichit  20 
denne  unsir  liebir  herre : ‘ich  wil  nidir  stigen  in  minen  garten  unde  wil  sehin  die  blümen 
in  deme  tal  unde  wil  sehin  die  blümen  und  daz  gras  unde  wil  schowin  ob  die  rebin 
blügen  ’ . nu  virnemint : die  blümen  in  deme  tal  daz  sint  die  rainen  tuginde  in  der  sele  . 
und  die  scho'nen  rebin  daz  ist  vro’lichait  in  Gotte : swaz  dich  an  gange,  daz  dir  daz  si 
ain  vro’de  in  Gotte  . unde  in  allen  dinen  arbaitin  solt  du  rehte  aine  süze  vro’de  mit  25 
girde  han,  daz  du  allewege  vro’liche  gerest  arbaitin  unde  kumbirs  unde  not  in  der 
minne  dines  minners  . daz  sint  die  reben  in  der  sele,  die  blügent  scho’ne  unde  minnic- 
liche,  gwenne  der  mensche  vro  ist  in  widirwertichait  unde  allewege  gerot  daz  er  arbaite 
dur  Got  trage  . undir  dien  blümen  unde  bi  dien  rebon  rüwet  unsir  herre,  als  er  selbe 
sprach:  ‘ich  han  gerfiwet  undir  miner  gemahilun  schalen,  unde  diu  fruht  ir  tuginde  30 
het  mich  gesputet,  unde  diu  s ipise  ist  mir  gar  süze  in  minim  munde  unde  in  minir  kelun’. 
nu  sunt  ir  wizsen  daz  ain  iegelich  güt  werch  unsirme  herren  vro’de  unde  ere  git  . in 
disime  beslozinen  garten  dez  rainen  hercen  wirt  Got  unde  diu  sele  rehte  zestemine  ge- 
msehilt,  daz  ist  ain  wnniclichir  bo’ngarte  unde  ist  ain  paradys  himilschir  wollust  da  diu 
sele  ze  Gotte  wirt  gefiiget  . von  dirre  rainun  gemahilschefte  spricbit  unsir  herre:  ‘dise  35 
vriundinne  han  ich  gar  sere  geminnet  unde  bin  mensche  dur  ir  liebi  wordin  unde  han 
arbaite  dur  si  gelitten  aldaher  von  minen  kintlichen  tagen  . ich  bin  ain  minner  worden 
ir  antliutes ; ir  scho’ni  und  ir  wolgetami  unde  ir  minniclichun  geschephide  het  mich  ge- 
machit  zaime  minn.ere  . dar  umbe  starp  ich  an  deme  crüce  daz  mir  disiu  vriundinne 

1.  din'  A.  31.  sde  G,  spise  Z. 

3 f.  vgl  Cant.  3,  5.  bf.  Cant.  7,  11  f. 

D*at#che  Texte  des  Mittelalters  X.  16 


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274 


60.  Von  des  baJm  bomes  bezaichnnng. 


disü  fründin  wurde  ze  ainer  minnerin.  nu  ist  daz  geschehen:  ich  und  si 
sint  ains  worden,  ich  niet  mich  ir  und  si  sich  min',  nu  merkent  weder 
Got  her  nider  [173°)  kome  zil  der  sele  oder  aber  du  sele  hin  uf  zü  Gotte, 
und  hörent  waz  Got  si.  Got  ist  der  gewalt,  du  wisshait  und  daz  obrost 
5 güt.  wie  sol  nu  der  brut  gezartet  von  im  werden?  daz  geschiht  in  dem 

gaischlichen  gebet,  da  aller  flaischlicher  ding  vergessen  ist,  da  enphahet  er 

si  mit  süsser  minne  und  git  der  gehügde  gewalt  den  gemaheln  ze  vindenn  in 

dem  hymel  mit  den  gedenken,  und  git  der  vemuust  die  wishait  Got  wider 
in  sich  ze  ziehenn  mit  der  haitren  widerbildunge,  alz  sich  Got  in  der  sele 
io  bildet,  daz  si  in  denne  mit  ir  hertzen  erkennend  und  sehend  wirt  an  der 
bildung  die  si  von  im  enphangen  hat.  so  git  ir  denne  du  obrost  güti  ain 

wrde  zainir  minmerin,  unde  daz  ich  unde  si  liepliche  zesamine  wrde  gefnget  nu  ist  daz 
geschehin  in  deine  beslozinen  gartin,  da  rüwet  Got  unde  diu  stetige  sele  mit  ain  andiren, 
da  nietet  sich  diu  sele  siner  süzichait,  als  si  sprichit  in  der  minne  büche:  'ich  saz  undir 

15  sime  schatten,  dez  ich  ie  gerte  unde  eines  sfizin  wckira  nietotte  ich  mich’  . daz  wort  ist 

also  ze  virnteminne  also  si  spreche:  'ich  han  mich  rebte  gemüziget  unde  gesetzit  ze  rü- 
winne,  ich  müte  mich  ze  laininne  an  den  wisin  stun  siner  menschait  und  lief  uf  ze  war- 
tenne  hungerigiu  an  den  ediln  wckir  siner  gothait  unde  ich  ellendiu  ze  kfllenne  undir 
deme  schattin  dez  hailigen  gaisles  . o we  süziu  sele,  wie  rebte  minniclich  disiu  rüwe  ist, 
20  da  Got  rüwet  in  dime  parndyse,  diz  ist  din  blügindis  herce  in  allen  tuginden,  unde  din 
sele  rüwet  undir  sime  gotlichin  schattin  . gesah  Got  die  sele  diu  mit  rehtir  girde  rüwet 
unde  irkdlet  wirt  undir  deme  hailigen  schatten  dez  hailigen  gaistes,  diu  sele  mach  wol 
genesin  vor  allir  vraise!  zü  der  sele  sprichit  unsir  herre  in  der  minne  büche:  'owe  wie 
scho'ne  du  bist  in  dime  zarte,  winie  du  min  liebistiu*.  nu  merckint  wedir  der  zart  Gottes 
25  si  ze  der  sele  aide  von  der  sele  ze  Gotte,  und  welch  sele  dez  zartes  wirdich  si  . un- 
trüwen  daz  sint  die  die  durnehtiges  und  demütiges  hercen  sint  . ez  ensint  niut  die 
valschin  gaistliche  noh  sint  die  gelichsendin ; ez  sint  och  niht  die  hindir  rede  spulgint 
unde  virkerer,  ez  sint  die  demütiges  hercen  sint  unde  die  sich  selbin  virwerfent  unde 
andir  liute  irho’hint:  daz  sint  die  dien  Got  zarton  wil  mit  siner  gnade  . nu  merchint 
30  waz  dise  zart  si,  wedir  Got  her  nider  kome  zü  der  sele  aide  diu  sele  hin  uf  ze  Gotte . nu 
bo'rint  waz  Got  si  . dez  antwrte  ich:  er  ist  der  gewalt,  diu  wisbait  unde  daz  oberoste 
güt  . wie  sol  nu  der  briute  von  ime  gezartot  werdin  ? daz  geschiht  in  deme  gaistlicbin 
gebettc,  da  allir  vlaischlichir  dinge  virgezsin  ist,  da  enphahit  er  dich  mit  süzir  minne 
unde  git  diner  gebugide  gewalt  daz  du  dinen  gemahiln  vindest  in  dien  ho'hsten  himiln 
35  mit  dinen  gedanchin  . in  der  bescbo'wide  so  git  er  diner  virnust  die  wishait  daz  si  Got 
widir  in  sich  züchit  mit  der  haitrun  widir  bildunge,  alse  sich  Got  in  der  sele  bildot  . 
unde  also  luter  so  din  virnunst  denne  ist,  also  raine  ist  och  din  herce  unde  also  wol 
mäht  du  Got  gesehin  unde  irkennen  an  der  lutirun  widirbildunge  die  si  von  ime  bet 
enphangen  . so  bringet  dir  denne  diu  oberoste  güti  aine  hitze  in  dine  sele,  unde  diu 

21.  dime  O.  25.  uon  G.  37.  also  fehlt  G. 

1 f.  vgl.  Cant.  6,  2.  14  f.  Cant  2,  3.  23  f.  Cant.  4, 1. 


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60.  Von  des  balmbomes  bezaichuung. 


275 


liitze,  dü  den  zart  füget  daz  du  sele  irn  gemaheln  trätet  und  urabvaht  mit 
hitze  in  süsser  minne  und  nietet  sich  sin  in  volleklicher  vröde  und  hat  an 
[173']  im  vollen  trost,  gantz  girde  an  gebresten  aller  ding,  doch  enmag  der 
schlaf  nit  lang  sin,  aber  die  wile  daz  es  ist,  so  müz  si  geswigen  allez  dez 
Sterbens  daz  an  der  mentschait  ist  der  munt  enredet  nit,  noch  dekain  5 
gelid  rüret  sich,  disü  süssekait  ist  über  mentschlich  kraft,  und  bi  der  gnade 
ist  enkain  flaischlich  akust;  allü  Untugend  und  üllü  valschhait  ist  der  von 
geschaiden,  da  wonet  nit  won  dü  hymelsch  tugend. 

Swer  nu  Got  zü  aim  gemaheln  welli  han,  der  hüti  sich  vor  allen  Un- 
tugenden und  entlidge  sich  vor  allem  üppigen  zart  dirre  sterbenden  frünt-  io 


hitze  füget  den  zart  daz  diu  sele  ir  gemahilen  triutet  unde  umbevabit  in  mit 
grozir  hitze  in  süzir  minne  unde  nietet  sich  sin  mit  volliclichir  vroTde  unde  het  an 
ime  vollen  trost,  ganze  girde  ane  brestin  allir  dinge  unz  an  in  ainen  . doh  enmak 
der  slaf  nilit  lenge  sin,  abir  die  wile  unz  daz  ist,  so  müz  sin  geswigin  alliz  daz 
sterbindes  an  der  menschait  ist:  der  munt  der  enredit  niht  nob  diu  tolliche  zunge,  15 
sunder  in  der  stunde  bittent  alle  die  krefte  dez  inren  menschin  ane  ser  unde  ane  kre- 
dime  . unde  du  solt  niht  warnen  daz  du  dich  die  wile  sumest  mit  deme  swigenne  an 
deme  gebette;  für  dich  bettot  der  wise  wistün,  din  liebir  brüder  Jhesus  Christus,  ze 
deme  vatir  in  die  hohun  maginkraft,  unde  din  und  sin  vatir  der  git  dime  gemahiln  dem 
hailigen  gaiste  ze  wizsinne  alle  dine  notdurfte  unde  iroffinot  ime  alliz  dez  du  bedarft  . 20 
dez  du  joch  niht  gebitten  kanst  noh  gegeron,  daz  ordinot  dir  alliz  din  liebir  vatir  dur 

den  hailigen  gaist  . do  enmach  diu  stunde  niht  lenge  sin,  wan  diu  vro’de  unde  diu 

süzichait  ist  tibir  menschliche  kraft,  und  bi  der  gnade  ist  enbain  velsch  noh  akust;  alle 
untugint  unde  alle  valschait  ist  davon  geschaidin,  sundir  da  wonet  diu  himilschc  tugint: 
dez  menschin  wort  unde  werck  und  alliz  sin  lebin  ist  rehte  undir  andiren  menschon  als  25 

ain  blügindes  paradis  . nu  sunt  ir,  liebin  juncvrowan,  die  Gottes  brüte  wellen  sin,  die 

sun  sich  wol  bewarn  unde  behüten  daz  der  riffe  unde  daz  miltor  in  daz  blöginde 
paradys  iwirs  hercen  niht  kome,  wan  daz  mackit  dürre  unde  top  dez  rosin  wckir  unde 
den  süzin  wcbir  iwirre  tuginde,  under  dene  Got  mit  der  sele  rüwen  wil  unde  von  dien 

er  gespiait  wil  werdin  . wan  diz  ist  der  beslozine  garte  da  Got  unde  diu  sele  zainandir  30 

gefüget  sun  werden  unde  gemsehilt  . nu  virnim,  Iiebiu  juncvro'we,  diu  da  wilt  sin  ain 
vriundin  unde  ain  gemahile  dez  to’ginen  minners,  ich  rate  dir  daz  daz  du  dich  ent- 
ladest und  irledigest  von  allime  üppigen  zarte  dirre  sterbintun  vriunschefte,  diu  hiute 
ist  unde  morne  niht  . wilt  du  körnen  zü  deme  obirosten  zarte  dines  minners,  so  vlüh 
allin  den  zart  der  unstcetichait  unde  ker  allin  dinen  vliz  wie  du  dinen  minner,  dinen  35 
gemahiln  von  allime  dime  hercen,  von  allen  dinen  sinnen,  von  allen  dinen  kreftin  liep 
gehabest;  da  nah  ker  dinen  vliz  an  din  in  res  paradys,  wie  du  daz  gezierest  unde  ge- 
blümest  mit  allir  hande  tuginde. 

80  wahsit  in  dir  ain  bon,  der  haizit  Got  der  wishait,  daz  ist  diu  wishait  diu  in 

der  hailigon  hercen  als  in  aime  ungesihtigen  paradyse  wirt  geboro : mit  der  vorhte  wirt  40 


19.  den  G,  dem  ZW.  27.  miltü  G,  miltt  Z,  milta'we  IV. 
34.  vlüh  G.  40.  hercen  ist  als  G. 


29.  vnde  dcnne  G. 
18* 


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276 


61.  Von  des  bahn  bomes  bczaichnung. 


schaft,  du  hüte  ist  und  morn  nit,  und  legent  üwer  minne  und  üwren  zart 
an  den  allaine  dez  minne  und  dez  zart  niemer  zergat,  daz  ist  der  rain 
süss  Got. 


[61.  J Von  sant  Paulus  bekerde. 

5 [Beniamin:  amantissimus  domini  habitabit  confidenter  in  eo,  quasi  in 
thalamo  tota  die  morabitur  et  inter  humeros  etc.J 

'Benjamin  ist  Got  aller  liebst’,  suss  list  man  in  aim  büche,  haisset 
Numeri,  da  liset  man,  do  her  [173‘]  Moyses  sterben  wolte,  do  gab  er  den 
zwelf  sünen  hern  Jacobes  sinen  segen.  und  waz  ainer  under  in  der  jüngste, 
l«  dem  wart  dirr  segen  gegeben:  'Benyamin  ist  aller  liebste  Got  und  getar  sin 
leben  getürsteklich  verwandlen,  und  Got  wandelt  in  im  alz  an  aim  bette 
und  rüwet  uff  sinen  achslen’. 

Hie  bi  ist  bezaichent  der  gilt  sant  Paulus,  der  och  von  Benyamins  ge- 
schlähte  geboren  ist. 

15  Gotte  Ist  er  aller  liebest,  daz  merkent  wir  dar  an  an  siner  herlichen 
bekerde.  an  der  ogte  im  unser  herre  vier  sunderlich  ere  vor  andren  hailgen. 
du  erste  ist:  do  er  uff  dem  weg  waz  alz  er  Christus  namen  wolte  durch 
übten  und  er  reht  mit  hertzen  und  mit  übe  wider  Gotte  waz,  da  ogte  im 
unser  herre  sin  erbärmde  und  schlüg  in  nider  uff  dem  weg  und  sprach  zu 
20  im:  'Säule,  Säule  war  urab  durch  ähtest  du  mich?'  do  sprach  er  zehant: 
[173*]  ‘o  herre,  waz  wilt  du  daz  ich  tügi?’  und  waz  zehant  gehorsam,  und 

er  gesegit,  mit  der  gnade  wirt  er  gefühtet,  mit  deme  smerzin  atirbit  er,  mit  der  gelo’be 
wrzat  er,  mit  der  and&ht  entrinnet  er,  mit  deme  trurenne  höbet  er,  mit  der  girde 
wahsit  er,  mit  der  minne  aol  er  starchin,  mit  der  gedingo  grünet  er,  mit  der  be- 
25  schaidinhait  lobet  er  unde  spraitet  sine  este,  mit  der  zrtht  blögit  er,  mit  der  tugint 
bringet  er  fruht,  mit  der  gedult  riffet  er,  mit  deme  tode  brichit  man  in,  mit  der  be- 
scho'wide  spiset  er. 

4.  Überschrift  fehlt  G,  Von  hem  Moyses  (rot)  Z,  Semio  de  sancto  Paulo  und  am  Rand  XXVI  ir, 
Do  conversione  s.  Pauli  Arundel.  5.  6 fehlt  A.  7.  Ben.  — buche!  Disiv  wort  liset  man  i. 
a.  bliche  daz  G.  8.  Numeri)  1.  Deuteronomium.  do  h.  M.)  uon  hern  M.  do  der  G.  9.  waz  — 
jüngste]  benyamin  der  waz  der  iungisto  . vndir  jenen  G.  10.  Ben.  — Got)  Beniamin  amantissi- 
mus . daz  sprichit  alse  vil  b.  der  ist  gottc  allir  liobist  G.  II.  in)  an  G.  12.  vnde  got  r. 
an  sinen  ahsilon  . vndir  einen  ahsilon  G.  13.  Hie  bi]  Bi  beniamin  G.  13  f.  der  och  — 
15  dar  an)  vfl  ist  o.  geb.  v.  b.  g.  vnde  ist  och  gelich  beniamin  an  den  Worten  . Da2  erste  wort 
daz  er  sprach  Beniamin  ist  gottc  der  liebistc  . dar  an  ist  der  goto  sanctus  paulus  wol  gelich  ben- 
iamin . wan  er  ist  gottc  allir  liebist . daz  mugent  ir  wol  merkin  6.  17.  Daz  erste  daz  ist  do 

der  groze  sanctus  Paulus  vf  G.  19.  da  A,  deine  G.  20.  zehant  . vH  antwrte  ime  G. 

21.  ich  nu  t.  G.  waz  rchtc  zehant  g.  der  gnade  vnde  G.  27.  nach  er)  alzo  gesche'ch  vns 
auch  amen  TP. 

4.  Die  Predigt  steht  in  G Bl.  94',  Z Bl.  HO1,  TP  Bl.  118’,  B Nr.  18,  Arundel  Bl.  90’: 
fehlt  Phill.  5.  Deut.  33, 12.  17  f.  Act.  9. 


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61.  Von  saut  Paulus  bekerde. 


277 


do  im  du  gnade  erst  wart  gegeben,  do  ftbt  er  si.  daz  ander  daz  waz  daz  sin 
bekerde  der  cristenhait  nütz  waz  und  vil  nützer  denne  ie  dehains  hailgen; 

won  er  waz  der  gröste  und  der  beste  prediger  der  ane  Gottes  sun  ie  wart, 

und  wart  von  nie  dekaime  so  vil  geleret  so  von  im.  daz  dritte  waz  daz 
ain  vil  wunderliches  lieht  von  hymel  kam  an  die  statt  da  sin  bekerde  waz,  5 
und  wart  ain  schönnü  klarhait  da.  daz  vierde  waz  daz  Got  selbe  an  siner 
bekerde  waz;  daz  ist  vil  wol  ain  sunderlichü  ere  und  ain  grössü  liebi  daz 
Got  von  hymel  her  ab  kam  zü  siner  bekerde,  und  kam  mit  also  grosser 
schonhait  daz  ez  mentschen  oge  nit  moht  gesehen,  von  disen  vier  dingen 
begat  man  diz  bekerde  für  ander  hailgen.  io 

Öch  mugent  ir  au  drin  dingen  merken  [174° ] daz  er  Gotte  liep  waz.  swer 
zü  Gotte  aller  gröst  liebi  hat,  den  minnet  och  ünser  herre  hin  wider  aller 
maist.  nu  sont  ir  wissen  daz  sant  Paulus  die  aller  gröste  minne  hatte  die 
kain  irdescher  mentsche  gehaben  ie  mohte.  so  stark  waz  er  an  der  minne 
daz  er  sprach:  ‘ich  bin  dez  sicher  daz  mich  weder  swert  noch  der  tot  noch  15 

dehain  ding  von  Gotte  geschaiden  mag’,  nu  sont  ir  merken  driger  hande 

lüte  die  minnent  die  ersten  die  minnent  sZeüteklich ; daz  sint  weltlich  lüte, 
die  minnent  irdeschü  ding  alz  vil  daz  nit  gantzer  minne  da  mag  gesin.  daz 
mugent  ir  merken  an  aim  ieglichen  dinge,  swaz  wite  zertaillet  ist,  daz  ist 
minder  denu  ob  ez  bi  enander  wilre.  also  ist  ez  umb  der  weltlichen  lüt  20 
minne.  si  minnent  kint  und  fründ  unde  güt  und  ere  und  weltlich  vröde, 
und  ist  also  ir  minne  getaillet  daz  si  Got  vil  klai/774*/ne  minnent  da  von 
sprichet  ain  wis  man:  ‘sehent  daz  ir  nit  minnent  den  tot  in  dem  ierrod 
üwers  lebens’.  er  spricht  och  me:  ‘ir  die  da  minnent  die  weit,  die  sont 
geschent  werden  an  dem  jüngsten  tag“,  die  ander  lüte  minnent  grozlicher  25 
und  höher,  daz  sint  die  güten  vrowen  die  durch  Gottes  minne  witwa  bli- 
bent.  die  gelichent  sich  der  turteltuben:  so  dü  ir  gemächde  verlöret,  so  ist 
si  iemer  me  aine  und  sitzet  uff  daz  dürre  zwi  und  lat  daz  grüne  stan  da 
bi.  also  tunt  och  die  künschen  vrowen;  die  lassent  allez  irdesch  liep  durch 
die  minne  Gottes,  die  dritten  lüte  die  minnent  ain  volkomen  minne,  daz  30 

sint  gaischlich  lüte.  die  minnent  also  sere  daz  si  von  minnen  sterbent.  nu 


1.  Daz  a.  daz  an  sinre  bekerde  waz  . daz  waz  G.  2.  halligen  wrde  G.  4.  von  nie  — 
Im]  div  cristenhait  uon  nie  enhaime  halligen  s.  v.  g.  so  von  deme  grozin  vnde  uon  deine  ediln 
a.  paoio  G.  waz]  daz  an  einer  bekerde  waz  . daz  ist  daz  G.  &.  vil  wund.]  wnniclichis  G. 

6.  elariv  schonhait  G.  waz]  daz  ist  G.  7.  und  ain]  vnde  G.  8.  von  fehlt  A. 

9.  menschlichiv  o'gcn  n.  g.  mohton  . Hie  an  zaigito  unair  herre  s.  panlo  sundirliehi  liebi  . vnde 
uon  G.  10.  diz]  sine  G.  II.  waz  . daz  merckint  dar  an  . swer  G.  13.  aller  gr.]  gro’stun 
vnde  die  ho’hfttnn  G.  14.  ie  fehlt  G.  14  f.  so  — sprach]  er  w.  also  st.  a.  d.  m.  do  er  spr.  G. 
16.  vor  nn]  wan  er  do  got  also  starcliche  minnote  . da  uon  minnote  o’ch  in  unsir  herre  G. 
17.  siehticliche  G,  stAteklich  A.  19.  ir  wol  m.  G.  20.  enander]  aimo  andirn  G. 

21.  kint . vriunde  G.  22.  iBt—  minne]  ir  herein  m.  ist  G.  24.  mc  fehlt  G.  25.  gcschendit  G. 
livte  die  m.  G.  27.  ir  gcsellin  vnde  ir  gemtechit  G. 


15.  Rom.  8,  33.  27.  vgl  8.  61  Z.  1 ff. 


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278 


61.  Von  Bant  Paulus  bekerde. 


sont  ir  merken  wie  si  sterbent.  si  sterbent  der  weite  und  überwindent 
daz  flaisch  und  die  weit  und  den  tüvel  und  lebent  engelschlichen  in  fleisch- 
licher nature.  die  mugent  wol  [174c]  mit  Paulo  sprechen,  alz  man  von  im 
liset,  do  er  nider  geviel  uff  dem  weg,  do  er  bekeret  wart,  do  sprach  er: 
5 'ich  wider  sag  aller  der  krankait  mines  libes  und  aller  der  girde  dirr  weite 
und  aller  der  bekorung  des  tüvels’.  und  daz  mugent  wol  gaischlich  lüt  och 
sprechen,  won  si  widersagent  und  stritent  wider  irem  flaische  und  wider 
der  weite  und  wider  dem  tüvel.  dez  hilfet  in  alles  du  minne,  won  si  min- 
nent  Got  alz  starklich  daz  si  sich  enzihent  aller  irdescher  ding  und  aller 
io  weltlicher  wunne,  und  sprechent  also:  ‘daz  rieh  dirre  weite  und  aller  zer- 
ganglicher  vröde  habe  ich  versmahet  durch  die  minne  Gottes,  mines  lieben 
herren  Jhesu  Christi,  und  an  in  allaine  han  ich  alle  mine  minne  geleit  und 
mine  züversiht'.  von  der  minne  sprichet  du  sele  in  Canticis:  'dü  minne  ist 
sterker  denn  der  tot',  daz  mag  si  wol  sprechen,  won  si  überwindet  den 
15  tot  an  ir,  daz  si  sich  e tusent  stunt  liessi  töten  e si  sich  von  [174d]  Gotte 

iemer  geschiede.  da  von  spricht  ain  hailig  man:  ‘dü  minne  ist  ain  anvang 

und  ain  mittel  helferin  und  ain  volfürerin’.  also  spricht  sant  Augustinus: 
‘dü  tügnen  und  dü  verborgnen  ding  in  den  Rötlichen  Worten  die  werdent  uf 
getan  dem  mentschen  der  die  minne  hat’. 

»)  Nu  merkent  daz  ander  wort  daz  er  spricht:  ‘Benyamin  getar  wol  sin 
leben  gewandeln’.  daz  ist  och  bezaicfcenlich  an  Paulo  daz  er  getürstig  waz 
und  stark  do  man  in  schlüg  und  stiess,  und  swaz  man  im  Ungnaden  tet, 
daz  er  dar  umb  siner  rehtekait  nit  liess.  und  do  man  in  joch  töten  wolte, 
do  waz  er  doch  stark  und  getürstig  au  sim  rehten.  also  sont  och  gaisch- 
25  lieh  lüte  starke  sin,  daz  si  ir  reht  iht  lassent,  swaz  arbait  si  ane  gat;  und 

sont  krefteklich  striten  wider  den  tüvel  und  wider  aller  flaischlicher  girde. 

da  von  spricht  her  Salomon:  ‘ich  rate  dir,  gaisch/7 775 "/lieber  mentsch,  daz 

du  stark  und  vest  sigist  an  Gotte’,  la  dich  nit  überwinden;  die  bösen 

gaister  die  dich  versüchent  und  dich  went  betriegen,  stant  vast  wider  dem 

so  ungetrüwen  rat;  sin  rat  ist  also  valsch  daz  im  nieman  volgen  sol. 


2.  daz]  ir  G.  3.  die  livte  m.  G.  s.  paulo  G.  5.  sage  minom  blote  . vü  minem 
vlaische  . daz  waz  also  uil  gesprochin  . ich  widir  sage  ailir  miner  kr.  m.  libce  G.  dirr]  der  G. 

6.  und  daz]  Daz  wort  G.  och  fehlt  G.  7.  Bpr.  mit . 8.  paulo  . wan  G.  7 f.  vnde  widir 
Btritent  ir  vl.  v.  widir  d.  w.  G.  8.  t vnde  dez  G.  alles  fehlt  G.  9.  stark!.]  sichirlicbe  G. 

10.  ich  A.  dirre]  der  G.  10  f.  beeser  alle  zirgancliche  G.  11.  v'smabe  A.  Gottes 
fehlt  G.  17.  sprichit  o’ch  G.  18.  und  — ding]  dinch  . vnde  div  dinch  div  da  uirborgm 
sint  G.  tätlichen  A.  19.  hat  an  einen  Bitten  G.  20.  wol  fehlt  G.  21.  lebin  gcturstic- 
liche  gew.  Q.  beechaidenlich  A.  21/5  an  sancto  p.  d.  er  starck  vnde  get.  waz  ansime 
lebinne  . er  waz  also  stark  G.  22.  man  im  — liess]  vngn.  ime  ieman  t dar  umbe  liez  er  nibt 
sine  rehtiebait  . vnde  enwolte  sin  reht  dur  nieman  lozen  G.  23.  joch]  rchte  G.  25.  daz  — 
gat]  ewaz  arbait  s.  a.  g.  dar  umbe  sun  s.  i.  r.  niht  lazin  . siv  sun  starch  sin  in  der  not  G. 

27.  her  fehlt  G.  30.  valsch  . vnde  also  gar  vntugintlich  G. 


5.  tco  ? 13  f.  Cant.  8,  6.  27  f.  Eccli.  5, 12. 


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61.  Von  sant  Paulus  bekerde. 


279 


Nu  merkent  daz  dritte  wort  daz  da  sprichet:  rGot  wandelt  an  Benya- 
min  alz  an  aim  bette’,  daz  ist  och  bezaichent  bi  sant  Paulen,  daz  er  frid- 
sam  waz;  won  daz  Got  an  im  und  in  im  waz,  daz  ist  ain  zaichen  und  ain 
urkunde  daz  er  fridsam  waz.  won  unser  herre  sprichet:  ‘ich  wil  in  nieman 
rfiwen  won  da  ich  frid  vinde’.  nu  merkent  vier  ding  du  den  frid  ierrent  5 
daz  ain  ist  der  tüvel,  der  ist  dez  mentschen  widersach.  er  setzet  sich  mit 
allen  den  listen  die  er  vinden  kan,  wider  den  mentschen.  da  von  sprichet 
sant  Peter:  'min  lieben  brüder,  sint  waker  und  umbsehent  üch,  won  der 
tüvel  üwer  [175*]  w'idersache  gat  umb  lügende  und  ginet  alz  ain  lügender 
löw,  ahtend  wen  er  verschlinde’.  hütend  üch  flisseklich,  won  der  tüvel  ist  io 
der  diep,  der  ze  allen  ziten  gat  värende  wie  er  die  sei  verstele!  also  liset 
man  von  sant  Bernhart:  der  waz  ze  ainem  male  in  aines  mannes  hus,  und 
do  er  dez  nahtes  nider  kam,  do  kam  der  tüvel  in  ainer  vrowen  glichnust 
und  wolt  in  versüchen.  do  schre  er  vil  lüte:  'hie  diep,  hie  diep’.  do  für 
der  wirt  uf  und  kam  dar  und  sprach:  ‘wa  diep,  wa  diep?'  do  sprach  er:  15 
‘der  tüvel  waz  hie  und  wolt  mir  min  sei  verstelen’.  also  solt  du  wissen 
daz  der  tüvel  ain  diep  ist,  der  din  alle  zit  varet.  da  wider  solt  du  stark 

sin  und  solt  im  starklich  widerstan  und  solt  sinen  rat  fliehen  reht  als 

ain  schoss  daz  du  fürhtest  daz  er  dir  durch  din  hertze  gange,  noch  me 

flüh  die  sünde,  dü  schiebt  die  sei  ze  tode!  da  von  spricht  her  Salomon:  20 

‘reht  alz  du  schlahest  ainen  schlangen,  [175']  so  er  gegen  loffet,  und  flühest, 
also  solt  du  fliehen  die  sünde.’  daz  ander  ist  der  lip.  dirr  vigint  ist  vil 
nach  räte.  er  gat  mit  dir  ze  bette,  ze  chore  und  swa  du  hin  kerest,  da 
gat  er  allez  mit  dir.  wie  wir  den  vigint  überwindent,  daz  leret  üns  ain 
wiser  man.  ‘es  ist',  sprichet  er,  ‘enliain  ding  so  w&ge  so  daz  du  in  dike  23 
zer  tröschest,  und  zuke  im  daz  füter  so  er  widerhörig  si,  untz  daz  er  vil 

gevellig  werde’,  daz  spricht  sant  Bernhart:  ‘kestig  dinen  lip  so  er  ze 

gail  welle  sin.  und  truk  in  mit  arbait  und  schlahe  in  vast  untz  er  erken- 
nend werde  daz  er  der  sele  kneht  si  und  dü  sele  von  rehter  edli  ain  küni- 

. ginne  ist’,  daz  dritte  ist  der  ebenmentsch,  von  dem  müst  du  dike  münig  30 

schoss  enpfahen;  daz  mäht  du  mit  dekainem  ding  so  wol  verkomen  so  daz 
du  allez  an  miltekait  für  bietest,  sprichet  dir  ieman  herteklich  zü,  dez  autwürt 


1.  dal  er  G.  2.  bij  an  deine  güten  G.  3.  im  wazj  imc  wandilote  G.  4 f.  in  — 
rüwen]  uiene  ain  G.  ich  rdwc  vndc  vride  immc  herein  vinde  G.  S.  waker]  atarch  nnde 
atant  uaste  G.  9.  öwer  w.  fehlt  G.  10.  ahtend  — veracht]  vndo  wil  iveh  uirslinden  G. 

11.  vor  ze]  da  G.  er  iv  die  G.  16.  der  t.  der  waz  G.  17.  ain  d.  ist]  ist  der  d.  G. 

IS.  starklich]  krefticliche  G.  20.  dine  sele  G.  her  fehlt  G.  21.  er  — flühest]  du  in  sihst 
gegin  dir  lo'fen  G.  loffcst  A.  22.  dv  A.  andir  daz  den  vride  irret  . daz  ist  G. 
dirr]  der  G.  23.  zetn  bette  . vndc  gat  mit  dir  zekore  G.  24.  allez  fehlt  G.  Wie  du  d. 
v.  ü.  solt  . daz  G.  25.  es  — er]  Er  spr.  ez  enist  G.  27.  spr.  o'ch  s.  G.  29.  si]  ist  G. 

30.  ist  der]  daz  den  vride  irret  daz  ist  din  G.  dike  fehlt  G.  31.  verk]  tibir  kon  G. 

32.  ain  A.  ieman]  din  swestir  G,  din  pmder  WZ.  dez  antw.]  daz  widir  sprich  G. 


4.  im  Anechlu/1  an  Joan.  14,  277  8.  I.  l'etr.  5,  8.  21.  Eccli.  21,  2. 


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280 


61.  Von  ßant  Paulus  bckordo. 


du  lindeklich  zü;  ge/iZö'Tbare  ieraan  wider  dich  unwirdeklich , dem  wider 
gebäre  aber  du  gütlich,  und  kürzlich,  swaz  dir  ieman  Übels  tilge,  so  tü  du 
da  wider  güt!  daz  leret  üns  ain  wiser  man  und  sprächet : 'du  mäht  mit 
dehaim  ding  so  wol  übel  überwinden  so  da  mitte  daz  du  gut  wider  übel 
s gebest’,  da  von  spricht  Ysidorus:  ‘ez  ist  ain  grössü  tugend  und  ain 
grössü  kraft  daz  du  dem  wol  tüst  der  dir  übel  tüt’.  'ez  ist’,  spricht  sAnt 
Augustinus,  ‘daz  obrost  urkünd  der  minne  daz  du  den  minnest  der  din 
widersach  ist’,  daz  vierde  ist  dü  weit,  dü  vihtet  dich  ze  allen  ziten  an 
und  leit  dem  mentschen  mänig  uppekait  für.  da  von  sprichet  her  Salomon: 
io  ‘ez  ist  ain  uppigü  vröde  und  ain  unstütü  gezierde,  dü  wunne  dirr  weit’, 
‘dü  weit’,  sprichet  dü  schrift,  ‘ist  vol  strike  und  vol  der  Sünden’,  also  liset 
man  von  aim  hailgen,  dem  wart  erzaiget  daz  dü  weit  vol  [176‘J  strike 
waz,  do  sprach  er:  ‘owe,  herre,  wer  mag  us  disen  striken  komen  daz  er  nit 
valle?’  do  antwurt  im  der  engel  und  sprach:  ‘daz  sont  die  demütigen  lute’, 
15  die  entrinnent  disen  striken  und  och  nieman  anders,  man  liset  von  dem 
beren:  so  man  den  vahen  wil,  so  lait  man  im  ainen  strik;  und  so  er 
kumet  dar,  so  truket  er  sich  so  er  iemer  tieffost  mag,  und  nimet  die  strike 

und  wirfet  si  über  daz  höbet  und  gat  dar  under  hin.  also  sol  der  mentsche 

tün;  er  sol  sich  truken  mit  der  demüt  und  sol  die  strike  alle  über 
20  daz  höbet  werfen. 

Nu  sont  ir  merken  daz  vierde  wort  daz  er  da  sprichet:  ‘Benyamin,  Got 
rüwet  under  diner  achslen’.  daz  ist  also  vil  gesprochen:  Got  rüwet  nff 
diner  gedultekait.  da  sont  wir  aber  merken  an  sant  Paulen,  wan  er  waz 
gedultig.  bi  den  ahslen  ist  bezaichent  die  arbait,  und  also  die  ahslen 

25  die  &T[176b]b&it  tragent,  also  treit  daz  liertze  gedultekait,  und  in  der  rüwet 

ünser  herre.  man  liset  von  sant  Paule  daz  er  alz  gedultig  waz  daz  er 

sich  reht  sere  vrowte  so  in  arbait  an  gieng.  also  sol  och  daz  mentsche 
alle  die  arbait  die  uff  ez  mugent  gevallen,  gedulteklich  tragen,  anders  Got 
gerüwet  nit  in  sinem  hertzen.  wilt  du  denne  daz  Got  in  dim  hertzen  rüwe, 
so  so  solt  du  gedultig  sin  in  der  arbait.  gedenke  an  der  hailgen  gedultekait! 
man  liset  von  sant  Laufenden  daz  er  uff  dem  röste  la<?  also  süsseklich  alz 

1.  z h fehlt  G.  ieman  — dich]  Bi  G.  vnwcrtliche  G.  dem]  da  G.  2.  aber  fehlt  G. 
so]  da  G.  S.  da  w g.]  güt  widir  G.  (ins  fehlt  G.  4.  wol  übel]  uil  G.  5.  spr.  s.  Ts.  G. 
Sf.  ez  — Aug.]  Also  spr.  s.  Aug.  Diz  ist  G.  8.  daz  vierde]  alse  den  du  beclaidit  hcst  mit 
güte  . Daz  v.  daz  den  vnvride  machit  daz  ist  G.  ziten]  stundin  G.  9.  her  fehlt  G. 

10.  vride]  gezierde  G.  gezierde]  vro’de  G.  11.  dü  w.  — Bünden]  daz  wip  div  got  ffirbtet  dir 
sol  gelobit  wcrdin  . da  uon  so  hazsent  die  weit . wan  si  ist  bo’sc  vndo  vnstjete  . Dauon  sprichit 

div  schrift  . I.iebin  kint  . vliehint  die  weit  . wan  si  ist  nol  stricke  . unde  läge  der  sündc  G. 

12.  dü]  elliv  div  G.  14.  und  spr.  fehlt  G.  16.  imo  stricke  G.  17.  dunckot  G.  18.  gat  er 
drondir  hin  G.  21.  da  fehlt  G.  22.  dinen  a.  G.  23.  aber  fehlt  A.  wa  am  Ende  der 
Zeile  A.  24.  vor  bi]  da  uon  rüwet  got  undir  sinen  ahsilon  G.  aint  G.  die  — ahslen  fehlt  .1. 

25.  die  ged.  vnde  in  der  gedultichait  r.  G.  26.  uon  deine  grozin  s.  G.  27.  sere  fehlt  G. 

och  d.  in.)  daz  mcnschc  tün  . ez  sol  G.  28.  also  A.  ged.  ufi  gütliche  tr.  G.  31.  las  .4. 

10.  im  Anschluß  an  Eccle.  1,  14;  2, 11?  11.  im  Anschluß  nn  Et.  123,  7;  Eccli.  9,  20. 


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61.  Von  sant  Paulus  bekerdo. 


281 


er  in  rosen  läge,  man  liset  von  sant  Andresen  daz  er  rehte  spilende  zü 
dem  crütze  gie,  und  sant  Paulus  und  mänig  ander  hailge,  von  den  man  liset 
daz  si  arbait  und  not  littent  also  vrölich  alz  ez  in  ain  gemach  wäre  und 
ain  vröde.  dis  sol  dir  allez  ain  Spiegel  sin  und  ain  bilde  daz  och  du  ge- 
dultig  sigist  in  der  not.  man  liset  och  harte  vil  von  her  Jobes  gedulte-  5 
kait  [176*].  do  unser  herre  dem  tüvel  gab  gewalt  daz  er  im  kind  und  gut 
nider  schlüge,  do  sprach  er:  ‘Got  gab  ez  mir,  der  hat  mirs  och  genomen, 
gesegent  si  ünsers  herren  name’.  do  kam  der  tüvel  zü  unserem  herren,  do 
sprach  unser  herre:  ‘wie  nu,  her  tüvel,  wie  gevallet  üch  nu  min  kneht 

Job?’  do  sprach  der  tüvel:  'wie,  herre,  war  umb  solt  er  ungedultig  sin,  io 

er  hat  doch  noch  ain  schönnen  lip’.  do  sprach  unser  herre:  'nu  wil  ich 
dir  gewalt  geben  über  sinen  lip,  und  rür  mir  aber  der  sele  nit,  die  wil  ich 
allaine  in  miner  hant  haben’,  do  für  der  tüvel  enweg  und  verunrainte  in, 

daz  von  der  schaiteln  untz  an  die  zehen  dehain  gelid  waz  an  im  gesunt. 

do  waz  er  doch  noch  alz  gedultig  daz  er  nie  ungedultig  wort  gesprach.  do  15 
kam  aber  der  tüvel  für  ünsern  herren.  do  sprach  ünser  herre:  'wie  nu,  her 
tüvel,  wie  gevallet  üch  nu  min  kneht  Job?’  [176*]  do  sprach  der  tüvel:  ‘wie, 
herre,  hut  umb  hut  und  allez  daz  der  man  hat  oder  swaz  er  gelaisten  mag, 
daz  ist  alles  klain  ding  umb  dich  und  umb  hymelriche’.  säliger  mentsche, 

sid  den  tüvel  dunket  daz  ez  allez  ain  klain  ding  si  daz  man  geliden  mag  20 

durch  Got  und  durch  daz  hymelriche,  so  vertrag  och  du  gedulteklich  swaz 
dich  an  gange,  und  gedenk  war  umb  du  ez  lidest,  so  wirt  ez  dir  liht  man 
liset  daz  an  mänger  stette  in  der  schrift  daz  Got  den  mentschen  minnet 
dem  er  arbait  git.  als  man  list  von  Thobya  daz  ünser  herre  über  in  ver- 

hängte daz  er  vil  gähes  erblindet,  do  wainte  er  vil  sere  und  gehüb  sich  25 
übel,  do  kam  der  engel  und  sprach:  ‘gehab  dich  wol,  ez  mfiss  sin  und  sol 
sin  daz  du  arbait  habest,  won  Got  minnet  dich’,  owi,  sälger  mentsche,  diz 

sol  dir  ain  trost  sin  in  der  not  daz  du  gedenkest  [177*]  daz  dich  Got 

minnet,  so  er  dir  arbait  git.  trag  gedulteklich  din  arbait  und  gedenk  an 
ain  wort,  sprichet  ain  hailig  man:  ‘ich  gelobe',  sprichet  er,  'daz  dem  gaiseh-  so 
liehen  mentschen  ain  tag  nützer  si  in  dirr  betrübte,  ob  ez  die  betrübte  ge- 
dulteklich hat,  denn  fünf  jar  in  der  franschmütkait'. 


1.  in  rosen]  u(  ainim  bette  G.  liset  och  von  G.  2.  I.  liset  man  f S.  littent]  trügen 
rebte  G.  3 f.  in  — vröde]  ime  ain  vro'de  wäre  G.  7.  slflch  G.  got  der  gap  G.  9.  berro 

zime  G.  nu  vor  min  fehlt  G.  14.  schtetelun  G.  15.  doch  noch)  noh  do  G.  nie  enhain  vng.  G. 

17.  dch]  dir  G.  19.  ailiz  ain  clain  G.  bimilriebe  zo  gebinnc  G.  20.  sit  daz  den  G. 

21.  darth  daz]  nmbe  G.  22.  dir  ailiz  1.  G.  23  f.  an  — verhängte]  in  manege  wie  i.  d.  sehr,  den 
men  sch  in  den  got  minnot . daz  er  deine  a.  g.  also  liset  man  u.  tob.  übir  den  uirhancte  unsir  herre  G. 

25.  vil  vor  gib.  fehlt  G.  26.  engel  undc  tröste  in  . vndo  spr.  G.  wol  tobias  . Ez  G.  27.  got 
der  m.  G.  29.  und  fehlt  G.  30.  w.  daz  spr.  G.  man  . Er  spr.  ich  g.  daz  G.  31.  dirr 
fehlt  G.  31  f.  ob  — hat  folgt  nach  fransch.  darauf  vndo  si  ime  selbin  zetugindin  unde  zo  nutze 


7.  Job.  1,  21.  24  f.  Tob.  2, 10  ff. 


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282 


62.  Von  drier  hand  cloater  lüt. 


[62.]  Von  drier  hand  closterlüt. 

Man  vint  in  allen  landen  under  vrowen  dehain  schöni,  so  hern  Jobs 
tohtren  warent,  du  erst  hiez  Dies,  du  ander  hiez  Cassia,  du  dritte  hiez 
Cornus  tibi,  dis  ist  allez  bezaichenlich. 

5 Bi  hern  Job  ist  bezaichent  unser  herre  Jhesus  Christus.  'Job'  daz  spricht 
‘ain  rüwig  man’;  daz  mugent  wir  wol  verstan  an  unserm  herren.  do  er  an 
dem  crütze  stünt,  do  waz  er  wol  ain  rüwig  man,  won  er  hatt  alz  groz 
rüwe  umb  ünser  sünde  daz  im  sin  hertze  brach  von  rüwe,  und  du  selb 
rüwe  [177b]  schied  sin  sele  von  sim  libe,  alz  er  selb  sprach:  'alle  die  den 
io  weg  hin  gant,  die  wartent  ob  dehain  arbait  si  so  groz  so  du  mine’.  sin 
arbait  waz  wol  groz,  won  im  floz  von  sim  libe  wasser  und  blüt  dur  ünser 
sünde.  da  von  sprichet  sant  Anshelm:  'o  cristenü  sele,  die  da  ist  gezieret 
mit  dem  rosvarwem  blüte  dines  behalters,  gemühelt  mit  dem  hohen  geloben, 
gewidmet  mit  dem  hailgen  gaiste,  erkiket  von  dem  sw&ren  tode,  weke  dine 
u sinne  und  gedenk  an  din  erlösung  und  an  din  behaltung,  und  vröwe  dich 
und  la  dir  wol  sin,  ker  dinen  sin  gar  an  Got  und  din  hertze,  won  er  ist 
din  erlöser  und  din  behalter.  der  güt  samaritanus  hat  dich  gehailet,  der 
getrüw  frünt,  Jhesus  Christus,  hat  mit  siner  sele  die  dinen  sele  behalten.’ 

Bi  den  drin  tohtren  hern  Jobs  sint  bezaichent  drier  hand  kint  die  ünser 
2<i  herre  in  clöstern  hat.  bi  der  [177‘]  ersten  dü  da  haisset  ‘Dies’,  sint  be- 
zaichent die  novicien,  die  in  den  ersten  tagen  sint  den  ist  uf  gangen  der 
tag  dez  hailigen  gaistes  und  ain  anevang  dez  ewigen  tages,  won  si  sint 
komen  uss  der  vinstri  da  si  inne  warent  verierret.  da  von  sprichet  sant 
Peter:  'wir  ierretent  etwenne  alz  dü  schäflü  dü  den  hirten  verliesent'.  nu 

kennt . Diz  sol  dir  alliz  ain  trost  uudo  ain  bilde  ain  . daz  du  gedenchest . daz  got  rfl w i t undir  dinen 
ahsilon  . daz  ist  in  dinir  gedultichait . vfi  daz  dir  oeli  andir  nutz  kämet  von  diner  gedultichait  G(ZVC). 

1.  Überschrift  fehlt  G WH,  Von  vnBCr  vrowen  aant  Marien  (rot)  Z,  am  Rande  Sermo  XVI  IV, 
Van  dem  lyden  vna  heren  Pliill.  2.  vant  GZ.  vrowen  dehain]  wiben  dekaine  vro’wn  so  GZ 

8.  waren  drie  . Div  G.  4.  Corn9  tibi  A,  Cornus  tibi  GZ,  ebenso  283, 19;  W hatte  zuerst 
Comustibi;,  das  nachträglich  in  Coruustibii  korr.  wurde.  allez]  uns  G.  9.  0 we  alle  G. 

10.  hin]  vf  G.  10  f.  wartent  — libe]  sehen  unde  merchen  . ob  ie  dehain  mcnsche  so  groze  not 
vnde  so  groze  bittirchait  irlitte  als  ich  lidc . Er  waz  ain  harte  rüwigir  man  . wan  von  ime  vloz  G. 

12  f.  die  — behalters]  du  da  bist  gcz.  m.  d.  tode  dins  bch.  du  da  bist  geweechin  mit  deme 
roscuarweu  blfito  . du  da  bist  G.  15.  sinne  nnd]  kreftc  . nnde  dine  mäht  . gehuge  an  dine 
irckichungc  G.  und  a.  d.  bch.]  betrahto  an  d.  behaltunge  . weliv  vnde  wa  div  kraft  Ri  dinir 
irlo'sunge  . Du  solt  elliv  zit  wonen  in  dirrc  betrahtungc  G.  16  f.  ker  — behalter]  in  dirre  be- 
sclio'wnge  . wirf  uon  dir  dinen  urdruz  . übir  wint  din  bcrco  . ker  d.  a.  g.  a.  got . gedcnche  an 
die  güti  dins  irio’sere . wirt  enzündit  uon  der  minne  dines  behalters  . Wan  der  gesalbote  Christas 
het  dich  irlo'sit  G.  18.  die  dinen]  dine  G.  20.  imme  clo'stir  G.  dies  . Bider  sint  G. 

22.  won]  Vnde  G.  23.  ubs  der  v.]  von  dien  vinstiren  wegin  G.  sant  fehlt  G. 

1.  Der  Traktat  findet  sich  in  G Bl.  97‘,  Z Bl.  114 *,  IV  BI.  81,  X Bl.  85%  U Ar.  19,  PKW. 
Bl.  160*;  fehlt  Arundel.  3.  vgl.  Job  42, 14.  4.  Die  Hatulschriften  lasen  für  das  nunmehrige 

Coruustibii  der  Vulgata  wahrscheinlich  Cornus  tibia,  wie  es  Gregor  der  Gtrofie  auch  erklärt  als  lae- 
tantium  cantos.  9 f.  Thre.  1, 12.  24.  /.  Petr.  2,  23. 


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62.  Von  drier  band  dosterlüt. 


283 


ist  unser  herre  komen  und  hat  uns  wider  gelaitet  in  den  rehten  weg 
der  hymelschen  Jherusalem.  nu  stänt  vaste  wider  der  bekorung  und  länt 
üch  nit  überwinden,  sint  vest  und  starkes  gemütes  und  gänd  für  (ich,  dü 
porte  ist  uf  getan  dez  hymelriches.  sehent  für  üch  waz  üch  ist  künftig, 
und  sehent  nit  hinder  üch  an  dü  ding  dü  zerganklich  sint;  ‘won  swer  5 
hinder  sich  siht',  sprichet  ünser  herre  in  dem  ewangelio,  ‘der  ist  nit  wirdig 
dez  hymelriches’.  daz  ist  also  vil  gesprochen:  swer  zu  gaischlichem  lebenne 
kumet  [177d]  und  denne  hinder  sich  gedenket  in  die  weit,  der  ist  unwirdig 
dez  hymelriches. 

Bi  der  andren  tohter  dü  da  haisset  ‘Cassia’,  sint  bezaichent  die  da  io 
hoher  in  daz  leben  sint  getretten  und  gehorsami  hant  gelobet  und  och 
willen  hant  ze  laistenn  untz  an  iren  tot.  man  liset  von  ainem  krütelin  daz 
haisset  och  Cassia  und  ist  vil  klaine  und  naiget  sich  uff  die  erde  und 
smeket  wol.  dem  krütlin  sont  sich  die  gaischlichen  lüt  geliehen  und  sont 
sich  demütigen  und  naigen.  da  von  sprichet  sant  Peter:  ‘ir  sont  üch  de-  15 
muten  under  dez  gewaltigen  rihters  hant,  daz  er  üch  behalte  an  dem  tage 
der  betrübde’.  und  nit  allain  sont  ir  üch  demüten  under  üwem  obren,  ir 
sont  üch  och  demüten  under  üwern  undern;  daz  ist  relitü  demüt. 

Bi  der  dritten  tohter  dü  da  haisset  [178‘]  ‘Cornus  tibi',  sint  bezaichent 
die  volkommen  kint.  ‘Cornus  tibi’  daz  sprichet  ain  volkomen  wip,  an  der  20 
nüt  gebristet’. 

Nu  merkent:  an  dem  worte  ‘mulieres’  sint  aht  büchstaben,  die  bezai- 
chent  aht  tugend  die  daz  volkomen  mentsch  haben  sol. 

Der  erste  haisset  ‘munda’,  daz  sprichet  ‘rain\  du  solt  raine  sin  an  lip, 
an  hertzen  und  an  sinnen,  und  dü  gütlich  miuu  sol  da  in  geflossen  sin.  nu 
nim  ain  bischaft  bi  dem  ay,  wie  daz  geordnet  ist:  ez  hat  zem  ersten  ain 
wisse  schalen,  da  under  ist  ain  wisses  vel,  dar  nach  ain  wisses  klar,  dar  inne 
ain  rotes  tutter  und  in  dem  roten  tutter  lit  daz  lmnlin.  alsuss  solt  du 


1.  woch  zü  G.  S.  mütisG.  4.  ist  k.)  kiinftich  si  G.  5 f.  won  — ewang.]  Da  uon 
spr.  u.  h.  i.  d.  cw.  Swor  sine  bnnt  an  den  pblüch  lait . vnde  denne  hindir  siht  sich  G.  9.  hym. 
Dar  an  gedenchint  vnde  vlizsent  iveh  . iegclichiv  widir  die  andiran  gehorsami  . demüti  . undc 
andirre  tuginde  G.  10  f.  Casia  . bi  der  sint  b.  die  ho'bir  G.  12.  iren  tot)  den  t.  die  haizint 
Casia  Cf.  13.  och  fehlt  G.  14.  gaischl.  1.)  swestiran  G.  und)  siv  G.  16.  fich]  dich  G. 

17.  und  — demüten)  Ir  sunt  iveh  niht  allaine  demütin  G.  18.  ü.  undern)  iwir  geiiehin  . vnde 
vndir  iwir  undiren  G.  nach  demüt)  so  mugint  ir  deme  krütelin  gelich  sin  daz  da  haizet  Casia  . 
so  smechint  och  iwirü  gebet . unde  iwir  tuginde  krefücliche  uor  gölte  . Da  uon  BCTibet . s.  Jacob  . 
Dez  demütigen  menschin  gebet  ist  also  kreftich  . daz  ez  dur  die  himile  vf  stiget  für  got  G. 

19.  Cornus  tibi  bi  der  sint  G.  20.  kint  imme  clo'stir  G.  21  nüt  — 23  sol]  nivtis  dez  ie 
wart  brietet  . an  der  sol  sin  Uuiieres  . an  deme  worte  s.  a.  b.  dar  an  solt  du  merkin  a.  t d.  d. 
u.  m.  sol  ban  . 6 ez  muge  haizin  Cornus  tibi  G.  22.  de  Worten  A.  24.  erste  bfichstabe  G. 
rainl  rainichait  G.  24  f.  raine  — sinnen)  ban  rainichait  libes  vnde  hercen  . vH  der  sinne  G. 

26.  bi]  an  G*  27.  ist  fehlt  G.  nach)  inne  G.  28.  roten  t]  roten  A,  tutirn  G. 


5 f.  Luc.  9,  62.  15  f.  I.  Petr.  5,  6. 


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284 


62.  Von  drier  hand  doster  lüL 


haben  ainen  künschen  lip,  ain  künsches  herze  und  ainen  künschen  sin.  und 
reht  alz  daz  ay  deheinen  bresten  hat  an  den  drigen  dingen,  also  solt  och  du 
an  disen  drigen  enhain  gebre/278‘/sten  han;  won  ains  vervahet  nit  än  die 
andern  zwai,  noch  du  zwai  än  daz  aine.  hast  du  denne  disü  drü  ding  mit 
5 enander,  so  wonet  du  minne  in  dim  hertzen,  und  in  der  rehten  minne  wirt 
unser  herre  denne  inwendig  gaischlich  geboren,  und  da  von  spricliet  sant 

Johannes:  ‘Got  ist  du  minne,  und  der  die  minne  hat,  der  wonet  in  Gotte  und 
Got  in  im’,  über  daz  wort  spricliet  sant  Bernhart:  'Got  ist  du  minne,  waz 
möhti  bessers  werden?  der  die  minne  hat,  der  wonet  in  Gotte,  waz  möht 
io  sicherlicher  sin?  und  Got  wonet  in  im,  waz  möht  frölicher  sin?’ 

Der  ander  buchstab  haisset  ‘ verecundia daz  spricliet  ‘schäm’,  du  solt 
schämig  sin  an  allen  dingen  uswendig  und  inwendig;  won  du  schäm  ist  reht 
ain  sloss  der  künschi.  da  von  spricht  her  Salomou:  ‘swa  ir  ain  schämigen 
mentsclien  sehent,  daz  sol  üch  ain  zaichen  sin  daz  er  behalten  sol  werden  an 
15  dem  jüngsten  tag’,  o schäm,  waz  du  tüst,  [178*]  waz  du  tugend  übest  in 
der  sele!  swa  du  verlorn  wirst,  da  wirt  vil  ain  groz  schätz  verlorn,  spri- 
chet  ain  haiden. 

Der  dritte  büchstabe  ist  ‘leta’,  daz  ist  ‘frölich’.  du  solt  frölich  sin  in 
nöten  mit  götlicher  frölichait,  also  daz  dir  allez  daz  ain  vröde  si  in  Got  daz 
20  dich  an  gange,  unser  herre  sprach  zu  sinen  jungem:  'daz  ist  ain  zaichen 
daz  ir  mich  minnent,  ob  ir  fro  sint  in  der  arbait  ’.  er  sprichet  in  dem 
ewangelio:  ’kint  mins,  du  solt  fro  sin,  und  swer  daz  an  dir  siht,  der  sol 
erkennen  daz  du  min  kint  bist'. 

Der  vierde  büchstab  haisset:  'justa’,  daz  ist  'reht’.  du  solt  reht  sin  an 
25  allen  dinen  werchen,  also  daz  du  aim  ieglichen  dinge  sin  reht  gebest;  ünserm 
herren  sin  reht,  daz  ist  minne,  vorht,  ere,  dankbäri.  du  solt  in  minnen, 
won  er  din  schepfer  ist;  du  solt  in  eren,  won  er  din  herre  ist;  du  solt  in 


1 f.  haben  — reht|  han  wiziv  vnde  kivschiv  wcrch  dines  libes  . dar  nah  solt  du  han  kivschiz 
unde  raines  herce  . vnde  och  kivschicbait  der  sinne  . Vnde  zegelichir  wiz  G.  2.  solt — 5 enander j 
enbilfet  niht  zo  rehtir  kivschicbait  . der  dinge  deebainis  ane  div  driv  . liest  du  denne  die  rehtun 
kivschicbait  G.  6.  denne  fehlt  G.  und  da  von]  alse  daz  hün  in  deme  tutim  . Daz  vnsir 
herre  inder  minne  wone  daz  G.  9.  mohti  iemir  b.  w.  vit  der  G.  10.  m.  iemir  fr.  O. 

11.  schändlich  Bi  sol  G.  12.  dingen]  ir  d.  vnde  an  allen  ir  werchin  G.  13.  her  fehlt  G. 

13  f.  swa  — daz  sol]  Der  mensebe  der  schändlich  ist  . swa  ir  den  vindent  . der  sol  G. 

15.  o — 17  haiden]  0 we  sch.  w.  d.  tuginde  behütest  . inder  s.  won  swa  div  schäme  u.  wirt  . da 
ist  a.  gr.  sch.  v.  Also  spr.  a.  h.  Swer  imc  selbin  den  schaz  der  schäme  uirlivret  der  enhet  ime 
Beibin  niht  gutis  virlan  G.  18.  Der  d.  b.]  Div  d.  tugent  die  der  uollekominc  mensehe  sol  han 
daz  G.  daz  ist  fehlt  G.  Er  sol  G.  19.  nftten]  der  no’te  G.  19  f.  also  — sprach]  alliz 
daz  si  ane  gat  . daz  sol  ir  ain  vro’de  sin  ingotte  . Also  spr.  u.  b.  G.  21.  daz|  ob  G.  ob] 
daz  G.  dien  arbaiten  G.  spr.]  sprach  o'ch  G.  24.  Der  — solt]  Div  v.  tugent  daz  ist 
iusta . Rehtichait . Si  sol  G.  23.  dinen]  ir  G.  du]  si  G.  gebe  G.  26.  ere]  ui)  G. 

27.  din  sch.  — 285,  2 hat]  ist  d.  sch.  din  irlo'ser . vO  din  behaltcr . Nv  tnerche  wie  wol  er  dir  het 


7.  I.  Joan.  4, 16.  13  f.  Eccli.  32, 14  f 22.  im  Anschluß  an  Matt.  5, 12  f 


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62.  Von  drier  hand  clo&ter  lüt. 


285 


fürhten,  won  er  din  Got  ist;  du  solt  im  dank  sagen,  [178“]  won  er  dir  vil 
gütes  getan  hat.  du  solt  och  dem  tüfel  geben  sin  reht,  daz  du  im  kreftek- 
lich  wider  standest;  und  wider  st&st  du  der  ersten  bekorung,  so  mag  er  dich 
nit  me  versüchen  an  der  sünde.  also  sprichet  ain  hailge:  ‘alz  schier  und  dich 
der  tüfel  beginnet  versüchen,  so  solt  du  berrait  sin  daz  du  im  vast  wider-  5 
standist’,  du  solt  der  weit  och  ir  reht  geben,  daz  du  si  fliehest  alz  ain 

schlangen,  da  von  spricht  ain  wis  man:  'fliehent  die  weit,  won  si  ist  böz 
und  wttgetrüwe,  si  verratet  üch  und  git  üch  in  den  ewigen  tot’,  du  solt 

och  der  sünde  ir  reht  geben,  daz  du  si  hassest,  won  si  ist  wol  ze  hassenn. 

si  ist  der  gröste  und  der  aller  wirst  vigint  der  ie  wart;  und  swer  sinen  to 

tätlichen  vigint  welli  hassen,  der  hasse  die  bösen  sünde,  won  si  tötet  die  sele 
dez  ewigen  tödes.  da  von  sprichet  ain  [179“]  wis  man:  ‘ich  rat  üch  daz  ir  die 
sünde  hassent  und  merkent  der  Sünden  untugent  und  versmahent  si.’  du  solt 

och  dim  übe  sin  reht  geben,  daz  du  in  kestigest  mit  arbaiten  und  im  nit 

ze  vil  überflüssiges  gebest,  gedenk  an  die  arbait  die  Jhesus  Christus  durch  15 
dinen  willen  hatte,  und  arbait  och  du  dinen  lip  durh  in.  da  von  sprichet 
sant  Bernhart:  ‘ich  wil  üch  zaigen  ain  arbait  da  mit  ir  mugent  gedanken 
Got  siner  arbait,  daz  ist  daz  ir  üwem  Up  tötent  in  Gottes  dienst’;  daz  ist 
also  daz  ir  die  sünde  an  üch  tötent,  alz  sprichet  sant  Paulus:  ‘ir  sont  üwren 
lip  töten,  daz  er  nit  sünde,  und  son  Gotte  leben  in  dem  gaiste’.  du  solt  och  20 
dim  eben  mentschen  sin  reht  geben , daz  du  in  minnegist  und  im  güt  bilde 
vor  tragest;  won  daz  du  in  minnest,  daz  gehütet  Got.  du  solt  im  öch 


getan  . geschaffen  nah  aimo  gotlichin  bilde  . Vndc  het  dir  lip  vfl  sele  gegebin  . Yndo  also  wizüche 
zesamine  gefüget . 0 we  hüte  vil  sicligir  menschc  dez  gotlichin  bildes  . daz  du  daz  niht  uirsmahest 
noh  uirmasigest  mit  dien  siindon  . gcdcnchc  wie  tivre  cz  geko'fet  ist . Also  sp'chit  sauet1)  grego- 
rius  . Ah  ich  Dusseliger  mcnsche  war  Bol  ich  keren  . ich  trage  ainen  schaz  . der  ist  tivrre  denne 
gottes  blüt . daz  blüt  dez  gottes  sunes  wart  dar  umbo  uirgozsin  . Du  solt  o'ch  got  fürhten  . wan 
er  ist  din  rihta*re  . gottes  uohrtc  daz  ist  ain  nütze  schaz  . Dauon  sp'chit  salomon  . Gottes  vohrto 
div  ist  ain  anegenge  allir  wishait  . Vnsir  herre  sprichit  o'ch  . Swer  minen  namen  rehte  fürhtet  . 
demo  sol  vf  gan  ain  sunne  dir  rchtichait . Du  solt  imc  o’ch  danchin  der  gnadin  dio  er  dir  tüt . vfl 
het  getan  . vfl  noh  wil  tön  . Also  sprichit  der  wissage  dauid  . A sele  miniv  lobe  got  vfl  uirgiz 
niemir  der  gnadon  der  er  dir  het  getan  vndc  o’ch  noh  wil  titn  . wan  swenno  du  widir  wilt  keren . 
so  uirgit  er  dir  alliz  din  vnreht  . vfl  hailet  dich  von  allimc  dimo  siechtagiu  vfl  irfüllct  dine  girdc 
mit  süzichait  vfl  wil  dir  nüwcn  dine  iugint  (fügende  Z)  also  deme  adila-ro  G. 

3.  vor  und]  vfl  steticliche  mit’allir  kraft  widir  ime  stritest  G.  so]  so  liest  du  in  übir- 
wndin  so  G.  4.  und|  so  G.  6.  daz  — fliehest]  du  solt  si  vliehin  G.  7.  Dauon  so  spr. 
a.  w.  m.  Licbin  kint  vlichint  d.  w.  vndc  sehühint  si  . w.  s.  i.  gar  b.  G.  8.  gctrüwc  A. 

9.  daz  — hassest)  Du  Bolt  si  hazson  G.  10.  si]  ez  G.  11.  tStlichen]  to'gincn  G.  12.  rorich] 
Licbin  kint  G.  13.  der  sünde  G.  14.  daz  — kestigest]  vfl  solt  in  kestigon  G.  undo  solt 
ime  G.  15.  gebin  G.  19.  daz  1.  daz)  vndc  siner  martyr  . daz  ist  div  arbait  . daz  G. 

19.  20.  snnt  ff.  21  f.  daz  — Got)  du  solt  in  minnon  . vfl  solt  imc  g.  b.  uor  tragin  . Vnsir  herre 
gehütet  . daz  du  dinen  cbl  cristamen  minnest  also  dich  selbin  ff. 


19  f äomi.  8,10;  11.  Cor.  1, 10. 


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286 


62.  Von  dricr  hand  closterlöt. 


gilt  bild  vor  tragen  ze  allem,  reht  alz  ain  spie//?9‘7gel  mit  Worten  und 
mit  werclien.  reht  alz  daz  lieht  zaiget  den  weg  den  luten,  daz  si  sich  nit 
stossent,  also  solt  och  du  ain  lieht  Gottes  tragen  an  dem  weg  der  tugend; 
swer  nach  dir  gange,  daz  er  sich  nit  stösse.  du  solt  tragen  daz  lieht  der 
5 demütkait,  der  gehorsami,  der  minne,  der  gednlt,  der  znht,  der  ktfnschi  und 
aller  tugend,  und  allez  din  leben  sol  ain  Stern  in  dem  closter  sin.  du  solt 
och  dem  engel  sin  reht  geben,  daz  du  in  erest,  won  er  ist  din  pfleger  und 
ist  dir  zü  allen  ziten  bi.  du  solt  öch  der  creature  ir  reht  geben,  daz  dn 
erkennest  wie  Got  in  allen  dingen  ist  und  wie  er  ällü  ding  wislich  von  siner 
to  güti  geschaffen  hat.  tüst  du  dis,  so  gist  du  irem  ieglichen  sin  reht. 

Der  fünfte  büchstabe  haisset  ‘erecta’,  daz  ist  'uf  gerihtet'.  dines  hertzen 
minne  und  diner  sele  girde  sol  sin  uf  gerihtet  gegen  dem  hymelriche.  dine 
wonung  solt  du  süchen  an  Gotte,  da  von  sprichet  sant  [179]  Paulus:  ‘unser 
wonung  sol  sin  in  dem  hymelriche’.  da  ist  unser  schätz  und  unser  erbe,  und 
15  da  sont  wir  och  wonen  mit  ünsern  gedenken. 

Der  sehste  büchstab  haisset  ‘robusta’,  daz  ist  ‘stark’,  du  solt  stark  sin 
an  gedult:  swaz  dich  arbait  oder  betrübde  ane  gange,  die  solt  du  gedultek- 
lichen  liden  und  solt  gedenken:  o süsser  Got,  herre  min,  wie  du  mich  minnest 
mit  dim  klainot!  disü  arbait  ist  mir  ain  band  daz  mich  zü  dir  binden  sol, 
20  daz  du  mich  so  reht  liep  hast  daz  du  mir  daz  selbe  trank  und  daz  selb 
klaid  gist  daz  du  trüge  und  da  mit  dich  din  lieber  vatter  klaidet  do  du  uff 
ertrich  wärt  daz  ich  din  wafen  tragen  sol  aines  so  riehen  künges,  daz  ist 
mir  ain  ere,  ob  ich  ez  erkenne,  swenne  ich  gedenke  an  dinen  tot,  herre,  so 
mag  ich  dez  wol  spotten  dez  ich  durch  dich  lide.  da  von  spricht  sant 
25  Bernhart:  ‘so  der  ritter  sins  herren  wunden  siht  blüten,  so  wirt  er  also  stark 


1.  bilde  gebin  . daz  solt  du  ime  zallen  ziten  vor  tragen  . Also  sprichit  div  scrift  elliv  div  e 
vß  elliv  div  gebot  . div  unsir  herre  ie  gegap  . div  sint  elliv  da  mitte  irfüllet  . daz  dn  din?  ebin- 
crisUenen  minnest  alse  dich  selbin  . Du  solt  im  o'ch  gUt  bilde  G.  zo  allem]  zallen  ziten  G. 

2.  reht  alz)  allen  dien  die  dich  eehint . Vnde  rehtc  zegelichir  wiz  alse  G.  2 f.  den  luten  — weg) 
daz  der  mensche  nibt  irrot . vß  sich  niht  stn'zit . der  da  nah  gat . also  sol  din  lebin  ain  lieht  sin 
daz  den  weeh  zaige  G.  4.  swer  dir  nah  g.  G.  5.  der  geh.  — künschi]  daz  lieht  der  rehtun  geh. 
vn  d.  m.  unde  d.  g.  vß  der  vro’lichait  G.  Bf.  du  — erestl  ollen  dien  swestiron  (bro'deren  ZW)- 

So  gist  dn  den  menschin  ain  urkünde  . daz  du  unschuldich  bist  . Du  s.  den  engil  eren  . daz  ist 
o'ch  din  reht  G.  S f.  Der  er.  solt  du  o'ch  ir  reht  g.  du  sol  irkennen  wie  G.  9 f.  illü  — 
ieglichen]  mit  einer  kraft  wislichc  vn  uon  simc  gftten  willen  elliv  dinch  g.  h.  t.  d.  diz  alliz  daz  ich 
dir  hun  gesait  . so  tust  du  unde  gist  iegelichime  dinge  G.  11.  Der  f.  b.|  Div  fivnfto  tugint 
div  G,  ähnlich  Z.  16.  287,4. 12.  ist|  Bi  sol  sin  G.  dines]  ir  G.  12.  diner)  ir  G.  uf 
fehlt  G.  ingegin  d.  s&zin  h.  G.  dine]  Ir  G.  IS.  sol  si  G.  14.  himelr  da]  scho'nen  h. 
daz  G.  14  y.  und  da]  da  G.  16.  daz  i.  st]  starchait  G.  17  f.  die  — solt]  so  solt  du  G. 

18.  Got  fehlt  G.  mainest  G.  19.  mich  rehte  zü  G.  21.  daz  — und  fehlt  G.  klaidet] 
claito  G.  22.  wR're  G.  din]  l.  diu  ? 23.  irkennen  wil  G.  herre  fehlt  G.  24.  mach 

ich  wol  sp.  dez  ich  G. 


13  f.  Phili.  3,  SO. 


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62.  Von  drier  hand  closter  16t. 


287 


nnd  also  [179*]  veste  daz  er  sin  selbez  wanden  nit  enphindet’.  also  ahtet 
och  der  mentach  siner  arbait  nit  so  er  gedenket  an  ünsers  herren  arbait,  die 
er  durch  in  erlitten  hat,  und  an  sinen  tot. 

Der  sibend  büchstab  haisset  'electa',  daz  ist  ‘erwelt’.  gedenke  daz  du 
bist  erwelt  uss  aller  der  weite,  da  von  sprichet  du  sele:  'o  lieber  herre,  5 
Jhesu  Christe,  du  bist  min  und  ich  bin  din;  und  da  von  ist  mir  ällü  du 
weit  ze  nüti  worden,  won  du  hast  mich  drus  erwelt  und  ich  han  dich  erwelt 

zü  aim  obrosten  lieb  und  han  veremahet  alle  die  wunne  dirre  weit  durch 

dich’,  'o  herre’,  sprichet  sant  Augustinus,  ‘do  ich  veremahet  alle  die  weite, 

do  genaigtest  du  dich  in  min  sele  und  wärt  mir  ain  fröde  ob  aller  fröde  io 

und  ain  süzkait  ob  aller  süskait  und  ain  ere  ob  aller  ere’. 

Der  ahtent  büchstab  haisset  ‘sociata’,  daz  ist  'zü  gefüget’.  / 180 ’]  war  zü 
bist  du  gefüget?  ze  Gotte  und  in  Got,  daz  du  sist  sin  pfallentz,  da  er  sin 
rüwe  und  sin  wonung  inne  wil  haben,  der  mentsch  wirt  zwar  sülig  geboren 
der  sülich  gest  enphahen  sol.  'ich  und  du  sele’,  sprichet  unser  herre,  ‘sont  15 
ain  wonung  mit  enander  han.’  so  daz  geschiht,  so  sprichet  du  sele:  ‘ich  han 
min  liep  begriffen  und  trage  ez  bi  mir  under  minen  brüsten  alz  ain  mirien 
gebündelin'.  und  alz  ist  gefüget  daz  pinlin  zü  dem  honge,  der  ysop  zü  dem 
balsam,  du  nahtegal  zü  der  harpfen,  der  hirtz  zü  dem  ewigen  bruunen,  der 
Sterne  zü  dem  ewigen  liebten  sunnen.  20 


[63.]  Von  drier  hande  uffart. 

Viri  Oalylei. 

Do  unser  herre  ze  hymel  wolte  varen,  do  stünd  unser  vrowe  und  sin 
junger  und  ander  lüte,  die  im  nach  hattent  gevolget,  die  stündent  uff  dem 
berge  und  wartetent  im  nach,  do  kament  [180*]  zwen  engel  in  dem  wölken  25 

1.  also  ahtot  — 3 tot]  daz  lat  also  dll  gesproclil  . daz  der  metischc  sol  gedcnchl  . an  vnsirs  herren 
tot  . nnde  an  ain  blAt  . vfl  an  sine  manichualtigun  not  . ufl  aol  daz  ahton  zü  siner  not  G. 

4.  daz  i.  crw.  fehlt  G.  5.  üz  irwelt  uzsir  G.  6.  Jh.  Chr.  fehlt  G.  7.  droz  irwelt  von  allir  dir 

weite  . Vnde  i.  h.  d.  uz  irwelt  G.  ewelt  A.  8.  liebe  . vfl  zainir  wnne  miner  sele  . vfl  han  G. 

8 f.  durch  — Aug.]  vfl  ich  han  die  wnno  vn  die  vro'de  uirsraahit . die  ich  mm  der  weite  mohte 
han  . Dauon  spr.  s.  A.  O herre  G.  11.  allen  eren  G.  12.  daz  ist]  Du  bist  G.  13.  daz  — 
pf.)  du  bist  gefüget  d.  d.  s.  ain  pb.  dez  stizin  gottcs  G.  1*4.  nach  haben]  mit  dinre  sele . 0 wo 
sscligir  mcnschc  G.  wirt  zwar]  wart  G.  15.  ich  — herre]  Got  indiner  sele  . unde  din  sele  in 
gotte  . Also  spr.  u.  b.  Ich  vn  d.  sitze  sele  G.  16/'.  so  d.  — mir]  Denno  eprichit  div  sele  . Nu  hab 
ich  in  irgriffcn  . ich  enwil  in  niemir  me  virlazin  . so  het  si  in  irgriffcn  . Als  si  sp'chit  in  ainem 
büche  . Ich  han  min  liep  ihm  xpm  geuangin  . vnde  han  in  gelait  in  mine  sele  . vfl  ich  trage  min 
uzirweltiz  liep  daz  obiroste  gilt  G.  17  f.  mvrrc  bindilli  (bürdcli  Z) . da  ist  gefüget  daz  bigi  G. 

20.  ewigen  fehlt  O.  21.  Überschrift  fehlt  GWX,  Von  vnserme  herren  Jhesu  cristo  vio  er 
selbe  ze  himel  für  (rot)Z,  Cp  vns  heren  hemelvartz  dach  Phill.,  De  ascensione  Arundel,  IV  am 
Rande:  Sermo  XVTI.  22.  Der  lat  Text  fehlt  A.  23.  wolle  v.]  für  GZ. 

15  f.  Joan.  6,  S7;  15,  5.  16  f.  Cant.  1,12.  18  ff.  vgl.  Waekemagel  S.  170  Z.  72  ff. 

21.  DU  Predigt  findet  tich  in  G Bl.  100‘,  Z Bl  117*,  IV  Bl.  85',  IV  Bl.  90«,  H Xr.  27,  Phill.  170*, 
Arundel  Bl.  92 «.  22.  Act.  1, 11. 


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288 


63.  Von  drier  liaude  uffart. 


und  sprachent:  ‘ir  herren  von  Galylea,  wez  staut  ir  hie  und  wartent  in  den 
hymel?  ir  sont  wissen  daz  ez  ist  Jliesus  der  hie  von  üch  vert  ze  hymele 
zü  sim  vatter’. 

Nu  merkent  von  drier  hand  uffart.  du  aine  ist  ünsers  herren;  du  ander 
5 unser  vrowen;  du  dritte  ist  ains  ieglichen  sälgen  mentschen.  nu  sont  ir 
ünsers  herren  uffart  merken,  daz  er  uf  für  an  aller  mentschen  helf  von 
sin  selbes  kraft,  da  von  so  ist  ez  ain  uffart  du  ander  haisset  ain  ufne- 

mung;  du  ist  siner  trut  müter  sant  Marien,  du  wart  uf  genomen  von  irem 

sune,  der  kam  selb  von  hymelriche  nach  ir  mit  der  engel  schar  und  nam  si 
io  mit  übe  und  mit  sele  und  fürt  si  ze  hymelriche.  du  dritte  haisset  ain  uf  flieg- 
ung;  du  ist  ains  ieglichen  sälgen  mentschen,  won  daz  miiz  ze  hymelrich 
fliegen  mit  den  vetchen  der  tugend.  der  ain  vetch  ist  götlichü  [180‘]  minne; 
der  ander  ist  girde  näh  der  gütlichen  süzkait.  mit  disen  zwain  vetchen  müz 
du  sei  zü  Got  fliegen  zü  dem  hymelriche,  und  mit  andren  tagenden,  daz 

15  ist  globe,  züversiht,  demütkait,  künschi,  gehorsami,  gedult,  masse.  zuht, 

beschaidenhait,  schäm,  vorhte  und  vröde  in  Gotte:  dis  tugende  sint  der  sele 
vedran,  die  in  den  vetchen  süllent  wachsen. 

Nu  merkent  der  engel  frage,  daz  sü  sprachent:  ‘ir  herren  von  Galylea. 
wes  stant  ir  und  wartent?'  diz  waz  ain  wunderlichü  frage,  war  umb  sü 
»)  dem  wartetent  nach  der  ir  tröster  und  ir  behalter  waz.  ez  waz  wol  billich 
daz  sü  im  nach  lügetind,  won  si  wistent  groz  wunder  und  groz  tugend  und 

groz  süzkait  an  im. 

Gottes  wunder  und  sin  tugend  merkent  wir  an  zwelf  fügenden. 

Daz  erst  ist  sin  grozser  gewalt,  daz  er  so  reht  kerlich  und  so  gewaltklich 
25  ällü  ding  geschaffen  hat  hymel  und  erde  und  die  schönnen  Sternen  und  (ISO*] 
die  sunnen  und  den  man  und  die  schönnen  blümen  und  mänig  wunderlich 
creature.  dis  sol  üns  wol  sin  ain  wunder,  und  sont  sinen  gewalt  da  bi 
erkennen. 

1.  spr.  disiv  wort  . Viri  galylei  . ir  G.  2.  daz  ez]  diz  G.  himilricho  G.  4.  du  (ror 
aine)  fehlt  O.  5.  sSIgcn  m.]  menschin  . daz  sa?lich  ist  G,  ebenso  11.  6.  Unsere  — helf]  merkin 

uon  u.  h.  vfvart  . daz  er  niht  vf  für  von  ieinannca  helfe  . niht  wan  von  sin  sclbiz  helfe  . nibt 
wan  G.  er  fehlt  A.  7.  da  — uffart  fehlt  G.  8.  trat  fehlt  G.  8 f.  irem  s.l  vnairme 
herren  gotto  G.  9.  dien  c.  seharon  G.  12.  uctickc  daz  ist  G.  13.  andir  uctickc  daz  ist  G. 

14.  sei  hin  z.  g.  vl.  vH  z.  d.  G.  mit  dien  andiren  G.  15.  masse]  miezichait  G. 

16.  beseh.  — vrüde]  vfi  b.  maze  vH  uorhte  vfi  vro’lichait  G.  17.  wahsin  . mit  dien  sol  div  sele 
ze  himilriche  vliegin  G.  18.  der  — spr.]  daz  erste  wort  . daz  dio  engil  spr.  viri  galyici  G. 

19.  und  wartent]  hie  . vndc  w.  in  den  himil . ir  sunt  wizsen  diz  ist  ibc  xpe  der  hie  uon  iv  geuam 
ist  zo  himilriche  G.  20.  wartetent  n.]  nah  lügetin  G.  20  f.  ez  — 10g.|  siv  mahton  ime  wol  nati 
warten  G.  21.  wisson  G.  und  gr.  L]  groze  tuginde  G.  23.  Gottes  — fügenden]  Sn  sant  ir 
racrchin  daz  groze  wndir  . vnde  die  grozin  tuginde  die  an  gotte  sint  . an  zwelf  dingin  G. 

24.  erste  daz  ist  G.  24  f.  daz  er  — ding]  vnde  sun  uns  wnderon  sins  wndir  grozin  gcwaltcs  . den 
sun  wir  irkennen  an  der  creature  . Da  morchint  wio  relito  herlickc  wie  gewalticliche  er  alle  crea- 
turc  G.  26.  wunderlich]  wnniclicho  G.  27  f.  wol  — erkennen]  alliz  ain  zaichin  »in  sine»  grozin 
gewaltes  . vn  sol  üns  rehto  zü  nnsirme  herren  zichin  . vfl  sol  üns  zü  ime  fügen  . Dauon  »prirhit . 

24  f.  vgl.  oben  S.  331  Z.  13  ff. 


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63.  Von  drior  hande  uffart. 


289 


Daz  ander  ist  sin  grössü  wizhait.  der  sol  uns  öck  wundren  daz  er  so 
gar  wislich  hat  geschaffen  Allü  ding  und  alz  ordenlich  hat  geordnet,  ‘sin 
wizhait  kan  noch  enmag  nieman  durch  gründen’,  sprichet  der  wissag.  V, 
sprächet  sant  Paulus,  ' vil  tiefü  wishait  der  gütlichen  kunst,  din  geschepfde  kan 
nieman  begrifen  und  din  weg  kan  nieman  bekennen’.  3 

Daz  dritte  ist  sin  grössü  güti.  der  son—  wir  och  wundren,  won  er  alz 
reht  güt  ist  daz  illlü  creature  sin  güti  lobt,  swaz  wir  gütez  ie  emphiengent 
und  iemer  enphahen  sont,  daz  ist  allez  von  siner  güti;  und  dar  umb  sont  wir 
in  miunen,  sprichet  ain  hailig.  ‘o  herre’,  sprichet  er,  ‘du  [181’]  bist  allaine 
minneklich;  wer  möhti  wirdeklich  gereden  von  der  minneklicken  güti  die  an  io 
dir  ist?’ 

Daz  vierde  ist  sin  rehtekait,  die  wir  wol  fürhten  mugent,  won  du  schrift 
spricht  daz  er  enkain  ding  ungeriktet  lat,  ez  si  wort  oder  wercli  oder  gedenk, 
und  unser  rehtekait  du  ist  vor  ime  unreht,  won  die  Sternen  sint  joch  nit 
luter  vor  im,  sprichet  Job.  15 


8.  Aug'j  . Alliv  div  creature  dir  ie  geschaffen  wart  . daz  enist  niht  andirs  wan  ain  winebin  . da 
mitte  (ins  unsir  herre  ziinc  luckin  wil  . vH  sun  vnsirn  herren  irkennen  an  der  creature  . Dauon 
spriehit  . 8.  paulus  . wir  sehen  nu  vnsirn  herren  also  in  aime  spiegii  . abir  her  na  werden  wir  unsim 
herren  sehinte  von  o'gen  zo  o'gon  . offinlicho  . Neinint  war  daz  er  die  creature  gelichit  aime  spiogil  . 
vfi  in  deine  spiegii  sehen  wir  nu  vf  örtliche  den  ewigen  Bpicgil . vfi  den  gotlichin  spiegii  . vn  abir 
herna  so  wir  ze  himilricho  komen  . so  werden  wir  sehinte  in  deme  gotlichin  spiegile  disen  zir- 
ganciichin  spiegii  . der  hie  nidinan  vf  ertriebe  ist  <7. 

1.  andir  daz  an  gottc  ist . daz  ist  G,  ebenso  12.  2.  geordnet  — 4 Paulus]  gesetzit  ain  iege- 

lich  dinch  . in  sine  ordinunge  . vn  siner  wishait  kan  nieman  an  ain  ende  komen  . nieman  enkan 
noh  enmacli  sine  wishait  dur  gnindin  . Dauon  sp'ch;  ain  haiiieh  man  . Vnsir  herre  der  ist  ain  weger 
der  gaiste . vn  div  dinch  div  unliplich  sint  div  kan  er  gezcln . vn  ime  sint  offen  elliv  bcrcen  . vn 
von  siner  wishait  sprichit  der  wissagc  . Sine  wishait  enkan  nieman  gezein  . Vndc  nieman  kan 
ioch  wislicbe  geredin  von  siner  wishait . vn  sin  wishait  ist  also  tief . daz  si  nieman  kan  dur  gnm- 
din  mit  rede  . Vnde  uon  der  un  endihafti  . siner  wishait  so  sprichit . s.  Paulus . 0 altitudo  divicia- 
rum  sapientie  . 0 G.  S.  dine  wege  G.  6.  ist  — 9 er]  daz  an  gotte  unsirme  herren  ist  . daz 
ist  s.  gftti  . dur  sine  rehtun  güti  sun  wir  in  minnen  . siner  güti  ist  also  vil  daz  wir  in  von  allimc 
relite  sun  minnon  . wand  er  also  gar  anc  rnaze  güt  ist  . vn  were  ioch  daz  also  . daz  wir  niemir 
Ion  da  uon  soltin  cnphan  . von  vnsirro  iniune  . so  ist  doch  sin  güti  also  groz . daz  wir  in  gerne 
sun  minnen  . Wan  siner  güti  ist  also  vil  . daz  alle  creature  sine  güti  lobint  . Dauon  sprichit  ain 
bailich  man  . Ez  enist  nivtisniht  gfttes  wan  gottes  allaine  . dez  güti  ist  so  groz  daz  wir  in  iemir 
gerne  minnen  sun  . Vnde  sprichit  o‘ch  alsus  . herre  G.  10  f.  güti  — dir)  ufl  uon  der  unendi- 
iichun  güti  div  au  gotte  unsirme  herren  G.  12.  die— mugentj  die  sun  wir  fürhtin  . wir  mugen 
si  wol  fürhtin  G.  13.  ez  — 13  Job]  Er  rilltet  unsiriv  wort . vn  elliv  vnsiriv  wereh  . sin  rehtichait 
ist  also  groz  . daz  der  wissage  sprichit . Vnsir  reht  ist  rehte  als  ain  bo'se  dinch  vor  gottCB  rehtichait . 
Job  sprichit  o’cli  . Die  Sternen  sint  niht  lutir  uor  gottc  . daz  ist  also  uil  gesprochin  . die  heiligen 
livte  sint  ioh  nilit  reht  vor  gottc  . Vnde  sprichit  der  wissage . iustus  cs  domine : 0 herre  du  bist 
reht . un  ist  din  gerihte  reht . vn  rilltest  ain  iegelich  mensche  nah  sinen  werchin  . 0 herre  sprichit 
er  abir  . du  bist  reht . vn  minnost  o'cli  rehte  livte  . vn  diniv  lutiriv  o'gen  div  schint  gerne  rchtiv 
dinch  G. 


2 f.  Eccli.  1,  3.  6 f.  4 f.  Hom.  11,  33.  14  f.  Job  13, 15. 

Deateclia  Texte  des  Mittelalters.  X.  19 


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290 


63.  Von  drier  bando  uffart- 


Daz  fünfte  ist  sin  erbärmde.  zü  der  sont  wir  züversiht  han,  won  siner 
erbärmde  ist  allez  ertrich  vol,  sprichet  der  wissag.  und  nit  allain  daz  ertriche, 
er  möhti  wol  gesprochen  han  daz  hymelrich  und  ertrich  und  helle  wol  wäre 
vol  siner  erbärmde.  daz  hymelrich  ist  ir  vol,  won  er  git  in  me  fröde  und 
5 wunne  denn  ieman  mug  erdenken;  du  helle  ist  och  vol  siner  erbärmde,  won 
die  dinn  sint,  die  wizgat  er  minder  [181*]  denn  si  verschult  habent;  daz 
ertrich  ist  och  vol  siner  erbärmde,  won  er  git  im  alle  die  genaht  der  wir 
und  ällü  creature  leben  sont.  er  git  uns  noch  me,  daz  ist  daz  wir  mit 
kurzem  lebenn  hie  verdienen  mugent  daz  ewig  leben, 
to  Daz  sehste  ist  sin  grössi;  die  sont  wir  an  betten,  er  ist  also  groz 

daz  in  weder  hymelrich  noch  ertrich  mag  bevahen,  und  also  sprichet  er  selbe: 
‘ich  fülle  hymelrich  und  ertrich  mit  miner  grössi“.  sant  Augustinus  sprichei: 
‘Got  ist  in  allen  dingen  und  euist  doch  drinne  uit  bevangen,  und  ist  usser 
allen  dingen  und  enist  doch  dervor  nit  beschlossen,  und  ist  ob  allen  dingen 
15  und  enist  doch  drüber  nit  erhaben,  und  ist  under  allen  dingen  und  ist  doch 
drunder  nit  verdrukt“. 

Daz  sibend  ist  sin  ewekait.  an  der  sont  wir  üns  frowen  daz  wir  daz 
sicherlich  wissent  daz  üns  wunne  und  fröde  an  im  niemer  gebristet,  won 
er  [181‘]  ist  ain  angenge  und  ain  ende,  alz  er  selber  sprichet. 

20  Daz  ahtend  ist  schonhait;  dü  sol  üns  lühten  und  erlühten.  owi,  der  reht 
erkandi  wie  gar  schöne  der  minneklich  Got  ist,  dem  wäre  unmäre  ällü  zer- 
ganklichü  schonhait.  her  David  sprichet  daz  er  schöner  si  denn  aller  mentschen 


1.  fivnfte  daz  an  vnsirmo  herren  ist  . daz  ist  G.  won  — 4 erbtrmdej  Wan  der  wissage 
sprichit  . Misericordia  domini  plrna  . 0 hcrrc  daz  ertricbo  ist  irfüllit  mit  dinir  grozun  irbermide . 
Er  endorftc  niht  spreebin  daz  daz  ertriche  aJlaine  irfüllit  wiero  . mit  siner  irbennide  . er  mohte 
han  gcsprochin  daz  daz  himilriche  ufi  ertriche  vfi  hellerieh  daz  daz  alliz  irfüllit  wirre  mit  siner  ir- 
bermide  G.  4.  ir  voll  uol  siner  irbermide  G.  5.  erdenken)  uirdienen  G.  5 f.  helle  — 
dinn)  Inder  helle  G.  6.  haben  . vfi  merrhe  aine  sundirliche  irbermide  dar  an  . daz  in  der  helle 
aime  baz  ist  denne  deine  andirn  . iegolichime  nah  einen  schuldin  G.  7.  won  fehlt  G.  im] 
deine  ertriche  G.  S.  nach  sont]  Also  sprichit  der  ringe  re  herro  Jacob  . 0 herrc  du  hast  mich 
gefärit  uon  miner  kinthait  unz  her  G.  me  irbennide  uf  deme  ertriche  . daz  wir  G.  9.  hie 
v.  m l mugen  virdienon  G.  lebin  . vll  daz  wir  in  deine  tal  der  betrübide  mugen  virdienon  den 
berch  ze  svon  (syon  Z)  der  wnniclicbun  vro'de  G.  10.  sehste  daz  an  gotte  unsirme  hcrrcn  ist . 
daz  ist  G,  ebenso  20.  291, 10.  vor  er]  Wie  groz  ist  unsir  h're  G.  11.  und  — selbe]  Also  spr. 
unsir  h're  G.  14.  doch  d.  n.]  imo  doh  niht  uor  G.  16.  gedmehit  . daz  sunt  ir  mcrchin  an 
unsirs  herren  grozi  G.  17.  sibldo  daz  an  unsirme  herren  ist  . daz  ist  G,  ebenso  291,  23. 

18  f.  won  e.  i.)  vfi  daz  div  vro'de  iemir  cwich  ist . Also  sprichit  unsir  herre  . Ego  sum  alpha  . et 
tu.  leb  bin  G.  19.  alz  — spr.]  Derne  Worte  entwrtet  ain  haile  {heilige  Z)  vH  sprichit . 0 h're  du 
sprichist  du  sist  ain  anegenge  undc  ain  ende  . so  spriche  ich  . du  bist  ain  anegenge  . uü  one  ano- 
genge  . vfi  bist  ain  endo  ane  ende  . Sit  denne  vnsir  h're  ane  ende  ist  . so  ist  och  div  vro'de 
ewich  . die  wir  an  imo  hain  G.  20.  ist  sin  sch.  G.  lüsten  korr.  Bl  und  erlühten  fehlt  G R’. 

vor  owi)  von  einer  Bcho'nbait  sprichit  s.  B uh’  . Alliz  daz  an  gotte  ist  . daz  ist  gar  giriieh 
unde  lustlich  G.  22.  her  — si]  Der  wissage  sprichit  uon  unsirme  herren  . Speciosus  forma  . Vnsir 
herre  ist  scho’nir  G. 


2.  Pt.  32,  5.  12.  Jer.  23,  24.  19.  Apoc.  1,  8;  21,  6;  22, 13.  22.  Pt.  44,  3. 


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63.  Von  drier  bände  uffart. 


291 


kint.  sant  Agnes  sprach:  ‘du  sunne  und  der  mane  wundrent  sich  ab  siner 
schonhait’,  reht  alz  ob  si  sprächi:  sin  schonhait  ist  so  groz  daz  du  sunne 
und  der  mane  gegen  im  ain  vinstri  sint,  und  dar  zü  die  Sternen,  alle  creaturen, 
alle  engel  und  all  hailgen  wundrent  ab  siner  schonhait  und  naigent  sich 
under  in  und  lobend  in.  ain  hailig  fraget  ünsern  herren  ob  wir  in  ze  5 
hymelrich  sehend  wurdent  ane  mitli,  oder  ob  ain  tüch  enzwüschent  müsti 
hangen,  do  antwurte  er  und  sprach  daz  wir  in  sehend  wurdent  an  alle  mitli 
reht  mit  offnen  ogen;  und  daz  wir  [181*]  daz  erliden  mugent,  die  krafte  git 

uns  Got,  anders  wir  zerfürint  gar  von  der  unmässigen  schonhait  so  an  im  ist 

Daz  nünde  ist  sin  süzkait;  der  ensol  uns  niemer  verdriessen.  wie  süz  to 
unser  herre  si,  daz  kan  nieman  dem  andern  gesagen,  won  er  sprichet  selbe: 
‘min  gaist  ist  süsser  denn  honig’.  und  daz  er  ünz  ain  glichi  git  bi  dez 
honges  süssekait,  daz  ist  da  von  won  uns  enkain  ding  ist  erkant  daz  so 
süsse  si  so  daz  hong.  und  da  von  git  er  uns  da  bi  ain  glichi  daz  wir 

merkent  und  wissent  daz  enhain  ding  so  süz  ist  so  Got  unser  herre.  und  15 

won  er  so  süsse  ist,  da  von  unverdrossenlich  ist  er  allem  hymelschen  ingesinde: 
so  si  in  ie  me  niessent,  so  sü  sin  ie  me  lüstet;  so  sü  sin  ie  me  lüstet,  so  si 
sin  ie  me  habent  und  hant  in  unverdrossenlich  iemer  nach  ir  willen,  da 
von  sprichet  sant  Augustinus:  'ze  hymelrich  ist  genuht  und  och  [182’}  ge- 
breste:  genuht  ist  da,  won  si  Got  ze  allen  ziten  an  sehent  und  habent  und  20 
niessent  nach  ir  girde;  da  ist  gebreste,  won  swie  vil  si  sin  getrinkent,  so 
dürstet  si  doch  allez  an  nach  im  und  werdent  sin  doch  niemer  satt’. 

Das  zehend  ist  sin  gedult;  die  sont  wir  iemer  gern  eren.  sin  gedult 
sollent  wir  au  zwain  dingen  merken:  daz  erst  ist  daz  er  uns  so  gedulteklich 
vertreit  unser  unreht;  daz  ander  daz  er  dem  sünder  so  gedulteklich  baitet  25 

1.  Also  »prichlt  . s.  Agnes  . Cuius  pulcritudinO  sol  et  luna  mirantur  . Div  G.  mane  div 
w.  G.  2.  ob  fehlt  G.  daz  — 4 ab]  daz  d.  m.  un  d.  s.  rehte  ain  v.  sint  wordin  . vli  der 
mane  . ufi  die  Sternen  wndiront  sich  niht  allaine  von  einer  scho'nhait . elliv  creature  wndirot  sich 
dar  abc  vH  die  engil  vH  die  hailigen  irschirchint  (crscreckint  Z)  von  G.  5.  vragete  G. 

6.  werden  G.  6 f.  ob  er  a.  t e.  mflzc  henebin  G.  7.  do]  vli  so  er  alsus  geuruget  so  G. 

sprichit  alsus  . Daz  wir  got  werden  sehinte  ane  allir  slahtc  mitteli  G.  Hf.  und  — ist]  daz  wir  die 
vnmiezigun  scho'nhait  iemir  mugen  iiliden  . daz  wir  niht  zirbrcchen  . die  kraf  (kraft  Z I git  uns 

got  nnsir  h'Te  . vtl  starcti  uns  nnsir  h‘re  niht  . wir  zirbrtechin  alle  . Also  sp'ch;  unsir  herre  in 

Apocalypsi  . Qui  uicerit . Swcr  alle  sine  vigende  (ibirwindet . den  wil  ich  rehte  machon  zainir  sivle 
in  himilriche  . Na  merchint  waz  bi  der  sivle  ist  bezaichint  . ir  wizscDt  wol  daz  div  sfil  daz  hus 
nf  ir  trait . Dauon  gelicbit  uns  unsir  herre  ainir  sivle  . wan  er  wil  uns  mit  siner  kraft  also  starch 
machon  . daz  wir  rehte  sivle  werden  in  himilriche . daz  wir  wol  alle  die  schonhait  mugen  irliden  . 
die  wir  angottc  sehintc  werden  G.  11.  er]  unsir  herre  G.  selbe  fehlt  G.  13.  da  von 
won]  dar  umbe  . daz  G.  so  fehlt  A.  14.  und  fehlt  G.  da  bi  a.  gl.]  a.  gcl.  bi  demo  ho- 
nige  G.  15.  merkent  u.  w.]  da  bi  wol  mugen  merebin  G.  15  f.  und  w.  0.  s.]  Wan  c.  s.  gar  G. 

16.  da  uon  ist  er  so  unv.  allime  G.  17.  so  — lüstet  fehlt  A.  18.  iemer  me  G. 

20.  genuht  i.  dal  Daz  ist  also  zeuirstaenne  . da  i.  g.  Q.  si  fehlt  A.  got  unsira  hemm  G. 

21.  niezint  in  nah  G.  ist  och  breste  G.  22.  doch  (vor  niemer)  fehlt  G.  24.  erst]  aine  G. 

üns  fehlt  G.  25.  nach  unreht]  wan  swie  unrehte  wir  tän  . daz  uirtrait  er  uns  mit  grozir 

gedultichait  G.  andir  ist  daz  G. 

1.  vgl.  oben  S.  47  Z.  19  f.  5 f vgl.  oben  S.  236  Z.  23  ff.  12.  Eccli.  24,  27. 

19* 


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292 


öS.  Von  drier  handc  uffart 


und  so  gütlich  siner  bekerde;  won  welti  unser  berre  nach  rehter  urteil  rihten, 
so  wäre  daz  reht,  zehant  swenne  der  mentsch  in  die  sünde  geviele,  daz  in 
der  tüfel  ietz  solt  ffiren  in  die  helle  mit  libe  und  mit  sele.  die  gedulte  sont 
wir  an  ünserm  herren  minnen,  daz  er  uns  so  mängen  tag  baitet  und  so 
5 mänig  jar  in  so  mänger  höbet  sünde;  reht  alz  er  spreche:  [182*]  ‘owe 
mentsch,  ich  wil  dir  baiten  drissig  jar,  vierzig  jar,  hundert  jar,  und  wilt  eht 
du  ze  jungst  wider  komen,  so  wil  ich  dich  gern  empfahen  und  wil  dir  alle 
dine  sünde  vergeben',  o lieber  herre  Got,  umb  die  gedult  so  müz  dich  wol 

ällü  creature  loben  und  eren.  dich  benüget  joch  nit  daz  du  dem  sünder 

io  baitest  mänig  jar  in  mängen  tätlichen  Sünden,  du  ladest  in  öch  daz  er  an 

dem  tot  widerkere,  alz  man  liset  in  der  minne  büch:  ‘ker  wider,  ker  wider, 

sünder!  gedenk  daz  ich  den  bittern  tot  durch  dich  erlaid,  und  höre  min 

stimme,  gedenk  daz  ich  dich  in  miner  erbärmde  hatte  do  du  ir  unwürdig 
wäre  und  dich  des  tages  lieht  und  der  sunnen  schin  nit  solt  lühten  und  dich 
15  daz  ertrich  nit  solt  han  getragen  von  rehter  unwirdekait:  do  hatte  ich  gedult 

über  dich  und  han  dir  allez  an  gebiten  uff  den  trost  daz  du  dich  noch 

bekertist.’  [182‘] 

Daz  ainlfte  ist  sin  demüt;  die  sont  wir  ieraer  loben,  nu  merkent  dez 
guten  Gottes  deront,  daz  der  gewaltig  Got,  der  groz  Got,  der  hoh  Got,  der 
20  unmässig  Got  sich  genaigte  zü  aim  kranken  mentschen,  uud  zü  aim  sündigen 
mentschen  gerächte  ze  kommen  mit  siner  gnade,  und  noch  hüt  dis  tages  nai- 
get  zü  aim  ieglichen  mentschen,  swie  arm  und  swie  sündig  ez  si,  daz  eht 

von  rehtem  hertzen  siner  gnade  gert. 

Das  zwelfte  ist  volkomenhait;  der  sont  och  wir  nach  volgen  an  allen 
25  tagenden  und  an  allen  güten  dingen.  er  ist  volkomen  an  wizhait,  an 
schöni,  an  güti,  an  miltekait,  an  erbärmde  und  kurtzlich  gerrett  an  allem 
güte,  und  also  sont  och  wir  der  selben  volkomenhait  üns  flissen  so  verre  «ir 


2.  ho’ bits  finde  G.  3.  ietz]  icsa  G,  zehät  Z.  5.  so  fehlt  G.  7.  ze  jungst]  an  der  iungistun 

stunde  . dinis  lebinnis  G.  dich  fehlt  G.  8.  o]  0 herre  uil  G.  mftzen  G.  10.  manigir  totlicbun 
sünde  G.  11.  nach  büch]  Rcuertcre  . rcuertere  G.  12.  orho'rc  G.  13.  stimme  . vB  ker  widir . 
Gcdenchc  sundir  daz  G.  ir)  ez  G.  14.  dich  des)  l.  dir  des?  solt  I.]  solto  han  an  gcschincn  G. 

15.  han  getr.)  uirdolen  G.  16.  übir  dich  . dur  die  spisc  die  du  izscst  darumbe  irbarmist  du 
mich  . vD  G.  17.  bckercst  . dur  minc  gcdultichait  . so  tet  ich  daz  dur  die  grozun  gedult  sun 
wir  unsim  herren  wol  eron  G.  18.  ainlivfte  daz  an  gottc  unsirmc  herren  ist  daz  ist  G,  eben*')  24. 

20.  got . daz  sich  der  genaigitc  G.  21  f.  noch  — naiget]  sich  also  genaigit  G.  22.  und]  ez 

ist  . aide  G.  si]  ist  . aldo  da  uor  ie  wart  G.  23.  gert  . so  naigit  er  sich  mit  siner  gnade 

zime  G.  24.  och  — volgen)  wir  o'ch  gerne  nah  noigcn  . Dar  an  (war  an  ist  er  vollecome  Z 11 1 
an  ainir  tugint  . odir  an  zwain  . nivt  . imc  enist  niht  also  er  ist  gar  uolle  komin  G.  23/'.  m 
wizh.  — 293, 4 libe]  an  schonhait  vnde  an  wishait  a.  g.  vn  a.  m.  a.  irb.  uil  an  süzichait  . Vnde 
kurzliche  alliz  daz  an  unsirmc  herren  gottc  ist  . daz  ist  alliz  anc  maze  . vB  ane  zal  uoilekomin  . 
Vnde  do  gottes  sun  vf  ortricho  waz  . do  waz  er  gar  uoilekomin  an  allen  tugindin  . vü  swaz  ie  gütir 
dinge  wart  . daz  waz  alliz  gar  an  izno  vollekomin  . Also  sprichit . s.  Johannes  . In  (An  Z)  gottes 
sune  waz  div  gnade  ane  maze  uoilekomin  . vH  och  die  tuginde . Sit  dcnno  div  gnade  ufl  ocb  dir 

11.  Cant  6, 12. 


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63.  Von  drier  hande  uffart 


293 


mugent,  und  sont  unser  leben  nach  sim  bilden,  wie  volkomen  er  aber  si  in 
siner  hohen  gothait  und  in  siner  [182*]  werdekait  und  in  siner  unmAssigen 
süzkait,  daz  mugent  wir  niemer  bevinden  e daz  wir  in  begriffent  und  in 
sihteklich  gesehent,  daz  beschiht  nach  disem  übe. 


164.]  Von  unser  vrowen.  5 

[Ego  quasi  vitis  fructificavi]. 

Unser  vrowe  gelichet  sich  ainer  rebun  und  sprichet:  ‘ich  bin  alz  ain 

rebe  frühtig’. 

Durch  dri  sache  gelichet  si  sich  ainer  rebun.  du  erst  ist  daz  du  rebe 

blfiget,  und  swenne  daz  ist,  so  flühet  daz  ungewürme  der  von:  ze  glicher  ■<> 

wis  unser  vrowe  blüte  an  allen  tugenden  alz  volleklich  daz  ir  dehain  bozhait 
mohte  nahen,  daz  ander  ist  daz  dü  rebe  knie t mit  ir  schatten  der  sunneu 
schin:  also  tut  och  linserr  vrowen  gebet:  daz  kület  ünsers  herren  zorn 

wider  dem  sünder.  daz  dritte  ist  daz  dü  rebe  untAre  ist  ussnan  an  der 

rinden  und  bringet  doch  vil  edel  fruht:  also  waz  dü  hymelsche  win [183"]  15 

rebe,  ünser  liebü  vrowe,  demütig  und  verworfen  uswendig  und  brahte  den 

hymelschen  win. 

Uff  dirre  reben  wart  drier  hand  win  gepflanzet:  wis  win,  rot  win  und 
gewürzter  win. 

Der  wiz  win  waz  ir  mägtlichü  künschi;  da  von  si  ünser  herre  lobet  20 
daz  si  sigi  ain  zwirent  beschlossen  garte,  won  si  rain  waz  an  lib  und 


tugint  an  ime  so  gar  uollckomin  waz  . so  sun  o’ch  wir  gerne  simc  tugintlichimc  lebinne  nah  uolgeu  . 
Wan  dur  »ine  vollckominhait . so  sun  wir  ime  nali  uolgen  so  uil  wir  iemir  mugin  . vnde  setze  für 
dich  sin  lebindiz  lebin  . vfi  bilde  dich  dar  nali  . Wan  »wer  sin  lebin  für  sich  setzit  . vtl  sich  dar 
nah  zivhit . der  mach  wol  groze  tuginde  uß  uollekomincs  lebin  von  ime  nemin  . Nu  merche  «eligir 
menscho  wie  uoliekomin  unsir  herre  ist . an  allin  dingen  insinir  grozun  gothait . aß  in  siner  hohnn 
wirdichait  vß  in  siner  übinna'zigun  süzichait  . da  er  sime  sune  nab  der  meschait  so  unmsezige 
scho'ni  vfi  uollekominhait  gap  . wie  vollekomin  er  si  in  ime  selbin  . da  er  insinir  gothait  uß  in 
sinir  mcnschait  ist  . vfi  an  allir  einer  wnno  . daz  enkan  nieman  irdcnchin  . noh  da  uon  gesagin  . 
e daz  wir  in  begriffen  . uß  gesihticlichc  gesehen  . mit  sichirlichir  ewichait . uß  in  siner  menschait . 
Ir  sunt  abir  daz  wissen  . daz  wir  dazu  niht  mugen  komin  . wir  enuolgen  o'eh  nu  vf  ertliche 
sinerne  nienselichime  lebinne  nali  mit  allir  tuginde  GZW. 

5.  Überschrift  fehlt  G,  Von  vnserre  vrowen  (rot)  Z,  Von  saut  Peter  IV,  jedoch  später  von 
derselben  Hand  korr.  in  De  beata  Maria.  6.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  7.  sich  an  disen  Worten 
ainir  GZ.  sprichet  — 9 erst)  gcschiht  daz  dur  drie  saclio  . Div  erste  sache  GZ.  10.  und 
fehlt  G.  vngewrmc  alliz  da  uon  G.  1 1.  ünser  vr.J  waz  u.  liebiv  vr.  wol  ain  win  rebe  . Wan 
si  G.  12.  daz  dü]  div  win  G.  blfiget  AZ,  kület  G.  13.  och  fehlt  G.  14.  die  Mindere 
D.  dr.  ist . div  winrebe  ist  nntsere  uzsinan  G.  15.  fruht]  webir  G.  16.  vrowe  . si  was  dem.  G. 

brahte  doch  G.  18.  vor  rot]  Vnde  G.  20.  waz]  daz  ist  0. 


5.  Die  Predigt  findet  sich  in  G Bl.  103c,  Z Bl.  121*,  W Bl.  90',  X Bl.  95*,  H Xr.  20; 
fehlt  Phill.  und  Arundel.  — Gedruckt  nach  A bei  Wackcmagrl  S.  106.  6.  Eccli.  24,  23. 


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294 


64.  Von  unser  vrowen. 


an  hertzen.  ‘ir  küschi  übertriffet’,  spricht  ain  hallig,  'aller  mentschen 
küschhait’. 

Der  rot  win  daz  waz  und  ist  ir  minneklichü  minne.  die  merkent  in  dri 
wis:  du  mäht  Got  minnen  dur  din  selbes  willen,  daz  ist  also  daz  du  in 

5 minnest  durch  alles  daz  daz  er  durch  dinen  willen  ie  getet;  der  solt  du  im 

Ionen,  der  minne  Ion  den  er  dir  dar  umb  git,  daz  ist  dü  götlich  angesiht 
und  dü  hymelsch  vröde.  won  daz  ist  der  pfenning  den  unser  herre  allen  den 
git  die  in  sim  wingarten  ar/2&!f/l>aitent.  du  mäht  och  Got  minnen  durch 
sich  selben,  daz  ist  also  daz  du  in  durch  sin  tugend  minnest:  durch  sin 

io  schonhait,  durch  sin  süzkait,  dur  sin  miltekait,  und  aller  maist  durch  sin  vol- 
komnen  güti.  der  minne  Ion  ist  aber  daz  din  sele  sol  sin  da  Got  ist  nu 
sprichest  du  vil  übte:  ‘owi,  wa  ist  er  denne,  sit  daz  in  hvmelriche  noch 
ertrich  begrifen  mag?'  dez  antwürt  ich  dir:  'er  ist  in  im  selben’,  so  fragest 
du  fürbaz  und  sprichest:  ‘owe,  sol  ich  denn  mit  dem  Ion  genüg  han?'  so 
15  sprich  ich:  'ja  zwar,  so  uns  Got  gesach’;  won  da  wirt  gefüget  daz  binlin 
zü  dem  honig,  dü  nahtegal  zü  der  harpfen,  der  ysop  zu  dem  balsam,  der 
hyrtz  zü  dem  ewigen  brunnen,  der  stern  zü  dem  liehlen  sunnen.  da  von 
vröwe  dich,  sälgü  sei,  iemer  und  iemer  an  ende,  won  du  sin  solt  da  Got  ist, 
und  also  in  in  solt  gefüget  werden,  du  mäht  öch  dich  selben  minnen  durch 
20  Got,  won  er  dich  ge/2&?r/schaffen  hat  und  dich  also  sere  geminnet  hat,  und 
also  daz  er  mentsch  dur  dich  wart,  dich  selben  solt  du  also  minnen  daz 

du  dir  selben  kain  ding  ze  güte  tügist  durch  dez  libes  gemach  won  allaine 

durch  Got,  daz  du  im  dester  lenger  gedieneu  mugest.  der  minne  Ion  ist  daz 

du  solt  singen  und  wüffen,  schrien  und  rfiffen:  ‘o  herre,  du  bist  min  und  ich 
25  din;  ich  bin  din  kint,  du  bist  min  vatter;  ich  bin  din  geschepfde,  du  bist 

min  schepfer;  ich  bin  din  junger,  du  bist  min  maister;  ich  bin  din  sele,  du 
bist  min  sülde,  du  bist  min  vröde,  du  bist  min  ere,  du  bist  mir  alles  daz 

ie  sälges  wart,  du  bist  min  tail  daz  beste.’  diz  dri  minne  hat  ünser  vrowe, 

1.  rer  ir]  Also  sprichit  ain  hailich  man  . von  vnsirrc  licbnn  vro’wn  G.  spr.  a.  h.  fehlt  G. 

2.  kivschichait . Ain  hailigo  sprichit  o’ch  daz  si  gottc  wol  gcuicl  zainir  mutir  dur  ir  kivschichait  G 

S.  waz  und  fehlt  G.  ir  min.)  div  wnniciiclio  G.  Hio  A.  niorche  G.  5.  alle*  daz  d.l  elliv 
div  dinch  . div  G.  der  minne  Z.  6.  Ion  ist  . den  GZ.  daz  ist  GZ,  fehlt  A.  7.  den 
got  unsir  G.  8.  du  — minnen]  Div  andir  minne  ist  . daz  du  got  minnest  G.  9.  also]  div 
minne  G.  sine  tugindc  G.  11.  daz  daz  din  steligiv  sele  G.  12.  vil  fehlt  G.  0 we  uil 
liebir  got . owe  ewigir  got  wa  bist  du  denne  . Sit  dich  bimilr.  G.  13.  begrifen]  niht  beuabin  G. 

14.  u.  spr.  fehlt  G.  owe  uil  liebir  herre  got  . sol  ich  mit  G.  17.  von  fehlt  A. 

18.  sele  . vH  vro'wo  dich  iemir  vn  iemir  G.  18  f.  won  — solt]  Nu  vriwe  dich  iemir  ssiigiv 
sele  . wan  du  solt  sin  da  g.  i.  vnsir  horrc  . vfi  solt  ingot  G.  19.  du  — minnen]  Div  dritte  minne 
ist  daz  du  d.  s.  minnest  G,  20  f.  und  also  fehlt  G.  21.  dich  selben  s.  d.]  du  solt  dich  dar 
got  G.  22.  won  allaine]  niht  wan  G.  23.  langir  vro'lichc  ged.  G.  24  f.  ich  bin 
din  . daz  sol  mir  iemir  state  sin  . Ich  GZ.  25.  nach  vatter]  Ich  bin  din  dirne  . du  bist  min 
herre  GZ.  28.  sadiges  uQ  güte«  ie  wart  G.  Disc  G.  bette  G. 

I f.  im  Anschluß  an  Cant.  4,12.  15  f.  vgl.  oben  S.  287  Z.  18  ff.  «.  Wackemagel  S.  170 

Z.  72  ff.  und  S.  278  Anm.  24  f.  vgl.  Wackemagel  S.  170  Z.  61  ff. 


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64,  Von  ünser  vrowen. 


295 


dar  umb  hat  si  och  dri  löne  enpfangen  und  dar  zu  noch  me  denn  alle  zungen 
mugent  Volbringen. 

Der  gewürzde  win  der  us  dirre  reben  wichs,  daz  waz  ir  vil  liebes 
kint,  Jhesus  Christus  [183*],  an  dem  vil  mänig  tusent  edler  wurtzen  sint, 

daz  sint  sin  edlen  tugent.  aber  zwo  aller  edlesten  wurtzen  sint  an  im,  daz  5 
ist  du  gothait  und  du  mentschait.  waz  würzen  hat  er  me?  entrüwen,  do 
ist  er  der  schön  Got,  der  riche  Got,  der  stark  Got,  der  wis  Got,  Got  der 
ewig,  nu  füge  daz  zesamen,  so  ist  er  du  schöne  richait,  du  riche  schonhait, 
du  starke  ewikait,  dü  sälig  wisshait,  du  ewig  sAlikait. 

Den  ersten  win  schenket  man  in  silbrinen  köppfen,  daz  sint  dü  schönnen  io 

und  dü  süssen  wort  von  Gotte,  den  andren  win  schenket  man  in  guldinen 

köppfen,  daz  ist  dü  gotlich  warhait  an  siner  minneklicher  gelübde,  also  daz 
uns  mit  gegenwärtiger  warhait  Got  wirt  gebend  allez  daz  er  üns  hat  ver- 
haissen,  und  noch  denn  tusentstund  me;  daz  enzündet  die  minne  in  dem 

hert/7&#"/zen  und  raitzet  uff  den  dienst  den  dritten  win  schenket  man  uss  15 
saveriuen  köppfen,  daz  ist  ain  rainnes  hertze,  daz  Got  in  im  hat  und  mit 

im  frölich  umb  gat  und  mit  im  uf  und  nider  gat  und  in  durch  enhain 
ding  lat  und  dem  laid  ist  allü  missetat  und  nit  entüt  an  Gottes  rät 

Zü  andren  tugenden  die  der  mentsch  hat,  so  sol  er  sich  flissen  sunder- 
bar  fünf  tagend,  dü  erst  ist:  swenn  du  an  din  gebet  gast,  daz  du  dinü  ogen  20 
und  din  ussren  sinne  besliessist,  und  ker  denne  alle  din  gedenke  und  din 
girde  krefteklich  an  Gotte,  dü  ander  ist:  swaz  unser  herre  tüge,  daz  dich 
daz  allez  gut  dunk  und  daz  ez  din  wille  si,  won  dez  sint  wir  schuldig,  dü 

dritte  ist  daz  du  dich  flissist  daz  du  allü  dinü  ding  tügist  in  rehter  demüt. 

dü  vierde  ist  daz  du  dich  flissist  daz  du  gedul/i4M*/tig  sigist  in  diner  arbait.  25 
dü  fünfte  ist  daz  du  allez  daz  du  tügest,  daz  du  daz  anvahest  und  vollen- 
dest in  ünsers  herren  namen. 

Dar  nach  solt  du  dich  flissen  drier  tugend  in  allen  dinen  werchen.  dü 

erst  ist  Gottez  vohrte:  daz  du  gedenkest  daz  ünser  herre  mit  sinen  güt- 
lichen ogen  din  lip  und  din  sele  luterlich  schowet  dü  ander  ist  demüt:  so 

1.  dar  zu  n.  me]  noh  me  loncs  G.  2.  mehtin  für  bringen  G.  3 f.  Der  — Christas]  Der  dritte 
win  der  uf  der  wnniclichun  insegidc  wahsit  . daz  waz  der  gewrzte  win  [nach  win  hat  Z:  was  ist 
abir  der  gewürzete  win) . daz  ist  der  küniginnc  kint  . s.  imeriun  . div  raine  menschait  ihu  xpi  G. 

4 f.  sint  — edlesten]  ist . die  wrza  merchint  ansiner  manicualtigun  tuginde  . Zwo  edile  G. 
bf.  daz  ist]  Von  bimilriche  G.  6.  und]  Von  ertricbe  G.  do]  so  G.  7 f.  Got  d.  ew.)  der 
ewige  got  G.  9.  dv  A.  ewikait]  wisliait  G.  wisshait]  ewichait . vO  G.  10.  win  den  sch.  G, 
ebenso  15.  11.  dv  A.  nach  Gotte]  div  kivschichait  lerent  (lebent  Z t vn  liebint  . vfl  da  von 

der  m fesche  kivschc  wirt  G.  13.  üns]  dir  beidemal  G.  15.  raizät  dich  G.  (liest  A. 
tiss]  in  G.  16.  saphiren  G.  rainis  ufl  ain  stelich  herce  6.  18.  ding]  sache  G.  19.  der 

szelige  m.  G.  er  s.)  sich  der  mensclie  G.  20.  dü  erst]  daz  G.  22.  andir  tugint  ist  G, 
ähnlich  23  f.  tfit  G.  23.  scliuldich  . swaz  unsir  herre  tü  daz  unz  daz  alliz  güt  dunche  G. 

25.  vierde  tugint  daz  ist  G.  26.  dü]  Daz  G.  daz  du  nach  ist  fehlt  G.  29.  uorhte  . vfl 
daz  G.  30.  andir  tugint  daz  ist  G. 

16—18.  Jkfan  beachte  die  Schlufireimc. 


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296 


64.  Von  unser  vrowen. 


won  alz  vil  wil  dich  unser  herre  erhöhen,  alz  verre  du  dich  demütigest, 
du  dritte  ist  daz  du  an  allen  dinen  werchen  so  du  tügist,  alwegent  ge- 
denkest waz  Got  dar  an  aller  liebst  und  aller  loblichest  si,  daz  du  daz 
fügest. 


5 [65. ) Von  der  bezaiclwung  Gottez  nanien. 

Unser  herre  hat  müngen  namen  die  bezaichenlich  sint. 

Der  erst  haisset  ‘Emanuel’,  daz  sprichet:  ‘Got  ist  mit  uns’,  und  höret 
reht  zü  der  kündung  unsere  herren,  do  er  die  mentschait  an  sich  nam  von 
der  user weiter  magt,  [ 184CJ  der  hochgelobten  künginnen  sant  Marien;  won  do 
io  begunde  er  mit  uns  ze  sinde  in  der  mentschhait,  alz  er  och  selb  sprach  daz 
er  mit  uns  sin  welle  unz  an  daz  ende  der  weite. 

Der  ander  nam  haisset  ‘admirabilis daz  sprichet  ‘der  wunderlich  Got', 
und  höret  zü  der  gebürt  unsere  herren;  won  du  waz  wol  wunderlich,  daz 
ain  tohter  gebar  ir  vatter  und  ain  umbewolnü  magt  ainen  man,  und  erschrak 
15  ir  selbes  nature  ab  dez  hohen  Gottes  gebürt,  den  si  an  dise  weit  gebar. 

Der  dritt  nam  haisset  ‘consiliarius’,  daz  sprichet  ‘ain  rätgeb',  und  höret 
zü  unsere  herren  predie,  won  er  lerte  und  riet  daz  man  im  nach  volgetL 

Der  vierde  haisset  ‘deus’,  daz  sprichet  ‘Got’,  und  höret  zü  den  zaichen 
unsere  herren  du  er  tet  uff  ertriche,  die  nieman  getün  mohte  won  er  allaine. 
20  Der  fünfte  haisset  ‘fortis’,  daz  sprichet  ‘stark’,  und  höret  rehte  zü  der 
marter  ünsere  [184d]  herren,  an  der  er  wol  zaiget  sin  sterki;  won  er  über- 
wand an  dem  erütze  den  tüvel  und  enband  uns  von  der  Sünden  banden,  mit 
den  wir  me  denn  fünf  tusent  jar  gebunden  warent. 


1.  wil  — demütigest]  du  dich  nidiirt  . also  uil  wil  er  dich  ho’hin  . Swcnnc  wir  gedenchen 
daz  unsir  herre  so  groz  ufi  so  gewaltich  ist  . vn  er  sich  so  gar  genidirte  dur  uusim  willen  . so 
mugen  wir  arniin  mcnschin  wol  gerne  uns  dein  (Hin  . dur  sinen  willen  . wan  wir  doch  von  so 
kranchir  nature  gcschaffin  sint  ß.  2.  ist  — 4 lögest;  tugint  ist  . daz  du  an  airoe  iegclichin 
werche  daz  du  tist . daz  du  wamaemest . waz  mäht  du  nn  an  disimc  werche  getün  daz  gottc  allir 
liebist  si  . vH  da  uon  unsir  her  an  dir  gelobit  werde  G WZ.  5.  Überschrift  fehlt  G,  IV  am 
Rande:  Scrino  XVIUI  und  weiter  unten:  Nomina  Christi,  Von  vnsers  herren  ihn  cristi  name  (rot)  Z, 
Up  den  hailgc  jairsdach  . vä  tzeyn  name  Phill.  6 fehlt  GZW.  7.  Der  erste  name  unsire 
herren  der  haizit  so  beginnt  GZW.  10.  er  fehlt  A.  16.  ain)  der  G.  bo’rit  rehte  ß, 
ebenso  18.  17.  won  — volgeti]  in  dien  er  daz  lerte . daz  man  clliv  dineh  laze  (sol  lazen  Z)  vn 

ime  uti  sinen  gebottin  nah  sol  uolgen  allaine  G.  18.  vierde  name  h.  ß,  ähnlich  20.  19.  ünsers  — 

tet)  div  vnsir  herre  tet  ß.  21.  er  wol  — 23  warent]  zaigitc  o.  w.  s.  st  do  er  sprach  . min 
sele  ist  bctrflbit  unz  an  den  tot  . vn  sprach  o’ch  . uatir  muge  ez  sin  so  irla  mich  dirre  rnartyr  . 
Herre  uatir  min  wille  werde  niht  . niuwan  der  dinc  werde . da  mitte  lacrtc  er  uns  . daz  wir  unsir 
gemfltc  sun  Cbirwindin  . vn  daz  widir  unsirme  hercen  ist  . da  zü  sun  wir  unsir  hcrce  bereiten  . 
daz  ez  unsir  wille  si  . vH  do  er  gebundin  wart  an  daz  niiee  . do  enbant  er  uns  uon  dez  tienils 
bandin  . mit  dien  wir  gebundin  waren  me  dennc  fivnftusint  inr  do  er  ungchundin  waz  ß. 


5.  Das  Stück  findet  in  G Bl.  WSa,  Z Bl.  123‘,  TV  Bl.  92’,  X Bl.  97-,  II  Ar.  29,  Phill. 
Bl.  113h  ; fehlt  Artendel.  7.  im  Ansehlufi  an  die  Isai.  9,  6 angeführten  Xamen.  11.  Matt.  28,  20. 


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65.  Von  der  bezaichnung  Gottes  namen. 


297 


Der  sehste  nam  ist  ‘festina  spolia  predare’,  daz  sprichet  'ille  balde, 
balde  roben  die  röbe!’  und  höret  relit  zü  der  verte  die  dti  hailig  sei  ünsers 
herren  zü  der  belle  tet,  do  der  lip  in  dem  grabe  lag  vol  der  höhen  got- 
hait,  die  sich  nie  von  der  mentschait  geschiede;  und  nam  aber  du  hailig  sei 
den  rob  den  der  tüvel  da  vor  mängen  jaren  genomen  hatte,  daz  warent  die  5 
hailgen  seien. 

Der  sibend  nam  haisset  'pater  futuri  seculi’,  daz  sprichet  ’ain  vatter  der 
künftigen  tcelt’,  und  höret  reht  zü  der  urstendi  ünserz  herren,  mit  der  er 
uns  kunt  tet  daz  ewig  leben  libes  und  seien  uns  künftig  ist.  es  warent 
vor  im  uf  gestanden  vil  [185’ ] toten;  die  stündent  aber  uf  also  daz  si  aber  io 
müstent  sterben,  er  stünt  aber  also  uf  daz  er  nit  me  sterben  sol,  er  sol 
iemer  me  leben:  da  von  ist  er  wol  ain  vatter  der  künftigen  weit. 

Der  ahtend  haisset  ‘princeps  pacis’,  daz  sprichet  'ain  fürste  dez  frides’, 
und  höret  wol  zü  der  ufverte  ünsers  herren;  won  er  waz  do  wol  ain  fürste 
dez  frides,  do  er  sin  vigiud  ze  hymel  mit  im  furte  und  da  ain  stAten  sün  15 
machte  enzwüschent  dem  vatter  und  dem  mentschen,  dü  iemer  stAt  sol  sin 
An  ende. 

Der  nünde  haisset  'Christus’,  daz  sprichet  'der  gesalbet’,  und  höret  wol 
zü  dem  phingsttage,  do  ünser  herre  sin  hailgen  gaist  sante  den  jungem  und 
sinen  erwelten,  der  da  ist  ain  ewig  salb  aller  hertzen.  20 

Der  zehend  name  haisset  'Jhesus',  daz  sprichet  'ain  behalter’,  und  höret 
wol  zü  dem  jüngsten  tage,  so  er  behaltent  wirt  die  sin  erwelten  sint.  [185’] 


1.  ist)  haizit  G.  1 f.  illc  b.  b.)  rehte  vle  G.  balde  baido  fehlt  Z.  2 f tinsers  h.  fehlt  G. 

3.  tet)  fftr  G.  der  hailige  lip  G.  5 f.  da  — seien)  gcnomin  hate  da  uor  uor  m.  i.  an 
manigir  scho’nir  sele  . die  edilin  stainc  die  nam  er  alle  . vn  alliz  daz  er  gfites  vant  G.  8.  velt  A. 

9.  (ins  k.  ist  fehlt  G.  10.  abir  alle  vf  G.  11.  nach  aber)  niht  also  vf . er  stfint  G. 
nit]  niemir  G.  12.  me  cwiclieho  leben  G.  13.  ahtode  name  h.  G.  ain  fehlt  G.  14.  wol 
fehlt  G,  ebenso  18.  22.  15.  himilrichc  G.  16.  und  d.  m.]  der  ho'hun  gothait  . vn  der 

menschait  G.  18.  nivnde  name  der  b.  G.  spr.  rehte  G.  19  f.  dem  — hertzen]  der 
hobgezit  do  unsir  herre  den  hailigen  gaist  sante  sinen  iungircn  . vndo  sinen  erwelten  . der  da  ist 
ain  ewjgiv  salbe  . mit  der  salbun  salbotc  er  sine  iungiro  an  dem  phinkistago  . vn  o'ch  noch 
hivtc  t6t  . so  salbote  er  siniv  liebin  kint  . mit  sime  hailigen  gaistc  . vH  enzündit  ir  (er  ir  Z) 
herce  . vnde  entlivhtct  ir  tnginde  vfi  sterckte  siv  an  allen  gfltcn  werchin  mit  der  sfizun  salbe  sincs 
hailigen  gaistes  G.  21.  ain  fehlt  G.  22.  er  fehlt  A.  alle  die  sine  GZ. 


1.  im  Anschluß  an  Isai.  8,  1.3.  18.  21.  r gl.  Matt.  1,16. 


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298 


68.  Von  dricr  Lande  ficken  der  sele. 


[66.]  Fon  drier  hande  fleken  der  sele. 

[Domine  quis  habitabit  in  tabemaculo  tuo  etc.] 

'Herre,  wer  sol  wonen  in  diner  pfallentz  und  wer  sol  rüwen  uff  dim 
hailgen  berge?’  suss  fraget  der  wissag  ünsern  herren.  dez  antwürt  im  unser 
5 herre  und  sprach:  ‘daz  sont  alle  die  sin  die  an  fleken  sint\ 

Drier  hand  fleken  sint:  der  erste  ist  der  den  wir  geerbet  hant  von 
ünserm  ersten  vatter  Adam,  und  den  nimet  der  töf  ab.  der  ander  ist  höbet 
sünde,  der  die  hat.  der  dritte  ist  tägliche  Sünde,  alle  die  die  dirre  drier 
fleken  änig  sint,  die  werdent  wonent  und  rüwent  ufl’  minem  berge, 
io  Do  der  wissag  die  antwürt  ünsers  herren  vernomen  hatte,  do  sprach  er 
hin  wider:  ‘sit  dem  also  ist,  so  wil  ich  mich  gern  hüten  vor  disen  fleken 
baidü  der  höbet  Sünden  und  och  der  täglichen’,  swer  sich  da  vor  behütet, 
der  tüt  grösser  zaichen  denn  ob  er  ain  toten  uf  macheti  stände,  sprichet 
sant  JeronimU8,  und  gewinnet  och  drie  nütze  da  von.  der  erst  [185]  nutz 
15  ist  daz  in  Got  selbe  mit  sinem  munde  lobet,  und  alle  die  in  hymelriche  sint, 
und  die  lüte  alle  dar  zü  die  uff  ertrich  sint,  die  ez  an  dir  wissen t oder 
die  ez  vernement,  die  lobent  dich  dar  umbe  und  sint  dir  dester  hölder.  daz 
ander  ist  daz  ällü  dinü  wort  und  dinü  werch  Got  löblich  sint  und  anpfellig, 
und  hant  so  grosse  kraft  vor  sim  antlütz  und  in  sinen  oren  daz  er  allez 
20  daz  müz  tun  dez  du  in  bittest  rehter  dinge,  der  dritte  ist  daz  din  sele 
alz  zehant  so  si  von  dem  libe  gescbaidet,  varend  wirt  für  daz  wunnenklich 
antlütz  ünsers  herren  und  ersiht  sich  denne  in  dem  gütlichen  Spiegel  iemer 
me  an  ende. 


1.  Überschrift  fehlt  G,  der  wissago  (rot)  Z,  1F  am  Bande:  Sermo  XX.  2.  Der  lat  Text 
fehlt  A,  Der  wiasage  Bp'chj  Domino  — etc.  Er  uragete  vnBim  herren  . vndc  sprach  GZ.  3.  Herre 
sp‘ch  er  wer  G.  diner]  dirre  G.  sol  bi  dir  rüwen  G.  4.  suss  — herren  fehlt  G. 

5.  sin  fehlt  G.  6.  Drier  — ist  der]  die  ane  den  viechin  sint  GZ.  7.  die  A.  7 f.  und  — t. 
sünde]  daz  ist  der  vlcche  den  vns  der  to’f  abe  nimet . d.  a.  vleehe  . daz  ist  der  vlcche  der  ho’bit 
sündon  . daz  dritte  vlcche  . daz  ist  der  vlccke  tegeiiebir  Sünden  G.  9.  werdent  — 1 1 ist]  snn 
bi  mir  wonen  in  minir  phallinzc  vfi  suu  bi  mir  rüwen  vffen  m.  hailigen  b.  do  antwrte  ime  der 
wissage  unde  sprach  . Herre  G.  11.  disen  — 15  lobet]  ho'bitsündon  . vn  uor  tegiiiehen  sün- 
don . so  waiz  ich  wol  herre  daz  dir  min  dienist  anphanclich  ist . vH  miuiv  werch  . vfi  daz  du  mich 
erest . dez  (alles  des  Z)  ich  dich  bitte  . Dauon  sprichit . s.  Jeronimus  . Mensche  hüte  dich  uor  ho'bit 
sündon  . vfl  nor  tegiiiehen  sündon  (svndcn  vndc  vor  allen  svnden  Z) . vfi  swie  du  dich  da  uon  (vor  Z\ 
hütest  . so  hast  du  uil  gro'zir  zaichin  getan  . denne  du  ainen  totin  machetist  lebinde  . vfl  ge- 
wnnist  du  o’ch  drie  lo’ne  dran  . die  uil  nutzbare  sint . der  erste  Ion  ist  . dich  lobit  got  selbe  m. 
s.  m.  G.  16.  Vnde  da  zü  alle  die  livte  die  vf  G.  17  f.  vemement  — sint)  uon  dir  uirne- 
mint  . die  müzen  dich  lo'bon  . vnde  dar  umbe  desto  ho'ldir  sin  . Der  andir  nutz  ist . elliv  diniv 
gütin  werch  . vfl  diniv  wort  div  sint  g.  I.  G.  20.  der  — 22  Spiegel]  Der  dr.  nutz  ist  . alse 
schiere  so  d.  s.  uon  dinem  munde  (libe  Z)  schaidet  . so  vert  si  zehant  f.  d.  vro'liche  a.  v.  h.  in 
dem  wuniclichin  spiegile  irsihst  du  dich  denne  GZ.  23.  me  fehlt  G. 

1.  Die  Predigt  findet  sich  in  G Bl.  105",  Z Bl.  124‘,  dessen  Text  G folgt,  W Bl.  94 , i?  Bl.  9 fr. 
H Br.  28  und  Cod.  Pal.  germ.  24  Bl.  257b  der  Heidelberger  Vniversitätsbibliotheh ; fehlt  Phili. 
A rundet  2.  Ps.  14, 1. 


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67.  Von  den  schaden  täglicher  sünde. 


299 


[67.]  Ton  den  schaden  täglicher  Bünde. 

Nun  sunderlich  schaden  emphahet  du  sele  von  täglichen  Sünden,  der  erst 
ist  daz  si  Got  gaischlich  nit  gesehen  mag  in  disem  libe;  won  reht  alz  der 
nebel  ierret  die  ussren  ogen,  daz  si  nit  gesehen  mugent  die  sunnen,  also 
ierrend  öch  [185*]  täglich  sünde  dez  hertzen  ögen,  daz  si  Got,  die  waren  5 
sunnen,  nit  gesehen  mugent.  der  ander  ist  daz  si  Gottes  nit  erkennent  noch 
enminnent  noch  er  sü,  alz  er  täti  ob  der  mentsch  sich  vor  täglichen  Sünden 
hüti.  der  drit  ist  daz  Got  dez  mentschen  gebett  nit  erhöret  swez  ez  in 
bittet,  alz  er  täti  ob  ez  sich  vor  täglichen  Sünden  hüti.  der  vierde  ist 
daz  dü  sei  masig  und  entrainnet  wirt  der  fünfte  ist  daz  der  tüfel  er-  io 

fröwet  wirt  der  sehste  ist  daz  Got  da  von  betrübet  wirt.  der  sibend  ist 

daz  Got  ir  unhainlich  wirt.  der  ahtend  ist  daz  dü  sele  varen  müz  in  daz 
fegfür,  dez  si  nit  tätint  ob  si  sich  vor  täglichen  Sünden  hutint.  der  nünd 

schad  ist  daz  du  dester  lenger  müst  gesehaiden  sin  von  Gotte,  in  ainer 

kurtzen  zit  so  hat  der  mentsche  schier  verschuldet  daz  er  mängen  tag  in  15 

dem  vegfür  müz  sin,  da  ain  tag  [186']  tusent  jar  lang  ist.  ez  sint  nüt  nün 
schaden  allaine,  ez  ist  mänig  groz  schade  den  dü  arm  sele  da  von  enphahet 
daz  si  sich  nit  hütet  vor  täglichen  Sünden. 

[68.1  Wie  Got  ln  den  mentschen  slge. 

[ Manet e in  me  et  ego  in  vobis.J  20 

‘ßelibent  in  mir,  so  blib  ich  in  üch’,  sprach  ünser  herre  zu  sinen  jungem. 

Nu  sont  ir  merken  daz  wir  in  Got  nit  mugent  hüben  alz  er  in  üns, 

1.  Überschrift  fehlt  Z.  2.  Nün  — sclej  Ejrotjz  »int  nün  svnderlicho  Sache  . die  die  armen 
seien  enpbahcnt  Z.  1 1.  Der  sehte  schade  ist  . Swerme  sich  der  mcnsche  virluzenliche  haltet 
mit  Worten  aide  mit  werken  . swa  mitte  der  mensche  den  lvten  böse  bilde  git  . da  von  si  ge- 
büsert  werdont  Z.  12.  nach  wirt)  swcnne  er  siht  das  sin  geniahelc  des  tüvils  spot  wirt  Z. 

16.  Sünden]  hüte  sich  der  vor  vppikeit  raundes  vH  herccn  vnd  libis  . so  wirt  ime  got  heinliche 
vfi  sin  sele  tugenden  ricbo  Z.  19.  Überschrift  fehlt  G,  von  vns'mo  herrcn  (rot)  Z,  11’  am  Rande: 
Scrmo  X1I1I.  df:  A.  20.  Der  lat.  Text  fehlt  A,  Vnsir  herre  spricliit  indeme  ewangelio  zo 
einen  inngiron  . Mancte  i.  m.  e e.  i.  v.  GZ.  21.  sprach  — jungem  fehlt  GZ. 

1.  Das  Stück  findet  sich  nur  in  Z Bl.  146“  hinter  den  andern  Predigten;  fehlt  jetzt  in  G,  t co 
es  ursprünglich  wohl  an  derselben  Stelle  stund  wie  Z;  vgl.  auch  das  Stück  in  St.  Georg.  37  Bl.  36 
(Langin  S.  6)  der  Karlsruher  Hof-  u.  Landesbibi,  und  Cod.  Pal.  genn.  28  fol.  Sfi1*  der  Heidelberger 
Universitätsbibi.;  sodann  das  4.  Stück  der  in  Zeitschrift  für  deutsches  Altertum  Bd.  40  S.  221  f.  er- 
wähnten Hs  der  Straflburgcr  Stadtbibi.  (Hs.  835  Bl.  53")  «.  Pfeiffer- Strobl,  Berthold  v.  Regensburg 
II,  258  Z.  27 ff.  u.  693  Z.  18  ff-  — Nach  Mitteilung  von  Ihr.  Adolf  Spanier,  Gieflen,  finden  sich  ferner 
ähnliche  Stücke  in  St.  Georg.  78  fol.  145'  der  Hof-  u.  Landesbibi,  ru  Karlsruhe;  königl.  Bibi.  Stuttgart 
cod.  theol.18  fol.235' ; Stadtbibi.  Kolmar  268  fol.177';  Basel,  Universitätsbibi.  B IX  15  fol.  237' 

O.  I.  19  fol.  31 ’.  — Der  Text  von  Z weicht  in  einigen  Punkten  von  A ab,  so  im  6.  7.  Punkt.  Der 
8.  Punkt  in  A ist  gleich  dem  7.  in  Z;  der  9.  mm  8-,  der  6.  — 9.  19.  Die  Predigt  steht  in  G 

Bl.  106“,  Z Bl.  125“,  W Bl  76,  N Bl.  78’,  H Nr.  26;  fehlt  Phill.  Arundel.  Vgl.  auch  Cod.  Pal. 
germ.  24  fol.  257 ‘ der  Heidelberger  üniversitätsbibl.  — Nach  G (das  iric  Z im  Wortlaut,  nicht  der 
Sache  nach  stark  von  A abweicht)  gedruckt  bei  Wackernagel  S.  539.  20,  Joan.  15,4. 


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300 


6S.  Wie  Got  in  den  mentschen  sige. 


wir  enmugent  nit  gesclilieffen  in  sin  nature.  aller  creatur  ist  also  geordenet 
daz  euliaiüü  in  die  andren  gescliliefen  mag,  won  daz  aine  vil  höher  und  edler 
ist  denn  du  ander;  und  aller  der  creature  so  ie  geschaffen  wart,  so  ist  dehain 
creature  so  hoch  und  so  edel  alz  du  sele,  und  dar  umbe  enmag  si  in  nit 
5 gelliessen  und  enmag  mit  nüti  won  mit  gütlicher  nature  werden  erfüllet,  nu 
möhtint  ir  sprechen : wie  mag  daz  sin  daz  dü  höbet  sünde  der  [I86h]  sele  so 

grossen  schaden  tut  und  si  also  swär  machet  daz  si  vallet  in  die  tüfen 

helle,  und  dü  sünde  doch  nit  flüsset  in  sü?  daz  sont  ir  wissen  daz  sich  dü 
sünde  klaibet  an  die  sele,  daz  si  von  der  sünde  ir  schöni  verlüret.  dü 
io  sünde  henket  sich  allumbe  an  die  sele,  das  si,  swie  liht  si  ist,  so  swür  wirt 
daz  si  in  der  helle  abgrund  vellet. 

Ir  sont  och  merken  daz  wir  in  Gotte  anders  nit  bliben  mugent  won  in 

sinen  gebotten  und  in  sinen  hulden.  er  sprichet  also  in  dem  ewangelio:  ‘daz 
ist  min  gebott  daz  ir  enander  minnent,  alz  ich  üch  geminnet  han'.  daz  und 
15  ander  sin  gebott  sont  wir  flisseklich  behalten,  so  blibent  wir  in  sinen  hulden 
und  in  siner  minne.  blibent  wir  also  in  im,  so  belibet  er  öch  in  üns. 

Ünser  herre  blibet  in  üns  alz  dü  sunne  in  dem  lüfte,  dü  sunne  blibet 

in  dem  lüfte  untz  daz  si  dü  naht  vertribet.  bi  der  naht  ist  bezaichent  dü 

sünde,  dü  och  ünsern  lierren  vertribet  ez  geschiht  öch  /186’J  dike  also  daz 
20  dü  sunne  in  dem  lüfte  ist,  und  git  doch  nit  liehtes  uff  daz  ertrich;  daz  ist 

so  ain  wolk  drüber  gat,  und  hat  si  doch  nüt  in  ir  selbe  dester  minder 

kraft,  also  geschiht  dem  mentschen  dike  daz  ain  anvehtung  über  sin  hertze 
gat  oder  ain  betrübde  oder  von  täglichen  Sünden  ain  wolkelin,  daz  dü  sunne 
der  gnaden  nit  schinnen  lat,  und  ist  doch  ünser  herre  nit  dannen  gevarn; 

25  er  ist  allez  an  in  der  sele  untz  daz  in  die  höbet  süude  dannan  tribet  ez 

geschiht  aber  dike  daz  ain  wölken  über  dez  mentschen  hertze  gat  der  alz 

vinster  ist  und  alz  dik  daz  er  die  sunnen  gar  vertemret,  daz  man  si  all 

dur  den  tag  reht  als  nahtes  niemer  gesiht:  und  alz  vertemeret  och  etwenne 

1.  geflicsin  G,  ebenso  2.  ist  da z reht  vfi  ist  G.  2.  cnbain  creature  G.  2 f.  b6her  — 
ander]  ho’hire  edili  mflz  han  . Vndo  div  andir  gwecbire  . also  gint  alle  creature  gefüget  G. 

3.  so  io)  div  ie  G.  4.  hoch  — alz]  hohir  edili  so  G.  dar  umbe]  da  uon  G.  si|  div 
sele  G.  5.  und  enm.]  Wan  si  ist  ob  allir  creature  geschaffen  . vfi  e.  dir  sele  6.  6.  daz  sin] 

sich  daz  gefagin  G.  7.  schaden  fehlt  A.  sich  A.  S.  sä)  die  gcio  G.  10.  benehmt  G. 

allumbe]  in  allcnthalbin  G.  10  f.  das  si  — vellet]  daz  div  Übte  sele  also  swerr  wirt . daz  si 
uon  der  swseri  uellit  indaz  tieffe  apgrunde  G.  12.  Ir  — mugent]  Nu  sunt  ir  nierchin  an  dien 

ersten  »orten  . daz  unsir  herre  spriebit  . Belibint  in  mir  so  belibe  ich  in  iv  . nu  merehint  wie 

wir  ingottc  mögen  bcliben  . wir  mugin  andirs  nivt  in  ime  beliben  G.  17.  Ünser  b.  bl.]  Wie 
b.  u.  b.  G.  17  f.  dü  — lüfte  fehlt  A.  IV  daz  fehlt  G,  ebenso  25.  IS/',  bi  — herren)  also 

belibet  unsir  herre  in  der  sele  . unz  in  div  naht  der  ho’bitsündcn  G.  21.  drüber]  drnndir  G. 

2t  f.  und  — kraft]  so  enhat  div  sunne  niht  desto  minre  kraft . in  ir  kraft  . vti  engit  doch  niht 
iiehtis  G.  22.  kreftig  A.  22  f.  ain  träbis  wolchin  übir  sin  herce  gat . ain  anurhtung  . odir  G. 

23.  tsegilichir  sünde  ain  wolchin  übir  gat  . daz  G.  24.  lat]  mach  G.  26.  der  — 
301, 3 hcrrel  daz  div  sunno  der  gnade  niht  krefticlicbc  geschinen  mach  . Kr  G. 

13  f.  Joan.  IS,  12.  17  ff.  tum  Aufbau  des  Stückes  vgl  eine  ähnliche  Behandlung  oben  S.  SSf. 


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63.  Wie  Got  in  den  mentschen  sigc  301 

die  gnade  unsere  herren  ain  unrain  gedank,  also  ain  gedank  da  der  wille 
bi  ist. 

Ünser  herre  blibet  öch  bi  uns  alz  du  sunne  in  dem  glas,  du  sunne 
schinnet  in  daz  glas  und  wirt  fl86d]  ez  von  ir  schine  schone  und  vol  dez 
glantzes,  und  siht  man  die  sunnen  durch  daz  glas.  und  also  schinnet  öch  5 
ünser  herre  in  die  sele  und  zertüt  sin  gnade  in  ir,  also  daz  man  uswendig 
an  dez  mentschen  werchen  wol  siht  daz  unsere  herren  gnade  inwendig  ist 

Er  blibet  och  in  uns  alz  daz  für  in  dem  isen.  so  das  für  zerflüsset  in 
dem  isen,  so  wirt  daz  isen  schöne  und  wirt  gold  gelich.  ez  wirt  also  linde 
daz  man  dar  us  machen  mag  swaz  man  wil.  alz  lind  wirt  ez  daz  man  io 

wol  ain  insigel  drin  druket.  ez  wirt  och  alz  zähe  daz  man  ez  vil  kume 

zerbrechen  mag.  ez  wirt  och  also  vorhtlich  daz  man  ez  nit  getar  an  gerüren 
mit  blosser  hande.  ze  glicher  wis  wirt  och  dü  sele  ane  müsse  schöne,  so 
ünser  herre  mit  siner  gnade  in  si  geflüsset,  und  wirt  gerainnet  von  den 

sünden.  si  wirt  och  also  linde  und  alz  [187a]  senfte  daz  man  uss  dem  15 

mentschen  machet  swas  man  wil,  alz  gehorsam  wirt  er.  und  druket  ünser 
herre  zwai  insigel,  das  ist  zwai  zaichen,  in  si:  daz  ain  daz  er  ir  schepher 
ist;  daz  ander  daz  er  ir  löser  ist,  und  git  ir  daz  ze  erkennend,  si  wirt 
och  also  stark  daz  si  der  tüvel  nit  mag  überwinden  an  dekainer  bekorunge. 
si  wirt  och  alz  edel  und  als  vorhtsam  und  alz  dur  lühtig  daz  si  der  tüvel  20 
niemer  getar  an  grifen  mit  blosser  hand,  daz  ist  flaischlichü  girde  und 
flaischlichü  anvehttung.  er  bewindet  aber  die  hand  mit  gaischlicher  bekorung 
und  grifet  si  da  mit  an,  daz  ist  an  dem  globen  und  an  der  züversiht 
und  mit  andren  gaischlichen  dingen. 


3.  bi]  in  G.  4.  ez  von  ir]  daz  glaz  uon  der  gunnvn  G.  schine  fehlt  A.  4 f.  vH 
wirt  och  d.  gl.  uol  G.  5.  man  dennc  die  G.  und  alsol  also  G.  öch  fehlt  G. 

6 f.  und  — ist]  vnde  alse  div  sunne  zirvlivzet  indemc  glase  . vfi  ir  glanz  da  ine  zirtät  . also  zir- 
vlivzit  unsir  herre  got  in  der  sele  . Vnde  alse  man  der  sunnvn  glanz  siht  dur  daz  glas  . also  siht 
man  uzwendich  au  des  mcnschin  wcrchin  . daz  unsirs  herren  gnade  in  der  sele  inwcndich  ist  zir- 
vlozin  G.  8.  Er]  Unsir  herre  G.  9.  scho'nc  uon  demo  ffire  . u.  w.  rohte  goldc  g.  also 
wirt  ez  dur  livhtet  uon  demo  füre  . ez  wirt  o’ch  alse  G.  10.  alz  — ez]  Ez  w.  o’ch  a.  1.  G. 

12.  getar  — 14  wirt]  an  gegriffen  mach  m.  blozcn  handin  . Div  sclbin  fivnf  dinch  div 
sint  bezaichinlich  an  der  sele  . so  unsir  herre  insi  viivzit  . So  wirt  si  scho’nc  a m.  von  deme 
minniclichcn  invluze  . wirt  si  G.  15.  si  wirt]  div  sele  w.  G.  uss]  uon  G.  16.  macbot 
wol  swaz  G.  alz  — 19  stark]  Daz  mcnschc  wirt  alse  gclnifinich  . unde  alse  gehorsam  daz 
man  mit  imo  tflt  swaz  div  gchorsami  wil  . Div  sele  wirt  o'ch  also  linde  . von  deme  gotlichin 
invluze  . daz  unsir  herre  zwai  insigil  drin  drucliit  . er  druebit  ein  insigil  indie  sele  daz  c.  i. 
sch.  i.  daz  er  si  echftf  nah  simc  gotlichin  bilde  . vnde  git  der  sele  zirkenninne  ir  grozun  wir- 
dichait . Er  druchit  o’ch  sin  ingesigil  in  si  daz  er  ir  irlo’ser  ist . vnde  git  ir  dar  an  zirkenninne  . 
daz  si  imc  also  liep  waz  . daz  er  si  mit  nivto  woltc  lo’sin  . wan  mit  simc  tode  . er  wolle  sterbin 
dur  daz  Bi  lebindich  wrde  . Div  sele  w.  o\  a.  st.  so  unsir  herr  ln  si  geulivzet  G.  20.  u.  alz 
durl  ] daz  si  also  durlivhtet  G.  22.  anvehtungc  da  mitte  getar  er  si  niernir  an  gegriffen  G. 
mit  — 23  daz]  vH  griffet  si  vil  wol  an  . daz  ist  also  er  griffet  si  an  mit  g.  b.  vH  mit  gaistlichen 
dingen  daz  G.  23.  der  fehlt  G.  24.  dingen  . daz  ist  also  da  mitte  bewindit  der  tieuil  dio 
hant  . vfi  griffet  si  an  mit  gaistlichir  anvehtunge  GZ. 


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302 


69.  Von  unser  vrowcn. 


169.1  Von  ünser  vrowen. 

[Ego  quasi  vitis  fructificavi.] 

Unser  vrowe  gelichet  sich  ainer  frnhtbaren  rebun,  und  du  reb  bat  siben 
bletter,  und  du  siben  bletter  bezaichent  [187*]  siben  wort  die  si  sprach. 

5 Daz  erst  sprach  si  do  der  engel  Gabriel  zü  ir  kam  und  ir  kunte  du 

hohen  und  • du  werden  mAre  daz  si  müter  solte  sin  dez  hohen  Gottes.  do 
sprach  si  daz  wort  und  antwurt  im:  ‘nu  sage  mir:  wie  mag  daz  sin?  ich 
erkenne  doch  mannes  nit\  do  sprach  der  engel:  ‘du  solt  erfüllet  werden  mit 
dem  obrosten  güte  und  solt  besehätwet  werden  mit  dem  hailgen  gaiste*. 
io  Do  antwurt  si  dem  engel  und  sprach  daz  ander  wort:  ‘ich  bin  ünsers 

herren  dirne,  nach  dim  worte  geschehe  mir',  da  ögte  si  ir  grosse  demüt 
und  wart  zwüschent  zwain  hohen  bergen  ain  tüfez  tal,  daz  waz  entzwüschent 
der  gothait  und  ir  künschkait. 

Daz  dritte  wort  daz  waz  der  minneklich  grüz  den  si  tet  ir  niftlen  sant 
15  Elzbethen,  won  si  grüste  si  mit  hertzen  und  mit  munde  und  gie  zu  ir  uff 
den  berg,  da  si  swanger  wart  sant  Johansen  dez  töfere,  und  diente  ir  zü 
ir  kinde. 

Daz  vierde  / 187' ] wort  daz  sprach  si  do  si  ir  ainges  kint  verlorn  hatt 
dry  tag.  do  sücht  si  in  mit  grossem  jamer,  und  do  si  in  vand  in  dem 
20  tempel,  do  sprach  si:  ‘owe,  trntes  min  kint,  wie  hast  du  uns  suss  getan?  ich 
und  din  vatter  Joseph  hant  dich  gesüchet  mit  grossem  laide’.  do  antwurt 
ir  ünser  herre  und  sprach:  'wip,  ich  bin  dar  umb  nit  uff  ertrich  komen  daz 
ich  iemans  willen  tüge  won  mins  vattere  allaine’. 

Daz  fünfte  wort  sprach  si  zü  sant  Johansen  brutlöf;  do  gebrast  da  wines, 
25  do  vordert  si  win  für  die  lüte,  die  da  trinken  soltent,  und  hatte  erbürmd 


1.  Überschrift  fehlt  G,  Von  vnserrc  vrowcn  sante  Marien  goltia  mit'  (rot)  Z,  In  vnser  vranwen 
anent  aaaQptio  Phill,  IV  am  Rand:  XXI.  Verba  mario.  2—4.  Vnair  vro'we  sprichit  alsus  non 
ir  aelbun  . Ego  q.  u.  fr.  Ich  bin  ain  fruhtba:riv  rebe  . Disiv  sOziv  vndc  disiv  edil  rebe  div  het  aibin 
blctir  . vli  bl  dien  aibin  blcttirn  eint  bezaichint  aibin  wort . div  sprach  div  geertriche  maria  GZ. 

4.  wort  fehlt  A.  5.  erste  wort  G.  hohe  engil  G.  6.  gottes  . der  da  ist  herre  nii  got  der 
tuginde  G.  7.  nn]  Quomo  (/  Quomodo)  fiet  istud  . Dv  (Nv  Z)  G.  sin]  geschehin  G.  8.  mannes 
nit]  enhainen  man  G.  mit]  uon  G,  ebenso  9.  9.  gOte]  gotte  G.  11.  dinen  werten  mnze 

mir  gesehen  G.  13.  gothait  — künsch.)  hohun  g.  undc  ir  übirmtezigun  k.  wan  si  waz  kivsche 
(ibir  menschliche  naturc  G.  14.  wort  daz  si  sprach  daz  G.  tet  ir]  sprach  zir  G.  16  dez 
tflfcrs)  Baptisten  G.  17.  kinde  . da  diente  der  herre  simo'knchtc  G.  18.  spr.  si)  div  hoh 
gelopte  künigin  spr.  daz  waz  G.  uirloz  . vll  uirlorn  hiete  G.  21.  laide]  hercen  scre  G. 

23.  iemans  — allaine]  dinen  willen  tflge . Ich  bin  dar  umbc  komm  . daz  ich  mins  natir  willen  Holle 
bringe  G.  24.  wort  daz  Bi  spr.  daz  waz  do  si  zesancte  J.  ewangelisten  br.  w az  . do  G. 
si  fehlt  A. 


1.  Das  Stüch  findet  sich  in  G Bl.  107 «,  Z Bl.  126‘,  W Bl  94',  X Bl.  99‘,  rhill.  Bl.  188*; 
fehlt  H,  Arundel.  2.  l'ccli.  34,23.  7 f.  Luc.  1,34.  10.  Luc.  1,38.  14.  r gl  Luc. 

1,  40  f.  20  f.  Luc.  2,  48  f.  24  ff.  vgl  Joan.  2,  3 ff. 


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ß9.  Von  (inner  vrowen. 


303 


über  die  die  si  ez  nit  b&tent,  alz  si  och  noch  hütint  diz  tages  hat;  won  si 
bittet  für  die  ir  liebez  kint  die  si  ez  nit  bittent. 

Daz  sechste  wort  sprach  si  zü  dem  selben  male;  wen  do  si  den  win 

gevorderte,  do  antwurt  ir  ünser  herre  und  sprach:  ‘wip,  waz  han  ich  von 

dir?  daz  zit  ist  noch  nit  komen  [187‘]  daz  ich  den  win  schenken  sülle  den  5 

ich  von  dir  habe’;  dar  umb  lie  si  nit,  si  lerti  die  amptlüte  waz  si  tün  söltint, 
und  sprach:  ‘tragent  uf  die  aimer,  und  tunt  swraz  üch  min  sun  haisset!’ 

Das  sibende  wort  sprach  si  do  ünser  herre  ze  liymel  für.  do  waz  si 
demütig  und  trurig.  do  sprachent  ir  fründe  und  ander  lüt  war  umb  si  sich 
selben  so  gar  verwürfe,  si  wäre  so  ain  edlü  vrowe  von  gebürt,  si  sölti  tün  10 
alz  ander  ir  fründ.  do  antwurt  si  und  sprach:  'ich  sol  wol  demütig  sin,  won 
min  demüt  zoch  Got  von  hymel  her  ab  und  twang  in  daz  er  die  kranken 
mentschhait  von  mir  nam.  ich  sol  och  trurig  sin,  won  min  hertze  liebez  kint 
von  mir  geschaiden  ist,  mit  dem  ich  vröde  und  wunne  hatte  und  haben  solte’. 

Sit  nu  ünsrü  liebü  vrowe,  alz  ir  hie  liant  gehöret,  nie  nüt  won  die  15 

rehten  notdurft  rette,  so  [188' ] sont  och  wir  üns  Hissen  daz  wir  nument  die 
notdurft  redegint,  won  aim  ieglichen  nmssigen  worte  müssent  wir  red  ergeben 
an  dem  jüngsten  tage. 


1.  si  ez]  si»  G,  si*  Z.  I f.  alz  — kint]  Zcgelichir  wiz  tüt  si  alle  tage  . wan  si  hat  irber- 
mide  öbir  nns  . vfl  bittet  noch  hivto  ffir  die  livto  G.  3.  spr.  — won]  daz  spr.  si  o'ch  z.  d.  s. 
brütlo'fto  G.  5.  schenken  sj  giezin  sol  G.  6.  wraz]  wie  G.  7.  und  spr.]  si  spr.  G. 

8.  Das  — spr.  si]  Da  na  G.  8 f.  do  w.  — trurig]  zi 1 simo  hailigen  vatir  . do  w.  si  gar  tr. 
unde  dcmatich  G.  10.  wa>re  ain  so  edil  G.  11.  antwurt  — 18  tage]  sprach  si  daz  »binde 
wort  . vn  antwrte  inen  vn  sprach  . 0 we  sol  ich  nivt  dcmatich  sin  . min  demütichait  staick 
doch  vf  dur  die  himile  . für  gottes  stfll  . uD  zoh  den  grozin  Got  uon  dien  scho'uen  engiln  . vfl 
uon  der  hohun  wirdichait  . vfl  kan  vffen  ertriche  . vn  nam  die  kranchun  menschait  uon  mir  . 
Vnde  twanch  in  dez  min  demüt  . Ich  sol  ioch  wol  iemir  trurich  sin  . sit  div  sunne  ir  schin  hat 
nirlom  . von  dez  ewigen  sunnen  scho'ni  . vfl  doch  der  sunne  der  gottes  sun  . den  tot  niht  lait 
dur  den  sunnen  . vfl  sich  ez  doch  der  sunne  also  harte  irkomiu  hat  . so  sol  ich  mich  wol  billich 
sincs  todes  irkomiu  . Wan  ich  waiz  daz  wol  . daz  er  den  tot  dur  mich  hat  irlittcn  . vfl  waiz 
daz  . daz  er  die  menschait  uon  mir  nam  . da  uon  müz  ich  wol  trurich  sin  uon  simc  tode  . Diz 
sint  div  sibin  blettir  an  der  win  rebun  . der  trübe  der  an  der  sclbun  rebun  whs  . daz  waz  div 
rainc  menschait  unsirs  herren  . ihu  xpi  . Also  sprichit  uusir  herre  uon  imc  selbnn  . Ich  bin  der 
trübe  der  da  allaine  in  der  trottun  lach  . an  deme  bittim  martyr  crüce  . der  win  der  an  disime 
trüben  waz  . daz  waz  div  hohe  gothait  unsirs  herren  gottes  . daz  waz  der  süze  kippirwin 
ikupphcr  win  Z ) . den  man  ze  himilriche  gar  vollidiche  schenchit  GZ.  16.  tettc  A. 

17.  won]  l.  won  von  ? (Hoethr).  iegliche  A. 


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304 


70.  Von  der  gothait  und  der  mentschait  unser»  her  reu. 


[70.1  Von  der  gothait  und  der  mentschait  unser»  herren. 

[Refloruil  caro  tnea.] 

'Min  lip  ist  wider  geblüget’,  sprichet  unser  herre  durch  dez  wis- 

sagen  munt. 

5 Ünser  herre  ist  glich  aim  blumen,  und  hat  der  bldme  sechs  bletter,  der 
sint  drü  au  siner  mentschait  und  drü  an  siner  gothait 

An  siner  mentschait  was  demüt,  künschi  und  gehorsami.  er  waz  der 
demütigest  meutsch  der  ie  wart  oder  iemer  werden  mag.  er  lebt  under  sinen 
jungern  alz  ain  kneht;  er  diente  inen,  und  si  nüt  im,  alz  er  selb  sprichet 
io  in  dem  ewangelio:  'ich  bin  under  üch  alz  ain  diener’.  sit  nu  der  hoh  Got 
so  demütig  waz,  so  mugent  si  sich  wol  schämen  die  hohfertigen  die  da  von 
bozhait  körnen  sint  und  [ 188lJ  ze  bozlmit  werden  sont.  er  waz  och  der 

rai nste  und  der  aller  künschost  mentsch  der  ie  geboren  wart  oder  iemer  me 
geboren  wirt  sinu  wort,  sinü  werch  und  ällü  sin  gebärde  und  allez  sin 
15  leben  waz  alz  reht  raine  alz  ez  solte,  won  er  waz  ain  Ursprung  aller  rain- 

kait.  er  waz  och  gehorsam  sinem  vatter  untz  an  den  tot  dü  gehorsami 

band  in  an  daz  erüze  und  schied  sin  sele  von  sinem  libe. 

An  siner  gothait  waz  gewalt,  schonhait  und  ewikait  und  ist  ietze  und 

Unsir  herre  sprichit  alsus  dur  dez  wigsagin  munt  David:  ‘refloruit  caro  mea'  . Er 
20  sprichet:  'min  lip  ist  widir  gebliiget’. 

Nu  sunt  ir  merchin  daz  unsir  herre  gelich  ist  ainem  blilmin,  und  hat  der  bldme 
gehs  blettir  . nu  sunt  ir  merchin  an  disem  blfimen  driu  blettir  an  sinre  g&zun  menschait 
und  oTch  driu  an  einer  hohun  gothait. 

An  siner  menschait  solt  du  merckin  demfttichait,  kiuschichait  und  gehorsami  . er 
25  waz  der  demütigoste  mensche  der  ie  geborn  wart . der  höbe  Got  der  waz  also  virsmabit 
daz  nie  enhain  mensche  so  armis  wart,  cz  enhetti  von  etweme  irbermide,  wan  dez  men- 
schin kint  der  waz  virsmahit  und  virworfen  . er  waz  o’ch  der  kiuschste  mensche  der  ie 
geborn  wart  odir  iemir  werdin  mach  . siniu  wort  unde  siniu  werch  und  sine  gebserde 
und  alliz  sin  lebin  daz  waz  also  raine  und  also  kiusche  als  ez  ze  rehte  solte;  wan  er 
3<)  ist  ain  Ursprung  allir  rainichait  . er  waz  oeb  gehorsam  sime  vatir  unz  an  den  tot  . diu 
gehorsami  bant  in  an  daz  crüce  und  schiet  ime  sine  sele  von  sime  libe  unde  st&nt  also 
jamirliche  daz  siner  rainun  mütir  ir  herce  mschti  brechin  in  ir  libe  . und  do  si  also 
jamirliche  stünt  bi  demo  crüce  und  also  herzicliche  sere  wainde  ir  lierceliebin  kindes  ser 
unde  sine  bittirlicbun  not,  do  sprach  unsir  herre:  ‘sihe,  liebiu  mütir,  wa  din  kint  stat’. 

1.  Überschrift  fehlt  G,  Von  vnsenne  h rc  Z,  IV  am  Hände  XXII'A  Item  van  deme  lyden 
vns  heren  Phi  II.  2.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  SO.  sinen  G,  sime  Z. 


1.  Die  Abhandlung  steht  in  G Bl.  108’,  dessen  Text  in  der  zweiten  Spalte  mitgeteilt  ist, 
Z Bl.  127‘,  MV  Bl.  96,  A Bl.  100",  U Sr.  21  (darnach  gedruckt  in  Haupt  s Zeitschrift  für  deutsches 
Altertum  II,  356),  Phill.  Bl.  164h  und  Cod.  Pal.  germ.  24  fol.  2581,  der  Heidelberger  Universitäts- 
bibliothek; fehlt  Arundel.  2.  Ps.  27,  7.  10.  Luc.  22,  27. 


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TO.  Von  der  gothait  und  der  mentachait  unsere  herreu. 


305 


weret  iemer  an  im  an  ende,  sinen  gewalt  den  mugent  wir  merken  an  der 
creature,  won  er  gewaltig  ist  hymelz  und  erde  und  dez  tiefen  abgrundez  und 
allez  dez  so  ie  wart  und  daz  iemer  werden  mag.  nieman  mag  sins  gewaltez 
zfi  aim  ende  körnen,  und  sim  gewalt  mag  nieman  widerstan.  sin  schonhait  ist 
so  groz  und  so  unmessig  und  so  unzallich  daz  da  von  ist  niht  ze  sprechenn;  5 
won  ällü  du  schonhait  dirr  weit  ist  wider  im  [188’ ) ain  vinstri.  ain  wis 
man  machet  im  ain  glichi  und  sprichet:  'der  alle  die  creature  mime  dü  ie 
wart  oder  iemer  wirt:  lüt,  holtz,  gras,  blümen,  gewant,  stain,  bain  und  allez 
daz  brünstig  sin  mag,  der  daz  allez  nämi  und  ain  für  dar  u<  macheti,  daz 
wurde  ain  unmässig  lieht;  und  der  denne  aiu  kertzen  enzunti,  reht’,  sprichet  io 
er,  'alz  daz  kertzen  lieht  wäre  wider  der  brunst  aller,  also  ist  ällü  dü  schon- 

Mulier  ecce  filius  tuus’  . daz  waz  also  vil  gesprochin  als  er  gpneche:  ’sihj,  min  liebiu 
mfitir,  wie  ich  stan ; mir  sint  mine  füze  an  daz  crüce  geheftet  mit  dien  Bcharphen  nagiln, 
daz  ich  dich  niht  mach  gefüren  ze  herberge  . mir  sint  mine  hende  an  daz  crüce  ge- 
nagilot,  daz  ich  dir  dine  trehine  enphahin  niht  enmach  . mir  ist  min  blfit  gevlozin  von  15 
mime  hercen,  daz  min  munt  niut  mach  gesprechiu,  daz  ich  dich,  liebiu  mfitir,  muge  ge- 
tro'sten’  . und  sprach  er  doch  ze  sancte  Johannes:  'ecce  mater  tua’,  daz  waz  alse  vil 
gesprochin:  'sihe,  Johannes,  wa  diu  mfitir’;  rehte  als  er  spräche:  'si  het  ir  trost  und 
ir  liebiz  kint  virlom,  nu  solt  du  ir  sun  sin  und  soll  si  mfitirliche  tro’ston  . liebir  Jo- 
hannes, ich  bevil  dir  mine  liebun  mfitir  zainir  mfitir  . o we  liebiu  mfitir,  ich  bevil  hie  2o 

dir  minen  liebin  jungirn  Johaunezin  zaime  sune  ’ . o we,  nu  merkint  mütirlichiu  hercen 
wie  herziclicbun  we  Mariun  waz,  do  si  ir  kint  so  angistliche  sah  stau  an  deme  crüce 
und  si  den  kneht  nam  für  den  herren  und  den  jungirn  für  den  maistir  . nu  merchint 
wie  den  hohin  werdin  Got  diu  gehorsami  traip  an  den  tot  dez  crüces. 

Nu  hant  ir  gemerchit  drie  blümen  an  einer  süzun  menschait,  nu  merchint  o'ch  drie  25 

blümen  nu  einer  hohun  gotbait,  daz  ist  gewalt,  schonhait  und  ewichnit. 

, Sinen  grozen  gewalt  den  mäht  du  merchin  an  mnnigir  creature:  merche  daz  er  ge- 
waltich  ist  himils  unde  erde  unde  des  tiefin  apgriundes  und  alliz  des  dez  ie  wart  und  1 

joch  dez  niht  enwart  unde  daz  iemir  werdin  mach  . sinen  gewalt  enmach  nieman  volle- 
rechin , widir  ime  enmach  nieman  gesin , mit  ainte  worte  machot  er  wol  himil  unde  erde  30 
und  alle  creature  ze  niute ; mit  ainem  Worte  odir  mit  ainem  willen  machot  erz  wol 
widire : der  himil  unde  diu  erde  und  elliu  dinch  sint  beslozin  in  siner  hant 

Nu  merche  den  blümen  siner  scho’nhait  . sin  scho'ni  diu  ist  unmiezsich  zespre- 
chinne  und  untaillich  ze  rechinenne : alre  creature  schonhait  ist  rehte  als  ain  vinstiri 
widir  sinir  schonhait  . nu  merche  aine  gelichi,  die  git  uns  ain  wise  man  . er  sprichit : 35 
der  alle  die  creature  meme  diu  ie  geschaffin  wart  odir  iemir  wirt  unz  an  daz  urtailde, 
beidiu  holz  unde  liute,  gras  unde  blfimin  unde  gewant  unde  stain  und  bain  und  alliz 
daz  brünslich  sin  mach,  der  daz  alliz  meine  und  ain  für  druz  macheti,  daz  wurde  ain 
unmiezich  lieht,  und  der  denne  nicme  aine  kerzun  unde  die  enzunti:  rehte’,  sprichit  er, 

‘alse  der  kerzun  lieht  wtere  widir  der  brünste  allir,  also  ist  elliu  diu  scho’nhait  diu  in  40 


12.  mulier—  tuus  fehlt  IV,  Ecce  mutier  filius  tuus  richtig  Z.  27.  Miucn,  falsches  Initial  G. 
Deutsche  Texte  de«  Mittelalten.  X-  20 


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306 


70.  Von  der  gothait  und  der  mentschait  ünaore  herren. 


hait  du  in  hymelrich  und  in  ertrich  ist  und  nah  dem  jüngsten  tage  wirt, 
wider  der  götlichen  schönhait.’  sin  ewekait  ist  iemer  ewig,  won  er  ist  ie 
gewesen  än  angeng  und  ist  och  immer  an  ende;  er  wandelt  sich  nit  und 
nimet  och  nit  abe. 


5 [ 71. J Von  vier  haud  vroden. 

[Letare  Jherusalem  et  conventum  faeite  ete.J 

'Jerusalem’,  sprichet  Ysayas  der  wissage,  ‘vröwe  dich,  du  solt  gemachet 
werden  zu  ainem  eben  hellenden  convent  und  sont  zesamen  gefüget  werden 
mit  gütlicher  minne!  vrüwent  üch,  won  ir  sont  vergessen  alles  ü/i88'/wers 
io  laides  und  sont  gesettet  werden  von  den  brüsten  hwers  trostes!’  dar  nach 
sprichet  der  wissag  David:  'ich  bin  harte  vro,  won  ich  hab  giitü  mär  ver- 
nomen,  wir  sont  komen  in  iinsers  herren  hus*. 

An  disen  Worten  merkent  wir  vier  vrüde,  der  sich  der  wissag  vröwet, 
der  och  wir  uns  vröweu  sont. 

15  himilriche  unde  in  ertriche  ist  unde  wirt  nah  der  jungistun  urtailde  aide  u ratende,  widir 
der  gotlichun  scho'nhnit’. 

Nu  hant  ir  genierchit  den  blumen  gotlichia  gewaltes  unde  gotlichir  echo’nhait  . nu 
merchin  den  dritten  gotlichir  ewichait,  daz  er  ewich  ist,  dar  an  ist  enhain  ende  . also 
sunt  ir  wissen  daz  unsir  herre  Got  ist  ane  auegenge  unde  nne  ende : er  ist  iemir  ewic- 
20  liehe  noh  engenimet  niemir  enhain  ende. 


Der  wissage  Ysaias  sprichit : ‘letare  Jerusalem  et  conventum  faeite  etc.  vro’we  dich 
Jerusalem,  du  solt  gemachit  werden  ze  einte  ebin  hellinden  convent  und  sunt  zesamene 
gevogit  werden  mit  gotlicher  minne!  vro’went  üch,  wan  ir  sunt  vergezzen  allis  üwers 
leidig  und  allir  betrübede  und  sunt  gesattet  werden  von  den  brüsten  üwers  trostes!’  da 
25  nach  sprichit  der  wissage  David:  ‘ich  bin  harte  vro,  ich  habe  gfltü  mere  vernonten  . wir 
gun  komen  in  unsirs  herren  hus’. 

An  disen  Worten  sunt  ir  merkent  vier  vroiden,  der  sich  der  wissage  vrowe,  der 

5.  Überschrift  fehlt  G.  Ysaias  sp'chit  (rot)  Z,  TV  am  Rande:  Sermo  XX.  6.  Der  lat.  Tejrt 
fehlt  A.  6 f.  Letare  — dich]  Der  wissage  ysaias  sprichit  . Letare  L c.  c.  f.  etc.  Fro'wo  dich 
ierliii  GZ.  10.  laidis  . vB  allir  betrabide  G.  gesattot  wer/  letztes  Wort  in  G.  totles  .1- 

20.  So  enden  auch  ZW;  ein  schönerer  Schluß  in  11  (Zeitschrift  f.  d.  Altertum  II,  357 ).  21  ff.  Paral- 

leltext  aus  Z.  23.  allis  allis  Z.  25.  sprichit  sprichit  Z.  vernemen  Z. 

5.  Die  Predigt  steht  in  Z Bl.  128'1,  W BL  41',  A'  Bl.  47",  ist  wohl  identisch  mit  H Xr.  22 
(Wackemagel  S.  541)  mit  dem  Textspruch:  Incbriabuntur:  der  Anfang  auch  in  G Bl.  108* ; fehlt 
Phill.,  Arundel;  t gl.  auch  das  Stück  in  Hs.  St.  Georg.  37  Bl.  73'  (Ixingin  S.  7)  der  Karlsruher  Hof- 
und  I.andcsbibl.  — Von  hier  an  stimmt  A wohl  der  Sache,  aber  nicht  mehr  dem  Wortlaute  nach 
mit  Z und  XI’  überein.  A gibt  in  kur; er  und  guter  Weise  das  Thema  wieder,  während  Z 11  das 
Thema  breiter  nus fuhren . oft  so,  daß  der  Fortgang  desselben  darunter  leidet.  6.  inj  Anschluß 
an  Isai.  56,10 f.  11.  Ps.  121,1. 


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71.  Von  vier  hand  vr6don. 


3Ü7 


I)ü  erste  ist  da z wir  varent  von  dem  eilende  dirre  weite  in  die  vatter- 

lichen  hainmnt  dez  hyraelriches;  won  daz  ist  ünsrü  rehtü  liainmüt,  und  dar 
zu  sint  wir  geschaffen  daz  wir  ez  besitzen  sont  mit  ünserm  brüder  Jhesu 

Christo  als  unser  reht  erbe,  nu  sont  ir  wissen  daz  daz  reht  erbe  uieman 

besitzet  won  die  an  hopt  sünde  sint  von  dirr  weit  geschaiden ; die  aber  mit  5 
höbet  sünden  von  hinnan  schaident,  die  sint  nit  wirdig  daz  si  an  dem  erbe 
iemer  tail  gewinnent. 

o'ch  wir  uns  vrowen  sun  . wir  sun  uns  vrowen  der  gesellischefte  du  ist  wunneclich, 
lobelich  und  erberlich ; wir  sun  uns  vrowen  der  einmütikeit  und  der  vridebere ; wir 
sun  uns  vrowen  allis,  wan  wir  vergezzen  allis  des  leidis ; wir  sun  o'ch  uns  vrowen  io 
das  wir  gesattit  werden  von  den  brüsten  unsirs  trostes. 

So  sprichit  abir  ein  wisse  man : ‘ir  sunt  uz  varn  ze  der  himelschen  Jerusalem  alse 

ein  eilende  man  zü  der  heimüte’  . wir  mügen  uns  wol  vrowen  uf  die  hein  vart,  wan  wir 

varen  uzzir  dem  eilende  dirre  zerganclichen  weite  in  die  vattirlichen  heinmüte  . er 

sprichit  o'ch:  ‘ir  sunt  uz  varen  alse  ein  sun  uf  sin  rebtis  erbe’  . nu  sunt  ir  merken  15 
wer  die  sint  die  de  rehte  erbe  sun  besizzen : das  sint  alle  die  die  aue  houbit  sünde 
von  dirre  weite  scheident  . die  sun  die  himelschen  Jerusalem  besizzen,  das  ist  das  rehte 
erbe ; die  abir  mit  houbit  sünde  von  dirre  weite  scheident,  die  insint  niht  wirdik  das  si 
ietnir  teil  an  dem  erbe  gewinnen  . er  sprichit  o'ch:  ‘ir  sunt  uz  varen  alse  ein  brut  zir 
hein  leite*  . so  man  eine  liebe  brut  hein  leitit,  so  sieht  man  den  sumber  vor  ir  und  gigit  20 
unde  ewegilet  und  videllet  ingegen  ir,  und  mit  meniger  hande  seiten  spil  inphahit  man 
si : also  sun  o'ch  wir  inphangen  werden  ze  der  himelschen  Jerusalem , sprichit  der  wis- 
sage  : ‘die  bühele  und  die  berge  sulen  sich  vrowen  ingegen  uns  ’ . das  ist  also  vil  ge- 
sprochen : die  hohen  engille  und  die  hohen  heiligen  und  die  nideren  seien  vrowent  sich 

so  wir  ze  himilrichc  körnen  , da  von  sprichit  der  künig  David:  ‘Jerusalem,  du  solt  be-  25 
zimbert  werden  alse  ein  stat’.  das  er  sprichit:  ‘si  sol  bezimbert  werden  alse  ein  stat  , da 
bi  git  er  ze  merkenne  ‘obin  helli’;  das  er  sprichit  'ein  Btat*,  de  hillit  alse  vil  alse  ‘eben 
belli  der  bürgere  ’ . da  bi  sunt  ir  merken  das  alle  die  bürgere  ze  Jerusalem  habent  einen 
müt  und  eine  vroide  in  Gotte,  da  von  sprichit  der  wissage  Abacuc:  ‘min  gebeine  müzze 
vAlift  und  versweinen  und  ein  brutme  von  wärmen  müzze  under  mir  entspringen,  das  30 
ich  rüwe  an  deme  tage  der  betrübede  und  ich  uf  fare  mit  unserme  herren  ze  sime  Volke, 
semene  begurle  liute’  , er  irkande  wol  das  diu  geselleschaft  wunneclich  ist;  da  von 
wunschil  er  de  ime  also  geschehe  de  er  zü  gesellischefte  kerne  . er  wiste  o'ch  das  vil 
wol  das  ze  der  geselleschaft  niemun  in  mak  körnen  aue  grozze  arbeit;  da  von  wunschit 


S.  SUD  — vrowen  W,  fehlt  Z.  10.  I.  vr.  allis  an?  15.  sun  W,  fehlt  Z.  20.  d.  sumber] 
pauken  W.  29.  de  Z.  30.  vülin  u.  verew.l  w°li  versweinen  Z,  vaulcn  vil  verewinden  W. 

31.  herren  fehlt  Z.  volke  fehlt  Z.  31  /'.  der — liute]  in  d.  betr.  vnd  ich  auf  var  zü  vuserm 
begerten  volkchc  W.  32.  begur  Z. 


29  f.  Hnbae.  3,  16.  Die  Stelle  in  Z verderbt,  ist  die  Übersetzung  von:  ut  ascendam  ad  po- 
pulum  accinctum  nostrum. 

20» 


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308 


71.  Von  vier  hand  vrAden. 


Dü  ander  vröde  ist  daz  wir  werdent  varend  mit  geselscheften,  daz  [189‘ ] 
sint  die  wunueklicheu  engel,  die  uns  von  liinnan  laitent  werdent  an  dem 
ende,  so  sei  und  lip  von  enander  schaident  werdent. 

er  im  selben  der  arbeit  das  er  zü  der  geselloschefte  mellte  comen,  wan  er  o’ch  das  wol 
5 sviste  das  er  vergezzo  allir  einer  arbeit  so  er  ze  der  geselleschefta  kerne,  alse  der  wis- 
sage  sprickit  in  dem  ersten  Worte:  ‘vrowe  dich,  himelsche  Jerusalem,  du  soll  gemachit 
werden  ze  einte  eben  hellinden  convent  und  sunt  ze  samene  gevügit  werden,  ir  sunt 
rekte  zesamene  begiirtit  werden’:  swas  ze  samene  begürtit  ist,  das  fügit  sich  ze  semene 
und  heftit  sich  an  ein  andirs : also  sint  o'ch  alle  die  himelschin  bürgere  zesemene  be- 
10  gürtit  und  geheftit  mit  einir  vroide,  und  mit  einir  minne  sint  siu  gevAgit  in  Got  und 
Got  in  si  . vrowent  ücb,  himelschen  bürgere!  ir  sunt  tich  vrowen,  wan  ir  virgessent 
allis  des  leidis  und  sunt  gesattet  werden  von  den  brüsten  tiwers  trostis  . da  von 
sprickit  der  wissage : ‘so  du  selige  sele  kumit  ze  der  himelschen  Jerusalem,  so  nimit  si 
Got  und  Göttis  sun  und  sezzit  si  an  sinen  schoz  und  zartit  ir  und  truckit  si  an  sine 
15  brüste  und  kert  si  von  einer  brust  zü  der  anderen’ . unser  herre  hat  zwo’  brüste : sine 
menscheit  und  sine  gotheit  . da  kert  er  die  sele  von  einer  brust  ze  der  anderen  : wil  si 
milch,  so  kert  er  si  zü  der  brust  siner  menscheit ; wil  si  honic  und  kippber  win,  so  kert 
er  si  ze  der  brust  siner  süzzen  gotheit  . da  von  so  sprichit  der  heilige  geist  durch  des 
wissagen  munt:  ‘dilata  os  luum  et  itnplebo  illud  . mache  dinen  munt  wit,  so  mahlu  vil 

20  gesugen  ’ . wie  sun  wir  den  munt  wit  gemachen  ? das  sun  wir  mit  guten  werken  . du 

solt  dinen  lip  denuen  und  arbeiten  in  Göttis  dieneste,  so  wirt  dir  der  munt  wit,  das  du 
vil  mäht  gesugen  von  der  gotlichen  brust. 

Nu  sprichit  abir  der  wissage:  ‘ir  sunt  den  bach  trinken  der  von  der  gotheit  und 

von  der  menscheit  vliuzit  und  er  sol  mit  ganzem  vluzze  in  üch  vliezzen’  . er  sprichit 

25  niut:  ir  sunt  von  dem  bache  trinken,  er  sprichit:  ir  sunt  den  bach  sament  trinken,  und 
da  von  sprichit  der  wissage  David : ‘de  torrente  in  via  bibit  propterea  etc.  die  aber 
noch  uf  dem  wege  sint  ze  der  himelschen  Jerusalem,  die  sun  trinken  von  dem  bacbe 
und  sun  denne  ir  houbit  uf  rihten  ’ . da  mitte  git  er  ze  merkenne  de  die  noch  in  der 
arbeite  sint  uf  dem  wege  des  himelrichis,  den  wil  unsir  herre  etswenne  sehen  und  ime 

30  schenken  von  dem  bache  siner  süzen  gnade,  das  si  vro  werden  unde  das  si  getröstn 

werden  in  der  betrübede ; und  wil  sü  da  mitte  Sterken  und  furen  in  der  arbeit  . also 
sprichit  unsir  herre  in  dem  wissagen : ‘cum  ipso  sum  in  tribulatione,  ich  wil  mit  üch  sin 
in  der  arbeit’  . so  sprichit  abir  der  wissage : ‘die  abir  dar  sint  körnen  ze  der  himelschen 
Jerusalem,  zü  den  sprichit  unsir  herre:  "ir  sunt  den  bach  sament  trinken,  unsir  herre 
33  wil  üch  niht  schenken  mit  becheren  noch  mit  kophen,  er  wil  in  rollte  mit  ganzen  fiuzze 
in  unsir  seien  lazzen  vliezen’”  . da  von  sprichit  der  wissage:  ‘inebriabuntur  ab  ubertau.- 
domus  tue  . ir  sunt  trinken  und  sun  trunken  werden  in  unsirs  herren  hus*  . das  er 
sprichit:  ir  sunt  trinken  und  sunt  rehte  trunken  werden,  da  bi  git  er  uns  ze  merkenne 

11.  liilmelschen  Z.  31.  fo'rcn  Z.  34.  Jerusalem  fehlt  Z. 

13  ff.  vgl.  Wackernagel  S.  171  Z.  78  ff.  23.  Pa.  35,  9.  20.  Pa.  109,  7.  32.  Pt.  90.  15 

36  f.  Pa.  35,  9. 


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"1.  Von  vier  linml  vröden. 


309 


Dü  drit  vröde  ist  daz  wir  werdent  ze  samen  gefüget  zü  allen  hailgen, 

Patriarchen,  propheten,  apostolen,  martyrern,  bihtern,  allen  niägden  und  kurtze- 
lich  gesprochen  zu  allem  hymelschen  gesinde.  zu  den  werdent  wir  also  gefüget 
daz  si  allen  irn  Ion  und  ir  vröde  mit  lins  taillent  und  wir  mit  in.  si 

vröwent  sich  mit  uns  und  wir  mit  in,  und  beschiht  daz  allez  in  Gotte.  5 

vier  vro’ide  die  du  sele  enphahit,  so  si  trunken  wirt  von  der  hohen  gotheit  und  von 
der  a Uzen  menscheit. 

Diu  erste  vro’de  das  ist  de  si  hohes  m fites  und  vrigis  mütis  wirt  . und  wirt  also 
hohis  mütis  de  die  mineste  sele  dunkit,  dii  in  himelriche  ist,  das  unsir  herre  Got  einer 

werden  nuitir  und  der  hohen  engil  und  allis  himelschis  herz  habe  virgezzen  unze  an  si  10 

alleine  . des  dunkit  eine  iegeliche  sele  in  himelrich:  nlse  hohes  mütes  sint  si,  wan  si 
sint  trunken  worden  von  dem  gewürzeten  wine. 

Diu  ander  vroide  ist  de  si  schone  werdent  . da  von  lisit  man  in  der  scrift  das 
einis  iegelichen  menschen  lip,  das  behalten  wirt,  des  lip  wirt  nach  der  jungisten  urstendi 
schöne,  und  sprechent  die  meister  de  si  siben  stunt  scho’nir  si  denne  du  sunne  ge-  15 

schaffen  wurde,  und  sprechent  die  wisen  meister  und  die  heiligen  das  des  libes  schAni 

wider  der  sele  schAni,  de  si  rehte  si  alse  ein  kleiuis  bunctili  wider  aller  der  weite:  also 
si  nohtenne  des  libis  schAni  wider  der  sele  und  wirt  doch  der  lip  siben  valt  schonir 
denne  dü  sunne  werde  nach  der  jungisten  ursteude  . und  sprichit  saute  Augustinus  da 
von  ein  wort:  ‘die  schoni  die  der  lip  inphat  nach  der  jungisten  ursteude,  das  inist  20 

anders  wan  ein  ubir  vltizzi  der  sele’  . der  sele  Schönheit  ist  so  tibir  mezzik  das  si  rehte 

über  vlüzzit  und  inmak  nümme  in  si;  wan  si  ist  des  kippher  wiues  und  des  gewürzeten 
wines  und  des  roten  wines  des  ist  si  alse  vol  das  si  rebte  übir  vliuzzit  . und  den  ubir 
vluz  inphat  der  lip  . unde  hat  doch  so  unmezzige  Schönheit  de  man  dar  an  wol  mak 
merken  das  der  sele  Schönheit  und  ir  wünne  vil  ubir  mezig  ist,  da  des  libis  Schönheit  25 
so  ubirmezzig  ist  wider  alre  creature,  und  doch  dü  Schönheit  so  unehtig  ist  bi  der 
sele;  wan  dü  sele  wirt  schinende  durch  den  schönen  lip  rehte  alse  ein  schone  lieht  in 
einre  luccrne. 

Diu  dritte  vro'ide  die  dü  sele  inphat  so  si  trunken  wirt  des  bachis,  das  ist  ein 
ewige  vro’de,  und  ist  dü  vro'ide  alse  luter  das  si  niemir  me  betrübit  wirt  . und  vrowit  30 
sich  ein  iegeliche  sele  der  anderen  vroide  rehte  alse  ir  selbis  vro’ide  . der  werden  küni- 
ginne,  sant  Marien,  der  wirdekeit  und  ir  günlichi  vrowet  sich  diu  nidereste  sele  dü  in 
himelrich  ist  . und  dunkit  ein  iegeliche  sele  das  ir  selbis  vroide  alse  groz  si  de  si  niht 
wolte  sin  an  der  hohen  küniginne  wirdekeit  . wa  von  ist  das?  von  niute  andirm  wan 
de  si  trunken  sint.  55 

Diu  vierdo  vroide  ist  de  si  miltes  mütis  wirt  . da  von  sprichit  der  wissage  David  : 
‘adimpletus  est  venter  eorum  . so  si  iren  buch  gefüllent,  so  teilent  si  umbe  sich’  . und 

7.  menschit  Z.  IS.  in  der  Z.  14.  noch  Z.  15.  schöne  fehlt  Z,  sibenvöltig  schöner 
denn  dev  liecht  svnne  W.  17.  bunetili  Z,  bunctili  Panzer,  pönchlein  IV,  dein  fünclin  U'aeltemagel 
$.  171  Z.  106.  17  f.  also  — sele  fehlt  W.  19.  werden  mach  \V.  22.  kippher  Panzer,  kuppher  Z 

26  f.  doch  — der  sele]  dez  leibes  schön  so  ebiein  ist  wider  der  sele  schön  W.  34.  miite  Z. 

57.  P».  16, 14. 


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310 


71.  Von  vier  lisuid  vriden. 


Dü  vierde  vröde  ist  daz  wir  gesattent  sont  werden  der  hymelschen  wunne 
und  süzkait,  also  daz  wir  vergessend  werdent  allez  dez  laides  nnd  dez  un- 
gemaches  so  wir  ie  uff  ertrich  gewunnent.  nnd  habent  so  vil  der  hymelschen 
süzkait  daz  uns  mites  des  jamert  so  uff  ertrich  ist;  won  ällü  du  süzkait  dirr 
5 weite  [189*]  dü  wäri  da  ain  bitterkait,  ällü  disü  vröde  dü  wäri  da  ain 
trurkait,  ällü  disü  wunne  wäri  da  ain  unwunne,  aller  dirr  rihtüm  wäri  da 
ain  armüt,  allez  dis  gemach  wäri  da  ain  ungemache,  allez  daz  nff  ertrich  ist, 

daz  wäri  da  ain  nihtes  nit:  won  ünser  herre  der  da  ist  huswirt,  der  ist  daz 

beste  güt,  daz  obrost  güt,  dem  nie  mit  glich  wart  noch  niemer  wirt.  der 
in  taillet  sich  so  volleklich  den  seien  daz  ir  dehainü  mit  anders  gert  won  daz 

si  da  hat,  daz  ist  Got,  daz  überflüssig  gilt,  nu  sont  ir  wissen  daz  ünser 

herre  zwo  brüste  hat,  dar  ns  die  seien  die  in  hymelrich  sint,  baidü  wunne 
und  vröde  sugent:  daz  ist  sin  rainnü  mentschait  und  sin  schönnü  gothait. 

da  keret  er  die  seien  von  ainer  brust  zü  der  andren:  wil  si  milch,  so  kert 
15  er  si  von  erst  zu  der  brust  siner  mentschait;  wil  si  honig  und  kipperwin. 
so  kert  er  si  zü  der  brust  siner  süssen  gothait.  [189']  da  von  spricht  der 
wissag:  'mache  dinen  mnnd  wit,  so  mäht  du  vil  gesugen’. 

112.1  Wie  man  unsern  herren  suchen  sol. 

(Querite  Dominum  et  viret  anima  vestra] 

20  ‘ Suchent  ünser  herren  sprichet  der  wissage,  'so  wirt  üwrü  sei  lebend.’ 

Nu  sont  ir  merken  wie  wir  ünsem  herren  süchen  sont  und  war  umb 

und  wa. 


wer  da  ieman  der  es  bedorfti,  dem  teiltin  si  ir  vroide  . nu  ist  da  nieman  der  es  be- 
dürfe, und  zftckit.  doch  ein  iegeliche  sele  der  anderen  ir  vroide  und  inhat  si  doch  deste 
25  minre  niht  . wie  znchent  si  ein  ander  ir  vroide  ? das  tflnt  si  also : alle  die  vroide  die 
ein  iegeliche  sele  an  der  anderen  sihit,  die  züchit  si  ir,  so  si  übir  den  brunnen  gesizzent 
und  si  ir  kurzewil  wellent  haben : der  lebinde  Got  das  ist  der  lebende  brunne  . in  dem 
gütlichen  spiegil  und  in  dem  lebinden  brunnen  zuckit  ein  iegelich  sele  der  anderen  ir 
vroide  also : ein  iegeliche  sele  dü  sibit  in  dem  lebenden  brunnen  einir  iegelichir  sele 
90  vro’ide  und  tugende  unde  dar  zü  ir  reinis  leben  und  ellü  dü  güten  werk  da  mitte  si 
himelriche  verdienit  het  . de  züchint  siu  allo  ein  andir  also  de  sich  ein  iegeliche  sele 
der  anderen  vroide  vroiwit  rehte  alse  ir  selbirB  vro'ide. 

Des  helfe  uns  got  . Amen. 

19.  Überschrift  fehlt  W,  Der  wissage  (rot)  Z.  19.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  Der  wissage 
spriebit . Querite  etc.  ZW.  20.  spr.  d.  w.  fehlt  Z.  21.  wir]  ir  Z,  ebenso  311, 1.  21  f.  war  — w »; 

itar  vmbc  warvmbc  ir  in  »liehen  svnt  Z.  23.  des  Z.  28.  an  — ir]  hat  dev  bat  si  an  vnserm  b nn 
dem  lebentige  prvnne  vnd  W.  27  f.  der  I.  G.  — anderen]  so  zuehent  si  au  eiu  ander  IV.  29.  se  Z. 

93  fehlt  W. 

11  ff.  vgl.  Wackernagel  S.  171  Z.  81  ff.  17.  J's.  80, 11.  19.  Die  Predigt  findet  sich  in  Z 

111. 131*,  W Bl.  19,  X Bl  21,  irohl  auch  in  H als  Xr.  23.  — Der  Wortlaut  stimmt  nicht  mehr  mit  .4. 
dagegen  stimmen  Z und  IV  mit  einander,  ebenso  beim  folgenden  Stück.  19.  P$.  68,  33. 


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72.  Wie  man  ünsem  herreu  aächen  sol. 


311 


Wir  sont  in  suchen  alz  in  du  geert  Maria  sühte.  si  suchte  in  dry  tage 
mit  laide  und  mit  sere:  also  sont  och  wir  dry  tag  in  suchen,  der  erste 
tag  ist  rehtü  ruwe  von  rehtem  liertzen,  also  daz  uns  alles  daz  lait  si  da 
mit  wir  Got  ie  erzürntent.  der  ander  tag  ist  lutrü  biht,  daz  wir  uns  dez 

schuldig  gebint  daz  wir  wider  Got  ie  getatent.  der  dritte  tag  ist  gantzü  5 
büz,  daz  wir  nach  ünsers  bihters  rat  bützint  und  bessregint  alle  unser 
misse  tat. 

Wir  sont  ünsern  hem  suchen  dar  umbe  daz  er  gut,  milt  und  süz  ist. 
wie  milt  er  si,  daz  merken  wir  ze  vordrost  an  sinen  mänigvaltigen  gaben, 

die  er  ünz  [189dJ  geben  hat  und  alle  tag  git,  joch  nit  allain  sinen  fründen,  io 

er  git  joch  sinen  viginden,  den  üblen  alz  den  güten;  won  ez  ist  nieman 
der  daz  gesprechen  muge  daz  er  von  Gotte  nie  lön  enphienge:  der  daz 
sprichet,  der  lüget;  won  swaz  wir  hant,  daz  hant  wir  alles  von  Gotte,  wie 

gut  unser  herre  si,  daz  merkent  wir  dar  an  daz  er  so  vil  übelz  üns  ver- 

treit  und  in  dem  übel  üns  so  lange  baitet  so  gedulteklich ; und  daz  er  üns,  15 

Nu  merkent  warumbe  ir  Got  suchen  sunt  . ir  sunt  unseren  herren  darumbe  suchen 
das  er  Got  ist  und  güt  ist  . das  sprichit  sante  Anshelmus:  ‘o  liebir  herre  Got,  wie  gar 
güt  du  bist  unde  wie  gar  wunneclich  du  bist ! und  bist  alse  rehte  lusteclich  . 

Wie  gar  unsir  herre  Got  güt  ist,  de  sunt  ir  merken  dar  an  das  er  uns  schuf  nach 

sime  gotlichen  bilde  . nu  hörent  weles  de  gotliche  bilde  ist : de  ist  diner  sele  beschei-  20 

denheit  unde  ewikeit  . an  den  zwein  dingen  bildet  uns  unsir  herre  nach  einer  ewigen 
gotheit  . da  von  mag  er  wol  sin  der  gar  güte  Got. 

Wie  gar  milte  unsir  herre  ist,  das  sunt  ir  merken  an  sime  tode  . do  wir  ubir  sahen 
sine  güte  das  wir  an  uns  selben  intereten  sin  gotlicbis  bilde,  do  was  sin  milti  alse  gros 

das  er  mensch  wolte  werden,  und  gab  sinen  minneclichen  lip  in  siner  viende  gewalt,  25 

und  wolte  der  versmeheste  mansche  sin  der  ie  geborn  wart  . also  sprichit  sante  Bern- 
hart: ‘der  ewige  Got  der  wart,  zirgenclich  durch  uns;  der  unto/licbe  Got,  der  wart  tot- 
liche  durch  uns;  der  obroste  Got  der  wart  der  nidereste;  der  selbe  Got  der  himels  unde 
erde  gewaltig  was  und  allis  des  ie  wart,  der  wolte  sin  selbis  lip  ungewaltik  werden  und 
gab  sinen  siizen  lip  und  sine  werden  menscheit  gap  er  angistliche  ze  martyrene  und  ze  90 
töten  an  den  karanvritage’  . das  tot  er  allis  darumbe  das  er  uns  wider  gebe  sin  got- 
lichis  bilde,  und  de  an  uns  geerti  das  wir  an  uns  selben  interet  hatten  mit  unseren 
ständen  . dar  an  mugent  ir  wol  merken  de  unsir  herre  Got  gar  milte  ist,  wan  er  strahte 
sin  arme  an  dem  cruce  dar  umbe  das  er  den  sünder  umbe  vahen  mehti  swenne  er  widir 
wolte  keren  von  sinen  sünden  zü  siner  hulde  . da  von  sprichit  sancte  Bernbart:  sit  35 
mich  Göttis  sun  und  Got  umbe  vangen  hot  in  so  grosir  angist,  do  waszir  und  blflt  von 

1.  in)  vnscrcn  herren  Z.  1 f.  si  — Büchen]  in  drie  tage  mit  arbeiten  vnd  mit  serigem 
bercen  a.  s.  ir  vnscreren  (herren  fehlt)  s.  drie  t mit  arbeiten  Z.  3.  üns  — sij  dir  ellv  ding 

vnmere  sin  Z.  4.  wirl  dv  Z.  irzvmdeat  Z.  t.  de  ist  Z.  4 f.  daz  — getatent  fehlt  Z. 

5.  tag  de  ist  stete  vnd  ganze  /.  6 f.  daz  — misse  tat  fehlt  Z.  8.  hern  fehlt  A. 

18  — 313,36  Paralleltext  aus  Z zu  Z 9 — 313,8.  17.  Got  ist  u.  t eohl  mit  IV  zu  streichen. 

24.  inteireten  Z.  25.  mensch  fehlt  Z.  27.  vntoliche  Z.  34.  armen  Z. 


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312 


72.  Wie  man  ünsem  horrcn  soeben  sol. 


so  wir  widerkerent  und  gnade  suchent,  so  lieplich  und  so  gütlich  enphaliet, 
rehtc  alz  ob  wir  in  nie  erzürnet  hettint.  und  dar  umbe  stat  er  an  dem 

erütze  mit  zertanen  armen,  swenne  wir  koment,  daz  er  berait  si  lins  ze 
enpfahenn  und  lieplich  ze  umbvahenne.  wie  süz  unser  lierre  si,  daz  mer- 
s kent  wir  an  sim  süssen  tröste,  won  er  süsseklich  tröstet  und  trösten  kan. 

drier  hand  lüte  tröstet  unser  herre:  er  tröstet  [190  “J  die  in  arbaiten  sint 
in  sim  namen;  er  tröstet  och  die  arm  sint  an  libe  und  an  gaiste  durch 
sin  minne ; er  tröstet  och  die  die  da  minne  trähenn  wainent  nach  im. 
wie  süz  sin  trost.  si,  daz  waiss  nieman  won  der  allaine  der  ez  befunden 
io  hat.  ‘din  trost’,  sprichet  der  wissag,  ‘hat,  herre,  min  sele  erfröwet’. 

sime  reinen  hercen  vlos  unde  sine  sele  von  sime  libe  schiet,  sone  wil  ich  niemir  gezwi- 
velen,  er  in  vmbe  vahe  mich  in  siner  gotlichen  wunne’  . dar  an  mugent  ir  wol  merken 
sine  groze  miltekeit. 

Wie  süze  unsir  herre  si,  de  sunt  ir  merken  an  dem  tröste  . nu  sunt  ir  merken  das 
15  unsir  herre  drier  hande  lüte  trostit  . er  trostit  die  die  in  arbeiten  sint  in  sime  namen ; 

er  trostit  oTch  die  armen,  die  arn  sint  an  deme  libe  und  an  dem  geiste  durch  sine 

minne ; er  trostit  o’ch  die  die  mine  trehene  weinent  nach  siner  vrolichen  angesiht  . wie 
süzzen  trost  unsir  herre  git  den  betri'ibiten  hercen  und  dem  mensclien  das  in  arbeiten 
ist,  das  weiz  das  mensche  wol  de  von  Gotte  ie  deheinen  trost  inphie  . wan  er  spriebit 
20  also  in  dem  wissagen : ‘cum  ipso  sum  in  tribulatione  . ich  bin  mit  üch  in  üwer  betr'i- 
bede  und  wil  üch  selbe  trösten  in  üweren  arbeiten’  . da  von  sprichit  sante  Bernhart: 
‘Owe  süzir  herre  Got,  sit  das  also  si,  so  verlas  mich  niemir  an  arbeit  und  ane  be- 
tribede  ’. 

Wie  senfte  unsir  herre  Got  si,  de  soltu  merken  an  siner  zfikunft,  so  er  geneigit 
25  sich  ze  komene  zil  der  sele,  also  de  er  einen  heiligen  und  sinen  beren  vionlichamen  ge- 
neigit zü  der  sele  . wie  senfte  unsir  herre  denne  si  in  der  zlkunft,  das  weis  dü  sele  wol 
dü  unsirn  herren  ie  wirdecliche  inphie : diu  weis  vil  wol  de  ellü  sturmwetir  und  ellü 
unsenftikeit  geligent  unde  zerstoirit  werdent  in  siner  zvkunft  . wie  senfte  unsir  herre 
si,  das  weiz  si  denne  wol. 

30  Wie  minneclich  unsir  herre  si,  das  sunt  ir  merken  an  der  creaturen,  wie  rehte  min- 
necliche  er  der  tüt,  wie  er  de  himelriche  und  das  vil  dürre  ertricbe  hat  gezierit  . und 
mak  man  joeb  wol  merken  sine  minneclichi  an  dem  unertigen  vögele,  eime  rappin  . so 
der  sine  jungint  gewinnit,  so  sint  si  wiz  . so  er  das  gesihit,  so  vert  er  von  inen  und 
lat  si  ligen  und  intfit  inen  inheinen  rat ; wan  er  wenit  das  si  sin  niht  sin,  wan  si  ime 
35  niht  gelich  sint  . so  das  reppeli  denne  lit  ane  rat,  so  spisit  es  unsir  herre  in  zwei  wie  : 
sumeliche  meister  sprechent,  er  spisit  es  mit  dem  himel  to’we ; sünteliche  sprechint  o'ch, 
so  es  also  heiz  ist,  so  vallent  dü  müggeli  ze  santene  und  werdent  ze  wellelin,  unde  ginit 
das  reppelin  denne  und  inpbahit  das  welleli  und  wirt  o’ch  da  mitte  gespisit  . und  da 
bi  mügent  ir  wol  merken  de  er  deme  menachen  wil  minneclicben  tftn  und  alle  tage  tfit, 

15.  er  trostit  fehlt  Z.  22.  si  . so  . so  Z.  28.  in  sein'  zä  chftnft  W,  fehlt  Z. 

39.  denne  Z,  dem  W. 

10.  Pb.  93, 19.  20.  Fs.  90, 15;  rgl.  oben  S.  308  Z.  32. 


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72.  Wie  man  finsern  herren  »Achen  sol. 


313 


Wir  sont  och  uusern  heilen  suchen  an  dem  erütze,  da  vindeu  wir  in 
und  anders  niena.  da  sont  wir  merken  und  schowen  wie  minneklich  er  da 
stüt  und  wie  er  entschaffen  ist  von  dez  todes  not.  ‘owe’,  spricht  sant  Ans- 

helm, die  wunneklichen  ogen,  die  da  warent  luter  alz  du  sunne,  du  wur- 
dent  vinster;  sinü  rosvarwen  wangen  erblaichetent;  sin  kiingklicher  munt  5 
ervalwete;  sin  minneklicher  lip  waz  zertent  an  dem  erüze  alz  du  senwe 
an  dem  armbrost;  sin  minneklichez  hertze  [190b]  waz  gar  zerflossen  von  der 
minnenden  minne’. 

Nu  hant  wir  unser«  herren  runden,  nu  höre  wa  wir  in  gehalten  sont. 
daz  sont  wir  in  aim  geblümeten  hertzen,  won  dar  inne  wil  er  sin  wunne  io 

han  mit  der  sele.  dem  geblümeten  Gotte  gezimet  wol  ze  sinne  in  ainem 

geblümten  hertzen,  dem  senften  Gotte  in  aim  senften  hertzen,  dem  süssen 
Gotte  in  ainem  süssen  hertzen,  dem  girlichen  Gotte  in  aim  gerenden  hertzen, 

dem  guten  Gotte  in  aim  güten  hertzen,  dem  rainnen  Gotte  in  aim  rainnen 
hertzen.  15 

Nu  hant  ir  gehöret  wie  und  war  umbe  und  wa  ir  Got  schowen  sont 

sit  er  eime  so  unertigen  vogil  so  minneclichen  tflt  . wan  ime  ist  joch  der  mensche  also 
liep  das  er  alle  creature  dem  menechen  ze  liebe  geschaffen  het. 

Wie  gar  girlich  unsir  herre  si,  das  wirt  man  da  sehende  da  er  gesihtik  ist  in  siner 
heiligen  drivaltikeit,  das  ist  in  himelriche  ob  dem  sinewellen  tische  . da  wirt  man  in  20 
sehende  von  o’gen  ze  o'gen,  und  da  wirt  er  unsir  trfihseze  und  dienit  er  uns  da  und 
ouch  sin  werde  mütir,  dü  hoch  gelopte  kiinigin , und  wirt  uns  da  schenkende  sine  hei- 
ligen gotheit  und  sine  menscheit,  und  sprichit  denne  unsir  herre:  ‘comedite  et  bibite  et 
inebriamini,  karissimi  . ezzen  und  trinkent,  mine  alre  liebes ten  kint,  ez  sol  (ich  wol  be- 
komen  und  ir  sunt  vergezzen  allir  (iwir  arbeit  und  üwers  leidis1.  25 

Nu  hant  ir  gehfirit  wie  ir  unseren  herren  sAchin  sunt  und  warumbe  ir  in  söchen 
sunt  . nu  sunt  ir  merken  und  hArin  wn  ir  in  sAchin  sunt  unde  ira  ir  in  rebte  gewer- 
liche  vindent  . ir  sunt  in  söchen  und  o'ch  vinden  an  der  arbeit  an  dem  crüce  . da 
soltu  merken  wie  minnecliche  er  da  stat,  und  solt  dar  an  sehen  was  er  durch  dich  leit 
und  wie  er  intschaffen  ist  von  des  todis  not  . da  von  sprichit  sante  Anshein  : ‘owe,  dü  30 
minnenclichen  o’gen  dü  waren  lutir  alse  ein  sunne,  dü  sint  swarz  worden;  sine  rose- 
rarwen  wangen  dü  sint  irbleichit ; sin  küniclicher  munt  der  ist  ervalwit ; sine  süzzen 
brüste,  die  alse  lutir  waren  alse  ain  cristalle,  die  sint  swarz  worden;  allir  sin  küniklicher 
lip  der  ist  gedenit  an  das  crüce  alse  dü  senwe  an  dem  arnbruste’  . da  soltu  o'ch  ane 
sehen  sin  minneclichis  berce,  wie  gar  daz  wsb  zervlozzen  von  der  minnenden  minne  . dar  35 
solt  du  din  herce  bieten  und  solt  da  inzündit  werden  an  gotlicher  minne. 

9.  hastu  Z.  finserz  A.  wunden  A.  wir]  du  Z.  sv  A.  solt  Z.  10.  daz  g.  wir  fehlt  Z. 

won  dar  iune]  da  Z.  11.  gebltimeten]  edeln  Z.  13.  vor  dem]  de  minneclichen  gotte  in  eime 
minneclichen  hercen  Z.  14  f.  dem  rainnen  — hertzen  fehlt  Z.  16.  Nu  — 314,1  vinden  sont)  Nu 
merkeut  wie  ir  got  sunt  »Achen  und  warumbe  ir  in  süchen  sunt  und  wa  ir  in  vindent  unde  wie  ir 
in  gehalten  sunt  Z.  19.  ist  fehlt  Z.  20.  sine  wellen  Z.  27.  da  Z.  31  f.  rosewarwen  Z. 

23  f.  Cant.  5, 1. 


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314 


72.  Wie  man  ünsem  herren  suchen  sol. 


und  wa  ir  in  gehalten  und  wa  ir  in  vinden  sont.  nu  sont  ir  hören  waz 

nutzes  ir  da  von  enpfahent:  drü  leben  werdent  üch  dar  umb  gebeu.  daz 
erste  ist  ain  leben  von  nature,  daz  ist  daz  dem  nientschen  sin  leben  wirt 
gelengert  und  sei  und  lip  dester  lenger  bi  enander  sint  durch  dez  güten 

5 le/JSOybens  willen,  daz  ander  leben  ist  ain  gnade  volles  lebe«,  daz  Ist 
nüt  anders  won  ain  tugentliches  leben,  dis  leben  hie  uff  ertlich  haisset 
wol  ain  gnaden  vollez  leben,  won  man  vindet  da  gnade  der  si  suchet; 
und  der  ez  och  verlit,  dem  wirt  si  niemer  me  wider  geben;  und  der  och  nu 
gnade  suchet,  der  vindet  si.  da  von  spricht  sant  Augustinus:  'reht  alz  ain 
io  gnaist  ist  wider  dem  mer  und  wider  allen  wassern,  alz  ist  ünserz  herren 
erbärmde  wider  aller  der  weit  süiide’;  und  alz  lihte  dem  mer  und  allen 
wassern  ist  die  gnaiste  ze  erlöschenn,  alz  liht  ist  linserm  herren  aller  der 
weit  ir  sünde  ze  vergebenn.  und  da  von  sprichet  sant  Bernhart:  'o  lieber 
herre,  swie  vil  und  swie  grozlich  ich  gesundet  hau,  so  wil  ich  doch  niemer 
15  gezwiflen,  dw  wellest  und  mögest  mir  min  sünde  wol  vergeben;  won  ich 
waiss  daz  wol  daz  diner  gnade  und  diner  erbännde  me  ist  denne  aller  der 
weit  sünde’.  daz  dritt  leben  [lRO"]  ist  ain  vollrichez  leben,  daz  wirt 
nach  disem  übe  geben  und  daz  beschiht  ze  hymelriche;  da  werdent  wir  Got 

sehend  in  siner  wunne  und  ünz  selbe  in  ime. 


173.]  Von  zwaiger  liand  lute  ln  den  clostern. 

[Quam  pulchra  labertiaeula  tua  .Jacob!] 

Do  die  juden  hie  vor  zogetent  engegen  dem  lande  daz  inen  geheissen 
waz,  do  besaute  der  künig  Balac  den  wissagen  Balaam  und  furte  in  uf  ain 

3.  erste  lebin  das  ist  ein  lebin  der  nature  Z.  4.  sin  selc  v.  sin  lip  Z.  5.  willen  . was  ir  svnt 
das  rehte  wizzen  . das  selo  un  lip  also  gerne  mit  ein  andir  sint  das  si  wolten  de  si  niemir  von  ein 
anderen  soltin  geschciden  werden  . vnd  durch  des  güten  willen  . so  wirt  inen  gegebin  . das  si  deste 
langir  bi  ein  andir  belibent  Z.  I.  de  ist  Z.  leben»  A.  6.  hie  fehlt  Z.  haisset)  das  ist  Z. 

7.  man  — si]  ez  ist  de  lebin  das  tn.  die  g.  vindit  swer  s.  rehte  Z.  8.  ez  och]  o'eii  dis  leben  Z. 

si]  ez  Z.  9.  si]  genade  vnd  erbennedo  Z.  9 f.  eine  gneistvn  Z.  10 f.  I.  alz  ist  a.  d.  w 
sünde  wider  üns.  h.  erb.  (Roethe).  13.  o]  Herre  got  min  Z.  14.  swie  — wil  ich]  Ich  habe 
gewundert  vnd  habe  gar  getobit  and  habe  grozze  sünde  getan  vnd  inwil  Z.  15.  dv  A. 
du  — vergeben]  an  diner  grozzen  genade  . vnd  an  diner  erbermde  Z.  16  f.  wol  sprichit  er  . 
das  diner  irberme  tvsint  tvsint  stvnt  me  ist  denne  miner  sünden  aide  allir  der  weite  iemir  möge 
werden  . das  ist  dis  leben  . de  man  die  genade  vindit  nv  vnze  wir  in  disem  libe  sin  . vnde  der 
sich  nv  virsmnit  der  müz  iemir  ane  genade  vnde  anc  erbermde  sin  . da  von  ist  dis  leben  wol  ein 
gnadin  vollis  lebin  . Das  dritte  Z.  17.  wnnercichs  W.  18.  u.  d.  beschiht]  das  wirt  Z. 

19.  wunne  — inte]  gotlichc  . vnd  in  alb  siner  wunne  . vnd  vns  selben  in  gotte  ZW.  20.  Vber- 
Schrift  fehlt  H’,  Von  liern  Movses  (rot)  Z,  Scttno  ad  claustrales  X,  W’nrn  Rinde:  XXIII.  21.  Der 
lat.  Text  fehlt.  Z (W)  beginnen:  Man  lisit  in  oimo  wissagen  . do  herre  Movses  das  volk  ffirte  . der 
künik  balach  den  wissagen  balam  . vffin  einem  berc,  das  ir  eitere  siehe  bei  Wackernagel  S.  150  f. 

22.  zogetent  (oder  zouwctent  ?)  Roethe,  zaigetent  A.  23.  uf  fehlt  A. 

20.  Die  Abhandlung  findet  sich  in  Z Bl.  133d,  11  Bl.  0 7.  das  mit  Z im  großen  und  gansen 
übereinstimmt,  X Bl.  101';  steht  i rohl  auch  in  lt  als  Xr.  24.  — Gedruckt  nach  Z,  das  gegenüber  .1 
das  Thema  voller  und  lebendiger  aus  führt,  bei  Wackemagel  S.  150.  21.  hum.  24,  5. 


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73.  Von  zwaiger  hand  liitu  in  den  clistem. 


315 


berg  und  liez  in  daz  volk  selien  und  du  gezelt  und  ir  hätten,  do  sprach 
der  wissage:  'o  Jacob,  wie  schöne  sint  dinü  gezelt  und  din  hätten,  o Israhel! 
si  sint  relit  alz  ain  gezelt  daz  Got  selb  uf  geschlagen  hat’. 

Nu  sont  ir  merken  zwaiger  hand  lät  in  dem  closter,  die  bi  Jacob  und 
bi  Israhel  bezaichent  sint.  die  ersten  sint  die  amptläte,  die  mit  arbaiten  5 
umb  gant;  und  sint  fänf  ding  die  si  dar  zu  raitzent.  daz  ain  ist  dä  nature, 
dä  dem  [191°]  mentschen  daz  seit  daz  arbait  si  an  höre,  relit  sit  dem  male 
daz  änser  herre  si  verstiess  von  dem  paradvse.  daz  ander  ist  daz  zit;  daz 
seit  in:  ietz  sint  die  tag  daz  man  arbaiten  sol.  daz  dritte  ist  dä  statt, 
daz  ist  disä  weit,  in  der  nieman,  enhain  creatur  weder  mentsche  noch  tier  io 
noch  visch  noch  vogel  rüwen  sol  noch  enmag,  ez  sälle  und  müsse  arbaiten. 
daz  vierd  ist  der  Ion  der  dem  arbetenden  geben  wirt  nach  disem  übe,  daz 
ist  daz  bymelriche  und  Got  selbe,  der  ir  Ion  wesen  wil.  daz  fünfte  ist  der 
itwiss  den  dä  beschaidenhait  tüt  so  der  mentsch  sin  zit  unnntzlich  vertribet. 

Die  andern  lüte  in  den  clöstern  sint  die  contemplierend,  der  liertze  all-  15 
wegen  ist  in  dem  hymelrich  bi  Got  dise  lüte  die  hörent  an  drü  ding 

aigenlich.  daz  erst  ist  betrahtung  waz  Gottez  wille  si  und  sin  gebott,  und 
sich  dez  flissen  ze  tünne.  [19V]  daz  ander  ist  luters  und  rainez  gebett;  won 
nach  der  betrahtunge  waz  Gottez  wille  si,  so  gat  denn  daz  kosen  mit  Gotte, 
daz  geschiht  in  dem  gebette.  daz  ist  daz  drit:  lesung.  daz  geschiht  an  20 
drier  hand  buchen,  daz  aine  ist  daz  hertze,  da  liset  man  an  wizhait  und 

süskait,  und  daz  schepfet  daz  hertze  von  der  schrift  und  behaltet  ez  in  ime 

selben,  so  daz  büch  und  dä  schrift  niena  ist  zegegen,  daz  ez  doch  in  ime 
Selben  liset  und  erkennet  waz  Übels  und  giitez  an  im  ist,  daz  ander  ist  dü 
creature,  an  der  man  erkennet  und  merket  wie  güt,  wie  gewaltig  und  wie  25 
wise  änser  herre  ist,  daz  dritte  ist  daz  lebend  büch,  änser  herre  Jhesus 
Christus,  daz  büch  siner  hailgen  mentscbait,  daz  an  dem  karfritag  geschriben 
wart,  an  dem  büch  liset  man  gedult,  demüt,  senfti,  minne,  rainkait  und 
mänig  ander  tugend.  die  da  geschriben  sint  mit  den  rosvarwen  büchstaben 

sinez  rainnen  blütez.  so 


114.]  Von  fälschlichen  Inten. 

[191‘]  Die  gaischlichen  lät  sont  glich  sin  ainem  bliimen  an  vier  dingen. 

Daz  erst  ist:  der  blüme  wachset  tügenlich,  also  sol  daz  mentsch  tögenlich 

9.  in  ez  A.  20.  lerung  A Z.  SI.  Überschrift  fehlt  IC,  Von  eime  bliimen  (rat)  Z.  32.  IV  be- 
ginnt: Vier  tagent  sind  an  den  plfimcn  vnd  pov  den  edcln  p] ö men  ist  bezaichent  ein  yeglcich’  sAlig' 
mensche  . wan  ein  y'gleich  geistlich  mensche  an  vier  dingen  sieh  dem  plftmen  geleichcn  sol.  — 
Z:  Bi  dem  edelen  bl  firnen  ist  bezeichcnt  ein  iegelicli  selik  mensche  . Vier  tagende  sint  an  dem 
blfimen  . dar  an  sol  der  geistliche  mensche  dem  blfimen  gelich  sin.  83.  der  blfimoj  er  Z. 
da z m.]  der  selige  mcschc  Z. 

25  f.  vgl.  oben  S.  249  Z.  7 ff.  31.  Dn»  Stück  steht  Z Bl.  136°,  TV  Bl.  100,  welches  im  ganzen 

mit  Z iibereinstimmt ; sieht  wohl  in  H als  Nr.  25. 


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316 


74.  Von  gaischlichcn  täten. 


wachsen  an  tilgenden  und  an  sälden.  alz  togenfich,  sprich  ich,  daz  im  lieber 
si  daz  ez  nieman  wisse,  denn  daz  ez  ieman  wisse. 

Daz  ander  ist  daz  der  bliime  wol  smeket.  und  also  sol  och  dez  gaisch- 
lichen  mentschen  leben  also  raine  sin  daz  ez  vor  Gotte  und  vor  den  engein 
5 wol  smeki,  und  dar  zu  vor  allen  luten,  daz  die  da  von  gebessert  werdent. 

Daz  drit  ist  daz  der  blüm  gelustlich  ist  an  zesehenne.  also  sol  daz 

gaischlich  mentsch  gelustlich  sin  an  sinen  Worten,  an  sinen  werchen,  an  sinen 
gebärden,  daz  man  in  gerne  höre  und  sehe. 

Daz  vierde  ist  daz  der  blüme  lind  ist  au  zegriffenn.  also  sol  der  gaisch- 
10  lieh  mentsch  lind  sin,  so  man  in  an  griffet  in  dem  capitel  mit  rügenne  und 
mit  refzent.  swie  unwirdeklich  man  ez  an  grife,  so  sol  ez  lind  sin  alz 

[191*]  der  bliime,  nüt  alz  der  dorn,  dez  natur  ist  also  herte,  swie  lindeklich 
man  in  an  grifet,  so  stichet  er  doch  da  wider.  also  sol  der  gaischlich 
mentsclie  nit  tun.  ez  sol  demiitklich  und  senfteklich  enpfahen,  swie  hertek- 
15  lieh  man  ez  an  kumet,  und  sol  ez  vertragen  und  sol  gedenken  an  den  hohen 
werden  blümen  der  von  dem  hymelrich  kam  uff  ertriche,  Gottez  sun,  Jhesus 
Christus,  wie  linde  und  wie  senfte  der  waz  gegen  dem  töde.  an  den  gedenk 
und  lerne  da  von  demütkait,  gedult  und  senftmütkait  also:  swer  daz  von  im 
sehi  und  höre,  daz  er  da  von  gebessert  werde  und  Got  dar  umb  lobe,  der 
20  gaischlichen  liit  leben  sol  rehte  alz  ain  lucerne  und  ain  lieht  sin  daz  den 
weg  zeigi  gegen  dem  hymelriche.  ez  sol  sin  ain  Spiegel,  in  dem  sich  aller 
mänlich  ersehen  sol. 

Sich  an  den  blümen  und  nim  dar  abe  senftikeit  und  diemütikeit  . ein  iegelich  bro- 
der  sol  sich  vlizzen  wider  den  anderen  tugende  und  senftikeit,  zühte  und  reinekeit,  de 

25  ander  löte  von  üch  gebezzert  werden  . und  vlizzent  (ich  de  ir  solicho  lere  und  soliche 

bilde  gebent  de  unsir  herre  Got  an  allem  (iwerem  lebenne  geert  und  gelobit  werde  und 
(iwer  eben  cristen  an  gutem  bilde  gebezzert  werde  . da  sol  öwer  leben  ein  lucerne  sin 

1.  tugetlich  .4.  spr.  ich  fehlt  Z.  ich  fehlt  A.  2.  Bi  (1.  c.]  sol  sin  . de  sine  tugendc  vnd  sine 
säzzekeit  Z.  8 f.  Das  andir  de  ist  dar  an  (an  daz  W)  o'ch  der  geistliche  mensche  wol  sraeckit . 
daz  ist  also  das  des  seligen  nienseben  tagende  und  sin  leben  also  reine  sol  sin  de  si  vor  Z. 

5.  wol  — werdent)  süzzccliche  smeeken  vH  niht  alleine  vor  gottc  . ez  sol  o'ch  smeeken  von  eime 
bro’der  zü  dem  anderen  brodir  . de  ein  iegelicVbrod'  gebezzert  werde  von  dem  and'n  ZW.  6.  gel. 
fehlt  Z.  7.  sin  an  fehlt  A.  7 f.  werchen  — sehe]  werken  vfl  an  allen  sinen  g.  sol  es  alsc  schone 
sin  . das  es  allen  löten  lästerlich  si  ze  sehenne  . alse  schone  sölen  sine  geberdc  sin  . vfi  sine  wort 

alse  sfize  vH  alle  sine  sitten  alsc  senfte  . de  alle  die  löte  von  ime  gebezzert  werden  Z.  9 f.  die 

Endsilbe  lieh  in  gaischlich  ist  am  Bande  nachgetragen  A.  9 f.  18.  gaischl.)  selige  Z.  10.  lind 
fehlt  Z.  Capitel  so  man  in  an  grifet  mit  A.  11.  refsinne . so  sol  ez  linde  sin.  swie  Z. 
man  ez)  ez  ieman  Z.  so)  da  widir  Z.  11  f.  sin  — dorn)  vnd  senfte  sin  . wan  dv  scligir  mensche 

soll  des  bl&men  natura  haben  . vnd  niht  domes  Z.  12.  lintliche  Z.  13.  in)  den  dom  Z. 

also)  dos  Z.  1 \f.  ez  sol  — sol  ez)  er  sol  der  nature  ein  widir  werti  haben  . also  swie  h.  od‘  wie 
vnwirdecliche  es  ieman  an  griffe  . de  sol  es  diemötcdiche  vnd  senftecliche  widir  gebe  gfitc  wort 
vnd  Z.  15  f.  hohen  werden  fehlt  Z.  16  f.  hymclr.  — Christus]  dem  hohen  h.  wart  gegeben  vf 
das  ertr.  de  was  der  edil  blüme  gottis  svn  von  himelriche  . des  soltu  gedenken  Z.  17.  gegen’ 

wider  Z.  an  — 817,  8 siehe  den  Text  in  der  zi reiten  Spalte.  21.  heigi  A. 


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74.  Von  gaischlichen  löten. 


317 


Dü  samnung  sol  ain  schönü  wise  sin  uft-  der  mänger  hande  blümen 
wachsent  und  schinnen.  [192°)  da  sol  sin  ain  lyli  gantzer  künschkait,  da 
sol  sin  ain  rös  brinnender  minne  und  vester  gedultkait,  da  sol  sin  ain  viol 

rehter  demütkait,  da  sol  sin  ain  zitlos  zühtiger  Wandlung  und  erberkait,  da 
sol  sin  kle  blümen  guter  besekaidenhait.  aller  dirr  blümen  schin  daz  sint  5 

alle  tugend,  won  in  gaischlicliem  lebenn  ensol  enkainer  tilgend  gebresten.  die 
tugend  sont  alle  drinne  sin.  und  swa  daz  ist,  da  ist  öcli  rebt  gaischlich 
leben;  und  swa  daz  nit  enist,  da  enist  reht  gaischlichez  lebens  nit. 

Po.)  Von  drier  liand  minne. 

[Nos  ergo  diligamus  Deum,  quia  prior  dilexit  nos.J  10 

'Lieben’,  sprichet  sant  Johannes,  'minnent  Got,  won  er  hat  och  üch 

geminnet’. 

Ez  ist  uff  ertrich  drier  haud  minne,  die  die  grösten  sint.  du  erste  ist 

zwüschent  ,der  muter  und  irem  kinde;  du  ander  ist  zwüscheut  der  vrowen  und 
irem  manne;  du  dritte  ist  zwüschent  der  sele  und  dem  libe.  dirr  drier  minne  15 
Überkraft  hat  ünser  herre  zu  ünz  geliebt.  [192 “J 

du  den  wec  zeigit  gegen  dem  himelriche,  do  üwer  orden  sol  sin  ein  spiogil  da  sieh  alle 
die  lüte  inne  irsehen  lüterliche,  do  üwer  samenungo  sol  ein  schöne  wise  sin  dar  uf 
manger  hande  blümen  schiuen  wunderliche  und  wunnecliche:  da  sol  uffe  sin  der  lylie 
ganzer  küschikeit  . ir  sunt  o'ch  haben  den  rose  varwen  blümen  der  minne  und  der  ge-  20 
dultikeit  . behaltet  o’ch  den  viol  der  diemötikeit  . allir  andirre  blümen  schin  de  sun 
alle  tugende  sin,  die  sulint  ir  habin  alle  gemeinliche  und  iegeliche  sonderliche. 

Der  schöne  Got  von  himelriche  der  wil  haben  unseren  dienist  tugentlich  . wie 
schöne,  wie  riche,  wie  edil  der  mensche  si,  ist  da  niht  an  dirre  tugende  bi,  so  ist  er 
dem  herren  gar  unmere  . doch  der  da  heizit  herre  und  o’ch  ist  herre  und  Got  der  tu-  25 
genden,  der  selbe  Got  und  unsir  vattir  von  himelriche  der  rilehe  üch  ze  verliehen  und 
gotlichc  tugende  geben  an  allen  dingen  und  her  nach  das  ewige  leben  . amen. 

2.  sehinnen  sol  A.  ain  fehlt  A.  3.  vestv  i.  9.  Überschrift  fehlt  Z,  11’ am  Rande: 
Dilectio  triplex,  Von  rechter  minne  zft  gotte  .S.  10.  Der  lat.  Text  fehlt  ASZW.  11—15  libe] 

Ir  svnt  wizzen  drier  hande  minne  ist  vf  ertrichc . die  sint  die  groisten  . vnd  div  erste  ist  die  dv 
uritir  zir  kinde  het  . div  andir  die  ein  vrowo  zir  ielicben  manne  het  . div  dritte  de  ist  dv  liebi  . 
dv  die  sele  vnd  der  lip  ze  samenc  haut  Z(W).  11.  minne  S.  dich  S.  25.  doch]  dem  W. 

27.  So  endet  auch  W. 

9.  Das  Stück  steht  Z Bl.  137°,  IV  Bl.  133;  in  S (Hs.  8101’  der  Strafilmrger  Stadtbibi.)  ist  es  das 
erste  Stück  und  folgt  im  Text  A;  vgl.  Cod.  Pal.  germ.  31  Bl.  3öS'1  der  Heidelberger  Universitätsbibi. 

Die  Predigt  findet  sich  dem  Inhalt,  nicht  dem  Wortlaute  nach,  auch  unter  der  ‘ Scnnones  ad  rcligiosos’ 
benannten  Sammlung  der  lateinischen  Predigten  Bertholds  von  Rcgensbnrg,  Erlangen  Unirersitätsbibl. 

Cod.  107  Bl.  171'  (vgl.  Jacob,  die  lateinischen  Beden  Berth.  v.  Heg.  S.  93  Kr.  63)  und  :irar  als  3.  Punkt 
mit  seinen  drei  Unterabteilungen.  Die.  Punkte  lauten  (Bl.  175“):  Tria  sunt  genera  dilcetionis:  pri- 
main  habet  mater  ad  filium  et  cconverso,  et  hoc  carum ; sccundam  habet  sponsus  ad  sponsam  et 
econverso,  et  hoc  carius;  tertiam  habet  auima  ad  corpus  et  cconverso,  et  hoc  carissimum:  hos 
amores  Christi  amor  exccdit.  10.  1.  Jonn.  1,19.  21—27  ilan  beachte  die  Heime. 


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318 


'5.  Von  drier  Imid  minne. 


Er  hat  uns  me  geminnet  denne  ie  muter  ir  kind.  daz  merkent  wir  an 
siner  mentschait,  daz  er  durch  ünz  meutsch  wolt  werden,  und  dar  zü  der 

versra&htest  mentsche  der  ie  wart  oder  ienier  wirt.  ain  müter  treit  ir  kint 

nument  vierzig  wochen.  unser  herre  trüg  aber  ünz  me  denne  drissig  jar  an 
5 allen  sinen  liden,  und  ze  jungst  wolt  er  den  grimmen  tot  durch  uns  liden. 

und  da  von  sint  och  wir  im  grösser  minne  schuldig,  won  er  ünz  so  grozlich 
geminnet  hat. 

Er  hat  üns  och  geminnet  me  denn  ain  vrowe  oder  ain  man  ir  elich 

gemüchde  ie  geminnet.  daz  mugent  wir  merken  dar  an  daz  nie  enhain  man 

io  so  gut  wider  sin  vrowen  wart,  und  nAnie  si  ain  andern  oder  zweite  zü  im, 
daz  er  ir  niemer  alz  hold  wurde  alz  er  da  vor  waz.  dez  tüt  ünser  herre 

nit:  swie  dik  wir  in  über  sehent,  so  enphahet  er  ünz  doch  wider  zü  siner 

liebi,  und  sint  im  dester  unlieber  nit.  won  ir  sont  daz  wissen:  alz  dik  wir 

höbet  sünde  tünt,  alz  dik  überselient  [ 192 ']  wir  in.  alz  balde  aber  und  alz 

is  dike  so  eilt  wir  widerkerent  zü  sinen  hulden  und  ünz  lait  ist  dü  missetat, 

so  enpfahet  er  üns  und  vergit  üns  die  schulde  also  gar  daz  er  si  «üns  niemer 

uf  gehebet,  swie  dik  wir  och  wider  in  schuldig  werdent,  blibent  eilt  wir  ze 
jungst  stät  an  im. 

Er  hat  och  üns  me  geminnet  denne  sei  und  lip  ie  enander  geminnetenL 

20  daz  merkent  wir  dar  au  daz  er  ir  zwaier  liebi  an  im  selben  brach,  do  er 

sin  sele  von  sim  übe  schaiden  liez,  und  dar  zü  liez  er  im  sin  rainez  hertze 

uf  tün  mit  aim  scharpfen  sper,  daz  hertze  daz  vol  aller  wizhait  waz  und 

aller  miltekait  und  aller  künschkait.  daz  tet  er  dar  umbe  daz  wir  sAhint 
daz  er  ünz  minneti  von  gründe  sins  hertzen  und  von  aller  siner  kraft. 

1.  Kr  — wir]  de  er  vns  me  g,  liabe  . denne  ie  m.  i.  k.  geminnit  . de  svnt  ir  merken  /. 

2.  durch  finz  fehlt  Z.  2 f.  und  — wirt]  vtl  noch  do  . do  er  mensche  wart  . do  in  woltc  er 
niht  ein  mcnschc  »in  an  wirdekeit  al»e  ein  andir  mi'sclie  . er  wolte  der  v.  m.  sin  der  ie  geborn 
wart  Z.  2.  und  — 4 denne  fehlt  fälschlkh  S.  4.  vns  drizik  fair  vH  me  Z.  6.  sont  .4. 

groze  S.  Hf.  Er  — geminnet]  Div  and'  minne  de  ist  dv  minne  . die  ein  man  het  ze  siner 
ielichen  vrowen  . (Jrozzir  minne  het  o’ch  vnair  herre  zo  vns  gehebit  Z.  9.  daz  nie]  Es  in- 
wart n.  Z.  10.  wart  fehlt  Z.  ain  andern]  einen  man  Z.  11.  er  ir  vor  S,  da  vor  .4. 

12.  14.  vbir  hügeu  ZS.  13.  und  — nit]  alse  o'ch  ie  Z.  14.  in  — 21  liez  erj  vnseren  herren  . 
vn d alse  dicke  so  wir  houbit  s 'udo  tön  . vnd  alse  mangc  so  wir  tigen  . so  entwirde  wir  vnsir 
seien  . vn  stozzen  vnseren  honen  von  vnserre  »eien  vnwirdediche . nv  merke  ein  iegelich  tnensebe 
wie  dicke  cz  sinen  lierren  vnd  sinen  got  vbir  hvgit  habe . vn  hat  doch  vnsir  herre  so  groze  liebe 
ze  vns  de  er  vns  wid  inphahit  in  sine  genade  . swenne  wir  widir  keren  wen  . dar  an  svn  ir 
merken  de  vns  vnsir  herre  vil  liebir  hat  . denne  ie  dehein  man  sine  vrowen  . wan  er  virgit  vn» 
vnsir  svnde  . alse  1 Elterliche  de  er  vns  deheine  vnsir  bfaheit  niemir  me  vf  gehebit  swie  dicke  wir 
in  ioch  vbir  hfigit  han  . bcliben  wir  noch  denne  stete  an  ime  . I)iv  dritte  liebe  de  ist  . die  »eie 
vnd  lip  ze  ein  anderen  hant  . div  ist  also  groz  . de  »v  iornir  gerne  sanrint  werin  . noch  niem1 
geschciden  soltin  werden  . alse  rchte  wol  sint  sv  ze  semenc  gevögit  . vnd  ist  alse  liopliche  minne 
inzwischen  inen  . de  merkent  o'ch  die  ganzen  minne  brach  o’ch  vnsir  liebe  herre  an  ime  selben  . 
de  er  vns  vollccliche  zcigetc  . de  er  vns  liep  het  . vnd  vil  liebir  denn  sele  vnd  lip  . ein  ander 
haben  . wan  er  scltiet  die  minne  dvreh  vnseren  willen  . sinis  kvniclichen  libis  vnd  »inir  edclen 
seien  . vn  liez  Z.  16.  ft.  vnscr  sch.  vnd  vnser  svnde  S.  20.  do]  daz  S.  24.  von 
grvnde  vf  Z. 


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75.  Von  drier  hand  rninne.  319 

er  liez  och  dar  umbe  sin  hertze  uf  tün  daz  wir  ez  offen  fundint  swenn  wir 
kämiut,  und  daz  och  wir  im  unser  hertz  uf  tätint  und  im  ofnetint  unser 
schulde  in  der  bihte.  dar  umb  goz  er  den  brunnen  [192*]  uss  sim  hertzen 
daz  wir  sAliint  daz  sin  minne  gantz  und  luter  waz  und  an  allen  valsch. 
und  liset  man  doch  daz  unsrem  herren  der  tot  wirs  tet  denn  ie  dekaim  5 
mentschen,  und  von  der  angst  so  er  zii  dem  tod  hatt,  do  switzt  er  blutigen 
swaiz,  und  liez  er  doch  dar  umb  nit,  er  wölti  den  tot  willeklich  liden;  won 
er  hatte  alz  groz  girde  den  tot  ze  lidenn  durch  den  sünder,  daz  er  sprach: 
‘owe,  wer  hilfet  mir  daz  ich  den  bittern  tot  durch  den  sünder  erlide!’  und 
in  der  selben  minne  schied  sin  hailgü  sei  von  sim  libe.  io 

Nu  hant  wir  gehöret  wie  grozlich  unser  herre  uns  geminnet  hat,  nu 
minnent  och  wir  in  wider  me  denn  vatter  und  müter,  me  denn  alle  die 
fründe  die  wir  uff  ertrich  hant,  me  denn  ünz  selben,  und  ogent  daz  mit  den 
weichen  die  zü  der  minne  hörent,  da  mit  man  die  be wäret,  alz  och  er  sin 
minne  engegen  uns  bew&ret  hat.  15 


176.]  Von  dem  ewangello. 

fPharisei  eonsilium  inierunt,  ut  caperent  eum  in  sermone.] 

[193*]  Die  pharvsei  fragetent  ünsern  herren  hie  vor  aiuer  frage  und 
woltent  in  vahen  an  den  Worten,  won  hie  vor  in  der  alten  e do  waz  daz 
römsch  rieh  haidensch  und  waz  alz  gewaltig  daz  ain  ieglicher  meutsch  zem  20 
jare  ain  pfenning  ze  zinse  dar  müste  geben,  nu  waz  ain  krieg  under  den 
juden,  daz  sü  sprachent  ob  nnsers  herren  kiud  zinsen  soltint  dez  tüfels  kint, 


1.  vnd  o'ch  dar  umbe  liez  er  s.  h.  Z.  3.  iu]  mit  Z.  vz  von  sirne  Z.  5.  und  fehlt  S. 
man  liset  doch  S.  6.  so)  die  ZS.  dom]  siino  Z.  9.  Owe  seligir  mensche  Z.  10.  in 
fehlt  A.  hailgü  fehlt  S.  bei  libe  endigt  Z mit  den  hierher  gehörenden  Predigten  und  geht  zu 
anderen  Stücken  über,  W dagegen  hat  ah  Schl  ult  nach  libe:  Nu  pitten  wir  deu  hochen  got  von 
himelreich  daz  er  vns  rüch  ze  geben  daz  wir  von  dirre  weit  nimm'  gcschaiden  werden  . wir  haben 
V dient  die  himelmchen  gnade  vnd  sein  gfttlcieh  angesicht . des  helf  vns  dor  vat'  vnd  der  sun  vnd 
der  heylig  geist . amen.  12.  und  mäter  — 15  hat]  oder  mvoter . wir  svnt  in  oveh  me  minnen 
danne  alles  daz  gvot  daz  vifen  ertricho  Ist . wir  svnt  in  oveh  mo  minnen  denne  die  frvnt  die  wir 
vf  ertriche  hant  . wir  svn  in  oveh  me  minnen  denne  vns  selben  vnn  svnt  im  daz  ovgen  mit  den 
werken  die  zvo  der  minne  hoorent  da  mitte  man  die  minne  bewerot  alz  oveh  er  sine  minne  en- 
gegen vns  beweret  hat  . wir  svn  vnserme  herren  glich  Bin  an  einvaltekcit . alles  daz  vnser  herre 
ie  gcschvof  oder  ie  getet,  daz  tet  er  alles  in  zwei  wis  . im  selben  ze  crcu  vnn  den  menschen  ze 
nvtze  . alz  svn  oveh  wir  alle  vnser  werc  tvon  vnserme  herren  ze  lobe  vnn  vns  selben  vnn  andern 
Ivten  ze  nvtze . sin  wir  nv  vnserme  herren  alsus  gelich  so  werden  wir  im  oveh  glich  in  bimcirich 
van  rchte  alz  vil  wir  hie  gut  minnent  vnde  erkennent  alz  vil  werden  wir  in  dort  in  himelricke 
minnende  vnn  erkennende  mensche  . got  hat  daz  sine  getvn  nv  tvo  dv  daz  dine  so  wirst  dv 
eweclie  behalten  in  der  vroiden  zvo  himelricho  S.  17.  Der  lat.  Text  fehlt  A;  vielleicht  trug  die 
Predigt  auch  den  Text:  Cttius  est  imago  hoc  et  supcrecriptio ? oder:  Die  nobis,  licet  ccnsum  dare 
Caesari  ? 


16.  Da»  Stück  samt  dm  folgenden  findet  sich  allein  in  A.  17.  Matt.  22, 15. 


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320 


76.  Von  dem  cwangclio. 


und  fragtent  in  dez.  do  antwurt  er  in  und  sprach:  'lät  mich  den  phenniug 
sehen!’  do  si  in  im  gebrahtent.,  do  sprach  er:  ‘wez  ist  diz  bilde  und  disü 
sclirift?’  do  sprachent  si:  ‘ez  ist  dez  kaisers  von  Rome’,  do  sprach  unser 
herre:  ‘ist  daz  bilde  sin,  so  ist  och  der  pfenning  sin.  da  von  gent  dem 

5 kayser  daz  ir  im  sont,  und  gebent  Gotte  daz  ir  och  im  sont’. 

Xu  sont  ir  wissen  daz  dis  allez  beznic/ienlich  ist.  ‘pharysei’  daz 

spri/19-?ychet  ‘die  getailten’.  daz  sint  die  die  der  wort  und  der  werche 

getaillent  sint,  die  ains  sprechent  mit  dem  munde  und  ain  anders  in  dem 
hertzen  hant.  nu  koment  diz  etwenne  zu  gaischlichem  lebenn  und  went  die 
io  guten  vahen  au  iren  Worten,  so  sont  si  tim  alz  unser  herre  tet,  und  sont 
sich  hüten  an  iren  Worten  und  an  allen  iren  sitten,  daz  iemau  von  inen  iht 
gebösret  werde,  won  dez  sint  si  ünserm  herren  schuldig,  wir  sint  im  allü 

baidü  gaisclilich  und  weltlich  schuldig  daz  wir  in  miunent,  fürhtint  und 

ereilt;  daz  sont  wir  im  gelten,  wir  sont  och  der  weit  geben  daz  wir  ir 
15  schuldig  sint,  daz  ist  daz  wir  si  fliehint,  won  si  böz  und  unraine  ist.  doch 
mag  ain  ieglich  mentsche  sich  dem  andern  geliehen  so  verre  als  ez  an  sünde 
mag,  und  anders  nit.  also  liset  man  von  sant  Dominico:  der  gelichet  sich 
guten  luten:  so  er  bi  in  waz,  so  gieng  er  barfüz  als  och  sü;  so  er  bi 
andren  luten  [193‘J  waz,  so  hielt  er  sich  aber  dar  nach;  so  er  bi  kätzern 
20  waz,  so  hielt  er  sich  aber  dar  nach  alz  er  si  aller  maist  moht  gebessren. 
dis  tet  och  sant  Paulus.  der  glichet  sich  och  aim  ieglichen  raentschen  an 
sim  lebenn,  alz  er  selb  schribet. 

Nu  sont  ir  merken  daz  wort  daz  unser  herre  sprach:  'wez  ist  diz  bilde 
und  disü  Schrift?’  hie  bi  ist  bezaichent  ains  ieglichen  mentschen  sele.  dü 
25  hat  drü  bilde,  dü  eilt  ze  hymelrich  komen  sol.  und  alz  balde  so  si  von  dem 
übe  schaidet  und  für  Got  wirt  braht,  so  sprächet  er:  ‘wez  ist  diz  bilde  und 
disü  schrift?  dez  ez  si,  dem  gent  och  die  sele!’  hat  si  denne  Gottez  bilde, 
so  wirt  si  im  och  geantwürtet;  hett  si  aber  dez  tüvelz  bilde,  so  wirt  si  och 
dem  tüfel  geantwürtet. 

so  Daz  erst  bilde  der  sele  ist  jümerlich.  bi  dem  ist  gesehriben:  'filius  ire\ 
daz  sprichet:  ‘dis  ist  dez  tüvelz  kint’.  daz  ist  ain  jümerlich  bilde.  daz 
habent  wir  [193‘J  alle  e daz  wir  getöffet  werdent.  won  daz  sont  ir  wissen 
für  war  daz  wir  ällü  des  tüvelz  kint  sint  e daz  wir  getöffet  werdent;  und 
sturbent  wir  ungetoffet,  daz  wir  Got  niemer  gesähent,  won  wir  warent  alle 
35  dez  tüvelz  kint  von  dem  ersten  valle  Adams  untz  an  daz  zit  daz  ünser  herre 
erstarb  an  dem  erütze:  do  kofte  er  ünz  wider  mit  sim  tode.  doch  sont  ir 
daz  geloben:  swer  an  tüf  stirbet,  daz  der  Got  niemer  gesiht. 

Daz  ander  bild  ist  günlich  und  da  bi  stat  gesehriben:  ‘frater  domini', 
daz  sprichet:  ‘ünsers  herren  bruder’.  daz  wir  nu  linsere  herren  brüder  sint 


6.  beschaidenlicli  A.  16.  ez)  I.  erz?  IS.  gftten]  l.  gaisehlichen  ? 20.  sieh  A. 

Uf.  vgl.  oben  S.  285  Z.  6 ff.  21  f.  I.  Cor.  9,  22. 


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76.  Von  dem  ewangelio. 


321 


und.  er  unser  bruder,  daz  bewert  er  selbe,  do  er  von  dem  tod  erstünt  und 
er  den  vrowen  erschaine,  do  sprach  er  zu  inen:  'gant  und  sagent  minen 
brüdern  daz  ich  erstanden  si\  mit  den  Worten  mainte  er  die  junger  und 

gab  uns  ain  urkunde  daz  er  unser  bruder  ist  [194‘]  nach  siner  rainnun 
mentschhait.  diz  bilde  enpfahent  wir  in  dem  töfe.  und  daz  sont  ir  geloben:  5 
alle  die  kraft  die  der  töf  hat,  die  hät  er  von  dem  blüt  ünsers  herren;  won 
enwäri  daz  blüt  ünsers  herren  Jhesu  Christi,  so  wäre  daz  wasser  alz  ander 
wasser.  da  von  hät  der  töf  so  grosse  kraft  daz  er  die  sele  rainet  und 

wüschet  von  dem  bilde  dez  tüvelz. 

Daz  dritte  bild  ist  gütlich,  und  daz  wirt  ünz  geben  so  wir  ze  hymel-  io 
riche  koment,  daz  ist  daz  wir  Got  gelich  werdent  an  mentschlicher  und  an 

gütlicher  nature.  hie  von  sprichet  sant  Johannes  in  Apocalypsi  daz  er  sach 

uf  dem  berge  Syon  ain  michel  her  die  alle  dem  lamb  nach  giengent  (daz 
waz  unser  herre),  und  waz  den  allen  sin  name  und  sins  vatters  name  ge- 
schriben  an  ir  stirnen.  dis  enmag  man  nit  anders  betüten  won  daz  wir  gütte  15 
werdent  mit  Gotte  und  wer/i#jydent  im  glich  an  der  gothait  und  also 
wirt  uns  sins  vatter  nam  geschriben  an  unser  Stirnen,  daz  uns  aber  sin 
nam  an  geschriben  wirt,  daz  ist  daz  wir  im  glich  werdent  an  der  mentsch- 
hait; und  die  vrüde  und  wunne  die  Got  hat  in  siner  masse,  die  werdent  och 
wir  habend  in  unser  masse.  20 

Swer  nu  Got  geliche  wil  werden  in  hjinelrich,  der  müz  im  och  hie  glich 
sin  uff  ertriche,  won  ain  ieglich  ding  zühet  sich  zu  sim  geliehen,  daz  merkent 
an  vögeln,  an  tieren  und  an  aller  creature;  won  ez  sint  drü  ding  du  an 
sich  ziehent. 

Daz  erst  ist  gliclii,  alz  ich  da  vor  gesprochen  han  daz  ain  ieglich  ding  25 
sin  gelichez  zü  im  zühet.  also  vil  wir  uff  ertrich  Got  gelich  sint,  also 
werdent  wir  im  och  gelich  in  hymelriche.  nu  merkent  wie  wir  im  glich 
sont  sin.  ‘daz  sont  wir’,  sprichet  Ysidorus,  ‘an  rainkait  und  an  ainvaltkait.’ 
wir  mugent  nit  alz  rain  gesin  alz  ünser  herre,  aber  in  ünser  masse  mugent 
[194CJ  wir  wol  rain  sin  alz  er  in  siner  masse.  wir  sont  ime  och  glich  sin  »» 

an  ainvaltekait.  allez  daz  ünser  herre  ie  geschüf  oder  ie  getet,  daz  tet  er 
allez  in  zwo  wis:  im  selben  ze  eren  und  dem  mentschen  ze  nutze,  also  sont 
och  wir  üllü  ünsrü  werch  tün:  ünserm  herren  ze  lobe  und  ünz  selben  und 
andren  luten  ze  nutze,  sint  wir  nu  ünserm  herren  alsuz  gelich,  so  werdent 
wir  im  och  gelich  in  hymelriche.  85 

Daz  ander  daz  an  sich  zühet,  daz  ist  hüli.  daz  merk  also:  in  dem 
summer  so  ez  haiss  ist  und  man  vor  ainem  münster  stat,  so  kumet  ain  küli 
dannen  us  engegen  dem  mentschen,  reht  alz  ain  wint:  also  vil  zühet  dü  hüli 
dez  luftes  in  sich,  also  tüt  daz  hol  hertze,  daz  hol  und  itel  ist  aller  sünt- 
licher  dinge  und  daz  denne  ünsern  herren  an  rüfet  reht  von  gründe  uz  der  40 

17.  sin  A. 

2 f.  Matt.  28, 10.  12  f.  Apoc.  1*.  1. 

Douucbe  Text«  des  Mittelalter*.  X.  21 


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322  "6.  Von  dem  ewangelio. 

demütkait.  daz  hertze  zühet  denne  iinserz  lierren  gnade  in  [194"]  sich  alz 
vil  daz  ez  reht  über  flüsset 

Daz  dritte  daz  an  sich  zühet,  daz  ist  minne.  dü  ist  der  nature  daz  si 
allez  daz  an  sich  zühet  daz  si  berüret;  und  allez  daz  si  an  sich  zühet,  daz 
5 ist  och  ir.  sit  daz  denne  dü  minne  sich  nit  erwerren  mag,  si  berüri  ez  und 
ziehi  ez  an  sich,  intrüwen,  so  sol  si  ünsern  herreu  berüren  nnd  sol  in  an 
sich  ziehen,  so  wirt  er  ir,  sit  allez  daz  ir  ist  daz  si  berüret. 

Nu  o edlü  minne,  leg  allen  dinen  fliz  dar  an  daz  Got  din  werde,  und 
so  du  in  denne  gevahest,  so  binde  in  zü  der  sele  und  hab  in  denne  iemer 
io  me  an  ende! 


HU  Fon  saut  Stephan. 

[Testls  fidelis  non  mentitur.J 

‘Der  getrüw  gezüg  er  lüget  nit',  sprichet  her  Salomon. 

Dirre  gezüg  ist  gilt  sant  Stephan,  swer  nu  ain  reht  gezüg  sol  sin, 

15  der  müz  haben  drü  ding  an  im,  dü  sant  Stephan  hatte,  dar  umb  er  wol  ain 

gezüg  moht  sin. 

Daz  erste  ist  daz  man  der  dinge  nit  an  im  vinde  dez  er  [195’]  gezüg 
wil  sin;  won  swez  ain  man  gezüg  wil  sin  und  ist  daz  selb  an  im,  so  ver- 
wirfet  man  in.  dez  moht  man  nit  getün  dem  guten  sant  Stephan;  won  er 
2o  hatte  sich  dez  behütet  daz  enhain  ding  an  im  waz  daz  er  bezüget  an  die 
juden;  won  er  waz  alz  künsch  uud  alz  raine  daz  man  in  zü  aim  probst 

salzte  über  die  vrowen.  man  liset  von  im  daz  er  bi  in  waz  und 
gab  in  ze  essenne  und  bettote  in  und  tet  in  vil  gütez,  und  waz  doch  also 
raine  daz  er  nie  bewollen  wart,  da  vou  mohte  er  wol  der  künschkait  gezüg 

25  sin.  hie  von  spricht  sant  Paulus:  ‘ich  wil  mich  Hissen  daz  dü  ding  nieman 

an  mir  vinde  daz  ich  bezügen  wil.  tun  ich  daz,  so  mag  ich  wol  reht 

gezüg  sin’. 

Daz  ander  ist  daz  der  gezüg  stark  sol  sin,  und  sol  weder  dur  liep  noch 
durch  laid  sprechen  won  die  rehten  warhait;  won  lat  er  sich  mit  dehaim 
so  diug  überwinden,  so  ist  er  nüt  rehter  [195’]  gezüg.  hie  an  waz  Och  der 

glte  sant  Stephan  wol  behüt,  daz  merkent  wir  dar  an  daz  in  weder  liep 

noch  lait  noch  der  bitter  tot  mohte  dez  überwinden  er  enseiti  die  warhait. 
und  do  in  die  juden  ietz  staintent,  do  enwolt  er  doch  die  warhait  nit  ver- 
swigen,  und  da  von  waz  er  wol  ain  rehter  gezüg. 

35  Daz  dritte  ist  daz  er  sol  han  gesehen  und  gehöret  daz  dez  er  da  gezüg 
wil  sin.  und  daz  waz  och  an  sant  Stephan;  won  daz  er  bezüget,  daz  hatt 
er  gesehen  und  gehöret  und  wiste  wol  daz  ez  war  was. 


5.  dz  A.  6.  zehi  A.  12.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  14.  ist  ist  A. 


12.  Pro v.  14,  5.  25  f im  Antchlu/1  an  11.  Cor.  12,  20  t 


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77.  Von  sant  Stephan. 


323 


Xu  sont  ir  merken  waz  er  bezöget,  daz  tet  er  drü  ding. 

Daz  erste  waz  daz  er  die  juden  berrefzet  und  zü  in  sprach:  ‘ir  herten 
adren  und  ir  unbeschnitnü  hertzen!  ir  sint  die  dem  hailigen  gaiste  allez  an 
wider  stant’.  do  er  diz  sprach,  do  waz  er  von  den  gnaden  dez  hailgen 

gaistes  also  sere  enzündet'und  erlühtet  daz  er  under  in  stiind  und  luhte  alz  5 

ain  engel.  nu  sont  ir  merken  von  drier  hand  luten,  die  ersten  wider  stant 
dem  hailgen  gaiste:  [195c]  daz  sint  die  da  herten  hertzen  sint,  die  nieman 
mag  bewegen.  die  andern  die  löschent  den  hailgen  gaist : daz  sint  die 

lawen  lüt,  die  dem  hailgen  gaist  nit  helfent  ze  volfürenn  mit  gebette  und  mit 

gutem  lebenne.  und  so  der  hailig  gaist  daz  hertze  enzündet  mit  siner  gnade,  io 
so  laut  si  si  an  in  erlöschen,  die  dritten  die  schaident  den  hailgen  gaist  von 
in  selben:  daz  sint  die  in  enpfangen  hant  und  an  den  er  lang  bestAtet  waz, 
und  in  von  inen  werfent  und  in  uz  stossent  und  in  unwirdeklich  vertribent 
von  siner  herberg,  da  er  rüwe  und  vröde  solte  han  mit  der  sele,  und  denne 
sinen  Widersachen  in  setze« t,  daz  ist  der  tüfel.  da  von  spricht  ain  hailge:  15 
‘daz  ist  daz  ding  daz  daz  ertrich  nit  mag  verdoln,  daz  daz  mögeti  die 
vrowen  ab  dem  stille  zuket  und  si  den  stül  besitzet’,  noh  unvertrAgenlicher 
ist  der  den  hailgen  gaist  usser  siner  herberg  wirfet  und  den  ttivel  in  sin 
hertze  setzet,  diz  waz  daz  erste  daz  der  gut  sant  Stephan  gezüget  an  den 
juden,  und  bereftzet  sü  umb  ir  hertekait.  fl9S*J  20 

Daz  ander  daz  er  bezöget,  daz  waz  önsers  herren  marter.  dar  an  be- 
zöget er  drö  ding,  daz  erste  daz  er  den  tot  unverschult  lait;  won  ir  sont 
daz  wissen  daz  unser  herre  nie  sönd  getet,  und  lait  doch  den  tot,  man  liset 
daz:  do  er  für  gerillt  gefüret  wart,  do  sprach  er  zü  den  juden:  'vil  gutez 
han  ich  uch  getan;  vindent  ir  dehain  ding  an  mir  da  mit  ich  diz  verschnlt  25 
habe?’  do  stünt  ain  jud  uf  und  schlug  im  zü  dem  wangen  und  sprach: 
‘wie  getorstest  ünserm  herren  dem  könig  so  ungezogenlich  antwörten?’  do 
sprach  unser  herre:  ‘hab  ich  unreht  gerett,  daz  bezöge;  hab  ich  aber  relit 
geredet,  war  umb  schiehest  du  mich  denne?’  do  sprach  Pylatus:  ‘ich  kan 
nit  vinden  an  im  dar  umb  ich  in  siille  vertaillen’.  do  schrüwent  sü  alle:  so 
‘man  sol  in  crötzgen!’  und  alsuz  laid  er  die  marter  ane  schulde,  daz  ander 
waz  daz  er  den  tot  gedulteklichen  lait.  man  liset  daz  von  ime  daz  er  zü 
dem  tode  gie  [196*]  alz  ain  schAfli,  daz  er  sinen  munt  in  zornes  wise  nie 
uf  getet.  und  dar  zü  bat  er  sinen  vatter  für  die  die  in  da  martretent. 
daz  dritte  waz  daz  er  den  tot  nutzklichen  lait;  won  er  lozte  mit  sim  tode  35 
allez  mentschlich  könne  von  dem  ewigen  tode.  in  dis  dri  wise  bezöget  sant 
Stephan  önsers  herren  tode  mit  sim  tode.  daz  erst  waz  daz  er  och  sinen 
tot  lait  unverschult;  won  do  er  den  juden  saite  daz  si  wider  Got  lebtint,  do 
stainetent  sü  in.  daz  ander  waz  daz  er  och  sinen  tot  gedulteklich  lait;  won 


15.  setzet  A.  19.  Stephan  fehlt  A.  37.  h.  tode)  I.  h.  tot?  38.  den  fehlt  A. 
39.  er  fehlt  A. 

2 f.  Act  7,  51.  24.  Joan.  18,  21.  26  f.  Joan.  18,  22  f.  29  f.  Joan.  18,  38  f 

21  * 


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324 


Ti.  Von  sant  Stephan. 


do  man  in  ietzent  stainte,  do  viel  er  uff  sind  knü  und  bat  für  die  die  in 
da  staintent,  und  sprach:  'herre,  vergib  ez  in,  won  sü  enwissent  nit  waz  si 
tunt!’  daz  drit  waz  daz  er  den  tot  nützlich  lait.  er  waz  im  wol  nütze, 
won  sü  wurfent  im  sin  sele  in  daz  schöne  hymelriche. 

5 Daz  dritte  daz  sant  Stephan  bezügte,  daz  waz  daz  er  sach  vier  [196*] 
ding,  er  sach  den  hymel  offen  und  sach  tinsern  herren  Jhesum  Christum 
st&n  zü  der  zeswen  eines  vatters.  dis  wolte  er  nit  verewigen,  er  wolte  ez 
offnen  und  sprach:  ‘ich  sich  den  hymel  offen’,  und  mit  dem  worte  ‘ecce’, 
do  mainte  er  drü  ding.  daz  erste  Ist  alz  vil  gesprochen : ich  sihe  groz 

io  wunder,  ich  sich  den  hymel  offen,  der  mänig  tusent  jar  beschlossen  waz.  owe, 

nu  ilent  balde  untz  daz  dü  porte  offen  si!  won  wirt  si  nu  beschlossen,  so 
wirt  si  niemer  me  entschlossen,  da  von  sprichet  ain  hailge:  ‘o  herre,  dem 
du  entschlüssest,  der  ist  iemer  sülig;  dem  och  du  vor  bescklüssest,  der  ist 
iemer  unsälig’.  daz  ander  ist  uud  waz  also  vil  gesprochen:  sehent  den 
is  hymel,  der  ist  offen,  und  ist  ir  doch  laider  vil  lützel  die  drin  koment,  und 
daz  ist  erbürmklich.  da  von  sprichet  sant  Bernhart:  ‘owe,  unrainü  weit,  du 
betrügest  müngen  mentschen  und  nirnest  im  daz  schöne  hymelriche’.  daz 
dritte  waz  also  gesprochen:  sehent  [196']  und  volgent  mir  nach  und  lernent 
wie  ir  zü  dem  hymelrich  körnen  sont.  er  sach  och  ünsern  herren  und  üsern 

»1  brüder  Jhesum  Christum,  nu  vröwe  sich  allez  mentschliche  künne  und  habe 

züversiht,  sit  daz  ünser  brüder  in  dem  hymelrich  ist,  won  da  sach  in  sant 
Stephan!  er  sach  in  och  stän ; und  da  bi  merkent  wir  daz  er  üns  helfen 
wil  von  allen  ünsren  nöten.  do  diz  sant  Stephan  gesach  daz  sin  brüder  also 
stünt  ime  ze  helfe,  do  wart  er  also  vro  daz  er  nit  enahtet  waz  im  die  juden 
25  tatent.  er  sach  in  och  zü  der  zeswen  sinez  vatters.  da  bi  sont  ir  merken 
daz  allem  mentschlichen  künne  ain  groz  wirdekait  erbotten  ist,  daz  dü  ment- 
schait  bi  der  gothait  ist  und  sol  sin  eben  ewig  und  gewaltig,  und  da  von 
sont  wir  güt  gedinge  hau,  sit  daz  ünser  brüder  Jbesus  Christus  so  gewaltig 
da  ze  hymel  ist  daz  er  ünz  och  da  lieplich  enpliahent  werde  erlich  zütz 
30  ime  und  zü  sim  vatter  in  die  vröde,  daz  er  ünz  dez  geholfen  müssi.  amen. 


[78.]  Von  (1er  [196“ j sele  liaftunge  an  Gotte. 

[Innocentes  et  recti  adheserunt  mihi.] 

'Die  unschuldigen’,  spricht  der  wissage,  ‘und  die  rehten  haftent  an 
ünsrem  herren'. 

35  Xu  sont  ir  merken  wer  dise  unschuldigen  sigint.  daz  sint  dü  kint  dü 
ane  sünde  von  dirre  weite  gescbaiden  sint,  und  schaident  alz  dü  die  zehant 
nach  dem  tofe  sterbent.  die*  rehten  sint  aber  die  die  da  nach  dem  tofe  in 


18.  16.  dv  A.  26.  allez  A.  32.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  35.  merken  fehlt  .4 


2.  Act.  7,  60.  S.  Act.  7,  56.  S2.  Ps.  24,  21. 


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78.  Von  der  sele  haftunge  an  Gotte. 


325 


höbet  sünde  vallent  und  dar  nach  ze  rüwe  koment  und  sich  mit  Got  ver- 
sünnent.  die  lute  haftent  an  ünserm  herren  in  sechs  wise. 

Si  haftent  alz  daz  binlin  an  dem  blumen.  vier  natur  sint  an  dem 

binlin.  du  erste  ist:  wenne  ez  us  wil  fliegen  von  sim  haiumüt,  so  ladet  ez 
sich  mit  sande  oder  mit  erde,  daz  ez  dem  winde  mug  widerstan;  won  sin  5 

nature  ist  alz  krank  und  alz  lihte  daz  ez  im  nit  mag  widerstan,  und  hat 

im  unser  herre  die  wizhait  geben  daz  ez  sich  ladet  mit  dem  sande  und 

also  von  der  swäri  dem  winde  widerstandi.  also  sol  och  [197“]  der 

mentsche  sich  laden  mit  der  gehügde  siner  krankait,  daz  erde  waz  und 

wider  zü  erde  werden  sol,  und  sol  also  dem  winde  der  hohfart  wider  stan,  w 
swenne  er  lins  an  wäge,  du  ander  natur  dez  binlins  ist  daz  ez  uz  weit 

daz  beste  und  daz  edleste  und  daz  gröste  zu  aim  kiitiig,  und  waget  sineu 

lip  e daz  ez  sinen  künge  dehain  lait  laz  beschehen.  also  sol  och  daz 
gaischlich  mentsch  tun:  ez  sol  Got  zu  aim  künig  nemen,  won  er  ist  der 

hohste  und  der  edlest  der  ie  wart;  und  sol  den  alz  krefteklich  minnen  i.r> 

und  alz  liep  hau  daz  ez  den  tot  e liden  welli  e daz  ez  sich  iemer 
von  im  geschaide.  du  dritte  nature  dez  binlins  ist  daz  ez  stiebet  mit  dem 
angen  den  mentschen  und  geswellet  in  und  tötet  sich  selben,  also  geschiht 
och  dem  mentschen  daz  aim  andern  mentschen  fluchat  oder  dehain  lait 

tut.  da  mit  geswellet  ez  im  sin  herze  und  tötet  sich  selben  an  der  sele.  20 
/ 197 y won  der  fluch  glichet  sich  aim  schosse  daz  von  aim  armbrost  gat 

und  für  sich  solte  gan,  und  ez  denne  her  wider  keret  und  dem  fluchen- 
den durch  sin  sele  gat.  dü  vierde  nature  dez  binlins  ist:  swenne  ez 

sterben  wil,  der  ez  denn  in  essich  würfe,  so  käme  ez  wider  und  gnäsi. 
also  sol  der  mentsche  der  ietz  verzagen  wil,  sin  hertz  werfen  in  die  25 

marter  ünserz  herren,  so  kumet  ez  wider,  ir  sont  och  daz  wissen  daz  daz 
binlin  also  genatüret  ist,  und  fundi  ez  an  aim  blümen  süssekait,  den  ver- 
wandelte ez  niemer,  also  wil  ich  dir,  lieber  mentsche,  ainen  blumen  zaigen 
an  dem  du  allez  an  nüwe  und  stäte  süssekait  vindest,  daz  ist  Jhesus  Chris- 
tus, dez  lieben  Gottes  kint  von  hymelriche,  als  er  selbe  sprichet  in  der  »> 

minne  büch:  ‘ich  bin’,  sprichet  er,  ‘ain  blume  dez  veldes’.  durch  drie  sache 
gelichet  sich  ünser  herre  aim  velt  blümen.  dü  erst  ist,  won  er  wachset 

uff  aim  klainnen  stämlin.  und  also  wuchs  ünser  herre  uff  ainer  kranker 

materien,  daz  waz  Ma/iS/'yria,  sin  rainnü  müter:  von  der  enphieng  er  die 
kranken  mentschait.  dü  ander  ist  daz  dez  blumen  klait  gar  unähtig  ist.  35 
und  also  waz  ünser  herre  gar  unähtig  und  verworfen,  als  er  selb  sprichet: 
‘ich  waz  ain  hinwurf  der  lüte’.  dü  dritte  sache  ist  daz  der  blüm  schön 
ist.  also  waz  och  ünser  herre  von  mentschlicher  nature  der  aller  schönst 
mentsch  der  ie  wart,  won  also  liset  man  von  im:  swenn  sin  junger  müd 


9.  I.  daz  er  f 27.  an  fehlt  A. 


31.  Cant  2, 1;  vgl.  oben  S.  270  Z.  25  ff.  37.  Pa.  21,  7.  39  f.  vgl.  S.  105  Z.  28  f. 


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326 


7S.  Von  der  sele  haftungo  an  Gotto. 


wurdent  daz  sü  nit  me  mohtent,  so  er  sich  denne  engegen  in  kerte  nnd 
in  an  sahent,  so  wurdent  sü  reht  erkiket  an  Mb  und  an  hertzen.  du  vierde 
sache  ist  daz  der  blüme  gemain  ist  den  luten,  also  ist  och  unser  herre  mit 
siner  gnade  gemain  allen  luten,  den  üblen  alz  den  güten,  den  Sündern  alz 
5 den  rehten. 

Wir  sont  och  an  unsrem  herren  haften  alz  der  her  an  dem  lionge.  dez 

bereu  nature  ist  gar  unfüge  und  gebüresch  und  erkennet  nit  honges  süssi. 

man  inüz  in  binden  und  (I!)?'1]  mit  listen  von  dem  lionge  ziehen;  swenne  er 
dez  hongez  versüchet,  so  lat  er  sich  ze  tode  e schlahen  e daz  er  da  von 
io  schaide.  bi  dem  beren  ist  bezaichent  der  sünder,  der  ungefüg  nnd  gebürsch 
ist  an  Untugenden:  de«  nutz  man  dike  mit  arbaiten  und  mit  listen  von  den 

sünden  ziehen  über  sinen  willen  zu  ünserz  herren  gnade,  dü  ane  masse  süz 

ist.  und  swenne  er  ir  denne  versuchet  wie  süsse  und  wie  minneklich  si  ist, 
so  bindet  in  dü  minne  dar  zü  daz  er  sich  e tusent  stunt  liessi  tüten  e daz 
15  er  sich  da  von  schiede. 

Wir  sont  och  an  ünsrem  herren  haften  alz  dü  fruht  an  dem  bome.  dü 

fruht  wachset  allez  an  uff  dem  bome:  und  also  sont  och  wir  wachsen  allez 

an  an  tagenden  untz  an  daz  zit  daz  üns  Got  selbe  ab  breclii,  daz  ist  untz 

an  den  tot.  nu  ist  sümlicliü  fruht  wurm  ässig,  dü  vallet,  abe  e zit  und 

20  verdirbet  gar.  daz  sint  die  lüte  die  [l!)8a]  kranker  nature  sint  und  sich 
den  helle  wurm,  den  tüvel,  mit  münger  bekorung  lässent  nagen  und  im  nit 
widerstant:  die  vallent,  alle  in  die  sünde  und  verderben!  gar  an  übe  nnd  an 
sele.  ir  sont  wissen  daz  ünser  herre  sich  ainem  bome  glichet  durch  dri 
Sache,  dü  erst  ist  daz  er  schatten  git  den  hitzigen  mentschen.  daz  ander 
25  ist  daz  die  vogel  nahtez  druf  fliegent,  daz  si  die  füchse  nit  fressint.  daz 
dritte  ist  daz  die  vogel  tages  dar  uff  sitzint  und  singint  aisuz  waz  und  ist 
ünser  herre  ain  böme.  er  git  schatten  den  mentschen  in  der  anvehtunge  und 
in  der  hitze  dirre  bösen  weite,  da  von  sol  der  mentsch  illen  zü  dem  bome. 
daz  er  in  beschätwe,  und  klage  im  sinen  kumber  und  sin  not,  so  hilfet  er 
ao  ime  mit  siner  gnade  und  behütet  in  vor  den  sünden.  die  säligen  mentschen 
sont  och  uff  disen  böm  fliegen  mit  hertzen  und  mit  gemüte,  daz  sü  der 
t\i[198l'/\e\,  der  akustig  fuchs,  nit  fresse  mit  sinen  bösen  raten : won  swen 
er  begrifet,  sprichet  sant  Peter,  den  frisset  er  und  verderbet  in  an  lib  und 
an  sele.  uff  disem  böm  singent  och  die  vögele,  aber  ze  vordrost  zwaiger 
35  band  vogel.  daz  erste  ist  ain  lerch,  dü  hat  die  nature:  swenne  si  singen 
wil,  so  flöget  si  uf  engegen  der  sunnen,  und  so  si  der  sunnen  ie  näher  ist. 
so  ir  stimme  ie  süsser  ist.  also  geschiht  der  rainnen  sele.  so  si  mit 
hertzeklicher  girde  uf  flöget  engegen  dem  lebenden  sunnen  der  hohen  gntbait. 


1.  im  .4.  7.  gebv  reell  A.  8.  von]  7.  ze  (Iioethe).  11.  de  A. 


3 /'.  vgl.  oben  S.  104  Z.  28  ff.  und  S.  270  Z.  7 ff.  G f.  vgl.  Bihlmeytr,  Heinrich  Sense  S.  427  Z.1S. 

33.  1.  Petr.  5,  8.  35  f.  vgl.  oben  S.  24  Z.  25  ff. 


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7S.  Von  der  selo  liaftungc  au  Gotte. 


327 


so  singet  si  zwen  sänge,  der  erst  ist  also:  ‘o  minneklicher  Got,  wenne  sol 
daz  zit  komen  daz  ich  dich  geselle?'  der  ander  sang  ist  also:  ‘o  herre,  mich 
dürstet  nach  dir  alz  den  hirtzen  nach  dem  külen  brunnen’.  da  von  spricht 
sant  Augustinus:  ‘o  herre  min  Got  und  miner  sele  leben,  miner  sei  süssekait, 
o herre  schöner  und  süsser,  wenne  wilt  du  zü  mir  komen,  daz  dich  min  sele  5 
umbvahe  und  ich  dich  min  süssen  [198c]  Got  in  min  sele  druke,  owe, 
minneklichez  liep,  und  ich  niemer  von  dir  geschaiden  werde?’  der  ander 
vogel  ist  ain  nahtgal.  bi  der  ist  bezaichent  dü  groz  minne  die  dü  rainnü 
sele  zü  Gotte  hat  der  vogel  singet  och  zwen  sänge,  der  erste  sang  ist 
also:  'o  herre,  bezette  mich  mit  blümen  und  bestek  mich  mit  öpfeln,  won  io 

ich  serwe  nach  diner  minne'.  der  ander  sang  sprichet:  'o  userweltü  schon- 

hait,  wie  lian  ich  dich  so  spate  geminnet!’  und  da  von  sprichet  sant  Ans- 
helm: 'o  ewigü  minne,  dü  alles  an  brinnet  und  niemer  erlöschet  ich  erkande 
dich  ze  spate,  ich  nutz  erkennen  dich  und  gedenken  an  dich  und  müz 

minnen  dich,  won  du  gehaissest  vil  gutes  den  die  dich  minnent.  und  gib  15 

mir  nüt  wan  dich  allaine,  dez  benüget  mich’. 

Wir  sont  och  an  ünsrem  herren  haften  alz  daz  klait  an  dem  mcntschen 
daz  klait  füget  sich  zü  dem  libe  und  umbvahet  den  lip.  [198*]  also  sont 
och  wir  ünz  zü  Gotte  fügen  und  sont  in  umbvahen  mit  kreftiger  tilgend,  also 
daz  er  niemer  mug  entwichen.  20 

Wir  sont  och  an  ünserm  herren  haften  alz  die  Sternen  an  dem  liymel. 
die  Sternen  stant  an  dem  hymel  und  verwandlent  ir  stat  niemer  durch  deliaiu 
gwitter.  also  sont  och  wir  an  Got  haften  tag  und  naht,  daz  ist  in  franst- 
mütkait  und  in  widerwärtkait:  swie  ünz  ünser  ding  joch  gange,  so  sont  wir 
üns  niemer  von  im  geschaiden.  25 

Wir  sont  och  an  ünserm  herren  haften  alz  der  adamas  an  dem  isen. 
daz  isen  ist  starker  nature,  und  swaz  man  stark  und  vest  wil  machen,  daz 
machet  man  von  isen.  da  bi  ist  bezaichent  ünser  herre,  der  under  allen 
dingen  der  sterkest  ist.  und  an  dem  sont  wir  haften  reht  alz  ain  ademas 
mit  starker  und  vester  girde,  won  wir  mugent  nit  gütez  än  in  getün;  und  so 
waz  [199 ”/  gütez  bescheken  sol,  daz  müz  allaine  an  im  und  in  im  und  von 
im  geschehen  in  dem  alles  güt  beschlossen  ist,  won  er  ist  allaine  daz  obrost 
gut.  und  da  von  sprichet  sant  Jacob:  'allez  daz  wir  gütez  hant,  daz  kumet 
allez  von  Gotte’,  sit  nu  daz  war  ist  daz  allez  güt  aiue  von  Gotte  kunt,  so 
liaftent  an  im  durch  ünsern  nutz,  won  ez  ist  ünz  gut!  85 


6.  druken  A.  17.  de  A. 


1 f.  Pa.  41,  3.  2 f.  Pa.  41.  2.  7 f.  vgl.  oben  S.  24  Z.  lf.  und  S.  267  Z.  3 f. 

10.  Cant.  2,5.  11  f.  im  Anschluß  an  einen  Attsspruch  des  hl.  Augustin.  33  f.  Jac.  1, 17. 


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328 


"9.  Von  unser  vrowen. 


[19.]  Yon  unser  vrowen. 

[Judaeis  nova  lux  oriri  visa  est,  gaudium,  honor  et  tripudiumj 

Man  liset  in  ainem  büche,  haisset  Hester,  von  aim  herren,  hiez  Mardocheus, 
der  waz  vil  wol  in  Gottez  willen  und  liez  in  unser  herre  sehen  künftigü 
5 ding,  do  sprach  er  disü  wort:  ‘mich  duhte  daz  ich  sä  hi  uf  gan  ain  nüwez 
lieht  und  ain  vröde  und  ain  ere’. 

Disü  wort  mugent  wir  verstau  von  dem  geburtlichen  tag  unser  vrowen, 
won  si  waz  daz  nüw  lieht,  durch  dri  Sachen  haisset  si  wol  ain  nüwez  lieht. 

Dü  erst  ist  daz  si  dü  erst  maget  waz  dü  iren  künsclilichen  blümen  Gotte 
io  opfert  und  daz  [199*]  sont  ir  wissen  daz  ez  in  den  ziten  ain  hart  uner- 
kant  ding  waz  ain  maget.  won  in  der  alten  e waz  gebotten,  swa  man 
dehain  vrowen  fundi  die  nit  gebüre,  daz  man  die  verstaineti.  und  swie  wol 
si  daz  wiste,  do  waz  ir  doch  der  mägtlich  blüme  alz  liep  daz  si  Got  geliiez 
ir  künschi  ze  behaltenne  untz  an  ir  ende,  da  von  schribet  sant  Lucas:  ‘do 
15  der  engel  zü  ir  kam  und  si  grützte  und  ir  die  botschaft  brahte  daz  si  ain 

kint  solt  geberen,  do  erschrak  si  und  sprach:  ‘quomodo  fiet  istud?’”  reht  alz 

ob  si  Sprüche:  ‘nu  sag  mir,  lieber  jungling,  wie  sol  daz  geschehen?  du 
hast  mir  geseit  daz  ich  ain  kint  sülle  geberen,  nu  wiste  ich  gerne  wie  daz 
geschehen  solti,  won  ich  erkenne  nit  mannez.  so  hau  ich  gelopt  minen  mügt- 

2«  liehen  blümen  Gotte  ze  behaltenne.  sol  ich  nu  ain  kint  geberen,  also  daz 

mir  der  magtüm  nit  werde  verwert,  so  bin  ich  berait  und  naige  mich 
zü  der  gehorsami,  so  geschehe  mir  nah  dinen  Worten’,  hie  so  gie  uf  daz 
[199‘]  nüw  lieht  dez  magtnmez,  won  si  waz  ain  anvang  der  künschi  und 
ain  bilder  und  ain  Spiegel  dez  magtumes. 

25  Dü  ander  Sache  ist  daz  si  ain  nüw  lieht  haisset  dur  ir  wunderlichen 
berhafti;  won  ir  geschach  daz  vor  noch  sit  nie  geschach  noch  niemer  geschiht, 
daz  ain  maget  ain  kint  gebar,  da  von  so  sprach  der  wissag  Jeremyas  wol 
vor  tusent  jaren:  ‘es  sol  ain  nüw  ding  geschehen,  ain  maget  sol  umbvahen 
ainen  man’. 

so  Daz  dritte  ist  daz  si  wol  ain  nüwez  lieht  haisset  von  dem  mAnig- 
valtigen  lone  und  der  grossen  schonhait  so  si  hat  enpfangen;  won  ir  mohte 
nie  hailig  gelich  werden  an  schöni  noch  an  wirdekait.  da  von  hatte  her 
Salomon  lange  da  vor  gesprochen:  ‘wer  ist  dü  wunderlich  schönü  vrowe  der 
an  schöni  nieman  gelich  ist?  si  ist  reht  alz  der  volle  mäne  und  userwelt 
35  alz  dü  sunne’.  nu  möhtint  ir  sprechen:  ‘ist  si  nit  schöner  denne  der  man 
und  [199*]  dü  sunne  ? so  ist  si  bor  schön : moht  er  si  nit  höher  geloben  ? 
joch  ist  ain  sele  sibenvalt  schöner  denne  dü  sunne:  sol  si  denne  nit  schöner 


2.  Der  lat.  Text  fehlt  A. 


2.  Eit.  8, 16. 
28  f.  Jer.  31,  22. 


9 f.  vgl.  S.  82  Z.  3 ff.  14  f.  Luc.  1,  34.  25  f.  vgl.  S.  82  Z.  9f. 

33  f Cant  6,  9.  37.  vgl.  oben  S.  309  Z.  16. 


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79.  Von  ünser  vrowen. 


329 


sin?’  nu  merkent  ain  beschaidenhait:  swenne  die  wissagen  und  die  grozsen 
herren,  alz  her  Salomon,  die  so  groz  wishait  hattent,  so  die  zu  ünz  ain- 
valtigen  luten  retdent,  do  flissent  sü  sich  der  beschaidenhait  daz  si  ir  rede 
also  mässent  daz  wir  si  verstündint;  won  hettint  si  von  hohen  dingen  nach 
ir  wizhait  tüf  gerett,  so  hetti  si  nieman  verstanden.  und  dar  umb  gelichet  5 
er  unser  vrowen  der  sunnen,  won  uns  enkain  creatur  ist  erkant  so  schön  so 
du  sunne.  dar  an  gab  er  ünz  ze  verstünne:  reht  alz  dü  sunne  schöner  ist 
denne  Al lü  creatur,  alz  ist  unser  vrowe  schöner  denne  allez  daz  in  hymelrich 
ist,  an  Got  allaine.  si  ist  ain  Spiegel  und  ain  gezierde  allez  hymelschen  in- 
gesindes  und  ist  erhöhet  und  [200‘]  erhaben  über  alle  die  chöre  der  engel.  io 
man  liset  von  ir  daz  sich  die  engel  ze  hymelriche  wundertent  ob  ir  wunder- 
lichen schöni  und  von  irem  sunderlichen  gewalt  und  sprachent:  'wer  ist  disü 
wunderlichü  schonü  vrowe,  die  so  gewalteklich  hie  uf  vert?’ 

Nu  sont  ir  fürbaz  merken  daz  er  sach  ain  vröde  uf  gan  allen  mentschen. 
durch  dri  sache  ist  si  ünz  ain  vröde.  15 

Dü  erste  ist  daz  si  ain  end  ist  der  Sünden  und  dez  ewigen  todez.  nu 
merkent  wie:  do  ünser  herre  den  ersten  mentschen  geschüf,  do  satzte  er  in 
in  daz  paradys.  dez  benügt  in  nit  und  wart  Gotte  ungehorsam  und  wolte 
im  gelich  werden,  und  alz  zehant  waz  allez  mentschlich  künne  versetzet 
dem  tüvel.  und  schraib  ünser  herre  ain  urtaile  und  sprach  daz  er  niemer  20 
wolte  mit  dem  mentschen  sich  versünnen  e daz  er  funde  ain  alz  demütigen 
und  alz  gehorsa/i?Oöymen  mentschen,  alz  hohfertig  und  ungehorsam  daz  erst 
waz.  und  nach  der  urtaile  so  moht  nie  mentsch  so  wol  getiin  noh  so  wol 
geleben  daz  ez  ze  hymelriche  komen  mökte,  untz  an  die  stunde  daz  Got . 
mentsch  wart,  do  hatte  daz  urtail  ain  ende.  25 

Dü  ander  sache  dar  umb  si  ain  vröde  ist  allem  mentschlichen  künne,  daz 
ist  daz  si  ain  sünerin  und  ain  mitlerin  ist  entzwüschent  Gotte  und  dem 
mentschen.  und  daz  ist  üns  armen  sündern  ain  trost  daz  si  ünsrü  sünerin 
ist  und  wil  sin.  als  dü  rüte  entzwüschent  der  wurtzen  und  der  fruht  stat, 
alz  stät  si  alweg  entzwüschent  Gotte  und  üns  und  bittet  für  ünz.  30 

Dü  dritte  sache  ist  war  umbe  si  ain  vröde  ist,  daz  ist  daz  si  sölicken 
gewalt  ze  hymelriche  hat:  für  swen  si  bittet,  daz  daz  unmuglich  ist,  si  werde 
erhöret,  und  liant  wir  des  urkünde  an  mAngem  grossen  sünder  der  von  ir 
schulden  behalten  wart,  und  dar  umb  sont  si  all  [200 ‘J  sünder  eren  gerne. 

Nu  merkent  fürbaz  daz  er  spricht:  ‘er  sAhe  uf  gan  ain  nüwe  ere*.  nu  35 
sint  drie  sunderlich  ere  die  si  hat  vor  allen  mentschen. 

Daz  erst  ist  daz  si  ünsers  herren  also  gewaltig  ist  daz  si  wil  swaz  Got 
wil,  und  Got  wil  swaz  si  wil.  swaz  si  wil,  daz  müz  Got  tün;  won  er  en- 


t.  groz, aen  .4.  21.  dS  .1.  24.  ze  fehlt  4. 


10.  vgl.  oben  S.  78  Z.  6.  12  f.  aut  dem  Brevier  an  Maria  Himmelfahrt : Quac  cst  ista,  quae 

ascendit  sicut  aurora  consurgens  . . . terribilis  ut  castrorum  acics  ordinata  ? 


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330 


SO.  Von  dra  mentschen  wol  gerallung. 


mag  ir  enhain  ding  verzihen  swenne  er  ir  brust  an  siht,  die  er  da  sög.  nu 
merkent  wie  gar  zimlich  daz  wäre  daz  ir  kint  ir  ihtez  iht  verzige,  daz  si 
so  dike  lieplich  gedruket  hat  an  ir  hertze  und  daz  si  tusent  stunt  geküsset 
hat:  daz  wäri  hart  unherlich  daz  si  daz  kint  enterti. 

5 Dü  ander  ere  ist  daz  si  und  Got  ain  kint  gemain  hant.  daz  geschach 
noch  geschiht  niemer  me.  daz  waz  wol  du  obrost  ere  du  ie  wart,  daz  sich 
Got  zü  ir  also  hainlichet. 

Dü  dritte  ere  ist  daz  ir  stül  erhöhet  ist  und  erhaben  über  alle  ment- 
sclien  und  über  alle  engel  und  ist  gesetzet  nebent  Got.  und  alsuz  ist  si 
10  gezieret. 

Nu  [200*]  sont  och  wir  si  eren  und  loben  und  bitten  daz  si  ünsern 
herren  für  linz  bitte. 


[80.1  Von  dez  mentschen  wol  gevalluug. 

Drü  ding  machent  den  mentschen  Got  wol  gevallende  und  och  den  lüten. 
15  Daz  erst,  ist  gilt  werch.  da  von  sprichet  ünser  herre  in  dem  ewangelio: 
‘üwrü  werch  sont  allen  lüten  offen  sin,  dar  umbe  daz  si  üwern  vatter  von 
hymelrich  lobent  und  och  si  da  von  gebessert  werdent'. 

Daz  ander  ist  trüwe.  daz  ist  also  daz  wir  getrülichen  behaltint  swaz 
er  linz  hat  bevolhen.  daz  ist  der  edel  schätz  den  er  mit  sines  hertzen  blüt 
20  gekoffet  hat  den  schätz  sont  wir  alz  getrülich  behalten  daz  wir  in  wider 
antwürtent  schöne  und  ane  fleken  dem  der  in  so  türe  gekoffet  hat.  ‘o  sälger 
meutsch',  sprichet  ünser  herre  durch  dez  wissagen  munt,  ‘dunke  dich  daz  ich 
dich  gnü  türe  habe  koflet  und  daz  du  mich  gnü  bitterlich  sigist  [201*]  an 
körnen,  so  minne  mich!  dunke  dich  dez  nit,  so  scbaide  von  mir!’  nu 
25  sprichet  sant  Augustinus:  ‘sit  ich  ainest  so  tür  koffet  bin  mit  so  edlem 
schätze,  so  enwil  min  sele  ich  niemer  me  verkoffen’. 

Daz  dritte  ist  beschaidenhait  der  weiche,  nu  merke  wie  ünser  herre 
sprichet:  ‘ir  sont  wise  sin  alz  der  schlänge’.  sinnlich  schlangen  sint  der 
nature,  so  si  wellent  trinken,  so  laut  si  e die  unrainkait  von  in  und  trinkent 
90  denne  dez  brunnen.  also  sol  der  mentseh  tun  der  die  gnade  ünsers  lierren 
wil  enpfahen:  der  sol  zem  ersten  die  sünde  us  dem  hertzen  werfen  und  sol 
denne  zü  dem  lebenden  brunnen  gan  und  sol  da  gnade,  vröde  und  sülde 
enphahen.  da  von  sprichet  sant  Ambrosius:  ‘o  herre,  min  Got,  min  süssekait. 
züch  mich  zü  dir  dem  lebenden  brunnen,  daz  min  sele  von  dim  süssen  hertzen 
35  getrinke,  won  dez  gelüst  mich!’ 


2 f.  unzimlich  ? 


8 f.  vgl.  S.  80  Z.  36  f.  13.  Die  Predigt  hatte  vielleieht  zum  Vorsprueh  Eph.  5,  8f.:  l"t  filii 
lucis  ambulate,  probantea  quid  sit  beneplacitum  Deo.  16  f.  Matt.  5, 16.  28.  Matt.  10, 16. 


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SI.  Von  dem  weg  2Ü  der  waren  rninne. 


331 


[81. j Von  dem  weg  zu  der  waren  mlnne. 

[20V]  Dü  wäre  minne  und  dü  liebe  die  ich  zu  Gotte  habe,  twinget 
mich  ze  schriben  welez  si  der  beste  und  der  gewissest  weg  zü  der  wunnek- 

lichen  erkantnust  dez  schönen  Gottez;  won  da  kumet.  sölich  nutz  von  daz  ain 

rainnü  sei  uflf  ertrich  gewinnet  die  hymcluche  v rode  du  aller  weit  vröde  über  5 
wiget  alz  daz  mer  ainen  tropfen  Wassers,  swer  nu  welle  in  disem  libe 
bekoren  der  vröde  die  da  ist  in  hymelriche,  der  kere  siDen  sin  und  gemüte 
nff  den  wege  frumeklich  und  enwenke  dur  sur  noch  dur  süsse  dar  ab  niemer, 
so  wirt  er  von  laide  erlöset  und  von  trurkait  getröstet,  ez  dunket  mich 

aber  nit  ain  klainnü  tumpliait  daz  sich  der  nit  verzihet  weltlicher  vröden  der  tu 
weder  ensol  noch  getar  noch  enmag  han,  und  doch  an  vröde  ist,  so  daz  ain 
mentsche  von  nature  ane  vröde  und  ane  liebi  nit  mag  sin.  ez  enist  och 
nit  ain  klainü  tumpliait  daz  ain  mentsche  grosse  [20V]  arbait.  unvervank- 
liclien  lidet  so  ez  mit  minre  arbait  sich  baz  gefürdren  möhti,  und  ez  lengern 
weg  suchet  so  er  dur  kranken  lip  und  durch  kurtze  zit  kürzeren  weg  er-  15 
wellen  sölti.  ez  ist  och  dü  obrost  tumpliait  die  ich  waiz,  daz  der  mentsch 

sich  so  unberait  waiz  engegen  der  stunde  dez  todes  und  doch  dar  zü  so 

unernschlich  gebäret,  disü  unwizhait  kunt  sillü  von  der  unerkantnüst  sin 

selbez.  da  von  kumet  sumkait,  trakait,  urdrutze  und  verlassenhait  und  aller 
maist  dü  verfluchet  hohfart.  da  von  rat  ich,  swer  sich  hie  mit  wissent  20 

bekümbert,  daz  er  dirre  lere,  der  ich  nu  beginnen  wil,  war  neme;  won  da 
von  kumet  dü  sele  zü  der  erkantnust  dez  süssen  Gottes,  so  vil  si  in  disem 
libe  wesend  erkennen  mag.  swer  nu  rehte  erkantnust  gewinnen  welli,  da 

von  ime  wunne  und  vröde  waelisi,  der  tüge  alz  hie  nach  geschähen  stände. 

Zem  eilten  bedenke  und  betrahte  sin  vervar [20V]nea  leben,  wie  uppek-  25 
liehe  und  wie  unnutzkliche  und  wie  süntlich  er  daz  vertan  habe,  dar  nach 

5.  die  hymclschc  vrfide  fehlt  A , ergänzt  ron  lioethe,  10.  aber  — kt.]  ein  groze  S.  daz! 

der  S.  der  n.  v.)  verzigen  hat  S.  10  f.  der  weder]  der  er  w.  ? der  weder  — han)  noch  on- 

wil  noeli  ensol  si  han  noeli  enraae  si  han  noch  engetar  si  han  S.  11.  bo  d.  ain)  wan  der  S. 

11  f.  mir  nicht  ganz  verständlich.  12.  niht  lange  m.  S.  12  f.  enist  — kl.]  ist  ouch  ein  minre  S. 

13.  ain  m.]  der  m.  S.  15/'.  so  — waiz]  durh  disen  krancheit  lip  von  durh  dis  kranko 
kurze  zit  so  er  im  k.  w.  orwelen  sol  . dv  dritc  tvmplicit  vnn  die  meiste  denket  mich  S.  1".  so 
( vor  unb.)  fehlt  S.  der  — 20  hohfart]  der  vngewissen  stvndcn  todes  vnn  fßr  eines  dvrftic  weis 
vnn  scliuldic  vor  goto  weis  vnn  vor  sime  angesiht  ran  cs  doch  darzvo  so  vnemestlich  gebäret 
etswenne  went  er  sich  niht  ergemn  gebezzort  er  sich  niht  daz  ist  niht  wan  ze  glicher  wis  alz  daz 
schif  in  deme  fliezenden  wazzere  ze  tal  gat  der  es  niht  vf  cntschaltct  alz  geboesirt  sich  in  geis- 
lichcm  lebenne  swer  sich  niht  enbezzert  dise  vnwisheit  kennet  alle  von  versumekait  von  vnruochc 
von  trachcit  von  vrdrvz  von  verlazenbeit  vnn  aller  meist  von  der  vortampten  hochvart  von  der 
der  geweren  minnen  für  verloeschet  gar  davon  mac  man  ervorliten  daz  vnser  horTe  spr.  in  S.  Jo- 
hannes tongeni  dv  bist  weder  kalt  noch  warm  vnn  wan  dv  lewi  bist  da  von  spige  ich  dich  vzer 
minen  mvndc  S.  20.  I.  wisse  ? (Boethe). 

1.  Heben  dem  Teert  des  Traktates  bemerkt  eine  neuere  Hand:  a]us]  dem  latein  ? 9.  ez  — 

20  hohfart  steht  auch  iit  S Bl.  94  mit  der  Überschrift  Vppig  vroede  als  letztes  Stuck  der  Hand- 
schrift. Die  Lesarten  sind  hier  angegeben;  der  Text  ist  teilweise  fehlerhaft  überliefert.  25.  vgl. 

S.  130  Z.  4f.;  S.  188  Z.  35  f. 


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332 


81.  Von  dem  weg  zft  der  waren  minue. 


betrahte  Gottes  rehtekait,  dü  nit  allaine  ain  übel  wercli  oder  ain  übel  rede, 
sunder  och  üppig  gedenke  endlich  und  strenklich  rillten  wil.  dar  nach  be- 
trahte waz  ungemachez  und  laidez  uud  wisse  er  umb  sine  sünde  liden  muz, 
wie  unverträglich  die  sint,  wie  grülich  und  wie  lang  die  weren  sont.  diz 

5 birt  an  im  demütekait,  dü  ain  muter  ist  aller  tugend;  da  von  wachset  denne 
Gottez  vorhte,  dü  ist  ain  angenge  aller  sälikait.  dar  nach  betrahte  wie  sin 
sele  mit  Sünden  über  laden  ist  und  mit  dem  tätlichen  übe  beswüret  ist  und 
daz  si  mit  irdescheu  dingen  bekümbert  ist  uud  wie  si  mitte  flaischlicher 
girde  verunraint  ist,  wie  blint,  wie  krumbe  und  wie  krank  si  ist,  wie  si 
nt  mit  mängem  iertiim  verierret  ist,  wie  si  mit  tusent  nöten  [202m]  angeschäftig 
ist,  wie  si  mit  tusent  schulden  verschult  ist,  wie  berrait  si  zü  Untugenden  ist. 
dar  nach  gedenk  wie  gar  kurtz  daz  leben  ist  und  wie  häl  der  weg  ist  und 
wie  ungewiss  dü  stunde  dez  todes  si.  dar  nach  gedenk  wie  er  w'ainend  zu 
disem  leben  ist  körnen  und  mit  laide  und  mit  sere  daz  leben  verlieren  müz. 
is  dar  nach  gedenk  wie  mit  mänger  sorkait  gemischlet  si  ob  iht  süssez  und 
vrölichez  in  disem  leben  ünz  an  lachet,  gedenk  und  betrahte  wie  argwänig, 
wie  unstät  und  wie  zerganklieh  allez  daz  ist  daz  dirre  weit  vröde  und  liebi 
birt.  dar  nach  gedenk  waz  er  übelz  von  angeng  sines  lebens  hab  getau 
und  waz  er  übelz  hab  erlitten,  und  setze  für  sinü  ogen  alle  die  tage  die  er 
20  gelebt  habe  und  ietz  hab,  und  merke  wie  mänig  unnütz  arbait  er  erlitten 
habe,  won  also  wirt  er  erkennent  sins  lebens  jamerkait.  dar  / 202 *]  nach 

gedenk  denne  an  die  hjmelschen  süzkait  uud  wunne  und  ahte  und  betrahte 
waz  er  dar  au  verlorn  habe  und  waz  er  hie  funden  habe.  dar  nach 

gedenke  an  Gottez  erbärmde,  wie  dik  er  im  von  mängen  nöten  geholfen 
25  habe:  so  er  sin  vergaz,  so  mante  er  in  daz  er  an  in  gedähti;  so  er  sich 
von  im  kerte,  so  winket  er  im  wider;  so  er  kam,  so  enpfieng  er  in  und 
vergab  im  sin  sünde;  so  er  viel,  so  rihte  er  in  wider  uf;  so  er  stiind,  so 

hüb  er  in;  so  er  stäte  blaib,  so  hüt  er  sin.  böse  gelüst  erfurbt  er  im,  nach 

dem  laide  trost  er  in. 

so  Diz  sol  es  allez  bedenken  und  betrahten  in  sim  hertzen,  daz  im  daz 

Got  allez  getan  hat  und  tut,  won  da  von  wirt  er  in  denne  minnende. 

Dar  nach  sol  er  gedenken  und  betrahten  in  sim  hertzen  waz  billich  ald 
unbillich  si,  waz  zimlich  ald  uuzimlich  si  an  allen  sinen  werchen,  in  allen 
Stetten,  ze  allen  ziten  und  wider  ieglich  mentsche.  an  allen  werchen  [202‘J 
35  sprich  ich,  daz  ist  ze  verstänne  also  daz  er  sich  an  Gottes  dienste  arbaite 
vorhtsam,  andähtig  und  gaischlich.  dar  nach  arbaite  sich  sim  eben  mentschen 
gewilligen,  vrölichen  und  beraiten.  da  nach  arbait  sich  im  selben  kranken 
und  mässigen  und  niemann  ungestüme. 

Der  diz  allez  tüt,  der  hat  die  rehten  erkantnust  Gottez  und  sin  selbez 
40  und  aller  dinge. 


3.  er  fehlt  A.  15.  gedek  .4.  19.  er  fehlt  A. 

6.  Ecdi.  1, 16;  P>.  110, 10.  33  f.  vgl  S.  333  Z.  6f. 


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82.  Von  dcz  gaisclilichcn  mentschcn  ordnnngo. 


333 


[82.]  Von  (lez  galsch/ichen  mentschcn  ordnunge. 

Der  gaischlich  mentsche  der  sol  an  allem  sim  leben  wol  geordnet  sin. 

Er  sol  zem  ersten  sin  aigen  willen  lassen  und  ainz  andern  willen  under- 
tänig  sin.  er  sol  och  ahten  wie  er  Sülle  sin  gnade  üben  und  wie  er  sülle  sin 
an  siner  gnade:  stAnde,  sitzent,  ligend,  redend,  swigend,  essend,  vastend,  5 
trinkend,  arbaitend  und  müssig  sinde.  er  sol  och  war  nemen  wie  er  wider 
ieglich  mentsche,  an  ieglicher  statt,  ze  ieglicher  zit  gebaren  sülli.  er  sol  och 
sehen  daz  er  [202d]  unbüzwirdig  si  an  gewande,  an  sitten,  an  rede  und  an 
gebArden.  er  sol  och  minnen  die  besser  sint  denne  er,  und  eren  die  höher 
sint  denn  er.  er  sol  och  weltlich  lüt  und  der  leben  büzwirdig  ist,  schuhen  io 
und  sin  wonung  han  mit  sinen  geliehen  andAhtigen  und  duruAhtigen  und  die 
gütez  lebens  sint.  er  sol  och  frid  und  ebewhellung  halten  mit  allen  den  bi  den 
er  wonet,  also  daz  du  wäre  rainne  niemer  von  sinen  wegen  betrübet  werde, 
er  sol  och  sin  lait  und  sin  beswärde  mit  senftem  gemüte  tragen,  nit  gerne 
kriegen  und  vertraglich  sin,  sunder  er  sol  alwegent  dem  krieg  entwichen.  15 
er  sol  och  den  arbaitenden  ze  helf  komen  und  selb  gern  arbaiten  oder  iemer 
etwaz  gütez  tfin,  daz  in  der  tüvel  iht  müssig  vinde.  er  sol  die  trurigen 
allez  an  trösten,  dem  ratlosen  raten  und  die  unwisen  leren.  er  sol  sich 

arbaiten  allen  luten  ze  dienste  gewilligen,  &mkhk[203“]rz\\,  senften,  demütigen, 
erbarmhertzigen  und  güten,  nüt  allaine  die  im  wol  tunt,  sunder  och  sinen  20 
viginden,  die  im  übel  tunt,  er  sol  vergeben  lihte,  kum  zürnen  und  nüt 

rilicli  sin;  aim  ieglichen  tü  alz  im  selben;  die  frünt  minnen  in  Gotte,  die 
vigint  durch  Got,  Got  dur  sich  selben,  er  sol  och  sinen  lip  mit  discipline, 
mit  vastenn,  mit  wachenne,  mit  venienn,  mit  bettenne  und  mit  andren  güten 
dingen  kestigen  und  nit  ze  zart  haben,  daz  er  nit  werde  ze  gaile.  er  sol  25 
gerne  inne  sin,  nit  uz  wendig,  nit  vil  geklaffen,  nit  märe  sagen,  gerne  in 
kilchen  sin,  gern  betten,  gerne  bihten  und  dike  sin  sünde  flisseklich  wainen. 
er  sol  sich  usserz  geschAftes  enziehen  und  nach  eren  und  nach  gewalt  nit 
stan;  sich  selben  nit  überhaben  und  für  den  bösten  und  den  swechsten  sich 
ahten.  er  sol  sich  och  an  allen  dingen  zühteklichen  (203'']  halten,  ze  »> 
vordrost  an  vier  dingen:  an  gewande,  an  gebärden,  an  red  und  an  werchen. 
an  gewande  daz  ez  nit  züre  si  und  nit  ze  schinber  noch  ze  seltzens  snittez 
si,  und  daz  ez  zimlich  und  gaischlich  si  geschaffen,  und  daz  ez  nit  ze  wit 
noch  zenge  noch  anders  weltlich  si.  an  den  gebArden  daz  ez  nit  si  ze  wAh 
noch  ze  verlassen,  noch  ze  träge  noch  ze  gäbe,  noch  ze  frävel  noch  ze  swär-  S5 

mütig.  an  der  rede  daz  er  nüt  ze  vil  noch  ze  lützel  gerede.  an  den 


1.  gaischiehen  A.  12.  ebhellvg  A.  15.  de  A.  19.  danbS/ren  A.  22.  I.  richlicb 
' rachsüchtig’ ? (Roethe).  30.  nach  sol  i»t  ein  ziceites  sol  rot  durchstrichen  A.  32.  I.  ze  tfire? 
iRoethe). 


1.  Der  Traktat  De  religiosae  vitne  institntionc  erinnert  in  vielem  an  David  v.  Augsburgs 
Traktat:  De  compositionc  hominis  exterioris  et  interioris  (ed.  Quarrachi  1899). 


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334 


S2.  Von  des  gaischfiehen  mentschen  ordnunge. 


werchen  daz  er  nit  dar  an  ze  sumig  noch  ze  urdrutzig  si  und  mit  ze  vil 
noh  ze  lützel  gewerche. 

An  allen  disen  dingen  sol  sich  der  gaischlich  mentsche  flisseklich  hüten: 
zem  ersten  an  sinen  gebärden,  also  daz  ain  ieglich  gelid  mit  der  wise  und 
5 mit  der  mässe  tftge  daz  ez  tün  sol,  weder  minder  noch  me  noch  auders 
denne  ez  sol  sin,  und  also  daz  ez  niemer  an  dehaim  taile  die  mäz  Über- 
gänge. daz  main  ich  alsuz:  lachen  ane  zen  embleken;  sehen  än  ogen  [203‘J 
steken;  reden  än  hende  streken  und  än  vinger  zaigen  und  ane  höbet 
wegen;  gan  ane  swänkelieren  und  arm  swenken;  sitzen  än  knü  Überwerfen 
10  und  än  siten  lainnen.  in  allen  dingen  sollt  dez  mentschen  gebärde  sin  ge- 
vellig:  daz  ist  stilli  än  fulkait,  vrölich  än  verlassenhait,  swäre  ane  trakait, 
ernsthaft  ane  ungemach,  strenge  än  fravelli.  an  der  rede  sol  man  behalten 
fünf  ding,  daz  ist:  waz  man  reden  sülli  und  mit  wem  und  wenne  und  wa 
und  wie.  waz  man  reden  sülli:  nit  won  daz  nutzbar  und  erber  si.  mit 
15  wem  man  reden  sülli:  daz  sol  man  mit  den  von  den  nutz  komen  mugi. 
wenne  man  reden  sülli:  daz  sol  man  denne  so  ez  notdürftig  ist.  wa  man 
reden  sülli:  daz  sol  man  tün  nuruent  an  den  Stetten  da  ez  erlobet  ist,  und 
swigen  da  ez  verbotten  ist.  gaischlicher  mentsche,  du  solt  swigen  da  ain 
andre  redet,  daz  ez  von  diner  underrede  nit  geierret  oder  beswäret  werde. 
20  [203 7 du  solt  och  etwenn  swigen  daz  du  ze  vil  rede  mugest  miden.  du 
solt  och  etwenn  swigen  dar  umbe  won  du  dich  nit  vor  bedaht  hast  waz 
du  reden  wellist.  wie  man  reden  sülli:  daz  ist  mit  weler  gebärde,  mit  weler 
stimme,  mit  weler  betwunge.  so  man  redet,  so  sont  die  gebärde  mässig  sin, 
daz  man  nit  unordenlich  noch  unkünschlich  noch  ungezogenlich  noch  zornlich 
25  gebäre,  man  sol  och  senfte  stimme  han  so  man  redet:  daz  ist  schöne  ane 
rüffenn  und  än  brähtenn,  wär  reden  än  liegen. 

Man  sol  beschaidenhait  walten  an  allen  dingen;  won  beschaidenhait 
ist  ain  tugend  dü  den  inren  mentschen  rihtet.  beschaidenhait  pfliget  rehter 
müsse,  si  tut  weder  ze  vil  noch  ze  lützel.  beschaidenhait  ist  ain  vestn 
so  maistrin  allez  willen,  aller  girde,  aller  tugend.  swelü  tugend  ir  ratez 
nit  envolget,  dü  verlöret  [204“ ] schier  ir  namen.  da  si  ze  gegen  ist, 
da  getar  enhain  tugend  über  ir  kraft  nüt  getüu  oder  von  sumkait  üt  ver- 
swigen.  beschaidenhait  sol  ieklich  untugent  werren  und  vertriben.  der  be- 
schaidenhait amaht  ist  rüge,  und  hütet  aller  girde  zuht  und  geschäfde  allez 
35  willen,  beschaidenhait  sol  wissen  und  war  nemen  wie  vil  täglich  daz  inner 
mentsche  sich  bessre  oder  ergre,  wele  gedenke  ez  me  an  kere  und  von  welen 
girden  ez  diker  bekümbert  werde,  und  sol  sehen  wie  ez  si  an  den  Sitten  und 
an  dem  willen,  wie  ungelich  und  wie  gelich  ez  Gotte  si,  wie  verre  und  wie 
nahe  ez  im  si.  beschaidenhait  sol  wol  erkennen  nit  allain  die  Untugend  dez 
to  hertzen,  sunder  och  die  unkraft  dez  libez;  und  alz  ir  ieglichs  bedarf  trost, 


5.  dz  .4 , I.  alz  ? (BnetheJ.  13.  und  wa  fehlt  A.  15.  mau  mit  fehlt  A.  23.  bet  »nee  .4. 
33.  BeechaiodShait  A.  34.  amaht  — « ambaht. 


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S2.  Von  (los  guiscbfiehen  mentschen  ordnnngc. 


335 


rat  und  helfe,  daz  sol  si  im  zu  fügen,  beschaidenhait  sol  och  wissen  und 
betrahten  die  gnade  und  die  gäbe  Gottez  und  der  [204*1  tilgend  wirdekait, 
und  schaiden  ivelü  tilgend  si  von  nature  oder  von  gnade,  beschaidenhait  sol 
wissen  mit  weler  bekorunge  der  böz  gaist  daz  inner  mentsche  an  vehti  und 
wie  münger  gaischlicher  vröde  der  bailig  gaist  ez  da  wider  tröstet,  und  daz  5 
icli  ez  allez  ze  samen  vahe,  so  sol  disü  tugend  daz  inner  und  daz  usser 
mentsche  alle  haben  und  wissen,  so  vil  es  muglich  ist,  volleklich  erkennen, 
hie  mit  wirt  daz  mentsche  sich  selben  erkennend  und  kumet  da  von  zii 

Gottez  erkantnust. 

Won  nu  der  beschaidenhait  werch  ist  betrahtung,  da  von  nim  war  waz  in 
du  betrahten  süllest. 

Din  Sitten  solt  du  aller  maist  betrahten,  und  drü  ding  solt  du  dar  an 
merken:  daz  ist  girde,  gedenke  und  dü  werch.  an  der  girde  merke  daz 
si  reht  si  und  mAssig.  daz  ist  also  daz  du  begerest  des  du  solt  geren ; 

hast  du  liep  daz  du  liep  solt  haben,  daz  ist  reht;  hastu  ez  anderz  Iiep  15 

denne  du  solt,  daz  ist  unkünschkait  und  unreht.  an  den  gedenken  betrahte 
daz  si  [204‘]  rain  sigint  und  ordenlich:  rain  sprich  ich,  daz  si  von  bösen 
girden  iht  koment  noch  böz  begerung  von  im  iht  kome;  ordenlich,  daz  si 
nument  von  Gotte  sigint  und  von  dem  daz  Got  an  höret,  an  den  werchen 
betrahte  daz  sü  in  gutem  sinne  werdent  fürbraht.  guter  sin  ist  der  ain-  20 
valtig  ist.  ain  ander  wis  solt  du  din  Sitten  betrahten,  daz  ist  an  dem  inren 
mentschen  und  an  dem  usseren  mentschen.  du  solt  ahten  an  dem  ussern 

mentschen  waz  wol  gezämi  und  gut  bilde  gebe  dim  eben  mentschen;  und 
sich  och  waz  dir  dar  zü  wol  kome,  da  von  du  Ion  von  Gotte  wellest 

enpfahen.  merke  och  an  dem  inren  mentschen  ob  du  ain  raines  hertze  25 
habest;  daz  ist  also  daz  du  dich  nit  schuldig  wissest  dehaines  üblen  dinges. 
ain  ander  wis  mäht  du  betrahten  din  sitten,  daz  du  allez  die  bewegung  dü 
din  hertze  an  kumet,  merkest,  wannan  die  koment  und  war  si  wellent.  die 
du  denne  gut  vindest,  die  sint  von  Gotte;  dar  umbe  [204d]  lob  in!  die  du 
übel  vindest  , die  sint  von  dem  vigint  oder  von  dem  flaische;  den  baiden  so 

wider  sta!  ain  ander  wis  solt  du  betrahten  din  sitten,  daz  du  zem  ersten 
schaidest  daz  gut  von  dem  übelen,  dar  nach  daz  besser  von  dem  güten,  dar 
nach  so  verriht  ieglich  gut  daz  ez  nach  sim  rehten  vollebraht  werde,  ain 

ander  wis  solt  du  aber  betrahten  din  sitten  dar  an  daz  du  allez  daz  zem 
ersten  volle  bringest  daz  du  ane  schulde  sumen  nit  enmaht  aine  ander  wis  35 
mäht  du  aber  betrahten  dinen  sitten,  daz  du  ahttegist  ob  du  dich  an 

tagenden  und  an  verstandenhait  und  an  senften  sitten  iht  gebessert  oder  ge- 
ergret  habest;  ob  du  gedultiger  oder  ungedultiger,  senfter  oder  ungestümer, 
demütiger  oder  hohfertiger,  gewilliger  oder  ungewilliger,  ernschthafter  oder 
verlasser,  vortsamer  oder  getürstiger  sigist.  betrahte  och,  swenn  du  iht  tun  40 
wellest  dar  zu  dich  dü  gehorsa/’505“7mi  nit  zwinget,  ob  ez  übel  oder  gilt 


7.  ergänze  und  vor  so?  10.  der  fehlt  A.  U.  solt  du  A.  17.  rain  fehlt  A. 


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336 


82.  Von  des  gaiscb/iclien  mentschen  ordnungc. 


si.  vindest  du  ez  gilt,  so  sich  ob  ez  an  der  zit  und  an  der  statt  und  an 
dem  sinne  gut  ist;  ist  ez  aber  zwivellicb,  so  laz  ez  sin  oder  warte  im  e 
dez  endez.  betrahte  och  vor  ieglichem  dinge  daz  du  tün  wilt,  ob  ez  si 
nütze  oder  unnütze,  notdürftig  oder  unnotdürftig,  zimlich  oder  unzimlich. 

5 Disü  lere  machet  den  gaischlichen  mentschen  ordenlich  leben,  und  swer 
sich  dar  nach  haltet,  dez  leben  ist  ain  luter  und  ain  rehtes  leben,  und 
wirt  besitzend  nach  disem  leben  daz  ewig  leben,  und  daz  verlihe  ünz  der 
vatter  und  der  sun  und  der  hailig  gaist. 


183]  Von  der  volkomenhalt  dez  leben». 

to  [Estote  perfecti  nicut  et  pater  vester  coelestis  perfectus  est.] 

'Ir  sont  vollekomen  sin  an  üwerm  lebenn1,  spricht  ünser  herre  in  dem 
ewangelio. 

Nu  lit.  ällü  volkomenhait  an  drin  dingen:  an  gedenken,  an  Worten  und 
an  werchen. 

15  Zwelf  ding  sont  wir  gedenken  an  underlaz.  zü  dem  ersten  male  sont 
wir  gedenken  nach  der  [205*]  drivaltkait  ünsers  herren,  wie  gewaltig,  wie 
wise  und  wie  gilt  er  ist:  gewaltig  ist  der  vatter,  wise  ist  der  sun,  güt 
ist  der  hailig  gaist;  und  von  sümlicher  gehügde  gewinnent  wir  ain  wunder 
in  ünsrem  hertzen  und  ain  wollust  und  ain  minne  an  Gotte,  dar  nach  sont 
2fl  wir  gedenken  an  ünser  sünde,  wie  ünz  die  von  Gotte  schaident;  und  da  von 
gewinnent  wir  rüwe  und  bitterkait  dez  hertzen.  dar  nach  sont  wir  ge- 
denken an  den  tot,  wie  gewiss  der  ist  und  wie  ungewiss  dez  todez  stund 
ist;  und  da  von  gewinnent  wir  sorgsami,  wie  wir  ünz  dar  zu  beraitint. 
dar  nach  sont  wir  gedenken  an  die  güttäte  die  ünz  Got  getan  hat  und 
25  allez  an  tüt ; und  da  von  gewinnent  wir  dankberi,  daz  wir  dank  im  dar 
umb  sagent;  won  dez  sint  wir  im  och  schuldig  daz  wir  niemer  tag  gelassent 
so  wir  uf  stand  und  nider  gant,  wir  sagent  im  dank  umb  die  mänigvaltigen 
gütäte  so  er  ünz  hat  getan  [205c]  und  allez  an  tüt;  und  dü  dankberi 
raitzet  in  denne  och  dar  zü  daz  er  ünz  der  gütät  wol  gan  und  fürbaz  dester 
so  gerner  wol  tüt  dar  nach  sont  wir  gedenken  an  die  trugenhait  und  an  die 
unstätekait  dirre  weite,  wie  gar  valsch  und  unstüte  alz  dü  wunne  und  dü 
vröde  ist  dü  in  dirre  weit  ist;  da  von  gewinnent  wir  unähtigi,  daz  wir  nit 
ahtent  und  versmahent  werdent  Allü  zerganklichü  ding,  dar  nach  sont  wir 
gedenken  an  daz  strenge  geriht  ünsers  herren,  wie  strenklich  er  rillten  wil 
so  an  dem  jüngsten  tage  allez  daz  wir  ie  getatent  mit  gedenken,  mit  Worten 


4.  notdürftig  fehlt  A.  5.  de  A.  10.  Der  lat.  Text  fehlt  A. 


9.  vgl.  zu  diesem  Stück  oben  Traktat  Xr.  18  S.  52  ff.  10.  Matt.  5,  iS.  20.  SO.  SST.  19 
vgl.  oben  S.  128  Z.  l t ff. 


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83.  Von  der  volkomenhait  dez  tebens. 


337 


und  mit  werchen;  won  daz  machet  an  ünz  vorhte,  daz  wir  ünz  entlidigent 
von  unsren  Sünden  und  ünz  fürbaz  von  Sünden  hiitent.  dar  nach  sont  wir 
gedenken  an  die  strenkait  der  hailigen,  wie  strengez  leben  si  hie  uff  ertrich 
hattent  umb  daz  ewig  leben,  daz  si  in  hymelriche  nu  besessen  haut,  wie 
strengez  leben  [ 205‘ ] noch  die  güten  lüte  hant  die  ietz  lebent;  won  daz  5 
raitzet  och  ünz  arbait  ze  lidenne  umb  daz  selb  leben  dar  umb  och  sü  ez 
littent  dar  nach  sont  wir  gedenken  wie  wir  allez  daz  daz  wir  tünt,  Gotte  ze 
lobe  und  ze  eren  tügint:  ez  si  essen,  trinken,  schlaffent  oder  bettend,  und 
swaz  wir  anders  tünt,  daz  wir  zem  ersten  sprechent:  ‘lieber  herre  von 
hymelrich,  wir  went  dir  diz  ze  lobe  und  ze  eren  tün,  und  la  ez  dir  lobsam  io 
sin  und  üns  nütze  an  ünser  sele  durch  dine  giiti!’  dar  nach  sont  wir  ge- 
denken an  den  güten  willen  den  wir  hattent  do  wir  zü  gaischlichem  leben 
kament,  durch  daz  daz  wir  alwegent  belibent  in  dem  selben  willen  und  in  der 
selben  hitze.  dar  nach  sont  wir  gedenken  wie  wir  ünserm  ebencristan  ze 
helfe  koment  in  sinen  notdürften,  uud  daz  wir  ünz  über  in  erbarment  und  15 
ünz  vröwent  swenne  im  iht  ze  güt  geschehe,  dar  nach  [206"]  sont  wir 

gedenken  an  die  not  dü  in  der  helle  ist,  wie  groz,  wie  mänigvaltig  und  wie 

lang  dü  ist;  won  da  von  erschriken  wir  und  w'erdent  üns  hütent  der  vor. 

dar  nach  sont  wir  gedenken  an  die  vröde  und  an  die  wunne  die  ze  hymel- 
rich ist,  wie  groz,  wie  münigvaltig  und  wie  ewig  dü  ist;  da  von  gewinnent  20 
wir  girde  und  gelüst,  daz  ünz  dar  nach  jamrent  wirt  und  dar  nach  stellent 
werdent.  dis  ist  dü  vollekomenhait  der  gedenke. 

Nu  sont  wir  merken  wie  daz  wir  volkomenhait  gewinnent  an  den  Worten, 
vollekomenhait  der  worte  lit  an  fünf  dingen,  daz  erste  ist  daz  man  nüt 
rede  won  die  notdurft,  mit  vorhten;  und  so  man  ünz  iht  fraget,  dez  ant-  25 

würtent.  daz  ander  haisset  ain  wort  der  bihte;  daz  ist  daz  ain  mentsch  sin 

sünde  sage,  daz  drit  haisset  ain  wort  dez  gebettez;  daz  [206*]  ist  daz  ain 
mentsche  Got  lobe  und  in  bitte  siuer  gnaden,  daz  vierde  haisset  ain  wort  der 
minne;  daz  ist  daz  ain  ieglich  mentsche  sin  eben  mentschen  lere  und  tröste, 
daz  fünfte  wort  haisset  ain  wort  der  sinnen;  daz  ist  so  ain  mentsch  iht  30 
redet  in  gütem  sinne,  diz  sint  dü  worte  dü  wir  redent  mit  Gotte,  und  swaz 
wir  da  über  redent,  daz  sont  wir  bihteu;  won  von  aim  ieglichen  müssigen 
worte  so  wir  ie  gerrettent  und  iemer  gereden  mugent,  müssent  wir  rede  er- 
geben an  dem  jüngsten  tage,  sprichet  ünser  herre  in  dem  ewangelio,  ist  daz 
wir  hinnen  schaident  ungebihtet.  nu  hant  wir  gehöret  die  vollekomenhait  35 
der  Worten. 

Nu  sont  wir  och  merken  die  vollekomenhait  .der  werche.  dü  volkomen- 
hait der  werche  lit  an  drin  dingen.  daz  ain  ist  daz  wir  manlich  und 
krefteklich  den  sünden  sont  wider  stau,  und  daz  mag  bezaichent  sin  bi  sant 

5.  güten  1.  — gastlichen  1.  vgl.  S.  320  Z.  18 . 9.  wirt  A.  10.  ttnt  A.  17.  nach 

ist  hat  A rot  durchstrichen:  vfi  an  die  vrftdc  vfi  an  die  wQne  dio  ze  hymelrich  ist. 

32  f.  Matt.  12,  36. 

Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  X.  22 


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338 


63.  Von  der  volkomentiait  der  lebens. 


Jacob,  daz  sprächet  alz  vil  alz  'ain  veliter’,  won  an  dem  anevang  der  an- 
vehtung  sont  wir  ir  [206']  wider  stan,  so  tiberwindent  wir  si  dester  baz. 
daz  ander:  waz  wir  tügint  gfiter  werch,  daz  wir  du  tüegint  in  rehter  demüt- 
kait,  und  nit  rümez  da  von  geregint,  won  allaine  Gottez  lob,  ünsem  nutz 
5 und  ünsers  eben  cristens  besserung.  daz  dritte  ist  daz  wir  ällii  ünsrü  werch 
in  Gottez  namen  tügint,  an  vahent  und  vollendend 

Swer  dise  forme  haltet  an  sinen  ged  Anken,  an  sinen  Worten  und  an  sinen 
werchen,  der  haisset  und  ist  ein  vollekomen  mentsch,  dez  ünz  Got  gehelfen 
müsse  daz  och  wir  also  werdent. 


io  [84.]  Von  dem  nutze  unser»  herren  behügde. 

Do  sant  Beinhart  an  sim  ende  lag,  do  liez  er  sinen  jungem  diz  sel- 
gerAte  und  sprach: 

'Lieben  minen  junger!  sit  daz  ich  ain  gaischlich  mentsch  wart,  so 
haisse  ich  mich  daz  ich  mich  rainte  von  allen  weltlichen  dingen,  und 
15  man  minen  schepfer  in  min  hertze  mit  allen  sinen  nöten,  und  gedahte  au 
din  kinthait  wie  er  gewunden  wart  in  dü  tüchlü  und  wie  er  geleit  wart 
in  / 206 *]  die  krippe,  wie  er  sin  blüt  goz  in  der  bescbnidunge,  wie  er  mit 
grosser  arbait  erzogen  wart  ich  gedahte  och  an  sin  vasten  und  an  sin 
wachen  und  wie  er  versüchet  wart,  wie  dik  er  müde  von  bredienn  wart  und 
20  von  mAnger  anderre  arbait  müde  wart;  wie  dike  er  hungrig  und  durstig  waz, 
wie  er  über  die  Sünder  waiute;  wie  vil  er  itwizze  vertrüg  von  den  bösen 
juden  lasterz  und  schänden,  und  nam  in  min  hertze  sin  crone,  sin  crütze, 
die  nagel  und  daz  sper,  und  von  sölichen  gedAnken  kament  mir  siben  nütze. 

Der  erste  daz  waz:  swenne  ich  an  in  gedahte,  so  wart  ich  alz  durnAhtig 
25  und  raine  rehte  alz  ich  nie  sünde  hetti  getan,  der  ander  waz,  swenne  ich 
dar  an  gedahte,  daz  ich  also  grossen  schätz  gewan  von  tagenden,  und  wart 
alz  rieh  alz  ob  ich  tusend  jar  nach  tagenden  hetti  geworben,  der  drit  nutz 
waz,  do  ich  dar  an  gedahte,  daz  [207°]  mir  der  hymel  offen  wart  und  ich 
dez  gewisse  waz,  wAre  ich  innen  dez  tot,  daz  ich  An  underlaz  ze  hymel 
»o  komen  wAre.  dü  vierde  waz,  swenne  ich  dar  an  gedahte,  daz  ich  denne 
nf  gerihtet  wart  in  widerwArtekait  und  in  arbait.  der  fünfte  waz,  so  ich 
dar  an  gedahte,  daz  si  mich  denne  demütegetent  in  franschmütkait  und  so 
mir  min  ding  wol  gie.  der  sehste  waz,  so  ich  dar  an  gedahte,  daz  si  mir 
denne  frid  mahtent  entzwüschent  mir  und  minem  schepfer.  der  sibend  nutz 


1.  vgl.  oben  S.  87  Z.  36  ff.  3 f.  vgl.  oben  S.  149  Z.  6 ff.  10.  Da»  Stiict  ul  gedruckt 
nach  A bei  Wackemagel  S.  108  und  findet  t ich  handschriftlich  außerdem  in  St  Georg.  38  Bl.  2-1 
fLängin  S.  8)  der  Karlsruher  Hof ■ u Landesbibliothek  und  Cod.  Pal.  gern i.  567  foL  123 * (Bartsch 
Kr.  278)  der  Heidelberger  Universitätsbibliothek.  Ist  der  Sache  nach  dem  43.  Sermo  in  Vantica  des 
hl.  Bernhard  entnommen  (AJigne,  Patrol.  Lat.  183  p.  994)  und  fälschlich  auf  sein  Lebensende  über- 
tragen (vgl.  Ries,  Das  geistliche  Leben  in  «rinm  Entwicklungsstufen  narA  der  Lehre  des  hl.  Bern- 
hard guellenmäßig  dargestellt Freiburg  1907.  S.188f.). 


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54.  Von  dem  nutze  änsen  herren  behiigde. 


339 


waz,  swenne  ich  dar  an  gedahte,  daz  si  mich  denne  wis  machetent  unsere 
herren  willen  ze  erkennende,  den  er  hat  gegen  mir.  und  diz  gedenke  wärmt 
also  stAte  in  mim  hertzen  daz  nie  dehain  gedank  da  herberg  gewan  der 
nnreht  wäre  und  widerzäme.  dez  ist  Got  selber  min  gezüg  und  min  brüder, 
daz  ich  all  min  zit  von  suz  getaner  materie  rette.’  5 

Diz  sei  geräte  lie  der  güte  sant  Bernhart  sinen  jun/207*/gern , daz  och 
sü  mit  sölicher  materie  umb  giengent  und  daz  bi  im  lernetind.  und  also 
sont  och  wir  bi  disen  selben  Worten  gemanet  sin  daz  och  wir  mit  süm- 
lichen  dingen  ünsrü  hertzen  bekümberent  dur  der  nütz  willen  die  sant  Bern- 
hart der  von  enphie,  alz  wir  gehöret  hant.  io 

Daz  och  wir  die  enpfahen  müssint,  dez  helfe  ünz  der  vatter  und  der 
sun  und  der  hailig  gaist.  amen. 


[85. J Ton  der  sele  closter. 

In  der  sele  closter  sol  Got  ünser  herre  prior  sin,  bescbaidenhait  subprior, 
armüt  Schaffner,  vorhte  portner,  demütkait  gewant  maister,  minne  du  regel,  ts 
warhait  der  lesmaister,  der  hymel  du  schüle,  togeni  dez  hertzen  du  zelle, 
bischaft  der  hailgen  sont  dü  büch  sin,  gnade  der  sigrist,  behaltnust  dez  zites 
die  gloggan,  andaht  der  kor,  Gottez  lob  der  sänger.  dankberi  sol  daz  ampt 
der  zit  sin,  rüwe  dü  kuchi,  götlicher  trost  der  koch,  gehügde  güter  dinge  der 
keller.  die  engel  sont  die  pfleger  sin,  bihte  das  wAschhus,  gehügde  dez  tödes  20 
der  Michof,  masse  der  reventer,  [207‘]  künschi  der  dormenter,  ain  rüwigez 
hertze  daz  bette,  götlichü  erkantnust  daz  lieht,  erbarmhertzkait  daz  siech  huz, 
der  gedenke  ervislung  der  gast  maister,  mit  Got  und  von  Grotte  reden  daz 
redehus,  rehtekait  daz  capitel,  gehügde  ewiger  dinge  der  bongarte,  Übung  der 
tugend  der  crützgang,  dez  libez  gelider  sont  die  undertan  sin.  25 

Diz  ist  ain  ordenung  der  sele  kloster  nach  der  Allü  klöster  geordnet  sont 
sin;  won  swelez  suz  nit  ist  geordnet,  daz  sont  ir  wissen,  daz  daz  ain  kloster 
dez  libez  ist,  da  der  tüvel  prior  ist,  vor  dem  ünz  behüte  der  vatter  und  der 
sun  und  der  hailig  gaiste.  amen. 

2.  warent  fehlt  A.  8.  siglt  A.  21.  bischof  A. 

13.  Gedruckt  nach  A bei  Wackemagel  S.  109.  — Da»  Stück  findet  sich  handschriftlich  außer- 
dem in  Cod.  Pal.  germ.  472  (Bartsch  Sr.  253)  fol.  126ä  und  wird  dort  dem  hl.  Bernhard  zuge- 
schrieben;  — vgl.  auch  die  entsprechenden  Traktate  in  Cod.  966  fol.  103,  967  und  1014  der  Stifts- 
bibliothek ru  St  Gallen;  das  Stück  aus  einer  Straßburger  Hs.  gedruckt  bei  Wackemagel  8.  609 
und  Schonbach,  Studien  zur  Geschichte  der  altdeutschen  Predigt  TI.  Stück  S.  125.  — Beim  ht  Bern- 
hard findet  sich  der  Wortlaut  nicht.  Der  Sache  nach  könnte  es  den  Sentenzen  des  Heiligen  ent- 
nommen sein  und  zwar  Migne,  Patrol.  Lat.  183  p.  751  nr.  18  und  753  nr.  26  (Mitteilung  von 
Dr.  Ries,  St.  Peter). 


22* 


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340 


86.  War  umb  Got  mentseh  wart. 


[86.]  War  umb  Got  mentseh  wart. 

Ir  sont  daz  wissen  daz  nah  der  hailgen  lere  verdirbet  künschi  in  jugend, 
demüt  in  richtfim,  miltekait  in  geschäfte,  warhait  in  vil  rede,  du  hailig  minne 
in  dirre  unstäten  weite,  daz  disü  weit  unstät  si,  daz  sehent  wir  wol  alle 
5 tage,  wie  unminneklich  si  iren  minnern  urlop  git;  und  swer  daz  reht  bedähti, 

dem  solte  ir  minne  wol  unmär  sin  [207d]  durch  die  minne  dez  minneklichen 

Gottez,  der  so  gar  minneklich  ünz  geminnet  hat. 

Siner  minne  zaichen  tet  er  ainz  malez  do  kun/  aim  güten  manne,  do  er 
lag  an  siner  andaht  und  also  gedahte:  'ja  herre,  waz  maindest  du  da  mit 
io  daz  du  ainen  so  grimmen  tot  dur  ünz  litte,  daz  du  den  mentschen  etswie 
anders  nit  lostest?’  do  antwurt  im  unser  herre  und  sprach:  ‘daz  tet  ich 
durch  fünf  Sachen,  dü  erst  ist,  do  geschüf  ich  den  mentschen  ze  lob  mir 
selben:  da  von  so  engunde  ich  niemanne  der  in  losti,  won  mir  selben,  dü 
ander  ist  daz  ich  in  geschüf  nach  miner  gütlichen  wizhait  mit  nsinen  han- 
15  den;  daz  getet  ich  nie  dehainer  slaht  creature  me:  da  von  minnete  ich  in 
so  sere  daz  ich  in  selbe  lozte.  dü  dritte  sache  ist  daz  ich  in  geschüf 

nach  mir  selben  in  miner  gelichnust;  daz  getet  ich  och  nie  dekainer  schlaht 

creatur  me:  da  von  twang  mich  dü  minne  daz  ich  [ 208" ] selbe  min  selbez 
glichnust  wolte  lösen,  dü  vierde  sache  ist  daz  ich  in  geschüf  über  ällü 

20  ding  und  erhöhte  in  über  alle  creature,  und  waz  nüt  höhere  denn  der 

mentsche,  won  ich  allaine:  und  da  von  wolte  ich  nit  daz  in  üt  lozte  daz 
niderre  wäre  denn  er,  und  dar  umb  lozte  ich  in  selbe,  dü  fünfte  sacli 
ist  daz  ich  dez  mentschen  minne  so  sere  begerte  daz  ich  nüt  wolte  daz 

er  dehain  ding  für  mich  minneti;  won  ich  wiste  daz  wol,  swer  in  erlöst 

25  hetti,  daz  er  och  den  für  mich  geminnet  hetti:  und  da  von  loste  ich  in 
selbe,  und  han  durch  sine  minne  alle  minne  übertroffen  mit  mim  minnenden 


8.  kvnte  er  aim  A.  IS.  nach  selben  ist  ze  lobe  rot  durchstrichen  A.  25.  er  fehlt  A. 


1.  Gedruckt  nach  A bei  Wackemagel  S.  110.  — Nach  einer  Mitteilung  eon  Spanier,  Gleiten, 
ist  das  Stück  ein  Konglomerat.  Der  Beginn  ist  identisch  mit  dem  Beginn  eines  Bernhard traktates 
tri  Berlin  Kgl.  Bibi.  cod.  germ.  8°.  65  fol.  1 6.  Das  gleiche  Zitat,  dem  Salomon  zugeschrieben,  bildet 
den  Anfang  eines  kleinen  Stückes  von  9’/i  Zeilen  in  Berlin  Kgl.  Bibi.  cod.  germ.  4 °.  191  fol.  169’, 
das  im  übrigen  wieder  anders  verläuft  wie  das  Stück  in  8°.  65.  Der  einleitende  Spruch  ist  außerdem 
gedruckt  t on  Bartsch,  Germania  18  S.  199  Z.  27  ff.,  aus  einer  in  seinem  Besitze  befindlichen  Berga- 
menthandschrift.  — Ferner  bildet  das  Zitat  die  Einleitung  tu  einem  kleinen  von  zerganglicher 
liebi  überschriebenen  Stück  in  St.  Gallen  965  fol.  481.  — Das  lettle  Stück,  der  Dialog  twischen 
Christus  und  dem  guten  Menschen,  ist  enthalten  in  Berlin  Kgl.  Bibi.  cod.  germ.  4°.  191  fol.  168' — 169  « 
Berlin  Kgl.  Bibi.  cod.  germ.  8°.  65  fol.  47  — = Koblent  Gymnasialbibl.  des  Victoria  Augustagymna- 
riums  43  fol.  139 — 141  und  Basel,  Universitätsbibi.  A IV  44  fol.  180.  — Vgl.  auch  das  Stück  in  11 
Nr.  31  (Wackemagel  8.  541).  — Der  Anfang  Z.  2 — i weite  ist  die  (Versetzung  eines  Satzes  des 
hl.  Bernhard:  Quidni  periclitetur  castitas  in  deliciis,  bumilitas  in  divitiis,  pietas  in  negotiig,  veri 
tas  in  multiloquio,  charitai»  in  hoc  Baceulo  nequam?  (Migne,  Patrol.  Lat.  182  p.  855  nr.  37;  Mit- 
teilung von  Dr.  Ries,  St.  Beter). 


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86.  War  umb  Got  mentsch  wart. 


341 


tode.  durch  daz  mich  niemer  mentsche  volle  geminnen  noch  volle  loben 
kiinne,  dar  umbe  han  ich  sin  minne  so  türe  koffet’. 

Daz  wir  in  also  geminnent  alz  er  uns  geminnet  hat,  dez  helfe  ünz 
der  vatter  und  der  sun  und  der  hailig  gaist.  amen.  [208‘ ] 

Finito  libro  sit  laus  et  gloria  Christo.  5 

* * 

* 

Es  sont  wissen  alle  die  dis  sehent  oder  lesent,  daz  ich  phaff  Albreht 
genant  der  Kolbe,  kirchherre  ze  Sygävis,  han  diz  büch  geschriben  mit 
grossen  unstAten  und  durch  ain  Spiegel,  do  ich  sechs  und  sechszig  jar  alt 
waz.  und  han  ez  vollebraht  an  sant  Jacobs  abent  anno  domini  MCCCLXXXVII 
der  ersamen  vrowen  Johansen  Stüklins,  des  Stattammans  ze  Yelkirchen  elichen  io 
vrowen,  du  ez  Gotte  ze  lob  und  siner  lieben  müter  Marien  und  allem  hymel- 
schen  her  ze  eren  und  ir  sei  und  allen  globiyen  seien  ze  trost  und  ze  hilf 
gefrümet  hat  von  mir  obgenanten  priester.  da  von  bitte  ich  alle  die  die 
in  Gottez  namen  iemer  me  lesent  diz  büch,  daz  si  Got  für  mich  armen 
sündigen  priester  bittent,  daz  er  sich  über  mich  erbarme;  won  ich  fürht  daz  15 
ich  iemer  me  büch  geschribe. 

Hie  mit  hat  diz  büch  ain  ende,  in  Gottez  namen.  amen. 


6 — 17  in  der  Handschrift  rot  geschrieben.  12.  globen  A. 


7.  Sygtvis  ist  ton  Wartmann , Urkundenbuch  St.  Galten  Bd.  III  Register  erklärt  als  Glvia 
(Gövis)  bei  Feldkirch,  Tirol.  8.  Spiegel,  d.h.  mit  Hilfe  einer  Brüte.  9.  1387  Juli  24. 


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Lesarten  aus  Ms.  810h  /■=  S]  der  Stadtbibliothek  Strafsburg: 
Von  den  gebotten  vnd  von  gütlicher  lere, 
aus  der  früheren  Johanniter  - Bibliothek  A 100  fol.  159 — 188. 


1)  zu  A Kr.  75  Iberschrift:  Von  rechter  mino  zA  gotte.  Leiarten  angegeben  S.  317 Z.  lOff. 

2)  zu  A Kr.  1.  1 1.  Dis  ist  von  den  gebotten  ein  iore.  20.  Bin]  ist.  2 6.  rowe] 
rftwo  tac  de*  herze.  7.  rrt  we  — dem]  vroido  gert  wan.  26.  lip.  2S.  so  getane  vnkvscho. 

31.  d.  e.  i.]  der  erste.  38.  merken  wir.  3 2.  spreche  wider  den  gclovbcn.  10.  das  dv  den  ivten 

deste.  13.  nit  fehlt.  31.  hat  — 33  brunnen]  swer  eine  grovbe  grebet  vnn  lat  si  vnbedabt  vellet 

sins  nochgebum  esel  oder  sin  riut  oder  Bin  vihe  darin  er  sol  es  gelten  wan  er  sine  grvobe. 

30.  gerade  so  wie  A.  4 1.  nit  fehlt.  5.  die  helblinge  die.  18.  und  — lip  fehlt. 

3)  zu  A Kr.  2.  4 22 f.  Dis  von  den  stuken  cristaus  gelovben.  Sanctus  Lucas  echribet 
also  alle  die  etc.  5 16.  daz  eine  daz.  21.  stetecliche  an.  6 8.  vor  so]  der  bat  in  gensit 
mens  der  hat  in  dise  halp  niere.  7 11.  denne.  26.  bitten  messe  singen  oder  sprechen. 

30.  ist  fehlt.  si  alz  einen  stein.  36.  vnn  wissent  swer.  37.  daz  s.  i.  w.  fehlt. 

4)  zu  A Kr.  3.  8 1 f.  Vier  ding  sol  man  cren.  7.  ist]  sint  die.  17.  ist]  stat  oder 
ist.  21  f.  begir  — wirt]  vegefür  deste  minre  wirt  29.  in  — bez.]  dez  ist  alles  bezcichenlich 
swaz  er  in  der  messe  tut.  30.  rainen]  kranke.  9 7.  daz  rfiffen]  daz  si  riiftent  zA  vnsenue 
herren.  8.  ob]  engegen,  mittel  gegen  dem  alter.  14.  die  drie  k.  16  f.  s.  J.  b.  d.]  die  s.  J. 
b.  tet  da.  26.  dazm.  — singet  fehlt.  41.  alle  s.  m.]  alles  die  marter  vnsers  herren.  10  2.  üf 
— geschl.  wart]  wart  vf  gehaben  vnn  wart  gebenket  lesterlieh  an  das  crncc.  3 f.  so  — so  fehlt. 

4.  gcz.  u.  fehlt.  9.  sed]  daz.  12.  daz  er]  vnn.  14.  ivngem  nach  sinre  vrstende.  13.  singet 
m.  d.|  gat  daz.  16.  collecte. 

5)  zu  A Kr.  4.  10  22.  Von  St.  Stephan  ein  bredie.  11  5 f.  gedSnken  — g&ten  fehlt. 
16.  esel  oder  der  ochse.  19.  got  in  dem  ewangelio.  21.  versenket  were.  12  1.  alten  ze 
den  ivngen.  2.  üch]  in.  3.  da  mit]  daz.  8.  si  in]  si.  13.  geben]  geveben.  21.  vn- 
wertlich.  23.  oveh  daz  si  sich  n.  13  1.  ist  in  a.  g.]  si  gnveget.  2.  vil  lichter.  4.  in 
deme.  8.  Winkel.  12.  sieh.  19.  ken  — liplicli  fehlt.  14  10.  alz  dem  spilman  der  . ist. 

12.  lassen.  19.  zwei  dinc.  15  4.  ziehen]  dv  cs.  8.  dem  b.  13.  sich]  si.  22.  esel  alse 
da  vor.  23.  wan  so  si.  26  f.  aber  — by’m.  fehlt. 

6)  *ii  A Kr.  5.  16  1 f.  Von  den  himmilschcn  f r Aden.  3.  vber  vroide  vroide.  8.  da] 
dort.  12.  sprichet  alz  verrc  von  oster  ist  vnz  westert  cs  ist!  21.  Ir  aller]  der  anderen  aller. 

22.  und  d.  s.  Bich]  daz  Bich  die  sele.  20.  daz  drite  st  27.  daz  vierde  st  «.  io  fortgezählt. 

31.  gemain  m.)  daz  sol  alles  gemeine  sin.  17  2.  vindent.  kerent  3 f.  wissent  oder  wan- 
den. 4.  und]  wir.  6.  dfi  — git  fehlt.  22.  sele.  29.  bilde]  willen.  31.  ir  laider  wenig] 
wenic  leider  wie  es  gat  33.  der  b.  u.  fehlt.  18  4.  bi  Gotte  u.  fehlt.  10.  nit  — in  G.]  niht 
wan  alles  gfit  vindent  an  g.  11.  gern  h.]  gcren.  22.  an  eime  andern  gotlicher.  27  f.  erbanne- 
herzekeit  rebtekeit  warheit  er  ist  g\t  wise  milte  erbarmeberzic,  in  A Sprung  von  erb.  zu  erb. 

7 ) zu  A Kr.  6.  18  29  Von  ersani  wandet  ein  lere.  19  1 f.  als  — ist  fehlt.  4.  ruinfl) 
wäre.  18.  laiter]  liehte.  19.  got  vnn  dich  bittet.  34.  wol  daz  ich  dich  minne  vnn  die 
minnc  bin.  20  2.  spisen  sol.  8.  die  si]  dise.  24.  entstrapfet  28.  bisset]  straft  31.  übrr- 


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Lesarten  der  Hs.  S. 


343 


wnndenj  wider.  21  4.  sint  ovch.  5 /.  rägent  — rägcnt]  rvegcnt  sich  die  vntvgende  hant  ca- 
pittel  si  rvegent  sich  tvgcnde  vnn  vntvgende  vnn  rvegent  8.  besser  ist  denne  iens.  10.  te- 
mvetekeit  vnn  spricht  vrow  temvetekeit.  15.  ein  reinekeit  vnn.  18.  sin  fehlt.  vrow  inaze 
dv  priolin.  17 — 20.  Sprung  in  S von  Rcht  zu  Reht.  27.  wainent)  venient. 

8)  ru  A A V.  7.  22  1.  Daz  wir  got  silen  bitten.  15.  gut  vnser  herre.  S2  f.  von  dom 

svnder  pnbiieano  vnn  von  dem  pfariseo  . die  37.  svndcn  von  schviden  alz  vil,  23  3.  tvgen- 
den.  4.  fride  — seien]  weide  an  der  weidet  sich  drier  hande  sele.  7 f.  güten  gedenken]  werken. 

9.  trabten]  spise.  12  f.  blftmen  — wachs.]  bovmen.  22.  wart]  gewuoz  in  crtriche. 

25  f.  ab  — herre  fehlt.  27.  an  ü.  h.]  abe  disen  bovme.  31.  tvonde.  35.  vnn  ist  vber. 

39.  fride]  vroide.  24  4.  in  geirren  mvge.  8.  den.  9.  ie]  dnrh.  enkan  es  ioch.  10.  cs 
im  vnn  im  gft.  won  — gevaret]  so  gevaret  doch  vnser  h.  14.  erkennest  vnn  niht  weist 
waz.  18  f.  zo  vns.  h.  in]  vnsem  h.  19.  wan  daz  dv  gebende  verbrvnnen  damitte  si  ge- 
bunden waren. 

9|  ru  .4  AV.  8.  25  l f.  Von  geislichem  lebent.  9.  schön]  hohe  ist  vnn  schone. 

12.  blftmen  — bong.)  bovme  dinne.  14.  swister]  geislich  monsche.  15.  scbappellin  mit  blvomen 
vnn  mit.  30.  crenden]  genden.  34  f.  mcnsch  sol  s.  machen.  37.  hymj  heimlich.  26  23/1  so 
si  sich  selben  cleident. 

10)  zu  A Nr.  9.  26  29/.  Daz  wir  vns  ernüwen  svln.  38.  dis  wize  cleit  vnn. 

27  7.  vmbedehteciich.  14.  dem  gedanke.  18.  von  nature.  20.  erkennet  21.  daz]  waz. 

34.  verliere]  verkett.  36.  er  s.]  s.  der  twel.  28  5.  ia  herre  er  ist  ein  cleit  daz  alro  scho- 
nesto  der  scie.  9/.  der  alle  — 12  Got  fehlt. 

11)  zu  A Nr.  10.  28  14  f.  Von  dem  lebenden  brot  vsers  herren.  20.  marien  der 
reinen  megde.  23.  keime.  32  /.  tvgende  kvsche.  29  8.  ersten  male.  11.  läsen]  lazen. 

19.  die  — wurd.  fehlt.  22.  gew.  waz.  30/.  etawa  wart  — ctswa]  etwa.  35.  sin.  37.  und 
a.  i.  br.  fehlt.  39.  ez]  dis.  30  22.  an  dem]  vf  einte.  26.  gednlteclich.  sin  kvnclich  hovbet. 

29.  bin.  31  2.  iamer  vnn  mit  der  not  7.  minnet]  minnctc.  12.  mines  herzens  vnn  mines 
litte».  26.  gesterket  svn  werden.  28.  dar  umb]  dvrh  vns  erlittet  bat  vnn  vmbe  vns. 

12)  statt  A Nr.  11.  Sante  Anshelmus  frage  von  unser  herren  martir.  Sancte  Ans- 
helm der  bat  vnser  vrowe  von  bimelrich  lange  zit  mit  grozer  begirde  mit  vostenne  vnn  mit  wacbenne 
vnn  mit  andehtegem  gebette  vnn  mit  hcrzeclichen  tseheu  . . . 

13)  zu  A Nr.  12.  34  32/.  Daz  wir  vns  vriwen  sin  in  gotte  ihesu  cristo. 

37.  herschaft  lieze.  arm  wolte  w.  35  7.  were  daz  libes  vnn  gvotes  vnfri  vnn  arm  were. 

9.  frvnde  an  dem  cruzc.  23.  won  er  — lid]  wan  er  waz  onch  gar  arm  an  allen  sine  liden  er 

waz  ir.  25.  der  svnnen  vnn  manen  van  alle  dinc  gesell.  30.  vinstem.  33.  vnwcrtliche. 

35.  niht  wolte  entwürfen.  36  7.  won  — 9 wolte  fehlt.  12.  sine  hant  17.  seblangetj 
slizzete.  22.  iamer  litte!  24.  not  vffen  ertriche  oder. 

14)  zu  A Nr.  13.  36  28/.  Es  sprichst  ein  heilige.  Min  sele  ist  gestnolzen  sit  daz  der 
liebe  mit  mir  rette  . dis  ist  gesprochen  von  einer  ieglicher  — 34  miter  gottea,  bricht  damit  ab. 

15)  Predigt  A Nr.  17  tteht  unter  den  Predigten  Eckhardt  Bl.  83'  Überschrift:  50  1 /.  Von 
nuzer  bette.  5.  gnaden.  er  im]  ime  S.  Paulus.  8.  groz]  tvgentlicb.  14.  aller  der  hei- 
ligen schrift.  20.  von  dio  in.  20  /.  da  si  arbeit  soltent  d.  g.  liden.  25.  grozer  vriide. 
33/  mir  danken  der  dinge  daz.  34.  der  d.  d.]  die.  37.  da  von.  51  4.  den.  7.  vater 
vnn  sprach  hoiTe  vater.  10.  gelobe  gote  geh.  18/  swie  — weite  fehlt.  30.  haben  fehlt. 

31.  waz]  alles  daz.  33.  alle  — kam.]  die  andern  allesant.  52  1.  vnser  herre  sprach.  4.  won 
da)  von  den.  13/  doch  — alten  löten  fehlt.  15/  es  — dornen  fehlt. 

16)  ein  Stück  aus  .4  Nr.  81;  vgl.  S.  331  Anmerkung. 


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Namenverzeichnis 


Abaeuc  (Habakuk)  89.  ao,  307, 

2SlZ). 

Abraham  68,  39.  96,4. 

Abeolon  94. 25.  95,». 

Achor  109,26, 

Achymas  14.  L 
Adam  117.  2.  13,  158,  18  (G). 

161,14.  29S,  7.  32H,  as. 

S.  Agnes  41, 17  f.  47,19,  49, 24. 

50,22.  101,27,  291,  u 
Agnua  Del  10, 12. 

S.  Agata  (von  s.  Agtun)  126, 5, 
8.  Ambrosius  330,  33, 

8.  Andres  (Andreas)  50,  24. 
281,1. 

Anna,  Frau  des  Tobias  122, 

S.  Anshelm  29,  26,  30,  aL  a, 
69,  24.  70. 81.  91,1».  135,1. 
145,11,  207,9,  218, 17,  219, 
L.  g,  220,  i 282,  Ü 311, 
U(Z\.  313,  3 f.  327,  12  f. 
Apocalypsis  42,  aa.  61,  IS, 
77,15.  98, 13,  103, 7,  177,  »■ 
178,  14.  162,21.  208, 4.  237, 
■Slf.  236, 5 f.  821,12. 

Apy's  1,12. 

Arabia  93,  14.  94.  L 4. 
Aswerus  (Assuerus)  = der 
sAlig  44,  l*.  33,  25.  44,  1 hf. 
98,1»  f.  123, 19,  22.  1 26.  l», 

S.  Augustinus  3,  lg.  16.  22.  29. 
18, 13,  24. 12,  26.  31,  u,  22, 
39,21,  40,22,  65,14.  66,25. 
74,  2.  81,  2.  83,  2.  lL  85, 
31  f.  91,22.  102,6.  103, 19. 


104, 12.  26.  28,  112,15.  116, 

2.  117.2.  11,  123, 2.  129,  13, 
25,  130,13.  131,  s 136,  28, 
137,  12,  144,  22.  145,  23.  154. 
16.  156,  22.  162,  22,  168.  5. 
166. 16.  168,3.  171,2.  172, 
2±  183,  1L  188,  13,  190,  32. 
2111,  8.  33.  202,  3.  203,  24. 
208,  12.  M,  209,  2.  lü.  2Ö. 
211,  22.  212.  sf.a;,,  218,1 
217,  LL  219,  25,  220,  u,  33 
<G).  22).  14.  232,  2L  235, 
12,  237, 27.  255,  s.  256, 1.  ä, 
16,  258,  6.  261,  1L  263,  1 
268.  4.  271, 12  (G|.  278,  12, 
280,  7.  267,2.  290. 12.  291, 
12.  314,9.  327, 4.  830,  25. 
Ave  Maria  151,  13,  154,  20, 
198,4. 

Babylony  (Babilonien)  1,12. 
Balaan  314, 23;  Balames  esel 

15,  21. 

Balac  314,23. 

Barach  ISO.  29. 

Beda  181, 4,  222,  2.  226,  23, 
237,  i. 

S.  Bencdiktus  84,  35, 

S.  Bernhart  15,  25,  23,  37, 
25,  11.  26, 13.  31,  2,  33,  8, 
36,  20.  37,21.  41, 12,  52,  33, 
54,  12.  56,22.  68,5,  70,4, 
2L  75. 22.  76,12,  II,  24.  32, 
78,  24.  2L  79, 10.  61, 13.  83, 
22,  66,23.  91,12.  14.  24.  92, 
1£,  94,  15,  97j  4.  101,  22, 


105.  12.  24.  106,  3.  21.  107, 
2.22.  112. 31.  118. 12.  121. 

5.  129,  27.  130,  13,  21,  26. 
132.  3.  23.  133,  IS.  137,  22. 
145  2B.  146,5.  150,  s f.  153, 
11  f.  155,29. 162,  if,  167,14.206. 
L 208,  24.  210,  £.  222,  31. 
223,  17.  20.  224,  14,  225,  L. 
a,  28.  226.  LL  31,  227,  12. 
an  f.  252,  ü,  257,  5,  256,  LL. 

j 259,  iS.  265,  6,  279,  12,  22. 
284, 8.  265,17.  286,2s.  311, 
2 üftZ).  311,35  (Z).  312  21 
(Z).  314, 13.  824, 1L  338, 11. 

I Beny'amin  127, 12.  276, 7 f. 
Bersabee  119,  15,  25.  120,  L is. 

C.  s.  K. 

David  14,2.  16,  12.  17.  23.  25. 
3.  26. 12,  42, 39.  43,26.  63. 

6,  67,55.  S4j  27,  89, 5,  90, 
2.5.12.14,  93,9,15.  94.  s. 
13,  22,  95,1/i  100,  12,  126, 
10.15.  128,  24,  156, 16,  159,4. 
174,  13.  248. 4,  263,  22  284, 
27  (G).  290,22,  306, 11.  308, », 
309,  ML#). 

Delbora  180,  sl  181.  ia. 
Deuteronomium  122,  iS. 

Dies,  Jobs  Tochter  282,  3,  20. 
S.  Dominien»  320,  17, 

S.  Dy'onisius,  Areopagita  78, 
J if.  79,  22.  80  2L  97,  5. 

Egyptenland  1 . 12.  76. 38  186, 

, 17.  192, 6 (G). 


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Namenverzeichnis. 


345 


Elias,  der  Prophet,  e.  Helyaa. 
S.  Elzbcth,  Frau  des  Zacharias 

802.15. 

Emanuel  228,  u.  296,  L 
Ester  a.  Hvster. 

Eva  108,3,  &,  in,  llO.zr.  117.7. 

12.  222, 7, 

Feldkirch  i.  „Tirol  a.  Velkirch. 

Gabriel  47 £ 24,  48,  2S.  49,  ä, 
75,  2<.  154,31.  221,4.  302,  5. 
Galylea  288. 1. 

Genesis  222,  25. 

Golyas,  der  Biese  94.  a, 

8.  Grcgorius  14, 5.  42,  34,  50, 
36.  79, 34.  104,  23.  1 14, 31. 
133,  3.  165, 4*  225,  a 232,32. 
240,  7 1 G).  284,  27  (Gl. 

liabaknk  a.  Abacuc. 

Helyas  (Elias)  119,  u,  24,  25. 

120,1.  17. 

Herodes  30,  i f. 

Hestcr  (Ester)  44, u f.  98,1 kf. 

123,  20  f.  126,1s/'.  328,3  f. 
Hieronymns  a.  Jcronimus. 
Holofernes  41L  M. 

Horeb  s.  Orcb. 

S.  Hylarius  95, 16. 

S.IcronimuslHieronvmns)180, 
2.  206, 22-  221,  11.  223,  8. 
224,  2.  2M.24IG).  298,14, 
Isaias  (Ysayas)  16, 3,  23, 20. 
32, 5L  71.  37.  75, 8.  78,33. 
81,  20.  90,  HL  12.  129,  2.  136, 
15.  138, 3.  158.21.  161, 15. 

180,12.  H,  189,1«.  197, 21. 

223. 15.  228,1a.  25S, »,  306. 7. 
S.  Isidoras  (Ysidorasl  280, 5. 

321, 2s. 

Israbel  56,35.  51, 27  f.  315,2. 

Jacob,  Patriarch  56,  r,/.  «-  ain 
ringer  57,23,  290,8  (G).  87, 
32.3«.  181,25.  222,26.  276, 9. 
315,  2.  338, 1. 

S.  Jacob,  der  Apostel  114,5. 
115,27.  136,14.  201,20.  239, 
18.  327.  33. 

gen  S.  Jacob  varn  39.23. 


Jthjcremyas  81,2!!.  89, 6 (Gi- 
ll 5,  1«.  228, 13,  328,27. 
J(h)erasalem  9. 37.  51,35.  58, 
2a,  84,3.  90, 11.  125, 26/. 

138,  2D.  207,  UL  21  f 267,1. 
283,2.  306, 7 f.  307,  12  f. 
Jesabel  (Jezabeli  119, 12.  u. 
Jesse  lYesse)  159. is.  197,22 f. 
J(b)esns  Christus  57, 13  f.  52. 

12.21.  80,  c.  61,5,  69,  aa, 

70.21.  35.  76,22,  77,14.  89, 

22.  90,  «■  6.  20.  105,16.  106, 
8.  15.  122,24.  123.  b,  126, 

12.  159, 6,  l£,  160, 22.  161, 

12.  162,12.  168,  L 164,2. 
0 f.  167,  S.  180,4  /’■  190,  7, 
191, 6.  197, 11.  223, 14.  239, 
1£L  243, 3. 12.  254,  II  {,  259, 
U,  263,  15.  267, 27.  270,1. 
275,  IS.  278,12.  282,5.  285. 
15,  287,  S,  288,  2.  295,  4, 
297,  21.  307,3  f.  315,26.  316, 
IS.  321,  2.  324,  6.  äi.  28.  266, 
15  (Q). 

Joachim  158.1S(G). 

Job  20,  DL  73,  a/i  90,  2L 
91,9.  92, 14.  92,is.  93,  12. 
94,4  129.  2.  183,  9.  184, 17. 
185,  1,  5.  197.  15.  206,  12. 

281.5,  2S2.  2 f.  — ain  röwig 
mau  262. 5 f.  289, 15. 

S.  Johanns,  Evangelist  17,  33, 

19.35.  46,  U 51,6.77,  IS,  65, 
22,  91,  ’L  92,24.  99,23.  1 03, 7. 

107.21.  110,4.  5.  142,5.  165,1. 

166.6.  177.  9,  182,  21.  204,5/: 
208. 4.  227.32.  235.5.  238, 
1.  6.  25.  242, 2.  243,7.  230, 

13.  252,  20.  2 84,  2,  302  , 24. 
305, 17  f.  317,11.  821,12. 

S.  Johans,  baptist  9,is,  302. 12, 
Johannes  Damasccnus  227,  s. 
Johannes  ChrysostomuB  (mit 
dem  guldin  munde)  46,  u, 
172,24. 

8.  Joseph,  der  Mann  Mariä 

75.35.  76.1.  221,5.  302, 21, 
Josue  109,  io, 

Judith  40, 30  f.  178,  21. 

Cassia,  Jobs  Tochter  262,  3. 
283,  is. 


Cay'pbas  9,  11. 

S.  Cecilia  96,8. 

Christus  297,  16.  e.  Jesus. 
Coraustibi  (CornuBtibii),  Jobs 
Tochter  282,4.  283,  la. 

Kry  echen  L u. 

Kuzi  14,1. 

S.  Laurencius  91j  u,  280,  31, 
Lazarus  9, 31. 

S.  Lucas  4 , 24.  109,  7.  125, 1. 

221,3.  229.  3,  325, 14. 

Lucifer  79,  ü»  in.  106, 10. 15  f. 

Hartiocheus  328, 3. 

S.  Maria,  unser  vrowe  8,  1» 
46,30.  56,33.  57.  if.  62,  22. 
64.25.75,5.  99,2 if.  146,  a f. 
153, 1 f.  156  I f 167, 7.  183, 
4.  184, 18,  191.  s.  197,  18  f. 
198.  20.  221,  1 f,  223,  20.25. 
239,  30  f.  243,  243,  30. 

247,  IQ.  288,  a.  293,  5/1  296, 
SL  302, 1 /'■  309,  32  (Z).  311.1. 
325.  34.  328,  1 f. 

Maria  Magdalena  170, 2. 

8.  Martin  46, 10.  102,  21.  25, 
Mesopotamia  87.33, 

Moyses  (Moses)  17,0.  25, 17/. 
25,  23/1  37, 6.  73,22.  76,38. 
77,  1.  90,  8,  101,  4,  •=  uss 
dem  wasscr  gezogen  25, 23  f. 
101,6  f.  109, 15,  156, 5.  186, 
17,  22.  192  , 6 (G).  208,  |>.  237, 
s,  276, 6, 

Nazareth  221,6. 

Noe  87, 16. 

Numeri  276.6. 

Olberg  (mons  Oliveti)  229,  5, 
268,20, 

Orcb,  Berg  25,  22.  32/'. 

Oriencs  lOrigenesi  75,  31.  91, 
j 28,  182,25, 

* Osee  73,  n>. 

Pary's  (Parisl  220,  2. 

Pater  n oster  10, 7.  151, 21)  (G). 
204,18. 

S.  Paulus  18, 31.  24.  7,  26,  31, 

| 27,  10,  22=  28,  3.  4.  32,  17. 

33,25,  34, 34.  37, 1«.  41,32. 


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346 

43,12.  44,  6.  ÜL  50.  3.  13. 
32.  59,8.13.  66,3,32.  87, 
2.88,5.91^10.  92,12  f.  93, 
3 f 94,  4.  26.  95,  27  f.  98,  8. 
99,21.  100,4.  102.4.9.  112.2S. 
114,7.  119, 26.  120.Ü.  121. 
a.24.  126,1.  128,3.129, 5. 134, 
2 f.  146,1.  151,6,  155,  7.164,9. 
19.  166,4.  172,33.  174,  L 175, 
2.  14,  176,1,  17S,  2.  180,  4. 
187, 3,  191,18.  193,18,  200, 
2,  204,  22.  201, 20.  213, 12. 
214, 9,  12,  216,20.  25.  229, 
2L  230, 32,  237,4.  240, 11. 
241,5.  244,  5,  250,7,  252,4. 
259,  15,  276,  4 f.  285,  12. 

286. 13. 289. 4.  320, 21.  322. 25. 
8.  Peter  7,21.  ö.  8,3.  72,  28, 

31.  86,12.  91,  n.  92,3.  116,2. 

179.4.  201,11.  231, 23,  239,2. 
254, 16  f.  279,  8.  282,  24.  2S3, 
15,  326,  33, 


Namenverzeichnis. 

Phylippensea  86,11. 

Phylister  94, 23 1 6|. 

Prosper  140, 1«. 

PylatUB  30, 1 f.  323. 29, 

Rebecca  102,  23  f. 

Hin  (Klieiu)  193. 23  l6l. 

Rom  213, 22/'.  320, 3;  dazrömsch 
Hell  319, 20, 

Salomon  18, 32.  32, 12.  33, 6 f. 
46,33  — ain  herro  der  gern 
frid  hotte  in  sim  lande  46,34. 
47,9.  48. 32.  86,  21,  92,5,22. 
129, 8.  130,  li.  136,15/:  191, 
22,  201,19.  204, 26.  278, 27. 
279,20,  280.  3.  284,13.27(6). 
822, 13.  328, 33.  329, 2. 
Sampson  123, 6.  s. 

Samuel  112,23,  2L, 

Sathanas  192, 21. 


| Saul,  der  König  94.  9.  24.  95. 
■L.  112.21,  25  /. 

Saulus  (Paulus)  276.  aa. 

Scneca  49,  li.  130,  2.  1 88. 24. 

211,16.  224. 6. 

Scraphyn  78,30/1  140. 5. 
Sygaevis,  Gävit  341. 7. 

Syon  71, 10.  86, 26.  89,  20 (6). 

138, 3.  290,916),  321,13. 

S.  Stephan(us)  10.  23  f.  15.  28. 
50,  30.  95,22.  109, 7 f.  190.6. 
223,  u.  322,  li  f. 

StAklin,  Johann  v.  Feldkirch 
341,11). 

Thobyas  47,  12.  54,  u.  122, 
12,  252,  23.  251,24. 

Velkirch,  Feldkirch  i.  Tirol 

341,1a, 

Zachariaa  179,27/. 


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Wortverzeichnis. 


Vorbemerkung : Die  Anordnung  erfolgte  nach  der  gewöhnlichen  mhd.  Orthographie, 
wie  sie  Lexer  bietet.  In  Klammer  ist  die  Schreibweise  der  Hs.  beigefügt;  ebenso  sind 
in  den  Belegen  seltene  Formen  in  der  Schreibweise  der  Hs.  wiedergegeben.  (Q)  (Z)  be- 
deutet, daß  das  Wort  in  den  Varianten  der  Hss.  G und  Z vorkommt. 


abbet:  pl.  ebto  147, 32  (0). 
abej-komen  mit  Gen.,  rem  et- 
was los  werden  1—  sich  ab 
tuon  Var.)  13,16.34;  -snt- 
den,  daz  kleit  bt  dem  gürtel 
45,37;  -wischen,  die  Bünde 
5,  31 ; -ziehen,  daz  fleisch 
50, 23. 

abrläz  (aplaa,  applas,  apblaa) 
Nachlassung  der  Sünden  7,2. 
13.  56,3.  77,35.  107,12. 
abeliezig  adj  von  der  läßlichen 
Sünde  im  Gegensatz  zur 
Todsünde  3, 1. 12. 
abgründe  (abgrund)  stn.  69, 13. 
305,  12;  a.  der  helle  90,  9. 
305,2. 

adamas  (ademas)  Magnet 
827,  26. 

addar  ladiiAr)  284,  27  <ß). 
admirabilis  — der  wunderliche 
Got  296,  12. 

agelster  swf.:  der  agelatrun 
schrien  5, 1. 

achsel:  bi  den  ahslen  ist  be- 
reichern diu  arbeit  280,  24  f. 
ackes  (axa)  Beispiel  von  einem 
Mann,  der  mit  einer  Axt 
an  einen  von  der  Sonne 
beschienenen  Baum  schlägt 
5, 19  f. 

«ehrer  s.  ehersere. 


abt  hin,  einet  Dinges  12,17. 

266, 30;  a.  h.  umbe  14,  s. 
ahten  mit  Dat.  der  Per»,  u. 
Akk.  der  Sache,  bei  einem 
etwas  ansehen  217, »;  absolut 
335,36. 
ai-  ».  oi- 

ikust:  fleischlich  a.  sinnliche 
Begirde  275,7. 
äkustic  adj.  326,  32. 

Master  Gebrechen,  Fehler  84, 5. 
albe  weißes  Linnengewand  des 
Priesters  8,31. 

aleine  (allen)  adv.  einzig  und 
allein  132,  21.  23.  218,  27. 
algar  145,9  (ßl. 
all  d&  her  273, 13 
alleeliehe  adv.  SO,  23. 
aller  adv  eherT, 32;  a.  minllch 
3 1 6, 21  f.\  a.  slahte  62.4. 206, 5. 
allewccfallwcg,  alwegent,  allc- 
wegent)  14, 21  f.  28,2».  55, 7 f. 
59,17.  166,9/:  173,3.  178,13. 
17.  187, 10.  188,  27.  191, 17.  18. 
204,31.  247,7.  259,23.  203, 18. 
265,25.  329,30. 
almuosen  165,  ls.  176, 13. 
altirre  (altir,  älter)  40,6.  97, 31. 

98,2.  103,8. 
alten  intr.  269, 11. 
altvater  pl.  altväier  9,  s;  alt- 
vitcr  buoeh  45,  23.  47, 30. 


alunibc  (allum)  72, 12;  sich  a. 

henken  300, 10;  a.  gän  269, 12. 
alwtrrc  (alwer)  adj.  albern 
256, 8. 

alzogis  also,  ebenso  1 16, 12  (ß). 
173,22  (ßl. 

aniaht  — ambahte  334,34. 
ambahtc  (anbaht)  72,  34.  147, 
11  f.  148,1  f 199, 13  (ß);  amt, 
ampt  7. 1 f;  amptliute  in  claj- 
stem  315,  5;  ze  einem  ampt- 
man  erweln  226, 19. 
amor  132,5. 

amphanclich  « enphenciich) 
65,  24.  111,  18  (ß). 
amsei  (amselle)  22,28  f. 
anbeten:  die  von  Babylon/ 
bettaten  die  sunnen  an,  den 
min  und  die  Sternen  1, 10. 
Andtiht  personifiziert  20,  15; 
andäht  /.  251,  18  f\  m.  266, 5; 
den  a.  hegen  237,15/. 
ander:  einer  andorr  sOl  16,24. 
ane]-gin  m eist  in  Verbindung 
mit  arbeit  24,  22.  32,  21  f. 
37,  32.  41,31.  89,18/.  130,9. 
189,2.26.  190,11.17.  197,5.12/. 
241, 18/  246,  1«.  273,  24  (ßl. 
278,  25.  2 SO,  27.  284,  20.  286, 
17;  -haften,  dem  obrosten 
guot  189,  25;  -komen  mit 
Akk-  d.  Pers.,  begegnen,  tref- 


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348 


Wortverzeichnis. 


fen,  tu  Stehen  kommen  38, 
32.  90,  1 f.  189,  ä.  816,  li, 
330,  23  f 335.  2S;  - lachen 
62,  u.  332, t« ; - legen , daz 
leben  in  (lote*  dienst  130. 
ü -riiefen  (rfipliin  O.l  198. 
2j  -sehen  (angesehen)  in  Ver- 
bindung mit  Gott  57.  2S  61. 
15.  62,15.  76,  23  f.  etc.\  -spl- 
wen  (spuwen)  30,  ul  257,  li : 
-stecken,  ein  vingcrlin  44, 
22;  -vallen,  in  Verbindung 
mit  kumber  oder  arbeit 
240.  ai.  246,  «o  (G);  -vehten 
32.30.  240,  nf.  335,  4 etc. ; 
-wa-jen  iwirgen)  34,21.  325. 
LL 

aneblic:  ein  minnccllcber  a. 
148.  li:  ein  vrtllclier  a.  220, 
5 (G). 

n*nec  lienig)  adj.  ledig,  los  116. 

li,  191,6.  298,9 
ancganc  stn : daz  a.  des  Übeln 
gedankes  49.  i f. 
anrgenge  stn.  Anfang,  absolut 
v oti  Gott  gesagt  98, 13  f.  227. 
24  f.  242.  a.  4.  290. 19,  306,  Jj 
Anfang  der  Welt  106,9.  l». 
156,  3.  158. 14. 

ange  «cm.  Stachel  der  Biene 

325. 11L 

angeborn  (anerbom)  48,  32. 
116.  jo,  12,  U7, 15.  120, 
a.  natüre  = libido  191.  i. 
angeschUftic  adj.  beschäftigt, 
bekümmert  332,  m. 
angesehouwedc:  sin  gütlich  a. 
das  Anschauen  Gottes  251. 
in  (G). 

angesiht  fern.  Angesicht  Gottes 
15. 16.  70.  23.  104, 12.  218,17, 
220,5,  251.3.  259,15.  294.  6: 
ze  ir  [der  Jünger)  a.  zc  himel 
varu  229, 5 f. 

angestlicho  (angstieh)  adv.  29, 
31:  a.  stAn  305, 22  (G). 
anhaften,  daz  sahst.  Inf.  35.21. 
anhaftunge,  ein  132,2.19. 
anlachcn,  daz  subst.  Inf.  62,12. 
anpfellig  (<  enphabelich)  adj. 
empfehlenswert , angenehm 
298.15. 


antcilic : der  messe  a.  sin  Anteil 
haben  8,12, 

antheiz:  a.  tuen  das  Ordens- 
gelühde  oblegen  51, 9 f. 
antJützo  lantlüt)  Antlitz  Christi 
17,  li  f.  60,  a.  17:  Gottes  An- 
gesicht 64,21,  90,22.  125,2/'. 
127. 10.  147.  1 f.  219, 16;  daz 
a.  des  insigels  17, 35;  von 
a.  ze  a.  237,  c ; under  sin  a. 
| sehen  55, 39- 

| antworten  entsprechen  23. 25/1 
zurückgeben  27,  L.  61.  25. 
330.21. 

anvehtnnge  Versuchung  vor 
allem  des  Teufels  50.3.  76, 
32.  197, 13.  300,  Ulf.  301,22 
333,1  f. 

apfcl:  pl.  Apphel , i'ipfcl  34,  2. 
| u,  327,  l». 

apostel : pl.  apostile  247,29(G). 

I 309. 2. 

arbeit:  fünf  ding  die  ze  a. 
reizent  315,  tf. 

arbeiten,  einen  lip  kasteien 

111.19.  285. 16,  308,21:  sich 
a.  sich  anstrengen  in  Got- 
tes Dienst  21,  xz.  202.  ■&. 
205.  II  f.  258.  U.  332. 35.  333. 
vtf.;  — sich  überarbeiten 
I Var.)  sich  überanstrengen 
150, 15  (G);  partic.  dem  ar- 
betenden  315. 12. 

arbeitsam  adj.  beschwerlich, 
mühselig:  diu  gehurt  ist  a. 
63, der  wcc  ist  a.  187. 12 f, 
arcwAn  195,  26;  196, 17  272.29 
(G). 

arcwamic  adj ■ 148.  ls ; 332, 16. 
arke  (arch)  Arche  Xoas  20,  36. 
87,  15,  18;  Schrank  233,  a. 

237. 19.  239,  27  f. 

arm:  der  sflo  arme  134, c. 
arm  (am)  adj.  312, 7, 16.  (Z). 
armbrost  (anibrnst)  stn.  313,  2. 
21  [Z).  325,21. 

armuot:  Armut  unseres  Herrn 

-26.  24.  34,  32£  59,  nf.  usw.; 
geistliche  Armut  51,53.  52,3. 
110,  ie£  HS,  241.  5. 
245,  11,  249,  to£  261,  21  f. 
amen  ernten  90,  22. 


arzAt  71,  nf. 

aizente  (erzenle  G)  125, 2*, 
126,  6.  159.8  (Gl.  238. 8 f. 
264,  23. 

asebe  54,  nf\  ze  äschen  wer- 
den 63, 11 ; Aschen  üf  daz 
houbet  geben  63,9 f.  262, 11  f. 
| Atem  29. 29. 
j atria  — frithof  124, 12  f. 
j As  stn.  87,15.  29, 

bAbe,  alte  altes  Weii  52. 12- 
bAbes  (bApstl  111,  is. 
bacb  stm..  den  bacb  trinken 
u.  von  dem  bachc  trinken 

308,  23  f. 

bachen  Brot  backen  29,  2.  240, 
17  f.;  Christus  wurde  gebacken 
an  dem  Kreuz  30,35. 
baldechcit  (baltkaitl  Kühnheit, 

Mut  82,22. 

balmbüm  s.  palmboum. 
balsame  287. 12.  294. 14- 
baltheit  Kühnheit  12,  3. 
baltllche  ade. ; b.  antwnrten 
kühn,  dreist  259.22  f.  |G): 
b.  sprechen  210.27  lG). 
ban  stm.:  in  dem  b.  sin  S.u 
bant:  pl.  din  bandle)  24, 19j  b. 
der  minne  102.6/'.  137. 20. 
212.li):  b.  der  sele  136,17; 
mit  den  b.  binden  9, 15.  29. 
15. 

barmberzekeit  18,23.  z. 
barvuoz  gän  320.  ts. 
batönje  (battAoie)  Betonie  als 
Zauberkraut  5,2. 
bcatitudo  — - salikeit  124  22  f. 
bechel  stn..  vier  bAehliu  70,  L 
becher  308.35(4?). 
bedecken:  mit  der  menscheit 
die  gotheit  b.  S,  31 ; pari 
mit  bedahten  Worten  53.2s. 
bedcckungc:  An  b got  sehen 
236,24?. 

bediutunge  (betütnng)  Bedeu- 
tung 1 56, 9, 

bedürnen  mit  Dornen  un- 
stecken : daz  bctlin  ist  be- 
dümet  20, 28. 

| bcgAn:  gemeinsebaft  bfg.  Ge- 
meinschaft haben  162.  a>. 


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Wortverzeichnis. 


349 


beraten,  sich  38.2a. 
begeben,  sich  liebes  u.  guotes 

251 , so. 

begerungie)  11,5.  13, 4. 22.  14, 
iS  f.  18. 4.  266.  28:  vier  b. 
sint  in  der  sfle  56, 14  /’, 
begniden,  den  sQndcr  163.  5. 
begrif:  diu  minne  hflt  wlten 
begriffen  (*«  bevangin  G) 
141. 4 21. 

begrifen  erfassen,  erreichen,  im 
eigentlichen  Sinn  44.2».  203. 
vif.  326,33;  einschließen,  um- 
schließen 109,  13.  110, 4.  118, 
llj  Got  b.  133,28/:  219,2 f. 
287, 17.  294, 13;  begriffen  sin 
mit  lieht  ausgestattet  sein 
159.  28.  161,  a. 

begQrten:  begürtet  sin  mit 
zwein  g&rtlen  46, C;  zesameu 
b.  sin  92,  4j  semeno  begurte 
liute  307.32. 

behalten  in  Obhut  haben  61, 
22  f.\  diu  gebot  b.  100, 14  f. 
110,  U,  120.  15.  24.  29;  ein 
reht  b.  190, 15 ; sich  b.  sich 
aufhalten  |— ■ sich  enthalten 
120,  is)  1 19,16;  behalten  wer- 
den gerettet  werden  5, 4U.  6, 
32»  62,33.  206, 8. 309.  14,  329, 
34 : behalten  sin  165, 1, 
bchaltcr  (behailteri  Erliiser  75, 
in.  76, 16.  91,3,  153, 22  (G). 
261.  2S.  282.13.  288.  zu.  297. 
21. 

behaltnisso  (behaltnust) : des 
zites  b.  Einhaltung  der  Ta- 
geszeiten im  Kloster  339. 

12, 

behaltunge  Kettung  282,  15, 
höheren  refl.  niif  Gen.,  »ich 
über  etwas  erheben  214,  lfi, 
behüoten:  part.  behuot  sorg- 
fältig, vorsichtig  154,2/:  186. 
15.  222,  nf. 

behQgede  Andenken,  Erinne- 
rung. b.  der  fünf  wunden 
unsere  herren  94, 11;  von 
dem  nutzen  unsere  herren 

b.  338,  u>f. 

beliügen  (—  irhugen  G)  101,25. 
197.5, 


beiten:  des  herren  b.  harren 
72,23/’.  96,21  f.:  der  bekfrde 
b.  170, 11;  mi<  Dat  einem 
Frist  gew  ähren  105,1,  311,15. 
bekennen  erkennen,  begreifen 
289,5;  fleischlich  erkennen : er 
bekande  nie  wip  49. 21  f. 
bekfren  hinkehren  54,  aa f.  60, 
K;  wegwenden  89, 15. 
bekerdc  Bekehrung  zu  Gott 
136,  lßj  des  sündere  b.  104. 
31.  292, 1 ; s.  Pauli  b.  276, 

bekomen  mit  Dat  d.  Fers.,  be- 
gegnen  12,22.  123,  e,f.  266, 1L 
bekorn  versuchen  93,5. 114,  au. 
116.  31.  117. 1 f.\  mif  Gen. 
der  vr finde  b.  kennen  lernen, 
kosten  331.7. 

bekorunge  Versuchung  32, 
23.44,32.  92,15.  12.  24.  93.11. 
94, 1».  115,24.  123,  la.  157. 24, 
197,8.  200,  )■  244, 18.  278, 6. 
283,  2.  285,  a.  301 , in.  22.  326. 

21.  335, 1. 

bekrenken  krank  machen  20, 

24. 

bekümbern:  sich  b.  mit  un- 
nützen dingen  14, 8.  26,  7 f\ 
mit  guoten  dingen  117,  2S.; 
bekumbert  sin  mit  Got  210, 

14. 

belüzen  nachlassen:  din  Sünde 
sint  dir  b.  79.  a f. 
beliben:  ez  bellbet  niemer  an 
uns.  herren,  won  alweg  an 
uns  es  liegt  nicht  an  unserm 
Herrn  31,  37;  b.  in  Got  — 
Got  in  uns  299, 21  f. 
bencdicite  hün  den  Segen  nach 
Abhaltung  des  Kapitels  im 
Kloster  empfangen  64, 4. 
benemen  einem  etwas  weg- 
nehmen 20,  5.  57,  in  die 
kiusche  b.  3,  aü.  135,  2.  222, 

27;  fügend  b.  263,  51  andäht 
b.  122,8;  kricc  b.  den  Krieg 
aufhören  machen  137, 20 f. 
212.  u. 

benemen  nennen:  sie  sint  drl 
benempt  (benemide  G)  u.  i 
ein  gewsere  Got  234,  ts.  23.  | 


i benüegen  (benuogen)  18,  li, 
| 50, 4.  70, 8.  327.  16.  329.  ia. 

ber  Beispiel  vom  Bären  120. 

4.  280,16.  326.  ef. 
beraten  sin  gut  versorgt  sein 
244, 8 f.j  b.  stn  mit  edclm 
gesinde  247.  if.-,  ein  ber- 
räten  hüs  247, 17. 
berc:  b.  der  beilikeit  25,  3.7: 
drl  b.  25,  a;  wücste  b.  «= 
wüeste  herzen  122,  lij  — 
geischlich  leben  269. 4/'.;  der 
heilige  b.  298. 4. 
bereffen  (berefzen)  strafen, 
tadeln  156,  li  is.  162, 2h  192, 
2.  264.4/:  323.2.2U. 
bereffunge,  des  geiBtes  157. 15 
«?). 

bereiten  jemanden  ausrüsten 

44. 15.  37;  stn  herze  b.  201, 
ül  bereit  sin  285. 5.  332, 
U. 

bereiten  subst.  Inf.  (bereiterin 

G)  101.22. 

bereitunge,  der  sele  72.  12.  96, 
is  f.  138,1  f. 

berespen  refl.  sich  tadeln  157, 

U. 

berhaft  a<{j.  fruchtbar  82,  a. 

104.15. 

berbafte  subst.  328,26. 
beribten  in  Ordnung  bringen 
56,  24.  64,  35  f.  156,  13  f. 
berihtierin : ein  b.  der  tugend 

(G)  150.  26. 

beribtungc  innere  Ordnung 
156.  22.  157,  vf. 
herinnen:  mit  bluote  gar  be- 
runnen  252, 12.  257. 1 of, 
berrnit  Pergament:  reht  aJs 
man  ein  berrnit  an  eine  ram 
spannet  36, 18. 

besamen  adv. : besament  vorn 
miteinander  fahren  180,  2a, 
181.25  f. 

besebatewen  (besebstwenj  be- 
schatten 326, 22;  fig.  49,  »■ 
81,37.  227,  ia.  302,  2. 
bescheiden  adj.  klug,  verstän- 
dig im  Maß  halten  13,22.  33. 
21  wsw. 

bescheiden  einem  einen  Be- 


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350 


Wortverzeichnis. 


scheu!  geben  106,  7.  1 1 5,  if>. 
1ÜL  i 

bescheidcnhcit  Verstand,  Ver- 
nunft 27,  &f.  51,  a.  56,  HL  64, 

55,  65,  i f.  65,  i.  96, 3.  115, 

2L  116,  all.  133,  LL  1 56,  13. 
188.25,  192,  13-  232.  7.  315, 

14.  311,  zu  (Z):  b.  gewinnen 
15S,  1~;  das  Malihalten  in 
allen  Dingen  120,  HL  150,  i 
s f.  185,  ȣ  265,1k  329,3.  j 
330,  23.  334,  27  /■;  ein  b. 
merken  einen  Unterschied  I 
merken  193,  2 f.  329.  L 

Bescheidenheit  personifiziert 
21,  24  f.  46.  XL 

bcscheidenllehen  ade.:  b.  strl- 
ten  mit  Maß  streiten  95;  u. 
beschouwcde  Anschauung  257, 

3J.  259,  31  f.  276,  27  |G|; 

tougenlich  b.  210,  m vier  b. 
die  diu  sf-l  an  Got  boschowcn 
boI  206, L 

bcechouwen,  unser  herze  14,9; 
daz  antlüt  Gotes  5,  25  /. ; 
daz  gütlich  lieht  202.  32. 
beschouwunge,  des  geistes 

157,  li. 

besehen  betrachten  58,31.  u, 

65,  29;  ansehen  107,  3 f. 
besenden  holen  lassen  314,  a. 
besenken,  in  daz  mer  193;  21. 
besezzen,  mit  dem  tiuvel  104,3. 
115. 12.  12 

besliezcn  verbergen,  das  Feuer 
58,  11  /.;  zusrhlie/len  daz 
herze  24,35.  222, 29  (G);  den 
garten  47,  l f.\  part.  besloz- 
zen;  in  Got  sint  alliu  ding 
b.23,ai;b.  sin  in  mägtlichcm 
libc  160,  2s/.;  daz  himelrich 
ist  b.  68,  ic.  324,10/'.;  ein  b. 
garte  46,  32  .272,  5.  298,  22 
besntden  beschneiden,  unsem 
Herrn  29.  a.  59,  35, 
besnidnnge,  unsere  herren  338, 

12 

besofet  *,  bcsOfen. 
besta-ten  einen  stiit  machen 

107. 8.  323, 12. 

bestsetungc  (bestirtnunge)  121, 

15. 


bestecken  258, 22  327.  hl 
bestricken  fangen  202, 19, 
bcsuochen:  Wollust  bes.  auf- 
suchen 162,  ä, 

besilfen:  pari,  besofet  (beso- 
phit  G)  sin  in  Gatt  ganz 
versenkt  sein  127,27.  131.  iS, 
145,9(6).  152,  35  IG);  be- 
softiu  srclikeit  70,  li. 
beswierde  24,  ü.  12  26.  2.  14. 

50,  fi.  UL  70,  li  177.12. 
bete  (bette)  stf.  Bitte  39.  UL 

LL 

beten  (betten)  beten  2 1 . 36. 31. 
202,  24.  244,  20/;  254,  isi  er 
bettat  mit  dem  munde,  mit 
d.  herzen  22,2 üf. 
betelor  (bettleri  11,  ul 
betrahtunge  315. 11.  335, 10 fi 
botrüebede  (betrfibide  Gl  24.6. 
32,29.  62,5  i 69.  19.  85. 
II  175,  29,  197,6  200,  L 217, 
UL  210, 35  (G).  300,23,  306.21 
bet  röchen  strafen,  hrimsuelien : 
nu  betrüebo  dich  Got!  110, 1. 
betrüebesale  (betröbsallii  f. 
Trübsal,  Kummer  73, 37. 122, 
2.  ft. 

bettoafn.  Bett  20, 23 ; gebluomet 

b.  20,  26. 

betten  das  Belt  machen ; praet 
er  bettote  322.  a 
bcttclin  (betlin)  Bettlein  20, 25. 

161.13(6).  261,a. 
betwunge;  reden  mit  b.  mit 
Bändigung  d.  Stimme  reden 
334.23. 

betwunge(n)scbaft  Zt rang  135, 
1 6/.  219.  ul 
betwungnust  124,18. 
bevähen  118,6.  229.24.  230,18. 
246.  11  f.  290, 11 ; part.  be- 
vangen  236.  ul  290. 13. 
bcvfUuinge  comprehensio  229, 
zu 

bewiereii  (bewurrcnl  78,  a f. 
129,  6 usw. 

bewam,  sich  Aommunizicren 

10, 13  f. 

bewegenlich  adj.  56.  in. 
bewellen:  part.  bewolien  be- 
flecken, vor  allem  mi(  der 


Sünde  der  Unreinheit  239, 
32.  322,  24. 

bewinden  umwinden,  ein- 
wickeln  261.  26.  301.  22. 
bezcicbcnlich  sinnbildlich  103, 
ul  278, 2L  296.  6,  320,  fi. 
bezcichenunge  8,  u 237.  2.  lä. 
bezetten,  mit  bluomen  327,  ul 
bezimbera  307. 25  f.  iZ). 
bczzern  60, 24.  S4,  35.  116.  5. 
311.  6. 

bezzerunge:  ze  b.  komen  195. 
28;  ez  komet  b.  davon  196, 
15, 

bieten  (brttenl : laster  b.  schmä- 
hen, schänden  45, 36;  Gegen- 
satz bulde  b.  105,  2. 
bietunge  (bitungi  stf.  Aner- 
bieten, Verheißung  236,  u 

illz 

bihte  5, 33.  13,  UL  24.  35.  49. 12, 
53, 33.  56,3.  58,37.  63,2«  f. 
101.14.  311,4.319,3.  337.». 
339, 20:  b.  beeren  7,  2;  rehtia 
b.  h&t  li  ding  135,  u /.; 
sich  ofnen  in  der  b.  179,6. 
bihlcn  5.31,  7,10.  214,24.  333.27. 
bihtigwre  (blbter)  Beichtvater 
53,  £L  S4, 37,  112,2.  136.6. 
311, 6;  die  hl.  b.  — con- 
feesores  167,  2.  183,3,  206. 
ZL  247,  E,  309,  2, 
bilde:  ein  büses  oder  gute* 
Beispiel  geben  bene,  nehmen 
ll.ll/~.  87.36.60,35.  147, 4/. 
151.3/.  154.13.  167, 9,  182. 
i 193,21,  226,2.  335,  23;  guot 
b.  vor  tragen  285, 21/;  b. 
enph&hen  in  Gote  233.  6:  b. 
unsere  herren  17,  36.  18. u 59, 
23  f:  Ebenbild  38,  s.  311.» 
( Z) ; b.  Gotes  u.  des  tiuvels 
320. 21/:  driu  b.  der  sele 
320,24/.;  eins  engels  b.  an 
sich  nemen  202,1«:  in  man- 
nes  b.  224,  ll 

bildemere  (bilder)  Vorbild, 
Muster  59, 2«.  60, 5/.  224.1-. 

J 226,3.  293,15.  328.  24. 

bildnnge  274, 11 ; vilschiu  b. 
des  tiuvels  202, 8 f ; gebügde 
ist  b.  aller  dinge  233, 2 /. 


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Wortverzeichnis 


361 


bin  matc.  Biene  204,  23 IG) ; de- 
min  daz  bv'nlin  (pinlin)  204, 
g,  287,13.  294,  15/  325,  3 /; 
daz  bigi  287, 17  ((?). 
binden,  daz  kom  29,5, 
bischaft  Beispiel  56,  io  f.  283, 
26.  339, 12. 

bischof  (byschof)  5,36.  81, 1«. 
111,  15.  147. 32  f |G).  206,  32. 
237, 1£L 

bitnnge  s.  bietungc. 
bitterkeit  50, 22.  110,  8.  120,  5. 
125, 16.  22,  224,  310,5;  b. 

des  herzen  128.  ia.  f.  336, 
31;  b.  der  helle  129,4;  b. 
der  trähenne  128,  n. 
blwesen;  näch  dtnem  biwe- 
senne  272.3*lG). 
blzcn  (bissen)  bei/len  20, 2s. 
bliejen  (bla-gen)  außlähen  53.2. 
bll  (blaw)  adj.  243, u. 
bleich  adj. : b.  gold  93, 15.  94, 
2£  b.  werden  12, 22.  258, 

3,  267,  is.  a, 

bleiche  stf.  Blässe  94,  2 (G). 
blintheit,  der  weit  213,  2. 
blöz  nackt  69,  36;  mit  b.  band 
angrlfen  SOI , 21/ 
blüejen  (blfigen) : prät.  blnote 
293,10;  Part.  bIQegend  160,1. 
blüemelin,  daz  264,  g. 
blüemen  u.  bluomen  mit  Blu- 
men zieren  74,  isj  part.  adj. 
geblnometu.geblücniet  145, 

4.  154,7,  160, 4/~.  272,10;  g. 
herze  20,  g,  48, 25.  313,  in  f.-. 
g.  seil  32,  3 f.  33,  4;  g.  Got 
65. 7.  126,  9 313, 11. 

bluome  163, 18;  b.  in  dem  tal 
273,6/’.;  bl.  der  schB  bletter 
hat  — Christus  304. 5 / 325, 
28  /;  an  den  bl.  sint  zwei 
ding  33,54;  = tugctlich  ge- 
dänk  139,14;  •=»  geischlich 
lint  315, 32/.;  ieglich  ast  des 
balmboumes  hat  einen  bluo- 
men  260,5  / 

blnot  unseres  Herren  10.  nf. 
101,26/~.  105,18. 282,13;  bluo- 
tes  trophen  unsere  herren 
258,24/.;  begozzen  mit  bl.  29, 
22,  30, Z3.  36,  !»/■;  bl.  switzen 


9,3«;  w!n',  der  mägde  bl. 

180,15/. 

bluoten  (blfiten):  die  wunden 
b.  sehen  94,  m.  286.  25. 
borschoene  gar  schön  328,  M, 
borto  (portc)  Band  44,21.  46, 
»/■- 

breslich  (boschlich,  bceschlicb) 
27,7.  45,  6.  105, 12, 
txpsem  : gebresret  werden  53, 

11.  54,  a.  194,1/  209,  2. 
U.  320, 12. 

bcescrungc  Ärgernis  196,5. 
bresewiht  109. 21  (Gl.  211, 2. 
bösheit  (bosshaiti  60,24.  116. 

12.  157,5.  195,16,  23, 
bote:  die  hl.  boten  Apostel 

64,  21  S,  zwelfboten. 
bonm(böm)  238,  «/;  sich  wei- 
den an  den  boumen  23,  5/ ; 
allerhahstcboum  ■=■  Christus 
23,  21/  90,  u,  326,23/;  in 
einem  Beispiel  vencandt  15,5. 
boumgarte  (böngarte,  bom- 
gart]  23,3 / 25, 11/  55,  25. 
273, 10.  339,  24. 

bözen  (bossen)  anklopfen  73, 
26 /;  ze  des  mensefaen  her- 
zen b.  178, 14i 

bözen  (bossen)  subst.  Inf.  73, 

25, 

brä  Wimper:  brä  wen  juken 
5,  K pi.  brauwen  (brä  G) 

243,  25. 

brahten(br5htenn)ldutscAreien 
834,  26;  bräbtend  stimme 

85,12. 

bredicr  (prediger)  184, 2 (G). 
178,  2/  183,3.  240, 13/  241, 
12  (G).  22.  277,  3. 
bredige  (predi(e))  9,  sl  296, 12, 
brcdigen  ibredien)  9. 24,  78. 

M.  163,  17,  338,12. 
breite,  an  der  minne  133, 22, 
breiten  u.  breitem  iceit 
machen  z.  B.  das  Herz,  die 
Minne  107,  22,  133,22.  153, 
lii  185,  12/  208,  33/  220, 
33  (G);  eticas  von  einem 
iceitersagen  195,27. 
breete  siem.  (=  gebrest  Var.) 
Mangel : br.  in  vollnngu  50, 


1L.  51,  2«  f;  bresten  hän  165, 
l 261.  24. 

Brevierzitate  42.  I «Z  KL  ll  47. 
19.  49,  24/  50,  25  f.  78,6.  101, 
27  / 102,  22.  126,  6.  127,  25/ 
228, 11t.  329,12/ 
brinnen : der  brinnendcGot  156, 
11/;  brinnendc  röso  164, 1, 
briutegome  (brütgom)  96,23  / 
208, 6/  263,  io. 
brosem,  brosme  185,  in  (Gl; 

br.  guoter  gedänkc  89, 13. 
bröt:  b.  bachen  in  zwivaldgem 
viure  30,3«;  daz  lebend  oder 
ewig  b.  «■  Christus  28.  iS  Z 
237, 21/  240.  6. 
broeteltn  Brötlein  198,  21. 
brunne  3,  33.  142,  30;  zwene 
brunnen;  wazzern.  bluot26, 
11;  derlebendc  brunne  Chris- 
tus  40, 52.  66, 16.  70, 19.  124, 
11.  136,  35  (G).  155,  15/. 

219.2.  238, 12/  259,22 /(G). 
287, 19.  294, 17.  310,27  (Z). 
830,32;  — Maria  48, 29; 
— hl.  geist  58.  39/;  b.  von 
wurmen  307,  30  ( Z);  br. 
vliuzet  zc  den  ougen  dz  20,20; 
Ober  den  br.  sitzen  58, 51/ 
310,  g (Z). 

brunst  stf.:  b.  der  Minne  66.31. 
brünstic  adj.  305,  2, 
braoder  (broder  Z)  Kloster- 
bruder 71, 5.  139, 11.  161,6. 
166,  &.  194,  2.  11.  195,  12. 
196,6,  212,7.  216,23.  226,15. 
241, 20  (G).  252, 6 (G).  269,13. 
316,  23  (Z);  bruodern  tuot 
man  5 ding,  so  si  von  dem 
wege  koment  40,  5/ 
bruBt  stf.  107, 15.  330, 1;  under 
einen  brüsten  tragen  287,17; 
zwö  brüste  308,  15/(/?). 310, 
12;  reif  ze  den  brüsten  46, 4; 
brust  iuwers  tröstes  306,  io. 
brüt  96,  a.  208, 6/  307,19  (Z)-. 
ze  einer  b.  gefüeget  werden 
241,ifl, 

brfltlouf  ibrntlöf)  Vcrmählungs- 
fest  72,  a 96,  22,  97,18  / 
102, 13.  302, 24. 

brütmantel,  der  sflen  241, 2. 


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352 


Wortverzeichnis. 


büch  Bauch:  den  b.  gefüllcn 

30^  31 1 ff). 

büezen:  ir  nötdurft  b.  besei- 
tigen 176,  H. 

böbel  Hügel , Buckel  72,  lü. 
90,  1 9f.  (G).  IST,«.  208, 23, 
307,  23  (ff). 

bülielt  adj.:  bühelter  wec  189, 
13. 

human  Bauersmann  92,  z. 
bunctili  Pünktlein  309,  n (ff), 
buoch : daz  lebende  b.  Christus 
131, 13  f.  315, 2s;  b.  der  wis- 
heit  1 13,  ia,  186.  5:  drier- 
hande  b.  315, 21  f. 
buosem  stm . Schoß  11, 33.221 ,20. 
bnozo  stf.  58,  3L  63,  2a.  101. 
li  811,  5/.:  daz  criuze  einer 
b.  253,  li. 

bnozwertec  (bhzwirdig)  adj. 
der  Besserung  bedürftig  333. 
HL 

bnrc,  ftnc  tum  142.  31;  diu 
himelachc  b.  266,  3. 
burde  206,  23.  216,  2a. 
burgiere  (bürgen  245,22/’.  307, 

bQwcn:  daz  abgriindcderhelle 
bewohnen  90,  9;  293,  22  f. 

C 1.  k. 

du  hcime  adv.  14, 10 
dancbtereldankbcri  i Dankbar- 
keit 66,  32.  33.  241. 3. 

284,26.  336,  25.2S.  839.13. 
dannen  (dannan)  vam  weg  fah- 
ren 76, 31.  300, 23  f. 
dannoht  dann  noch  6,  cf. 
dar  unbe  169,  li 
degcnlichc  adv.  mannhaft, 
tapfer  57,  HL  96.  u. 
dempfe  (temphi)  stf.  Engbrü- 
stigkeit 181,  5 f. 
dfmuot  s.  diemuot. 
denen (dennen)  140, i9(0).  308. 

21;  pari,  gedenct  313, 31  (ff), 
derhalp  adv.  auf  dieser  Seite 
203,  23  (G). 
derren  dörren  48,  c. 
deus  296,  ls. 

diemüete  (demuot,  demüeti) 
Herablassung  100,  25/'.  304, 


7 f.  292,  ls  f;  d.  in  ricbtuom 
340. 3;  vrow  Df muot  21,  t3j 
swcster  Demuot  21. 12. 
diemüetecheit  (demütekait)  45, 
13.  50,  11.  51_,  15  f.  54. 

11  f.  66,  21  /’,  67,  7 f.  68, 11, 
82,33/:  139.10.  144.11.  149, 
27  f.  225.  li  24L  7-  263,  17. 
322,5;  vrow  Demüetkeit  21, 
10;  zur  Demut  gehören  12. 
Dinge  84. 3 if. 

diemüetecltche  (demütklich) 
adv.  19. 11.  54, 15  f. 
dlemüeten  (demütcn)  32,  3s. 

225.  2i  288, 15  f. 
diemiictigcn  idemötgcn)  225. 

25.  245,1.  283,15.  338,  32. 
dienen:  Goto  d.  146, 11/;  Got 
vroelichen  d.  199,  ii  213,  c,f. 
236, 9 f.  265, 2i  Got  träcliche 
d.  199.  ic. 

dienest  idienst);  von  der  sterkc 
in  Gotes  d.  92,  s/:  Gote» 
dienst  hl.  Messe  8,  ia. 
dicncathaft  dienstbeßissen  102, 
iü(G). 

dieucstman  (dienste  uil  43,  hl 
diep:  unser  horre  gelicliet  sich 
eim  d.  72,1/';  aller  (liebe  ein 
meistor  29, 2L  30,33. 
dieme  ancilla  domini  28, 23. 82, 
37.  197,3.  225,  16/:  226.25, 
302. 11. 

diet,  irdeschiu  weltliche  Leute 
158,21, 

dileccio  132. 2. 
dinn  « dinne)  adv.  290.  c. 
discipltne  nemen  sich  Kastei- 
ungen auf  erlegen  115,26. 182. 
li  202,  2i  245,  i 333.  23. 
dislclhalp  adv.  auf  dieser  Seite 
203.  23. 

disputieren  113,  5.  236,  2a. 
donerstac:  der  grüzo  cloustag 
Gründonnerstag  198, 12. 
dormenter  (dormiter)  Schlafge- 
mach der  Ordensleute  20,  2i 
339.21 

dom : 9/  einen  d.  guot  fruht 
zwigen  159,  i 316, 12  mit  d. 
gekroenct  257. 12;  die  Dor- 
nen bedeuten  den  Streit  eines 


jungen  Menschen  in  dieser 
Welt  52, 12, 

deert  « dort)  adv.  207,  s;  hie 
oder  d.  169. 16  f. 
dnejen : part.  gedneget  243,26. 
dreschen  (drfschcn),  daz  kom 

29,6/: 

drinne,  drinn,  drin  adv.  244. 

s f.  324.  15. 
dristunt  50,  3. 

dritteil  (dritail)  »tn.  ein  Drittel 
103,  »(GL  108, 17  (G). 
drlvaltecheit  hl.  Dreifaltigkeit 

16,  i 64, 24.  71,2.  78.22.  124, 
12.  141,13,  234,»/:  313,  2 olff). 
336,16. 

dröuwen(tr5wen)  drohen  56.  n:. 
driikennen  s.  trükennen. 
durchiehten  verfolgen  276.it/’. 
durch gt‘n  (durgfn)  etwas  in 
betrachtender  Weise  durch- 
gehen 31, 20. 

durchgesiht  stf.  Durchblick 
205.  li  22.  208,  28.  219.  32. 
durchgiezen,  mit  der  gnüde 
223.  26, 

durchgründen  vollständig  er- 
gründen 289,  3, 
durchliuhten  alles  erleuchten 

79, 20  /■ 

dur(ch)Uuhtic  adj.  105,  27.  301, 
20. 

durchlüzen  ganz  u.  gar  bis  in 
die  Gottheit  hineinschauen 

SO,  31 

durch  rinnen : durch  rennen  mit 
bluote  257, ii 
durcbschtncn  243. 12. 
durchsiahen  durehboren  106. 

6.2L. 

durehvarn,  alle  die  weit  269.7. 
durcbvliezen  mit  der  Gottheit 
133.  3.  155.21.  171,  li  185, 
57  t'om  hl.  Geiste  160.  8. 
durchwiejen  (wigeni  durch 
wehen  169, 12, 

dürft  adj.  notdürftig  32,  25, 
dumeble  adj.  vollkommen  252. 
26. 

dumehtic  adj.  vollkommen  13, 

if.  28,  »/:  61,30,  1)0.22.  2i 
226.8/’.  274,26. 333,11.  33S,2i 


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dumehtccheit  129.31.  131,  i. 
durnehtccltche  (durnihtklich) 
adv.  83, 12. 

durnehtungo  stf.  15,2. 
dürre:  daz  vil  dürre  ertrtch 

312,31  (Z). 

durat : satt  und  d.  1_9,  17. 

6,  diu  6, as;  unseres  berrcn  0 
239. saf. ; altiu  6 altes  Testa- 
ment 1 1 , itf.  29,  42,  45.  36. 

59,  35.  97,  3J.  99,  12.  101,  15, 
109,15.  110.20.  112.20/  119. 

11  186,12,  200.  11  319,  1»: 
die  v geben  den  alten  Bund 
einsctzen  200,  11 
eben]  -Cwic  324, 27:  -gewaltic, 
-wlse,  -guot  234.  iS. 
ebencrist  Mitchrist  2,  ja/.  23, 
14.54.11.  162,4,  166,5,  173, 

2.  181,9.  193,4.  12/.  196.31. 
216,  21.  316,27.  337,14.  338,  5, 
ebenhclle  subst.  Übereinstim- 
mung 307,  23  (Z). 
ebenhcllen  übereinstimmen 
306.  8. 

ebenkellunge  333, 12. 
eben  mäze  Ebenbild  ein  trugen- 
iich  e.  der  crfatüre  203,1/". 
ebenmensche  Nächster  54,  14, 
149,18/1  173,  1.J,  175, 5. 
176.2.  10.  177.  3.  216.19.261. 
a.  279,  an.  285,  21,  335, 23. 
337,  22, 

ebne  subst.  Ebene,  Gleich- 
mäßigkeit 187,2a. 
eccc  324,8/". 

edel  berre  26,23;  edel  liute 
51, 16:  edel  steine,  fünf  62, 

2/;  edel  gestcine  199, 28, 
edelechoit  ledelkait)  61,28:  ed. 
der  natüre  235, 13 ; der  bil- 
dünge  233, 2L 

egeba-rliche  adv.  schrecklich 

262.  21. 

egeslich  (egschlich)  adj.  furcht- 
bar: e.  geriht  3,23, 
ebcrsere  ( ihrer)  Ährenleser 
271, 14:  ehinsre,  ehirar  (G) 
271.  30.32, 

ehcren  Ähren  lesen  271,  31. 
ei  (ay),  daz  283,  26. 

Deutsche  Toxts  See  Mittelalter».  X. 


Wortverzeichnis. 

oigenlich  adj.  165, 5. 12.  188,14. 
eigenschaft  111.  2.  211, 2a. 
eimer:  die  e.  üf  tragen  303,7. 
einbceren : geeinbseret  sin  183, 
11  (G). 

eine  (aini)  stf.  Einsamkeit  be- 
sonders des  Herzens  61,  5, 

Jif  73,  9 f.  87,  34,  35,  130, 
22.  222,  lfi. 

eine  adj.:  e.  sin  277,  28j  mit 
dem  herzen  e.  sin  83,  9/. 
145,21.  210,7;  0.  vam  180,20; 
e.  vinden  222, 15. 
eine  adv.  einzig  321,  34. 
eincc  (ainig)  adj.  9,  a.  85.  n, 
112,  20,  208,  32:  eingez  kint 
252, 18,  302, 18:  einger  sun 
252,  11;  Dat  einer  eingosten 
s&e  239.  lsj  nibt  einigis 
nichts  eigenes  137. 23  (G). 
einecheit  (ainkait),  der  natüre 
16,4, 

einerborn : einerbomer  sun 

163.  L 

einest  adv.  51, 34.  104,  a (G). 
130,  21.  218,15.  287, 16.  330, 
25;  einest  — andrest  21,29. 
eingeborn  250,  15. 
cinhcllungo  (gebcilunge  G) 
Zustimmung  des  Willens 
zur  sinnlichen  Regung  114,29. 
einmüetecbeit  307.  9 (Z). 
einöugc  (ainig)  adj.  einäugig 
7,  16. 

einrihte,  des  herzen  Eigensinn, 
Eigenwillen  201,  22. 
einribtic  adj.  eigensinnig  201. 

30. 

einvaltcc  adj.  69, 2a, 
einvaltechoit  (ain  valtkait)  Ein- 
falt 137,  20  (G).  202,  31.  212. 
lü,  224,  15,  21,  321,  28  f, 
einvaltcclich  gebörsam  65.ia.26. 
eiter  Gift  der  Schlange  3,  a, 
elbiz  (elbs)  Schwan  265,  20, 
electa  — orwelt  287,  4, 
elcfant  s.  helfanb 
fliuto  180, 11  (G). 
eilende  stn.  die  Verbannung  in 
dieser  Welt  19.  is.  39,  24.  40, 

12,  68, 20.  72,  3.  230,  2.  259, 

13,  307. 1 ; ftzzcr  dom  eilende 


353 

dirre  weite  vam  307.14 lZ): 
in  e.  körnen  137,31. 
eilende  adj.  fremd,  verbannt 
34,38.  150.13/". 
emzcc  adj-  135,  is. 
emzecllche  (emzklich)  adv. 
254,2. 

enanderz  adj.  « ein  anders) 
etwas  anders  112,7;  ebenso 
en  klein  « ein  klein)  197, 
u;  enwcng  ein  wenig  98, 24. 
enbinden,  von  Sünden  7,2/". 
8,24. 

enbteen  (enbissen,  cnbizzen) 
genießen  13,  a,  25, 
enblecken  (embleken)  sichtbar 
machen  : lacben  än  zen  e. 

334,1. 

ende:  iemer  mö  3n  endce  zil 
64, 7 f.;  e.  genemen  261.  2. 
306,  2Q;  an  daz  e.  bringen 
202,22. 236,7;  zeeime.  körnen 
133,  25.  305.  4j  ze  slm  e. 
sin  beim  Tode  eines  Men- 
schen sein  254. 12  f. ; an  slm 
c.  ligon  im  Sterben  liegen 
338.  LL 

end(e)haft  adj.  völlig  253, 0. 
endelicbe  adv.  eilig,  schnell 
332,  2. 

engel  15,  ai»  16,  s.  35, 25,  47, 
22/.  54,  32.  68.  30.  38.  85. 
SS.  106, 10/.  M3,  14JÜ  168, 
1 174,10.  182,  19.  26,  183, 
5 f.  192, 12,  206,  27  f.  210,27, 
218,19/.  220,21.  222,5/.  227, 
2.  233,9/.  239,  2.  239,9.  247, 
6.  288.2.  308. 2.  320.  10 /; 
Begriffsbestimmung  78,  sf.; 
dem  e.  sin  rebt  geben  286, 
1;  vier  e.  103, 1;  spräche 
der  c.  22,21.  179,29/,;  — pre- 
dier  178,  2;  eim  ieglicbcn 
menseben  einen  c.  bevelben 
186,25;  als  ein  e.  crschinen 
202,10/.;  der  boese  e.  224,17. 
cngelisch  (engclscb)  adj.:  e. 
leben  113,20;  die  engelscheu 
Spiegel  233, 16/. 
engclscblich  adj.  221, H.  224,  is, 
engelscblichen  adv.:  c. leben  in 
fleischlicher  natüre  278,  2 f. 

23 


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354 


Wortverzeichnis. 


engen  tnfr.:  der  wec  enget 
wird  enger  187,  10. 
enhalp  « jenhalp)  203,  ». 
enmitten  adv.  184,  20. 
enphtehelich  (empf eilig,  an- 
pfellig)  adj.  empfehlenswert, 
angenehm  162,  25.  298,  iS. 
enph&hen : enphangen  werden 
mit  Sünden  63,  6 f. 
enphenclich  (enpbanklich,  am- 
phanclich)  65  , 24.  111,18(0). 
enphindungo,  der  sinne  114, 
xf. 

enphlichen  134,20. 

enteren  311, 24.  330,4;  part. 

enteret  311,  32  (Z). 
entheizen  geloben  56,  s.  111,19. 
entledigen  (cntlidgcn)  24,  28. 
337, 1 

entlPhen : eine  entlehende  Wol- 
lust 209,  ls  ( G ). 
entllben  mit  Dat.  verschonen, 
amweichen  90,  5 (G).  91,  4. 
1.  95, 1.  io.  12. 

entliuhten  erleuchten  58,  20  /'. 
63,15.  160,  27/1  201,»;  der 
entliuhtendc  Got  157, 2«. 
eotreinen  verunreinigen,  be- 
sudeln 34,  0.  12.  61,  28.  128, 
nf.  187,1.  190,  22.  25 f.  210, 
21.  299,10. 

cntschaffen  ganz  ungestalt 
machen:  ontsch affen  Bin  von 
des  tüdes  nGt  313,  s. 
entsläfcn  (entschlaf  fen)  93,15.  iS. 
entsliczcn  aufschliepen  68,  17. 
324, 12 f. 

entspringen  intr. : ein  brunne 
entspringet  20, 20;  ein  brunne 
von  wunnen  e.  under  mir 

307, 90. 

ontst&n  verstehen  121,  i». 
entwischen  134,7. 
enwee  adv.  hinweg  99,  7.  186, 
18.  21.  204, 15. 

enzihen  ref 1.  sich  losreiPen 
von,  entsagen  68,  27.  110,  24. 
231,8.  232,  24.  278,0;  sich 
e.  in  sich  selber  in  sich  zu- 
rückziehen 232,  33. 
enzücken : part.  enzueket  (■» 
verzucket)  entzogen  34,  3. 


enzwiseben  (enschwischen)  92, 
2 «?). 

epistel  Brief  des  hl.  Paulm 
241,  t. 

erbte  re  (erbare)  stf.  21, 16.  86,  s. 
erbxrlich  adj.  307,  9 (Z). 
erbarmherzec  adj.  18, 25.  61,  n. 

104,  30.  135,7.  199,90.  200,4. 
erbarmherzocheit  ( erbarm - 
hertzkait)  241,7.  339,22;  ire 
barmiherzichait  (G|  269,34. 
erbe  «fn. : e.  wider  gewinnen 
146, 6;  unser  reht  erbe  307,4. 
erbermcclich  (erbarmklich)  adj. 

erbarmenswert  324,  lc. 
erbermede  (erbarmd,  erbarm- 
de)  Barmherzigkeit  Gottes 
31,91.  68,  23  f.  88,23  f.  90,9. 

135.4.  163,4.  169,  sf.  178,16. 
250,20.  290,1.  314, 11  332,24; 
Barmherzigkeit  der  Mutier 
Gottes  57,34/';  Barmherzig- 
keit gegen  den  Xebenmen- 
schen  19,5.  46,8  f.  100,21  f. 
199,23/'.  263,  24;  personifi- 
ziert Erbiirmde  21,17  f. 

erbibenen  129,  3. 
erbleichen  intr.  bleich  werden 
105,27.  313,5. 

erblenden:  erblendet  werden 
209,2.  15;  erbl.  sin  210,4. 
erbunnen  beneiden  179, 21  (G). 
crdriczen  lästig  werden  15, 22. 
ere:  drie  sunderlich  e.  329,  36  f. 
crecta  — ftf  gerihtet  286,  li. 
6ren  man  sol  4 dinc  crcn  8, 5. 
erenden  an  das  Ende  bringen, 
aushalten  können  25, 30. 
erenrlchc  adj.  115,  13.  153,4 
(G). 

ergem;  einen  mit  boesem  bilde, 
Ärgernis  geben  durch  schlech- 
tes Beispiel  1 93, 21 ; sich  e. 
11,17 f.  334,96.  335,38. 
erhälicn;  diu  sele  ist  erbangen 
94, 2 (Gl ; diu  weit  ist  uns  e. 
214,  12;  erhängen  in  den 
gütlichen  Spiegel  205, 29. 
erhügen  (—  behügen)  gedenken, 
sich  erinnern  101,25  (ß). 
erkantnnsse  icrkantnust)  4,12; 

331.4.  333,4.  12.  339,22. 


erkennen  den  Beischlaf  pfle- 
gen 49,25. 

erkennerin,  diu  23,  29. 
erkennungc  ( bekenn un ge  G) 
Selbsterkenntnis  157,n;  e. 
unsere  herren  254,16  f. ; drier- 
bant  e.  254, 25  f. 
erkichnnge  « erqnickunge) 
282, 15  (O). 

erkiken,  erkiehen  (<  erquicken) 
neu  beleben  141,35  (G);  den 
töt  e.  284,  22;  part.  erkiket 

252. 14.  326,2. 

erklupfen  erschrecken  56, 23. 
erkomen  intr.  es  kommt  mich 
an  303, 11  (G);  refi.  sich  kosten 
lassen  41,28. 

erledigen:  part.  erlidget  4,7. 

237. 10. 

crleschunge  (erlöschungi , ha-* 
ser  girdo  Auslöschung  255, 17. 
Mich  adj.  zur  Ehre  gereichend 

12. 14. 

erlceser  105,  s s.  Leser, 
erlcesunge  222, 10.  282,  15. 
ermassen  ( statt  ermezzen  ?)  oder 
ist  Korrektur  ir  mäze  rich- 
tig 1 233,32. 

emstiiciic  (ernachlichj  adv.  24, 
39. 

erougen  (erügen)  zeigen  26, 19  f. 

30,31.  154,26.  167, 17. 38  nsir. 
erquicken  s.  erkiken. 
üream  adj.  18, 30. 

Oreamkeit  stf.  21,9;  vrow  Ere 
samkeit  personifiziert  21,  u. 
erechlnunge  stf.  Erscheinung 

202. 11. 

erschrlen : praet.  erschre.  auf- 
schreien  10,8. 

ersehen  58, 36;  refi.  sich  in  der 
Anschauung  Gottes  verlieren 
233,17.  298,22. 

erelahen:  diu miltekeit  e.  135.2. 
ereliewet  part.  lau  geworden 
269, 36. 

erepehen  80, 30. 
erspiegelen  widerspiegeln  26t>. 
12. 

eistecken  69, 10. 
eretriten  (erstritten),  daz  himel- 
rieh  247, 12. 


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Wortverzeichnis. 


ertrlch  gleicht  dem  geistl.  Men- 
schen 37.22- 

crvalwcn  fahl  werden  71,  24. 

264,  27.  313, 5. 

ervislunge  stf:  e.  der  gedenke 
Aufdeckung  339, 23. 
ervüllen : von  | oder  mit)  mtner 
gebürt  153,  6,  154, 25. 
ervurben  säubern,  reinigen 

832.25. 

erwärmen,  an  dem  bette  warm 
werden  182, n 
erwelange  (erwellung),  des 
mensehen  Auserwählung  1 19, 
i f- 

erzenie  s arzenle 
erzneken  (=  verzucken  34, 2): 
der  gruoz  ist  erancket  33, 

aa. 

esel  od  ohse  U,  16;  e.  Balsams 

15,21* 

esse  stf.  Esse,  Feuerherd  93, 

li 

ctschlich  « eteelich)  irgend- 
einer 174,6, 

ewangeli,  ewangelium  8.  u. 

22,3/1  28,  la.  49,  7,  51, 34. 
52, 26.  53, 22.  54, 13.  57,  i sf 
60,31.  £2,32.  70, 3$.  12,22. 
82,  5 f.  65,22,  96,  24.  98,8, 
110,  19.  110,31,  113, 1.  117, 
31,  136,12,  148, 29.  151,  19, 
163,13/'.  164,13.  167,26.  172, 
21.  183,  17.  193,  22-  200, 21. 
237,  23.  238,24,  259,3.  267, 
li,  283.  6.  284,  22.  300,12. 
304, 10.  330, 16.  336, 12.  337, 

34, 

Owart  sicm  alttest.  Hüter  des 
Gesetzes  97, 31,  98, 2.  237, 15, 
ewecheit  Ewigkeit  Gottes  54, 
22  f.  133.  20.  235,21.  290, 17. 
304. 18  f. 

öweclich  (ewklich)  1,1.  57, 
2S  usw. 

Swirdechoit  (G)  Ehrfurcht 

147.25.  150, 1». 

ezzen  stn.  183, 15;  ze  einem 
grOzcn  e.  Gotcs  177,  11; 
zweiger  hand  o.  178,  ll  f. 
ezzich  Essig  35,20.  70, 2.  325, 
24, 


gäbe:  g.  Gotes  67.33  f.\  gröze 
g.  vergeben  enpbähen  168. 

gsehc  adj.  schnell,  ohne  Auf- 
schub 136,  2;  gtehea  adv. 

19,  31.  281,  25, 

galle  swf  88, 2a.  61,  2. 4j  mit 
g.  trenken  35,  2a.  70, 2.  106, 
4.  257,  12, 

gän:  ital  über  daz  velt  g. 
113,  23j  an  den  wec  des 
vihes  g.  157,  sf 
ganc:  vaisebe  genge  3,  30. 
ganeist,  ganeiste  Funken  270. 
L 314, 12, 12. 

gänzliche  (gaintzlicb)  adv.  17, 

13.  St 

garte : ein  bcslozzcner  g.  46, 
32.  47, 1 f.  272.5/'.  273.19  (G). 
293,  21 ; g.  der  Wollust  158, 
12.  269,  2. 
garteniero  92.  l f. 
gast  19,  if. 
gasthOs  19,  3,  40.  a. 
gastmeiBter  im  Kloster  339, 2S, 
gastunge  in  der  Seichte  sich 
nicht  anklagcn  durch  g.,  um 
sieh  damit  zu  rühmen  135, 
li. 

gcahten  182,  23. 
gearcwäncn  194,  il 
gebterde  äu/leres  Benehmen 
32,  iaf  154,  6,  179.1/'.  316, 
8.  334,  4. 

gebären  refl.  sich  gebärden 
126, 19,  264,6.  260, 1,  830, 
IS,  333,  i 334  , 26, 
gebeine  stn.  258,  la. 
gebende  stn.  29, 15. 
geber:  ein  rlchliger  g.  22,9  f; 

ein  g.  aller  gnfldc  201, 20, 
gebet  121, 14;  andsehtic  g.  44, 
29,31 ; heimlich  g.  US,  7. 138, 
17,  170,15;  geischiich  g.  274, 
ei  Kiterz  u.  reine?,  g.  315, 
18  f;  lang  g.  unsere  herren 
283, 2a  f.  ■ von  des  gebetes 
nutz  21,  if ; g.  an  dem  töde 
ist  nütze  durch  zwO  Sache 
254,5;  an  daz  g.  gän  295,20. 
gebeten  (gebetten),  mit  dem 
munde  22,  il  12,  29. 


355 

gebiurisch  (geb&rsch)  adj. 

bäuerlich  326,  sf. 
geboten  (gebo-sren)  böser 
machen  U,  m,  193,  22. 
gebot  stn.,  diu  zehen  l^i  110, 
uif  200,12 f;  g.  unsere  herren 
100. 14;  diu  g.  behalten  120, 
24,  XL  165,  J.  300. 15 ; loufen 
in  dem  wec  der  geböte  187. 
19;  stm.  der  obrost  g.  166,  li. 
gebrsscho  Gepräge  1,9  f, 
gebrechen  zerbrechen  231, 20/. 
gebreiten  weiter  machen : daz 
herze  mit  der  minnc  g.  487, 
18 f.  s.  breiten. 

gebrcst(e)  Gebrechen,  Mangel 

14,3.  22,  32,  48,  28.  51,  XL  61. 

10  f 62, 13.  66,  lfi.  107, 4.  143, 
4.  154,  li  205, 2S,  245.11,  291, 
vt  f. 

gebresten  10,  s.  26, 15.  52,  20  f. 

59,  29,  193,  ü s.  breston. 
gebtlezen  ersetzen  67,  u. 
gebündclin:  daz  mirieng.  287, 

11 

gebQre  tirm.  Bauersmann  118, 
2a.  25.  245, 29,  ia  (G). 
gebürt,  unseres  herren  67,38, 
296,13;  g.  unsere  herren  vier- 
valtic  71,12;  von  vier  hande 
g-  «2.  sstf. 

gcburtlich  adj.:  der  g.  tac 
unser  vrowen  328,  i 
gcdanc:  pl,  gedenke  59, 20.  60. 
21/.  89,  1 3.  148,  48j;  reino 
u.  sfieze  g.  59,  60,  21  f. 

160,4.23;  drler  hande  g.  27,4. 
204,6 f. 

gedenken:  näeh  Goto  g.  208, 
■&f.\  \1  ding  sont  wir  ge- 
denken 336,  15  f. 
gedräte  adv.  schnell,  eilig  99, li, 
gedult,  Gotcs  291,  a f. 
gedultecheit  69,39.  100,25.  102. 
15.137, 16/'.  (G).  280.23/:  241. 
1 ; personifiziert  vrowGeduit- 
keit  70,  iaf 

gedultsame  stf.  Geduld  34,  24, 

252,  M, 

gefrt  adj.:  diu  g.  Maria  311,1. 
gefrtrichc  adj.:  diu  g.  Maria 
302,  2 (G). 

23* 


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356 


Wortverzeichnis. 


gegenwart  (gegen  würti)Üf0en- 

i eart  81.  26. 

gogenwürtec  (gcgewürtic)  17, 

a,  198.  23. 

gegenwurtecheit  (gcgenwürt- 
kait)  17,  io. 

gegeren  — gercn  153,  t«  (G). 
gegihtc  stn.  Gicht,  allgemein: 
Weh  31, 16«  14. 

gehäbedc  (—  habe  Var.)  110, 

r-  (G). 

gchaben:  gehabent  iuch  wol! 
49,iej  gchab  dich  wol!  281. 
2T. ; sich  übel  g.  281,  25. 
gehalten  behalten,  fcsthalten 

23,  14/  54,20.  101,  6,  112,23. 
313,9  / 

gehefien:  sin  herzeg.  189,22; 

»ich  g.  an  Got  210,  l / 
geheilen  übereinstimmen,  zu- 
stimmen  2 1,22.  76. 5,  117,10- 
12. 

gchellunge  stf.  Zustimmung 
de»  Millens  zur  sinnlichen 
Regung  114,  29  (G). 
gehen  « jehen)  sagen  53,  ze 
gchcrzct  (gehertzt)  adj.  mutig 

94.12. 

gehcerde  Gehör  222.  26. 
gehorsame  (gehorsam i i stf.  Tu- 
gend des  Gehorsams  im  Klo- 
sterleben 45,27, 3.1,  io.  33  f.  65, 
22.  69,29.  100,  24,  110,16.  111, 
20  f.  114.1/'.  121,1/.  144.10/. 
211. za.  335.ii;  Maria  ein  Vor- 
bild  des  G.  226,8 Z;  Chris- 
tus ein  Vorbild  des  G.  251, 
16 f.  304,  7/;  g.  loben  (ge- 
loben) 51,  il  283,  LL 
gehügde  Gedächtnis  der  Sele 

74. 12.  2L  80, 4.  171,  a.  188, 
22.  233,  2[.  2M,  10/  241, 16/ 
262,22.  274,1.  336,13.  339, 
ie/.;  von  aller  g.  von  aller 
Kraft  der  Sele  lfil,  361  g- 
unser«  herren  marter  101. 
21.  102,  2[  g.  n.  h.  tödeg  258, 
27/;  in  der  g.  tragen  247, 
3 ; ze  einer  g.  enpbühen  198, 
i»;  sich  laden  mit  der g.  slner 
krankeit  323,  9^  in  der  g. 
Gotes  sin  147,20  <G|.  149,3. 


geil  adj.  279,  2a.  333,  25. 
geirren  (geierron)  80,26. 
geiscl  stf.  29,  23  Z 
geist,  der  hl.  12. 3.  38.  22.  65. 
26.  28.  68,  ls.  10.  ai/.  75,1.3. 
80,  15/  81,  K.  36.  105,  22. 
106,  2-  108, 7,  116,1.  11.  137, 
26.  140, 12.  142.  z.  147, 2. 
157,3.  8,  158, 16,  160,8/  202, 
36.  212,  IS.  227, 9.  234,  16. 
271,10,  275,  22.  282,  u,  297, 
16.  302,9  323,8/  335,5.  336, 
is;  ist  in  dor  sele  in  drl  wlae 
58,  1 fi  g.  Gotes  — des 
tiuvcls  172,3«/;  ein  vrier  g. 
205, 15/;  die  b insen  geiste(r) 
254,8/  278.  29/  335,«. 
geistlich  (geetlich,  gaischlich, 
gaislieh,  gaischlig)  11,8.  14, 
5.  23,  32,15/  109, 12.  110,  9j 
g.  leben  12. 13.33.  18,29,  25, 
8 / 207,  n/;  gelichet  sich 
dem  berge  25,9/;  daz  g. 
düster  ist  als  ein  boumgarte 
25,11. 

geistliclien  adv. : g.  leben  mit 
den  liuten  54, 1 uf 
geklaffen  333, 26. 

(ge)koufen , himclricb  113, 11. 
gel  adj.  gelb  22,  äfl.  243, 11, 
gclaif  inich  adj.  schnell  geläufig 
301, 16  (G). 

geläzen  (gelassen)  ir.frei  lassen 
30,  12 /■;  g.  an  Got  — ge- 
loubcn  an  Got  (G)  195,  3, 
geleisten,  die  minne  166, 2.  s. 
leisten. 

geliche  Gleichnis  233,  u,  242, 
zu  ein  g.  geben  291,14:  sich 
ein  g.  machen  305,7;  Gleich- 
heit 321,  25;  diu  gliche  der 
bildnug  des  tiuvels  203,  22. 
g(eiliebsamc  stf  255,  5j  oino 
g.  geben  Gleichnis  185,  iß 
(G). 

gelichnns  ig(e)lichnnst)  stf 
Vorbild  340, 17/;  in  einer 
vrowen  g.  279, 11 
gelichnnge,  desmenschcn  Ähn- 
lichkeit 143, 12/ 
geliehen  intr.  angenehm  sein 
137,  L. 


gellgen  intr.  aufhören,  sich 
legen  312.  2a  (Z). 
gelihsenen  heucheln  274.  u (G), 
gclthscner  Gki/Iner  22.  13/ 
gelimen,  sich  129,  25. 
geht:  pl.  gelid  u.  gelider  115. 
9.  162, 11  243, 26.  339,  25;  g. 
der  cristenheit  175,17,216,21. 
gieiloube  (glühe)  Glauben  83. 
5/ 202,3.  229.  li.  235,4/  248. 
19/  259,  22,  261.5/ 
geloubec  adj.  9,25,  143, 5.  341, 
12. 

gelt  Ersatz:  grüzez  g.  schuldic 

sin  168,4/ 

gelten  vergelten,  uäedergeben 
11, 16.  60,25.  168,  16.  320,1«: 
daz  übel  mit  guotem  g.  162. 
6.;  gegen  tüsenden  niht  einz 
ze  g.  hän  206,  is  / (vgl.  197,  it). 
gclütXclde  158,ti(G).  295,  13. 
gelübschafte  Gelöbnis  158,  3 
(G). 

gelücke:  entslafenentz  wischen 
zwein  gelücken  93, 1 */ 
gelüst  stf:  g.  an  Got  Freude 
an  Gott  132,12/;  mit  g.  an- 
sehen  257,  11 ; — stm.  böse 
Begierde  144,  6 / 
g(e)lustec  adj.  145, 12.  209.  li. 
218.  la. 

geluBtelich  adj.  316,6  / 
gelnsteliche  u.  gelnstediche 
(gelustlich)  adv.  199.n.  239.2. 
gemach  stn.  Wohlbehagen,  Be- 
quemlichkeit 13,  20.  202.  is. 
29;  g.  des  libcs  119.  ta.  3,. 
294,22;  mit  g.  leben  148.5. 
gcmahel  Bräutigam  u.  Braut 
der  Sele  45,  j.  60,  ta.  64,  7. 
225,17.  267,21.  272.  9. 
gemabelschaft  273. n/, 
gcmwlde ; daz  g.  in  der  Idrrhen 
243.  uf 

gemülen  malen  240,  1*. 
gemeebede  (gemichdei  Ehe- 
gatte 277,  27.  318,  8 / 
gemechltch  adv. : g.  ze  bimel- 
riche  körnen  202.  >. 
gemeinde  stf  die  Gesamtheit 
133,  li.  270, 36, 

gemeine  adj.  gemeinsam  162, 


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Wortverzeichnis. 


367 


2 tf.  270.7.  271.  sf.  326,  3 f- 
din  sänne  ist  g.  77,  äl  f. 
103,  is.  104,  28  f.\  der  m&n 
ist  g.  106,  29/.  107,  Wf. 
gemeine  »tf.  271.  i. 
gemeinlich  adj.  220,  2 1(0). 
gemeinllche  adv.  107, 21 ; sich 
g.  halten  183, 12. 
gemeinsamen  66.  4.  «8/1  86,2, 
gemeinscbaft:  g.  begän  162. 
20.22. 

gfn  (<  gegen)  65,  l«. 
g{cln&de:  von  nnsers  herren 
gnidcn  66,  l f. ; götllche  g. 
223,  tf.  u.  öfter». 
gemedecliche  (gniedklich)a<fu. : 
g.  beiten  170.  u u.  öfter». 
gen&hen  95,  a. 

geneigen  59,  a:  sich  g.  76,  in, 
11,  209, 14.  27j  mit  geneigtem 
houbete  251.  u f. 
genemen  nennen  226,  je. 
genern  264,  a, 

genesen  6. 33  f.  51,  13.  325,  21. 
genidem  refl.  »ich  demütigen 
149.  22. 

genieten  mit  Gen.  124.  2s. 
giejnöte:  alse  gnöte  193.  18  f. 
(G). 

gen  ü egen  »tn.  13,  L 
genuht  »tf.  Fülle,  Genüge  41, 1. 

59,  si / 290, 7.  291.  li tf. 
gennoc,  gnuo  adv.:  g.  be- 
scheiden 13,  jj;  g.  guot  14,4; 
g.  tiure  90.  L 

gennogon  11, 22.  249, 30  (G). 

gerne  Igentzi)  »tf  Vollständig- 
keit 82,3,  129. 28. 
gerochenen  « reckin  G)  dar- 
legen,ganz  aussprechen  140.3. 
gereit  adj.  umher  schweifend 
204,  li. 

gereitc  adv.  alsbald,  sofort 

99,  22. 

gerihte : g.  Gotes  206,  3_/j  g. 

unsere  herren  336,  11. 
gerihten  refl.  sich  zurecht 
finden  201,  2t  f. 
gerihtic  adj.  recht,  gewandt : 
ein  g.  znngen  hin  181,  tf. 
gerüemen  82. 1. 
gerüeren  124,  2, 


gerfinen  (grünen)  zuflüstem 

80,  li. 

gemngte)  »tf.  17, 28.  a,  42,  2S. 

24.  132,  28  (G|. 
gcruochen  66, 11.  271,  a. 
geruowen  34. 13. 
gesamnen:  sin  minne  an  Got 

g.  15, 5. 

geschadcn  58,  aa. 
geschal  Lärm  73, 12. 
gcscheffede  Igeschift,  gesch e- 
pfede)  Geschäft,  Werk  54, 
33. 38. 147,29, 273,15:  Geschöpf 
58,7. 204,1.209.6.11. 112,12. 
232,11.  243,  1.  26  f.  289.  4.  294, 

25,  pl.  geschAfte  152,4. 
gescheiden  6,30.  70,4.  «;  part 

adj.  121,25.  140,  n,  «/  208, 
2L 

gesehen : gesach  mich  Got  127, 
»/.:  j&  zwärc,  sö  uns  Got 
gesach  294. 14. 

geselle  28, u.  61, 11.  63 ,zsf. 
69, »2.  70, ».  211,»,  kneht 
und  geselle  91,22.  162.  u. 
gesellcschaft  131,7.  143,4;  g. 
der  liebe  137, 24, 212, 112  sich 
vröuwen  der  geselleschefte 
307,8  (Z);  ze  geselleschefte 
körnen  307, 33  (Z).  131.7; 
mit  gcselscheften  vam 

308.1. 

gesetzen  niedersetzen  87,  is. 
gesigen;  an  dem  tiuvel  g. 

15. 1, 

gesiht,  des  frides  208,  is. 
gesihtic  adj.  sichtbar  131,1. 

25.  187.5,  313, 1»  (Z). 
gesinde  115.21. 244.  ln.  247,4/; 
himelschez  g.  62,  21,  145,  is. 
309. 3. 

gesitzen  : über  den  brennen  g. 

sich  niedersetze n 310. 2fi  (Z). 
gcslicfen  (geschlieffen  < ge- 
fliesscn  Var.)  hineinflie/len 

300.1  fl 

gcsmac  91.  li;  g.  der  tugendo 

259. 1 tf-,  g.  von  dem  töde 
Gotes  258, 17  f. 

gesmecken  mit  Gen.  13. 10.  so; 

unsere  herren  g.  236.4. 
gesorgen  64,2. 


gespenste,  der  weit  Trugbild 
der  Welt  140, 14. 
gesprmche  adj  '.  wol  gespree- 
cho  beredt  256,28  (G). 
gestecken:  diu  ougen  g.  die 
Augen  fest  auf  etwas  richten 
99.4  f. 

gesteine.  edel  59.«. 
gestillen  212,  nf. 
ge« time,  daz  109, 14. 
gcstüele:  g.  des  obrosten  Go- 
tes 75, 28;  ein  g.  der  wls- 
heit  129.8, 
gesügen  310. 17. 
goswechen  u.  geswcclircn 
schwach  machen  231, 22.  255. 
24. 

geswcllen  trans.  geschwollen 
machen  325.  isf. 
gcswichen  entweichen,  schwin- 
den 258, 12.  28  (G). 
getän  adj. : also  getäniu  heili- 
keit  224, 23. 

ge  tat  das  Tun,  Tat  192. 7. 
getragen  258, 20  f. 
getreten,  üf  den  wec  den  Weg 
betreten  155,12, 
getürstec  adj.  kühn,  mutig  278, 
21.  335, 4«. 

getüretecliche  adv.  276, 11, 
gevallen : an  Got  g.  Gott  gleich- 
kommen 169.24. 
gevalwen  fahl  werden  160,  1. 
gevären;  unser  herre  geväret 
niemer  des  menschen  übel 
er  will  nicht  des  Menschen 
Unglück  24, 10;  ez  govuor 
es  ereignete  sich  144,2,  öfters. 
gevasten  64,5. 

gevederen  Federn  bekommen 

182.11. 

gevelschen  113, 7. 
gevider  263. 4. 

gevliezen  hineinflie/len  58.22. 
gevremeden  (gefrAmden)  ab- 
wendig machen  258,2. 
gevüere  stn  Xutzcn:  eins  lie- 
ben kindes  gcvücros  geren 
239, 22  f. 

gevügel  stn.:  g.  daz  in  dem 
himel  vliuget  177,  in,  178,  4. 
gevuocliche  adv.:  g.  vam 21,22. 


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358 


W ortverzeichnis. 


govürder(re)n  fördern  15,  4. 
331, 14. 

geviirhten  64,  s. 
gewtefen  sin.  Wa/fenriistung 
142.  in ; plur.  gewcefen  «. 
gewseffcn  44.21.  94,2. 
gcwwfent  adj.  bewaffnt!  142,2s, 
gewalt  4,  ll,  165,  16;  Gotes 
gewalt  (wishcit,  gfictc)  17,14. 
34,  18,  wf.  23, 22.  88,  sf.  134, 

9 f ; Gottes,  des  Vaters  142.  L. 
152,  sf  203,  zf.  204  , 33/'.  205, 
24  f.  230, 19 f.  231,26  f.  235, 
21.255.27.  274.4.  288, 2L  234, 
12  f.  304, 18  f.  336,16 /■ 
gcwaltic  5. 13.  336,1c/'.;  mit 
Gen.  29,33.  35,15.  75. 23, 
113,  13,  141,8.  266, 18. 
ge  wandeln  ändern : ein  leben  g. 
277,11.  278,21;  sich  g.  217, 
22.  3«£ 

gewant  des  priesters  8,28 /■ 
gewantmeister  im  Kloster  339, 
15, 

gewtere  adj.  wahrhaft  6, 2. 
135, 19. 

gewaerllch(e)  adv.  in  Wahrheit 
62,32.  313,27  (Z). 
gewenken  intr.  145, 8.  152, 17. 
167,4.  253,  u. 

gewerben  erwerben:  tngende 

g.  157,21, 

geworfen : Bin  herze  in  die 
weit  g.  118, 4 f. 
gcwlhen:  bi  einer  gewillten 
nunnen  ligen  7,24. 
gewinden:  sich  in  eines  arme 
g.  125,11, 
gewisbeit  62.  an 
gewitcr  Igwittcn  stn.  327, 23. 
ge wi treu  erweitern  184.x. 
gewonheit:  lange  g 244, 

23  (G). 

gewürken  mit  Akk.,  üben  20, 
13, 

gewürzen : der  gewürzde  wln 
295, 3.  309,12  (Z). 
gczclt  56, 34.  57, 1 f.  237,  13, 
31 5, 1 ; gütlich  g.  123, 16  f; 
wandlunge  in  dem  g.  119,2/"; 
g.  Of  slahen  von  drin  sei- 
len 33,2»;  in  den  gezelton 


rnowent  dricr  hant  liute 

52,2/. 

geziehen:  sich  ln  geischlich 
leben  g.  sich  begeben  92.22. 
gezierdc  Schmuck  der  Seele, 
der  Tugend  28,2.  46.23.  48. 
23  f ; g.  der  weit  49, 22-  140, 
14,  280,  in;  ze  g.  geben  106, 
12;  ein  bilde  der  g.  Gottes 
Sohn  71,10. 

gezinc  stm.  2, 35j  der  getrinwe 
g.  hät  drin  dinc  322, 13 /, 
geziugnust  stf.  Zeugnis  3,2. 
gezogen  part.  adj. : wol  gezo- 
gen (irzogin  G)  17, 16.  118, 
20£ 

gezneket  sin  verzückt  «ein 
128.9. 

gigen  geigen  307,  2ü  ( Z ). 
gimme  stf.  Edelstein  91,  M. 
ginen  das  Maul  aufsperren 
279,  2.  312,  32  ( Z ). 
girde  22, 18,  41,  23.  42, 24.  55. 
37/.  335, 13  f. ; g.  weltlicher 
richeit  203, 11  f:  zwü  g.  in 
der  selc  117,  3 f -,  fleischlich 
g.  110,  4 f.\  base  g.  116,  at, 
giric  (gerik  G)  adj.  141,  37. 
girlich  ad),  begehrenswert  70, 
171,  26  (G).  199, 18. 
gltec  adj.  geizig  190, 23. 249,19. 
gltekeit  241,  3.  245, 6. 11, 
glanz  adj. : glanzer  Spiegel  78, 

»f- 

glanz,  himclscher  visio  beati- 
fica  220,  2L  269, 15, 
glas,  Eigenschaften  desselben 
in  Beispielen  verwendet  229. 
26/.  243,9  f SOI,  »f. 
glenzcn:  engegen  enander  gl. 
233, 14. 

glich-  s.  gelich-, 
glogge;  pl.  gloggan  339,18, 
gloria  in  cxcclsis  9,2. 

. glüse  glossa  16,5,  156,18.  216, 
20.  227,0,  222. 15, 
glüsen  deuten,  auslegen  1 17,  u, 
178,27, 

glüsieren,  die  rede  116,  i, 
glüejen  (glüegen)  1 32, 6. 
gnSdc  s.  genäde. 
gueist  s.  ganeist. 


gnöte  ».  genüte. 
gnno  8.  genuoc. 
golt,  von  Arabia  93, 14.  94, 

1 /. ; g.  13t  den  schln  von  im 

»0  >'-f- 

Got:  der  brinnendc,  eriiuh- 
tende,  kreftige  156,9/~.;  waz 
G.  st  274, 4;  vremder  G.  L, 
8;  pl.  die  gJtte  49,  is.  97, 

8. 12.  321,  15. 

goteshüs  237,  »i  in  dem  g. 

sacb  man  driu  dinc  237, 17  f. 
gotheit  70, 30 f.  106,  »1  din  g. 
Christi  105,22.  155  , 24.  198, 
Bf  239,  12.  295.  fi.  304,  tf. 
308, 10;  brnat  einer  [Christi) 
g.  310, 10. 

gotllcbe  stf  Gottheit  1öS,  21 
(G). 

goueb  (goch)  lor  30. 6.  9.  152, 
UL 

grildal  Graduate  - Mefigesa  ng 

9.12. 

grfit:  (If  sttgen  an  die  gnete 
233, 1 ; dri  g.  234,  7, 
griive  im  Sprichwort : des  kei- 
sers  diensteman  ist  grauer 
denne  ein  gräve  43.  ul 
grilz  — stsste  girde  139, 15j  gr. 

inncclicher  girde  272,  t_L 
griez  Sand  des  Meres  104,  L 
griezelln  Sandkömchen  104, 1- 
grisgen  «.  widergrisgen. 
grisgramen  mit  den  Zähnen 
knirschen,  von  dm  Verdamm- 
ten gebraucht  72, 15. 
groeze,  Gotes  290,  li  f.  u.  öfters. 
grözecllche  adr.  63,  32 
grüzllcbe  ade.  18,  i,  170,  10 
«.  öfters. 

gröene  163, 12.  164,  5. 
gröenen  (grünem  grünen  48, 
U,  276,24  (G). 

grüezen;  Ave  gr.  mit  Ave 
Maria  154,  2s  (G). 
grünen  *.  gerünen. 
gruntveste  261,21. 
gniobe  graben  LL  u. 
gruoz:  den  lebenden  g.  en- 
phln  127,  li, 

gäben  = geneben  12.13,  21. 
güenlieh  adj.  herrlich  S2Q,  s. 


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Wortverzeichnis. 


369 


güenllcbe  subst.  Herrlichkeit 

33,  IS.  90,  u,  309,  32  (Zl. 
güete,  Gote«  63,31=  66.  s.  uf. 
67,10.  92, 1.  131,  27/  152, 
6/  170,  11.  178,  lfi,  185,  s /. 
203,  lfi.  205.  3.  uf.  206.  12/ 
232, 10  / 289.  6.  311,8:  ein 
güetc  aller  giiete  209.  y,;  g. 
wird  zugeschrieben  dem  hl. 
Geiste  234,  nf.  336,11. 
guldln  adj.:  g.  seil  32,  4/ 
gump&nye  s.  kumpünie. 
gnot : daz  obrost  g.  summum 
bonum , Gott  23,  33,  124,  23. 
125,  14.  131,  so.  145,  4,  152, 
fi.  153,18.  157, 11  / 189,  10  / 
189,  zl  209,»,  274,  tf.  302, 
».  310,  a.  327,  32  f. 
gnot  sbstadj.:  ze  gnote  tuon 
145,  a.  206, 11;  durch  g.  be- 
schehen  217,  13.  n;  für  g. 
h4n  232, 38  / 

guottüt : pl.  güttetc  u.  gütet 
147,  14,  336,  ZLffl, 
gQrtcl  des  Rockes  45,  !</;  mit 
zwein  gürtlcn  begürtet  sin 
46,2/“.;  cingulum  d.  Priesters 
8,11 

haften:  an  unserm  herren  h. 

in  sehs  wise  325, 2 / 
haftunge  das  Haften  der  Seele 
an  Gott  31,  32=  324,  ai  f. 
hteio  adj.  schlüpfrig  332, 12, 
halsnnge,  der  minne  das  Um- 
fangen, Umhalsen  81,  5, 
halten:  Got  halte  iuch!  30,  20; 

Got  halt  dich  1 127,14.  223,7, 
handeln  behandeln  29. 31 
hant:  die  hende  flf  die  siechen 
Jegen  118,  15/.;  die  h.  rei- 
nen = iuweriu  werch  r. 
201,  Uf. 

hantvane  Manipel  des  Priesters 

9,1 

harpfe  swf.  Harfe  174,  li,  287= 
11  294,  lfi. 

hecken:  gehecket  werden  von 
einer  Schlange  gebissen  wer- 
den 76,  3a.  77, 1.2, 
heeso  (bces)  Hexe  4,  m. 


beide  stf.  ebenes  Land,  Heide 
69,1, 

heiden  stm.  63,  u,  94,  a,  255, 
is ; die  wlson  h.  203,  2.  231, 
12,  232,  s;  ein  wiscr  h.  224. 
6]  ein  h sprichet  284,  17; 
man  liset  von  eim  h.  241,11. 
heidensch  adj.  heidnisch  3 1 9, 20. 
heil:  der  wunden  h.  159.7/'.: 
ze  h.  körnen  179,  22, 
heilige  swm.:  pl.  dio  heilgen 
die  Heiligen  16.  in.  2a.  28, 
22.  43,  33^  85,35,  108. 15. 
239. 12.  248,15/'.  32  8,32,  337. 
3,  340, 2;  aller  heiligen  tac 
178.  1<G);  Aussprüche  non 
Heiligen : ein  heilig(e)  spri- 
chet 21, 1,  22,  lfi.  29,  4.  33, 
18/  82, 11,  86,  33,  87,  11.  108, 
12,  114,15  133,8  148.2/.  176, 
lfi.  225,  3.  244.  13,  285, 4.  289, 
».  291, 2. 323, 13.  324,12;  man 
list  von  eim  heilgen  290, 12; 
die  heilgen  sprechent  106, 
uf.  113.  6.  108,  22.  162,21. 
232,17. 

heiligen : den  tac  der  niowo  h. 
den  Sonntag  A.  2, 1 j gebeiiget 
werden  in  ir  muoter  libe  t'on 
Maria  149,  9.  223,  a. 
heillilkeit  (haikait)  8.1  17. 1. 
17,3.  41,23.  225,8:  h.  Gotea 
— himelrlch  98,12]  von  des 
mcnschcn  h.  200,8/;  wonen 
in  der  heilikeit  heiligen 
lebens  148, 13, 

heime  tragen  nach  Haus  tragen 

6,6. 

heimleite  stf.  Heimführung  der 
Braut  307,  29  ( Z ). 
heim  leiten  die  Braut  nach 
Hause  führen  83, 2a.  307,  a. 
heimlich,  heinlich  adj ■ verbor- 
gen 17, 16]  h.  gebet  118,  7, 
170. 15]  h.  sin  c.  Bat.  95, 13 
vertraut  »ein  mit  jemandem, 
hingegeben  sein : an  Gott  26. 
3,  33,  S,  37,  5,  73,  fi.  145,29. 
210, 6 / ; an  die  Welt  beete, 
an  einen  Menschen  128,  23, 
26/  172,  25/  (G).  194, 7.  195. 
19/ 


heimliche  adv.  130,  25.  133,  i. 
134,9,  170.1. 

heimliche  (heinlich)  stf.  ver- 
traulicher Umganglll.stG). 
225,  29.  273,2;  mi(  Gott  15, 
29. 16,23 / 33,8;  diu  himelscb 
h.  204,21;  in  die  jüngsten 
h.  körnen  205, 19. 
heimltcheit(haimlichkait,haiu- 
lichkait)  17.6.  18, 13. 
heimlichen  (hainlichcn)  stev.  73, 
11;  sich  Got  h.  8,  a;  ze 
einem  h.  330.2. 
heimnotc  (hainmüt)  Heimat 
87,34.  88,  17.  261,26.  S07,  1/ 
325.4. 

heinvart,  din  307,  n(Zi. 
heisere  ihaisri)  h&n  an  Heiser- 
keit leiden  181,  i f. 
heiter  adj. : der  wec  sol  sin 
h.  187,5. 

heibling  stm.  Münzstück  — V»  i- 

1^3  f.  51,87. 

helfaut—  unser  herre  86.35/ 
hclfenbeintn  adj. : elfenbeinern 
123, 22. 

helle  Hölle  16, 35.  83, 1,  104, 
13.  137,  8,  207,  IX  235,  13. 
290,  5.  292,  3.  300,  8 ; varn 
in  die  h.  15, 33.  69, 8;  ze  h. 
varn  211,  14  gedenken  an 
die  h.  129, 1 /;  vorbte  der 
h.  261,  6;  nöt  in  der  h.  264. 
29.  265.  5/  337,  I7j  bflwen 
daz  abgründe  der  b.  90,  3; 
Vorhölle  249, 4.  297,  3= 
hellen : hellendcz  lob  59, 12, 
hellericbe  stn.  184,  4.  290,  l 
(G). 

hcllesch  adj. : die  heischen 
tiuvel  69, 37;  hellescher  grünt 
69,  13;  daz  bcilesche  rieh 
bflwen  203,  22/ 
bcllcwurm  Teufel  326,  21. 
henken:  mit  wundrung  in  den 
Spiegel  der  wlsbeit  ge- 
henket  werden  205.  ll  23. 
hör  adv.:  b.  wellen  45, 12. 
her,  himelschez  62.  a.  64,  lfi. 
a.  102,  19,  140, 5,  182. 27. 
183, 11=  206=  218,  29.  220, 

29,  246,  9=  809,  lfi  (Z). 


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360 


Wortverzeichnis. 


herbcrgi  e)  19, 19. 85,29 ; h.  versa- 
gen 24, 37;  ze  h.  komen  199, 
22;  zc  h.  gevüeren  305,1  <;  von 
der  h.  vcrtriben  323. 14;  h. 
gewinnen  339,  3, 
hfro  ruhst.  Erhabenheit:  diu 
vil  h.  dinor  sflezekcit  184,22. 
hfrschaft  stf.  R.  du  Himmel» 
131.  l ; Ootta  168, 7. 
hf racher,  ein  rehter  88,  L 12= 
hertecheit  Hartherzigkeit  264, 
tf  323,  a, 

hertecltcho  (bertteklich)  adv. 

hart,  streng  264,  L l» 
herze:  daz  reine  bereite  h,201, 
17;  hol  h.  321,  39;  ein  Of  ge- 
rihtcz  h.  230 ,7/;  stn  h.  an 
dem  gern selde  vinden  248, 
22.  249,2. 

herz(c)bluot  31,  9.  108,  26/ 
herzeliepn<ü.  303,12, 304, n(G). 
hesee  s.  hecse. 

bimel  (by'mel):  b.  — gcistl. 
Iiute  37, 9:  zo  h.  vam  182, 
12 ; in  drt  b.gezucket  werden 

129,5/~. 

himelbröt  239,  stf. 
himellant  268,  2. 
himelporte  246,  5, 
hiroelrlche  95,  so/.;  von  zwein 
h.  64,  l? ; ln  h.  slnt  driu  dinc : 
Sicherheit,  fride,  frlheit  217, 
24/;  drin  dinc  die  wir  an 
Gote  Bchowent  in  h.  237. 
*lf. 

himelsch,  himelschlich  16,  mf. 

64,  26,  211,6,  218,  l&  s.  unter 
her. 

bimelstat,  diu  217,  2L 
himelstuol:  fif  den  h.  geectzet 
werden  4,12, 
himeltou  312,  ä£  (Z). 
himelvar  adj.  himmelblau  263, 
12, 

himclvart,  unsere  herrcn  10,15. 
himelvarwe  101,12,  102,  i(G). 
hinderlist  stm.  1, 11, 
hinderrede  stf.  üble  Nachrede 

274,  27, 

hinderreden  91,  12,  181,  9. 
bindnen  adv. : b.  nach  komen 

182. 10, 


hinnen  (binnan)  ron  hinnen  56, 
12.  91,2S(G).  3111,4.  337, 35. 
hinwurf:  ein  b.  der  Iiute  rin 
Austcurf  der  Leute  325, 21, 
hirte  sinn  57,3,  16/.;  die  Hir- 
ten von  Betlehem  9, 12, 
birzle)  su  m.  (und  stm.?)  Hirsch 
70,  12,  236,  LJ.  287,19,  294, 
12.  327, Z. 

hitze:  h.  der  minne  66,  30.  67, 
14;  b.  der  bcesen  weit  48, 
tf.  58,  34.  71,  35;  h.  der 
sunnen  78,21/: 

hitzedtche  adv.  67,10, 189,22 / 
hiu  « hiute)  adv.  20,  u, 
biute  adv.:  biut  dis  tages  292, 
2L  234,  ii  hiutint  38,24.  50, 
lü;  hiutint  diz  tages  303, 1. 
bOcbvartibohfart,  höffart)  109, 
14,  110, 5.  119,  24.  144,  10, 
245,  6 f.  325, 10.  381,  24, 
bSchvertec  (hflffertig,  hoh- 
vertig)  22, 15,  45,  a,  114,  8. 
höchzit  (hohzlt)  hohes  Fest  49, 
0,  227,  K;  Hochzeit  99, 14  f. 
178,21  f. 

bof : ein  hof  sprechen  eine 
festl.  Versammlung  anbe- 
raumen 45,  9;  ze  h.  vOeren 
123,  25;  ze  b.  varn  124,  l; 
ze  h.  komen  126, 25,  179,2s. 
hofroht  8.  boverobt 
ho  he  stf. : gelstl.  leben  ist 
glich  der  b.  208,24/.;  h. 
Gottu  235,  21;  b.  an  der 
magenkraft  Gotes  133,  23; 
dlner  b.  ende  ergrifen  230,1t. 
hoehen  erheben  263,  a, 
bechern  107,  27.  239, 23.  262, 9; 

den  sanc  b.  267,  tf. 
hol  masc.  Höhle  38,  lg.  59,  a. 
hOle  Ausgehöltcs  321,  M, 
honec(bong)  37,20,  50,äo,  89, 
t 123,1/.  228,14.  287,  1t. 
291,12/,  294,16.  326,  t/.;  — 
bl.  drivaltkcit  124, 12, 
born:  ein  h.  blasen  103,  s. 
honbetsünde  Ihöbtsünde)  12, 
äL  23,  27,  10, 15,  54.  22  63, 
17/.  73,7/  147,6/  191, 11/ 
193, 31.  200, 2,  209,23/  215, 
27/  235,  12.  240,2.  261,  16, 


264,  17/  266,  27.  292.5.  298. 
tf.  300. 6. 25.  307, 5/  318, 14- 
325,  L 

boverobt  (hofroht)  adj.  bucklig 

7, 17, 

hübesch:  hübsche  junevrowen 

46,6. 

hudel:  pl.  budilan  256.  t (G) 
14.  büdelliu  schlechte  Kleider, 
Lumpen. 

büeten  mit  Gen.:  des  herzen 

h.  39,  io,  48, 39/  130,  12.  ifc 
193,  32  (G);  einer  süle  h.  194, 
14 ; ir  selbes  b.  222,  26;  siner 
tugende  h.  263, 3. 
hügen  denken:  daz  gemuete 
muoz  daran  h.  145,  9 (G). 
bulde,  Gotes  68.20/.;  in  Gotes 
holden  sin  147, 9.  300,  u /.; 
h.  bieten  105,2;  h.  Verliesen 
119,  u.  23;  ze  b.  komen  105, 
ft.  107, 11, 

bnndertvaltic  113,  2. 
bnnger:  sterben  von  bungers 

n5t  193,  io. 

hungern,  nScb  Got  186,31(0). 
hnonlln  (hfinlin)  stn.  283, 
hnote;  in  der  b.  des  bl.  geistes 
stn  147,2;  sich  in  h.  hän 
222,is/;  ftzer  der  h.  län  186, 
27;  fix  der  h.  komen  222, 21, 
hnotcr,  der  47,27, 
büs:  = unser  heize  74, 19/ 
84,  19 /;  ein  b.  Gotes  244, 
5;  an  dem  h.  sin;  4 dinc 
244.  tf. 

hüswirt  310,  s. 

hOt  Haut  29, 36,  44,26,  115.S; 

hftt  umb  büt  281,  a. 
htltte  die  Hütten.  Zelte  Is- 
raels 315. 1. 

ietwederbalp  adv.  30, 11.  36, 12 
iewederthalp  adv.  8,33/ 
iht  stn.  -.  ibtes  ibt  330. 1. 
llen  (illen)  eilen  13, 16. 
In)-gesnlden  240,16;  -ge win- 
den 59, 30, 

ingesinde  65, 7;  des  Himmels 
126,  25,  131,4/  291, 16.  329, 
9 /: 

inne  adv.:  i.  sin  222,14/ 


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Wortverzeichnis. 


361 


innecheit  17,  24. 
innen  adv. : innen  bringen  15, 
19:  innan  — nssnan  239^28. 
Jij  präpot.  innen  des  358. 
22. 

insigel  stn.  17,  »5.  39. 11.  301. 

li ; zwei  insigel  301, 17. 
inteUectns  — verstau  tnost  133, 
1L 

Invlnz:  L der  sinne  129.  24; 

L Gotee  301, 12  (G). 
irrät  (ierrat,  irröd)  itm. Irrtum, 
Zweifel  201,25;  vinstridesir- 
rodis  201. 2S  (G);  nit  irrodis 
218,5(0);  der  ierrod  iuwers 
lebens  277.23  f. 
irrec:  nibt  irriges  h&n  218.  5. 
irren  (ierren)  334.  i9j  mit  Akk. 
der  Perton  oder  Sache  27, 

34,  279,  t ; mit  Gen.  d.  Sache 
14,3.22. 131.  li.  20;  mit  Präp. 
an  172,  2:  tubtt.  Inf.:  diu 
vinatre  des  ierrens  201,2 tf. 

irretnom  (iertäm)  129,  20:  mit 
L verinet  sin  382,  io. 
tsen,  daz  301, 8/  327,27 f. 
israhflisch  adj.  186,  u,  263, 2L 
Ital : L über  daz  velt  gän  113, 
öj  i.  stän  115,13.  ist*, 
itwlz  sfm.  Strafrede,  Fcrtm» 
315,  jij  itwize  vertragen 
338,  21, 

jagebunt  Jagdhund  236, 1 (G). 
jämer:  j.  hiln  213, 22;  j.  nftch 
Gote  70,12.  125,24/;  219, 
21. 

jfimerkeit  213. 20/  219, 2b  332, 
2L 

jämern:  intr.  310, 4,  337,21;  j. 

nfich  ( Sottet ) süezekcit  70, 
uf. 

jener  pron.:  hie  alder  ze  enre 
weit  169,39(0);  ens  (<  jenes) 
192,8. 

jübilicren  tubtt.  Inf.  20,40. 
jucken  ttn.:  die  bräwen,  Wan- 
gen j.  5,  L 

jnden  1, 15.  17. 12.  80,  16.  ja, 

35,  20.  51, 34.  63, 15,  116,2, 
186,14,  237,15,  257,  11.  3U, 
22.  319,22.  322, 21, 13  f. 


338, 22 ; her  jnden  künc  30, 

20. 

jüdescheit  86.2s. 
jüdisch:  jütschiu  diet  158, 24 
(G). 

junger  Jünger  Jetu  51,35.  198, 
12  f.  199, 29,  200,18.  21.  211, 
•nf.  216, 16,  229. 5,  284. 20. 
299.  21.  304, 8.  321,3.  325,38. 
jnncvrowe:  & Jung  fr.  warten 
im  Gatthaus  auf  19,  tf, 
justa  — rcht  284, 24. 


kampb:  der  in  einen  k.  wii 
gün,  der  salbet  sich  u.  stn 
gewsefen  mit  die  44, 22. 
kanel  (kaener,  krenel)  Kanal, 
von  Maria  gebraucht  155, 
li,  223, 17. 20. 

cantica  Hohelied  20, 10.  86,  u, 
88.  21.  236,s.  278, 13, 
canticp&alm  Psalm  der  J Jüng- 
linge im  Feuerofen  24.  iS. 
capitel  im  Kloster  21.  s,  64, 
4,  196,2.  316,14,  389.21. 
capittelhQs  21,3. 
kardmäi  257, 5, 
caritas  132,  u. 

kartiere  (k&rker)  127, 5.  211,6, 
karvrttag  315,  27;  an  dem 
karenvritage  811,31  IZ). 
keibe  52.11, 

keiser:  des  k.  diensteman  ist 
groezer  denne  ein  grfivo  43,8. 
kcibelln  (kselblin)  69, 4. 
kele  twf.  11.20.  29.20. 
celum  14.  cella  210,24. 
kemcn&te  (kemmate)  twf.  Ge- 
mach 84, 12. 

ken : liplich  ken  unverständ- 
lich, vgl.  Anmerk.  «4  18. 12. 
kören  26, 1 f.  54, 5L  246.  13: 
sich  k.  ze  Gote  54,3a;  di 
von  k.  davon  ablatten  253, 
13. 

kerze  twf.:  ein  k.  enzünden 

305.10. 

kerze(n)lieht  stn.  305, 11. 
kerzestal  (kertzstal)  Leuchter 

237,14, 

kestigen  kasteien,  dm  Leib  111, 


a.  19.  191,23.  279, 27.  285. 11. 
833, 25;  strafen  169, 11. 
kestigungc  Versuchung  Gottes 
91,9;  des  tiuvels  143,  15; 
Kasteiung  des  Leibes  265.  ia. 
ketten,  kettene  34.8.  ul  55.  nf. 
ketzer  (k&tzer)  1, 15. 2, 4. 320, 18, 
kevje  (kevi)  Käfig  22, 27. 
kezzel  stm.  128. 2L 
kindeltn  88, 2s.  206.4. 
kint  26,36;  pl.  kint  324, 35; 
zweier  menschcn  kint  243, 
28;  3 Jünglinge  im  Feuer- 
ofen 24, 16 /;  ze  ir  kinde 
dienen  in  dem  Kindbett  ab- 
1 carten  802,  16/ 
kintheit  110,  21  (G), 
kintlich  adj.  29, 13.  224,1  f. 
kipperwin  (knppher  win!  Z), 
cyprischer  Wein  303. 11  (Q). 
308, 17.  309, 22.  310, 15. 
ky'ryeleyson,  cristeley son  9, 6, 
cysteme  3, 11, 

kiusche  (klinsch)  adj.  111, 1. 14, 
kiusche  (künsebi)  stf.  Keusch- 
heit 28,31/.  113. 17.  221,8/ 
265.21.  293,20/  304,7/;  k. 
in  jngent  50,12.  52,1 tf.  340, 
2j  k.  nemen  (benemen  G) 
135,2.  181,  29, 

kinschecbeit  (künschhait,  kün- 
schkait)  9^,  25,27.  46.1/  60, 
21/  68.29.  69,1.  93,26.  96,8. 
101,19,  110,16.  111,1/  139. 
8,  221,10. 223.4.241.7.  294,2, 
322,24. 

kiuschecitche  (künsebklieb) 
adv.  61_,  25. 

kiu schlich  (künscblich)  adj.  32, 
li.  111,5, 
klaffen  8, 12. 

klagellclte|kl9eglich)q(fo.  24,39. 
klagen  39.23^28, 61.  U;  die  töten 
kl.  264,  15;  unsere  herren 
marter  k.  266, 6. 
klager  Ankläger  72.  u. 
klär  stn.  das  Weiße  im  Ei  283. 
22. 

kl&rheit:  kl.  der  sunnen  243, 
2j  der  Seligen  17,  9;  Christi 
105,  20. 

klöbluome  317,  5. 


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362 

kleiben:  diu  sünde  kleibct  sich 
au  die  söle  300.  ä. 
kleiden,  die  seien  29.  22/. 
kleine  adv.:  kl.  minnen  55. 5. 
kleinöt  199,  4,  212,  a.  2S6,  i»; 

pl.  klaineder  17.  e.  18.  u. 
kleit:  k.  an  dem  menschen  327, 
n;  diu  alten  klcider  ab- 
ziehen  44,20.  45,1 f.  139,1  f.\ 
Taufkleid  20,  3s;  k.  der  sßle 
~ unser  berre  28,5 f.  45, 
32.  241,  s;  k.  der  tugent  27, 
2.  241,6. 
klimmen  232.  33. 
klingelen  34.  li.  a. 
klopfen  anklopfen  22,  12,  24, 
as;  zo  des  mcnschcn  herzen 

ki.  aa.  lz. 

clöstor  270,  2ü  (G).  269, 12.  286, 
6j  muoz  vier  dinc  hän  19, 
if. ; — der  himelschcn  stat 
211 . i.  a f.  j ■=  boumgarte 
25.  li : — schif  72,3 a /.;  der 
sOle  cl.  339.  13/1;  zweiger 
handc  liute  in  cl.  314,  aa/1; 
drier  bandeclösterliut2S2,i/l 
klüse  79,6. 

kneht  34,36/1  55, 27.  191.  22. 
knetteu  29.fi.  30. 16. 
kniuwen,  vür  einen  30,  ls. 
knöpf  >lm.  Knoten ; pl.  knöphe 

29,2 l 

collilcio  im  Kloster  56,  2fi, 
collecte,  diu  kirchl.  Gebet  9, 

LL 

komen  55,27/1  118. 2:  ze  sta- 
ten  k.  67,  22;  ze  guote  k. 
24.  s.  224,  I9j  ze  gniden 
k.  104,  ls;  vür  den  künie, 
Got  k.  45. 4 /'.  98, 22.  99,1;  an 
sin  gebet  k.  204, 17;  von  sich 
selben  k.  verzückt  werden 
144,23  f.  171.1. 
communio  10,  li. 
complende,  diu  Schluflgebct  in 
der  hl.  Messe  10,  ul 
conscicnci  Geieissen  20.  21  /. 

129, 29.  148,17/1  196,18. 
consiliarius  296,  ul 
contemplacion  210. 2.  u, 
contempliercn  33,  5.  208,  21  f. 
315.  13:  subst.  Inf.  141. 16. 


Wortverzeichnis. 

208,26.  209,  aa.  215,  lfi,  21; 
personifiziert  20,  a. 
convent  196.  a.  306,  8. 
koph  stm.  Becher  11,  »f.  123, 
23,  295,  io;  mit  k.  scheuken 
308,  35. 

kör  Chor  der  Kirche  40,  fi. 
339,  is;  ze  k.  gän  279,  23; 
k.  der  engel  16.  a.  78,  i. 
329. lfi. 

kom  — unser  herrc  29,  i f.  74, 
22  f. ; daz  erwelte  k.  180,12/1 
köse:  üppig  k.  triben  15. 13, 
kosen  19, 33  f. ; subst.  Inf.  daz 
k.  mit  Gote  315,  ul 
kradein  stm.  Lärm  275,  lfi/1 
(G). 

kraft:  dii  krefte  in  der  süle 

234.  t/1 

krilin , der  edel  ist  edle  Wa- 
ren 233, 1 

kranc  in  der  Bedeutung  sünd- 
haft. von  der  Erbsünde  be- 
fleckt 63,  12.  226,5.  262.  UL 
303. 12  /'.  325,  33/1  331,  15J 
k.  von  der  gütlichen  süeze- 
koit  268,  LL 

krankeit  61,  la.  143. 15.  152, 6/1 
178. 17  (G).  205,  ia/1  217,1/1 
245,  <■  278,  5;  von  k.  tuon 

216,2a. 

krapfe  swm.  Haken  69,11, 
erfatüre  80, 37/I  81,  13.  105, 4 f. 
168,1-13-  185,  UL  190,  23/1 
203, 1 (.  205, 1.  207,11/1  209, 
if.  220,  1-  231,  li  255,  1/1 
286. ».  288,27.  300,  1/1  305, 
7.  27/1  312,  »of.  (Z).  315.  25, 
321,23. 

credo  in  unuin  Deum  9,  uf. 
kreftec  adj. : der  k.  Got  157. 
n/1 

kreftedicbe  adv.:  Got  k.  min- 
nen 173,  io /I 

kreftikeit,  des  himels  255.  ia/1 
krenken  krank  machen  84, 1; 

den  lip  k.  193. 9. 
kricc,  zwischen  Leib  und  Geist 

236, 17/1 

kriegen  102, 21. 2L  333.  js;  nilch 
Gote  kriegend  gedenken 
33,5/1 


kripfen  erfassen  222, 21. 
krippe  9, 13.  338.  17, 
krippelin  (kriplin)  261.21. 
cristalle  313,  33  (Z). 
kristen  adj.:  cristener geloube 
1, 15.  4.26,  229, 14.  21.  261. 
5/1 

kristengelonbc  swm.  christl. 

Glaube  4,25.  7,33. 
cristenheit  144, 12.  129, 11.  175. 
17/1  208. 3.  211.  21.  216.21. 

243.7.  248.7/. 
cristcnlicli  adj.  5,13.  25. 
cristenmenscbe  229.  LL 
kriutelin  283, 12. 

kriuzc  57,  13.  59,  31.  69,  33. 
lfi.  86,  22 /I  105,  12. 27.  106. 
21-  108,  ls.  197, 4/.  249, 14- 

251.7.  252. 3.  257,7/.  266, 
LL  281,3.  296. 22.  304, 17;  an, 
bi , ander  dem  k.  stin  19o.  s. 
257, 12.  270.  ul  251.  UL  282, 7. 
304,33  (Gl.  312,2/;  an  dem 
k.  hangen  198,21;  an  daz 
k.  genegelt  252. 3 L 253. 13/; 
an  daz  k.  geheftet  Silk.  13 ; an 
dem  k den  herren  suochen 
313,i/.;  ftf  dem  k.  saz  ein 
bieser  geist  254, 13/;  von 
dem  k.  komen  253,  »■ 

krinzganc  im  Kloster  339.  25. 
kriuzigen  323. 31. 
kröne  im  ewigen  Leben  27,  Sl. 
61,  an:  kr.  mit  5. Edelsteinen 
62. 1 /;  k.  mit  zwelf  Sternen 
77,20,  81. 12/;  eine  k.  üf- 
setzen  44, 23.  46, 22/.  245, 27; 
k.  von  dornen  tragen  287. 
14/. 

kröuwel  (kril)  Gabel  mit 
Spitzen  50.23.  69.  n. 
krümbe  Krümmung  1.87, ». 
krümben  32, 3L  193. L. 
kramp  adj.  7, 17 /■  91.  u /. 
krtit ; pl.  kriuter  48,21. 
kucho  Küche  339.  io. 
küele  elf.  70,  ul  321.27. 
kumpünie  (gumpanyc)  225. a». 
kündec  adj.  202,35 
kündccheit  (kündkait)  Klug- 
heit, Verschlagenheit  53.  ra/1 
kilndunge  Kunde,  Weisheit 


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Wortverzeichnis 


363 


17.  29/’;  Verkündigung  «. 
Herrn  296,  9. 

künic  49,  iafi  die  küng  — 3. 
Könige  9,14. 

künicbuoch  liber  regum  14, 1. 
kQnicriche,  vünf  — ■ £ Sinne 
141,5. 

küniginne;  Dat.  k&ngenncn 

45.  >■  101,6. 

künnc,  menschliches  57, 12, 
108,4.  227,3 / 323, 36.  324, 
2Ö,  26.  329, 19.  26. 
kurzwtle  122,16/.  199, 8.  310, 
n(Z). 

küssen,  an  ir  mant  40,  e. 

lA:  die  lüwen  liute  323,». 
lache  Pfütze:  in  ein  L vallen 
7,6;  An  lach uli  187,  7. 
lachen  Bubst.  Inf.  : daz  minnec- 
liche  L des  minneclichcn  Go- 
tes  62,  ll. 

lAchenic  (Uchnye)  Zauber  4, 

23, 

laden  einladen  153,6  f.  178,4  f; 
sich  L mit  sando  — gehügde 
stner  kränkelt  sich  beladen 

325,6  f. 

ladunge:  diu  L der  sOlo  267, 
26, 

läge  yachstellung  45,22.  59,  L. 
280.  u (G). 

lamp  321, 13;  Demin.  l&mli 

238,2, 

lanc:  ze  laue  sin  zu  lang  aus- 
bldben  102, 16. 
laut,  daz  heilige  109,16, 
lästerlich  adj.  schimpflich  36, 4, 
laus  mette  Landes , Teil  des 
kirchl.  Breviergebetes  204, 16, 
lAzen  mit  Akk.  226,  11  f.  252, 
16,  253,  äL  2M ,7/  278,23; 
sich  vrevenliche  an  Got  L 
sich  gegen  Gott  frevelhaft 
benehmen  192, 15, 
leben:  daz  L teilen  in  driu  52, 
a if.  130, 2.  188,24/';  von  des 
l.ordnungc59,f,/'.;  von  geist- 
lichem L 207,  n/~. ; hcilgez  L 
146,  »/.;  ein  künftiges  L 229, 
ic;  driu  Li  von  natürc,  von 
gnAde,  ein  vollrichez  L 314, 


2 f\  driu  dinc  machent  ein 
ewiges  leben  237. 3fl/~.  290, a; 
lebendes  L 154.  l 
lebetac  Leben  102, 21. 
lecze  (lecce,  letzgci  Lektion  9, 

16,  47,11.  252,  a,  26 ; aht  L 
249,  »/ 

lefse : pl.  lefzen  78,36/’.  90, 24. 
leide  stf. : da z wäre  ime  niht 
eine  leit  247, 22  (G). 
leiden  anklagen:  einen  L ze 
capitel  196, 7. 

leie:  der  laygen  schritt  248, 
uf. 

leinen  subst.  Inf. : sitzen  An 
stten  L 334.  io. 

leiter  Leiter,  Führer  19,  13. 

68, 18,  186,7/. 

leiter:  dri  L der  sele  231,  ttf. 
16rch(e)  Lerche  22. 2».  24, 25/. 
326,»/. 

lerer:  ein  (hl.)  L sprichet 80, 6. 
204, 7.  20S,  13. 27.  215.1.  222, 

17,  232,9.  12. 

lesemeister  im  Kloster  339, 16. 
lesen  subst.  Inf.:  Got  loben 
mit  singen  u.  mit  lesen 
59,17.  60,32.  9S,  5,  139. 22. 
199. 11.  265, 24. 
lesunge  lectio  315,  an 
leta  — - vrodich  284,  ü 
lewe  (I6w)  Löwe  Sampsorw 
123,7/. 
libido  191. 4. 

llcbam  Gotcs  oder  unsers  her- 

ren  6, 1.  a.  8^8.  77, 12,  83, 28. 
31,  198,16.  199, 2.  242,24;  S. 

vrünlicham. 

liden  « leit  G)  sin.:  L tuon 
189,  29.  190,1.5, 
lieben  beliebt  machen  182,1. 
lieht:  daz  lebende  L 160, 2». 
238, 23;  daz  gütlich  L be- 
schowen  202,32/.;  ein  niuwcz 
L = Maria  32S,s /.;  —Jesus 
Christus  243, 2/.;  ' hl.  Geist 
58, 17;  dricr  hande  lieht  70, 
2»/.;  L der  sunnen  79,  isf. 
105,15;  l.inilem goteah As237, 
1 (,/;  himelschiu  licht  239,17, 
lichttragcr  Lucifer  79.  7.  io. 
liep  (llb)  subst.:  getristet  wer- 


den mit  Got,  dinem  einem 
liebe  61.  ü.  64. 11, 
ligen  bei  jemandem,  den  Bei- 
schlaf pflegen  7,24 /. 
lihte  adv.  leichtlieh,  vielleicht 
196,24/. 

llhtecllche  adv.  gern  226, 15. 
lihtern  leichter  machen  56, 24. 
177,24  (G). 

Ilhtsam  adv.  leicht  255, 9. 
lilje  (Ivliel  masc.  Lilie  43,  L 

52, 13.  71.34.  75,  in  96,12.14, 
159,  5,  2A.  265,  25.  272,  if. 

317.2. 

Itmon  zusammenleimen  129, 
15 /;  ze  dem  übilne  L 136, 22 
(G). 

linde  adj.  32. 6:  lindiu  wort 
245,» 

linde  adv.  sanft:  daz  herze 
linde  machen  44,  ag;  L an 
ze  grifeu  316,9/ 
lindecllclie  adv.:  1.  antw&rtcn 
280, 1 ; L angrlfen  316, 12. 
Itnln  (ljnln)  adj.  von  Leinen 
8,32. 

Hp  Leib  des  Menschen  205, 12. 
219,  22  f.  285, 14;  Schönheit 
desselben  239, 10/  309, 14/; 
Verhältnis  von  Leib  und 
Seele  174, 3/  191,24.  268, 
16/  314, 5 (Z).  318,1»/ 
Itplich  adj.  camalis:  L gebürt 

63.2. 

lit  Glied:  pl.  iider  29, 23.  106, 
23,  175, 16;  L der  cristenbcit 
175,17/  176,3/.;  g,  gebt, 
liuhten  mit  Akk.  (9)  einem 
leuchten  292,  li, 
liumdc  stem.  Leumund  86, 15. 
22. 

iobebuoch  Cantica  157, 3. 
lobclich  adj.  59, 16/  65,24. 
loben  geloben:  gehorsame  L 

51,  »■ 

lobesam  adv.  337,  lü. 
locken  ducken)  167,  l.  is.  169, 
S.  170, 10/  171,2.  256, 2. 
lün  der  Lohn  im  Himmel  96, 5, 
158.4.  183, 1 /■  185,4.  206. 
21  f.  259,  LL  315, 12;  sin  sun- 
drigen  I.  hSn  206,28/  218,21. 


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864 


Wortverzeichnis. 


220,  n/~;  dri  L der  minne 
295.1. 

lop:  den  kQnic  mit  ein)  ninwen 
I.  enpf&hen  189,  21  f. 
löse  adj.  leichtfertig:  nieman 
ininncn  durch  stniu  lösen 
wort  17,5. 

losen  horchen:  diner  antwürte 

L 227.2. 

loeser  Erlöser  153,  1*.  205,  4, 

301.18. 

lösheit  (losenbait)  Ausgelassen- 
heit 33,  li. 
lotter  Gaukler  3,10. 
lonbe  (löbe) : pl.  über  48,  is, 

238,  if. 

louben  (löben  | Laub  bekommen 

48. 18.  276,  25. 

löz:  daz  L werfen  109,  25. 
luceme  239,  l.  309, 2E  (Z).  316, 
20. 

lacken  s.  locken, 
lüge:  vünf  hant  lüge  2,3s f. 
luppe  Zauberei  4,21. 
lustllche  (luzlicho)  adv.  103, 
18(G). 

lüter:  ein  L ouge  229,  io  f. 
lüterkeit  J-auterkeit  243,  ttj 
des  Willens  beste.  Herzens 

41,  21  f.  137, 12.  148,  lü,  uj\ 
(G).  212,9. 

lütre  (lutri)  stf.  Ixiuterkeit  56, 
S,  62, 15.  80.  L 


mic  stm.  Verwandter  86,0. 
machen  verwandeln:  ze  fleisch 
u.  ze  blnot  m.  6,21.21. 
magedtn  imägeti)  sin.  323,15. 
magenkraft  (maginchraft), 
Macht,  Majestät  91.  a (Q). 
133.  23.  206,  26  f 275, 12, 
mag(c)t:  ein  rohtiu  magt  stn  ron 
der  Mutter  Gottes  ( Dat.mkg - 
de)3.3. 221,5/'.  242.  s.  328,  tf.t 
ein  unbewollcniu  magt  ge- 
bar einen  man  maget  wesent 
228, 14.  296, 14:  allgemein  28, 
3i;  pl.  m&gdo  von  der  weit 
221,  uf.  224,  3 f\  wln  der 
magde  bluot  181, 14.  lii  die 
hl.  Mägdeim  Himmcl()2,2if. 


167.12.  183,1  206,  27.  247. 7, 

309.2. 

mag(e)tlich  (m&gtlich)  adj.  3, 
2a.  36,  as.  160, 28 /~.  221. 13. 
14  (G)  293,2»;  derm.bluome 
328.  u.  19 f. 

magetheit  im&getkait),  kiusch- 
lich  Jungfräulichkeit  158, 2s. 
magetuom  afm.  3,  iS.  82,3.  6 f. 
82. 28.  221.  sj.  22 2, 11.  243, 
uf.  328, 21  f. 

mahelen  (m&hclnl  vermalen, 
vor  allern  die  Seele  mit  Gott 
v.  97,  3.  101,  if.;  gemähelt 
123,19.  221,5.  273,9/*.  282,13, 
majest&t  131,  4. 
malagranät  Malagrartatapfel 
86, 18.  258,  23  f. 
malen,  das  Korn  29.0. 
man:  ein  hl.  oder  ein  wlscr 
man  sprichct  74,22,  aa.  94,0. 
101,10.122,24,123,17.  153,10. 

157.12.  178,27.  189. 10  f.  190, 
12.  197,31.  198, 2 f.  208,27. 

209.21.  218,22.  232,15.  236, 
UL  257,25,  259, 12.  262, 33 f. 
277,22/:  278,10.279,25.  280, 
S. 281,30,  285,7. 12.289,0(0). 
307, 12  iZ). 

m&ne  Mond  09, 21. 22;  «—  unser 
vrowe  106,  27  f.;  der  volle 

mine  328, 34. 

man  ec  alaht  (mkngorschlaht) 

25,13  f. 

manecvaltec  adj.  311, o. 
manecvaltecbeit  41,  23.  24. 
manheit,  der  getät  Tapferkeit 

41. 21.  25. 

manliche  adv.  90,  isf.  337, 38. 
m&nöt:  sehs  mänöt  44,14,15, 
manslege  sic  nt.  Mörder  2, 24. 
mäntac  (mkntag)  Montag  2,  4, 
marc  7,16  f.  51, 36. 
msere  15,12,  46, 8.  65,4,  75,25. 

136.3,  302,5/:  306,11.  333,26. 
marter:  unsere  herren  m.  25, 

9 f.  77, 10 f.  83, 16  f.  86,24. 
87,5/:  101,24.  102, 2.  146,7/: 
197,9.  198,16.  252,13.  257,3. 
266,  0,  296, 2L  323,  21  /.  325, 
20 ; die  bittimc  marty'r  leiden 
167,33  (G). 


marterbilde,  unsere  herren  249, 

8.25. 

martern  105.  io.  106. 24.  190,  S; 

ze  martyrene  31 1,  m(Z). 
martrer  die  hl.  Märtyrer  64, 
26.  142, 35.  143,  1.  167,115 
182,  27.  183,2.  206,27.  247,0. 

309.2. 

mäsec  adj.  fleckig  299,  in. 
mäsgen,  den  himcl  beflecken 

86,6. 

materje,  krankiu  325, 33  f\  aus 
getiniu  m.  339,5  f. 
mäze  stf.  das  richtige  Maß 
137,27.  150, 9 f.  334,6;  von 
m.  u.  von  andren  tagenden 
44, 4 f\  ine  m.  57,12.  63,37 
«1.  öfters  ; etlicher  m.  99, 3; 
personifiziert  vrö  Mäze  2_1, 
15,  22. 

mäzen  (müssen)  abmessen,  mä- 
ßigen 207, 1.  329. 4. 
m&zicheit  269,  u (G);  vrow 
Mäzckeit  21. 4. 

meige  Mai  138, 12.  154, 12 f. 
meineide  adj.  1, 21, 
meine)  t,  swerren  1,1*. 
meinttetec:  m.  höhfart  übel- 
tätige  Hoffart  12, 14. 
meinunge  gute  Meinung  146, 
18  f.  149,  6 fi 

meisten  die  m.  (von  dersebrift) 
sprechen  42, 25.  54.  20.  78.  if. 
107,  4.  108,22.  113,6.  152. 
LL  162,  20.  185,  in  (G).  208 
15.  215, 1.  218,2.  232,17.  233 
LL  236. 23. 309,  16.812,30  (Z); 
m.  die  ze  Pary's  läsen  220, 2. 
meistern  einen  meistern  192,». 
meisterechaft  im  Kloster  51, 
11,  65,12.  15.  85,  L.  100.  iS. 
112.5,  121,2.  124,  U.1T  (g). 
212,24.  263, 34. 

menclich  adj.  menschlich  12,27. 
menige  imengi)  87, 27 ; in  der 
in.  varn  180, 28/.  181,  25  f. 
mensche  werden  ron  Christus 

203.3.  227, 7, 19,  228, 22.  273, 
U,  294,2h  318,  2.  329,  a, 
340,  lf  ; m.  werden  von  vier 
Sachen  162, 12;  des  m.  kint 
filius  hominis  96.  a ;f. 


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menschen  antiitzo  stn.  266,  9/ 
menschheit  (roentzhait,  men- 
t schait)  Menschheit  Jesu 
Christi  5,18.  105,  23/  106,15. 
19.  239,  L 17.  243,  7 /.  295,  6. 

303.11.  304,1/'.  308,16:  brust 
stner  m.  310, 15. 

mer  stn.  28, 24.  118,  l /.  204, 12. 
314,10.  331,4:  — disiu  weit 
72,m;  über  mer  vam  39,22; 
des  mer s grünt  11, 21. 
merwunder  1, 12. 
messachel  afm.  Meßgewand 
9, 4. 

messe  hl.  Messe  6,  2 8, 14. 17. 

198,20;  m.  singen  7,1.26. 
mettc  Zeit  der  Slatutin,  Teil 
des  kirchl.  Breviergebetes 
64, 3.  204,  ll. 

mezzen  subst  Inf.  mensuratio, 
Jas  Messen  bei  tauberischem 
Aberglauben  4, 28. 
michel  stf.:  der  bOIo  michli 

201.9. 

miete  stf.  Lohn,  Belohnung  2, 
3*. 

milt<e)keit  18,  23.  27.  48,  30  f. 
57,32/.  66,8.  68,41.  135,1. 
139,16.  241,7.  250.16/.  264, 
9 /.;m.  der  sinnen  148,34/(6). 
152, 1/.;  m.  in  armuot  50, 
12.  51,33/.;  m.  in  geschälte 
340,3 ; personifisiert  vtö  Mil- 
tekeit  20,  3. 

milton  stn.  Mehltau  275,27. 
minnairo  Liebhaber  273, 19  (G). 
minmerin  (minnerin)  23,  29. 

272. 12. 

minne:  Liebe  Gottes  tu  der 
Seele  u.  umgekehrt,  sodann 
dicLiebczumXcben  menschen 

41.9.  46,  22.  49,  2/  100,  30  f. 
134,13  /.  139,5.  163,8/216, 
15/.  220,9/.  233,25 /.  235,10. 
250, 1.  266,  27/  266, 22/  294, 
4/  322,3/340,4;  von  minne 
äne  nutze  wont  126,8;  m. 
bringt  8 sclUine  Blumen  her- 
vor 41,  21/.;  m.  Gotes  97, 
2/.;  m.  ze  der  hiniel.  Jhern- 
salem  102,3/  207, 25 ; wäriu 
m.  140,  9 /.;  wec  zo  der 


Wortverzeichnis. 

wären  m.  155,7/  331, 1/.; 
geischlich  — fleischlich  m. 
256, 23 /.;  m.,  ein  brütmantel 
der  sOlen  241,9/.;  m.  ist 
Got  153,ii/.;  = hl.  Geist 
234,21;  — dem  viurel79,l4/.; 
-=  einer  junevrowen  127,1; 
m.  ze  dim  ebenmcnschen 
149,18/;  erkennt  man  an 
4 dingen  175,5/.;  m.  die 
sele  u.  lip  ‘ze  enander  hät 
174,2/.;  drivaltige  m.:  amor, 
dileccio,  caritas  132,  4/.; 
drierhandem.  32,1/  317,9; 
personifiziert  vtö  Minne  21, 

minnecllchi  subst.  fern.  56,  39. 
minnen:  drigerhande  liute.die 
minnent  277,16/.;  Got  min- 
nen süezeclicho , wlsliche, 
krcftccliche  166,15/.;  m.von 
allem  herzen,  von  aller  sele, 
von  aller  dincr  krefte  1 66,14  /. 
minnenbant  stn.  74,35. 
minne:  mbuoch  Hohelied  18, 
32.  19,15.  22,25.  SS,  3.  41,10. 
86,26.  99,14.  121, 13.  258,22. 
267,1.  22.  272,8.  274,  H (G). 
325, 31. 

minnesam  adj.  149, 18. 
minn(e)trähcn  20,  15.  312,  8. 
mirre  (myrre)  44,14.  24;  daz 
mirien  gebündelin  287, 17/ 
mischen  gemistergeloube5^/. 
mischten:  gemischlet  sin  332,12. 
miselsühtcc.  adj.  aussätzig  9, 
29.  29,27. 

missehelle  (misshelli)  stf.  137, 
22  (G).  212,13. 

miss<c)liellunge  79  23.29.  211,12. 
missehüotcn  refi.  schlecht  auf 
sich  achtgeben  196,26.  202,9. 
misselingcn  95,15.  181,27. 
missereden  225,18 /. 
misBetät,  des  menschen  141,10. 
mlssovallen  S2,  .12. 
miss(e)varn  23, 16.  is. 
miss(e)wendo  Schande,  Makel 
65,3.  29.  91,22. 
miss(e)wcndcc  adj.  65,  s. 
mist  stm.  28,25;  ze  einem  m. 
worden  100,  4 


365 

mittel  (mitli)  150, 10.  190, 22. 
291,6;  in  der  m.  stin  137, 
27 /.  150,9;  üzderm.  komen 
190,29/.;  üz  der  m.  ziehen 
191,2/ 

mittclserinne  (mitlerinlä/itieim 
329,27. 

mittelhclferin  Mithelferin  278, 
17. 

mßre,  ein  7,  s.  7. 
raorne  adv. : hiute  u.  m.  265, 1 /. 
mückelin:  pl.  diu  müggeli  312, 
37  tZ). 

müeje  (mfigi)  Mühe  259,22. 
müejen  (mögen)  Mühe  machen 
24,4.  254,11. 

müeliche  adj.  112, 10.  187, 15. 
müezec  adj. : m wort  unnützes 
Wort  803, 17.  337,  32. 
müezegen  (mflzigen  G)  sich 
Muße  nehmen,  sich  Zeit  neh- 
men 274, 16. 

müezekeit  Untätigkeit  208, 25. 
mulier:  an  dem  Worte  m.  sint 
8 buochstaben  283,22. 
mülstein  11,  20.  80,  t.  74,27. 
193, 23. 

mnnda  — rein  283, 24. 
münstcr  6, 17/  321,37;  üf  ein 
m.  gen  192,11. 

munt  — der  süle  girde  184, 2. 6 ; 
daz  kint  ist  an  dem  m.  der 
rauoter  glich  243,28/ 
muoten  begehren  absol.  274, 
18  (G);  rumuten  mit  Dat. 
230,29;  an  eim  m.  230,22. 
muoter:  diu  m.  muoz  minnen 
207,  24  /.;  flcischlichiu  — 
gcischlichiu  m.  252,22. 
murmeln  <fn.  murmur  13,3. 
25.  19,25. 


Dac  stm.  Nacken  30, 24.  124, 28. 
näch!-gän  105, 11 ; -hellen  con- 
sentire  218,10;  -bongen  nn- 
hängen,  nachjagen  116, 20/.; 
-luogen  288,21;  -machen  109, 
11;  -volgcn  106,  1;  -waejen 
29,28;  -warten  287,25. 
näcbgebüre  sicm.  Nachbar  3, 
32. 


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366 

nllchnete  bedächtig , klug  279, 
23. 

naekent  adj.:  n.  stän  69,3«. 

249,  II.  14. 

nagel:  pl.  Dagel  34,7  f.  69,37. 
106,  s. 

nagelen:  part.  genegelt  252, 
20 f.  253, s;  genagilot  305, 
uf.(G). 

naht:  — Bünde  300,  is/-.;  ze 
mittern.262,21,  in  der  mitten 
n.  262, 25;  do  in  der  n.  wart 
80,  io. 

nahtegal  22,  29.  24,  i f.  267, 
3 f.  287,19.  294,  1«.  327,8 f. 
nabtczzen  40,37. 
nahtvrowe  4,28/. 
name:  von  der  bezcichcnunge 
(iotes  namen  236,  sf. 
nase  f.  7,  n. 

natflre:  geistlich -fleischlich  n. 
54,39. 55,2/'.:götlich-inensch- 
lich  n.66, 14.  162, 15;  mensch- 
lich n.  203,u/'. 
natOrcclich  adj.  n.  krankeit 
117,11  f. 

natüren:  genaturet  stn  325,27. 
nebel  Wolke  Gotte s 17,  io; 
durch  ein  n.  sehen  229, 20/'.; 
n.  irret  diu  Ozren  ougen 
299, 4. 

ncbcn(t)crist  Mitchrist  3,8  f. 
33,22.  67,22. 

ncizwaz  irgend  etu-as  52, 19. 
205,  10. 

ncizwcnnc  irgend  wann  217,21. 
nemmcn  nennen,  praet.  naintc, 
part.  gcnemet:  28,28  36,34. 
36,38.  60,19.  156,8.  221,8. 
2 22,4.  227,22. 
ncst,  der  Taube  38, 29.  34. 
nidcc  adj.  176, 8. 8.  179,  19. 
niden  beneiden  176, 20  (G).  180, 
12. 

nider]-gän  zu  Bette  gehen  212, 
2;  -kfren  117,4.  209,  l.  273, 
5 ; -körnen  zu  Bette  gehen  279, 
13;  -setzen  19,3t).  20,3  öfters; 
-slagen  281,7;  -stigon  (— = 
nider  kfren  l’ar.)  273,  21 
(G|;  -vallen  109,1«;  -vam 
207,12;  -vliegen  270,2. 


Wortverzeichnis. 

nidem  re  fl.  sich  demütigen 
28, 30.  225, 21.  230,  22. 
niemer  (nimme  und  nfimmo) 
adv.  nicht  mehr  258, 19.  101, 
11.  236, 7 (G).  309, 22  (Z). 
niender,  meist  niena  adv.  55, 
31.  81,32.  82,2.  201,  16.  2 08, 
18.  225,29.  313,  2.  315,23. 
nieton  in  Fidle  genießen,  sich 
sättigen  236,15.  274,2.  275, 
2;  sich  nietAn  125,  1«  (G). 
niezen,  Got  18,3.  219,5. 
niftel  Geschwisterkinder  210, 
23;  Base  302,14. 
niftelschaft  s.  miftilschaft. 
nilit:  nihtes  nit  (niutisniht  G) 
18,9.  289, 16  (G);  ein  nihtes 
niht  310,  s;  ze  niute  (nüti) 
168,0.  287,7.  305,31  (G);  von 
niute  schaffen  205,  1;  mit 
niute  ervüllet  worden  300, 5. 
ntt  stm.  Neid  176, 23.  220,  24. 
245,10. 

niuwan  (nument)  adv.  nur, 
allein  250,6.  318,4. 
niuwe  adj. : n.  werden  26,31. 
niuwe  stf.:  diu  n.  des  summers 
164, 3. 

niuwen  erneuern  183, 11  (G). 
niuwern  erneuern  141,6. 
nochdan  (nohtenne)  adv.  den- 
noch 309, 19  I Z). 
nortwint  160,«/'. 
not  dringendes  Verlangen  72, 
29;  diu  Pwige  n.  in  der  Hölle 
187, 12. 

uötdurft  (nodurft)  stf.  2,14.65, 
iS.  110,32  193 , 13/-.  265,13; 
die  n.  reden  nur  was  not- 
wendig ist,  reden  303,  isf. 
nötdürftec  adj.  67,9  f.  139,6. 
novize:  pl.  novicien  262,21. 
nfiftil  Schaft  Verwandtschaß 

211,8  (G).  221,14  (G). 
nunne,  gewibte  Nonne  7,24. 
nutzebjere:  diu  n.  der  creatflro 
Brauchbarkeit,  Fruchtbar- 
keit 232, 15. 

nutzebatrliche  adv.  65,  25. 
nutzen:  Got  in  bimelrtcbe  n. 
Gottes  genießen  145, 12.  219, 
10. 


Obläte  (oflate)  Hostie  6, 20;  die 
oblAten  segnen  — rmcan- 
deln  6, 14.  21. 

obnin  adv.  oben  7, 3s.  207, 
19. 

offcnbierliehe  {=  offenltche 
Var.)  adv.  270,  31  (G). 
offenen,  offnen  offenbaren , er- 
öffnen 217,8.  324,  «;  sich 
selben  o.  in  der  bihte  179, 
6 f.;  daz  beize  o.  319,2. 
offenunge,  offnung  Erschei- 
nung, Offenbarung  7S, «.  11. 
Offertorium  in  der  hl.  Messe 
9,  26. 

91  44,  isf. ; daz  heilig  6.  6,  31. 
öl(e)boum  139,  nf. 
ölen:  geölt  werden  mit  dem 
Sakrament  der  hl.  Ölung 
versehen  werden  6,  33. 
omplic  (omely)  Homilie  165.4. 
opher  90,19.  111,18;  daz  gröze 
O.  im  Tempel  51,35  f.;  o. 
des  iobes  91. 14;  ze  einem 
o.  bringen  112,26;  ze  eim 
o.  emphShen  252, 2. 
orden:  den  orden  rihten  swi 
der  kumber  ist  Anord- 
nungen treffen  an  gefähr- 
lichen Stellen  53, 1 ; Kloster - 
Satzung  120,  15.  30.  265,  14, 
317,  17  (Zu 

ordenen : geordnet  sin  ze  dem 
himelriche  7,  35;  wol  g.  sin 
an  sim  leben  151,3/'.  333,2 f. 
ordenlicb  adj  : o.  an  im  selben 
53,  1 f. 

ordcnuDge:  von  des  lebens 
O.  52,24 f.  59,  c f. ; von  des 
geistlichen  menschen  o.  333, 
>/•• 

ordinieren,  ordenicren  in  Ord- 
nung bringen  72  , 32;  part. 
geordiniert  «.  geordinieret 
65,  34.  68,  6.  173,  6.  26. 
ort  Ende  9, 1 ; ze  beiden  orten 
72, 12;  in  ieglicbem  orte  des 
tcmpels  was  ein  umbebanc 
99, 19 ; an  dem  schilte  sint 
driu  ort  Spitzen  100, 1*. 
orthaber  Urheber,  des  Lebens 
I 86,  34. 


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Wortverzeichnis. 


367 


Osterwint  Ostwind  160,  9 / 
ostium  — tür  123,  2S  / 
ougcldgc):  o.  des  geistes  156, 
y,;  o.  des  libes,  des  herzen 
172,  23/  (G).  209*  21.  299, 
4/1;  diu  inren  ongcn  156,  31 
ein  ftfgerihtez  o.  230,  3 /; 
lüteriu  ougen  229,  io/;  daz 
kint  ist  an  den  ougen  dem 
vater  glich  243,  22. 
oven  Feuerofen  der  drei  Jüng- 
linge 24,  ul 


palmboum  (balmböm)  260,  i f. 
palmtac  138, 2L 
paradis  110,  25,  116,  j.  117, 3. 
114.  8 156.  3.  158.  12/1  211, 
1*  222,  6/  250,  26,  251,  3 f. 
273,11.329,1$;  •=  Maria  156, 
$/;  in  dem  p.  sint  driu  dinc 
159,21/1 

paradisin  adj, : diu  p.  Maria 
161,  u. 

pater  futuri  seculi  297,5, 
patriarche  87,  12,  159,  B,  206, 
22,  247,  s.  309,  2. 
permit  (bennlt)  stn.  36,1$. 
phäl  55, 11. 

phalenze  des  Himmele  81,  2, 
92,  2.  123,  in.  287,12.  298,  j. 
phant:  ein  ph.  läzcn  144,25, 
pharvsel  — die  geteilten  319, 
1$.  320,6/1 
pfdwe  262,  isif. 
pheller  (phellöl)  ein  feines  kost- 
bares Gewand  SO,  17.  223, 
22  24.  223,  22  (G).  256,1. 
phenden,  die  Hute  88, 11. 
phenninc  4,  I»  53,  34.  294,  7. 
319.  21  f. 

phingsttac  (phinkistag  G)  297, 
19. 

phleger  — engel  47.  21. 
pflegungc  elf.  ■■  diu  pfl.  ir  her- 
zen 147,19(0). 

phluoc  (pblächt:  die  hant  an 
an  den  ph  legen  283,  5 (G). 
phoune  's.  founc. 
phunt  53,  22. 

pigment  (pimont)  gewürzte 
Düfte  160,io/. 


plan:  flf  dem  pl.  stitn  270,9. 
porte  Pforte  des  Himmels  124, 

а.  283,  4.  324,  li ; Kloster- 
pforte 273,  2, 

portner  Klosterpförtner  339,15, 
prüdie  u.  predigen  s.  bredige. 
präl&ten  252,6. 
priester  2,13/  6,3/  8,6,  63, 
IS,  IMr  **f-  198, 16,  22.  262, 
13;  der  priester  Orden  ■= 
ordo  6,  22. 

princeps  pacis  297,12, 
priol  (prior)  72,38.  112,  6,  147. 
21.  34.  339,  I4j  obrost  priol 
in  der  sele  27.  28. 
priolin  (priorin)  21,  «/  112, 
6 (G).  liL  3L  ai,  226. 1»  (G). 
probst  322,  2L. 

Propheten  159,  a»  206,  2Z.  247, 

б.  248,  6.  809,2. 

psalm : cantig  ps.  das  Loblied 
der  drei  Jünglinge  im  Feuer- 
ofen  24, 1$. 
pulvcr  269,  3. 

Quaderstein  91, 12, 
quäle  Marter  108,  2$, 
quPln  69, 12. 

räche,  diu  beste  189,  ffi» 
ram  stf.  Rahme  36, 1$. 
rämie  adj.  schmutzig,  russig 

128,21, 

rappe  Rabe  87,  15.  18.  312,  32, 
rät  Rat  unseres  Herrn,  im 
Gegensatz  zu  den  Geboten 
110.  12,  115,  29  Z;  ze  rite 
geben  sich  beraten  9,29;  rät 
tuon  helfen  312,  21  (Z);  äne 
rät  ohne  Fahrung  312,  35 
(Z);  din  oderdcs  wirt  niemer 
rät  53,  31.  110,  12. 
rätgebe  swm.  296,  16» 
rebc  = Maria  76,  17  / 293, 
7/  302,3/;  diu  r.  daz  ist 
vrmlicheit  in  Gote  273,  a. 
rechenen  305, 34  (Zt. 
rede:  an  der  r.  sol  man  be- 
halten 5 dinc  334,  12/;  r. 
geben  Rechenschaft  oblegen 
11,  la. 


redchfis  stn.,  im  Kloster  339, 

24. 

reden;  mit  der  edle  r.  öfters 
37,1 ; nument  die  nötdurft  r. 

303,16  / 

refsen  tadeln  im  Kapitel,  subst, 
Infin:  mit  refzcnt  (refsinne 
Z)  angrifen  316, 11. 
regel : Definition  ein  dinc  da 
bl  man  ein  ander  dinc 
schephet  u.  näch  machet 
109,12/;  Ordensregel  81,  2, 
12,  32.  S5,  s-  100,  15.  120, 14. 
120,  32»  264. 14.  339, 15;  von 
mänger  hande  regele  10,22/ 
109,4/;  zweier  hande  r.  109, 
10/;  Stephanus  daz  sprichst 
ein  regel  10,  22/  109,  ioj  ein 
regel  geben  54, 12.  231, 19. 
255,  2»;  ein  stärkiu  r.  eine 
grosse  Anforderung  53,  U4 
ein  guldin  regele  regula 
aurea  der  Vulgata,  Gold- 
stange 109,  22. 

regen  — ■ unsere  hcrren  zuo- 
kunft  75,  vtf. 

reht  adj.  rechtschaffen  187, 1/ 
Reht  personifiziert  21, 17/ 
reht  Gerechtigkeit  Gottes,  Ge- 
gensatz erbermede  68, 23.  46; 
ieglichem  dinc  sin  reht  geben 
192,1  / 284,25. 
rcht(c)keit  Gerechtigkeit  Gottes 
207,  12,  289, 12.  332,  l;  ein 
Bunne  der  r:  103,  12;  Recht- 
schaffenheit 148,  3» f.  (G). 
149,8/  155, 10/  192, 1.  278. 
22. 

rehtvertec  adj.  136.  4. 
rehtvertekeit:  stän  in  der  r. 

Rechtschaffenheit  92,1/ 
reif:  bcgürtet  mit  einem  gul- 
dln  r.  zo  den  brüsten  46, 1. 
reinekeit  (reinichait,  reinkait): 
r.  der  werke  41,  22;  r.  libes 
und  herzen  so  meistens, 
Keuschheit  47,  22.  55,  21/ 
148,  16/  154,13/  155, 4. 190, 
12.  201,  14  / 244,  15  /.  283, 
24.  321,  2$/ 

rcinecliche  adv.  52,  is  61,  24/ 
223. 1. 


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368 


Wortverzeichnis. 


reizen  56,  12.  66,  1L  Hi,  13: 
zo  der  minne  r.  23,  3«;  Üf 
die  Bünde  (—  zo  sündo  Yar.) 
r.  117,  2a,  »i  zo  Gote  r. 
206,  la, 

reizen  subst.  Inf.  122,  2. 
reizunge  Anreizung  253,  32, 
reppclle  n,  Demin.  zu  rappe 

312,  35  (Z). 

reventer  Speisesaal  im  Kloster 

20,  L 339. 2L 

ric  slm.  Rücken  {?):  an  den  r. 

henken  193,  2a  (G). 
rlche:  r.  gegen  der  weit  wer- 
den (?)  nacA  dem  Gut  der 
Welt  streben  65, 11. 
rlcheit  stf.  Gut,  Reichtum  203, 
u.  220,  li  295,  sj  r.  der 
Binne  (—  wisheit  der  sinne 
Far.)  41.  22.  42.  u. 
richclich:  ein  richliger  gober 

22,  »f. 

richsen  herrschen  81.  6.  88.  j. 
richtuom,  Ane  gebresten  143.4. 
riet  stn.  23.  s f. 
rllcn  (riffen)  reif  werden  276, 
26  (G). 

rilich  adj.  — richlich  rach- 
süchtig ? 333,  22. 
rinc:  plur.  ringa  123. 22. 
ringer:  Jacob,  daz  Bprichet 
ein  r.  57,  23.  37, 31. 290,  ä (G). 
ringcrin,  ein  57,  23  f. 
ritter  46,  11.  94,  hl  2S6,  25. 
riuwe  Reue  44.  25.  45,1,  58, 
32.  63,1a/".  142. 12.  32.  325,1; 
rchtiu  riuwe  101.  li.  311,  a. 
riuwec  adj.  reuig  232.  6 f. 
robusta  — starc  288,  1 s, 
roc,  langer  44,  2L  45,  27  f.\ 
baser  r.  51.  23. 
rö»e  swm.  43,2 sf.  164,1.  266, 
21  f.  317,  3,-  vünf  lösen  —>  5 
Wunden  59, 12. 
rosebrunnen  = fünf  Wunden 
Mj  u (G). 

rösenbusch  (rosbisch)  stm.  25, 

18  f- 

rösfeivar:  rösvarwez  bluot  26, 

23.  SS,  12.  59, 12.  257,  2a  f. 
(G).  270,13.  292,13.  313,  3. 
815,  29:  von  sim  ( Christi) 


libo  ronnent  vier  rösvarwen 
bächliu  70, 1, 
röst  stm.  280,  31. 
rauben  (röben)  3,  15.  4,3,  88, 
31.  249,26;  rauben  die  röobe 
297, 2. 

rauch  (röch)  stm.  37,  33. 
roup  (röb)  stm.  £,  32.  109,  21, 
ruc:  üf  dem  ruggen  29. 2a,  93. 
12.  21.  105.  19;  ze  ruggen 
werfen  120. 13. 
rüefen  (rüffen)  subst.  Inf.  9, 
3 f.  105,  S. 

rüegec  adj.  sich  selbst  an- 
klagend 135,  23, 
r&egcn,  in  dein  capitel  21.  if. 
56.7.  196,13;  subst.  Inf.  316. 
in. 

rüeren  anrühren  33,  36,  mit 
eim  Worte  r.  33,  32;  der  s81e 
niht  r.  281 , 12;  ez  rüeret 
mich  171.  3 f. 

rünen  heimlich  etwas  zuflüs- 

tem  8, 12. 

runs  Quell : ein  r.  aller  gnaden 

223,  12. 

ruom,  nppiger  13, 11. 
ruoto  von  Y esse  — Maria  1 58, 
21  f.  197, 18  f.  329.  29;  in  der 
archo  des  tcinpels  was  ein 

r.  239.  30  f. 

ruowc  Ruhe  der  Seele  mit 
Gott  19,23.  55,  24/1  57,  tf. 
61,  li  u.  öfters ; i wie  r.  261, 
2j  im  Bimmel  ist  ewigin 
ruowc  An  arbeit  63, 3 tf. 
ruowen  (rügen  G)  156, 12. 


8ac  der  Leib  des  J lenschen 

236,  in. 

Sache:  äu  Sache  tuon  ohne 
Grund  3,  2. 

saf  (saff(c))  stn.  15,  rf.  163, 
12  f.  164,  ä. 

saferin  adj. : saverine  (Saphire 
G)  köpfe  295,15, 

Siegel  m.  « seigel)  Sfirosse 

232,  2 (Gl. 

stejen:  pari,  gfteeget  5^4.  28, 
12.  276,  22. 

salbe:  ein  (wie  s.  aller  herzen, 


gebraucht  rom  hl.  Geist 
297,  an. 
salben  170, 1. 

Beeide,  iwigiu  88, 11  u,  öfters-, 
arm  an  s.  52,  l. 
sseldenrich  adj.  154,  12,  155, 
22.  158, 13.  159,13. 

Steilheit  145, 16.  153,  ai  f.  155. 
25.  268,  LL 

salm  Psalm:  mänic  s.  in  dem 
salter  253,  a, 

saltcr  Psalter  16,  c.  253,  s, 
261,1. 

samaritanus  Samariter  282.  IT. 
sament  adv.  beisammen  165, 
5.  212.  2 f.  223.  lfl. 
samen theftich  adv.  218,  s (G). 
sanue)nunge  stf.  Gesellschaft, 
Allgemeinheit  ISO.  ia  f.  181, 
31 : klösterl.  Sammlung  196, 
Z.  317, L 

samit  (sAmit):  röter,  wher. 
violvar  s.  139.  3 f.;mit  s.  be- 
kleidet 256,  l 

sämlich  adj.  cbensolch  34.  ja. 
195.  4j  ein  Bimlichez  3,  1. 

189.5. 

aant : sich  mit  sandc  laden  m 
der  Biene  gebraucht  325,  i. 
satte  tsetti  G)  120, L 240,7  (G); 

satt  u.  durst  18, 12. 
satten,  setten  120:3.  272. ss:  ge- 
settet  werden  von  den  brüs- 
ten iuwere  tröstea  306, 10; 
die  gesafteten  18,  17. 
satzungo  Klostersatzung  10O. 

15.  110. 11,  120.  li.  so. 
schücher  Schächer  10.  5.  69. 37. 
251,  a. 

sch&chman;  pl.  echächman  35, 

32,  250,  2. 

schade  adj.  zum  Schaden  ge- 
reichend 172.  21  (G). 

Schaf : sebäf  hücten  57,  1» : 
Demin.  daz  siha'fli  323,  31. 
schaffen:  part.  geecaffcn  sin 
190.  26. 

Schaffner  des  Klosters  339,  ti 
schal  stm.  Schall,  Gerätuch 

68,  19.  74,  s. 

schale  (schalch  G)  Schalk, 
böser  Mensch  109,  21. 


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Wortverzeichnis. 


309 


Schalken  h 24. 

schalten,  daz  vinr  das  Feuer 
unterhalten  98,  3. 
schamie)  Schamhaftigkeit, 
Keuschheit  49,  5 f.  63.  mf. 
101, 12  f.  154,  5,  224,  t f.  284, 
ti  f.\  ze  sch.  körnen  49. 11 ; 
sine  sch.  bedecken  249,  lj 
(G);  personifiziert  Schäme 
273.  a. 

schamec  atlj.  49,  5.  130,  21  f. 

135,  la.  284, 12. 

sciiamcl  (scbimcl)  SO,  ssj  vuoz- 
scbäincl  99,  22.  129.  s. 
stimmlich  adj.  24,  31.  68,  a. 

136.  L 

schamrot  stän  178,  22. 
schappel  Kranz  von  Blumen 
als  Kopfschmuck  der  Jung- 
frauen 25,  15.  69,  U f.  245, 

21  /".  (G).  243,  31,31.  246.3, 
»charlAt  223,  22. 
scharph : sebarphe  nagel  69, 

XE.  106.  5. 

achatc  (—  mcnschcit  unseres 
Herren)  76, 11 > f.  326,  24  f, 
schätz  59, 11;  sch.  in  dem  seckel 
199,  22;  den  sch.  getriuwe- 
llche  gehalten  74,  11  f 330, 

'JA 

scheiden : einen  strit  sch.  bei- 
legen 70.  ja, 

scheitel:  von  der  scheiteln 
(schstelun  G)  nnz  an  die 
zfhen  281,  li, 

schellen  ertönen  lassen  22,  25. 

36,  25. 

schelten  lästern  1,  21.  60, 2. 
sehenden:  part.  gescheut  u. 
geschendet  zu  Schanden 
machen  27,  32,  277,  25. 
schenke,  der  124, 30. 
schöpfen  bilden,  nachmachen 
22,  22,  109,  U.  267,22. 
schepher  tschöphcri  11),  ul  16, 

13,  58,24,  63,23.  64,1a,  69, 

35.  70,12,  105,8.  139,2)1.  204, 

L 209,  12.  231,18.  249,  24, 
251,  8.  255i  261j 

270,12.  284,  22.  294,26,  301, 

12.  338,  34. 

schidunge  Trennung,  Schei- 
Dcutsche  Toxlo  4m  Mittelalter».  X. 


düng,  Tod  68.  37.  91.  28  (G). 
140,  UL.  15_£  174,  3.  207, 

3p  cz  ist  ein  sch.  Unter- 
schied 215,3. 

schiere  adv.:  aller  schierost 

92,21.  93,2, 

schifman  Steuermann  46,  is, 
schillinc  53.  32. 

schilt:  guldino  schilt«  Wappen 
99,  is.  100,  ii/'.;  zieren  mit 
sch  208.  11;  bildlich  ze  eim 
Bch.  nemen  240,  KL 
sohin : der  sebin  eins  bra  tlins 
198.31. 

schinbiere  adj.:  comp,  schin- 
bterr  215.  lu,  333.  32, 
scliinen(schinnen)22. 22  f.  63,3a. 
schiure:  diu  guldln  sch.  Him- 
mel 28,  UL 
schöne  adv.  23,  3. 
schiene  stf.  63,  32.  106,  L 25. 

119. 12.  232,  2 f. 

Schönheit  u.  schoenhcit:  sch. 
Ano  unvltetikeit  63,35;  güt- 
liche sch.  103,  21  f.  238.  21  f. 
290. 2a/".;  sch.  unsere  herren 
301,  K f, 

schoz  stn.  Geschoss  95, 2L  279, 
12.  325.2t : sch.  der  gedenke 
27,22,33,  204,  23. 
schöz  »1.  u.  f. : sch.  der  muoter 
107,  15.  227.  28,  242,  Cp  des 
vatere  227,  2 &/".  242,  10.  23, 
271.  2p  Abrahames  sch.  68, 
39p  an  die  sch.  setzen  124, 23. 
308,  u(Z). 

schüzlinc  s.  schnzzclinc. 
schrien : mit  einer  grüzer  stim- 
me sch.  177.  io;  schrigcnd 
stimm«  bän  85,  12p  subst. 
Inf.  5, 1. 

Schrift  hl.  Schrift  28,  UL  63,  t, 
178, 2.  248,5/.;  von  mänger 
hande  sehr,  der  menscheit 

248. 1 f. 

schrtn  Schrein  233,  2 f. ; bildl. 
sch.  aller  tugendo  66.2a.  199, 

schult:  sie  sind  es  von  den 
schulden  dln  deinetwegen-, 
2,  13p  sin  schulde  vergeben 

177.2  f. 


scbultheizc  in  einer  Stadt  64, 
u.  f. 

schnoben  (schQebon),  die  solo 

45.  is  f. 

schQzzelinc  (Schössling)  15,  1, 
seb  (<  selp)  [7, 22t?).  52,  s.  157, 
12. 

seckel:  schätz  in  dem  s.  199, 

22, 

sogen  stm .:  den  s.  geben  den 
Brüdern  den  Segen  geben 
40.  6;  den  s.  dä  über  tuon 

19S,  13. 

segeuo  tsegi)  sagena,  Zugnetz 
118.1. 

seigel  (ssegel)  bl  Sprosse  232, 

2(g). 

seil:  ein  sidin,  geblüemct,  gul- 
dln s.  32,  3 f.  123,  2L 
scitenspil  174,11.  307, 21  (Z). 
scle  232,51  f.  246,2;  die  sadgen 
st'la  64,  30p  der  s.  dosier 
339,  13/".;  drl  kreftc  in  der 
s.  233.  if;  s.  hilt  driu  bildo 
320,  25./.;  steht  zwischen 
Got  und  der  crcAtöro  190, 
2C  f.  2115,  30  f. ; mm  himel  129, 
cf. 

selgermtc : s.  Bernharts  33S.I2 f. 
selten:  bt  im  selten  sin  tu 
der  Einkehr  mit  sich  248. 
2ij  ze  scltzcns  snites  333, 
32. 

semcl  (simcl)  Weizenbrot  74, 

25. 3Q. 

senden:  part.  gesent  « ge- 
sendet) 7,  23, 

senfte  stf.  ruhiges  Leben,  Buhe 

) 3,  24. 

senft(c)keit  Sanftmut,  Milde 
137,  19  (G).  139,  16,  162, 17, 
212,10.  241,7. 

Benftmüctekeit  Sanftmut  12, 
UL  13,  15,  142,  2, 
senken:  sich  in  Got  s.  in  Gott 
versenken  16,  22.  36  öfters. 
senunge  stf.  Verlangen,  Sehn- 
sucht 125,  21L  126,  13,  145,  a 

(G). 

een  wo  Sehne,  Bogense  hne  3 1 3. 6. 
sör  155,  3,  174,  3 f 175,  1«, 
176,  2.  205,5/".;  mit  söro 
24 


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370 

311,  2;  fino  sfr  verscheidon 
174,7, 

scrklln  (scrcbilin  6),  des  libcs 
Dtmin.  zu  sarc  259.  2U. 
Borwen  krank  werden  au*  Ver- 
langen nach  etwas  327,  u, 
sette  i.  satte 

setzen  festsetzen,  befehlen  100, 
ic;  Ober  den  tiscli  s.  40,  38j 
für  diu  ougon  8.  266, 12, 
Bibentägic  59,  35. 

Sicherheit,  in  himelricho  62,20. 
JL  217,25  f. 

Bidcbluomo  swm.  Seidenblume 
267,  lä. 

sidin  (sydin)  adj.  von  Seide 
8,  32.  32.  3 f. 

siech  adj.  6.10 f.  19,6;  die  hendc 
flf  die  siechen  legen  US, 
15 /*.;  s.  sin  mich  Gote  125, 
21  öfters-,  s.  von  minnen 
125, 2a.  267,  2 öfters-,  s.  mit 
dem  siechen  sin  175,  u. 
sicchhfiB  19,  fi.  339,  22. 
siechtac  6,  32.  71, 14. 86,  aä.  1_26, 
fU  200,  1,  238,  la,  264,  23  f. 
öfters. 

sigelös  adj.  92,  21,  93,  8 f.  94,8, 
Bi  gen  sich  senken  244, 11. 
sigenuft  Sieg,  Triumph  69,  u, 
70,  22,  8S,  ffl.  143, 1, 
sigenü(n)fter  Sieger  86, 32, 142, 
24(0). 

sigenüfterin,  ein  155,  21, 
sigrist  Sakristan  339, 12. 
sihtecliche  adv.:  s.  gesehen 

293.1. 

silb(e)rln  adj.:  (lz  eilbrinen 
köplion  trinken  123,  23, 
simlich  (<  sumelieh)  adj.  50,  t. 
sin:  die  Ozrcn  u.  inreu  sinno 
24,  4,  65,  2 f.  114,2 if.  129. 
12  f.  295,  21  öfters-,  alle  sine 
sinno  dar  an  legen  alles 
aufbielen  28,  2, 
sinewel  adj.  kreisrund  101, 
2,  313,  2 mZ'. 

singen:  Got  loben  mit  singen 
u.  mit  lesen  59,  12,  60, 32. 

98.1.  139,22.  199, 11,  265,21; 
einen  sanc  s.  89, 12.  260,1  f.-, 
eins  sanges  s.  265,  21  /*.: 


Wortverzeichnis. 

zwtno  säng(e)  s.  68,  22  f. 
327, 1. 

sippc  adj-:  den  engein  s.  mit 
den  Engeln  verwandt  221. 
u (G). 

sito  212,  l.  335,  12  /*.;  guotcr 
s.  sich  vlizen  179, 1 ; sundren 
s.  hin  219,  u Öfters. 
sitzen:  Ober  den  brunnen  s. 

59, 33  f.  310,  20. 
siufzen  seufzen  24, 32. 
slAf  1 schlau!)  20,  sc  f 
slahen:  ze  todo  s.  1,  23  f.  279, 
20;  intr.  unz  an  den  g-Qrtel 
s der  Rock  geht  bis  an  den 
Gürtel,  ist  zurückgeschlagen 
bis  an  den  G.  45,  m. 
slange  stem.  3,  25.  48,  M.  76, 
20  f.  ( vgl.  293,  10).  114,  12, 
1 16,  0 f.  295,  6 f.  330,  2S  fr, 
der  s.  im  paradise  117,  2 f.  j 
{■rin  s.  77.  2.  i.  o. 
slchtcclichc  (sclilehtklich)  adv. 
15, 2L  277.  11. 

slehtes  (■=  slchtcclicho  Var.) 
adv.  15,  32, 

slfwen  (G)  tau  werden,  er- 
kalten 269,  3fl, 

slewicheit  (slewkcit)  Lauheit, 
Trägheit  270,  4. 
slihtc  stf.  Ebenheit  des  Weges 
187,  28. 

slinge  Davids  94,13, 

Blingcn  hin-  u.  herzerren  36, 17, 
sloz:  garte  mit  4 sl.  beslozzen 
46,37!*,;  s.  aller  tugendo  154, 
5;  ein  s.  derkiuBcbo  294, 12. 
smac : s,  der  rebc  76,  zsf.  {vgl. 
293,  a /*.);  des  helfanten  96, 
36 /*■;  des  liirzen  236,  1 f. 
snuehwort  Schmähu-ort  30, 25. 
Bmelzen,  von  minnen  36, an.  38, 
nf.  öfters. 

smerzen  (smirzen)  112, 13. 
smierco  sin.:  trügcnlichcz  s. 
das  betrügerische  Lächeln 

3,  32. 

snate:  pl.  stch)natte  29. 17. 
snellekeit  im  geistl.  Leben  U, 

1 f - 

suhlen,  daz  kom  29,  5 
sociata  — zao  gcvßcget  287,12. 


BÖgetän:  sogtäniu  sach  nn- 
künsch  2,  23. 
soreliehe  adv.  2,  33, 
sorgsami  subst.  Sorgsamkeit 

336,  a. 

Borkeit  (<  soreheit  ?)  stf 
Sorge,  Bitterkeit  332, 13. 
spehen  129,  zu 

speherin , der  gütl.  tügni 

SO,  29, 

speichet  257,  lft(G);  plur.  mit 
den  speicheln  30, 16. 
sper,  mit  welchem  Jetu  Seite 
j geöffnet  wurde  70,8.  237. 
12.  318,  iL 

Spiegel  im  wörtl.  Sinne  44,  22; 
Brille  341,8;  bildl.  60,  S-  14S, 
ll.  226.3. 316,21:  götlichers. 

71.3.  89.  i.  98, 30.  106,  uf. 

125.3.  205,22,  219,  233, 

if.  269, 15.  2S9.4itm.  299,22. 
310. 2S;  den  sp.  Of  dem  hon- 
bete  hän  vom  Pfau  262,  a, 

spiegellin  Demin.  zu  spieget 

6, 16  f. 

spilman  3,  nj  spillinte  14.10. 
spiln:  spilcnde  gän  mit  Ver- 
gnügen 69,  4. 251  1 /*.;  spilde 
öligen  blinkende  Augen  3.  a. 
spiso;  des  libes-geischlichia 
198, 9 f.  237,  25/*.;  wol  edel 
spise!  41,  4. 

spitzec;  pl.  spitzic  nagcl  guldin 

34,  if. 

spiwen  (spOwcn,  sptiwen):  an- 
der slniu  ougen  s.  60.  2 f.: 
under  sin  andütte  s.  96. 
spräche:  zwo  spräche  in  dem 
gebet  22, 1 »/*. 

sprechen:  ein  hof  spr.  einen 
Iioftag,  ein  Hoffest  anord- 
nen 43.  a. 

spreiten:  bluomen  s.  en gegen 
dem  bimclschen  künic  139, 

tsf. 

Sprichwort  32.24,  43,  0 f.  1 13. 

sprozzo  Stufe:  dri  spr.  231.  u. 
spulgcn  pflegen  26,  a,  30,  »s. 
40,  5,  46, 5.  101,28,  171,  nf. 
214,  21  (G). 


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W Ortverzeichnis. 


371 


stämlin  Dem  in.  zu  »tarn  325,33, 
st&n : wol  beete,  übel  8t.  21.  2 4/. 
65,  t 135,  3 /.;  flf  einer  huote 
st.  89,24;  sich,  wie  ich  stän 
305,  13 1 Gl ; dar  näch  st.  = 
dar  näch  striten  13.  ta.  32; 
näch  eren  st.  333,  28/. 
stap  — hi.  criuze  197,  3 / 
starc  adj.:  st.  sin  in  Gotes 
dienst«  92,  14,  246, 15, 
stat  stn.  Gestade  46,  is.  21L 
118,3.7. 

stat  Stadt,  Stätte,  richtiger 
Platz:  st.  in  bimelrlche  64, 
20J  an  ein  st.  gän  189,  4 f.\ 
st  hin  zwischen  etwas  191,2. 
208,  30  /,;  in  ir  st  stän  auf 
ihrem  Platz  209,  st  des  h. 
Gotes  — sälo  64,  37  f.;  hiruel- 
schiu  st  64,2t  220, 17  f;  ob 
or  sin  st  uiühti  hin  wenn  es 
möglich  wäre  3,22.  2,14;  ze 
staten  komen  einem  helfen 
36,  L 200,  4 (G).  241,  ls. 
250,  5, 

stmteclicheadv.  16,6,167. 19(G). 
stietekeit  Ausdauer,  Beharr- 
lichkeit bis  ans  Ende  46, 
15  f.  49,  30.  144, 19,  155,1s/'. 
235.  so  /.;  endebaftiu  st  253, 
c,  personifiziert  vrow  Stiete- 
keit  127,  2, 

stecken  die  Augen  fest  auf  et- 
was heften , fi-cieren  98,  2a ; 
subsl.  Infin.  sehen  än  ougen 
stecken  334, 1 f. 
stein  Magnet  179,  1 /.;  vünf 
st.  Davids  — gebügdo  der 
5 wunden  94,  ll 
steinen  steinigen  110, 1.  190, 7, 
322,  23.  323, 39 /. 
stellen : daz  antlütte  übelliche 
st.  21, 12,  34.  20;  dar  näch  st 
nach  etwas  richten  gl,  &/. 
337, 2t 

sterben,  der  weit  der  Welt 
absterben  278,  1, 

Sterke  Tugend  des  Starkmutes 
113,1 4/.  189,  13/.;  st.  in 
Gotes  dienBte  92,  s/.;  st.  der 
creätüre  231, u, 

Sterne  9, 12,  327,  21 ; 12  St.  in 


der  Krone  Mariens  81, 

99,  25. 

Stic  steiler  Pfad  12.  u. 
stille  Ruhe:  stilli  än  fülkeit 

334.  U. 

stölo  Stola  des  Priesters  9,5, 
stoup  (stob)  8,  21;  ein  bant 
volle  stoubcs  nemen  66, 26  f. 
sträfen  217,  c. 

stranc:  daz  sidlu  seil  (im  Tem- 
pel Salomons)  ist  von  drin 
strängen  gemacbet  32,  13  f. 
Bträze,  ein  gemcinlu  261.  26. 
strecken:  praet.  strahle  311, 
33  (Z)-  subst.  Inf:  reden  än 
hende  strecken  334.  a. 
strengcchcit  (strcnkait)  Strenge 
337,2. 

stric:  dem  tiuvel  ze  cim  st  3, 
26:  diu  weit  ist  vol  stricke 
2S0, 11  f.  45.  24. 
stricken,  ein  seil  umb  die 
kelcn  schnüren  29, 19, 
strit,  zwischen  Leib  u.  Seele 
70,  11.  237,  11  öfters ; des 
menschen  leben  ist  niht  won 
cinier)  strit  92, 15  f. 
stritcr  Streiter  57,  a f. 
stukd):  von  vierband  stukin 
cristans  glouben  4,  22;  ein 
stuki  brßtcs  39,  ZL 
stungc  swf.  ( oder  stungen  subst. 
Inf.):  st  der  dankberi  An- 
trieb  zur  Dankbarkeit  06,  32, 
67,  24, 32. 

stuol : ir  ( der  Mutter  Gottes ) Bt 
ist  erboehet  über  alle  men- 
sehen  330,8;  fig.  st  der  or- 
bärmede  135,8;  st.  d.  tugende 
101,22.  137,  28,  150.  10. 
stüppelin  stn.  Stäublein  149,  2. 
sturm  weter  13,26.  312,21(2); 

st.  in  slm  herzen  179,  20  f 
süener  Versöhner  141,  22, 
süenerln  Söhnerin  329,  2L 
8üezc(8flsei)/em.  Süßigkeit  4,13. 
süozecheit  (sässekait)  des  Him- 
mels, göttliche  Süßigkeit  33, 
2L  56,  23.3.  66, 18.  123,  2 f. 
124,  21.  127,  12,  2k  139,16. 
167,  t 13,  184,  22.  204,  2«  f. 
205, 8.  208,  211.  234,27.  261, 


1.  268,  12f.  288,13.  291,14, 
310,  3/.  3U,  S.  332, 22j  süßer 
Trost  im  Gebete  170,  ic.  171, 
ttf.  224,  3t  225,  a.  275,  6j 
s.  der  weit  167,  u.  310, 4, 
süczecliche  adv.:  Got  s.  min- 
nen  166,34/".  167,1 4/. 
sögen  H,  2a.  50,  a.  242,  c, 

310. 13, 

söl  isiul  G)  291,  a (G);  i sinle 
7 Sakramente  5,  'jufi;  viurin 
8.  166, 11  f.\  Geiselsäule  29, 
15  f.  105,  il 

sumber  m.  Handtrommel, 
Pauke:  den  s.  slalien  307, 
m (Z). 

sumelich  u.  sümlich  13,  t 106, 
11  f.  217,  26;  allgemein  s. 
sämlich  u.  simlich. 
sümen  39, 12.  335,  35, 
suuier  163.  la  f. 
söuikeit  Säumigkeit,  Trägheit 

331.14,  324,32, 

süudc:  waz  sünde  ist  201, 11  f 
209,  1/".;  gedenken  an  sin 
s.  126,  15,  336,  24  öfters-, 
grözo  u.  kleine  s.  Plural 
16,  14;  totliche  s.  12.  13; 
dricr  baudo  s.  192,4  f.  (vgl. 
196.  31):  geischlich- fleisch- 
lich s.  244,  18  f;  der  s.  ir 
reht  geben  285,  9^  *.  unter 
tagclich. 

sünder,  der  offen  publicanus 

22,  32/". 

sundern  refl.  sich  absondem 
von  den  andern  im  geistl. 
Leben  162,  21  f.  181,  nf.-, 
sich  sunderliche  sundren  mit 
sundrem  lene  206,  u;  subst. 
Inf.  irs  sundrens  war  nemen 
181,31, 

sunderunge  Absonderung  207, 

sunne  swf.  14,5/".  71,4 f 242,27/ 
300,17/i  301,3/.;  seltner swm. 
99,28.243,14,268,9.270.1,326. 
aa;  — gnäde  unsere  herren  od. 
Christus  selber,  die  ewige,  le- 
bendiges. 100,2.103,1ii/.  154, 

4. 2 13, 19. 268.9.  270, l.  299,5/, 
326,  38;  = Maria  77,  28  /■ 
24» 


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372 


Wortverzeichnis. 


82S,  35  f. ; = hl.  Schrift  178,2, 
248.  ti  A:  s.  der  gnäden  300. 
24  f.  \ die  sunnen  zc  eim 
kleide  hän  99,  24.  21  f ; der 
sunnen  ureprunc  121,  21: 
sunnen  glanz  47.  5 f.\  sun- 
ne(n)  schln  117,  ls  f.  22  (G); 
293. 12  f. 

sunne(n)tac  2,  4;  sunnetac  vor 
wlnnäbtcn  44,  8. 
süntlich  adj.  60,  22,  142,  t/'.; 

s.  gebürt  68, 1, 
suochcn  (sfickcn  210.  21  G): 
unsem  herren  s.  310.  2 äf. 
suon  s/m. : ein  sta-ten  s.  machen 
297. 1 r> /’. ; ze  s.  komen  161,13. 
Buppriolin  226,141  G). 
eupprior  339,  li. 
bus  adv.  192.  s.  302.  20;  sus- 
getan  202. 31,  339, 5 f. ; unib- 
sus  1, 14. 

swachen  schwach  sein  130,1. 
swalwe  267, 21, 
swanger  102,  24.  228,  in. 
swänkclieren : gän  in  sw.  Ain- 
M.  herwanken  334,2, 
swoero  stf. : sat  mit  s.  240,  7 
tß|;  mit  s.  wonen  in  der 
inuotcr  achöze  227,25 ; swwro 
fui  swiere  82,14  A;  Kummer 
dez  Herzens  131,  if,.  24. 
Bwfiren  trüg  werden  269,28  (G). 
Sweben:  die  Seele  schwebt  in 
Gott  124,  ti.  133, 2 Au.  öfters; 
der  hl.  geist  swebet  in  in  bei- 
den ( Vater  u.  Sohn ) 234, 
28  tG). 

swegelen  blasen,  pfeifen  307, 
21  (X). 

sweifen:  nlumbe  die  weit  sw. 
204,  13;  daz  honic  sweifet 
Bberdicbrosemun  185.101  G). 
Bweimcn:  alQbcr  bw.  nach  allen 
Seiten  übcrfliellcn  185.  in 
iG). 

swern  wehe  tun  112, 12 f.  (G), 
swerren  schwören  9£,  6. 
swert  stn.  29,  I9j  durch  Ma- 
riens Herz  ging  ein  Schwert 
108. 16  A 

swerzo  stf.  22.  M. 

Bwcstcr  (swSstcr)  Ordens- 


schwester 25,  li.  60,16.  10  f. 
99,  ls,  177,  12/.  (G)  194,  6. 
219,  32  (G).  283,  11  (Gl. 
swigen  «fn.  das  Schweigen  9, 

24.  10, 14. 

swincii  dahin  schwinden  176,  :i. 
switzen,  bluotigen  sweiz  36, 
£ £ 51,6.  319.  6 f. 

tac:  jüngster  t.  4.  5.  10.  is  A 
11,  iS.  27,1.  68,14.  72, 10. 
73,  4L  91,  1 f-  96,  24.  110,  6. 
174,  aaA  176,1.  277,24.  284, 
li.  297.  22.  336.  44,  337,  34: 
guoten  t.  gewinnen  31.  24  f. 
38,  137  ze  inittem  t-  73.  io; 
al  dur  den  t.  300,  a~A:  alle 
Bin  t-  ein  Sünder  sin  254.  3: 
den  lierrcn  dri  t suochen 
311,  if. 

tagclich:  täglich  Bünde  liiß- 
liche  Sünde  im  Gegensatz 
zur  Todsünde  27,  6.  149,  4. 
198,28.  240,4.  298,8,  300,23; 
von  den  schaden  täglicher 
sünde  299. 1 A;  — allirtägi- 
lich  266,  i (G). 
tageweide  Tagreise:  dri  t.  25, 
26  f.  69,  21  Ai  ein  t 265.  23. 
tcgcnliclien  ».  dcgenlichen 
teil : zc  teile  werden  202,  i;:niht 
teilcB  werden  8,  li. 
teilen  etwas  mit  einem  andern 
52,  'if.  176. 11.  177, 23  (G); 
sin  leben  t.  in  driu  einteilen 
52.32A  130,2,  188,24  A:  refl. 
2L8, 22 A 220, 15.  210,  loj  sich 
t.  von  den  irdcnschen  dingen 
122, nA:  umbe  sich  t. 309,37. 
tempel  des  Moses  208.  io:  Sa- 
lomons  34,6/".  99. 17 A 192, 
16.  302.  an;  - unser  herze  84, 
14  f.  100,  lA  244,  :>A;  =cri- 
stenheit  243, 5 A 
temp(e)ren  mäßigen  21,  n f. 
60.2.  74,2»;  getempert  träne 
gemischter  Trank  120, 5 f. 
teinperungc  stf.  richtiges  Maß: 
ändert. stän  150,2i(G);  den 
lip  in  der  t halten  265.  u. 
temphi  *.  dempfe. 
terci  zlt  Zeit  der  Terz  116,  a. 


liefe  (tfif)  adv.  329,  i. 
tiefe  Gottes  an  der  wisheit 
133,24. 

tier,  in  der  archo  20, 44. 
tisch:  t.  in  dem  goteshüs  237. 

is A;  t.  der  gnäde  25.  44  A 
tiuvel  15,  L 27,  32-  30.  ln.  32. 
26.  34,  15.  38.  36.  44.  atu  45. 
21,  47,  45.  48,  L.  59,1.  68,21. 
69,  11.  14.  79,  27,  84,  11  f.  56, 
31  f.  87.6.  93,  5.  94, 21  f.  97, 
26.  104,  3/1  112.  14.  113.  24. 
114,  11.  22  A 115,  12  A 116. 
15  A 122,5,  10,  141,7.  138.17. 

181.31.  IS2,  7.  192.  17.  211,2. 

217.31.  222, 4 A 256.44.  263. 
4.  271,  n.  278,  2.  26.  279.  6. 
285,2.  292,4.  299,116  301, 
12  f.  320, 25  A 323. 15.  326.21. 
329,2a.  333,12.  339,2s;  her 
tiuvel  281,  o;  saz  Bf  dem 
crinze  76,aiA;  des  t.  geist 
172,  uf.(G);  des  t.  välscliin 
bildungc 202,8  A:  des  t.  kint 
320,  aiA;  t.  ein  äkustic  fnlis 
326.  32. 

tiuvellich  adj.  224,  is. 

Uedemic  adj.  totbringend , er- 
lösend 83,  J. 

torwaiter  ostiarius  123.  2». 

124,  2. 

töt : t.  der  sele  118.  2.  137. 
t.  des  (saiigem  menschen 
63, 33  f.  174, 4 f.  336. 22 : Ewi- 
ger t.  2 03.22:  an  den  t. geben 
105. 12. 

töt  adj.:  vil  bl  aller  t.  sin 
beinahe  tot  sein  252,  16;  t 
Bin  der  weit  abgestorben  sein 

214.7. 

tötbluotec  adj.  29, 3o  f.  69,  i. 
testen:  mit  sim  lüde  töt  er 
unsem  töt  88,  oj  er  töte  an 
uns  den  ewigen  töt  57,  n. 
toter  (tutter)  stn  Dotter  283, 28. 
tötlieh  adj.  sterblich  311. 27  f. 
{Zu 

tou  stn.:  daz  himclschc  L li. 
46  A 1 bezeicheut  unsers  hcr- 
ren  gnäde  48,  sf.  75,  sf.  138, 
li  f. 

touf  (töf)  stm.  die  hl.  Taufe 


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Wortverzeichnis. 


373 


5,  27.  26,  37.  27  , 3.  63,  13  f. 
SS,».  298,7.  320,37.  321, 5/". 
324  , 37. 

teufen:  getßffet  werden  320,32. 
tougen  (tögen)  adj.  geheimnis- 
voll 278, is;  t Spiegel  78,9  f.\ 
t.  sin  verborgen  sein  195, 

s.  26. 

tougene  (tögni)  stf.  Heimlich- 
keit, Geheimnis  Gottes  78, 
19  f.  SO,  28/;;  t des  herzen 
339,  1«;  in  der  t sin  in  der 
Einsamkeit  (von  Johannes 
auf  Patmos)  sein  204,  4. 
238,  1. 

tougenlich  (togcnlichl  adj.  ver- 
borgen, geheimnisvoll  72,  2; 

t.  gerihte  206,9;  t.  beschöudo 
210,14;  t dinc  ougen  225, 9; 
tugentlich  — tongcntlich  138, 
11.  130,25.  171,  u f.  315,33/. 

tnecliche  (tragklicb)  adv.  199, 

is. 

tra-go  (träge)  stf.  Trägheit  13, 
3.  25. 

trägen  träge  werden  118,  16. 
269, 12. 

traben:  pl.  trähennc  128,  17. 
266,  S. 

traht(e)  stf.  aufgetragene  Spei- 
se, Gericht  5,  3 f.  19,  22.  23, 
9.  125, 1 ; trahta  für  setzen 
20,  s;  die  trahta  ze  himil- 
riclie  185.  1 |G). 
tiäkeit  21,  34.  115,  11  f.  118, 19. 

148, 3.  241,  2.  331, 19.334, 11. 
träne  »fn. : sürez,  süezez,  ge- 
tempertez  120,  5 f.\  tr.  der 
engilo  136,  37  f. 

treten : an  den  wec  der  rein- 
keit  tr.  155,3/; 
trinken,  des  brunnen  330,  3«. 
triuten  liebkosen,  den  gema- 
hcln  275, 1. 

tropbo  28, 24;  tr.  der  süezo- 
keit  171,  14;  der  tr.  der 
stimme  die  leiseste  Stimme 
73,  30. 

tröst:  ze  t körnen  37,  37.  45, 

30. 

trßstlich  drosch  lieh)  adj. : ein 
tr.  wort  153,  7 f.  204,  27. 


trote  ireinprrsse,  Kelter  303, 
11  (Gl. 

trübe  (trübe)  swm.  Traube 
303, 11  (G). 

triiekennen  trocknen  170,  4. 
trüebenisse  (träbnust)  Trübsal 
122,9. 

trugenhoit  336,  30. 
trugenlich  adj.  3,  30.  203,  1 f. 
truhsffzeftrühseze)  125, 1.  313, 
21  (Z). 

trunken  sin  oder  werden  40, 
34.  41,2.  116,2.  125,3.  309, 
6f.  (Z\. 

trunkenheit  12,  is. 
trürigen,  eins  andern  Unheiles 
h-aurig  sein  176,  5 f 
trür(c  keit  32,  34.  64,  23.  265, 
10.  310,6.  831,9. 
tübo  Taube  19, 17.  22,  29.  24, 
31  f.  38,4.  60,  16.  61,  1.  87, 
17.  22  f.  103, 23:  tüben  vodren 
93,  io.  23  f. 

tüecbclin  Dem.  zu  tuoch  338, 
16. 

tugent  113,  sf.  115,  v.f;  t. 
neuen  ab  68,  7;  an  t.  gc- 
sterket  werden  215,  1 f.; 
vOnf  t.  295,  20;  dri  t 295, 
29  fl;  siben  sunderllche  t 
221,  3 f.\  die  gütlichen  t. 
235,  2 f.\  sich  bekleiden  mit 
t.  241,  5 f.;  die  untugent 
sol  man  überwinden  mit  t 
245,  6 f. 

tugentliche  (tugetlich)  adv. 
65,  37. 

tugentriche  adj.  154,16.  158, 
17  f(G).  159,25. 
tump  28,36.  172,31.  232, 5/1; 
enkein  tier  so  t als  der 
mcnschc  104, 11. 
tumpbeit  152,  to.  331, 10. 13. 
tumplich  adj.  148,  6.  224,  23. 
tungen  düngen  28,  2 9. 
tuoch  30  23.  64,  3».  291,6. 
tuon  ein  Sakrament  spenden 
5,  35;  tubst.  Inf.  mit  tänno 
56, 7.  9 f. 

turteltübc  38,  27  f.  61, 1,  s.  99, 
15.  277,  27. 

tüsentstunt  41,5.  45,  c usw. 


tuttcr  s toter. 

twahen  waschen  226,  5 (G); 
zwah  din  hende!  25,33. 


übe  = obo  172, 19  (G). 
übelliche  adv.  21,  19.  27,  7. 
über]  -sweifen  überlaufen  223, 
lc ; -swe(i)men  185,  10  (G,; 
-triben  höher  treiben  im 
Wachstum  15,  7;  -vliezen, 
von  gnäden  66,17  f.  223,  11, 
der  minne  163,  17;  -worden 
mit  Gen.  enthoben  werden 
216,  11  f.  185, 14. 
übergän  tr.  überschreiten  334, 
cf. 

übergülde  stf. : aller  vreede  ein 
ü.  sin  4,21;  ü.  aller  tugent 
28,  23.  101,  23. 

übergülden  vergolden  93,  17  f. 
überhaben  refl.  sich  überheben 
333, 29. 

überhügen  mit  Akk.  d.  Pers. 

untreu  sein  318, 14  (Z). 
überkomen  intr.  den  Vorzug 
haben  4,  4;  tr.  übencinden 
279,  31  (G). 

Überkraft  Übermacht  223,  27 
(G).  317,  io. 

überkripphen:  alle  sinne  ü.tiiw- 
füllen,  übersteigen  272, 12. 
überladen  94, 7 f.  332,  7 
übcrmajzec  adj.  232,  23.  309, 21 
(Z). 

übernahten  80,  24. 
übersehen  mit  Akk.  d.  Sache 
63,  31.  311,23;  mif  Akk.  d. 
Person  SIS,  12 f. 
ühersigen  95,  18  (G).  153,  19. 

245,  26.  30  |G). 
übers  Ibcm  93, 16  f. 
überstigen  260, 10 f.  268,  13. 
übertrcffen  272, 39  1 Gl. 
üborvart,  der  minne  94,  2 iG). 
übcrvluz  stm.  309,  23  f.  (Z) 
übervlüzze  stf  171,  35.  223,25. 
309,  21. 

übcrvlüzzec  adj.  überfließend, 
überströmend  5ß,  2S.  155,  25. 
163,  27.  164,  11.  185,  s.  15: 


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374 


Wortverzeichnis. 


daz  ü.  guot  310,  11 ; nibt 
Qbcrvlüzzigcs  285,  15. 
übervollen,  mit  minnc,  gnilde 
164,  ll.  223,10.  16. 
überwigen  831,5  f. 
überwinden  13,  IS.  20,  30  f.  85, 
35.  91,  Uf.  93,  6.  94, 15.  174, 
16;  einen  überwinden,  be- 
stechen 322,29/! 
üf]  -brechen  intr.  vom  An- 
bruch des  Tages  58,  28,  von 
Blut  59,  12;  -erheben,  an 
daz  criuze  10,2;  -gän  vom 
Anbruch  des  Tages  58,  26; 
-geben,  die  weit  68,  2«, 
den  eigen  willen  68,  so;  -ge- 
heben,  diu  ougen  22,  37/'.; 
•gestän  64,3;  -hän,  die  hant 
7,li;  -heben  116,  6 f.  204, 
l«,  im  Gedächtnis  bewahren 
105,  13  f.  318,  n,  sich  üf 
heben  24,26;  -kören  117,  s; 
-klimmen  231,  n f.\  -lesen 
271,  14;  -rihten  23,  37,  al 
sin  kunst  alle  Kräfte  an- 
strengen 145,  2,  ein  üf  ge- 
rihtez  ouge  230,  sf.;  -sla- 
hen aufschieben  136,7;  -span- 
nen 123,21;  -springen  9, 35; 
-stigen  231,  14.  26u,  if; 
-trabten  16,7;  -tuon,  daz 
herze  19,12.  70,8;  -vliegen 
269,  14;  -wahsen  15,  6; 
-werfen  15,  7. 

Qfnemunge  stf.  288,  7. 

Ofvurt  Himmelfahrt  Christi  68, 
14  170,  8.  229,  1 f.  297,  14; 
von  dricr  hando  u.  287, 
31  f 

ufvliegnnge  stf.  288,  10  f. 
umbc  (unbe)  27, 34. 37,  23;  -giln, 
mit  Untugenden,  gedenken 
26, 4.  27,  10.  53,  3,  mit  un- 
sorm  borren  28, 11 , mit  der 
weit  157,  7,  einen  Umweg 
machen  13,5;  -legen  44,21/".; 
-luogcn  279,a;  -sehen  re  fl. 
121,  21.  279,  s. 
umbegiezen  79,  6. 
umbehanc  Vorhang  des  Tem- 
pels 34,  6.  99,  1«.  208,  11. 
237, 14;  vier  u.  100,  20. 


umbesehowunge  stf.  Umschau 
121,  20. 

umbestecken  86,  is. 
umbesweifen  204, 12. 
umbevähen,  Got  mit  zwön 
arm  134,  cf. 

umbevähen  stv.  das  Umarmen 
Gottes  126,  1.  171,  25.  256, 
10.  uf 

umbevähor  stm.  273,  19  ( G ). 
umbräl  (umblcrl  stm.  Schulter- 
tuch, Gewand  des  Priesters 
8,  30. 

unartcc  (unertigl  adj.  312,32 
tZ).  SIS,  17  (Z). 
unbodaht  (unbedakt)  11,16. 33. 
unberiiten  nickt  gehörig  ein- 
gerichtet 244,12. 
unbereit  unvorbereitet  122, 11. 
331, 17. 

unbescheiden:  u.  arbeit  ohne 
Maß  94,11  f;  n.  sin  ohne 
Überlegung  226, 11. 
Unbescheidenheit  196,  24. 
unbeschcidcnliche  adv.  27,  7. 

150,  12.  196,25.  230,22  f. 
unbesniten:  n.  herzen  323,  3. 
unbetrücbesallich  142,  n (G). 
UDbetrüebct  62,  uf. 
unbctwungenlicbe  adv.  199, 
15.  213,  6.  236,  ln. 
uubewollen  adj.  unbefleckt:  u. 

maget  228,  14.  296, 14. 
unbuozwirdcc,  an  gewando 
der  Besserung  nicht  bedürf- 
tig, nickt  strafbar  333,  8. 
undrere  adj.  gering  293,  14. 
uuden  lundenan)  adv.  262,  8. 
underl  komen  intr.  untergehen 
ron  der  Sonne  80,  24;  -mi- 
Bchen  246,  33; 

nnderganc,  der  Minnen  122,1. 
underläz:  än  u.  11,  5 25.  18,  3. 

19.  338,  29. 
underlegen  86, 17. 
underligen  15,2. 
undcmiischen : nnder  mischet 
sin  272,  11. 

undenede  stf  Dazwischenrede 
334, 19. 

undersetzen  25S,  23 
undertamec  adj.  64,  o.  65,  16. 


underteil  stm.  1 17, 19. 
underwlleut  adv.  bistceilen  12, 
22.  92,  2 (G).  95,  16.  144,  23. 
171.3. 

underwinden,  sieb  mit  Gen. 
auf  sich  nehmen,  sich  unter- 
ziehen 110, 13. 

undcrzichcn  entziehen  72,  11. 
undurnehtechcit  (undumäht- 
kait)  stf  Unvollkommenheit 
158,-15 

unö  stf  Konkubinat  2,  27. 
unehtec  adj.  von  geringem 
Ansehen  309,  26  (Z)  325,  s sf 
unehtegi  (un&htigi)  Verachtung 
336,  32. 

unendehafti  stf:  u.  stner 
( Gottes ) wisbeit  Endlosig- 
keit 289,  2 (G). 

unerbmredich  (unerberklich) 
adj.  45,  35.  37. 
unfre  86,  7.  9. 
unerkant  adj.  828, 10  f. 
unerkantnüsse  (unerkantnüst  : 
stf.  Unkenntnis  331,  IS. 
uncmcstliche  lunernschlichi 
adv.  ohne  Ernst  331, 18. 
uncrschrockenlichen  adv.:  u. 

sin  rcht  behalten  190, 15. 
ungebihtet  adj.  ohne  gebeich- 
tet zu  haben  137,7.  337,  35. 
ungebunden:  daz  ampt  ist  a. 

nickt  verboten  7,  3. 
nngebüwcn,  crtrich  2S,  37. 
ungedultekeit  241,  t. 
ungefirmet  5,  36. 
ungchabcdc  stf  Leidwesen 
85, 11. 

ungehiure  adj.  unheimlich  141 
| 19  (Gl. 

ungelimrec  adj.  ungehorsam 
191.  23. 

ungcladet  (nngelattipart.  adj. : 
u.  zc  einer  höhzlt  komen 
178, 13.  22. 

ungeltchi  stf. : n des  guotes 
211,10/*;  u.  der  siten  111, 
uf. 

ungeloube  (ungclöb)  4,  26.  5,;. 
ungeioubec  (ungclibigl  aflj. 
5, 10.  7,  37. 

ungcmach:  u.  hin  148,6.  187. 


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16;  herzen  u.,  libes  u.  197, 

lif. 

ungemeini  elf.:  n.  des  guotes 

211. 13. 

ungemischet  4,  23. 
ungeoffent  adj.  verborgen 
179,  7. 

ungcrihtec  adj. : u.  zunge 

181,  8. 

ungerihtet:  u.  län  289,  13. 
ongeringc  adj. : n.  wäfon 

leichte  Waffen  94,  7.  io. 
nngeruowet  sin  101,  9. 11. 
nngestalt  2,12. 
lingcteilct  242,  1 if.  244, 1. 
ungetoufet  (nngetoffet)  320, 

.14. 

ungetriuliche  adv  105,  17. 
ungevuoc  adj.  unartig,  un- 
höflich 326,  io. 
ungcvuodichc  adv.  21,  3«. 
ungcwaltec  29,  23.  35,23/'.  68, 
31.  74,  3.  102,  10.  234,  lt.  311, 
*>(Z). 

ungewerlieh  adj.  182,7. 
ungewerllche  adv.  189,  lOlGl. 
ungewßrme  ltn.  293, 10. 
nngezogcnlichc  adv. : n.  ant- 
worten 323,  27. 
ungDctltche  adv.  30,  34. 
unguot  adj.  234,  17. 
onheil  »tn.  222,  o. 
onhcinlich  adj  : den  flzeren 
dingen  u.  130,17.  156,26; 
ßot  u.  140,  13.  204,  20.  299, 
12. 

unhOrlich  adj.  330,  4. 
ankiusche  adj.  2,  29;  n.  wort 

60,  23. 

iinkiuscbc  »tf.  Unkctuchhcit 
221,  16.  239,  32.  24  0,  22  fl 

244,  io  f. 

unkioschekeit  (unkfinschkait) 

109. 14.  335,  16. 
unkraft,  des  llbes  334,  40. 
unlusticlichen  (unlustig)  adv.: 

u.  an  ze  sehenne  21, 11. 
unniarc  adj.  150,  14.  213,24. 

214,  Hf.  290,  21.  340,6. 
unnuerttche  adv.  35  , 33. 
unmäze  adv.:  sich  a.  kleine 
machen  263,  18. 


Wortverzeichnis. 

unmsezee  adj.  18,24  62,0.  63,36. 
70,15.  305,  s ; der  u.  Got 
292,  20. 

unmiezekeit(unincssckait)  i n- 
ermesslichkeit  Gotte»  18,27. 
unmsezccliche  (unmäsklich) 
adv.  76,  3. 

nnmilte  adj.  28,  10.  29,  18.  3s. 
unminnc:  von  u.  tnon  196,  n. 
unmQezec  adj. : sich  u machen 
»ich  beschäftigen  44,  32. 
nnmuozc  »tf.  33,  17.  37,  13. 
unnötdürftec  adj.  336,  4. 
unnützecllche  adv.:  n.  nemen 
den  Kamen  Gotte»  unnütz 
aussprechen  I,  17;  n.  ver- 
tuon  331,  26. 

onnQtzellchc  adv.  : die  zit  u. 

vertrlben  315, 14. 
unordenlich  adj.  53,  4.7. 
unreinechcit:  die  u.  an  in 
(den  slangenl  län  330, 20; 
u.  der  weit  87,  20. 
unreincclicho  (unrainklich) 
adv.:  u gesünden  wider- 
natürlich sündigen  63, 14. 
nnsägeltchen  (unsäglich)  adv. 
81,  so. 

unsadde  stf.  26,  5.  69,  3.  113,  5. 
unsa  lcc:  u.  man  109,26/'.;  u. 

untugent  176,  23. 
unsielikeit  118,6. 
nnschulde : u.  gcdultccltche 
liden  253,  6. 

unsenftecheit  »tf.  Ungemach 
312, 2»  ( Z ). 

unstatfj  mit  grözen  unstaten 
341,  S. 

unstietc  adj.  25, 25. 55, 4.  66, 24  f. 
unstete  »tf.  101,  8. 
unstetekeit  140, 16  f.  264,  27  f. 
336,  31. 

unsfiber  7,  3.  17.  21,  10.  14. 
unsüborkeit(uosuvcrkait)25,39. 

123.26.  140,15.26. 
nnsfibem  85, 36. 
unteillich  305,34  (G). 
untötlieh  (untoetlich)  adj..  u. 
volc  131, 0;  der  a.  Got 
311,27  (Zt. 

untugeuthaft  adj.  161,20. 
anverborgen  58, 12. 


376 

un verboten:  daz  ampt  ist  im 
u.  7,1. 

un  verdecket  (unverdaht)  194, 
23.  236,  22. 

unvcrdrozzenlich  adj.  291,  16. 
unvcrdrozzenliche  adv.  103,18 
(Gl. 

unvennäset  (unvermasget)  adj. 
148, 12. 

nnverschuit  323,22. 
un  verehrt  52, 16. 
unvertragefnilich  adj.  74,  4. 
268,14/. 

nnvervancllchcn  adv.  unnütz 
331, 13  f. 

unvervärwet  adj.  unverfärbt 
243, 17. 

unverwänt  (unverwünt)  un- 
vermutet 33, 39. 
unverweit  (unverwiert,  -wier- 
ret)  adj.  unverdorben,  un- 
verletzt 61,28  223,4.  243,23; 
ein  u.  mnget  228,  15. 
unverwertsalot  223,  3 (G). 

22S,  15  (Gl. 
unvlatec  244,8. 
unvla'tikeit  63,85. 
unvrl,  des  llbes  u.  des  guotes 
35,7. 

unvride  64, 22 ; u.  machen 
218, 16. 

unvridesam  adj.  21,  35. 
□nrorhtecllche  (unvorteklich) 
adv.  113,  24  f. 

unvuoc  (unvüegc)  adj.:  un- 
gebildet 328,  7. 
unwerbaft  adj.  33,  34. 
unwert,  als  daz  wazzer  26, 20. 

39,  32. 

unwertlich  adj.  verächtlich 
12,  21. 

unwcrtllche  (unwirdcklich 
Var.)  adv  280, 1 (G). 
Unwille  ncm. : n.  hin  keinen 
Willen  haben  211,30. 
unwirdecliehc  adv.  unwürdig, 
mit  Geringschätzung  8, 16. 
280, 1. 

unwirdekeit  102,  is.  292,  15. 
unwirdesch  adj.  unwillig  19, 

23. 

unwis  234,  16. 


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376 

nnwiscclichciunwiskliehloife.: 
u.  stritt  n 95, 13. 
unwitze  stf.  Unwissenheit, 
Torheit  152,  in.  224  , 33. 
unwunno  stf.  310,  G. 
unzallich  adj.  70,  22.  152, 5. 
305,  5. 

umerganclieh  adj.  205,  12. 
unzuht  Stf.  64,  21  f.  273,  4. 
üppec  adj.:  Q.  ruotn  13,  14 ; 
Ö.  kose  15, 13;  ü.  wtc  15,14; 
Q.  dinc  266,  20;  ü.  leben 
267,6.  Q.  zart  275, 10;  üppige 
gedenke  87,  29  f.  148,  18. 
249,  4.  332,  2. 

üppccheit(upkaitlsf/.  Eitelkeit 
der  Welt  118,  s.S.  119,  21. 
129,  25.  255,  4.  255,  8.  280.  9. 
üppecüche  ade.  148,  3*  1 G). 
331,  23  f. 

nrdrutzo  Ueberdruss  331,  19  j 
An  u.  131,20.  239,  4.257,10. 
urdrutzee  adj.  334,  t;  u.  ze 
Gotes  dienste  1 1 5, 10. 
urdruz  stm.  282,  io  (G). 
urhap,  an  Got  euoeben  132,20. 
urkunde,  geben  beete,  b&n 
68,  12.  106,9.  121,  20.  201,3. 
231,23.  273,  23. 238,24.  321.4; 
ein  u.  sin  106,  19.  121,  is. 
123,  ts. 

nrlingo  stn.  Kampf,  Streit 
90.  4.  137,  21.  212,  11;  in 
ein  u.  varn  180, 30 ; dö  sich 
daz  erst  u.  huop  in  himcl- 
rlche  217,  29. 

urloup  lurlop):  u.  geben  den 
minnern  340, 5;  mit  der 
beilgcn  u.  108, 15. 
ursprunc : n.  der  sannen  121, 26  f. 

a.  alles  guotes  1 Gott ) 209,13. 
urstende  stf.  Auferstehung 
Christi  10, 12.  68,11.  212,29. 
297,  8;  jungcatc  u.  306,  15. 
309,  14/. 

nrteil  sin.:  u.  Gotes  3,27; 

stf.  mich  rehter  n.  rillten 
292,  1 

urteilde  sin.  305,  36;  stf. 

diu  jnngestc  u.  306,  15. 
üz)  brechen,  daz  ougo  172,  22 
(Gi;  -g&n  inlr.,  ein  rnoto 


W Ortverzeichnis. 

158,21/;  -gevüercn  104,1; 
-geziehen  118,3;  -giezen  1 5,9. 
67,  21.  271,  5;  -loufen  222,24. 
240,  17;  -scheiden  25,  6; 
-triben,  den  tiuvel  114,  22/; 
-varn  180,  21/  237,  9 /; 
-verläzcn  236,  c (G);  -vlie- 
gen  87,  19;  -vürben  74, 13; 
-werfen  172,  20.  28  (G). 
üzenün  (uzsinan)  adv.  293,  14 
(G). 

üzer  adj.:  n.  dinc  14,  9. 

1 56,  21  f.  öfters. 

Ozcront  (uzsirontl  Präp.  mit 
Dat.  ausserhalb,  ausicendig 
128,n  (G).  111,2  (G). 
Qzgenomcn  pari,  adj.:  diu  n. 
dinc  110,  15. 

Üzgeuomenliche  adv.  208,  15. 
üzvündec  adj.  222,  16  f. 
üzwcndoc  adv.  65,  8 ; adj.  : n 
dinc  231, 1. 


Tal  stm. : den  v.  geriiten  den 
Fall  der  Stammeltem  222, 3 ; 
diu  weit  ist  glich  einem  v. 
203, 18/. 

valsch;  enhein  vclscli  nichts 
falsches  275,  23  (G). 
vancnissc  (vangnustl  stf.  Ge- 
fangenschaft 86,  31. 
vären  nachstellen  mit  Gen.  d. 
Fers.  u.  d.  Sache  38,  36.  279, 
11. 17;  der  sfle  v.  97, 25;  des 
pbftwen  v.  263,  13  /. 
vart:  üf  der  v.  sin  109,  17; 

alle  vart  allzeit  104,  23. 
varwe:  sine  v.  Verliesen  258, 3. 
varwelln  (virwlin)  Demin.  zu 
varwe  119,21. 

vasten  2»2, 15.  244, 19.  333,  24. 
Tater:  fleischlich  - geischlich 
252,  22. 

väterlich  adj.  10. 20. 
vecb  adj-  bunt  44,  22.  46,  8 /. 
vedere : der  sfle  vedran  288, 17. 
vegeviur  stn.  Feg f euer  6,  31. 

216,11.  299,13.  16. 
vehten:  pari,  praes.  20.  34; 

142,  25;  vehtendc  liutc  57,  s. 
vchtcrin  stf.  23,  29.  155, 21. 


veige  adj.:  die  veigen  tiuvel 

69. 11. 

veizt  tfaist):  v.  machen  23,  9/. 
voizte:  in  voller  v.  185. 1 (G); 
gcistlichiu  v.  des  b.  geistes 

23.11. 

vcl,  wizcz  283, 27. 
vellec  adj. : v.  sin,  werden  95, 
14.  189,10.  197,2s.  244,11. 
veilen,  einen  boum  203, 19. 
veltbluome  stem.  270,  s.  325, 
32  /. 

ffnix  268,19. 

venje  Kniefall,  Bu/Uibung  in 
Kloster:  v.  nemen  151,  14. 
154,22.  1S2, 13  /.  202,  24. 
venjen  subst.  Inf.:  mit  veni- 
ande  (venienn  Var.)  244,  20. 
333  24. 

venstcr  «=  5 Sinne  61,27;  — 
Maria  243, 5. 

veralten,  in  den  Sünden  136, 
25.  137,  3. 

verborgcnliche  körnen  17,112. 
verbissen  tr.  schlecht  machen 
144,  5.  164,  19;  refl.  116,13; 
virboister  wille  152,  36  (Gl. 
verboten  sin  8, 13. 
verbrüejen:parf.virbrägit  140, 
20  (G). 

verdamnissc  (verdampnust), 
ewigiu  4,  8. 

verdamnnngc,  ewigiu  45,  16. 
6S,  10  /. 

verdecken  (bedecken  Var.)  11, 
14;  refi.  sich  v.  135,  is; 
subst.  Inf.  An  v.  236,  25  /. 
vcrdeckungc  135, 25  (G).  236,3t. 
verdeneu,  den  lip  236,3;  sich 
V.  236,21. 

verderben  infr.  zu  Grunde 
gehn  70,  20;  fr.  sich  selben 
v.  202,  16. 

verdoln  zulassen  323, 16. 
verdorren  48, 10.  13. 
verdriczcn  102, 14 ; mit  Gen.  d. 
Sache  158,  s /.  199,  9.  21  258, 
■tf- 

verdrozzeniiehe  aefr.  199,  9. 
verdrucken  vernichten  111,5/. 
116, 11  191,7.  27.  259,3.280, 
16;  sich  r.  144,  11. 


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verccundia  «=  schäm  284,  lt. 
vereinen,  sich  mit  Gote  17, 
25.  31  und  öfter s. 
verelienden  refl.  272,  15. 
verenden  fr.  unser  leben  155, 
22;  infr.  120,  21.  203,  22. 
vergebene  adv.  umsonst  68, 6 f. 
67,  3.  168,4/'. 

vergiezen  tr.  ausgießen  198,5/". 
vergift  stf.  3,  29  1 17,  so  f.  118, 
M. 

verguot  — vür  guot  84, 13. 
verhengen  verhängen  169, 13  f. 
174, 1. 

verboln  adv.  heimlich  144,  27. 
verbouwen,  die  Bunnen  -= 
die  Menschheit  Jesu  5,  ao  f. 
verirren  (verierren)  fr.  einen 
in  die  Irre  führen  202,  16; 
infr.  186,  16.  201,  29;  ver- 
irret sin  282,  23.  322,  10. 
verkfren  etwas  böse  auslegen 
194,5  f.  263,30. 

verkCrer  Betrüger  274,  28  (G). 
verkomen  sorgend  verhindern 
279,  31. 

verläzen,  vcrliln  fr.  fortlassen 
87,  3«;  zurücklassen,  hinter- 
lassen 91,15.  198,11;  nach- 
lassen  170,  32  | G);  unter- 
lassen 252, 19  f;  mit  Gen.  d- 
Sache,  frei  lassen  265,  ts; 
einen  ohne  Arbeit  lassen  312, 
22  (Z). 

verfilzen  part  adj.  ausgelassen 
333,  35;  Compar.  Verfasser 
<—  verläzoner)  335, 40. 
vcrläzcnheit  Ausgelassenheit 
224,  c.  334,  11. 

verläzenlichc  adv. : sich  v.  hal- 
ten 299,  u (Z). 

Verliesen : hier  vielfach  Neben- 
form verlieren  27,  34.  57, 
14.  63,  20  f.  88,  15/.  108,  4. 
10.  192,  16. 

verlongenentvcrlogennen,  vir- 
lo’ginncn  G):  sin  selbes  v. 
112,  2. 

vermäsegen  284,  27  (G);  part. 

verm  feget  152,  14. 16. 
vorm  Iden  subst.  Inf.  56,  6 /. 
vernüftekeit  iS,  4. 


Wortverzeichnis. 

vorro  adv.:  v.  nmb  12,9. 
verre  adj.:  in  verriu  lant  229, 
9.  12/. 

verren  entfernen  16,  ll. 
verrihten,  die  sele  ze  himel- 
rlche  254,  7. 

vers:  einen  v.  gesprochen  204, 
14  /;  v.  beten  253,  24. 
versagen  48,  23.  2»;  den  munt 
v.  12,  21. 

verschalten  fr.  verstossen  mit 
Gen.  d.  Sache  204,  21  /. 
verechclkcn  betrügen  116,  13 
(G). 

verschulden  : part.  verschult 
290,  6. 

versehen  fr.  abwenden,  ver- 
hüten 58.  38.  225,  2;  ansehen, 
auffassen  202,  21.  246,  IS; 
refl.  erwarten  195,  13.  196, 
19/.  217,  9. 

vcrselwen  221, 15.  267, 34. 
versenken  11,21.37. 
verseret  sin  126, 12. 
vorsetzen : dem  tiuvcl  versetzet 
sin  329,  19. 
vcrslindcn  1 84,  4 /. 
versmaehede  tversmaehte)  stf. 

59,  27. 

versmichcn,  vetsmähen  13, 14. 

60,  4.  103,  20.  214,  10;  ver- 
smiehet  sin  28, 26. 37, 24  /.  60, 1. 

versrmrhest  superl.  adj.  311, 
26  (Z\:  versmiehtest  318,  3. 
voramähunge  255,  7. 
verstän:  in  guot  v.  12,  2;  an 
Gote  v.  an  Got  merken  1 69, 7 ; 
sich  v.  sich  merken  262,  16. 
verstandenheit  335,  37. 

! verstantnisse  (verstantnust) 
133,  16.  188,  22. 

versteinen  109,  21. 110,  6,  328, 
12. 

versteln  97,  22  /.  109,  27.  279, 
lt. 

versüenen  141,  13  /.  325,  1 /. 
329,  2t. 

versQinen,  sich  11,  3. 
versuochen  173, 14/;  der  tiuvcl 
v.  den  menschen  in  mänger 
wtse  115,4/. 
verswechen  refl.  116,13. 


377 

versweinen  (verswenden  Var.) 
vernichten  265,7  (G).  307,  30 
i^l. 

verswenden  vernichten  265,  7. 
verswerzen  89,6  (G). 
verteilen  verurteilen  135,  5. 
137,  25  (G).  212, 17.  228,4  (G). 
323,  30. 

vertemren,  die  sunnen  300, 27. 
vertragen  ertragen  65,  8.  73, 
34.  162,  5 /.  281,  21.  291,  25. 
311,  14/.  316, 15.  338,  21. 
vertregclich  (vertraglich)  adj. 

verträglich  333, 15. 
vertriben,  die  z!t  44,34.  61,  30. 
vertuon,  daz  leben  331,  26. 
verunreinen  2S1, 13. 
vervähen  infr.  nützen,  helfen 
245,  2.  284,  4. 

vorvam  part.  adj.  vergangen 
188,  22.  219,30.  255,  10.  331, 
25. 

ververwen  243, 10.  14. 
vcrvliczen  intr.  dahin  f Hessen 
1 0 1 ,to ; diu  sele  vervlöz  1 74,15. 
vervluoeben:  ein  vcrvlSchtcr 
mcnsche  208,  21. 
verwandeln  221, 20  (G);  bröt  ze 
vlcische,  win  ze  bluotc  v.  6 
22;  ir  stat  v.  verlassen  55,  29. 
327,  22;  unsere  herron  V.  55, 
33;  einen  bluomen  v.  daran 
Vorbeigehen  325,  27  /;  ver- 
wandelt werden  in  Got  237, 
28 ; refl.  sich  v.  5,  21. 
verwerfen  zurückweisen  322, 
18  /;  einen  willen  v.  ver- 
schmähen 114,3;  refl.  sich  v. 
sich  verschmähen,  verdemü- 
tigen  51,  25.  263,  iS.  274, 
28  (G).  303,  10;  part  adj. 
verworfen  28, 25.  37,  24.  33. 
214,  7.  293,  16.  325,  26. 
verwcrircln  (vcrwicron)  swv. 
in  Unordnung  bringen,  ver- 
letzen 58,  36.  105,  23.  328,  21. 
verwerzalot  (verselwet  Var.) 

verletzt  221, 15  (G). 
verwirken  zu  Grunde  richten 
109,  25. 

verwunden,  daz  herze  60, 15  /; 
verwundet  sin  257, 13. 


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378 


Wortverzeichnis. 


verzem,  unser  leben  61,23.  29; 
sich  v.  118,24. 

vorzihen  abschlagen , entziehen 
47,  14.  107,  1».  178,  15.  SSO, 
1 f.\  refl.  sich  weltlicher 
vröudo  v.  SSI,  10. 
vcrzuckcn  schnell  hinwegneh- 
men 181,  29;  verzucket  sin 
verzückt  sein  128,  3 f. 
verzuckunge:  v.  dersflc  25, 1; 

des  menschen  128, 1 f. 
vestenen  130, 10. 
festina  spolia  predaro  297, 1. 
vetacho  269,  1;  vctche  der 
tugende  288, 12. 
vetzeu:  mit  gevetzotem  ge- 
wandc  mit  zerfetztem  Ge- 
wand 45,  s. 

vezzelln  (vetzli)  — vässltn 
74,  is.  32. 

vtant  (vlent,  vlgint)  58,  39. 
59,  1 1 drierhando  v.  des 
menschen  94,  21  f. 
videlen  S07,  21  (Zt. 
vlentschaft(vlgcntschaft)  53,8. 

189,  2f„  191, 13.  212, 13. 
vlhelich  adj.  157,  8. 1#. 
fiiius  ire  320,  30. 
vinden,  sich  »icA  erfinden,  be- 
trußt werden  209,  31  f. 
vingerlin  44,  22.  46, 15  f.  99,20. 
100,  29  f 

vinsteri  stf.  58,  19.20.  305,  6; 
v.  des  Irrens  201,  24  f\  v. 
der  sünden  210,  3 f. 
viele  stm.  Veilchen  263,  11. 
317,  s. 

vlolvar  adj.  139,9. 
virmunge  5,  35. 
vlretac  2,  2. 

visch,  in  dem  wazzer  18,6. 
vischer  118, 1 f.  122,  4. 
viuhten:  part.  gevülitet  feucht 
machen,  befeuchten  276,  22 
IG). 

viur:  daz  götlich  v.  78,  35;  ■= 
gn.lde  unsere  herren  97,28/". ; 

— hl.  Geist  58, 2;  — minnc 

— 179,  uf\  des  v.  natüre 
179,  1 sf\  v.  in  dem  Isen 
301,  s f;  v.  der  Cwigen  ver- 
damnungc  45,  16  f. 


viurin  adj. : v.  sfil  1S6, 11  f. 
viurtrager  Lucifer  79, 10. 
vlec  stm.  60,i:.  238,18;  drler- 
liande  v.  der  sflcn  298,1  f. 
vlcckcn  beflecken  190,  33 ; gc- 
vleeket  sin  152,  14  f. 
vlöhe : mit  grüzer  v.  38,  25. 
vleisch  (fIPsche  Dal.)  15,1.34. 
94,  22;  zo  v.  werden  Mensch 
ir erden  242,  7. 

vleischlich  adj.:  v.  bekornngo 
244,  is. 

vliege : pt.  fliuga  5,  4. 
vliegen;  ze  himel  v.  93,  24; 

über  diu  grober  v.  264,  15. 
vliezen,  über  allez  himelrtche 
238, «. 

vluc;  einen  kurzen  v.  hän 
204,  21;  in  dem  v.  splso 
nemen  267,  31  f. 
flühtec  werden  109,  23. 
vluoch:  der  v.  gelichet  sich 
einem  schoze  325,  21. 
vogcl  18,  7;  =*  hl.  engel 
47,  22;  v.  mit  des  menschen 
antlütze  266,  9 f:  zweiger 
hande  v.  326,  34  f. 
vogelltn  (vögelli)  22,  27.  58, 26. 
260,  4. 

volbringen  (vollebr.)  46, 21. 

119,28.  335,  33  f. 
volgeu  mit  Gen.  d.  Sache: 
im  des  übelen  v.  173,  12  f. 
volgunge:  diu  v.  nach  Goto 
Nachfolge  Gottes  69, 17. 
volkomen  adj. : ein  v.  mensche 
338, 8. 

volkomenc  (vollckomeni)  stf. 

Vollkommenheit  143,  n. 
volkomenheit  (vollckomen- 
heit):  F.  Gottes  292,24  f.\ 
6 Zeichen  der  V.  50, 8. 10  f. ; 
v.  des  leben»  an  drin  dingen 
336,  9 f. 

volle  adv  109, 16. 
volle  ivSIlil  Fülle,  Vrberfiuß 
(—  vollungo  Var.)  51,29. 
185,1. 

vollec  afij.  26,19.  267,16/". 
vollceltche  adv.  66, 1 sf.  67,19  f. 
vollunge(=  volle  Var.)  50,n/". 
51, 29. 


volrecken,  volrechen  vollstän- 
dig sagen,  erzählen  62, 8 1 Z). 
63,  37.  72  , 8.  104,  7 «?). 
305,  29  f. 
volreden  62,8. 

volrcichen  völlig  erreichen 
104,7. 

volricbcn  « volreichen  ?)  = 
vollbringen  Var.  4, 1. 
volrlche  adj.:  völlig  reich 

314, 17. 

volvüererfn  278, 17. 
fomes  peecati  116,  io/".  117,  t 
vor)  - beeliczen  131,n.  232, 10. 
235,  11  f.  324,  13;  - haben 
vorenthalten  193,  19;  - lin 
83,11.  167,7;  - tragen,  daz 
tugentlich  leben  119,  is ; 
-varn  vorausfahren  152,  ia. 
vorbesmackunge  stf.  Vor- 
geschmack 170, 14.  171,  1. 
vordem : das  vordret  dir  Got 
zuo  60,34. 

vnrgcsmackungo  stf.  Vor- 
geschmack 122, 26. 
vorhin  adv.  zuvor,  zunächst 
44, 35. 

vorhte  Furcht  Gottes  48,  35. 
92,23.  93, 10/.  94,  if.  134,6. 
295,29.  332,6. 

vorhtsam  (vorteam  tadj.  335, 4». 
formieren,  ein  bilde  116,17. 22. 
vorechen  (vörschen)  255,  1*. 
fortis  296, 20. 

foune  (phonne)  swf.  Südwind, 
Föhn  122, 15 f.  ( G ). 
vrtge  guaestio  dubia  under  den 
meistern  54,  26;  einer  v. 
v ragen  319, 18. 

fransmUctekeit  Freude,  Glück 
24,  23.  32,  37.  89,  6 <G).  121. 
27.  281,  32.  327,23/".  338, 32. 
frater  domini  320,  ss. 
vrÄzheit  244,  19 f. 
vreise  Not,  Drangsal  274, 

23  1 G). 

vremde:  Comp,  fromider  14,  in. 

27. 

vremde:  in  ein  fr>'mdi  komen 
von  mir  selben  171,  4. 
vrevele:  in  der  vrävli  tnon 
192,11;  &n  vravelli  334,12. 


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vri:  v.  sin  vor  aller  arbeite 
219,  27. 

vridc:  waz  v.  ist  137,  l 9/  212, 
9 /;  v.  haben  mit  Gote  etc. 
126,  13/  16),  20 /;  V.  im 
Himmel  64,  22  / 161,  10  / 
218,  15.  238,  4;  3 Dinge, 
welche  den  Frieden  etören 
211,  io  /;  4 Dinge,  welche 
den  F.  hindern  279,  5 / ; ein 
gesiht  des  v.  2><8, 16. 
vridebasre  (fridbar)  adj.  207,23. 
vridebseri  stf.  21,  37.  307,  9 [Z). 
vridemacher  Fricdensetifter 
161,  15. 

vridesain  adj.  279,  2 f. 
vrien,  vrigen  befreien  124, 13. 
yrtiieitFreiheil  im  himmlischen 
Jerusalem  213,  2 f.  219, 
IS  f.  249,  29. 

vrisch:  vrischcn  llp  liiln  13, 4. 
vristen  aufschieben  136,  7. 
vritbof  «=  atrium  124, 13. 
vroelkheit  in  Goto  273,  1.284, 
19. 

vrönlichain  6,  28.  28,  14.  198, 
lll/.  312,25(2). 
vrost  32,  19.  41, 33. 
vröudo  die  himmlische,  ewige 
Freude  61,  16  f.  64,  7,  22  f. 
68,  39.  100,  8 f.  102,  19/.  145, 
9.  199, 16.  207,9.218,  16.  241, 
22.  294, 7.  337,  19  /;  geistliche 
Fr.  95,  iS;  v.  in  beswierdo 
6«,  io/;  v.  ßf  dem  wege 
199,:/;  vier  v.  306,  13/; 
Maria  ist  uns  durch  drie 
suche  ein  v.  329,  15 /;  Fr. 
der  Weit  93,  18/  119,  11. 
214,  19/  332, 17. 
vrouwe,  gekürzt  vrö  117, 12. 
vrouwclich  adj.  224, 1.  5. 
vriiuwcn:  sieb  v.  gegen  einem 
8,  25;  sich  der  vröudc  v.  220, 
24/  306,  13  / ; sich  eines 
anderen  heiles  v.  176,  5. 
vruht:  wir  sont  drierhande  v. 
lesen  23,  26/;  v.  diu  ßf  den 
bluomen  walisct  43,  23/.; 
diu  lebende  v.  159,  7;  v.  an 
dem  boume  326, 16  / 
vrühtec  sin  293,  s. 


Wortverzeichnis. 

vrumecliche  adv.  331,«. 
vrumen  nützen  3,  6. 14. 
vrümen  stiften,  bestellen  34 1 , 13. 
vßegen:  die  notdurft  v.  ver- 
schaffen  68,  33;  den  willen 
in  eines  anderen  willen  v.l  73, 
32;  zc  den  himelschen  dingen 
v.  130,  16;  sich  v.  21,  23.  33, 
26,  zu  unreinen  Dingen  79, 
24.  24  /,  zu  der  Seele  133, 
9 /;  in  Got  gevüeget  sin  1 32, 
25/  308, 10;  infr.  224,30/;  ez 
v.  sich  wol  189, 17/  221, 
11/  222,2/ 
vuhs  35, 17.  3 26,  25.  32. 
vßlcn  (fulan  u.  vßlin)  faulen 
239,  28.  307, 30  (Z). 
vfiikcit  Faulheit,  Trägheit : 
stillo  &n  y.  334,  11. 
vollen  mit  Gen.  d.  Sache: 
vrönden  u.  gelustes  v.  17 1 , 9. 
fundament  (fundmict)  stn.  84, 
33/ 

vuore  stf.  Speise  136,  31  (G). 
207, 10.  268,  3. 

vuoren  23,  0 / 38, 33.  53,  5.  7. 
92,  2 (G).  214,  30.  240,  6.  308, 
31  (Z). 

vnozschcmcl  99,  21.  129,  s. 
vuoztrit  224,  2. 
vür:  vürwärs  < vür  würcz 
195,  14;  ver  guot  84,  13; 
vürdaz  mo  fürderhin  240, 4. 
vürj-bietcn  vor  sich  halten,  den 
Schild  240,21,  miltekeit  v. 
27  9,  32;  - bringen  228,  3/; 
- denken  224,  16;  - legen, 
sich  156,  21.  157,  13/;  - 
nemen  129,  31 ; - reichen 
115,  22  (G);  - sehen  4,28, 
daz  ist  vürsehen  <fn/tir  ist 
gesorgt  211,  14;  • setzen, 
tralita  20,  s;  - vüeren  104, 
24/;  - wein  1 19,  3. 
vfirbaz  adv.  13,  2;  v.  körnen, 
loufen,  bringen  25S,  14. 19,  29. 
vürder  varn  92,  20. 
vürcrwcllungc  Vorerwählung, 
Auserwählung  119,  7.  121, 
18/ 

vürsehunge  stf.:  v.  künftiger 
dinge  168,  23. 


379 

vürspreehe  Fürsprecher  107, 
21.  197, 32.  225, 1. 
vürste,  ein  edeler  244,  6. 
vürvamdo:  daz  vßrvarende 
leben  (<  vervarnc)  vergan- 
gen 130,  3/ 

W&c  stm.  Woge  59,  33. 
wachen,  daz  333,  24. 
wäfen:  din  w.  tragen  2S6,  22; 
w&fcn  (vafina,  vafena  Z) 
Wehruf  89,  20  (G). 
wüfenen  (wieflen)  57,16.93,  3/ 
wiege  adj.  überlegen,  vorteil- 
haft 279,  25. 

wägen,  den  llp  51,  13.  325, 12/ 
wagenwee  12, 10.  13,  5. 
wsehe  adj.  zierlich,  fein  333,34. 
wahs  17,  36.  37,  3. 
wahsen,  in  einen  volkomnen 
man  180, 4. 

wiejen  u.  wiegen  vom  (find 
34,  11.  23;  ze  Gote  gewseget 
64, 14;  vom  Blut,  nachrinnen 
29,  28. 

wandcl:  än  allen  w.  ohne 
jeden  Wechsel  230, 26. 
wandelbare  (wandelbar)  adj. 

196,  is.  230, 25. 
wandelbaeri  subst.  255, 10. 
wandeln,  sich  eon  Gott,  sich 
verändern  306,  3. 
wandclunge  stf.  Wandel,  Auf- 
enthalt 37, 15.  119,  7.  317,  4; 
w.  des  nntlütz  Verwandlung, 
Wechsel  99,  4 ; w.  der  weite 
140,  28  (G). 

wange:  zedem  wangen  slahen 
323,26;  diu  wangen  värwen 
101,  28;  wangen  jucken  5,1. 
wannen,  wannan  262, 11. 
wär  hän  Recht  haben  113,6. 
wärheit:  götlichin  w.  157, 2:/; 
diu  Orste  w.  Gott  235,  4/; 
mit  wärhet  36,  32;  w.  ver- 
dirbet  in  vil  rede  340,  3. 
warten:  in  den  himel  w. 

nachschauen  288,  1 / ; einem 
des  endes  w.  336, 2/ 
wartungo  stf.  Erwartung  122, 
18. 

waschen,  wüschen:  sich  w.  in 


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380 

dem  brumien  5$,  32;  mit 
trähennen  w.  170,  4. 
wa*chhft8|wa>schlius)«(n.  bild- 
lich 339, 20. 

wazzor  26,  18  /.  39,  32/.;  diu 
lebcDdon  w.  23S,  u (G). 
wazzcrbluomc  264,  an. 
wö:  w.  sin  175,15;  w.  tuou 
176, 1 /.  161, 17.  216, 18  /. 
wec:  enger  w.  13,  ll;  steiniger 
w.  45,  18;  von  dem  unrehten 
u von  dem  rehton  w.  186, 

1 /.;  üf  dem  w.  ein  308,27; 
von  dem  w.  körnen  40,  5; 
lengern  w.  stiodien  331,  14; 
w.  des  vihes  157, 4 /. ; w.  der 
reinkeit,  dcmüctekcit  158,  I 
25  /.  159,  22;  der  weit  w. 
155,  if.  187,8;  enkein  w. 

— enkein  wls  Var.  113,25 
(G);  von  einen  wegen  333, 

13. 

wegtrro  (wegerj : ein  w.  der 
geistc  269,  2 (G). 
wegebluomc  ttem.  Sonnen- 
blume 268,  c. 

wegen,  daz  honbet  334,  8 f. 
weide  53,  5 /.;  'drierhande  w. 

23, «. 

weinen  als  geistl.  Übung  21, 

27;  sin  sündc  w.  333,  27;  ir 
herzelieben  kindes  sfr  w. 
304,  33  (Gl. 

weizenkorn  28,18.  ISO,  u. 
wellelin  Dentin,  tu  welle:  zo 
w.  werden  312, 37  (Z). 
weit  94,  21  f.  1 18,  if.  128,18/; 
157,  a / 280,  s /.;  bOsheit 
der  w.  60,  24.  128,  20  /. 
157,  6;  der  w.  ir  rcht  ge- 
ben 285,  6.  320,  14  f:  die 
W.  ist  unrein  324,  ic;  ist 
unstät  101,  8.  *2 13,  25.  264, 

27.  336,  31.  340,  4;  gleicht 
dem  Monde  99,  30.  100,  3; 
dem  Gold  110,  3 f.  140,  21  f.\ 
einer  Frau  119,11;  einem 
vallo  203,  l %f. 
wenkeu  331,8. 

werben,  nach  dem  himelriche 
248,  i(. 

wert:  guotiu  werc  5,  s.  58, 


Wortverzeichnis. 

10.  59,21.  97,30  98,3.  115, 
26.  117,28.  IIS,  18.  27/.  120, 
3.  121,14.  142,13.  151,10. 
152,8.  157,18.20.160,21.  161, 
26.  198,28.  201,12.  229,18. 
261,10.  is  /.  273,8/.  308,20. 
330,  is/.;  reinkeit  der  w. 
42,  io;  vollekomcnheit  der 
w.  337,37/.;  w.  würken  ISS, 
5;  w.  neben  188,  23/. 
werken  (werehen)  2,4.  11,7. 
21,  28  etc. 

werkerinno  twerchcrin)  stf. 
143,5. 

wem  leisten,  bezahle»  1,4; 
gewert  werden  erhalten  22, 
3.  II. 

werren  stören,  hindern,  auf- 
halten 20, 5.  67, 13.  89, 4 /. 
100,23.  118,  13/  216,20.  22. 
263,  25.  245,  IS  (G|. ; waz 
wirret  mir  was  liegt  mir 
daran  194, 1. 

westerhuot  Taufkleid  26,  37 
wichus  (wighus)  festes  Gebäu- 
de: ein  w.  aller  heilikeit 
155,  21. 

widerbildnngo  stf.  Schaffung 
eine*  Ebenbildes  274,8. 
wider] -bredigen,  den  gionben 
gegen  den  Glauben  predigen 
7,36 ; -bringen  zurückbringen 
271,3,die  bluomen  w. texeder- 
herstellen  48,8;  -geben  53, 
33/.  54,  if. ; -gelten  60,23; 
-grisgen  zurückprallen  30, 22 ; 
-kören  zurückkehren  zu  Gott 
63,  22.  105,  3/.  169,  11.  209, 
28 /.  256,  26/.  272,  1.  312,1. 
318,15.325,22;  -komenl05,2. 
144,7/.  292,7/.,  Wiederauf- 
leben 325,  24/.;  -kouten,  mit 
sim  töde  168, 12;  -leben  tr. 
wieder  erleben  58,  21  /. 
widcrhellec  atfj.  teiderspre- 
chend  218,  5. 

widerboeree  adj.  « ungehie- 
rec  Var  ) widerspenstig  191, 
22  <G).  279,  26. 

widermnot  122,  2.  162,  s.  175, 
10/. 

widerräten  47,  so. 


Widerreden  96,  8. 
widersacho  swm.  Widersacher 
279,  6.  280,  8.  323,  15. 
widersagen  entsagen  278,  3/. 
widerstän  27,31.  69,  23/.  172, 
35.  2S5,  3 f. 

widervam  12,  20  13,  15.  24,  8. 

98,  16.  189,  5.  213,  17.224,28. 
widerwerfen  verwerfen  237, 

1 1G1. 

widerwerto  stf  ? 316, 14  i/T). 
widenvertec  adj.  143,  16  (G). 
widcrwertechoit  (widerwart- 
haitl  150, 13.  273,  2S. 
widerwertecliche  adv.  176,25 
(G). 

widerzreme  adj.  unschicklich, 
widerteärtig,  absto/iend  14, 
14. 20, 29.  141,  2.  203,  13.  214, 
13.  339,  4. 

wilde:  daz  herze  ist  so  w. 
204, 10. 

wile:  alle  die  w.  91,4/. 
wille;  later  w.  41, ss;  vennäa- 
geter  w.  152,  14.  le;  vrier 
w.  165,s/.;  des  menschen 
w.  — priol  in  der  s«  le  27, 
25;  ist  der  obrost  in  der 
söle  11 1, 21  f.;  seinen  eigenen 
IV.  aufgeben  69,  23.  68,  so. 
111,  24/  211,28.  333,  3. 
wln : wiz,  r6t,  gewürzter  293, 
18  /.  309, 12.  22. 
wtngarte  Weinberg  294.  8. 
winkcllcr  13,  8. 
winken  subst.  Inf.  256,  2/ 
289  .4nm. 

winker:  daz  winken  nemen 
für  den  w.  256,  4. 
wlnnaht  tac  37,  20;  win nähten 
44,s. 

wtnrebc,  diu  himclschc  293, 
15/. 

winstcr  ( vinstcri  adj.  link 
35, 80.  123,  18.  124,23;  w.  alte 
257,  18/  (G). 

wint : in  den  w.  werfen  66. 

26/ 

wlp:  daz  boese  w.  168,17; 

ein  geischliche  w.  172,  stf. 
wirdecheit,  werdekeit  st/.  41. 
24.  43,  7.  16.  47,  26.  63,  31. 


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102,17  /.  106,11.  142, 11  /. 

114,  s/.  157,  3.  5.  209,  2S. 
Wirt  19,  22.  27.  85,  16. 
wirtinne  247,  8. 

Wirtschaft  Gattmal,  Schmaus 
9,  33.  20,  il  /.  4t,  6 /.  45,  9; 
w.  hän  mit  u.  herron  85.  26. 
87.  io;  himelschiu  w.  177,  7 /. 
wisc  Hiesc  S17,l. 
wtsc  nrlj.:  w.  von  der  schritt 
u.  von  natürc  188,  2;  der  hl. 
Reist  machet  wtse  12,  7. 
wisheit  des  Menschen,  Tugend 
der  IV.  12,7.  187,31;  Gottes, 
vor  allem  des  Sohnes  142,  2. 
152,  4 /.  205,  24  /.  232,  3 /. 
234,  12  /.  274,  4.  289,  1.  336, 
16  /;  bauch  der  w.  146,12. 
wisliche  adv.:  Got  w.  minnen 
167,  2.  172, 1 /. 

wtssage  David  beew.  Solomon, 
Aussprüche  derselben  37,38. 
70,  19.  73,  39  /.  80, 13.  88,  33. 
69,  2 /.  90,  4.  93,  23.  95,  19. 
98.  il.  14.  104,  24.  109,  2 /. 
113,  27.  121,9.  122,  14.  123,1. 
128,  17.  137,  12.  156,  16.  157, 
20  /.  159,  9.  21.  169,  11.  171, 
16.  182,  17.  183,  18.  164,  9. 
21.  185,  11.  187,  18  /.  197, 
19.  199,  il.  201,  5.  203,  1B. 
205,  8.  206, 16.  228,  19.  249, 1. 
262,  17.  299,  3.  290,  2.  298,  4. 
304,  3 /.  308,  13  I Z).  19  | Z). 
308,32  /.  310,20.  312,10.  330, 
22;  die  Propheten  64,  25. 
329,  l. 

wlssagen  103,4.  158,  21.  227, 

26. 

wtstuom  stm.:  der  wise  w. 
275,  19. 

wlt  machen,  den  mnnt  308,  20 
(Zf.  310,  17. 

witehopfc  (widhoph)  263,  u f. 
witen,  daz  herze  246,  n ; infr. 

der  wec  wltet  187, 14. 
wltcm  sicr.  intr.  187,  23. 
witewe,  witwe  1S0,17  (G).206, 
31.  277,  2«. 

wits weife  stf.  Weife  204, 19.  32. 
witsweifee  adj.  204,  io. 
witsweifen  204,  29. 


W ortverzeichnis. 

witze  WeisAeif  83.  5.  85,  14;  w. 
der  tugent  (—  mfize  der  t?) 
216,2. 

witzec:  w.  von  natürc  u.  von 
kiinsten  202,  6 f. 
witzecllcho  adv.  224, 19. 
wizo  (wtsac ) Strafe,  bes.  Strafe 
der  Hölle,  des  Fegfeuers  13, 
7.  27.  15,  29.  32.  56,  3 f.  66,  3. 
60,  18.  216,  8.  13.  264,  11. 
332,  3. 

wizegen  u.  wizen  strafen  104, 
19.  146,  4.  212,  19.  213,  18. 
216,  10.  264,  8.  290,  6. 
wizzen  s.  bissen, 
wolgetieno  stf.  schöne  Gestalt, 
Schönheit  273,  14. 
wolgevallnnge,  des  menschen 
830,  13  f. 

woigezogen  adj.  247,8. 
wolke  u.  wölken  sicm.  u.  stn. 
in  eigentlichen  u.  fig.  Sinn 
203  , 30  f.  220,  12  f.  237,  1. 
300,  21.  26  f. 
woikelln  300,  23. 
wolle  2 23,  22.  24. 
wolluat  u.  wolnust  stf.  Lust, 
Wollust  des  Leibes  58,1. 110, 
7 f.  116,  14  132,  22.  136,  32 
(G).  141,  24.  145, 12.  207,  io. 
209, 12.  18.  214,  20.  233,32. 
256,  13.  25.  258,  s;  w.  der 
ougen  109,  14.  110,5;  garte 
der  w.  158, 12. 

wort:  Gotes  w.  8,7  f.  14,20. 
240,9/':  zweiger  hande  Gotes 
w.  240,  12/;  daz  lebende  w. 
242,  2/;  daz  fwige  w.  228, 
2 /:  müezigez  w.  303,  17 ; 
vollekomenhcit  an  den  Wor- 
ten 337,  23  /. 

wücfcn  (wüffen)  rufen,  schreien 
294,  24. 

wüeste  stf.  im  eigentl.  .Sinne  2 5, 
17.  98,4.  119,  16.  120,  19.  186, 
u /;  w.  bildl.  dirre  weit  186, 
14; — herze  83,32  /;  — hitnel- 
riche  120, 18  /. 

wüctcn:  ein  wüetendez  vinr 
63, 13. 

wunde:  w.  unsere  herren  88, 
35.  70,  1 /.  94,  14.  94,  IS.  163, 


381 

6;  W.  der  Erbsünde  159, 
7 /.  162,26/;  tut  am  dritten 
Tag  am  wehsten  112,10/: 
die  w.  bluoten  sehen  286, 25. 
wunden  verwunden  95,  6. 
wunderherte  (hcrtl  187, 15. 
wundcrkündec  202,  9. 
wunderlich  adj.  wunderbar , 
seltsam  82,  4.  234,  7;  w. 
rede  230,  19;  w.  vrägo  288, 
19;  ir  w.  schcenc  329,  n /. ; 
w.  gcwalt  14.  herschaft  Go- 
tes 220,  29.  31 ; der  w.  Gut 
296,  12. 

wunderliche  adv.  81,  so.  230, 
21. 

wundern  «.  Bich  w.  289,  6. 
291.  1.  4.  314,  14  (Z).  329,  11; 
sich  des  wundere  w.  220,  32. 
wundere (7 re  205,  it. 
wundereüeze  187,  25. 
wunderewiere  187, 24. 
wunderungc  stf.  Verminde- 
rung 205, 14.  208,  29.  210, 2/. 
219,  16/. 

wunderwol  202,  23. 
wunncclich  adj.:  w.  leben  äne 
tot  62,  3.  5. 

wünsch:  mich  w.  hün  97, 11. 
wuochcr  (wuockir)  Wucher  2, 
32;  Frucht  274,  15.  18  (G); 
des  rOsen  w.  275,  28  /. 
wurm:  zo  würmen  worden 
265,  6. 

wurmaezoc  adj.:  wurmstichig 
326, 19. 

ysop  287,  18.  294, 16. 

Zam  < zo  am  271,  30. 
zart  adj.  .'  den  lip  niht  ze  z.  hän 

333. 25. 

zart  stm.  Zärtlichkeit,  Lieb- 
kosung, Wollust  119,  io.  274, 
24/.;  den  z.  vüegen  275,1. 
zarten  mit  Dat.  d.  Pers.  37,  29. 

124.25.  274,5.  308,14  (Z). 
zärtliche  adv.  57,9. 

Zeichen  ( G zachin):  z.  tuon 

Wunder  wirken  30,5/.  114, 
»/.  117,24  (G).  118,30  (G). 
296, 18;  Gotes  z.  tragen 
92,  6;  z.  an  rfen  Werken 


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382 


Wortverzeichnis. 


60,  34;  gcisehlichiu,  lipllchin 
z.  1 14, 14  /. 

zeichcnen : ein  gezeichentcr 
brunne  46, 32. 

zein:  ein  z.  gienc  von  einen 
ougen  0z  ein  Strahlenschein 
105  , 27  IG). 

zelle  Klosterzelle  2 1 1 , s.  339,  16. 
zellen:  Got  zo  keinen  heilgen 
z.  28,23. 
zepter  30,  is. 

zorbtiuwen  zerbläuen  29, 31. 
zerbrechen  intr.  291,8  (G); 
tr.  die  sunnen  z.  231,  16. 
255,  24. 

zerdenen  (zertenen):  part.  zer- 
tcut  u.  zertennet  10,  4.  36, 
14.  18.  106,  24.  313,  6. 
zerdreschen  (zertröuehen)  279, 
26. 

zergän  90,24;  part  ein  zir- 
gnnginre  tac  141,  17  /. 
zcrganclich  adj.  17, 7.  264,  2». 
332,  17;  z.  dinc  15,  31.  65, 
17.  129,  27.  184,  8.  237,  11. 
258,  5.  283,  3.  333,  33;  z.  weit 
307,14;  z.  guot  110,24  209, 
8;  z.  vröude  265,9;  z.  licht 
32,  37;  z.  wort  228,2;  z. 
schoene  119,20. 

zerknisten:  sin  antliltte  was 
zerknistet  29,  34. 
zerlin  tr.  auseinandergehen 
lassen,  sich  verbreiten  56,  36. 
57,32/. 

zerschrinden  Bisse  bekommen, 
au/springen  184,10. 
zerspnejen  (zerspraigem  ver- 
teilen den  lön  220, 13. 
zertuon,  die  gnade  301,  c;  mit 
zcrtilncn  armen  312,3. 


zerungc  Zehrgeld  199,22.  z. 

ze  himclrtche  200,6. 
zervliezen:  von  wunnen  z. 
185,6;  von  minnen  derminne 
z.  813, 7 /;  ein  BÜozekcit  zer- 
vliuzet  in  mlner  sele  171,6/. 
zerwerfen  zerstreuen  66,  27. 
zcsamenl  -binden  45, 13.  55, 
13.  19.  102,7;  -slahen  269, 
1.  270,  2;  - vollen  312,  37 
(Z);  -viiegen  63, 16.  65, 21  /. 
152,3.  174,19.  203,16  306,8. 
318,14  (Z). 

zese  (zeswci  adj.  u.  subst. 
recht,  die  Rechte  25, 4.  31,34. 
35,  31.  90,  13.  95,  24.  123,  17. 
124,23.  324,  7.  25. 
ziehen:  an,  in  sich  z.  12,  13. 
1 63, 19.  1 64,  5 ; zo  himclrtche 
z.  33,  24;  refl.  3,23 /;  sich 
entziehen  15,  15.  73,  17.  203, 
23/;  sich  in  sich  selben  z. 
157, 11.  233,  30;  part.  ge- 
zogen auf  erzogen  118,  20  /.; 
wol  gezogen  247, 8. 
zieren : daz  hüa  z.  247, 11 ; 
sich  z mit  tugenden  25, 13. 
42,  12;  mit  varwe  119, 12  f.; 
gezieret  sin  als  ein  brQt 
208, 6. 

zimberman  203,  3/.  255,  21. 
zimbera  140, 12. 
zinnen,  des  tcmpels  192, 18. 
zins:  zo  zinse  geben  319.21. 
zltec  sin  reif  266, 2. 
zitlicke  adv.  frühzeitig  29,13. 
59,36. 

zitlfise  317,4. 

zinre  « zc  tiuro  oder  ze 
ziere?)  333,32. 
zorn  245, 9. 


zouber  (zober)  4, 27. 
zucken  wegnehmen,  entreißen 
29,2«.  30,21.  69,  11  /.  279, 
26.  310,  24;  ab  dem  stuole 
z.  mit  Gncalt  icegriehen 
323,17;  einen  z.  — kripfen 
222,  26  (Gi;  sich  z.  in  sich 
selben  156,23.  157,  9.  13. 
znbt  stf. : guotiu  z.  154.  7. 

179,  I.  247,  5.  252,  9 /.; 
mägtlich  z.  224, 6 ; zuht  ine 
unzuht  64,21/. : personifiziert 
273,  2. 

zühtecltchen  adv. : sich  z. 
halten  333, 30. 

zunge:  niuwc  z.  reden  115, 

28  /. 

zünslüpfcl  stm.  Zaunkönig  87, 
so. 

zuoj-komen  geschehen  142.2s/.; 
- legen  84,  1.  97,  29.  98,  1. 
143, 1. 

zuoganc  107, 14. 
zuokunft,  unsere  herren  44,  19. 
46,  29.  71,  9.  75,  18.  83,  Ja. 
251,3.  312,  24. 

zuovereibt  206,  21  /.  235,  2 0 /. 

290,  I.  324,  21. 
zwahen  s.  twahen. 

7. wäre  adv.  / üncahr  259,  22  (Gk 
287,  14:  ji  z.  294,  15. 
zwelfboten  Apostel  50,  21.  72, 
27  /.  163,  12/.  182,  22.  M. 
206,  27.  211,  21.  212,  s.  229, 
1.  247,  6.  248,  9. 
zwi  stn.  Zweig  159.6  (G)  (•« 
zwlc  A)  197  , 23.  277,  27. 
zwlgen,  fraht  159,  4. 
zwivalt  adj.  doppelt  S,  33. 
zwivcllich  afij.  336.  2. 


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Ergänzungen  und  Berichtigungen. 

1 : ru  Predigt  1 ff.  vgl.  die  Lesarten  der  Hg.  S.  Seite  342.  8:  zu  Predigt  3 vgl.  Schön- 
bach, Studien  zur  Geschichte  der  altdeutschen  Predigt  VI.  Stück.  S.  124.  10:  zu  Predigt  4 

vgl.  Pfeiffer-Strobl,  Berthold  von  Regensburg  II,  664  und  Schönbarh  a.  a.  0.  VI,  I I I.  12  23:  l. 
h'itont  sfl  sich  daz  sü  sich  öch  niemer.  17  2 2:  statt  sei  ist  wohl  seb  (<  gelb)  zu  lesen. 

18  11:  ist  die  Interpunktion  zu  streichen.  23  4:  st.  fride  l.  waide  mit  A.  24  4:  bessere 
Lesart  S.  35  7:  siehe  richtige  Lesart  in  S.  67  Anmerk.  6:  I.  sprichst  statt  pricbet. 

61  ig:  vgl.  Schönbach  a.  a.  0.  VI.  Stück,  S.123.  67  32:  L stungen  der  statt  stungender. 

69  17:  vgl.  Zeitschr.f.  deutsche  Philol.  14  (1882),  64  ff.  74  m:  I.  verminst  statt  Vernunft  78  An- 
merk. 4:  bc«t  vor  ross.  92:  in  den  Lesarten  zu  Nr.  36  ergänze  Z.  12  andir  ist  d.  20:  l.  also 
sp\  s.  Paulus  so  bis  22.  93  Lesart  26:  l.  fibersilbim  statt  tiberailbern.  94  Lesart  24:  I.  tach 

statt  tag.  96  Lesart  1:  l.  her  David  fehlt  G,  David  Z.  96  Lesart  14:  den  fehlt  G. 

23:  Dirr  br.]  der  br.  daz  G.  141  11:  richtige  Lesart  mit  G verbötet  statt  vertribet,  dann  und 

die  er  ratet  233  1:  richtiger  drie  statt  die.  32:  wohl  richtig  ermazzen. 


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Druck  rou  J.  B.  Hirschfdd  in  Leipzig. 


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Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  X.  Ild.  Tafel  I. 


I . 

I 

I 


1 


V. 


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Bl.  1 1 (Druck  S.  1 ). 


o 

H 


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Bl.  35 v (Druck  S.  163). 


• 4 » 

Deutsche  Texte  des  Mittelalters 

herausgegeben 
von  der 

Königlich  Preußischen  Akademie  der  Wissenschaften. 


Band  IX. 


Tilos  von  Kulm 

Gedicht 

Von  siben  Ingesigeln 

aus  der  Königsberger  Handschrift 

herausgegeben 

von 


Karl  Kochendörffer. 

Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck. 


BERLIN 

Weidmannsche  Buchhandlung 
1907. 


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Verlag  der  Weidmannschen  Buchhandlung  in  Berlin. 

Deutsche  Texte  des  Mittelalters 

herausgegeben 
von  der 

Königlich  Preußischen  Akademie  der  Wissenschaften. 


I.  Band:  Friedrich  von  Schwaben.  Aus  der  Stuttgarter  Handschrift  heraus- 

gegeben von  Max  Hermann  Jellinek.  Mit  einer  Tafel  in  Licht- 
druck. gr.  Lex.  8.  (XXII  u.  127  S.) Geh.  4.40  M. 

II.  Band:  Rudolfs  von  Ems  Willehalm  von  Orlens.  Herausg.  vonVictorJunk. 

Mit  3 Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XL1II  u.  277  S.)  Geh.  10. — M. 

III.  Band:  Johanns  von  Würzburg  Wilhelm  von  Österreich.  Herausgegeben 

von  Ernst  Regel.  Mit  2 Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8. 
(XXII  u.  334  S.) Geh.  10.—  M. 

IV.  Band:  Die  Lehrgedichte  der  Melker  Handschrift.  Herausgegeben  von 

Albert  Leitzmann.  Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8. 
(XIV  u.  55  S.) Geh.  2.40  M. 

V.  Band:  Volks-  und  Geseilschaftslieder  des  15.  und  16.  Jahrhunderts. 

1.  Die  Lieder  der  Heidelberger  Handschrift  Pal.  343,  herausgegeben 
von  Arthur  Kopp.  Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8. 
(XVIII  u.  254  S.) Geh.  7.60  M. 

VI.  Band:  Eisbet  Stagel,  Das  Leben  der  Schwestern  zu  Töß,  herausgegeben 

von  Ferdinand  Vetter.  Mit  2 Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8. 
(XXVI  u.  132  S.) Geh.  5.—  M. 

VII.  Band:  Die  Werke  Heinrichs  von  Neustadt,  herausg.  von  Samuel  Singer. 

Mit  3 Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XIII  u.  534  S.)  Geh.  15. — M. 

VIII.  Band:  Heinrich  von  Hesler,  Apokalypse.  Herausgegeben  von  K.  Helm. 

(im  Druck.) 

IX.  Baud:  Tilos  von  Kulm  Gedicht  von  siben  Ingesigeln,  aus  der  Königs- 

berger Handschrift  herausgegeben  von  Karl  Kochendörffer.  Mit 
einer  Tafel  in  Lichtdruck.  (Im  Druck.) 

X.  Band:  Der  Prediger  von  Sand  Georgen,  aus  der  Freiburger  Handschrift 

herausgegeben  von  Karl  Rieder.  (Im  Druck.) 


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Deutsche  Texte  des  Mittelalters 

herausgegeben 

von  der 

Königlich  Preußischen  Akademie  der  Wissenschaften. 

Band  X. 


Der  sogenannte 

St.  Georgener  Prediger 

aus 

der  Freiburger  und  der  Karlsruher  Handschrift 

herausgegebeii 


Karl  Rieder. 


Mit  zwei  Tafeln  in  Lichtdruck. 


BERLIN 

Weidiuannsche  Buchhandlung 
1908. 


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Verlag  der  Weidmannschen  Buchhandlung  in  Berlin  SW.  68. 


Deutsche  Texte  des  Mittelalters 

herausgegeben 

von  der 


Königlich  Preußischen  Akademie  der  Wissenschaften. 


I.  Band: 

II.  Band: 

III.  Band: 

IV.  Band: 

V Band: 

VI  Band : 

VII.  Band: 
VIII  Band: 

IX  Band 

X Band: 

XI  Hand: 

XII  Band: 
XIII.  Band: 

XIV  Band: 


Friedrich  von  Schwaben.  Aus  der  Stuttgarter  Handschrift  herausgegeben 
von  Max  Hermann  Jellinck.  Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8 

(XXII  u 127  S i 1904  Geh  4.40  M. 

Rudolfs  von  Ems  Willehalm  von  Orlens.  Herausg  von  Victor  Jonk 
Mit  3 Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XLI1I  u.  277  S i 1905.  Och.  10  M. 
Johanns  von  Wörzburg  Wilhelm  von  Österreich.  Herausg  von  Ernst 
Regel.  Mit  2Tafeln  in  Lichtdruck.  gr  Lex.  8.  i XXII  u.  334 S.)  1906.  Geh.  10  M 
Die  Lehrgedichte  der  Melker  Handschrift.  Herausgegeben  von  Albert 
Lcitzmann.  Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8 (XIV  u.  55  S ) 1904 
Geh.  2.40  M. 


Volks*  und  Gesellschaftslieder  des  15.  und  16.  Jahrhunderts.  I.  Die  Lieder 
der  Heidelberger  Handschrift  Pal.  34.3,  herausgegeben  von  Arthur  Kopp 
Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck  gr  Lex.  8.  (XVHl  u 254  S t 1905.  Geh.  7.60  M. 
Elsbeth  Stagcl,  Das  Leben  der  Schwestern  zu  T6ß.  Herausgegeben  von 
Ferdinand  Vetter  Mit  2 Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XXVI  u.  132  S) 

1906  Geh.  5 M. 

Die  Werke  Heinrichs  von  Neustadt.  Herausgegeben  von  Samuel  Singer 
Mit  3 Tafeln  in  Lichtdruck  gr.  Lex  8 (XIII  u.  534  S.)  1906,  Geh.  15  M 
Heinrich  von  Hesler,  Apokalypse.  Aus  der  Danziger  Handschrift  heraus- 
gegeben  von  Karl  Helm  Mit  2 Talein  in  Lichtdruck,  gr  l.ex.8.  (XXu.414S ) 

1907  Geh.  12  M 


Tilos  von  Kulm  Gedicht  von  siben  Ingesigeln.  Aus  der  Königsberger  Hand 
sebrift  herausgegeben  von  Karl  Kochendörffcr.  Mil  einer  Tafel  in  Licht- 
druck gr.  Lex.  8 (Xii  ii  110  S.)  1907  Geh.  3.60  M. 

Der  sog.  St.  Georgener  Prediger.  Aus  der  Freiburger  und  der  Karlsruher 
Handschrift  herausgegeben  von  Karl  Rieder.  Mit  2 Tafeln  in  Lichtdruck. 

gr  l.ex.  8 (XXIV  u.  383  S.)  1908  Geh.  15  M 

Die  Predigten  Taulers.  Aus  der  Engelberger  Handschrift  und  aus  Schmidts 
Abschriften  der  verlorenen  Straßburger  Handschriften  herausgegeben  von 
Ferdinand  Vetter.  (Im  Druck.) 

Die  Mcisterlieder  des  Hans  Folz.  Aus  der  Münchener  Originalhandschnh 

herausgegeben  von  August  Mayer. 

Der  große  Alexander.  Aus  der  Wernigeroder  Handschrift  herausgegeben 
von  Gustav  Guth  Mit  2 Taleln  in  Lichtdruck  gr.  l.ex.  8.  (XII  u 102  St 

1908 Geh  4 M 

Die  sog.  Wolfenbüttler  Prianiclhandschrlft.  Herausgegeben  von  Karl  Euling 
Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck  gr  Lex  8.  pA^Ill  u 243  S.i  19118.  Gell  9 M. 


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